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Rezensionen (Geschichte)
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Narr, Karl J., Schulz-Weidner, Willy u.a. (Bearb.), Abriß der Vorgeschichte (= Oldenbourg Abriß der Weltgeschichte), München 1957 > V Vorgeschichte

NassAnn = Nassauische Annalen

Nation, Nationalismus: I. Nationalismus bezeichnet ein Ideensystem ("Weltbild") innerhalb der (europäischen) Moderne (19./21. Jahrhundert) zur Etablierung eines Solidarverbands, der Nation bzw. Nationalstaat genannt wird. Nation als Ausfluss von Nationalismus ist der souveräne Herrschaftsverband (Staat), der als gedacht-ideelle Ordnung legitimer politischer Herrschaft historische Traditionen wie Volk, Religion, Sprache, Kultur, Gesellschaft- oder Wirtschaftsordnung auf je eigene Weise sich einverleibt. II. Der Nationalismus als politisches Phänömen im Zusammenhang von Herrschaft und Herrschaftslegitimierung reicht in die frühe Neuzeit zurück und kann in den Zusammenhang mit der Abspaltung der Vereinigten Niederlande von Spanien (1579/81), der Englischen, Amerikanischen und Französischen Revolution (1642/79, 1776, 1789) gestellt werden. Mit diesen historischen Geschehnissen verbunden war die Konstituierung moderner Staatlichkeit (der nationalen "Pionierländer" als Vorbild) nach außen und innen, die Nation entstand in einem Prozess des nation-building, state-building durch Einbeziehung breiter Bevölkerungsschichten ("Massenmobilisierung", "Integrationsdoktrin") allerdings unter (revolutionärer) Gefährdung der bis dahin gültigen Gesellschafts- und politischen Ordnung (Transformation von Gesellschaft und Staatsorganisation). Fehlte bei der Nationenentstehung indes eine historische, vornationale staatliche Grundlage (Staat der [frühen] Neuzeit), so bildeten sich bei fehlender Staatstradition labile, wenig existenzfähige Staatsgebilde heraus. Im Falle der Revolutionen ersetzte der Nationalismus, der die neue Staatlichkeit speiste, die alten, feudalen Ordnungen aus der Vorrevolutionszeit. (Revolutionärer) Nationalismus konnte sich zur "politischen Religion" steigern (Rückgriff auf jüdisch-christliche Traditionen ["auserwähltes Volk", "gelobtes Land", "Vorsehung", Abstammungsmythos, Messianismus], Heroisierung der Gründungsepochen), wurde als "gedachte Ordnung" zur Zielutopie der "Erfindung der Nation", zu deren Rechtfertigung und Sinngebung, definierte mithin homogenisierend die Ethnie (Bevölkerung, "Volk") - aufbauend und zurückgreifend auf historische Traditionen (Ethnien mit Herkunft, als Erinnerungsgemeinschaft usw.) - als Nation und Staatsvolk ("imaginierte Gemeinschaft"). Träger des Nationalismus waren Personen, Gruppen und Gruppierungen aus allen Schichten einer Bevölkerung unabhängig von Religion und Konfession, entsprechend dem Auftreten des Nationalismus (Phase 1: Interessennationalismus in Hinblick auf "nationale" Sprache, Kunst, Literatur und Geschichte; Phase 2: Elitennationalismus von Intellektuellen und Bürgerlichen; Phase 3: Nationalismus als Massenbewegung auf Grund von weit verbreiteten "nationalen" Vorstellungen, Nationalbewegungen). Die Ausbreitung des Nationalismus gelang dabei - vor dem Hintergrund von Modernisierung (Buchdruck, Zeitungswesen) - auf Grund von "Kommunikationsverdichtung" und "Volkssprache", der Propagierung eines wie auch immer gearteten "nationalen Erbes" und der "nationalen Interessen", des Vorbilds des Elitennationalismus sowie von ausgrenzender "Binnenhomogenisierung" der Nation und deren Abgrenzung nach außen. Zu unterscheiden sind dann verschiedene Typen von Nationalismus: "integrierender" Nationalismus (Nation als schon bestehender Herrschaftsverband auf neuer Legitimationsbasis), "unifizierender" Nationalismus (Vereinigung von schon bestehenden Herrschaftsverbänden zu einer Nation), "sezessionistischer" Nationalismus (bei Abtrennung einer Nation von einem schon bestehenden Herrschaftsverband), "Transfernationalismus" (Übertragung des westlich-europäischen Nationalismus auf die Nationenentstehung in Außereuropa [Kolonien, Dekolonisierung]) (nach: Wehler, Nationalismus). III. Das Wort "Nationalstaat" setzt sich zunächst einmal formal betrachtet aus den Wörtern "Nation" und "Staat" zusammen. Das Wort "Staat" leitet sich dabel aus dem lateinlschen status ("Zustand, Verfassung") her und wird definiert als eine Herrschaftsordnung, durch die ein "Volk" auf einem abgegrenzten Gebiet durch hoheitlliche Gewalt zur Wahrung gemeinsamer Güter und Werte verbunden ist. Das Staatsvolk ist dabei die Gesamtheit der durch den Staat vereinigten Menschen. Der zweite Begriff "Nation" stammt ebenfalls aus dem Lateinischen, und zwar von nasci ("geboren werden"), aus dem das Wort natio ("Geburt, Geschlecht, Art, Stamm, Volk") resultlert. Im Mittelalter war "Nation" eine Bezeichnung für Stämme, wurde aber auch schon bei der Umschreibung führender abendländlischer Staaten (Deutschland, Frankreich, England) verwendet. Im 15. Jahrhundert wurde in den Konzilien nach nationes abgestimmt. Der Begriff "Nation" eniwickelte sich dann in zwei Richtungen: 1. Nation 1m Sinne von Staat oder Staatsvolk; 2. Nation im Sinne einer Menschengruppe, die eine einheitliche Kultur besitzt. Der Unterschied zwischen diesen Auffassungen ist gravierend; staatliche Macht baut jedoch nicht immer auf einer einheitlichen Kultur auf und umgekehrt; Beispie1 hierfür ist das in mehrere Einzelstaaten zersplitterte Heilige Römische Reich Deutscher Nation der frühen Neuzeit, in dem die Bevölkerung von einer (politischen) Kultur geprägt war. Von Interesse erscheint bei elner Definition des Begriffs "Nationalstaat" allerdings nur die erste Defintion: Nation im Sinne von Staat oder Staatsvolk. Hler fallen die Bezeichnungen "Staat" und "Nation" zusammen. Diese Auffassung - im 18. Jahrhundert entstanden - ist eine europäische, wird so in England und Frankreich vertreten. Immerhin steckt dahlnter ja die Idee des französischen Nationalstaats. Diese Auffassung ist weiter dadurch geprägt, dass bei einem Nationalstaat, wie ihn Frankreich darstellt, sich Staat und Nation 1n ihrem Äus- seren decken; Staatsvolk ist die Nation. Dabei wird der Nationalstaat bedingt durch folgende notwendige bis hinreichende Faktoren: 1. Eine langdauernde äußere Lebensgemeinschaft, die nicht einheitlicher Abstammung zu seln braucht. Diese Lebensgemeinschaft wird z.B. geprägt durch eln gemeinsames Territorium, auf dem sie lebt; 2. Eine Sprachgemeinschaft, die nicht notwendig ist, da auch Staaten mit verschiedenen Sprachen existieren (Schweiz) oder verschiedene Staaten mit gleicher Sprache (USA - Großbritannien); 3. Gleichartigkeit des Denkens und Weltempfindens beim Staatsvolk; 4. Nationalbewusstsein. Auch bedingen slch Staat und Nation gegenseitig. Nicht nur, dass jede Nation nach einem ihr gemäßen staatlichen Rahmen strebt, auch die Existenz eines Staates wirkt (durch staatliche Direktiven) auf eine Volksgemeinschaft, die dadurch zu einer Nation werden kann. Der Nationalstaat kann kulturelle Minderheiten einschließen. Man ist allerdings im 19. und im 20. Jahrhundert vielfach von der Idee eines reinen Nationalstaats (ohne Minderheiten) ausgegangen. Dieses Prinzip konnte aber im internationalen Rahmen nur partiel1 angewendet werden, so im 20. Jahrhundert, wo z.B. in Südosteuropa "reine" Nationalstaaten wegen der siedlerischen Durchdringung der Völker nicht entstehen konnten. Außerdem muss bedacht werden, dass ein "reiner" Nationalstaat anfälliger ist für nationalistische und (kultur-) imperialistische Tendenzen. Die Ideologie des Nationalstaats kommt hier an seine Grenzen (Buhlmann). IV. Beispielhaft für Nationalismus und Nationalstaat sind dann: der amerikanische Nationalismus (18./19. Jahrhundert), der deutsche Nationalismus (19./20. Jahrhundert), der Transfernationalismus Außereuropas (18.-20. Jahrhundert: Südamerika, Asien, Afrika). Die Nationalstaaten der Moderne und die Ideologie des Nationalismus könnten dann einen Übergang darstellen zu dezentral-föderalistischen Herrschaftssystemen, die eingebunden sind in übernationale Organisationen, wobei die demokratische Verfasstheit der Staaten (Demokratie, Menschenrechte, Rechtssicherheit, Sicherheit, Wohlstand) eine wichtige Rolle spielt (nach: Wehler, Nationalismus).
Zu Nation und Nationalismus s.: Wehler, Hans-Ulrich (2001), Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen (= BSR 2169), München 2001, 122 S., € 4,-. [Buhlmann, 05.1980, 10.2017]

Naumann, Helmut (1967), Die Schenkung des Gutes Schluchsee an St. Blasien. Ein Beitrag zur Geschichte des Investiturstreites, in: DA 23 (1967), S.358-404 > S St. Blasien

Neininger, Falko (1994), Konrad von Urach (†1227). Zähringer, Zisterzienser, Kardinallegat (= Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte, NF, H.17), Paderborn 1994, 618 S., DM 58,-. Über das Geburtsjahr Konrads von Urach ist nichts bekannt; seine Eltern, Graf Egino IV. von Urach und die Zähringerin Agnes, hatten aber wohl vor dem Jahr 1181 geheiratet. Für Konrad war die geistliche Laufbahn vorgesehen, und so finden wir ihn, der einen Zähringernamen trug, wahrscheinlich vor 1189 als Domkanoniker an der Lütticher Kathedralkirche, wo Konrads Großonkel Rudolf, der Bruder des Zähringerherzogs Berthold IV., Bischof war (1167-1191). Die Domschule vermittelte dem Jungen eine solide Ausbildung, Konrad wurde 1199 nach seinem Eintritt in die Abtei Villers Zisterziensermönch, seit 1208 oder 1209 ist er im diesem Tochterkloster von Clairvaux als Abt nachweisbar. 1213 oder 1214 wechselte Konrad nach Clairvaux, wo er zum Klosterleiter gewählt worden war. Als Abt der Primarabtei mit den meisten Tochterklöstern, als Nachfolger des berühmten Bernhard von Clairvaux (*ca.1090-†1153), und noch mehr ab 1217 als Abt von Citêaux und oberster Repräsentant des Zisterzienserordens bestimmte er wesentlich Organisation und Politik dieser weit verzweigten, europäischen Mönchsgemeinschaft (Generalkapitel von 1217 und 1218; Frauenseelsorge, Zisterzienserinnen und Magdalenerinnenorden). Anfang 1219 wurde er nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen Zisterzienserorden und Papsttum Kardinalbischof von Porto und Santa Rufina, eingesetzt und geweiht von Papst Honorius III. (1216-1227). 1219, 1223/24 und 1226/27 führte Konrad seine Amtsgeschäfte an der Kurie, dazwischen war der Kardinal als päpstlicher Legat in Frankreich (1220-1223; Albigenserkreuzzug, Klosterrefom) und Deutschland (1224-1226; Kreuzzugwerbung, kirchliche Konflikte). Gerade seine Legationstätigkeit in Deutschland macht das Netzwerk aus familiären, politischen und kirchlichen Beziehungen, in dem sich Konrad bewegte, deutlich. Der geografische Raum seiner Einflussnahme erstreckte sich dabei vom Niederrhein und Lothringen bis nach Südwestdeutschland, von Bayern bis nach Sachsen. Im Sommer 1224, um in Südwestdeutschland bzw. bei der Familienpolitik der Grafen von Urach zu bleiben, kam es zu einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich II. und der Straßburger Kirche u.a. wegen eines ehemals zähringischen Kirchenlehens in Offenburg; der Vertrag war dabei von Konrad vermittelt worden. Etwas später einigten sich, wahrscheinlich ebenfalls auf Vermittlung Konrads, König Heinrich (VII.) (1220-1235) und Graf Egino V. von Urach (†1236/37) wohl in Speyer hinsichtlich des Zähringererbes; der Vertrag wurde schließlich "aus Verehrung für den Kardinalbischof Konrad" von Kaiser Friedrich II. (1212-1250) am 8. Juli 1226 bestätigt und der wegen der Erbstreitigkeiten in Opposition stehende Egino in Gnaden aufgenommen. Am 8. Januar 1225 urkundete Kardinallegat Konrad in Schaffhausen für das Kloster Sankt Georgen im Schwarzwald, das im Jahr zuvor abgebrannt war, im Herbst 1225 war Konrads Vater Egino bei jenem in Sachsen, um notwendige Familienangelegenheiten zu besprechen. Bei den diversen Verhandlungen nicht nur in Deutschland half es schließlich Konrad, dass die Grafen von Urach über die Zähringerin Agnes weiträumig verwandt gewesen waren mit den zähringischen Seitenlinien der Markgrafen von Hachberg und der Herzöge von Teck, mit den Wittelsbachern, den Herzögen von Namur, dem Erzbischof Engelbert von Köln (1216-1225), den Grafen von Holland, Dagsburg und Geldern, mit den Staufern oder dem französischen König. Im Frühjahr 1226 war dann Konrads zweite Legation beendet, der Kardinalbischof kehrte nach Italien und Rom zurück, schaltete sich in die Verhandlungen mit dem lombardischen Städtebund ein (1226/27) und unterstützte die Kreuzzugsvorbereitungen des Kaisers, womöglich im Heiligen Land selbst, wo er vielleicht auch starb. Das Todesdatum Konrads von Urach war der 30. September 1227, seine Leiche wurde nach Clairvaux überführt, wie nicht zuletzt ein Schreiben von Konrads Bruder, Graf Egino V. von Urach und Freiburg, aus dem Jahr 1228 belegt. [Buhlmann, 02.2006]

Neubert, Friedrich Paul Harald (1977), Die deutsche Politik im Palästina-Konflikt 1937 und 1938, Diss. Bonn 1977 > P Palästina, 1933-1939

Neubert, Otto (1977), Tut-ench-Amun. Gott in goldenen Särgen (= Bastei-Lübbe Tb 64004), Bergisch Gladbach 1977 > T Tutanchamun

Neugebauer, Anton, Kremb, Klaus, Keddigkeit, Jürgen (Hg.) (2010), Richard von Cornwall. Römisch-deutsches Königtum in nachstaufischer Zeit (= BPfG 25 = Veröffentlichungen der Pfälzischen Geschichte zur Förderung der Wissenschaften, Bd.109), Kaiserslautern 2010 > R Richard von Cornwall

Neuheuser, Hanns Peter (Hg.) (1999), Die Handschriften des Propsteiarchivs Kempen. Interdisziplinäre Beiträge, Köln-Weimar-Wien 1999, 391 S., € 8,60, bietet interdisziplinäre Zugänge zu überlieferten Handschriften und Handschriftenfragmenten des 11. bis 19. Jahrhunderts aus dem Propsteiarchiv der niederrheinischen Pfarrei Kempen (Pfarrarchiv St. Mariae Geburt) (Hanns Peter Neuheuser, Einleitung; Hanns Peter Neuheuser, Kurzverzeichnis der Handschriftensammlung im Propsteiarchiv Kempen). Zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Köln gefertigte Einbände zu Kempener Büchern enthielten als Makulatur ein lateinisches Lektionarfragment (H 46) aus der Zeit nach 1050 betreffend Perikopen der Woche nach Ostern (vollständige Osteroktav mit achttägiger Osterfeier) (Hanns Peter Neuheuser, Ein Lektionarfragment aus salischer Zeit mit Perikopen der Osterwoche im Propsteiarchiv Kempen), weiter das zerschnittene Fragment (H 45) eines um 1100 zu datierenden Vollmissales mit Antiphonen und Neumen (Nikolaus Nonn, Das Fragment eines hochmittelalterlichen Missales mit Neumen im Propsteiarchiv Kempen. Rekonstruktion des Textes und einige musikwissenschaftliche Anmerkungen; Jürgen Holzapfel, Hanns Peter Neuheuser, Kriminaltechnik im Dienst der historischen Handschriftenforschung. Computergestützte Untersuchungen eines Neumenfragments durch Einsatz elektromagnetischer Wellen im nichtsichtbaren Spektralbereich), schließlich ein Fragment (AB-H 10) mit einem bisher unbekannten medizinisch-gynäkologischen Traktat über Anzeichen für einen toten Fötus im Mutterleib sowie mit kosmetischen Rezepten wohl aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (Konrad Gochl, Johannes Gottfried Mayer, Gundolf Keil, Ein gynäkologisch-kosmetisches Fragment aus der Mitte des 13. Jahrhunderts im Propsteiarchiv Kempen als Gegenstand der medizinhistorischen Forschung). Weitere Einbandfragmente sind ein wohl in Beziehung zum Niederrhein stehendes Fragment (H 47) der Rezension I2 des hochmittelalterlichen Alexanderromans (Geschichte um Alexander den Großen, die Königswitwe Kandakis und deren Söhne) vom letzten Viertel des 13. Jahrhunderts (Wolfgang Kirsch, Ein Fragment der Historia de proeliis Alexandri Magni, Rezension I2, vom Ende des 13. Jahrhunderts im Propsteiarchiv Kempen - eine philologische Untersuchung; Wolfgang Oeser, Versuch einer paläographischen Einordnung des Kempener Alexanderroman-Fragmentes vom Ende des 13. Jahrhunderts) sowie ein in die 1. Hälfte des 14. Jahrhundert zu datierendes Fragment (H 57) aus Versen der im Spätmittelalter weit verbreiteten Versgrammatik des Eberhard von Béthune (†1212) mit deutschen Rand- und Interlinearglossen (Heinz Heinrich Stiene, Ein unbekanntes Fragment der Versgrammatik 'Grecismus' des Eberhard von Béthune aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts im Propsteiarchiv zu Kempen). Mit der Datierung eines Kalendariums, das Grundlage für das älteste Kempener Memorienbuch (H 4) war, auf die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts befasst sich Hans Budde, Das Kalendarium im ältesten Memorienbuch des Propsteiarchivs Kempen. Das Fragment (AA 11) des lateinisch(-deutsch)en Wörterbuchs "Vocabularius ex quo" aus dem 15. Jahrhundert enthält 1451 lateinische und 501 deutsche Wörter, zum großen Teil abgekürzt; der Schreiber des Fragments war vielleicht ein Mönch aus Mönchengladbach, der für die Seelsorge in Kempen zuständig war (Pfarrrechte des Gladbacher Klosters in Kempen) (Thomas Frenz, Das Fragment des 'Vocabularius ex quo' der Zeit um 1410 im Propsteiarchiv zu Kempen - eine paläographische Studie). Hanns Peter Neuheuser, Penwerk und Text in einem spätmittelalterlichen Missale Coloniense aus dem IJsselstreek. Buchkundliche, liturgiegeschichtliche und kunsthistorische Ansätze zu seiner Datierung und Lokalisierung verortet den spätmittelalterlichen Kempener Kodex H 1, ein Vollmissale u.a. mit Kalendar und Proprium, auf Grund von Penwerk (spezieller niederländischer Fleuronée-Stil bei Initialen und an den Rändern der Buchstabenfelder) und ortsgeschichtlichen Hinweisen auf die Zeit um 1460 und damit in die Phase von umfangreichen Baumaßnahmen an der Kempener Marienkirche (1440/72). Die Annales Franciscanorum Kempensium sind eine Kempener Franziskanerchronik (H 27) (des Adam Bürvenich?) aus der Zeit um 1650 über Kempen (Thomas von Kempen), die Franziskaner in Kempen (Tertiarierinnenkloster von 1421, Bilder von Ordensheiligen, Pater Johannes Brugmann) und der Gründung des Kempener Franziskanerklosters (1624 Gründung, 1632 erzbischöfliche Bestätigung, [1640 Weihe]) (Reimund Haas, "Ordinis nostri Seraphici in civitatem Kempensem mirabilis introductis ..." - Die Kempener Franziskanerchronik der Jahre 1624-1632 aus ordensgeschichtlicher Perspektive). Die um 1110/20 von dem Brauweiler Mönch Konrad auf Latein niedergeschriebene Lebensbeschreibung des (Gladbacher und) Brauweiler Abtes Wolfhelm (1065-1091), die Vita Wolfhelmi, ist nur aus der frühen Neuzeit überliefert in drei Redaktionen (1: kürzere Fassung des Laurentius Spurius von 1571, 2: längere Fassung im Chronicon Brunwylrense bis 1525, 3: längere Fassung des Gladbacher Abtes Petrus Knor (1703-1725) von 1717; Redaktion 3 abhängig von den Redaktionen 1 und 2); überliefert ist die Vita Wolfhelmi u.a. in einer Kempener Handschrift (H 31) von 1719 (Stiene, Heinz Erich, Die Überlieferung der 'Vita Wolfhelmi' des Konrad von Brauweiler im 'Liber de fundatione et abbatibus' des Gladbacher Abtes Petrus Knor von 1717). Darüber hinaus finden sich in einer Kempener Sammelhandschrift (H 33) deutsche Predigten der Aufklärung des Kölner Pfarrers Wilhelm Barion (*1739-†1816) (Albert Damblon, Drei österliche Predigten der Aufklärungszeit in einem Predigtband des Kempener Propsteiarchivs. Eine materialhomiletische Untersuchung), in einem Aktenstück (AA 42) handschriflich verfasste Rechenaufgaben zur Bruchrechnung, die in Beziehung stehen zu den Elementarlehrern Daniel Schürmann (*1752-†1838) und Bernhard Overberg (*1754-†1826) (Siegbert Schmidt, Mathematikdidaktische Untersuchungen zu einigen handschriftlichen Aufzeichnungen von Rechenaufgaben in einem Aktenstück aus dem Propsteiarchiv Kempen), sowie zu einem Evangelistar (H 3) und einem Lektionar (H 2) von 1512 neuzeitliche Samteinbände (Gudrun Sporbeck, Zwei textile Bucheinbände der Barockzeit und des Historismus im Propsteiarchiv Kempen). [Buhlmann, 10.2011]

Neuheuser, Hanns Peter (2016), Zwei Porträts des Kölner Generalvikars Martin von Oed (um 1465-1536). Eine Miniaturmalerei und ein Gemälde des Bartholomäus Bruyn, in: AHVN 219 (2016), S.117-136. I. Martin von Oed (*ca.1465-†1536) war der Sohn des Chirurgen Heinrich von Oed, studierte in Köln bis zum doctor decretorum (1507) und war 1508/09 Rektor der Universität. Parallel dazu verfolgte Oed eine geistliche Karriere, die ihn zum Fischelner Personotar (ca.1495), Vizekanzler und Offizial des Kölner Erzbischofs (1507 bzw. 1508) und zum Mitglied im Kölner Domkapitel (1509) machte. Zeitweise Kölner Generalvikar (1519-1524) und Propst des Arnhemer Wlaburgisstifts, zog sich Oed, der mit Reformkatholiken und Humanisten am Niederrhein Kontakt hatte, vor den Wirren der Reformation nach Kempen zurück, wo er 1536 verstarb (Schenkung von Messlektionar und Evangelistar an die Kempener Marienkirche 1512, Schenkung eines Psalters an die Kranenburger Stiftskirche 1514, Haus "Nievenheim" in Kempen 1524). II. Das an die Kempener Kirche verschenkte Lektionar enthält nun als Miniatur ein Porträt des Stifters Oed, flankiert von Symbolen des heiligen Martin als Namenspatron Oeds. Weiter hat sich ein Ölgemalde des Malers Bartholomäus Bruyn des Älteren erhalten, ein Brustbild des Kirchenmannes, angefertigt in den 1530er-Jahren. Stifterminiatur und Ölgemälde vermitteln dann etwas vom christlich-religiösen Selbstverständnis des Martin von Oed. [Buhlmann, 05.2017]

Neundorfer, Bruno, Limmer, Ingeborg ([1938]), Der Dom zu Bamberg (= Schnell & Steiner, Kleine Kunstführer, Nr.100), Regensburg 181995 > B Bamberg, Bistum

900 Jahre Stadt St. Georgen im Schwarzwald 1084-1984, Festschrift hg. v.d. Stadt St. Georgen (1984), Villingen-Schwenningen 1984 > S St. Georgen im Schwarzwald

Newman, Barbara (1995), Hildegard von Bingen. Schwester der Weisheit (= Frauen - Kultur - Geschichte, Bd.2), Freiburg-Basel-Wien 1995 > H Hildegard von Bingen

Nibelungenlied, mittelhochdeutsches Heldenepos: Das Nibelungenlied behandelt im Rahmen mittelhochdeutscher Klassik und höfischer Kultur als Heldenepik germanische Stoffe, die in Spätantike (Burgundenreich, Hunnen, Theoderich) und frühes Mittelalter (Merowingerreich, Brunhilde) zurückreichen, als Sagen und Mythen (mündlich) seit dem 8./9. Jahrhundert weitergegeben wurden. Der Autor bzw. die Autoren sind unbekannt, als Mäzen bei der Verschriftlichung des Nibelungenliedes wird teilweise der Passauer Bischof Wolfger von Erla (1191-1204) angenommen. Das Nibelungenlied besteht aus 2316 (A), 2376 (B) bzw. 2439 Strophen (C), die jeweils aus vier Langversen der Form Anvers - Zäsur - Abvers mit verspaarweiser Reimung bestehen. Inhaltlich enthält das Nibelungenlied 39 Âventiure: Vorstellung Kriemhilds am Wormser Hof der Burgunden (Âventiure 1), Vorstellung Siegfrieds von Xanten (2), Siegfrieds Erscheinen in Xanten (3), Siegfrieds Hilfe für den Burgunderkönig Gunther gegen Sachsen und Dänen (4), minne zwischen Siegfried und Kriemhild (5), Überwindung der Brunhild durch Siegfried und Gunther (Brautwerbung Gunthers) (6-8), Reise Siegfrieds zu den Nibelungen, Kampf gegen einen Riesen und gegen Alberich (8), Hochzeit Brunhilde-Gunther, Kriemhilde-Siegfried, Unterstützung Gunthers in seiner 2. Brautnacht mit Brunhild durch Siegfried (10), Rückkehr Siegfrieds mit Kriemhild nach Xanten, Geburt Gunthers (11), Einladung von Siegfried und Kriemhild nach Worms, Rangstreit zwischen den Königinnen Kriemhild und Brunhild (12-14), Ermordung Siegfrieds durch Hagen unter Mitwisserschaft König Gunthers (15-17), Verbleiben Kriemhilds in Worms für dreieinhalb Jahre, Versenkung des Nibelungenhortes im Rhein (19), Werbung des Hunnenkönigs Etzel um Kriemhild (20), Reise Kriemhilds zu Etzel über Passau, Tulln nach Wien (21), Heirat in Wien (22), Geburt des Kriemhildsohns Ortlieb nach sieben Jahren Ehe, Bitte um Einladung von Kriemhilds Verwandten ins Hunnenland (23), Empfang der Boten Etzels in Worms, Beschluss, der Einladung zu folgen (24), Reise der Burgunden ins Hunnenland über Passau nach Etzels Burg (25-27), Empfang durch Dietrich von Bern und Hildebrand, durch Kriemhild und Etzel (28), Spannungen zwischen Kriemhild und Hagen (29-30), Kirchgang und Turnier, Unterstützung von Kriemhilds Racheplänen durch den Etzelbruder Blödelin (31), Ermordung der Knappen der Burgunden, Tod Blödelins (32), Ermordung Ortliebs durch Hagen, Kampf zwischen Hunnen und Burgunden im Festsaal (33-34), Zweikampf zwischen Iring von Dänemark und Hagen (35), weitere Kämpfe zwischen Hunnen und Burgunden um und im Festsaal (36), Scheitern von Vermittlungsversuchen, Tod Rüdigers von Bechelaren (37), Kampf zwischen Dietrichs Leuten und den Burgunden (38), Gefangennahme Gunthers und Hagens, deren Auslieferung an Kriemhild, Tötung Gunthers und Hagens durch Kriemhild, Tötung Kriemhilds durch Hildebrand (39). Überliefert ist das Nibelungenlied in 34 vollständigen und fragmentarischen Handschriften des 13.-16. Jahrhunderts (A: München, B: St. Gallen, C: Karlsruhe [Donaueschingen] -> Fassungen *A, *B, *C) mit Süddeutschland als Schwerpunkt. Vielfach verbunden wurde das Nibelungenlied in den Handschriften mit der Nibelungenklage, ein gemäß der höfischen Lyrik in Kurzversen mit paarweisem Reim verfasster Text, der das Leid (not) des Nibelungenlieds reflektiert, Krimhild positiv, Hagen und Brunhild hingegen negativ (im Gegensatz zum Nibelungenlied) darstellt. Die Nibelungenklage gehört damit als Fortsetzung und Ergänzung des Nibelungenliedes zur Rezeptionsgeschiche des Heldenepos, die bis ins endende 16. Jahrhundert reicht ("Rosengarten zu Worms", "Lied vom hürnen Seyfrid") und erst wieder mit der Entdeckung der Handschrift C (1755) einsetzt. Die Rezeption des Nibelungenlieds im 19. und 20. Jahrhundert schwankte zwischen "Nationalepos", "Nibelungentreue" und "Dolchstoßlegende" (Simrock, Hebbel, Dahn, deutsche Nation, Nationalsozialismus) und Jugendliteratur, Nacherzählung, Wormser Festspiele und Film einschließlich einer nachlassenden Verwendung des Epos im Deutsch- und Geschichtsunterricht an den Schulen.
Das Nibelungenlied ist textmäßig erfasst in: Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung, hg. v. Helmut Brackert (1976), 2 Bde., Tl.1 (= Fischer Tb 6038), Frankfurt a.M. 91980, 303 S., DM 6,80, Tl.2 (= Fischer Tb 6039), Frankfurt a.M. 61979, 303 S., DM 6,80; Analysen des Nibelungenliedes bieten: Ehrismann, Otfrid (2005), Das Nibelungenlied (= BSR 2372), München 2005, 128 S., € 7,90; Miedema, Nine R. (2011), Einführung in das "Nibelungenlied" (= Einführungen Germanistik), Darnstadt 2011, 160 S., € 9,90; Schulze, Ursula (1997), Das Nibelungenlied (= RUB 17604), Stuttgart 1997, 336 S., € 7,60; "Uns ist in alten Mären ..." Das Nibelungenleid und seine Welt, hg. v.d. Badischen Landesbibliothek Karlsruhe u.d. Badischen Landesmuseum Karlsruhe (2003) (= Ausstellungskatalog), Darmstadt 2003, 239 S., € 19,95. [Buhlmann, 01.2003, 07.2004, 09.2005, 08.2012]

Nicosia, Francis (1980), Arab Nationalism and National Socialist Germany 1933-1939. Ideological and Strategic Incompatibity, in: International Journal of Middle East Studies 12/3 (1980), S.351-372 > P Palästina, 1933-1939

Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810 (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Bd.56), hg. v. Josef Dolle, Dennis Knochenhauer: Tl.1 (2012): Abbingwehr bis Gandersheim, Bielefeld 2012, Tl.2 (2012): Gartow bis Mariental, Bielefeld 2012, Tl.3 (2012): Marienthal bis Zeven, Bielefeld 2012, Tl.4 (2012): Literatur und Register, Bielefeld 2012 > K Klosterbücher

Nikolaus von Kues, Kirchenmann, Theologe, Philosoph: I. Nikolaus Cryfftz (Krebs) wurde im Jahr 1401 in Kues an der Mosel als Sohn des reichen Schifffahrtsunternehmers, (Wein-) Händlers und Geldverleihers Hennen Cryfftz und der Katharina Roemer geboren. Er sollte sich nach seinem Geburtsort Nikolaus von Kues (Nikolaus Cancer de Coeße, Niclas von Cuße, Nicolaus de Cusa, Nicolaus Cusanus) nennen. Über die Kindheit und Jugendzeit unseres Protagonisten ist nichts bekannt; die historische Forschung nimmt an, dass Nikolaus schon früh von der religiösen Bewegung der devotio moderna beeinflusst worden war. Erst mit dem Studium in Heidelberg (artes liberales und via moderna) und Padua (Kirchenrecht) sowie Nikolaus' Abschluss als doctor decretorum (1416-1423) betreten wir sicheren Boden. Der Aufenthalt in Padua sollte Nikolaus mit dem italienischen Humanismus bekannt machen. Ab dem Jahr 1425 hielt sich der Kusaner wieder an der Mosel auf, wo er beim Trierer Erzbischof als Kirchenjurist Anstellung fand. Als Doktor des kanonischen Rechts beschäftigte sich Nikolaus von Kues u.a. mit Zollfragen und Zehntstreitigkeiten oder trat im auf Deutsch niedergeschriebenen Bernkasteler Hochgerichtsweistum des Trierer Elekten Ulrich von Manderscheid (1430-1436) vom 21. August 1432 als Zeuge auf. Das Weistum von 1432 fällt in die Zeit des Trierer Bischofschismas. Der erwählte Bischof Ulrich von Manderscheid wurde von Papst Martin V. (1417-1431) nicht anerkannt und suchte beim Konzil von Basel (1431-1449) Zustimmung. Sachwalter Ulrichs am Basler Konzil wurde Nikolaus von Kues. Doch schlossen sich letztlich die Konzilsteilnehmer in Sachen des Trierer Schismas der Entscheidung des Papstes an und votierten gegen Ulrich von Manderscheid (1432). In der Folge arrangierte sich Nikolaus mit dem nun allgemein anerkannten Trierer Erzbischof Hraban von Helmstedt (1430-1439). Dass zudem der Kusaner als Rechtsgelehrter umworben war, zeigen die zwei Angebote der damals neu gegründeten Universität Löwen, ihn als Professor für kanonisches Recht zu gewinnen. Parallel zu seiner Tätigkeit als Jurist studierte Nikolaus von Kues seit 1425 in Köln Theologie und Philosophie, allerdings ohne Abschluss. Ausfluss der erworbenen theologischen Bildung war sicher seine um 1430 begonnene Predigttätigkeit, der er sich mit Engagement widmete. Noch 1435 war Nikolaus allerdings nur Diakon; erst später, aber zu einem uns unbekannten Zeitpunkt erwarb er die höheren Weihen und wurde Priester (1435/36). Dabei verfügte er als wirtschaftliche Grundlage seiner Rechts- und kirchlichen Tätigkeit über eine Anzahl von Pfründen, die ihm bei seiner wohl eher bescheidenen Lebensweise ein notwendiges Einkommen sicherten, die ihn nichtsdestoweniger gerade in späteren Jahren dazu verleiteten, Präbenden anzuhäufen oder seine Verwandten mit Pfründen zu versorgen. Nikolaus von Kues, dessen Denken nicht zuletzt durch sein Studium in Köln von dem Gedanken der concordantia ("Übereinstimmung") geprägt war, wurde zunächst zu einem überzeugten Anhänger des Konzils, das er in rechtlichen Fragen beriet und für das er als Gesandter und Konzilsrichter tätig wurde. Seine Gedanken und damals verfassten schriftlichen Ausführungen kreisten etwa um das Problem der Hussiten in Böhmen, die Überordnung des Konzils über den Papst oder die Kirchenreform. Anlässlich der Absetzung Papst Eugens IV. (1431-1447) durch eine Mehrheit im Konzil schloss sich Nikolaus von Kues der Konzilsminderheit an (1436/37); Letztere ordnete sich Papst und römischer Kurie unter. Nikolaus von Kues 1437 war im Auftrag der Konzilsminderheit als Gesandter beim byzantinischen Kaiser Johannes VIII. (1425-1428) in Konstantinopel tätig; Zweck der Reise waren Verhandlungen um die Kirchenunion, die dann wirklich 1438/39 zustande kam und - kaum mit Leben erfüllt - das west-östliche Schisma von 1054 beenden sollte. Als Anhänger Papst Eugens IV., der er nunmehr war, wandte sich Nikolaus von Kues gegen den vom Konzil gewählten Gegenpapst Felix V. (1439-1449), Herzog Amadeus VIII. von Savoyen (1391/1417-1434). Der Überwindung des Papstschismas diente im Auftrag Papst Eugens IV. das Vorgehen des Nikolaus von Kues als "Herkules der Eugenianer" in Diplomatie und Kirchenpolitik, etwa auf einem Mainzer Kongress (1441), auf einer Fürstenversammlung in Nürnberg (1442) oder bei einem Streitgespräch in Frankfurt (1442). Unterdessen hatte Papst Eugen nämlich das Basler Konzil nach Ferrara (dann Florenz und Rom, 1437-1445) verlegt. Dies geschah gegen den Widerstand der Basler Konzilsmehrheit, so dass nun Kirchenversammlungen in Basel und Ferrara tagten. Als Beauftragter (procurator, nuntius) Papst Eugens wurde Nikolaus päpstlicher Subdiakon (1443), später päpstlicher Legat de latere (1446). Als Legat konnte er dann die allgemeine Anerkennung "seines" Papstes in Deutschland durchsetzen. Zunächst Kardinal in petto (1446), wurde der Kusaner schließlich 1451 von Papst Nikolaus V. (1447-1455), dem Nachfolger Eugens, zum Kardinal ernannt; Titelkirche des Kardinalpriesters Nikolaus von Kues war das römische Gotteshaus St. Peter in Ketten (basilica sancti Petri ad vincula). Zuvor, an Heiligabend 1450, wurde der Kirchenmann apostolischer Legat für Deutschland, Böhmen und die angrenzenden Länder, um den Jubiläumsablass zu verkünden - das Jahr 1450 war ein kirchlich-päpstliches Jubeljahr (Heiliges Jahr) gewesen - und Maßnahmen zur Kirchenreform in Angriff zu nehmen. Nikolaus von Kues befand sich ab Jahresbeginn 1451 auf seiner durchaus erfolgreichen Legationsreise in den Ländern nördlich der Alpen. Für den Kardinal stand dabei die seelsorgerische Tätigkeit im Vordergrund, die sich vor allem in seinen Predigten, aber auch in der Vergabe von Ablässen äußerte. Zentrales Anliegen war dem Legaten eine Reform der Kirche: Die von ihm erlassenen Dekrete betrafen das Konkubinat und die Missstände bei der Pfründenvergabe, Reformen innerhalb der Orden und (Frauen-) Klöster sowie die Gottesdienstliturgie; auch ein Dekret gegen die Juden gehört hierher. Über Österreich und Bayern ging die Legationsreise nach Sachsen und in die Niederlande, dann bis an die Mosel, schließlich an den Niederrhein, wo Nikolaus von Kues zu Weihnachten 1451 in Köln weilte. Weitere Stationen des Nikolaus von Kues auf dessen Legationsreise waren dann im Herzogtum Brabant Brüssel und Löwen, dann Maastricht und wiederum Aachen, schließlich Ende Februar und Anfang März 1452 nochmals Köln. Für Nikolaus von Kues war danach Frankfurt eine weitere, wenn auch bedeutende Zwischenstation. In der Folgezeit hielt sich der Kardinal in Süddeutschland auf, dann - im April 1452, als Ausgang der Legationsreise - in seinem Bistum Brixen. Nikolaus von Kues war im Jahr 1450 nämlich zudem vom Papst als Bischof von und Landesherr des Bistums Brixen eingesetzt worden. Als geistlicher Reichsfürst übte er auch weltliche Macht im Bistum aus, befand sich aber dabei in scharfem Gegensatz zum Domkapitel und zum habsburgischen Herzog Sigismund von Tirol (1439-1490). Trotz dieser schlechten Voraussetzungen bemühte sich der Kusaner gerade auch im Bistum Brixen um die Kirchenreform; Seelsorge und Visitationen standen im Vordergrund seiner Maßnahmen. Nach einem vom Tiroler Herzog inszenierten Überfall auf den Bischof (1457) und der "Schlacht" bei Enneberg (1458) verließ Nikolaus von Kues im Jahr 1459 sein Bistum, gleichsam abberufen von Papst Pius II. (1458-1464), der den Kusaner zu seinem Generalvikar machte. Der Konflikt zwischen Nikolaus von Kues und Herzog Sigismund um das Bistum Brixen sollte sich dann nochmals verschärfen (Fehdebrief des Herzogs, zwischenzeitliche Gefangennahme des zurückgekehrten Bischofs, Exkommunikation Sigismunds und päpstliches Interdikt gegen Tirol 1460). Erst im Juni 1464 kam es zu einem Kompromiss: Nikolaus von Kues überließ das Bistum einem Stellvertreter. Seit 1459 war Kardinal Nikolaus von Kues Generalvikar für Rom und den Kirchenstaat, daneben päpstlicher Legat auf deutschen Provinzialsynoden. Als enger Vertrauter des humanistisch gesinnten Papstes Pius II. bereitete der Kusaner eine letztlich nicht durchgeführte Reform des römischen Klerus vor und unterstützte den pontifex maximus in dessen Kreuzzugsplänen. Indes starb Papst Pius II. in der Nacht vom 14. zum 15. August 1464, und das Kreuzzugsunternehmen gegen die Türken wurde ausgesetzt. Zuvor, am 11. August 1464, war Nikolaus von Kues in Todi gestorben. Dieser hatte am 6. August sein Testament gemacht, mit dem er besonders seine im Jahr 1458 ins Leben gerufene Stiftung des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues bedachte. Begraben liegt der Kardinal in seiner römischen Titelkirche St. Peter in Ketten (Grabmal im linken Seitenschiff des Gotteshauses), sein Herz wurde aber zum Hospital nach Kues gebracht. II. Völlig erschließt sich Nikolaus von Kues erst durch seine Werke, Schriften philosophischen, theologischen oder auch mathematischen Inhalts, die u.a. die Beziehungen zwischen Gott und der Welt, die Reform von Kirche und Staat, Infinitesimalrechnung, Chronologie oder eine "Sichtung" des Korans behandeln. Im Einzelnen sind aufzuzählen: Astrologisch-gedeutete Weltgeschichte (1425), De concordantia catholica I-III (1433), De maioritate auctoris sacrorum conciliorum supra auctoritatem papae (1433), De auctoritate praesidendi in concilio generali (1433), De usu communionis (Gegen den Irrtum der Hussiten) (1433/34), De correctione kalendarii (Über die Kalenderverbesserung) (1436), Tractatulus de modo habilitandi ingenium ad discursum in dubiis (1436), Libellus inquisitionis veri et boni (1436), Sermo XXII: Dies sanctificatus (1440), De docta ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) I-III (1440), De coniecturis (Mutmaßungen) (1440/44), Sermo XLIII: Alleluia. Dies sanctificatus (1444), De Deo abscondito (Vom verborgenen Gott) (1444/45), De quaerendo Deum (Vom Gottsuchen) (1444/45), De filiatione Dei (Von der Gotteskindschaft) (1444/45), De transmutationibus geometricis (ca.1445), De arithmeticis complementis (ca.1445), De dato patris luminum (1445/46), Coniectura de ultimis diebus (Mutmaßungen über die Endzeit) (1446), Dialogus de genesi (1447), De circuli quadratura (Über die Quadratur des Kreises) (1450), Quadratura circuli (Die Kreisquadratur) (1450), Idiota de sapienta (Der Laie über die Weisheit) I-II (1450), Idiota de mente (Der Laie über den Geist) (1450), Idiota de staticis experimentis (Der Laie über Versuche mit der Waage) (1450), De pace fidei (Über den Frieden im Glauben) (1453), De visione Dei (Von der Gottesschau) (1453), Complementum theologicum (1453), De mathematicis complementis I-II (1453/54), Sermo CCLXXX: Ego sum pastor bonus (1457), Dialogus de circuli quadratura (1457), De caesarea circuli quadratura (1457), De beryllo (Über den Beryll) (1458), De mathematica perfectione (Über die mathematische Vollendung) (1458), De aequilitate (Über die Gleichheit) (1459), De principio (Über den Anfang) (1459), Reformatio generalis (Kirchenreform) (1459), Aurea propositio in mathematicis (Der Goldene Satz in der Mathematik) (1459), Trialogus de possest (Über das Können-Sein) (1460), Cribratio Alkorani (Sichtung des Koran) I-III (1460/61), Directio speculantis seu de non-aliud (Vom Nichtanderen) (1462), De ludo globi (Vom Globusspiel) (1462?), De venatione sapientiae (Die Jagd nach der Weisheit) (1462/63), Compendium (Kompendium) (1463), De apice theoriae (Vom Gipfel der Schau. Die höchste Stufe der Betrachtung) (1464), N.N. (?, 1464), Declaratio rectilineatoris curvae (?), De una recti curvique mensura (?).
Quellen zur Geschichte des Nikolaus von Kues bieten, Schriften des Nikolaus von Kues sind: Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues: Bd.I,1 (1976): 1401 - 1437 Mai 17, hg. v. Erich Meuthen, Hamburg 1976, XVI, 199, 9 S., Bd.I,2 (1983): 1437 Mai 17 - 1450 Dezember 31, hg. v. Erich Meuthen, Hamburg 1983, VI, 466, 14 S., DM 320,-, Bd.I,3a (1996): 1451 Januar - September 5, hg. v. Erich Meuthen, Hamburg 1996, VII, 431 S., DM 328,-, Bd.I,3b (1996): 1451 September 5 - 1452 März, hg. v. Erich Meuthen, Hamburg 1996, 452 S., DM 328,-, Bd.I,4 (2000): Literatur und Register, hg. v. Erich Meuthen, Hamburg 2000, 248 S., DM 298,-; Nikolaus von Kues, Schriften (in deutscher Übersetzung; in lateinisch-deutschen Parallelausgaben), hg. v. Ernst Hoffmann, Paul Wilpert u. Karl Bormann: Philosophische Reihe: H.1 (1988): Idiota de sapientia. Der Laie über die Weisheit, hg. v. Renate Steiger (= PhB 411), Hamburg 1988, XXXVIII, 166 S., DM 24,80; H.2 (1977): Über den Beryll, hg. v. Karl Bormann (= PhB 295), Hamburg 31987, XIII, 151 S., DM 32,-; H.9 (1973): Trialogus de posset. Dreiergespräch über das Können-Ist, hg. v. Renate Steiger (= PhB 285), Hamburg 1973, XXXIII, 130 S., DM 19,80; H.11 (1980): Die mathematischen Schriften, übers. v. Joseph Ehrenfried Hofmann (= PhB 231), Hamburg 21980, LII, 270 S., DM 48,-; H.12 (1987): Vom Nichtanderen, hg. v. Paul Wilpert (= PhB 232), Hamburg 31987, XXVIII, 221 S., DM 36,-; H.13 (1978): Vom Globusspiel, übers. v. Gerda von Bredow (= PhB 233), Hamburg 21978, 136 S., DM 24,-; H.15a-c (1977/79): De docta ignorantia - Die belehrte Unwissenheit, übers. v. Paul Wilpert (= PhB 264a-c), A. Erstes Buch, Hamburg 31979, XIII, 152 S., B. Zweites Buch, Hamburg 21979, VIII, 182 S., C. Drittes Buch, Hamburg 1977, XVIII, 236 S., DM 86,-; H.16 (1996): Compendium. Kurze Darstellung der philosophisch-theologischen Lehren, hg. v. Bruno Decker u. Karl Bormann (= PhB 267), Hamburg 31996, X, 110 S., DM 36,-; H.17 (1988): De coniecturis - Mutmaßungen, hg. v. Josef Koch u. Winfried Happ (= PhB 268), Hamburg 21988, XXI, 264 S., DM 38,-; H.19 (1986): De apice theoriae - Die höchste Stufe der Betrachtung, hg. v. Hans Gerhard Senger (= PhB 383), Hamburg 1986, XXVIII, 176 S., DM 36,-; H.20a-c (1989/93): Cribratio Alkorani - Sichtung des Korans, hg. v. Ludwig Hagemann u. Reinhold Glei (= PhB 420a-c), A. Erstes Buch, Hamburg 1989, XIX, 138 S., B. Zweites Buch, Hamburg 1990, VIII, 111 S., C. Drittes Buch, Hamburg 1993, XI, 150 S., DM 96,-; Theologische Reihe: Die Kalenderverbesserung. De correctione Kalendarii, übers. v. Viktor Stegemann, Heidelberg 1955, LXXX, 132 S., DM 14,80. > Lateinische Literatur > N Nikolaus von Kues. Biografisches zu Nikolaus von Kues bieten: Brösch, Marco, Euler, Walter Andreas, Geissler, Alexandra, Ranff, Viki (2014), Handbuch Nikolaus von Kues. Leben und Werk, Darmstadt 2014, 448 S., Zeittafel, Bibliographie, € 69,- (mit den Beiträgen: I. Nikolaus von Kues in seiner Zeit: Alexandra Geissler, Eine kurze Einführung in die Zeit; Walter A. Euler, Die Biographie des Nikolaus von Kues; Marco Brösch, Nachleben und Erbe; II. Werke in chronologischer Reihenfolge: Gerald Christianson, De concordantia catholica I-III; Tom Müller, De reparatione kalendarii; David Albertson, De docta ignorantia I-III; Kazuhiko Yamaki, De coniecturis; Viki Ranff, De deo abscondito, De quaerendo deum, De filiatione dei, De dato patris luminum; Bernard McGinn, Coniectura de ultimis diebeus; David Albertson, Dialogus de genesi; Max Rohstock, Apologia doctae ignorantiae; Christiane Bacher, Idiota de sapientia, Idiota de mente, Idiota de staticis experimentis; Cecilia Rusconi, De theologicis complemnetis, De mathematicis complementis; Susan Gottlöber, De pace fidei; Viki Ranff, De visione dei; Susan Gottlöber, Epistula ad Ioannem de Segobia; Cecilia Rusconi, De beryllo; Hans Gerhard Senger, De aequilitate; Max Rohstock, Tu quis es - De principio; Thomas Woelki, Reformatio generalis; Kazuhiko Yamaki, Trialogus de possest; Susan Gottlöber, Cribratio Alkorani; Max Rohstock, De non aliud; Hans Gerhard Senger, De venatione sapientiae; Hans Gerhard Senger, Dialogus de ludo globi; Viki Ranff, Epistola ad Nicolaum Bononiensem; Felix Resch, Compendium; Hans Gerhard Senger, De apice theoriae; Viki Ranff, Theologische Kleinschriften; Menso Folkerts, Mathematische Schriften; Thomas M. Izbicki, Basiliensia; Hans Gerhard Senger, Opuscula Bohemica; Walter A. Euler, Sermones; III. Quellen und Rezeption: Viki Ranff, Hinweise zu den Quellen in den Schriften des Nikolaus von Kues; Stephan Meier-Oeser, Die Rezeption der cusanischen Philosophie und Theologie); Flasch, Kurt (2001), Nicolaus Cusanus (= BSR 562), München 2001, 180 S., DM 24,90; Flasch, Kurt (2001), Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt a.M. 2001, 679 S., € 40,-; Flasch, Kurt (2004), Nikolaus von Kues in seiner Zeit. Ein Essay (= RUB 18274), Stuttgart 2004, 111 S., € 3,60; Kandler, Karl-Hermann (1995), Nikolaus von Kues. Denker zwischen Mittelalter und Neuzeit, Göttingen 1995, Schwarzweißabbildungen, 171 S., DM 38,-; Mennicken, Peter (1932), Nikolaus von Kues, Trier 21950, 261 S., DM 10,-; Meuthen, Erich (1958), Die letzten Jahre des Nikolaus von Kues. Biographische Untersuchungen nach neuen Quellen (= Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes NRW 3), Köln-Opladen 1958, 345 S., DM 28,-; Meuthen, Erich (1964), Nikolaus von Kues (1401-1464). Skizze einer Biographie (= BCG Sb), Münster 71992, 144 S., DM 38,-; Zellinger, Eduard, Cusanus-Konkordanz. Unter Zugrundelegung der philosophischen und bedeutendsten theologischen Werke, München 1960, XVI, 331 S., DM 30,-. Die Philosophie des Nikolaus haben zum Inhalt: Jacobi, Klaus (Hg.) (1979), Nikolaus von Kues. Einführung in sein philosophisches Denken (= Kolleg Philosophie), Freiburg-München 1979, 192 S., DM 12,-; Winkler, Norbert (2001), Nikolaus von Kues (zur Einführung) (= Junius. Zur Einführung, Bd.239), Hamburg 2001, 231 S., DM 26,80. Einzelfragen zu Nikolaus von Kues behandeln: Buhlmann, Michael (2013), Die Urkunde des Kardinals Nikolaus von Kues für die Kaiserswerther Marienkapelle (= BGKw MA 18), Düsseldorf-Kaiserswerth 2013, 60 S., € 6,-; Meuthen, Erich (1961), Nikolaus von Kues in Aachen, in: ZAGV 73 (1961), S.5-23; Meuthen, Erich (1964), Das Trierer Schisma von 1430 auf dem Basler Konzil (= BCG 1), Münster 1964, XI, 294 S., DM 24,-; Schultz, Rudolf (1948), Die Staatsphilosophie des Nikolaus von Kues, Meisenheim am Glan 1948, 79 S., DM 5,-. > Nikolaus von Kues, > Lateinische Literatur > N Nikolaus von Kues [Buhlmann, 10.1996-02.1997, 06.2002, 09.2013, 11.2016, 07.2017]

Noelle, Hermann (1977), Die Kelten (= Bastei Tb 64001), Bergisch Gladbach 1977 > K Kelten

Nördlingen, Stadt in Bayerisch-Schwaben, gelegen im Nördlinger Ries: I. Archäologische Funde im Nördlinger Ries reichen bis in die Altsteinzeit zurück, Bronze- und Eisenzeit im 2. bzw. 1. Jahrtausend v.Chr. kannten auf den vorgeschichtlichen Straßen, die das Ries querten und die sich in Nördlingen trafen, weit reichende Handelsbeziehungen. Um Christi Geburt bzw. gegen Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. beginnt dann für das Nördlinger Ries mit der Eingliederung des Voralpenraums in das römische Reich bzw. der Einbeziehung der agri decumates, der "Zehntlande" zwischen den Provinzen Obergermanien und Rätien, die römische Zeit. Hinter dem Limes entwickelte sich in Nördlingen wohl seit dem 2. Jahrhundert eine kleine römische Zivilsiedlung (vicus), römische Landgüter (villae rusticae) beherrschten das Ries. II. Wahrscheinlich seit dem 4. Jahrhundert gehörte das Ries zum alemannisch-schwäbischen Siedlungsgebiet und war seit dem 6. Jahrhundert Teil des merowingischen und karolingischen Frankenreichs (Ortsname "Nördlingen" als Nordilingin [8. Jahrhundert, 2. Hälfte], Nordilinga [898, 973], Noerdelingen [1215]). Für das frühe und hohe Mittelalter ist von Königsgut in Nördlingen auszugehen, daneben hatte die Regensburger Benediktinerabtei dort Besitz (898). Im 11. und 12. Jahrhundert nahm Nördlingen als Vorort des Ries die Rolle eines (lokalen) Handelsplatzes und Marktortes ein. Im Jahr 1215 tauschte König Friedrich II. (1212-1250) die Frauenstifte Ober- und Niedermünster in Regensburg gegen den Regensburger Besitz in Nördlingen und Öhringen ein. Nördlingen war zum Zeitpunkt des Tausches auch schon keine villa ("Dorf, Ort") mehr, in der Urkunde wird die Siedlung (auch) als (königliche, staufische) civitas ("Stadt") bezeichnet. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts verdichten sich jedenfalls die Hinweise auf ein städtisches Nördlingen (Ammann 1233, Stadtmauer 1243, Stadtsiegel ca.1250, Rat 1260). Die äußere Entwicklung Nördlingens im späteren Mittelalter war geprägt durch Privilegienvergaben, die die verfassungsrechtliche Situation der Stadt hin zur Reichsstadt verbesserten. Doch gab es auch retardierende Momente, etwa und besonders im Zusammenhang mit den Grafen von Oettingen. König Konrad IV. (1237/50-1254) hatte Nördlingen an die Grafen verpfändet, weitere Verpfändungen bis hin zu Ammannamt und Judensteuer folgten bis weit ins 14. Jahrhundert hinein. An der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert war die Stadt im Ries nahe daran, im gräflichen Territorium als landsässiger Ort aufzugehen. Doch gelang es den Nördlinger Bürgern, das Ammannamt 1323 wieder auszulösen. 1327, 1348 und 1361 erhielt die Stadt zudem die Zusage von Seiten des Königs, nicht mehr als Ganzes verpfändet zu werden. Gerade die unter den Herrschern Ludwig dem Bayern (1314-1347) und Karl IV. von Luxemburg (1347-1378) verfügten Privilegierungen konsolidierten Nördlingen auch im Inneren (neue Stadtmauer und Ungeld 1327, Zünfteverfassung 1349, Bürgermeister 1360, Blutgerichtsbarkeit 1434). Neben dem sowohl die äußeren als auch die inneren Verhältnisse mitbestimmenden Mit- und Gegeneinander von Königtum und Stadt gab es auch die Entwicklung von Obrigkeit und Gericht in Nördlingen (Nördlinger Stadtrecht 1290, ratsfähige Familien [Geschlechter], 2. Stadtrecht 1348/50, Gerichts- und Ratsordnungen von 1450/55 und 1481). Im Jahr 1552 wurde die "demokratische" Zünfteverfassung durch Kaiser Karl V. (1519-1558) abgeschafft. Stattdessen existierte bis zum Ende der Reichsstadt Nördlingen 1802/03 ein oligarchisches Stadtregiment ("Hasenrat"). Eigene kriegerische Unternehmungen Nördlingens betrafen in spätem Mittelalter und früher Neuzeit die Auseinandersetzungen mit den Herren von Neuburg und die Grafen von Oettingen (1388), den Krieg gegen Herzog Ludwig von Bayern-Ingolstadt (1420-1422), den sog. Städtekrieg der schwäbischen Reichsstädte u.a. gegen die Grafen von Württemberg und Hohenzollern und die Herzöge von Bayern (1449-1453), dann - als Mitglied im Schwäbischen Bund (1488-1534) - den Schweizerkrieg (1499), den bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg (1503-1505), ein Strafzug gegen fränkische Raubritter (1523), den Bauernkrieg (1524/25). Von 1496 bis 1715 ging es in sieben "Lerchenkriegen" gegen die Grafen von Oettingen um das Recht des Lerchenfangens. Die Zeit von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war die Blütezeit der Nördlinger Zünfte, im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Nördlingen eine wirtschaftliche Blütezeit, nicht zuletzt und gerade durch die Arbeitskraft seiner Loden-, Leinen- und Tuchmacher sowie seiner Gerber und Färber. Ab 1290 ist für Nördlingen eine Judengemeinde bezeugt, die sich weiter zurückreichte (Judenverfolgungen 1290, 1298, 1348). Die jüdische Gemeinde kam dann mit der "Judenschlacht" von 1384 und mit der endgültigen Vertreibung der Juden im Jahr 1507 zu ihrem Ende. In Spätmittelalter und früher Neuzeit beherbergte das fast kreisrunde Oval der noch heute bestehenden mittelalterlichen Stadtmauer das Nördlinger Spital und die St. Johannis-Pflege, das Franziskaner-"Klösterle", die Salvator- und Georgskirche; zur profanen Architektur zählen die Messegebäude auf dem Leutberg wie Kürschnerhaus (ca.1400 bzw. 1426) und "Paradies" (1465/66) als Kaufhäuser, das Hallgebäude ("Neuer Bau", 1541), das Gebäude der Reichsmünzstätte (1418/31), die Häuserreihe des 15./16. Jahrhunderts zwischen Trinkstube und Lateinschule, die Rossmühle (1411), ein Zeughaus (1606), der "Kaisersaal" (1520), schließlich das Rathaus ("Steinhaus" 1240, Rathausuhr 1410, Schatzturm 1509, Freitreppe 1618). Im 15., 16. und 17. Jahrhundert wurde zudem die Stadtbefestigung den sich weiter entwickelnden militärtechnischen Erfordernissen angepasst; Mauern und Tore wurden verstärkt, Vorwerke erbaut (Alte Bastei 1554, Neue Bastei 1607-1612/13). III. Am Beginn der frühen Neuzeit stand für Nördlingen der Bauernkrieg, seit den 1520er-Jahren machte die Reformation aus Nördlingen eine protestantische Reichsstadt (evangelische Kirchenordnung 1543/44, Passauer Vertrag 1552, Augsburger Religionsfrieden 1555). Die Belagerung Nördlingens 1634 während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hinterließ große Zerstörungen in der Stadt, nach der Schlacht bei Nördlingen (6. September 1634) ergab sich die Reichsstadt den kaiserlich-katholischen Belagerern. Durch die Reichskriege zwischen 1672 und 1714 büßte Nördlingen weiter an Wirtschaftskraft und finanzieller Leistungsfähigkeit ein. Die Einquartierungen kaiserlicher Truppen während des Pfälzischen Krieges (1688-1697) gehören ebenso hierher wie das Ries und Ostschwaben als Kriegsschauplatz von gleich drei Schlachten (Höchstädt, Schellenberg, Blindheim) in den Jahren 1703 und 1704 während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1713/14). Französische Revolution (1789), Reichsdeputationshauptschluss (1803) und Rheinbund (1806) besiegelten dann das Ende der reichsstädtischen Zeit Nördlingens, das durch Bayern mediatisiert wurde (1802/03; Abtragung der frühneuzeitlichen Vorwerke der Stadtbefestigung) und fortan Teil des Königreichs Bayern war (1806-1918). Eine katholische Kirchengemeinde entstand am protestantischen Ort (1826/29); 1836 errichtete man neben der alten Rats- und Lateinschule eine Gewerbeschule. 1848/49 waren Bürger aus Nördlingen an der Märzrevolution beteiligt, doch ging die weitere, auch industrielle Entwicklung während des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts an Nördlingen vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) und seinen Zerstörungen, auch an Georgskirche und Stadtmauer, kamen die Zeit des Wiederaufbaus und einer bis dahin nie gekannten Prosperität im Rahmen von bundesrepublikanischem "Wirtschaftswunder" und Demokratie. Trotz der stark angewachsenen Einwohnerzahl auf 15000 in den 1960er-Jahren, trotz der ins Umland ausgreifenden Industrie- und Dienstleistungsbetriebe blieb der heute touristisch erschlossene Kern Nördlingens, die Nördlinger Altstadt, im Wesentlichen erhalten.
An Literatur zu Nördlingen sei aufgeführt: Buhlmann, Michael (2005), Nördlingen in alter Zeit. Mit einem Anhang: Das Kloster Bebenhausen im Mittelalter (= VA 19), St. Georgen 2005, 44 S., € 4,-; Schmid, Elmar D. (1977), Nördlingen - die Georgskirche (und St. Salvator), Stuttgart-Aalen 1977, 167 S., Abbildungen, Pläne, DM 36,-; Voges, Dietmar-H[enning] (1988), Die Reichsstadt Nördlingen. 12 Kapitel aus ihrer Geschichte, München 1988, 351 S., Abbildungen, Karten, DM 48,-; Voges, Dietmar-H[enning] (1998), Nördlingen seit der Reformation. Aus dem Leben einer Stadt, München 1998, 480 S., Abbildungen, DM 58,-; Zipperer, Gustav Adolf (1979), Nördlingen. Lebenslauf einer schwäbischen Stadt, Nördlingen 1979, 376 S., Abbildungen, DM 40,-. [Buhlmann, 07.2005, 12.2015]

Nörr, Knut Wolfgang (1964), Kirche und Konzil bei Nicolaus de Tudeschis (Panormitanus) (= Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht, Bd.4), Köln-Graz 1964, 192 S., DM 22,-. I. Nicolaus de Tudeschis, der abbas Siculus, abbas modernus und Panormitanus, wurde 1386 in Catania geboren, in jungen Jahren Benediktinermönch, studierte und lehrte in Bologna Kirchenrecht, lehrte zwischen 1412 und 1418 in Parma, zwischen 1418 und 1430 in Siena. Eine kirchliche Karriere blieb damit aus. 1421 wurde Nicolaus auditor generalis der apostolischen Kammer, 1425 Abt des Klosters St. Maria de Maniaco bei Messina, 1433 Gesandter Papst Eugens IV. (1431-1447) beim Basler Konzil (1431-1449). Seit 1434/35 war er Erzbischof von Palermo, zwischen 1436 und 1439 hielt er sich wieder am Basler Konzil auf, wo er für und gegen Papst Eugen IV. eintrat. Vom Gegenpapst Felix V. (1439-1449) zum Kardinal erhoben, war Nicolaus Teilnehmer des Frankfurter Reichstags von 1442 und kehrte Deutschland 1443 den Rücken. Die letzten Lebensjahre verbrachte er auf Sizilien, wo er im Jahr 1445 an der Pest starb. II. Nicolaus de Tudeschis verfasste eine Reihe von juristisch-dogmatischen und polemisch-rhetorischen Werken, u.a. die (nicht immer vollendeten) Kommentare zu den Dekretalen Papst Gregors IX., zu den Clementinen, zum Liber Sextus und zu den Digesten, Consilien in zwei Büchern, sieben Quaestiones (1. Quaestio: Episcopus et quidam rector curatus, 1426; 7. Quaestio als erste Schrift Nicolaus', 1418), die Streitschriften für und gegen das Basler Konzil (Ecce nunc tempus acceptabile, 1433; Miratur hec sancta synodus; Maximum onus), die Streitschriften auf zwei Frankfurter Reichstagen (Mecum tacitus, 1438; Quoniam veritas verborum, 1442). III. In seinen Werken hatte Nicolaus de Tudeschis eine konzise, klar strukturierte Vorstellung von Kirche, Papst und Konzil. Auf der Grundlage des Begriffspaares potestas ("Gewalt", Verteilung der Gewalt) - exercitium ("Vollzug", Vollzugsgedanke) stellte er den verfassungsmäßigen Aufbau von Kirche und Welt dar (Ebene der potestas: Gott -> einheitliche Gewalt der ecclesia universalis mit Haupt [Christus], Stellvertreter [Papst], Geistlichkeit und Laien; Ebene des exercitium: Entfaltung der potestas in Spiritualien und Temporalien, Kirche und Welt; Kirche: Papst und Bischöfe als Träger der potestas iurisdictionis, ordinis, Papst nur teilweise als Träger der plenitudo potestatis über Temporalien [Kirchenstaat], Konzil [aus Papst und Bischöfen] als Repräsentant der ecclesia universalis, unterworfen dem Papst innerhalb dessen plenitudo potestatis, außerhalb davon dem Papstamt überlegen [Sedisvakanz, Schisma]). Nicolaus verkannte indes, dass die Zeit an seinen universalen, Kirche und Welt vereinheitlichenden Vorstellungen ("mittelalterlicher Universalismus") schon vorbeigegangen war (Konziliarismus, Kirchenreform, Landeskirche und spätmittelalterlicher Staat). Trotzdem sind seine Schriften im innerkirchlichen Bereich vielfach rezipiert worden; Nicolaus de Tudeschis galt als famosissimus iuris doctor und lucerna iuris clarissima, als letzter nachklassischer Kanonist des Mittelalters vor dem Konzil von Trient (1545/63). > Lateinische Literatur > N Nicolaus de Tudeschis [Buhlmann, 03.2015]

Nolte, Ernst, Die faschistischen Bewegungen (= dtv 4004), München 51975 > D dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Nonn, Christoph (2017), Das deutsche Kaiserreich. Von der Gründung bis zum Untergang (= BSR 2870), München 2017, 128 S., Karte, € 8,95. I. Das deutsche Kaiserreich passt sich ein in die Entstehung anderer europäischer Nationen im 19. Jahrhundert, resultierend aus der europäischen Ideologie des Nationalismus und der Nation, die als "erdachte" Gemeinschaft an die Stelle der alten mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ordnungen treten sollte. Politisch beförderte die Entstehung der deutschen Nation die "Befreiungskriege" gegen das Frankreich Napoleons, die bürgerlich-liberale Revolution von 1848/49, der Krieg des Deutschen Bundes (1815-1866) gegen Dänemark (1864), die Niederlage Österreich-Ungarns gegen Preußen und das Ende des Deutschen Bundes (1866), die Bildung des Norddeutschen Bundes unter preußischer Ägide (1866) und das Zusammengehen der liberalen Nationalbewegung mit dem Königreich Preußen, das Defensivbündnis der süddeutschen Staaten mit Preußen (1867), schließlich der deutsch-französische Krieg (1870/71; Verzicht der Hohenzollern auf den spanischen Thron, Emscher Depesche Bismarcks 1870; Gründung des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles 1871; deutsch-französischer Waffenstillstand und Frieden [Abtretung Elsass-Lothringens, Kriegsentschädigungen]). Das deutsche Reich war von Anfang an integriert im System der europäischen Mächte (Dreikaiserabkommen 1873, Berliner Kongress 1878, Zweibund 1879), die deutsche Nationalstaatsbildung wurde u.a. von Großbritannien und Russland im Wesentlichen begrüßt, während sich zu Frankreich eine "Erbfeindschaft" ausbildete. Es war eine Monarchie mit dem Reichstag als Parlament und dem deutschen Kaiser als preußischen König, dem Hohenzoller Wilhelm I. (1861/71-1888). II. Die 1870er-Jahre waren die liberale Ära des Kaiserreichs. Bismarck als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident und sein konservatives Umfeld regierten mit einem Reichstag, der nur über eine gewisse Budgethoheit verfügte und in dem liberale Strömungen die Mehrheit hatten. Eine liberale Wirtschaftspolitik (Freihandel, Globalisierung der Wirtschaft, Gründerboom) war die Folge und beförderte auch den inneren Ausbau des Kaiserreichs vom Staatenbund zum Bundesstaat (Bundesrat, Vereinheitlichung der Gesetzgebung, Währungsunion, Wirtschaftsunion). Konservativ-liberale Akzente in der Politik setzte Bismarck mit dem "Kulturkampf" gegen die katholische Kirche (1871/74; Säkularisierung und Anti-"Ultramontanismus", "Kanzelparagraph" 1871, katholische Zentrumspartei) und dem Sozialistengesetz (gegen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands [SPD] 1878/90). III. Das deutsche Kaiserreich war geprägt von einem starken gesellschaftlichen Wandel, der mit der sich weiter ausbreitenden Industrialisierung und einer Revolution im Transportwesen zusammenhing. Der Agrarsektor (zusammen mit der Heimarbeit) verlor in der Folge von Globalisierung, Migration und Technisierung seinen bestimmenden Einfluss auf die Wirtschaft, während Metallverarbeitung, Maschinenbau, Chemie und Elektrotechnik zunehmend Arbeitskräfte aus der stark anwachsenden Bevölkerung brauchten. Der Gegensatz zwischen Industrie und Agrarwirtschaft, zwischen (Groß-) Stadt und Land sollte sich verschärfen und das, obwohl die Transportrevolution (Eisenbahn, Dampfschifffahrt) die Regionen in Deutschland näherrücken ließ. Sozial und kulturell war das Kaiserreich zudem geteilt in Klassen (Adel, Bürger, Bauern, Arbeiter) und Religionen (ein Drittel Katholiken, zwei Drittel Protestanten, Juden; Einführung der Zivilehe 1875; Kaiserreich als "konfessionelles Zeitalter"). Der Nationalismus konkurrierte mit partikulär-regionalen Strömungen z.B. in Süddeutschland (Bayern, Württemberg), aber auch in Preußen (Konservative), das ungefähr zwei Drittel des Territoriums des deutschen Reiches ausmachte. Es waren also vielfältige Entwicklungen, die während der knapp fünfzig Jahre der Existenz des Reiches die deutsche Nation gesellschaftlich, wirtschaftlich und kulturell veränderten. IV. Der liberalen Phase folgte unter der Kanzlerschaft Bismarcks eine konservative Ära der Politik im Kaiserreich (1879-1890). Zusammen mit den Konservativen und wechselnden Mehrheiten im immer wichtiger werdenden und an Ansehen gewinnenden Reichstag wurden die Grundlagen der deutschen Sozialversicherung (gesetzliche Krankenversicherung 1883, gesetzliche Unfallversicherung 1884, gesetzliche Alters- und Invalidenversicherung 1889), bei der (denen) es vornehmlich um den Machterhalt der Konservativen ging. Von Bismarck instrumentalisiert wurde auch der Erwerb von Kolonien in Afrika und im Pazifik durch das deutsche Reich (1884; Berliner Kongokonferenz 1884). Die Konservativen blieben weiterhin an den Schalthebeln der Macht, außenpolitisch auch gestärkt durch die Erneuerung des Dreikaiserbundes zwischen deutschem Reich, Österreich-Ungarn und Russland (1881) und einem Dreibund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien (1882), während für außenpolitische Unruhe die Agrarzölle des deutschen Reiches sorgten (deutsch-russischer Rückversicherungsvertrag 1887). Nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. (1888), der kurzen Regierungszeit von dessen Sohn Friedrich (1888) betrieb Friedrichs Sohn, Kaiser Wilhelm II. (1888-1918), mit der Politik des "Neuen Kurses" (1890/94) eine Politik der Integration statt Konfrontation. Bismarck wurde als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident entlassen (1890), sein Nachfolger wurde der Liberale Leo von Caprivi, der weiter auf Sozialreformen setzte (Arbeiterschutz), letztlich aber ohne Erfolg, was den Zulauf der (Industrie-) Arbeiterschaft zur SPD anbetraf. Caprivi scheiterte schließlich mit seiner von Wilhelm II. nur halbherzig unterstützten Politik (1894), nicht zuletzt auf Grund der vom Reichskanzler zeitweise betriebenen Rekonfessionalisierung preußischer Schulen, der Schwierigkeiten bei den Agrarzöllen, die den steigenden Exporten Deutschlands bei den Industrieprodukten entgegenstanden, und der Frage der Einbeziehung oder Nichteinbeziehung der SPD in die Reichspolitik. V. Das persönliche Regiment Kaiser Wilhelms II. (1894/1912) stützte wieder die konservative Vorherrschaft im deutschen Kaiserreich und in Preußen sowieso (Dreiklassenwahlrecht), während in den süddeutschen Ländern im Reich liberale Regierungen existierten und das Landtagswahlrecht weiter demokratisiert wurde. Im Reichstag scheiterten die vom neuen Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst eingebrachte "Umsturzvorlage" (1894), das "kleine Sozialistengesetz" (1897), und die "Zuchthausvorlage" (1899), so dass der Monarch das Interesse an innenpolitischen Themen verlor. Wilhelm II. verlegte sich aufs Militär und die Außenpolitik als Weltpolitik (ab 1890). Der Aufbau einer deutschen Flotte, vergleichbar mit der britischen, lag dem Kaiser besonders am Herzen (Reichsmarineamt unter Alfred von Tirpitz, kolonialer "Platz an der Sonne" für das deutsche Reich). Verhandlungen mit Großbritannien scheitern nach kurzen Phasen der (kolonialen) Zusammenarbeit im Jahr 1901, die Besuch des Kaisers in Marokko (1905) oder der verschärfte Wettlauf auf dem Gebiet der Flottenrüstung (ab 1906; Flottengesetze) verschärften noch die außenpolitische Isolation des Kaiserreichs. Dies konnte auch der ab 1900 regierende Reichskanzler Bernhard von Bühlow nicht verhindern, zumal in Fragen des Zusammenhangs zwischen Flottenbau und Zollpolitik ("Zolltarifwahlen" zum Reichstag 1903). Bülow konnte jedoch immer noch auf den "Bülow-Block", einer Parteienkoalition im Reichstag, setzen, bis die Koalition in Fragen der Reichsfinanzen zerbrach und Bülow zurücktrat (1909). Den "schwarz-blauen Block" aus Konservativen und Zentrum wollte der neue Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg danach zu einer Sammlungsbewegung erweitern, während Reformen des preußischen Dreiklassenwahlrechts scheiterten (1910) und die Integration des Reichslands Elsass-Lothringen (Verfassungsreform 1911) wieder in Frage gestellt wurde (1913); weiter stärkten die Reichstagswahlen von 1912 die SPD soweit, dass eine "schwarz-blaue" Mehrheit im Reichstag verloren ging. VI. Ab 1912 befand sich das deutsche Kaiserreich in einer innen- und außenpolitischen Krise; die "stabile Krise" von 1912/14 als Stillstand zwischen den Verfassungsorganen im Kaiserreich bei zunehmender Beteiligung der Sozialdemokraten an der Reichspolitik sollte sich indes zur Krise des Ersten Weltkriegs (1914-1918) ausweiten, angefangen bei der Julikrise von 1914 nach der Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers Ferdinand in Sarajevo. Der deutsche "Blankoscheck" für Österreich-Ungarn und ein "Automatismus der Allianzen" führten in den Krieg, den Deutschland nach der Besetzung Luxemburgs und Belgiens gegen Frankreich, Russland und Großbritannien zu führen hatte mit Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich als Verbündete. Der Reichstag stimmte dabei den notwendigen Kriegskrediten zu, ein "Burgfrieden" bestand zwischen den politischen Parteien. Im von einer britischen Seeblockade eingeschlossenen deutschen Kaiserreich litt die Bevölkerung in den Wintermonaten zunehmend Hunger (Steckrübenwinter 1916/17); die Westfront gegen Frankreich und Großbritannien konnte noch gehalten werden, und russische Revolution (1917) und Frieden von Brest-Litowsk (1918) beendeten den Krieg im Osten. Der uneingeschränkte deutsche U-Bootkrieg führte aber dazu, dass sich die USA gegen Deutschland stellten, ab August 1918 befand sich das deutsche Reich an der Westfront in der Defensive, Befehlsverweigerungen und Streiks häuften sich, die Parteien unter der Führung der SPD forderten das Ende des Krieges und eine Parlamentarisierung und Demokratisierung des deutschen Reiches. Im Herbst 1918 hatten jedenfalls das deutsche Kaisertum und die es tragenden (agrar-) konservativen Eliten jegliche Legitimität in der Bevölkerung verloren, die deutsche Revolution von 1918/19 mit ihren Arbeiter- und Soldatenräten führte indes nicht nur zum vom letzten Reichskanzler Max von Baden initiierten Thronverzicht Wilhelms II., sondern zur Ausrufung der Republik. VII. Über das Fiasko des Ersten Weltkriegs hinweg blieb aber das deutsche Reich als Nationalstaat erhalten, mochten es in den Anfangsjahren der Weimarer Republik (1919/33) auch manche Abspaltungstendenzen gegeben haben. Die Nation wurde nicht in Frage gestellt. Zu verbindend war für die Deutschen die Entwicklung zu einer "säkularisierten demokratisierten industriellen Klassengesellschaft" (politische Mündigkeit) im Kaiserreich gewesen. Aber auch der deutsche Nationalismus besonders des Ersten Weltkriegs (Alldeutscher Verband u.a.) - gepaart mit Rassismus (Hereroaufstand in Deutsch-Südwestafrika 1904 u.a.) und Antisemitismus - rettete sich in die Weimarer Republik und wurde vor dem Hintergrund des den Ersten Weltkrieg beendenden Versailler Vertrags (1919) Grundlage für den Aufstieg von Nationalsozialismus und "Drittem Reich" (1933/45). [Buhlmann, 07.2017]

Nonn, Ulrich (1972), Merowingische Testamente. Studien zum Fortleben einer römischen Urkundenform im Frankenreich, in: AfD 18 (1972), S.1-129, auch als Sonderdruck, DM 15,-. I. Einleitung: "Aufgabe der Untersuchung ist es, Übernahme, Fortleben und Auskligen der römischen Urkundenform 'Testament' im Frankenreich nachzuzeichnen" (S.3). Diese Testamente treten in der Zeitspanne zwischen 533 und 739 auf. II. Das römische Testament: Grundlage des fränkischen Testaments ist das römische, das als Erbeinsetzungstestament in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. entstanden ist (Alleinerben, Adoption, Ausschluss von Erben). Am Ende der römischen Republik waren dann andere Testamentsformen vom soqenannten Libraltestament verdrängt worden, das - dem ius civile entsprechend - strengen Formen gehorchte, die freilich während der Kaiserzeit Wandlungen und Ab schwächungen unterlagen. Neben dieser Art von Testament traten seit Augustus Soldatentestamente und Kodizille (als "minderes Testamente") auf. In der Spätantike kam es unter Einfluss des Vulgarrechts zu weiteren Änderungen, die insbesondere eine Lockerung der strengen Formvorschrifen betrafen (z.B.: eigenhändig geschriebenes Testament). Aufgebaut waren spätrömische Testamente wie folgt: a) Datum- und Ortsangabe, b) Arenga, c) Testamentserklärung mit Nennung des Schreibers, der Zeugen usw., d) Kodizillarklausel, e) Erbeinsetzung, f) Enterbungsklausel, g) evtl. nochmals Datum und Ort, h) Unterschriften, i) Unterschrift des Schreibers, j) Zeugenliste. III. Das fränkische Testament: Die überlieferten Testamente sind: Remigius von Reims (Bischof) (533); Caesarius von Arles (Bischof) (27. März 542); Aridius und seine Mutter Pelagia (572); Bertram von Le Mans (Bischof) (27. März 616); Burgundofara (633/34); Adalgisel-Grimo (Diakon) (634); Hodoindus von Le Mans (Bischof) (6. Februar 645); N.N., Sohn der Idda, Gatte der Chramnethrud (ca.690); Eriminethrud (Ende 7. Jahrhundert); Widerad von Flavigny (Abt) (18. Januar 722); Abbo von Novalese (patricius) (739). Urkundlich und literarisch bezeugte Testamente stammen aus: Königsurkunden, Gregor von Tours, Vita Eparchii, Gesta der Bischöfe Auxerre usw. An Testamenten in den Formelsammmlungen sind nur wenige Testamentsformulare greifbar, etwa das Marculf-Formular, Nr.41 der Formelsammlung aus Angers, Nr.17 der Formulae Turonenses, ergänzt durch westgotische Formeln. IV. Das Formular der fränkischen Testamente: Das Grundformular besteht - grob gesagt - aus: 1. Invocatio, 2. Anfangsdatierung, 3. Intitulatio, 4. Handlungsfähigkeitspassus, 5. Innere Begründung, 6. Testamentserklärung, 7. Angaben über Schreiber, eigene Unterschrift und Zeugen, 8. Kodizillarklausel, 9. Erbeneinsetzung, 10. Enterbungsklausel, 11. Caput generale, 12. Testamentarische Verfügungen, 13. Nuncupatio, 14. Dolus-malus-Klausel, 15. Korrekturvermerk, 16. Actum mit Ortsangabe und zusammenfassender Datierung, 17. Unterschrift/en des Erblassers, der Zeugen, des Schreibers, 18. Nachträge. Als Erweiterungen des Formulars kamen vor: 1. Insinuationsvermerk, 2. Poen, 3. Adiuratio, 4. Stipulationsklausel. Als Ergebnisse ergeben sich: a) eine im Ganzen sehr konstante Reihenfolge der Formeln; b) die Testamentsgruppen: Bertram, Hadoindus von Le Mans - Widerad, Form. Marc. II, 17, Coll. Flav. 8 - Sohn des Idda, Erminethrud. V. Das Verhältnis von Urkunde und Formular am Beispiel des Widerad-Testaments: Verglichen werden das Widerad-Testament und das Formular von Flavigny. Folgende Beziehungen sind dann möglich: x -> Form. Marc. II, 17, Widerad-Testament -> Coll. Flav. 8. VI. Exkurs: Zur Wortgeschichte von testamentum: Im betrachteten Zeitraum - insbesondere im letzten Viertel des 7. Jahrhunderts - hat das Wort "testamentum" eine Bedeutungswandel hin auch zu nichttestamentarischen Schenkungen erfahren (besonders im nordöstlichen Raum des Frankenreichs). VII. Übersicht über die behandelten Testamente und Formulare. [Buhlmann, 06.1988]

Nonn, Ulrich (2010), Die Franken (= Urban Tb 579), Stuttgart 2010, 177 S., € 18,80. Nachvollzogen wird - unter ausgiebiger Benutzung der römisch-antiken Geschichtsquellen (erstes Auftreten des Frankennamens 291) - die fränkische Frühzeit von der Ethnogenese des fränkischen Stammesverbandes aus Chamaven, Brukterern, Chattuariern, Amsivariern, Saliern u.a. im 3. und 4. Jahrhundert über das Mit- und Gegeneinander von Römern und Franken am Niederrhein und in Gallien im 4. und 5. Jahrhundert bis zum salfränkischen Königtum Childerichs (461-482), des Vaters von Chlodwig (482-511), dem Begründer des merowingischen Frankenreichs. Neben den ereignisgeschichtlichen Entwicklungen finden aus der Archäologie gewonnene Erkenntnisse Eingang in die Schilderung von Lebensweise und Alltag der germanischen Stammesgruppe (Gräber und Siedlungen, Landwirtschaft, Alltagskultur). Der Schluss setzt sich mit dem frühmittelalterlichen Trojamythos (Franken als Trojaner, Xanten) auseinander. Eine Zeittafel, ein auf die zitierten Quellen bezogener Anmerkungsapparat und ein ausführliches Literaturverzeichnis ergänzen die gelungene Übersicht zur fränkischen Frühgeschichte vor dem Merowingerreich König Chlodwigs. [Buhlmann, 03.2011]

Nordrheinisches Klosterbuch. Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815 (= Studien zur Kölner Kirchengeschichte, Bd.37), hg. v. Manfred Groten, Georg Mölich, Gisela Muschiol, Joachim Oepen, Redaktion: Wolfgang Rosen: Tl.1 (2009): Aachen bis Düren, Siegburg 2009, Tl.2 (2013): Düsseldorf bis Kleve, Siegburg 2013 > K Klosterbücher

Norman, David (2005), Dinosaurier (= RUB 18694), Stuttgart 2011, Schwarzweißabbildungen, Karten, 238 S., € 6,60. I. Nicht nur die Menschheit eine Geschichte, sondern u.a. auch die Tierwelt auf dem Planeten Erde, wenn auch letztere in den geologischen Zeiträumen der Paläontologie. Deren Beschäfigung mit den Arten und Gattungen der Dinoaurier des Erdmittelalters (Mesozoikum: Trias, Jura, Perm) heißt Dinosaurierforschung und umfasst Suche und Auswertung von (versteinerten) Fossilien. Für die Entwicklung der Dinosaurierforschung seit dem 19. Jahrhundert waren die Entdeckung spezieller Dinosaurier (Iguanodon, Deinonychus, [Archaeopteryx]) und deren Auswertung durch bedeutende Forscher (Richard Owen [†1892], Louis Dollo [†1931], John Ostrom [†2005], David Norman) wichtig. Heute stellt sich die Dinosaurierforschung dar als eine differenzierte Wissenschaft mit den Hilfswissenschaften Ichnologie und Koprolithforschung sowie mit wissenschaftlichen Verfahren (Kladogramme, Isotope, Scanning). II. Als Ergebnisse der Dinosaurierforschung können dann gelten: Vor dem Hintergrund des geologischen Zerfalls des irdischen Einheitskontinents Pangaea im Mesozoikum traten in der Mitteltrias (vor 234 Millionen Jahren) erste Dinosaurierarten auf; gemeinsam war den Dinosauriern, dass sie als aufrecht stehende Reptilien begriffen werden können. Zwei Hauptgruppen bildeten sich in der Folgezeit (Obertrias, vor 220 Millionen Jahren) heraus: Saurischier (Echsenbeckensaurier) und Ornithischier (Vogelbeckensaurier). Die Saurischier gliederten sich in Sauropodomorphen (pflanzenfressende Tiere mit großem Rumpf, langem Hals, langem Schwanz, sich fortbewegend auf vier Beinen: Diplodocua, Brachiosuriden, Titanosaurier) und Theropoden (fleischfressende Tiere mit kräftigem Schwanz, sich fortbewegend auf zwei Beinen: Deinonychus, Gigantosuarus, Allosaurus, Baryonyx, Spinosaurus, Tyrannosaurus), die (pflanzenfressenden) Ornithischier in Thyreophoren (vierfüssige Tiere mit Knochenschuppen: Stegosaurus, Euoplocephalus), Cerapoden (als Zweifüßer: Hypsilophodon, Iguanodon und Iguanodonten, Marginocephalier) und Ceratopier (mit Horn und Kragenknochen: Protoceratops, Triceratops). Die Vielfalt der rund 900 bis jetzt aufgefundenen Dinosaurierarten erklärt sich aus einer weiter größeren Artenvielfalt während des für die Dinosaurier klimatisch günstigen (warmen) Erdmittelalters bei einer weiten evolutionär-geografischen Ausdifferenzierung dieser Tierpopulation (Verbreitung von Dinosaurierarten und geologisch-tektonische Prozesse). Infolge der Kontinentaltrennung und -verschiebung im späten Jura (vor 150 Millionen Jahren) entwickelten sich z.B. Iguanodonten und Hadrosaurier aus einer gemeinsamen Vorfahrengruppe von Dinosauriern. Die Ausdifferenzierung beinhaltete auch, dass es wohl wechselwarme und warmblütige Dinosaurierarten gegeben hat. Auch die Abstammung der Vögel von den Dinosauriern ist möglich, wenn die Entwicklung von kleinen Theropoden (Compsognathus) über die Dromaeosaurier hauptsächlich seit dem mittleren Jura (Sinosauropteryx, Protoarchaeopteryx; Befederung von Saurierarten) zum "Urvogel" Archaeopteryx greift. Das Aussterben vieler Tierarten - u.a. der Dinosaurier - im Übergang vom Zeitalter der Kreide zu dem des Tertiär (KT-Grenze; vor 65 Millionen Jahren) ist mit Unklarheiten behaftet (klimatischer Wandel hin zu jahreszeitlichen Änderungen?, Meteoreinschlag/-einschläge auf der Erde?). [Buhlmann, 04.2017]

Normannen und deren mittelalterliche Herrschaftsbildungen: Die Normannen als mittelalterliche Bewohner der Normandie enstanden - in einer Phase der Wikingereinfälle ins Franken- bzw. Westfrankenreich (ab 810) - durch Ansiedlung von Wikingern an der unteren Seine und der vom Westfrankenherrscher Karl III. den Einfältigen (898-923) anerkannten Herrschaftsbildung des "Normannen" Rollo (†927/30) (ca.876, 911 [angeblicher? Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte]). Im 10. Jahrhundert entwickelte sich die Grafschaft, Markgrafschaft und das Herzogtum Normandie unter den Nachkommen Rollos als Herrschaftsträgern und damit einhergehend bei normannischer Siedlung und Integration, bei Christianisierung und Herrschaftsstabilisierung. Für Herzog Wilhelm II. den Eroberer (1035-1087) erwies sich die Normandie als Sprungbrett für die Eroberung des angelsächischen England (Schlacht bei Hastings 1066), im 12. Jahrhundert war die Normandie Teil des anglo-normannischen Reichs der Plantagenet Heinrich II. (1149-1189) und Richard I. Löwenherz (1189-1199), 1204 ging das Herzogtum an den König von Frankreich verloren. In England integrierte sich die normannische Oberschicht schnell (innerhalb von vier Generation) in das angelsächsische Umfeld. Die Normandie war auch Ausgangspunkt für (misslungene und erfolgreiche) normannische Staatenbildungen im Mittelmeerraum. Zu nennen sind diesbezüglich die Normannen, die ab der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert in Süditalien als Pilger, Söldner und Einwanderer in Erscheinung traten und die zwischen römisch-deutschem Reich, byzantinischem Reich, Papsttum und langobardischen Herzogtümern zunächst Melfi, dann Apulien und Sizilien (normannische Eroberung Siziliens 1061/91 durch Roger I. [1061-1101]) ihrer Herrschaft unterwarfen. Roger II. (1101-1154) herrschte als König (1130) über Unteritalien und Sizilen, das normannische Königreich Sizilien fand mit der Eroberung durch den deutschen Kaiser Heinrich VI. (1190-1197) sein Ende (1194). Von Süditalien aus richteten sich normannische Angriffe auf das benachbarte byzantinische Reich (Einnahme von Dyrrhachion durch Robert Guiscard [1059-1085] 1081/82 und byzantinischer Sieg 1085), Normannen standen schon länger im Sold der byzantinischen Kaiser (Hervé [1038/40], Robert Crispin [1068/73], Roussel von Bailleul [1063/78] und dessen anatolische Herrschaft [1071/74]). Bohemund (†1111), dem Sohn des apulisch-kalabrischen Herzogs Robert Guiscard, gelang schließlich beim 1. Kreuzzug (1096-1099) die Bildung des Fürstentums und Kreuzfahrerstaats Antiochia (1098) unter seiner Herrschaft; er scheiterte jedoch gegen Byzanz (Belagerung Dyrrhachions 1107/08 und Vertrag von Devol 1108). Das Fürstentum Antiochia, dessen normannische Oberschicht in der "Schlacht auf dem Blutfeld" (1119) stark dezimiert wurde, sollte bis zum Jahr 1268 bestehen bleiben. Schließlich ist noch die ephimere Herrschaftsbildung des Normannen Robert Burdet (1129-1155) und seines Sohnes Wilhelm (1153/55-1177) im spanischen Tarragona (1129-1149/53/77) zu nennen.
Zur Geschichte der Normannen s. die Überblicke: Houben, Hubert (2012), Die Normannen (= BSR 2755), München 2012, 5 Karten, 4 Stammtafeln, 128 S., € 8,95; Plassmann, Alheydis (2008), Die Normannen. Erobern - Herrschen - Integrieren (= Urban Tb 616), Stuttgart 2008, 366 S., € 18,80. [Buhlmann, 09.2008, 01.2013]

North, Michael (1997), Geschichte der Niederlande (= BSR 2078), München 42013, 140 S., Karten, Zeittafel, € 8,95. Gegen Ausgang des Mittelalters war das Gebiet der heutigen Niederlande bzw. des heutigen Belgien war weitgehend eingebunden in den Herrschaftsbereich der burgundischen Herzöge Philipp des Guten (1419-1467) und Karl des Kühnen (1467-1477). Der flandrische Raum war gegenüber Holland der wirtschaftlich stärkere (Textilien, Handel; Großstädte Antwerpen, Brügge, Brüssel, Gent), doch bildete sich auch im Holland des 15. Jahrhunderts zunehmend eine Städtelandschaft aus (Tuche, Bier, Fischfang, Frachtschifffahrt [Ostsee]). Städtisches Autonomiestreben und fürstlicher Herrschaftsanspruch kollidierten aber des Öfteren (Brügger Aufstand [1436/38], Genter Aufstand [1453]), während höfische und städtische Kultur am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit eine Symbiose eingingen (flämische Malerei [Rogier van der Weyden, Robert Campin, Jan van Eyck], Teppichweberei, Musik im "flämischen Stil"). Nach dem Untergang Karls des Kühnen (Schlacht bei Nancy 1477) gelangte das burgundische Herrschaftsgebiet weitgehend an die Habsburger; Herrschaftsschwerpunkt Philipps des Schönen (1482/94-1506) und Karls (V., 1515/19-1556) war dabei der holländisch-flandrische Raum (Genter Kapitulation 1498, 17 niederländische Provinzen [Tournai 1521, Friesland 1524, Utrecht 1528, Groningen 1536, Geldern/Zutphen 1543]). Im Zeitalter von Humanismus und Reformation (devotio moderna, Erasmus von Rotterdam [*1469-†1536], Ketzerverfolgung, Calvinismus und Confessio Belgica [1561]) expandierten die Niederlande ökonomisch (Aufstieg Antwerpens 1495/1525, Schiffbau, Intensivierung von Landwirtschaft, Spezialisierung des Handwerks). Der Aufstand der Niederlande gegen die habsburgisch-spanische Herrschaft unter König Philipp II. (1555-1598) führten zu "Genter Pazifikation" (1576) und "Ewigem Edikt" (1577), zur Niederlage von Gembloux (1578) und zur Spaltung der 17 Provinzen in einen wallonischen (Union von Arras 1579) und einen nördlichen Teil (Unionsvertrag von Utrecht 1579). Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts hatte sich das Territorium der Niederländischen Republik - entstanden aus politischen, sozialen und religiösen Gründen (Freiheit der Stände, Aufstieg der städtischen Mittelklasse, Calvinismus) - ausgebildet. Territorium und Republik der Vereinigten Niederlande wurden dann im Westfälischen Frieden (1648) ausdrücklich anerkannt. Das "Goldene Zeitalter" der Niederlande im 17. Jahrhundert fußte auf einer föderalen Verfassung, in der die aristokratisch-bürgerlich geprägten Generalstände als Gesamtstaatsorgan eine wichtige Rolle spielten, ebenso die Ämter des Statthalters und des Ratspensionärs in Krieg und Frieden (Konflikte um das Statthalteramt der Oranier). Die Niederlande behaupteten sich politisch als Großmacht im Ersten Englisch-Niederländischen Krieg (1652-1654; Navigation Act 1651) sowie im Zweiten Englisch-Niederländischen Krieg (1665-1667; Frieden von Breda 1667), dem der Dritte Englisch-Niederländische Krieg (1672-1674) folgte und eine Eheverbindung zwischen dem niederländischen Statthalter Wilhelm III. von Oranien (1672-1702) und Maria Stuart (†1694), einer Nichte des englischen Königs Karl II. (1660-1685); die Ehe eröffnete den Oraniern den Weg zum englischen Königsthron (Glorious Revolution 1688). Die Niederlande wurden ebenfalls zu einer Drehscheibe des Welthandels (Landwirtschaft, Fischerei, Textilherstellung, Schiffsbau, Schifffahrt, Dienstleistung [Banken, Finanzen, Edelmetallhandel], Westindien-, Afrikahandel [Verenigde Ooost-Indische Compagnie 1602, West-Indische Compagnie 1621]). Die niederländische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts prägten einer hoher Grad der Urbanisierung, soziale Einrichtungen, Kunst und Kultur (niederländische Malerei [Esaias van de Velde, Jan Porcellis, Pieter de Molijn, Johannes Vermeer], Literatur, Gelehrsamkeit und Philosophie [Hugo Grotius, Christian Huygens]). Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) verloren die Niederlande ihre Rolle als Großmacht, Folge war eine strikte Neutralitätspolitik u.a. im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-1748; französische Besetzung der Niederlande 1747, Erbstatthalterschaft Wilhelms IV. von Oranien [1748-1751]) und im Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Der Vierte Englisch-Niederländische Krieg (1780-1784) endete mit einer Niederlage; dem entsprach eine wirtschaftliche Stagnation im 18. Jahrhundert. Im Zeitalter der Französischen Revolution (1789) entstand (nach dem Ende der österreichischen Niederlande 1794) die Batavische Republik (1795), dann ein französisches Königreich (1810). Mit dem Untergang Napoleons (1813/15) übernahm Wilhelm I. von Oranien (1815-1840) als König die Macht über die nördlichen und südlichen (ehemals habsburgischen) Niederlande, bis sich der Süden im Revolutionsjahr 1830 als Belgien vom Norden abspaltete. Das niederländische Königreich stellte sich ab dem Revolutionsjahr 1848 als parlamentarische Monarchie dar (Zweikammersystem, Grundrechte, Bildung, politische Organisationen [Arbeiterschaft], entstehendes Parteiensystem und gesellschaftliche "Versäulung"). Wirtschaftlich entwickelten sich die Niederlande im 19. Jahrhundert von einer Handels- zu einer Industrienation, wobei die Industrialisierung (Kanäle, Eisenbahn, Infrastruktur) erst spät verspätet einsetzte; hingegen gelang nach der Verstaatlichung der Verenigden Ooost-Indischen Compagnie (1798) der Aufbau einer zeitweise (1850/60er-Jahre) wirtschaftlich einträglichen Kolonialherrschaft in Niederländisch-Indien (Sumatra, Bali, Borneo, Celebes; Cultuurstelsel, privates Unternehmertum, Herrschaftsintensivierung). Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) waren die Niederlande neutral, die Einführung von Verhältnis- (1917) und Frauenwahlrecht (1919) schuf eine parlamentarische Parteiendemokratie. Negative ökonomische Auswirkungen hatte die Weltwirtschaftskrise (ab 1929). Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurden die Niederlande von deutschen Truppen besetzt (1940), während Niederländisch-Indien von den Japanern erobert wurde (1942). Die alliierte Befreiung der Niederlande (1944/45) und das Ende des Krieges (1945) führten zur Aufgabe der niederländischen Neutralität bei europäischer Integration (Benelux-Zollunion 1948, Beitritt zum Nordatlantikpakt NATO 1949, Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG 1957). Parallel dazu verlor die Niederlande im Rahmen eines zum Teil schmerzhaften Dekolonisationsprozesses ihre Kolonien (Unabhängigkeit Indonesiens 1949, Unabhängigkeit Surinams 1975). Im Auf und Ab der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts (Vereinbarung von Wasssenaar 1982, Vertrag von Maastricht 1992, Globalisierung und Weltwirtschaft) wirkt(e) das oranische Königshaus für die Niederlande stabilisierend (Königinnen Juliana [1948-1980], Beatrix [1980-2013]). Vgl. Lademacher, Horst (1983), Geschichte der Niederlande. Politik, Verfassung, Wirtschaft, Darmstadt 1983, 580 S., Schwarzweißtafeln, Zeittafel, DM 20,-. [Buhlmann, 12.2014, 12.2017]

Nottarp, Hermann (1916), Das Ludgersche Eigenkloster Werden im 9. Jahrhundert, in: HJb 37 (1916), S.80-98 > W Werden

Nunn, Astrid (2012), Der Alte Orient. Geschichte und Archäologie, Darmstadt 2012, 208 S., Farbabbildungen, Karte, Pläne, Zeittafel, € 24,95. I. Alter Orient meint hauptsächlich Mesopotamien und den anschließenden sysrischen Raum, erforscht durch jüdische Reisende (Benjamin von Tudela, Petachiah von Regensburg [12. Jahrhundert]), durch frühneuzeitliche und neuzeitliche Forscher (Pietro della Valle [17. Jahrhundert], Carsten Niebuhr [18. Jahrhundert]), durch moderne Ausgräber und Archäologen (Robert Koldewey, Walter Andrae, Leonard Wolley), durch die Entzifferung von Keil- und Alphabetschrift (Friedrich Grotefend, Henry Creswicke Rawlinson; Sumerer und Semiten; Sumerisch, Akkadisch, Babylonisch, Assyrisch), durch die chronologische Einordnung altorientalischer Geschichte (Lange, Mittlere, Kurze Chronologie; Berossos, Babylonica). Altorientalistik ist heute die Wissenschaft von Kultur und Geschichte des Alten Orients. II. Homo erectus- und Funde von Neandertalern kennzeichnen die Altsteinzeit im Alten Orient, Sesshaftwerdung und "neolithische Revolution" den Übergang zur akeramischen und keramischen Jungsteinzeit (Kebarisch [18000-12000 v.Chr.], Natufien/Zarzisch [12000-10200], Miéfatien/Nemrikien [10200-7000], Proto-Hassuna [7000-6500]). Dörfer (und Häuser), organisierte Dörfer stehen am Ende des keramischen Neolithikums und lassen gesellschaftlich, wirtschaftliche und religiöse Strukturen (chiefdom, big man, altorientalische Religionen) (Hassuna [6500-6000] und Halaf [6000-5300], Obeid [6500-4300]), Samarra [6200-5700]). In der Uruk- und Gaurazeit (4300-3100 v.Chr.) begann der Übergang zu hochorganisierten städtischen Gemeinwesen (Adab, Eridu, Nippur, Ur, Uruk; Herrschaft, Verwaltung und Hierarchisierung [en, Erfindung der Schrift], Großbauten [Tempel, Stadtmauer]). Die Krise der Späturukzeit mündete ein in die Djemdet Nasr- (3100-2900 v.Chr.) und frühdynastische Zeit (2900-2340 v.Chr.); die Städte des südlichen Mesopotamien mit ihren umgebenden Territorien (sumerische Stadtstaaten) regierten Königsdynastien (lugal, en, ensi), bedeutende Könige waren Mesilim von Kisch, Eanatum von Lagasch und Lugalzagesi von Umma/Uruk, der das "Land Sumer" wohl weitgehend unter seiner Herrschaft vereinigte. Auf Lugalzagesi folgte die mesopotamische Herrschaft Sargons unter Einbeziehung der sumerischen Stadtstaaten und die semitische zentralisierende Staatenbildung der Akkadzeit (2340-2172/66 v.Chr.), die unter König Naramsin ihren politisch-militärischen Höhepunkt erreichte. Das Ende Akkadzeit markierte die Herrschaft der Gutäer (2210-2110 v.Chr.), die wiederum durch Utuhengal von Uruk beendet wurde; es beginnt die Ur III-Zeit (2110-2003 v.Chr.) unter den Herrschern Urnammu, Schulgi, Amarsin, Schusin und Ibbisin sowie in Lagasch u.a. unter Gudea. Die Einnahme und Zerstörung Urs durch Elamiter leitete dann zur Isin- (Ischbi-Erra; 2019-1933 v.Chr.), Larsa- (1933-1763 v.Chr.) und altbabylonischen Zeit (1792-1595 v.Chr.) über. Bedeutendster König dieser Epochen war Hammurabi von Babylon (Gesetzeskodex); die altbabylonische Zeit endete mit der Eroberung Babylons durch die Hethiter (1595 v.Chr.). In der nachfolgenden mittelbabylonischen Kassitenzeit (1580-1155 v.Chr.) war Mesopotamien (Babylonien, Assyrien) Teil eines komplexen Staatensystems von Ägypten über Mittani bis zum Hethiterreich. Mittelassyrische (1400-1000 v.Chr.) und Isin II-Zeit (1157-1026 v.Chr.) stehen für den Aufstieg Assyriens unter den Königen Assuruballit, Salmanassar I. oder Tukultininurta I. bzw. für das Königtum in Isin u.a. des Nebukadnezar I. Das 1. Jahrtausend v.Chr. sah dann in der neuassyrischen Zeit (1000-609 v.Chr.) den Aufstieg Assyriens zum Großreich vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer und nach Ägypten (Eroberungen der Könige Salmanassar III., Tiglatpilesar III., Sanherib, Sargon II., Assurbanipal; Kontrolle Babylons, Verwaltungsorganisation des Reiches). Das neuassyrische Reich ging unter im Krieg gegen das neubabylonische Reich (626-539 v.Chr.) und die Meder (612/09 v.Chr.). Die neubabylonische Dynastie u.a. unter Nebukadnezar II. steht für die spätbabylonische Zeit (Stadt Babylon mit Tempeln, Zikkurat, Euphratbrücke, Stadtmauer), die mit der Einnahme Babylons durch den Perserkönig Kyros II. ihr Ende fand (539 v.Chr.). Fortan war Mesopotamien eine Provinz im persischen Großreich (Achämenidenzeit [539-331]). Kulturelle Äußerungen des Alten Orients finden sich indes noch in Hellenismus und den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. III. Gesellschaftlich war die Kultur des Alten Orients überwiegend von den Städten als Verwaltungs-, Herrschafts- und Handelsmittelpunkten geprägt (Stadtgründung, Stadtplanung, Stadtaufbau [Gebäude, Straßen, Plätze, Gärten], Architektur [Tempel, Paläste, Wohnhäuser]). Eine wichtige Rolle spielten zudem Religion (Götter, Glaube, religiöse Praxis), Arbeit und Lebensunterhalt (Schreiber [Beamte], Handwerk, Landwirtschaft, Kriegswesen), Wissenschaft (Astrologie, Archive, Bibliotheken) und Kunst (Plastik, Flachkunst [Orthostaten, Stelen, Felsreliefs, "Standarte von Ur"], Bilder), Alltag und Lebensbewältigung (Mentalitäten). [Buhlmann, 02.2015]

NuS = Norm und Struktur. Studien zum sozialen Wandel in Mittelalter und früher Neuzeit

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