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St. Galler Urkunden zur frühmittelalterlichen Geschichte der Baar

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Kloster St. Gallen

Klostertradition zufolge standen am Beginn der St. Galler Geschichte der Mönch und Einsiedler Gallus (†ca.650) und der erste Abt Otmar (719-759). In der Anfangsphase klösterlicher Existenz befand sich St. Gallen in Abhängigkeit vom Bistum Konstanz, 818 erhielt die Mönchsgemeinschaft Immunität und Königsschutz von Kaiser Ludwig dem Frommen. Mit Abt Gozbert (816-837) trat St. Gallen in sein "goldenes Zeitalter" ein, eine Blütezeit von Schreib- und Klosterschule, Gebetsverbrüderungen und Totengedächtnis. Ein Ungarneinfall (926), ein sarazenischer Überfall (ca.935) und ein Klosterbrand trafen die Mönchsgemeinschaft am Beginn des "silbernen Zeitalters" schwer. Das Kloster erholte sich von diesen Rückschlägen nur allmählich, doch ist für die 2. Hälfte des 10. und für das 11. und 12. Jahrhundert eine kulturelle Nachblüte feststellbar. Mit dem Investiturstreit (1075-1122) begann das "eherne Zeitalter", das auf Dauer wirtschaftliche Verluste und Misswirtschaft einbrachte. Im späteren Mittelalter verwandelte sich die Mönchsgemeinschaft in ein Adelskloster. Das Kloster geriet zu Beginn des 15. Jahrhunderts in eine Krise, als die Appenzeller Untertanen sich von der abteilichen Herrschaft lösten (1411). Den inneren Verfall versuchte man durch Reformmaßnahmen aufzuhalten, Bündnisse mit den Schweizer Eidgenossen datieren von 1437 und 1451. Hinzu kamen die Abkopplung der Stadt St. Gallen von Abt und Abtei (1457) und die Ausformung eines modernen St. Galler Klosterstaats unter Abt Ulrich Rösch (1463-1491). 1531 war während der Reformation in der Stadt St. Gallen die Abtei kurzfristig aufgehoben worden, in der frühen Neuzeit verbesserte sich die wirtschaftliche Lage des Klosters, dessen Baulichkeiten man in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts neu barock errichtete. Die Abtei wurde 1805 säkularisiert.

Frühe St. Galler Traditionsurkunden

Eine Geschichte der Baar im frühen Mittelalter ist ohne die schriftlichen Geschichtsquellen undenkbar. Letztere liefert als Erstes die St. Galler Überlieferung mit einer Vielzahl von Urkunden. In Form von einzelnen Pergamentstücken sind sog. Traditionsurkunden (cartae, cartae traditionis) auf uns gekommen, die Übergaben von Besitz und Rechten an das Kloster beinhalten, d.h.: Vergabe, Verkauf und Verpachtung von Besitz, Besitztausch, Feststellung von Eigentumsrechten, Freilassung von Hörigen. Von Form und Inhalt her bieten die Traditionen ein relativ einheitliches Bild: Der (meist klein oder mittel begüterte, meist alemannische) Tradent, also diejenige Person, die die Übergabe (traditio) an die Mönchsgemeinschaft durchführen will, nennt seine Motive für diesen Rechtsakt, etwa Frömmigkeit oder die Sorge um das Seelenheil, der Urkunden- und Besitzempfänger, das Kloster, wird erwähnt, zudem die Lage und die Art des zu übertragenden Besitzes samt dessen Zubehör, dann die Strafen bei Verstößen gegen den Wortlaut der Urkunde, schließlich die Umstände der Urkundenausstellung wie Zeugenliste, Auftraggeber (rogator), Ausstellungstag und -ort. Die Urkunden werden damit zu einem wichtigen Bestandteil der ihnen zu Grunde liegenden Rechtshandlungen, die selbstverständlich auch in einen Kontext von gesprochenem Wort und Ritual eingebunden waren. Sie erhöhten als Mittel der Beglaubigung die Rechtssicherheit des Urkundenempfängers bei der Sicherung des neu erworbenen Besitzes gegen etwaige Ansprüche anderer.

Baar

Die Baar ist eine Landschaft an oberer Donau und oberem Neckar, die wir auf Grund geologischer, geografischer, historisch-politischer und volkskundlicher Gegebenheiten wie folgt umschreiben können: Zum Schwarzwald hin bildet der Übergang vom Muschelkalk zum Bundsandstein die Westgrenze der Baar, im Süden verläuft die Grenze zum Alb-Wutach-Gebiet entlang von Wutach und Aitrach, im Osten entlang den Vorbergen der Baaralb, mithin der Schwäbischen Alb, im Norden unter Einschluss des Neckarquellgebietes entlang der Eschach hin zum mittleren Schwarzwald. Die Baar ist also das Land zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, bestehend aus der Baar-Gäuplatte im Westen, dem Baar-Albvorland in der Mitte und dem Baar-Albvorgebirge im Osten. Zentrale Region der Baar ist die rund 15 km durchmessende Baar-Hochmulde, die wie eine breitrandige Schüssel sanft von 670 bis 700 m über NN auf über 1100 m im Westen, auf über 900 m im Südosten ansteigt. Sie bildet den südwestlichen Abschluss des schwäbischen Schichtstufenlandes über Muschelkalk, Keuper und Jura.

Der Name "Baar" (Bara, Para), wie er uns - gerade in den St. Galler Urkunden des 8. und 9. Jahrhunderts - in einer Reihe von frühmittelalterlichen Landschaften an oberer Donau und oberem Neckar begegnet, hat einen unklaren Ursprung und wurde z.B. mit adligen Herrschaftsbereichen (Allodialherrschaften und -grafschaften) oder Verwaltungsbereichen in Verbindung gebracht. Auch geografische Interpretationsmuster wurden bemüht, wenn etwa "Baar" für "Schranke" oder einen "weit ausgedehnten offenen Landstrich" steht. In Betracht gezogen wurde zudem "Baar" als Gewässerwort, so dass sich - unter Verweis auf Moore und Sumpfflächen - eine "Landschaft mit Quellen" ergibt. Doch sind alle Deutungen des Namens "Baar" nicht unumstritten.

Kloster St. Gallen und Orte auf der Baar

Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Aldingen im frühen Mittelalter, Essen 2013 [451 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Dürrheim im frühen Mittelalter, Essen 2015 [419 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Geisingen im frühen Mittelalter, Essen 2014 [436 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, das Königtum, die Baar, Klengen und Kirchdorf im frühen Mittelalter, Essen 2015 [548 kB]
Michael Buhlmann, Die Klöster St. Gallen und Reichenau, das Königtum, die Baar und Neudingen im frühen Mittelalter, Essen 2013 [566 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Pfohren im frühen Mittelalter, Essen 2014 [447 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, das Königtum, die Baar und Rietheim im frühen Mittelalter, Essen 2014 [509 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Schwenningen im frühen Mittelalter, Essen 2013 [435 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Spaichingen im frühen Mittelalter, Essen 2011 [441 kB]
Michael Buhlmann, Die Klöster St. Gallen und Reichenau, das Königtum, die Baar und Trossingen im frühen Mittelalter, Essen 2014 [543 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Tannheim im frühen Mittelalter, Essen 2016 [447 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Villingen im frühen Mittelalter, Essen 2013 [486 kB]
Michael Buhlmann, Die Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen für das Kloster St. Gallen vom 4. Juni 817. Ein Beginn Villinger und Schwenninger Geschichte, Essen 2013 [362 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Weilersbach im frühen Mittelalter, Essen 2014 [419 kB]
Michael Buhlmann, Das Kloster St. Gallen, die Baar und Wurmlingen im frühen Mittelalter, Essen 2012 [442 kB]

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Bearbeiter: Michael Buhlmann

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