Artikel: Merowinger
| | Merowinger | Deutsche Geschichte im Mittelalter |
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Die Anfänge der Merowingerdynastie lassen sich bei den Kleinkönigen als Anführer (duces) kriegerischer Gefolgschaften (Heerkönigtum) während der fränkischen "Landnahme" im römischen Reich (5./6. Jahrhundert) verorten (Könige Chlodio, Merowech, Childerich I.). Das Frankenreich entstand als Germanenreich auf dem Boden des römischen Gallien. Mit der fränkischen Großreichsbildung König Chlodwigs I. (482-511) und dessen Übertritt zum christlich-katholischen Glauben (496 oder 507/08) begann die Zeit der merowingischen Herrscherdynastie und damit eine Epoche des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter, die geprägt war durch ein erbliches, Teilungen unterworfenes Königtum an der Spitze eines römisch-germanischen Vielvölkerstaates christlich-barbarischer Prägung. Einer Phase der Expansion des Frankenreichs unter Chlodwig I. und den Chlodwigsöhnen Theuderich I. (511-533), Chlodomer (511-524), Childebert I. (511-567) und Chlothar I. (511-561) (Reich des Syagrius 486, Alemannen 496, Tolosanisches Westgotenreich 507, Thüringerreich 531, Burgunderreich 532/34, Provence 536/37) folgte die des "Bürgerkriegs" (bellum civile, 584-613) unter den Chlotharsöhnen und -enkeln, insbesondere zwischen Sigibert I. (561-575) und dem auch kulturell interessierten Chilperich I. (561-584) bzw. zwischen dem neustrischen König Chlothar II. (584-629) und der austroburgundischen Regentin Brunichilde (†613). Die Bürgerkriege beschleunigten dabei die Formierung der Teilreiche/Reichsteile Neustrien, Austrien und Burgund innerhalb des fränkischen Gesamtreichs. Daran änderten auch die Jahre der Reichseinheit (613-639) unter Chlothar II. (Pariser Reichsversammlung und -konzil, Edictum Chlotharii 614) und Dagobert I. (623/29-639) nicht viel, kam doch den Großen in den Reichsteilen eine immer größere Bedeutung zu (Hausmeier). Die Unmündigkeit der Dagobertsöhne Sigibert III. (639-656/57) und Chlodwig II. (639-656/57) verstärkte den Einfluss des Adels und der Großen auf die fränkische Politik (Hausmeier in Austrien, Regentschaft der Königin Nanthild [†642] in Neustrien). Mit dem Aufstieg der karolingischen Hausmeier in Austrien verstärkte sich der Gegensatz zwischen den Teilreichen Neustroburgund und Austrien ("Staatsstreich" Grimoalds 657/62?, Regentschaft der Königin Balthilde [†680/81] in Neustrien, Hausmeier Ebroin), der letzte regierungsfähige Merowingerkönig und Gesamtherrscher Childerich II. (673-675) wurde ermordet. Die Merowingerkönige danach waren - so will es die frühmittelalterliche Überlieferung - "Schattenkönige", sie hatten mit den politischen Kämpfen des ausgehenden 7. und der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts nichts zu tun. Sieger der Auseinandersetzungen um die Macht im Frankenreich war der karolingische Hausmeier und princeps Pippin der Mittlere (†714; Schlacht bei Tertry 687); Pippins Enkel Pippin der Jüngere (741/51-768) sollte den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) absetzen und selber König werden (751). Auf die Merowinger folgten die Karolinger als Herrscher im Frankenreich.
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| | Stammtafel der Merowinger:
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| | Literatur: Ewig, Eugen, Studien zur merowingischen Dynastie, in: FMSt 8 (1974), S.15-59;
Ewig, Eugen, Die Merowinger und das Frankenreich (= Urban Tb 392), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1988;
Scholz, Sebastian, Die Merowinger (= Urban TB 748), Stuttgart 2015;
Text: Buhlmann | |
Bearbeiter: Michael Buhlmann