Artikel: Karolinger
| | Karolinger | Deutsche Geschichte im Mittelalter |
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Einhard (†840), der Biograf Kaiser Karls des Großen (768-814), schildert in seiner Vita Caroli, der "Lebensbeschreibung Karls des Großen", den Übergang von den Merowingern zu den Karolingern als folgerichtige historische Entwicklung von den seiner Meinung nach machtlosen Herrschern der ersten fränkischen Königsdynastie zu den machtvollen Königen und Kaisern des zweiten fränkischen Herrscherhauses. Die Karolinger lassen sich zurückverfolgen bis zum Auftreten der Arnulfinger-Pippiniden (-Karolinger) Arnulf, Bischof von Metz (614-629), und Pippin des Älteren, Hausmeier in Austrien (624/25-639), in der Regierungszeit der Merowingerkönige Chlothar II. (613-629) und Dagobert I. (623/29-639). Pippins Tochter Begga (†693?) und Arnulfs Sohn Ansegisel (†n.657) begründeten durch Heirat und Nachkommenschaft die Hausmeierdynastie der Arnulfinger, später nach Karl Martell (714-741) als Karolinger bezeichnet.
_ Mit dem Aufstieg der karolingischen Hausmeier in Austrien verstärkte sich der Gegensatz zwischen den Teilreichen Neustroburgund und Austrien ("Staatsstreich" Grimoalds 657/62?, Regentschaft der Königin Balthilde [†680/81] in Neustrien, Hausmeier Ebroin), der letzte regierungsfähige Merowingerkönig und Gesamtherrscher Childerich II. (673-675) wurde ermordet. Die Merowingerkönige danach waren - so will es die frühmittelalterlich-karolingische Überlieferung - "Schattenkönige", sie hatten mit den politischen Kämpfen des ausgehenden 7. und der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts nichts zu tun. Sieger der Auseinandersetzungen um die Macht im Frankenreich war der karolingische Hausmeier und princeps Pippin der Mittlere (†714; Schlacht bei Tertry 687); Pippins Enkel Pippin der Jüngere (741/51-768) sollte den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) absetzen und selber König werden (751). Auf die Merowinger folgten die Karolinger als Herrscher im Frankenreich. Beim Tod des ersten Karolingerkönigs erfolgte wiederum eine Teilung des Frankenreichs, diesmal zwischen Karl (dem Großen, 768-814) und Karlmann (768-771). Nach dem frühen Tod Karlmanns (771) war Karl der Große Alleinherrscher und erweiterte das Frankenreich beträchtlich (Eroberung des Langobardenreiches 773/74; Eroberung Sachsens 772-804; Angliederung Bayerns 788) bei Ausformung eines christlichen Reiches und Erwerb des (römischen) Kaisertums (800). Der Rahmen der "karolingischen Renaissance" bot die Möglichkeit von Reformvorhaben (Schriftlichkeit, Admonitio generalis [789], Gesetzgebung und Kapitularien), die von Karls Sohn Ludwig dem Frommen (814-840) zunächst (Aachener Reichsversammlung 818/19) und unter Betonung der Reichseinheit (Ordinatio imperii 817) konsequent weiterverfolgte. Krisenerscheinungen im Frankenreich traten im Zusammenhang mit Normanneneinfällen und Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und seinen Söhnen auf. Im nach dem Tod des Kaisers ausbrechenden Bürgerkrieg setzten sich die jüngeren Söhne Ludwigs gegen ihren Bruder Kaiser Lothar (817-855), dem Verfechter der Reichseinheit, durch (Schlacht bei Fontenoy 841). Der Vertrag von Verdun (843) besiegelte die Teilung des Karolingerreiches in ein West-, Mittel- und Ostreich und damit das Ende aller Reichseinheitspläne. Lediglich zwischen 885 und 887 sollte noch einmal ein geeintes Reich unter Kaiser Karl III. (876-887/88) entstehen, während sich Westfranken unter Kaiser Karl II. dem Kahlen (840-877) und Ostfranken unter König Ludwig II. dem Deutschen (833/40-876) konsolidierten und das Mittelreich sich zergliederte (Teilung 855, Teilung Lotharingiens [Vertrag von Meersen] 870). Das Jahr 888 sah - bei fortschreitendem Aufstieg von Adligen und Großen als Mittelgewalten - die Ablösung der Karolinger im Westfrankenreich, Italien und Burgund. Mit Ludwig dem Kind (900-911) erlosch das karolingische Königtum im von den Ungarn heimgesuchten Ostfrankenreich (911), mit König Ludwig V. (986-987) im Westfrankenreich (987). West- und Osfrankenreich, Burgund und Italien verstanden sich bis ins 11. Jahrhundert hinein dennoch gemeinschaftlich als Nachfolgereiche des regnum Francorum.
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| | Stammtafel der Karolinger:

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| | Literatur: Buhlmann, Michael, Das Frankenreich, Großmacht am Anfang des Mittelalters, Tl.1: Geschichte, Tl.2: Anhang, Tl.3: Karten (= VA 37/1-3), St. Georgen 2008, Tl.1, S.26;
Busch, Jörg W., Die Herrschaften der Karolinger 714-911 (= EdG 88), München 2011;
Riché, Pierre, Die Karolinger. Eine Familie formt Europa, Stuttgart 1987;
Schieffer, Rudolf, Die Karolinger (= Urban Tb 411), Stuttgart-Berlin 1992;
Ubl, Karl, Die Karolinger. Herrscher und Reich (= BSR 2828), München 2014;
Text: Buhlmann | |
Bearbeiter: Michael Buhlmann