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St. Georgener Regesten

Mittelalter

St. Georgener Regesten

Die St. Georgener Regesten zur Klostergeschichte möchten Auskunft geben über die historische Entwicklung von Kloster und Ort im Schwarzwald. Als eine Einteilung St. Georgener Geschichte im Mittelalter soll hier die nach Äbten fungieren.

Regesten sind von modernen Bearbeitern gestaltete, chronologisch geordnete, kurze Zusammenfassungen von Quelleninhalten, die einzelne Regenten (u.a. Könige, Erzbischöfe, Bischöfe, weltliche Machthaber) oder Regentenabfolgen (u.a. Dynastien) betreffen. Regesten berücksichtigen von daher in der Hauptsache die Urkunden eines Urkundenausstellers; hinzugezogen werden aber auch andere Quellentypen, etwa historiographische Quellen (Geschichtsschreibung). Der Quelleninhalt wird bei Urkunden in der Weise zusammengefasst, dass neben dem Aussteller, dem Urkundenempfänger und eventuell beteiligten Zeugen der Rechtsinhalt der Urkunde sowie Datum und Ort genannt werden. Bei historiographischen Quellen steht die Darstellung der Ereignisse im Vordergrund; auch hier werden Datum und Ort einbezogen. Wichtige Textteile werden zudem im (z.B. lateinischen) Original der Vorlage wiedergegeben. Regesten geben damit einen guten Überblick über die ihnen zugrunde liegenden Quellen. Auf Grund der dargebotenen zeitlichen Abfolge der Quelleninhalte sind sie darüber hinaus ein wichtiges Hilfsmittel bei der Erschließung von Ereignissen in Raum und Zeit.

Im Jahr 1084 ist eine Mönchsgemeinschaft als benediktinisches Reformkloster in St. Georgen im Schwarzwald gestiftet worden. Die Stiftung war Teil und Höhepunkt eines gestreckten und gestuften Gründungsprozesses, der im Jahr 1083 im oberschwäbischen Königseggwald seinen Anfang nahm, 1084 den Umzug in den Schwarzwald sah und im Jahr 1085 mit der Weihe einer Holzkapelle bzw. 1086 mit der Erhebung des Klosters zur Abtei seinen vorläufigen Abschluss fand. Hezelo (†1088) und Hesso (†1113/14) sind uns als Klosterstifter bekannt, die St. Georgener Klostergründung fand unter maßgeblicher Beteiligung Abt Wilhelms von Hirsau (1069-1091) statt. Die Ankunft der ersten Mönche auf dem vertex Alemanniae ("Scheitel Alemanniens") vollzog sich am Vortag des Georgfestes, am 22. April 1084. Die Mönche hatten bewusst diesen Tag gewählt, aus Ehrfurcht vor dem Heiligen, dessen Fest sie dann sicher nach ihrem Einzug feierten. Der Termin der Besiedelung macht zudem augenfällig, warum man der Mönchsgemeinschaft den Namen "Kloster (Zelle) des heiligen Georg" gegeben hat. In den auf die Gründungsphase folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das benediktinische Reformkloster zu einer sowohl geistlich-religiös, als auch wirtschaftlich erfolgreichen Mönchsgemeinschaft, zu einem Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums (St. Georgener Klosterreform).

Regesten beruhen auf Geschichtsquellen, d.h. vornehmlich auf schriftlichen Quellen, die Auskunft geben über die Vergangenheit. Die schriftlichen Quellen zur St. Georgener Geschichte sind hauptsächlich: der St. Georgener Gründungsbericht (Notitiae fundationis et traditionum monasterii S. Georgii in Nigra Silva), die Lebensbeschreibung des Abtes Theoger (Vita Theogeri abbatis S. Georgii et episcopi Mettensis), die St. Georgener Annalen (Annales sancti Georgii in Nigra Silva), Papst- und Königsurkunden, Urkunden des Klosters und der Äbte, die frühneuzeitliche Überlieferung. Neben den schriftlichen Quellen sind die wenigen Sachüberreste aus der Klosterzeit zu nennen. Die frühesten steinernen Überreste stammen von der Wende des 11. zum 12. Jahrhundert sowie aus dem 12. und 13. Jahrhundert und reichen damit zum Teil bis in die Zeit der Klosterbauten zurück, die unter Abt Theoger entstanden. Diese St. Georgener Klostersteine gehören der Romanik und Spätromanik an, es folgen Klostersteine der Gotik. Sie sind mit ihrer nur ungefähr zu ermittelnden Zeitstellung in die Regesten einbezogen, deren Ordnungsprinzip sich wiederum an der Abfolge der St. Georgener Äbte orientiert.

Die St. Georgener Äbte des Mittelalters bzw. der beginnenden frühen Neuzeit waren:

Prior/Abt Heinrich I. (1084/86-1087)
Abt Konrad (1087-1088)
Abt Theoger (1088-1119)
Abt Werner I. von Zimmern (1119-1134)
Abt Friedrich (1134-1138, 1145-1154)
Abt Johann I. von Falkenstein (1138-1145)
Abt Sintram (1154-1168)
Abt Werner II. (1168-1169)
Abt Manegold von Berg (1169-nach 1193/94)
Abt Albert (1187-1191?)
Abt Dietrich (nach 1193/94-1209)
Abt Burchard (1209, 1221)
Abt Heinrich II. (nach 1221-1259)
Abt Dietmar (1259-1280)
Abt Berthold (1280, 1306)
Abt Ulrich I. der Deck (1308, 1332)
Abt Heinrich III. Boso von Stein (1335-1347)
Abt Ulrich II. von Trochtelfingen (1347-1359, 1364-1368)
Abt Johann II. aus Sulz (1359-1364)
Abt Eberhard I. Kanzler aus Rottweil (1368-1382)
Abt Heinrich IV. Gruwel (1382-1391)
Abt Johann III. Kern (1392-1427)
Abt Silvester Billing aus Rottweil (1427, 1433)
Abt Heinrich V. Ungericht aus Sulz (1435, 1449, 1452-1457)
Abt Johann IV. Swigger aus Sulz (1450, 1451, 1457-1467)
Abt Heinrich VI. Marschall (1467, 1473)
Abt Georg von Asch (1474-1505)
Abt Eberhard II. Pletz von Rotenstein (1505-1517)
Abt Nikolaus Schwander (1517-1530)
Abt Johann V. Kern aus Ingoldingen (1530-1566)

Quellen, Literatur, Abkürzungen: Annales sancti Georgii in Nigra Silva, in: MGH SS 17, S.295-298; BADER, J., Die notitia fundationis des Klosters St. Georgen auf dem Schwarzwalde, in: ZGO 9 (1858), S.193-225; BUHLMANN, M., Wie der heilige Georg nach St. Georgen kam (= VA 1), St. Georgen 2001, 22004; BUHLMANN, M., St. Georgen und Südwestdeutschland bis zum Mittelalter (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.I = VA 2), St. Georgen 2002; BUHLMANN, M., Gründung und Anfänge des Klosters St. Georgen im Schwarzwald (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil II = VA 3), St. Georgen 2002; BUHLMANN, M., Manegold von Berg ? Abt von St. Georgen, Bischof von Passau (= VA 4), St. Georgen 2003, Essen 22010; BUHLMANN, M., Die Urkunde Papst Alexanders III. für das Kloster St. Georgen (= VA 5), St. Georgen 2003; BUHLMANN, M., Abt Theoger von St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil III = VA 7), St. Georgen 2004; BUHLMANN, M., Die Päpste in ihren Beziehungen zum mittelalterlichen Kloster St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil IV = VA 8), St. Georgen 2004; BUHLMANN, M., Die deutschen Könige in ihren Beziehungen zum mittelalterlichen Kloster St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil V = VA 9), St. Georgen 2004; BUHLMANN, M., Benediktinisches Mönchtum im mittelalterlichen Schwarzwald. Ein Lexikon, Tl.1: A-M, Tl.2: N-Z (= VA 10/1-2), St. Georgen 2004; BUHLMANN, M., Besitz, Grundherrschaft und Vogtei des hochmittelalterlichen Klosters St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil VI = VA 11), St. Georgen 2004; BUHLMANN, M., Der Tennenbacher Güterstreit (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil VII = VA 12), St. Georgen 2004; BUHLMANN, M., Die Herren von Hirrlingen und das Kloster St. Georgen im Schwarzwald (= VA 15), St. Georgen 2005; BUHLMANN, M., Das Kloster St. Georgen und der magnus conventus in Konstanz im Jahr 1123 (= VA 17), St. Georgen 2005; BUHLMANN, M., St. Georgen als Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil VIII = VA 20), St. Georgen 2005; BUHLMANN, M., Das Benediktinerkloster St. Georgen. Geschichte und Kultur (= VA 21), St. Georgen 2006; BUHLMANN, M., St. Georgen und Admont. Zu den Beziehungen zweier Reformklöster im 12. Jahrhundert (= VA 22), St. Georgen 2006; BUHLMANN, M., Mittelalterliche Geschichte im deutschen Südwesten, Tl.1: Frühes Mittelalter - Hohes Mittelalter, Tl.2: Spätes Mittelalter, Tl.3: Anhang (= VA 24/1-3), St. Georgen 2006; BUHLMANN, M., Das Kloster St. Georgen im Schwarzwald und die Herren von Falkenstein (= VA 26), St. Georgen 2007; BUHLMANN, M., St. Georgen und die Kirchenreform des hohen Mittelalters. St. Georgener Klosterspuren 2003 (= VA 31), St. Georgen 2007; BUHLMANN, M., Bildung im mittelalterlichen Kloster - Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald (= VA 32), St. Georgen 2007; BUHLMANN, M., Die Markturkunde Kaiser Maximilians I. für das Kloster St. Georgen vom 21. August 1507. Zu den Marktprivilegierungen fränkisch-deutscher Herrscher in Südwestdeutschland im Mittelalter (= VA 33), St. Georgen 2007; BUHLMANN, M., St. Georgen und Ottobeuren. Benediktinerklöster der St. Georgener Klosterreform (= VA 35), St. Georgen 2007; BUHLMANN, M., Die vom Kloster St. Georgen abhängigen geistlichen Gemeinschaften (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil IX = VA 36), St. Georgen 2007; BUHLMANN, M., Das St. Georgener Priorat Rippoldsau im Nordschwarzwald (= VA 40), St. Georgen 2008; BUHLMANN, M., Hezelo und Hesso, die St. Georgener Klostergründer (= VA 42/1), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Wilhelm von Hirsau und die St. Georgener Klostergründung (= VA 42/2), St. Georgen 2010; BUHLMANN, M., Theoger von St. Georgen - Abt und Bischof (= VA 42/3), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Anfänge des Klosters St. Georgen - Regesten zur Klostergeschichte (= VA 42/4), St. Georgen 2011; BUHLMANN, M., Benediktinerkloster St. Georgen im Schwarzwald (= VA 42/5), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Das St. Georgener Priorat Ramsen in der Pfalz (= VA 43), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Klöster und Stifte in Baden-Württemberg - Geschichte, Kultur, Gegenwart, Tl.1: Mönchtum im deutschen Südwesten, Tl.2: Einzelne Klöster und Stifte (= VA 45/1-2), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Das St. Georgener Priorat Krauftal (Graufthal) im Elsass (= VA 46), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Das Kloster St. Georgen auf der Baar (= VA 47), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Die Zähringer - Herzöge im hochmittelalterlichen Schwaben (= VA 48), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Hirsau und St. Georgen, Klöster der hochmittelalterlichen Kirchenreform (= VA 50), St. Georgen 2009; BUHLMANN, M., Eine Urkundenfälschung für das Benediktinerpriorat Rüeggisberg auf Grund der Vorlage eines Diploms König Heinrichs V. für die Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald vom 28. Januar 1108, Essen 2010; BUHLMANN, M., Reichenau und St. Georgen. Reichsabtei und Reformkloster im Mittelalter (= VA 52), Essen 2010; BUHLMANN, M.,, Der Gründungsbericht des Klosters St. Georgen im Schwarzwald (= VA 53), Essen 2011; FDA = Freiburger Diözesanarchiv; FOLG = Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte; HEINEMANN, B., Geschichte der Stadt St. Georgen im Schwarzwald, Freiburg i.Br. 1939, Ndr St. Georgen o.J.; HOFMEISTER, A., Die Annalen von St. Georgen im Schwarzwald, in: ZGO 72 (1918), S.31-57; KALCHSCHMIDT, K.T., Geschichte des Klosters, der Stadt und des Kirchspiels St. Georgen auf dem badischen Schwarzwald, 1895, Ndr Villingen-Schwenningen 1988; KLEPPER, D., St. Georgen, den Hauptpässen nahe gelegen, St. Georgen 1984; KLEPPER, D., Die "translatio monasterii Sancti Georgii". 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Bearbeiter: Michael Buhlmann

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