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Chinesische Geschichte: Antike, Mittelalter, frühe Neuzeit, Moderne

Den (end-) neolithischen und frühbronzezeitlichen Kulturen und Clangesellschaften entlang Huanghe und Yangzi (ca.8000 v.Chr. neolithische Revolution; ca. 5000-3000 v.Chr. Yangshao, Dawenkou, Liangzhu, Hongshan; ca. 2600-2000 v.Chr. Longshan; ca. 19.-16. Jahrhundert v.Chr. Erlitou; ca. 17.-14. Jahrhundert v.Chr. Erligang; mythische Dynastie Xia) folgten im Zeitalter der Entstehung Chinas (13.-6. Jahrhundert v.Chr.) die bronzezeitlichen Kulturen der Yinxu/Shang, Sanxingdui, Wucheng (13.-11. Jahrhundert v.Chr.). Unter der Dynastie der Shang um Anyang entwickelte sich erstmals Schriftlichkeit, die Clangesellschaft der Shang wurde von den Zhou (Guanzhong) abgelöst (Schlacht von Muye 1122/1018 v.Chr.), deren "familiäres" Herrschaftssystem (Regionalfürsten) durch die "Rituelle Revolution" (von Mythos und Ahnenkult zur Geschichte; 10./9. Jahrhundert v.Chr.) sich zu einem von einer elitären Adelsschicht bestimmten Herrschaftsverband wandelte (Ausbreitung der Schriftkultur). Die auf die Zhou (bis 771 v.Chr.) folgende Epoche Chunqiu ("Frühling und Herbst", 722-481 v.Chr.) war konstitutiv für die Ausbildung Chinas (Fürstentümer Qi, Jin, Chu u.a.; *551-†479 v.Chr. Konfuzius, Konfuzianismus) bei Auflösung der Adelsgesellschaft. Im chinesischen Altertum (5. Jahrhundert v.Chr.-23 n.Chr.) setzten sich dann Bürokratie und Schriftlichkeit vollends durch, die Zanghou-Zeit ("Kämpfende Staaten", 453-221 v.Chr.) sah bei stark steigender Bevölkerungszahl in den chinesischen Staaten (Qi, Lu, Song, Zhao, Wei, Zhou, Chu, Shu, Qin) lang andauernde Kriege und Streitigkeiten, aus denen Qin durch Eroberung des gesamten chinesischen Raums (256 v.Chr. Ende der Zhou) siegreich hervorging (*313-†238 v.Chr. Xun Kuang; Daode jing des Laozi, Daoismus).
Das Einheitsreich des Qin-Herrschers Qin shi huangdi (221-210 v.Chr.) wurde nach dem Sturz der Qin (207 v.Chr.) unter den früheren (202 v.Chr.-9 n.Chr.) und späteren Han (25-220 n.Chr.) weitergeführt (Liu Bang [202-187 v.Chr.], Wen [180-157 v.Chr.], Jing [157-141 v.Chr.], Wu [141-87 v.Chr.], Yuan [48-33 v.Chr.]). Dabei dehnten dei Han ihre Herrschaft teilweise über die Steppenvölker der Xiongnu aus und etablierten den "Konfuzianismus" als Staatsideologie. Mit der Herrschaft des Usurpators Wang Mang (9-23 n.Chr., Dynastie Xin; Misslingen der Bodenreform) endet das chinesische Altertum, im chinesischen Mittelalter (25-755 n.Chr.) blieb unter den späteren Han (Guangwu [25-57], Ming [57-75]) die Lage der Bauern bei weiterer Verdichtung des adligen Großgrundbesitzes prekär, unter den späteren Han ist damit einhergehend eine massive Herrschaftsverschiebung vom Zentralstaat zur Peripherie festzustellen. Angriffe von Steppenvölkern (Wuhuan, Xianbei), Aufstände und Bürgerkriege führten das Ende der Dynastie herbei, der Epoche der "Drei Staaten" Wei, Shu und Wu (220-280; Cao Cao [†220], Cao Pi [220-226]) folgten das kurzlebige Jin-Reich (265-310/11), die "Sechzehn Staaten der fünf Barbaren" (304-439; Tuoba), die Nördlichen Wei (386-534), die südchinesischen Liang (502-557) und die Nördlichen Zhou (557-581). Das 3. bis 6. Jahrhundert war geprägt von einer "Entstehung" der Kunst (1. Jahrhundert v.Chr./2. Jahrhundert n.Chr. Erfindung des Papiers) und dem Eindringen des Buddhismus nach China. Im "Herbst des Mittelalters" konnte die Dynastie der Sui (581-618) das chinesische Reich einigen (589), doch führten Zentralismus und überzogene Bauprojekte der Kaiser Wen (581-605) und Yang (605-618) (584-609 Kaiserkanal, 605 Hauptstadt Luoyang) bei außenpolitischer Expansion zum Sturz der Sui und zur Errichtung des chinesischen Weltreichs der Tang (618-907) (Gaozu [618-626], Taizong [626-649], Gaozong [649-683], Xuanzong [712-756]; 6./7. Jahrhundert Erfindung des Buchdrucks; ab 7. Jahrhundert kulturelle Einflüsse des Tangreiches auf Japan). Die frühen Tang (618-755) herrschten - unterbrochen von der Regierung der Kaiserin Wu Zetian (690-705; Dynastie Zhou) - von ihrer Hauptstadt Chang'an aus von Korea bis Vietnam, vom chinesischen Kernland bis zum Hindukusch (630 Taizong als Khan der Türken; 751 Niederlage der Tang gegen ein muslimes Heer am Talasfluss). In der 750er-Jahren zerfiel das Reich der Tang (755 Rebellion des An Lushan; Tibeter, Uighuren), mit den späteren Tang beginnt die chinesische Neuzeit, deren erste Jahrhunderte (755-1270) einen gesellschaftlichen Wandel weg von der Adelsgesellschaft des Mittelalters brachten (kapitalistische und Geldwirtschaft, Steuerreform von 780, Bürokratie und Bildung; 842-845 Buddhistenverfolgungen und Ausklingen des Buddhismus in China). In Aufständen (875/84) gingen die späteren Tang unter; es folgte die Epoche der "Fünf Dynastien" (907-970), auch "barbarische" Reichsbildungen wie die der Tanguten (Xixia) oder der Khitan (Kara-Kitai). Kaiser Taizu (960-976) der Song-Dynastie und seinem Sohn Taizong (976-997) gelang es schließlich, China wieder zu einen sowie Generalität und Aristokratie weitgehend auszuschalten; unter den Song wurde die Bürokratie zum Beamtenstaat vollendet, die Beamten bildeten die neue gesellschaftliche Elite (Gentry als Bindeglied zwischen Zentrale und Peripherie; Beamtenprüfungen, "Neukonfuzianismus"; Gentrygesellschaft und -kultur [Porzellan]). Dieser Entwicklung zugute kam der vielfältige wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel vom 8. bis zum 12. Jahrhundert in Landwirtschaft, Handel (Seefahrt) und Städtewesen (Urbanisierung). Das Songreich stand im 11. Jahrhundert unter dem politischen Druck seiner Nachbarn, Wirtschafts- und Finanzreformen scheiterten (1043, 1069/74), durch die Jurchen (Dynastie Jin) ging den Song ihre nördlichen Gebiete und die Hauptstadt Kaifeng verloren (1126/27, 1141). Das Songreich überlebte bis zur Eroberung Nord- (1227/34) und Südchinas (1276/79) durch die Mongolen. Nach der Eroberung - am Beginn der Späten Kaiserzeit (1271-1793) - gehörte China zum mongolischen Weltreich (Dynastie Yuan Kublai Khans [1264-1294], Yuan-Khanat mit Hauptstadt Peking, pax Monogolica; 1289 Verlängerung des Kaiserkanals; 1274, 1281 Flottenexpeditionen gegen Japan), indes um den Preis von Krieg und Ausplünderung. Naturkatastrophen zu Beginn des 14. Jahrhunderts und die Rebellion der "Roten Turbane" (1351-1366) beendeten die mongolische Herrschaft über China, Zhu Yuanzhang/Hongwu (1368-1398) etablierte die Herrschaft der Ming (1368-1644) und damit ein despotisches Regime, das den unteren Bevölkerungsschichten massive (z.B. Reise-) Beschränkungen auferlegte. Unter dem Ming-Usurpator Yongle (1399-1424) wurde Peking endgültig zur Residenz der chinesischen Kaiser (1420; "Verbotene Stadt"), das Reich führte u.a. die Flottenexpeditionen Zheng Hes durch (Tributsystem), bis 1433 auf kaiserlichen Befehl die chinesische Seefahrt völlig zum Erliegen kam und sich das Mingreich nach innen wandte. Die rigide Despotie von Kaiser und Bürokratie weichte indes ab dem 15. Jahrhundert, in der späten Mingzeit, auf durch einen massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel (spezialisiertes Handwerk in Südchina [Baumwolle, Porzellan, Tee], Handel und Einbeziehung Chinas in den Welthandel [europäische Expansion], Buchdruck und Buchhandel ["mediale Revolution"]). Zwischen 1643 und 1683 gelang es der manjurischen Qing-Dynastie in langen und brutalen Kriegen das Mingreich zu erobern (1683 Eroberung Taiwans). Die territoriale Expansion der Qing führte unter den Kaisern Kangxi (1662-1722), Yongzheng (1723-1735) und Qianlong (1735-1796) zur Einbeziehung der Mongolen und Dsungaren (bis 1759; 1689 Abkommen mit dem russischen Zarenreich) sowie Tibets (1723 Qingprotektorat). Nach innen wurden die verschiedenen Völker des so errichteten Vielvölkerstaates rechtlich und gesellschaftlich voneinander getrennt, wirtschaftlich war das Reich gesund, die Steuereinnahmen produzierten Überschüsse, die seit der Mingzeit festzustellende Bevölkerungsexplosion hielt an (Kolonisierungsprojekte in der Manjurei und in Ostturkestan; Auslandschinesen; China und Europa [Chinabegeisterung]), eine (kritische) Qing-Gelehrsamkeit kam auf.
Im "langen 19. Jahrhundert" (1793-1912) waren die "Grenzen des Wachstums" für China - besonders auf Grund der Bevölkerungsentwicklung - erreicht; der Aufstand des "Weißen Lotos" (1796-1804), der Taiping-Aufstand (1850-1864) und eine überbordende Korruption schädigten die Zentralmacht, die Opiumkriege (1840-1842, 1856-1858), die Abtretung Hongkongs (1842 Vertrag von Nanjing) die Besetzung Pekings durch europäische Mächte (1860) verstärkten den Zugriff Europas auf China bei desaströsen wirtschaflichen und gesellschaftlichen Folgen (industrielle Revolution und Eisenbahnbau) für das asiatische Reich, denen die Qing mit einer Beschwichtigungspolitik der "Selbststärkung" gegenüber den europäischen Kolonialmächten begegneten (1862/75). Indes endete der chinesisch-französische Krieg um Vietnam (1884/85) mit der Niederlage Chinas (1884 Seeschlacht vor Fujian), das Eindringen der Japaner nach Korea führte zum chinesisch-japanischen Krieg (1894/95) und zum Verlust Koreas, Taiwans und Liaodongs bei massiven Reparationsleistungen von Seiten Chinas. Boxer-Aufstand (1900), Nationalismus, Reform und Revolution führten dann das Ende von Qing-Dynastie und chinesischem Kaisertum herbei (1912); die chinesische Republik hatte nicht lange Bestand (Sun Yat-sen [†1925]); Kriegsherren beherrschten fortan (ab 1912) das Feld, ebenso Japan (Erster Weltkrieg [1914-1918], Versailler Vertrag), zunehmend auch Guomindang (GMD) und Kommunistische Partei Chinas (KPCh; 1917 russische Oktoberrevolution). Chiang Kai-shek (†1975) und die Guomindang stellten eine nur oberflächliche Einheit Chinas her (1926/28; 1927-1937 Nanjinger Jahrzehnt), während sich chinesische Kommunisten und Guomindang immer weiter entfremdeten (1935/36 Langer Marsch der kommunitischen Armee [Volksbefreiungsarmee, VBA]; Mao Zedong [†1976]). Im Rahmen des Zweiten Weltkriegs (1937-1945) eroberten die Japaner China, nach der Kapitulation Japans (1945) begann der Chinesische Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Guomindang (1946-1948); 1949 wurde die kommunistische Volksrepublik China ausgerufen, während Chiang Kai-shek sich mit seinem Truppen nach Taiwan zurückziehen musste (Republik Taiwan). Das China des 20. Jahrhunderts war mit dem Ende des chinesischen Kaiserreichs, der chinesischen Revolution, der Durchsetzung des Kommunismus und dem Aufstieg Chinas zur militärischen und wirtschaftlichen Groß- und Weltmacht durch massive Veränderungen geprägt. Boxer-Aufstand (1900), Nationalismus, Reform und Revolution führten dann das Ende von Qing-Dynastie und chinesischem Kaisertum herbei (1912); die chinesische Republik hatte nicht lange Bestand (Sun Yat-sen [†1925]); Kriegsherren beherrschten fortan (ab 1912) das Feld, ebenso Japan (Erster Weltkrieg [1914-1918], Versailler Vertrag), zunehmend auch Guomindang (GMD) und Kommunistische Partei Chinas (KPCh; 1917 russische Oktoberrevolution). Chiang Kai-shek (†1975) und die Guomindang stellten eine nur oberflächliche Einheit Chinas her (1926/28; 1927-1937 Nanjinger Jahrzehnt), während sich chinesische Kommunisten und Guomindang immer weiter entfremdeten (1935/36 Langer Marsch der kommunistischen Armee [Volksbefreiungsarmee, VBA]; Mao Zedong [†1976]). Im Rahmen des Zweiten Weltkriegs (1937-1945) eroberten die Japaner China, nach der Kapitulation Japans (1945) begann der Chinesische Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Guomindang (1946-1948); 1949 wurde die kommunistische Volksrepublik China ausgerufen, während Chiang Kai-shek sich mit seinem Truppen nach Taiwan zurückziehen musste (Republik Taiwan). Die KPCh und Mao Zedong sollten fortan die Geschicke Festlandchinas als totalitärer Einparteienstaat bestimmen (Anlehnung an die Sowjetunion [1950 Verzicht auf die Äußere Mongolei u.a.], 1950/51/59 Einbeziehung Tibets, 1950/53 Koreakrieg, 1968 China als Atommacht, 1971 Beitritt zur UN; 1950/52 Kampagnen gegen "Klassenfeinde", 1953 Fünfjahesplan [Industrialisierung], 1956 "Hundert Blumen", 1958/61 "Großer Sprung nach vorn"), die "permanente Revolution" Maos fand mit der "Kulturrevolution" (1966/69) ihr Ende. Nach dem Tod Maos (1976) entwickelte sich China auch zu einer wirtschaftlichen Weltmacht (Wirtschaftsreformen und Ära Deng Xiapings [†1997]), wachsender innerer Probleme zum Trotz (Maokult, Einkindehe, Proteste [1989 Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens]; Umwelt und Ökonomie). Am Anfang des 21. Jahrhunderts steht das moderne China unter kommunistischer Diktatur als ökonomische und politische Weltmacht da.

Literatur:

Eberhard, Wolfram (1971), Geschichte Chinas. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (= KTA 413), Stuttgart 31980

Eichhorn, Werner (1964), Kulturgeschichte Chinas (= Urban Tb 76), Stuttgart 1964

Schmidt-Glintzer, Helwig (1995), Das alte China. Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert (= BSR 2015), München 1995

Seitz, Konrad (2000), China. Eine Weltmacht kehrt zurück, Berlin 2000

Vogelsang, Kai (2012), Geschichte Chinas, Stuttgart 2012

Bearbeiter: Michael Buhlmann, 12.2023