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Rezensionen (Geschichte)
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Baar, Landschaft an oberer Donau und oberem Neckar: I. Die Baar ist eine Landschaft an oberer Donau und oberem Neckar, die auf Grund geologischer, geografischer, historisch-politischer und volkskundlicher Gegebenheiten wie folgt umschreiben werden kann: Zum Schwarzwald hin bildet der Übergang vom Muschelkalk zum Bundsandstein die Westgrenze der Baar, im Süden verläuft die Grenze zum Alb-Wutach-Gebiet entlang von Wutach und Aitrach, im Osten entlang den Vorbergen der Baaralb, mithin der Schwäbischen Alb, im Norden unter Einschluss des Neckarquellgebietes entlang der Eschach hin zum mittleren Schwarzwald. Die Baar ist also das Land zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, bestehend aus der Baar-Gäuplatte im Westen, dem Baar-Albvorland in der Mitte und dem Baar-Albvorgebirge im Osten. Zentrale Region der Baar ist die rund 15 km durchmessende Baar-Hochmulde, die wie eine breitrandige Schüssel sanft von 670 bis 700 m über NN auf über 1100 m im Westen, auf über 900 m im Südosten ansteigt. Sie bildet den südwestlichen Abschluss des schwäbischen Schichtstufenlandes über Muschelkalk, Keuper und Jura. Der Name "Baar" wird verschieden gedeutet als Herrschaftsbereich, "Schranke", "weit ausgedehnter offener Landstrich" oder "Landschaft mit Quellen". II. Römisches Reich und alemannische "Landnahme" haben auch den Raum zwischen oberem Neckar und oberer Donau bestimmt, bevor Alemannien zu Beginn des 6. Jahrhunderts dem Frankenreich der merowingischen Könige angegliedert wurde, womit nach der alemannischen die fränkische Zeit, die Merowingerzeit begann. Das 6. bis 8. Jahrhundert ist die Epoche des alemannischen Herzogtums, eingerichtet wohl von den Merowingerkönigen zur Stabilisierung ihrer Macht in den Gebieten östlich des Rheins. Das Herzogtum hörte gegen Mitte des 8. Jahrhunderts zu existieren auf, als der alemannische Raum wieder stärker in das Reich diesmal der karolingischen Hausmeier und Könige eingebunden wurde. Alemannien war nun Teil des fränkischen Gesamtreichs Karls des Großen (768-814) und Ludwigs des Frommen (814-840), dann des ostfränkischen Reiches Ludwigs des Deutschen (831/33/40-876) und seiner Nachfolger Karl III. (876/82-887) und Arnulf (887-899). Die Karolingerzeit endete zu Beginn des 10. Jahrhunderts mit der Entstehung eines schwäbischen Herzogtums und dessen Integration in das ostfränkisch-deutsche Reich der ottonisch-sächsischen Könige und Kaiser. Wie bekannt, nahm Schwaben am Schnittpunkt der seit dem 11. Jahrhundert das deutsche Reich ausmachenden Ländertrias aus Deutschland, (Reichs-) Italien und Burgund eine zentrale Stellung ein. Das schwäbische Herzogtum endete mit dem Aussterben der staufischen Königsdynastie (1268), das späte Mittelalter auf der Baar war politisch geprägt durch eine Vielzahl von Territorien, etwa der der Herren von Wartenberg (Geisingen) oder der habsburgischen Herzöge (Bräunlingen, Villingen). Die Baar war aber in spätem Mittelalter und früher Neuzeit insbesondere das Herrschaftsgebiet der Grafen von Fürstenberg (verschiedene Linien). Im Zuge der politischen Neuordnungen Europas zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen Teile der Baar jeweils an das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden.
Geografisch decken die folgenden topographischen Karten im Maßstab 1:25000 in etwa das Gebiet der Baar ab: Topographische Karte 1:25000, hg. v. Landesvermessungsamt Baden-Württemberg: TK 25: 7916 Villingen-Schwenningen-West, Stuttgart 21997, Karte, € 5,40; TK 25: 7917 Villingen-Schwenningen-Ost, Stuttgart 21997, Karte, € 5,40; TK 25: 7918 Spaichingen, Stuttgart 52009, Karte, € 5,40; TK 25: 8015 Titisee-Neustadt, Stuttgart 112008, Karte, € 5,40; TK 25: 8016 Donaueschingen, Stuttgart 42008, Karte, € 5,40; TK 25: 8017 Geisingen, Stuttgart 42008, Karte, € 5,40; TK 25: 8116 Löffingen, Stuttgart 42008, Karte, € 5,40; TK 25: 8117 Blumberg, Stuttgart 42008, Karte, € 5,40. Zum Namen "Baar" s.: Banse, Horst (1984), Die Baar. Eine neue Deutung des Landschaftsnamens, in: SVGBaar 35 (1984), S.17-25 > B > Banse, Baar. Zur politischen Raumgliederung der Baar in Mittelalter und früher Neuzeit s. u.a.: Bader, Karl Siegfried (1937), Zur politischen und rechtlichen Entwicklung der Baar in vorfürstenbergischer Zeit, Freiburg i.Br. 1937, 39 S., RM 1,20; Glunk, Manfred (1968), Die karolingischen Königsgüter in der Baar. Ein Beitrag zur Geschichte der Baar im 8. und 9. Jahrhundert, in: SVGBaar 27 (1968), S.1-33; Glunk, Manfred (1989), Grundzüge einer Verwaltungsstruktur auf der Baar im Zeitalter der Karolinger (8. und 9. Jahrhundert n.Chr.), in: Almanach Schwarzwald-Baar-Kreis 13 (1989), S.128-132; Leiber, Gert (1964), Das Landgericht der Baar. Verfassung und Verfahren zwischen Reichs- und Landesrecht (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich-Fürstenbergischen Archiv, H.18), Donaueschingen 1964, 442 S., Abbildungen, Karte, DM 29,80. Die Kulturgeschichte der Baar beleuchten: Hall, Ewald M. (1991), Die Sprachlandschaft der Baar (und des ehemaligen Fürstentums Fürstenberg). Eine phonetisch-phonologische Untersuchung über das oberrhein-alemannisch - schwäbisch - südalemannische Interferenzgebiet, 2 Tle. (= Studien zur Dialektologie in Südwestdeutschland, Bd.4), Marburg 1991, Tl.1: Textband, XXXVIII, 274 S., Tl.2: Kartenband, VIII, 140 S., Karten, zus. DM 98,-; Lauer, Hermann (1921), Geschichte der katholischen Kirche in der Baar, Donaueschingen 1921, VII, 376 S., RM 24,-; Lauer, Hermann, Kirchengeschichte der Baar (und des einst zur Landgrafschaft Baar gehörenden Schwarzwaldes), Donaueschingen 21928, Nachdruck o.O. o.J., XI, 448 S., € 9,50; Reichelt, Günther (1970), Die Landschaft der Baar im Spiegel alter Karten, in: SVGBaar 28 (1970), S.34-79; Reichelt, Günther (Hg.) (1972), Die Baar. Wanderungen durch Landschaft und Kultur, Villingen o.J. [1972], 256 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 8,-. > A > Almanach. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises [Buhlmann, 09.2005, 12.2005, 12.2008, 09.2009, 12.2011, 07.2015, 08.2015]

Bach, Joseph (1907), Die Osterfest-Berechnung in alter und neuer Zeit. Ein Beitrag zur christlichen Chronologie, Freiburg i.Br. 1907 > C Chronologie

Bach, Joseph (1908), Die Zeit- und Festrechnung der Juden, Freiburg i.Br. 1908 > C Chronologie

Bader, Karl Siegfried (1937), Zur politischen und rechtlichen Entwicklung der Baar in vorfürstenbergischer Zeit, Freiburg i.Br. 1937 > B > Baar

Bade, Klaus J., Kessel, Jürgen, Oberpenning, Hannelore, Schindling, Anton (Hg.) (1993), Damme. Eine Stadt in ihrer Geschichte, Sigmaringen 1993, 665 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, Pläne, Karten, Zeittafel, DM 58,-. I. Damme (am Dümmer) ist gelegen im Oldenburger Münsterland (Wolfgang Friemerding, Jürgen Kessel, Hannelore Oberpenning, Damme in Bilddokumenten: Ein stadtgeschichtlicher Rundgang). Vor- und frühgeschichtliche Funde um Damme reichen bis in die endende Altsetinzeit (v. ca.10000 v.Chr.), ins Mesolithikum (ca.10000-4000 v.Chr.) und in die Jungsteinzeit zurück (Siedlungsplatz Hüde I am Dümmer [4200-2700 v.Chr.]; Rössener, Bischheimer, Trichterbecherkultur; Großsteingrab Neuenwalde). Die Bronzezeit ist fundleer, die Eisenzeit (8.-1. Jahrhundert v.Chr.) zeichnet sich durch Urnenbestattungen und ein Hügelgräberfeld beim Mahnenberg aus. Die späte vorrömische Eisenzeit und die frühe römische Kaiserzeit kann dann mit dem germanischen Stamm der Chauken in Verbindung gebracht werden (Mamoun Fansa, Bevor die Geschichte begann ... - Funde aus der Vor- und Frühgeschichte). II. Im frühen Mittelalter wurde das sächsisch besiedelte Gebiet um Damme, zugehörig zu Westfalen und wohl zum Dersigau, von politischer Unterwerfung unter das Frankenreich König Karls des Großen (768-814) und christlicher Missionierung erfasst (Sachsenkriege 772-804, Sierhauser Schanze). Damme lag an einer wichtigen Straßenverbindung zwischen Osnabrück und Wildeshausen, der Dersigau ist für die Mitte des 9. Jahrhunderts bezeugt. Der Ortsname "Damme" ist eingebettet in die häufigen -dorf-Namen der Umgebung. Damme gehörte kirchenrechtlich in späterer Zeit zum Bistum Osnabrück, das nördlich gelegene Lohne zum Kloster Corvey (Visbeker Missionszelle, Wildeshausen, Meppen). Damme wird erstmals in einer hochmittelalterlichen gefälschten Urkunde zum Jahr 1180 erwähnt (Gedächtnisstiftung des Grafen Simon von Tecklenburg [v.1179, 1202/03] als Fälschung des 2. Viertels des 13. Jahrhunderts), wenig später (in einer echten Überlieferung) zum Jahr 1186. Urkundlich belegt zum Jahr 1187 ist die Abspaltung der Pfarrei Steinfeld aus der Dammer Pfarrei, die zusammen mit den Pfarreien Neuenkirchen (ebenfalls ausgegliedert aus der Dammer Pfarrei), Steinfeld, Lohne und Vechta zu einem nur zeitweise so bestehenden Archidiakonatsbezirk gehörte (1221). Auch war das Kloster Corvey im Dammer Kirchspiel begütert. Politisch hatten im Dammer Raum im hohen Mittelalter die Grafen von Ravensberg und die von Tecklenburg sowie Bischöfe von Osnabrück Einfluss. Die territorialen Entwicklungen des späteren Mittelalters sahen das Dammer Gogericht (Pfarreien Damme, Neuenkirchen, Steinfeld), eine nicht unwichtige Grundlage zur Beherrschung des Dammer Raums, in der Verfügung der Bischöfe (1225), dann im Besitz der Osnabrücker Ministerialen von der Horst (13. Jahrhundert). Helenbert von der Horst verkaufte im Jahr 1332 das Gericht an den Edelherrn Rudolf IV. von Diepholz (1300-1350), die Diepholzer sicherten sich um Damme auf Kosten des Osnabrücker Bistums territoriale Positionen, so dass sich im 14. Jahrhundert im Dammer Raum die Bischöfe von Osnabrück und Münster sowie die Diepholzer Edelherren gegenüberstanden. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts befand sich das Dammer Gogericht in der Verfügung der münsterischen Bischöfe, wiewohl der Osnabrücker Bischof noch über das dortige Kirchspiel als Teil seines Bistums verfügte (Münster-Osnabrücker Vergleich 1396 [Vörden <-> Cloppenburg, Friesoythe]). Im 15. und 16. Jahrhundert hielten die territorialen Auseinandersetzungen an (Fehde zwischen den Bistümern Münster und Osnabrück und Vertrag von 1425; Osnabrücker Holzgerichtsbarkeit in der Deesberger Mark 1476 und Vergleichsverhandlungen [1516, 1520, 1524, 1526, 1539, 1549, 1557]; Osnabrücker Amt Vörden). Damme verblieb also weiterhin in seinem territorialen Zwiespalt zwischen Münster und Osnabrück. An Adel und Grundherren im Dammer Kirchspiel im späten Mittelalter lassen sich ausmachen: Bistum Osnabrück (Bokern [in der Nachfolge des Klosters Corvey, 1147], Osterfeine u.a.), Zisterzienserinnenkloster Bersenbrück (1231; Ossenbeck, Hinnenkamp u.a.), Benediktinerkloster Schinna, Johanniter, Tecklenburger Grafen, Ravensberger Grafen, Herren von Diepholz. Lehnsrechtliche Beziehungen bestanden zwischen Territorialherren und Ministerialen bzw. Rittern (Blankena, Dinklage, Diepholz, Brochterbeck, Grandorf, Sutholte [Vechta] u.a.). Zahlreiche Urkunden berichten von Besitzverkäufen und -käufen (Verkauf des Tecklenburger Besitzes 1539), sowie von Geldrenten. Das mittelalterliche Gotteshaus St. Viktor in Damme, Zentrum der Pfarrei, besaß einen mächtigen spätromanischen Westturm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (Stufenportal), an den sich ein gotisches Hallenlanghaus (Strebepfeiler, Maßwerkfenster, Kirchweihe 1435) mit polygonalem Chor (Bauende 1501) anschloss; Langhaus und Chor wurden 1904/06 durch einen Neubau ersetzt (Gerd Steinwascher, Siedlung und Kirche in Früh- und Hochmittelalter; Gerd Steinwascher, Territorium und Recht: 13. bis 16. Jahrhundert; Gerd Steinwascher, Adel, Grundherrschaft und Meierhöfe: 13. bis 16. Jahrhundert; Reinhard Karrenbrock, Die katholische Kirche St. Viktor: Bau und Ausstattung). III. Die Reformation hinterließ im 16. Jahrhundert (ab 1543) in Damme zunächst keine bleibende Wirkung. Indes bestimmte die "Dammer Frage" zwischen dem katholischen Bistum Münster und dem protestantischen Osnabrück auch nach dem Quakenbrücker Vergleich (1568) das Ringen um die territoriale Einordnung des Dammer Raums. Gemäß dem Vergleich übten die Bischöfe im Dammer Kirchspiel jeweils über ihre Untertanen territoriale Befugnisse aus. Diese rechtliche Gemengelage führte aber immer wieder zu Streitigkeiten (Prozesse am Reichskammergericht Speyer ab 1594 und faktischer Status quo), zumal nach Dreißigjährigem Krieg (1618-1648) und Westfälischem Frieden (1648) (Verhandlungen in Essen 1651, Verhandlungen in Damme 1667, Osnabrücker Vorverhandlungen 1691, Vorvertrag [1724] und Vertrag 1730, Grenzprobleme, Verhandlungen in Badbergen 1741, "Dammischer Executionsreceß" 1773, Säkularisation der Hochstifte Münster und Osnabrück 1803). Die "Dammer Frage" endete - nach den territorialen Neuordnungen in Mitteleuropa durch Napoleon und dem Wiener Kongress - erst 1817, als Damme oldenburgisch wurde (Jürgen Kessel, Die "Dammer Frage" im Streit zwischen Münster und Osnabrück 1568-1802/03); Hans-Claus Poeschel, Ein Jahrhundert Streit um die Dammer Grenzen im Spiegel von Karten 1691-1791; Jürgen Kessel, Landesherren und Amtsträger seit der Frühen Neuzeit; Jürgen Kessel, Das Kirchspiel in Reformation und Gegenreformation; Helmut Ottenjann, Zur Geschichte der Bauern- und Heuerlingshäuser; Karl-Heinz Ziessow, Zwischen "großen" und "kleinen" Dammern: Kommunale Öffentlichkeit in einem Spannungsgebiet; Christoph Reinders-Düselder, Bevölkerungsentwicklung 1650-1850; Christoph Reinders-Düselder, Obrigkeit und Kirchspiel - Adel, Bauern und Heuerlinge im 18. und frühen 19. Jahrhundert; Maike Erchinger, Franz Bölsker-Schlicht, Hollandgänger, Büßgänger, Auswanderer ... - Wanderungsgeschehen und Wanderungsverhalten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert). IV. U.a. die gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen des 19. Jahrhunderts führten in und um Damme dazu, dass neben der in frühen Neuzeit feststellbaren Arbeitswanderung der Heuerlinge (Heuerleute, Hollandgänger u.a.) die Auswanderung insbesondere nach Nordamerika trat (ab 1830). Eine Auswanderungsrate von 67 Prozent führte dazu, dass sich die Einwohnerzahl von Damme zwischen 1825 und 1939 kaum veränderte. Die Zurückbleibenden erlebten im Herzogtum Oldenburg (Amt Damme 1814/17, Oldenburgische Gemeindeordnung 1855, Amt Damme-Steinfeld 1871, Amt Vechta 1879) Modernisierung (landwirtschaftlicher Strukturwandel, Marktproduktion, Düngung, Moorkultivierung) und Industrialisierung (Bahnlinien Oldenburg-Osnabrück 1875/76, Nebenstrecke nach Neuenkirchen und Damme 1899/1900), Reichsgründung (1871) und Ersten Weltkrieg (1914-1918). Im 19. und 20. Jahrhundert gab es in Damme ein (katholisches, evangelisches) Kirchen- und Schulwesen (Pfarrer und Pfarrhaus, "Exzesse" gegen die Moral; Knaben-, Mädchenschule, Bauerschaftsschulen; evangelisch-lutherische Kirchengemeinde als Minderheit). Das Land Oldenburg bestand in der Weimarer Republik (1919-1933) weiter, der Nationalsozialismus (1932/33-1945; Verwaltungsreform 1933, Gemeindeleiter, Amtsbezirke) brachte mit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) die alliierte Besetzung des Oldenburger Landes (April 1945; britische Besatzungszone) bei Demokratisierung und Aufnahme von Vertriebenen sowie der Fortsetzung des 1939 begonnenen Dammer Eisenerzbergbaus (bis 1967). Damme wurde Teil des Landes Niedersachsen (ab 1946; Landkreis Vechta) in der Bundesrepublik Deutschland (ab 1949) und 1982 zur Stadt erhoben (Hannelore Oberpenning, Verwaltungsgeschichte Dammes: Ein historischer Überblick; Bernd Mütter, Robert Meyer, Die Modernisierung der Landwirtschaft zwischen Reichsgründung und Erstem Weltkrieg; Anna-Margarete Taube, Kirchen und Schulwesen im 19. Jahrhundert; Rüdiger Nolte, Katholisches Kirchen- und Schulwesen im 20. Jahrhundert; Rolf Schäfer, Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde: Eine Minderheit im katholischen Südoldenburg; Rainer Hebemann, Lokale Politik vomn Kaiserreich bis zur Weimarer Republik; Rainer Hebemann, Damme unter dem Hakenkreuz 1933-1945; Wolfgang Friemerding, Eisenerzbergbau 1939-1967; Karl-Ludwig Sommer, Lokale Wahlkämpfe und Wahlergebnisse seit dem Zweiten Weltkrieg im Spiegel der Presse). Über die Jahrhunderte der Neuzeit hinweg blieben Dammers westfälische Mundart und die Tradition von Fastnacht und Karneval erhalten (Utz Maas, Sprachentwicklung in Geschichte und Gegenwart; Christine Aka, Heike Pfister, Von der Fastnacht zum Karneval). [Buhlmann, 12.2016]

Bader, Karl Siegfried (1939), Das Benediktinerinnenkloster Friedenweiler und die Erschließung des südöstlichen Schwarzwalds, in: ZGO 91 (1939), S.25-102. Am Beginn der Geschichte des Frauenklosters Friedenweiler im südöstlichen Schwarzwald steht eine Zusammenkunft von geistlichen und weltlichen Großen, der magnus conventus bei der Erhebung der Gebeine des heiligen Bischofs Konrad (I., 935-975) in Konstanz (26. November 1123). Hier trafen Herzöge und Grafen, Äbte und Bischöfe aufeinander. Und so war der festlich-politische Rahmen gegeben für einen Gütertausch zwischen den Klöstern St. Georgen und Reichenau. St. Georgen unter seinem Abt Werner I. (1119-1134) erhielt im Rahmen dieses Tausches, den im Übrigen viele politisch Mächtige bezeugten, den Ort Friedenweiler. Nach 1123, also nach dem Gütertausch und noch vor dem 14. April 1139, dem Ausstellungsdatum der Papsturkunde Innozenz' II. (1130-1143) für die Mönchsgemeinschaft St. Georgen, muss in Friedenweiler ein Frauenkloster errichtet worden sein. Bei der Nonnengemeinschaft Friedenweiler handelte es sich um ein St. Georgen unterstelltes Kloster, ein Priorat, und so finden wir in der Folgezeit, d.h. hauptsächlich und zuerst im 13. und 14. Jahrhundert, eine dem St. Georgener Abt untergeordnete Gemeinschaft von Benediktinerinnen unter der Leitung einer magistra ("Meisterin"). Priorat und geistliche Schirmherrschaft lagen also beim Schwarzwaldkloster und dessen Abt. Daran änderte auch nichts der Wechsel in der Friedenweiler Vogtei, die bis 1218 die Zähringer ausübten, spätestens seit 1270 die Grafen von Fürstenberg. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts zogen Zisterzienserinnen in das leer stehende Kloster Friedenweiler ein, spätestens zu diesem Zeitpunkt waren die Ansprüche der St. Georgener Mönchsgemeinschaft an der Kommunität erloschen. 1803 wurde das Zisterzienserinnenkloster säkularisiert. [Buhlmann, 12.2007]

Bader, Karl Siegfried (1940), Kloster Amtenhausen in der Baar. Rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Untersuchungen (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich Fürstenbergischen Archiv, H.7), Donaueschingen 1940, 203 S., RM 4,80. Amtenhausen, das Kloster auf der Baar und Tochterkloster bzw. Priorat des Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald, war eine Gründung von dessen Abt Theoger (1088-1119), die vor dem Jahr 1107 angesetzt werden kann. Das Nonnenkloster hatte einen beträchtlichen Umfang. Der Vita Theogeri, der Lebensbeschreibung Theogers zufolge sollen dort ca. einhundert Nonnen gelebt haben. Ideeller Mittelpunkt der Gemeinschaft war die "heiligste" Beatrix, die gerade nach ihrem Tod Verehrung fand. Auf Grund seiner Größe könnten von Amtenhausen aus Sanktimonialen das nach 1123 gegründete Kloster Friedenweiler besiedelt haben. Auch die Besiedlung des Admonter Frauenklosters soll mit Amtenhausener Nonnen erfolgt sein. Dasselbe gilt für das St. Georgener Priorat Urspring. In den St. Georgener Papsturkunden von 1139 und 1179 erscheint Amtenhausen als cella, Klosterzelle, und im St. Georgener Besitz. Daran sollte sich in den folgenden Jahrhunderten nichts ändern, jedoch kam es am 31. Oktober 1386 zu einem Vergleich zwischen dem Abt des Schwarzwaldklosters und Meisterin und Konvent von Amtenhausen, der u.a. dem Abt die geistliche Aufsicht beließ und die freie Wahl der Meisterin im Nonnenkonvent festsetzte. Die Grundherrschaft des Klosters Amtenhausen basierte auf den von abhängigen Bauern eingezogenen Geld- und Naturalrenten (Leihezins aus Erbzinsleihe und Erbleihe, Zehnt, Mühlbann), der Grundbesitz erstreckte sich von Weiler und Niedereschach im Norden bis zu den Weinbergen in Oberhallau, Aach und Allensbach am Bodensee, von Tannheim und Wolterdingen im Westen bis nach Tuttlingen und Hattingen im Osten. Der Besitzschwerpunkt lag mithin auf der Baar, die Besitzentwicklung war am Anfang des 14. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen, der Gütererwerb basierte auf Schenkung, Kauf und Tausch (Zinsrodel von 1312). Bevogtet wurde das Kloster Amtenhausen und dessen Besitz (auf der Baar) - nach den Herzögen von Zähringen und den Herren von Wartenberg - ab 1318 von den Grafen von Fürstenberg. Die Zeit zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert sah das Kloster als Teil der fürstenbergischen Landesherrschaft auf der Baar. Fürstenbergische Urbare zählten Amtenhausen zur Ausstattung des Landgrafen (Urbar von 1493). 1802/08 wurde das Frauenkloster säkularisiert.
Zum Kloster Amtenhausen s. noch: Vögele, Fritz (1985), Ein Antependium aus dem Kloster Amtenhausen, in: TutHbll NF 48 (1985), S.135f; Vögele, Fritz (1988), Das Benediktinerinnenkloster St. Sebastian zu Amtenhausen, in: TutHbll NF 51 (1988), S.76-93. Zur frühgeschichtlichen, wahrscheinlich (früh- bis) hochmittelalterlichen Wallanlage beim Kloster Amtenhausen vgl. Morrissey, Christoph, Müller, Dieter (1999), Die Wallanlagen bei Ippingen und Zimmern (Gemeinde Immendingen, Landkreis Tuttlingen) (= Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg, Bd.2: Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen, H.9), Stuttgart 1999, 52 S., Abbildungen, Karten, Kartenbeilagen DM 24,-. [Buhlmann, 12.2003, 05.2013]

Bader, Walter (1967), Eine Art Einleitung zur Geschichte des Essener Kanonissenstiftes, in: BJbb 167 (1967), S.300-322 > E Essener Frauenstift

Bärsch, Jürgen (1997), Die Feier des Osterfestkreises im Stift Essen nach dem Zeugnis des Liber Ordinarius (zweite Hälfte 14. Jahrhundert). Ein Beitrag zur Liturgiegeschichte der deutschen Ortskirchen (= QuS 6), Münster 1997, XXXII, 382 S., DM 78,-. Der Liber Ordinarius als Handschrift des mittelalterlich-frühneuzeitlichen Essener Frauenstifts ist zwischen 1370 und 1393 entstanden und diente den am Stift tätigen Geistlichen als praxisnahes Handbuch der gottesdienstlichen Liturgie im Verlauf eines Kirchenjahres. Beschrieben werden nur die gemeinsam durchgeführten Gottesdienste von Stiftsfrauen und Kanonikern unter besonderem Verweis auf Prozessionen und Umgänge, auf zu bestimmten Festen vollzogenen Riten und Handlungen. Gerade die Schilderung der kirchlichen Feste des Osterfestkreises (Ostern und davon abhängige Feste) zeigt, dass die Liturgie am Frauenstift auf römisch-fränkischen, Kölner (Erzbistum) und örtlichen Traditionen beruhte; gerade der örtlichen liturgischen Überlieferung kam mitunter eine besondere Rolle zu (Palmensegnung, Visitatio sepulchri, Apostellauf, Prozessionen zu Himmelfahrt und Pfingsten, Bedeutung des durch das Evangeliar repräsentierten Gotteswortes). Dabei kam für die Essener Liturgie der gottesdienstlichen Interaktion von Frauenkonvent und Herrenkapitel eine überragende Rolle zu (Liturgie der Osternacht und Totenmemoria, Beteilung von Stiftsfrauen und Äbtissin an der Osterliturgie); die Stiftsfrauen waren daher wesentlich und vielfältig am Gottesdienst beteiligt. > Lateinische Literatur > L Liber ordinarius (Stift Essen) [Buhlmann, 04.2014]

Baesecke, Georg (1930), Der deutsche Abrogans (und die Herkunft des deutschen Schrifttums), 1930, Nachdruck Hildesheim-New York 1970, 171 S., € 4,40. Der deutsche Abrogans (benannt nach dem ersten Lemma abrogans von abrogare) ist das älteste lateinisch-althochdeutsche Glossar ("Wörterbuch"), entstanden um 765 in der Domschule von Freising unter Federführung des Bischofs Arbeo (764-784). Vorlage des Abrogans war u.a. ein lateinischer Arbograns, ein Synonymenwörterbuch der Spätantike. Abschriften des Urtextes des deutschen Abrogans (*O>*aθ), entstanden aus der deutschen Übersetzung von lateinischen Lemmata und Interpretamenten, gelangten nach Marbach (Handschrift a = Pa, 9. Jahrhundert, Anfang, bayerisch), nach Regensburg (Handschriften i und j, 9. Jahrhundert), nach St. Gallen (Handschrift b = K, 8. Jahrhundert, Ende, alemannisch) und auf die Reichenau (Handschrift c = Ra, 9. Jahrhundert, Anfang, alemannisch). Die Entstehung des deutschen Abrogans lässt sich zudem in das italienisch-langobardische kulturelle Umfeld des 8. Jahrhunderts stellen (Klöster Bobbio und Vivarium, Columban und Cassiodor). [Buhlmann, 08.2011]

Baethgen, Friedrich (1960), Ein Pamphlet Karls I. von Anjou zur Wahl Papst Nikolaus III. (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Abt. Jg. 1960, H.7), München 1960, 25 S., € 1,-. Vor dem Hintergrund der Wahl Papst Nikolaus' III. (Johann Gaetan Orsini) zum Papst (1277-1280) und der Ernennung neuer (Orsini-) Kardinäle durch Nikolaus (1278) entstand im Auftrag des sizilianischen Königs Karl I. von Anjou (1266-1285) ein lateinischer Brief an Kardinal Wilhelm von S. Marco (von Bray), der als Schmähschrift dem Kardinal dessen bei der Wahl des Orsini-Papstes begangenen Verrat der französisch-angevinischen Interessen vorwarf und den Nepotismus des neuen Papstes geißelte. Der Brief ist in einige mittelalterliche Briefsammlungen wegen seines sorgfältigen Stils übernommen worden. > Lateinische Literatur > K Karl I. von Anjou. [Buhlmann, 12.2012]

Bahlcke, Joachim (2014), Geschichte Tschechiens. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart (= BSR 2797), München 2014, 128 S., Karten, Regententabellen, € 8,95. I. Frühmittelalterliche slawische Herrschaftsbildungen an der unteren Moldau reichen bis ins 6. und 7. Jahrhundert n.Chr. zurück. Das 9. Jahrhundert war geprägt von christlicher Missionierung (Regensburger, Passauer, Salzburger Slawenmission und ostfränkische Reichskirche [845]; griechische Mission Kyrills und Methods [863/64], slawische Schrift), im 9. Jahrhundert entstand das ausgedehnte "Großmährische Reich" der Mojmiriden. Im 9. und 10. Jahrhundert erreichte das Fürstenhaus der Premysliden eine unangefochtene Machtstellung in Böhmen. Fürstensitz der Herzöge war Prag, das auch Bischofssitz wurde (973) und mit dem ermordeten Herzog Wenzel (†935) einen premyslidischen Heiligen besaß. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde das südöstlich von Böhmen gelegene Mähren premyslidisch, die kirchliche Gliederung in Mähren der böhmischen angegliedert (Bistum Olmütz 1063), während im Verlauf des 11. Jahrhunderts die Kontakte zur griechisch-orthodoxen Kirche abbrachen (Schisma von 1054). Das Mit- und Gegeneinander mit dem ostfränkisch-deutschen Reich führte im hohen Mittelalter wurde der premyslidische Herrschaftsraum zum Bestandteil des deutschen Reiches, aus den Herzögen wurden - zunächst zeitweise - Könige (1085, 1185; erbliche Königswürde seit Premysl Otakar I. [1197-1230] und Goldene Bulle König Friedrichs II. [1198/1212-1250] von 1212). Im 12. Jahrhundert gab es premyslidische Nebenlinien in Mähren, das 1182 zur Markgrafschaft erhoben wurde. König Premysl Otakar II. (1253-1278) gebot nach dem Untergang der staufischen Königsdynastie neben Böhmen und Mähren auch über Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und das Egerland. In der Schlacht auf dem Marchfeld (1278) gegen den deutschen König Rudolf I. von Habsburg (1273-1291) verlor der böhmische König Herrschaft und Leben. Die premyslidische Herrschaft in Böhmen und Mähren blieb unter dem zunächst unmündigen Wenzel II. (1278-1305) zwar erhalten, geriet jedoch gegenüber dem Adel politisch ins Hintertreffen. Mit der Ermordung König Wenzels III. (1305-1306) endete die premyslidische Dynastie. Das premyslidische Böhmen des 13. Jahrhunderts war übrigens gekennzeichnet durch eine weit ausgreifende Kolonisationstätigkeit unter deutscher Beteiligung mit Gründungsstädten bei zunehmender Emanzipation des Adels vom Königtum ("ständisch-monarchischer Dualismus", höfische Kultur). II. In der Nachfolge der Premysliden erlangten die Grafen von Luxemburg unter Johann (1310-1346), dem Sohn Kaiser Heinrichs VII. (1308-1313), die Herrschaft über Böhmen und Mähren. Gerade der Luxemburger (Kaiser) Karl (IV., 1346/47-1378) stellte die Eigenständigkeit Böhmens und seiner Nebenländer im römisch-deutschen Reich heraus (corona Bohemiae; Erzbistum Prag 1344, Prager Universität 1348 und Ausbau Prags, Prager Provinzialsynode 1349 und Blütezeit klösterlicher Kultur, Goldene Bulle 1356), unter Karls Söhnen Wenzel IV. (1363/78-1419) und (Kaiser) Sigismund (1410/19-1437) zerfiel die Luxemburger Macht in Böhmen ("Bürgerkriege", Hussitenkriege [Hussiten als Taboriten, Orebiten, Utraquisten]); erst nach den Hussitenkriegen (1420/26-1434, Iglauer Kompaktaten 1434) konnte sich in Sigismund in Böhmen durchsetzen. Nach seinem Tod (1437) etablierte sich ein "nationales Königtum" der Herrscher Ladislaus Postumus (1453-1457) und Georg von Podiebrad (1458-1471), danach waren Böhmen und Nebenländer Teil des jagiellonisch-ungarischen Großreichs unter den Königen Wladislaw II. (1471-1516) und Ludwig II. (1516-1526). Die ungarische Niederlage gegen die Osmanen (1526) verschaffte dann den Habsburgern die böhmische Königswürde. III. In der frühen Neuzeit waren Böhmen und böhmischen Länder bis auf wenige Jahre Teil des habsburgischen Machtbereichs. König Ferdinand I. (1526-1564) gelang ein verstärktes Ausgreifen auf Schlesien, Monarchie und böhmische Stände (Landtage) bestimmten die politische Entwicklung bei religiöser Vielfalt (Katholiken, Utraquisten, Unitas fratrum, Luthertum, Calvinismus; Confessio Bohemica 1575); Kaiser Rudolf II. (1576-1611) residierte in Prag. Die Herrschaftskrise im Habsburgerreich zu Beginn des 17. Jahrhunderts betraf insbesondere die böhmischen Länder, die politische Lage dort beruhigte sich nicht und sollte zum Prager Fenstersturz (1618), dem "Winterkönig" Friedrich V. von der Pfalz (1619-1620) und der Schlacht am Weißen Berg (1620) führen; Böhmen wurde wieder habsburgisch, der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte begonnen. Im Zeitalter von Barock und Aufklärung (17./18. Jahrhundert) waren Böhmen und Nebenländer fest in die Habsburgermonarchie eingebunden (habsburgische Verwaltung, Verfassungsoktroi 1627, Gegenreformation und Rekatholisierung). Schlesien ging in den Schlesischen Kriegen an das Königreich Preußen verloren (1740/48), die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts prägten Verwaltungsreformen, Modernisierungen und ein Staatskirchentum vor dem Hintergrund von Aufklärung und Absolutismus. IV. Der Auflösungsprozess des Alten Reichs bis zum Jahr 1806 im Gefolge von Französischer Revolution (1789) und französischer Hegemonie begründete unter Kaiser Franz II. (I., 1792-1835) das habsburgische Kaisertum und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Die böhmischen Länder wurden gemäß den Verfügungen des Wiener Kongresses (1814/15) Teil des Deutschen Bundes (1815-1866). Im von Tschechen und Deutschen bewohnten Böhmen drang die Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein, die Revolution von 1848/49 beförderte die Ausbildung eines tschechischen Nationalbewusstseisn. Folglich brachte das Ende der Habsburgermnonarchie im Ersten Weltkrieg (1914-1918) die Entstehung der tschechoslowakischen Republik (1918), eines Vielvölkerstaates, das sich als demokratisches Gemeinwesen konsolidiert in Zwischenkriegszeit (1918-1938) und Weltwirtschaftskrise (1929) zunächst gut behaupten konnte. Die zunehmende Radikalisierung der deutschen Minderheit in der Republik in den 1930er-Jahren (Konrad Henlein, "Sudetendeutsche Partei") und die aggressive Außenpolitik des "Dritten Reiches" führten nach dem "Anschluss" Österreichs zum "Münchener Abkommen", der deutschen Besetzung des Sudetenlandes und der Zerschlagung der Tschechoslowakei (1938) bei Abhängigkeit des slowakischen (Rest-) Staats von Deutschland (1939). Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) spielte das (nur formal autonome) "Reichsprotektorat Böhmen und Mähren" wirtschaftlich eine wichtige Rolle (nationalsozialistisches Terrorregime unter Reinhard Heydrich, dessen Ermordung 1942 [Lidice, Lezáky]). Nach dem Ende des Krieges etablierte sich die Tschechoslowakei neu als sozialistische Volksdemokratie unter kommunistischer Herrschaft (Zwangsausweisung der Sudetendeutschen, kommunistische Planwirtschaft, Warschauer Pakt, "Prager Frühling" 1968). Der friedliche Umbruch in Osteuropa 1989/90 ließ schließlich eine demokratische Tschechische Republik entstehen (1993), die im Jahr 2004 Mitglied der Europäischen Union wurde. [Buhlmann, 09.2014]

Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, 128 S., € 8,95, führt ein in die lateinische Literatur der römischen Republik und Kaiserzeit von ca. 240 v.Chr bis ca. 240 n.Chr., gegliedert nach den Gattungen: Epos (Livius Andronicus, Naevius, Ennius, Vergil, Lukan, Silius Italicus), Lehrgedicht (Lukrez, Vergil, Ovid), Drama (Livius Andronicus, Naevius, Ennius, Pacuvius, Accius, Varius Rufus, Seneca, Statius, Plautus, Terenz), Satire (Lucilius, Horaz, Persius Flaccus, Iunius Iuvenalis, Varro), Lyrik (Cornelius Gallus, Tibull, Properz, Ovid, Catull, Horaz, Martial, Vergil, Calpurnius Siculus, Phaedrus, Statius), Geschichtsschreibung (Fabius Pictor, Porcius Cato, Calpurnius Piso, Sempronius Asellio, Coelius Antipater, Cornelius Sisenna, Sallust, Livius, Velleius Paterculus, Tacitus, Sueton, Caesar), Roman (Petronius Arbiter, Apuleius, Curtius Rufus), Brief (Cicero, Plinius der Jüngere), Rhetorik und Philosophie (Cicero, Seneca, Seneca der Ältere, Quintillian, Cornelius Fronto, Aulus Gellius), Antiquarisches und Fachschriften (Terenz, Vitruv, Columella, Plinius der Ältere), christliche Literatur (Minucius Felix, Tertullian). [Buhlmann, 07.2011]

Baker, David, Hardy, David A. (1979), Der Kosmos-Sternführer. Planeten, Sterne, Galaxien, Stuttgart 21981 > U Universum

Bamberg, Bistum, mittelalterlich-frühneuzeitliches Bistum in Franken: I. Die Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 war der Ausgangspunkt für eine durchaus erfolgreiche Geschichte dieses Bischofssitzes im hohen und späten Mittelalter. Zunächst stellten König Heinrich II. (1002-1024) und der erste Bamberger Bischof Eberhard I. (1007-1040), gleichzeitig auch Kanzler des Herrschers, u.a. dank der gro-ßen Besitzschenkungen des Herrschers das sich formierende Bistum auf eine in die Zukunft weisende wirtschaftliche Grundlage, die die Integration in die ottonisch-salische Reichskirche zweifellos erleichterte. Eberhard war damit geistliches Oberhaupt einer Diözese, die am Rand des Ostfrankenreichs lag und im Wesentlichen das Gebiet von Radenz- und Volkfeldgau zwischen Frankenwald, Main, Pegnitz und Fichtelgebirge umfasste. Er stiftete die Bamberger Kanonikergemeinschaft St. Stephan (1009, Weihe 1020) und vollendete den Dombau (Weihe 1012); auf dem Michelsberg, dem Domberg benachbart, wurde ein Benediktinerkloster gegründet (1015). So entstand die vielfältige Bamberger "Kirchenlandschaft". Nach dem Tod König Heinrichs II. (1024) konnte Eberhard auch bei den salischen Herrschern Konrad II. (1024-1039) und Heinrich III. (1039-1056) die Anerkennung seines Bistums finden (Privilegienbestätigungen 1024, 1034, 1040). Eberhards Nachfolger waren u.a. die Bischöfe Suidger (1040-1047), der nach der bedeutsamen Reformsynode von Sutri (1046) als Papst Clemens II. (1046-1047) die Geschicke der Kirche nur kurz bestimmen konnte, und Hartwig (1047-1053), der anlässlich eines Besuchs Papst Leos IX. (1049-1054) in Bamberg (1052) (Schutz-, Pallium-) Privilegien des römischen Bischofs erlangte. Im Zeitalter des Investiturstreits (1075-1122) standen die Bischöfe Hermann I. (1065-1075), der wohl 1071 das Bamberger Kollegiatstift St. Jakob gegründet hatte, und Rupert (1075-1102) u.a. gegen das Bamberger Domkapitel auf Seiten des Königs Heinrich IV. (1056-1106). Auf Rupert folgte Bischof Otto I. der Heilige (1102-1139), der neben seiner missionarischen Tätigkeit seinem Bistum insbesondere geistig-geistliche Impulse gab (Dom-, Stifts- und Klosterschulen, Geschichtsschreibung, Erweiterung des Pfarreisystems des Bistums, Gründung der Klöster Michelfeld [1119] und Langheim [1132], Territorialpolitik). Unter Ottos Nachfolger Egilbert (1139-1146) erfolgte die Heiligsprechung Kaiser Heinrichs II. (1146); die Bischöfe Eberhard II. (1146-1170) und Hermann II. (1170-1177) verfolgten mit ihrem Engagement im Reichsdienst der staufischen Könige und Kaiser auch territorialpolitische Absichten. Dabei gelang es durchaus, konkurrierende territoriale Kräfte wie die Grafen (Herzöge) von Andechs und die Grafen von Abenberg (als Vögte des Bamberger Bistums) in die Politik der Bamberger Bischöfe einzubeziehen. Dafür standen die Bischöfe Otto II. von Andechs (1177-1196), Timo von Abenberg-Frensdorf (1196-1201), Ekbert von Andechs (1203-1237) und Poppo von Andechs (1237-1242). Unter Ekbert von Andechs kam es am 21. Juni 1208 zu der folgenschweren Ermordung König Philipps von Schwaben (1198-1208) in Bamberg; der Bischof wurde der Mitwisserschaft beschuldigt und konnte sich erst 1212 aus der Acht lösen. Das Aussterben der Andechser (1248) ermöglichte in den ausbrechenden Streitigkeiten Bischof Heinrich I. von Bilversheim (1242/45-1257) die Usurpation des Grafen- bzw. Landgerichts im Radenzgau, das eine wichtige Grundlage des hochstiftisch-bambergischen Territoriums bilden sollte. Das späte Mittelalter sah den weiteren Ausbau der bischöflichen Landesherrschaft auch in weitgehender Übereinstimmung mit den benachbarten Territorialherren wie den Königen von Böhmen, den Herzögen von Bayern oder den Habsburgern. Zum Herrschaftsausbau und kirchlichen Aufbau des Hochstifts gehörten nicht zuletzt eine weitere Verdichtung des Netzes von Pfarreien an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert und die bis ins hohe Mittelalter zurückreichende Archidiakonatsverfassung (Archidiakonate Bamberg, Hollfeld, Kronach, Nürnberg/Eggolsheim). Neben den Benediktinern und Zisterziensern traten im Mittelalter im Bamberger Bistum auch die Mönchsorden der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Karmeliter in Erscheinung (13./14. Jahrhundert), vielfach gefördert von Bischöfen wie Berthold von Leiningen (1257-1285) oder Arnold von Solms (1286-1296). Die Bamberger Bischofsdoppelwahl von 1303 und die zeitweilige Vakanz des Bischofssitzes (1318/22, 1343/44) während des politischen Konflikts zwischen König Ludwig dem Bayern (1314-1347) und dem Papsttum mögen dann für einen gewissen Niedergang des Hochstifts stehen, der sich insbesondere seit dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts in der mitunter schwierigen wirtschaftlichen Situation des Bistums (Verschuldung) niederschlug. Trotzdem gelang unter den Bischöfen Leopold II. von Egloffstein (1335-1343) und Friedrich I. von Hohenlohe (1344-1352) weiterer Besitzerwerb (Vertrag von Iphofen 1349). Mit Bischof Leopold (Lupold) III. von Bebenburg (1353-1363), einem ehemaligen Parteigänger Kaiser Ludwigs des Bayern und Verfasser gelehrter Schriften, bes-serten sich die finanziellen Verhältnisse im Bistum wieder. Die Bischöfe Friedrich II. von Truhendingen (1363-1366) und Lambert von Brunn (1374-1399) standen in engen Beziehungen zu Kaiser Karl IV. (1346/47-1378), unter Bischof Lambert erhielt das Bamberger Domkapitel seine endgültige Prägung (Statut von 1390/99). Im 15. Jahrhundert war das Bamberger Hochstift von den Hussitenkriegen betroffen (ab 1430), ebenso von kriegerischen Streitigkeiten mit dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg (1470-1486). Im Zuge u.a. des Basler Konzils (1431-1449) wurde das Bamberger Bistum unter den Bischöfen Anton von Rotenhan (1432-1459) und Georg I. von Schaumburg (1459-1475) weitreichenden Reformmaßnahmen unterzogen (Diözesansynoden 1448, 1451, Synodalstatuten 1461, Gerichtsordnung 1463). Im sog. Immunitätenstreit mit der Stadt Bamberg, die im hohen Mittelalter ihre Ausformung erhalten hatte, siegten das Bistum und die geistlichen Institutionen (1440). II. Am Ende des Mittelalters öffnete sich das Bamberger Bistum dem Humanismus; es überstand auch die Zeit der Reformation unter Bischof Weigand von Redwitz (1522-1556) und ging gestärkt aus der katholischen Gegenreformation hervor. Das Bistum blieb weiterhin ein territorialer Bestandteil des Alten Reichs in der frühen Neuzeit. Im Jahr 1803 erfolgte die Säkularisation. Heute ist Bamberg Erzbischofssitz der katholischen Kirche in Deutschland.
Aus der umfangreichen Literatur zum Bamberger Bistums gerade des Mittelalters seien genannt: Geldner, Ferdinand (1973), Tatsachen und Probleme der Vor- und Frühgeschichte des Hochstifts Bamberg, Bamberg 1973, 100 S., Schwarzweißabbildungen, DM 20,-; Guttenberg, Erich Freiherr von (1952/63), Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg (= VGFG VI,1), [Nachdruck] Würzburg 1963, 348 S.; Kist, Johannes (1953), Fürst- und Erzbistum Bamberg. Leitfaden durch die Geschichte von 1007 bis 1943 (= BHVB 92), Bamberg 1953, 71 S., DM 2,80; Neundorfer, Bruno, Limmer, Ingeborg ([1938]), Der Dom zu Bamberg (= Schnell & Steiner, Kleine Kunstführer, Nr.100), Regensburg 181995, 31 S., Farbabbildungen, DM 4,-; Urban, Josef (Hg.) (2006), Das Bistum Bamberg um 1007. Festgabe zum Millenium (= SBBG 3), Bamberg 2006, 432 S., Farbabbildungen, Karten, € 44,80 (mit den Beiträgen: Franz Machilek, Das Protokoll der Frankfurter Synode vom 1. November 1007 und die Errichtung des Bistums Bamberg; Erik Soder von Güldenstubbe, Würzburg, das Mutterbistum von Bamberg und die Bistumsgründung 1007; Bruno Lengenfelder, Eichstätt und Bamberg um 1007/1016; Joachim Andraschke, Die sogenannten 14 Slawenkirchen. Karolingische Missionskirchen im Regnitzgau (793-810); Andreas Jakob, Die Martinskirchen in Franken. Eine Studie zur Vorgeschichte und Gründung des Bistums Bamberg; Georg Knörlein, Die Güterschenkungen Heinrichs II. im Forchheimer Umland 1007 und der Einfluß des Hochstifts in den Stiftungsorten bis zum Ende des Mittelalters; Helmut Richter, Bamberg und Fürth 1007; Stephan Diller, Die Entwicklung Bambergs bis 1007; Enno Bünz, Das Regnitzland um Hof im Hochmittelalter - "terra incognita" zwischen den Bistümern Bamberg und Naumburg; Helmut Flachenecker, Die fränkischen Gaue im Blick auf das Bistum Bamberg; Rudolf Schieffer, Die Anfänge des Bamberger Domkapitels; Josef Urban, Lebensstationen der Bistumsgründer Heinrich II. und Kunigunde; Dieter J. Weiss, Eberhard I. von Bamberg. Bischof und Kanzler (1007-1040); Christine Tropper, Bamberg und Kärnten - Das erste Jahrhundert einer wechselvollen Beziehung; Herbert W. Wurster, "Babenbergensi ecclesie, que tunc in Bawaria potens erat". Das Bistum Bamberg im Bistum Passau; Immo Eberl, Das Bistum Bamberg und seine Abteien und Stifter in der Gründungszeit; Johann Gruber, Die Alte Kapelle in Regensburg und andere von Heinrich II. an das Bistum Bamberg übertragene Besitzungen im Regensburger Diözesansprengel; Josef Urban, Entwicklungsstufen von Kirchenbauten am Beispiel der Pfarrkirche von Amlingstadt; Magnus Wintergerst, Bamberg um 1000 aus archäologischer Sicht). [Buhlmann, 12.2015]

Bamm, Peter (1970), Alexander oder: Die Verwandlung der Welt, Gütersloh [1974] > A Alexander der Große

Banse, Horst (1984), Die Baar. Eine neue Deutung des Landschaftsnamens, in: SVGBaar 35 (1984), S.17-25. Der Name "Baar" (Bara, Para), wie er - gerade in den St. Galler Urkunden des 8. und 9. Jahrhunderts - für eine Reihe von frühmittelalterlichen Landschaften an oberer Donau und oberem Neckar erscheint, hat einen unklaren Ursprung und wurde z.B. mit adligen Herrschaftsbereichen (Allodialherrschaften und -grafschaften) oder Verwaltungsbereichen in Verbindung gebracht. Auch geografische Interpretationsmuster wurden bemüht, wenn etwa "Baar" für "Schranke" oder einen "weit ausgedehnten offenen Landstrich" steht. In Betracht gezogen wurde zudem "Baar" als Gewässerwort, so dass sich - zu verweisen ist auf Moore und Sumpfflächen - eine "Landschaft mit Quellen" ergibt. Doch sind alle Deutungen des Namens "Baar" nicht unumstritten. [Buhlmann, 09.2005]

Bargmann, Bernd, Preissner, Jutta, Pöhl, Elke, Scherzinger, Karin, Ulrich, Ludolf (2013), St. Johannis Verden. Kirchenführer, Verden 2013 > V Verden: Bistum

Barlow, Frank (2003), The Godwins. The Rise and Fall of a Noble Dynasty, London-New York-Toronto 2003, 216 S., £ 9,99. Das nach dem bedeutenden Earl Godwin (†1053) von Wessex in der historischen Forschung als Godwins bezeichnete Adelsgeschlecht lässt sich vielleicht bis ins 9. Jahrhundert, bis auf den westsächsischen König Aethelwulf (839-858) zurückführen. Konkrete Informationen zu der Familie liegen aber erst ab Godwin und dessen Vater Wulfnoth Cild (†1014) vor. Wulfnoth tritt als Thegn von Sussex erstmals 1009 in Erscheinung und gehört damit zum engeren Kreis der Mächtigen im englischen Königreich König Aethelreds (938-1013, 1014-1016). Mal im Einvernehmen mit dem Herrscher, mal im Gegensatz zu diesem gelang es Wulfnoth, seine Machtstellung auf seinen Sohn Godwin zu übertragen. Godwin, vielleicht um 993 geboren, konnte nach dem Tod des Vaters (1014) seine Stellung in Wessex weiter aufbauen, zumal er in freundschaftlicher Verbindung zum Dänenkönig Knut den Großen (1016-1035) stand, der auch über England herrschte. Als Sachwalter Knuts in England wurde er zu der bedeutenden Person neben dem König, als Earl von Wessex verfolgte er weiterhin seine "Hausmachtinteressen". In den unruhigen Jahren nach Knuts Tod (1035) gelang es Godwin, Edward den Bekenner (1043-1066), der mit Godwins Tochter Edith verheiratet war, zum englischen König zu machen. Die nachfolgenden fast zehn Jahre blieb der Einfluss Godwins im Königreich ungebrochen, bis der Earl 1051 in Ungnade fiel, außer Landes floh, aber schon bald (1052) in die alten Positionen eingesetzt wurde. Godwin starb am 15. April 1053. Er hinterließ u.a. die Söhne Swegen, Harold, Tostig, Gyrth und Leofwine, die zum Teil in die väterlichen Positionen in England einrückten. Harold Godwinson war der bedeutendste der Söhne Godwins. Zunächst Earl von Ostanglien, dann Earl von Wessex, bestimmte Harold die englische Politik unter Edward dem Bekenner entscheidend mit. Kriegszüge gegen Wales, Kämpfe mit seinem Bruder Tostig, Verhandlungen mit Herzog Wilhelm von der Normandie festigten seine Stellung im englischen Königreich, so dass nach dem Tod Edwards (1066) Harold englischer König wurde. Als solcher hatte er indes die Angriffe anderer Thronprätendenten abzuwehren. Am 25. September 1066 besiegten Harold und das englische Heer den norwegischen König Harald Hardrada (1047-1066) und seinen Bruder Tostig bei Stamford Bridge. Am 28. oder 29. September 1066 landete Herzog Wilhelm von Normandie (Wilhelm der Eroberer) mit seinen Truppen in Südengland und besiegte den herbeigeeilten Harold und dessen Armee am 14. Oktober 1066 in der Schlacht bei Hastings. Harold fiel, und mit ihm endete die kurze englische Königsherrschaft des Godwins. Brüder und Nachkommen Harolds und der Godwins überlebten z.B. in Norwegen und Irland, doch konnte die Familie ihre bisherige Stellung im nordwestlichen Europa nicht mehr behaupten und verschwindet daher aus den mittelalterlichen Quellen und Berichten. [Buhlmann, 07.2004]

Bartsch, Susanne, Bieker, Josef (1984), Vom Trifels zum Hambacher Schloß. Burgen im Pfälzer Wald (= Die bibliophilen Taschenbücher 429), Dortmund 1984, 159 S., Farbabbildungen, DM 19,80. Der Pfälzer Wald ist reich an Burgen und Schlössern, angefangen beim Trifels bis hin zum Hambacher Schloss. Im Einzelnen sind zu nennen die Burgen: Alt- und Neuwindstein (Elsass; 1212 bzw. 14. Jahrhundert); Arnsburg (Elsass; 14. Jahrhundert, Anfang); Battenberg (der Grafen von Leiningen; 13. Jahrhundert); Berwartstein (als Reichsburg, des Bischofs von Speyer [1152]); Blumenstein (der Grafen von Zweibrücken; um 1200); Breitenstein (der Grafen von Leiningen; 13. Jahrhundert); Altdahn, Grafendahn, Tannstein (der Ritter von Dahn; 1127, 1287, ca.1328); Diemerstein (der Grafen von Leiningen; 13. Jahrhundert, Anfang); Drachenfels (der dortigen Ritter; 13. Jahrhundert); Elmstein (der rheinischen Pfalzgrafen; 12. Jahrhundert); Fleckenstein (Elsass; 12. Jahrhundert); Frankenstein (u.a. der Grafen von Leiningen; um 1100); Gräfenstein (der Grafen von Leiningen; 13. Jahrhundert, Anfang); Guttenberg (Reichsburg; 12. Jahrhundert); Hambacher Schloss (Kästenburg, Maxburg; Fluchtburg [10. Jahrhundert], salische Burg [11. Jahrhundert]); Hardenburg (der Grafen von Leiningen; 13. Jahrhundert, Anfang); Hohenburg (Elsass; 13. Jahrhundert); Hohenecken (Reichsburg; 12. Jahrhundert, 2. Hälfte); Kropsburg (der Speyrer Bischöfe; um 1200); Landeck (der Grafen von Saarbrücken; um 1200); Lemberg (der Grafen von Zweibrücken; 12. Jahrhundert, Ende); Lindelbrunn (Reichsburg; 12. Jahrhundert); Madenburg (Reichsburg; 11. Jahrhundert, Anfang); Meistersel (Reichsburg; 11. Jahrhundert); Neudahn (der Ritter von Dahn, als Speyrer Lehen; 1240); Neuleiningen (der Grafen von Leiningen; 1238/41); Neuscharfeneck (der Familien Scharfeneck und Scharfenberg; ca.1232); Slevogthof (als Meierhof der Reichsburg Neukastel); Stauf (der Grafen von Worms; 10. Jahrhundert); Spangenberg (der Speyerer Bischöfe; 11. Jahrhundert); Trifels (Reichsburg u.a. als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien; 10. Jahrhundert, Anfang); Wachtenburg (12. Jahrhundert); Wasigenstein (der Herren von Wasigenstein; Elsass; 12. Jahrhundert); Wegelnburg (der Ministerialen von Wegelnburg; 12. Jahrhundert); Wolfsburg (der Speyerer Bischöfe; 13. Jahrhundert). Daneben ist noch zu erwähnen das Kloster Limburg (Gründung Kaiser Konrads II.; 1025/42). [Buhlmann, 06.2015]

Bart, Jan (1963), Die alte Reichsabtei. Bilder aus Werdens Geschichte (= Schriftenreihe der Folkwang-Schule, Bd.19), Essen 1963 > W Werden

Bart, Jan (1964), Werden und Helmstedt. Bilder und Dokumente (= Schriftenreihe der Folkwang-Schule, Bd.23), Essen 1964 > W Werden

Battenberg, Friedrich (1987), Des Kaisers Kammerknechte. Gedanken zur rechtlich-sozialen Situation der Juden in Spätmittelalter und früher Neuzeit, in: HZ 245 (1987), S.545-599 > J Juden im Mittelalter

Bauer, Bruno, Straßen- und Flurnamen in Kaiserswerth (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.15), Düsseldorf-Kaiserswerth 1989 > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Bauer, Wolfgang (Hg.) (1980), China und die Fremden. 3000 Jahre Auseinandersetzungen in Krieg und Frieden (= BS), München 1980 > C China

Bauhofer, Arthur (1943), Geschichte des Stadtgerichtes von Zürich, Zürich 1943, XV, 239 S., Bildtafeln, € 3,-. Nach urkundlichen Nennungen von Zürich als civitas im 10. Jahrhundert (929, 972) ist um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Stadtwerdungsprozess unter der Äbtissin des Fraumünsters als Stadtherrin und den Zähringerherzögen als Reichsvögten anzunehmen (burgenses-, cives-Belege). Die Einsetzung des erstmals 1153 bezeugten Schultheißen als Amtsträger der Stadtherrin bzw. Unterbeamter des Reichsvogts erfolgte noch bis ins Spätmittelalter hinein durch die Äbtissin; nach dem Aussterben der Zähringer (1218) ist ab 1220/21 eine fast ununterbrochene Folge von Schultheißen belegt. Das Schultheißengericht wurde zum Züricher Stadtgericht; den Vorsitz im Gericht hatte der Schultheiß, daneben gab es die Urteiler bzw. Fürsprecher als Richter. Die Brunsche Revolution (1336/60) schuf die Gerichtsordnungen des Stadtgerichts von 1348/60. Es bestand ferner ein engeres Reichsvogteigericht betreffend die Blutgerichtsbarkeit, das nach dem Erwerb der Vogteien Stadelhofen-Zollikon (1358) und Küssnacht (1384) sowie der Blutgerichtsbarkeit (1400) durch die Stadt im 15. Jahrhundert (1414?) zum neueren Vogteigericht (Stangengericht) und mit dem "freien Stadtgericht" (auch als "beide Gerichte", als Stadt- und Vogteigericht, Stadtgericht im engeren Sinn als Schultheißengericht [so genannt bis ins 16. Jahrhundert]) verschmolzen wurde. Die Reformation in Zürich brachte die Einverleibung der Niedergerichte des Fraumünsters (1524) und des Großmünsters (1526) in das Stadtgericht. 1527 entstand ein Gerichtsbuch, dem 1553 und 1620 zwei weitere folgten, zudem 1715 das Stadt- und Landrecht. 1798 wurde das Züricher Stadtgericht aufgehoben. [Buhlmann, 05.2014]

Baum, Christoph (1995), Der Klosterwald von St. Blasien. Eine forstgeschichtliche Untersuchung über die Waldverhältnisse im Stiftsbann der ehemaligen Benediktinerabtei St. Blasien im südlichen Schwarzwald bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts (= Hochschulsammlung Wirtschaftswissenschaft. Forstwissenschaft, Bd.8), Freiburg i.Br. 1995 > S St. Blasien

Baum, Wilhelm (1988), Die Stadt Villingen in der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Sigmund von Luxemburg und Herzog Friedrich IV. "mit der leeren Tasche" von Österreich, in: GHV 13 (1988), S.29-43. Vor dem Hintergrund von Konstanzer Konzil und luxemburgisch-habsburgischem Gegensatz im römisch-deutschen Reich und Norditalien spielten sich die politischen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Friedrich IV. von Österreich (1386/1402-1439) und König Sigismund (1387/1410-1437) ab; sie eskalierten, als der Habsburger Papst Johannes XXIII. (1410-1415) zur Flucht aus Konstanz verhalf (1415), und betrafen die vorderösterreichischen Territorien und auch die habsburgische Stadt Villingen; u.a. kam es zur Besetzung der meisten vorderösterreichischer Territorien, habsburgische Landstädte wurden Reichsstädte, die Grafschaft Tirol war umkämpft, Villingen verblieb - soweit erkennbar - weitgehend auf habsburgischer Seite (Privilegierungen Villingens durch die Habsburgerherzöge Friedrich IV. und Ernst I. [1386/1402-1424] sowie durch König Sigismund [1415, 1417, 1418, 1435]). Erst im Verlauf der 1420er- und 1430er-Jahre gelang - nach einem Ausgleich mit dem König (Hornsteiner Vertrag 1425) - die fast gänzliche Wiedergewinnung der vorderösterreichischen Landesherrschaften durch den Herzog. [Buhlmann, 12.2014]

Baumann, Werner (1962), Ernst Friedrich von Baden-Durlach. Die Bedeutung der Religion für Leben und Politik eines süddeutschen Fürsten im Zeitalter der Gegenreformation (= VKGLBW B 20), Stuttgart 1962, 191 S., € 5,-. Ernst Friedrich (1577-1604) war Markgraf der frühneuzeitlichen Landesherrschaft Baden-Durlach. Die Residenzstadt Durlach erhielt unter dem Markgrafen 1586 ein Gymnasium, 1588 ein Renaissance-Lustschloss. Im Mit- und Gegeneinander mit seinen Brüdern Georg Friedrich (1584-1622) und Jakob III. (1584-1590) gelang Ernst Friedrich, der dem Calvinismus zuneigte, die "Oberbadische Okkupation" (1594), d.h. die Besetzung der Markgrafschaft Baden-Baden und die Vertreibung des dort regierenden Fürsten Eduard Fortunatus (1588-1594). Dieser kriegerische Akt verschärfte natürlich die konfessionellen Gegensätze am Oberrhein und führte Baden-Durlach politisch noch näher an die calvinistisch geprägte Kurpfalz heran. Er war zudem finanziell risikoreich, verkaufte Ernst Friedrich doch Besigheim und Altensteig an die württembergischen Herzöge (1595, 1603), die damit immer mehr Positionen im ehemaligen badischen "Nordosten" einnahmen. Dabei hatte sich die Reformation bei den Durlacher Markgrafen noch nicht völlig durchgesetzt, trat doch Jakob III., der über Hachberg-Emmendingen herrschte, 1590 zum katholischen Glauben über, starb jedoch noch im selben Jahr, an einer Vergiftung, wie katholische Quellen zu berichten wissen. Danach nahm Ernst Friedrich das Hachberger Territorium in Besitz und weigerte sich selbstredend, in der ehemaligen Herrschaft seines Bruders Jakob die Wiedereinführung des katholischen Glaubens weiterzuverfolgen. Auch Ernst Friedrichs Nachfolger, sein Bruder Georg Friedrich hielt das baden-badische Territorium weiterhin besetzt, vereinigte zudem die Landesherrschaft Baden-Durlach in einer Hand und gilt als der eigentliche Begründer der lutherischen Landeskirche in seinem Fürstentum. [Buhlmann, 04.2007, 07.2013]

BCG = Buchreihe der Cusanus-Gesellschaft

Bd. = Band

BdAW = Bibliothek der Alten Welt. FD: Reihe Forschung und Deutung, GR: Griechische Reihe, RR: Römische Reihe

Beach, Alison I. (2002), Voices from a Distant Land. Fragments of a Twelfth-Century Nuns' Letter Collection, in: Speculum 77 (2002), S.34-53. Das Benediktinerkloster Admont im österreichischen Ennstal war im Jahr 1074 gegründet worden und wurde von Abt Wolfhold (1115-1137) durch eine Frauengemeinschaft ergänzt (1116/20). Das Frauenkloster entwickelte sich im 12. Jahrhundert - nicht zuletzt auf Grund einer strengen Askese - zu einer bedeutenden Institution von Gelehrsamkeit und Bildung. Einige Nonnen betätigten sich als Schreiberinnen von Handschriften, wie nicht zuletzt Einträge im Admonter Nekrolog zeigen, andere waren als Illustratorinnen von Handschriften tätig, sie schmückten z.B. die Initialen des Codex 18 der Admonter Stiftsbibliothek aus, eines Nonnenbreviers aus der Zeit um 1180. Auch die Lebensbeschreibung der uns namentlich unbekannten ersten Admonter Meisterin gehört hierher. Zudem haben bei der Verschriftlichung der Werke des Irimbert, des späteren Admonter Abtes (1172-1177), wohl Sanktimonialen maßgebend mitgewirkt. Irimbert verfasste in St. Georgen am Längsee und Admont als geistlicher Betreuer der Nonnen beider Klöster Kommentare zu alttestamentarischen Büchern: zum Hohelied, zu den Büchern der Könige und der Richter und zum Buch Ruth. In einigen Einleitungen zu den Kommentaren schildert Irimbert, wie Admonter Nonnen ihm bei der Verschriftlichung seiner Werke in einem Zeitraum von über dreißig Jahren (1145-1176) geholfen haben. Es entstanden daraus u.a. zwei illuminierte Prachthandschriften, die Codices Nr. 16 und 17 der Admonter Stiftsbibliothek, angefertigt während des Abbatiats Irimberts. Von den mündlichen Ausführungen bis zum Codex ist die Verschriftlichung der Kommentare Irimberts dabei recht gut nachzuvollziehen. Als Schreiberinnen finden übrigens namentlich Erwähnung die Nonnen Irmingard und Regilind. Zur Admonter Buchproduktion, in der also die Nonnen an prominenter Stelle eingebunden waren, gehörte mit Skriptorium und Malschule ein geeignetes Umfeld. Ob die geistlichen Frauen ein eigenes Skriptorium besaßen, ist unklar, eine eigene Bibliothek war im Admonter Frauenkloster jedenfalls vorhanden, wie hochmittelalterliche Nekrologeinträge über Bibliothekarinnen ausweisen. Doch werden die Nonnen auch auf den Bibliotheksbestand des Admonter Männerklosters zurückgegriffen haben. Das Admonter Frauenkloster war damit ein Zentrum hochmittelalterlicher Schriftkultur im süddeutschen und österreichischen Raum. Geschrieben wurde aber nicht nur auf Latein, sondern auch auf Deutsch. Dies belegen zumindest einige volkssprachliche Zeugnisse wie eine Professformel für die Nonnen. Der Gebrauch des Mittelhochdeutschen im Kloster wird verständlich, wenn wir von einer Kommunikation mit den Laienschwestern, den Konversinnen ausgehen. Wir erkennen: Die Admonter Nonnen waren auch auf Grund ihrer theologischen Bildung hoch geschätzt, und Kommunikation fand innerhalb und außerhalb der engen Grenzen der Frauenklausur statt. [Buhlmann, 10.2008]

Bebenhausen, Zisterzienserkloster: (Kloster) Bebenhausen liegt nördlich von Tübingen, am Südhang des Brombergs auf einem seit dem Mittelalter künstlich erweiterten Plateau oberhalb der Talsohle zweier dort zusammenfließender Bäche, an einer Fernstraße von den Alpen zum Rheintal, am Rande des Schönbuchs, des großen mittelalterlichen Reichswaldes. Das Grundwort des Ortsnamens -hausen mag auf die Alemannen und damit auf das 8./9. Jahrhundert zurückgehen, das Bestimmungswort Bebo- auf einen Mann dieses Namens, der sagenhafter Überlieferung zufolge je nachdem Herzog, Mönch oder Einsiedler gewesen sein soll. Ein Gütertausch mit dem Bistum Speyer war nun eine Voraussetzung für das durch Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen (1182-1219) "zum Zwecke seines Seelenheils" wahrscheinlich 1183 gestiftete Kloster beim Dorf Bebenhausen. Die Mönche waren - der Konzeption Bebenhausens als Grablege für die pfalzgräfliche Familie entsprechend - zunächst Prämonstratenser, die vielleicht aus Marchtal (Obermarchtal bei Ehingen) kamen. Vor 1189/90 verließen indes die Prämonstratenser Bebenhausen, und Zisterziensermönche aus Schönau (bei Heidelberg) siedelten sich dort an, nachdem der Anfrage des Pfalzgrafen Rudolf in Cîteaux durch eine die Örtlichkeiten untersuchende Kommission und das Generalkapitel positiv entsprochen wurde. Bebenhausen gehörte über Schönau und Eberbach damit zur Filiation der Mutterabtei Clairvaux. Erst unter den Zisterziensern begann der eigentliche Bau und Ausbau von Kloster und Klostergebäuden. Jedenfalls berichten mittelalterliche Quellen zu Beginn des 13. Jahrhunderts von einer angespannten wirtschaftlichen Lage, die trotz weitreichender Schenkungen und Güterzuwendungen das Kloster erfasst hatte. Doch zählte die Mönchsgemeinschaft am Ende des 13. Jahrhunderts bis zu 80 Mönche und 130 Konversen (Laienbrüder) und wurde im Verlauf des späten Mittelalters zum reichsten württembergischen Kloster. Die rechtlichen Grundlagen für das Zisterzienserkloster gaben dabei die frühen Privilegienverleihungen ab. Zu erwähnen ist zuvorderst das "Große Gründungsprivileg" des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen vom 30. Juli 1191. Der Absicherung Bebenhausens gegenüber dem Königtum diente das Diplom Kaiser Heinrichs VI. (1190-1197) vom 29. Juni 1193, in dem der Herrscher die Rechte, Freiheiten und Besitzungen, die dem Kloster von seinem Gründer gewährt worden waren, bestätigte. Schließlich erhielt mit Datum vom 18. Mai 1204 die Zisterze von Papst Innozenz III. (1198-1215) ein großes Privileg, in dem der römische Bischof nach dem üblichen Formular die üblichen zisterziensischen Rechte und Vergünstigungen, u.a. die Unterstellung unter das Papsttum und die Exemtion vom Bischof, vergab. Das Kloster Bebenhausen besaß eine umfangreiche wirtschaftliche Grundlage aus Gütern und Rechten, die vom Zabergäu über den Schönbuch bis zur Schwäbischen Alb reichten. Gemäß einer "zisterziensischen Autarkie" wurde der Landbesitz - zumindest bis ins 14. Jahrhundert hinein - in Eigenwirtschaft betrieben, d.h. die Grundherrschaft bestand aus Grangien unter der Leitung von Mönchen, die im Rahmen einer leistungsfähigen Klosterwirtschaft von Laienbrüdern unterstützt wurden. Es gab Grangien mit ausgeprägtem Ackerbau neben denen, die auf Viehzucht spezialisiert waren. Fischteiche und Fischwirtschaft spielten ein wichtige Rolle, ebenso die Waldbewirtschaftung, der Weinbau und die Gartenwirtschaft, die für die innerklösterliche Versorgung bedeutsam war. Auch auf die Verflechtung des Klosters mit der städtischen Wirtschaft sei hingewiesen, besaß die Mönchsgemeinschaft doch städtische Klosterhöfe (Pfleghöfe), u.a. in Ulm. Über Ulm betrieb das Kloster einen intensiven Weinhandel, die Klosterhöfe in den Städten wurden zu Verwaltungsmittelpunkten innerhalb der Grundherrschaft. Dass Letztere sich im Verlauf des späten Mittelalters unter Aufgabe der Grangienwirtschaft zu einer Rentengrundherrschaft mit aus der Güterverpachtung gezogenen Zinsen entwickeln sollte, sei noch am Rande erwähnt, ebenso, dass in dieser Zeit das Kloster an einige Patronats- und Zehntrechte gelangte. Im 14. Jahrhundert geriet die Zisterze Bebenhausen zunehmend in den Sog der württembergischen Landesherrschaft. Schon zu Beginn des Jahrhunderts war Bebenhausen vom Reichskrieg gegen den Grafen von Württemberg (1310-1312) betroffen, der Druck verstärkte sich nach der Über-nahme der Tübinger Pfalzgrafschaft durch Württemberg (1342) und nach dem Sieg der Württemberger über den schwäbischen Städtebund in der Schlacht bei Döffingen (1388). Auf die Dauer wichen somit Reichsbindung und relative (zisterziensische) Reichsunmittelbarkeit des Klosters der Landesherrschaft der württembergischen Grafen und Herzöge. Im Verlauf gerade der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts verstärkte sich die Landsässigkeit der Zisterze bis hin zur Landstandschaft. Bebenhausen mit seinem Klosterterritorium zwischen Altdorf/Breitenstein und Unterjesingen/Lustnau/Pfrondorf und um Immenhausen und Ofterdingen wurde zu einem württembergischen Prälatenkloster, gehörte zu den Landständen innerhalb des Herzogtums und war seit 1498 auf den württembergischen Landtagen vertreten. Als nach einem habsburgischen Zwischenspiel (1519-1534) Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1550) die Rückeroberung seines Territoriums gelungen war, führte er in seinen Prälatenklöstern die Reformation ein (1534/35). Auch Bebenhausen war davon betroffen, die katholische Klosterzeit neigte sich nach dem Tod des Abtes Johannes von Fridingen (1493-1534) dem Ende zu, nachdem die Zisterze schon im Rahmen des Bauernkriegs 1525 Schaden genommen hatte.
Zu Bebenhausen s.: Köhler, Mathias (Bearb.) (1995), Die Bau- und Kunstgeschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Bebenhausen bei Tübingen (= VKGLBW B 124), Stuttgart 1995, XV, 411, 70 S., DM 64,-. Sydow, Jürgen (Bearb.) (1984), Die Zisterzienserabtei Bebenhausen (= GS 16 = Das Bistum Konstanz 1), Berlin-New York 1984, X, 342 S., € 98,-; Die Zisterzienser in Bebenhausen, hg. v. Ursula Schwittala u. Wilfried Setzler (1998) (= Ausstellungskatalog), Tübingen 1998, 152 S., € 5,-. [Buhlmann, 09.2004, 03.2009, 11.2012]

Becher, Matthias (1993), Eid und Herrschaft. Untersuchungen zum Herrscherethos Karls des Großen (= VuF, Sonderband 39), Sigmaringen 1993, 239 S., DM 68,-. Die von dem fränkischen König Karl den Großen (768-814) verlangten Treueidleistungen von 789 und 802 (Treueidformulare mit Ausführungsbestimmungen [Kapitulare]) stehen für die Unterordnung der Untertanen und des Adels unter den Herrscher. Das Treueidformular von 789 (fidelis sum, Eid als sacramentum fidelitatis, Arglistklausel; Eid bezogen auf: Leben des Königs, Bündnis mit auswärtigen Reichsfeinden) knüpfte dabei an die Treueidleistungen im merowingischen Frankenreich an. Es wurde erweitert zu den zwei überlieferten Treueidformularen von 802 (Treueid per drictum nach Recht und Gesetz, pars, sicut homo, Nomentheorie, nomen cesaris und honor regni, Herrscher als rector und gerechte Herrschaft, Eidleistung auf Gott und die Heiligen; Eid zudem bezogen auf: Rechte und Güter des Herrschers; Infidelität und Majestätsverbrechen). Eide und Eidformulare finden sich in einem engen Zusammenhang mit dem (aufkommenden) Lehnswesen (Herrscher/Untertan - Herr/Vasall). Programmatisch (und verfälschend) führen (um 790) die Reichsannalen diesbezüglich den Fall des Bayernherzogs Tassilo III. (748-788) an (angeblicher Vasalleneid von 757, angeblicher harisliz von 763). Die Treueide sind mithin Ausfluss von (neuem) Herrscherethos und Selbstverständnis des fränkischen Königs und Kaisers, die den Herrscher über Adel und Untertanen herausheben. [Buhlmann, 08.2011]

Becher, Matthias (2009), Merowinger und Karolinger (= Geschichte kompakt. Mittelalter), Darmstadt 2009, 160 S., € 9,90. I. Merowinger: Die Anfänge der Merowingerdynastie lassen sich bei den Kleinkönigen als Anführer (duces) kriegerischer Gefolgschaften (Heerkönigtum) während der fränkischen "Landnahme" im römischen Reich (5./6. Jahrhundert) verorten (Könige Chlodio, Merowech, Childerich I.). Das Frankenreich entstand als Germanenreich auf dem Boden des römischen Gallien. Mit der fränkischen Großreichsbildung König Chlodwigs I. (482-511) und dessen Übertritt zum christlich-katholischen Glauben (496 oder 507/08) begann die Zeit der merowingischen Herrscherdynastie und damit eine Epoche des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter, die geprägt war durch ein erbliches, Teilungen unterworfenes Königtum an der Spitze eines römisch-germanischen Vielvölkerstaates christlich-barbarischer Prägung. Einer Phase der Expansion des Frankenreichs unter Chlodwig I. und den Chlodwigsöhnen Theuderich I. (511-533), Chlodomer (511-524), Childebert I. (511-567) und Chlothar I. (511-561) (Reich des Syagrius 486, Alemannen 496, Tolosanisches Westgotenreich 507, Thüringerreich 531, Burgunderreich 532/34, Provence 536/37) folgte die des "Bürgerkriegs" (bellum civile, 584-613) unter den Chlotharsöhnen und -enkeln, insbesondere zwischen Sigibert I. (561-575) und dem auch kulturell interessierten Chilperich I. (561-584) bzw. zwischen dem neustrischen König Chlothar II. (584-629) und der austroburgundischen Regentin Brunichilde (†613). Die Bürgerkriege beschleunigten dabei die Formierung der Teilreiche/Reichsteile Neustrien, Austrien und Burgund innerhalb des fränkischen Gesamtreichs. Daran änderten auch die Jahre der Reichseinheit (613-639) unter Chlothar II. (Pariser Reichsversammlung und -konzil, Edictum Chlotharii 614) und Dagobert I. (623/29-639) nicht viel, kam doch den Großen in den Reichsteilen eine immer größere Bedeutung zu (Hausmeier). Die Unmündigkeit der Dagobertsöhne Sigibert III. (639-656/57) und Chlodwig II. (639-656/57) verstärkte den Einfluss des Adels und der Großen auf die fränkische Politik (Hausmeier in Austrien, Regentschaft der Königin Nanthild [†642] in Neustrien). Mit dem Aufstieg der karolingischen Hausmeier in Austrien verstärkte sich der Gegensatz zwischen den Teilreichen Neustroburgund und Austrien ("Staatsstreich" Grimoalds 657/62?, Regentschaft der Königin Balthilde [†680/81] in Neustrien, Hausmeier Ebroin), der letzte regierungsfähige Merowingerkönig und Gesamtherrscher Childerich II. (673-675) wurde ermordet. Die Merowingerkönige danach waren - so will es die frühmittelalterliche Überlieferung - "Schattenkönige", sie hatten mit den politischen Kämpfen des ausgehenden 7. und der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts nichts zu tun. Sieger der Auseinandersetzungen um die Macht im Frankenreich war der karolingische Hausmeier und princeps Pippin der Mittlere (†714; Schlacht bei Tertry 687); Pippins Enkel Pippin der Jüngere (741/51-768) sollte den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) absetzen und selber König werden (751). Auf die Merowinger folgten die Karolinger als Herrscher im Frankenreich. II. Karolinger: Der Aufstieg der Adelsfamilie der Karolinger vollzog sich im Rahmen des merowingischen Frankenreichs seit dem 7. Jahrhundert, zunächst mit dem Auftreten der Arnulfinger-Pippiniden (-Karolinger) Arnulf, Bischof von Metz (614-629), und Pippin des Älteren, Hausmeier in Austrien (624/25-639), in der Regierungszeit der Merowingerkönige Chlothar II. (613-629) und Dagobert I. (623/29-639). Pippins Tochter Begga (†693?) und Arnulfs Sohn Ansegisel (†n.657) begründeten durch Heirat und Nachkommenschaft die Hausmeierdynastie der Arnulfinger, später nach Karl Martell (714-741) als Karolinger bezeichnet. Im Verlauf des endenden 6. und des 7. Jahrhunderts bildeten sich innerhalb des fränkischen Gesamtreiches die Teilreiche/Reichsteile Neustrien, Austrien und Burgund heraus; im 7. Jahrhundert gelang in Austrien trotz des Rückschlags des "Staatsstreichs" Grimoalds (657/62?) der Aufstieg der karolingischen Hausmeier. Vor dem Hintergrund der Merowingerkönige als "Schattenkönige" (n.675) setzte sich im "Kampf aller gegen alle" der karolingische Hausmeier und princeps Pippin der Mittlere (†714) als Sieger der Auseinandersetzungen um die Macht im Frankenreich durch (Schlacht bei Tertry 687). Pippins Sohn Karl Martell konnte sich in der "Sukzessionskrise" nach dem Tod des Vaters gegen Pippins Witwe Plectrudis und die Neustrier durchsetzen (714/18); er verfolgte eine offensive Politik gegen Alemannen, Friesen und Sachsen und besiegte ein islamisches Heer in der Schlacht bei Tours und Poitiers (732). Bei Karls Tod (741) wurde das Frankenreich unter dessen Söhne Pippin der Jüngere (741/51-768) und Karlmann (741-747) geteilt; nach der Abdankung Karlmanns (747) konnte Pippin den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) absetzen und mit Hilfe des Papsttums selber König werden (751). Auf die Merowinger folgten die Karolinger als Herrscher im Frankenreich (Einbeziehung Aquitaniens 760-768). Beim Tod des ersten Karolingerkönigs erfolgte wiederum eine Teilung des Frankenreichs, diesmal zwischen Karl (dem Großen, 768-814) und Karlmann (768-771). Nach dem frühen Tod Karlmanns (771) war Karl der Große Alleinherrscher und erweiterte das Frankenreich beträchtlich (Eroberung des Langobardenreiches 773/74; Eroberung Sachsens 772-804; Angliederung Bayerns 788) bei Ausformung eines christlichen Reiches und Erwerb des (römischen) Kaisertums (800). Der Rahmen der "karolingischen Renaissance" bot die Möglichkeit von Reformvorhaben (Schriftlichkeit, Admonitio generalis [789], Gesetzgebung und Kapitularien), die von Karls Sohn Ludwig dem Frommen (814-840) zunächst (Aachener Reichsversammlung 818/19) und unter Betonung der Reichseinheit (Ordinatio imperii 817) konsequent weiterverfolgte. Krisenerscheinungen im Frankenreich traten im Zusammenhang mit Normanneneinfällen und Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und seinen Söhnen auf. Im nach dem Tod des Kaisers ausbrechenden Bürgerkrieg setzten sich die jüngeren Söhne Ludwigs gegen ihren Bruder Kaiser Lothar (817-855), dem Verfechter der Reichseinheit, durch (Schlacht bei Fontenoy 841). Der Vertrag von Verdun (843) besiegelte die Teilung des Karolingerreiches in ein West-, Mittel- und Ostreich und damit das Ende aller Reichseinheitspläne. Lediglich zwischen 885 und 887 sollte noch einmal ein geeintes Reich unter Kaiser Karl III. (876-887/88) entstehen, während sich Westfranken unter Kaiser Karl II. dem Kahlen (840-877) und Ostfranken unter König Ludwig II. dem Deutschen (833/40-876) konsolidierten und das Mittelreich sich zergliederte (Teilung 855, Teilung Lotharingiens [Vertrag von Meersen] 870). Das Jahr 888 sah - bei fortschreitendem Aufstieg von Adligen und Großen als Mittelgewalten - die Ablösung der Karolinger im Westfrankenreich, Italien und Burgund. Mit Ludwig dem Kind (900-911) erlosch das karolingische Königtum im von den Ungarn heimgesuchten Ostfrankenreich (911), mit König Ludwig V. (986-987) im Westfrankenreich (987). West- und Osfrankenreich, Burgund und Italien verstanden sich bis ins 11. Jahrhundert hinein dennoch gemeinschaftlich als Nachfolgereiche des regnum Francorum.
Vgl. zu Merowingern und Karolingern noch: Hlawitschka, Eduard (1979), Studien zur Genealogie und Geschichte der Merowinger und der frühen Karolinger, in: RhVjbll 43 (1979), S.1-99. [Buhlmann, 09.2015]

Becher, Matthias (2011), Chlodwig I. Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der antiken Welt, München 2011, 330 S., € 24,95. Der Begründer des fränkisch-merowingischen Großreichs Chlodwig lässt sich - trotz (oder gerade wegen) der wenig ausreichenden Quellenlage (Gregor von Tours, zeitgenössische Briefwechsel) - (gut) einordnen in die Frühgeschichte fränkisch-römischen Mit- und Gegeneinanders ab dem 3. Jahrhundert n.Chr. (fränkische Ethnogenese am Niederrhein, Franken als Völkergruppe, Salier wohl nicht als gens zu verstehen, Franken in Gallien, Ende des weströmischen Reiches). Chlodwig (481/82-511) folgte seinem Vater Childerich (ca.461-481/82), dessen mit reicher Ausstattung (Waffen, Schmuck, römische und fränkische Beigaben) versehenes Grab 1653 in Tournai entdeckt wurde, im Königtum nach. Ihm gelang es, gegen den Widerstand eines Syagrius (486/87), der Alemannen (496/97) oder Westgoten (und Ostgoten) (507) und unter Beseitigung der fränkischen Kleinkönigreiche die Franken und weite Teile Nordgalliens einschließlich großer rechtsrheinischer Gebiete unter seiner Herrschaft zu vereinigen. Bedeutsam war Chlodwigs Übertritt zum katholischen Glauben 498 (?); private Gründe (Chlodwigs Ehefrau Chrodechilde) und auch das römische Umfeld, mit dem Chlodwig von jeher Kontakt hatte, begünstigten diesen Entschluss. Der Auslöser soll aber die Alemannenschlacht gewesen sein, bei der Chlodwig den Übertritt zum Christentum gelobte. Das Band zwischen Franken und katholischer Kirche und damit zur römisch-senatorischen Führungsschicht in Gallien war geknüpft. Die Römer/Romanen sollten in der Verwaltung des Reiches, bei der Fortführung des römischen Staatsapparates, eine Rolle spielen. Mit Chlodwig entstand also das (geeinte) fränkische Königtum der Merowinger, die bis 751 wenigstens formal herrschen sollten, und das fränkische Großreich, das in der Folgezeit fast den ganzen Raum des ehemals römischen Gallien und auch die gentes der Thüringer, Alemannen und Bayern vereinnahmte. An den Rand gedrängt wurden hingegen die fränkischen Kernräume der Spätantike und damit das Gebiet am und östlich des Niederrheins. [Buhlmann, 09.2011]

Becher, Matthias (2012), Otto der Große. Eine Biographie, München 2012 > O Otto I.

Becker-Huberti, Manfred (2000), Lexikon der Bräuche und Feste. Über 3000 Stichwörter mit Infos, Tipps und Hintergründe für das ganze Jahr, Freiburg-Basel-Wien 22001 > Z Zeit

Beda Venerabilis (*672/73-†735), angelsächsischer Mönch und Gelehrter: I. Beda Venerabilis ("der Ehrwürdige") verbrachte fast sein ganzes Leben im northumbrischen Kloster Jarrow (und [Monk-] Wearmouth). Wohl 679/80 wurde er der Mönchsgemeinschaft (als puer oblatus) übergeben. Von da an blieb er im Wesentlichen im Kloster Jarrow. Hier genoss er eine Erziehung und Ausbildung, hier wurde er Mönch und vermittelte in Lehre und Schrift sein reichhaltig erworbenes Wissen weiter an seine Schüler und Mitmönche. Beda sich fühlte dabei dem Klosterleben und den Klosterregeln aufs Engste verpflichtet. Mit 19 Jahren, also 691/92, wurde Beda Diakon, mit 30, also 702/03, Priester, beide Male ordiniert vom als heilig angesehenen Johann von Beverly (†721), dem Bischof von Hexham bzw. York. Wenn auch Beda hauptsächlich in der Abgeschlossenheit seines Klosters blieb, so sind immerhin zwei Reisen von ihm bezeugt; die eine ging nach Lindisfarne, die andere nach York zu Bischof Egbert (732-766), einem ehemaligen Schüler. II. In Jarrow muss Beda eine für seine Zeit hervorragende Ausbildung genossen haben. Er erlernte Latein und (teilweise) Griechisch, die heiligen Schriften, wohl auch Gesang, Dichtkunst, kirchliche Chronologie und Astronomie, vielleicht noch römisches Recht. Ausfluss seiner Bildung waren nicht zuletzt die vielen Schriften des Gelehrten. Dabei waren Gelehrsamkeit, Bildung und Wissen für Beda kein Selbstzweck, sondern immer eingebunden in ein christlich-biblisches Umfeld, in die "rechte Lehre" des christlichen Glaubens. Beda bemühte sich somit, die Grundlagen der lateinischen Sprache darzustellen. Rechtschreibung und Grammatik, Vers- und Dichtkunst machte er der christlichen Religion dienstbar. An seine Bibelstudien schloss Beda Betrachtungen zu Heiligen der Bibel, der frühen Kirche und der angelsächsischen Kirche an. Er verfasste ein Martyrologium (725/31), das in chronologischer Anordnung die Todestage sowie Ort und Umstände des Todes von Heiligen enthielt. Auch in seiner "Kirchengeschichte des englischen Volkes" (731) kommen vielfach Heilige und heiligmäßige Personen vor. Beda erarbeitete auch hagiografische Werke, allen voran die "Lebensbeschreibung des heiligen Cuthbert" (705/16), bei der er eine etwas ältere Cuthbert-Vita eines anonymen Verfassers in Versen und in Prosa umschrieb. Bedas Schrift über "Das Leben der seligen Äbte Benedikt, Ceolfried, Esterwin, Siegfried und Huwetbert" (n.716) handelt von den Äbten des Klosters Jarrow. Bedas gelehrte und belehrende Schriften über die lateinische Sprache ermöglichten einen sprachlichen Zugang zur Bibel. Ebenso wichtig waren aber für den northumbrischen Mönch die Wege, die die Betrachtung der Welt als Schöpfung Gottes mit sich brachten. Hier spielten Raum und Zeit eine wichtige Rolle, manifestierte sich doch in der Welt die ewige Heilsgeschichte. Damit waren auch die "naturwissenschaftlichen" Schriften Bedas der christlichen Religion untergeordnet und dienstbar. Einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt an die Bibel bot für Beda die Betrachtung der "heiligen Stätten" (702/03). Weiter schrieb Beda die kosmologische Lehrschrift "Über die Natur der Dinge" (ca.703) und darüber hinaus die Abhandlungen "Über die Zeit" (ca.703) und "Über die Zeitrechnung" (725). Die Nachwelt rezipierte den Mönch Beda als großen Gelehrten, ja sogar als Heiligen und Kirchenlehrer.
Zu Beda Venerabilis s. an Geschichtsquellen: The Age of Bede, übers. v. Webb (1986), Harmondsworth 1986, 288 S., DM 2,-; Beda der Ehrwürdige, Kirchengeschichte des englischen Volkes, hg. v. Günther Spitzbart (1982), 2 Tle., (= TzF 34), Darmstadt 1982, 582 S., DM 79,-; Bede, A Biblical Miscellany, übers. v. W. Trent Folley u. Arthur G. Holder (1999) (= TTH 28), Liverpool 1999, 240 S., $ 19,50; Bede, The Reckoning of Time, übers. v. Faith Willis (1999) (= TTH 29), Liverpool 1999, 352 S., $ 32,- , an Darstellungen: Buhlmann, Michael (2010), Beda Venerabilis, Suitbert und Kaiserswerth (= BGKw MA 11), Düsseldorf-Kaiserswerth 2010 > S Suitbert; Jones, Charles W. (1934), Polemius Silvius, Bede, and the Names of the Months, in: Speculum 9 (1934), S.50-56; Ward, Benedicta (1998), The Venerable Bede, London-New-York 1998, 156 S., ca. $ 32,-; Wormald, Patrick (2006), The Times of Bede. Studies in Early English Christian Society and its Historian, Oxford 2006, 310 S., £ 68,50. [Buhlmann, 09.2010, 07.2015]

Beinert, Wolfgang, Petri, Heinrich (Hg.) (1984), Handbuch der Marienkunde, Regensburg 1984 > M Maria (Heilige)

Beissel, Stephan (1890/92), Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland im Mittelalter (Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts. Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland während der zweiten Hälfte des Mittelalters), 1890, 1892, Nachdruck Darmstadt 1991 > H Heilige des Christentums

Beissel, Stephan (1909), Geschichte der Verehrung Marias in Deutschland während des Mittelalters. Ein Beitrag zur Religionswissenschaft und Kunstgeschichte, 1909, Nachdruck Darmstadt 1972 > M Maria (Heilige)

Die Beiträge zur Geschichte Werdens, hg. v. Michael Buhlmann, beleuchten verschiedene Aspekte der Geschichte von Kloster und Stadt (Essen-) Werden vorzugsweise im Mittelalter. Bisher sind erschienen: BGW 1 (2007): Buhlmann, Michael, Liudger an der Ruhr - Die Gründung des Klosters Werden, Essen 2007 > L Liudger; BGW 7 (2007): Buhlmann, Michael, Der heilige Luzius und die Werdener Luziuskirche, Essen 2007 > W > Werdener Kirchenlandschaft; BGW 8 (2008): Buhlmann, Michael, Suitbert, Liudger und die Missionierung Nordwesteuropas, Essen 2008 > L Liudger; BGW 9 (2008): Buhlmann, Michael, Das Münsteraner Büchlein über die Wunder des heiligen Liudger, Essen 2008 > L Liudger; BGW 11 (2012): Buhlmann, Michael, Hildigrim, Bruder des heiligen Liudger, Essen 2012 > H Hildigrim; BGW 15 (2014): Buhlmann, Michael, Konrad Gruter aus Werden - Technik im späten Mittelalter, Essen 2014 > L Lohrmann u.a., Konrad Gruter von Werden. [Buhlmann, 06.2014]

BeitrrGWerden = Beiträge zur Geschichte des Stifts Werden

Below, Georg (1893), Zur Geschichte von Gerresheim im 16. Jahrhundert, in: DJb 7 (1893), S.201-206 > G Gerresheim

Benedikt von Nursia, christlicher Heiliger, "Vater des benediktinischen Mönchtums": Benedikt von Nursia (*ca.480-†547), dessen Existenz in der neueren historischen Forschung teilweise umstritten ist, war laut seiner Lebensbeschreibung in den "Dialogen" Papst Gregors I. des Großen (590-604) der "Vater des abendländischen Mönchtums". Dieser Vita nach stammte Benedikt aus einer begüterten Familie im spätantiken Mittelitalien. Seine Konversion zum Eremiten erfolgte im Anschluss an einen Besuch der auf ihn abstoßend wirkenden Stadt Rom, der er Verzicht und Askese gegenüberstellte. Der heilige Mann erhielt bald viel Zulauf, so dass er in Montecassino eine klösterliche Gemeinschaft errichtete, deren Abt er wurde. Um das Jahr 529 schrieb Benedikt seine berühmte Mönchsregel auf, in die seine klösterlichen und spirituellen Erfahrungen einflossen. Dass Benedikts Leben von zahlreichen Wundern, Heilungen und Totenerweckungen begleitet war, versteht sich fast von selbst. Auch sah der Heilige seinen eigenen Tod voraus, der am 21. März 547 eintrat.
Zu Benedikt von Nursia s.: De Cloedt, Filips, Dammertz, Victor u.a. (1997), Benedictus - Symbol abendländischer Kultur, Darmstadt 1997, 477 S., Farb- und Schwarzweißabbildungen, DM 49,80; Salzburger Äbtekonferenz (Hg.) (1990), Die Regel des heiligen Benedikt, Beuron 41990, 152 S., DM 14,80. [Buhlmann, 11.2004, 05.2015]

Bengtson, Hermann (1977), Marcus Antonius. Triumvir und Herrscher des Orients, München 1977 > G Gestalten der Antike

Benker, Gertrud (1980), Ludwig der Bayer (1282-1347). Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron, München 1980 > L Ludwig der Bayer

Bentheim-Tecklenburg, Moritz Graf zu (1955), Stift Essen. Die große Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena (um 1220) (= Veröffentlichungen aus dem fürstlichen Archiv zu Rheda), Rheda 1955, 22 Bl., DM 5,30 > Lateinische Literatur > V Vogteirollen des Grafen Friedrich von Isenberg

Berchthold von Bombach, Das Leben der heiligen Luitgard von Wittichen (1291-1348). Die Heilige des Mutterschosses, hg. v. Arnold Guillet (1976), Stein am Rhein 1976, 160 S., € 4,90. Luitgard von Wittichen (*ca.1292-†1349) - so ihr Beichtvater und Pfarrer Berchthold von Bombach in seiner auf Alemmanisch verfassten Heiligenbeschreibung - war eine fromme Bauerntochter, die zunächst bei Oberwolfach das tugendhafte Leben einer Klausnerin führte. Zwischen 1323 und 1330 entstand als Gründung der Luitgard und mit Unterstützung der Herzöge von Teck und der Grafen von Geroldseck das Frauenkloster Wittichen. Auf Geroldsecker Besitz unterhalb der Burg Wittichenstein und bevogtet von den Grafen, entwickelte sich nach schwierigen Anfängen (Brand des Klosters 1327, Weihe der Klosterkirche 1330) eine Frauengemeinschaft mit letztlich umfangreichem Klosterbesitz in Wittichen und Kaltbrunn. Nach dem Tod Luitgards wurde das Kloster Wittichen Ziel von Wallfahrten, Ort von Wundern. Der ins Neuhochdeutsche übertragenen Lebensbeschreibung Luitgards geht eine christlich-fundamental-polemische Einleitung voraus. [Buhlmann, 11.2012]

Berg, Grafen von, am Niederrhein: I. Die Anfänge der Grafen von Berg reichen mindestens bis ans Ende des 11. Jahrhunderts zurück. Bezeugt sind ein Adolf (I.) von Berg (1079-1106), dem ein weiterer Adolf (II., 1115-1161/63) folgte. Adolf II. beteiligte sich am (Zweiten) Kreuzzug (1147-1149) König Konrads III. (1138-1152). Anlässlich des Eintritts Adolfs in das u.a. von ihm 1133 gegründete Hauskloster Altenberg (1161/63) ist es dann zur bergischen Erbteilung zwischen den Söhnen Eberhard I. von Altena (1161/63-1180) und Engelbert I. von Berg (1165-1189) gekommen. Die Grafen von Berg hatten nach dem Ende der Duisburg-Kaiserswerther Amtsgrafschaft nach der Mitte des 12. Jahrhunderts wichtige Positionen im Gebiet zwischen Ruhr und Wupper besetzen können. Große Teile der ehemaligen Grafschaft wurden damals bergisch, ebenso die Kirchenvogteien von Kaiserswerth und Gerresheim. Dabei standen die Berger mal in Übereinstimmung, mal in Konkurrenz zu den Kölner Erzbischöfen, den mächtigsten Territorialfürsten am Niederrhein. Gerade die nach Köln inkorporierte Ratinger Pfarrkirche und die von Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191) erworbenen Kölner Stützpunkte im Niederbergischen müssen hierbei Beachtung finden. Solange allerdings Kölner Erzbischöfe Berger oder Verwandte der Berger waren, blieben Konfrontationen aus. Vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts kam Angermund als erzbischöfliches Lehen an die Grafen von Berg und erscheint 1247 als ein Verwaltungsmittelpunkt der sich ausformenden bergischen Landesherrschaft nördlich der Wupper (späteres Amt Angermund). Graf Adolf III. (1189-1218) unterstützte im deutschen Thronstreit die Politik seines Verwandten, des Kölner Erzbischofs Adolf I. von Altena (1193-1205, 1212-1216), der zunächst auf der Seite des welfischen Königs Otto IV. (1198-1218), dann auf staufischer Seite stand. Für den staufischen König Friedrich II. (1212-1250) belagerte Graf Adolf III. 1215 die Kaisers-werther Pfalz bis zur Übergabe. Sicher festigten solche Aktionen weiter den bergischen Einfluss nördlich der Wupper, zumal mit Erzbischof Engelbert I. (1216-1225) nochmals und zum letzten Mal ein bergischer Erzbischof die Geschicke am Niederrhein bestimmte. Mit der Ermordung Engelberts (1225), der auch die Grafschaft Berg beherrschte, erlosch die ältere Linie der Berger; Herzog Heinrich IV. von Limburg (1225/26-1247), der Schwiegersohn Graf Adolfs III. von Berg, übernahm nun die Herrschaft im Bergischen. II. Graf Adolf IV. von Berg (1247-1259), dem Nachfolger Heinrichs vom Limburg, gelang 1248 der Erwerb der Königshöfe Mettmann und Rath; unter Adolf V. (1259-1296) wurden Ratingen (1276) und Düsseldorf (1288) zu Städten erhoben, Düsseldorf dabei in der Folge der Schlacht von Worringen (1288), die bekanntlich mit der Niederlage des Kölner Erzbischofs Siegfried von Westerburg (1275-1297) endete. Die limburgische Linie der Grafen von Berg starb mit Adolf VI. (1308-1348) aus. Dessen Nichte, Gräfin Margarethe von Ravensberg, verheiratet mit Graf Gerhard I. von Jülich (1348-1360), erbte die Grafschaft Berg (1348), so dass von nun an Berg mit dem ostwestfälischen Territorium Ravensberg (um Bielefeld) verbunden war. Die Grafen Gerhard I. und Wilhelm II. von Jülich-Berg (1360-1408) konnten das bergische Territorium durch Erwerb der Herrschaften Hardenberg (1355) und Blankenberg (1363) erfolgreich erweitern. Im Jahr 1380 wurde aus der Grafschaft Berg ein Herzogtum und Reichslehen. Dynastischen Umständen verdankte es sich zudem, dass seit 1423 die Herzogtümer Jülich und Berg erbrechtlich vereinigt waren. Am Ende des Mittelalters entstanden nach dem Tod des letzten jülich-bergischen Herzogs Wilhelm IV. (1475-1511) die "Vereinigten Herzogtümer" von Jülich-Berg und Kleve-Mark, seit 1521 unter Johann dem Friedfertigen (1490/1511/21-1539) aus der altbergischen Seitenlinie der Grafen von der Mark. Die "Vereinigten Herzogtümer" gingen mit dem Aussterben der märkischen Linie (1609) und dem jülich-klevischen Erbfolgekrieg unter; die Herzogtümer Jülich und Berg kamen an die Wittelsbacher vom Haus Pfalz-Neuburg. III. Die Grafschaft bzw. das Herzogtum Berg durchlief im späten Mittelalter eine Entwicklung hin zur Landesherrschaft. Das zeigt sich u.a. an der entstehenden Ämterverfassung, die bis etwa 1360 in der Kernzone der Grafschaft ausgebildet war. U.a. war das Westniederbergische im Amt Angermund organisiert, daneben gab es die Ämter Mettmann, Solingen, Monheim oder Bensberg. In der für die Herrschaftsausübung so wichtigen Gerichtsverfassung spielte das Hauptgericht Kreuzberg (unmittelbar östlich von Kaiserswerth) als ehemaliges Grafengericht der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft eine wichtige Rolle (Rechtsbuch des bergischen Gerichtswesens, 14. Jahrhundert). Die bergischen Grafen bzw. Herzöge verfügten über eine Reihe von (landesherrlichen) Regalien wie das Bergregal (Silberabbau in Wildberg und Eckenhagen) oder das Münzrecht (Münzstätten Wipperfürth, Mülheim am Rhein und Ratingen; Turnosenprägung des 14., Hellerprägung des 15. Jahrhunderts).
An Literatur zu den Grafen von Berg sei genannt: Kraus, Thomas R. (1980), Die Entstehung der Landesherrschaft der Grafen von Berg bis zum Jahre 1225 (= Bergische Forschungen, Bd.16), Neustadt a.d. Aisch 1980, 165 S., DM 20,-; Lück, Dieter (1993), Zur Geschichte der Grafen von Berg bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, in: Ratinger Forum 3 (1993), S.5-18; Melchers, B. (1912), Die ältesten Grafen von Berg bis zu ihrem Aussterben 1225, in: ZBGV 45 (1912), S.5-105; Schmale, Franz-Josef (1974), Die Anfänge der Grafen von Berg, in: Geschichte in der Gesellschaft. Festschrift Karl Bosl, hg. v. Friedrich Prinz, Franz-Josef Schmale, Ferdinand Seibt, Stuttgart 1974, S.370-392. Ein frühneuzeitliches Kartenwerk zum Herzogtum Berg stellt dar: Ploennies, Erich Philipp, Topographia Ducatus Montani (1715), hg. von Burkhard Dietz (1988), Tl.1: Landesbeschreibung und Ansichten, Tl.2: Karten (= Bergische Forschungen, Bd.16), Neustadt/Aisch 1988, XLIV, 127 S., Abbildungen, 23 Karten in Mappe, DM 20,-. [Buhlmann, 10.2002, 06.2015]

Berg, Dieter (2007), Richard Löwenherz (= GMR), Darmstadt 2007, 384 S., € 29,90. König Richard I. Löwenherz (1189-1199), 1157 geboren als Sohn des englisch-angevinischen Königs Heinrich II. (1154-1189) und der Eleonore von Aquitanien (†1204), wurde der Nachfolger des Vaters, nahm am 3. Kreuzzug (1189-1192) teil und wurde auf der Rückreise in sein Reich zum Gefangenen des österreichischen Herzogs Leopold V. (1177-1194). Zunächst in Dürnstein inhaftiert, übergab man Richard Kaiser Heinrich VI., der den englischen König u.a. auf dem Trifels gefangen hielt. Gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes und durch politische Konzessionen kam Richard 1194 wieder frei. Er wurde im englisch-französischen Krieg bei einer Belagerung tödlich verwundet (1199). Die ritterlich-kämpferische Lebensweise Richards trug schon bald zur Legendenbildung um den "heldenhaften" König bei. Der Entstehungsbeginn der Robin Hood-Legende kann bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden, die Legende um den fahrenden Sänger Blondel (*ca.1155) entwickelte sich ab ca.1260. [Buhlmann, 09.2009]

Bergdolt, Klaus (1994), Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters, München 1994 > S Slack, Pest

Bergdolt, Klaus (2006), Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes (= BSR 2411), München 2006 > S Slack, Pest

Bergengruen, Alexander (1958), Adel und Grundherrschaft im Merowingerreich. Siedlungs- und standesgeschichtliche Studien zu den Anfängen des fränkischen Adels in Nordfrankreich und Belgien (= VSWG Beih.41), Wiesbaden 1958, 219 S., Karten, DM 58,-. Auf der Basis merowingerzeitlicher Heiligenviten, der wenigen Urkunden und Formelsammlungen sowie (angeblicher) merowingischer Testamente (Testamentum Dagoberti) soll der beispielhaft untersuchte fränkische Besitz in Meaux und Paris Aufschluss geben über die Rolle des fränkischen Adels bei der "Landnahme" (5./6. Jahrhundert), über den (nur) fränkischen Amtsadel als Gefolgschaft des Königs und die Entstehung der adligen Grundherrschaften aus dem (ehemals römischen) Fiskalbesitz des Merowingerherrschers ("grundbesitzender Ämteradel"). Dass dies nicht gelingt zeigen: Brühl, Carlrichard, [Rezension], in: BJbb 161 (1961), S.524-528; Claude, Dietrich, [Rezension], in: WF 152 (1962), S.195-198. [Buhlmann, 07.1988, 04.2008]

Berger, Klaus (2002), Paulus (= BSR 2197), München 2002 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

Berggren, J. L[ennart] (1986), Episodes in the Mathematics or Medieval Islam, New York 2003, XIV, 197 S., € 26,74; Berggren, J. Lennart (1986), Mathematik im mittelalterlichen Islam, Heidelberg 2011, 219 S., € 29,95. Die islamische Mathematik des Mittelalters (7.-15. Jahrhundert) basierte auf dem mathematischen Wissen der griechischen Antike und Indiens und entwickelte das u.a. durch Übersetzung ins Arabische Überlieferte weiter fort. Als die islamische Mathematik prägende Gelehrte sind zu nennen: al-Khwarizmi (9. Jahrhundert, 1. Hälfte), al-Biruni (*973-†n.1053), Ulmar al-Khayyani (*1048-†ca.1131), al-Kashi (†1429). Die islamische Mathematik (unter Einschluss von Geografie und Astronomie) beschäftigte sich mit Arithmetik ([indisches] dezimales Stellenwertsystem mit Null und Ziffern, Entdeckung der Dezimalbrüche, Sexagesimalsystem, Wurzeln), Geometrie ([griechische] Grundlagen von Euklid und Archimedes, auch betreffend die Kegelschnitte, Sieben- und Neuneckkonstruktion), Algebra (von arabisch al-jabr, Beziehungen zu Geometrie und Arithmetik, Lösen von quadratischen und kubischen Gleichungen), Trigonometrie (antike und islamische [Sehnen-, Sinus-] Tafeln [Interpolation von Sinuswerten], Definition der trigonometrischen Funktionen, Additionstheoreme, Sinussatz), Sphärik (als sphärische Trigonometrie, [griechische] Sphärik, stereografische Projektion und Astrolabium, Zeitmessung). Dabei diente die Mathematik u.a. der Lösung konkreter Fragestellung in Islam und muslimischer Gesellschaft: Erbteilung, geometrische Konstruktionen in Kunst und Architektur, Gebetsrichtung (nach Mekka). [Buhlmann, 07.2011]

Berghaus, Günter, Schilp, Thomas, Schlagheck, Michael (Hg.) (2000), Herrschaft, Bildung und Gebet. Gründung und Anfänge des Frauenstifts Essen, Essen 2000 > E Essener Frauenstift

Bergjan, Silke-Petra, Näf, Beat ([2013]), Märtyrerverehrung im frühen Christentum. Zeugnisse und kulturelle Wirkungsweisen, Stuttgart o.J. [2013], 208 S., Schwarzweißabbildungen, Pläne, € 29,90. Der Totenkult ist ein wichtiger Bestandteil menschlicher Kulturen. Ausfluss von antikem Totenkult im nachchristlichen Imperium Romanum ist die Märtyrerverehrung in der sich entwickelnden christlichen Religion. Dabei gelangen antike Aussagen zur Märtyrerverehrung nur gefiltert durch damalige Bildung und damaliges Christentum zur Nachwelt. (Hagiografische) Überlieferung etwa in Form des Neuen Testaments, von Märtyrerakten, Passionen, Apologetik und Lebensbeschreibungen lassen die Bedeutung der frühchristlichen Märtyrer in den sich entfaltenden Bereichen Liturgie, Kirchenjahr, Reliquienkult, Sakralbauten, Patrozinien, christliche Topografie erkennen. Dabei speiste sich der christliche Märtyrerkult auch aus jüdischen und hellenistischen Wurzeln (Propheten, Makkabäermartyrer). Das Christentum war (neben dem Judentum) zunächst nur eine religiöse Minderheit und Verfolgungen durch den römischen Staat ausgesetzt (christlicher Widerstand, Kaiserkult). Opfer der Verfolgungen waren die Märtyrer, deren Vorbildlichkeit in der Nachfolge Christi alsbald beispielhaft wurde (Erinnerung und deren Kanonisierung im Christentum, Gemeinschaft der Lebenden und der Toten). Christliche Märtyrerverehrung war insbesondere ein städtisches Phänomen (Märtyrergräber; Jerusalem, Smyrna [Bischof Polykarp (und dessen frühestes bezeugtes Martyrium)], Antiochia, Lyon [Bischof Pothinus, Diakon Sanktus], Karthago [scillitanische Märtyrer, Bischof Cyprian], Rom [Apostel Petrus und Paulus, Laurentius, Agnes, Hippolyt], Mailand). Neben die Fürsprecher der Märtyrerverehrung (Tertullian, Origines) gab es - auch vor dem Hintergrund der konstantinischen Wende und eines christlichen Imperium Romanum - diejenigen (Augustinus), die Einwände gegen die Märtyrerverehrung und deren Auswüchse hatten (Martyriumsinterpretationen, "rechtgläubige" Märtyrerverehrung, heidnische und christliche spectacula). Das Martyrium, ursprünglich als "Blutzeugnis", wurde zunehmend auch mit conversio und confessio in Verbindung gebracht, mit Askese und caritas (als Zeugnisse des Glaubens). Die Erinnerung an die Märtyrer (christliche Geschichtsschreibung [Eusebius]), der Märtyrerkult machte mit aus die Attraktivität der christlichen Religion (christliche Sozialisation). [Buhlmann, 03.2014]

Bergmann, Hans-Walter ([2006]), Der Löwe von Calw. Pfalzgraf Gottfried, des Kaisers Stellvertreter, Norderstedt o.J. [2006] > C Calw, Grafen von

Bergmann, Werner (1985), Innovationen im Quadrivium des 10. und 11. Jahrhunderts. Studien zur Einführung von Astrolab und Abakus im lateinischen Mittelalter (= Sudhoffs Archiv, Beiheft 26), Stuttgart 1985 > G Gerbert von Aurillac

Berndt, Rainer (Hg.) (2005), Schrift, Schreiber, Schenker. Studien zur Abtei Sankt Viktor in Paris und den Viktorinern (= Corpus Victorinum. Instrumenta, Bd.1), Berlin 2005 > C Corpus Victorinum

Bernhardt, Walter (1984), Esslingen im Früh- und Hochmittelalter. Gedanken zur Geschichte und Topographie, in: EsslSt 23 (1984), S.7-44 > E Esslingen

Bernhardt, Walter (1990), Wann erfolgte die Erhebung Esslingens zur Stadt?, in: EsslSt 29 (1990), S.1-16 > E Esslingen

Bernoulli, Carl Albrecht (1900), Die Heiligen der Merowinger, 1900, Nachdruck Hildesheim-New York 1981, 336 S., € 24,80. Zahlreiche christliche Heilige bevölkern die Geschichte des Frankenreichs der merowingischen Könige (5./6.-8. Jahrhundert, Mitte). Da ist zunächst zu berichten von den römerzeitlich-"völkerwanderungszeitlichen" Heiligen Martin von Tours (Sulpicius Severus; Martin als Heiliger der Merowingerkönige), Severin von Noricum (Eugippius), Fulgentius von Ruspe und Cäsarius von Arles. Panegyrische "Heiligenforschung" ist dann zu finden bei Venantius Fortunatus (Martin, Radegunde [Radegundevita der Baudonivia]) und beim Historiografen Gregor von Tours (Martin, gallische Heilige); im 7. Jahrhundert finden sich die Heiligenleben des Columban, Leodegar von Autun, Eligius von Noyon oder des Amandus. Östliche Heilige der Merowingerzeit waren Christopherus, Georg, Siebenschläfer u.a., Heilige aus dem fränkischen Raum Dionysius von Paris, Genoveva von Paris, Mauritius, Verena von Zurzach sowie der englische König Oswald. Die Heiligenverehrung äußerte sich nicht zuletzt in der Bedeutung des Heiligengrabes (Martinsgrab als Reichsheiligtum) und der Reliquien (Reliquien von außerhalb des Frankenreichs) im Kult, in Heiligenerscheinung, Wundern und Glauben. [Buhlmann, 05.2015]

 Bernward von Hildesheim, Bischof, Heiliger: Um 960 geboren, aus adlig-pfalzgräflicher sächsischer Familie stammend, war Bernward für eine geistliche Laufbahn bestimmt. Seine Ausbildung erhielt Bernward an der Hildesheimer Domschule, wurde vor 977 Schreiber in der königlichen Kanzlei Kaiser Ottos II. (973-983) und nach 983 als Geistlicher Lehrer des unmündigen Königs Otto III. (983-1002). Zudem wurde Bernward Mitglied der Hofkapelle des Königs, der ihn 993 zum Bischof Hildesheim (993-1022) machte. Als Reichsbischof innerhalb der ottonischen Reichskirche entfaltete der Geistliche vielfältige Aktivitäten. In Hildesheim (Bennopolis als "Bernwardsstadt", 1019) ließ er die Domburg neu ummauern, stiftete zu seinem Gedächtnis das Benediktinerkloster mit der Michaelskirche (1010/19) und stattete im Namen Gottes seinen Bischofssitz mit bedeutenden Kunstwerken aus (Bronzeportal des Doms, Bernwardsäule u.a.). Streitigkeiten um die Zugehörigkeit der Frauengemeinschaft Gandersheim wurden unter König Heinrich II. (1002-1024) durch Kompromiss gelöst (1007). Der Bischof engagierte sich auch in Angelegenheiten des ostfränkisch-deutschen Reiches und war in diplomatischen Missionen unterwegs (z.B. Frankreich, Tours 1007). Bernward starb am 20. November 1022 und wurde in seiner Stiftung St. Michael begraben. 1192 wurde der Hildesheimer Bischof heilig gesprochen, eine Vita Bernwardi episcopi des Bernwardlehrers Thangmar wurde bis in die Zeit der Heiligsprechung komplettiert und war auch Grundlage der auf Deutsch verfassten "Gründlichen Nachricht von dem Leben und Tode [und Wundern] des Heiligen Bernwards" von 1767.
Vgl.: Bünz, Enno, Bajorath, Karl-Heinz (Hg.) (1993), Gründliche Nachricht von dem Leben und Tode des Heiligen Bernwards. Nachdruck der Ausgabe Hildesheim 1767 (= Religion in der Geschichte. Kirche, Kultur und Gesellschaft, Bd.1), Bielefeld 1993, 346 S., Schwarzweißtafeln, DM 35,-; Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen (= Ausstellungskatalog), hg. v. Michael Brandt u. Arne Eggebrecht (1993), Bd.1, Mainz 1993, 524 S., Abbildungen, Karten, Bd.2, Mainz 1993, 645 S., Abbildungen, zus. DM 89,-. [Buhlmann, 08.1993, 11.2016]

Berschin, Walter (Hg.) (1991), Frühe Kultur in Säckingen. Studien zu Literatur, Kunst und Geschichte, Sigmaringen 1991, 198 S., € 9,50. Die mittelalterliche Frauengemeinschaft in Säckingen, auf einer Rheininsel im Hochrhein gelegen, führte sich auf den irischen Mönch und Heiligen Fridolin (†n.700?) zurück, der die geistliche Kommunität als Missionszelle (?) im 7. Jahrhundert (?) gründete und dort auch begraben liegt. In der Karolingerzeit stellte sich die Frauengemeinschaft als eine dem ostfränkischen Königtum unterstellte Institution dar, für die Mitte des 10. Jahrhunderts ist eine Liste der Säckinger Klosterfrauen (sorores) überliefert, die die Frauengemeinschaft unter der Leitung einer praeposita Irmingard sieht. Im späten Mittelalter besaß das "Adelsfrauenkloster" Grundbesitz auch im südlichen Schwarzwald (Rickenbach, Zell im Wiesental), 1307 erhielt die Säckinger Äbtissin den Status einer Reichsfürstin, Vögte waren im 12. Jahrhundert die Grafen von Lenzburg, ab 1173 die Habsburger. Baulicher Mittelpunkt des Stifts war das Fridolinsmünster mit seiner Winkelgangkrypta aus der Zeit um 825. 1806 wurde die Frauengemeinschaft säkularisiert und aufgehoben, Säckingen wurde badisch. [Buhlmann, 08.2008]

Bertsche, Paul (1988), Grenzen und Grenzsteine um die Mark Möhringen, in: TutHbll NF 51 (1988), S.94-103. Bis ins Mittelalter zurückverfolgend, lassen sich Grenzen, in der frühen Neuzeit zudem Grenzsteine der Mark der Orte Möhringen und Tuttlingen auf der Baar nachweisen. Ausgangspunkt von Grenzbesichtigungen und Grenzziehungen war dabei das "stainin creiz" (Lohen-, Lachenstein) auf dem Windegg (Witthoh) am "Hochgesträß". Grenzziehungen und -besichtigungen sind dann etwa für die Jahre 1504, 1512, 1712, 1717, 1778, 1781, 1811, 1813 oder 1840 bezeugt; Grenzsteine stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, u.a. ein Grenzstein der den Ort markierte, an dem die Grafschaften Fürstenberg, Nellenburg und Hohenberg zusammentrafen. [Buhlmann, 04.2013]

Berweck, Wolfgang (1963), Das Heilig-Geist-Spital zu Villingen im Schwarzwald von der Gründung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Verfassung und Verwaltung (= Schriftenreihe der Stadt Villingen), Villingen [1963], 123 S., 7 Taf., DM 40,-. Das Heilig-Geist-Spital in Villingen (auf der Baar, im Schwarzwald), an der Rietstraße gelegen, war wohl 1284/86 gegründet worden. Stifterin der Institution war Agnes von Fürstenberg, die Witwe des kurz zuvor verstorbenen Grafen Heinrich I. von Fürstenberg (ca.1245-1284). Der Stadt gelang es alsbald und weitgehend bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, die fürstenbergische Stifterfamilie aus ihrer Position zu verdrängen und die "Verbürgerlichung" des Spitals einzuleiten. Zu 1294 ist erstmals ein eigenes Spitalsiegel bezeugt, zum Jahr 1308 erstmals (drei) Spitalpfleger. Diese standen der nunmehr städtisch geprägten Spitalverwaltung (mit dem Spitalmeister und dem Dienstpersonal sowie dem Spitalkaplan) vor und waren in vielen Rechtsgeschäften vom Villinger Rat abhängig, der somit eine wirksame Kontrolle über das Spital ausübte. Nicht zuletzt beweisen dies das Villinger Stadtrecht von 1371 und die Spitalordnung von 1502. Das Spital kümmerte sich von Anfang an um (im Spital lebende) Alte und Kranke aus Villingen, die umsorgt werden sollten; auch arme Leute wurden mit Brotspenden versorgt. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert beherbergte das Spital auch Waisenkinder. Pfründner wurden in Einzelzimmern im oberen Stockwerk untergebracht, die Mittellosen in der "unteren Stube". Für seine karitativen Tätigkeiten benötigte das Spital Unterstützung. Dies geschah durch Stiftungen und Pfründverträge; das Spital erwarb so Großgrundbesitz, vielfach in der Nähe Villingens, und wurde zum Lehns- und Zehntherrn. [Buhlmann, 12.2011]

Bethge, Oskar (1928), Über "Bifänge", in: VSWG 20 (1928), S.139-165. Der Bifang, lateinisch comprehensio, war im frühen Mittelalter ein durch eine oder mehrere Personen angeeignetes Stück Land, zumeist "ausgeschnitten" aus dem Ödland (eremus), gelegen im Übergang von besiedeltem zu unbesiedeltem Land. Die Lage der Bifänge macht deutlich: Der Bifang ist Resultat einer Okkupation, einer Beschlagnahme von herrenlosem Grund und Boden, ist originärer, eigenmächtiger und rechtlicher Erwerb solch eines "eingefangenen", mit Grenzen und Lachen versehenen Landstücks. Diese "Ausscheidung" aus der allgemeinen Mark begründet das Recht der Kultivierung und Rodung des umfangenen Bodens und die Abgrenzung des Bifangs gegenüber den anderen, die Wald und Ödland nutzen. Das Recht am Bifang ist vererbbar (comprehensio in hereditate), man kann den Bifang verschenken oder verkaufen. Das "Bifangen" ist abhängig von den Beziehungen des Land Ausscheidenden zu seinen Umwohnern, vom Verhältnis von schon besiedeltem zu unbesiedeltem Land. Letzteres bedeutete eine zunehmende Reglementierung von "Bifangen" und Rodung bei abnehmender Verfügbarkeit von Wald und Ödland, nicht generell, aber z.B. bezogen auf die Umgebung einer Siedlung. Und so finden sich die comprehensiones nur in frühmittelalterlichen Zusammenhängen. Später war die Mark eingeschränkt, durch Rodungen und neue Siedlungen in der Nachbarschaft, durch Grundherrschaften und Einforstung. Nachbarn, Freunde und Verwandte waren also diejenigen, mit denen Rodungen zu vereinbaren und durchzuführen waren - eine Grundlage von dem, was später Mark und Markgenossenschaft ausmachen sollte. Doch gab es sicher in späterer Zeit auch die freie Okkupation in siedlungsfernen Räumen. Vgl. dazu noch: Hoederath, Hans Theodor (1951), Hufe, Manse und Mark in den Quellen der Großgrundherrschaft Werden am Ausgang der Karolingerzeit, in: ZRG GA 68 (1951), S.211-231. [Buhlmann, 2002-2004, 10.2015]

Bette, Ludwig (1922/24), Die Abtei Werden und das Vest Recklinghausen, in: VZ 31 (1922/24), S.1-81 > W Werden

Bettecken, Winfried (1988), Stift und Stadt Essen. "Coenobium Astnide" und Siedlungsentwicklung bis 1244 (= QuS 2), Münster 1988 > E Essen im Mittelalter

Bettecken, Winfried (1989), Von der Stiftsmauer zur Stadtmauer. Zur Siedlungsentwicklung in Essen bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, in: MaH 43 (1989), S.33-61 > E Essen im Mittelalter

Beuckers, Klaus Gereon (Hg.) (2010), Das Rituale des frühen 13. Jahrhunderts aus der Abtei Neuweiler (= Die Kirchen von Neuweiler im Elsass, Bd.2), Köln 2010, 134 S., Schwarzweißabbildungen, Pläne, € 9,80. Die um 720 gegründete Abtei St. Peter und Paul im elsässischen Neuweiler (Neuwiller-lès-Saverne) beeindruckt noch heute durch den romanischen, bis ins vorromanische 9. Jahrhundert (Konfessio unterhalb des Hochchors) zurückgehenden Bau der Klosterkirche. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts wurde eine zweigeschossige, salierzeitliche (Katharinen-, Sebastians-) Doppelkapelle erbaut; das Gotteshaus insgesamt wurde im 12. Jahrhundert vom Ostchor her über das Querschiff mit seinen Turmuntergeschosskapellen weitgehend neu gestaltet, wobei ein Brand des Klosters (1177) den Abschluss der Bauarbeiten verzögerte, so dass Querhaus und östliches Doppeljoch des Langhauses, was Obergeschosse und Einwölbung anbetraf, erst um 1210/20 fertig gestellt wurden, der Rest des Langhauses erst um 1260. Der soweit aber im frühen 13. Jahrhundert benutzbare Kirchenbau war die architektonische Voraussetzung für das damals in der Abtei Neuweiler angefertigte (St. Adelphus-Tradition) Rituale, einer nicht ganz vollständig überlieferten liturgischen Schrift, die liturgische Texte (Antiphonen, Responorien, Gebete, Lesungen) und priesterliche Handlungen im Verlauf des Kirchenjahres (ab Mariä Lichtmess) enthält, weiter Texte zur Mönchsprofess, zu Weihen und Salbung, zur Gebetsverbrüderung. Das Rituale mit seiner "Liturgie im Raum" geht mit der Nennung von Kirchenaltären (Adelphus, Clemens, Georg, Gregor, Laurentius, Silvester, Stephanus, Vincentius) und Kapellen (Nikolauskapelle, nördlich der Abteikirche gelegen) konform mit der damaligen Sakraltopografie, die Architektur "antwortet" den Umzügen im Kirchenraum und Prozessionen (Psalmsonntagsprozession, Osterliturgie) durch ihre Elemente wie Taufbecken (um 1200) oder Tympanon des Nordportals (ca.1200/20). > Lateinische Literatur > N Neuweiler [Buhlmann, 03.2015]

Beumann, Helmut, Büttner, Heinrich (1962), Das Kaisertum Ottos des Großen, Konstanz 1962 > O Otto I.

Beutelspacher, Albrecht (2013), Zahlen. Geschichte, Gesetze, Geheimnisse (= BSR 2751), München 2013, 112 S., € 8,95. I. Natürliche Zahlen: Ein intuitiver Zahlensinn ist dem Menschen und einigen Tierarten angeboren. Das Zählen beim Menschen reicht bis in die Steinzeit zurück (30.000 Jahre alte Zahlendarstellungen als Kerben auf Knochen, 20.000 Jahre alte Darstellung von Primzahlen), Zahlsysteme mit brauchbaren Darstellungen von (großen Zahlen) sind ab 2000 v.Chr. in menschlichen Kulturen nachweisbar. Die griechische Naturphilosophie des 7. und 6. Jahrhunderts v.Chr. verband erstmals Zahlen und Zählen mit mathematischer Abstraktion (Definitionen, Beweise, mathematische Sätze); als Eigenschaften von natürlichen Zahlen wurden gerade und ungerade Zahlen, Rechteckzahlen und Primzahlen sowie die Unendlichkeit von Zahlen(reihen) mathematisch erfasst (Thales von Milet [*ca.624-†ca.546 v.chr.], Pythagoras [*ca.570-†ca.510 v.Chr.]). Die Elemente des Euklid (ca.300 v.Chr.) geben einen Beweis für die unendliche Anzahl der Primzahlen, der deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß (*1777-†1855) stellte Vermutung über die prozentuale Verteilung von Primzahlen an. Ausgehend vom Satz des Pythagoras, löste der Mathematiker Diophantes von Alexandrien (ca.250 n.Chr.) das Geheimnis um die pythagoräischen Zahlentripel natürlicher Zahlen, während der französische Mathematiker Pierre de Fermat (*1607-†1665) um 1637 die erst 1993 bewiesene Fermat'sche Vermutung aussprach, dass Gleichungen vom Typ an+bn = cn für n>2 keine Lösungen haben, die natürliche Zahlen sind. Der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler (*1707-†1783) schuf mit einem Satz über die Endziffern von Potenzen natürlicher Zahlen die Grundlagen die Grundlage für die moderne Kryptografie (RSA-Algorithmus). Mathematisch gesehen sind natürliche Zahlen damit "gezählte" Zahlen, die ein "Unendlichkeitsaxiom" und die Axiome des Weiterzählens der Mathematiker Richard Dedekind (*1831-†1916) und Giuseppe Peano (*1858-†1932) erfüllen. II. Bei Zahlendarstellungen sind grundsätzlich Zahlensysteme ohne (altes Ägypten, Römer, mittelalterliches Europa [Abakus, Rechentisch]) und mit Stellenwertsystem (Babylonier [Basis: 60], Maya [Basis: 20], Indien [Null auf Steintafel von Gwalior (786 n.Chr.)], Islam, europäisches Mittelalter, europäische Neuzeit [Basis: 10]) zu unterscheiden. Mit entscheidend für die Verbreitung des indischen Zahlenwertsystems über die Welt waren der Bagdader Mathematiker Musa al-Chwarizmi (*ca.780-†ca.850), Leonardo von Pisa (*ca.1170-†n.1240, Liber abaci) und Adam Ries (*1492-†1559, Rechenung auf der linihen und federn). Im dezimalen Stellenwertsystem gelten dann Teilbarkeitsregeln wie die Neunerprobe. Daneben gibt es das binäre Stellenwertsystem, das u.a. auf den deutschen Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz (*1646-†1716) zurückgeht. III. Das Rechnen mit Brüchen (Stammbrüche im alten Ägypten, hexagesimale Brüche im alten Mesopotamien, Proportionen im antiken Griechenland [Pythagoräer, euklidischer Algorithmus, kommensurable Zahlenverhältnisse], indische Bruchzahlen als Vorläufer der heutigen Brüche) führt auf die rationalen Zahlen, die geometrisch als Bruchteile von Strecken (René Descartes [*1596-†1650]), algebraisch als Körper (Bernard Bolzano [*1781-†1848], Reine Zahlenlehre) interpretiert werden können. Rationale Zahlen lassen sich als abbrechende oder periodische Dezimalbrüche darstellen, wie u.a. der holländische Mathematiker Simon Stevin (*1548-†1620) in seiner Schrift De Thiende zeigte. Irrationale Zahlen sind auch Wurzelausdrücke als unendliche, nichtperiodische Dezimalbrüche, als algebraische Zahlen (inkommensurable Zahlverhältnisse). IV. Transzendente Zahlen: Der abzählbar unendlichen, aber auf dem reellen Zahlenstrahl dicht liegenden Menge der rationalen Zahlen und Wurzeln steht die überabzählbare Menge der transzendenten Zahlen (π, e; als Grenzwerte von Folgen rationaler Zahlen [unendliche Reihen des Nicolaus von Oresme, *1330-†1382]) gegenüber. Beide Zahlenmengen bilden die reellen Zahlen; Abzählbarkeit und Überabzählbarkeit ergeben sich dabei aus den Beweisverfahren des deutschen Mathematikers Georg Cantor (*1845-†1918). V. Komplexe Zahlen: Zahlen als Lösungen von (ganz rationalen) Gleichungen können u.a. negativ, Wurzeln oder imaginär sein (quadratische Gleichungen [Gerolamo Cardano, *1501-†1576; Michael Stifel, *1487-†1567]; kubische Gleichungen [Niccolò Tartaglia, *1499-†1557; Gerolamo Cardano]; ganz rationale Gleichungen ab 5. Grad besitzen keine Lösungsformel [Paolo Ruffini, *1765-†1822; Niels Henrik Abel, *1803-†1829; Évariste Galois, *1811-†1832]). Imaginäre Zahlen machen die Menge der komplexen Zahlen aus (i=√-1; Fundamentalsatz der Algebra [Albert Girard, *1595-†1632; Carl Friedrich Gauß]; Zahlenebene [Caspar Wessel, *1745-†1818; Carl Friedrich Gauß]). [Buhlmann, 04.2013]

Beutler, Christian (1958), Der Türsturz vom Ludgerusgrab in Werden, in: Westfalen 36 (1958), S.25-32 > W Werden

Beuys, Barbara (1992), Florenz. Stadtwelt - Weltstadt. Urbanes Leben von 1200 bis 1500, Reinbek b.H. 1992 > R Reinhardt, Geschichte von Florenz

Beuys, Barbara (2003), Denn ich bin krank vor Liebe. Das Leben der Hildegard von Bingen (= SP 3649), München-Zürich 2003 > H Hildegard von Bingen

Beyerle, Konrad (Hg.) (1925), Die Kultur der Abtei Reichenau. Erinnerungsschrift zur zwölfhundertsten Wiederkehr des Gründungsjahres des Inselklosters 724-1924, 2 Halbbde., 1925, Nachdruck Aalen 1970 > R Reichenau

BG = Bibliotheca Germanica

BGG = Beiträge zur Geschichte Gerresheims

BGKw = Beiträge zur Geschichte Kaiserswerths: MA = Reihe Mittelalter, NZ = Neuzeit

BGW = Beiträge zur Geschichte Werdens

BHDIR = Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom

BHF = Bonner Historische Forschungen

BHVB = Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg

Bibel als heilige Schrift der christlichen Religion: Die Bibel gliedert sich in ein Altes und ein Neues Testament, das Alte Testament in Geschichts-, Lehr- und prophetische Bücher (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft) (39 Schriften), das Neue Testament in Geschichtsberichte (vier Evangelien, Apostelgeschichte), Briefe und die Apokalypse. Das Alte Testament fußt auf der hebräisch-jüdischen Überlieferung (Thora = Pentateuch, frühere, spätere Propheten, "Lehrbücher"); es handelt vom Verhältnis zwischen Gott-Jahwe und dem Volk Israel. Das Neue Testament handelt vom Gottessohn Jesus Christus und den Anfängen des Christentums. Neben dem "Kanon" von alt- und neutestamentlichen Schriften sind apokryphe ("verborgene") Schriften (Apokryphen) überliefert. Die Bibelkunde dient dem Verstehen der biblischen Schriften aus deren (innerem) Zusammenhang heraus, die Bibelwissenschaft(en) beschäftigen sich zudem mit der Entstehungsgeschichte der Bibel, der Religions- und politischen Geschichte, der Bibelrezeption, der Bibelhermeneutik.
Zur Bibel und Bibelkunde siehe: Die Bibel und ihre Welt. Eine Enzyklopädie, hg. v. Gaalyahu Cornfeld u. G. Johannes Botterweck (1972): Bd.1: A-Ba (= dtv 3092), München 1972, DM 7,80, Bd.2: Be-Ger (= dtv 3093), München 1972, DM 7,80, Bd.3: Ges-Kal (= dtv 3094), München 1972, DM 7,80, Bd.4: Kan-O (= dtv 3095), München 1972, DM 7,80, Bd.5: P-Te (= dtv 3096), München 1972, DM 7,80, Bd.6: To-Z, Anhang (= dtv 3097), München 1972, DM 7,80, zus. 1590 S., Abbildungen, Karten; De Hamel, Christopher (2002), Das Buch. Eine Geschichte der Bibel, Berlin 2006, 352 S., € 24,90; Porter, Joshua R. (2007), Die Bibel, Köln 2007, 288 S., Abbildungen, Karten, € 9,99; Preuß, Horst Dietrich, Berger, Klaus (1980), Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments: Erster Teil: Altes Testament (= UTB 887), Heidelberg-Wiesbaden 41989, Zweiter Teil: Neues Testament (= UTB 972), Heidelberg-Wiesbaden 41991, zus. 527 S., zus. € 2,-. [Buhlmann, 12.2007, 07.2016]

Bierbrauer, Katharina (1979), Die Ornamentik frühkarolingischer Handschriften aus Bayern (= Bayerische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Abhandlungen NF 84), München 1979, 160 S., 72 Tafeln, € 10,-. Untersucht wird die Ornamentik der Initialen (Flechtband, Blattmotive, Tierformen) in bayerischen Handschriften von ca.770/80 bis ca.820 aus dem Bistum Freising (Peregrinus, Bischof Hitto [811/12-836]), dem Bistum Regensburg, dem Kloster Benediktbeuern, dem Kloster Tegernsee und unbekannter bayerischer Provenienz aus Augsburger, Freisinger, Benediktbeuerner, Würzburger Bibliotheken. Die Herkunft der Ornamentik ergab sich dabei aus den aus der Spätantike überlieferten Formen, weiter aus dem Westen des karolingischen Frankenreichs (Corbie) und schließlich auch aus der angelsächsisch-insularen Buchmalerei (Flechtband, Tierformen). Die bayerische Initialenornamentik entsprach den Ornamentformen in benachbarten Gebieten (alemannische, oberrheinische, Salzburger, Mondseer Handschriften). [Buhlmann, 07.2014]

Bieritz, Karl-Heinz (1986), Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, Berlin 1986 > Z Zeit

Bihrer, Andreas (2000), Bischof Konrad als Patron von Konstanz. Zur Stiftung städtischer Identität durch Bischof Ulrich I. (1111-1127), in: ZGO 148 (2000), S.1-40 > K Konstanz, magnus conventus

Bikel, Hermann (1914), Die Wirtschaftsverhältnisse des Klosters St. Gallen (von der Gründung bis zum Ende des XIII. Jahrhunderts). Eine Studie, Freiburg i.Br. 1914 > S St. Gallen

Bilfinger, Gustav (1892), Die mittelalterlichen Horen und die modernen Stunden. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, Stuttgart 1892 > Z Zeit

BiMiLi = Bibliothek mittelniederländischer Literatur

Binder, Domenike (2007/08), Besitz und Grundherrschaft der Abtei Reichenau an der oberen Donau und in der Baar, Tl.1, in: TutHbll NF 70 (2007), S.142-170, Tl.2, in: TutHbll NF 71 (2008), S.29-78. Die Bodenseeabtei und benediktinische Mönchsgemeinschaft Reichenau besaß in Mittelalter und früher Neuzeit umfangreichen Besitz auf der Baar. Dieser reichte weit ins frühe Mittelalter zurück, laut spätmittelalterlicher Überlieferung setzten Schenkungen von Gütern auf der Baar noch im 8. Jahrhundert ein. Graf Gerold (†799), ein Schwager des Frankenkönigs Karl des Großen (768-814) soll Besitz in Tuttlingen, Trossingen und Nendingen dem Bodenseekloster geschenkt haben. Auf Kaiser Arnulf (887-899) geht die Besitzung in Donaueschingen zurück, auf den schwäbischen Herzog Liudolf (949-954) Besitz in Trossingen. Zudem war die Reichenau bis zum 10. Jahrhundert begütert in Aufen, Möhringen, Oberbaldingen, Öfingen, Schurra (?), Sunthausen, Suntheim und Talheim. Der Besitz war in Villikationen gegliedert; für Trossingen nimmt man die Existenz eines Reichenauer Fronhofs an. Der grundherrschaftliche Wandel beließ das Bodenseekloster in spätem Mittelalter und früher Neuzeit die Güter in Wehingen und Gosheim, den Kelhof in Möhringen, den umfangreichen Besitz in Trossingen und Schura u.a. Das Ende des Reichenauer Besitzes kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Säkularisation von Bistum Konstanz und Abtei; die Baaremer Güter wurden zumeist badisch (1802 bis 1820er-Jahre). > R Reichenau [Buhlmann, 12.2011]

Binding, Günther (1968), Die spätkarolingische Burg Broich in Mülheim an der Ruhr. Die Bauentwicklung bis 1443 nach den Ausgrabungen 1965-1968 (= Rheinische Ausgrabungen, Bd.4), Düsseldorf 1968 > B (Mülheim-) Broich

Binding, Günther (1970), Schloß Broich in Mülheim/Ruhr (= Kunst und Altertum am Rhein, H.23), Düsseldorf 1970 > B (Mülheim-) Broich

 Binding, Günther (2013), Die Michaeliskirche in Hildesheim und Bischof Bernward als sapiens architectus, Darmstadt 2013, 328 S., Schwarzweißabbildungen, Pläne, € 49,90. 996 ließ Bischof Bernward von Hildesheim (993-1022) eine dem Heiligen Kreuz geweihte Kapelle nördlich des Hildesheimer Domhügels errichten. In unmittelbarer Nähe zu dieser Kapelle veranlasste der Bischof im Jahr 1010, dem Jahr der Grundsteinlegung, den Bau der Hildesheimer Michaelskirche als Klosterkirche. In Weiterentwicklung des karolingischen und frühottonischen Kirchenbaus (Köln, St. Pantaleon) entstand auf Grund eines quadratischen Grundrissschemas eine dreischiffige Basilika mit sächsischem Stützenwechsel, mit doppelten Querschiffen und ausgeschiedenen Vierungen, mit Hallenkrypta, West- und Ostapsis und vier Querhaustürmen. Das nach "Maß und Zahl" (Maßproportionen) von dem Auftraggeber und sapiens architectus Bernward nach theologisch-ästhetischen Gesichtspunkte geplante, das von einem artifex nach Maßgabe der artes mechanicae errichtete Gotteshaus stand symbolisch für die göttliche Ordnung der Welt (ordo), erweist sich aber auch als Schnittpunkt religiös-gesellschaftlicher und memorial-individueller Interessen. Die Krypta des Gotteshauses wurde 1015 geweiht, die Kirchweihe erfolgte 1022 kurz vor dem Tod Bernwards; in der Michaelskirche, in der der Bischof zahlreiche Reliquien (66 Reliquien der Krypta, 36 Reliquien der zwölf Langhaussäulen; Reliquien der Heiligen Martin, Dionysius, Timotheus [?], Exsuperantius) versammelte, ist Bernward auch begraben worden. Der Kirchenbau diente der memoria des Bischofs, der sich nicht nur als Bauherr inschriftlich nennen ließ (Kirche [Inschriften zur Grundsteinlegung, auf Dachziegeln], Reliquien-Authentik im Ringelheimer Kruzifix, Grabinschrift [?]) und Kloster und Kirche im sog. zweiten Testament von 1019 entsprechend dotierte. 1033 wurde die bis auf Kleinigkeiten (Türme, Kapellen) vollendete Michaelskirche durch Bischof Godehard von Hildesheim (1022-1038) geweiht. [Buhlmann, 07.2013]

Birley, Anthony (1968), Mark Aurel. Kaiser und Philosoph (= BSR 160), München 21977 > G Gestalten der Antike

BJbb = Bonner Jahrbücher

Black-Veldtrup, Mechthild (1995), Kaiserin Agnes (1043-1077). Quellenkritische Studien (= MHF 7), Köln 1995, VI, 478 S., DM 48,-. Agnes von Poitou (*ca.1027/28-†1077) war eine Tochter der Agnes von Burgund (†1068), der Ehefrau des burgundischen Herzogs Wilhelm V. des Großen. Agnes von Burgund setzte sich nach dem Tod Wilhelms (1030) im Herzogtum Aquitanien und im Poitou durch, die erfolgreiche Machtpolitikerin verheiratete ihre Tochter Agnes von Poitou 1043 ebenso erfolgreich mit dem deutschen König Heinrich III. (1039-1056), dem Sohn Konrads II. Dank der Beziehungen seiner Ehefrau konnte Heinrich die Herrschaftsverhältnisse im erst 1033 neu erworbenen Königreich Burgund zu seinen Gunsten festigen. 1046 folgte nach der Synode zu Sutri die römische Krönung des Ehepaars zu Kaiser und Kaiserin, 1055 wurde Agnes bayerische Herzogin (1055-1061). Nach drei Töchtern gebar Agnes den Thronfolger Heinrich IV. (1050), der 1054 Mitkönig wurde und beim Tod seines Vaters (1056) ein Kindkönig zunächst unter der Regentschaft seiner Mutter war. Die Kaiserin handelte in der Folgezeit politisch geschickt, was die Herrschaftssicherung für ihren Sohn und die Behandlung der Krisenherde Ungarn, Bayern und Sachsen anbetraf (1057 Rudolf von Rheinfelden als schwäbischer Herzog, Sachsenaufstand, 1058 Frieden mit Ungarn, 1061 Weihe des Speyerer Doms). Ein von ihr verursachtes Papstschisma (1061-1064) belastete die Kaiserin, die Änhängerin der Kirchenreform war, schwer und bewog sie, die Rolle der gottgeweihten Witwe anzunehmen, wodurch Bischof Heinrich II. von Augsburg (1047-1063) die Leitung der Regierungsgeschäfte übernahm. Gegen diesen wandten sich der Kölner Erzbischof Anno II. (1056-1075) und eine Gruppe Mitwisser im "Staatsstreich von Kaiserswerth" (1062) mit der Entführung König Heinrichs IV. Agnes war politisch entmachtet, die Regentschaft lag in den Händen einger Bischöfe, die Kaiserwitwe hielt sich 1064/65 wieder am Königshof auf (1065 Volljährigkeit des Herrschers), bis sie nach Rom aufbrach und zwischen 1067 und 1077 als Diplomatin im Dienst von Papst und Kurie wirkte und auch öfter nach Deutschland und zu ihrem Sohn zurückkehrte (1067/68, 1070?, 1072, 1074). Kurz vor ihrem Tod holten Agnes die Anfänge des Investiturstreits (1075-1122) ein (1076 Exkommunikation des Königs, 1077 Gang nach Canossa). Ende 1077 starb die Kaiserin und wurde zu Beginn des Jahres 1078 in Rom in einer Kapelle des Petersdoms beerdigt. [Buhlmann, 08.2012]

Blaubeuren, Benediktinerkloster: Kurz vor 1085 hatten die drei gräflichen Brüder Sigiboto, Anselm und Hugo von Tübingen in Egelsee eine Mönchsgemeinschaft gegründet, die aber schon 1085 - wohl noch im Verlauf der Gründungsphase - nach Blaubeuren an den Blautopf verlegt wurde. Das von den Blaubeurer Mönchen übernommene Klosterpatrozinium Johannes' des Täufers verweist dabei wohl auf eine ältere, vielleicht bis ins 6./7. Jahrhundert zurückreichende Kirche, die zum Ausgangspunkt der geistlichen Gemeinschaft wurde. Diese wurde gemäß den Grundsätzen der Hirsauer Reform organisiert, Hirsauer Mönche unter dem Gründungsabt Azelin (1085?-1101) besiedelten Blaubeuren, Privilegien wie die Papst Urbans II. (1088-1099) vom 25. Januar 1099 sicherten die Existenz des Klosters (kirchen-) rechtlich ab. Neben dem Männerkloster gab es einen von diesem abhängigen Frauenkonvent, der wohl im 14. Jahrhundert einging. Eine ausgedehnte Grundherrschaft konzentrierte sich im Blaubeurer Talkessel um das Stiftungsgut, daneben war Streubesitz um Ehingen, Esslingen und Tübingen vorhanden. Am Ende des Mittelalters hatte man den Besitz in vier Bezirke organisiert, wobei das Klostergebiet um Blaubeuren mit seinen 52 Dörfern und 15 Ämtern der für das Kloster wirtschaftlich wichtigste war. Daneben besaß die Kommunität mit Hindebach (bei Tübingen) ein Priorat, Patronatsrechte an verschiedenen Orten sowie inkorporierte Pfarrkirchen. Klostervögte waren bis 1267 die Tübinger Pfalzgrafen, danach die Grafen von Helfenstein, schließlich und endgültig ab 1447 die Grafen von Württemberg. Der Mönchsgemeinschaft gelang die Ausbildung eines engeren Immunitätsbezirks innerhalb des Klosters, während daneben auf der Grundlage der Klostervogtei eine weltliche Blaubeurer Landesherrschaft entstand, die seit 1303 ausgegebenes Erblehen der habsburgischen Herzöge war. Im 15. Jahrhundert wurde Blaubeuren zunächst zu den Reichsmatrikeln herangezogen (1422-1471), doch geriet die geistliche Kommunität zunehmend in den Sog des württembergischen Territoriums. Der Abt wurde zum württembergischen Prälaten, das Kloster war längst landständisch, als es 1535/36 infolge der württembergisch-evangelischen Reformation aufgehoben wurde. Kurzzeitige katholische Restaurationen wie 1548 und 1630 blieben dagegen erfolglos. Wegen und trotz der Reformation hat in Blaubeuren das meiste aus dem Mittelalter überlebt: die spätgotische Klosteranlage aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, die zwischen 1485 und Jahrhundertende erbaute Klosterkirche mit dem reichverzierten Chorgestühl der Mönche und dem Altar von 1493/94, die Bemalung des Kirchenchors usw. Harmonisch eingebunden sind die Blaubeurer Klostergebäude in die umgebende Landschaft mit der Blautopfquelle.
Einen Überblick über die Blaubeurer Klostergeschichte geben: Eberl, Immo (Hg.) (1985), Kloster Blaubeuren 1085-1985. Benediktinisches Erbe und Evangelische Seminartradition (= Ausstellungskatalog), Sigmaringen 1985, XV, 140 S., DM 10,-; Lonhard, Otto-Günter (1963), Das Kloster Blaubeuren im Mittelalter. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte einer schwäbischen Abtei. Mit einem Beitrag: Gönner, Erberhard, Siegel und Wappen des Klosters (= VKGLBW B 25), Stuttgart 1963, XV, 171 S., € 15,-. [Buhlmann, 03.2009]

Bleckmann, Bruno (2009), Die Germanen. Von Ariovist bis zu den Wikingern, München 2009 > G Germanen

Bleiber, Waltraut (1988), Das Frankenreich der Merowinger, Wien-Köln-Graz 1988 > M Merowinger

Bleicken, Jochen (1986), Die athenische Demokratie (= UTB 1330), Paderborn-München-Wien-Zürich 1986 > A Athenische Demokratie

Blessing, Elmar (1974), Stadt und Herrschaft Haigerloch im Mittelalter (= ALKH 11), Sigmaringen 1974, 138 S., DM 20,-. 1095 wird erstmals das castrum Haigerloch erwähnt, eine in der Haigerlocher Oberstadt links der Eyach gelegene Burganlage, die den Grafen von Haigerloch-Wiesneck unterstand. Mit dem Aussterben dieser Grafen (nach 1162) übernahmen die Grafen von Hohenberg Haigerloch, der Ort entwickelte sich im ausgehenden 12. und im 13. Jahrhundert zur Stadt, wobei der Bau einer Burg in der Unterstadt (ca.1200) und der Ausbau der Unterstadt rechts der Eyach Haigerloch als Herrschaftsmittelpunkt der Hohenberger betonte. Die Grafschaft Hohenberg einschließlich Haigerlochs wurde 1381 an die Habsburger verkauft, Stadt und Herrschaft Haigerloch sind in der Folge mehrfach von den neuen Landesherren verpfändet worden. Zwei Lagerbücher aus dem 15. Jahrhundert, ein Rodel von 1458 und ein Urbar von 1472, führen Besitz und Rechte der Herrschaft Haigerloch auf. Danach umfasste diese Grundbesitz, Weinberge, Fischwasser und Pfarrpfründen in der näheren und weiteren Umgebung Haigerlochs (auch jenseits des Neckars bei Horb) sowie die mit der Niedergerichtsbarkeit verbundenen Ortsherrschaften in Höfendorf, Hart, Trillfingen, Randelfingen, Bittelbronn, Weildorf, Gruol, Hospach und Heiligenzimmern (Zubehör links und rechts der Eyach). Seit 1488 war die Herrschaft Haigerloch an die Grafen von Zollern verpfändet, 1497 tauschte Graf Eitel Friedrich II. von Zollern (†1512) seine Herrschaft Rhäzuns gegen die Herrschaft Haigerloch und alle dortigen Hoheitsrechte, wobei die Rechte der Stadt Haigerloch besondere Berücksichtigung fanden. 1552 bekam die Herrschaft - zunächst gegen den Widerstand der Stadt - eine Landesordnung, nach der zollerschen Erbteilung von 1576 wurde Haigerloch Residenz der Linie Hohenzollern-Haigerloch. [Buhlmann, 08.2006]

Blezinger, Harro (1954), Der Schwäbische Städtebund in den Jahren 1438-1445. Mit einem Überblick über seine Entwicklung seit 1389 (= DWG 39), Stuttgart 1954, XII, 163 S., Karte, DM 15,-. 1376 entstand u.a. mit Ulm, Rottweil und St. Gallen als Mitgliedsstädte der ältere Schwäbische Städtebund, der nach der Schlacht bei Döffingen (1388) unterging (Verbot König Wenzels, Egerer Landfrieden 1389). Doch schon bald (1390) bildete sich unter Führung der mächtigen Reichsstadt Ulm der jüngere Schwäbische Städtebund, dem im Kern die Städte Biberach, Isny, Leutkirch, Memmingen, Pfullendorf, Ulm (Südgruppe) und Aalen, Bopfingen, Dinkelsbühl, Giengen, Gmünd, Nördlingen (Nordgruppe). Beschlussorgan des Städtebundes war die ungefähr alle zwei Monate stattfindende Bundesversammlung (manung) in Ulm (Kanzlei der Stadt Ulm), der immer wieder, alle drei Jahre zu erneuernde Bundesbrief (mit Bundeszweck, -hilfe bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen) bildete die "Verfassung" des Städtebundes. Die Finanzierung ergab sich aus der Veranlagung der Städte (anzal); sie diente vorzusgsweise militärischen Zwecken (städtische Aufgebote im Kriegsfall, Sicherung von Handel und Verkehr [Rotte des Jörg Rennwart, 1439]). Seit 1410 war die habsburgische Herrschaft Hohenberg dem Städtebund verpfändet. Während die deutschen Könige Wenzel (1378-1400/19) und Ruprecht von der Pfalz (1400-1410) dem Städtebund - immerhein eine Vereinigung von Reichsstädten - reserviert gegenüberstanden, kam es unter König Sigismund (1410-1437) zu mancher Annäherung zwischen Reichsoberhaupt und Städten, doch scheiterte letztlich eine schwäbische Einung u.a. mit der Rittergesellschaft mit St. Jörgenschild (Appenzellerkrieg, Pfahlbürgerfrage [städtisches Bürgerrecht für auswärtige Freie und Unfreie], Überfälle von "Raubrittern" [Hans von Rechberg] auf Händler und Kaufleute). Unklar blieb auch die Rolle der Städte bei Reichsreform und regionalen Landfrieden sowie die von der Stadt Ulm immer wieder gewünschte Ausdehnung der Städteeinung auf alle Reichsstädte, zumal die Reichsstädte des Schwäbische Städtebundes sich immer wieder von den ihnen benachbarten fürstlichen Territorien (Bayern, Brandenburg, Öttingen, Württemberg) bedroht sahen. In den Anfangsjahren des Königtums Friedrichs III. (1440-1493) fiel die Reichsstadt Weinsberg nach der Eroberung durch den Ritter Konrad von Bebenburg an die Pfalz, ohne dass die Städteeinung dagegen einschritt (1440). Immerhin wehrte sich der Schwäbische Städtebund, dem an der Wende der 1430er- zu den 1440er-Jahren auch Augsburg, Nürnberg oder Rottweil angehörten, erfolgreich gegen Adlige und Ritter (1441 [Überfall der Rechberger und Lupfener auf Ulmer Kaufleute bei Stein am Rhein]), nach der Einigung zwischen Städtebund und der Grafschaft Württemberg (1442) festigten die Städte zunächst ihre Position in Schwaben, u.a. unter Einschluss Reutlingens (1443). Im Krieg der Schweizer Eidgenossenschaft gegen Zürich (Züricherkrieg 1443/45) und im Armagnakenkrieg (1444/45) nahm der Städtebund zwischen Königtum und Schweizern eine gezwungenermaßen neutrale Haltung ein, rüstete aber nach der Schweizer Niederlage gegen die Armagnaken bei St. Jakob an der Birs (1444) auf, um sich am wenig erfolgreichen Reichskrieg des Pfalzgrafen gegen die Armagnaken als Reichsfeinde zu beteiligen (1444/45). Das Jahr 1445 brachte dann noch eine Einigung der Städte mit dem Grafen von Württemberg und dem Pfalzgrafen, während das vom brandenburgischen Markgrafen initiierte neue Fürstenbündnis von 1446 sich - unter Beteiligung der Pfalzgrafschaft und Württembergs - indirekt gegen die Reichsstädte wandte. Dem Zweiten Städtekrieg (1449/50) folgte der Niedergang des Schwäbischen Städtebundes. [Buhlmann, 06.2015]

BlldtLG = Blätter für deutsche Landesgeschichte

BllPfKG = Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde

Blok, Dirk P. (1969), Holland und Westfriesland, in: FMSt 3 (1969), S.347-361. Jenseits des ostfränkisch-deutschen Königtums ist die politische Entwicklung in Friesland und im Rheinmündungsgebiet auf regionaler und lokaler Ebene zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert nur schwer erkennbar. Die Herrschaftsbildungen der Wikinger Rorik (bis 867) und Gottfried (†885) sind der Zeit des Zerfalls des karolingischen Gesamtreichs zuzuordnen; daneben behauptete sich das Bistum Utrecht. Im 10. und 11. Jahrhundert beherrschten die westfriesischen Grafen die Küstenregion des südlichen Frieslands und das Rheinmündungsgebiet (Grafschaft Westfriesland). Die Ermordung Graf Florens' I. (1048-1061) machte den Weg für den Utrechter Bischof frei, mit Unterstützung König Heinrichs IV. (1056-1106) große Teile Westfrieslands unter seine Kontrolle zu bringen (1064/76). Graf Dietrich V. (1061-1091) gelang immerhin die Wiedergewinnung des südlichen Teils der westfriesischen Grafschaft (1078). An der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert werden dann die westfriesischen Grafen in den Geschichtsquellen als Grafen von Holland erkennbar, ein Anzeichen für das kulturelle und mentale Ausscheren der entstehenden Grafschaft Holland aus der hochmittelalterlichen Frisia. Ein Ausgleich zwischen den holländischen Grafen und den Utrechter Bischöfen erfolgte dann unter Kaiser Friedrich I. (1152-1190) (1165). Daneben gab es in Friesland auswärtige Mächte, etwa in Form der Werler Grafen oder der sächsischen Brunonen (10./11. Jahrhundert). Eine kurzfristige Herrschaftsbildung des Heinrich von Northeim in einer Mark Friesland scheiterte (1101). [Buhlmann, 10.2014]

Blome, Hans-Joachim, Zaun, Harald (2004), Der Urknall. Anfang und Zukunft des Universums (= BSR 2337), München 2004 > U Universum

Blum, Gerd (2011), Giorgio Vasari. Der Erfinder der Renaissance, München 2011, 320 S., € 24,95. Giorgio Vasari (*1511-†1574) aus Arezzo, manieristischer Künstler, Maler, Architekt und Stadtplaner u.a. in Rom (Päpste als Auftraggeber), Florenz (Palazzo Vecchio, Uffizien) und Arezzo, ab 1554/55 Hofkünstler Herzog Cosimos I. von Florenz, gilt wegen der 1550 erstmals veröffentlichten, kunsttheoretisch fundierten und mittelalterlicher Heilsgeschichte verhafteten Lebensbeschreibungen autonom-genialer Künstler des 14. bis 16. Jahrhunderts (von Cimabue bis Michelangelo) als der "Erfinder" der Kunstepoche der Renaissance zwischen Mittelalter und Moderne und "Vater der Kunstgeschichte". [Buhlmann, 09.2011]

Blumenberg, Hans (1965), Die kopernikanische Wende (= st 138), Frankfurt a.M. 1965, 178 S., DM 3,-. Die von Nikolaus Kopernikus (*1473-†1543) eingeleitete astronomische Wende, die die Geozentrik der bisherigen Kosmologie aufhob und die Erde zusammen mit den (anderen) Planeten um die Sonne kreisen ließ (Buch De revolutionibus orbium coelestium 1543), war mehr als nur eine neue Rechenart zur örtlich-zeitlichen Bestimmung der Himmelskörper (Klaudius Ptolemäus). Sie bedeutete vielmehr die Konstituierung eines neuen Verhältnisses zwischen Mensch und Kosmos, wobei auch Kopernikus die kosmische Ordnung als Teil der christlichen Heilsordnung sah. In der kopernikanischen Theorie über den Kosmos, in der dadurch vermittelten Art menschlicher Selbstdeutung werden verschiedene Bruchlinien von der Antike bis zur frühen Neuzeit erkennbar, beginnend bei der anthropozentrischen Teleologie des antiken Stoizismus und aristotelisch-antikem Gedankengut über Mensch und Kosmos. Augustinus und die mittelalterliche aristotelische Scholastik sah den Kosmos als eine für den Menschen gedanklich unerreichbare Konstruktion des Schöpfergottes, Gottes- und Heilsvermittlung fand über Bibel und Kirche statt, nicht über die Natur. Metaphysik und Kosmologie waren auseinandergetreten. Erst der Humanismus mit seiner Unterscheidung von scholastischer scientia und humanistischer sapientia (Cicero) bot dann mit die Grundlage für ein auf den Menschen gerichtetes Weltverständnis. Die kopernikanische Theorie des Kosmos propagierte eine Homogenität der Physik und des Universums (Erde und Himmel unterliegen den gleichen Gesetzmäßigkeiten), kopernikanische Rationalität verdrängte mittelalterliches Transzendenzdenken. Die Nachwelt betrachtete in früher Neuzeit (Giordano Bruno, Galileo Galilei) und Moderne (Siegmund Freud, Friedrich Nietzsche) das kopernikanische Weltsystem durchaus zwiespältig zwischen metaphorischer Kosmologie und kosmologischer Metaphorik. [Buhlmann, 11.2016]

Blumenthal, Uta-Renate (1982), Der Investiturstreit (= Urban Tb 335), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1982 > I Investiturstreit

Blumenthal, Uta-Renate (2001), Gregor VII. (= GMR), Darmstadt 2001 > G Gregor VII.

BMKG = Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte

Bock, Hartmut (2001), Die Chronik Eisenberger. Edition und Kommentar. Bebilderte Geschichte einer Beamtenfamilie der deutschen Renaissance - Aufstieg in den Wetterauer Niederadel und das Frankfurter Patriziat (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt a.M., Bd.22), Frankfurt a.M. 2001, 621 S., Farbabbildungen, Karten, € 3,50. Philipp Eisenberger der Jüngere (*1548-†1607) schildert in seiner frühneuhochdeutschen Familienchronik die Geschichte seiner Vorfahren, Ehefrauen und Kinder. Die (drei) Familie(nzweige) Eisenberger war(en) (nicht nur) danach über sieben Generationen im 15./16. Jahrhundert eine Aufsteiger- und angesehene Beamtenfamilie (angeblich zurückgehend ins 14. Jahrhundert [Habsburg]). U.a. im (Herren-) Dienst der Grafen von Eppstein (Belehnung 1451) stellten die Eisenberger, einsetzend mit Peter I. (†1488), Keller bzw. Amtmänner in Ortenberg, Gedern, Ranstadt und Hofheim; hinzu kamen geistliche Ämter; Eisenberger Güter und Rechte gab es schließlich entlang von Nidder und Niddda, dem Lebensbereich der Eisenberger. Die Herrschaft Ortenberg war abhängig von den Grafen von Eppstein-Stolberg, Isenburg und Hanau (Kondominat). 1563 erfolgte die Adelserhebung der Familie durch den Kaiser; die Eisenberger verbanden sich durch Heirat mit dem Niederadel des Taunus und der Wetterau sowie mit dem Frankfurter Patriziat (Heiratspolitik); sie waren eingebunden in die Welt der Amtmänner, des Niederadels und des Patriziats in damaliger Zeit. Das typische (adlige) Reproduktionsverhalten der Familie bewirkte, dass die drei (Gederner, Hofheimer, Ortenberger) Familienzweige am Ende des 16. bzw. zu Beginn des 17. Jahrhunderts ausstarben. [Buhlmann, 07.2014]

Bode, Sabine (2009), Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation, Stuttgart 142015, 304 S., (€ 9,95). Der Zweite Weltkrieg (1939-1945), seine Brutalität und die mit ihm verbundene Niederlage beeinflussten [- abseits von allen Pauschalisierungen -] traumatisch das Leben von gleich drei Generationen von Einwohnern im Gebiet von ehemaligem Deutschen Reich, von Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik: der Kriegsgenerationen der Eltern (als Täter und Verleugner) und Kinder ("Kriegskinder") (als Verdränger) sowie der Nachkriegsgeneration der Enkel ("Kriegsenkel") (Abhängigkeit von den Eltern, Fürsorge für die Eltern, Schuldgefühle, Schwierigkeiten der Identitätsfindung, fehlender Mut zur Selbstständigkeit, fehlender Mut zur Familiengründung). Die Kriegsvergangenheit des Weltkriegs wirkte somit nach über Jahrzehnte der Nachkriegszeit. [Buhlmann, 03.2016]

Böhme, Horst-Wolfgang (1974), Germanische Grabfunde des 4. bis 5. Jahrhunderts zwischen unterer Elbe und Loire. Studien zu Chronologie und Bevölkerungsgeschichte, Text und Tafelband (= Münchener Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte, Bd.19), München 1974, XII, 374 S., [166] S. mit 147 Tafeln, 19 Karten, 1 Farbtafel, DM 150,-. I. Umfang der untersuchten Grabfunde: 200 geschlossene Grabfunde rechtsrheinisch gegenüber 105 linksrheinisch. II. Archäologische Materialvorgabe: Beschreibung der aufgefundenen Fibeln, Haarnadeln und -pfeile, Ohrringe, Perlenketten, Armringe, Schnallen, Gebrauchsgeräte in Frauengräbern bzw. Fibeln, Schnallen, Waffen, Geräte in Männergräbern. III. Chronologie: Es sind auf Grund der Funde drei verschiedene Zeitstufen ermittelt worden: Stufe I: 330/50-400; Stufe II: 380-420; Stufe III: 400-450/500. IV. Ergebnisse für Tracht und Bewaffnung: 4. Jahrhundert: Einheitliche Verbreitung bestimmter Fibeltypen; 5. Jahrhundert: getrennte Weiterentwicklungen. V. Friedhofstypen und Bevölkerungsstruktur in Nordgallien: Anhand der Fundlage wurden eine Reihe von Friedhöfen untersucht, und zwar städtische, ländliche und Militaerfriedhöfe. Dabei waren besonders Gräber der germanischen Oberschicht wegen ihrer reichhaltigen Ausstattung identifizierbar. Man kann somit vermuten, dass der germanischen Oberschicht eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung der Waffen- und Fibelbeigabensitte zukommt. VI. Interpretation der Fundkarten: Gleichförmige Fundstücke sowohl links als auch rechts des Rheins weisen auf eine ethnische Identität der Verstorbenen in diesen Gebieten hin. Auch gibt die Verbreitung von Waffen und Fibeln bis hin zur Loire eine Vorstellung vom Eindringen der Germanen in römisches Gebiet. VII. Ausdwertung historischer Quellen: Zentral ist hier das Laetenproblem. Nach Darstellung der verschiedenen Auffassungen darüber und Auflistung der historischen Quellen (Belege von 288-451 n.Chr.) kommt der Verfasser zu dem Schluss, dass die von ihm untersuchten Grabfunde mit den Laeten jedenfalls nichts zu tun haben. Vielmehr können sie mit germanischen foederati in Verbindung gebracht werden. Das beweist auch die Tatsache, dass in spaetrömischer Zeit die Grabsitten der linksrheinischen germanischen Oberschicht auf den rechtsrheinischen Raum gewirkt haben. [Buhlmann, 06.1988]

Böhme, Horst-Wolfgang (Hg.) (1991), Burgen der Salierzeit, 2 Bde., Sigmaringen 1991 > S Salier

Böhme, Horst-Wolfgang (Hg.) (1991), Siedlungen und Landesausbau zur Salierzeit, 2 Bde., Sigmaringen 1991 > S Salier

Börm, Henning (2013), Westrom. Von Honorius bis Justinian (= Urban Tb 735), Stuttgart 2013, 240 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 14,90. Mit der Reichsteilung des römischen Reiches von 395 n.Chr. setzte im weströmischen Reich eine, politische, wirtschaftliche und kulturelle Transformation von der Spätantike zum frühen Mittelalter ein (Kontinuitäten, Zäsuren). Dreh- una Angelpunkt dieser Entwicklung war das (west-) römische Kaisertum; die Kaiser stammten bis zur Ermordung Valentinians III. (425-455) aus der Dynastie des Theodosius (379-395). Immer wieder waren es Usurpationen des Kaiserstums und mächtige warlords wie Aetius (†454), die die Macht der weströmischen Kaiser in den Bürgerkriegen des 5. Jahrhunderts zunehmend schmälerten. Die Kaiser verloren die politische Kontrolle über die Provinzen in Britannien, Nordgallien, Spanien und Nordafrika, zumal nach dem katastrophalen Scheitern eines römischen Angriffs auf die Vandalen in Afrika (468). Dabei kam den Heeren föderierter "Barbaren" eine wichtige Rolle zu; nicht zuletzt sollte sich vor dem Hintergrund des Machtverlusts des weströmischen Kaisertums aus den "Traditionskernen" germanischer gentes auf dem Gebiet des römischen Reiches die "germanischen" Königreiche des frühen Mittelalters entwickeln. 476/80 erlosch das weströmische Kaisertum, in der Folge der Erorberung Italiens und Nordafrikas durch den oströmischen Kaisers Justinian I. (527-565) wurden weströmischer Hof und Reichsverwaltung abgeschafft (constitutio pragmatica von 554). Weströmische Gegenkaiser in Ravenna und Karthago waren Eleutherius (619), Gregorius (ca.645) und Olympius (650); Kaiser Constans II. (641-669) residierte 661 in Rom, ab 661 in Syrakus. Im Jahr 800 wurde der Frankenherrscher Karl der Große (768-814) (westlicher) Kaiser. [Buhlmann, 09.2013]

Börner, Gerhard (2002), Kosmologie. Die Evolution des Universums: Vom Urknall zur komplexen Welt der Galaxien (= Fischer kompakt Nr.15355), Frankfurt a.M. 2002 > U Universum

Börner, Gerhard, Ehlers, Jürgen, Meier, Heinrich (Hg.) (1993), Vom Urknall zum komplexen Universum. Die Kosmologie der Gegenwart (= SP 1850), München 1993 > U Universum

Börsting, Heinrich, Borger, Hugo, Elbern, Victor H. (1959), Sankt Liudger 809-1959. Gedenkschrift zum 1150. Todestage des Heiligen, Essen-Werden 1959 > L Liudger

Börsting, Heinrich, Schröer, Alois (Hg.) (1948/50), Liudger und sein Erbe (= Westfala Sacra, Bd.1-2), 2 Bde., Münster 1948-1950 > L Liudger

Boesken, Clemens-Peter (1996), Hexenprozeß. Gerresheim 1737/38: Die letzte Hexenverbrennung im Rheinland, Düsseldorf 1996 > G Gerresheim

Bogner, Franz X. (2005), Das Land des Neckars, Ostfildern 2005, 120 S., zahlreiche Farbabbildungen und Luftbildaufnahmen, eine Karte, € 7,-, ist unterteilt in: Geologie und Geschichte des Neckars (Rhein- und Ur-Lone-Neckar vor 15 Millionen Jahren, geologische Schichtung vom Trias zum Jura, Flussname [nik, neik = heftig, schnell, ara = Wasser]); oberer Neckar: Schwenningen (Neckarursprung), Rottweil (römische Stadt Ara Flaviae, fränkischer Königshof, Reichsstadt, Fasnacht), Oberndorf (keltische und römische Funde), Sulz (römisches Kastell), Horb (mittelalterliche Stadt), Rottenburg (römischer Ort Sumelocenna, mittelalterliche Stadt), Tübingen (Ersterwähnung 1078, Tübinger Pfalzgrafen, Universitätsstadt), Hohentübingen, Pliezhausen (römische Funde), Neckarhausen, Neckartailfingen (Besitz des Klosters Hirsau), Nürtingen (römischer Gutshof), Köngen (Römerbrücke), Plochingen (Neckarknie, Hundertwasserhaus); mittlerer Neckar: Esslingen (Stadtkirche St. Dionys, Markt, Reichsstadt, Rotenberg), Untertürkheim, Wangen, Stuttgart ("Stutengarten" 10. Jahrhundett, Schlossanlagen), (Bad) Cannstatt (Mineralquellen), Münster, Remseck, Ludwigsburg (als "Versailles Württembergs"), Marbach (als Geburtsort Friedrich Schillers), Benningen (an der Mündung der Murr), Beihingen (noch alemannisch), Pleidelsheim (schon fränkisch), Ingersheim, Mundelsheim (und seine Weinberge), Hessigheim (Weinort), Besigheim (an der Mündung der Enz, mittelalterliche Stadt zwischen Schochenturm und Palas einer Burg), Walheim (römisches Kastell, fränkische Siedlung des Frühmittelalters), Gemrigheim (Kirche mit Wandmalereien), Neckarwestheim, Obrigheim (Atomkraftwerk), Kirchheim, Liebenstein (Schloss, Kapelle), Lauffen (Geburtsstadt Friedrich Hölderlins), Heilbronn (Ersterwähnung 741/822, Hafen und Umschlagplatz, Bombenangriff 1944); unterer Neckar: Bad Friedrichshall (ab den 1950er-Jahren, Salzvorkommen), Neckarsulm (Deutscher Orden, NSU-Motorenwerke), Bad Wimpfen (Stauferpfalz), Wimpfen im Tal (römisches Lager, Kirche), Ehrenberg (Burg), Horneck (Deutschordenschloss), Gundelsheim, Hornberg (Burg des Götz von Berlichingen), Guttenberg (Burg), Zwingenberg (Burg), Neckarelz (Johanniterburg, Schatzhaus), Eberbach (Stauferstadt), Hirschhorn (mittelalterliche Altstadt), Neckarsteinach (Burgen Vorder-, Mittel-, Hinterburg, Schadeck), Dilsberg (Burg, Kleinstadt), Neckargemünd (Stadtmauer, Fachwerkhäuser, ehemalige Neckarschlinge), Mauer (homo heidelbergensis), Neuburg (römischer Tempel, Burg von 1130), Heidelberg (Lage, Altstadt, Altes Schloss, Universität von 1386), Ladenburg (römische Stadt Lopodunum, fränkischer Königshogf, Vorort des Lobdengaus, Galluskirche, Autowerkstatt Carl Benz & Söhne, Schwemmfächer des Neckars), Mannheim (Ersterwähnung 766, kurpfälzische Residenzstadt, Altstadt und Quadrate, Neckarmündung in den Rhein); Ökologie (Weinberge, Schifffahrt, Umweltschutz). [Buhlmann, 08.2011]

Bogumil, Karlotto (1972), Das Bistum Halberstadt im 12. Jahrhundert. Studien zur Reichs- und Reformpolitik des Bischofs Reinhard und zum Wirken der Augustiner-Chorherren (= MdtF 69), Köln-Wien 1972, IX, 298 S., DM 36,-. Das Bistum Halberstadt sah unter den Bischöfen Burchard II. (1059-1088) und Herrand (1089-1102) erste Maßnahmen der Kirchenreform an Bistum und Klöstern; Burchard geriet in Opposition zu König Heinrich IV. (1056-1106), Herrand reformierte insbesondere die Benediktinerklöster in der Halberstädter Diözese. Unter Bischof Reinhard (1106-1122), der zunächst auf Seiten König Heinrichs V. (1106-1125) stand, sich dann aber der sächsischen Fürstenopposition gegen den Salier anschloss, dienten Reformmaßnahmen, die durchaus an die Herrands anschlossen, diese aber in andere Richtung erweiterten, der Intensivierung von bischöflicher Herrschaft und Verwaltung im Zuge einer bischöflichen Reichs- und Territorialpolitik. Herrschaft und Verwaltung ruhten dabei weniger auf den monastischen Institutionen (Ilsenburger Reformkreis von Herrandklöstern: Ilsenburg, Wanlefsrode, Huysberg, Wimmelburg, Hillersleben, Harsefeld, St. Maria/St. Ägidien in Braunschweig), sondern auf den bischöflichen Stiften für regulierte Kanoniker und Augustinerchorherren (Augustinerchorherrenstifte: Osterwieck/Hamersleben, St. Johann in Halberstadt, Kaltenborn, Schöningen, Abbenrode, Roßleben; Benediktinerinnenklöster mit Augustinerchorherren als Pröpsten: Stötterlingenberg, Hadmersleben, Drübeck, Gerbstedt; Wirksamkeit der Augustinerchorherren in den Diözesen Hildesheim und Magdeburg; päpstliche Privilegien und Reformkongregation; Stifte und sich ausbildende Archidiakonatsverfassung des Bistums). Politisch sollten die Stifte der Chorherren die weitere Entwicklung des Halberstädter Bistums im 12. Jahrhundert mitbeeinflussen; sie verstanden sich durchaus als Sachwalter eines eigenständigen Bistums, auch gegen Bischöfe wie Otto (1123-1135; 1128/29 Absetzung, 1129 Versuche der Beendigung der Bischofsvakanz [primicerius Albero von Metz], 1131 Einsetzung, 1135 erneute Absetzung) oder Gero (1160-1177, Absetzung nach Ende des alexandrinischen Papstschismas [1159-1177]). Hingegen betrieben die Bischöfe Rudolf I. (1136-1149) und Ulrich (1149-1160, 1177-1180) eine mit den Augustinerchorherren weitgehend interessenkonforme Politik. [Buhlmann, 04.2012]

Bohn, Robert (2011), Geschichte der Seefahrt (= BSR 2722), München 2011, 128 S., € 8,95. Bei den maritimen Kulturen (Gesellschaften, Kulturgruppen) von der Vorgeschichte bis heute spielte die (ozeanische, transozeanische, Küsten-) Seefahrt von jeher eine wichtige Rolle in Handel, Krieg und Kommuniktaion. Maritime Kulturen und Reiche der Weltgeschichte waren: 3. Jahrtausend-6. Jahrhundert v.Chr. Altes Ägypten; 1. Jahrtausend-2. Jahrhundert v.Chr. Phönizier und Karthager; 8./7.-3./2. Jahrhundert v.Chr. Griechen, griechische Kolonisation und Hellenisums; 3.-1. Jahrhundert v.Chr.-5. Jahrhundert n.Chr. römisches Reich und Mittelmeer; 2./1. Jahrhundert v.Chr.-7./8. Jahrhundert n.Chr. China und frühe chinesisch-indisch-südostasiatische Seefahrt; -5. Jahrhundert n.Chr. polynesische Schifffahrt; 5./9.-10./11. Jahrhundert Wikinger; 7./8.-15./16. Jahrhundert Islam und arabisch-indische Seefahrt; 10.-15/16. Jahrhundert China und chinesisches Seereich; 11./12.-15./16. Jahrhundert italienische Stadtstaaten im Mittelmeer; 12./13.-16. Jahrhundert deutsche Hanse; 15.-17./18. Jahrhundert Portugal und portugiesisches Seereich in Afrika, Indien und Ostasien; 15./16.-18. Jahrhundert Spanien und spanisches Kolonialreich in Amerika; 16.-20. Jahrhundert England und das British Empire in Nordamerika, Karibik, Indien (East Indian Company), Australien; 17.-18. Jahrhundert Niederlande und die Ostindische Kompanie; 19. Jahrhundert Industrialisierung; 20. Jahrhundert Weltkriege, Ost-West-Konflikt (16.-20./21. Jahrhundert Globalisierung der Seefahrt). Die Hilfsmittel zur Seefahrt wurden im Laufe der Jahrtausende vielfältiger, was Schiffe (Vor- und Frühgeschichte: Einbaum, Flöße, Papyrusboote, Segelschiffe, Kanus; Phönizier: Segel, durchgängier Kiel; Griechen und Römer: Galeeren, Trieren, Handelsschiffe; Wikinger: Langschiff; Araber: Dhau; Chinesen: Dschunke; Hanse: Kogge, Hulk; Portugal, Spanien: Karavelle, Galeone; Niederlande: Fleute; 18./19. Jahrhundert: Vollschiffe, Schoner, Klipper, Viermastbark; 19. Jahrhundert: Dampfschifffahrt; 20. Jahrhundert: Ausweitung der Schiffsgrößen, Containerschiffe) und Fähigkeiten (Navigation), Ausstattung und Art der Seefahrt (Vor-, Frühgeschichte, Antike: Küstenschifffahrt, Navigation nach Sonne und Sternen, Häfen- und Kaianlagen, Leuchttürme, Infrastruktur, Periploi; China, arabischer Raum: Kompass; Mittelalter: Astrolabium, Uhren, Kompass, Segelanweisungen, Portolankarten; frühe Neuzeit: Seekarten, Bestimmung des Längengrads, Sextant; 18./19. Jahrhundert: Linien- und Trampschifffahrt; 19.-21. Jahrhundert: Passagierschifffahrt [Auswanderung], Kreuzfahrten) anbetraf. Dies führte u.a. zur maritimen Entdeckung und Eroberung der Welt (ca.600 v.Chr. phönizische Afrikaumseglung?; ca.500 v.Chr. Hanno von Karthago in Westafrika; ca.1000 n.Chr. Wikinger in Grönland und Nordamerika; 1405/33 chinesische Expeditionen; 1492/1503 Karibikfahrten Christoph Columbus'; 1497/99 Afrikaumseglung Vasco da Gamas; 1519/22 Weltumseglung Magellans; 1772/75, 1776/79, 1779 Entdeckungsfahrten James Cooks). [Buhlmann, 10.2011]

Bohn, Thomas (2002), Gräfin Mechthild von Sayn (1200/03-1285). Eine Studie zur rheinischen Geschichte und Kultur (= RA 140), Köln-Weimar-Wien 2002, 721 S., € 29,-. Mechthild von Sayn, geboren um 1200/03, verstorben am 7. Juli 1285, Mitglied der Familie der ludowingischen Landgrafen von Thüringen, heiratete 1215 den bedeutenden mittelrheinischen Grafen Heinrich III. von Sayn (1202-1247). Als Gräfin unterstützte sie ihren Mann in politischen Angelegenheiten (Kreuzzug 1218/19, Abwehr eines Prozesses wegen Ketzerei 1233/34), förderte den Ruhm der Grafenfamilie im Rahmen von höfischer Kultur und Repräsentation oder durch geistliche Stiftungen. Nach dem Tod Heinrichs (1247) konnte die Witwe Mechthild zunächst ihre allodiale Westerwälder Landesherrschaft behaupten, dessen Anwartschaft sie 1250 gegen eine jährliche Rente an den Kölner Erzbischof verkaufte, und fand weiter Unterstützung beim Kölner Domkapitel und im Kölner Zisterzienserinnenkloster Seyne (Sion), Letzteres vielleicht eine Stiftung Mechthilds und Heinrichs. Im Kloster residierte die Gräfin - wenn sie in Köln war -, ohne Nonne zu werden, da sie sich als Landesherrin weiter um die Belange ihrer Abhängigen kümmerte. Außerdem förderte sie (weiterhin) die Frauenkonvente in Walberberg, Blankenberg, Herchen (, Drolshagen?). Die im Vergleich zu ihren Verwandten Elisabeth von Thüringen oder Hedwig von Schlesien zurückhaltend einzuschätzende Art ihrer weitgehend karitativ bestimmten Frömmigkeit beeinflusste dennoch die Frauenfrömmigkeit in Köln im 13. Jahrhundert. Nach Mechthilds Tod wurde ihr Leichnam im Kloster Seyne vor dem Hauptaltar bestattet. [Buhlmann, 01.2010]

Bonifatius, angelsächsischer Missionar und Bischof: Die angelsächsische Mission auf dem Festland - in Hessen und Thüringen, aber auch in Sachsen und Friesland - ist auch mit dem Namen des Winfrid-Bonifatius (*672/75-†754) verbunden. In Wessex wurde Winfrid geboren, in Exeter und Nursling zum Mönch erzogen, nach 701 zum Priester geweiht. Es folgten 716 und - nach einem Aufenthalt in Rom - 719/21 erste Missionsreisen zu den Friesen, wo er Willibrord (†739) unterstützte und bei Utrecht, an der nördlichen Zuidersee und bei Haarlem wirkte. Es folgten weiter 722 die Weihe zum Missionsbischof und vielleicht ein Missionierungsversuch bei den Altsachsen, wie ein Brief Papst Gregors II. (715-731) nahe legt, der die Altsachsen zum Übertritt zum Christentum aufrief und ihnen den Missionar Winfrid-Bonifatius empfahl. 723/25 missionierte Bonifatius in Hessen und Thüringen, 732 erhielt er durch Papst Gregor III. (731-741) das Pallium. 738 wurde Bonifatius päpstlicher Missionslegat, der sich noch im selben Jahr groß angelegten Bekehrungsversuchen bei den Sachsen im Grenzgebiet zu Hessen und Thüringen widmete. Auch die Kontakte zu den Karolingern und den bayerischen Großen waren intensiv, liefen aber bei der Reorganisation der Landeskirchen nicht immer ohne Streitigkeiten ab. Seit dem Concilium Germanicum (743?) war Bonifatius Metropolit der austrasischen Kirche und begann mit deren Organisation, die indes schleppend verlief und mit persönlichen Rückschlägen verbunden war. Zu groß waren noch - trotz der Unterstützung des maßgeblich an einer Kirchenreform interessierten Hausmeiers Karlmann (741-747) - die Widerstände im fränkischen Episkopat gegen eine romverbundene, kanonisch geordnete Kirche im angelsächsischen Sinn. Zumindest indirekt brachte aber die Romorientierung des Bonifatius das Zusammengehen von Papst Zacharias (741-752) und Hausmeier Pippin dem Jüngeren (741-751/68), das in der bekannten Königserhebung und Salbung Pippins (751) sowie in der sog. Pippinschen Schenkung (754) gipfelte. Dagegen wurde für Bonifatius ab 753 nochmals die Friesenmission aktuell; räuberische Friesen erschlugen ihn zusammen mit Eoban und ungefähr fünfzig weiteren Gefährten am 5. Juni 754.
Biografien über Bonifatius sind: Padberg, Lutz E. von (2003), Bonifatius. Missionar und Reformer (= BSR 2319), München 2003, 128 S., € 7,90; Schieffer, Theodor (1954), Winfried-Bonifatius und die christliche Grundlegung Europas, 1954, Darmstadt Nachdruck 1980, XI, 337 S., DM 46,-. Quellen zur Geschichte des Bonifatius enthält: Briefe des Bonifatius. Willibalds Leben des Bonifatius, hg. v. Reinhold Rau (= FSGA 4b), Darmstadt 21988, 535 S., DM 45,-. [Buhlmann, 09.2003, 05.2012]

Bonner Jahrbücher. Jahrbücher des Vereins von Alterumsfreunden im Rheinlande / des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Rheinischen Landesmuseums in Bonn / des Rheinischen Landesmuseums in Bonn im Landschaftsverband Rheinland und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande / des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande / des LVR-Landesmuseums Bonn und des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland sowie des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, haben Archäologie, Geschichte und Denkmalpflege innerhalb der ehemaligen preußischen Rheinprovinz (Niederrhein, nördlicher Mittelrhein) zum Inhalt.
U.a. sind erschienen: Bonner Jahrbücher H.119 (1910). Beilage: Bericht der Provinzialkommission für Denkmalpflege und der Altertums- und Geschichtsvereine innerhalb der Rheinprovinz (vom 1. April 1908 bis 31. März 1909), Bonn 1910, 368 + 154 S., Schwarzweißabbildungen, -tafeln, RM 15,- (mit den Beiträgen: Wünsch, R., Die Laminae litteratae des Trierer Amphitheaters; Zilliken, G., Der Kölner Festkalender. Seine Entwicklung und seine Verwendung zu Urkundendatierungen. Ein Beitrag zur Heortologie des Mittelalters; Gebert, W., Limes. Untersuchungen zur Erklärung des Wortes und seiner Anwendung; Lehner, H., Die neolithische Festung bei Mayen in der Eifel; Hagen, J., Einzelfunde von Vetera 1908/9; Lehner, H., Das Heiligtum der Matronae Aufaniae bei Nettersheim; Funck, E., Römische Töpfereien in Remagen; Günther, A., Vorgeschichtliche Ansiedlungen am Jägerhaus bei Urmitz; Günther, A., Brandgräber der jüngeren Bronzezeit in Metternich bei Coblenz; Berichte). [Buhlmann, 05.2016]

Bonwetsch, Nathanael (1897), Studien zu den Kommentaren Hippolyts (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur, Bd.I, H.7), Leipzig 1897 > H Hippolyt

Boockmann, Hartmut (1981), Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, München 21982 > D Deutscher Orden

Boor, Helmut de (1975), Actum et Datum. Eine Untersuchung der deutschen Urkunden im 13. Jahrhundert (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Kl. Jg. 1975, H.4), München 1975, 100 S., € 3,-. Die im 13. Jahrhundert aufkommenden (über 4000) deutschen Urkunden zeichnen sich wie die lateinischen durch (die weniger lateinische, überwiegend deutsche) Nennung von Ausstellungsdatum und -ort im sich ausbildenden Urkundenformular aus. Dabei gilt in Abhängigkeit von regionalen Bezügen (Oberdeutschland: Südwestdeutschland [Oberrhein, Elsass, Bodensee, Schwaben], bayerisch-österreichischer Raum; Mitteldeutschland [vom Saarland bis nach Thüringen]; ripuarisch-rheinischer Bereich; Niederdeutschland; Übergewicht oberdeutscher Urkunden, geringe Anzahl deutscher Urkunden im Mitteldeutschen und Rheinischen, kaum deutsche Urkunde in Niederdeutschland): a) Ausstellungsjahr in der Form "eintausendzweihundert..." oder "zwölfhundert...", Letzteres wohl ausgehend und sich ausbreitend von Freiburg und dem Breisgau; b) Ausstellungsjahr als (durchgehende) Kardinalzahl oder als (teilweise) Ordinalzahl (Zehner und Einer oder Einer als Ordinalzahlen); c) actum et datum als "geschehen" (statt lateinisch "verhandelt" o.ä.; Sichtweise auf den Rechtsakt, zunehmende Bedeutung der Urkunde gegenüber dem Rechtsakt mit den Zeugen) und "gegeben" (datum-Formel zunächst wenig benutzt [bis 1280], dann gleichziehend mit der actum-Formel; daneben actum/datum-Formel); d) anno domini als "nach/von/sit der geburt(e) gotes/christes/unseres herren" (ohne Bezug auf die Inkarnation, para-/hypotaktisch benutzt ["als ez waren", "als man zalte", Letzteres von Freiburg und Breisgau ausgehend]) mit domini als "herren" (Südwestdeutschland) bzw. "christes" (Bayern); e) Tagesdatum gemäß Rechnung nach Heiligen- oder Festtagen, seltener nach Tageszahl im Monat (Bezeichnung "tag", dult, messe); f) Ortsangabe für den Ort des Rechtsakts (Städte, größere Orte, genaue Ortsbezeichnungen [zwischent Schilta un Wolfa zu der halben mile u.a.). [Buhlmann, 07.2014]

Borchert, Sabine (2005), Herzog Otto von Northeim (um 1025-1083). Reichspolitik und personelles Umfeld (= VHKNB 227), Hannover 2005, 263 S., € 9,-. I. Otto (*ca.1025-†1083) entstammte der Northeimer Grafenfamilie: Siegfried I. (†1004); die Brüder Siegfried II. (†1025), Benno (†n.1047, als Vater Ottos); Otto (†1083); Heinrich (†1101), Siegfried III., Kuno als Söhne Ottos; Siegfried IV. II. Die Northeimer Grafen standen in Verbindung mit dem Bischof von Hildesheim und dem Erzbischof von Mainz und waren im Netzwerk der Adels- und Fürstenfamilien in Sachsen mit einbezogen (Billungerherzöge, Grafen von Stade). Auf Allodial- und Lehnsbesitz sowie Grafschaftsrechten und (später) der Corveyer Klostervogtei beruhte die Machtstellung Ottos von Northeim, als er gegen Mitte des 11. Jahrhunderts die Nachfolge seines Vaters Benno antrat. Gerade die sich ausweitenden Beziehungen zum Mainzer Erzbischof ermöglichten Otto den Zugang zum König Heinrich IV. (1056-1106) und der Regentin Agnes von Poitou. In wechselnden politischen Konstellationen gelang es dem Grafen in den 1050er- und 1060er-Jahren, die Nähe zum König auszubauen und mitunter entscheidend auf die Politik des (unmündigen) Herrschers Einfluss zu nehmen. 1061 wurde der Northeimer Herzog von Bayern (1061-1070), wobei er sich als Landfremder nur auf eine schmale Basis aus (Königs-/) Herzogsgut (Regensburg, Ranshofen, Altötting) sowie auf die an ihn verliehene Abtei Niederaltaich stützen konnte. Otto beteiligte sich an der vom Kölner Erzbischof Anno II. initiierten Entführung Heinrichs IV. in Kaiserswerth (1062), näherte sich aber - vor dem Hintergrund des Streits um die Regentschaft für den König - in der Folge dem Mainzer (1062/63) und Bremer Erzbischof an (1063/65). Unter Ottos Leitung fanden Heerzüge gegen Ungarn (1063) und die Elbslawen (1069) statt; zudem war Otto in die italienischen Angelegenheiten des Reichs eingebunden (1064/68), während der angestrebte Italienzug des Königs scheiterte (1067). Im Zusammenhang mit einem thüringischen Aufstand (1069) und einem Komplott der Fürsten sowie vor dem Hintergrund einer Entfremdung zwischen dem Mainzer Erzbischof Siegfried und dem Herrscher wurde Otto dessen bayerisches Herzogsamt entzogen (1070). In der Folgezeit wechselten Phasen der Annäherung und der Distanz zwischen dem Northeimer und dem König. Im sächsischen Aufstand (1073-1075) kämpfte Otto, der sich immer noch Herzog nannte, auch um die Rückkehr in die Reichspolitik; so wurde er, nachdem er seinen Frieden mit Heinrich IV. gemacht hatte, dessen procurator mit herzoglichen Vollmachten für Sachsen. Mit der Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden (1077-1080) wurde Otto zum wichtigsten Parteigänger Rudolfs in Sachsen (Schlachten von Mellrichstadt 1078, Flarchheim 1080, an der Elster 1080), eine Stellung, die der Northeimer auch unter dem Gegenkönig Hermann von Salm (1080-1087) einnahm. Die faktische Führerschaft, die Otto in Sachsen einnahm, wirkte sich dabei auch seine Beziehungen zu den Gegenkönigen aus. Am 11. Januar 1083 ist Otto verstorben und wohl in der Northeimer Nikolauskapelle begraben worden. Schon vorher hatte sich Otto mit Stiftungen um sein jenseitiges Seelenheil gekümmert, wohl anlässlich des Todes seiner Ehefrau Richenza (Memorialstiftungen für das Stift Harsefeld, Gründung des Kanonikerstifts Northeim [v.1083, Nikolauspatrozinium der Kapelle, später Kloster], Beziehungen zu den geistlichen Kommunitäten Fulda und Hasungen). [Buhlmann, 07.2014]

Borger, Hugo (1968), Möglichkeiten und Grenzen der Archäologie des Mittelalters, dargelegt an dem Beispiel Xanten, in: FMSt 2 (1968), S.251-277, behandelt die Xantener "Märtyrergräber" des spätantiken Gräberfeldes unter dem Dom (Steinsarkophag mit Skelett eines enthaupteten Mannes, Memorialbau; Holzsarg mit den Resten zweier enthaupteter Männer; 4. Jahrhundert, 2. Hälfte), weiter die erste, karolingerzeitliche Kirche (n.752/68) des Xantener (ersten, zweiten) monasterium über einem vor 450 errichteten spätantiken Memorialbau; das kleine Gotteshaus wurde an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert durch einen Rechteckostchor erweitert, nachdem im Westen der Kirche die Wohngebäude des monasterium entstanden waren (vita communis der Stiftskanoniker). [Buhlmann, 07.1988]

Borgolte, Michael (1977), Karl III. und Neudingen. Zum Problem der Nachfolgeregelung Ludwigs des Deutschen, in: ZGO 125 (1977), S.21-55. Durch die Neudatierung einiger St. Galler Urkunden kann der spätere karolingische König und Kaiser Karl III. (876-888), der Sohn des ostfränkischen König Ludwig des Deutschen (833/40-876), als princeps oder rector in Alemannien schon ab dem Jahr 859 nachgewiesen werden. Wie bei seinen Brüdern Karlmann (876-880) und Ludwig den Jüngeren (876-882) in Bayern bzw. Sachsen war auch Karl durch den Vater frühzeitig ein (den Grafschaften übergeordnetes) Prinzipat (im Breisgau) mit beschränkten herrscherlichen Rechten (Nachfolgeregelung von 865) zugewiesen worden, das sich in Frontstellung zum Elsass, einem Teil des lothringischen Königreichs, befand. Als 870 der Ostteil Lothringens ostfränkisch wurde (Vertrag von Meersen), verlor Alemannien seine Grenzstellung. In der Folge verlagerte sich das Prinzipat Karls in die Baar, einer der Kernlandschaften Alemanniens; Mittelpunkt und Machtzentrum Karls war der (archäologisch trotz "Pfalzkapelle" auf dem Platz "Mariahof" [8.-11. Jahrhundert] noch nicht nachweisbare) Königshof in Neudingen; Neudingen wird erstmals in einer St. Galler Urkunde vom 10. April 870 erwähnt, die Karl als rector pagi bezeichnet. Für die Zeit Karls III. als König kann dann von einem Ausbau königlicher Macht auf der Baar gegen den einheimischen Adel (Alaholfinger) und das Kloster St. Gallen gesprochen werden. Dabei war das Königsgut um Neudingen als Rektorat Karls bzw. (nachfolgend) als Vikariat des königlichen Amtsträgers und missus Ruadpert (des Priesters und Kustos der königlichen Hofkapelle?) organisiert. Nicht von ungefähr begab sich der im November 887 abgesetzte Kaiser Karl III. nach (und in sein Machtzentrum) Neudingen, wo er am 13. Januar 888 starb. Das Prinzipat bzw. Rektorat Karls im Breisgau bzw. auf der Baar kann dann als "Stammeskönigtum" als Vorläufer des "jüngeren Stammesherzogtums" in Alemannien gelten, Karl mithin als "Vorläufer" der schwäbisch-alemannischen duces des 10. Jahrhunderts. Neudingen selbst wird als Mittelpunkt von Baaremer Königsgut (in Trossingen) nochmals erwähnt in einem Diplom König Ottos I. (936-973) vom 1. Januar 950. [Buhlmann, 11.2013]

Borgolte, Michael (1984), Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit (= VuF Sbd.31), Sigmaringen 1984, 308 S., DM 42,-; Borgolte, Michael (1986), Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie (= AG 2), Sigmaringen 1986, 342 S., DM 69,-. Es geht um die politische Raum- und Binnengliederung des merowingischen und karolingischen Frankenreichs (6. Jahrhundert-10. Jahrhundert, Anfang) in Südwestdeutschland. Mit der Unterwerfung der Alemannen unter die fränkische Herrschaft begann in Südwestdeutschland die Merowingerzeit (ca.500-ca.700). Eine Folge der fränkischen Eroberung war, dass der Nordteil Alemanniens nunmehr zu Franken gehörte und Alemannien-Schwaben zum Land an Ober- und Hochrhein, oberem Neckar und oberer Donau wurde. Dieses Alemannien ist dann vom fränkisch-merowingischen Königtum als politisches ("älteres Stammes-") Herzogtum organisiert worden, so dass man die Alemannen - ungeachtet aller ethnischen Aspekte - als die Bewohner dieses Herzogtums begreifen kann. Im 6. Jahrhundert treten dann fränkisch-alemannische Herzöge als Amtsträger des merowingischen Königtums erstmals in Erscheinung. Damals gehörte Südwestdeutschland - man beachte die Teilungspraxis bei den Merowingerherrschern - zum Reimser Teilreich. Unter Chlothar II. (584/613-629) und seinem Sohn Dagobert I. (623/29-639) ist dann eine deutliche Einflussnahme des gesamtfränkischen Königtums auf Alemannien festzustellen, die mit der Christianisierung, der kirchlichen und der politischen Organisation in Verbindung gebracht werden kann. Der Ausfall des merowingischen Königtums als Machtfaktor führte seit dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts zu Anarchie, wachsendem Einfluss der Großen und schließlich zum endgültigen Aufstieg der Karolinger, der austrasischen Hausmeier. Die Schwäche des damaligen Königtums bedeutete zugleich eine Verselbstständigung des alemannischen Herzogtums vom Frankenreich. Nach der erneuten, gegen Mitte des 8. Jahrhunderts erfolgten Einbeziehung Alemanniens in das Frankenreich der Karolinger erlangte die fränkische Herrschaft mit der Entwicklung einer Grafschaftsorganisation eine neue Qualität. Grafen im karolingischen Frankenreich übten, soweit sie Amtsträger des Königs waren, als Stellvertreter des Herrschers auf lokaler Ebene "hoheitlich-staatliche" Funktionen, königliche Rechte wie Gerichtsbarkeit, Königsschutz, Friedenswahrung und den Heerbann aus. Um die Mitte des 8. Jahrhunderts sind fränkische Amtsträger belegt, die wie Chancor, Warin oder Ruthard die politische Neuorganisation im Sinne der Karolinger vorantrieben; unter König Karl dem Großen (768-814) erfolgte die Einbindung des fränkisch-alemannischen Adels in das karolingische Großreich. Im Rahmen der karolingischen Teilungspraxis des Gesamtreiches wurde Alemannien im Verlauf des 9. Jahrhunderts Teil der Herrschaftsgebiete Karls II. des Kahlen (829-831/33, 840-877), Ludwigs II. des Deutschen (831/33/40-876) und Karls III. des Dicken (859/76-887/88). Karolingerzeitliche Grafschaften des 8., 9. und beginnenden 10. Jahrhunderts sind dann fassbar im Gebiet an oberer Donau und oberem Neckar, also in der Landschaft der Baaren und Huntaren (Albuins-, Adelhards-, Bertholdsbaar), an Bodensee und Hochrhein (Aargau, Alpgau, Argengau, Augstgau, Hegau, Linzgau, pagus Untersee, Thurgau), am Oberrhein (Breisgau, Ortenau) sowie anderswo in Alemannien (Allgäu, Nibelgau, Zürichgau). [Buhlmann, 10.2013]

Borgolte, Michael, Tischler, Matthias M. (Hg.) (2012), Transkulturelle Verflechtung im mittelalterlichen Jahrtausend. Europa, Ostasien und Afrika, Darmstadt 2012, 271 S., € 49,90. Bezieht man die Zeit des europäischen Mittelalters (ca.500-ca.1500) globalgeschichtlich auch auf andere Kontinente wie Asien oder Afrika, so lassen sich unter den Begriffen "Migration", "transkulturelle Verflechtung" und "hybride Kulturen" interessante Entwicklungen ausmachen ("mediävistische Migrationsforschung" im Rahmen von Globalgeschichte). I. Migrationsbewegungen etwa von Nubiern, Beja und Arabern im Nubien des Nordsudan (Niltal zwischen 1. und 4. Katarakt) bestimmten die "mittelalterliche" Geschichte des nubischen Königreichs Makuria, der im beginnenden 6. Jahrhundert erstmals fassbaren Reichsbildung in der Nachfolge des meroitischen Reichs (bis 4. Jahrhundert) und des daran anschließenden "dunklen" (5.) Jahrhunderts. Hauptstadt des Reiches von Makuria war Dongola; das Reich war zunächst christlich geprägt, die byzantinisch-christliche Kirche übte einen wichtigen Einfluss im Reich aus, während die ägyptisch-koptische Kirche demgegenüber zurücktrat. Mit der Eroberung Ägyptens durch die Araber kam das Königreich von Makuria in Kontakt zu den Arabern und zum Islam (Baqt-Vertrag von 642). Araber - und Beja - wanderten in den folgenden Jahrhunderten verstärkt in den Nordsudan ein und bestimmten zunehmend Religion, Gesellschaft und Herrschaft im Makuria-Reich (muslimische Könige ab 1323); das Christentum blieb bis ins 15. Jahrhundert bedeutsam. Kulturelle Hybridisierungen fanden damit einhergehend in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen statt: die Volksgruppe der Beni Kanz, der nubisierten Kenzi, hatte wohl Wurzeln bei den Beja und den Arabern; das in den ersten Jahrhunderten des Makuria-Reichs bestimmende Griechisch klang im 14./15. Jahrhundert aus, das Koptische war als Kirchensprache bis ins 12. Jahrhundert bestimmend, Schriftsprache wurde zudem ab dem 8. Jahrhundert das Nubische, bis im 15. Jahrhundert sich das Arabische als Schriftsprache durchsetzte. Insgesamt steht somit das Königreich von Makuria für aus den Migrationsbewegungen resultierende inter- und transkulturelle Verflechtung, für eine hybrid-dynamische Gesellschaft (Marianne Bechhaus-Gerst, Nubier, Beja, Griechen, Kopten und Araber in Dongola. Der Nordsudan als kosmopolitischer Raum im mittelalterlichen Jahrtausend). II. Arabisch-iranisch-islamische Einflüsse auf die "mittelalterliche" chinesische Medizin, vermittetelt durch wissenschaftliche Aufzeichnungen, Arzneidrogen und (zoroastrische, nestorianische, muslimische) Ärzte, sind seit dem 9. Jahrhundert (Tang-Zeit 618-906) und in der Song-Zeit (960-1279) überliefert. In der Zeit des mongolischen Weltreichs und der mongolischen Yuan-Dynastie in China verstärkte sich der Einfluss der 'westasiatisch-muslimischen' Huihui-Medizin noch; Huihui-Ärzte lebten und behandelten im mongolischen China (Rolle der Hafenstädte und des Handels), es gab "muslimische Medizinalämter" (1292/1322), der Wissenstransfer von West nach Ost schlug sich in medizinischen Texten Yuan-Chinas nieder ("Yinshan zhengyao" zur Diätetik, "Huihui yaofang" als Handbuch) (Angela Schottenhammer, 'Westasiatisch-muslimische' (Huihui-) Medizin und Ärzte im yuanzeitlichen China (13.-14. Jahrhundert). III. Das japanische "Frühmittelalter" (5.-8. Jahrhundert) ist durch die Entstehung Japans (Nihon, Nippon) auf der Hauptinsel Honshû im 7. und 8. Jahrhundert geprägt. Der Staatsbildung (Yamato-Staat) voraus gingen Jahrhunderte von Migrationen und transkulturellen Verflechtungen. Wanderungsprozesse zwischen dem 3. vorchristlichen und dem 3./4. nachchristlichen Jahrhundert lassen dabei Einflüsse von Westen und Norden auf die japanischen Inseln erkennen, insbesondere von der koreanischen Halbinsel (japanische Adelsfamilien mit kontinentaler Herkunft, Wissenstransfer [Metallverarbeitung, Architektur, Agrarwirtschaft], politisches System [Rangsysteme, Bürokratie], Religion [Buddhismus, Shintô]). Der japanische Staat war dann in den Jahrhunderten des "Mittelalters" (7.-16. Jahrhundert) auf den Süden und Westen der Insel Honshû beschränkt, bei einer kulturell-staatlich-ethnischen Zwischen- und Grenzzone im Nordosten von Honshû bzw. im Südwesten Hokkaidos (Emishi) und der im 13. Jahrhundert entstehenden Ainu-Kultur nördlich davon (Klaus Vollmer, 'Isoliertes Inselland' oder 'Zum Meer geöffneter Archipel'? Perspektiven auf transkulturelle Verflechtungen und Migration im mittelalterlichen Japan). IV. Mit der Migration (und der politisch "unvollendeten" Invasion) der Langobarden nach Italien (568) entstand das frühmittelalterliche Langobardenreich, in dem sich - verstärkt durch "sekundäre" germanische Migrantionen aus Nord- und Osteuropa - der langobardische Bevölkerungsanteil als Volk in Identität, Sprache und Religion (Arianismus) gegenüber den Romanen abgrenzten. "Sekundäre" Missionare u.a. aus Bayern oder Irland waren es dann, die die Konversion der Langobarden zum katholischen Christentum erfolgreich betrieben. Damit wurden im Kulturaustausch zwischen Langobarden und Romanen die Letzteren maßgebend. Transkulturelle Verflechtungen zwischen Langobarden und Romanen hingen nun vom letztlich misslungen Versuch z.B. König Aistulfs (749-756) ab, ganz Italien (mit Rom) unter langobardischen Vorzeichen zu einen (Michael Borgolte, Das Langobardenreich in Italien aus migrationsgeschichtlicher Perspektive). V. Mit und nach der arabischen Eroberung Siziliens (Einnahme Palermos 831 und sizilisches Emirat) und der Einvernahme der Mittelmeerinsel in das dar al-Islam ("Gebiet des Islam") kam es auch zu islamischen Übergriffen auf Süditalien, die das 9. bis 11. Jahrhundert betreffen sollten, und zur teilweisen Ausbildung islamischer Herrschaften dort ("Emirate" Amantea 839/40-886, Taranto ca.840-880, Bari ca.847?/863-891; militärische Stützpunkte [ribat?, misr?]). Es entstand quer durch Süditalien eine Grenzzone ("frontier") zwischen Islam und Christentum (dar al-Islam und dar al-harb), eine komplexe Gemengelage von Gewalt und Herrschaft (regionale Herrschaften [langobardisches Fürstentum Benevent], Frankenreich, byzantinsches Reich); (die Minderheit der) Muslime und (die Mehrheit der) Christen standen sich weitgehend feindlich gegenüber ("Razzien" und Plünderungen, Verträge und Tributzahlungen christlicher Herrscher), doch gab es auch Elemente der Zusammenarbeit, bezeichnenderweise meist im militärischen Bereich (Einsatz muslimischer Söldner im Bürgerkrieg zwischen Radelchis und Siconolf von Benevent 838-848/49). Über eine erste muslimische Expansionsphase (?, bis 870) hinaus bleib der Gedanke des gihad für in Süditalien kämpfende Muslime zumindest teilweise entscheidend (Kordula Wolf, Auf dem Pfade Allahs. Gihad und muslimische Migrationen auf dem süditalienischen Festland). VI. Im Normannenreich Sizilien und im staufischen Königreich Sizilien, einer hybriden Kultur "zwischen Orient und Okzident", lebten griechische und lateinische Christen, Juden und Muslime. Migrationen (Auswanderung und Vertreibung, Einwanderung und Binnenmigration) und kulturelle Hybridisierungen waren wichtig. Bei den Normannenkönigen spielten (am Hof [Palasteunuchen], in der Bevölkerung) Muslime eine gewisse Rolle (muslimische Einwanderung nach Sizilien), unter den Stauferherrschern wurden Muslime und muslimische Kultur weitgehend marginalisiert (Rückzug und Aufstand der Muslime in Sizilien [n.1189/90], Krieg und Zwangsumsiedlungen [1222/24, 1243/46], muslimische Stadt Lucera und deren Ende [1300]); betroffen von diesen Entwicklungen und den damit einhergehenden ethnischen und religiösen Streitigkeiten waren insbesondere die muslimischen Konvertiten, während nach Sizilien einwandernde "Lombarden" vom Rückzug der Muslime profitierten (Benjamin Scheller, Migrationen und kulturelle Hybridisierungen im normannischen und staufischen Königreich Sizilien (12.-13. Jahrhundert)). VII. Der fatimidische Kalifenhof in Kairo im 10. Jahrhundert kann als multireligiös angesprochen werden, in der Verwaltung - und in der Herrscherfamilie - gab es Personen muslimischen, jüdischen oder christlichen Glaubens. Machtkonflikte arteten daher auch in religiöse Rivalitäten aus, wie der zwischen Kalif al-Aziz (976-996) und den hohen Verwaltungsbeamten Isa ibn Nasturus und Menasse ben Avraham, einem Christen und einem Juden, zeigt. Ein in der koptischen Patriarchengeschichte überlieferter interreligiöser Streit zwischen einem christlichen und einem jüdischen Gelehrten sieht den Kalifen al-Muizz (953-975) als Streitschlichter (Jenny Rahel Oesterle, Grenzenlose Multireligiosität? Rivalitäten um Herrschergunst und Ämtervergabe am Kalifenhof von Kairo im 10. Jahrhundert). VIII. Der Informationsfluss und die Wissensvermittlung zwischen dem christlichen Lateineuropa und der islamischen Welt des Mittelalters waren vielfältig und keine Einbahnstraße. So gewannen arabisch-islamische Gelehrte bis zum 15. Jahrhundert immer genauere historisch-politische Kenntnisse über Europa, z.B. über die Rolle des römischen Papsttums (Kreuzzüge, Normannenreich) oder die des fränkisch-ostfränkisch-deutschen Reiches (Kaisertum und Byzanz, Kreuzzüge). Die Informationsverarbeitung war dabei geprägt von Unsicherheit bei Beschaffung, Interpretation und Einordnung sowie durch Sprachbarrieren (Daniel G. König, Ausstrahlung - transkulturelle Datenmigration - Dokumentation. Arabisch-islamische Gelehrte und die Herausforderungen der Dokumentation Lateineuropas am Beispiel des Papsttums und des ostfränkisch-deutschen Reiches (7.-15. Jahrhundert)). IX. Der persisch-islamische Theologe, Rechtsgelehrte und Mystiker Imam Abu Hamid al-Gazali (*1058-†1111), ein Kritik der Philosophie, beeinflusste mit seinem Werk den jüdischen Philosophen Moses Maimonides (*1138-†1204); beide Gelehrte behandelten in ihren "Büchern der Erkenntnis" ("Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften" bzw. Mishneh Torah) Erkenntnistheorie, insbesondere Gotteserkenntnis, Wissen und Wissenschaften (Frederek Musall, 'Bücher der Erkenntnis'. Einige Überlegungen zum Einfluss Al-Gazalis auf Maimonides). [Buhlmann, 10.2013]

Born, Max (1920), Die Relativitätstheorie Einsteins (= Heidelberger Tb 1), Berlin-Heidelberg-New York 51969 > G Goenner, Relativitätstheorien

Bornkamm, Günther (1969), Paulus (= Urban Tb 119), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1969 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

Borst, Arno (1984), Ein Forschungsbericht Hermanns des Lahmen, in: DA 40 (1984), S.379-477 > Z Zeit

Borst, Arno (1988), Computus. Zeit und Zahl im Mittelalter, in: DA 44 (1988), S.1-82 > Z Zeit

Borst, Otto (1977), Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar, Esslingen 1977 > E Esslingen

Boshof, Egon (1987), Die Salier (= Urban Tb 387), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1987 > S Salier

Bowlus, Charles R. (2012), Die Schlacht auf dem Lechfeld. Mit einem Vorwort von Stefan Weinfurter, Ostfildern 2012, 280 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 26,99. Die Ungarn, ein nomadisches Reitervolk aus den Steppen Eurasiens unter der Führung von berittenen Kriegern, besiedelten gegen Ende des 9. Jahrhunderts n.Chr. (896) das Karpatenbecken (als Randzone der eurasischen Steppenregionen; Reiterkrieger als Elite und Ackerbauern). Zuvor hatte es wiederholt militärische Auseinandersetzungen mit dem byzantinischen Reich und den Bulgaren gegeben, danach hatte das ostfränkische Reich (Bayern, Karantanien, Schwaben, Sachsen) unter den kriegerischen Einfällen der Ungarn zu leiden (896-933; Niederlage bei Brezalauspurc 907, Lechfeldschlacht 910, Waffenstillstände und Friedensschlüsse). Die damals in Sachsen und Bayern entwickelte "Verteidigung in der Tiefe" mit "Expeditionsstreitkräften" (agrarii milites), "berittenen Berufskriegern" (armati, loricati) und "lokalen Aufgeboten" (defensio patriae) sowie einer Burgenorganisation (urbes) im Hintergrund ermöglichte dann den Sieg des ottonischen Königs Heinrich I. (919-936) u.a. bei Riade (933). Unter Heinrichs Nachfolger König Otto I. (936-973) nutzten die Ungarn Aufstandsbewegungen im ostfränkischen Reich (953/54; Liudolf, Konrad der Rote) für letztlich wohl wenig erfolgreiche Einfälle bis nach Lotharingien. Für das Folgejahr 955 suchten daher die Ungarn (Kriegerkultur von Nyirség) die Entscheidungsschlacht mit dem ostfränkischen Reich. Unter Einbeziehung von Infanterie und Mitnahme von Belagerungsgerät durchzogen sie Bayern (Frühsommer 955) und belagerten die Bischofsstadt Augsburg (Juli/August), die vom (heiligen) Bischof Ulrich von Augsburg (923-973), einem überzeugten Anhänger des Königs, verteidigt wurde. Otto, der sich Magdeburg befand, rückte daraufhin mit seinen Truppen nach Süddeutschland, an die Donau heran. Der Herrscher verfolgte dabei mit seinen fränkischen, schwäbischen, lothringischen und böhmischen Truppen eine Einkreisungsstrategie. Von Ulm über die Reisensburg und den Rauhen Forst kommend, gelangte das ottonische Entsatzheer - nachdem Herzog Konrad der Rote einen ungarischen Überfall auf den Tross abwehren konnte - von Westen her an die Schmutter, wo am Lorenztag (10. August) gegen die Ungarn (Infanterie und Reiterei), die die Belagerung Ausgburgs aufgegeben hatten, eine wohl unentschiedene Schlacht geschlagen wurde - unentschieden deshalb, weil die ungarischen Bogenschützen geordnet nach Osten über den Lech abziehen konnten. Der König verfolgte die Ungarn nur wenig und gelangte nach Ausgburg. Unwetter und Gewitter folgten dem heißen Sommertag, so dass die ungarischen Reiterkrieger östlich des Lechs infolge des regenbedingten Ausfalls ihrer Reflexbögen nur noch bedingt kampfbereit waren und sie die wegen der Niederschläge immer mehr Wasser führenden Flüsse schwieriger überqueren konnten. Zudem hatten sich die Ungarn zunehmend der "Verteidiger in der Tiefe" zu erwehren, bayerische und karantanische Streitkräfte (Grafen von Ebersberg), die z.B. die Flussübergänge sperrten. In den Tagen nach der Entsetzung Ausgburgs muss daher das ungarische Heer wohl vollständig vernichtet worden sein. Die politischen Folgen der ungarischen Niederlage waren: das Ende der ungarischen Einfälle ins Ostfrankenreich, das imperiale Königtum und Kaisertum Ottos des Großen. Zudem kann die Existenz von Lorenzkirchen, Kirchen unter dem Patronat des heiligen Märtyrers Laurentius, im bayerischen bzw. Augsburger Raum wahrscheinlich mit den Kämpfen der Lechfeldschlacht in Verbindung gebracht werden. Laurentius wurde neben dem heiligen Vitus (Corvey) und dem heiligen Mauritius (Magdeburg) zu einem der wichtigeren Heiligen der ottonischen Herrscherdynastie und im Ostfrankenreich. [Buhlmann, 02.2015]

BPfG = Beiträge zur pfälzischen Geschichte

Br. = Broschüre

Brandt, Siegmund (2011), Geschichte der modernen Physik (= BSR 2723), München 2011, 128 S., zahlreiche Schwarzweißabbildungen, € 8,95. Die moderne Physik des ausgehenden 19., des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts erweitert die klassische Physik der Zeit bis um 1900. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Atomphysik (Radioaktivität [1896 u.a.], Atomkern und Atomhülle [frühe Quantentheorie], Schwarzkörperstrahlung [Max Planck, *1858-†1947] und Lichtquanten [1905], Atommodell [1913; Niels Bohr, *1885-†1962] und Elektronen [Ausschließungsprinzip, Quantenzahl], Statistiken, Fermionen und Bosonen [1924/26]), der speziellen (1905, Albert Einstein [*1879-†1955]; Inertialsysteme, relativistische Effekte, Raumzeit [1908; Hermann Minkowski, *1864-†1909]) und allgemeinen Relativitätstheorie (1915, Albert Einstein; Raumkrümmung, Feldgleichungen, Lichtablenkung), der Quantenmechanik (Wellenmechanik und Wellenfunktion [1926; Erwin Schrödinger, *1887-†1961], Unschärferelation [1927; Werner Heisenberg, *1901-†1976], Quantenelektrodynamik [1949; Richard Feynman, *1918-†1988]), des Aufbaus der Materie und der Elementarteilchen (Kernphysik, Neutron und Neutrino [1920/30/32; James Chadwick, *1891-†1974; Enrico Fermi, *1901-†1954], Kernspaltung [1938/42; Otto Hahn, *1879-†1968]; Hadronen und Antiteilchen [1955 u.a.; Isospin und Seltsamkeit; Murray Gell-Mann *1929], Leptonen, Quarks [1964; Murray Gell-Mann], Eichbosonen [als Träger der schwachen und starken Kernkraft; 1964 u.a.; Peter Higgs, *1929]; Quantenchromodynamik [farbiger Quarks; 1972; Murray Gell-Mann], Gluonen [1975]), sowie der Theorie der Leiter und Halbleiter (Quanten-Hall-Effekt [1980; Klaus von Klitzing, *1943] u.a.). Als Anwendungen moderner Physik gelten dann: Kernenergie (1942), Kernspinresonanz (1945), Laser (und Maser; 1951/54). [Buhlmann, 01.2012]

Braun, Johann Wilhelm (1973), Irimbert von Admont, in: FMSt 7 (1973), S.266-323. Irimbert von Admont war Abt der Klöster Seeon (1147-1151), Michelsberg (1160-1172) und Admont (1172-1177) sowie ein monastischer Gelehrter des 12. Jahrhunderts. Geboren um 1104, soll Irimbert um 1111 als puer oblatus in das Admonter Kloster eingetreten sein. Spätestens 1147 war er Abt im Chiemseekloster Seeon, ab Sommer 1151 war Irimbert im Kärntner Frauenkloster St. Georgen am Längsee tätig, dann auch in Admont. Die Vermutung drängt sich auf, dass der Abt mit seinen Vorstellungen, die wahrscheinlich eng mit der Admonter Klosterreform zusammenhingen, in Seeon nicht durchgedrungen war und deshalb resigniert hatte. In den Jahren 1151 und 1152 verfasste Irimbert Kommentare zu Büchern des Alten Testaments. 1160 kam es zu Abtpostulationen nach Kremsmünster und Michelsberg; Irimbert wurde von beiden Klöstern als Abt gewünscht, doch entschied sich der Mönch für Michelsberg. Zwölf Jahre stand Irimbert an der Spitze der Bamberger Abtei. Im Jahr 1172 wechselte Irimbert nach Admont, wobei dem Wechsel dorthin zwei Doppelwahlen vorangingen. Mit Irimbert, dem Bruder des früheren Admonter Abts Gottfried (1138-1165), einigte man sich auf einen Abt, der trotz oder wegen seines Alters allgemeine Anerkennung fand. Irimbert kehrte also an seine alte Wirkungsstätte zurück, entfaltete dort aber in seinen letzten Lebensjahren wenig Wirkung, sieht man von einigen Bibelkommentaren ab. Irimbert starb am 26. Dezember 1176. [Buhlmann, 04.2006]

Braun, Johann Wilhelm (1976), Einige Bemerkungen zur Beurteilung der "Admonter Reform" sowie der Äbte Gottfried und Irimbert von Admont in der neueren Literatur, in: SMGB 87 (1976), S.431-434 > A Admont

Braune, Wilhelm (1875), Althochdeutsches Lesebuch, bearb. v. Ernst A. Ebbinghaus, Tübingen 171994 > M Meineke, Schwerdt, Althochdeutsch

Braune, Wilhelm (1891), Abriß der althochdeutschen Grammatik, bearb. v. Ernst A. Ebbinghaus (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte, C., Nr.1), Tübingen 151989 > M Meineke, Schwerdt, Althochdeutsch

Bremm, Klaus-Jürgen (2015), Die Schlacht. Waterloo 1815 (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2015, 256 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, ca. € 10,-. Die "hundert Tage" des von Elba geflohenen Napoleon (†1821), in denen dieser nochmals über Frankreich herrschte, sollten bekanntlich mit der Schlacht bei Waterloo (La Belle Alliance, 16.-18. Juni 1815) enden. Mit einem letzten Aufgebot von Truppen (l'armee du nord, 124000 Mann, 366 Geschütze) wollte Napoleon auf belgischem Gebiet den Vormarsch der preußischen (unter Blücher, 128000 Mann, 312 Geschütze) und der alliierten Armee (unter Wellington, 107000 Mann, 216 Geschütze) aufhalten. Nach Überschreiten der Grenze zur südlichen Niederlande und der Sambre (Eröffnung des Feldzugs, 14./15. Juni 1815) fand sich die französische Armee zwischen denen Blüchers und Wellingtons. In der (Teil-) Schlacht bei Ligny und Quatre Bras (16. Juni) konnte Napoleon die preußische Armee zurückdrängen, die sich nach Norden zurückzog. Wellington zog sich am Folgetag vom wichtigen Straßenkreuzungspunkt Quatre Bras vor Waterloo (südöstlich von Brüssel) zurück, während ein beträchtlicher Teil von Napoleons Armee die Preußen verfolgte. Vor Waterloo entspann sich wieder einen Tag später (18. Juni) am späten Vormittag die gleichnamige Schlacht zwischen der französischen und britisch-alliierten Armee (Kämpfe bei La Haie Sainte, um Goumont), während Teile der preußischen Armee von Nordwesten her anrückten (Kämpfe um Plancenoit), andere Teile in der Schlacht bei Wavre (18./19. Juni) gebunden waren. Die fast geschlagene Armee Wellingtons konnte am Abend noch den Angriff der Kaiserlichen Garde Napoleons abwehren, so dass sich die noch intakten Teile der armee du nord vom Schlachtfeld zurückziehen mussten bzw. das preußische Vordringen gegen den rechten französischen Flügel den Rückzug in eine Flucht der Franzosen ausarten ließ. Die Schlacht bei Waterloo mit ihren strategisch-taktischen Fehlern auf beiden Seiten der sich bekämpfenden Parteien sowie mit ihren massiven Kommunikationsschwierigkeiten gilt als die letzte Schlacht der Epoche des Ancien Régime. Waterloo als Gedenkort reicht von den Schlachttouristen unmittelbar nach den Kampfhandlungen bis zum heutigen europäischen Erinnerungsort. [Buhlmann, 04.2015]

Brennecke, Paul (1873), Leben und Wirken des heiligen Theoger, Diss. Halle 1873 > T Theoger von St. Georgen

Brent, Allen (1995), Hippolytus and the Roman Church in the Third Century. Communities in Tension before the Emergence of a Monarch-Bishop (= Vigiliae Christianae, Bd.31), Leiden-New York-Köln 1995 > H Hippolyt

Breukelaar, Adriaan H.B. (1994), Historiography and Episcopal Authority in Sixth-Century Gaul. The Histories of Gregory of Tours Interpreted in their Historical Context (= Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, Bd.57), Göttingen 1994, 391 S., € 14,-. Gregor von Tours, geboren 538 in der Auvergne und römisch-senatorischer Abstammung, gestorben am 17. November 594 als Bischof von Tours, ist der Verfasser der "Zehn Bücher Geschichte" als fränkisch-merowingischer Reichs- und Zeitgeschichte und Universalchronistik mit politisch-sozialer Gesellschaftskonzeption. Entstanden sind einige Teile der "Geschichte der Franken" schon weit vor der Bischofserhebung Gregors (573), während seines Episkopats schrieb er Zeitgeschichte, die letzten "Geschichten" stammen von 591/92, vielleicht schlossen sich Überarbeitungen des Geschichtswerks bis zum Tod des Historiografen an. Gregor von Tours folgte in seiner Geschichtsschreibung den aus antiker Bildung und Rhetorik überkommenen Vorgehensweisen. Aus einer historischen Materialsammlung zur "fränkischen Geschichte" (inventio: Zeit, Raum [Gallien, Frankenreich, Clermont, Tours], Personen [Könige, Amtsträger, Bischöfe], Geschehen, Ursache und Wertung [credulitas]) setzte er sein Geschichtswerk zusammen (dispositio: Bucheinteilung, chronologisches Prinzip und seine Durchbrechung [Antithesen]) und gestaltete es stilistisch (elucutio: Intention des Autors, Topoi, Sprache und Grammatik). > G Gregor von Tours [Buhlmann, 07.2011]

BRGK = Bericht der römisch-germanischen Kommission

Brinckmeier, Eduard (Bearb.) (1843), Praktisches Handbuch der historischen Chronologie aller Zeiten und Völker, besonders des Mittelalters, Berlin 21882 > C Chronologie

Bringmann, Klaus (2010), Cicero (= GdA), Darmstadt 2010 > G Gestalten der Antike

Brincken, Anna-Dorothee von den (2000), Historische Chronologie des Abendlandes. Kalenderreformen und Jahrtausendrechnungen. Eine Einführung, Stuttgart-Berlin-Köln 2000 > Z Zeit

Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bänden, Bd.1: A-ATE, 836 S., Bd.2: ATF-BLIS, 824 S., Bd.3: BLIT-CHOC, 816 S., Bd.4: CHOD-DOL, 824 S., Bd.5: DOM-EZ, 844 S., Bd.6: F-GEB, 836 S., Bd.7: GEC-GZ, 828 S., Bd.8: H-IK, 824 S., Bd.9: IL-KAS, 832 S., Bd.10: KAT-KZ, 848 S., Bd.11: L-MAH, 816 S., Bd.12: MAI-MOS, 832 S., Bd.13: MOT-OSS, 848 S., Bd.14: OST-POQ, 816 S., Bd.15: POR-RIS, 848 S., Bd.16: RIT-SCHO, 832 S., Bd.17: SCHR-STAL, 848 S., Bd.18: STAM-TRE, 864 S., Bd.19: TRIF-WAL, 847 S., Bd.20: WAM-ZZ, 839 S., Wiesbaden 171966-1974; Bd.21: Karten, 653 S., Bd.22: Ergänzungen A-I, 720 S., Bd.23: Ergänzungen J-Z, 702 S., Bd.24: Bildwörterbuch der deutschen Sprache, 839 S., Wiesbaden 1975-1976. Selbst im "postmodernen" Zeitalter von Internet und wikipedia ist für den Historiker ein allgemein bildendes Lexikon von Nutzen, tangiert Geschichte doch jede Ausformung menschlicher Kultur und betrifft daher auch die Bereiche der Geografie und Geologie, aller Naturwissenschaften, der Medizin und Psychologie, aller Geistes- und Sozialwissenschaften, u.a. der Philosophie und Soziologie. [Buhlmann, 1976, 12.2013]

Brodersen, Kai (Hg.) (2000), Liebesleiden in der Antike. Die "Erotika Pathemata" des Parthenios, Darmstadt 2000, 141 S., € 5,-. Parthenios, aus dem kleinasiatischen Nikaia oder Myrleia im hellenistischen Königreich Bithynien stammend, im 1. Jahrhundert v.Chr. lebend, wurde wohl im Rahmen der römischen Kriege gegen König Mithridates von Pontos (106-63 v.Chr.) im Jahr 73 v.Chr. gefangen genommen und als Sklave und Griechischlehrer nach Rom verschleppt. Hier gelang es Parthenios, seine Dichterkarriere fortzusetzen; er wurde freigelassen und vermittelte als Lehrer neoterisches Gedankengut u.a. an Gaius Cornelius Gallus und Publius Vergilius Maro. Verehrt wurden Parthenios und dessen Dichtung u.a. von Kaiser Tiberius (14-37 n.Chr.), dem Traumdeuter Artemidor von Daldis oder dem Arzt Galen. - Von Parthenios' Dichtung (Elegien, Trauergedicht für Arete, Preisgedicht für Arete, Metamorphosen) haben bis auf vereinzelte Fragmente nur die "Erotika Pathemata" ("Liebesleiden") überdauert (Codex Palatinus graecus 398, 9. Jahrhundert; humanistische Druckausgaben, 1531, 1555). Als "mythologisches Notizbüchleien" enthalten die "Liebesleiden" die Liebesbeziehungen zwischen Frau und Mann, von Göttern, Königen und Menschen, homosexuelle und inzestiöse Liebesbeziehungen, auch mit tragischem Ende (Lyrkos/Hemithea; Polymele/Odysseus; Euhippe/Odysseus; Oinone/Paris; Leukippos/Schwester; Pallene/Kleitos; Hipparinos/Antileon; Herippe/Xanthos; Polykrite/Diognetos; Leukone/Kyanippos; Byblis/Kaunos; Kalchos/Kirke; Harpalyke/Klymenos; Antheus/Kleoboia; Daphne/Leukippos; Laodike/Akamas; Mutter/Periandros; Neaira/Promedon; Pankrato/Skellis/Agassamenos; Leiro/Orion; Peisidike/Achill; Nanis/Kyros; Chilonis/Kleonymos; Hipparinos/Achaios; Phayllos/Frau des Ariston; Apriate/Trambelos; Alkinoe/Xanthos; Kleite/Kyzikos; Daphnis/Echenais; Keltine/Herakles; Thymoites/Euopis; Anthippe/Kichyros; Assaon/Niobe; Korythos/Helena; Eulimene/Lykastos; Arganthone/Rhesos). [Buhlmann, 04.2013]

Brödner, Erika (1983), Die römischen Thermen und das antike Badewesen. Eine kulturhistorische Betrachtung, Darmstadt 1983 > K Künzl, Thermen der Römer

Brösch, Marco, Euler, Walter Andreas, Geissler, Alexandra, Ranff, Viki (2014), Handbuch Nikolaus von Kues. Leben und Werk, Darmstadt 2014 > N > Nikolaus von Kues

(Mülheim-) Broich, Burg, Schloss: Der steil nach Nordosten zur Ruhr hin abfallende Bergsporn, auf dem sich das Schloss (Mülheim-) Broich befindet, war sicher prädestiniert für eine Bebauung durch eine Wehranlage, die sowohl den Flusslauf an seiner Engstelle als auch den nördlich von Broich verlaufenden und die Ruhr überquerenden Zweig des Hellwegs kontrollieren konnte. Archäologisch nachweisbar ist die spätkarolingische Burg des ausgehenden 9. Jahrhunderts, ein Oval von 60m x 40m, umschlossen von einer bis zu 1m starken Ringmauer aus Ruhrsandstein und Lehm, teilweise auch von einem vorgelagerten Graben, mit unmittelbar an die Ringmauer gesetzten Bauten. Die späteren Burganlagen resultieren aus den Aus- und Umbauten der spätkarolingischen Wehranlage während des Mittelalters. Im 10. und beginnenden 11. Jahrhundert ist die Burg zum großen Teil unbenutzt geblieben und deshalb verfallen, ein eigentlicher Umbau erfolgte gegen Ende des 12. Jahrhunderts u.a. mit der Errichtung eines Bergfrieds. Hinzukamen ein Grabensystem südlich und südwestlich der Burg, ein im Südwesten an die Ringmauer angelehnter Außenturm, eine Art Vorburg mit Gebäuden (Pallas um 1400) und (noch heute vorhandenem) Tor. Nach der Einnahme der Burg im Jahr 1443 wurde der Bergfried abgetragen, die nördliche Ringmauer dafür verstärkt. Die Vorburg erweiterte man durch den Bau von Mauer und Graben nach Westen und Norden hin; zwei Türme sicherten sie darüber hinaus. Die (Edel-) Herren und späteren Grafen von Broich - vielleicht ihrer Herkunft nach Ministeriale der Herren von Grevenbroich - finden sich seit dem Hochmittelaler im Besitz der Burg. Um 1188 wurde die Wehranlage als castrum bezeichnet. 1240 überstand die Burg eine Belagerung durch den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1237-1261). Spätestens seit der Mitte des 14. Jahrhunderts waren die Grafen von Broich (vertraglich) verbunden mit denen von Limburg-Hohenlimburg, die dann nach dem Aussterben der Broicher auch die Herrschaft Broich übernahmen (1372). Bis 1397 unterstand Broich dem Landesherrn von Jülich-Berg, danach den Grafen bzw. Herzögen von Kleve. 1443 wurde das Schloss nach 18-tägiger Belagerung durch Truppen des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (1414-1463) und des Herzogs Gerhard II. von Jülich-Berg (1437-1475) eingenommen.
Literatur zur Burg Broich ist: Binding, Günther (1968), Die spätkarolingische Burg Broich in Mülheim an der Ruhr. Die Bauentwicklung bis 1443 nach den Ausgrabungen 1965-1968 (= Rheinische Ausgrabungen, Bd.4), Düsseldorf 1968, VIII, 82 S., Abbildungen, Karten, DM 30,-; Binding, Günther (1970), Schloß Broich in Mülheim/Ruhr (= Kunst und Altertum am Rhein, H.23), Düsseldorf 1970, 46 S., Abbildungen, Karten, DM 2,50; Ortmanns, Kurt (1985), Schloß Broich in Mülheim an der Ruhr (= Rheinische Kunststätten, H.77), Köln 31992, 19 S., Abbildungen, DM 3,50. [Buhlmann, 08.2002, 05.2013]

Brontë, Anne, englische Schriftstellerin: Anne Brontë, Schwester von Charlotte und Emily Brontë, wurde [am 17. Januar] 1820 [in Thornton] als jüngste von sechs Kindern als Tochter des Geistlichen Patrick Brontë geboren. Ihre Mutter starb schon eineinhalb Jahre nach ihrer Geburt, sie selbst wurde von ihrer Tante Elizabeth Branwell in Haworth in Yorkshire aufgezogen. Wie ihre älteren Schwestern widmete sich Anne der Schriftstellerei. Sie verfasste zwei Novellen: die feministische Novelle The Tenant of Wildfall Hall mit der Forderung nach Gleichberechtigung (1848) und die Novelle Agnes Grey (1847). Im Alter von 29 Jahren starb Anne [am 28. Mai] 1849 in Scarborough.
Zu Anne Brontë und ihren Novellen s.: Complete Novels of Anne Brontë (1995) (= Collins Classics), Glasgow 1995, XII, 500 S., £ 7,99. [Buhlmann, 12.2016]

Brück, Anton Ph. (Hg.) (1979), Hildegard von Bingen 1179-1979. Festschrift zum 800. Todestag der Heiligen, 1979, Nachdruck Mainz 1998 > H Hildegard von Bingen

Brühl, Carlrichard (1975), Palatium und Civitas, Bd.I: Gallien, Köln 1975, 275 S., DM 120,-. I. Untersuchungsgegenstand: 21 Civitates im heutigen Frankreich: Paris, Soissons, Orleans, Reims, Laon, Senlis, Arras, Tours, Autun, Auxerre, Chalon-sur-Saone, Sens, Troyes, Angers, Bourges, Poitiers, Limoges, Toulouse, Lyon, Vienne, Arles. Diese bilden somit nur einen Teil der in der Notitia Galliarum genannten über 130 Civitates, nämlich den Teil der Städte, die topografisch mit königlichen palatia verbunden sind. Zeitlicher Schwerpunkt ist die Epoche von der Spätantike bis zum Ausgang der Karolinger, also 275-1000 n.Chr. II. Zusammenfassung: a) Vergleich des Umfangs der Stadtmauern der einzelnen Städte im 3. bzw. 5. Jahrhundert und gegen Ende des 13. sowie 16. Jahrhunderts. Aus dem Mauerumfang kann nur sehr vorsichtig auf die Bedeutung einer Stadt geschlossen werden. Errichtung einer Bistumsorganisation in Gallien. Abgesehen b) Errichtung einer Bistumsorganisation in Gallien. Abgesehen von Civitates wie Lyon oder Reims, ist die Bistumsorganisation im Allgemeinen erst nach dem Mailänder Toleranzedikt unter Konstantin den Großen (306-337) und seinen direkten Nachfolgern entwickelt worden. c) Die Kathedralen. Gründung eines Bistums und Bau der ältesten Kathedrale gehören eng zusammen. Wegen des bedeutenden Machtfaktors der Kirche im 4. Jahrhundert werden wohl diese Kathedralen innerhalb der Stadtmauern an zentraler Stelle erbaut worden sein, freilich im Allgemeinen nicht über römischen Tempeln. Zumeist standen die Kirchen angelehnt an die Stadtmauer oder in einer Ecke davon, seltener mit Abstand zur Mauer, ebenso selten mitten im Zentrum. d) Bischofspfalz. Sie ist immer in naechster Nähe der Kathedrale gelegen, häufig entgegengesetzt zum Sitz der weltlichen Gewalt innerhalb der Stadt. e) Königs-, Herzogs-, Grafenpfalz. Sie stehen - topografisch gesehen - in direkter Folge der römischen praetoria, sind damit an der Stadtmauer gelegen und weisen auch auf den historisch überzeugenden Sachverhalt der Kontinuität des Herrschaftssitzes von der Spätantike bis zur fränkischen Zeit hin. f) Das 9. Jahrhundert. Hier findet eine Verlagerung des Herrschaftssitzes aus dem Mauerring hin zu "Klosterpfalzen" statt, die damit in Konkurrenz zu den städtischen Machtzentren treten. g) Gesamtergebnis. "Gallien zeigt so auf das ganze gesehen eine erstaunliche Kontinuität der Profantopographie über mehr als anderthalb Jahrtausende" (S.250). III. Vorgehensweise an Hand der Civitas Soissons: a) Stadtgeschichte. Augusta Suessionum der hohen Kaiserzeit; 4. Jahrhundert: civitas Suessionum, Garnisonsstadt in der römischen Provinz in Belgica II (Notitia Galliarum); 5. Jahrhundert: Residenz von Aegidius und Syagrius, 486 wird Soissons fränkisch, wohl auch Residenz des fränkischen Königs Chlodwig (482-511); ab 6. Jahrhundert: Soissons als Hauptstadt eines der fränkischen Teilreiche; 8. Jahrhundert: 719 Schlacht bei Soissons, 744 Reformkonzil, 751 Thronerhebung Pippins, 768 Krönung Karlmanns; 9.-10. Jahrhundert: häufige Aufenthalte der karolingischen Konige in Soissons; 11. Jahrhundert: 1057 Urkunde des Kapetingers Heinrich I. aus Soissons; bis zum 13. Jahrhundert: weitere Aufenthalte von französischen Königen in der Stadt. b) Stadtmauer. 3. Jahrhundert: Umfang 1450 m, 12 ha Stadtfläche; Merowingische Zeit: Mauereinsturz, Errichtung eines castrum; bis zum 12. Jahrhundert bleibt Soissons innerhalb der spätantiken Stadtmauer, erst dann wird die suburbia in eine zweite Mauer mit einbezogen; 14. Jahrhundert: nochmalige (wenn auch kleine) Vergrößerung der Stadtmauer, Umfang 4800 m, 90 ha ummauerte Fläche. c) Palatium. In topografischer Folge zum praetorium innerhalb der spätrömischen Stadtmauer. Die merowingische Königspfalz ist literarisch nicht belegt, jedoch in der NO-Ecke der Stadtmauer zu vermuten, wie auch das praetorium. Im 9.-10. Jahrhundert tritt die Pfalz St. Medard in Konkurrenz zur städtischen, merowingischen Pfalz (Klosterpfalz). [Buhlmann, 06.1988]

Brüstle, Hans (1974), Ortsnamen der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (unter besonderer Berücksichtigung der engeren Baar), in: SVGBaar 30 (1974), S.94-138. Die typischen Namen auf -ingen sind zumeist patronymisch gebildet. Sie gehören zusammen mit den -heim-Namen im schwäbisch-alemannischen Raum zur ältesten mittelalterlichen Namenschicht und reichen größtenteils in die fränkisch-merowingische Zeit, ins 6. bis 8. Jahrhundert zurück. Eine weitere Namenschicht bilden für das 7. Jahrhundert die Toponyme auf -statt, -weil, -hausen und -dorf, spätmerowingisch sind überwiegend Namen, die auf -stetten, -bach, -hofen enden, frühkarolingisch Namen mit dem Grundwort -weiler. Hinzu kommen vordeutsche und keltische (Fluss-) Namen. Die -heim-Namen gehen wohl auf fränkische Einflüsse in Politik und Siedlung zurück. Die meisten der hier aufgeführten Ortsnamentypen waren noch bis ins hohe Mittelalter produktiv, also bis in die Zeit des hoch- (und spät-) mittelalterlichen Landesausbaus, wo vorzugsweise Toponyme auf Grund von Gewässer- und Stellenbezeichnungsnamen in Alt- und Neusiedelland in Erscheinung traten (-aha, -bach; -berg, -burg, -halden, -staig, -stein, -tal). Unter den zuletzt genannten Ortsnamentypen finden sich auch Toponyme, die zu abgegangenen Siedlungen (Wüstungen) gehören. Änderungen von einzelnen Ortsnamen gab es im Verlauf der Jahrhunderte kaum. [Buhlmann, 09.2005]

Brunner, Karl (2012), Kleine Kulturgeschichte des Mittelalters (= BSR 6058), München 2012, 269 S., Schwarzweißabbildungen, € 14,95. Der mittelalterliche Mensch steht im Mittelpunkt mittelalterlicher Kultur, die er prägte: dem Mikrokosmos Mensch entsprachen biologisch-medizinisch die Unterscheidung in Mann und Frau, die Zuordnung der Organe Gehirn, Herz, Leber, Geschlechtsorgan, die Elemente-Säfte-Lehre und die menschliche Typologie (Affekte, Gefühle) sowie die Ernährung (Essen, Trinken), gesellschaftlich die Rolle der Arbeit (einschließlich Kontemplation, Gebet und Studium), der Habitus von Menschen (Aussehen [Schönheit, Adel], Kleidung), der Lebenskreis des Menschen (Zeugung, Geburt, Kindheit, Ausbildung, soziale Rolle, Heirat und Familie, Krankheiten, Alter, Tod); Fortpflanzung, Liebe und Minne (höfische Kultur [Ritter, Dichter, Dame]) bildeten (je nach sozialer Stellung) weitere Bezugspunkte menschlicher Existenz. Kultur als Summe aller Leistungen, die Menschen hervorbringen im Bereich von Alltag, Recht, Religion, Technik, Wissenschaft u.a., ergibt sich aus dem Zusammenleben von Menschen in Haus (Bauernhof), Dorf oder Burg (Höhenburgen [ab 10. Jahrhundert], Abgaben und Dienste, Ausstattung). (Märkte und) Städte standen für Handel und Gewerbe (Topografie [Straßen, Marktplätze, Mauern und Tore]; Fernhandel, Handel, Gewerbe, Kreditwesen [Zeit, Geld]; Unterschichten und Randgruppen [Lohnarbeiter, unehrliche Berufe], Sondergruppen [Adel, Fürstenhöfe, Geistliche, Juden], Bürger). Für Unterhaltung - gerade im höfischen Milieu - sorgte Epen- (Artus- und Gralsagen, Rinderraubepos, Nibelungenlied, Kudrun, Tristan, historisch-antike Stoffe) und geistliche Dichtung (Dichtung und Publikum). Kulturträger waren nicht zuletzt Kirchen und Klöster (Architektur [Vorromanik, Romanik, Gotik; Kirchenräume; Klosterbauten, St. Galler Klosterplan]; lateinische Bildung [Schriftkultur, antike Überlieferung, Gelehrsamkeit, Briefliteratur, Predigten, Geschichtsschreibung, Schriftlichkeit und Volkssprache]; Christentum [Missionierung von Heiden, Juden, Muslime, Häretiker]), dann auch Städte (Stadtschulen) und Universitäten. Eingebunden waren die menschlichen Aktivitäten im Kreislauf der Zeit (Jahr [Jahreskreis, Kirchenfeste, Messfeier, Reliquien]; höfische Feste [Musik, Jagd, Turnier, Mainzer Pfingstfest Kaiser Friedrichs I.]). Turniere standen dabei in unmittelbarer Nähe zu Kampf, Zweikampf (Gottesurteil), Fehde und Krieg (Romzug, Kreuzzug). Mittelalterliche Kultur mündete schließlich ein in "Kultur-Landschaften" (Voraussetzungen: Geografie und römisches Erbe; Grundherrschaft: karolingische Reform, Millenium, ; Landesherrschaft, Territorium: gesellschaftliche Netzwerke und deren Verdichtung [Vogtei, Gerichtsbarkeit, Rodung, Bergbau, Herrschaftsmittelpunkte]; Verkehrswege: Straßen, Pilgerwege, Wasserwege; Klima [Obstgarten, Naturkatastrophen, Paradies]) und zeitlich in die frühe Neuzeit. [Buhlmann, 07.2013]

BS = Beck'sche Sonderausgaben

BSR = Beck'sche (Schwarze) Reihe, C.H. Beck Wissen

Buck, Thomas Martin (Hg.) (2010), Chronik des Konstanzer Konzils (1414-1418) von Ulrich Richental (= KGRG 51), Ostfildern 32013 > U Ulrich Richental

Buck, Thomas Martin, Kraume, Herbert (2013), Das Konstanzer Konzil. Kirchenpolitik, Weltgeschehen, Alltagsleben, Ostfildern 2013, 390 S., Schwarzweißabbildungen, € 26,99. I. Das Große Papstschisma (1378-1417) des ausgehenden 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts bewirkte eine lang dauernde, fast vierzig Jahre umfassende Spaltung der westlichen, lateinischen Christenheit in verschiedene Obödienzen (Gehorsamsbereiche) (und Kirchen). Die Pattstellung beim Papsttum, auf das die westliche Kirche ausgerichtet war, gab konziliaren Ideen und Gedanken Auftrieb. Der Konziliarismus sah die Kirche als kollegiale Körperschaft mit Haupt (Papst) und Gliedern (Bischöfe u.a.), sah die Kirchenversammlung, das Konzil als repräsentativ für die gesamte Kirche an. Dabei berief sich der spätmittelalterliche Konziliarismus durchaus auf die Kirchenlehre früherer Jahrhunderte und lehnte auch nicht die auf den Papst zulaufende Kirchenhierarchie ab. Denn auch dem Konziliarismus ging es schließlich darum, mit einem "unbezweifelten Papst" (papa indubitatus) ein funktionsfähiges Zentrum der katholischen Amtskirche zu schaffen. Dies aber brauchte offensichtlich seine Zeit. In Rom und in Avignon wählten die jeweiligen Kardinalskollegien weitere Päpste, ein Kollegium von Kardinälen beider Obödienzen kam schließlich in Pisa zusammen und vollzog dort bei Absetzung des römischen und avignonesischen Papstes die Neuwahl des kirchlichen Oberhaupts (1409). Von nun an rangen aber drei Päpste um die Macht, wobei bei der Pisaner Obödienz alsbald Papst Johannes XXIII. (1410-1415) folgte. Die römische Obödienz war dabei auf Mittel- und Süditalien beschränkt, die avignonesische auf die Iberische Halbinsel und Schottland; das restliche Europa machte den Gehorsamsbereich des Pisaner Papstes aus. Dies war der Zustand der abendländischen Kirche am Vorabend des Konstanzer Konzils, als sich der römisch-deutsche König Sigismund (1410-1437) in Como mit Gesandten Johannes' XXIII. und in Lodi mit dem Pisaner Papst selbst zusammentraf, um über ein neues Konzil an einem neuen Ort - nämlich Konstanz - zu entscheiden. Das Konzil wurde von Papst Johannes XXIII. in der Folge einberufen. II. Dem politischen Einwirken des römisch-deutschen Königs (und Kirchenvogts) Sigismund war es zu verdanken, dass Konstanz, die vor den Alpen am Bodensee gelegene schwäbische Bischofsstadt, ab Anfang November 1414 der Tagungsort des Konzils wurde. Zuvor, am 28. Oktober, hatte Papst Johannes XXIII. Konstanz erreicht, die feierliche Eröffnung des Konzils erfolgte am 5. November. Die erste Session (sessio generalis) fand in dem zur Konzilsaula umgebauten Konstanzer Münster statt. Doch erst mit der Ankunft König Sigismunds am Weihnachtsabend kam das Konzil auch inhaltlich in Gang. Das Konzil setzte sich aus Nationen zusammen, der italienischen, gallischen, englischen und der nacio Germaniae; hinzu kam ab 1417 die spanische Nation. Abgestimmt wurde nach Nationen, innerhalb der Nationen, die sich an bestimmten Orten in Konstanz (Dominikaner-, Franziskanerkloster u.a.) versammelten, nach (stimmberechtigten) Köpfen. Gehört wurden auch die Vertreter des römischen und des avignonesischen Papstes, Sigismund verfolgte damit eine andere Linie als der Pisaner Papst. Der sah sich durch immer stärker werdende Forderungen nach dem Rücktritt (cessio) aller drei Päpste zunehmend in Bedrängnis und floh, unterstützt vom habsburgischen Herzog Friedrich IV. "mit der leeren Tasche" (1386/1402-1439) am 20. März 1415 aus Konstanz, nur um letztlich um Mitte Mai aus Freiburg zurückgeholt und in Radolfzell gefangen genommen zu werden. Es folgte am 29. Mai die Absetzung Johannes' XXIII. durch Konzilsbeschluss, während der habsburgische Herzog auf Grund der geleisteten Fluchthilfe schon am 30. März von Sigismund in die Acht getan worden war. Friedrich IV. unterwarf sich dem König am 5. Mai, doch sollte es weiterhin zu Spannungen kommen. Die Flucht des Konzilspapsts Johannes XXIII. hatte in der Kirchenversammlung insofern zu einer Selbstvergewisserung geführt, als dass sich die Meinung durchsetzte, auch ohne oder gar gegen den Papst (bzw. die Päpste) die Probleme der Kirche zu lösen. Ausfluss der veränderten Einstellung des Konzils gegenüber dem Papsttum war das (Superioritäts-) Dekret Haec sancta synodus vom 6. April 1415, das das Konzil direkt von Christus her ableitete und die Gläubigen (einschließlich eines eventuellen Papstes) zum Gehorsam gegenüber den Beschlüssen des Konzils verpflichtete, insbesondere die Entscheidung im Papstschisma beanspruchte. Eine folgerichtige Ergänzung fand Haec sancta synodus im Dekret Frequens vom 17. Oktober 1417, das die regelmäßige Einberufung von Konzilien festschrieb. Nach der Papstabsetzung ging es aber bei der Konstanzer Kirchenversammlung zunächst um die causa fidei, um die "Einheit im Glauben". Dazu mussten sich die Konzilsteilnehmer mit dem böhmischen Prediger Jan Hus (†1415) und dessen vom englischen Theologen John Wyclif (†1384) beeinflussten Lehren beschäftigen. Hus war freiwillig und unter Zusage freien Geleits nach Konstanz gekommen, sah sich aber alsbald inhaftiert (Ende November 1414) und Anfang Juni 1415 vom Konzil verhört. Einen Monat später, am 6. Juli, folgte die Verurteilung des Jan Hus, der nicht widerrufen hatte, durch die Vollversammlung des Konzils; Hus wurde noch am selben Tag dem Henker übergeben und verbrannt. Auch Hieronymus von Prag (†1416), ein Schüler des Jan Hus, folgte diesem am 30. Mai 1416 auf dem Scheiterhaufen. Dies alles hatte Auswirkungen auf die kirchlichen und politischen Verhältnisse in Böhmen; die hussitischen Unruhen sollten alsbald das Land erschüttern. III. Nach der Hinrichtung des Jan Hus begab sich König Sigismund auf diplomatische Reisen nach Westeuropa. Verhandlungen mit Papst Benedikt XIII. scheiterten zwar, doch gelang es dem Herrscher, dass sich König Ferdinand I. von Aragón (1412-1416) von "seinem" Papst abwandte und mit den Capitula Narbonensia vom 13. Dezember 1415 die Teilnahme der spanischen Nation am Konzil bei Obödienzentzug gegenüber Benedikt XIII. sicherte. Damit war der Weg für die Kirchenversammlung frei, auch Benedikt abzusetzen, was am 26. Juli 1417 geschah. Zudem war die cessio des römischen Papstes Gregor XII. schon im März 1415 erfolgt, als dessen Gesandte zum Konstanzer Konzil gekommen waren. Erst mit der Rückkehr Sigismunds nach Konstanz Ende Januar 1417 und der Konstituierung der natio Hispanica bis Ende März 1417 konnte die Einigung der Kirche (causa unionis) durch das Konzil angegangen werden. Im Mittelpunkt stand, nachdem diesbezüglich alle Hindernisse aus dem Weg geräumt waren, die Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts, die durch die Kardinäle und die Vertreter der Nationen in einem Konklave im Konstanzer Kaufhaus am 8. bis 11. November stattfand. Gewählt wurde letztlich einmütig der Kardinaldiakon Odda Colonna (†1431) von der römischen Titelkirche San Giorgio al Velabro. Odda nahm den Namen des Tagesheiligen an und begab sich als Papst Martin V. (1417-1431) noch am selben Tag in feierlicher Prozession und unter Beteiligung von (angeblich?) 80000 Menschen zum Münster. Seine Inthronisation fand dann in der Domkirche am 21. November statt, die Krönung zwischen Münster und Bischofspfalz am darauffolgenden Tag. IV. Die Einheit innerhalb der katholischen Kirche war damit vollzogen, die Einheit mit der östlichen orthodoxen Christenheit blieb jedoch aus. Zwar waren griechische Gelehrte wie Manuel Chrysolares (†1415) auf dem Konzil anwesend, es gab auch eine Gesandtschaft des litauischen Großfürsten (1415), und noch im Februar 1418 besuchte der (zwischen dem Patriarchen von Konstantinopel und dem Moskauer Metropoliten nicht unumstrittene) Kiewer Erzbischof die Kirchenversammlung. Doch Konkretes kam nicht zustande und dies, obwohl Konzilsteilnehmer und Politik die Kirchenunion mit den "Griechen" durchaus im Zusammenhang mit der Gefährdung Südosteuropas durch die osmanischen Türken sahen. Auch bei der causa reformationis, bei der Reform der Kirche, trat die Konstanzer Kirchenversammlung weitgehend auf der Stelle. Es gab immerhin noch vor der Papstwahl einige Reformdekrete wie das oben schon angesprochene Dekret Frequens. Schließlich fand parallel zum Konzil im Kloster Petershausen ein Reform- und Provinzialkapitel der Benediktinermönche statt (März 1417). Am 22. April 1418 kam die Kirchenversammlung zu ihrem Ende, nachdem in Konstanz die Pest ausgebrochen war (1418). Papst Martin V. verließ die Stadt am Bodensee am 16. Mai 1418. V. Insgesamt war das Konstanzer Konzil als "Weltereignis des Mittelalters" eine durchaus erfolgreich zu nennende Kirchenversammlung gewesen. 600 bis 700 Geistliche als Konzilsväter, darunter 300 Bischöfe, und ebenso viele weltliche Große und Gesandte berieten unter der Leitung des römisch-deutschen Königs in Konstanz über die Probleme der Kirche. Das Konzil war aber auch ein "textuelles Ereignis" der Schreiber und Notare, ein "gelehrtes Ereignis" der Universitätsgelehrten, Humanisten und Handschriftensucher, ein "diskursives Ereignis" und "öffentlicher Kommunikationsraum" der "kollegial-partizipatorisch" Versammelten. Das Konzil war mithin ein "polyvalentes Ereignis". VI. Jenseits von Kirchenpolitik und Konzil musste aber - wie die Chronik des Ulrich (von) Richental (†1437) mitteilt - in Konstanz das alltägliche Leben der städtischen Bewohner und der Gäste weitergehen. Konstanz empfing die Konzilsteilnehmer - neben den geistlichen Personen auch weltliche mit deren Anhang - nicht unvorbereitet. Letztlich kamen alle, die Konzilsväter und die anderen Gäste, in der Stadt, den Vorstädten und der Umgebung unter. Auch die Versorgung der Städter und der Gäste mit Nahrungsmitteln war gewährleistet, wobei Garküchen, rollende Bäckereien oder auch gewöhnungsbedürftige Speisen in Konstanz Einzug hielten oder der Handel mit osteuropäischen Rindern den Nachschub an Fleisch sicherstellte. Im Großen und Ganzen kamen Städter und Gäste, auch die Konzilsnationen gut miteinander aus, sprachliche Verständigungsprobleme oder Verbrechen (wie Mord) mit eingeschlossen. Händler, fahrendes Volk (Gaukler, Musikanten, Spielleute) und Huren bevölkerten die Stadt, Prozessionen und Festlichkeiten belebten den Alltag. Politik wurde auch öffentlich inszeniert wie bei den Herrscheradventus oder bei der Belehnung des Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. (I.) von Hohenzollern (1397-1440) mit der Markgrafschaft Brandenburg (30. April 1415). Dies alles spielte sich ab vor der Kulisse einer ständisch gegliederten städtischen Gesellschaft ab, die alle Schichten von Arm bis Reich mit einbezog. [Buhlmann, 08.2014]

Büchner, Christine (2009), Hildegard von Bingen. Eine Lebengeschichte (= it 3369), Frankfurt a.M.-Leipzig 2009 > H Hildegard von Bingen

Bücker, Christel (1999), Frühe Alamannen im Breisgau. Untersuchungen zu den Anfängen der germanischen Besiedlung im Breisgau während des 4. und 5. Jahrhunderts n.Chr. (= AG 9), Sigmaringen 1999 > A Alemannen im Breisgau

Bührke, Thomas (2015), Einsteins Jahrhundertwerk. Die Geschichte einer Formel (= dtv 34898), München 22016 > G Goenner, Albert Einstein

Bünz, Enno, Bajorath, Karl-Heinz (Hg.) (1993), Gründliche Nachricht von dem Leben und Tode des Heiligen Bernwards. Nachdruck der Ausgabe Hildesheim 1767 (= Religion in der Geschichte. Kirche, Kultur und Gesellschaft, Bd.1), Bielefeld 1993 > B Bernward von Hildesheim

Bürhlen-Grabinger, Christine (1986), Die Herren von Plieningen. Studien zu ihrer Familien-, Besitz- und Sozialgeschichte mit Regesten (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Bd.36), Ostfildern 1986, XLIII, 208 S., € 14,70. Als Herren von Plieningen werden bezeichnet eine edelfreie und eine niederadlige (Ministerialen-) Familie des Mittelalters und der frühen Neuzeit, beide (ursprünglich) aus (Stuttgart-) Plieningen stammend. Die edelfreien Herren von Plieningen sind in den 1130er- und 1140er-Jahren urkundlich bezeugt, starben aber um die Mitte des 12. Jahrhunderts aus, wobei ihr Besitz vermutlich an die Welfen und von da an die Pfalzgrafen von Tübingen ging. Ab der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts treten die von den Pfalzgrafen abhängigen Ministerialen von Plieningen in Erscheinung. Die Plieninger verloren im Krieg zwischen König Rudolf I. von Habsburg (1273-1291) und Graf Eberhard I. von Württemberg (1279-1325) ihre Stammburg (1287) und sind danach in Esslingen, in und um Göppingen und vielleicht auch im bayerisch-schwäbischen Raum um Landshut nachweisbar. Ein Teil der Plieninger Familie etablierte sich in der Reichsstadt Esslingen, Mitglieder der Familie gehörten der dortigen Oberschicht ("Ehrbarkeit") an. Angehörige einer Göppinger Linie sind im 14. und 15. Jahrhundert in Diensten der Grafen von Werdenberg, Zollern und Württemberg bezeugt. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts gelang es den Plieningern, ihre württembergischen Güter und Lehen zu vergrößern. In Kleinbottwar wurde in den 1490er-Jahren eine Kirche erbaut, die von nun an als Grablege der Plieninger dienen sollte. Die Herrschaft Schaubeck und Kleinbottwar ging nach dem Tod des letzten männlichen Plieningers Eitelhans (*1593-†1645) an drei Töchter und deren Ehemänner über, 1805 wurde die Adelsherrschaft mediatisiert und württembergisch. [Buhlmann, 05.2006]

Bues, Almut, Die Jagiellonen. Herrscher zwischen Ostsee und Adria (= Urban Tb 646), Stuttgart 2011, 305 S., Schwarzweißabbildungen, Stammtafeln, Karten, € 29,80. Nach dem Aussterben der polnischen Piasten und nach einem Zwischenspiel des ungarischen Königs Ludwig I. des Großen (1370-1382) auf dem polnischen Königsthron ging Letzterer an den mit Hadwig, der Tochter des letzten Piastenherrschers Kazimierz III. des Großen (1333-1370), verheirateten litauischen Großfürsten Jagiello-Wladyslaw (1386-1434) über (Taufe Jagiellos und Heirat [1386]). Die Dynastie der Jagiellonen gebot in der Folgezeit (teilweise in Personalunion) über das Königreich Polen und das weit nach Osten und Südosten ausgreifende Großfürstentum Litauen. Jagiello setzte sich erfolgreich in Masowien und gegen den Deutschen Orden in Preußen durch (Schlacht bei Tannenberg [1410], 1. Thorner Frieden [1411]), er förderte die Christianisierung Litauens (Gegeneinander von katholischer und griechisch-orthodoxer Kirche). Jagiellos Sohn Wladyslaw III. (1434-1444), auch König von Ungarn (ab 1439), starb auf dem Kriegszug gegen die türkischen Osmanen in der Schlacht bei Warna (1444). Ihm folgte Kazimierz IV. (1444/47-1492), der im Dreizehnjährigen Krieg (1454-1466) den Deutschen Orden besiegte (2. Thorner Frieden [1466] und Abtretung Pommerellens und Ermlands); dessen einer Sohn Wladyslaw (†1516) wurde durch Wahl König von Böhmen und Ungarn (ab 1471 bzw. 1490), der andere Jan Olbracht Kazimierz' Nachfolger (1492-1501), so dass gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Jagiellonen ein Konglomerat von Königreichen zwischen Ostsee und Adria beherrschten. Königreich Polen und Großfürstentum Litauen waren um diese Zeit eine ständisch gegliederte monarchia mixta, eine "Adelsrepublik" (Rzeczpospolita, ?) mit König, Hochadel, Reichstag (Sejm) und Landtagen. Ein Höhepunkt jagiellonischer Macht stellt dann die Regierungszeit König Zygmunts I. (1506-1548) dar ("goldenes Zeitalter" der Jagiellonen). Mit dessen Sohn Zygmunt II. August (1548-1572) endete die Jagiellonendynastie in Polen-Litauen (polnisch-litauische Realunion von Lublin [1569]); schon Jahrzehnte zuvor hatten die Jagiellonen Böhmen und Ungarn verloren (Schlacht bei Mohacs gegen die Osmanen [1526] und Tod Ludwigs II. von Ungarn [1516-1526], habsburgisches Vordringen in Ost- und Südosteuropa), während (Polen-) Litauen (mit Livland) zunehmend unter den Druck von Moskauer Großfürstentum, Tataren und Osmanen geriet (Ukraine, Kosaken). Gleichzeitig drang reformatorisches Gedankengut ins Jagiellonenreich ein (protestantisches Herzogtum Preußen [1525], Glaubensfreiheit des Adels 1555), während katholische Gegenreformation und die katholisch-orthodoxe Kirchenunion (1596) zu einer Stärkung der katholischen Position führten. Mit dem Ende der Jagiellonendynastie (1572) begann in Polen-Litauen die Zeit des Wahlkönigtums, die mit den Jagiellonen verwandten schwedischen Vasa behaupteten sich in Polen-Litauen dennoch über achtzig Jahre: König Zygmunt III. (1587-1632) (Kriege gegen Moskau, Osmanen und Schweden [bis 1618/19, 1621, bis 1629], Oligarchisierung Polen-Litauens, "silbernes Zeitalter"), König Wladyslaw IV. Zygmunt (1632-1648), König Jan II. Kazimierz (1648-1668). [Buhlmann, 05.2013]

Büttner, Heinrich (1939), St. Blasien und das Elsaß (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich-Fürstenbergischen Archiv, H.4), Donaueschingen 1939 > S St. Blasien

Büttner, Heinrich (1966), Abt Wilhelm von Hirsau und die Entwicklung der Rechtsstellung der Reformklöster im 11. Jahrhundert, in: ZWLG 25 (1966), S.321-338 > W Wilhelm von Hirsau

Büttner, Heinrich (1939), Egino von Urach-Freiburg, der Erbe der Zähringer, Ahnherr des Hauses Fürstenberg (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich-Fürstenbergischen Archiv, H.6), Donaueschingen 1939, 27 S., 2 Abb., RM 1,20. Graf Egino IV. von Urach (1180-1230) heiratete vor 1181 die Zähringerin Agnes. Zentrale Persönlichkeiten in der Uracher Grafenfamilie waren dann die Söhne Eginos IV., Graf Egino V. von Urach und Freiburg (1230-1236/37) und dessen Bruder Konrad von Urach (†1227), der oberste Repräsentant des Zisterzienserordens und Kardinalbischof von Porto und Santa Rufina. Egino V., "der Erbe der Zähringer" und "Ahnherr des Hauses Fürstenberg", gelang es zusammen mit seinem Vater, sich in den Auseinandersetzungen um das Zähringererbe vielfach durchzusetzen. Zwar erlosch das zähringische Herzogtum und mit ihm der Herzogstitel, zwar fiel der ehemals zähringische Südschwarzwald weitgehend an die Staufer, die auch im mittleren Schwarzwald entlang der Kinzigtalstraße (Ortenau, St. Georgen, Villingen) vertreten waren, doch erreichte Egino V. gegen einen übermächtigen staufischen König am 18. September 1219 in Hagenau eine friedliche Übereinkunft, die gegen eine (weitgehend nicht beglichene) Entschädigung von 25.000 Mark einige der Uracher Ansprüche beiderseits des Schwarzwaldes bestätigte und weitere Ansprüche des Grafen zumindest nicht ausschloss. Unterstützt von seinem Bruder, dem Kardinalbischof Konrad von Urach, gelang Egino eine Einigung mit König Heinrich (VII.) (1224) und Kaiser Friedrich II. (1226), dem die Anerkennung der Uracher Vogtei über St. Peter im Schwarzwald durch das ehemalige zähringische Hauskloster folgte (1226). Die Burg Zindelstein (bei Wolterdingen) war wichtig für die Ausdehnung des Uracher Territoriums in den Schwarzwald hinein, so dass eine Verbindung vom Breisgau über St. Peter in die Baar entstand. Trotz seines misslungenem Eingreifens in der Pfirter Fehde (1227/28) und seiner Nähe zu König Heinrich (VII.) bei dessen Sturz (1235) hatte sich Egino von Urach und Freiburg weitgehend politisch behauptet, als er 1236/37 starb und im Kloster Tennenbach begraben wurde. [Buhlmann, 11.2007]

Büttner, Heinrich (1950), St. Blasien und das Bistum Basel im 11./12. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte des Investiturstreits, in: ZSK 44 (1950), S.138-148 > S St. Blasien

Büttner, Heinrich (1966), Abt Wilhelm von Hirsau und die Entwicklung der Rechtsstellung der Reformklöster im 11. Jahrhundert, in: ZWLG 25 (1966), S.321-338 > H Hirsau

Büttner, Heinrich (1969), Zähringerpolitik im Trierer Raum während der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in: RhVjbll 32 (1969), S.47-59 > Z Zähringer

Buhlmann, Michael (1998), Liudger an der Ruhr, in: Ich verkünde euch Christus. St. Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809 [1998], S.22-42 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2001), Wie der heilige Georg nach St. Georgen kam (= VA 1), St. Georgen 2001 > G Georg (Heiliger)

Buhlmann, Michael (2001), Wie der heilige Georg nach St. Georgen kam (= VA 1), St. Georgen 22004, 36 S., € 3,50. Georg war ursprünglich ein Heiliger der östlichen Christenheit gewesen. Der aus Kappadokien stammende Soldat soll am Beginn der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (284-305) den Märtyrertod gestorben sein. In den ersten Jahrhunderten des Mittelalters gelangten Verehrung und Reliquien Georgs auch nach Italien und ins merowingische Frankenreich. Später war es der Mainzer Erzbischof Hatto I. (888-913), der im Rom des Jahres 896 von Papst Formosus (891-896) Georgsreliquien erhielt - die stadtrömische Kirche San Giorgio al Velabro spielt hier eine bedeutsame Rolle - und mit den Reliquien nach Ostfranken zurück über die Alpen zog. Dort verteilte er das Erworbene, so dass das Bodenseekloster Reichenau, dessen Leitung Hatto besaß, in den Besitz von einigen Georgsreliquien - darunter ein Stück vom Haupt des Märtyrers - gelangte. Das "Georgshaupt" auf der Reichenau, genauer im von Hatto gegründeten Oberzell, muss die Verehrung des kappadokischen Erzmärtyrers im mittelalterlichen Schwaben befördert haben. Nicht zuletzt die Reichenauer Klostervögte, die im 11. Jahrhundert aus der Familie des St. Georgener Klostergründers Hezelo (†1088) stammten, müssen vom Georgskult beeinflusst worden sein. Ihr Gebetshaus (oratorium) bei ihrer Stammburg in Königseggwald war wohl an der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert dem heiligen Georg geweiht und mit entsprechenden Reliquien versehen worden. Im Zuge der Schwarzwälder Klostergründung Hezelos und Hessos (1084/85) gelangten Name und Reliquien des Kappadokiers schließlich nach St. Georgen. Der kappadokische Heilige bezeichnete fortan das Kloster und den Ort. [Buhlmann, 12.2001, 03.2004]

Buhlmann, Michael (2001), Liudger und Karl der Große, in: Ich verkünde euch Christus. St. Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809 [2001], S.4/5-48 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2001), Essen und Werden: Zu den Anfängen und zur mittelalterlichen Geschichte zweier geistlicher Gemeinschaften, in: MaH 54 (2001), S.67-128 > E Essen im Mittelalter

Buhlmann, Michael (2002), St. Georgen und Südwestdeutschland bis zum Mittelalter (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.I = VA 2), St. Georgen 2002 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2002), Gründung und Anfänge des Klosters St. Georgen im Schwarzwald (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.II = VA 3), St. Georgen 2002 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2003), Liudger in den Münsteraner Chroniken des Mittelalters und der frühen Neuzeit, in: Ich verkünde euch Christus. St. Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809 [2002], S.76-100 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2003), Manegold von Berg - Abt von St. Georgen, Bischof von Passau (= VA 4), St. Georgen 2003, Essen 22010 > M Manegold von Berg

Buhlmann, Michael (2003), Manegold von Berg - Abt von St. Georgen, Bischof von Passau: Quellen und Regesten (= VA 6), St. Georgen 2003 > M Manegold von Berg

Buhlmann, Michael (2003), Die Essener Äbtissin Hadwig von Wied, in: MaH 56 (2003), S.41-78 > H Hadwig von Wied

Buhlmann, Michael (2004), Abt Theoger von St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.III = VA 7), St. Georgen 2004 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, > T Theoger von St. Georgen

Buhlmann, Michael (2004), Die Päpste in ihren Beziehungen zum mittelalterlichen Kloster St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.IV = VA 8), St. Georgen 2004 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2004), Die deutschen Könige in ihren Beziehungen zum mittelalterlichen Kloster St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.V = VA 9), St. Georgen 2004 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2004), Besitz, Grundherrschaft und Vogtei des hochmittelalterlichen Klosters St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.VI = VA 11), St. Georgen 2004 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2004), Der Tennenbacher Güterstreit (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.VII = VA 12), St. Georgen 2004 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2004), Der St. Georgener Abt Manegold von Berg auf dem Dritten Laterankonzil (März 1179)?, in: Heimatbote 15 (2004), S.3-9 > M Manegold von Berg

Buhlmann, Michael (2005), Die Herren von Hirrlingen und das Kloster St. Georgen im Schwarzwald (= VA 15), Essen 2005, 56 S., € 4,-. Werner von Ortenburg, der Gründer des oberelsässischen Klosters Hugshofen (1000), steht am Anfang Hirrlinger Geschichte. Mit Werners Sohn Folmar (1061) und den Brüdern Kuno (1089, ca.1100), und Burkhard (1091, 1105), Propst der Straßburger Bischofskirche, werden die nächsten zwei Generationen greifbar. Unter Ulrich (I., †1123) und Ulrich (II., †1152) von Hirrlingen gab es intensive Beziehungen zum 1084 gegründeten benediktinischen Reformkloster St. Georgen im Schwarzwald. Ulrich (I.) war mit Helica, der Witwe des St. Georgener Klostervogts Hermann (†1094) aus der Stifterfamilie der Schwarzwälder Mönchsgemeinschaft, verheiratet. Vielleicht arbeiteten der vermutliche Klostervogt Ulrich (I.) und Abt Theoger von St. Georgen (1088-1119) sogar bei der Reform des Klosters Hugshofen zusammen (vor bzw. um 1110). Der Tod Helicas (ca.1110) beendete diese Einigkeit. Die Besitzstreitigkeiten zwischen den beiden Ulrichen und dem Kloster an der Brigach auch auf Grund erbrechtlicher Ansprüche haben sich von ca.1110 bis 1124/25 hingezogen, bis sie durch ein Urteil Kaiser Heinrichs V. (1106-1125) zu Gunsten des Klosters entschieden wurden. Danach muss Einvernehmen zwischen Ulrich (II.) von Hirrlingen und der Mönchsgemeinschaft bestanden haben, war doch Ulrich als Zeuge anwesend bei der Urspringer Schenkung der Herren von Schelklingen an das Kloster St. Georgen. Bekanntlich entstand aus dieser Stiftung das St. Georgener Frauenkloster und Priorat Urspring. Noch einmal dürfen wir einen Hirrlinger mit dem Schwarzwaldkloster in Verbindung bringen, als Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) das St. Georgener Priorat Lixheim unter seinen Schutz stellte (1163). Ulrich (III., †n.1173) befand sich nämlich damals im Gefolge des deutschen Herrschers. Somit könnten die Herren von Hirrlingen die St. Georgener Klostergeschichte fast fünfzig Jahre lang begleitet und mitbeeinflusst haben. Nach dem Tod Ulrichs (III.) traten der staufische Kaiser und die mit den Hirrlingern verwandten Herren von Bühl in das Erbe ein. Diese späten Hirrlinger sind dann noch bis weit ins 13. Jahrhundert nachweisbar (1286). [Buhlmann, 02.2005]

Buhlmann, Michael (2005), Liudger und sein bischöfliches Wirken in der Zeit. Sächsischer Missionsbezirk und Münsteraner Bistum Liudgers in der Kirchenorganisation des karolingischen Frankenreichs, in: Seid Zeugen des Glaubens [2005], S.55-89 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2005), Die frühe schriftliche Überlieferung zum Ort Villingen (9.-13. Jahrhundert), in: GHV 28 (2005), S.71-81 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2005), In honore sancti Georgii martyris. Beiträge zur Georgsverehrung in Antike und Mittelalter (= VA 16), St. Georgen 2005 > G Georg (Heiliger)

Buhlmann, Michael (2005), Das Kloster St. Georgen und der magnus conventus in Konstanz im Jahr 1123 (= VA 17), St. Georgen 2005 > K Konstanz: magnus conventus

Buhlmann, Michael (2005), Zeitrechnung des Mittelalters (auf Grund von St. Georgener Geschichtsquellen). Einführung, Tabellen, CD-ROM InternetKalenderrechnung (= VA 18), St. Georgen 2005 > C Chronologie

Buhlmann, Michael (2005), Nördlingen in alter Zeit. Mit einem Anhang: Das Kloster Bebenhausen im Mittelalter (= VA 19), St. Georgen 2005 > N Nördlingen

Buhlmann, Michael (2004), St. Georgen als Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.VIII = VA 20), St. Georgen 2005 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2006), Das Benediktinerkloster St. Georgen. Geschichte und Kultur (= VA 21), St. Georgen 2006 > S St. Georgen im Schwarzwald

Buhlmann, Michael (2006), St. Georgen und Admont. Zu den Beziehungen zweier Reformklöster im 12. Jahrhundert (= VA 22), St. Georgen 2006 > A Admont

Buhlmann, Michael (2006), Das Admonter Frauenkloster (vornehmlich im 12. Jahrhundert) (= VA 23), St. Georgen 2006 > A Admont

Buhlmann, Michael (2006), Zeitrechnung des Mittelalters (auf Grund von Kaiserswerther Geschichtsquellen). Einführung, Tabellen, CD-ROM InternetKalenderrechnung (= BGKw MA 3), Düsseldorf-Kaisersweth 2006 > C Chronologie

Buhlmann, Michael (2006), Rupert, Mönch aus St. Georgen, Abt von Ottobeuren (†1145), in: Der Heimatbote 17 (2006), S.4-14 > R Rupert von Ottobeuren

Buhlmann, Michael (2007), Liudger an der Ruhr - Die Gründung des Klosters Werden (= BGW 1), Essen 2007 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2007), Zeitrechnung des Mittelalters (auf Grund von Werdener Geschichtsquellen). Einführung, Tabellen, CD-ROM InternetKalenderrechnung (= BGW 5), Essen 2007 > C Chronologie

Buhlmann, Michael (2007), Das Testament der Essener Äbtissin Theophanu. Hildegard von Bingen in Werden? (= BGW 6), Essen 2007, 40 S., € 2,50. Frauen im Mittelalter - das heißt für die hochmittelalterliche Geschichte des Klosters Werden a.d. Ruhr die Beschäftigung mit der Essener Äbtissin Theophanu (1039-1058), in deren Testament Priester aus (Essen-) Werden erscheinen, und mit der "deutschen Prophetin" Hildegard von Bingen (†1098), die an der Ruhr in Werden gepredigt haben soll. > F Fremer, Äbtissin Theophanu, > H Hildegard von Bingen [Buhlmann, 04.2007]

Buhlmann, Michael (2007), Der heilige Luzius und die Werdener Luziuskirche (= BGW 7), Essen 2007 > W > Werdener Kirchenlandschaft

Buhlmann, Michael (2007), Württembergisches Mömpelgard (= VA 30), St. Georgen 2007 > M Mömpelgard

Buhlmann, Michael (2007), Schramberg im Mittelalter. Ein Lexikon. Vortrag "Mittelalterliche Klöster im Schwarzwald - Mönchtum, Siedlung und Herrschaft im Schramberger Raum" beim Museums- und Geschichtsverein Schramberg e.V., Schramberg, 21. Juni 2007, Essen 2007 > S Schramberg

Buhlmann, Michael (2007), Stadt, Königtum und Reich - Villingen im 13. Jahrhundert, in: GHV 30 (2007), S.24-32 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2007), St. Georgen und Ottobeuren. Benediktinerklöster der St. Georgener Klosterreform (= VA 35), St. Georgen 2007 > O > Ottobeuren

Buhlmann, Michael (2007), Die vom Kloster St. Georgen abhängigen geistlichen Gemeinschaften (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.IX = VA 36), St. Georgen 2007 > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens

Buhlmann, Michael (2007), Wolfhold, Mönch in St. Georgen, Abt von Eisenhofen-Scheyern und Admont, in: Der Heimatbote 18 (2007), S.15-22 > W Wolfhold von St. Georgen, Eisenhofen-Scheyern, Admont

Buhlmann, Michael (2008), Suitbert, Liudger und die Missionierung Nordwesteuropas (= BGKw MA 6), Düsseldorf-Kaiserswerth 2008 > S Suitbert

Buhlmann, Michael (2008), Suitbert, Liudger und die Missionierung Nordwesteuropas (= BGW 8), Essen 2008 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2008), Das Münsteraner Büchlein über die Wunder des heiligen Liudger (= BGW 9), Essen 2008 > L Liudger

Buhlmann, Michael (2008), Die Gerresheimer Äbtissin Theophanu (= BGG 2), Essen 2008 > F Fremer, Äbtissin Theophanu

Buhlmann, Michael (2008), Die Gerresheimer Äbtissin Hadwig von Wied (= BGG 3), Essen 2008 > H Hadwig von Wied

Buhlmann, Michael (2008), Das St. Georgener Priorat Rippoldsau im Nordschwarzwald. St. Georgener Tochterklöster und Priorate in Mittelalter und früher Neuzeit (= VA 40), St. Georgen 2008 > R Rippoldsau

Buhlmann, Michael (2009), Villingen und die Fürstenberger (13./14. Jahrhundert), in: GHV 32 (2009), S.16-25 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2009), Hezelo und Hesso, die St. Georgener Klostergründer. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/1), St. Georgen 2009 > S St. Georgen im Schwarzwald

Buhlmann, Michael (2009), Theoger von St. Georgen - Abt und Bischof. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= Vertex Alemanniae, H.42/3), St. Georgen 2009 > T Theoger von St. Georgen

Buhlmann, Michael (2009), Klöster und Stifte in Baden-Württemberg - Geschichte, Kultur, Gegenwart, Tl.1: Mönchtum im deutschen Südwesten, Tl.2: Einzelne Klöster und Stifte (= VA 45/1-2), St. Georgen 2009, zus. 120 S., € 7,-. I. Der deutsche Südwesten blickt auf die reiche klösterliche Kultur der durch das Christentum geprägten Epochen von Mittelalter und früher Neuzeit zurück. Kloster und Stift bedeuten den von der "Welt" abgeschlossenen Aufenthaltsort von Mönchen und Nonnen, Kanonikern und Stiftsfrauen. Umschrieben werden können die Voraussetzungen klösterlicher Existenz mit den Begriffen Herrschaft, Bildung und Gebet: Eingebunden waren Mönchs- und Nonnengemeinschaften sowie Stifte in die herrschaftlichen Strukturen ihrer Zeit und übten im Rahmen von Grund- und Territorialherrschaft selbst Herrschaft aus; Bildung im Namen Gottes etwa bei Schriftlichkeit und Buch machte zu einem wichtigen Teil die kulturelle Wirkung von Klöstern in ihrem Umfeld aus; der Gottesdienst, das Stundengebet und damit verbunden das Totengedenken standen im liturgischen Zentrum mönchischen Lebens und waren damit Ausdruck der christlich-geistlichen Grundlagen des Mönchtums. Gemäß der Vielfalt der Mönchsorden werden u.a. beispielhaft vorgestellt die Benediktinerklöster Reichenau, Hirsau und St. Georgen im Schwarzwald, die Zisterzienserklöster Bebenhausen und Maulbronn, die Prämonstratensergemeinschaften in Allerheiligen und Marchtal, die Frauenklöster Urspring und Rottenmünster, die (städtischen) Klöster der Franziskaner und Dominikaner. Dieser Vielfalt entsprach ein sich bei den Klöstern im Verlauf der Jahrhunderte vollziehender historischer Wandel, der z.B. anhand der Klosterreformen zu erfassen ist. Die protestantisch-evangelische Reformation im 16. und die Säkularisationen zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten dann für die mittelalterliche und frühneuzeitliche (katholische) Klosterkultur wesentliche Zäsuren, die Aufhebung der meisten Klöster führte weitgehend zu einem Abbrechen monastischer Lebensweise. Klöster sind daher heute vornehmlich eine Ansammlung von Gebäuden oder Ruinen und damit Teil eines Jahrhunderte alten architektonisch-kulturellen Erbes. Doch erkennt die Gegenwart zunehmend auch die spirituelle Bedeutung (existierender) religiöser Gemeinschaften. II. Dargestellt wird die geschichtliche Entwicklung der Klöster und Stifte: Adelberg, Allerheiligen, Alpirsbach, Amtenhausen, Baindt, Bebenhausen, Berau, Beuron, Bickelsberg, Blaubeuren, (Bad) Buchau, Bürgeln, Ellwangen, Esslingen, Ettenheimmünster, Frauenalb, Freiburg im Breisgau, Friedenweiler, Gengenbach, Gutenzell, Heiligenbronn, Heiligkreuztal, Hirsau, Hohentwiel, Honau, Isny, Kniebis, Königseggwald, Komburg, Konstanz, Lichtenthal, Lorch, (Ober-) Marchtal, Mariental, Maulbronn, Neresheim, Neuenzell, Oberndorf, Oberried, Ochsenhausen, Petershausen, Reichenau, (Kloster-) Reichenbach, (Bad) Rippoldsau, Rot a.d. Rot, Rottenmünster, Rottweil, (Bad) Säckingen, Salem, St. Blasien, St. Georgen im Schwarzwald, St. Märgen, St. Peter im Schwarzwald, St. Peter in Wimpfen, St. Trudpert, St. Ulrich im Schwarzwald, Schöntal, (Bad) Schussenried, Schuttern, Schwarzach, Sinsheim, Söflingen, Stuttgart, Sulzburg, Tennenbach, Todtmoos, Ulm, Urspring, Villingen, Waldkirch, (Bad) Waldsee, Weiler, Weingarten, Weißenau, Weitenau, Wiblingen, Wittichen, Zwiefalten.
Vgl. dazu noch: Kaiser, Jürgen (2004), Klöster in Baden-Württemberg. 1200 Jahre Kunst, Kultur und Alltagsleben, Stuttgart 2004, 160 S., Abbildungen, € 24,90; Willig, Wolfgang (1997), Spurensuche in Baden-Württemberg: Klöster, Stifte, Klausen. Ein kulturhistorischer Führer, Wannweil 1997, 504 S., Abbildungen, Karten, DM 48,-. [Buhlmann, 03.2009]

Buhlmann, Michael (2009), Benediktinerkloster St. Georgen im Schwarzwald. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/5), St. Georgen 2009 > S St. Georgen im Schwarzwald

Buhlmann, Michael (2009), Das St. Georgener Priorat Ramsen in der Pfalz. St. Georgener Tochterklöster und Priorate in Mittelalter und früher Neuzeit (= VA 43), St. Georgen 2009 > R Ramsen

Buhlmann, Michael (2009), Das St. Georgener Priorat Krauftal (Graufthal) im Elsass. St Georgener Tochterklöster und Priorate in Mittelalter und früher Neuzeit (= VA 46), St. Georgen 2009 > K Krauftal

Buhlmann, Michael (2009), Die Zähringer - Herzöge im hochmittelalterlichen Schwaben (= VA 48), St. Georgen 2009, Essen 22010 > Z Zähringer

Buhlmann, Michael (2010), Habsburgisches Villingen vom 14. bis 16. Jahrhundert, in: GHV 33 (2010), S.49-56 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2010), Wilhelm von Hirsau und die St. Georgener Klostergründung. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/2), St. Georgen 2010 > W Wilhelm von Hirsau

Buhlmann, Michael (2010), Eine Urkundenfälschung für das Benediktinerpriorat Rüeggisberg auf Grund der Vorlage eines Diploms König Heinrichs V. für die Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald vom 28. Januar 1108 (= VA 51), Essen 2010 > R Rüeggisberg

Buhlmann, Michael (2010), Beda Venerabilis, Suitbert und Kaiserswerth (= BGKw MA 11), Düsseldorf-Kaiserswerth 2010 > S Suitbert

Buhlmann, Michael (2010), Zeitrechnung des Mittelalters (auf Grund von Gerresheimer Geschichtsquellen). Einführung, Tabellen, CD-ROM InternetKalenderrechnung (= BGG 5), Essen 2010 > C Chronologie

Buhlmann, Michael (2011), Die Zähringer und Villingen, in: GHV 34 (2011), S.122-131 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2011), Anfänge des Klosters St. Georgen - Regesten zur Klostergeschichte. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/4), St. Georgen 2011, Register (= VA 42/4), St. Georgen 2011 > W Wollasch, St. Georgen im Schwarzwald

Buhlmann, Michael (2011), Der Gründungsbericht des Klosters St. Georgen im Schwarzwald (= VA 53), Essen 2011 > W Wollasch, St. Georgen im Schwarzwald

Buhlmann, Michael (2011), Beiträge zur Geschichte Schrambergs im Mittelalter (= VA 55), Essen 2011 > S Schramberg

Buhlmann, Michael (2011), Eine kurze Geschichte Villingens im Mittelalter (= VA 56), Essen 2011 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2011), Der Kaiserswerther Laienabt und ostfränkische König Konrad I. (= BGKw MA 12), Düsseldorf-Kaiserswerth 2011 > K Konrad I.

Buhlmann, Michael (2011), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Spaichingen im frühen Mittelalter (= VA 58), Essen 2011 > S Spaichingen

Buhlmann, Michael (2012), Hildigrim, Bruder des heiligen Liudger (= BGW 11), Essen 2012 > H Hildigrim

Buhlmann, Michael (2012), Anfänge Triberger Geschichte (= VA 61), Essen 2012 > T Triberg

Buhlmann, Michael (2013), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Villingen im frühen Mittelalter (= VA 62), Essen 2013 > V Villingen

Buhlmann, Michael (2013), Suitbert: Missionar und Klostergründer (im Umfeld des merowingischen Frankenreichs) (= BGKw MA 16), Düsseldorf-Kaiserswerth 2013 > S Suitbert

Buhlmann, Michael (2013), San Giorgio in Velabro - heiliger Georg - St. Georgen im Schwarzwald (= VA 65), Essen 2013 > G Georg (Heiliger)

Buhlmann, Michael (2013), Suitbert, Kaiserswerth und Verden a.d. Aller (= BGKw MA 17), Düsseldorf-Kaiserswerth 2013 > S Suitbert

Buhlmann, Michael (2013), Die Urkunde des Kardinals Nikolaus von Kues für die Kaiserswerther Marienkapelle (= BGKw MA 18), Düsseldorf-Kaiserswerth 2013 > N Nikolaus von Kues

Buhlmann, Michael (2013), Besitz des Klosters Werden in Friemersheim (= BGW 14), Essen 2013 > F Friemersheim

Buhlmann, Michael (2014), Die Klöster St. Gallen und Reichenau, das Königtum, die Baar und Trossingen im frühen Mittelalter (= VA 69), Essen 2014 > H Häffner u.a., Trossingen

Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster Reichenau, das Königtum, die Baar und Donaueschingen im frühen und hohen Mittelalter (= VA 70), Essen 2014 > H Huth, Donaueschingen

Buhlmann, Michael (2014), Konrad Gruter aus Werden - Technik im späten Mittelalter (= BGW 15), Essen 2014 > L Lohrmann u.a., Konrad Gruter von Werden

Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Pfohren im frühen Mittelalter (= VA 71), Essen 2014 > W Wieners u.a., 1150 Jahre Kirche in Pfohren

Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Geisingen im frühen Mittelalter (= VA 72), Essen 2014 > G Geisingen

Buhlmann, Michael (2014), Das Konstanzer Konzil und das Kloster St. Georgen im Schwarzwald (= VA 73), Essen 2014, 64 S., € 4,-. Das spätmittelalterliche Konstanz war das Umfeld, als von 1414 bis 1418 dort das Konzil von Konstanz zusammentrat. 600 bis 700 Geistliche, darunter 300 Bischöfe, und ebenso viele weltliche Große und Gesandte berieten unter der Leitung des römisch-deutschen Königs und Kirchenvogts Sigismund (1411-1437) über die Einheit der Kirche und das Ende des Großen Papstschismas (1378-1417) (causa unionis), über die Einheit im Glauben (causa fidei) und die Reform der Kirche (causa reformationis). Am Konzil nahm auch teil Johannes III. Kern (1392-1427), der Abt des Klosters St. Georgen im Schwarzwald. Er war u.a. Vorsitzender eines im Kloster Petershausen tagenden Provinzialkapitels des Benediktinerordens (1417). Darüber hinaus erhielt die St. Georgener Mönchsgemeinschaft vom in Konstanz neu gewählten Papst Martin V. (1417-1431) zwei urkundliche Privilegierungen (1418). [Buhlmann, 09.2014]

Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster St. Gallen, das Königtum, die Baar und Rietheim im frühen Mittelalter (= VA 74), Essen 2014, 22015 > R Rietheim

Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Weilersbach im frühen Mittelalter (= VA 75), Essen 2014 > W (Villingen-Schwenningen-) Weilersbach

Buhlmann, Michael (2014), Dorestad - Tiel - Kaiserswerth. Die Vorgeschichte des Kaiserswerther Zolls (= BGKw MA 19), Düsseldorf-Kaiserswerth 2014, 52 S., € 5,-. Dorestad war zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert der bedeutendste Handelsplatz im Rheinmündungsgebiet zwischen Friesland und dem Frankenreich. Die Normanneneinfälle des 9. Jahrhunderts beendeten die Existenz des Emporiums. Das ebenfalls im Rheinmündungsgebiet gelegene Tiel übernahm Dorestads Funktion als Handelsort; es ist zum Jahr 896 erstmals als Zollstelle bezeugt. Vor 1174 verlegte der römisch-deutsche Kaiser Friedrich I. (1152-1190) den Tieler Zoll nach Kaiserswerth. Der Ort am Niederrhein entwickelte sich im Schutz der von diesem Herrscher errichteten Pfalzanlage noch in staufischer Zeit zur Stadt, die dortige Zollstelle blieb in spätem Mittelalter und früher Neuzeit bedeutsam. Dorestad und Tiel sind indes für die Vorgeschichte des Kaiserswerther Zolls wichtig. > D Dorestad, > K Kaiserswerth [Buhlmann, 10.2014]

Buhlmann, Michael (2014), Die Herren von Spaichingen im hohen Mittelalter (= VA 76), Essen 2014 > S Spaichingen

Buhlmann, Michael (2014), Das Konstanzer Konzil und Villingen. Die politischen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Friedrich IV. von Österreich und König Sigismund (= VA 77), Essen 2014, 68 S., € 4,-. Das spätmittelalterliche Konstanz war das Umfeld, als von 1414 bis 1418 dort das Konzil von Konstanz zusammentrat. 600 bis 700 Geistliche, darunter 300 Bischöfe, und ebenso viele weltliche Große und Gesandte berieten unter der Leitung des römisch-deutschen Königs und Kirchenvogts Sigismund (1410-1437) über die Einheit der Kirche und das Ende des Großen Papstschismas (1378-1417), über die Einheit im Glauben und die Reform der Kirche. Vor dem Hintergrund des Konstanzer Konzils spielten sich dann die politischen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Friedrich IV. von Österreich (1386/1402-1439) und König Sigismund ab; sie eskalierten, als der Habsburger Papst Johannes XXIII. (1410-1415) zur Flucht aus Konstanz verhalf (1415), und betrafen die vorderösterreichischen Territorien und auch die habsburgische Stadt Villingen; u.a. kam es zur Besetzung der meisten vorderösterreichischer Territorien, habsburgische Landstädte wurden Reichsstädte, die Grafschaft Tirol war umkämpft, Villingen verblieb - soweit erkennbar - weitgehend auf habsburgischer Seite. Erst im Verlauf der 1420er- und 1430er-Jahre gelang - nach einem Ausgleich mit dem König (Hornsteiner Vertrag 1425) - die fast gänzliche Wiedergewinnung der vorderösterreichischen Landesherrschaften durch den Herzog. [Buhlmann, 12.2014]

Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Dürrheim im frühen Mittelalter (= VA 78), Essen 2015 > D Dürrheim

Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Georgen im Schwarzwald und die Herren von Spaichingen (= VA 79), Essen 2015 > S Spaichingen

Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Gallen, das Königtum, die Baar, Klengen und Kirchdorf im frühen Mittelalters (= VA 80), Essen 2015 > K Krohn, Brigachtal

Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Gallen, das Königtum, der obere Neckarraum und Dunningen im frühen Mittelalter (= VA 81), Essen 2015 > D Dunningen

Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Gallen, das Königtum, der obere Neckarraum und Seedorf im frühen Mittelalter (= VA 82), Essen 2015 > D Dunningen

Buhlmann, Michael (2015), Kaiserswerth: Reichsgut, Stadt und Judengemeinde im Reichssteuerverzeichnis von 1241 (= BGKw MA 21), Düsseldorf-Kaiserswerth 2015, 60 S., € 6,-. Das Kaiserswerth der staufischen Herrscher Friedrich I. (1152-1190), Heinrich VI. (1190-1197), Friedrich II. (1212-1250), Heinrich (VII.) (1220-1235) und Konrad IV. (1237-1254) war mit seiner Königspfalz und Zollstelle Zentrum des Reichsguts an Rhein und unterer Ruhr. Im Schatten von Pfalz und Pfalzstift hatte sich eine Kaufleutesiedlung zu einer königlichen Stadt entwickelt, und auch eine Judengemeinde, wohl eine Ansiedlung jüdischer Händler, muss in Kaiserswerth bestanden haben. Dies geht hervor aus dem Reichssteuerverzeichnis von 1241, einer Liste der dem König zukommenden Abgaben von Städten, Dörfern, Verwaltungsbezirken, Grundherrschaften und Judengemeinden im Königsterritorium. Die Reichssteuerliste eröffnet zudem der historischen Forschung die Möglichkeit, einen vergleichenden Blick auf die hochmittelalterliche Stadtentwicklung und auf das stauferzeitliche Judentum zu richten. [Buhlmann, 10.2015]

Buhlmann, Michael (2015), Kaiserswerth und der Reichsforst zwischen Rhein, Ruhr und Düssel (= BGKw MA 22), Düsseldorf-Kaiserswerth 2015, 60 S., € 6,-. Mit der Urkunde vom 16. Oktober 1065 schenkte König Heinrich IV. (1056-1106) Erzbischof Adalbert von Bremen-Hamburg (1043-1072) u.a. einen Reichsforst mit königlichem Bann, "und zwar im Dreieck der Flüsse mit Namen Rhein, Düssel und Ruhr gelegen und so bestimmt, dass er sich entlang der Ruhr aufwärts bis zur Werdener Brücke erstreckt und von da aus entlang der Kölner Straße bis zum Fluss Düssel, dann gemäß dem Herabfließen dieses Flusses zum Rhein und entlang des Flussbettes des Rheins bis dahin, wo die Ruhr in den Rhein fließt." Eingeordnet wird das Diplom Heinrichs IV. in eine Forstgeschichte des Franken-, Ostfranken- und deutschen Reichs hauptsächlich im frühen und hohen Mittelalter. Es geht um die Nutzung des Waldes im Mittelalter, z.B. als Lieferant von Holz oder zur Schweinemast, um die Rodung von Wald oder den Wald als Jagdgebiet. Der Forst an Rhein und unterer Ruhr war schließlich eingebunden in das dortige Reichs- und Reichskirchengut um Duisburg und Kaiserswerth, in die früh- und hochmittelalterliche Grafschaft zwischen Rhein, Ruhr und Wupper, in die hochmittelalterliche Reichsprokuration der staufischen Könige um Kaiserwerth. [Buhlmann, 10.2015]

Buhlmann, Michael (2015), Werden und Essen - Anfänge, Geschichte und Beziehungen zweier geistlicher Gemeinschaften im Mittelalter (= BGW 17), Essen 2015, 56 S., € 3,-. Die Orte (Essen-) Werden und Essen stehen für zwei geistliche Gemeinschaften, die seit der Wende vom 8. zum 9. bzw. seit der Mitte des 9. Jahrhunderts Geschichte, Religion und Kultur des mittelalterlichen (und frühneuzeitlichen) Ruhrgebiets mitbestimmten. Das Benediktiner-kloster Werden an der Ruhr war eine Gründung des friesischen Missionars und münsterischen Bischofs Liudger (†809), die Frauengemeinschaft Essen eine Stiftung der sächsischen Adligen Gerswid (†v.864) bzw. des Hildesheimer Bischofs Altfrid (†874). Die Anfänge beider Institutionen zwischen Rheinland und Westfalen waren gleichermaßen bestimmt durch eine erfolgreiche Entwicklung hin zu geistig-religiösen Zentren, durch die Ausbildung von umfangreichen Grundherrschaften als wirtschaftlicher Grundlage und durch eine intensive Anbindung an das ostfränkisch-deutsche Königtum; die Nachbarschaft beider Orte förderte zudem die vielfältigen Beziehungen zwischen den geistlichen Kommunitäten. Vgl. Buhlmann, Michael (2015), Essen und Werden - Anfänge, Geschichte und Beziehungen zweier geistlicher Gemeinschaften im Mittelalter (= SGE 1), Essen 2015, 52 S., € 3,-. [Buhlmann, 10.2015]

Buhlmann, Michael (2015), Essen und Werden - Anfänge, Geschichte und Beziehungen zweier geistlicher Gemeinschaften im Mittelalter (= SGE 1), Essen 2015 > B Buhlmann, Werden und Essen

Buhlmann, Michael (2015), Essen und Gerresheim - Äbtissinnen und Stiftsfrauen an zwei Frauengemeinschaften des Mittelalters und der frühen Neuzeit (= SGE 2), Essen 2015, 52 S., € 3,-. Die (hoch)adligen, freiweltlichen Frauenstifte Essen und Gerresheim blickten in Mittelalter und früher Neuzeit auf eine lange, im 9. Jahrhundert einsetzende Geschichte zurück. Die Gemeinschaft in Gerresheim war zeitweise die bedeutendste geistliche Kommunität im Bergischen Land, das Stift Essen ab dem späten Mittelalter Zentrum eines geistlichen Fürstentums mit der Äbtissin als Landesherrin. Die Äbtissinnen Theophanu (1039-1058), Hadwig von Wied (1150/51-v.1172?) und Kunigunde von Berg (1327-1337 bzw. 1311-1325) leiteten die Frauengemeinschaften sowohl in Essen als auch in Gerresheim. Die Essener Küsterin Margarethe Elisabeth von Manderscheid-Gerolstein konnte sich als Äbtissin in Gerresheim nicht durchsetzen (1586-1591) und wurde später Leiterin des Essener Stifts (1598-1604). Und Agnes von Mansfeld, die Ehefrau des Kölner Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg (1577-1583) war Stiftsfrau in Gerresheim und Essen. Aus alldem ergibt sich eine Vielfalt von personalen und institutionellen Verflechtungen zwischen den Äbtissinnen und Stiftsfrauen an den zwei Frauengemeinschaften in der Zeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit. [Buhlmann, 10.2015]

Buhlmann, Michael (2016), Frauengemeinschaft Rellinghausen in Mittelalter und früher Neuzeit (= SGE 3), Essen 2016 > R Rellinghausen

Buhlmann, Michael (2015), Werden und der Reichsforst zwischen Rhein, Ruhr und Düssel (= BGW 18), Essen 2015, 72 S., € 3,50. Mit der Urkunde vom 16. Oktober 1065 schenkte König Heinrich IV. (1056-1106) Erzbischof Adalbert von Bremen-Hamburg (1043-1072) u.a. einen Reichsforst mit königlichem Bann, "und zwar im Dreieck der Flüsse mit Namen Rhein, Düssel und Ruhr gelegen und so bestimmt, dass er sich entlang der Ruhr aufwärts bis zur Werdener Brücke erstreckt und von da aus entlang der Kölner Straße bis zum Fluss Düssel, dann gemäß dem Herabfließen dieses Flusses zum Rhein und entlang des Flussbettes des Rheins bis dahin, wo die Ruhr in den Rhein fließt." Eingeordnet wird das Diplom Heinrichs IV. in eine Forst-geschichte des Franken-, Ostfranken- und deutschen Reichs hauptsächlich im frühen und hohen Mittelalter. Es geht um die Nutzung des Waldes im Mittelalter, z.B. als Lieferant von Holz oder zur Schweinemast, um die Rodung von Wald oder den Wald als Jagdgebiet. Der Forst an Rhein und unterer Ruhr war schließlich eingebunden in das dortige Reichs- und Reichskirchengut um Duisburg, (Düsseldorf-) Kaiserswerth und (Essen-) Werden, in die früh- und hochmittelalterliche Grafschaft zwischen Rhein, Ruhr und Wupper, in die hochmittelalterliche Reichsprokuration der staufischen Könige um Kaiserwerth. [Buhlmann, 12.2015]

Buhlmann, Michael (2015), Die Gründung des Bistums Bamberg (1007) und der deutsche Südwesten (= VA 84), Essen 2015, 72 S., € 5,-. Durch König Heinrich II. (1002-1024), dem letzten der ottonischen Herrscher im ostfränkisch-deutschen Reich, kam es im Jahr 1007 zur Gründung des Bistums Bamberg. Das Bistum ist vom Stifter reich ausgestattet worden. U.a. gehörten zu den dem Bistum und dessen Bischof Eberhard I. (1007-1040) übertragenen Gütern und geistlichen Gemeinschaften auch Besitzungen und Klöster im deutschen Südwesten: Gengenbach, Holzgerlingen, Kirchen (Kirchentellinsfurt), Mönchsdeggingen, Nagold, Nußbach, Schuttern, Seedorf, Sontheim an der Brenz, Stein am Rhein. [Buhlmann, 12.2015]

Buhlmann, Michael (2016), Bischof Otto I. von Bamberg und Abt Theoger von St. Georgen (= VA 85), Essen 2016, 72 S., € 5,-. Bischof Otto I. von Bamberg (1102-1139) und Abt Theoger von St. Georgen im Schwarzwald (1088-1119) sind zwei Protagonisten der Kirchen- und Klosterreform in Süddeutschland während des Investiturstreits (1075-1122) und darüber hinaus. Für die Beziehungen zwischen den beiden historischen Persönlichkeiten stehen die Klöster Gengenbach, Mallersdorf und Prüfening, die Verehrung des heiligen Märtyrers Georg in Schwaben und Franken und nicht zuletzt die in Prüfening verfassten Lebensbeschreibungen über Theoger und Otto. [Buhlmann, 02.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Tannheim im frühen Mittelalter (= VA 86), Essen 2016 > T (Villingen-Schwenningen-) Tannheim

Buhlmann, Michael (2016), Villingen im Reichssteuerverzeichnis von 1241 (= VA 87), Essen 2016, 72 S., € 5,-. Das Reichssteuerverzeichnis von 1241, die "Bitte an Städte und Orte", ist eines der wenigen mittelalterlichen Dokumente, die Auskunft geben über die Organisation von Königsterritorium und Reichsgut in spätstaufischer Zeit. Veranlagt wurden durch den staufischen König Konrad IV. (1237-1254) Städte, Verwaltungsbereiche, Grundherrschaften, Judengemeinden, wahrscheinlich mit jährlicher Regelmäßigkeit und auf Grundlage der staufischen Prokurationen als regionalen Verwaltungseinheiten im Königsterritorium. Zu den im Reichssteuerverzeichnis aufgeführten königlichen Städten gehörte auch Villingen, das im 13. Jahrhundert zeitweise unter der Herrschaft der Stauferkönige Friedrich II. (1212-1250), Heinrich (VII.) (1220-1235) und Konrad IV. stand, bis mit dem Interregnum (1256-1273) und der Stadtherrschaft der Fürstenberger (1283-1326) der Einfluss des Königtums auf den Ort schwand. [Buhlmann, 02.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Ein Rechenschaftsbericht über das Pontifikat des Bamberger Bischofs Otto I. des Heiligen (1102-1139) (= VA 88), Essen 2016, 56 S., € 4,-. Durch König Heinrich II. (1002-1024), dem letzten der ottonischen Herrscher im ostfränkisch-deutschen Reich, kam es im Jahr 1007 zur Gründung des Bistums Bamberg. Ein Jahrhundert später sollte der Bamberger Bischof Otto I. (1102-1139) das Bistum erfolgreich leiten. Otto machte sich u.a. in der Reichspolitik (Wormser Konkordat 1122) und in der Klosterreformbewegung (Klostergründungen) einen Namen; weiter ist er als Missionar der heidnischen Pommern (1124/25, 1128) berühmt geworden. Kurz nach dem Tod des Bischofs (1139) ist von einem unbekannten Kanoniker oder Mönch wohl aus Bamberg ein lateinischer Rechenschaftsbericht über das Pontifikat Ottos angefertigt worden. Der (von der historischen Forschung rekonstruierte) "Bericht über die frommen Werke des Bamberger Bischofs Otto" (relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis) gibt Auskunft über die Predigt- und Seelsorgetätigkeit des Bischofs, über die bischöflichen Kirchen, Kapellen und Klöster und deren Güterausstattung, über Papstprivilegien, über Baumaßnahmen und Burgenbau. Der Rechenschaftsbericht war u.a. Grundlage für drei Lebensbeschreibungen des bald als Heiligen verehrten und 1189 heiliggesprochenen Bischofs. > Lateinische Literatur > R Relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis [Buhlmann, 04.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Eine Königsurkunde für das Benediktinerkloster Prüfening auf Grund der Vorlage eines Diploms König Heinrichs V. für die Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald vom 28. Januar 1108 (= VA 89), Essen 2016, 60 S., € 4,-. Das bayerische Benediktinerkloster Prüfening war 1109 durch den Bamberger Bischof Otto I. den Heiligen (1102-1139), die Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald im Jahr 1084 gegründet worden. Beide geistliche Kommunitäten waren benediktinische Reformklöster der Zeit des Investiturstreits, verbunden über die u.a. von St. Georgen ausgehende Klosterreformbewegung der damaligen Zeit. So wurde im Jahr 1121 der St. Georgener Prior Erbo (†1162) Abt des Klosters Prüfening, so gelangte der Urkundentext eines für St. Georgen ausgestellten Diploms König Heinrichs V. (1106-1125) vom 28. Januar 1108 nach Prüfening, wo es zur Vorlage einer Königsurkunde des Herrschers Lothar von Supplinburg (1125-1137) wurde. Nachverfolgt wird die Geschichte beider Urkunden. Jedes der Diplome hatte für die jeweilige Mönchsgemeinschaft eine große rechtliche Bedeutung und war Teil einer besonderen klösterlichen Erinnerungskultur. [Buhlmann, 04.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Frauengemeinschaft Essen im Mittelalter - Geschichte und Genealogie (= SGE 4), Essen 2016, 72 S., Stammtafeln, € 3,50. I. Die Frauengemeinschaft Essen war eine geistliche Kommunität im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, gestiftet um die Mitte des 9. Jahrhunderts durch eine Stifterfamilie um den Hildesheimer Bischof Altfrid (851-874). Rasch entwickelte sich Essen zu einem bedeutenden Frauenstift, dessen Äbtissinnen von königlicher bzw. adliger Herkunft waren und das sich im Spätmittelalter zunehmend durch adlige Exklusivität der Stiftsfrauen auszeichnete. Adel erscheint von daher als ein Schlüssel zum Verständnis der sozialen, gesellschaftlichen und geistigen Voraussetzungen der Essener Frauengemeinschaft (nicht nur) im Mittelalter. Dabei gehen Geschichte und Genealogie eine Einheit ein, überformt u.a. vom liturgischen Totengedenken im Rahmen der mittelalterlich-christlichen Kultur von Gedächtnis und Erinnerung. II. Genauer gilt im Zusammenhang mit der Essener Frauengemeinschaft des Mittelalters: Äbtissinnen stammten - soweit erkennbar - immer aus adligen Familien, hochadligen Dynastenfamilien oder gar Königsdynastien. Für die Stiftsfrauen im Allgemeinen ist jedoch eine solche Einschätzung nicht zulässig. Wir werden für die Frühzeit der Frauengemeinschaft vielmehr von einer sozial-ständisch offenen Kommunität ausgehen. Ein Wandel trat sicher ein, als mit der "agnatischen Formierung" von Adel dieser eine neue "genealogische Qualität" bekam und sich zunehmend von anderen Schichten der mittelalterlichen Gesellschaft abgrenzte. Dies hatte Auswirkungen u.a. auf die Frauenstifte. Im Essener Stift wird seit dem 13. Jahrhundert eine soziale Differenzierung erkennbar, im Spätmittelalter befand sich die Kommunität auf dem Weg zu einem exklusiven Adelsinstitut. Adelsbewusstsein und ständische Adelsqualität traten nun real und mental hervor, während etwa bis ins hohe und auch späte Mittelalter - vom Standpunkt der Genealogie als historische Hilfswissenschaft aus gesehen - vielfach Adelsfamilien für uns kaum fassbar sind, Königsdynastien oder Fürstenfamilien ausgenommen. Wenn sich nun genealogisches (Adels-) Denken und liturgisches Totengedächtnis aus der mittelalterlich-christlichen Kultur des Erinnerns speisen, stehen die adligen Frauenstifte im Schnittpunkt dieser beiden Stränge von Erinnerung. Im Frauenstift Essen lässt sich dies schon unter den ottonischen Äbtissinnen feststellen, etwa wenn die Stiftsleiterin Mathilde (II., 971-1011) mit dem Otto-Mathildenkreuz an sich und ihren Bruder erinnerte oder das Essener Westwerk als kaiserliche Architektur und Bild ihrer Königsdynastie aufführen ließ; auch die Grabplatte der Äbtissin Theophanu verweist auf deren kaiserliche Herkunft. Herkunft und Abstammung vermischten sich mit dem Totengedenken. Memoria, die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten, wurde somit zum christlichen "Ahnenkult", der genealogische Kenntnis über die Vorfahren bedurfte; memoria half die (agnatische) Adelsfamilie gedanklich zu definieren und zu konstituieren. Die Privilegienvergaben der ottonischen Kaiser und Könige hatten dementsprechend das Seelenheil der verstorbenen Vorfahren im Blick. Mittelalterliche Genealogie war zudem mehr als die (baumartige) Erfassung der Vorfahren, sie zielte auf Gedächtnis und Erinnerung ab, auf die Vergegenwärtigung der Ahnen als Individuen, während umgekehrt beim Totengedenken immer Genealogisches mitgedacht wurde. Die in memoria und Genealogie erinnerten und vergegenwärtigten Vorfahren beförderten das Adelsbewusstsein einer Familie; Gebetsgedenken und Genealogie verbanden die lebenden Mitglieder einer Familie über das Seelenheil für die Toten mit der Sphäre des Jenseitigen. Die Jenseitsvorsorge für Verstorbene war also ein zentraler Bezugspunkt (adligen) familiären und verwandtschaftlichen Handelns einschließlich der damit einhergehenden wirtschaftlichen Voraussetzungen (Schenkungen, Stiftungen). Hier kam - vor dem Hintergrund von (adliger) Herrschaft und (liturgischem) Gebet - den Stiftsfrauen im Essener Stift eine besondere Rolle zu. Sie befanden sich geistlich-liturgisch im Schnittpunkt von Kirche und Welt, von Jenseits und Diesseits, von Lebenden und Ahnen. Schließlich verweisen die dargestellten Entwicklungen im späten Mittelalter auf die Ausformung exklusiv-adliger stiftischer Lebensweise in der Essener Frauengemeinschaft. [Buhlmann, 06.2016]

Buhlmann, Michael (2016), König Richard von Cornwall und Kaiserswerth. Pfalz, Stadt und Stift im Interregnum (= BGKw MA 23), 40 S., Stammtafel, € 5,-. Mit der Belagerung durch und der Übergabe an König Wilhelm von Holland (1247-1256) gingen Pfalz, Stadt und Stift Kaiserswerth als Zentrum des Königsterritoriums an Niederrhein und unterer Ruhr den staufischen Herrschern verloren (1247/48). Verpfändungen Wilhelms (1248) lösten faktisch die ehemals staufische Prokuration auf, nur Kaiserswerth mit der bedeutenden niederrheinischen Zollstelle blieb in der Verfügung des Königs. Der im Interregnum (1245/50/56-1273) aus der königlichen Doppelwahl von 1257 hervorgegangene römisch-deutsche König Richard von Cornwall (1257-1272) wahrte ebenfalls die herrscherlichen Rechte über die Pfalz und die Zollstelle. Richard war der letzte mittelalterliche deutsche König, der Kaiserswerth besuchte (Dezember 1257). Seine vier Aufenthalte in Deutschland (1257/58, 1260, 1262/63, 1268/69) beschränkten sich indes nur auf das Gebiet vom Nieder- zum Oberrhein. Hier bemühte sich Richard im Rahmen seiner Möglichkeiten um die Friedenssicherung und auch um wirtschaftliche Maßnahmen. Ein Wormser Reichstag (April 1269) mag als Höhe- und Schlusspunkt der Königsherrschaft Richards gelten. Damals wurde ein allgemeiner Landfrieden verkündet, und auch unrechtmäßig eingerichtete Rheinzölle sollten abgeschafft werden, die königlichen Zollstellen Boppard und Kaiserswerth aber bestehen bleiben. [Buhlmann, 08.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Ein Diplom König Heinrichs V. für das Kloster St. Georgen im Schwarzwald als Insert in einer im lothringischen Priorat Vergaville überlieferten Bestätigungsurkunde vom 25. Januar 1257 (= VA 102), Essen 2016, 48 S., € 4,-. Das Diplom König Heinrichs V. (1106-1125) vom 28. Januar 1108 für das Kloster St. Georgen im Schwarzwald besitzt eine reichhaltige Überlieferungsgeschichte. Obwohl nicht mehr als Originalurkunde vorhanden, lässt sich der lateinische Urkundentext in vielfältige mittelalterliche Zusammenhänge stellen. Das Diplom hatte als Vorlage das berühmte Hirsauer Formular König Heinrichs IV. (1056-1106) vom 9. Oktober 1075 und wurde selbst Grundlage der gefälschten "Gründungsurkunde" des Cluniazenserpriorats Rüeggisberg vom 27. März 1076 und des echten Diploms König Lothars von Supplinburg (1125-1137) für das von den Bamberger Bischöfen abhängige Kloster Prüfening von Ende 1125. Auch in der Überlieferung der St. Georgener Mönchsgemeinschaft findet sich die Urkunde König Heinrichs V.: einmal als Abschrift in einem frühneuzeitlichen Kopialbuch, zum anderen als Insert in einer Bestätigungsurkunde vom 25. Januar 1257. Dieses Transsumpt gelangte wohl über die Mönchsgemeinschaft Lixheim in die Überlieferung des lothringischen Priorats und St. Georgener Frauenklosters Vergaville, Jede der aufgeführten Urkunden hatte für die jeweilige geistliche Gemeinschaft rechtliche Bedeutung und war Teil der klösterlichen Erinnerungskultur. [Buhlmann, 12.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Hof- und Gerichtstag König Ottos I. in Steele (938) - Herrscheraufenthalte fränkisch-deutscher Könige an Rhein und Ruhr im früheren Mittelalter (= SGE 6), Essen 2016, 68 S., € 3,50. Ab Mitte Mai des Jahres 938 hielt der ostfränkisch-deutsche König Otto I. der Große (936-973) einen Hof- und Gerichtstag in (Essen-) Steele ab, bei dem es um die Fehde des fränkischen Herzogs Eberhard (911-939), um erbrechtliche Fragen und um die Privilegierung des Osnabrücker Bistums ging. Der Hoftag war für Steele augenscheinlich ein einmaliger Vorgang, geschuldet auch den unsicheren politischen Verhältnissen am Beginn der Regierungszeit des ottonisch-sächsichen Herrschers. Andere Orte an Rhein und Ruhr standen im früheren Mittelalter (8./9.-12./13. Jahrhundert) in engeren Beziehungen zum Königtum, wie die Herrscheraufenthalte fränkisch-deutscher Könige an den Pfalzen Dortmund, Duisburg und Kaiserswerth sowie am Stift Essen und Kloster Werden belegen. > S (Essen-) Steele. Vgl. auch: Kaiser, Reinhold (1990), Das Ruhrgebiet im Itinerar der früh- und hochmittelalterlichen Könige, in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), hg. v. Ferdinand Seibt, Essen 1990, Bd.2, S.12-19. [Buhlmann, 12.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Beiträge zu den Herren von Falkenstein, den Herren von Ramstein und dem Kloster St. Georgen im Schwarzwald im hohen Mittelalter (= VA 103), Essen 2016, 68 S., € 4,-. Im hohen Mittelalter gehörten die im mittleren Schwarzwald beheimateten Herren von Falkenstein und Herren von Ramstein zu den bedeutenden Familien von Edelfreien, die eigene Adelsherrschaften ausbilden und Positionen innerhalb der mittelalterlichen Kirche bis hin zu Äbten der Klöster St. Gallen und Reichenau besetzen konnten. Zum benachbarten benediktinischen Reformkloster St. Georgen im Schwarzwald bestanden überdies enge Beziehungen. [Buhlmann, 12.2016]

Buhlmann, Michael (2016), Esslingen im Reichssteuerverzeichnis von 1241 (= VA 104), Essen 2016 > E Esslingen

Bultmann, Rudolf (1962), Das Urchristentum (im Rahmen der antiken Religionen), München-Zürich 51986 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

Bumiller, Casimir (1990), Hohentwiel. Die Geschichte einer Burg zwischen Festungsalltag und großer Politik (= Beiträge zur Singener Geschichte, Bd.20), Konstanz 21997, 208 S., € 21,50. Über vorgeschichtliche Funde auf dem Hohentwiel im Hegau, einer durch Vulkanismus entstandenen, 688 m hohen Bergkuppe aus Basalt und Phonolith, ist nichts bekannt. Die Höhenburg Hohentwiel tritt erstmals im Zusammenhang mit der Entstehung des (jüngeren) schwäbischen Herzogtums in Erscheinung, als der ostfränkische König Konrad I. (911-918) die Burg vergeblich belagerte (915). Im 10. Jahrhundert stellt sich der Hohentwiel als Residenz der schwäbischen Herzöge dar. Hier gründeten Herzog Burkhard II. (III.) (954-973) und dessen Ehefrau Hadwig (†994) ein Georgskloster. Unter den ostfränkisch-deutschen Herrschern Otto III. (984-1002) und Heinrich II. (1002-1024) wird ein verstärkter Einfluss des Königtums auf den Hohentwiel erkennbar; das Hohentwielkloster wird nach Stein am Rhein verlegt (ca.1005). In der Epoche des Investiturstreits (1075-1122) verfügten die Zähringer zeitweise über den Hohentwiel, der 1084 von dem königstreuen St. Galler Abt Ulrich III. (1077-1121) eingenommen werden konnte. 1087 treten erstmals die Herren von Singen-Twiel in Erscheinung, die - vielleicht als Gefolgsleute der Zähringerherzöge - im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert über die Hegauburg verfügten. Ein Ulrich von Klingen besaß die Burg 1267 und verkaufte diese im Jahr 1300 an Albrecht von Klingenberg (†v.1308). Die Herren von Klingenberg sollten den Hohentwiel als eines ihrer Herrschaftszentren im "Herbst des Mittelalters" behaupten. "Adelskrise" und innerfamiliäre Auseinandersetzungen führten dazu, dass der Hohentwiel 1521 und endgültig 1538 durch Verkauf - und im Zusammenhang mit der Rückeroberung Württembergs (1534) - an Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1550) überging. Die württembergische Exklave im Hegau wurde unter Herzog Christoph (1550-1567) weiter ausgebaut (Rondell Augusta, Renaissanceschloss im Innenhof) und besaß als südlichste Festung im württembergischen Territorium eine hohe Bedeutung (Hohentwiel als Rechtsbezirk, Verwaltungszentrum, Wirtschaftseinheit; Festungsalltag, Festung als Kleinstadt). Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stand der zwischen Württemberg und Vorderösterreich strategisch wichtig gelegene Hohentwiel unter dem Festungskommandanten Konrad Widerholt (1634-1650) ab 1633 im Brennpunkt der militärischen Ereignisse zwischen Württemberg, Schweden und Frankreich auf der einen, Habsburg-Österreich und Bayern auf der anderen Seite (Blockaden von 1634/36 und 1640, Belagerung von 1641/42, Vergleich von 1644). Im Westfälischen Frieden (1648) blieb das Herzogtum Württemberg im Besitz der Hegaufestung, die Kriege des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts gefährdeten den Hohentwiel nicht (Festungsalltag, Festung als Gefängnis). Im 2. Koalitionskrieg (1799-1802) kapitulierte der Hohentwiel kampflos vor den französischen Truppen (1800) und wurde geschleift (1800/01). Württembergisch blieben die zerstörte Festung und der Festungsberg im badischen Hegau noch bis einschließlich 1968. Seit dem 1. Janaur 1969 gehört der Hohentwiel zur Stadt Singen (Hohentwiel). Seit dem 19. Jahrhundert prägen romantische Verklärung (Joseph Victor von Scheffels "Ekkehard"), historische Werke (etwa von 1835, 1857, 1882 oder 1957), ökologische Gesichtspunkte und kulturelle Aspekte das Bild vom Hohentwiel. [Buhlmann, 08.2011]

Burgess, Richard W. (2014), Roman Imperial Chronology and Early-Fourth-Century Historiography. The Regnal Durations of the So-called Chronica urbis Romae of the Chronograph of 354 (= Historia Einzelschriften 234), Stuttgart 2014, 208 S., € 52,-. Das (hier so genannte) Breviarium Vindobonense der Handschrift Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Nr.3416 ist zwar im Zusammenhang mit dem spätantiken Kompendium des Chronografen von 354 überliefert, kann aber nicht als dessen Teil gelten. Das Breviarium, angefertigt in den 330er-Jahren, enthält die Regierungszeiten der römischen Könige und der Könige von Alba Longa sowie der römischen Kaiser bis auf Licinius, daneben einige wenige Informationen zum Regierungshandeln der Kaiser. Es ist in Bezug auf die Königs- und Kaiserlisten vergleichbar mit anderen antiken, spätantiken und byzantinischen, lateinischen und griechischen Geschichtsquellen (Cassius Dio, Liber generationis, Eusebius, Kaisergeschichte, Aurelius Victor, Eutropius, Eunapius, Historia Augusta, Zosimus, Malalas,, Johannes von Antiochien, Theophanes, Zonaras u.a.). Daraus können Schlüsse gezogen werden bzgl. der Regierungsdauern von Kaisern, insbesondere der Soldatenkaiser des 3. Jahrhunderts n.Chr. > Lateinische Literatur > B Breviarium Vindobonense. Vgl. Kienast, Dietmar, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, Darmstadt 1990, XXVI, 376 S., DM 65,-. [Buhlmann, 06.2015]

Burghard, Hermann (Bearb.) (2001), Werden (= RS 78), Köln-Weimar-Wien 2001 > W Werden

Busch, Jörg W. (1990), Der Liber de Honore Ecclesiae des Placidus von Nonantola. Eine kanonistische Problemerörterung aus dem Jahr 1111. Die Arbeitsweise ihres Autors und seine Vorlagen (= Quellen und Forschungen zum Recht im Mittelalter, Bd.5), Sigmaringen 1990, XVIII, 251 S., DM 84,-. Placidus von Nonantola war Mönch in der oberitalienischen Abtei Nonantola (St. Silvester) bei Modena. Nur zwei urkundliche Belege von 1117 und 1123 gibt es von Placidus. Ein Nekrologeintrag des 12. Jahrhunderts aus dem Piacentiner Kloster San Savino weist Placidus den 4. November als Sterbetag zu und verzeichnet zudem, dass der Mönch auch Priester gewesen war. Berühmt ist Placidus von Nonantola durch seine Schrift Liber de Honore Ecclesiae ("Buch über die Ehre der Kirche"), die in mehreren mittelalterlichen Handschriften überliefert ist, u.a. in zwei aus dem Stift Admont bzw. dem Stift Göttweig. Diese beiden Handschriften sind im Übrigen die einzigen, die Placidus als Autor nennen. Der Liber wurde verfasst 1111/12 und nahm daher unmittelbar Bezug auf die Ereignisse zwischen deutschem Königtum und Papsttum, zwischen König bzw. Kaiser Heinrich V. (1106-1125) und Papst Paschalis II. (1099-1118) im Investiturstreit (Verhandlungen zwischen König und Papst, Pravileg vom 11. April 1111, Kaiserkrönung Heinrichs V., Laterankonzil von 1112). Doch geht die kanonistische Schrift auch über aktuelle Bezüge hinaus ins Normativ-Grundsätzliche, wenn sie als zentralen Punkt den Zusammenhang von Kirchenamt von Kirchengut verteidigt oder die Selbstständigkeit der einzelnen Kirchen von den Laien, aber auch gegenüber dem Papsttum betont. Dies geschah in der Form einer kompilatorisch-rechtlichen Problemerörterung, die meist auf in der Klosterbibliothek von Nonantola vorhandenen kanonistischen und patristischen Büchern basierte und wahrscheinlich in Beziehung zur damals sich entwickelnden Bologneser Rechtsschule stand ("Nonantolaner Rechtsschule", Markgräfin Mathilde von Tuszien). Der Liber gehört damit in die Reihe der "publizistischen" Schriften des Investiturstreits und war wohl eine Stellungnahme der Abtei Nonantola gegenüber der päpstlichen Politik vor der Lateransynode von 1112. > Lateinische Literatur > P Placidus von Nonantola [Buhlmann, 01.2006]

Busch, Jörg W. (2001), Creti et veri cupidus. Geschichtliche Zweifelsfälle und ihre Behandlung um 1100, um 1300 und um 1475. Drei Fallstudien (= MMS 80), München 2001, 278 S., € 26,-. Es geht um die Bewertung geschichtlicher Zweifelsfälle in der Zeit des Mittelalters und des Humanismus, dargestellt: a) an der Kontroverse um das (angebliche) Investiturprivileg Papst Hadrians I. (772-795) für den Frankenkönig Karl den Großen (768-814) im Zeitalter des Investiturstreits (1075-1122), b) an der (päpstlichen, kurialen) Prüfung von älteren (Papst-) Privilegien und Notariatsinstrumenten auf Echtheit im 12. und 13. Jahrhundert, c) am Streit um das (hohe) Alter der Stadt Genau auf Grund eines "Urkundenbeweises" (Titus Livius zum Jahr 218 v.Chr. beim Kommunalarchivar Iacopo Doria [†v.1305]) oder der Etymoligie (Janus > Janua > Genua bei Iacopa da Varagine; Widerlegung der Etymologie durch den Notar Benzo d'Alessandria [†n.1329]), d) an der Frage nach der Echtheit der (angeblich) auf die Kaiser Julius Caesar und Nero zurückgehenden, (angeblich) durch eine Urkunde König Heinrichs IV. vermittelten "Österreichischen Freiheitsbriefe" (zweifelhafte Echtheit bei Franceso Petrarca, Enea Silvio Piccolomini; Bestätigung der "Freiheitsbriefe" durch König Friedrich III. [1442, 1453]), e) an Hand genealogischer Konstruktionen des Spätmittelalters (Abstammung der Mailänder Visconti und Sforza über die angeblichen Grafen von Angleria [14./15. Jahrhundert], österreichische Fabelfürsten in der "Chronik der 95 Herrschaften" [Kaiser Friedrich III., Thomas Ebendorfer [†1464], Enea Silvio Piccolomini, Kaiser Maximilian I.]. Auch im Mittelalter wurde bei historischen Zweifelsfällen der Vergangenheit nach dem "Sicheren" und "Wahren" gesucht. Der Humanismus erkannte dann der Vergangenheit vollends eine von der Gegenwart verschiedene, eigenständige Geschichtlichkeit zu. [Buhlmann, 07.2013]

BZ = Byzantinische Zeitschrift

BzA = Beiträge zur Altertumskunde

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