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Rezensionen (Geschichte)
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I: Im Is

Ibn Tufail, Abu Bakr, Der Philosoph als Autodidakt. Ein philosophischer Inselroman, übers. v. Patric O. Schaerer (2004) (= Philosophische Bibliothek, Bd.558; Sonderausgabe), Hamburg [2009], LXXXVII, 152 S., € 9,95. Der islamische Philosoph Ibn Tufail (†1185) schrieb 1177/82 im Umfeld des Almohadenhofes in Marrakesch seinen "Traktat von Hayy ibn Yaqzan". Unter Verwendung von und in Auseinandersetzung mit den Schriften der arabischen Philosophen al-Kindi, al-Farabi, Ibn Sina und al-Gazali sowie unter Einbeziehung der islamischen Mystik erzählt er die Geschichte von Hayy ibn Yaqzan, der als Säugling ausgesetzt oder aus Lehm entstanden, allein, von einer Gazelle gesäugt, auf einer Insel lebt und überlebt (1.-7. Lebensjahr). Mit erwachendem Selbstbewusstsein erwirbt der Junge handwerkliche Fähigkeiten und verändert seine Umwelt; er begreift das Herz als Sitz der Geistes (7.-21. Lebensjahr). Im nächsten Lebensabschnitt erkennt Hayy die Bedeutung von Form und Materie, Logik und Physik durch die Kategorisierung materiell-körperlich-sinnlicher Dinge (Gegenstände, Pflanzen, Tiere), er erkennt die Jenseitigkeit der Seele sowie die Kausalität von Ursache und Wirkung (21.-28. Lebensjahr). Aus Letzterer folgt die Gotteserkenntnis, weiter die Erschaffung und Endlichkeit des Alls (28.-35. Lebensjahr). Die "Angleichung" an das Wesen Gottes führt über die (auch astronomische) Naturerkenntnis zu Gottesverehrung und Meditation (35.-49. Lebensjahr). Von einer benachbarten Insel trifft der fromme Absal auf Hayy, der jetzt die Religion als wahren Ausdruck von Gottesverehrung verstehen lernt und zum allerdings erfolglosen Prediger der göttlichen Wahrheit wird. Hayy und Absal kehren auf die einsame Insel zurück, um in mystischer Versenkung Gott zu begreifen. [Buhlmann, 07.2011]

Ihle, Volker C. (2006), Kaiser Karl (III.) der Dicke war gar nicht dick. Vom alemannisch-schwäbischen Herrscher zum Erben Karls des Großen, in: Schwarzwälder Hausschatz 2006, Oberndorf 2005, S.69ff > K Karl III. der Dicke

Ilg, Theodor (2008), Die Fürst von Hirscheck und Konzenberg, ein früh ausgestorbenes edelfreies Geschlecht, in: TutHbll NF 71 (2008), S.100-113. Ein Hermann der Ältere von Hirscheck (bei Altshausen) stiftete zur Zeit Kaiser Konrads II. (1024-1039) dem Kloster Petershausen (bei Konstanz) als Reliquie den in Agaune erworbenen Arm eines Märtyrers der thebäischen Legion, schenkte zudem mit seinem Bruder der Mönchsgemeinschaft Güter in Allmannsweiler und Winnenden; Hermann und dessen Ehefrau Bertha fanden ihre letzte Ruhe in Petershausen. Wohl eine Generation später schenkten Heinrich von Hirscheck und dessen Gattin Richinza demselben Kloster Besitz in Ettishofen; Heinrich und sein Neffe Heinrich treten im Zusammenhang mit dem "Tag von Heratskirch" am 4. Januar 1083 in Erscheinung und sind damit in Verbindung mit der Klostergründung von (Königseggwald bzw.) St. Georgen im Schwarzwald zu stellen. Ein Heinrich soll im Gefolge des schwäbisch-staufischen Herzogs Friedrich II. (1105-1147) gegen den Mainzer Erzbischof Adalbert I. (1110-1137) vorgegangen sein, worauf der Erzbischof nach Heinrichs Tod und dessen Begräbnis in Petershausen dieses Kloster mit dem Interdikt belegte (1121). Ein N.N. Fürst von Hirscheck - man beachte wohl verwandtschaftliche Beziehungen zu dem 1092 erwähnten Hesso von Fürst - war um 1200 in und um Wurmlingen begütert; Konrad I. Fürst von Konzenberg (†v.1239) war wohl dessen Sohn und verheiratet mit Udilhildis von Wartenberg; Herrschaftsmittelpunkt war die 1200/20 erbaute Burg Konzenberg bei Wurmlingen. Die Konzenberger beerbten wohl noch im 13. Jahrhundert die damals wahrscheinlich ausgestorbenen oberschwäbischen Hirschecker, Konrad II. Fürst von Konzenberg (ca.1239-n.1277) verfügte über Ostbaaremer Besitz in Wurmlingen, Balgheim, Böttingen, Spaichingen, Weigheim und Weilheim. Söhne dieses Konrad waren der zur Rottweiler Johanniterkommende gehörende Berthold (1277, 1290) und ein Mönch Heinrich im Zisterzienserkloster Salem (1290); Konrads Tochter Margareta von Konzenberg war Priorin des Dominikanerinnenklosters St. Maria Gnadenzell (bei Gomadingen). Konrad III. Fürst von Konzenberg (n.1277, 1322/44), ein weiterer Sohn Konrads II., verkaufte im Jahr 1300 die Burg Konzenberg an den Konstanzer Bischof Heinrich II. (1296-1306); Burg und vielleicht auch Gerichtsherrschaft und Vogtei Wurmlingen (und Weilheim) bildeten den Ausgangspunkt der kleinen Reichsherrschaft Konzenberg der Konstanzer Bischöfe und Dompröpste. Konrad III. selbst is zwischen 1322 und 1344 als Landrichter der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg bezeugt; ein Hermann Fürst von Konzenberg war wohl ein Bruder Konrads und stand in Diensten der Herren von Klingenberg. [Buhlmann, 01.2012]

Illies, Florian (2012), 1913. Der Sommer des Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 22012, (= Fischer Tb 10324), Frankfurt a.M. 22014 > E Erster Weltkrieg

Im

Imme, Theodor (1905), Die Ortsnamen des Kreises Essen und der angrenzenden Gebiete (= EB 27), Essen 1905 > D Derks, Siedlungsnamen der Stadt Essen; Derks, Ortsname Essen

Inama-Sternegg, Karl Theodor von (1909), Deutsche Wirtschaftsgeschichte bis zum Schluss der Karolingerperiode, 1909, Ndr Hildesheim 1965, 755 S., € 35,-. I. Die germanische Vorgeschichte der "Deutschen" ist - nach den Geschichtsquellen des Caesar ("Gallischer Krieg") und des Tacitus ("Germania") - geprägt von einfachen, kleinen Ansiedlungen, wenig Ackerbau, mehr Viehzucht. Gewisse wirtschaftliche Angleichungssprozesse, was Sesshaftigkeit und Landwirtschaft germanischer Stämme im Vorfeld des römischen Reiches anbetrifft, sind für die frühe römische Kaiserzeit auszumachen. In der "Völkerwanderungszeit" waren es dann "wandernde Stämme", die Krieg, Beutezüge und "Landnahme" betrieben. Die Ausbildung germanischer Königreiche auf ehemaligem römischen Gebiet war verbunden mit der Sesshaftwerdung der "Stämme" bei "regelmäßiger Erschließung" der neu erworbenen Territorien und Verdrängung der römisch-romanischen Bevölkerung (insbesondere der römischen Oberschicht) (5./6. Jahrhundert). Das merowingische Königreich der Franken (5.-8. Jahrhundert) formierte sich um die Francia des ehemals römischen Nordgallien, erfasste aber auch die rechtsrheinische Francia antiqua mit ihrem überwiegend von Wald und Ödland überzogenen Landschaften. Gerade in den überwiegend germanisch geprägten Zonen des Frankenreichs ersetzten die Siedlungskammern der Gaue die römischen pagi und civitates, die Besiedlung der ehemals römischen Städte ging - bei reduziertem Handel - massiv zurück, ohne meist völlig zu erlöschen, Einzelgehöfte (Haus, Stall, Speicher) und (kleine) Dörfer prägten hier und in den rechtsrheinischen Gebieten die Siedlungslandschaft (Feldflur, Mark, Markgenossenschaft, Allmende). Dies geschah in einer ständisch gegliederten Gesellschaft (Volksrechte; Freie, Halbfreie, Unfreie/Hörige), in der der König und der Adel ("Große", Antrustionen) den Ton angaben (vom Königtum abhängiger "Dienstadel"?), und im Rahmen familiärer (Sippe) und nachbarlicher Strukturen (Dorf). Dabei ist wohl schon seit der Merowingerzeit ein Zurückgehen der aber noch beträchtlich vorhandenen Schicht der Gemeinfreien (als Bauern und Krieger) zu beobachten, während Abhängigkeit und Hörigkeit von großen Grundbesitzern bei den Bauern im Allgemeinen zunahm. Der Ausdehnung der Besiedlung in er Folge einer Bevölkerungszunahme entsprach ein einsetzendes (auch rechtsrheinisches) Rodungsgeschehen (Kolonisation), das über das Altsiedelland hinausging (7. Jahrhundert). Der überragenden Bedeutung der Landwirtschaft (Ackerbau, Viehzucht) entpsrechend kam dem Eigentum an Grund und Boden eine besondere Bedeutung zu. Kumulierter (Groß-) Grundbesitz fand sich zunächst in den ehemals römischen Teilen des Frankenreichs (römische Latifundien, Kolonat) und befand sich in den Händen der Frankenkönige (ehemaliges römisches Staatsgut, herrenloses Land), der politisch Großen (u.a. die "Stammesherzöge"; Schenkungen durch den König) und der Kirchen (Bistümer, Mönchsgemeinschaften), Grundbesitz allgemein war in Hufen gegliedert, Eigenkirchen hatten als Dotalgut zwei Hufen, es kam auf Grund von Erbrecht und Gütererwerb auch zu einer Besitzzersplitterung. Während des 7. Jahrhunderts erlangte der Großgrundbesitz in der Form der (klassischen) Grundherrschaft (Herren- [terra indominicata und Leiheland [precariae, Zinsgüter]), vielleicht von den sich ausdehnenden kirchlichen Grundherrschaften ausgehend, größere Bedeutung. Produkte der Landwirtschaft waren: (Rinder-, Schweine-, Schafs-, Pferde-) Fleisch (Weidewirtschaft, Wiesen und Wald als Viehweide), Getreide (Weizen, Gerste, Hafer) (Feldbau), Hülsenfrüchte, Obst (Gartenbau); daneben traten Fischfang und Jagd (Wild, Vögel), Imkerei, Bierbrauen und Weinanbau. Leinen und Wolle wurden zu Kleidung verarbeitet (Weberei); Gürtel, Spangen und Fibeln, die die Kleidung zusammenhielten, waren Erzeugnisse der Metall- und Schmuckproduktion (Goldschmiedekunst). Daneben war die Keramikherstellung wichtig (Töpferei), der Gewinnung von Metallen (Eisen, Kupfer, Silber) diente der Bergbau und die Metallverhüttung. Die Salzgewinnung (Salinen, Meersalz) stellte das für die Konservierung von Fleisch und Fisch so wichtige Salz zur Verfügung. Der Handel diente dem Warenverkehr zu Land (Römerstraßen) und zu Wasser (Flüsse, Mittelmeer, Nordsee) und befand sich auf meist niedrigem Niveau, besonders in den Gebieten östlich des Rheins, wo es - anders als etwa in Neustrien - kaum Märkte gab. Er unterlag zudem Zöllen und Marktabgaben, einem uneinheitlichen Maß- und Gewichtssystem und - besonders ab dem 7. Jahrhundert - einem zersplitterten merowingischen Münzwesen (zahlreiche Münzstätten; Vorrang der Silberwährung, Goldmünzen [Solidus, Triens, Siliquae, Denare]). II. Die Karolingerzeit (8./9. Jahrhundert) war geprägt von einer - auch im Zusammenhang mit der Eroberung Sachsens stehenden - verstärkten Besiedlung der Gebiete östlich des Rheins, von der besonders neu gegründete kirchliche Institutionen (Bistümer, Klöster) profitierten, von einer neuen Grundbesitzverteilung, von der der Großgrundbesitz und die (kirchlichen, weltlichen) Grundherrschaften Nutzen zogen, von einem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel, der einen vom Königtum abhängigen bis unabhängigen Adel sah, ebenso den Abstieg vieler Gemeinfreier in die Verarmung und die Abhängigkeit von Grundherren (schlechte materielle, naturalwirtschaftliche Verhältnisse, Kriegsdienst, Kirchenzehnt) bei Stärkung des Systems der Grundherrschaften. Hinzu kam von Seiten der Großen der Missbrauch ihrer vom König herrührenden Amtsgewalt (Graf, Vogt u.a.) im Zusammenhang z.B. mit der Verwaltung von Königsgut (Forsten, Rodungen) und Immunität (kirchlicher Einrichtungen). Große kirchliche Grundherrschaften werden dann im ausgehenden 8. und im 9. Jahrhundert erkennbar (Urbare, Polyptichen): Augsburg, Bleidenstadt, Essen, Freising, Fulda, Lorsch, Prüm, Reichenau, Salzburg, St. Gallen, Trier, Weißenburg, Werden. Für die Verwaltung von Königsgut steht das Capitulare de villis König Karls des Großen. Ackerbau und Viehzucht, eingeschränkt auch die Waldwirtschaft, blieben auch in der Karolingerzeit die wesentlichen Grundlagen der Wirtschaftsentwicklung im Frankenreich. Die handwerkliche Produktion fanf vielfach in den Grundherrschaften statt (opus textile u.a.). Eine gewisse Förderung von Handel und Verkehr verursachte die von Pippin dem Jüngeren und Karl dem Großen in die Wege geleiteten Vereinheitlichungen bei Maßen und Gewichten sowie im Münzwesen (Übergang zur reinen Silberwährung; Pfund, Solidus [Schilling], Denar [Pfennig]). Alles in allem ist von einer Angleichung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Karolingerzeit in den Gebieten westlich und östlich des Rheins auszugehen. [Buhlmann, 08.2020]

Inka, Herrscher, Volk und Reich im vorspanischen Südamerika: Auf Grund schriftlicher und archäologischer Quellen (spanische Chroniken [mündliche Inkaüberlieferung, Mythologie der Inka] und Verwaltungsakten, quipu [Knotenschnüre], Bauten, Kultorte) ergibt sich die Geschichte der Inka wie folgt: Die Inka entstanden - nicht zuletzt auch in ihrem eigenen mythologisch-geschichtlichen Verständnis - als Volk um das Jahr 1000 im Gebiet von Cuzco, um 1400 änderten sich materielle Kultur und Siedlungsweise (vorimperiale, imperiale Inkakeramik), das 15. und beginnende 16. Jahrhundert sah das sich hauptsächlich über den Raum der Anden erstreckende Inkareich. Als (mythische) Inkaherrscher können festgemacht werden: Maco Capac, Sinchi Roca, Lloque Yupanqui, Mayta Capac, Capac Yupanqui (Kämpfe gegen Chanca und Colla), Inca Roca (Palast in Ober-Cuzco), Yahuar Huacac (ca.1380-ca.1400; Festigung der Herrschaft um Cuzco), Hatun Topa (ca.1400-1438; Kämpfe mit den Chanca), Pachacutec Inca Cusi Yupanqui (1438-1471; Kämpfe mit den Chanca, Eroberung der zentralen Andenhochländer, Eroberung des Chimúreichs an der Küste, Inkareich Tahuantinsuyu mit Cuzco als Zentrum, seinen vier Regionen [suyu als Reichsteile] und den [bis zu ca. 80] Provinzen), Tupac Inca Yupanqui (1471-1493; Eroberung der südlichen Anden, Unterwerfung der Chachapoya, Reichsverwaltung und -organisation), Huayna Capac (1493-1525; größte Ausdehnung des Inkareichs, Übergriffe der Amazonas-Indianer, Kämpfe und Eroberungen in Südkolumbien, nördliches Verwaltungszentrum Tumipampa), Huascar (1525-1532; Nachfolgekämpfe mit Atahualpa), Atahualpa (1532-1533; spanische Eroberung, Gefangennahme und Hinrichtung Atahualpas). An der Spitze des Inkareichs standen Herrscher (Verehrung des Inka, Mumienverehrung [mallqui]), Herrscherfamilie (panaca, Geschwisterehe des Inka) und Hochadel (orejones), die Politik und Verwaltung (Verwaltungsbeamte [apu, tucuyricuc, quipucamayoc]) bestimmten. Gesellschaftliche Basis waren die Familienverbände (ayllu) unter Führung von curaca sowie die Einteilung der Bevölkerung in saya als Untereinheiten der Provinzen und in Gruppen zu 10, 100 und 1000 Haushalten; daneben gab es die "Dienenden" (yanacuna), die für den Herrscher arbeiteten. Die ayllu unterlagen Steuern, Abgaben und der Arbeitspflicht (mita, darunter auch Militärdienst [und Krieg: Waffen, Kriegsrituale, Festungen und Eroberungen]); Verwaltungszentren und Stützpunkte waren für die Eintreibung der Abgaben zuständig (Speicher, Vorratslager, religiöse Kultzentren). Das Inkareich war dabei ein Vielvölkerstaat (Inka, Chimú, Caranqui, zwangsumgesiedelte Bevölkerungsteile) mit verschiedenen Verkehrssprachen (Quechua, Aymara, Puquina, Muchik). Die Wirtschaft im Inkareich basierte auf der Landwirtschaft (Staatsland, Land der Heiligtümer, Land der ayllu, Terrassierungen; Anbaupflanzen [Getreide, Mais, Kartoffeln, Kürbis, Paprika, Baumwolle], Haustiere [Lama, Alpaca, Vicuna], Fischerei, Geräte [Handpflug, Hacke, Holzstab]; Ernährung), dem Handwerk (Textilherstellung [Webgeräte], Keramik [keno als Becher], Federkunst, Gold-, Silber-, Bronzebearbeitung [Schmuck], Architektur [Straßen, Brücken, Raststätten; Städtebau, u.a. in Cuzco, Sacsayhuamun, Ollantaytambo, Machu Picchu, Tumipampa]) und dem Handel (Händler, Märkte und das System der Wiederverteilung). Im religiösen Kosmos der Inka spielten Götter (Sonnengott Inti, Schöpfergott Viracocha, Donnergott Illapa u.a.), die Priesterschaft (aclla aus herausgehobene Mädchen und Frauen) sowie Kulte und Rituale (huaca als Heiligtum, Kalender und Feste [Capuc Inti Raymi, Inti Raymi, Coya Raymi], capac cocha als Opferzeremonie [Menschenopfer]) die entscheidenden Rollen.
Zu den Inka s.: Julien, Catherine (1998), Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion (= BSR 2075), München 1998, 127 S., DM 14,80; Schmelz, Bernd (2013), Die Inka. Geschichte und Kultur (= Urban Tb 740), Stuttgart 2013, 143 S., Schwarzweißabbildungen, Karte, Glossar, € 19,90. [Buhlmann, 03.1998, 06.2014]

Interregnum in der deutschen Geschichte des hohen bis späten Mittelalters: Die Zeit des Interregnums steht für eine Umformung der politischen Ordnung im römisch-deutschen Reich. Seit König Wilhelm von Holland (1247-1256) regierten "schwache", "kleine" Könige als Herrscher in Deutschland, im zeitlichen Kernbereich des Interregnums zwischen dem Tod Wilhelms von Holland im Kampf gegen die Friesen (28. Januar 1256) und der Wahl Rudolfs I. von Habsburg (1273-1291) zum deutschen König traten die aus einer Doppelwahl hervorgegangenen Könige Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien (1257-1282) als Person und Herrscher wenig oder gar nicht in Erscheinung, so dass für die Zeitgenossen ein Regierungshandeln vielfach bestenfalls nur in Ansätzen erkennbar war. Hierarchien gerieten vor diesem Hintergrund ins Wanken, der faktische Wegfall des Königtums führte auf anderen politischen Ebenen im deutschen Reich zu Handlungsbedarf. Sichtbar wird diese Entwicklung erstmals mit der Entstehung des Rheinischen Städtebundes (1254-1256/57) noch zu Lebzeiten König Wilhelms. Hierzu hatten sich Städte hauptsächlich am Mittelrhein unter Beteiligung von Basel, Köln, Mainz, Speyer, Straßburg und Worms mit den rheinischen Erzbischöfen von Köln, Mainz und Trier sowie anderen Fürsten und Adligen zusammengefunden. Ziel des Bündnisses war die Wahrung eines allgemeinen Landfriedens (propter culturam pacis et iustitie observationem) - erinnert sei an den Mainzer Landfrieden Kaiser Friedrichs II. (1235) -, der Städtebund beschloss Maßnahmen gegen Friedensstörer und unrechtmäßig erhobene Zölle, und auch mit König Wilhelm kam es zu einer politischen Verständigung, obwohl der Städtebund mit seiner Friedenssicherung doch königliche Prärogative wahrnahm. Nach innen regelten Schiedsverfahren (als freiwillige Gerichtsbarkeit mit meist paritätisch besetzten Gremien) Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern des Städtebundes, nach außen waren die Beschlüsse des Bundes an die Zustimmung aller Mitglieder ge-bunden. Die somit auf Konsens gegründete Vorgehensweise des Städtebundes schöpfte gerade deswegen dessen politisches Potenzial nicht aus. Der Bund scheiterte letztendlich, die in der nachstaufischen Zeit entstandenen Freiräume der Städte nach innen und außen reichten auch im Bündnis auf Dauer nicht aus, städtische Politik etwa gegen die Fürsten durchzusetzen. Die Entscheidungsstrukturen, die wir beim Rheinischen Städtebund entdeckt haben, finden wir auf ähnliche Weise auch beim sich weiter entwickelnden Wahlverfahren des deutschen Königs. Die deutsche Königswahl war bis in spätstaufische Zeit hinein weitgehend überformt von dynastischen Gesichtspunkten. So standen die Wahlen der Stauferkönige Heinrich (VII.) (1220-1235) und Konrad IV. (1237-1254) unter dem Vorzeichen des Kaisertums Friedrichs II.; die Friedrich-Söhne Heinrich und Konrad wurden zu Stellvertretern des Kaisers in Deutschland. Hingegen waren die Wahlen der (Gegen-) Könige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland nicht von Erwägungen einer wie auch immer gearteten Erbfolge geprägt. Hier stand - zumindest theoretisch - die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für das Königtum im Vordergrund (Idoneität). Dabei wird eine Verengung auf einen bestimmten Kreis von fürstlichen Königswählern deutlich. Verbindlich werden sollte - gerade in der Zeit des Interregnums - für die deutsche Königswahl ein Gremium aus sieben Reichsfürsten: den drei rheinischen Erzbischöfen von Köln, Mainz und Trier, dem rheinischen Pfalzgrafen, dem Herzog von Sachsen, dem Markgrafen von Brandenburg und dem böhmischen König. Der Sachsenspiegel (ca.1230) schloss den Letzteren noch aus, "weil er kein Deutscher ist". Nach dem Interregnum findet sich das siebenköpfige Wahlgremium aber in der eben besprochen Ordnung. Aus den Mitgliedern des Entscheidungsgremiums sollten die Kurfürsten im spätmittelalterlichen römisch-deutschen Reich werden (Goldene Bulle Kaiser Karls IV. 1356). Bei der Ausbildung des Wahlverfahrens und eines auf Konsens beruhenden Wahlmodells, wie es uns am Ende des Interregnums entgegentritt, spielte die Doppelwahl von 1257 eine wichtige Rolle. Die Königswähler mussten sich damals zunächst einmal für einen geeigneten Kandidaten entscheiden, wobei sie offensichtlich auch an die staufische Verwandtschaft des zu Wählenden anknüpften, hingegen die Wahl des jungen Staufers Konradin (†1268), des Sohnes König Konrads IV., auf Druck des Papstes ausschlossen. Gewählt wurden nämlich - nach einem längeren, schon im März 1256 beginnenden politischen Prozess - am 13. Januar 1257 (vor Frankfurt am Main) Richard von Cornwall mit den Stimmen des Kölner Erzbischofs, des Mainzer Erzbischofs, der sich damals in Gefangenschaft befand, und des rheinischen Pfalzgrafen, ergänzt durch die Stimme des böhmischen Königs, und am 1. April (in Frankfurt) Alfons von Kastilien mit den Stimmen des Trierer Erzbischofs, des Herzogs von Sachsen, des Markgrafen von Brandenburg und wiederum des böhmischen Königs. Alfons war als Sohn König Ferdinands III. von Kastilien-León (1217/30-1252) und der Beatrix-Isabella von Schwaben (†1235) ein Enkel bzw. Urenkel der Stauferherrscher Philipp von Schwaben und Friedrich I.; Richard von Cornwall war über seine Schwester Isabella (†1241), der vierten Ehefrau Kaiser Friedrichs II., mit dem Staufer verschwägert, weiter aber auch als Mitglied der englischen Königsfamilie der Anjou-Plantagenêt mit den Welfen verwandt. Alfons war zudem zuvor (1256) von Vertretern der Städte Pisa und Marseille zum rex Romanorum bzw. zum Kaiser gewählt worden; beide Kandidaten unterstützten "ihre" Wähler durch mitunter beträchtliche Geldbeträge und politische Gunsterweise. Die doppelte Stimmabgabe des Königs von Böhmen bei den Wahlen von 1257 führte übrigens zu einem 1263 eingeleiteten Verfahren vor der päpstlichen Kurie, das die auf solche Art vollzogene Wahlprozedur bewerten sollte.
Vgl. zum Interregnum: Kaufhold, Martin (2000), Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230-1280 (= MGH. Schriften, Bd.49), Hannover 2000, XXXIX, 485 S., € 60,-; Kaufhold, Martin (2002), Interregnum (= Geschichte kompakt. Mittelalter), Darmstadt 2002, VI, 149 S., € 9,90. [Buhlmann, 08.2016]

Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg, hg. v.d. Staatlichen Archivverwaltung: H.7 (1960): Kammerer, Immanuel, Miller, Max (Bearb.), Regesten der Urkunden des Spitalarchivs Isny (1331-1792), Karlsruhe 1960, XI, 324 S., € 3,-, führt die deutschsprachigen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden aus dem Archiv des städtischen Spitals in Isny an (einheitlicher, sehr vollständiger Bestand im Spitalarchiv Isny: Grundbuch 1553, Registratur 1626, Repertorium 1772, Lagerung in einem Gewölbe neben der Sakristei der Spitalkapelle). [Buhlmann, 01.2015]

Investiturstreit des hohen Mittelalters: Am 29. Mai 1065 wurde der deutsche König Heinrich IV. (1056-1106) volljährig. Die Spannungen zwischen Fürsten und König steigerten sich nun: Die von den Großen erzwungene Entmachtung Erzbischof Adalberts von Hamburg-Bremen (1066) führte zu einer entscheidenden Schwächung der königlichen Herrschaft in Norddeutschland und Nordeuropa; hinzu kamen der Sturz des bayerischen Herzogs Otto von Northeim (1070) und die königliche Territorialpolitik im Harz. Letztere war Anlass zum schließlich vom König erfolgreich unterdrückten Sachsenaufstand (1073-1075). Mit der zwischen König und Papst strittigen Investitur im Mailänder Erzbistum (1070-1075) begann der sog. Investiturstreit (1075-1122, investiturae controversia [12. Jahrhundert]). Vordergründig ging es dabei zunächst um die Einsetzung von Bischöfen im deutschen Reich einschließlich Burgund und Italien durch den König (Laieninvestitur). Doch offenbarte sich damit ein Konflikt, der die Rolle des Königs und des Papstes neu und im Bruch zur frühmittelalterlichen Weltanschauung definieren sollte und mit Stichworten wie Unterordnung des Königs unter den Papst, "Entsakralisierung" des Königtums (Herrscher als christus domini) und Herrschaftswandel nur unzureichend umschrieben werden kann. Stationen der ersten Phase des Investiturstreits waren: das Schreiben Papst Gregors VII. (1073-1085) zur Mailänder Investitur (1075/76), die Absageerklärung Heinrichs IV. und der deutschen Bischöfe an den Papst auf der Wormser Synode (24. Januar 1076), die damals unerhörte Absetzung und Bannung Heinrichs durch den Papst (15. Februar 1076), die Formierung einer sächsisch-süddeutschen Adelsopposition gegen den Salier (Fürstentag zu Tribur, Oktober 1076), die öffentlich geleistete Kirchenbuße Heinrichs in Canossa ("Gang nach Canossa") und seine Lösung vom Bann (25./27. Januar 1077). Die Fürstenopposition gegen Heinrich IV. betrieb trotz der Ereignisse von Canossa die (Forchheimer) Wahl (15. März 1077) des (Gegen-) Königs Rudolf von Rheinfelden (1077-1080). Der Gegenschlag Heinrichs blieb mit der Absetzung der süddeutschen Herzöge nicht aus (1077); das Herzogtum Schwaben wurde 1079 mit dem Staufer Friedrich I. (1079-1105) besetzt. Der Entscheidungskampf zwischen den beiden Königen endete mit dem Tod des in der Schlacht an der Weißen Elster verwundeten Rudolf (15. Oktober 1080). An dessen Stelle trat der neue Gegenkönig Hermann von Salm (1081-1088). Inzwischen war Heinrich IV. wiederum vom Papst gebannt worden (1080), was aber kaum noch Eindruck machte. Vielmehr ging Heinrich nun in Italien gegen Gregor VII. vor. Mit der Erhebung des Gegenpapstes Clemens III. (1080), der Verdrängung Gregors aus Rom, der dort stattfindenden Verurteilung und Absetzung Gregors sowie der Kaiserkrönung (31. März 1084) war Heinrich IV. durchaus erfolgreich. Als er Mitte 1084 wieder nach Deutschland zurückkehrte, hatte aber das salische Königtum dort viel von seiner einstigen Machtstellung eingebüßt. Ein weiterer Italienzug Heinrichs (1090-1096) endete indes in einer Katastrophe: Heinrich selbst blieb zwischen 1093 und 1096 im östlichen Oberitalien eingeschlossen; in Deutschland setzte der Abfall von ihm massiv ein. Immerhin ermöglichte das Auseinanderbrechen der tuszisch-welfischen Koalition (1096) die Rückkehr des Kaisers nach Deutschland, wo es spätestens nach seiner Aussöhnung mit dem als Herzog bestätigten Welf IV. von Bayern (1096-1101) mit der Fürstenopposition zu einem Ausgleich kam. Erfolgreich war Heinrich IV. auch bei seiner Neuordnung der Thronfolge; der abtrünnige Konrad wurde für abgesetzt erklärt (1098), der jüngere Sohn Heinrich (V.) zum König gekrönt (1099). Im Jahre 1103 verkündete Heinrich IV. zudem den Mainzer Reichsfrieden. Ende 1104 rebellierte der Sohn Heinrich (V.) gegen den Vater, Anfang 1106 trat er seine selbstständige Regierung an (1106-1125) und wurde nach dem Tod des Vaters allgemein als König anerkannt. Verhandlungen mit Papst Paschalis II. (1099-1118) - auf der Grundlage der Unterscheidung zwischen spiritualia und temporalia ("geistliche Befugnisse" und "weltliche Rechte") - führten zunächst zu einem radikalen Lösungsversuch in der Investiturfrage (1111), aber auch zur Kaiserkrönung des Saliers (13. April 1111). Schließlich einigten sich Kaiser und Papst Calixt II. (1119-1124) im Wormser Konkordat (23. September 1122) auf einen Kompromiss bei der königlichen Bischofsinvestitur in Deutschland, Burgund und Italien; das Wormser Konkordat stellt damit das Ende des Investiturstreits (als Vergleich betreffend die Einsetzung von Reichsbischöfen und -äbten) dar. Dem Investiturstreit auf der einen entsprach die Gregorianische Kirchenreform auf der anderen Seite, wobei mindestens vier Ziele/Leitvorstellungen der Kirchenreform des 11. und 12. Jahrhunderts festzustellen sind: Man war 1) gegen die Missstände im Klerus (Simonie, Priesterehe) bei sakramentaler Heilsvermittlung der Priester, 2) für die Verbesserung der Lebensführung geistlicher Gemeinschaften (u.a. Klosterreform), 3) für die Zurückdrängung des Einflusses von Laien auf die Kirche (u.a. bei Laieninvestitur und Vogtei), 4) für die Betonung des römischen Primats und der Sonderstellung der römischen Kirche (Papsttum und Papstkirche). Dass die Gregorianische Kirchenreform alles andere als eine einheitliche Erneuerungsbewegung war, versteht sich von selbst. Doch gelang es dem Papsttum als universalkirchliche Instanz durchaus, regionale, divergierende Tendenzen aufzunehmen und der zunehmend als Zentrale verstandenen römischen Kirche dienstbar zu machen. Diese Vereinheitlichung ermöglichte in einem weit ausholenden Klärungsprozess den letztendlichen Erfolg der Reformbewegung, ging es doch um die "Freiheit der Kirche", die libertas ecclesie. Die hochmittelalterliche Klosterreform speiste sich dabei aus der cluniazensischen Reform, ausgehend vom burgundischen Kloster Cluny (gegründet 910), und aus dem Reichsmönchtum lothringischer Prägung um das Kloster Gorze (gegründet ca.757). Der Investiturstreit blieb nicht nur auf die Beziehungen zwischen Papst und römisch-deutschem König (rex Romanorum, regnum Teutonicum) beschränkt, sondern betraf - infolge des Aufstiegs des Reformpapsttums zu europäischer Geltung - auch die Könige in Frankreich, England oder auf der iberischen Halbinsel, wie der Investiturverzicht der französischen Herrscher Philipp I. (1060-1108) und Ludwig VI. (1108-1137) von 1107 (Synode von Troyes) oder das "Konkordat von London-Westminster" mit dem englischen König Heinrich I. (1100-1135) von 1107 zeigen.
Die historische Literatur zum Investiturstreit, zum Auseinandertreten von regnum ("Königtum") und sacerdotium ("Priestertum") am Anfang des hohen Mittelalters, ist naturgemäß reichhaltig: Blumenthal, Uta-Renate (1982), Der Investiturstreit (= Urban Tb 335), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1982, 192 S., DM 18,-; Fleckenstein, Josef (Hg.) (1973), Investiturstreit und Reichsverfassung (= VuF 17), Sigmaringen 1973, 460 S., DM 40,-; Hartmann, Wilfried (1993), Der Investiturstreit (= EdG 21), München 1993, XII, 152 S., DM 28,-; Goez, Werner (2000), Kirchenreform und Investiturstreit (910-1122) (= Urban Tb 462), Stuttgart-Berlin-Köln 2000, 223 S., DM 31,-; Kämpf, Hellmut (Hg.) (1963), Canossa als Wende (= WdF 12), Darmstadt 31976, X, 362 S., DM 56,-; Laudage, Johannes (1993), Gregorianische Reform und Investiturstreit (= EdF 282), Darmstadt 1993, VI, 195 S., DM 32,-; Wahl, Rudolph (1935), Der Gang nach Canossa. Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (= Bastei-Lübbe 64030), Bergisch Gladbach 1979, 394 S., DM 2,-; Weinfurter, Stefan (2006), Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 2006, 254 S., € 19,90; Zey, Claudia (2017), Der Investiturstreit (= BSR 2852), München 2017, 128 S., Zeittafel, Karte, € 8,95. An Quellen(sammlungen) zum Investiturstreit seien erwähnt: Quellen zum Investiturstreit, Tl.1: Ausgewählte Briefe Papst Gregors VII. (1978), hg. v. Franz-Josef Schmale u. Irene Schmale-Ott (= FSGA A 12a), Darmstadt 1978, 442 S., DM 69,-; Quellen zum Investiturstreit, Tl.2: Schriften über den Streit zwischen Regnum und Sacerdotium (1984), hg. v. Irene Schmale-Ott (= FSGA A 12b), Darmstadt 1984, 613 S., DM 79,-; Laudage, Johannes, Schrör, Matthias (Hg.) (2006), Der Investiturstreit. Quellen und Materialien. Lateinisch-Deutsch (= UTB 2769), Köln 2006, 245 S., € 16,90. [Buhlmann, 09.2012, 03.2014, 06.2017]

Irblich, Eva, Herwig, Wolfram (Hg.) (1993), Karl der Große und die Wissenschaft (= Ausstellungskatalog Karolingische Handschriften), Wien 1993 > K Karl der Große

  Irische Geschichte: Irland, die Insel im Atlantik, war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Zielpunkt äußerer Einflüsse, angefangen bei den Invasionen der Wikinger (ab 793) und Normannen (ab 1169). Dabei war das keltische Irland, aufgeteilt in kleinere Herrschaften und Kleinkönigtümer, seit dem 5. Jahrhundert eine christliche Insel (heiliger Patrick), eine vom römischen Papsttum zunächst unabhängige christliche Mönchskirche mit bedeutenden Klöstern (u.a. Bangor; Klostersiedlungen); die irische peregrinatio im merowingischen Frankenreich (Columban der Ältere, der Jüngere, Gallus) steht damit in Zusammenhang. Die Wikinger errichteten in Irland Handelsplätze und Militärstützpunkte (Cork, Dublin [852], Limerick), im 12. Jahrhundert gab es - nach einem geeinten Irland zur Zeit der Wikingerinvasionen? (Schlacht bei Clontarf 1014) - die vier Königreiche Ulster, Connacht, Leinster und Munster; Streitigkeiten zwischen Leinster und Connacht begünstigten indirekt die anglonormannische Eroberung Irlands (1169/72) unter dem angevenisch-englischen König Heinrich II. (1154-1189). Die englische Kolonisierung und Herrschaftsdurchdringung des 13. Jahrhunderts (Grafschaften, Baronien) machte aus Irland ein gespaltenes Land zwischen Ost und West, zwischen den eingewanderten Anglo-Iren auf der einen und der eingesessenen irischen Bevölkerung auf der anderen Seite. Im 14. und 15. Jahrhundert zeichnete sich die Unregierbarkeit der Insel ab (Vernichtungsfeldzug des Edward Bruce 1315-1318, Statut von Kilkenny 1366 [rechtliche Trennung von Engländern und Iren], Besuch Irlands durch den englischen König Richard II. [1377-1399] 1394), faktisch schrumpfte das Gebiet englischen Einflusses in Irland auf die Dubliner Region ("Pale" 1446) und einige Städte (Athlone, Meath, Trim, Wicklow); englische Herrschaft wurde gerade von den Anglo-Iren getragen (Poynings' Law 1494; Verbot eines irischen Parlaments ohne Zustimmung des englischen Königs), während Ulster und Connacht zunehmend wieder gälisch wurden. Im Zusammenhang mit englischer Reformation und anglikanischer Kirche entwickelte sich bei neuerlicher englischer (englisch-schottischer) Durchdringung Irlands (Politik der "Plantation" im 16. Jahrhundert) der katholisch-protestantische Gegensatz auf der Insel zwischen Iren und Engländern (Act of Uniformity 1560). Eher am Katholizismus (und an irischer Kultur) orientiert war dabei die sich im 16. und 17. Jahrhundert in ganz Irland ausbildende Schicht der "Old English", während die im Zuge der englischen Besiedlungspolitik neu nach Irland kommenden "New English" (oder "Ascendancy") protestantisch waren. Die religiöse Benachteiligung der katholischen Iren ging einher mit deren wirtschaflicher Benachteiligung (Enteignungen in der Landwirtschaft), Irland wurde von der englischen Krone wirtschaftlich ausgebeutet (Rodung des Waldbestandes im 17. Jahrhundert). Der irisch-englische Gegensatz entlud sich in Revolten und Strafmaßnahmen (Rebellion von Portadown 1641, Konföderation von Kilkenny 1642, Vergeltungsfeldzug Oliver Cromwells 1649/50). Irland war wirtschaftlich und kulturell in einen gälischen Westteil (Connacht) und östlichen, englisch dominierten Teil gespalten (mit dem Shannon als Grenze). Die "Ascendancy" als protestantische Oberschicht Irlands etablierte sich nach der "Glorious Revolution" in England (1688), der Schlacht am Fluss Boyne (1690) und dem Frieden von Limerick (1691; Religionsfreiheit für die katholische Bevölkerung Irlands). Das protestantisch dominierte Irland des 18. Jahrhunderts sah im Gegen- und Miteinander der Religionen (einschließlich der Prebyteraner und Quäker) Entwicklungen bei Literatur (Jonathan Swift) und geistigem Leben (Zeitungen [1706, 1725], Dublin Philosophical Society 1731], Einflüsse der Amerikanischen und Französischen Revolution auf das Bürgertum [ab 1776/89]) und bei Wirtschaft und Handel (Landesausbau und Landfrage, Intensivierung der Landwirtschaft [Kartoffel-, Getreideanbau], irischer Außenhandel im British Empire [Dublin, Belfast; Freihandel]); am Ende des 18. Jahrhunderts stand die Rebellion von 1798. Im Jahr 1801 folgte die Union zwischen Großbritannien und Irland - sie steht am Anfang des "langen 19. Jahrhunderts", irische Abgeordnete fanden Platz im Londoner Parlament, es entstand in Irland eine öffentliche Meinung, der wirtschaftlichen Armut und den massiven Bildungsdefiziten (Analphabetismus) breiter Bevölkerungsschichten zum Trotz. Die große Hungersnot von 1845/49 verstärkte die irische Auswanderung u.a. nach Nordamerika, aber auch die Wanderung in die Städte (Urbanisierung Irlands). Die Hungersnot erwies sich als große soziale und geistige Zäsur (Neudefinition des Protestantismus und des Katholizismus, irisch-republikanische Bewegung der "Fenier"). Die von England ausgehende industrielle Revolution führte im Irland des 19. Jahrhunderts allerdings nur zu einem schwachen Ausbau nichtagrarischer Wirtschaftstätigkeiten (Bier- und Whiskeybrauereien [Guiness], Schifffahrtskanäle [Royal Canal 1817, Grand Canal 1835], Eisenbahnauf- und -ausbau [Dublin-Wicklow 1834]), während der irische Agrarexport (Leinen, Butter, Fleisch) in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter anstieg. Die britische Regierung verfolgte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bzgl. Irlands eine Politik der Selbstverwaltung ("Home Rule", Government of Ireland Bill 1886; "konstruktiver Unionismus"), doch standen dem massive soziale Gegensätze entgegen ("Landkrieg" 1879/82, Boykott der Landgesetze durch die Irish land League 1881/82, Orangemen und Orange Order in Nordirland, Partei Sinn Feín 1905). Die Radikalisierung in der irischen Politik führte nach Erstem Weltkrieg (1914-1918) zum Unabhängigkeitskrieg (1919/21) und zum Anglo-Irischen Vertrag von 1921 (Bildung eines Irischen Freistaats innerhalb des britischen Commonwealth) und im Bürgerkrieg von 1922/23 zur Abtrennung des protestantisch beherrschten Nordirlands, das weiterhin mit Großbritannien verbunden blieb. Der Irische Freistaat (Verfassung von 1922) löste sich in der Folgezeit aus der Bindung zu Großbritannien (Aufnahme in den Völkerbund 1923, Verfassung von 1937, Republik Éire 1945, Austritt aus dem Commonwealth 1949). In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stand der Nordirlandkonflikt (1969/98/2007) politisch im Vordergrund, Irland trat 1973 in die Europäische Gemeinschaft ein und liberalisierte sich in der Folgezeit gesellschaftlich (Abtreibung, Ehe, katholische Kirche) und wirtschaftlich (Welthandel und Globalisierung, Finanzkrise [2008]).
Vgl. Harscher, Reiner, Tschirner, Susanne (1997), Irland. Insel unter dem Regenbogen, Augsburg 1997, 144 S., Farbfotos, Karte, DM 19,95; Irland (1980), München 41984/85, 368 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, Karten, DM 19,80; Krinitz, Hartmut (1999), Sehnsucht Irland, München 1999, 112 S., Farbfotos, Karte, DM 29,90; Stuchtey, Benedikt (2012), Geschichte Irlands (= BSR 2765), München 2012 > S Stuchtey, Geschichte Irlands; Tarchetti, Simona (1993), Irland (= Länder der Welt), o.O. [Köln] 2003, 128 S., Farbfotos, € 5,-. [Buhlmann, 11.2012, 09.2018, 07.2019, 03.2020]

Irmscher, Johannes (1989), Sokrates. Versuch einer Biografie (= RUB [Ost] 911), Leipzig 1989 > S Sokrates

Irsigler, Franz (1969), Untersuchungen zur Geschichte des frühfränkischen Adels (= RA 70), Bonn 1969, 21981, 270 S., DM 25,-. Aufbauend auf sozialgeschichtlich-funktional-mentalitätsgeschichtlichen Ansätzen von Claude und Prinz, lehnt Irsigler eine Bevorzugung der fränkischen Rechtsquellen (Grahn-Hoek) ab zu Gunsten der Interpretation aller zur Verfügung stehenden Geschichtsquellen ab. Irsigler kommt daher zu folgenden Ergebnissen: Ab dem frühen 6. Jahrhundert ist ein fränkischer "Adel" insofern feststellbar, als dieser eine politisch, wirtschaftlich und sozial klar herausgehobene Führungsschicht im merowingischen Frankenreich gebildet hat. Diese Führungsschicht zeichnet sich durch (politische) Funktion, Lebensweise und Mentalität aus. Grundlagen des Adels waren: Abstammung aus einer angesehenen Familie, wirtschaftliche Macht und Großgrundbesitz, vom König nicht abgeleitete Herrschaftsrechte. Auf den Adel stützte sich das Königtum bei der Ausbreitung und Organisation fränkischer Herrschaft (Amtsgewalt und Adelsherrschaft). Dabei kam dem Königsdienst der Adligen eine besondere Rolle zu (Dienst und politische Einflussnahme bei wirtschaftlicher Machtausweitung). Hinsichtlich des Adelswergeldes geht Irsigler davon aus, dass der Adel die Höhe des Wergelds selbst bestimmt hat. [Buhlmann, 05.1988]

Irtenkauf, Wolfgang (1975), Neresheim und die Kirchen des Härtsfelds (Patrozinien und Altäre der alten Klosterkirche), in SMGB 86 (1975), S.81-92 > N Neresheim

Irving, David (1963), Der Untergang Dresdens, Gütersloh 1964 > Z Zweiter Weltkrieg

Irving, David (1983), Hitlers Krieg. Die Siege 1939-1942 (= Heyne Tb 6501), München 1985 > Z Zweiter Weltkrieg

Is

Isenberg, Gabriele (2014), Nach den Sachsenkriegen Karls des Großen: Neue Bedrohung aus dem Norden. Liudger, Werden und die Wikinger, in: WZ 164 (2014), S.9-25. Die Vita Liudgeri Bischof Altfrids (†849) über den heiligen Missionar und Bischof Liudger (†809) schildert (I, c.27) Liudgers schrecklichen Traum einer normannischen Gefahr aus dem Norden, die erst nach seinem Tod das Frankenreich heimsuchen soll. In der Tat sind normannische Erkundungen und Angriffe auf Nordwesteuropa ab den 820er-Jahren historisch belegt, wobei ab 834 mit jährlichen Überfällen zu rechnen war, um 850 die Wikingerinvasionen nachließen und in den 850er-/860er-Jahren verstärkt wieder auflebten. Schon Kaiser Karl der Große (768-814) hatte sich mit dänischen Wikingern auseinanderzusetzen (Gründung von Itzehoe 809, dänische Plünderung Frieslands 810, Friedensschluss mit dem Dänenkönig Godofrid 812); zeitlich weiter voraus reicht der skandinavische Überfall auf das Kloster Lindisfarne (793), von dem sicher auch Liudger auf Grund seiner Verbindungen zur nordenglischen Kirche (Alkuin) wusste. Auch das von Liudger gegründete Kloster Werden wäre von den Normannen bedroht gewesen. Hier bot die Einbeziehung des Liudgergrabes in den Neubau der Klosterkirche (Werdener Kryptenanlage) ideellen Schutz durch einen Wunder wirkenden Heiligen (wie das Lebuingrab in Deventer), der vielleicht früher anzusetzende Bau der karolingischen Befestigungsanlage Broich tatsächlichen militärischen Schutz. Werden blieb wahrscheinlich in der Tat von einem Wikingerüberfall verschont, wie auch die Vita Liudgeri secunda, entstanden vor 864, vermittelt. Der wirkungsmächtige Heilige Liudger überflügelte - dieser Vita zufolge - zudem die zahlreich in sächsische Bistümer, Klöster und Stifte importierten christlichen Heiligen (Liborius [Paderborn, Corvey], Alexander [Wildeshausen], Gorgonius [Minden], Pusinna [Herford], Saturnina [Neuenheerse] u.a.; "Heiligenwettstreit"). [Buhlmann, 07.2018]

Isenberg, Gabriele (2017), Das Bistum Münster in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Ein Sonderfall in Sachsen?, in: WZ 167 (2017), S.9-35. Münster (Mimigernaford) war in den Sachsenkriegen (772-804) des Frankenherrschers Karl des Großen (768-814) wohl eine größere sächsische Siedlung, die als Ausgangspunkt für das Missionswerk des Friesen Liudger (†809; in der Nachfolge Abt Beornrads von Echternach [†797]) unter den Westsachsen diente (Kanonikerstift, Überwasserkirche?; ca.792/93). Das Bistum Münster und der Ort Münster als Bischofsstadt konkretisierten sich mit der Weihe Liudgers zum ersten münsterischen Bischof (805). Dabei bildeten - abseits vereinzelter Kirchengründungen des Bischofs (Beckum?, Billerbeck, Coesfeld, Stadtlohn?, Warendorf?) - Eigenkirchen von Grundherren, Klöstern und Stiften als Mittelpunkt von Grundherrschaften (Herzfeld***) sowie auf Königsgut das eigentliche aus Pfarrkirchen bestehende (Organisations-) Gerüst des Bistums, während die Missionstätigkeit Liudgers dazu parallel lief und die kirchliche Seelsorge, nicht die Kirchenorganisation in den Mittelpunkt stellte. Letzteres führt auch dazu, dass Liudger seinen Bischofssitz Münster insofern vernachlässigte, dass die Klostergründung Werden (799) zum Teil in den Vordergrund tat und wahrscheinlich erst unter Liudgers bischöflichen Nachfolgern Gerfrid (809-839) und Altfrid (839-849) Kirchenlandschaft und Bistum von Münster Gestalt annahm (münsterisches Pauluspatrozinium, "Alter Dom", friesischer und westsächsischer Teil des Bistums Münster, Bedeutung des Reichsguts, Frauenstifte [Liesborn, Nottuln, Vreden]). Mit dem Ende des liudgeridischen Bistums unter Bischof Liudbert (849-870) trennten sich geschichtlichen Wege von Münster und Werden (Grablege der münsterischen Bischöfe in Münster, fehlendes Heiligengrab dort). [Buhlmann, 07.2018]

Isenberg, Gabriele, Rommé, Barbara (Hg.) (2005), 805: Liudger wird Bischof. Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster (= Ausstellungskatalog), Münster 2005 > L Liudger

Ishoven, Armand van (1978), Messerschmitt. Sein Leben, seine Flugzeuge (= Heyne Tb 5532), München 1978 > Z Zweiter Weltkrieg

[Isidor von Sevilla,] Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, übers. v. Lenelotte Möller (2008), Wiesbaden 2008, 736 S., € 25,- > Lateinische Literatur > I Isidor von Sevilla

Islam, Frühzeit: Der Islam als Religion entstand im spätantiken Umfeld monotheistischer Erlösungsreligionen (Judentum, Christentum, Zoroastrier) sowie im politischen Spannungsfeld der Weltreiche von [ost-] römischem Reich und Sassanidenreich. Die arabischen Stämme standen teilweise auf Seiten Roms, teilweise auf persischer Seite, waren auch auf der Arabischen Halbinsel eingebunden in die Politik der Großmächte. Insofern versprach die Kreierung des Islam als prestigeträchtiger neuer Erlösungsreligion auf Basis der arabischen Kultur durch den Mekkaner Mohammed (*570/73-†632) den Vorteil der religiösen und politischen Unabhängigkeit bei Vereinigung der arabischen Stämme (innere Befriedung durch Islam). Dabei hatte der charismatische Mohammed freilich einige Widerstände zu überwinden (Auftreten als Prophet 610, Hedschra 622, Schlacht bei Badr 624, satanische Verse des Koran, Einnahme Mekkas 630, Mekka und Kaaba). Das gelang ihm und seinen Nachfolgern, den Kalifen, nicht zuletzt durch Kriege gegen äußere Feinde, die auf der Grundlage von neuer Religion und Ideologie erfolgreich durchgeführt werden konnten (Beuteerwerb, fath ["Öffnung, Unterwerfung" der Welt] als religiöses Gebot). Die muslimische Eroberung wurde sehr begünstigt durch die politische Lage im oströmischen und Sassanidenreich nach dem großen römisch-persischen Krieg (602-628); die lokalen Eliten in den beiden Großreichen insbesondere verloren zu Gunsten der Zentralen (Konstantinopel, Ktesiphon) zunehmend an Macht (Zentralisierungstendenzen), die muslimischen Eroberer profitierten somit von dieser politischen Zerrissenheit, wohl weniger von der im oströmischen Reich verbreiteten religiösen Spaltung im Christentum (Orthodoxe, Monophysiten, Kopten). Die lokalen Eliten der beiden Reiche wurden einbezogen in das entstehende frühmuslimische Großreich "indirekter imperialer Herrschaft". Erobert wurden so: Syrien, Irak, Ägypten (unter Kalif Umar [634-644]), Iran, Gebiete westlich Ägyptens, Maghreb (unter Kalif Uthman [644-656] und später), Zentralasien (ab 673), Spanien (ab 711). Muslimische Herrschaft wurde immer wieder erschüttert durch innere Konflikte (ridda ["Abfall"] arabischer Stämme 632 beim Tod Mohammeds [Kalif Abu Bakr, 632-634]; Erster Bürgerkrieg [fitna], "Kamelschlacht" 656/60, Omaijadenkalifat 660/61; Aufstand Husains, Schlacht bei Kerbela 680; Zweiter Bürgerkrieg 683/92; Abbasidenkalifat 750). Diese wiederholten inneren Probleme führten neben dem Ende der Eroberungen zu einer Intensivierung von Herrschaft bei einer Zentralisierung von Staatlichkeit und Religion (Verschränkung von Herrschaft und Religion [Islam]; islamische Bekehrung und Uniformierung von Gesellschaft und Unterworfenen; Islam als Minderheitsreligion in den eroberten Regionen [bis ins hohe Mittelalter?]). Dies führte u.a. zu Aufständen, die der islamischen Herrschaft aber nicht mehr gefährlich werden konnten. Stattdessen wurden die Bürokratien, die die (spät-) antiken Großeeiche ausgebildet hatten, weiter genutzt, was auch mit der Übernahme gesellschaftlicher (Städtewesen, Wirtschaft, Handel) und kultureller Traditionen ([persische] Herrschaftstraditionen, hellenistische Wissenschaft, arabische Kultur) einherging. Damit steht die muslimische Eroberung von Gebieten im Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht nicht für eine so einschneidende historische Zäsur, verglichen mit den parallel dazu stattfindenden Umbrüchen im Westen und Nordwesten Europas (germanische Reichsgründungen, Frankenreich, gesellschaftliche Umbrüche) (nach: Berger, Islam).
Zur (frühen) Geschichte des Islam und Mohammeds s.: > B Berger, Lutz, Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre. Von Mohammed bis zum Weltreich der Kalifen, München 2016; Konzelmann, Gerhard (1980), Mohammed. Allahs Prophet und Feldherr, Bergisch Gladbach 1980, 320 S., Karte, DM 36,-. [Buhlmann, 02.2018, 11.2018]

Islamismus als radikal-extremistisch-terroristische, vermeintlich auf der islamischen Religion gründende Ideologie der Moderne: Teilweise vielleicht ins 18./19. Jahrhundert zurückreichend, gründet der Islamismus vornehmlch auf einem (falsch verstandenen?) Islam, den er als Lebens-, Rechts- und Staatsordnung verabsolutiert bei Ausgrenzung u.a. demokratischer und sozialer, gerade westlicher Konzepte von Gesellschaft (Menschenrechte, Freiheit). Mit seinem rückwärtsgewandten, zu angeblichen Ursprüngen zurückkehrenden Verständnis von Islam und islamischer Religion ersetzte der Islamismus teilweise den arabischen Nationalismus des 20. Jahrhunderts, propagierte eine angebliche "islamische Wiedergeburt" und radikaliserte sich in den 1990er-Jahren noch (europäischer Kolonialismus, Palästinaproblem, Kriege arabischer Staaten gegen Israel, Golf-Kriege) Ausfluss des Islamismus als Fundamentalismus sind heute: Antidemokratismus, Antisemitismus, Frauenbild und Patriarchat, islamistischer Terrorismus. Zu unterscheiden sind ein sunnitischer und schiitischer Islamismus; daneben spielt der Salafismus eine Rolle.
Vgl. Pohly, Michael, Durán, Khalid (2001), Osama bin Laden (und der internationale Terrorismus) (= Ullstein Tb 36346), München 2001, 112 S., Farbtafeln, Zeittafel, € 6,95; Scholl-Latour, Peter (2002), Kampf dem Terror - Kampf dem Islam? Chronik eines unbegrenzten Krieges, München 22003, 42003, 496 S., Farbtafeln, Karten, € N.N. [Buhlmann, 05.2021, 09.2021]

Israelische Geschichte (der Moderne): I. Der moderne Staat Israel wurzelt u.a. im Zionismus, jener auf Aufklärung, Säkularisierung und Modernisierung beruhenden politisch motivierten Bewegung, die vor dem Hintergrund von fehlender jüdischer Emanzipation in West- und Judenpogromen in Osteuropa eine "nationale Heimstatt" für das Volk der Juden in Palästina forderte. Befördert wurde die zionistische Bewegung stark durch die Person Theodor Herzls (*1860-†1904) (1. zionistischer Kongress in Basel 1897: "Basler Programm"). Die folgenden Jahrzehnte waren von einer jüdischen Zuwanderung (Alija) nach Palästina geprägt, wobei fünf jüdisch-zionistische Migrationswellen festzustellen sind (1. Alija [1882-1904] auf Grund von Pogromen in Russland: ca.30000 Juden; 2. Alija [1904-1914] wegen Pogromen und auf Grundlage zionistisch-sozialistischer Weltanschauungen: ca.35000 Juden, Gründung von Tel Aviv [1909], erster Kibbuz Degania [1910]; 3. Alija [1918-1924] wegen der kommunistischen Revolution in Russland: Kibbuzimbewegung, "Gartenstadt" Moschaw Nahalal [1921]; 4. Alija [1924-1931] wegen der Stalindiktatur und des sowjetischen Antisemitismus: ca.60000 Juden [bis 1926], Anwachsen von Städten wie Tel Aviv oder Haifa; 5. Alija [1933-1945/47] in der Folge der nationalistischen Gewaltherrschaft in Deutschland und Europa: ca.250000 Juden [bis 1939], auch illegale Einwanderung). Die Einwanderungswellen verstärkte die jüdische Gemeinschaft in Palästina (Jischuw), die bis 1931 auf 175000 (17 Prozent der Gesamtbevölkerung), bis 1946 auf 543000 Personen (30 Prozent) anwuchs; Palästina wurde zu dem Zentrum jüdisch-zionistischer Kultur (weltweit) (Hebräisch als Verkehrssprache, Literatur, Hebräische Universität Jerusalem [1925]). Die Einwanderung war dabei abhängig von den politischen Gegebenheiten, insbesondere in der Zwischenkriegszeit (1918-1939) vom Verhalten der britischen Mandatsmacht über Palästina (Balfour-Deklaration 1917, Passfield-Weißbuch 1930, Beschränkung der Einwanderung 1934, Teilungsplan der Peel-Kommission 1937, McDonald-Weißbuch 1939). Zudem riefen Einwanderung und Landkauf bei der arabischen Bevölkerung Palästinas Ängste, Misstrauen und Zorn hervor, besonders nach den Unruhen von 1929 (Konflikte in Jaffa 1921, "Bund zionistischer Revisionisten" 1925, Zusammenstöße in Jerusalem und darüber hinaus [Massaker von Hebron] 1929, jüdische "Hagana" als para-/miltitärischer Machtfaktor, jüdische Terrororganisation "Etzel" 1931, "Großer Arabischer Aufstand" 1936/39, radikale jüdische Gruppe "Lechi" 1940, jüdische Elitetruppe "Palmach" 1941). Jüdische Radikale bekämpften während und nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) die britische Mandatsmacht (Bombenanschlag auf das Jerusalemer King David Hotel 1946; Weigerung der Mandatsmacht, das Passagierschiff "Exodus" mit 4500 Holocaustüberlebenden in Palästina anlegen zulassen [1947]), während z.B. die Vertreter der 1930 gegründeten jüdischen Arbeiterpartei (MAPAI) unter dem Vorsitzenden David Ben-Gurion militärische Aktionen gegen die Mandatsmacht ausschlossen. II. Mit der Billigung der Resolution 181 über das Ende des britischen Mandats über und einer jüdisch-arabischen Teilung von Palästina durch die Vereinten Nationen (UNO) (29. November 1947) war der Weg zu einem jüdischen Staat in Palästina frei. Aus dem in Palästina weitgehend autonom agierenden Jischuw wurde in der Folge der selbstständige Staat Israel (Unabhängigkeitserklärung im Museum von Tel-Aviv am 14. Mai 1948). UNO-Resolution und Gründung des Staates Israel riefen sofort den Widerstand der arabischen Bevölkerung hervor; in einem Unabhängigkeitskrieg (1. Phase: November 1947-Mai 1948; 2. Phase: Mai 1948-Juli 1949) setzten sich bei Erweiterung des jüdischen Territoriums (über die Gebiete des Teilungsplans hinaus) letztlich die jüdische Truppen gegen arabisch-palästinensische Milizen ("Arabische Legion", arabische Belagerung Jerusalems 1948) und die Armeen aus Ägypten, Syrien und Irak (ägyptischer Angriffsversuch auf Tel-Aviv 1948) durch (Waffenstillstand Juni/Juli 1948, jüdische Eroberung arabischer Städte [Lydda, Ramla] 1948, jüdischer Vorstoß nach Eilat und zum Roten Meer 1949). Der Krieg endete mit Waffenstillständen mit den benachbarten arabischen Staaten (bis Juli 1949) bei faktischer Anerkennung der erweiterten israelischen Grenzen ("Grüne Linie"); durch den Krieg wurden 700000 arabische Palästinenser vertrieben, das Königreich Jordanien annektierte das Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalems, Ägypten besetzte den Gaza-Streifen. Die Grenzen des jüdischen Staates, deren Bewohner (auch Exil-/Diasporajuden) sich vor dem Hintergrund der erkämpften Unabhängigkeit zunehmend als einheimische Sabras verstanden, blieben auch nach dem Krieg im Rahmen von Grenz- und Guerillakriegen (1948/49-1967) umkämpft (arabische Infiltration und Anschläge [Fedajins], jüdische Gegenmaßnahmen ["Einheit 101", Massaker von Qibya 1953]). Die Verstaatlichung des Suezkanals durch den ägyptischen Präsidenten Abdel Nasser, der sich der kommunistischen Sowjetunion stark angenähert hatte, führte zum letzlich erfolglosen Eingreifen Großbritanniens und Frankreichs in der Suezkrise (1956); Israel griff auf Seiten der europäischen Mächte ein, besetzte den Sinai und drang bis zum Nordteil des Kanals vor; das Eingreifen der Sowjetunion und der USA nötigten Großbritannien und Frankreich zum Abzug, Israel und Ägypten schlossen einen Waffenstillstand, Israel zog in der Folge seine Truppen vom Sinai wieder ab (Januar 1957). III. Ab den 1950er-Jahren befinden sich die Juden im Staat Israel auf den Weg von einer eher "kulturell homogenen Gesellschaft" des "Schmelztiegels" der Jischuw zu einer "heterogenen Mosaikgesellschaft", ablesbar an den immer wieder von der Knesset, dem jüdischen Parlament, beschlossenen verfassungsnahen Grundgesetzen (Rückkehrgesetz 1950 [Begriff "Jude", orthodoxes Judentum als Staatsreligion]), am säkularen (Zionismus) und religiösen Israel (Halacha als jüdisch-religiöses Gesetz: Reform- und konservatives Judentum ursprünglich deutscher Prägung, strenge jüdische Orthodoxie [jüdische Nationalisten, Charedim als ultraorthodoxe Juden), an Spannungen zwischen Demokratie und Religion (Schabbatkämpfe und -verbote [1980er-Jahre], Ultraorthodoxe und Wehrpflicht, wachsender Anteil von Ultraorthodoxen an der jüdischen Gesamtbevölkerung); die jüdische Hauptstadt Tel Aviv stand und steht dabei für das säkulare Israel. Israel war und ist ein Einwanderungsland; gerade nach der Staatsgründung gelangte eine Vielzahl von Juden aus Europa, dem Irak und dem Jemen dorthin (1948-1953: ca.650000; Operation "Ezra und Nehemia" 1948), doch blieb z.B. die Integration der Olim ("Einwanderer") aus arabischen Staaten in dem westlich-europäisch-säkular geprägten Staat zunächst durchaus materiell und kulturell unzureichend. Ähnliche Integrationsprobleme gab es bei den Zuwanderern aus dem Maghreb (1950er-, 1960er-Jahre), insbesondere aus Marokko, mit deren arabisch-jüdischer Misrachi-Identität. In den 1980er-Jahren kamen in einer Alija (dunkelhäutige) Zuwanderer aus Äthiopien nach Israel, in den 1990ern (mehr als 1000000) Juden aus den Staaten der zerfallenen Sowjetunion. Auch die Zuwanderergruppen trugen und tragen mit ihren "legitimen Kulturen" zur "Mosaikgesellschaft" Israels bei. Gesellschaftlich standen und stehen die Araber in Israel indes am Rand; auch wanderten Israelis u.a. in wirtschaftlichen Notzeiten wieder aus, so dass mit der Zeit wieder große jüdische Gemeinden außerhalb Israels entstanden (u.a. in Berlin). Wirtschaftlich war und ist Israel geprägt von der (im Verlauf der Jahrzehnte sich verändernden) Kibbuzimbewegung zwischen Nationalismus und Sozialismus (wirtschaftliche Rezession in den 1960er- und 1980er-Jahren), einer in den 1980er-Jahren vollzogenen Wende zu Neoliberalismus und Kapitalismus bei Privatisierung staatlicher Betriebe und zunehmender Eingebundenheit der israelischen Wirtschaft in die Weltwirtschaft (Reformen von 1985 und 2003), von zunehmenden Protesten gegen eine große Teile der Bevölkerung betreffende soziale Schieflage (wie 2014). Israelische Staatlichkeit definierte und definiert sich nicht zuletzt über die Erinnerung an den Holocaust des Zweiten Weltkriegs (Wiedergutmachungsabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland 1952, Gründung von Yad Vashem 1953, Prozess gegen Adolf Eichmann 1961, Zeitzeugen des Holocaust [Nizolim], Yehuda Elkana 1988). IV. In den 1960er-Jahren hatte sich der Staat Israel unter seinen Ministerpräsidenten (Premierministern) David Ben-Gurion (1948-1953, 1955-1963), Moshe Sharet (1953-1955) und Levi Eschkol (1963-1969), die linksgerichteten Regierungen (MAPAI, Awoda) vorstanden, politisch soweit stabilisiert, dass das jüdische Staatswesen den Sechstagekrieg (Junikrieg) von 1967 gegen die arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien und Syrien bestehen konnte; der Präventivschlag israelischer Truppen unter Verteidigungsminister Mosche Dajan gegen Ägypten brachte schon am ersten Tag (5. Juni) die Entscheidung; die Halbinsel Sinai wurde besetzt, ebenso gegen Jordanien das Westjordanland ("Westbank") einschließlich Ostjerusalems (Klagemauer) und gegen Syrien die Golanhöhen. Der Sieg im Sechstagekrieg ließ eine "Großisrael-Bewegung" unter den Juden entstehen, während die Situation der palästinensischen Araber in den besetzten Gebieten (Westbank, Gazastreifen) prekär wurde und blieb (Flucht und Vertreibung, israelische Militärregierung, palästinensischer Nationalimus, Al-Fatah und PLO [Palestine Liberation Organization] unter Jassir Arafat [†2004]). Der Sechstagekrieg machte Israel zu einer "Regionalmacht" im Nahen Osten. Mit Ägypten unter Präsident Nasser hielt ein Abnutzungskrieg am Suezkanal allerdings noch mehrere Jahr an (1968-1970; israelische "Bar-Lev-Linie"), bis unter Nassers Nachfolger Anwar al-Sadat es zunächst zum Jom-Kippur-Krieg (als Stellvertreterkrieg im Ost-West-Konflikt) (Oktober 1973; israelische Verteidigung der Golanhöhen gegen Syrien, ägyptische Vorstöße auf dem Sinai, israelischer Vorstoß Richtung Kairo), dann zum Waffenstillstand und schließlich über Sadats Besuch in Israel (1977) zum Friedensabkommen von Camp David (1978) kam (Abzug Israels vom Sinai). Der politisch-gesellschaftliche Konsens in Israel nach dem Sechstagekrieg verschwand indes in den 1970er-Jahren unter der Premierministerin Golda Meir (1969-1974) und ihrem Nachfolger Jitzchak Rabin (1974-1976, 1992-1995, ermordet), ablesbar an der Entstehung einer israelischen Siedlerbewegung, die sich für jüdische Ansiedlungen in den 1967 besetzten Gebieten aussprach (Anfänge in Gush-Ezion und Hebron 1973, israelische Siedlung Sebastia 1974), ablesbar aber auch daran, dass ab 1977 konservative Regierungen in Israel dominieren, deren Regierungschefs der Likud-Partei angehören: Den Likud-Premiers Menachim Begin (1977-1983), Jitzchak Schamir (1983-1984, 1986-1992), Benjamin Netanjahu (1996-1999, 2009-heute), Ariel Sharon (2001-2006) stehen die linksgerichteten Regierungschefs Schimon Peres (1983-1984, 1995-1996), Jitzchak Rabin, Ehud Barak (1999-2001) sowie der "liberale" Ehud Olmert (2006-2009) gegenüber. Das Friedensabkommen von Camp David war ohne Beteiligung der Palästinenser geschlossen worden, was das Verhältnis zwischen Israel und den Arabern in den besetzten Gebieten zusätzlich belastete; die PLO war schon 1970 aus Jordanien vertreiben worden, ein palästinensischer Terrorismus griff um sich (Terrorakt bei den Olympischen Spielen in München 1972 u.a.), die PLO bedrohte den Norden Israels. Der 1. Libanonkrieg Israels diente der Bekämpfung der PLO im Libanon (1982; zeitweilige Besetzung Beiruts, Massaker christlicher Falangisten in palästinensischen Lagern); bis 1985 bzw. 2000 solltten israelische Truppen im Süden des Libanon verbleiben (Aufstieg der islamistisch-schiitischen Hisbollah), der Libanonkrieg löste in Israel eine Friedensbewegung aus, entfremdete aber Juden und Palästinenser weiter voneinander. So kam es, verursacht durch die jüdischen Siedlungsaktivitäten, aber auch durch wirtschaftliche Probleme und Überbevölkerung (Gazastreifen, Gründung der islamistisch-sunnitischen Hamas 1987), auf Seiten der Palästinenser zur Ersten Intifada (1987-1993), einhergehend mit einer weiteren Militarisierung der israelischen (Zivil-) Gesellschaft (Militärdienst, Rolle der Reservisten). Politisch beruhigend wirkten zunächst die Friedensverhandlungen und das Abkommen von Oslo (1993), das einen israelisch-palästinensischen Ausgleich bei teilweiser palästinensischer Autonomie im Gazastreifen und in der Westbank vorsah, sowie der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien (1994). Doch überwog in der Folgezeit auf beiden Seiten das Misstrauen, geschürt auch durch die Ermordung des israelischen Premiers Rabin durch einen jüdisch-religiösen Fundamentalisten (1995). Die vom Likud dominierten Regierungen seit den ausgehenden 1990er-Jahren hatten und haben jedenfalls kein Interesse an der Umsetzung des Osloer Friedensplans. Das Misstrauen mündete auf palästinensischer Seite in die Zweite Intifada (2000-2003; palästinensische Selbstmordattentäter). Es folgte der Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen (2005), was dort Auseinandersetzungen zwischen der PLO und der Hamas auslöste (2005-2007; Hamas im Gazastreifen, PLO im Westjordanland unter der Regierung von Mahmoud Abbas), es folgte der 2. Libanonkrieg zwischen Israel und der Hisbollah (2006). Das Westjordanland außerhalb der palästinensischen Autononiegebiete stellt somit auch und gerade heute eine Zweiklassengesellschaft zwischen jüdischen Siedlern und palästinenischen Arabern dar. Israel muss sich heute zwischen Kooperation und Konfrontation entscheiden, zwischen einer Ein- oder Zweistaatenlösung, zwischen einer demokratischen Einbeziehung der arabischen Bevölkerung oder deren Unterdrückung (nach: Zadoff (2020), Geschichte Israels).
Zur (modernen) israelischen Geschichte s.: Konzelmann, Gerhard (1990), Der Jordan. Ur-Strom zwischen Heil und Haß, Gütersloh o.J., 504 S., Karte, DM N.N.; Zadoff, Noam (2020), Geschichte Israels. Von der Staatsgründung bis zur Gegenwart (= BSR 2905), München 2020 > Z Zadoff, Geschichte Israels. [Buhlmann, 01.2021, 05.2021]

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