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Kompendium
Mittelalter

Quellenkunde, Quelleninterpretation

(Geschichts-) Quellen sind alle Zeugnisse (Überlieferungen), die über historische Vorgänge unterrichten. Geschichte ist die Wissenschaft von den Menschen betreffenden Ereignissen in Zeit und Raum, die durch Quellen dokumentiert sind. Die historische Forschung analysiert und interpretiert also Quellenbefunde, wobei sie es bei den schriftlichen, d.h. den eigentlichen historischen Quellen mit einer "doppelten Subjektivität" zu tun hat. Zum einen handelt es sich um die Subjektivität der Quellen, die unter bestimmten Voraussetzungen, Anliegen und Intentionen verfasst wurden. Zum anderen ist die Subjektivität der Quelleninterpretation, d.h. die Subjektivität des heutigen Historikers in Rechnung zu stellen. Geschichte unterliegt also durch ihre verschiedenen Deutungen der Vergangenheit einem dauernden Wandel. Diese "historische Unschärfe" bedingt vielfach, dass Geschichte alles andere ist als das, wie es gewesen war. Nur Annäherungen an eine interpretierte Art von Vergangenheit sind möglich. Und diese Annäherungen sind so gut oder so schlecht, wie die auf überlieferten Quellen und deren Interpretation(en) es zulassen.

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Literatur: BUHLMANN, M., St. Georgen als Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil VIII = VA 20), St. Georgen 2005

Bearbeiter: Michael Buhlmann