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Rezensionen (Geschichte)
I

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Ibn Tufail, Abu Bakr, Der Philosoph als Autodidakt. Ein philosophischer Inselroman, übers. v. Patric O. Schaerer (2004) (= Philosophische Bibliothek, Bd.558; Sonderausgabe), Hamburg [2009], LXXXVII, 152 S., € 9,95. Der islamische Philosoph Ibn Tufail (†1185) schrieb 1177/82 im Umfeld des Almohadenhofes in Marrakesch seinen "Traktat von Hayy ibn Yaqzan". Unter Verwendung von und in Auseinandersetzung mit den Schriften der arabischen Philosophen al-Kindi, al-Farabi, Ibn Sina und al-Gazali sowie unter Einbeziehung der islamischen Mystik erzählt er die Geschichte von Hayy ibn Yaqzan, der als Säugling ausgesetzt oder aus Lehm entstanden, allein, von einer Gazelle gesäugt, auf einer Insel lebt und überlebt (1.-7. Lebensjahr). Mit erwachendem Selbstbewusstsein erwirbt der Junge handwerkliche Fähigkeiten und verändert seine Umwelt; er begreift das Herz als Sitz der Geistes (7.-21. Lebensjahr). Im nächsten Lebensabschnitt erkennt Hayy die Bedeutung von Form und Materie, Logik und Physik durch die Kategorisierung materiell-körperlich-sinnlicher Dinge (Gegenstände, Pflanzen, Tiere), er erkennt die Jenseitigkeit der Seele sowie die Kausalität von Ursache und Wirkung (21.-28. Lebensjahr). Aus Letzterer folgt die Gotteserkenntnis, weiter die Erschaffung und Endlichkeit des Alls (28.-35. Lebensjahr). Die "Angleichung" an das Wesen Gottes führt über die (auch astronomische) Naturerkenntnis zu Gottesverehrung und Meditation (35.-49. Lebensjahr). Von einer benachbarten Insel trifft der fromme Absal auf Hayy, der jetzt die Religion als wahren Ausdruck von Gottesverehrung verstehen lernt und zum allerdings erfolglosen Prediger der göttlichen Wahrheit wird. Hayy und Absal kehren auf die einsame Insel zurück, um in mystischer Versenkung Gott zu begreifen. [Buhlmann, 07.2011]

Ilg, Theodor (2008), Die Fürst von Hirscheck und Konzenberg, ein früh ausgestorbenes edelfreies Geschlecht, in: TutHbll NF 71 (2008), S.100-113. Ein Hermann der Ältere von Hirscheck (bei Altshausen) stiftete zur Zeit Kaiser Konrads II. (1024-1039) dem Kloster Petershausen (bei Konstanz) als Reliquie den in Agaune erworbenen Arm eines Märtyrers der thebäischen Legion, schenkte zudem mit seinem Bruder der Mönchsgemeinschaft Güter in Allmannsweiler und Winnenden; Hermann und dessen Ehefrau Bertha fanden ihre letzte Ruhe in Petershausen. Wohl eine Generation später schenkten Heinrich von Hirscheck und dessen Gattin Richinza demselben Kloster Besitz in Ettishofen; Heinrich und sein Neffe Heinrich treten im Zusammenhang mit dem "Tag von Heratskirch" am 4. Januar 1083 in Erscheinung und sind damit in Verbindung mit der Klostergründung von (Königseggwald bzw.) St. Georgen im Schwarzwald zu stellen. Ein Heinrich soll im Gefolge des schwäbisch-staufischen Herzogs Friedrich II. (1105-1147) gegen den Mainzer Erzbischof Adalbert I. (1110-1137) vorgegangen sein, worauf der Erzbischof nach Heinrichs Tod und dessen Begräbnis in Petershausen dieses Kloster mit dem Interdikt belegte (1121). Ein N.N. Fürst von Hirscheck - man beachte wohl verwandtschaftliche Beziehungen zu dem 1092 erwähnten Hesso von Fürst - war um 1200 in und um Wurmlingen begütert; Konrad I. Fürst von Konzenberg (†v.1239) war wohl dessen Sohn und verheiratet mit Udilhildis von Wartenberg; Herrschaftsmittelpunkt war die 1200/20 erbaute Burg Konzenberg bei Wurmlingen. Die Konzenberger beerbten wohl noch im 13. Jahrhundert die damals wahrscheinlich ausgestorbenen oberschwäbischen Hirschecker, Konrad II. Fürst von Konzenberg (ca.1239-n.1277) verfügte über Ostbaaremer Besitz in Wurmlingen, Balgheim, Böttingen, Spaichingen, Weigheim und Weilheim. Söhne dieses Konrad waren der zur Rottweiler Johanniterkommende gehörende Berthold (1277, 1290) und ein Mönch Heinrich im Zisterzienserkloster Salem (1290); Konrads Tochter Margareta von Konzenberg war Priorin des Dominikanerinnenklosters St. Maria Gnadenzell (bei Gomadingen). Konrad III. Fürst von Konzenberg (n.1277, 1322/44), ein weiterer Sohn Konrads II., verkaufte im Jahr 1300 die Burg Konzenberg an den Konstanzer Bischof Heinrich II. (1296-1306); Burg und vielleicht auch Gerichtsherrschaft und Vogtei Wurmlingen (und Weilheim) bildeten den Ausgangspunkt der kleinen Reichsherrschaft Konzenberg der Konstanzer Bischöfe und Dompröpste. Konrad III. selbst is zwischen 1322 und 1344 als Landrichter der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg bezeugt; ein Hermann Fürst von Konzenberg war wohl ein Bruder Konrads und stand in Diensten der Herren von Klingenberg. [Buhlmann, 01.2012]

Imme, Theodor (1905), Die Ortsnamen des Kreises Essen und der angrenzenden Gebiete (= EB 27), Essen 1905 > D Derks, Siedlungsnamen der Stadt Essen; Derks, Ortsname Essen

Inka, Herrscher, Volk und Reich im vorspanischen Südamerika: Auf Grund schriflicher und archäologischer Quellen (spanische Chroniken [mündliche Inkaüberlieferung, Mythologie der Inka] und Verwaltungsakten, quipu [Knotenschnüre], Bauten, Kultorte) ergibt sich die Geschichte der Inka wie folgt: Die Inka entstanden - nicht zuletzt auch in ihrem eigenen mythologisch-geschichtlichen Verständnis - als Volk um das Jahr 1000 im Gebiet von Cuzco, um 1400 änderten sich materielle Kultur und Siedlungsweise (vorimperiale, imperiale Inkakeramik), das 15. und beginnende 16. Jahrhundert sah das sich hauptsächlich über den Raum der Anden erstreckende Inkareich. Als (mythische) Inkaherrscher können festgemacht werden: Maco Capac, Sinchi Roca, Lloque Yupanqui, Mayta Capac, Capac Yupanqui (Kämpfe gegen Chanca und Colla), Inca Roca (Palast in Ober-Cuzco), Yahuar Huacac (ca.1380-ca.1400; Festigung der Herrschaft um Cuzco), Hatun Topa (ca.1400-1438; Kämpfe mit den Chanca), Pachacutec Inca Cusi Yupanqui (1438-1471; Kämpfe mit den Chanca, Eroberung der zentralen Andenhochländer, Eroberung des Chimúreichs an der Küste, Inkareich Tahuantinsuyu mit Cuzco als Zentrum, seinen vier Regionen [suyu als Reichsteile] und den [bis zu ca. 80] Provinzen), Tupac Inca Yupanqui (1471-1493; Eroberung der südlichen Anden, Unterwerfung der Chachapoya, Reichsverwaltung und -organisation), Huayna Capac (1493-1525; größte Ausdehnung des Inkareichs, Übergriffe der Amazonas-Indianer, Kämpfe und Eroberungen in Südkolumbien, nördliches Verwaltungszentrum Tumipampa), Huascar (1525-1532; Nachfolgekämpfe mit Atahualpa), Atahualpa (1532-1533; spanische Eroberung, Gefangennahme und Hinrichtung Atahualpas). An der Spitze des Inkareichs standen Herrscher (Verehrung des Inka, Mumienverehrung [mallqui]), Herrscherfamilie (panaca, Geschwisterehe des Inka) und Hochadel (orejones), die Politik und Verwaltung (Verwaltungsbeamte [apu, tucuyricuc, quipucamayoc]) bestimmten. Gesellschaftliche Basis waren die Familienverbände (ayllu) unter Führung von curaca sowie die Einteilung der Bevölkerung in saya als Untereinheiten der Provinzen und in Gruppen zu 10, 100 und 1000 Haushalten; daneben gab es die "Dienenden" (yanacuna), die für den Herrscher arbeiteten. Die ayllu unterlagen Steuern, Abgaben und der Arbeitspflicht (mita, darunter auch Militärdienst [und Krieg: Waffen, Kriegsrituale, Festungen und Eroberungen]); Verwaltungszentren und Stützpunkte waren für die Eintreibung der Abgaben zuständig (Speicher, Vorratslager, religiöse Kultzentren). Das Inkareich war dabei ein Vielvölkerstaat (Inka, Chimú, Caranqui, zwangsumgesiedelte Bevölkerungsteile) mit verschiedenen Verkehrssprachen (Quechua, Aymara, Puquina, Muchik). Die Wirtschaft im Inkareich basierte auf der Landwirtschaft (Staatsland, Land der Heiligtümer, Land der ayllu, Terrassierungen; Anbaupflanzen [Getreide, Mais, Kartoffeln, Kürbis, Paprika, Baumwolle], Haustiere [Lama, Alpaca, Vicuna], Fischerei, Geräte [Handpflug, Hacke, Holzstab]; Ernährung), dem Handwerk (Textilherstellung [Webgeräte], Keramik [keno als Becher], Federkunst, Gold-, Silber-, Bronzebearbeitung [Schmuck], Architektur [Straßen, Brücken, Raststätten; Städtebau, u.a. in Cuzco, Sacsayhuamun, Ollantaytambo, Machu Picchu, Tumipampa]) und dem Handel (Händler, Märkte und das System der Wiederverteilung). Im religiösen Kosmos der Inka spielten Götter (Sonnengott Inti, Schöpfergott Viracocha, Donnergott Illapa u.a.), die Priesterschaft (aclla aus herausgehobene Mädchen und Frauen) sowie Kulte und Rituale (huaca als Heiligtum, Kalender und Feste [Capuc Inti Raymi, Inti Raymi, Coya Raymi], capac cocha als Opferzeremonie [Menschenopfer]) die entscheidenden Rollen.
Zu den Inka s.: Julien, Catherine (1998), Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion (= BSR 2075), München 1998, 127 S., DM 14,80; Schmelz, Bernd (2013), Die Inka. Geschichte und Kultur (= Urban Tb 740), Stuttgart 2013, 143 S., Schwarzweißabbildungen, Karte, Glossar, € 19,90. [Buhlmann, 03.1998, 06.2014]

Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg, hg. v.d. Staatlichen Archivverwaltung: H.7 (1960): Kammerer, Immanuel, Miller, Max (Bearb.), Regesten der Urkunden des Spitalarchivs Isny (1331-1792), Karlsruhe 1960, XI, 324 S., € 3,-, führt die deutschsprachigen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden aus dem Archiv des städtischen Spitals in Isny an (einheitlicher, sehr vollständiger Bestand im Spitalarchiv Isny: Grundbuch 1553, Registratur 1626, Repertorium 1772, Lagerung in einem Gewölbe neben der Sakristei der Spitalkapelle). [Buhlmann, 01.2015]

Investiturstreit des hohen Mittelalters: Am 29. Mai 1065 wurde der deutsche König Heinrich IV. (1056-1106) volljährig. Die Spannungen zwischen Fürsten und König steigerten sich nun: Die von den Großen erzwungene Entmachtung Erzbischof Adalberts von Hamburg-Bremen (1066) führte zu einer entscheidenden Schwächung der königlichen Herrschaft in Norddeutschland und Nordeuropa; hinzu kamen der Sturz des bayerischen Herzogs Otto von Northeim (1070) und die königliche Territorialpolitik im Harz. Letztere war Anlass zum schließlich vom König erfolgreich unterdrückten Sachsenaufstand (1073-1075). Mit der zwischen König und Papst strittigen Investitur im Mailänder Erzbistum (1070-1075) begann der sog. Investiturstreit (1075-1122, investiturae controversia [12. Jahrhundert]). Vordergründig ging es dabei zunächst um die Einsetzung von Bischöfen im deutschen Reich einschließlich Burgund und Italien durch den König (Laieninvestitur). Doch offenbarte sich damit ein Konflikt, der die Rolle des Königs und des Papstes neu und im Bruch zur frühmittelalterlichen Weltanschauung definieren sollte und mit Stichworten wie Unterordnung des Königs unter den Papst, "Entsakralisierung" des Königtums (Herrscher als christus domini) und Herrschaftswandel nur unzureichend umschrieben werden kann. Stationen der ersten Phase des Investiturstreits waren: das Schreiben Papst Gregors VII. (1073-1085) zur Mailänder Investitur (1075/76), die Absageerklärung Heinrichs IV. und der deutschen Bischöfe an den Papst auf der Wormser Synode (24. Januar 1076), die damals unerhörte Absetzung und Bannung Heinrichs durch den Papst (15. Februar 1076), die Formierung einer sächsisch-süddeutschen Adelsopposition gegen den Salier (Fürstentag zu Tribur, Oktober 1076), die öffentlich geleistete Kirchenbuße Heinrichs in Canossa ("Gang nach Canossa") und seine Lösung vom Bann (25./27. Januar 1077). Die Fürstenopposition gegen Heinrich IV. betrieb trotz der Ereignisse von Canossa die (Forchheimer) Wahl (15. März 1077) des (Gegen-) Königs Rudolf von Rheinfelden (1077-1080). Der Gegenschlag Heinrichs blieb mit der Absetzung der süddeutschen Herzöge nicht aus (1077); das Herzogtum Schwaben wurde 1079 mit dem Staufer Friedrich I. (1079-1105) besetzt. Der Entscheidungskampf zwischen den beiden Königen endete mit dem Tod des in der Schlacht an der Weißen Elster verwundeten Rudolf (15. Oktober 1080). An dessen Stelle trat der neue Gegenkönig Hermann von Salm (1081-1088). Inzwischen war Heinrich IV. wiederum vom Papst gebannt worden (1080), was aber kaum noch Eindruck machte. Vielmehr ging Heinrich nun in Italien gegen Gregor VII. vor. Mit der Erhebung des Gegenpapstes Clemens III. (1080), der Verdrängung Gregors aus Rom, der dort stattfindenden Verurteilung und Absetzung Gregors sowie der Kaiserkrönung (31. März 1084) war Heinrich IV. durchaus erfolgreich. Als er Mitte 1084 wieder nach Deutschland zurückkehrte, hatte aber das salische Königtum dort viel von seiner einstigen Machtstellung eingebüßt. Ein weiterer Italienzug Heinrichs (1090-1096) endete indes in einer Katastrophe: Heinrich selbst blieb zwischen 1093 und 1096 im östlichen Oberitalien eingeschlossen; in Deutschland setzte der Abfall von ihm massiv ein. Immerhin ermöglichte das Auseinanderbrechen der tuszisch-welfischen Koalition (1096) die Rückkehr des Kaisers nach Deutschland, wo es spätestens nach seiner Aussöhnung mit dem als Herzog bestätigten Welf IV. von Bayern (1096-1101) mit der Fürstenopposition zu einem Ausgleich kam. Erfolgreich war Heinrich IV. auch bei seiner Neuordnung der Thronfolge; der abtrünnige Konrad wurde für abgesetzt erklärt (1098), der jüngere Sohn Heinrich (V.) zum König gekrönt (1099). Im Jahre 1103 verkündete Heinrich IV. zudem den Mainzer Reichsfrieden. Ende 1104 rebellierte der Sohn Heinrich (V.) gegen den Vater, Anfang 1106 trat er seine selbstständige Regierung an (1106-1125) und wurde nach dem Tod des Vaters allgemein als König anerkannt. Verhandlungen mit Papst Paschalis II. (1099-1118) - auf der Grundlage der Unterscheidung zwischen spiritualia und temporalia ("geistliche Befugnisse" und "weltliche Rechte") - führten zunächst zu einem radikalen Lösungsversuch in der Investiturfrage (1111), aber auch zur Kaiserkrönung des Saliers (13. April 1111). Schließlich einigten sich Kaiser und Papst Calixt II. (1119-1124) im Wormser Konkordat (23. September 1122) auf einen Kompromiss bei der königlichen Bischofsinvestitur in Deutschland, Burgund und Italien; das Wormser Konkordat stellt damit das Ende des Investiturstreits (als Vergleich betreffend die Einsetzung von Reichsbischöfen und -äbten) dar. Dem Investiturstreit auf der einen entsprach die Gregorianische Kirchenreform auf der anderen Seite, wobei mindestens vier Ziele/Leitvorstellungen der Kirchenreform des 11. und 12. Jahrhunderts festzustellen sind: Man war 1) gegen die Missstände im Klerus (Simonie, Priesterehe) bei sakramentaler Heilsvermittlung der Priester, 2) für die Verbesserung der Lebensführung geistlicher Gemeinschaften (u.a. Klosterreform), 3) für die Zurückdrängung des Einflusses von Laien auf die Kirche (u.a. bei Laieninvestitur und Vogtei), 4) für die Betonung des römischen Primats und der Sonderstellung der römischen Kirche (Papsttum und Papstkirche). Dass die Gregorianische Kirchenreform alles andere als eine einheitliche Erneuerungsbewegung war, versteht sich von selbst. Doch gelang es dem Papsttum als universalkirchliche Instanz durchaus, regionale, divergierende Tendenzen aufzunehmen und der zunehmend als Zentrale verstandenen römischen Kirche dienstbar zu machen. Diese Vereinheitlichung ermöglichte in einem weit ausholenden Klärungsprozess den letztendlichen Erfolg der Reformbewegung, ging es doch um die "Freiheit der Kirche", die libertas ecclesie. Die hochmittelalterliche Klosterreform speiste sich dabei aus der cluniazensischen Reform, ausgehend vom burgundischen Kloster Cluny (gegründet 910), und aus dem Reichsmönchtum lothringischer Prägung um das Kloster Gorze (gegründet ca.757). Der Investiturstreit blieb nicht nur auf die Beziehungen zwischen Papst und römisch-deutschem König (rex Romanorum, regnum Teutonicum) beschränkt, sondern betraf - infolge des Aufstiegs des Reformpapsttums zu europäischer Geltung - auch die Könige in Frankreich, England oder auf der iberischen Halbinsel, wie der Investiturverzicht der französischen Herrscher Philipp I. (1060-1108) und Ludwig VI. (1108-1137) von 1107 (Synode von Troyes) oder das "Konkordat von London-Westminster" mit dem englischen König Heinrich I. (1100-1135) von 1107 zeigen.
Die historische Literatur zum Investiturstreit, zum Auseinandertreten von regnum ("Königtum") und sacerdotium ("Priestertum") am Anfang des hohen Mittelalters, ist naturgemäß reichhaltig: Blumenthal, Uta-Renate (1982), Der Investiturstreit (= Urban Tb 335), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1982, 192 S., DM 18,-; Fleckenstein, Josef (Hg.) (1973), Investiturstreit und Reichsverfassung (= VuF 17), Sigmaringen 1973, 460 S., DM 40,-; Hartmann, Wilfried (1993), Der Investiturstreit (= EdG 21), München 1993, XII, 152 S., DM 28,-; Goez, Werner (2000), Kirchenreform und Investiturstreit (910-1122) (= Urban Tb 462), Stuttgart-Berlin-Köln 2000, 223 S., DM 31,-; Kämpf, Hellmut (Hg.) (1963), Canossa als Wende (= WdF 12), Darmstadt 31976, X, 362 S., DM 56,-; Laudage, Johannes (1993), Gregorianische Reform und Investiturstreit (= EdF 282), Darmstadt 1993, VI, 195 S., DM 32,-; Wahl, Rudolph (1935), Der Gang nach Canossa. Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (= Bastei-Lübbe 64030), Bergisch Gladbach 1979, 394 S., DM 2,-; Weinfurter, Stefan (2006), Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 2006, 254 S., € 19,90; Zey, Claudia (2017), Der Investiturstreit (= BSR 2852), München 2017, 128 S., Zeittafel, Karte, € 8,95. An Quellen(sammlungen) zum Investiturstreit seien erwähnt: Quellen zum Investiturstreit, Tl.1: Ausgewählte Briefe Papst Gregors VII. (1978), hg. v. Franz-Josef Schmale u. Irene Schmale-Ott (= FSGA A 12a), Darmstadt 1978, 442 S., DM 69,-; Quellen zum Investiturstreit, Tl.2: Schriften über den Streit zwischen Regnum und Sacerdotium (1984), hg. v. Irene Schmale-Ott (= FSGA A 12b), Darmstadt 1984, 613 S., DM 79,-; Laudage, Johannes, Schrör, Matthias (Hg.) (2006), Der Investiturstreit. Quellen und Materialien. Lateinisch-Deutsch (= UTB 2769), Köln 2006, 245 S., € 16,90. [Buhlmann, 09.2012, 03.2014, 06.2017]

Irblich, Eva, Herwig, Wolfram (Hg.) (1993), Karl der Große und die Wissenschaft (= Ausstellungskatalog Karolingische Handschriften), Wien 1993 > K Karl der Große

Irmscher, Johannes (1989), Sokrates. Versuch einer Biografie (= RUB [Ost] 911), Leipzig 1989 > S Sokrates

Irsigler, Franz (1969), Untersuchungen zur Geschichte des frühfränkischen Adels (= RA 70), Bonn 1969, 21981, 270 S., DM 25,-. Aufbauend auf sozialgeschichtlich-funktional-mentalitätsgeschichtlichen Ansätzen von Claude und Prinz, lehnt Irsigler eine Bevorzugung der fränkischen Rechtsquellen (Grahn-Hoek) ab zu Gunsten der Interpretation aller zur Verfügung stehenden Geschichtsquellen ab. Irsigler kommt daher zu folgenden Ergebnissen: Ab dem frühen 6. Jahrhundert ist ein fränkischer "Adel" insofern feststellbar, als dieser eine politisch, wirtschaftlich und sozial klar herausgehobene Führungsschicht im merowingischen Frankenreich gebildet hat. Diese Führungsschicht zeichnet sich durch (politische) Funktion, Lebensweise und Mentalität aus. Grundlagen des Adels waren: Abstammung aus einer angesehenen Familie, wirtschaftliche Macht und Großgrundbesitz, vom König nicht abgeleitete Herrschaftsrechte. Auf den Adel stützte sich das Königtum bei der Ausbreitung und Organisation fränkischer Herrschaft (Amtsgewalt und Adelsherrschaft). Dabei kam dem Königsdienst der Adligen eine besondere Rolle zu (Dienst und politische Einflussnahme bei wirtschaftlicher Machtausweitung). Hinsichtlich des Adelswergeldes geht Irsigler davon aus, dass der Adel die Höhe des Wergelds selbst bestimmt hat. [Buhlmann, 05.1988]

Isenberg, Gabriele, Rommé, Barbara (Hg.) (2005), 805: Liudger wird Bischof. Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster (= Ausstellungskatalog), Münster 2005 > L Liudger

[Isidor von Sevilla,] Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, übers. v. Lenelotte Möller (2008), Wiesbaden 2008, 736 S., € 25,- > Lateinische Literatur > I Isidor von Sevilla

it = insel taschenbuch

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