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Rezensionen (Geschichte)
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Waas, Adolf (1967), Heinrich V. Gestalt und Verhängnis des letzten salischen Königs, München 1967 > H Heinrich V.

Wagener, Heinz (1988), Liudger (um 742-809), Begründer des westfälischen Kirchengesangs, in: Westfalen 66 (1988), S.94-112 > L Liudger

Wagner, Gerhard (2011), Das geht auf keine Kuhhaut. Redewendungen aus dem Mittelalter, Darmstadt 22012, 160 S., € 9,90. Redewendungen ("Idiomatismen") als sprachliche Ausdrücke aus mehreren Wörtern reichen bis ins Mittelhochdeutsche und Frühneuhochdeutsche zurück, können aber auch bedeutend jünger sein und zudem anderen Sprachen (Latein, Französisch, Jiddisch) entstammen. Dabei lassen sich folgende mittelalterlich-frühneuzeitliche Millieus, aus den Redewendungen entstanden sind, festhalten: Rittertum, Militärisches ("Pech gehabt!", "In die Bresche springen!", "Etwas im Schilde führen", "Eine Lanze brechen", "Den Spieß umkehren", "Auf großem Fuße leben" [12.Jh.]); Recht, Gericht ("Etwas auf die lange Bank schieben" [15.Jh.], "Etwas auf dem Kerbholz haben", "Auf keinen grünen Zweig kommen", "Mit Haut und Haar" [13.Jh., Sachsenspiegel], "In den Wind schlagen" [13.Jh.], "Mit Fug und Recht", letztere Redewendungen als Zwillingsformeln); Kirche ("Jemanden die Leviten lesen" [8.Jh.], "Am Hungertuch nagen" [13.Jh.]); Wirtschaft ("Blau machen", "Durch die Lappen gehen", "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" [13.Jh.], "Splitternackt sein" [15.Jh.], "Keinen Deut besser", "Keinen Heller wert", "Fersengeld geben" [13.Jh.]); Häusliches ("Maulaffen feilhalten" [14.Jh.], "Unter einer Decke stecken" [13.Jh.], "Vögeln" [16.Jh.], "Mit Kind und Kegel" [15.Jh.], "Einen Stein im Brett haben" [16.Jh.]). [Buhlmann, 03.2014]

Wahl, Rudolph (1948), Karl der Große. Eine Historie, München 1948 > K Karl der Große

Wahl, Rudolph (1935), Der Gang nach Canossa. Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (= Bastei-Lübbe 64030), Bergisch Gladbach 1979 > I Investiturstreit

Wais, Reinhard (1961), Die Herren von Lupfen, Landgrafen von Stühlingen bis 1384 (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich-Fürstenbergischen Archiv, H.16), Donaueschingen 1961, 173 S., Stammtafeln, 2 Karten, Regesten, DM 16,-. Die Herren von Lupfen sind 1065 erstmals bezeugt, die Burg Hohenlupfen lag bei Talheim (nordwestlich von Tuttlingen). Um die Mitte des 13. Jahrhunderts kamen die Edelherren in den Besitz der Herrschaft Stühlingen und von Grafenrechten (Landgrafschaft Stühlingen), 1256 teilten sie sich in die Linien Lupfen (bis 1437, bald bedeutungslos werdend) und Stühlingen (bis 1582). Besitzmäßig ist die Herrschaft Lupfen seit dem beginnenden 13. Jahrhundert zu erfassen (Besitz auf der Baar, um Rottweil und Oberndorf; Frauenkloster Offenhausen); Burg und Herrschaft Lupfen wurden 1304 von den Habsburgen gekauft und habsburgisch-österreichisches Lehen (Pfandschaft von 1315). Die Landgrafschaft Stühlingen, die sich aus dem hochmittelalterlich bezeugten Albgau entwickelt hatte und die die Herren von Lupfen als Verwandte der ausgestorbenen Herren von Küssaburg gegen die Konstanzer Bischöfe behaupten konnten, umfasste (in Lupfener Lehnsherrschaft) Orte im Alb- und Klettgau sowie in der Albuinsbaar (Herrschaft über Lehns- und Eigenleute). Zudem gab es Streubesitz außerhalb der Herrschaft Lupfen und der Landgrafschaft Stühlingen. Lupfener Eigenkirchen waren u.a. die in Wurmlingen, Aldingen oder Stühlingen; ein Heinrich von Lupfen war Pfarrer in Wurmlingen (1260) und Oberndorf (1268/73), ein Berthold von Lupfen war der rector ecclesiae der Pfarrkirche in Fützen (1290/1320). Ältester Lupfener Kirchenbesitz war die Kirche (Kloster) Offenhausen. Beziehungen der Lupfener bestanden zu den Klöstern Salem, Allerheiligen (Schaffhausen), St. Blasien und zum Straßburger Domkapitel. [Buhlmann, 11.2010]

Waldecker, Christoph (2002), Zwischen Kaiser, Kurie, Klerus und kämpferischen Laien. Die Mainzer Erzbischöfe 1100 bis 1160 (= AmrhKG 101), Mainz 2002, XI, 452 S., € 9,-. Die Leitung des in der mittelalterlichen deutschen Reichskirche so bedeutsamen Mainzer Erzbistums (Mainzer Metropolit und Suffragane, erstes Bistum im deutschen Reich) hatten im 11./12. Jahrhundert die Erzbischöfe Ruthard (1089-1109), Adalbert I. von Saarbrücken (1110-1137), Adalbert II. von Saarbrücken (1137-1141), Marcolf (1141-1142), Heinrich (1142-1153, amtsenthoben) und Arnold von Selenhofen (1153-1160, ermordet) inne. Vor dem Hintergrund von Investiturstreit (1075-1122) und spätsalisch-frühstaufischem Königtum (12. Jahrhundert) standen die Erzbischöfe teils in Opposition (Ruthard, Adalbert I., Heinrich), meist aber im Einvernehmen mit dem deutschen Herrscher. Einvernehmen gab es auch mit den Päpsten, deren Zentralgewalt von den Erzbischöfen anerkant wurde (Eingriffe des Papsttums in Angelegenheiten der Suffragane, Erzbischöfe als päpstliche Legaten). So blieb die hervorgehobene Stellung von Mainzer Erzbischof und Erzbistum innerhalb der Reichskirche auch im 12. Jahrhundert erhalten. Im Mainzer Erzbistum stützten sich die Erzbischöfe bei zunehmender Zentralisierung der Mainzer Kirche und weltlich-territorialer Durchdringung des Herrschaftsgebiets auf die Geistlichkeit (Prioren[kolleg], Stifte und deren Pröpste [Aschaffenburg, Fritzlar, Jechaburg, Mainz]; libertas Moguntina), auf den Adel in den einzelnen Regionen (rheinisch-fränkischer Bistumsteil, Wetterau, Lahn- und Maintal, Nordhessen, Thüringen, [Rheingau, Eichsfeld]) sowie auf die Ministerialität (Hofämter, Stadt Mainz [Viztum, Schultheiß], Meingote, Ministeriale von Selenhofen, "Thüringenpolitik", Eichsfeld). [Buhlmann, 12.2014]

Waldherr, Gerhard (2009), Der Limes. Kontaktzone zwischen den Kulturen (= RUB 18646), Stuttgart 2009, 215 S., € 5,60. Die römisch-lateinische Bezeichnung limes hatte die Bedeutung "Schneise, Trennlinie, Grenzraum, Grenze". Die Entstehung des obergermanisch-rätischen Limes, des UNESCO-Weltkulturerbes in Südwestdeutschland (2005), setzte dann nach der Einbeziehung Galliens in das römische Reich (58-51 v.Chr.) die römische Eroberung des Voralpenlandes bis zur Donau (15 v.Chr.) voraus, ebenso die misslungene Ausdehnung der römischen Herrschaft bis zur Elbe (12 v.Chr.-9 n.Chr.) sowie Rhein und Donau als Grenzen des Imperium Romanum für die Folgezeit. Nach Vierkaiserjahr und Bataveraufstand (68/69 n.Chr.) kam es zur militärisch-verwaltungstechnischen Neuorganisation der Grenzgebiete an Rhein und unterer Donau (Provinzen Nieder- und Obergermanien), es rückten zurzeit der flavischen Kaiser römische Truppen auch in (die sicher schon zuvor römisch beeinflussten) Gebiete östlich des Oberrheins und nördlich der Donau (als auch wirtschaftlich genutzte Sicherheitsstreifen) ein (74/75 Besetzung des Raums zwischen Wetterau und Schwarzwald, vor 79/80 Kastelle nördlich der Donau). Unter den Kaisern Trajan (98-117), Hadrian (117-138) und Antoninus Pius (138-161) entstand der "klassische" Limes als lineare Grenzbefestigung (Wachtürme, Militärposten, Kastelle [mit vici, canabae], Wall und Graben im obergermanischen, Steinmauer im rätischen Abschnitt des Limes [statt Holzpalisaden], Limestore [bei Dalkingen]; Limestruppen [alae, numeri]) durch weitere Verschiebungen der römischen Grenze nach Norden und Osten (Einbeziehung der Wetterau, Main als teiweise Grenzlinie, Einbeziehung des Nördlinger Rieses, endgültiger Ausbau des Limes am Ende des 2. Jahrhunderts). Im Hinterland des Limes, den agri decumates ("Dekumatland, Zehntlande"), etablierten sich dann römische Herrschaft, Wirtschaft und Kultur (Infrastruktur; villae rusticae, vici, civitates [Wiesbaden, Baden-Baden, Stuttgart-Bad Cannstatt, Rottenburg, municipium Rottweil als Ara Flaviae] als Zivilsiedlungen; Organisation des Limes), so dass der Limes nicht nur zur Trennlinie, sondern auch zur Kontakt- und Austauschzone mit Germanenstämmen außerhalb des römischen Reichs wurde (Handel, Siedlungsaktivitäten). Die römische "Reichskrise" im 3. Jahrhundert brachte dann u.a. durch die neu entstandenen germanischen Stammesgruppen (Alemannen) massive Veränderungen in den durch kriegerische Einfälle heimgesuchten Grenzräumen des römischen Reichs. Für die agri decumates sind Einfälle seit 213 und ab etwa 230 bezeugt. Gerade die inneren Auseinandersetzungen im römischen Reich (Usurpationen, Gallisches Sonderreich) beschleunigten den Niedergang ("Versickern") römischer Herrschaft zwischen Limes, Rhein und Donau. Etappen dieser Entwicklung waren ein in manchen Gebieten des Dekumatlandes schon in den 250er-Jahren einsetzender Rückzug der römischen Bevölkerung, der Alemannenangriff von 259/60, das Verbleiben römischer Bevölkerungsreste in den agri decumates bei barbarisch-römischer Bevölkerungs- und Kultursymbiose bis ins 4. oder gar 5. Jahrhundert. Statt des obergermanisch-rätischen Limes bildete sich in der Spätantike der Rhein-Iller-Donau-Limes aus. Der obergermanisch-rätische Limes war Teil von ähnlichen Anlagen (limites, ripae) im ganzen römischen Reich: Hadrianswall, Rheinlimes in Niedergermanien, Donaulimes, römische Ostgrenze, punktuelle Grenzsicherung in Nordafrika. Sie dienten der Grenzsicherung, trennten zunehmend römische von barbarischer Kultur, waren die sichtbaren Grenzen des römischen Reichs. [Buhlmann, 10.2011]

Walter, Ingeborg (2011), Die Strozzi. Eine Familie im Florenz der Renaissance, München 2011, 240 S., Stammtafeln, Zeittafel, € 22,95. Die Strozzi lassen sich als Familie bzw. Familienverband im mittelalterlichen Florenz bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Familienüberlieferung waren die Strozzi Nachfahren eines etruskischen Mondritters (Familienwappen mit den drei zunehmenden Monden). Im 13. Jahrhundert gehörten Strozzi der Geldwechslerzunft in Florenz an, ab dem 14. Jahrhundert finden sich unter ihnen auch Kaufleute und Wolltuchhersteller. Die Familien der Strozzi (28 [1351], 35 [1378], 39 [1427] Haushalte) wohnten innerhalb von Florenz im Viertel Santa Maria Novella entlang der Corso degli Strozzi (Kataster von 1427). Mit der Ausschaltung des Florentiner Adels (1293) übten auch Strozzi Ämter innerhalb der Kommune aus; die meisten Strozzi gehörten dabei der Partei der Guelfen an (parte guelfa; Carlo Strozzi und der Ciompi-Aufstand 1378). Zwei Strozzi-Familien stehen im 15. und 16. Jahrhundert im Vordergrund: a) Die Familie um Palla Strozzi (*1372-†1462), der als Enkel des Geldverleihers Palla die Jacopo Strozzi (†1348/49) und Sohn des erfolgreichen Kaufmanns und Tuchhändlers Nofri Strozzi (*ca.1346-†1418) als Amtsträger, Ritter, Humanist und Mäzen zu einem der reichsten Bürger von Florenz wurde. Im Zuge der Herrschaftsübernahme der Medici (1434) wurde indes Palla Strozzi aus Florenz nach Padua verbannt. Palla durfte nicht wieder nach Florenz zurückkehren, sein Sohn Giovanfrancesco Strozzi (*1418) beteiligte sich an einem Umsturzversuch gegen die Medici und wurde zum Rebellen erklärt (1466/67). b) Die Familie um Matteo Strozzi (*1397-†1435), der als Sohn des Simone Strozzi (*1376-†1424) 1434 ebenfalls in die Verbannung gehen musste und im folgenden Jahr starb. Seiner Witwe Alessandra Macigni (*1406-†1471), nach Florenz zurückgekehrt, legte die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufstieg ihrer Söhne Filippo (*1428-†1491), Lorenzo (*1432-†1479) und Matteo (*1436-†1459). Gerade Filippo erwies sich u.a. als Bankier des Königs von Neapel sehr erfolgreich, seiner Rückkehr nach Florenz (1466) folgte spät die erstmalige Ausübung eines kommunalen Amtes (1478), 1485 die Wahl in die Regierung, 1486 die Wahl in die "Mercanzia"; ab 1473 kaufte Filippo Grundbesitz in Florenz, 1489 begann der Bau des Palazzo Strozzi, der sich bis nach 1534 hinziehen sollte. Die Söhne Filippos, Lorenzo (*1482-†1549) und Filippo Strozzi (*1489-†1538), bewegten sich dann politisch und mit ihren wirtschaftlichen Unternehmungen zwischen Florentiner Republik und den vertriebenen Medici, zwischen Frankreich, Papsttum und Neapel. Filippo Strozzi, der erfolgreiche Bankier, heiratete - politisch nicht unumstritten - Clarice de Medici (1509), er wurde der wichtigste Geldgeber des Medici-Papstes Leo X. (1513-1521). Die Rückkehr der Medici nach Florenz gestaltete sich indes schwierig (1513/27), erst die Belagerung von Florenz durch spanische Truppen (1529/30) ermöglichte den Medici die Errichtung ihres Herzogtums über die Toskana und Florenz. Diesen und anderen politischen Umbrüchen geschuldet, endete der in der Fortezza da Basso in Florenz eingekerkerte Filippo, "der reichste Kaufmann der Christenheit", 1538 durch Selbstmord. Filippos Söhne, Piero (*1510-†1558), Leone (*1515-†1554) und Lorenzo Strozzi (*1523-†1571), bewegten sich im Fahrwasser des französischen Königs. Lorenzo wurde 1557 Kardinal, Piero und Leone kämpften (und starben) in Italien und Frankreich (französische Niederlage von Marciano 1554; Belagerung von Thionville 1558). [Buhlmann, 07.2013]

Walter, Uli (1993), Sozialer Wohnungsbau in München. Die Geschichte der GWG (1918-1993), München 1993, 176 S., Farbtafeln, Schwarzweißfotos, (DM 78,-). Vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Wohnsituation im Deutschen Reich und in München während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) kam es im Jahr 1918 zur Gründung der Münchner "Gemeinnützigen Wohnstätten- und Siedlungsgemeinschaft mbH" (GWG), mit der es die bayerische Kommune übernahm, (als eine der frühesten Städte im Deutschen Reich) im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus kommunale Verantwortung für das Wohnungswesen zu tragen. Besonders nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg (1939-1945) waren solche Aktivitäten erforderlich. Die GWG wurde allerdings 1924 stillgelegt, um 1935 unter nationalsozialistischen Vorzeichen neu gegründet zu werden. Nach 1945 stand der Wohnungsneubau und -ausbau unter demokratischen Vorzeichen (1945/60), später im Rahmen des Wohnungsbaus als Errichtung von Eigenheimen, Eigentumswohnungen und Mietwohnungen (1960/76), schließlich vor dem Hintergrund von Sanierung und Modernisierung (1976/93). In und um München entstand bezahlbarer Wohnraum in der Maikäfersiedlung (1937), am Harthof (1940, 1959, 1965), an der Hechtseestraße (1950), in Fürstenried (1963), in Laim (1977), im Haderner Winkel (1979/84), in Milbertshofen (bis 1982), am Hasenbergl (1989), in Neuperlach (bis 1992) u.a. [Buhlmann, 03.2016]

Walter von Chatillon, Alexandreis. Das Lied von Alexander dem Großen, übers. v. Gerhard Streckenbach (1990), Heidelberg 1990, 327 S., DM 39,80 > Lateinische Literatur > W Walter von Chatillon

Walz, Rainer (2016), Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Neuburg und der Vertrag von Xanten von 1614, in: AHVN 219 (2016), S.171-200. Der Vertrag von Xanten (1614) stand am Ende des jülich-bergischen Erbfolgestreits (1609/14). Er bahnte die politisch-konfessionelle Aufteilung der ehemals Vereinigten niederrheinischen Herzogtümer zwischen dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg (1614-1653) und dem brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund (1608-1619) an (Jülich, Berg [Pfalz Neuburg] - Kleve, Mark, Ravensberg, Ravenstein [Brandenburg]), forderte aber auch eine (letztlich nicht durchführbare) gemeinsame Verwaltung (Kondominium) der Vereinigten Herzogtümer ein. Wenn auch vieles aus dem Xantener Vertrag nicht umgesetzt wurde, so steht dieser für ein fragiles politisches Gleichgewicht nicht nur am Niederrhein (Frankreich, England, Generalstaaten - Habsburg) in den Jahren vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). [Buhlmann, 05.2017]

Ward, Benedicta (1998), The Venerable Bede, London-New-York 1998 > B Beda Venerabilis

Warrle, Lydia (1990), Bad Dürrheim. Geschichte und Gegenwart, Bad Dürrheim 1990 > D Dürrheim

Waßenhoven, Dominik (2016), 1066. Englands Eroberung durch die Normannen (= BSR 2866), München 2016, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 8,95. Das englische 10. und 11. Jahrhundert wurde geprägt von Angelsachsen, Norwegern und Normannen. Ab 980 wurde das Königreich Wessex zunehmend von Wikingereinfällen aus Skandinavien heimgesucht, denen die Angelsachsen unter König Ethelred (978/79-1016) häufig wenig entgegenzusetzen. Ein durch die Heirat zwischen Ethelred und der normannischen Herzogstocher Emma geschlossenes Bündnis mit Herzog Richard II. von der Normandie (996-1026) brachte militärisch indes keine Entlastung, sollte aber Jahrzehnte später die Eroberung Englands durch den Normannen Wilhelm legitimieren helfen. Die großen Wikingerzüge der Jahre 1006/07 und 1009/12 (Eroberung Canterburys) mündeten nach dem Zwischenspiel der Königsherrschaft des Ethelredsohns Edmund (1016) und der angelsächsischen Niederlage in der Schlacht von Ashingdon (1016) ein in die Herrschaft des dänischen Königs Knut des Großen über England (1016-1035). England wurde vor dem Hintergrund eines politischen Kompromisses zwischen Dänen und Angelsachsen (Oxforder Vertrag 1018) Teil des "Nordseereichs" Knuts (vier Verwaltungseinheiten Wessex, Ostanglien, Mercia, Northumbrien; skandinavisch-angelsächsische Führungsschicht). Die Streitigkeiten um die Nachfolge Knuts des Großen (ab 1035) brachten die Knutsöhne Hardiknut (1035-1037/42) und Harald Hasenfuß (1035/37-1040) auf den englischen Thron. Nach dem Tod Hardiknuts (1042) wurde Eduard der Bekenner, ein Sohn Ethelreds und Emmas, englischer König (1042-1066). Eduard hatte sich während der skandinavischen Herrschaft über England in der Normandie aufgehalten (1016/41) und stand dort in engem Kontakt mit der Herzogsfamilie, u.a. mit Herzog Wilhelm, der nach Richard III. (1026-1027) und Robert I. (1027-1035) als zunächst noch unmündiger Sohn Roberts normannischer Herzog wurde (1035-1087). Die Schlacht von Val-ès-Dunes festigte Wilhelms Herrschaft, ebenso seine anschließende Heirat mit Mathilde, der Tochter des Grafen von Flandern und der Sieg Wilhelms in der Schlacht von Mortemer (1054) gegen seinen Lehnsherrn, den französischen König Heinrich I. (1031-1060). Während seiner Regierungszeit musste sich Eduard mit der Familie um den mächtigen Earl von Wessex, Godwin (†1053), auseinandersetzen; Phasen einer Gegnerschaft (Flucht Godwins 1044, Einigung mit dem König 1052) wechselten mit denen eines Miteinanders (Harald Godwinson als Regent und "Unterkönig" 1050er-/1060er-Jahre, Rebellion in Northumbrien gegen Tostig 1065). Am Ende wurde nach dem Tod Eduards (1066) Harold II. Godwinson englischer König (1066). Sein Königtum war von Seiten auswärtiger Mächte aber nicht unumstritten. Zunächst versuchte mit Unterstützung von Haralds Bruder Tostig (†1066) der norwegische König Harald Hardrada (1047-1066) von Northumbrien her die Eroberung Englands. Harald Hardrada siegte in der Schlacht von Fulford (20. September 1066), unterlag jedoch in der von Stamford Bridge (25. September 1066) gegen den englischen König. Parallel dazu verzögerte sich wegen schlechten Wetters die Überfahrt und Invasion Englands durch den Normannenherzog Wilhelm. Erst Ende September gelang die Landung des normannischen Heeres an der englischen Südküste. In Hastings trafen die Normannen auf das Heer Harolds II. Am 14. Oktober 1066 kam es zur Schlacht, in der die englischen Krieger zunächst Vorteile erringen konnten, bis der Tod Harolds auf dem Schlachtfeld die englische Niederlage einleitete (Wandteppich von Bayeux). Ende Oktober begann Wilhelm gegen englische (Rest-) Widerstände (König Edgar Etheling 1066, †1125) mit der Eroberung seines zukünftigen Königreichs. Canterbury und London wurden bis Dezember 1066 eingenommen, Wilhelm selbst am 25. Dezember zum englischen König gekrönt. Es folgten Unruhen und Aufstände im Süden und Westen des Königreichs (Angriff des Eustachius von Boulogne auf Dover, walisische Angriffe, Kapitulation Exeters 1067) sowie im Norden (Erhebung in Northumbrien 1068, Kämpfe um Durham und York 1069 [dänische Unterstützung der Engländer], normannische Verheerung Northumbriens, Unterwerfung der Aufständischen in Chester 1070 und Ely 1071), weiter nach schottischen Übergriffen auf England erfolgreiche Verhandlungen mit dem schottischen König Malcolm III. (1058-1093) (1072). Nach Niederschlagung des Aufstands der drei Earls Waltheof von Northampton-Huntingdon, Ralph von Ostanglien und Roger von Hereford (1075/76) war Wilhelms Herrschaft über England völlig gesichert. Die folgende Zeit nutzte Wilhelm zur (interpretatorischen) Legitimierung und legitimierenden Ausformung seines Königtums (Designationen Wilhelms zum englischen König durch Eduard den Bekenner, Harold als englischer Usurpator, Wilhelm als Schlachtensieger ["Recht der Eroberung"], Wilhelm als gekrönter und gesalbter König). Ein massiver Burgenbau festigte Wilhelms Herrschaft gegenüber den Unterworfenen, gefolgt von der Errichtung neuer (romanischer) Kirchen und Kathedralen ("Norman Style"), die ebenfalls für die normannische Herrschaft über England standen. Begleitet wurde dies von einem fortschreitenden Austausch der angelsächsischen politischen Elite gegen normannische Aufsteiger, besonders auch im kirchlichen Bereich bei den Bistumsbesetzungen. Dabei kam es in der Anfangsphase der Eroberung Englands zu massiven Besitzumschichtungen. Sprachlich war England seit 1066 zweigeteilt: Altfranzösisch war die Sprache der Normannen des englischen Königshofs und des Adels, Altenglisch, das seine Rolle als Schriftsprache zu Gunsten des Lateinischen verlor, die Sprache der übrigen Bevölkerung. Das von Wilhelm veranlasste lateinische Domesday Book (1086) war als "Buch des Königs" eine "Beschreibung von England", angefertigt vor dem Hintergrund einer drohenden, aber nicht stattfindenden dänischen Invasion des Inselkönigreichs. Wilhelm der Eroberer starb am 9. September 1087, die anglo-normannische Herrschaft hatte in England weiterhin Bestand und mündete in die der Könige aus dem Haus Anjou-Plantagenêt. [Buhlmann, 05.2017]

WB (= Werdener Beiträge) = Beiträge zur Geschichte des Stifts Werden

WdF = Wege der Forschung

Weber, Dieter [o.J.], Friedrich Barbarossa und Kaiserswerth. Eine Skizze der städtischen Entwicklung Kaiserswerths im 12. Jahrhundert (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.12), [Düsseldorf-Kaiserswerth] o.J. > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Weber, Max (1923), Die Bauern der Klostergrundherrschaft Tennenbach im Mittelalter, in: ZFGV 37 (1923), S.119-154 > T Tennenbach

Weber, Max (1935/37), Die Rodungen und Besitzungen Tennenbachs auf der Baar, in: ZFGV 46 (1935), S.121-158; 48 (1937), S.88-120 > T Tennenbach

Weber, Reinhold, Wehling, Hans-Georg (2007), Geschichte Baden-Württembergs (= BSR 2601), München 2007 > B Baden-Württemberg

Weeber, Karl-Wilhelm (1979), Geschichte der Etrusker, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1979 > E Etrusker

Wegerhoff, Erik (2012), Das Kolosseum. Bewundert, bewohnt, ramponiert, Berlin 2012, 237 S., Schwarzweißabbildungen, € 24,90. Das amphitheatrum der flavischen Kaiser (Vespasian [69-79], Titus [79-81] und Domitian [?, 81-96]), erbaut auf dem durch den Brand Roms von 64 n.Chr. frei gewordenen Gelände der Gartenanlage der domus aurea Kaiser Neros (54-68), versinnbildlichte in der Antike als "architektonischer Kosmos" das Zusammengehen von Kaiser (Herrschaft) und Volk (Rom als urbs und imperium, Identifizierung des Amphitheaters mit dem römischen Volk [Cassius Dio, Beda Venerabilis]) auf den Rängen gegen die (rechtlichen, geografischen) Grenzbereiche der römischen Welt in der Arena (Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen, Hinrichtungen). Nach der Spätantike und dem Ende römisch-imperialer Staatlichkeit wurden sich Antike und Amphitheater auf verschiedene Weise angeeignet: als (Teil eines) borgo um die Kirche S. Maria Nova innerhalb des römischen abitato des frühen Mittelalters, als prestigeträchtige Festung und herrschaftlicher Wohnsitz des römischen Adelsgeschlechts der Frangipane vom endenden 11. bis endenden 13. Jahrhundert (palatium am Kolosseum, Name "Kolosseum" [erstmals 1130, Teile einer Kolossalstatue am Lateran]) und der Annibaldi im späten Mittelalter (Übergang des Kolosseums auf die Annibaldi 1244/68), als Ort des Todes frühchristlicher Märtyrer im Zeitalter der Gegenreformation (Salvator- und Gonfalonebruderschaft [Kapelle, Aufführungen, Karfreitagsprozession], Rom als Zentrum der Christenheit, Märtyrer Ignatius, Planung eines Kirchenbaus im Kolosseum durch Carlo Fontana [ca.1708]), als Ruinenlandschaft und Reiseziel innerhalb der "Grand Tour" und des Tourismus seit dem 18. Jahrhundert ("Entdeckung der Ruine" [Pflanzenbewuchs, Kolosseum bei Nacht], Landschaftsbilder, Antikenphantasien), als durch die Archäologie entzaubertes, auf den Ursprungszustand einer vermeintlichen Antike reduziertes Monument ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Das Kolosseum heute ist also auf die Antike reduziert, es fehlen weitgehend (Karfreitagsprozession des Papstes) die späteren Zeitschichten der unterschiedlichen Aneignungen der Antike durch Mittelalter und Neuzeit. [Buhlmann, 11.2013]

Wehling, Hans-Georg, Hauser-Hauswirth, Angelika, Sepaintner, Fred Ludwig (Hg.) (2002), Baden-Württemberg. Vielfalt und Stärke der Regionen, Leinfelden-Echterdingen 2002 > B Baden-Württemberg

Weidenfeld, Werner (Hg.) (2002), Europa-Handbuch (= bpb Schriftenreihe, Bd.373), Bonn 2002 > E Europäische Union

Weidenhaupt, Hugo (1954), Das Kanonissenstift Gerresheim 870-1400, in: DJb 46 (1954), S.1-120 > G Gerresheim

Weidenhaupt, Hugo (Hg.) (1970), Gerresheim 870-1970. Beiträge zur Orts- und Kunstgeschichte, Düsseldorf 1970 > G Gerresheim

Weidenhaupt, Hugo [o.J.], Kaiserswerth in der Biedermeierzeit. Die Amtszeit des Bürgermeisters Johann Joseph Rottlaender (1833-1852) (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.9), [Düsseldorf-Kaiserswerth] o.J. > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Weidenhaupt, Hugo (Bearb.) (1994), Gerresheim (= RS 59), Köln-Bonn 1994 > G Gerresheim

Weigel, Helmut (1960), Studien zur Verfassung und Verwaltung des Grundbesitzes des Frauenstiftes Essen (852-1803) (= EB 76), Essen 1960, 312 S., 5 Karten, DM 20,-. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Grundherrschaft der Frauengemeinschaft Essen wird erstmals strukturell mit den Vogteirollen des Grafen Friedrich von Isenberg (vor 1220, um 1220) erkennbar sowie im Essener Kettenbuch (1408/12). Die Grundherrschaft des Essener Frauenstifts verfügte über Großgrundbesitz in der näheren und weiteren Umgebung um Essen ([Hofverband:] Viehof, Eickenscheidt, Richrath, Nienhausen, Ehrenzell), aber auch über Besitz an Nieder- (Beeck, Pfaffendorf) und Mittelrhein (Weingüter [Godesberg, Ahrweiler, Königswinter], "Ländchen Breisig"), in Friesland (Olst, Archem, Irthe), Westfalen (Huckarde, Brechten, Brockhausen, Ringeldorf, Brockhof) und Hessen (Fronhausen). Die Grundherrschaft unterlag in den Jahrhunderten ihrer Existenz vielfältigen Wandlungen (Abtei- und Konvents-/Kapitel-/Propsteigut [10. Jahrhundert und später], klassische -> ["neuere"] Rentengrundherrschaft, Umorganisation der Hofverbände). Der "Herrschaft über Land und Leute" entsprachen das Essener Hofrecht, das Huckarder Hofgericht, die rheinischen bzw. niederländischen Weistümer (14./15. Jahrhundert und später). Die rechtliche Ausgestaltung der Grundherrschaft wird ebenfalls erkennbar an den Leiheformen des Grundbesitzes (freie Erbleihe, Kurmed-, Erbzinsgüter, Behandigung, Landsiedelrecht) und an den Abhängigkeitsverhältnissen (Hörigkeit, Eigenleute). Zur Grundherrschaft gehörten eine zentrale und eine lokale Verwaltung des Grundbesitzes (Kanzlei, Buchführung [spätes Mittelalter]; Hobs- und Behandigungskammer [als "Behörde", frühe Neuzeit], Präsenzgelder). Im 13. Jahrhundert verdichtete sich die Grundherrschaft um Essen zur landesherrlichen Grundherrschaft und Landesherrschaft der Essener (Fürst-) Äbtissin (Borbeck, Ehrenzell; Hoheitsrechte, Lehngelder, Steuern). [Buhlmann, 08.2012]

Weilandt, Gerhard (1987), Wer stiftete den Hitda-Codex (Darmstadt, Hess. Landes- und Hochschulbibliothek, Cod. 1640)? Ein Beitrag zur Entwicklung der ottonischen Kölner Buchmalerei, in: AHVN 190 (1987), S.49-83. Zu unterscheiden sind zwei Kodizes. Im Darmstädter Hitda-Codex widmet Äbtissin "Hitda" in einem ganzseitigen Dedikationsbild der heiligen Walburga das Evangeliar, ein wohl gegen Ende des 11. Jahrhunderts aufgeschriebenes "Schatzverzeichnis" erwähnt weitere Schenkungen der Ida nach Meschede, u.a. eine tragbare goldene Marienstatue, Kleider und Kirchengerät. Ein auf die Zeit um 1500 zu datierender Eintrag weist die Handschrift der Frauengemeinschaft im Sauerland zu. Der Kodex befand sich noch im 18. Jahrhundert in Meschede und gelangte von dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Wedinghausen und schließlich nach Darmstadt. Dem Darmstädter Hitda-Kodex steht ein wohl von der gleichen Stifterin der Frauengemeinschaft Gerresheim geschenktes Evangeliar von 1030/40 zur Seite, das (auch) "Hidda-Kodex" genannt wird (Katholische Pfarrei St. Margareta in Düsseldorf-Gerresheim, Kodex ohne Signatur). Der Gerresheimer Hidda-Kodex hat einen Umfang von 272 Pergamentblättern bei einem Format von 27,2 cm auf 20,0 cm. Geschrieben einspaltig in karolingischer Minuskel, geschützt von einem Eichenholzdeckel, ist der Kodex ebenfalls ein Evangeliar. Zwischen Markus- und Lukasevangelium befindet sich der Eintrag einer Schenkung der Essener Äbtissin Theophanu (1039-1058), so dass der Kodex auf jeden Fall vor 1058 entstanden sein muss. Weitere Eintragungen stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert besaß der Gerresheimer Kanoniker Johannes Laer die Handschrift und schenkte sie dem Jesuitenkolleg in Düsseldorf. Der in der Kölner Malerschule der Ottonen- und frühen Salierzeit angefertigte Kodex enthält die Bilder der Evangelisten, vor dem Kreuzigungsbild ist die Widmung der Äbtissin "Hidda" (wohl als Ida zu interpretieren) in goldenen Buchstaben eingetragen: Hidda übergibt das Evangeliar Gott und dem heiligen Hippolyt. (Hidda, Hitda oder) Ida, geboren zu Anfang des 11. Jahrhunderts, gestorben im Jahr 1060, war eine Enkelin Kaiser Ottos II. (973-983) und Mitglied in der Familie der ezzonischen Pfalzgrafen. Ida wurde in der Frauengemeinschaft Gandersheim erzogen, kehrte nach Streitigkeiten dorthin zurück und wurde dort irgendwann 1031/38 Nachfolgerin der Äbtissin Reinburga. Zu einem ebenfalls unbekannten Zeitpunkt übernahm sie zusätzlich die Leitung des Kölner Klosters St. Maria im Kapitol. Wie ihre Schwester Theophanu in Essen und Gerresheim hatte Ida wahrscheinlich beide Würden gleichzeitig inne. Im Rahmen einer "ezzonischen Kulturpolitik" (Herrschaftsrepräsentation und Machtausbau der Ezzonen), unterstützt von ihrem Bruder, Erzbischof Hermann II. von Köln (1036-1056), stiftete Ida (vielleicht?) die zwei nach ihr genannten Kodizes nach Meschede und Gerresheim, den Hitda-Codex bzw. Hidda-Codex. Zum Darmstädter Hitda-Codex vgl. noch: Winterer, Christoph (2010), Das Evangeliar der Äbtissin Hitda. Eine ottonische Prachthandschrift aus Köln. Miniaturen, Bilder und Zierseiten aus der Handschrift 1640 der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Darmstadt 2010, 128 S., € 49,90, Abbildungen, Faksimiles auch in Farbe. > Lateinische Literatur > H Hidda-Codex, > H Hitda-Codex. [Buhlmann, 06.2006, 09.2010]

(Villingen-Schwenningen-) Weilersbach, Ort auf der Baar: Die schriftliche Überlieferung zu Weilersbach setzt früh mit zwei Urkunden des Klosters St. Gallen von 763/67 und 817 ein. Der Ortsname "Weilersbach" enthält als -bach-Name eine geografische Bezeichnung, einen Gewässernamen als Grundwort; das Bestimmungswort Wilhari wird mit einem Personennamen in Verbindung gebracht, der somit patronymische Ortsname hat die Bedeutung "Bach des Wilher" und verweist mindestens der Karolingerzeit, wahrscheinlich sogar noch früher in die Merowingerzeit (6./7. Jahrhundert). Erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts tritt Weilersbach in den Geschichtsquellen wieder in Erscheinung. Die St. Galler Überlieferung nennt zu 1094 einen Alker de Wilerspach, die Überlieferung des Klosters St. Georgen im Schwarzwald spricht zu 1095 ebenfalls vom "Freien Alker von Weilersbach" und zu 1139 vom "Freien Hildebold von Weilersbach". Alker und Hildebald waren Mitglieder des Weilersbacher Ortsadels, der hier wohl auch über eine Burganlage verfügte (Flurname "Auf der Burg") und noch mehrfach im 14. und 15. Jahrhundert bezeugt ist (1360, 1413, 1489). Im späten Mittelalter gehörte das Dorf Weilersbach zeitweise der Patrizierfamilie Boll aus Rottweil bzw. Villingen; 1472 verpfändete Verena Boll ihr Dorf, das 1509 schließlich an die Rottweiler Gotteshausbruderschaft und mithin an die Stadt Rottweil gelangte. In der frühen Neuzeit war das Dorf Rottweiler Gebiet (niedere Gerichtsbarkeit), Teile der Gemarkung gehörten zu Villingen (Hüfinger Vertrag 1562). Zudem besaßen die Grafen von Fürstenberg in Weilersbach zwei Meierhöfe und zeitweise den Kirchenzehnten (1493 erworben, 1506 verliehen), weiter das Patronatsrecht an der Weilersbacher Kirche. Letztere wird erst im ausgehenden Mittelalter in den Geschichtsquellen fassbar; ob das Hilariuspatrozinium des Gotteshauses ins frühe Mittelalter verweist, ist unklar.
Zu Weilersbach s.: Buhlmann, Michael (2016), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Weilersbach im frühen Mittelalter (= VA 75), Essen 2016, 60 S., € 4,-; Hauger, Johann (1964), 1200 Jahre Geschichte des Dorfes Weilersbach 764-1964, [Weilersbach] [1964], 217 S., Schwarzweißabbildungen, DM N.N. [Buhlmann, 02.2016]

Weinfurter, Stefan (Hg.) (1991), Die Salier und das Reich, Sigmaringen 1991 > S Salier

Weinfurter, Stefan (1999), Heinrich II. (1002-1024). Herrscher am Ende der Zeiten, Regensburg 1999 > H Heinrich II.

Weinfurter, Stefan (2006), Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 2006 > I Investiturstreit

Weinfurter, Stefan (2008), Das Reich im Mittelalter. Kleine deutsche Geschichte von 500 bis 1500, München 2008, 320 S., Schwarzweißabbildungen, 8 Karten, 8 Stammtafeln, € 15,90. Das fränkisch-ostfränkisch-deutsche Reich umfasste für das frühe und hohe Mittelalter die Königsdynastien der Merowinger (482-751), Karolinger (751/843-911), Ottonen (919-1024), Salier (1024-1125) und Staufer (1138-1254). Das frühe Mittelalter (6.-11. Jahrhundert) ist die Epoche des Frankenreichs der Merowinger und Karolinger (Reich Kaiser Karls des Großen [768-804]), des Reichsverfalls im 9. und der Bildung u.a. des deutschen Reiches im 10. und 11. Jahrhundert. Das hohe Mittelalter (11.-13. Jahrhundert) schließt die Umbruchszeit des 11./12. Jahrhunderts mit ein; es ist die Zeit des Investiturstreits und der sich entwickelnden Geldwirtschaft, der Entstehung der mittelalterlichen Stadt. Das Ende des staufischen Königtums und das daran anschließende Interregnum (1256-1273) stehen am Beginn des späten Mittelalters (13.-15./16. Jahrhundert), der Zeit der Territorien, Städte und der wirtschaftlichen Intensivierung. Bruch- und Nahtstellen in der Abfolge "deutscher" Geschichte im Mittelalter sind: der Übergang vom Franken- und Ostfrankenreich zum deutschen Reich (Entstehung des deutschen Reiches [regnum Teutonicum], Kaisertum, 9.-11. Jahrhundert); Investiturstreit, Säkularisierung der Gesellschaft, Herrschaftswandel (11.-12. Jahrhundert); Lehnswesen, Geldwirtschaft, Städtewesen (12.-13. Jahrhundert); Territorien, Wahlkönigtum, Konzilien, Reichsreform (13.-15. Jahrhundert). [Buhlmann, 08.2012]

Weinfurter, Stefan (2013), Karl der Große. Der heilige Barbar, München-Zürich 2013 > K Karl der Große

Weischedel, Wilhelm (1966), Die philosophische Hintertreppe. 34 große Philosophen im Alltag und Denken, München 191998 > P Philosophie

Weise, Wilhelm (2004), Der Hof der Kölner Erzbischöfe in der Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas (= SH 38), Düsseldorf 2004, 315 S., € 24,80. Das Wort curia (domus) für "Hof, Haus" hatte im hohen Mittelalter eine räümliche (Gebäude, Wohnsitz, Aufenthaltsort), personale (Gemeinschaft und [wirtschaftliche] Organisiertheit der sich dort Aufhaltenden [familia, Personenverband]) und herrschaftliche Bedeutung (zuzuordnender Besitz, zuzuordnende Herrschaftsrechte [res familiares]). Dies galt insbesondere für den Hof der Erzbischöfe von Köln in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, damals wohl der größte fürstliche Hof in Deutschland. Zu unterscheiden sind ein Kernhof (aus [fast] ständig anwesenden Personen) vom Außenhof und Regionalhof (mit wechselnder, auch regional verorteter Besetzung), die famlia maior (Kleriker, Ministeriale) von der familia minor (übrige Dienstleute) als Teil der fürstlichen Hausgenossenschaft. Dem Hof der Kölner Erzbischöfe gehörten an: der Erzbischof selbst (Arnold II. von Wied [1151-1156], Friedrich II. von Berg [1156-1158], Rainald von Dassel [1159-1167], Philipp von Heinsberg [1167-1191]), die Ministerialität (Kölner Dienstrechte [1159/67, 1167/91], Kölner Hofdienst [1151/56, Versorung des Hofes, Tafelgüter]), Kölner Priorenkolleg ([unter Einschluss der vier Archidiakone und teilweisem Einschluss des Domkapitels] Dompropst, Domdekan, Propst von St. Gereon, Propst von Bonn, Propst von Xanten, Äbte der erzbischöflichen Klöster, Pröpste und Dekane der Kölner Stiftskirchen, weitere Dignitäre des Domkapitels), Vasallen des Kölner Lehnhofs (Grafen von Ahr, Altena, Arnsberg, Berg, Geldern, Hochstaden, Jülich, Kleve, Ravensberg, Saffenberg, Sayn, Wied, Herzöge von Limburg <- rheinischer [1151] und westfälischer Dukat [1180] der Erzbischöfe), Hofkapelle/-kanzlei (Urkundenausstellung, erzbischöfliche Besiegelung). Der Hof konstituierte sich durchaus repräsentativ (Herrschaftsrepräsentation) in der kirchlichen Form von Provinzialyynode und Send, in der Form von nichtkanonischen Hoftagen und von Hoftagen an kirchlichen Feiertagen, fand in Köln (Altes/Neues Palais, Abteien St. Pantaleon und St. Martin als öffentliche/private Residenzen), in den erzbischöflichen Pfalzen (Andernach, Bonn, Neuss, Soest, Xanten) und auf Reisen (Rheinschifffahrt, Reisen zu Pferd über Land; Urkundentätigkeit). Herrschaftlicher Repräsentation entsprechend stellte sich der Hof als kulturelles Zentrum dar (Dichtkunst [Archipoeta Rudolf], ritterliche Hofkultur [Symbolik und Ritual]). [Buhlmann, 08.2012]

Weiss, Dieter J. (2005), Katholische Reform und Gegenreformation. Ein Überblick, Darmstadt 2005, 216 S., € 4,95. Katholische Reform ist die innere Erneuerung der katholischen Kirche, Gegenreformation die katholische Abwehr und Zurückdrängung reformatorischer Entwicklungen im Zeitalter des Konfessionalismus vom Beginn der frühen Neuzeit bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Aufbauend auf spätmittelalterlichen Reformansätzen in Mittel-, West- und Südeuropa (katholische Erneuerung in Spanien, Reformkonzilien in Kirche und römisch-deutschen Reich, Laienfrömmigkeit und devotio moderna, christlicher Humanismus), blieb der Katholizismus bis zum Augsburger Religionsfrieden (1555) zunächst in der Defensive gegenüber der protestantischen Refomation in Reich, West- und Nordeuropa. Erst das Konzil von Trient (Sitzungsperioden von 1545-1547, 1551/52 und 1562/63) ebnete den Weg zu katholischer Reform und Gegenreformation. Ein Höhepunkt der Reformtätigkeit kann dabei unter den Päpsten Pius V. (1566-1572), Gregor XIII. (1572-1585), Sixtus V. (1585-1590) und Clemens VIII. (1592-1605) festgestellt werden, während seit Paul V. (1605-1621) ein päpstlicher Absolutismus (im Kirchenstaat) erkennbar wird. Katholische Reform machte sich im Ordenswesen (Jesuiten, Kapuziner, Neugründungen von Frauen- und Männergemeinschaften, Reform der Bettel- und Prälatenorden) bemerkbar, Gegenreformation in der Wiedergewinnung katholischer Positionen (Rekatholisierung) am Niederrhein (Kölner Krieg), im deutschen Südwesten, in den habsburgischen Territorien, aber auch im Zuge von Dreißigjährigen Krieg und Restitutionsedikt (1629) in Böhmen oder Norddeutschland. Das katholische Bayern war dabei ein Bollwerk der Gegenreformation. Die Umsetzung der Reform erfolgte durch Persönlichkeiten (Teresa von Ávila, Karl Borromäus, Franz von Sales, Vinzen von Paul) und durch die Schaffung kirchlicher Eingriffsmöglichkeiten (Visitationen, Congregatio Germanica, Nuntiaturen, Jesuiten, Priesterausbildung, katholische Universitäten). Neben den tridentinischen Reformen gab es untridentische Reformen, neben der protestantischen und katholischen Konfession gab es konfessionelle Mischformen im römisch-deutschen Reich. Katholische Reform und Gegenreformation mündeten ein in die Kontinente (Asien, Amerika) überspannende katholische Weltmission und in den von der Frömmigkeit von Geistlichen und Laien geprägten Barockkatholizismus (Betonung der Sakramente, Eucharistieverehrung, Marienkult, Herz-Jesu-Verehrung, Heiligenverehrung, Prozessionen und Wallfahrten, Mystik, Katechese und Predigt). [Buhlmann, 03.2013]

Wellas, Michael B. (1983), Griechisches aus dem Umkreis Kaiser Friedrichs II. (= MBMRF 33), München 1983, XIII, 170 S., € 4,80. Im Umfeld von sizilischem (Groß-) Hof und Kaisertum Kaiser Friedrichs II. (1198/1212-1250) und vor dem Hintergrund des hochmittelalterlichen Griechentums im ehemaligen Normannenreich (griechische Kirche und Bistümer, griechische Klöster) lässt sich Griechisches bei Urkundenausstellung und Briefen der kaiserlichen Kanzlei (griechische Mitglieder innerhalb der Kanzlei [Johannes von Otranto, Nicolaus de Geracio], Bestätigung griechischer Vorurkunden, Briefe an den Kaiser von Nikaia und Kaiserideologie), an Hand einer griechischen Version der Konstitutionen von Melfi (1231) sowie in Bezug auf die italogriechische Dichtung des Johannes von Otranto und des Georg von Gallipoli (Parma-Dichtung, Romideologie und Papstfrage bei Georg von Gallipoli, "Verabschiedungsgedicht" des Georg von Gallipoli für einen geplanten Staatsbesuch Kaiser Johannes III. von Nikaia [1222-1254]) ausmachen. Inwieweit der Kaiser selbst des Griechischen mächtig war, bleibt auf Grund der Quellenlage unklar. Immerhin ist eine "griechische Bibliothek" Friedrichs II. nachweisbar (mindestens 33 griechische Codices), die 1266 als Kriegsbeute an (König) Karl von Anjou (1266-1282) kam und der päpstlichen Bibliothek geschenkt wurde. Im sizilischen Königreich betrieb Friedrich darüber hinaus eine weitgehend den Italogriechen freundlich gesonnene Innenpolitik, wobei aber der in der Normannenzeit begonnenen Latinisierungsprozess auch durch die kulturelle Hinwendung des Kaisers zum katholischen Abendland weiter voranschritt. Italogriechisches sollte dann noch in Resten in der Kirchenorganisation bis ins 16. Jahrhundert bestehen bleiben. [Buhlmann, 03.2013]

Weltgeschichte als Globalgeschichte, betreffend alle menschliche Kulturen und Zeitepochen: Weltgeschichte oder moderner: Globalgeschichte gründet in Europa und Nordamerika insbesondere auch auf den Welt- und Universalgeschichten des 19. und 20. Jahrhunderts, resultierend z.B. aus den Erfahrungen westlich-europäischer Kultur mit Kolonialismus und Imperialismus, aber auch aus den Erfahrungen im Zuge der Globalisierung von Weltwirtschaft seit dem endenden 20. Jahrhundert. Der globalgeschichtliche Ansatz stellt heute Methoden zur Verfügung, die - jenseits etwa von Europazentrismus - Denkstrukturen, Theorien und Modelle im Sinne einer "wirklichen" Universalisierung liefern. Dabei spielen historische Kategorien eine Rolle: Raum (Kulturen, Zivilisationen, Staaten/Reiche/Nationen; Nationalökonomien, Weltwirtschaft) und Zeit (alltägliche, politische, strukturelle, religiös-teleologische, wissenschaftliche Zeit), zeit-räumliche Modellierungen (exzentrisch-konzentrisch, linear-zyklisch, homogenisierend-polarisierend; historische Periodenbildung), Globalgeschichte als Geschichte von miteinander überregional in Beziehung stehenden menschlichen Kulturen (Kulturen in Vorsprung oder Rückständigkeit, nachholende Entwicklungen, periphere und zentrale Kulturen); "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" (unterschiedliche Ausprägung historischer Phänomene bei verschiedenen Kulturen/Teilräumen in den Bereichen Wirtschaft [z.B. Güterproduktion], Gesellschaft [z.B. Arbeitsverhältnisse] oder Kultur); [Ungleichzeitigkeit gleicher Phänomene;] Global- und Lokalgeschichte (Erklärung von Globalgeschichte vom Weltsystem, von Weltregionen oder Kleinräumen her) (nach: Komlosy, Globalgeschichte).
Methodisch und exemplarisch betrachtet Globalgeschichte: Komlosy, Andrea (2011), Globalgeschichte. Methoden und Theorien (= UTB 3564), Wien-Köln-Weimar 2011, 276 S., € 22,90. Weltgeschichte im herkömmlichen Sinn - meist als Abfolge von Ereignisgeschichte durch alle Epochen - stellen dar: Parker, Geoffrey (Hg.) (1986), The Times Große illustrierte Weltgeschichte. Eine umfassende, farbige und aktuelle Darstellung der Menschheitsgeschichte, Wien 1995, 479 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, Karten, DM N.N.; Zentner, Christian (Hg.) (1982), Der große Bildatlas zur Weltgeschichte, Stuttgart 1982, 608 S., Farbabbildungen, Atlas mit Karten, DM 19,80. Weltgeschichte als Geschichte von Entdeckungen und Erfindungen - auch vor dem Hintergrund historischen "Fortschritts" - beleuchtet: Paturi, Felix R. (1998), Entdeckungen und Erfindungen (= Harenberg Schlüsseldaten), Dortmund 1998, 752 S., Farbabbildungen, € 8,-. [Buhlmann, 02.2012, 05.2017]

Welwei, Karl-Wilhelm (1983), Die griechische Polis. Verfassung und Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1983, 328 S., DM 49,80. Die "Poliszeit" der griechischen Antike lässt sich wie folgt unterteilen: Archaische Zeit (8.-6. Jahrhundert), klassische Zeit (5.-4. Jahrhundert), hellenistische Epoche (3.-1. Jahrhundert v.Chr.), römische Zeit (1. Jahrhundert v.Chr.-4. Jahrhundert n.Chr.). Die archaische Zeit ist dabei geprägt von der Ausbildung und Ausbreitung der griechischen Poleis, d.h. es entwickelten sich kleinere staatliche Gemeinschaften im griechischen Mutterland (Griechenland, kleinasiatische Ägäisküste) und im durch Kolonisationstätigkeit neu geschaffenen griechischen Siedlungsgebiet (Unteritalien und Sizilien [Großgriechenland], nördliche Ägäis, Schwarzes Meer). Hinter der Ausbildung der Poleis, der Stadtstaaten (mit jeweils einer Stadt als politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt [in etwa: Asty] und dem umliegenden Land [Chora]), standen zweifelsohne wirtschaftliche, soziale und verfassungsgeschichtliche Entwicklungen, die grob mit Bevölkerungswachstum im griechischen Kerngebiet und damit verbundenen wirtschaftlich-sozialen Engpässen bei einer Verbreiterung der im Stadtstaat politisch wirksamen Gruppen umrissen werden können. Im einzelnen ist in der früharchaischen Zeit ein Übergang vom damaligen Königtum (Monarchie) hin zu einer Adelsherrschaft (Aristokratie) zu konstatieren. Ab dem 7./6. Jahrhundert findet man - zusammenhängend mit dem Wandel in der Kriegstechnik (Hopliten [Schwerbewaffnete], Phalanx) - auch die teilweise politische Mitwirkung des vorher auf das Akklamatorische beschränkten Demos am Stadtstaat (Volksversammlung). Dabei zeigt sich in einigen Poleis eine gewisse Instabilität, als deren Kennzeichen einerseits das Auftreten von Gesetzgebern (Lykurg von Sparta, Drakon, Solon von Athen), andererseits das von Tyrannen (Kleisthenes von Sikyon, Pittakos von Mytilene, Kypselos von Korinth) gelten kann. Den Unterbau der Stadtstaaten bildeten in der archaischen, aristokratisch geprägten Zeit gentilizische Verbände wie Phylen (Stämme), Phratrien (Bruderschaften) und Gene (Geschlechter), wobei sich auch Zusammenhänge dieser Gemeinschaften mit den adligen Gefolgschaften ergeben. Im griechischen Mutterland und im Kolonisationsgebiet bildeten sich in der archaischen Zeit also Hunderte von Stadtstaaten aus, wobei zwei Poleis sicher Ausnahmeerscheinungen waren: Sparta und Athen. Sie unterschieden sich in ihrer Größe beträchtlich von den anderen Stadtstaaten, zumal Sparta, das sich neben Lakonien in zwei Kriegen das benachbarte Messenien einverleiben konnte und damit zur Führungsmacht auf dem Peleponnes wurde. An bedeutsamen Poleis dieser Zeit sind noch zu nennen: Korinth, Argos, Chalkis, Eretria, Milet, Phokaia. Nicht zu vergessen ist, dass es neben den Stadtstaaten vor allem im Nordwesten Griechenlands noch Stammesstaaten ohne Polisbildung gegeben hat. Die archaische Zeit ist auch in kultureller Hinsicht sehr wichtig. Die Ausbildung der Schrift dank des von den Phönikern übernommenen Alphabets gehört ebenso hierher wie die Werke des Homer ("Ilias", "Odyssee") oder die des Hesiod ("Werke und Tage", Theogonie). Griechische Sprache wurde auch ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal gegenüber den Nicht-Griechen, den Barbaren (Gemoll: "barbaros: unverständlich sprechend, fremdsprachig, stammelnd"). Es gab dabei verschiedene griechische Dialekte, wovon hier nur das Ionisch-Attische, das Aiolische und das Westgriechische (Dorisches, Nordwestgriechisches) genannt wird. Auch die ionische Naturphilosophie - ein neues Weltbild, nicht nur auf mythischen Grundlagen - gehört hierher und damit die Reflexion über Mensch und Umwelt, wie sie von den ("neu auftretenden") Philosophen Thales, Anaximander, Anaximenes (alle) von Milet, Xenophanes von Kolophon oder Pythagoras von Samos vermittelt wurde. Die Umwälzungen an der Wende vom 6. zum 5. Jahrhundert - charakterisiert durch den innenpolitischen Wandel in Athen und durch die Perserkriege - leiten die sog. klassische Zeit ein. Die Perserkriege haben dabei ganz Griechenland getroffen: Mit der Beseitigung des westkleinasiatischen Lyderreiches durch die Perser (546) umfasste nämlich deren Reich den ganzen Vorderen Orient (etwas später einschließlich Ägyptens) und reichte bis zur Ägäis, wo ein Aufstand der ionischen Städte erfolgreich unterdrückt werden konnte (500-494). Der Versuch, auch Griechenland dem Perserreich einzuverleiben, scheiterte indes in den Feldzügen des Datis und Artaphernes (490) bzw. des Perserkönigs Xerxes (481-479) bei Marathon (490) bzw. in der Seeschlacht von Salamis (480) und der Landschlacht bei Plataia (479), mithin am (fast) gemeinsamen Widerstand der Griechen (Sparta, Athen). Persien geriet in der Folgezeit im ägäischen Raum in die Defensive und musste dort dem 1. Attischen Seebund, einem Bündnis von Ägäisstädten unter der Führung Athens, das Feld überlassen. Der Krieg des Seebundes gegen Persien (469/66 Schlacht am Eu-rymedon, 453 mißlungener Feldzug in Ägypten) zog sich dabei bis zum Kalliasfrieden hin (449), wobei aus der hegemonialen Stellung Athens im gleichberechtigten Bündnis bald ein attisches Reich wurde, in dem die athenische Demokratie bestimmte. Sparta hatte sich aus dem Kampf des Attischen Seebundes mit Persien herausgehalten. Außerdem kühlte in der Zeit der von Thukydides sogenannten Pentekontaetie (478-431) das Verhältnis zwischen den beiden Hauptmächten in Griechenland, Athen und Sparta, zunehmend ab (464 Helotenaufstand, 457 Schlacht bei Tanagra, 446 30-jähriger Frieden zwischen Athen und Sparta). Die Gegensätze mündeten schließlich im sog. Peleponnesischen Krieg zwischen dem Peleponnesischen Bund Spartas und dem Seebund Athens (431-404), veranlaßt u.a. durch die Annäherung der Insel Korkyra an Athen (435) und den Abfall Potideias (432). Die erste Phase, der Archidamische Krieg (431-421), war geprägt von wiederholten Einfällen der Spartaner nach Attika, worauf sich die Athener hinter die Befestigungen der Stadt (Lange Mauern) zurückzogen und dank der Thalassokratie Athens über das Meer versorgt werden konnten (430/29 Pest in Athen). Während athenische Expeditionen zur See erfolgreich waren (429 Naupaktos, 425 Pylos/Sphakteria), endeten Landschlachten in Boiotien und in Thrakien für die Seemacht mit Niederlagen (424 Delion, 422 Amphipolis). Der 421 geschlossene Nikias-Frieden brachte aber für Griechenland keine Ruhe, sondern nur Stellvertreterkriege: Sparta siegte über eine Koalition unter der Führung von Argos (418 Mantinea), Athen annektierte das neutrale Melos (416) und rüstete eine Expedition gegen Syrakus aus (415-413), die mit der totalen Niederlage des nach Sizilien gesandten Heeres endete. Mit der Festsetzung spartanischer Truppen in Dekeleia, einer Festung in Attika, begann die Endphase des Peleponnesischen Krieges, der sog. Dekeleische Krieg (413-404). Unterstützt durch ein Bündnis mit Persien (412), gelang es Sparta und seinen Verbündeten Athen auch zur See in die Defensive zu drängen; Seesiegen der Athener (410 Kyzikos, 406 Arginusen) stand die Vernichtung der athenischen Flotte in der Schlacht bei Aigospotamoi (405) gegenüber. Dadurch musste auch die von der Getreideversorgung abgeschnittene Stadt Athen kapitulieren. Der Sieger von Aigospotamoi, der Spartaner Lysander, rückte in Athen ein und installierte die Oligarchie der sog. Dreißig Tyrannen, die in Athen eine Diktatur ausübten (404/03), bei harten Friedensbedingungen für Athen (Auflösung des Attischen Seebundes, Schleifung der athenischen Mauern usw.). Die Jahre nach dem Peleponnesischen Krieg standen unter der Vormacht Spartas, das ihm genehme Regierungen in den abhängigen Stadtstaaten installierte; lediglich in Athen setzte sich die Demokratie wieder durch (403). Die Wiederaufnahme des Krieges gegen das Perserreich durch Sparta - dem Krieg ging der von Xenophon geschilderte "Zug der Zehntausend" zur Unterstützung des Thronprätendanten Kyros des Jüngeren voraus (401/00) - hatte die Befreiung der preisgegebenen kleinasiatischen Griechenstädte zum Ziel, führte aber zu keinem weitergehenden Erfolg. Im Korinthischen Krieg (395-386) kämpfte eine von Persien unterstützte Koalition aus Korinth, Argos, Athen und Theben gegen Sparta. Beendet wurde dieser Krieg durch den sog. Königsfrieden, einem persischen Diktat, das die Autonomie aller griechischen Stadtstaaten außerhalb Kleinasiens zum Inhalt hatte. Sparta behielt zwar noch die Führung in Griechenland, doch gab es bald Konkurrenz in Form des 2. Attischen Seebundes (377) und des Boiotischen Bundes unter Führung Thebens (379). Das Zusammentreffen von Sparta und Theben endete dabei mit der spartanischen Niederlage bei Leuktra (371) und der Verselbständigung Mes-seniens (369). Nach der Schlacht bei Mantinea (362) gab es schließlich keine größeren Machtbildungen im griechischen Kerngebiet. Die (machtpolitische) Zukunft gehörte den makedonischen Königen Philipp II. und Alexander dem Großen (338 Chaironeia), der Eroberung des Perserreiches durch Alexander und der Ausbildung der hellenistischen Großreiche der Diadochen (Ptolemaier, Seleukiden, Antigoniden). Griechenland war in die hellenistische Epoche eingetreten, was für die Stadtstaaten - wie Athen - nicht unbedingt einen Bruch bedeutete, wenn auch die Autonomie der griechischen Städte gerade gegenüber Makedonien oftmals umkämpft war. Das Vordringen Roms vom Westen her und seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. leitete dann die Zeit der Poleis im Provinzialsystem des römischen Reiches und damit die römische Epoche ein. Die kulturelle Entwicklung Griechenlands, d.h. Athens, in klassischer Zeit war gekennzeichnet u.a. literarisch durch die Tragödie (Aischylos, Sophokles, Euripides), Komödie (Aristophanes) und die Geschichtsschreibung (Herodot, Thukydides), philosophisch durch das Auftreten der Sophisten, der "Weisheitslehrer", von denen die bedeutendsten Protagoras aus Abdera und Gorgias aus Leontinoi waren, und der Naturphilosophie vermittelnden Philosophen, u.a. Anaxagoras von Klazomenai. [Buhlmann, 02.1996]

Welwei, Karl-Wilhelm (1999), Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999 > A Athenische Demokratie

Wenz, Christian, Hauser, Tobias, Maurice, Florence (2009), Das Website-Handbuch. Programmierung und Design (= Markt + Technik), München 2009, 1166 S., Farbabbildungen, DVD, € 39,95 > Kompendium Mittelalter > Geschichtsdarstellung: Homepage/Website [Buhlmann, 07.2008]

Werden, Benediktinerkloster: Die Mönchsgemeinschaft in (Essen-) Werden a.d. unteren Ruhr war eine Gründung des friesischen Missionars (und ersten münsterischen Bischofs) Liudger (*ca.742-†809) um das Jahr 800. Die (benediktische) Kommunität war zunächst ein Eigenkloster Liudgers und seiner Verwandten, bis 877/86 nach den Bertholdschen Wirren (kurz nach der Mitte des 9. Jahrhunderts) der Übergang an das ostfränkische Königtum des Karolingerherrschers Ludwig des Jüngeren (876-882) erfolgte (Immunitätsurkunde von 877). Die Zeit der Reichsabtei hatte begonnen, und Werden blieb auch in der nachkarolingischen Zeit mit dem ostfränkisch-deutschen Königtum verbunden. Vom 10. bis ins 12. Jahrhundert nahm dann das Kloster eine günstige Entwicklung, der Werdener Abt war gleichzeitig Leiter des Ludgeriklosters in Helmstedt. Die (teilweise gefälschten) Privilegien der deutschen Könige und Kaiser aus ottonischer, salischer und frühstaufischer Zeit stärkten dabei die Verbindung zwischen dem Kloster und den Herrschern, in deren Schutz sich das Reichskloster jetzt befand (servitium regis). Die materielle Grundlage des Klosters, abzulesen in den schon aus früher Zeit überlieferten Registern und Urbaren der Werdener Grundherrschaft (großes, kleines Werdener Privilegienbuch) sowie am Besitz in der näheren Umgebung (Werden, Friemersheim), in Westfalen, Ostsachsen (Helmstedt) und Friesland, war beträchtlich. In spätstaufischer Zeit festigte sich die reichsunmittelbare Stellung Werdens, auf Grund der sich spätestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts aus Besitz und Rechten eine kleine Landesherrschaft des Abtes zwischen Kettwig und Heisingen, Bredeney und Heidhausen ausbildete. Im späten Mittelalter herrschte im Kloster eher eine stiftische Lebensweise vor bis zur Einführung der Bursfelder Klosterreform (1474). Auseinandersetzungen gab es zudem mit der Stadt Werden im Werdener Territorium, deren Anfänge ins hohe Mittelalter zurückreichten (sog. Stadtgründungsurkunde von 1317, Werdener Stadtrecht von 1371), und mit den Klostervögten (Grafen von der Mark, Kurfürsten von Brandenburg, Könige von Preußen), die immer wieder Einfluss auf die nicht unumstrittene Stellung des Abtes im Klosterterritorium nahmen. In der frühen Neuzeit standen sich protestantische Klostervögte und das katholische Kloster gegenüber. Die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts kann dann als Blütezeit des Werdener Klosters innerhalb der Bursfelder Kongregation angesehen werden. Eine gute wirtschaftliche Lage ermöglichte u.a. den Neubau von Klostergebäuden, aber auch die verstärkte Hinwendung zu geistlich-kulturellen Aufgaben. Die Reformation, kirchliche Wirren und der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) mit seinen Plünderungen (1630, 1632) schädigten in der Folgezeit die Abtei. Immerhin gelang es den Äbten der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, die Lage wieder zu stabilisieren. Das 18. Jahrhundert, das Zeitalter der Aufklärung, sah die Errichtung neuer Abteigebäude, aber auch zunehmende Spannungen innerhalb des Mönchskonvents. Zum Tiefpunkt des religiösen Lebens passte es, dass die Abtei in den Jahren 1802/03 säkularisiert wurde. Das Werdener Territorium fiel an den preußischen König.
Grundlegend für die Geschichte des Klosters Werden sind: Burghard, Hermann (Bearb.) (2001), Werden (= RS 78), Köln-Weimar-Wien 2001, 32, [32] S., € 24,50; Gerchow, Jan (Hg.) (1999), Das Jahrtausend der Mönche. KlosterWelt - Werden 799-1803 (= Ausstellungskatalog), Essen-Köln 1999, 560 S., DM 48,-; Stüwer, Wilhelm (Bearb.) (1980), Die Reichsabtei Werden an der Ruhr (= GS NF 12 = Das Erzbistum Köln 3), Berlin-New York 1980, XV, 592 S., DM 80,-. Ältere Gesamtdarstellungen zur Werdener Geschichte sind: Flügge, Wilhelm (1887-1891), Chronik der Stadt Werden: [Bd.1:], Düsseldorf 1887, Nachdruck Essen-Werden 1989, 392, VIII S., Erg.H.1, [Essen-] Werden 1889, Erg.H.2, [Essen-] Werden 1891; Schuncken, Albert (1865), Geschichte der Reichsabtei Werden an der Ruhr, Köln-Neuss 1865. Besondere Fragestellungen zur Werdener Geschichte behandeln: Bart, Jan (1963), Die alte Reichsabtei. Bilder aus Werdens Geschichte (= Schriftenreihe der Folkwang-Schule, Bd.19), Essen 1963, 85 S., DM 12,50; Bart, Jan (1964), Werden und Helmstedt. Bilder und Dokumente (= Schriftenreihe der Folkwang-Schule, Bd.23), Essen 1964, 102 S., DM 15,-; Bette, Ludwig (1922/24), Die Abtei Werden und das Vest Recklinghausen, in: VZ 31 (1922/24), S.1-81; Beutler, Christian (1958), Der Türsturz vom Ludgerusgrab in Werden, in: Westfalen 36 (1958), S.25-32; Elbern, Victor Heinrich (1962), St. Liudger und die Abtei Werden. Gesammelte kunsthistorische Aufsätze, hg. v. Basilius Senger, Essen 1962, 140 S., DM 19,80 (mit den Aufsätzen: Kunstgeschichtliche Erinnerungen an St. Liudger in Werden, Die künstlerisch-kulturellen Interessen St. Liudgers - Grundzüge einer Kulturbiographie, Die Entstehungszeit des sogenannten Liudgerkelches von Werden, Reliquienkasten und Tragaltar St. Liudgers, Der Werdener Buchschrein mit dem Probianusdiptychon, Zum frühesten Bilderzyklus aus dem Leben St. Liudgers, Ein Bildnis Karls des Großen aus der Abtei Werden, Ein Besuch in der Benediktinerabtei Werden im Jahre 1718); Elbern, Victor Heinrich (1966), Species Crucis - Forma Quadrata Mundi. Die Kreuzigungsdarstellung am fränkischen Kasten von Werden, in: Westfalen 44 (1966), S.174-185; Finger, Heinz (2003), Die Abtei Werden als geistiges und geistliches Zentrum im Grenzraum von Rheinland und Westfalen (= Libelli Rhenani. Series minor, H.2), Köln 2003, 56 S., Schwarzweißabbildungen, € N.N.; Goetting, Hans (1954), Papsturkundenfälschungen für die Abteien Werden und Helmstedt, in: MIÖG 62 (1954), S.425-446; Jakobs, P. (1893/94), Geschichte der Pfarreien im Gebiete des ehemaligen Stiftes Werden a.d. Ruhr, 2 Tle., Düsseldorf 1893-1894, DM 240,-; Jakobs, P. (1901), Werdener Reichskammergerichts-Klagen, in: WB 8 (1901), S.23-151; Kley, Siegfried (1968/69), Der Besitz der Abtei Werden im Bereich der ehemaligen Herrlichkeit Hardenberg vom 9. bis zum 17. Jahrhundert, in: ZBGV 84 (1968/69), S.159-211; Kötzschke, Rudolf (1904), Die Anfänge der Stadt Werden, in: WB 10 (1904), S.1-69; Kötzschke, Rudolf (1904), Das Gericht Werden im späteren Mittelalter und die Ausübung der Landesgewalt im Stiftsgebiet, in: WB 10 (1904), S.70-126; Kötzschke, Rudolf (1904), Die älteste Landkarte des Stifts aus Abt Heinrich Dudens Zeit, in: WB 10 (1904), S.127-136; Langenbach, Wilhelm (1911), Stift und Stadt Werden im Zeitalter des dreißigjährigen Krieges, in: WB 15 (1911), S.1-145; Nottarp, Hermann (1916), Das Ludgersche Eigenkloster Werden im 9. Jahrhundert, in: HJb 37 (1916), S.80-98; Rave, Wilhelm (1939), Ein alter Plan der Werdener Krypten, in: Westfalen 24 (1939), S.131-135; Rüschen, Johannes (1966), Hildigrim und das Kloster Werden, in: MaH 19 (1966), S.85-94; Rüschen, Johannes (1967), Das Kloster Werden und das Emsland, in: MaH 20 (1967), S.19-24; Rüschen, Johannes (1969), Das Kloster Werden im 13. Jahrhundert, in: MaH 22 (1969), S.89-94; Rüschen, Johannes (1969), Die Werdener Äbte des Mittelalters, in: MaH 22 (1969), S.94f; Rüschen, Johannes (1969), Das Kloster Werden im 14. Jahrhundert, in: MaH 22 (1969), S.182-186; Rüschen, Johannes (1970), Das Kloster Werden vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges, in: MaH 23 (1970), S.121-128; Schäfer, [Karl] H[einrich] (1907), Zur Rechtsgeschichte und Topographie des Werdener Münsters, in: WB 12 (1907), S.3-12; Schulte, Aloys (1907), War Werden ein freiherrliches Kloster?, in: WB 12 (1907), S.165-180; Schulte, Aloys (1910), Zu der Frage über den freiherrlichen Charakter von Werden und über das Bestehen eines Kollegiatkapitels daselbst. Eine Replik, in: WB 14 (1910), S.107-109; Stüwer, Wilhelm (1973), Zur Werdener Besitzgeschichte in Friesland, in: Westfalen 51 (1973), S.57-66; Temmesfeld, Norbert (1975), Zur frühen Geschichte eines Klosters in Werden, in: MaH 28 (1975), S.167-179. Quellen zur Werdener Geschichte sind: Bendel, Franz Josef (Hg.) (1908), Die älteren Urkunden der deutschen Herrscher für die ehemalige Benediktinerabtei Werden a.d. Ruhr. Eine diplomatisch-historische Untersuchung (= WB Beih.1), Bonn 1908, DM 50,-; Blok, Dirk Peter (Hg.) (1960), De oudste particuliere Oorkonden van het klooster Werden. Een diplomatische Studie met enige uitweidingen over het onstaan van dit soort oorkonden in het algemeen (= Van Gorcum's Historische Bibliotheek 61), Assen 1960; Jakobs, P. (Hg.) (1896), Werdener Annalen (= WB 5), Düsseldorf 1896; Jakobs, P. (Hg.) (1898), Fehdebriefe an die Abtei Werden, in: WB 7 (1898), S.45-50; Kötzschke, Rudolf (Hg.) (1906-1978), Die Urbare der Abtei Werden a.d. Ruhr: (= PGRK XX: Rheinische Urbare, Bd.2-4): [Tl.1]: A. Die Urbare vom 9.-13. Jahrhundert, B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1906, Nachdruck Düsseldorf 1978, CCIII, 555 S., [Tl.2]: B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1917, Nachdruck Düsseldorf 1978, 891 S., [Tl.3,1]: Einleitung und Register. I. Namenregister, hg. v. Franz Körholz, Bonn 1950, Nachdruck Düsseldorf 1978, 236, 9 S., [Tl.3,2]: Einleitung. Kapitel IV: Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der Großgrundherrschaft Werden. Sachregister, Bonn 1958, CCVI-CCCLXXXVIII, 117 S., zus. DM 150,-; Schantz, Otto (Hg.) (1912-1925), Werdener Geschichtsquellen (= WB Beih.2-4): Bd.1: I. Die Historia monasterii Werthinensis des Abtes Heinrich Duden; II. Insignis monasterii sancti Ludgeri Uuerthinensis annales et catalogus abbatum, Bonn 1912, Bd.2: III. Die Annalen des Propstes Gregor Overham, Bonn 1919, Bd.3: IV. Bernhard Roskamps Katalog; V. Namenverzeichnis, Bonn 1925, zus. DM 150,-. Ein Werdener Urkundenbuch fehlt. > B Beiträge zur Geschichte Werdens, > L Liudger, > Werden > Quellen I, Quellen II [Buhlmann, 11.1995, 05.1996, 12.1999, 11.2011, 09.2016]

Werdener Kirchenlandschaft: I. Kirchen und Gotteshäuser des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Bereich von Abtei und Stadt Werden waren (sind): Abteikirche (Ludgerusbasilika), Stephanuskirche, Gebäude des Klosters Werden, Filialkirche St. Klemens (Klemensborn), Filialkirche St. Luzius (Neukirchen), Nikolauskapelle (Marktkirche). II. Die Hauptkirche in Werden war zweifellos die vom heiligen Liudger gegründete Kirche des Klosters. In der Vita Liudgeri des Klosterleiters Altfrid (819-827) wird Liudger der Bau einer Salvatorbasilika zugeschrieben, die am 18. Oktober 812 bzw. am 28. Januar 816/17 auch urkundlich als basilica sancti Salvatoris Erwähnung findet und die als der noch von Liudger selbst geweihte Gründungsbau der Abteikirche gilt. Dies bestätigt auch die archäologische Forschung, die eine 38 m lange, dreischiffige Basilika ausmachen kann; sie soll - auch der Werdener Tradition des locus arboris (Grablege Liudgers) zufolge - von West nach Ost erbaut worden sein, wobei die Rundapsis kurz vor der von Liudger selbst bezeichneten Grabstätte (eben dem Baum) endete. Liudger ist nach seinem Tod (809) wirklich unter dem Baum, aber - wie zu dieser Zeit üblich - noch außerhalb der Kirche bestattet worden. Ab 840 wurde sein Grab in den Neu- und Umbau der Abteikirche unter Abt Altfrid (839-849) mit einbezogen. Die so entstandene Hallenkrypta beim Hochaltar im Chor erwähnt auch die Werdener Tradition als crypta nova necdum peracta ad pedes sacri sepulcri Liudgeri. Daneben gab es eine Außenkrypta, die die Gräber der Äbte aus der Verwandtschaft Liudgers enthielt; vier Grabinschriften der liudgeridischen Klosterleiter Hildigrim I. (809-827), Gerfrid (827-839), Altfrid und Hildigrim II. (853/64-886) sind überliefert. Der erweiterte Ostbau und das Langhaus sind als "Kirche des heiligen Liudger in Werden" dann im Jahr 875 geweiht worden. Es folgte die Weihe des auch heute noch beeindruckenden Westwerks der Basilika (943), das im Mittelalter als Marien- oder Peterskirche bezeichnet wurde und von dem es einen direkten Zugang zur Abteikirche gab. Vor dem Westwerk wurde im 11. Jahrhundert und später eine Vorhalle mit Portalnische, im 12. Jahrhundert ein Paradies in T-Form geschaffen, im östlichen Teil des Gotteshauses die umgebaute Hallen- als Außenkrypta 1059 geweiht. Vielleicht schon um 1230 ist die spätromanische Abteikirche entstanden, die im Jahre 1255 oder 1256 teilweise Opfer eines Brandes geworden ist. Mit der Wiederherstellung der Kirche zwischen Westwerk und Hallenkrypta muss aber bald begonnen worden sein. Darauf weisen zumindest die Sammlungsaufrufe und Ablässe für die Kirche aus dem Jahr 1256 und vom 10. Mai 1258 hin. In fast 20-jähriger Arbeit entstand bis zur Weihe der Abteikirche durch Albertus Magnus (*ca.1200-†1280) im Jahr 1275 ein spätromanisches Gotteshaus mit gotischen Formen, das bis heute nur wenige Veränderungen erfahren hat. Im unter Einbeziehung des Westwerks und der Krypta rund 100 m langen Bauwerk besteht der Mittelteil aus einer dreischiffigen Anlage mit Langhaus, Seitenschiffen und Querschiff, über dessen Mitte sich ein achteckiger Vierungsturm erhebt; Vierungsturm und Westturm - die einzigen Türme der (Doppel-) Kirche - stehen so in gewisser Polarität nebeneinander. Im Innern münden die niedrigeren Seitenschiffe mit dem darüber liegenden Emporengeschoss in das hohe Langhaus; über den Doppelöffnungen der Emporen sind Rosettenfenster zu sehen, die harmonisch zur kreuzrippengewölbten Decke des Langhauses mit den vier Jochen hinüberleiten. Der Chor im Anschluss des Querschiffs nimmt die Gliederung des Langhauses wieder auf; er wird von einem sechsteiligen Rippengewölbe überdacht und ist von den Chornebenräumen umgeben; eine halbrunde Apsis schließt den Chor zur Hallenkrypta hin ab, wobei Letztere über vom Chor ausgehende Seiteneingänge betreten werden kann. Für die Neuzeit sind dann nur noch wenige Baumaßnahmen wie die Erhöhung des Westwerkturms (1840/50) bezeugt. Dies geschah im Zusammenhang mit Restaurierungsmaßnahmen der preußischen Denkmalpflege im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert (1837/50, 1884/93, 1901/09). III. Stephanuskapelle: Die im Mittelalter sich unmittelbar südlich an die Klosterbasilika anschließende Stephanuskirche soll der Werdener Tradition nach noch von Liudger erbaut und geweiht worden sein. Dem steht aber eine Mitteilung des Reichenauer Mönchs Walahfrid Strabo (*808/09-†849) entgegen, und so wird man in der Stephanuskirche nicht den ersten Kirchenbau Werdens sehen dürfen. Man brachte die Kirche allgemein in Verbindung mit einer Dreikonchenanlage, an die sich ein einschiffiger Westarm anschloss; doch darf diese Auffassung wohl als überholt gelten. Die Kirche, wohl vielmehr eine Saalkirche mit Apsis, wurde zwischen 1534 und 1537 erneuert, und ist schließlich 1760/62 abgerissen worden. IV. Klostergebäude: Südlich der Abteikirche schlossen sich die Baulichkeiten der Werdener Mönchsgemeinschaft an die Stephanskapelle bzw. an die Abteikirche an. Ein Gebäude für den Abt könnte schon in der Zeit Liudgers bestanden haben; ebenfalls karolingerzeitlich ist wohl die Gesamtanlage der Klausur(St. Galler Klosterplan) mit Südflügel (Refektorium, Küche, Johanneskapelle), Ostflügel (Dormitorium) und zwei Kreuzgangflügeln im Norden und Westen. Die Abteikirche konnte bis zum Bau des Paradieses wahrscheinlich über ein Atrium im Westen des Gotteshauses betreten werden. Zum äußeren Bereich des Klosters zählten Propsthof, Infirmarie und Schule. Zu größeren Umgestaltungen kam es nach dem Brand des Klosters 1119 (Abtshaus neben dem Paradies, Klostereingang am Klemensborn), spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Umbaumaßnahmen betrafen den Kreuzgang (ca.1400, 1490/27) und das Refektorium (1495, 1506). 1258 ist ein Kapitelsaal, 1420 ein Kapitelhaus, in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ein neues Absthaus bezeugt. Ab 1732 wurden die barocken Klosterbauten errichtet. V. Luziuskirche: Baubeginn der Luziuskirche soll das Jahr 995 gewesen sein. Der Gründungsbau war ein einschiffiger Saalbau mit rechteckigem Chor, anschließender Apsis und einer Vorhalle. Er ist im 11. Jahrhundert erweitert worden, als bis zur Weihe am 1. Oktober 1063 (oder 1065) beim Chor Querhausflügel hinzukamen und das Querhaus verändert wurde. Die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts brachte die umfassende Erweiterung der Kirche zu einer dreischiffigen Basilika mit Stützenwechsel, Haupt- und Nebenchören. Ein Westturm mit wuchtigen Kreuzgratgewölben entstand um die Mitte des 12. Jahrhunderts (vielleicht in der Nachfolge eines früheren Turms), ergänzt um die vorgelagerte apsidiale Eingangshalle mit Nischenportal; zwei Chorwinkeltürme waren ebenfalls vorhanden. Aus der Mitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen auch die Wandmalereien in der Kirche. An den Chorwänden sind oberhalb der Arkaden, die die Nebenchöre vom Hauptchor trennen, Nischen angebracht, die den heiligen Luzius, den Kirchenpatron, und fünf Äbte zeigen. Daneben müssen Bögen, Fensterlaibungen und Gesimse ausgemalt gewesen sein, so dass allein durch die Bemalung das Kircheninnere einen prunkvollen Eindruck auf die Gläubigen gemacht hat. Die in antikisierendem Blattwerk gestalteten Pilaster der Chorwände, die Pfeiler- und Würfelkapitelle der Langhaus- und Chorarkaden taten sicher ihr Übriges. Für das späte Mittelalter ist der Umbau des südlichen Chors durch den Einbau eines gotischen Fensters festzuhalten (1487). Um das Jahr 1780 wurden dann die baufälligen Seitenschiffe zusammen mit den Chorwinkeltürmen niedergelegt. Die Nutzung der Kirche zu Wohnzwecken schädigte das Gebäude im Verlauf des 19. Jahrhunderts schwer, mit der Wiederherstellung des Gotteshauses wurde 1958 begonnen. VI. Klemenskirche: Von der Klemenskirche sind nur noch Mauerreste zu sehen. Die Kirche wurde 600 m südlich der Abtei an der Ausfallstraße nach Köln erbaut, dort, wo vier Quellen dem Pastoratsberg entspringen (christliches Quellheiligtum). Der frühneuzeitlichen Überlieferung des Werdener Abts Heinrich Duden zufolge wurde St. Klemens unter den Äbten Wigger und Reinher erbaut und von Erzbischof Brun I. von Köln (953-965), dem Bruder des deutschen Königs Otto I. (936-973), am 1. Mai 957 geweiht. Die nicht sehr große Kreuzbasilika mit der Quelleinfassung in ihrer Mitte wurde nach Osten hin durch drei Apsisnischen begrenzt. Zur Kirche gehörten ein Westturm sowie ein West- und ein Südeingang. VII. Nikolauskapelle: Bekannt ist, dass bei Kirchenbauten in Kaufleute- und Marktsiedlungen das Nikolauspatrozinium häufig vorkommt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch eine Kapelle am Werdener Markt - in der Nähe der Abteikirche - dem Nikolaus geweiht wurde. Dies geschah nach der frühneuzeitlichen Überlieferung an einem 5. Oktober 1047; die unter Abt Gerold erbaute Kapelle weihte dabei der Kölner Erzbischof Hermann II. (1036-1056). Über das Aussehen der 1806 abgebrochenen Kapelle werden wir hauptsächlich in einer Darstellung aus dem 18. Jahrhundert unterrichtet. Danach hatte der Kirchenbau einen quadratischen Grundriss; ihm war eine rechteckige Halle vorgelagert, der Eingangsbereich der Kapelle, den man vom tiefer gelegenen Markt über eine mit Löwen versehene Freitreppe erreichen konnte. Ein höheres Türmchen (Glockenturm) und zwei niedrigere bekrönten das Kapellendach. Inwieweit das eben geschilderte, frühneuzeitliche Aussehen der Kapelle dem mittelalterlichen Kirchenbau entsprach, mag dahingestellt bleiben. Fest steht, dass die Nikolauskapelle in der Stadt Werden ein große Bedeutung besaß. So wird aus dem Spätmittelalter berichtet, dass vor der Kapelle die Vereidigung von Amtspersonen, u.a. der städtischen Ratsmitglieder, stattfand. Damals muss sie auch schon Schulkirche der Abtei gewesen sein.
Vgl. Buhlmann, Michael (2007), Der heilige Luzius und die Werdener Luziuskirche (= BGW 7), Essen 2007, 36 S., € 2,50; Klawun, Ruth (1995), St. Ludgerus in Essen-Werden als Beispiel für preussische Denkmalpflegekonzepte im 19. Jahrhundert (= QuS 5), Münster 1995, V, 198 S., Schwarzweiß-, Farbtafeln, € 20,-; Winkler, Eva, Die Klosterbauten der Reichsabtei Werden. Versuch einer Rekonstruktion (= QuS 11), Münster 2005, IX, 365 S., Schwarzweiß-, Farbtafeln, Faltpläne, € 48,-. [Buhlmann, 04.2007, 07.2015]

Werfel, Franz, deutschsprachiger Schriftsteller: Franz Werfel, geboren am 10. September 1890 in Prag, gestorben am 26. August 1945 in Beverly Hills, war deutsch-böhmischer Untertan jüdischer Abstammmung in der österreichischen Donaumonarchie. Von 1912 bis 1915 war er Lektor in einem Leipziger Verlag, von 1915 bis 1918 Soldat der österreich-ungarischen Armee, eingesetzt an der Ostfront und im Kriegspressequartier. Ab 1911 entwickelte Werfel eine reichhaltige schriftstellerische Tätigkeit; die Beziehung zu Alma Mahler, der Witwe von Gustav Mahler und Ehefrau von Walter Gropius, die schließlich Werfels Ehefrau wurde, wirkte hier befruchtend. Es erschienen Gedichtwerke ("Weltfreund" 1911, "Wir sind" 1913, "Gerichtstag" 1919, "Beschwörungen" 1923 u.a.), Dramen ("Der Besuch aus dem Elysium" 1911, "Die Versuchung" 1912, "Mittagsgöttin" 1919, "Spiegelmensch" 1920, "Schweiger" 1922, "Paulus unter den Juden" 1926, "Das Reich Gottes in Böhmen" 1930, "Der Weg der Verheißung" 1936, "Jacobowsky und der Oberst" 1944 u.a.), Erzählungen und Novellen ("Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig" 1920, "Der Tod des Kleinbürgers" 1927, "Kleine Verhältnisse" 1931, "Weißenstein, der Weltverbesserer" 1939, "Géza de Varsany" 1943 u.a.), Romane ("Verdi. Roman der Oper" 1924, "Der Abituriententag. Die Geschichte einer Jugendschuld" 1928, "Die Geschwister von Neapel" 1931, "Die vierzig Tage des Musa Dagh" 1933, "Der veruntreute Himmel" 1939, "Das Lied von Bernadette" 1941 u.a.), Libretti und Essays. Reisen führten Werfel in den Nahen Osten und ins europäische Ausland, 1938 emigrierte er nach Südfrankreich, 1940 in die USA, wo er in Beverly Hills lebte. Zahlreiche Auszeichunungen und Ehrungen wurden dem Schriftsteller (postum) zuteil (Grillparzerpreis 1926, Tschechoslowakischer Staatspreis 1927, Schillerpreis 1927, österreichisches Verdienstkreuz 1937, Wiener Ehrengrab 1975, Wiener Armenier-Werfel-Denkmal 2000, armenische Ehrenbürgerschaft 2006). Eine Reihe von Werfels Werken diente als Vorlagen für Filme und Hörspiele. Vgl. noch: Werfel, Franz (1933), Die vierzig Tage des Musa Dagh (= Fischer Tb 9458), Frankfurt a.M. 182010, 989 S., € 15,- (ein historischer Roman, in dem Werfel den Holocaust des armenischen Volkes [Massaker, Todesmärsche; 1915/17] im Ersten Weltkrieg und untergehenden osmanischen Reich beschreibt); Werfel, Franz (1941), Das Lied von Bernadette. Roman, Frankfurt a.M. [1975], 511 S., DM 24,- (ein Roman, geschrieben anlässlich des Aufenthalts Werfels in Lourdes während seiner Flucht vor den Nationalsozialisten [1940]); Werfel, Franz (1939), Der veruntreute Himmel. Die Geschichte einer Magd, Gütersloh 1959, 256 S. [Buhlmann, 04.2017]

Werle, Hans (1955), "Ramosa". Das Kloster Ramsen, Berthold von Winzingen und die pfalzgräfliche Neustadt, in: BllPfKG 22 (1955), S.129-134 > R Ramsen

Werner, Matthias (1980), Der Lütticher Raum in frühkarolingischer Zeit. Untersuchungen zur Geschichte einer karolingischen Stammlandschaft (= MPIG 62), Göttingen 1980, 539 S., 15 Karten, DM 110,-. Im Austrien und im Lütticher Raum des 7. und (beginnenden) 8. Jahrhunderts als Teil des merowingischen Frankenreichs werden neben den Arnulfinger-Pippiniden weitere Adelsfamilien und Familien austrischer Amtsträger zumindest teilweise in den Geschichtsquellen (Urkunden, Viten, Geschichtsschreibung) erkennbar. Der Diakon Adalgisel-Grimo (†n.634) ist durch sein Testament berühmt; seine Familie war zwischen Trier, Metz und Verdun begütert, aber auch nördlich der Ardennen. Dort, im Haspengau, wird auch eine Adelsfamilie um den Genter Eremiten Allowinus-Bavo (7. Jahrhundert, 1. Hälfte), einem Schüler des Missionars Amandus (†n.674), greifbar. Als Klostergründer (von St. Truiden) betätigte sich der heilige Trudo (7. Jahrhundert, Mitte) aus einer nobilissima Francorum prosapia, während eine Landrada und ein Landold das Kloster Munsterbilzen stifteten (um 700). Güterübertragungen an den angelsächsischen Friesenmissionar Willibrord (†739) vollzogen u.a. vornehme Stifter wie Aengilbald, Aengilbert oder Ansbald in Toxandrien. Schließlich ist die berühmte Adela von Pfalzel (†n.732/33) zu nennen, die Stifterin und erste Äbtissin des Klosters Pfalzel bei Trier, die gemäß einer Traditionsurkunde von 732/33 über Besitz an der Mosel, der mittleren Maas und am Niederrhein (Hohenbudberg, Lank) verfügte. Adela und Bertrada, die Stifterin des Eifelklosters Prüm, sollen Schwestern der Plektrud, der Ehefrau des karolingischen Hausmeiers Pippin des Mittleren (687-714), gewesen sein, alle drei Töchter der (Äbtissin) Irmina von Oeren (†706/09), der Stifterin der Echternacher Mönchsgemeinschaft, und des Seneschalls und Pfalzgrafen Hugobert (693, 697) ("Hugobert-Irmina-Sippe"). Plektrud (†n.717) selbst muss jedenfalls vielfältigen Besitz - und damit verbunden (bewaffnete) Gefolgschaft - in die wohl um 670 geschlossene Ehe mit Pippin gebracht haben, so dass sich der politische Handlungsrahmen der Karolinger wohl beträchtlich erweiterte - auch hin zum Niederrhein, wie z.B. die Beziehungen Plektruds zu Köln zeigen. Damit ergänzten die Besitzungen Plektruds die Pippins, dessen weiträumige, grundherrschaftlich organisierte Hausgüter sich im Wesentlichen zwischen Kohlenwald und Maas (Pippiniden) bzw. bei Metz, Verdun und Lüttich (Arnulfinger) befanden, um dann etwa durch Besitz im Trierer Raum eine Erweiterung zu finden. Pippinidisch-karolingische Herrschaft in Austrien und an der mittleren Maas verband sich auch mit den dort gelegenen Bistümern. Bischöfe wie der Arnulfinger Arnulf von Metz (614-629) oder wie Kunibert von Köln (†663?) standen auf Seiten Pippin des Älteren; mit Bischof Chrodegang von Metz (742-766) wird eine hochgestellte austrasische Familie sichtbar, die sich im Umfeld der Karolinger bis in den Beginn des 9. Jahrhunderts verfolgen lässt. Der Missionar Amandus war zeitweise und auf Betreiben des Hausmeiers Grimoalds (I, †662) Bischof von Tongern-Maastricht (647/48-649/50). Dagegen gehörte Bischof Lambert von Maastricht (670-675, 682-705) wohl zu den Gegnern der Karolinger; Lambert, in eine Fehde mit Dodo, dem domesticus Pippins des Mittleren, verwickelt, wurde im Maastricht benachbarten Lüttich ermordet und alsbald als Heiliger verehrt. Die Arnulfinger-Pippiniden müssen gleichwohl auch mächtige Feinde in Austrien gehabt haben. Das ergibt sich schon daraus, dass nach dem Tod Grimoalds (I) die Karolinger erst einmal die austrische Politik anderen überlassen mussten; ein dux Gundoin und ein domesticus Hodo handelten nun als Amtsträger im Namen König Childerichs II. (662-675), der wohl mit Gundoin verwandte Wulfoald war der Hausmeier des Herrschers (662-679/80). Auch gegenüber dem neustroburgundischen Hausmeier Ebroin gerieten die Pippiniden-Karolinger politisch und militärisch ins Hintertreffen (Schlacht bei Bois-du-Fay 679). Erst die Schlacht bei Tertry (687) sicherte den Karolingern die Vorherrschaft auch in Austrien. [Buhlmann, 02.2013]

Wessel, Günther (2004), Von einem, der daheim blieb, die Welt zu entdecken. Die Cosmographia des Sebastian Münster oder Wie man sich vor 500 Jahren die Welt vorstellte, Darmstadt 2004, 328 S., zahlreiche Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, € 9,95. I. Sebastian Münster, der "deutsche Strabo", geboren am 20. Januar 1488 in (Nieder-) Ingelheim, aus einer wohl mäßig reichen Winzerfamilie, genoss in Ingelheim eine Elemenatarausbildung u.a. in Latein, studierte in Heidelberg (1505-1507), Rouffach (1507-1511/12; Konrad Pellikan), Tübingen (1512-1518; Johannes Stöffler), trat 1507 zur finanziellen Absicherung in den Franziskanerorden ein und wurde 1512 Priester. Im Tübinger Generalstudium der Franzikaner war Münster als Lektor tätig, ebenso in Basel (1518-1520). Ab 1524 war Münster Professor für Hebräisch in Heidelberg, ab 1529 in Basel. 1529 trat er - vor dem Hintergrund der Reformation - aus dem Franziskanerorden aus und heiratete im folgenden Jahr. 1543 reiste Münster zu Graf Wilhelm Werner von Zimmern, besuchte noch das Kloster St. Georgen und verirrte sich anschließend im Schwarzwald, bis er dann doch wohlbehalten nach Waldkirch kam. 1547/48 war Münster Rektor der Basler Universität und nahm als solcher am Regensburger Reichstag teil. Am 26. Mai 1552 starb er in Basel an der Pest. Münsters Leidenschaft hingegen gilt der Geografie und "Kosmografie". Zahlreich sind Veröffentlichungen Münsters als Autor und Herausgeber: hebräisch-lateinisches Studienbuch (1511), kurze hebräische Grammatik (1520), deutsche Übersetzung der zehen gebot ein nützliche erklerung des Martin Luther (1520), hebräisch-lateinisches Wörterbuch (1523), hebräische Grammatik (1524), hebräische Grammatik des Elia Levita (1525), aramäische Grammatik (1527), aramäisches Wörterbuch (1527), Erklerung des newen Instruments der Sunnen (1528), Germaniae descriptio (1530), Biblia Hebraica (1533/34), Isagoge elementalis (der hebräischen Grammatik, 1535), Mappa Europae (1536), Rhaetia des Ägidius Tschudi (1538), Geografie des Ptolemäus (1540), hebräische Grammatik (1542), Cosmographia (1544, 1550). II. Mit den Vorarbeiten zu seinem Hauptwerk Cosmographia begann Sebastian Münster um 1524 in Heidelberg; er studierte antike Quellen und aktuelle Berichte der Entdecker und Eroberer. Die Cosmographia erschien erstmals 1544 auf Deutsch. Sie ist Weltbeschreibung, Länderkunde und Ethnografie in einem, in sechs Bücher gegliedert, 660 Textseiten stark, versehen mit 24 doppelseitigen Karten und an die 500 Holzschnitten, die Tiere, Menschen, Bauwerke, Städte und "wunderbarliche Dinge" aus allen Kontinenten abbilden (Buch I: Erdkunde, Tiere und Pflanzen, Fabeltiere; Buch II: Europa, West- und Südeuropa; Buch III: Deutschland; Buch IV: Ost- und Nordeuropa; Buch V: Asien, Amerika; Buch VI: Afrika). Der deutschen Ausgabe von 1544 folgten 1550 erweiterte Ausgaben in Deutsch, aber auch in Latein, das die Wissenschaftlichkeit des Werkes betonte. > Lateinische Literatur > M Münster, Sebastian [Buhlmann, 02.2013]

Wessing, Ulf (1992), Interpretatio Keronis in Regulam Sancti Benedicti. Überlieferungsgeschichtliche Untersuchungen zu Melchior Goldasts Editio princeps der lateinisch-althochdeutschen Benediktinerregel (= StAhd 18), Göttingen 1992 > S Studien zum Althochdeutschen

Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. v. Karl Hengst (= VHKW XLIV: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, Bd.2): Tl.1 (1992): Ahlen - Mülheim, Münster 1992, Tl.2 (1994): Münster - Zwillbrock, Münster 1994 > K Klosterbücher

Westfälisches Ortsnamenbuch, hg. v. Kirstin Casemir u. Jürgen Udolph, führt die Siedlungs-, Orts- und Wüstungsnamen des 8./9. bis 16. Jahrhunderts (ohne Landschaftsnamen [Berg-, Gewässer-, Wald-, Flurnamen], politische Namen [Gaunamen, Namen von Ämtern], administrative Namen [Gerichtsstätten, Zollstellen, Landwehren], Funktionsnamen [Brücken, Mühlen u.a.]) an, gegliedert nach Landkreisen und kreisfreien Städten in Westfalen mit festem Artikelaufbau je Ortsname (Name, Lokalisierung; historische Belege/Belegformen [Datierung, Überlieferung, Belegtext, Quellenkritik], [bisherige, sprachwissenschaftlich-kritische] Namendeutung [auf der Basis der Grundwörter: -ard, -au, -beke, -born, -bram, -brede, -brok, -brücke, -buhil, -bur, -burg, -dal, -dorp, -dulm, -feld, -gis, -hagen, -hem, -hof/hove, -holt, -huffe, -huppe, -husen, -kamp, -kirche, -land, -loh, -mar, -ride, -rike, -rode, -seli, -sete, -siek, -spring, -tun, -wise/wisch und der Suffixe -ing(i)/ung(i), -ithi, -j-, -k-, -l-, -n-, -r-, -rk-, -s-, -sn-, -st-, -t-): WOB 9 (2016): Casemir, Kirstin, Ohainski, Uwe, Die Ortsnamen des Kreises Höxter, Bielefeld 2016, 472 S., Übersichtskarte, € 34,- (391 Siedlungsnamen, davon 248 Wüstungsnamen, insbesondere auch mit Ortsnamenbelegen aus der Überlieferung des Klosters Corvey). [Buhlmann, 10.2017]

Wetzel, Christoph (2011), Heiligenlegenden in der bildenden Kunst (= RUB 18704), Stuttgart 2011 > H Heilige des Christentums

Widukind von Corvey, Res gestae Saxonicae. Die Sachsengeschichte. Lateinisch/Deutsch, hg. v. Ekkehart Rotter u. Bernd Schneidmüller (= RUB 7699), Stuttgart 1981, 262 S., DM 7,60 > Lateinische Literatur > W Widukind von Corvey

Wiener, Claudia (2001), Proles vaesana Philippi totius malleus orbis. Die Alexandreis des Walter von Châtillon und ihre Neudeutung von Lucans Pharsalia im Sinne des typologischen Geschichtsverständnisses (= BzA 140), Leipzig 2001, 125 S., € 3,70. Die Alexandreis des Walter von Châtillon (†n.1176) ist ein lateinsches Versepos auf Alexander den Großen (336-323 v.Chr.), entstanden nach 1176 (1179/80?). Walter unterscheidet bei der Darstellung der Welteroberung Alexanders eine historisch-faktische, moralische und typologische Verständnisebene (gemäß der Bibelauslegung im vierfachen Schriftsinn). Historisch hält sich der Dichter an die antike Vorlage des Curtius Rufus (und verwandte Quellen), moralisch kommt einer von ihm in die Alexandreis integrierte Aristoteles Rede als Fürstenspiegel eine wichtige Rolle zu. Typologisch hebt Walter - auch mit den Mitteln von Traumvisionen, Ekphraseis und Allegorien - auf Parallelen zur Pharsalia des römischen Dichters Lucan ab (Alexander - Darius: Übergang der Weltherrschaft von den Persern auf die Griechen <-> Caesar - Pompejus: Übergang der Weltherrschaft von den Griechen auf die Römer), weiter auf das Alte Testament (Rolle Jerusalems, Vier-Weltreiche-Theorie des Propheten Daniel) und stellt wohl neben den "Typus" (sub lege) Alexander den für ihn aktuellen "Antitypus" (sub gratia) König Philipp II. Augustus von Frankreich (1180-1223) als "neuen Alexander" gerade in Bezug auf die Kreuzzüge. Die christlich-typologische Geschichtsdeutung der Alexandreis hat dem Epos im Mittelalter solch einen Erfolg beschert. > Lateinische Literatur > W Walter von Châtillon [Buhlmann, 08.2011]

Wieners, Thomas H.T., Bäumle, Stephan, Zimmermann, Ernst (Hg.) ([2005]), 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Otolf, Priester in Pfohren, [Donaueschingen-] Pfohren [2005], 96 S., Abbildungen u.a. der Urkunden, € 10,-. I. Für (Donaueschingen-) Pfohren, einem Ort auf der Baar, liegt insofern eine reichhaltige Überlieferung durch das Kloster St. Gallen vor, dass insgesamt sieben Urkunden des 9. Jahrhunderts Pfohrener Belange berühren. Eine Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) vom 4. Juni 817 nennt erstmals Pfohren (Forrun) als einen von den Orten, von denen das Kloster an der Steinach einen (ehemals gräflichen) Zins bezog. Die in Klengen ausgestellte Traditionsurkunde vom 24. April 821 betrifft an das Kloster St. Gallen von Hamming und Puto übertragenes Gut in Pfohren. Ebenfalls Besitz in Pfohren schenkte am 23. Oktober 825 Wicram an die Mönchsgemeinschaft. In einer in Pfohren ausgestellten Urkunde vom 4. Juni 842 übertrug Wolfger dem Kloster St. Gallen seine gesamten Besitzungen in Pfohren und erhielt sie in Landleihe (precaria) gegen Zahlung eines jährlichen Zinses und gegen Vorbehalt eines Rückkaufsrecht zurück. Dasselbe galt auch für Wolfgers Schwester Wolburuc. II. Im Mittelpunkt von zwei Urkunden steht der adlige Priester Otolf von Pfohren, wohl ein prominenter Parteigänger König Ludwigs des Deutschen (840-876). Mit Datum vom 1. Juli 847, 848 oder 854 übertrug Otolf in Pfohren seinen gesamten Besitz ebenda an das Kloster St. Gallen unter der Bedingung der Rückleihe und einer einem "eingeschriebenen Bruder" (frater conscriptus) angemessenen Aufnahme ins Kloster bei seinen Besuchen dort. Die Datierung der Urkunde lässt - je nach angenommenen Regierungsbeginn König Ludwigs des Deutschen - die Jahre 847, 848 oder 854 zu. Am 16. Juni 856 tauschte dann König Ludwig der Deutsche in Ulm mit Otolf den dritten Teil seines Hofes, der neben der Kirche in Pfohren lag und der schon zu zwei Dritteln im Besitz des Otolf gewesen war. Gemäß dem in der Urkunde von 847/48/54 Gesagten fiel auch der dank der Herrscherurkunde von 856 vollständig erworbene königliche Hof in Pfohren an das Kloster St. Gallen. III. Eine am 8. April 887 in Baldingen ausgestellte Urkunde beendet die Pfohrener Überlieferung des 9. Jahrhunderts. In der Urkunde schenkt Ratsind dem Kloster St. Gallen ihr Erbgut in Pfohren gegen Freilassung ihrer Kinder aus der Unfreiheit, gegen Landleihe und Dienstleistung bzw. jährlichen Zins. Die Urkunde ist insofern interessant, als dass sie ein Einblick in das Verhältnis von Freiheit und Unfreiheit im frühen Mittelalter gibt. In einer Ehe zwischen einem freien und unfreien Partner gingen die Kinder nämlich "zur ärgeren Hand", d.h. waren wieder unfrei. Ratsind zog daraus die Konsequenz, durch Übergabe ihres Pfohrener Erbgutes die Freiheit ihrer Kinder, die offensichtlich sonst vom Kloster St. Gallen abhängig gewesen wären, zu erlangen. Vgl. Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Pfohren im frühen Mittelalter (= VA 71), Essen 2014, 60 S., € 4,-. [Buhlmann, 09.2005, 04.2014]

Wild, Joachim (2007), Stift Baumburg im 15. Jahrhundert, in: Brugger, Walter, Landersdorfer, Anton, Soika, Christian (Hg.), Baumburg an der Alz. Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift in Geschichte, Kunst, Musik und Wirtschaft, Regensburg 2007, S.141-164, Sonderdruck. Das 1107/09 gegründete, 1803 aufgehobene Augustinerchorherrenstift/kloster Baumburg (bei Traunstein) besitzt eine reiche Geschichte. Im 15. Jahrhundert standen die Pröpste Johannes II. (1380-1414), Ulrich II. (1415-1423), Ulrich III. (1423-1436), Caspar Ebenhauser (1436-1479), Paulus Pelchinger (1479-1488) und Georg I. Dietrichinger (1488-1515) dem Stift vor. Unter Propst Caspar setzte ein Verschriftlichungsschub in der geistlichen Kommunität ein; in einem Skriptorium wurden sowohl liturgische Bücher (Messbücher, Psalter, Tagzeitbuch) abgeschrieben als auch Amtsbücher (Salbuch) verfasst, auch Bücherkäufe sind überliefert. Alles in allem gibt die damals entstandene schriftliche Überlieferung einen guten Einblick in die innere Verfasstheit des Stifts (adlige Konventsmitglieder, Visitation und [Versuch einer] Klosterreform in Anschluss an die Salzburger Reformsynode des Kardinallegaten Nikolaus von Kues 1451/58), die wirtschaftliche Lage, die Rolle des Stifts als bayerischer Landstand. Der Blütezeit des Stifts im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert entsprach es, dass Propst Caspar beim Basler Konzil urkundlich die Verleihung der Mitra für sich und seine Nachfolger erlangte (1445). [Buhlmann, 04.2015]

Wilhelm von Hirsau, Reformabt: Wilhelm von Hirsau stammte aus Bayern, wo er wahrscheinlich um 1026/31 geboren wurde. Über seine Herkunft ist weiter nichts bekannt. Wilhelm erhielt - als puer oblatus den Benediktinern übergeben - seine geistliche Ausbildung zum Mönch im schon erwähnten Emmeramkloster, einer Eigenkirche des Regensburger Bischofs. Otloh von St. Emmeram (*ca.1010-†n.1079) war der berühmte Lehrer Wilhelms, und so verfasste Wilhelm etwa ab der Mitte des 11. Jahrhunderts gelehrte Traktate über Astronomie und Musik, Teildisziplinen des Quadriviums innerhalb der septem artes liberales. Ab 1069 versuchte Wilhelm als Abt in Hirsau, seine Vorstellungen von strenger Askese, Eifer und Streben nach mönchischer Vollkommenheit durchzusetzen. In den ersten Jahren in Hirsau verfolgte Wilhelm das Ziel, sein Kloster von den weltlichen Gewalten weitgehend unabhängig zu machen. Dies geschah auf der Grundlage der schon seit längerer Zeit wirksamen gorzisch-lothringischen und cluniazensischen Reformbestrebungen, ganz im kirchlich-revolutionären Sinn der Zeit. Wilhelms Politik richtete sich also zunächst gegen den Calwer Grafen Adalbert II. (†1099). Eine Urkunde König Heinrichs IV. (1056-1106) - wohl bald nach 1070 formuliert - schuf immerhin die wichtige Beziehung zum Königtum, schrieb aber im Wesentlichen den Stand Hirsaus als gräfliches Eigenkloster fest. Ein 1073/75 von Papst Gregor VII. (1073-1085) ausgestelltes Privileg stellte Hirsau unter päpstlichen Schutz. Die integra libertas coenobii des sog. "Hirsauer Formulars", einer Urkunde König Heinrichs IV. vom 9. Oktober 1075, beinhaltete dann die freie Abtswahl und die freie Wahl bzw. Absetzung des Vogtes, der freilich aus der Stifterfamilie des Klosters kommen musste. Die Verschärfung der Fronten im Investiturstreit (1075-1122) mag auch Auswirkungen auf die inneren Verhältnisse im Hirsauer Kloster gehabt haben. Jedenfalls ist von Wilhelm überliefert, dass er in Hirsau die Gewohnheiten des burgundischen Klosters Cluny einführte. Disziplin und Gehorsam, harte Strafen bei Übertretungen der Vorschriften und dauernde Kontrolle der Mönche zeichneten spätestens in den Jahren nach 1079 das Leben in Hirsau aus. Dort entstand nach 1083 die damals größte Klosteranlage Deutschlands mit der mächtigen romanischen Petruskirche. Das Wirken Wilhelms war indes nicht nur auf Hirsau beschränkt. Eine Reihe von Klöstern, neu gegründete und alteingesessene, sollten sich der Hirsauer Reform anschließen. Neue Abteien, die von Hirsauer Mönchen besiedelt wurden, waren: Zwiefalten, Blaubeuren, St. Peter und St. Georgen in Schwaben sowie Reinhardsbrunn in Thüringen; schon bestehende Klöster, die die "Hirsauer Gewohnheiten" annahmen: Petershausen bei Konstanz, Schaffhausen, St. Peter in Erfurt und Komburg; Hirsauer Priorate schließlich: (Kloster-) Reichenbach im Murgtal, Schönrain in Franken, Fischbachau in Bayern. Der weiten Verbreitung der Hirsauer Klosterreform entsprach der Ruf Wilhelms in der kirchlich-politischen Propaganda des Investiturstreits. Der Hirsauer Abt war eine wichtige Stütze der Gregorianer in Deutschland, in Schwaben. Er stand auf der Seite der Gegenkönige Rudolf von Schwaben (1077-1080) und Hermann von Salm (1081-1088), u.a. ihm war die Geschlossenheit der gregorianischen Partei im deutschen Südwesten zu verdanken, vom Ansehen, das das Hirsauer Kloster in den Kreisen der Kirchenreformer besaß, ganz abgesehen. Wilhelm starb am 4. Juli 1091 in Hirsau.
An Quellen und Literatur zu Wilhelm von Hirsau seien genannt: Büttner, Heinrich (1966), Abt Wilhelm von Hirsau und die Entwicklung der Rechtsstellung der Reformklöster im 11. Jahrhundert, in: ZWLG 25 (1966), S.321-338; Buhlmann, Michael (2010), Wilhelm von Hirsau und die St. Georgener Klostergründung. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/2), St. Georgen 2010, 56 S., € 6,-; Kerker, M[oritz] (1863), Wilhelm der Selige, Abt von Hirschau, Tübingen 1863, IV, 362 S.; Köhler, Joachim (1982/83), Abt Wilhelm von Hirsau 1069-1091. Heiliger, Reformer, Politiker, in: Der Landkreis Calw 1982/83, S.3-22. > H Hirsau [Buhlmann, 02.2010, 07.2013]

Wilhelm von Holland, deutscher König: Geboren wurde Wilhelm von Holland 1228 als Sohn des holländischen Grafen Florens IV. (1223-1234) und der Mechthild von Brabant. Zum König erhoben den Grafen (1234-1256) einige niederrheinische Kirchenfürsten und der Herzog Heinrich II. von Brabant (1235-1248) am 3. Oktober 1247 in Worringen. Nach der Belagerung und Eroberung Aachens konnte sich Wilhelm am 1. November 1248 dort zum König krönen lassen. Der Gegenkönig setzte sich insbesondere am Niederrhein (1248) und in Niederdeutschland (Heirat mit Elisabeth, der Tochter des Herzogs von Braunschweig, 1251/52) durch, während am Mittelrhein und in Süddeutschland der Staufer Konrad IV. (1237-1254) ein politisches Übergewicht hatte. Nach dem Tode Konrads (1254) wurde Wilhelm aber allgemein als König anerkannt, insbesondere auch vom Rheinischen Städtebund, auf den sich Wilhelm in der Folge stützen konnte. Der König kam auf einem Winterfeldzug gegen die Friesen am 28. Januar 1256 um; beigesetzt wurde er von seinem Sohn Florens V. (1256-1296) in der Abtei Middelburg.
Ediert sind: Die Urkunden Heinrich Raspes und Wilhelms von Holland, hg. v. Dieter Hägermann, Jaap G. Kruisheer (1989/2006), 2 Tle. (= MGH. Diplomata. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd.18), Hannover 1989-2006, CXI, 743 S., € N.N., u.a. auf der Grundlage von: Hägermann, Dieter, Studien zum Urkundenwesen Wilhelms von Holland. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Königsurkunde im 13. Jahrhundert (= Archiv für Diplomatik, Beih.2), Köln-Wien 1977, VI, 424 S., DM 48,-. Zu verweisen ist noch auf: Die Regesten des Kaiserreiches unter Philipp, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.), Conrad IV., Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272 (1881-1983) (= RI V,1-6): Bd.V,1 (= Abt.1-2): Kaiser und Könige, hg. v. Julius Ficker, 1881/82, Nachdruck Hildesheim 1971, Bd.V,2 (= Abt.3-4): Päpste und Reichssachen, hg. v. Julius Ficker, Eduard Winkelmann, 1892, Nachdruck Hildesheim 1971, Bd.V,3 (= Abt.5): Einleitung und Register, hg. v. Julius Ficker, Eduard Winkelmann, bearb. v. Franz Wilhelm, 1901, Nachdruck Hildesheim 1971, zus. CLX, 2424 S., zus. DM 380,-, Bd.V,4 (= Abt.6): Nachträge und Ergänzungen, bearb. v. Paul Zinsmaier, Köln-Wien 1983, XII, 403 S., DM 94,-. [Buhlmann, 06.2011]

Will, Wolfgang (2009), Caesar (= GdA), Darmstadt 2009 > G Gestalten der Antike

Willems, W.J.H., Das Rhein-Maas-Delta als Grenzgebiet vom 3. bis zum 8. Jahrhundert, in: Siedlungsforschung 7 (1988), S.31-49. Das Rhein-Maas-Delta unterlag im Übergang von Antike zum Frühmittelalter vielfältigen politischen und siedlungsgeschichtlichen Veränderungen. In römischer Zeit war es Teil der Provinz Germania inferior bzw. Germania secunda, Rhein als Grenze und Rheingebiet als Grenzregion waren im 3. Jahrhundert n.Chr. noch vielfach miteinander verwoben. Bis ins 4./5. Jahrhundert bildete der Rhein die Grenze des römischen Reiches (Brittenburg), das Grenzgebiet im Rhein-Maas-Delta wurde fränkisch mit Verbindungen jenseits des Rheins, der nun die wichtigere Funktion einer Handelsstraße zwischen Rheinland und Britannien erfüllte. Im Rhein-Maas-Delta war die westliche Region wenig besiedelt im Gegensatz zur östlichen. Dieser Unterschied sollte noch bis ins frühe Mittelalter wirksam bleiben, politisch unterlegt durch das Eindringen der Friesen in die Küstenregion, während der Raum östlich davon weiterhin mit dem Frankenreich der Merowinger und Karolinger verbunden blieb (Gräberfelder). Wahrscheinlich blieb auch in den Jahrhunderten des Übergangs von Antike zum Mittelalter die Funktion des Rheins als Handelsweg erhalten (verbliebene Römerkastelle). Die fränkischen Siege über die Friesen im frühen 8. Jahrhundert markiert dann den politischen Schlusspunkt der Entwicklung im Rhein-Maas-Delta. [Buhlmann, 06.2015]

Willemsen, Annemarieke, Kik, Hanneke (Hg.) (2010), Dorestad in an international framework. New research on centres of trade and coinage in Carolingian times, Turnhout 2010 > D Dorestad

Willig, Wolfgang (1997), Spurensuche in Baden-Württemberg: Klöster, Stifte, Klausen. Ein kulturhistorischer Führer, Wannweil 1997 > B Buhlmann, Klöster und Stifte in Baden-Württemberg

Willoweit, Dietmar (2013), Reich und Staat. Eine kleine deutsche Verfassungsgeschichte, München 2013, 128 S., Zeittafel, € 8,95. Anfänge fränkisch-deutscher Staatlichkeit lassen sich im merowingisch-karolingischen Rechtssystem des Frankenreichs erkennen. Recht ist dabei ein "System von Normen", Gesetze, Gerichtswesen und Gerichtsbarkeit sind Ausfluss von Recht. Die (Personenverbands-) "Staaten" des frühe(re)n Mittelalters, basierend auf Grundherrschaft und Adelsherrschaft, stellten sich unter als von Königen regiert dar; das fränkische und frühmittelalterliche Königtum war der Garant von Recht und Friedensordnung. Das römische Kaisertum steht für eine aus der Antike führende Traditionslinie, ebenso die christliche Kirche mit dem Papsttum. Im Investiturstreit (1075-1122) traten weltliche und geistliche Herrschaft auseinander, ein verstärkten Eindringen des römischen Rechts in Staat und Kirche (kanonisches Recht) ist seit dem 12. Jahrhundert zu beobachten. Im Spätmittelalter erfolgte im Rahmen des römisch-deutschen Reiches (Altes Reich) und auf der Grundlage von Lehnswesen und fürstlichem Besitz von Regalien die Ausbildung von Territorien und Landesherrschaften; die im Hochmittelalter einsetzende Entwicklung der mittelalterlichen Stadt schuf Gewerbe- und Handelsorte mit bürgerlicher Autonomie der Stadtverfassung. Gleichzeitig entfaltete sich auf der Grundlage der aristotelischen Auffassung von Politik und in Abkehr von der Theologie eine spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Staatslehre. Die Reichsreform im römisch-deutschen Reich an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert ("Ewiger Landfrieden", Reichssteuerpflicht, Reichskreise) mündete, überlagert von Reformation und Konfessionalisierung, im Augsburger Religionsfrieden (1555) und der Friedensordnung des Westfälischen Friedens (1648) nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Gleichzeitig verwandelte sich (Adels-) Herrschaft in staatliche Obrigkeit ("gute Policey" für die Untertanen, "Absolutismus"), das römisch-deutsche Reich wurde zum "Hüter alter Rechte". Im frühneuzeitlichen Staatsdenken und dem der Aufklärung wurden die Autonomie der Politik und das Naturrecht herausgestellt. Die Französische Revolution (1789) und das Ende des Alten Reichs (1806) schufen letztlich den "monarchischen Verfassungsstaat" innerhalb des Deutschen Bundes (1815-1866). Das Deutsche Kaiserreich von 1871 war konstitutionell verankert (Reichstag als gewähltes Parlament, Parteien, Reichskanzler und Reichsregierung), die Weimarer Republik (1919-1933) als erste deutsche Demokratie gründete auf dem Parlamentarismus mit all dessen Vor- und Nachteilen, die nationalsozialistisch bestimmte Diktatur des "Dritten Reiches" (1933-1945) zerstörte die Rechtsstaatlichkeit und setzte stattdessen auf Willkür, Gewalt und (Kriegs-) Verbrechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) war der Weg im von den Siegermächten besetzten Westdeutschland frei zur parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland (Parlamentarischer Rat und Grundgesetz, Politik und Parteien), während in Ostdeutschland unter kommunistisch-sozialistischen Vorzeichen die Diktatur der Deutschen Demokratischen Republik entstand. Die "Wiedervereinigung" der zwei deutschen Staaten von 1990 schuf ein Deutschland in der Mitte des sich nach Osten erweiternden "Staatenverbunds" der Europäischen Union. [Buhlmann, 08.2013]

Winkler, Eva, Die Klosterbauten der Reichsabtei Werden. Versuch einer Rekonstruktion (= QuS 11), Münster 2005 > W > Werdener Kirchenlandschaft

Winkler, Heinrich August (1985), Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1924 bis 1930, Berlin-Bonn 1985 > G > Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts

Winkler, Wolfgang Arno (2006), Robert Gerwig, ein vielseitiger Ingenieur (= Vertex Alemanniae, H.25), St. Georgen 2006, 56 S., € 4,-; Horb 22010, 80 S., zahlreiche Abbildungen in Farbe, € 11,50. Robert Gerwig (*1820-†1885), der Badener aus Karlsruhe, ist den meisten bekannt als der Erbauer der Schwarzwaldbahn. Doch als vielseitiger Ingenieur beschäftigte sich Gerwig im Laufe seines Lebens auch mit vielen anderen Projekten: Er war Leiter der Uhrmacherschule in Furtwangen, Politiker im badischen Parlament und im deutschen Reichstag, Fachmann für Wassererfassung und -ableitung, Straßen- und Brückenbauer. Auf sein vielschichtiges und spannendes Leben geht die Publikation ein. [Buhlmann, 11.2006, 10.2010]

Winterer, Christoph (2010), Das Evangeliar der Äbtissin Hitda. Eine ottonische Prachthandschrift aus Köln. Miniaturen, Bilder und Zierseiten aus der Handschrift 1640 der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Darmstadt 2010, 128 S., € 49,90 > Lateinische Literatur > H Hitda-Codex

Winterberg, Hans (1961), Die Schüler von Ulrich Zasius (= VKGLBW B 18), Stuttgart 1961, VIII, 117 S., € 5,-. Der deutsche Humanist und Rechtswissenschaftler Ulrich Zasius (*1461-†1535) war als Hochschullehrer an der Freiburger Universität überaus wirksam (Persönlichkeit des Zasius, seine Lehre), wie die Zahl von insgesamt 131 in der Überlieferung auftretenden Schülern und Hörern (darunter auch mutmaßliche) beweist. Bedeutende Schüler des Ulrich Zasius waren: Bonifacius Amerbach, Peter Bitterlin, Thomas Blarer, Claude Chansonette, Gilbert Cousin, Sebastian Derrer, Johann Fichard, Nikolaus Freigius, Johann Thomas Freigius, Franz Frosch, Johann Heigerlin, Konrad von Heresbach, Johann Mayer, Johann Mynsinger von Frundeck, Jakob Otter, Urbanus Rhegius, Gervasius Sauffer, Johann Sichard, Jakob Spiegel, Jakob Sturm, Hieronimus Veus, Viglius van Aytta, Johann Ulrich Zasius (Sohn des Ulrich Zasius), vielleicht auch Wilhelm Werner von Zimmern. Die Schüler und Hörer kamen aus den süddeutschen (geistlichen, weltlichen) Territorien und den Reichsstädten, aber auch aus französischsprachigen Gebieten. Aus den Zasiusschülern wurden Hochschullehrer (besonders in Freiburg), fürstliche (gerade auch habsburgische) Räte, Richter (in landesherrlichen Verwaltungen, am Reichskammergericht) und Anwälte. Ulrich Zasius, die Freiburger Rechtsfakultät, aber auch Fakultäten anderer Universitäten prägten dann Praxis und Rechtstheorie der Zasiusschüler (humanistisch-theoretische Rechtswissenschaft [in Anknüpfung an die Antike] gegen Rechtspraxis, Humanismus und unhumanistische Reformation, Humanismus und Gegenreformation). [Buhlmann, 07.2013]

Winterer, Hermann (1978), Die rechtliche Stellung der Bastarde in Italien von 800 bis 1500 (= MBMRF 28), München 1978, 113 S., € 5,80. Vor dem Hintergrund hauptsächlich des römischen Rechts des Romanen und des langobardischen bzw. fränkischen Rechts der Germanen, vor dem Hintergrund von Gesetzen (Kapitularien, kaiserliche Gesetzgebung) und Gewohnheiten entwickelte sich im mittelalterlichen (Nord-, Mittel- und Süd-) Italien in durchaus unterschiedlicher Art und Weise ein unterschiedliches Eherecht (kirchliches Recht, Stadtgesetzgebung, "Raubehe"), das die ehelichen Kinder gegenüber den unehelichen eindeutig bevorzugte. Die Bastarde, die unehelichen Kinder, wurden unterschieden nach naturales (Konkubinat?), adulterini (Ehebruch) und incestuosi (Verhältnis oder Ehe bei zu naher Verwandtschaft oder bei sonstigen kirchlichen Ehehindernissen), weiter spielten die Klerikerkinder im kirchlichen Recht eine besondere Rolle (Zölibat). Uneheliche Kinder hatten dennoch gewisse Rechte (Anerkennung durch den Vater, Vormundschaft von Vater oder Muntwalt der Mutter über Bastarde, Alimentierung, Volljährigkeitsalter [18-20 Jahre u.a.], Rechte des unehelichen Sohns in der Familie z.B. gegenüber ehelich geborenen Schwestern, Stellung der Bastarde in der Gesellschaft [infames, berufliche Beschränkungen, adlig-fürstliche Bastarde], eingeschränktes Erbrecht und Testament). Gerade im späten Mittelalter wurde die Legitimation von unehelichen Kindern (als Rechtshandlung zur Anpassung an die Stellung von ehelichen Kindern) wichtig (legitimatio per subsequens matrimonium [als nachträgliche Eheschließung], legitimation per rescriptum principis [als Legitimation durch Herrscherspruch, päpstliche Legitimierung, kaiserliche Legitimierung, Legitimation durch kommunale Regierungen]); auch die rechtliche Adoption (durch den Vater) diente der Legitimierung. Die solcherart Legitimierten hatten volles oder eingeschränktes Erbrecht innerhalb der Familie (Erbfolge auch durch Testament), meist eingeschränktes Erbrecht bei den Lehen. [Buhlmann, 04.2013]

Winterling, Aloys (2003), Caligula. Eine Biographie (= BSR 6035), München 2012, 208 S., Schwarzweißabbildungen, Stammtafel, € 14,95. Das von (Kaiser) Augustus (27 v.Chr.-14 n.Chr.) errichtete Prinzipat litt von Anfang an unter der politischen Paradoxie zwischen faktischer Monarchie und republikanischer Fassade. Gerade bei den ersten Kaisern des sog. frühen Prinzipats, d.h. bei Tiberius, Caligula, Claudius und Nero, wurde diese strukturelle Bruchzone römischer Staatlichkeit immer wieder sichtbar und damit ein Kommunikationsproblem zwischen Prinzeps und (Senats-) Aristokratie. Gaius Caesar Germanicus (Caligula) wurde im Jahr 12 n.Chr. als Sohn des Germanicus und der Agrippina (I.) geboren. Er nahm als Kleinkind an den Reisen seines Vaters (Germanien, römischer Osten) und an dessen Triumphzug (17) teil. Im Jahr 19 starb Germanicus, seine Familie geriet nun zunehmend ins Visier von Kaiser Tiberius (14-37). Caligula selbst musste sich nach dem Sturz des Prätorianerpräfekten Sejan in Capri bei Tiberius aufhalten (31). Nach dem Tod des Kaisers wurde er dessen Nachfolger (37). Die ersten zwei Jahre von Caligulas Herrschaft verliefen dann im Rahmen des Prinzipats und im weitgehenden Einvernehmen mit der Senatsaristokratie. Die Verschwörungen des Jahres 40 ließen Caligula die Schizophrenie der politischen Situation erkennen (Senatsrede des Caligula). Er vermochte es, konsequent seine Herrschaft zu sichern (Gallienreise, Reorganisation der Rheinarmee, Versuch eines Britannienfeldzuges), ging nun aber auf Konfrontationskurs mit den Senatoren, die er der Lächerlichkeit preisgab und sich unterwarf (politische "Freundschaft" mit den Senatoren, Entehrung bzw. Hass der Aristokratie, Rache des Kaisers an den Senatoren). Verschiedene Maßnahmen des Kaisers (Schiffsbrücke über den Golf von Baiae, Anknüpfung an Alexander den Großen) und der Aristokratie ("Göttlichkeit" Caligulas) mündeten schließlich in eine monarchische Herrschaft in der Art hellenistischer Könige (Alexandria als Hauptstadt des römischen Reiches?). Vor seiner Abreise nach Alexandria wurde Caligula ermordet (41). Die römische Überlieferung (insbesondere Seneca, Sueton) machte aus Caligula, der das politische System des Mit- und Gegeneinander von Kaiser und Aristokratie im Gehäuse der Prinzipatsverfassung durchschaut hatte, einen wahnsinnigen Kaiser. [Buhlmann, 07.2012]

Wirth, Gerhard (1973), Alexander der Große (= rm 203), Reinbek 31977 > A Alexander der Große

Wirtz, Ludwig (1898), Die Essener Äbtissinnen Irmentrud und Hadwig II. von Wied, in: EB 18 (1898), S.21-41 > H Hadwig von Wied

Wirtz, Ludwig (1927), Die Grafen von Wied, in: NassAnn 48 (1927), S.65-107. Die Grafen von Wied werden zum ersten Mal gegen Ende des 11. Jahrhunderts erwähnt. Wahrscheinlich nach der Niederlage des ezzonisch-hezelinidischen Pfalzgrafen Heinrich (1045-1060) gegen den Kölner Erzbischof Anno II. (1056-1075) hat sich entlang des (nördlichen) Mittelrheins die Macht einzelner Adelsgeschlechter - unter ihnen die Wieder Grafen - entfalten können. An der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert ist dann ein gewisser Graf Meffried in den Geschichtsquellen bezeugt. U.a. in Zusammenhang mit Güterübertragungen ist in einer undatierten Urkunde von Besitz "in der Grafschaft Meffrids im Gau Engersgau" die Rede. Der Engersgau war die Landschaft rechts des Rheins zwischen Koblenz und Bad Hönningen. Später, im Jahr 1129, bezeichnete sich Meffried als comes de Widhe nach seiner im unteren Wiedbachtal errichteten Burg (Alt-) Wied. Die nicht sehr bedeutenden Wieder Grafen waren - wie andere Adelsgeschlechter dieses Raums auch - nach Trier hin orientiert, vielleicht als Lehnsträger des dortigen Erzbischofs. Das sollte sich um die Mitte des 12. Jahrhunderts mit der Neuausrichtung auf den Kölner Erzbischof ändern. Der Wieder Besitz, vielleicht zur Zeit der Vorfahren Meffrieds linksrheinisch gelegen, konzentrierte sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts auf die Umgebung von Altwied. Hinzu kamen die Güter gegenüber von Bonn im Schwarzrheindorfer Gebiet. Meffrieds Nachkommenschaft war zahlreich. Neben Hadwig kennen wir die Geschwister Arnold, Siegfried, Ludwig und Burkhard sowie Hizeka (Hizecha), Sophia und Siburgis (Siburga). Siegfried folgte seinem Vater Meffried in der Grafenwürde nach. Er ist bis 1161/62 als Graf bezeugt. Zu diesem Zeitpunkt nahm er am Italienzug Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (1152-1190) und an der Belagerung Mailands teil. Siegfrieds Bruder Burkhard ist im Umkreis König Konrads III. (1138-1152) in den Jahren 1145 und 1151 nachweisbar, im Umfeld des Kölner Erzbischof Arnolds I. (1137-1151) 1146, in der Umgebung seines erzbischöflichen Bruders Arnold 1153. Nach einer Urkunde von 1176 bereitete Burkhard, der vielleicht die nördlichen Besitzungen des Wieder Grafenhauses verwaltet hat, durch eine "Übergabe an Gott" auch die Gründung des geistlichen Instituts in Schwarzrheindorf vor. Ludwig wird schließlich in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel (1159-1167) erwähnt. Danach hatte sich (v.1151) der damalige Dompropst Arnold von Wied wegen der unklaren Besitzverhältnisse hinsichtlich eines Gutes des Kölner Domstifts entschlossen, dieses Gut seinem Bruder Ludwig und danach Burkhards Schutz zu unterstellen. Nach Burkhards Tod (1159/66) war der Besitz von Erzbischof Rainald eingezogen worden und wurde schließlich 1166 dem Domstift restituiert. Zentrale Figur in der Familie der Grafen von Wied war um die Mitte des 12. Jahrhunderts aber Arnold, der als Arnold II. (1151-1156) Kölner Erzbischof und Kanzler König Konrads III. war. Als Kölner Erzbischof, aber auch schon zuvor war es das Bestreben Arnolds gewesen, wichtige Positionen innerhalb des Erzstifts seiner Familie zu verschaffen und dadurch eine familienpolitisches Netzwerk aufzubauen. So finden wir Hizeka 1144 als Äbtissin von Vilich, Hadwig ab 1150 als Leiterin der Frauenkommunität in Gerresheim und dann als Äbtissin von Essen. Verwiesen sie auf die von Arnold initiierte Schwarzrheindorfer Kapelle ("Tag von Schwarzrheindorf", 24. April 1151), die unter Hadwig zu einem Frauengemeinschaft ausgebaut wurde. [Buhlmann, 10.2003]

Wisplinghoff, Erich (1961), Der Raum von Friemersheim. Untersuchungen zu seiner Geschichte im frühen Mittelalter, (= Schriftenreihe der Stadt Rheinhausen 2), [Duisburg-] Rheinhausen 1961 > F Friemersheim

Wisplinghoff, Erich (1967), Beiträge zur Geschichte des Damenstifts Essen, in: AfD 13 (1967), S.110-133 > E Essener Frauenstift

Wisplinghoff, Erich (1989/90), Untersuchungen zur frühen Geschichte von Stift und Stadt Essen, in: EB 103 (1989/90), S.53-67 > E Essen im Mittelalter

Witte, Franz-Werner (2009), Konrad von Boppard (= Libelli Rhenani, Bd.29), Köln 2009, 188 S., Schwarzweißabbildungen, € 13,-. Konrad von Boppard, belegt zwischen 1220 und 1241, war als Geistlicher Reichsnotar in Boppard (imperialis aule notarius, notarius domini regis, notarius de Bopradia, notarius Bopardiensis 1220, 1224-1225, 1228, 1234, 1236-1238, 1240-1241) und wohl zugleich Kölner Domherr (ab1208/12), Propst des Bopparder (1216) und des Gemündener Severusstifts (1219-1221) sowie von St. Martin in Worms (1241-1242). Konrad gehörte als clericus curialis damit zu der am Ende der Stauferzeit untergehenden deutschen Reichskirche, die noch Reste einer Einheit zwischen Kirche und Königtum/Kaisertum widerspiegelte. Als ein Reichsministeriale und geistlicher Notar hatte Konrad (hoch-) gerichtliche und Verwaltungsfunktionen sowie die Funktion als Bopparder Stadtnotar inne und gehörte als officiarius (1224) neben dem Bopparder Schultheißen und dem Vogt zu dem Führungspersonal, das mit dem Bopparder Reichsgut (Reichsland) und der Königsstadt Boppard in unmittelbarer Beziehung stand. U.a. geht auf Konrad das zweite Bopparder Stadtsiegel (ca.1236) zurück; einige Rechtsurkunden des Notars und Richters sind ebenfalls überliefert, etwa Urkunden betreffend das Bopparder Nonnenkloster Marienberg oder Schenkungsurkunden. [Buhlmann, 10.2016]

Wohlmayr, Wolfgang (2011), Die römische Kunst. Ein Handbuch (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2011), Darmstadt 2011 > R Römische Kunst

Wolf, Armin (1980), Wer war "Kuno von Öhningen"? Überlegungen zum Herzogtum Konrads von Schwaben (†997) und zur Königswahl vom Jahre 1002, in: DA 36 (1980), S.25-83 > K Konradiner

Wolf, Armin (1998), Die Entstehung des Kurfürstenkollegs 1198-1298. Zur 700-jährigen Wiederkehr der ersten Vereinigung der sieben Kurfürsten (= Historisches Seminar NF 11), Idstein 1998 > K Kurfürsten

Wolf, Hubert (2013), Die Nonnen von Sant'Ambrogio. Eine wahre Geschichte (= dtv 34844), München 2015, 544 S., Schwarzweißabbildungen, Plan, Diagramme, € 14,90. I. Das römische Kloster Sant'Ambrogio della Massima ging vielleicht bis in die Spätantike zurück; bis zum 3./4. Jahrhundert soll sich hier ein Herkulestempel, im 4. Jahrhundert n.Chr. das Elternhaus des heiligen Mailänder Bischofs Ambrosius befunden haben. Im Frühmittelalter besiedelten vielleicht Kanonikerinnen das kleine Kloster mit seinem Marien- und Stephanuspatrozinium, seit der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zum Jahr 1810, dem Jahr der Aufhebung des Klosters, benediktinische Nonnen. 1190 wird das Kloster erstmals "della Massima" genannt, ab 1606 erfolgten umfangreiche Baumaßnahmen, die erst am Ende des 18. Jahrhunderts ihren Abschluss fanden. Das Kloster bestand aus der Kirche (Volkskirche, Nonnenchor), den Nonnentrakt (Parlatorium, Zellen), den Novizinnentrakt, dem Hof (mit Brunnen), den Wirtschaftsräumen (Backstube, Weinstube, Wäscherei, Hühnerstall). Bis zur endgültigen Aufhebung des Klosters im Jahr 1862 lebten im 19. Jahrhundert Franziskanertertiarinnen als Nonnen im Kloster. Heute dienen die ehemaligen Klostergebäude der Generalprokuratur de Benediktinerordens von Subiaco als Unterkunft. II. Die Franziskanertertiarinnen lebten nach der reformierten, vom Papst (1806) anerkannten Regel der "Mutter Gründerin" Maria Agnese Firrao, einer sich Heiligkeit anmaßenden Nonne, wie ein Verdammungsurteil der Inquisition herausstellte (1816). Den Nonnen wurde im Jahr 1828 das Kloster Sant'Ambrogio zugewiesen. Sie sollten über Jahrzehnte und unter den Äbtissinnen Maria Maddalena, Agnese Celeste und Maria Veronica Milza, unterstützt von ihren jesuitischen Beichtvätern, weiter der Heiligkeit der Agnese Firrao anhängen. Zudem galt als weitere Heilige im Kloster die "schöne junge" Novizenmeisterin und Vikarin Maria Luisa Ridolfi mit ihren Visionen und Marienbriefen. Das ganze Drama der Franziskanertertiarinnen kam ans Licht, als die zweimal verwitwete Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen ins Kloster Sant'Ambrogio eintrat (1858), dort in Konflikt mit Maria Luisa geriet und auf Grund von Giftanschlägen auf ihre Person mit Unterstützung ihres Cousins Erzbischof Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst das Kloster wieder verlassen konnte (1859). Der Anzeige bzw. Anklage Katharinas bei der Römischen Inquisition folgte ein innerkirchlicher Inquisitionsprozess (1859/62; Inquisition mit Ermittlungs- [Assesor, Kommissar, Untersuchungsrichter] und Entscheidungsinstanz [Kardinalskongregation, Konsultorenversammlung]) unter dem Untersuchungsrichter Vincenzi Leone Sallua, einem Dominikaner. Die Inquisition kam dabei dem System "Maria Luisa" auf die Spur; die "heilige" Novizenmeisterin, die offensichtlich im Kloster das Sagen hatte, scheute selbst vor Mord und Mordversuchen nicht zurück, es gab Unterschlagungen und sexuell-lesbische Übergriffe. Auch erwies sich die Rolle der Jesuitenpatres Giuseppe Leziroli und Giuseppe Peters als unheilvoll, zumal sich der hinter dem Letzteren Joseph Wilhelm Carl Kleutgen, gebürtig aus Dortmund, verbarg, ein bestens innerkirchlich und politisch vernetzter Jesuitentheologe, der zur Gruppe der konservativen neuscholastischen "Hardliner" um Papst Pius IX. (1846-1878) gehörte und (wesentlich?) mit das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma vorbereiten sollte (1870). Die Urteile der Inquisition - vor dem Hintergrund der innerkirchlichen Auseinandersetzung zwischen gemäßigt-liberalen "Modernisten" (etwa um Anton Günther) und konservativen "Neuscholastikern" - begünstigten dann die jesuitische "Seilschaft" bis hinauf zu Kardinal Karl August Karl von Reisach, während Maria Luisa zu strenger Klosterhaft, die Äbtissin Maria Veronica zu einem Jahr Haft verurteilt, das Kloster Sant'Ambrogio aufgehoben wurde. III. Die nach Deutschland zurückgekehrte Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen schilderte in einem im Jahr 1870 verfassten Bericht ihre Erlebnisse im Kloster Sant'Ambrogio. Sie selbst hatte im Jahr 1863 das Benediktinerpriorat Beuron (a.d. Donau) gegründet, das 1868 zur Abtei erhoben wurde und dem Maurus Wolter als erster Abt vorstand. Letzterer war der ehemalige Beichtvater Katharinas, der 1859 der Fürstin zur Anzeige bei der Römischen Inquisition geraten hatte. [Buhlmann, 04.2015]

Wolf, Norbert (2012), Malerei verstehen (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2012, 208 S., Farbabbildungen, ca. € 12,-. Die Geschichte der (europäischen) Malerei (hauptsächlich seit dem Mittelalter) ist durch eine Vielzahl von Entwicklungen bestimmt. Dabei ist das durch Malerei hergestellte Bild ein Zeichensystem mit seinen Wirkungen auf den Betrachter. I. Farben werden aus (natürlichen, künstlichen) Farbstoffen (Pigmente) hergestellt (Holzkohle, Rötel, Kalkweiß, Ocker, Schwefel-/Bleigelb, Safrangelb, Arsensulfid, Bleiweiß, Ultramarin [Lapislazuli]). Sie vermitteln (wie Blau, Purpur, Scharlach, Silber oder Gold [Blattgold] in mittelalterlichen Handschriften oder Urkunden) Farbensymbolik, Ausdruckskraft und Pracht (Farben und Licht, Helldunkel). Farben werden mit verschiedenen Methoden auf den Bildträger aufgemalt (Maltechniken: Wachstechnik [Spätantike], Glasmalerei, Ölmalerei [13./15. Jahrhundert], Aquarell [15. Jahrhundert], Pastell [Rokoko, 18. Jahrhundert]). Daneben kursierten im Verlauf der Geschichte verschiedene Farbtheorien, angefangen bei Alkmaion von Kroton (5. Jahrhundert v.Chr.) über Plotin (3. Jahrhundert n.Chr.) und Isaac Newton bis zu Johann Wolfgang Goethe (Farbenlehre 1810), Philipp Otto Runge und William Turner. II. Die Bandbreite beim Malprozess reicht von den christlichen Ikonen und Acheiropoieta mit deren Negation des Malprozesses über den Pointillismus des Neoimpresionismus und die Bildrasterung (Roy Lichtenstein) bis hin zu den demonstrativen Malprozessen des skizzenhaftes Malens (Ölskizzen; 17./18. Jahrhundert), des Impressionismus (19./20. Jahrhundert) und des Expressionismus (20. Jahrhundert). III. Bildformat (Quer-/Hochformat, Quadrat, Tondo, Polyptychen [Diptychon, Triptychon]), Bildgrund (als Fläche, Muster und Grund) und Bildkomposition (Symmetrie, Perspektive, Goldener Schnitt, Gegenstandsmodellierung, Illusion und Abstraktion) gliedern die Bildfläche. IV. Dem Bild, das angebracht ist im (öffentlichen) Raum ([romanische] Wand- und Deckenmalerei [Arenakapelle in Padua, Sixtinische Kapelle], [mittelalterliche] Glasmalerei), steht die "mobile" Malerei der Tafel- und Leinwandbilder gegenüber (Bilderrahmen, Ausstellungen). V. An Bildgattungen können unterschieden werden: Historienmalerei (als Darstellung von bedeutenden Ereignissen in Geschichte, Bibel und Legende), Porträt (Herrscherporträt, Gruppenporträt, Selbstporträts des Künstlers), Landschaftsmalerei (als Darstellung von Natur und Kultur [14. Jahrhundert]), Stillleben (und Vergänglichkeit [17. Jahrhundert]), Genremalerei (als Darstellung des Alltäglichen u.ä. [18. Jahrhundert]). VI. Der Maler als Künstler war und ist eingebunden in die jeweilige Gesellschaft (Mittelalter: Malen als Handwerk [ars mechanica]; Renaissance: bildende Kunst und artes liberales, Geniekult, Hofmaler; frühe Neuzeit: Akademie, akademischer Unterricht; Moderne: Sezessionen, Malerkolonien [Nazarener, Präraffaeliten, Worpswede], Salonmalerei, Historienbilder). [Buhlmann, 05.2014]

Wolf, Gunther (Hg.) (1972), Zum Kaisertum Karls des Großen (= WdF 38), Darmstadt 1972 > K Karl der Große

Wolfhold von St. Georgen, Eisenhofen-Scheyern, Admont, Benediktinermönch und Abt: Wolfhold ("von Lohkirchen") war Dompropst in Freising, dann Profess des Schwarzwaldklosters St. Georgen im Schwarzwald unter Abt Theoger (1088-1119), kurzfristig auch Abt des Klosters Eisenhofen-Petersberg-Scheyern gewesen, bevor er die Klosterleitung von Admont übernahm. Die "Admonter Annalen" erwähnen zu 1115 und zu 1137 in ausführlichen Exkursen Wolfhold von St. Georgen. Der Einsetzung des Mönches als Admonter Abt durch den Salzburger Erzbischof Konrad I. (1106-1147) ging die "demütige Bitte" des Letzteren an Abt Theoger von St. Georgen voraus, Wolfhold nach Admont zu schicken. Theoger und sein Kloster erfreuten sich innerhalb des reformerisch geprägten Mönchtums offensichtlich eines guten Rufes, und Theoger entsprach selbstverständlich der erzbischöflichen Bitte. Zum Jahr 1137 heben die "Admonter Annalen" besonders auf das reformerische Wirken Wolfholds ab, das offensichtlich auf den Widerstand von Kräften innerhalb und außerhalb des Klosters traf. Durch ein Ordal, ein Gottesurteil reinigte sich Wolfhold von etwaigen Anschuldigungen, er gründete das Admonter Frauenkloster (1116/20), reformierte die Frauengemeinschaft St. Georgen am Längsee (1122) und beeinflusste im Sinne der Admonter Klosterreform durch die Admuntina religio noch weitere Klöster. Mit anderen Worten: Admont entfaltete unter Wolfhold erstmals eine Außenwirkung als Reformkloster. Abt Wolfhold widmete sich auch dem Wiederaufbau des in den Kämpfen des Investiturstreits (1075-1122) verwüsteten Admonter Klosters. Mit massiver erzbischöflicher Unterstützung wurde die Abteikirche neu erbaut und 1121 geweiht, eine dreischiffige Basilika mit einer mächtigen Doppelturmanlage im Westen des Langhauses, ein Kirche vom "Admonter Bautyp", die Einflüsse Hirsauer Bauformen erahnen lässt. Das Gotteshaus Wolfholds hatte Bestand bis zum Brand des Klosters im Jahr 1152. Wolfhold starb im Jahr 1137, am 2. November, wie im Admonter Nekrolog aus dem 12. Jahrhundert mitgeteilt wird.
Zu Wolfhold von Admont s.: Angerpointner, Alois (1984), Wolfold von Lohkirchen, in: Amperland 20 (1984), S.562ff; Buhlmann, Michael (2007), Wolfhold, Mönch in St. Georgen, Abt von Eisenhofen-Scheyern und Admont, in: Der Heimatbote 18 (2007), S.15-22. [Buhlmann, 04.2006, 12.2007, 09.2015]

Wolfram von Eschenbach, mittelhochdeutscher Dichter: Wolfram (*ca.1160/80-†ca.1220) - wohl aus dem fränkischen (Wolframs-) Eschenbach (bei Ansbach) - war ein mittelhochdeutscher Dichter, Ritter und Dienstmann, über den wenig und nur Bruchstückhaftes bekannt ist. Der "Illiterat" Wolfram, der sehr wohl lateinische Bildung besaß, lebt durch seine Werke: das Epos "Parzival", in dem es um die Ritter Parzival und Gawan, um die Ritter des Artuskreises und um den heiligen Gral geht; die Reimpaarerzählung "Willehalm" über Wilhelm (von Toulouse) den Heiligen; das Fragment "Titurel" aus dem inhaltlichen Umfeld des "Parzival"; neun Minnelieder, davon fünf Tagelieder.
Zum "Parzival" Wolframs seien genannt: Wolfram von Eschenbach, Parzival. Ein höfisches Epos. Eine Auswahl, übertr. v. Wilhelm Hertz, hg. v. Walther Hofstaetter (1939) (= RUB 7451), Stuttgart 1954, 79 S., DM 0,60; Wolfram von Eschenbach, Parzival. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, übers. v. Wolfgang Spiewok (1977), Bd.1: Buch 1-8 (= RUB 3681), Stuttgart 1981, 735 S., DM 15,20, Bd.2: Buch 9-16; Nachwort (= RUB 3682), Stuttgart 1981, 703 S., DM 16,80. [Buhlmann, 05.2017]

Wollasch, Hans-Josef (1964), Die Anfänge des Klosters St. Georgen im Schwarzwald. Zur Ausbildung der geschichtlichen Eigenart eines Klosters innerhalb der Hirsauer Reform (= FOLG 14), Freiburg i.Br. 1964, 189 S., DM 16,80. Das Kloster St. Georgen im Schwarzwald war eine Gründung der schwäbischen Adligen Hezelo (†1088) und Hesso (†1114), Mitglieder der Partei der Kirchenreformer im damals Deutschland und Schwaben erschütternden Investiturstreit (1075-1122). Auf Wunsch des bedeutenden Kirchen- und Klosterreformers Wilhelm von Hirsau (1069-1091) verlegte man die für das oberschwäbische Königseggwald vorgesehene Mönchsgemeinschaft auf den "Scheitel Alemanniens" (vertex Alemanniae) nach St. Georgen an der Brigach und besiedelte das Kloster mit Hirsauer Mönchen (1084). In den ersten Jahren seiner Existenz blieb die geistliche Gemeinschaft auch in Abhängigkeit von Hirsau. Schließlich wurde Theoger auf Betreiben Wilhelms zum Abt von St. Georgen eingesetzt (1088). Um Selbstständigkeit von Hirsau bemüht, gelang es Theoger während seines Abbatiats, das Kloster St. Georgen nach innen und außen zu festigen und zu einem Reformzentrum benediktinischen Mönchtums in Elsass, Süddeutschland und Österreich zu machen. Der damaligen Bedeutung St. Georgens entsprach es, dass das Kloster auch Empfänger zweier wichtiger Papstprivilegien wurde (1095, 1102); die Papsturkunden verfügten die libertas Romana ("römische Freiheit") für das Kloster bei Unterstellung der Mönchsgemeinschaft unter die römische Kirche sowie freier Abts- und Vogtwahl. Wie der "Gründungsbericht des Klosters St. Georgen" (Notitiae fundationis et traditionum monasterii S. Georgii) zudem mitteilt, waren es bedeutende Schenkungen von Landbesitz und Rechten, die die Mönche aus dem Schwarzwald um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert erlangen konnten. Diese äußeren Faktoren machten zusammen mit der inneren Geschlossenheit klösterlichen Lebens den Erfolg des Klosters St. Georgen unter Theoger aus - ein Erfolg, der auch noch nach Weggang Theogers vom Schwarzwaldkloster (1119) anhielt. Vgl. dazu noch: Buhlmann, Michael (2011), Anfänge des Klosters St. Georgen - Regesten zur Klostergeschichte. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/4), St. Georgen 2011, 72 S., € 6,-, Register (= VA 42/4), St. Georgen 2011, 11 S., € 1,-; Buhlmann, Michael (2011), Der Gründungsbericht des Klosters St. Georgen im Schwarzwald (= VA 53), Essen 2011, 72 S., € 6,-; Roth von Schreckenstein, K.H. (1884), Über die Notitia Fundationis des Klosters St. Georgen auf dem Schwarzwald (unter besonderer Berücksichtigung der darin zur Bezeichnung der Geburtsstände und Standesverhältnisse dienenden Worte), in: ZGO 37 (1884), S.338-384; Wollasch, Hans-Josef (1968), Zur Besitzgeschichte des Klosters St. Georgen im Schwarzwald im hohen Mittelalter, in: ZGO 116 (1968), S.419-422. [Buhlmann, 11.2002]

Wollasch, Joachim (1961), Muri und St. Blasien. Perspektiven schwäbischen Mönchtums in der Reform, in: DA 17 (1961), S.420-446 > S St. Blasien

Wolter, Heinz (1973), Arnold von Wied, Kanzler Konrads III. und Erzbischof von Köln (= VKGV 32), Köln 1973 > A Arnold II. von Wied

Wolter, Heinz (1980), Arnold von Wied (um 1098-1156), in: Rheinische Lebensbilder, Bd.8, Köln 1980, S.21-39 > A Arnold II. von Wied

Wormald, Patrick (2006), The Times of Bede. Studies in Early English Christian Society and its Historian, Oxford 2006 > B Beda Venerabilis

Wormser Reichstag (1521): I. Kaiser Karl V. (1519-1556, †1558), zugleich spanischer König (1516-1556), war nach seiner Aachener Krönung (23. Oktober 1520) mit seinem Gefolge schon Ende November 1520 im oberrheinischen Worms eingetroffen. Der dortige Reichstag begann verspätet am 27. Januar 1521, Kaiser und dort versammlete Reichsstände Der Reichstag fasste darüber hinaus eine Reihe wichtiger Beschlüsse, die das 1495 eingerichtete Reichskammergericht, Reichskreise und Reichsregiment, schließlich die Reichsmatrikel betrafen. Kaiser und Reichsstände vertraten insbesondere hinsichtlich des Reichsregiments unterschiedliche Auffassungen, doch konnte letztlich Einigkeit erzielt werden (Regimentsordnung vom 26. Mai 1521). Neben diesen Beschlüssen zur Reichsverfassung spielten der Wormser Vertrag vom 28. April 1521 und die causa Lutheri eine wichtige Rolle. II. Während des Reichstags hatten sich Kaiser Karl und sein jüngerer Bruder Ferdinand im sog. Wormser (Erbteilungs-) Vertrag auf eine Aufteilung der habsburgischen Länder geeinigt. Denn Ferdinand war bis dahin nicht berücksichtigt worden und verfügte lediglich über das Herzogtum Württemberg (1520-1534). Im Wormser Vertrag überließ der Kaiser die österreichischen Herzogtümer (Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain) Ferdinand, der wiederum auf die Territorien aus der burgundischen Erbmasse der Habsburger (Burgund, Niederlande) sowie auf das spanische Königreich (mit seinen Kolonien in Mittel- und Südamerika) Verzicht leistete. Ergänzt wurde der Wormser Vertrag durch weitere Bestimmungen, die Ende Januar bzw. Anfang Februar 1522 in Gent und Brüssel beschlossen wurden; u.a. gelangte damals auch Vorderösterreich, das Konglomerat habsburgischer Herrschaften im deutschen Südwesten, an den österreichischen Erzherzog Ferdinand. Karl behielt sich aber gegenüber seinem Bruder den politischen und auch ideellen Vorrang als Kaiser vor; die habsburgische Universalmonarchie blieb damit bis zur Resignation Karls (1556) bestehen. Ferdinand (I.) wurde 1531 zum römisch-deutschen König gewählt und folgte seinem Bruder als Kaiser nach (1556/58-1564). Die Trennung der spanischen von den österreichischen Habsburgern erfolgte mit dem Rücktritt des Kaisers; Erbansprüche der österreichischen Linie bestanden aber noch, als die spanische Linie der Habsburger ausstarb (1700; Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1713/14). III. Die causa Lutheri, der Fall des Reformators Martin Luther (*1483-†1546) beschäftigte den Reichstag, Kaiser und Reichsstände, ebenfalls. Eigentlich war Luther nach der päpstlichen Bannandrohungsbulle Exsurge Domine (24. Juli 1520) und seiner Verurteilung als Ketzer durch die Bulle Decet Romanum Pontificem (18. Januar 1521) kirchlicherseits schon verurteilt. Da aber einige der Reichsstände, besonders das wichtige sächsische Kurfürstentum unter Friedrich dem Weisen (1486-1525), dem Wittenberger Theologen zuneigten und auch die Gravamina Deutscher Nation, die Beschwerden der Reichsstände gegen Kirche und Papst, auf der Tagesordnung des Reichstags standen, war der Kaiser mit einer Anhörung Luthers auf dem Reichstag einverstanden. Luther erhielt freies Geleit nach und von Worms zugesichert; seine öffentliche Anhörung fand am 17. und 18. April 1521 vor Kaiser und Fürsten statt. Luther wiederrief indes seine Schriften, in denen er sein reformatorisches Gedankengut entwickelt hatte, nicht; auch Nachverhandlungen konnten Luther nicht dazu bewegen, von den 1520 publizierten Schriften An den christlichen Adel deutscher Nation. Von des christlichen Standes Besserung, Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche und Von der Freiheit eines Christenmenschen abzurücken. Der Kaiser formulierte sein persönliches (katholisches) Glaubensbekenntnis am 19. April, im Anschluss an Luthers Auftreten auf dem Reichstag. Luther verließ Worms am 26. April. Die Rede Luthers vom 18. April fand in der Folgezeit - literarisch zugespitzt - große Verbreitung und wurde damit einem wichtigen Bestandteil von Selbstvergewisserung und Selbstverständnis des deutschen Protestantismus. Das Wormser Edikt, die Achterklärung gegen Luther, wurde durch den in Worms anwesenden päpstlichen Legaten Aleander (†1542) vorbereitet und in der kaiserlichen Kanzlei formuliert und abgestimmt, übrigens ohne weitere Beteiligung von Reichsständen und Reichstag. Datiert wurde das Wormser Edikt auf den 8. Mai, auf Grund von redaktionellen Verzögerungen aber erst am 24. Mai veröffentlicht; die Unterschrift des Kaisers erhielt das Edikt am 26. Mai, am Ende des Reichstags. Der Wormser Reichstag wurde indes zu der wichtigen Weichenstellung auf dem Weg zur Reformation (nicht nur) im Reich, diese definierte mit ihrer kirchlich-theologischen Erneuerung eine neue christliche Konfession.
Zum weltgeschichtlich bedeutsamen Wormser Reichstag von 1521 sind u.a. erschienen: Elter, Julius (1885), Luther und der Wormser Reichstag (1521), Diss. Bonn 1885, 73 S.; Kalkoff, Paul (Übers.) (1886), Die Depeschen des Nuntius Aleander vom Wormser Reichstage 1521, Halle 21897, 95 S.; Kalkoff, Paul (Übers.) (1898), Briefe, Depeschen und Berichte über Luther vom Wormser Reichstage 1521, Halle 1898, 266 S. [Buhlmann, 08.2017]

WürzDbll = Würzburger Diözesanblätter

Wüstenfeld-Mahler'sche Vergleichungstabellen zur muslimischen und iranischen Zeitrechnung mit Tafeln zur Umrechnung orient-christlicher Ären (1854/87), neu bearb. v. Bertold Spuler u. Joachim Mayr (1961) > C Chronologie

Wunder, Gerd (1968), Herzog Konrad II. von Teck, in: ZWLG 27 (1968), S.113-116. Einen Zweig der Zähringerherzöge bildete seit ca. 1186 die Linie der Herzöge von Teck, begründet durch Adalbert I. (ca.1186-n.1195), einem jüngeren Sohn Herzog Konrads von Zähringen (1122-1152). Die Herzöge von Teck nannten sich nach ihrer am Trauf der Schwäbischen Alb gelegenen Burg Teck, ihr Herrschaftsgebiet hatte eine nur geringe Ausdehnung. Konrad II. von Teck (1268, †1292), ein Sohn Herzog Konrads I. (1226, 1241), war in erster Ehe (1275/80) mit Uta von Zweibrücken, in zweiter Ehe (1290) mit Adelheid von Burgau verheiratet. Der ersten Ehe entstammten die Söhne Simon (†1310), Konrad, Ludwig (†1334) und Friedrich. Konrad II. engagierte sich im Reichsdienst König Rudolfs I. von Habsburg (1273-1291) (Gesandtschaft an den Papst in Lyon 1274, Treffen Rudolfs mit dem Papst in Lausanne 1275, Augsburger Reichstag 1282, Krieg gegen den Grafen von Württemberg 1286/87) und versuchte seine Herrschaft durch Fehden etwa gegen die Markgrafen von Burgau auszudehnen (Heiratsvermittlung durch den König). Er wurde am 30. April 1292 von einer österreichisch-schwäbisch-pfälzischen Fürstenpartei zum deutschen König gewählt, starb aber (durch Mord?) schon einen Tag später. Konrad war der Begründer der jüngeren Linie der Herzöge von Teck, die 1381/85 ihre Hälfte des Herrschaftsgebiets an die Grafen von Württemberg verkaufte. > T Teck: Herzöge von Teck [Buhlmann, 09.2011]

Wunder, Gerd, Schefold, Max, Beutter, Herta (1982), Die Schenken von Limpurg und ihr Land. Mit Abbildungen alter Ansichten (= Forschungen aus Württembergisch Franken, Bd.20), Sigmaringen 1982, 176 S., € 7,95. Die Schenken von Limpurg, eine zeitweise weitverzweigte schwäbisch-fränkische Adelsfamilie, brachte zahlreiche hochgestellte Reichsbeamte, Bischöfe und Domherren hervor. Noch heute wird ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet, das sich zwischen Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen erstreckte, als Limpurger Land bezeichnet. Hauptort der ehemaligen Grafschaft war die Stadt Gaildorf. Als sog. Reichserbschenken stellten die von Limpurg seit dem 12. Jahrhundert eines der (stellvertretenden) Reichserzämter im römisch-deutschen Reich. Als solche werden sie unter anderem in der Goldenen Bulle von 1356 genannt. Formal war den Herren von Limpurg das Schenkenamt als Lehen der Erzschenken und Könige von Böhmen verliehen, deren Aufgabe sie im Krönungszeremoniell der deutschen Könige und Kaiser zu übernehmen hatten. Die ministerialischen Anfänge der Familie der Schenken von Limpurg werden in der Regierungszeit König Konrads III. (1138-1152) mit den (Reichs-) Schenken von Schüpf erkennbar, auch in der Folgezeit treten die Reichsschenken in der Umgebung der staufischen Könige auf. Ein Walter (I.) Schenk von Limpurg erbaute wohl vor 1230 bei Schwäbisch Hall die Limpurg wahrscheinlich auf Eigengut. Bei der Empörung König Heinrichs (VII.) (1220-1235) gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II. (1212-1250), standen die Schenken auf der Seite des Sohnes und mussten nach dem Zusammenbruch des Aufstandes Entschädigungen leisten und ihre Stammburgen Limpurg und Bielriet abtreten. Immerhin übte Walter I. ab 1245 sein Schenkenamt unter König Konrad IV. (1237-1254) wieder aus. Als Walter starb, folgte ihm sein Sohn Walter II. (1244, 1283) als Schenk nach, sein zweiter Sohn war der Minnesänger Konrad auf Bielriet (1255/86). Im Verlauf des 13. Jahrhunderts ist aus der Amtsbezeichnung "Schenk" ein Familienname geworden. Die Schenken, allen voran Walter II., bemühten sich, eine eigene Landesherrschaft aufzubauen, und besaßen zeitweise Einfluss auf Schwäbisch Hall, doch wurde das Haller Gericht spätestens 1280 von den Schenken unabhängig. Die Limpurger blieben in der Folge auf ein Gebiet zwischen Kocher und Rot beschränkt. Friedrich III. Schenk von Limpurg (†1414) erhob im Jahr 1404 Gaildorf zur Stadt, 1413 erwarben die Limpurger die Hälfte der Herrschaft Hohenlohe-Speckfeld. Im 15. und 16. Jahrhundert war das Limpurger Territorium geteilt unter den Linien Limpurg (mit Speckfeld) und Gaildorf. 1541 wurde die namensgebende Stammburg an Schwäbisch Hall verkauft, die Limpurger Linien residierten nun in Sontheim und Gaildorf. 1690 starb die Gaildorfer, 1713 die Sontheimer Linie im Mannesstamm aus. Die Erbtöchter heirateten in verschiedene Grafenfamilien ein, die Limpurger Landesteile zersplitterten weiter. [Buhlmann, 01.2006]

Wunderlich, Dietrich (2015), Sprachen der Welt. Warum sie so verschieden sind und sich doch alle gleichen (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2014, 288 S., Karten, Diagramme, Tabellen, € ca.12,-. Die biologische Entwicklung des Menschen zum homo sapiens war verbunden mit dem Erwerb der Sprachfähigkeit, wahrscheinlich schon seit dem homo erectus, auf jedem Fall seit dem Neandertaler (Gehirnzunahme, Sprachgen). Unterschiedliche Menschengruppen besaßen unterschiedliche Sprachen (keine Ursprache). Die Nachbarschaft von Sprachen (Kontakte, Entlehnungen, Zweisprachigkeit, Sprachbünde) und/oder deren Überlagerung (Superstrat, Substrat) bedingen seit jeher einen Sprachwandel, der neue Sprachen entstehen, alte verschwinden lässt (Sprachensterben), der ursprüngliche Sprachen und kulturell-entwickelte Sprachen betrifft; dabei spielen auch eine Rolle die Dialekte (Mundarten, Sondersprachen) innerhalb einer Standardsprache. Ausfluss des Sprachwandels sind die Sprachfamilien (bis hin zu den Makrofamilien), die mit den frühesten Ackerbaukulturen in Verbindung stehen (Austronesisch, Austroasiatisch: Jangtsegebiet [12000 v.Chr.]; Altai, Sinotibetisch: Hoanghogebiet [10000 v.Chr.]; Afrosiatisch, Indoeuropäisch, Uralisch: Mesopotamien [9500 v.Chr.]; Dravidisch, Indoarisch: Industal [8000 v.Chr.]; Afroasiatisch, Nilosaharisch: Sahara [7000 v.Chr.]; Atztekisch, Maya: Mexiko [7000 v.Chr.]; Afroasiatisch: Äthiopien [4000 v.Chr.]; Tupi: Amazonas [500 v.Chr.]). Für Europa lassen sich vorindogermanische, indoeuropäische, finno-ugrische und kaukasische Sprachen feststellen, für Afrika afroasiatische, nilosaharische, Niger-Kongo- und Khioson-Sprachen, für Asien indoeuropäische, dravidische, sinotibetische, austroasiatische, Tai-Kadai-, Hmong-Mien- und austronesische Sprachen, für Ozeanien australische, Papau, melanesische, polynesische Sprachen, für Amerika eskimo-aleutische, mexikanische, südamerikanische Sprachen. Sprachwandel hängt u.a. zusammen mit Bevölkerungswanderungen (austronesische Expansion von Taiwan aus [ab 3000 v.Chr.], melanesische Expansion [ab 1500 v.Chr.], polynesische Expansion [ab 1000 n.Chr.]; Wanderung der Bantuvölker [vor 3000 v.Chr.]). Sprachen unterscheiden sich schließlich in ihrer Morphologie (fusionierende [Flexionsgrammatik], agglutinierende [Affixgrammatik], isolierende Sprache [Grammatik von Partikelwörtern] [abhängig von der Anzahl der Morpheme als Bedeutungselemente pro Wort]). Den Verschiedenheiten stehen gemeinsame Grundlagen von Sprachen (Sprachuniversalien) entgegen, etwa in Bezug auf die Biologie des Menschen (Phoneme, Gene?) oder formbezogen (Strukturorientierung, schwache Kontextsensitivität der Sprachen, Unterscheidung von Nomen und Verb). [Buhlmann, 06.2015]

Wundram, Manfred (2004), Renaissance (= Kunst-Epochen, Bd.6 = RUB 18173), Stuttgart 2004 > K Kunst-Epochen

WVjhLG = Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte

WZ = Westfälische Zeitschrift

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