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Rezensionen (Geschichte)
U

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Ubl, Karl (1999), Zur Entstehung der Fürstenspiegel Engelberts von Admont (†1331), in: DA 55 (1999), S.499-548, Schwarzweißabbildungen der lateinischen Texte, Sonderdruck. Engelbert von Admont (†1331) war ein "scholastischer Philosoph" und Admonter Mönch, der nach Studium und Aufenthalt in Prag (1271-1276) und Padua (1276-1285) und nochmaligem Aufenthalt in Admont (1285-1286/87) Abt des Klosters St. Peter in Salzburg (1287-1297) wurde und schließlich Klosterleiter von Admont (1297-1327) war. Die Entstehung von Engelberts erster Fürstenspiegelschrift De regimine principum ist auf das 1. Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts zu datieren, die eines im Admonter Codex 608 (n.1295) überlieferten Kompendiums zu Ciceros Schrift De officiis in das Jahrzehnt des Salzburger Abbatiats. Daneben verwendete Engelbert für seinen ersten Fürstenspiegel die Summa theologiae des Thomas von Aquin und den Fürstenspiegel De regimine principum des Aegidius Romanus. Engelberts zweiter Fürstenspiegel, der Speculum virtutum, ist nur unwesenstlich später nach dem ersten entstanden (ca.1310). > Lateinische Literatur > E Engelbert von Admont [Buhlmann, 09.2016]

Ubl, Karl (2003), Republicanismo y platonismo en la Monarchia de Dante, in: P&M XXIV (2003), S.39-56. Dantes philosophische Schrift Monarchia zeichnet sich weniger durch "republikanisches" Gedankengut als durch eine hierarchische Sicht auf mittelalterliche Politik aus (Rolle des Philosophenkönigs, Ethik und Politik, "meritokratische Führerschaft", Freiheit). Dantes politische Lehre gründet somit auf antik-platonischem (hingegen nicht-elitärem) Gedankengut, ohne dass der Dichter die politischen Dialoge Platons gekannt hätte. [Buhlmann, 09.2014]

Ubl, Karl (2006), Die Rechte des Kaisers in der Theorie deutscher Gelehrter des 14. Jahrhunderts (Engelbert von Admont, Lupold von Bebenburg, Konrad von Megenburg), in: Märtl, Claudia, Drossbach, Gisela, Kintzinger, Martin (Hg.), Konrad von Megenburg (1309-1374) und sein Werk. Das Wissen der Zeit (= ZBLG Beih. B 31), München 2006, S.353-387. Die spätermittelalterliche "Reichstheorie" über die politische Stellung von römisch-deutschem Reich und Kaiser in der Welt schwankte zwischen universalem Anspruch des Kaisertums und Anerkennung "nationalstaatlicher Praxis", was insbesondere die westeuropäischen Königreiche betraf (England, Frankreich, Spanien). "Übernationale Rechte" des Kaisers wie politischer Vorrang oder die kaiserliche Schutzherrschaft über die Kirche standen der z.B. auf Aristoteles gründenden Eigenständigkeit der "Nationalstaaten" gegenüber (Dekretale Per venerabilem Papst Innozenz' III., Ausscheiden Spaniens aus dem Rechtsverband des römischen Reichs der Spätantike u.a.). An der "Reichstheorie" interessierte deutsche Rechtsgelehrte gaben daher je unterschiedliche Antworten auf die Frage zum Verhältnis von Kaisertum zu "nationalem Königreich". Engelbert von Admont (†1331) äußerte sich vor dem Hintergrund des Weltherrschaftsanspruchs Kaiser Heinrichs VII. (1308-1313) unentschiden, indem er grunfsätzlich die kaiserliche Weltherrschaft anerkannte, den "Nationalstaaten" allerdings die Möglichkeit der Exemtion von dieser Weltherrschaft durch kaiserliche Privilegierung einräumte (kaiserliches Naturrecht -> natürliche Gerechtigkeit; De ortu et fine Romani imperii, De regimine principum). Lupold von Bebenburg (†1363) hebt bei Anerkennung legitimer Herrschaft in den europäischen Königreichen ab auf die kaiserlichen Reservatrechte und auf außerordentliche Eingriffsrechte des Kaisers in die Belange der "Nationalstaaten" im Sinne einer kaiserlichen Oberhoheit über die gewohnheitsmäßige Ausübung von Herrschaft durch die entsprechenden Könige (Tractatus de iuribus regni et imperii Romanorum). Konrad von Megenberg (†1374) betont die Schutzherrschaft des Kaisers über die Kirche und die kaiserliche Weltherrschaft im Sinne einer Oberherrschaft (Planctus ecclesie in Germaniam, De translacione Romani imperii) und bezieht sich damit auf Lupold von Bebenburg, wobei er die Entstehung von Recht aus Gewohnheit kritisch sieht und stattdessen der Exemtion von der kaiserlichen Gerichtsbarkeit den Vorzug gibt (merum et mixtum imperium). [Buhlmann, 03.2018]

Ubl, Karl (2014), Die Karolinger. Herrscher und Reich (= BSR 2828), München 2014 > K Karolinger

Überblicke zur Geschichte fassen geschichtliche Entwicklungen kurz und aufs Wesentliche bezogen zusammen. U.a. können diesbezüglich genannt werden: Goerlitz, E[rich] (Bearb.) (1970), Taschenhandbuch zur Geschichte (= Zeiten und Menschen), Paderborn 1970, 229 S., Tl.I: Geschichte im Überblick, Tl.II: Grundbegriffe zur Geschichte, DM N.N.; Kunze, Karl, Wolff, Karl ([1964]), Das historische Grundwissen, Stuttgart o.J. [1964], 77 Doppel-S., DM 4,90; Kunze, Karl, Wolff, Karl (1970), Grundwissen Geschichte, Stuttgart 21973, 79 Doppel-S., Zeittafel, DM N.N. [Buhlmann, 10.2019]

Überlingen, Stadt am Bodensee: I. Die alemannische Siedlung Überlingen scheint erstmals in der Überlieferung des Klosters St. Gallen auf, die den Ort mit dem Alemannenherzog Gunzo in Verbindung bringt (7. Jahrhundert, Anfang). Urkundlich erwähnt wird Überlingen als villa publica in einer St. Galler Schenkungsurkunde zum Jahr 770. Im hohen Mittelalter befand sich Überlingen in der Verfügung der Grafen von Pfullendorf und gelangte nach dem Aussterben der Pfullendorfer an den Stauferherrscher Friedrich I. Barbarossa (1152-1190). Spätestens 1211 war der mit Marktrecht begabte wichtige Handelsort Stadt (Ausstrahlung des Überlinger Stadtrechts, Reichssteuerverzeichnis von 1241). Nach dem Aussterben der Staufer entwickelte sich Überlingen zur Reichsstadt, ein Stadtbrand (1279) schädigte den Ort schwer. Der Erwerb von Ammannamt (1383), Münze (1415) und Zoll (1420) befestigte die unabhängige Stellung Überlingens als Reichsstadt (Beteiligung an Reichstagen). Das Stadtregiment übten zunächst patrizische Familien, später auch zusammen mit Handwerkerzünften aus. Der Reichsstadt gelang der Erwerb eines größeren Territoriums im westlichen Linzgau (Hochgerichtsbarkeit im Territorium 1779). Das Überlinger Heilig-Geist-Spital geht bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, die Anfänge einer bedeutenden Lateinschule reichen ebenfalls ins 13. Jahrhundert zurück. Ein Franziskanerkloster bestand am Ort seit 1259. II. Die Reformation fand in Überlingen keinen Anklang, die Stadt blieb in der Folge katholisch und widerstand im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) einer zweimaligen Belagerung durch Schweden und Württemberger (1632, 1634), um schließlich doch von französischen Truppen geplündert zu werden (1643). Der damals einsetzende wirtschaftliche und politische Niedergang Überlingens bei massiven Einbußen am Territorium hielt bis zum Übergang der Stadt ins spätere Großherzogtum Baden an (Reichsdeputationshauptschluss 1803). Überlingen nahm im 19. und 20. Jahrhundert an den damaligen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen teil (Baden, Deutscher Bund, Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik Deutschland, Eingemeindungen 1971/75; Eisenbahnbau, Mineralquellen, Tourismus; Bevölkerung, Schulwesen, Protestanten im katholischen Überlingen).
Zu Überlingen s.: Kuczkay, Dorothee, Brummer, Guntram, Adler, Susanne, Braus, Johannes u.a. (1989), Überlingen. Schlüssel zum Bodensee, Heidelberg 1989, 96 S., Farbtafeln, DM N.N. [Buhlmann, 03.2018]

Ueding, Leo (1935), Geschichte der Klostergründungen der frühen Merowingerzeit (= HS 261), Berlin 1935, VII, 288 S., DM 28,-. Untersucht werden die Klostergründungen im merowingischen Frankenreich hauptsächlich des 6. Jahrhunderts: Gründungen von Eremiten und Coenobiten (Martius von Clermont, Eusicius [Selles-sur-Cher], Hospitius [Nizza], Eparchius von Angoulême, Patroklus [Mediocantus, v.558], Aemilianus und Brachio, Senoch [Saint-Senoch], Monegunde [Tours], Severus von Agde, Ebrulf [Saint-Evroult], Launomar [Bellomarus, Courbion]); Stiftungen der Bischöfe (Caesarius von Arles [St. Césaire, 512/24; Caesariusregel], Aurelian von Arles [St. Maria, St. Peter, ca.546/49], St. Peter in Lyon, St. Eulalia und St. Georg in Lyon, Eparchius von Clermont [Chantoing, v.472], Ferreolus von Uzès [Ferreolac, v.581], Bertram von Le Mans [St. Germain, St. Pierre de la Couture, 616], Cyrillus von Trier [St. Eucharius, 5.Jh.], Domnulus von Le Mans [St. Vincent]); Klöster im Umfeld bischöflicher Herrschaft; Gründungen der Könige und Königinnen (Sigismund von Burgund [Agaunum, 515?], Childebert I. [St. Germain-des-Pres?], Guntramn [St. Marcellus in Chalon-sur-Saône], Caratene [St. Michel in Lyon], Theudechilde [Le-Vif in Sens, v.ca.598], Radegunde [Poitiers], Brunichilde [St. Andoche, St. Maria in Autun], Dagobert I. [St. Denis?]); Stiftungen von Eigenklöstern (Licinius [Angers], Ingytrudis [St. Maria in Tours], Aridius [St. Yrieix], Ansemundus und Ansleubana [St. Peter in Vienne], Remila [St. Andreas in Vienne], Sequanus [St. Seine?]). [Buhlmann, 03.2013]

Uh

Uhland, Robert (1953), Geschichte der Hohen Karlsschule in Stuttgart (= DWG 37), Stuttgart 1953, XII, 372 S., Schwarzweißtafeln, Pläne, DM 18,-. Der württembergische Herzog Karl Eugen (1737-1793) gründete - Ausfluss von fürstlichem Absolutismus und Aufklärung - im Jahr 1770 beim Lustschloss Solitude die Karlsschule als (Kunst-) Akademie, Militär- und Beamtenschule u.a. zur Ausbildung des Nachwuchses für den Staats- und Militärdienst. Die Karlsschule besuchte u.a. Friedrich Schiller. Den Jahren des Aufbaus (1770/73) folgten die der Reform (1773/75), dann der Umzug nach Stuttgart, wo die Karlsschule in einer Kaserne beim Neuen Schloss unterkam (1775). In der Militärakademie (Karlsakademie) wurde der Unterricht in den Fächern Medizin, Krankenpflege, Jura, Kameralistik und Kunst weiter ausgebaut. 1781 erhielt die Schule durch Kaiser Joseph II. (1765-1790) den Status einer Universität (kaiserliches Erhöhungsdiplom). Die (somit) Hohe Karlsschule bestand noch bis zum Jahr 1794, als sie von Karl Eugens Nachfolger, Herzog Ludwig Eugen (1793-1795), wohl weniger wegen der Kosten als auf Grund des inneren Widerspruchs zwischen Militärakademie und Universität aufgelöst wurde. [Buhlmann, 08.2018]

Uhland, Robert (Hg.) (1984), 900 Jahre Haus Württemberg. Leben und Leistung für Land und Volk, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1984 > W Württemberg

Uhlirz, Mathilde (1957), Untersuchungen über Inhalt und Datierung der Briefe Gerberts von Aurillac, Papst Sylvesters II. (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd.2), Göttingen 1957 > G Gerbert von Aurillac

Uhlirz, Mathilde (1957), Zu dem Mitkaisertum der Ottonen. Theophanu coimperatix, in: BZ 50 (1957), S.383-389 > T Theophanu

Uhren als Zeitmessinstrumente: Zeit in menschlichen Gesellschaften war von Anfang an mit Zeitmessung verbunden. Die Drehung der Erde um sich selbst (Tag-Nacht-Rhythmus) und um die Sonne (Jahr), die Drehung des Mondes um die Erde (Monat) waren und sind dabei astronomische Zeitmarken, die menschliche Technik ab- und nachzubilden versuchte. Ein technisches Mittel der Zeitmessung war und ist die Uhr, zunächst als Sonnen-, Wasser-, Sand- und Feueruhren, dann - nach der Erfindung der Räderuhr im späten Mittelalter (ca.1300 [Italien, England]) - die mechanischen Uhren (mit den Bauteilen: Antrieb [Aufzugsvorrichtung], Räderwerk, Anzeige, Hemmung [Spindel, Anker], Gangregler [Pendel, Unruhe], Schlagwerk). Erste Räder-, Kirchturm- und astronomische Monumentaluhren stammen aus dem 14. Jahrhundert (Sraßburger Münsteruhr 1353; "öffentliche Zeit"), es folgten gotische Stuhluhren und Wanduhren (Gotik: 14. Jahrhundert-ca.1640), Tisch- und tragbare Uhren im Renaissancestil (Renaissance: 15./16. Jahrhundert), Hals- und Sackuhren (Uhren in Eiform, 16./17. Jahrhundert). Ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert konnte das Konzept der Räderuhr - gerade was die Ganggenauigkeit betraf - mit Pendel und Feder weiter ausgebaut werden; es entstanden bis zum 19. Jahrhundert Stutzuhren und Pendulen, Wanduhren und Bodenstandsuhren, Taschenuhren ("Zwiebeln", Karossen-, Satteluhren u.a.); an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kamen auch Armbanduhren auf. Die Zeit zwischen 1670 und 1720 markiert dann den Beginn der Schwarzwälder Uhrmacherei mit ihren Holzuhren. Die Schwarzwälder Uhrmacherei sollte sich im 18. und 19. Jahrhundert durch Fortschritte in ihrer Uhrentechnik (Verwendung von Messingrädern, Glockenuhren; Diversifikation [Schwarzwalduhr, Schottenuhr, Jockeleuhr, Sorgührchen; Kuckucksuhren, Figurenuhren, Musikuhren]) massiv ausweiten, ablesbar an der Zahl der hergestellten Uhren, an den Produktionsbedingungen (Hausgewerbe: Uhrmacher, Schildmaler u.a.) und dem Uhrenhandel (ambulante Händler). Das 19. und 20. Jahrhundert sahen das Aufkommen einer Schwarzwälder Uhrenindustrie. Im 20. Jahrhundert traten neben die Räderuhren elektrisch betriebene Stimmgabeluhren und Quarzuhren; Atomuhren ermöglichen die genaueste Messung der Zeit. Noch immer zeitgemäß bleiben die Kuckucksuhren zwischen Nostalgie und Moderne.
Zu Uhren und Zeitmessung in menschlichen Gesellschaften und Kulturen s.: > C Chronologie; Mühe, Richard, Kahlert, Helmut (1983), Die Geschichte der Uhr. Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen, München 1983 > M Mühe u.a., Geschichte der Uhr; Scholz, Julia (2013), "Kuckucksuhr, mon amour". Faszination Kuckucksuhr. Deutsches Uhrenmuseum, [Stuttgart] 2003, 160 S., Farbabbildungen, € 19,95; Wilhelm, Agathe (2009), Das tickende Gedächtnis. 36 kuriose Uhren. Deutsches Uhrenmuseum, Furtwangen 2009, 80 S., Farbabbildungen, € N.N.; > Z Zeit. [Buhlmann, 07.2020, 03.2021]

Uhrle, Susanne (1968), Das Dominikanerinnenkloster Weiler bei Esslingen (1230-1571/92) (= VKGLBW B 49), Stuttgart 1968, XV, 331 S., 1 Karte, DM 26,-. Zwischen 1230 und 1571/92 bestand in Weiler ein Dominikanerinnenkonvent, der über eine kleine Grundherrschaft am mittleren Neckar verfügte und eine wichtige Rolle in der südwestdeutschen Frauenmystik des 13. Jahrhunderts spielte. Das Kloster wurde wiederholt (1377, 1449, 1519) vom benachbarten Esslingen aus zerstört, seit dem späten Mittelalter gehörte Weiler zum Machtbereich der württembergischen Grafen und Herzöge, die die Vogtei über die Frauengemeinschaft ausübten, an der Klosterreform von 1478 beteiligt waren und ab 1534 gegen den Widerstand der Klosterfrauen die Reformation und Aufhebung der Kommunität mit letztendlichem Erfolg betrieben. [Buhlmann, 03.2009]

Ullmann, Ernst (1980), Leonardo da Vinci, Rheda-Wiedenbrück 21998, 240 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, DM 39,90. I. Leonardo da Vinci, geboren am 15. April 1452, gestorben am 2. Mai 1519, war ein italienischer bedeutender Künstler der Renaissance. Aufgewachsen in Florenz (1457/77), lernte der künstlerisch sehr begabte Leonardo bei Andrea del Verrocchio (†1488) Bildhauerei und Malerei, später war er als Künstler im Auftrag des Lorenzo Medici (†1492) tätig (1477/81). Leonardo wandte sich Mailand zum Herzogshof der Sforza (1482/99), danach findet er sich u.a. in Florenz, im Dienst Cesare Borgias (†1507), in Rom und beim französischen König Franz I. (1515-1547). Freundschaft verband ihn mit dem Mathematiker Luca Pacioli (†1514/17). Gegen Ende seines Lebens hielt er sich im französischen Amboise auf, wo er auch im Schloss Clos Lucé verstarb. II. An künstlerischen Werken hinterließ Leonardo da Vinci u.a.: "Felsgrottenmadonna", "Bildnis eines unbekannten Mannes", "Bildnis einer unbekannten Frau" (1480er-Jahre, Gemälde), Federzeichnungen und Skizzen militärischer Art (1480er-Jahre), "Letztes Abendmahl" (1495/98, Gemälde), "Madonna mit der Spindel" (1501, Gemälde), "Mona Lisa" (1503/06, Gemälde), "Anghiarischlacht" (1504/05, Gemälde), "Anna selbdritt" (1506/16, Gemälde), "Johannes der Täufer" (v.1519?, Gemälde). III. Zur Rezeptionsgeschichte Leonardo da Vincis gehören auch die Legenden, die dem Künstler gerade in der Moderne angedichtet wurden. Vgl. dazu etwa: Brown, Dan (2003), The Da Vinci Code, London 2004, 593 S., £ N.N., deutsch als: Brown, Dan (2004), Sakrileg. Thriller, Bergisch Gladbach 2004, 605 S., € 19,90. [Buhlmann, 01.2018, 01.2019]

Ullrich, Volker (2009), Die Revolution von 1918/19 (= BSR 2452), München 2009 > D Deutsche Geschichte, 1918/19-1933

Ullrich, Volker (2020), Acht Tage im Mai. Die letzte Woche des Dritten Reiches, München 2020, 317 S., Schwarzweißabbildungen, Karte, € 24,50. Der Selbstmord des deutschen Diktators Adolf Hitler (*1889-†1945) am 30. April 1945 leitete das Ende des schon in Agonie gefallenen "Dritten Reiches" ein, erkennbar an den verlustreichen Kämpfen und Rückzügen deutscher Truppen, dem Vordringen der alliierten Militärmächte im Kerngebiet des "Großdeutschen Reiches", der "rasanten Auflösungsprozess" der Ordnung in den noch vom Nationalsozialismus beherrschten Gebieten ("Nordraum": Schleswig-Holstein, Dänemark, Norwegen; "Südraum": Protektorat Böhmen und Mähren, Österreich, nördliches Norditalien; Enklaven: Loiremündung, Dünkirchen, Niederlande, Breslau, Kurland). Die "acht Tage im Mai" 1945 waren für Deutschalnd eine Zeit "des 'Nichtmehr' und 'Nochnicht'", eine "Schwebezustand" von "Zeitlosigkeit" und "Niemandszeit" zwischen alter, nationalsozialistischer und neuer, für die deutsche Bevölkerung ungewisser Ordnung. Das "Dritte Reich" existierte zuvorderst in der zunächst in Eutin und Plön, dann in Flensburg sich aufhaltenden deutschen Regierung unter Großadmiral Karl Dönitz (30. April-23. Mai 1945), die das nationalsozialistische Regime bei beschränkten politischen und militärischen Mitteln auch ideologisch fortsetzte, wie z.B. die Bekanntgabe des "Heldentodes" Hitlers über Rundfunk am 1. Mai verdeutlicht. Die Regierung Dönitz versuchte in den folgenden Tagen, Zivilisten und Soldaten die Flucht vor der sowjetischen Roten Armee an der Ostfront zu ermöglichen, während gegenüber den Westalliierten am 4./5. Mai immerhin der Abschluss einer Teilkapitulation der deutschen Truppen in Nordwesteuropa gelang. Zuvor, am 2. Mai, war der Kampf um die "Reichshauptstadt" Berlin durch Kapitulation beendet worden; Berlin wurde - soweit nicht schon erobert - durch die sowjetischen Truppen besetzt. Auch die deutsche Italienarmee hatte am 2. Mai bedingungslos kapituliert, was sich auch auf benachbarten Heeresgruppen auswirkte und deren Kapitulation erzwang. An der Westfront kämpften die deutschen Truppen nur noch hinhaltend, der US-amerikanische Vormarsch kam in Bayern somit zügig voran; München wurde schon am 30. April eingenommen (Hitlers Privatwohnung am Prinzregentenplatz: US-Reporterin Lee Miller in Hitlers Badewanne), am 4. Mai wurden Bad Reichenhall besetzt und der durch Bombenangriff vom 25. April weitgehend zerstörte und danach geplünderte Obersalzberg, der zeitweise Machtzentrum des "Dritten Reiches" gewesen war; dabei erwiesen sich Gerüchte um eine "Alpenfestung" Hitlers als gegenstandslos. Das deutsche Besatzungsregime über Böhmen und Mähren brach mit dem Prager Aufstand am 5. und 6. Mai zusammen; am 6. Mai kapitulierte endlich das schon längere Zeit durch sowjetische Truppen belagerte Breslau. Versuche der Dönitz-Regierung, eine Kapitulation nur gegenüber den Westalliierten zu erreichen, sollten aber scheitern, so dass nur noch eine bedingungslose Gesamtkapitulation möglich war. Die diesbezüglichen Verhandlungen wurden ab dem 6. Mai im Hauptquartier des US-Generals Dwight D. Eisenhower in Reims geführt; letztlich wurde mit Zustimmung von Dönitz Gesamtkapitulation und Waffenruhe zum 9. Mai 0.01 Uhr deutscher Sommerzeit vereinbart, so dass den deutschen Truppen an der Ostfront noch etwas Zeit blieb, sich zurückzuziehen. Die Kapitulationsurkunden wurden am 7. Mai in Reims und am 9. Mai in Berlin u.a. von Generaloberst Alfred Jodl, dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, unterzeichnet. Der Untergang des "Dritten Reiches" löste bei Auflösung der vom Nationalsozialismus propagandahaft herausgestellten "Volksgemeinschaft" massive Flüchtlingsströme von (aus dem geografisch nach Westen verschobenen Polen, dem Sudetenland u.a.) vertriebenen Deutschen und Zwangsarbeitern aus, deutsche Soldaten der Ostfront flohen vor der Roten Armee zu den Westalliierten, die Insassen geräumter Konzentrationslager (KZ) kamen auf "Todesmärschen" um, in den Lagern erwarteten die alliierten Soldaten grauenhafte Verhältnisse. In den von den Alliierten besetzten deutschen Gebieten verschwand der Nationalsozialismus spukhaft, Protagonisten des alten Regimes - an erster Stelle Martin Bormann, Hans Frank, Karl Hermann Frank, Joseph Göbbels, Hermann Göring, Heinrich Himmler, Arthur Seyß-Inquart, Josef Terboven - kamen in den letzten Kriegstagen ums Leben, endeten durch Selbstmord oder gerieten in alliierte Gefangenschaft wie auch die Dönitz-Regierung mit dem NS-Rüstungsminister Albert Speer. NS-Wissenschaftler uns -Ingenieure wie der Raketentechniker Werner von Braun, der maßgeblich an der Entwicklung der "Vergeltungswaffe" V2 beteiligt war (Peenemünde, Dora-Mittelbau), wurden z.B. von den US-Amerikanern für die eigene Forschung "angeworben". Zudem stellten die Alliierten NS-Raubkunst sicher ("Monuments Men" u.a.). Umrisse eines Nachkriegsdeutschlands zeichneten sich mit der Beauftragung von vom Nationalsozialismus unbelasteten Deutschen auf der politischen Ebene ab: Die "Gruppe Ulbricht" (um Walter Ulbricht) in Berlin und der Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer gehören hierher, der befreite KZ-Insasse Kurt Schumacher, der sich bei Kriegsende in Schweden aufhaltende Emigrant Willy Brandt oder der Wehrmachtsoffizier Helmut Schmidt sollten in den Nachkriegsjahren das Bild der deutschen Sozialdemokratie bestimmen. Die deutsche Zivilbevölkerung sah sich im Zuge der alliierten Eroberung in Kampfhandlungen verwickelt, sahen sich aber auch Übergriffen ausgesetzt (Vergewaltigungen in Berlin, Plünderungen); manche Deutsche beendeten auch aus Furcht vor den sowjetischen Soldaten ihr Leben durch Selbstmord (Massenselbstmord in Demmin). Viele Deutsche waren nach der alliierten Besetzung Deutschlands der subjektiven Ansicht, nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt zu haben, vielmehr sahen sie sich als Opfer von Diktatur und Krieg, gerade auch vor dem Hintergrund von Entnazifizierung, sich entwickelndem West-Ost-Konflikt und kommunistischer Diktatur in Ostdeutschland.
Von der Seite der Kriegsgeschehnisse in und um Berlin beleuchtet die letzten Tage des "Dritten Reiches": Grossarth, Rolf H. (1965), Über Berlin brannte der Himmel, Offenbach a.M. 1965, 131 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, DM N.N. [Buhlmann, 06.2020, 08.2020]

Ullstein Weltgeschichte, hg. v. Christfried Coler, ist eine fünfbändige Weltgeschichte geordnet nach Jahren (bis 1964), u.a. mit: Bd.5: 1914 bis zur Gegenwart. Gesamtregister (= Ullstein Buch 4105), Frankfurt-Berlin 1965, 282 S., Schwarzweiß-, Farbtafeln, Karten, DM N.N. [Buhlmann, 11.2020]

Ulrich von Cluny/Zell: Als Vertreter des vom burgundischen Kloster Cluny ausgehenden benediktinischen Mönchtums erscheint in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts (der heilige) Ulrich von Zell/Cluny. Der aus Bayern stammende, um 1029 geborene Ulrich war ein Patenkind Kaiser Heinrichs III. (1039-1056) und erhielt zusammen mit Wilhelm von Hirsau (†1091) im Regensburger St. Emmeramkloster seine geistliche Ausbildung. Er war Mitglied der Hofkapelle der deutschen Herrscher und trat nach dem gescheiterten Versuch einer Klostergründung in Regensburg um das Jahr 1063 in das Kloster Cluny ein. Als Beichtvater und Berater des Abtes Hugo (1048-1109) entfaltete Ulrich mit seiner asketischen Haltung vielfältige Wirkung. Die Beteiligung an der Gründung des Priorats Rüeggisberg (n.1070/71) und die Leitung des Priorats Peterlingen (Payerne, um und n.1075) gehören hierher. Ulrich übersandte die in Cluny zwischen 1079 und 1086 aufgezeichneten Gewohnheiten (constitutiones Cluniacenses) an seinen Freund Abt Wilhelm von Hirsau (1069-1091) und gründete um 1083 das Priorat St. Ulrich, als dessen Prior er 1093 starb, sowie ein Frauenkloster in Bollschweil. In verschiedenen Viten wird Ulrich als Heiliger dargestellt.
Mit Ulrich von Cluny beschäftigen sich: Hauviller, Ernst (1896), Ulrich von Cluny. Ein biographischer Beitrag zur Geschichte der Cluniazenser im 11. Jahrhundert (= Kirchengeschichtliche Studien 3/3), Münster 1896, 87 S.; Ott, Hugo (1970), Probleme um Ulrich von Cluny. Zugleich ein Beitrag zur Gründungsgeschichte von St. Ulrich im Schwarzwald, in: AlemJb 1970, S.9-29. [Buhlmann, 11.2004]

Ulrich Richental: Der Konstanzer Bürger Ulrich (von) Richental (*ca.1360-†1437) schrieb um 1420 eine umfangreiche, mit Illustrationen versehene Chronik über das Konstanzer Konzil. Als Zeitzeuge hatte Ulrich die Kirchenversammlung miterlebt und verarbeitete seine Erfahrungen in einem umfangreichen, mit Illustrationen versehenen Geschichtswerk. Auf der zeitlichen Grundlage des Kirchenjahrs und auf der Basis quantitativen statistischen Materials werden in annalistischer und thematischer Art und Weise die wichtigen Ereignisse geschildert, Personen- und Wappenverzeichnisse oder Preislisten angegeben, alles in der Perspektive einer Konstanzer Stadtgeschichte mit ihren stadt-, sozial-, kirchengeschichtlichen und politischen Implikationen.
Vgl. Buck, Thomas Martin (Hg.) (2010), Chronik des Konstanzer Konzils (1414-1418) von Ulrich Richental (= KGRQ 51), Ostfildern 32013, LIX, 249 S., Karte, € 29,95; Ulrich von Richental, Chronik des Konzils zu Konstanz 1414-1418. Faksimile der Konstanzer Handschrift, Darmstadt 2013, 150 Blätter, farbig; Beiheft: Klöckler, Jürgen, Die Konstanzer Handschrift der Konzilschronik des Ulrich Richental. Eine kommentierte Überlieferungsgeschichte, Darmstadt 2013, 16 S., Schwarzweißabbildungen, zus. € 65,-. [Buhlmann, 06.2014, 08.2014]

Ulrich, Gerhard (1972), Schätze deutscher Kunst, Gütersloh 1972, 464 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, DM 48,-. Vor dem Hintergrund auch der Fragestellung, was "deutsch" in den Jahrhunderten (fränkisch-) "deutscher Kunst" bedeutet, werden Werke der bildenden Kunst (Architektur, Plastik, Malerei) von der Zeit um 800 (Kaiser Karl der Große) bis in die Moderne vorgestellt, gegliedert in die Abschnitte und Zeitepochen: Welt des Glaubens (Sakralarchitektur, Klöster, Kirchen in Mittelalter und früher Neuzeit), weltliche Macht (Burgen, Pfalzen, Schlösser in Mittelalter und früher Neuzeit), bürgerliche Kunst (Häuser, Städte, Malerei in Mittelalter, früher Neuzeit und Moderne), deutsche Antike (karolingische Renaissance, Humanismus, Winckelmann). [Buhlmann, 11.2020]

Ulshöfer, Kuno, Beutter, Herta (Hg.), Hall und das Salz. Beiträge zur hällischen Stadt- und Salinengeschichte (= FWF 22), Sigmaringen 1983 > S Schwäbisch Hall

Umweltgeschichte der Moderne: I. Die weitgehend im 19. Jahrhundert n.Chr. einsetzende Industrialisierung zunächst Europas und Nordamerikas, ein damit sich ausformendes kapitalistisches Wirtschaftssytem, eine damit einhergehende Globalisierung der Weltwirtschaft (bei Anfängen in der frühen Neuzeit) führte spätestens seit dem Ende des Ost-West-Konflikts (ca.1990; Kapitalismus versus Kommunismus) zu einer nochmaligen Steigerung der Entwicklung hin zu einem ungezügeltem (liberalen) Kapitalismus bei ungezügelter Ausplünderung der Erde (Ressourcen) und der Menschen. Mit der Industrialisierung - diese bedingend bzw. aus dieser resultierend - ist für das 19. bis 21. Jahrhundert eine massive Bevölkerungszunahme der Menschen der Gattung Homo sapiens sapiens zu beobachten; die Bevölkerungszunahme bei damit verbundener Zunahme von Produktion und Konsum im weltweiten Wirtschaftskreislauf belastet Welt und Umwelt immens. Somit stehen im beginnenden 21. Jahrhundert Umweltthemen auf der staatlich-politischen Agenda (nationale, übernationale, weltweite Umweltpolitik): Ressourcenausbeutung und Umweltschäden, Produktion, Transport, Verkehr und Konsum innerhalb der Weltwirtschaft, (durch Menschen verursachte) Klimaentwicklung (Klimaerwärmung), Weltpolitik und Migrationsbewegungen. II. Gerade die Klimaentwicklung bzw. unbestreitbare Klimaerwärmung der letzten und zukünftigen Jahrzehnte des 20. bzw. 21. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt eines politisch-wirtschaftlichen Diskurses, gilt es doch den mit der Industrialisierung schon seit ca. zwei Jahrhunderten einhergehenden Kohlendioxid-CO2-Ausstoß einer auf fossilen Energien (Kohle, Öl) beruhenden Wirtschaft "fortgeschrittener" Industrieländer und industrieller "Schwellenländer" sowie Entwicklungsländer zu begrenzen. Denn das Gas CO2 (neben dem ebenso klimaschädlichen Methan CH4) in der Erdatmosphäre führt zu einem "Treibhauseffekt" und zu einer weltweiten Klimaerwärmung, einhergehend mit einer (massiven) Änderung des globalen CO2-Kreislaufs des Planeten Erde (in Böden und Ozeanen gebundenes CO2; Vegetation [Pflanzen, Wälder, Photosynthese], Tierwelt und CO2; in fossilen Ressourcen gespeichertes CO2; CO2 in der Erdatmosphäre). Die Folgen der Klimaerwärmung sind vielfältig: neue Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tieren (Nadelwald versus Laubwald, Abholzung von Urwald, Trockenlegung von Mooren; Verbreitung von Insekten, Vogelzug), Tauwetter in Arktis und Antarktis (Permafrostböden, Ansteigen des Meeresspiegels), Auswirkungen auf die Landwirtschaft (Trockenheit, Landwirtschaft als Verursacher von Treibhausgasen), Auswirkungen auf die Ozeane, Verbreitung (?, neuer?) Infektionskrankheiten bei Menschen. Eine Abmilderung der durch CO2 verursachten Klimaeffekte kann nur durch schnelles politisches und wirtschaftliches Handeln weltweit geschehen (Klimapolitik). Technisch muss eine weitgehende Reduzierung des CO2-Ausstoßes in den Industrie- bzw. sich industrialisierenden Staaten gelingen (CO2-Vermeidung, Reduzierung der Verwendung fossiler Energien, erneuerbare Energien; CO2-Speicherung an Land und in den Ozeanen) (nach: Weber, Welt am Abgrund). III. Die aktuelle (internationale) Klimapolitik hat den Klimawandel (Klimaerwärmung) zum Gegenstand und versucht sich in einer Bestandsaufnahme des bisher eingetretenen Klimawandels (Entwicklung fossiler Emissionen, Wirtschafts-, Bevölkerungswachstum, "Renaissance der Kohle"), um daraus - in Form einer Wette (keine gegen ambitionierte Klimapolitik; Kosten und Risiken [k]einer Klimapolitik) - Handlungsoptionen für die Gegenwart und Zukunft zu gewinnen. Dabei legen die Klimavorhersagen eine Steigerung der weltweiten Durchschnittstemperatur um 4°C bis zum Jahr 2100 nahe, wenn auf eine Klimapolitik verzichtet wird. Eine Begrenzung auf eine Erhöhung um maximal 2°C würde den Klimawandel insofern begrenzen, das schwer(st)e Folgeschäden wohl weitgehend ausgeschlossen blieben. Eine solche Verlangsamung des Klimawandels wäre nur mit baldmöglichen drastischen Emissionsminderungen im Gefolge einer technisch-wirtschaftlichen Transformation der weltweiten Energiegewinnung und -nutzung (technischer Fortschritt, Stromgewinnung [erneuerbare Energien], Waren- und Personentransport, Industrie- una Agrarproduktion, negative Emissionen zur CO2-Minderung, Solar Radiation Management, Wachstumsverzicht) zu erreichen; eine (kostenintensive) Anpassung an den Klimawandel wäre aber selbst bei einer erfolgreichen Klimapolitik zu leisten. Der Internationalität einer weltweiten Klimapolitik entsprechend, findet Letztere auf subnationeler (Zivilgesellschaft), nationaler (Deutschland: Energiewende und erneuerbare Energien, Ausstieg aus der [Stein-, Braun-] Kohleverstromung, Verkehrswende?; Markt und Staat; Ökologie und Ökonomie, Ethik und Moral), europäischer (Klimapolitik der Europäischen Union: europäischer Emissionshandel, europäische Energiepolitik) und globaler Ebene statt. Ausfluss weltweiter Klimapolitik sind die international geführten Verhandlungen um den Klimawandel (Umweltgipfel von Rio de Janeiro 1992, Kyoto-Protokoll 1997/2005, Pariser Abkommen 2015 u.a.; Conference of the Parties (COP); United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCC), Clean Development Mechanism (CDM), Nationally Determined Contributions (NDCs), Green Climate Fund, Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradition (REDD+)). Über die Klimapolitik im engeren Sinne hinaus gehen Projekte zur Stadt- und Verkehrsentwicklung (Industrieländer: teures Wohnen in der Stadt, Individualverkehr) sowie zur Bekämpfung von Ungleichheit und Armut (Entwicklungsländer). Die Rolle der Wissenschaft, gerade der Geowissenschaften (Weltklimarat Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC))), besteht im Aufzeigen von Klimaentwicklungen innerhalb wissenschaftlicher Politikberatung (dezionistisches, technokratisches, pragmatisch-aufgeklärtes Wissenschaftsmodell zur Klimapolitik) (nach: Edenhofer u.a., Klimapolitik).
Eine Vielzahl von Büchern gibt Einblick in die heutigen Umweltprobleme: Edenhofer, Ottmar, Jakob, Michael (2017), Klimapolitik. Ziele, Konflikte, Lösungen (= BSR 2853), München 2017, 128 S., Schwarzweißabbildungen, € 9,95; Ehrlich, Paul R. (1968), Die Bevölkerungsbombe (= Fischer Tb 6188), Frankfurt a.M. 1973, 155 S., DM 3,80; Gruhl, Herbert (1975), Ein Planet wird geplündert. Die Schreckensbilanz unserer Politik (= Fischer alternativ 4006), Frankfurt a.M. 1978, 384 S., Grafiken, DM 6,80; Haber, Heinz (1971), Unser Wetter, Stuttgart 1971, 134 S., Farbabbildungen, Karten, DM 22,-; Richarz, Klaus (2019), Vogelzug (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2019, 192 S., Farbabbildungen, Karten, € ca.12,-; Timberlake, Lloyd (1985), Krisenkontinent Afrika. Der Umwelt-Bankrott. Ursachen und Abwendung (= PtH 34), Wuppertal 1986, 268 S., Karte, DM 18,80; Weber, Ewald (2018), Welt am Abgrund. Wie CO2 unser Leben verändert (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2018, 208 S., Schwarzweißabbildungen, Grafiken, € 10,-; Weizsäcker, Ernst Ulrich von, Hargroves, Karlson, Smith, Michael (2009), Faktor Fünf. Die Formel für nachhaltiges Wachstum, München 2010, 432 S., Farbabbildungen, Tabellen, Karten, € 19,95. [Buhlmann, 1971, 06.2018, 02.2019, 03.2020]

Un

Universum: Das Universum stellt die (relativistische) Raumzeit bereit, vor deren Hintergrund Geschichte (Geschichte des Weltalls, Erdgeschichte, Menschheitsgeschichte) stattfindet. Das Universum hat denn auch eine eigene Geschichte. Entstanden aus einer überheißen und überdichten "Blase" (Fluktuation) in einer zeitlosen "Urwelt" und somit Teil eines Multiversums mit seinen sich immer wieder aus der "Urwelt" abkoppelnden Universen, begann das Universum, indem die heutige Menschheit lebt, mit dem "Urknall" und der Entstehung der vierdimensionalen Raumzeit. Weitere Übergänge sollten bei abnehmender Temperatur und zunehmender Ausdehnung des Universums folgen: die Phase der "Inflation" und das Erreichen eines physikalischen Normalzustands der "Urweltblase" (bis 10-34 Sekunden), die Zeit der Supersymmetrie (SUSY) und der Urteilchen, die Zeit der Great Unified Theory (GUT) und der Fermionen (Materieteilchen) und Bosonen (Kraftteilchen), die Zeit der masselosen Quarks und Leptonen, der Higgs-Übergang (bei 10-10 Sekunden, 1015 Kelvin Temperatur), die Hadronisierung (Hadrosynthese, bei 10-5 Sekunden, 1012 Kelvin Temperatur), die Zeit der Hadronen (Protonen, Neutronen entstanden aus Quarks [quarks confinement]), die Hadronenannihilation (Materie-Antimaterie-Vernichtung mit einem Materieüberschuss, bei 1 Sekunde, 1010 Kelvin Temperatur), die Zeit der Leptonen, die Zeit der Strahlung (Wasserstoff-, Helium-, Lithiumkerne; bei 10 Sekunden, 109 Kelvin Temperatur), die Entkopplung von Strahlung (Photonen, Neutrinos) und Materie (bei 380000 Jahren, 3000 Kelvin Temperatur), die weitere Ausdehnung und Abkühlung des Universums in den darauf folgenden 13,7 Milliarden Jahren (3 K-Hintergrundstrahlung des Urknalls; Atome, Atomkerne [Protonen, Neutronen], Elektronen). Dabei entsprechen den genannten Phasenübergängen Brechungen physikalischer Symmetrien (z.B. Überschuss von Materie gegenüber Antimaterie) bei Ausgliederung von starker und schwacher Kernkraft, elektromagnetischer Kraft und Gravitation. Motor der Raumausdehnung war die (dunkle) Raumenergie, die sich gegen die Gravitation durchsetzte. Die Abkühlung des Universums führte (nach dem Hauptsatz der Thermodynamik [Entropie]) zur Entstehung von Unumkehrbarkeit und Zeit (Zeitpfeil der Raumzeit). Letzteres schließt aber die Entstehung von Strukturen und Formen im homogen-isotropem Universum (Galaxien, Sterne [dunkle Materie]) nicht aus. Die weitere Entwicklung des Universums ab heute ist noch unklar: konstante bzw. zunehmende Expansion ("thermischer Tod" des Universums) oder Ende in einem schwarzen Loch (dessen Verdampfung durch die Hawking-Strahlung)?
Vgl. dazu: Baker, David, Hardy, David A. (1979), Der Kosmos-Sternführer. Planeten, Sterne, Galaxien, Stuttgart 21981, 350 S., Abbildungen, Sternkarten, DM 1,-; Blome, Hans-Joachim, Zaun, Harald (2004), Der Urknall. Anfang und Zukunft des Universums (= BSR 2337), München 2004, 128 S., Abbildungen, € 7,90; Börner, Gerhard (2002), Kosmologie. Die Evolution des Universums: Vom Urknall zur komplexen Welt der Galaxien (= Fischer kompakt Nr.15355), Frankfurt a.M. 2002, 127 S., Abbildungen, € 8,90; Börner, Gerhard, Ehlers, Jürgen, Meier, Heinrich (Hg.) (1993), Vom Urknall zum komplexen Universum. Die Kosmologie der Gegenwart (= SP 1850), München 1993, 221 S., Abbildungen, DM 22,90; Cramer, Friedrich (1993), Chaos und Ordnung. Die komplexe Struktur des Lebendigen (= it 1496), Frankfurt a.M.-Leizig 1993, 320 S., Schwarzweißabbildungen, DM 20,80; Eisenhuth, Albert, Haffner, Hans (1967), Das Weltall im Bild, Graz-Wien-Köln 21971, 28, 54 S., Schwarzweißfotos, DM 39,-; Fahr, Hans-Jörg (1995), Universum ohne Urknall. Kosmologie in der Kontroverse, Heidelberg-Berlin-Oxford 1995, 159 S., Abbildungen, DM 3,50; Genz, Henning, Wie die Zeit in die Welt kam. Die Entstehung einer Illusion aus Ordnung und Chaos (= rororo 60731), Reinbek 1999, 337 S., Abbildungen, DM 22,90, Reinbek 22002, 337 S., Abbildungen, € 11,50; Genz, Henning (2003), Elementarteilchen (= Fischer kompakt Nr.15354), Frankfurt a.M. 2003, 127 S., Abbildungen, € 8,90; Green, Brian (2004), Der Stoff, aus dem der Kosmos ist. Raum, Zeit und die Beschaffenheit der Wirklichkeit (= Goldmann Tb 15487), München 52008, 640 S., Schwarzweißabbildungen, € 9,95; Hawking, Stephen (1988), Eine kurze Geschichte der Zeit. Die Suche nach der Urkraft des Universums, Reinbek b.H. 1988, 238 S., Abbildungen, DM 32,-; Hawking, Stephen (1988), Eine kurze Geschichte der Zeit. Die Suche nach der Urkraft des Universums, Zürich 1990, 238 S., Schwarzweißabbildungen, SFR N.N.; Hawking, Stephen (1988), Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit, Reinbek b.H. 21998, 248 S., Farbabbildungen, DM 49,80; Herrmann, Dieter B. (1999), Antimaterie. Auf der Suche nach der Gegenwelt (= BSR 2104), München 1999, 128 S., Abbildungen, DM 14,80; Herrmann, Dieter B. (1999), Die Kosmos Himmelskunde (für Einsteiger), Stuttgart 2003, 187 S., Abbildungen, CD_ROM, € 12,95; Herrmann, Dieter B. (2006), Das Weltall. Aufbau, Geschichte, Rätsel (= BSR 2410), München 2006, 128 S., Abbildungen, € 7,90; Kanitscheider, Bernulf (1993), Von der mechanischen Welt zum kreativen Universum, Darmstadt 1993, XI, 250 S., Abbildungen, DM 39,-; Layzer, David (1986), Das Universum. Aufbau, Entdeckungen, Theorien (= Spektrum der Wissenschaft), Heidelberg 21987, 250 S., Abbildungen, DM 58,-; Meyers Handbuch über das Weltall, hg. v. Sebastian von Hoerner u. Karl Schaifers (1960), Mannheim 1960, 369 S., Abbildungen, Sternatlas, Beilagen, DM 9,80; Randall, Lisa (2008), Verborgene Universen. Eine Reise in den extradimensionalen Raum (= Fischer Tb 17438), Frankfurt a.M. 42011, 550 S., Abbildungen, € 10,95; Satz, Helmut (2016), Kosmische Dämmerung. Die Welt vor dem Urknall, München 2016, 188 S., Abbildungen, € 19,90; Voigt, Hans-Heinrich (1994), Das Universum. Planeten - Sterne - Galaxien (= RUB 5228), Stuttgart 1994, 299 S., Abbildungen, Tabellen, DM 12,-. [Buhlmann, 1971, 11.1978, 10.1991, 03.1999, 2003, 04.2004, 11.2006, 2012, 11.2016, 04.2018, 07.2019, 09.2019, 03.2021]

Unsere Welt. Atlas für die Schule. Ausgabe Baden-Württemberg, hg. v. Wilhelm Grotelüschen u.a. (1966), Darmstadt 1966 > A Atlas, geografischer Atlas

Unterfränkische Geschichte, hg. v. Peter Kolb u. Ernst-Günter Krenig: Bd.1: Kolb, Peter, Krenig, Ernst-Günter (Hg.) (1989), Von der germanischen Landnahme bis zum hohen Mittelalter, Würzburg 31991, 387 S., Farbabbildungen, Karten, Pläne, DM 39,-; Bd.2: Kolb, Peter, Krenig, Ernst-Günter (Hg.) (1992), Vom hohen Mittelalter bis zum Beginn des konfessionellen Zeitalters, Würzburg 1992, 681 S., Farbabbildungen, Karten, Pläne, DM 68,-. I. Menschliche Besiedlung ist im Maingebiet, dem späteren Mainfranken, seit neolithischer Zeit, seit ca. 5000 v.Chr. feststellbar; bis in die 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr., bis in die Spätlatènezeit (ca.150-50 v.Chr.), lebten hier Kelten bzw. die keltischen Helvetier (deren Abzug in die heutige Schweiz, Gallischer Krieg des Julius Caesar [58-50 v.Chr.]), bevor mit der thüringisch-mainfränkischen Großromstedter Kultur (elb-) germanisch-suebische Einflüsse bei noch bestehenden Resten keltischer Siedlungskontinuität nachweisbar sind. Um Christi Geburt sollen hier Markomannen gesiedelt haben, die nach ihrer Niederlage gegen die Römer (11/10 v.Chr.) nach Böhmen auswichen. Dies geschah im Zusammenhang mit der (zeitweisen) römischen Besetzung der Germania libera zur Zeit des Kaisers Augustus (27 v.Chr.-14 n.Chr.) (Zweilegionenlager Marktbreit und Mainz, Varusschlacht 9 n.Chr., römischer Verzicht auf Eroberung 16 n.Chr.). Erst ab Kaiser Vespasian (69-79) wurden Teile des Untermaingebietes (Taunus, Wetterau, Odenwald) im Rahmen einer verkürzten Grenze zwischen den Provinzen Obergermanien und Rätien dem römischen Reich eingegliedert (obergermanisches Limes, Main als "nasse" Grenze). Bis unter Kaiser Antoninus Pius (138-161) wurde die römische Grenze auch im Maingebiet noch vorgeschoben und entsprechend befestigt (Kohortenkastell Miltenberg, Kleinkastell Stockstadt u.a.). Rheinwesergermanische Gruppen siedelten im Vorfeld des Limes (germanisch-römischer Handel, geringe germanische Besiedlung im mainfränkischen Raum). Die Krise der Markomannenkriege (166-180) leitete dann über in einer Phase zunehmender Instabilität des römischen Limes gegenüber den angrenzenden germanischen Stämmen. Das 3. Jahrhundert war so geprägt vom germanischen Druck auf die Grenzen des in einer wirtschaftlichen, politischen und militärischen Krise befindenden römischen Reiches. Im mainfränkischen Raum hatten die römischen Truppen mit den Einfällen von Alemannen und Burgundern, wobei sich Letztere wohl am oberen und mittleren Main niederließen (Germanenfeldzug Caracallas 213, Aufgabe des obergermanisch-rätischen Limes 259/60 [?], burgundische Niederlage am Lech 278). In der Spätantike (4./5. Jahrhundert), im 4. Jahrhundert siedelten die Burgunder vielleicht schon im Gebiet von Jagst und Untermain (Brand-, Körpergräber), kulturell sind damals im Maingebiet jedenfalls ostgermanische Einflüsse festzustellen, gegen Ende des 4. Jahrhunderts auftretende Höhenbefestigungen (Wettenburg u.a.) zeigen germanische Herrschaftsmittelpunkte an. 406/07 überschritten Burgunder, Vandalen u.a. die römische Rheingrenze bei Mainz; das Untermaingebiet wurde in der Folge alemannisch (Reihengräbersitte [v. 5. Jahrhundert, Mitte]), um nach den Siegen des merowingischen Frankenkönigs Chlodwig I. (481/82-511) über die Alemannen fränkisch zu werden (496/97, 506). II. Eine fränkische Durchdringung des Maingebiets ("fränkische Staatskolonisation" und christliche Missionierung) fand schon in der Epoche des merowingischen Frankenreichs (6./8. Jahrhundert) statt. Franken als Francia orientalis ("Ostfranken") im engeren Sinn war im Ostfrankenreich ein dem Königtum offen stehender Raum karolingischer Herrschaft (9. Jahrhundert). Nichtsdestotrotz behaupteten sich auch im vom Königtum dominierten fränkischen Maingebiet mehr und mehr einheimische Adelsfamilien wie Mattonen, Konradiner und Popponen; die Adelsfehde zwischen Babenbergern und Konradinern im Maingebiet (bis 906) stellte indes bald die Ungarngefahr in den Schatten. Der Konradiner Konrad I. (911-918) wurde im fränkischen Forchheim zum ostfränkischen König gewählt; sein Bruder Eberhard (†939) versuchte, in Franken eine herzogsgleiche Stellung aufzubauen, scheiterte aber im Aufstand gegen König Otto I. dem Großen (936-973). Parallel zur sich ausbildenden fränkischen Herrschaft im Maingebiet entwickelte sich auf der Grundlage frühmittelalterlicher christlicher Mission eine fränkische Kirchenorganisation mit den Bistümern Würzburg, Eichstätt und Bamberg; daneben hatte das Erzbistum Mainz Einfluss. Das 742 gegründete Bistum Würzburg ging auf den angelsächsischen Missionar Winfried-Bonifatius (†754) zurück, Bamberg war eine Stiftung König Heinrichs II. (1007). Als mächtige Glieder der ottonisch-salischen Reichskirche (10./11. Jahrhundert) sollten die Bischöfe in Franken auch nach dem Investiturstreit weltliche Herrschaft ausüben. So gelang es den Würzburger Bischöfen, eine herzogsgleiche Stellung im Bistum und "Herzogtum Würzburg" zu erreichen ("Güldene Freiheit" 1168). In das Hochmittelalter (12./13. Jahrhundert) zurück reicht die Ausbildung von Landesherrschaften im nun als Franconia bezeichneten Herzogtum Ostfranken. Zu nennen ist zuvorderst der Einfluss der staufischen Königsfamilie auf die Grenzregion zwischen Schwaben und Franken nach dem Aussterben der Grafen von Komburg-Rothenburg (1116). Weiter beherrschten die Grafen von Eppstein, Henneberg und Rieneck, bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1248 auch die Herzöge von Andechs-Meranien oder - im Fahrwasser der Staufer - die Grafen von Hohenlohe, Pappenheim und Wertheim sowie die (Reichs-) Schenken von Limpurg die Territorialpolitik in Unter- und Oberfranken, so dass sich im späten Mittelalter (13./15. Jahrhundert) ein Flickenteppich kleinerer bis mittlerer fränkischer Landesherrschaften ergab. III. Das Spätmittelalter sah den weiteren Ausbau der Landesherrschaft der Würzburger Bischöfe (u.a. aus den Häusern Hohenlohe, der Schenken von Limpurg) zum Territorium des Hochstifts (14./15. Jahrhundert) teils im Mit-, teils im Gegeneinander zu den deutschen Herrschern (Ludwig der Bayer [1314-1347], Karl IV. [1346-1378]) und zum Papsttum (in Avignon); ab der Mitte des 15. Jahrhunderts erscheint das Bistum auch wirtschaftlich konsolidiert und behielt in den Auseinandersetzungen mit Markgraf Albrecht Achilles von Ansbach-Brandenburg (1470-1486) die Oberhand. An weltlichen Territorien konnten sich daneben die der Herren bzw. Grafen von Castell, Grumbach, Rothenfels, Henneberg, Rieneck und Wertheim behaupten, ebenso die Landesherrschaften der fränkischen Ritterschaft in den Adelslandschaften (Aufstieg aus gräflicher oder hochstiftischer Ministerialität). Zu nennen sind auch die Entwicklungen im Untermaingebiet und im Spessart, ebenfalls die sich behauptende Reichsstadt Schweinfurt (Verpfändung, reichsstädtisches Territorium, innere Entwicklung, Schweinfurt als Reichsstand). Die katholische Kirche (Bistum Würzburg [Archidiakonate, Dekane, Pfarrer, Vikare; Synodaltätigkeit der Bischöfe]; Mönchsorden [Benediktiner, Reformorden, Ritterorden, Bettelorden, religiöse Frauengemeinschaften]) prägte das Leben der Gläubigen (Volksfrömmigkeit, Judenverfolgungen, Spitalwesen), die Gesellschaft war dem mittelalterlichen Verständnis von Ordo entsprechend in Schichten gegliedert (Geistlichkeit, Adel, städtisches Bürgertum, dörflich-ländliche Bevölkerung, Randgruppen [Arme, Juden u.a.]), Ackerbau, Viehzucht (der Agrarlandschaft), Handel und Handwerk prägten das Wirtschaftsleben. Im Bildungsbereich entfaltete sich im Spätmittelalter ein dichtes Geflecht von Schulen (Domschule, Kloster- und Stiftsschulen, Lateinschulen, städtische Schulen), die Würzburger Universität wurde im Jahr 1402 gegründet. Die deutsche Literatur kennt zudem Dichter und Autoren, die mit Unterfranken verbunden waren (Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Reinmar von Zweter, Otto von Botenlauben, Süßkind von Trimberg, Konrad von Würzburg, Hugo von Trimberg, Ruprecht von Würzburg, Johann von Würzburg u.a.). Die Kunst in Unterfranken war in Hoch- und Spätmittelalter geprägt von der Romanik und der Gotik. [Buhlmann, 11.-12.2019]

Untermann, Matthias (1991), Kloster Mariental in Steinheim an der Murr. Römisches Bad, Grafenhof, Kloster (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Bd.13), Stuttgart 1991 > M Mariental

Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa: Tl.V: Jankuhn, Herbert, Kimmig, Wolfgang, Ebel, Else (Hg.) (1989), Der Verkehr. Verkehrswege, Verkehrsmittel, Organisation. Bericht über die Kolloquien der Kommission für die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1980 bis 1983 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philosophisch-historische Klasse, Dritte Folge, Nr.180), Göttingen 1989, 430 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, DM 62,-, mit den Beiträgen: I. Hajo Hayen, Bau und Funktion der hölzernen Moorwege: Einige Fakten und Folgerungen, beschäftigt sich mit Bohlenwegen über nordwestdeutsche Moore von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter (Bohlenwegbau, Typen, Begehbarkeit und Befahrbarkeit, Bohlenwege und Straßennetz). II. Dieter Timpe, Wegeverhältnisse und römische Okkupation Germaniens, behandelt die Verkehrs- und Kommunikationsproblematik im Zusammenhang mit der römischen Besetzung Germaniens zwischen Rhein und Elbe um Christi Geburt (limites [Waldschneisen], aggeres und pontes (longi), praesidia [Befestigungen]). III. Helmut Bender, Verkehrs- und Transportwesen in der römischen Kaiserzeit, geht ein auf die römischen Straßen (Aussehen, Straßenbauarbeiten, Finanzierung, Meilensteine, Stationen), Brücken (Rheinbrücken der Spätantike) und Pässe (Passstraßen) sowie den cursus publicus (Staatspost, Itinerare [Peutingertafel], Reisegeschwindigkeit). IV. René Wyss, Handel und Verkehr über die Alpenpässe, benennt 34 Pässe (Bernina, Flüela, Furka, Gotthard, Julier, Lötschen, Lukmanier, Reschen, San Bernardino, [Großer] St. Bernhard, Semptimer, Simplon, Splügen u.a.), Passlandschaften und Passausgänge (Bellinzona, Chiavenna, Rheintal u.a.) und ordnet sie ein u.a. in die römisch-antike und mittelalterliche Geschichte (Transportwesen, [klimatische] Schwierigkeiten bei der Alpenüberquerung). V. Walter Janssen, Reiten und Fahren in der Merowingerzeit, hebt auf Grund schriftlicher, ikonografischer und besonders archäologischer Quellen ab auf Kontinuitäten zwischen Antike und Frühmittelalter bei Verkehrswegen zu Land (inner- [Köln] und außerörtliche [vicus Jülich] Römerstraßen, Römerstraße Bavai-Köln [zwischen Lössgebiet und Großwald], römische Brücken [Neuss-Grimlinghausen]; Pferd [Pferdebestattungen] und [weniger] Wagen) und zu Wasser (Flusssystem, Transport von Massengütern [Kalkstein, Kalksteinsarkophage]; Einbäume und Lastschiffe). VI. Lothar Voetz, Zu den zentralen Wegebezeichnungen im Althochdeutschen, untersucht die Begriffe straza, uueg (auch abstrakt), stiga, (p)(f)ad, gazza, heristraza, diotuueg (als via publica, via regia), burcstraza, brugga in der althochdeutschen Überlieferung Tatians, Otfrids von Weißenburg, Notkers von St. Gallen sowie in den althochdeutschen Glossen. VII. Heinrich Tiefenbach, Furtnamen und Verwandtes, beleuchtet ortsnamenkundlich die für den Verkehr so wichtigen Furten über ein Gewässer; onomastische und appellative Bestimmungswörter zum Grundwort -furt finden sich bis 1200 vielfach, angefangen bei Steinfurt oder Franconofurd (794, Frankfurt, vadus Francorum als "Furt der Franken") über Bildungen mit Personen- oder Personengruppennamen (Mimigernaford [820], Münster; Gebisindofurd [839]) bis zu Bestimmungswörtern, die (geografische, rechtliche, relationale, menschliche Eingriffe schildernde) Beschaffenheiten ausdrücken; auch die Grundwörter -port (lat. portus) und -drecht (dragen als "tragen") zeigen Flussübergänge an. VIII. Detlev Ellmers, Die Archäologie der Binnenschifffahrt in Europa nördlich der Alpen, analysiert die archäologische Forschung unter den Aspekten des Begriffs "Binnenschifffahrt", der Wasserfahrzeuge (Schiffbautradition, Funktion [Fischerei, Beförderung von Lasten und Personen, Kriegsschiffe, Fähren], Technik [Antrieb, Steuerung, Anlandung]), der Wasserstraßen (natürliche Binnengewässer, Wasserbau [Schiffsländen, Kanäle, Treidelpfade], ergänzende Landwege, Fahrstrecken der Schiffe), der Landstationen (Häfen, Ufermärkte, Ufersiedlungen) und der Verortung der Schifffahrt in den damaligen Gesellschaften (Schiffer, Kaufleute, Schiffe als Grabbeigaben u.a.). IX. Wladyslaw Filipowlak, Die Häfen und der Schiffbau an der Odermündung im 9.-12. Jahrhundert, weist den Aufschwung der Ostee-Schifffahrt im behandelten Zeitraum nach und stellt Wollin und Stettin vor als sich ausbildende maritime Städte auch eines weitreichenden Seehandels (Signalsystem an Divenow und Swine [9. Jahrhundert], Leuchtturm bei Wollin [11. Jahrhundert]). X. W.A. van Es, Der Hafen von Dorestad, charakterisiert das frühmittelalterliche Dorestad als "Siedlungsanhäufung" mit südlichem Siedlungskern (römische Limesbefestigung Levefanum und merowingerzeitliches Dorestad zwischen Rhein und Lek westlich der Flussgabelung mit Rhein- und Lekhafen; heute durch Flussverlagerungen verschwunden) und nördlichem Siedlungskern ([von West nach Ost:] agrarisch genutzte Zone, karolingerzeitliche Handelssiedlung [umzäunte Parzellen mit Häusern und wohl auch Gewerbebetrieben] und vorgelagerte Hafenfront [Straßenkomplex durch feuchte Niederung zur Schiffslände] entlang des linken Rheinufers), verbunden mit einem agrarisch genutzten Mittelteil (Trennung von Krummem Rhein und Lek durch Damm [12. Jahrhundert]). XI. Ole Crumlin-Pedersen, Schiffstypen aus der frühgeschichtlichen Seefahrt in den nordeuropäischen Gewässern, nennt (neben dem Nydamboot [4. Jahrhundert]) Schiffsfunde aus Gräbern und Wrackfunde des 9. bis 15. Jahrhunderts (Grundformen von [Groß-] Schiffstypen, Fracht- und Lastschiffe, Hochseeschiffe) und führt beispielhaft die fünftägige Seereise des Norwegers Ottar von Kaupang nach Haithabu (9. Jahrhundert, Ende); Tl.VI: Jankuhn, Herbert, Ebel, Else (Hg.) (1989), Organisationsformen der Kaufmannsvereinigungen in der Spätantike und im frühen Mittelalter. Bericht über die Kolloquien der Kommission für die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1980 bis 1985 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philosophisch-historische Klasse, Dritte Folge, Nr.183), Göttingen 1989, 237 S., DM 37,50, mit den Beiträgen: I. Lutz Richter-Bernburg, Commenda und Kompanien im Handel des Islam, erörtert die Bedeutung der Kaufleute im mittelalterlichen Islam und der im Recht verankerten Kaufleutegesellschaften beim Mittelmeer- und Indienhandel. II. Hans-Wilhelm Haussig, Praxis und Verbreitung des jüdischen Handels in Südrußland, untersucht u.a. die Rolle jüdisch-chasarischer Kaufleute und der Waräger im Handel zwischen Ost und West, zwischen China, Persien und dem (Ost-) Frankenreich im 9. und 10. Jahrhundert. III. Peter Schreiner, Die Organisation byzantinischer Kaufleute und Handwerker, verweist auf die Nennung von 22 vom byzantinischen Staat beaufichtigten Handwerker- und Händlerkorporationen ("Zünfte") im Eparchenbuch Kaiser Leons VI. von 911/12, deren Existenz bis zum Jahr 1204 nachgewiesen wird; auch für die spätbyzantinische Zeit ist aber von (anders gearteten) Wirtschaftsorganisationen auszugehen. IV. Nach Harald Siems, Die Organisation der Kaufleute in der Merowingerzeit nach den Leges, nennen die westgotischen leges für den Außenhandel mercennarii und transmarini negotiatores sowie die (optionale) Gerichtsbarkeit des telonarius, verweisen römisch-rechtliche Vorstellungen nur noch rudimentär auf Organisationsformen (societas, Reisegemeinschaften [Samo]) und Haftung von Kaufleuten, sprechen langobardische, burgundische oder fränkische Gesetze kaum von negotiatores; auch die Zollbefreiungen der Karolingerzeit erwähnen die Kaufleute nicht explizit, hingegen ist für damals von "kaufmännischen Rechtsgewohnheiten", "kaufmännischer Gerichtsbarkeit" und (Königs-) Schutz für Händler auszugehen. V. Else Ebel, Altnordische Quellen zu den skandinavischen Händlerorganisationen, verweist auf altisländische und altnorwegische Gesetzessammlungen des 13. und 14. Jahrhunderts, die wohl ältere Rechtsvorstellungen aufgenommen haben wie Fahr- und Handelsgemeinschaften, helmingsfélag und hjáfélag. VI. Otto Gerhard Oexle, Die Kaufmannsgilde von Tiel, interpretiert die vom Mönch und zeitgeschichtlichen Historiografen Alpert von Metz gegebene Beschreibung der Kaufleutegilde zu 1017/18 an Handelsplatz und königlicher Zollstelle Tiel (vicus/portus der Kaufleute, civitas des Walburgisklosters, curtis imperialis) als coniuratio ("Schwureinung") mit Sonderrecht, eigener Gerichtsbarkeit, Gildemahl, Eid und Exemtion von kirchlicher Gerichtsbarkeit. VII. Nach Erich Hoffmann, Skandinavische Kaufmannsgilden des hohen Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung der dänischen Knutsgilden, sind Kaufmannsgilden seit dem 12./13. Jahrhundert im skandinavischen Raum nachweisbar (einheimische Gilde als hwirwing, gilde oder convivium; Norwegen: "Große Gilde" von Trondheim [1066/93], Miklagilde [1240], Mariengilde in Bergen [1274], Gildesatzungen [13./14. Jahrhundert]; Dänemark: Schleswiger Stadtrecht [12. Jahrhundert, Mitte], Privileg König Waldemars I. für dänische Gotlandfahrer [Gotländer Knutsgilde, ca.1177], Flensburger Knutsgildesatzung [ca.1200], Malmöer Statut [1256], Verbot von Gilden im Kopenhagener Stadtrecht [1294]). VIII. Nach Else Ebel, Kaufmannsgastung im Norden (dargestellt anhand altnordischer Quellen), kamen norwegische Händler in Island bei Handel treibenden Bauern gegen Geschenke, das Versprechen umgekehrt der Kaufmannsgastung in Norwegen oder Kostgeld unter. [Buhlmann, 09.2014]

Unterwegs in die Vergangenheit. Die erstaunlichsten Tatsachen der Weltgeschichte, Stuttgart-Zürich-Wien 1984 > W Weltgeschichte

Ur

Ur-, Vor-, Frühgeschichte als paläontologisch-historische Epochen der Menschheitsgeschichte: I. Urgeschichte als Vorgeschichte als Frühgeschichte ist die prähistorische Epoche der Menschheit vor dem Auftreten von schriftlichen Geschichtsquellen. Für den mitteleuropäischen Raum lässt die Urgeschichte einteilen gemäß:

Zeitraum (v.Chr.)Urgeschichtliche EpocheGeologische Zeitstufe
(735000)-(8000)Paläolithikum:Pleistozän
(735000)-(200000)Alt-Paläolithikum
(Acheuléen)Mittleres Pleistozän
(200000)-(35000)Mittel-Paläolithikum
(Jungacheuléen, Moustérien)
Oberes Pleistozän
(35000)-(10000)Jung-Paläolithikum
(Aurignacien, Gravettien, Magdalénien)
(10000)-(8000)Endpaläolithikum
(8000)-(5000)MesolithikumHolozän
(5000)-(1800)Neolithikum:
(5000)-(4000)Alt-Neolithikum (Linearbandkeramik)
(4000)-(3500)Mittel-Neolithikum
(Stichbandkeramik, Rössener Kultur)
(3500)-(2500)Jung-Neolithikum (Michelsberger Kultur)
(2500)-(1800)End-Neolithikum (Becherkulturen)
(1800)-(750)Bronzezeit:
(1800)-(1200)Ältere Bronzezeit
- Frühe Bronzezeit (Schnurkeramik, Glockenbecher)
- Hügelgräberbronzezeit
(1200)-(750)Jüngere Bronzezeit (Urnenfelderkultur)
(750)-(Chr.Geb.)Vorrömische Eisenzeit:
(750)-(500)Ältere Eisenzeit (Hallstattzeit)
- Ältere Hallstattzeit
- Jüngere Hallstattzeit
(500)-(Chr.Geb.)Jüngere Eisenzeit (Latènezeit)
- Früh-Latènezeit
- Mittel-Latènezeit
- Spät-Latènezeit

II. Paläolithikum: Die Altsteinzeit gehört noch zur Zeitepoche der Menschwerdung. Ohne genauer auf die Entstehung (auch) des (modernen) Menschen in Ostafrika eingehen zu wollen, können wir für den europäischen Kontinent die altpaläolitische Einwanderung durch Menschen der Art Homo erectus, das alt- bis mittelpaläolithische Auftreten von Homo sapiens neanderthalensis und das Erscheinen des Homo sapiens sapiens am Beginn des Jungpaläolithikums konstatieren. Der Homo erectus war dabei vor rund 400000 Jahren in Mittel- und Südeuropa weit verbreitet (Homo heidelbergensis). Es ist wahrscheinlich, dass sich aus dem europäischen Homo erectus der klassische Neandertaler (200000-30000 Jahre vor heute), aus dem afrikanischen Homo erectus aber der anatomisch "modernere" Mensch (200000 Jahre vor heute - heute) gebildet hat. Das Auftreten der verschiedenen Menschentypen, die Besiedlung Europas durch sie, hing schließlich auch von der Gunst und Ungunst des eiszeitlichen Klimas ab, bei dem (relative) Warm- und Kaltzeiten abwechselten. Ein kultureller Wandel vollzog sich vor 35000 bis 40000 Jahren, als (oder doch bevor?) der anatomisch moderne Homo sapiens sapiens (Cro-Magnon-Typ) die europäische Bühne betrat und die Neandertaler ausstarben. Wohl Verdrängung war die Ursache für das Verschwinden des Homo sapiens neanderthalensis. Vielleicht ein Ungleichgewicht in der Geburten- und Sterberate, vielleicht eine schlechtere Ressourcenausnutzung (trotz teilweiser Übernahme modernerer Techniken) ließen die Neandertaler rasch in Nachteil geraten, und das bei einer Populationsgröße von maximal 2 Millionen Individuen im gesamten besiedelten westeurasiatischen Raum. Zu einer genetischen Vermischung zwischen Neandertalern und Neuankömmlingen wird es dabei wohl gekommen sein, der Bevölkerungswechsel vollzog sich schnell; kein Neandertalerfund ist jünger als 30000 Jahre. III. Mesolithikum: Der Klimaumschwung am Beginn der Mittelsteinzeit brachte für Europa eine völlige Umgestaltung der Landschaft. Die Tundren- und Steppenbereiche rückten nach Norden, Arten der eiszeitlichen (Mega-) Fauna starben aus, Wälder drangen vor. Für die damaligen Menschen bedeutete dies entweder ein Ausweichen in die nun vom Eis freigegebenen Gebiete oder die Anpassung an die neue Umgebung. Im Übergang vom Paläo- zum Mesolithikum hat jedenfalls in Europa z.T. ein kultureller Wandel stattgefunden; eine sinkende Bevölkerungsdichte ging mit einer Verkleinerung der menschlich-sozialen Gemeinschaften einher. Typisch für die Mittelsteinzeit (aber auch teilweise für die vorangehende und nachfolgende Epoche) sind neue Techniken der Materialbearbeitung: Mikrolithen dienten als Pfeilspitzen, als Schneiden oder Bohrer; Feuersteinäxte und -beile treten neben Hacken, Schabern und Sticheln auf; Werkzeuge aus Geweih, Knochen, Holz und Fasern - von Hacken über Körben und Käfigen zu Fischreusen - komplettieren die Vielfalt der verwendeten Geräte. Hinzu kam die Nutzung von Transportmitteln, wie sie z.B. Skier oder Einbäume (mit Paddeln) darstellen. Die neuen Techniken sind aber nur ein Aspekt der (kulturellen) Weiterentwicklung. Die Ernährungsbasis muss sich verbreitert haben insofern, dass neben der Jagd auf Landtiere (Großsäugetiere: Rotwild, Wildschweine) - eventuell mit domestizierten Hunden - auch der Fischfang eine große Rolle spielte. Pflanzliche Nahrungsmittel waren, soweit erkennbar, die reichhaltig in den Wäldern vertretenen Haselnüsse, aber auch Beeren, Pilze und Wurzeln. Linsen, Erbsen und Gräsersamen kamen hinzu. Dabei war die Nahrungsbeschaffung abhängig von den Jahreszeiten, die auch die Mobilität der Jäger- und Sammlergruppen bestimmten. Siedlungssysteme entstanden, z.B. wurden höhergelegene Wohnplätze im Sommer, tiefergelegene im Winter aufgesucht. Freilandstationen zeichnen sich im Befund durch Pfostenlöcher und Herdgruben aus. IV. Neolithikum: Die Jungsteinzeit ist durch eine weitere "Revolution" gekennzeichnet, der Sesshaftwerdung des Menschen bei Ackerbau und Viehzucht. Von nun an kann von einer wirklichen Besiedlung gesprochen werden, obwohl es neben den jungsteinzeitlichen Bauernkulturen lange Zeit noch Jäger und Sammler gegeben haben wird und obwohl neolithische Wirtschaftsweisen schon im Mesolithikum nachzuweisen sind. Die Landschaft wandelt sich - in vorerst bescheidenem Ausmaß - von einer Natur- zu einer Kulturlandschaft, wobei nun bäuerliche Kulturen den Kulturen der Jäger und Sammler gegenüberstanden. Verbunden ist die Zeit des Neolithikums mit aus der Sesshaftwerdung resultierenden Kennzeichen: die (Brand-) Rodung von Eichenmischwäldern war die Grundlage der Bewirtschaftung von leichten Lössböden, Grundlage von Ackerbau und Viehzucht, Grundlage handwerklicher Fertigkeiten wie der Töpferei oder Herstellung von Kleidung; der Bedarf an Feuerstein erhöhte sich stark (Bergwerke). Man bringt die "neolithische Revolution", die um die Mitte des 5. Jahrtausends Mitteleuropa erreicht haben wird, mit dem Vordringen neuer Bevölkerungsgruppen, wahrscheinlich von Mitteldeutschland, in Verbindung. Diese Bevölkerungsgruppen werden Bandkeramiker genannt. Mehrschiffige Langhäuser als Wohnstallhäuser, die Wanderbauerschaft der Bandkeramiker, das Spinnen und Weben, der Anbau von Einkorn und Emmer, Erbsen und Linsen, Lein und Mohn bei Nutzung wild wachsender Pflanzen wie Haselnuss oder Obst, die Viehzucht mit Rindern, Schweinen und Schafen gehören hierzu. Das Feuersteinbeil tritt erstmals auf, Keramiktöpfe und -schalen wurden verziert und bemalt. Eine gewisse Differenzierung innerhalb der wohl eineinhalb tausend Jahre andauernden bandkeramischen Kultur lassen Linien- und Stichbandkeramik erkennen, während - z.B. für Westdeutschland - die jüngere Bandkeramik unter Einfluss der Hinkelsteinkeramik geriet und die jüngste Bandkeramik der Mosel-Maas-Gruppe zur sog. Großgartacher Keramik parallel lief. Die "Rössener Kultur" des 4. vorchristlichen Jahrtausends, die "Michelsberger" des 3. folgten der bandkeramischen Kultur, wobei das Eindringen neuer Bevölkerungsgruppen wahrscheinlich auch kriegerische Aktivitäten und Verdrängungen verursachte, da weiterhin Lössböden für den Ackerbau bevorzugt wurden. Norddeutsche Streitaxtkultur und westeuropäische Glockenbecherzivilisation bildeten am Niederrhein an der Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend v.Chr. die "Rheinischen Becherzivilisation" aus. V. Bronzezeit: U.a. Die "Rheinischen Becherkulturen" des Endneolithikums leiten dann zur frühen oder älteren Bronzezeit (ca.1500-1200 v.Chr.) hinüber. Die Siedlungsstrukturen und die besiedelten Gebiete blieben im spätneolithischen Ausmaß bestehen. Als eine spezialisierte Handwerkergruppe bilden sich die Schmiede heraus, weitreichende Handelsbeziehungen, u.a. nach Südwestdeutschland zur süddeutschen Hügelgräberzivilisation, sind anzunehmen. Die späte Bronzezeit (ca.1200-750/700 v.Chr.) ist an ihrem Beginn durch die Zuwanderung neuer Menschengruppen nach Süddeutschland geprägt. Ethnische und gesellschaftliche Veränderungen wurden ausgelöst, es begann die "Urnenfelderzeit", charakterisert durch die sich jetzt in fast ganz Europa durchsetzende Brandbestattung in Urnen, einer Art geistiger Revolution. Eine Intensivierung im Bereich der Metallverarbeitung, gleichsam eine technische Revolution anzeigend, ist ebenfalls festzustellen. In der Landwirtschaft treten neben den Weizen- und Gerstenarten auch Roggen und Hirse, Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen oder Ackerbohnen kommen hinzu. Neben Rind, Schwein, Schaf und Ziege finden sich zahlreiche Wildtiere wie Wildschweine, Auerochsen oder Rothirsche. Das Pferd wurde als Reit- und Zugtier genutzt. Handel, auch Fernhandel, und Verkehr u.a. mit Bronzegegenständen, besonders Waffen, oder Salz gehören hierher, Kriege wurden nun auch mit Berittenen geführt. VI. Vorrömische Eisenzeit: Zu unterscheiden sind eine ältere oder Hallstatt- (ca.750-500 v.Chr.) von einer jüngeren oder Latènezeit (ca.500-1.Jh. v.Chr.). Die Herstellung und der Gebrauch von Eisen kamen in der vorrömischen Eisenzeit zum Durchbruch. Neben Eisenwaffen - Vorläufer gab es schon in der Bronzezeit - wurden Werkzeug und Alltagsgerät aus Eisen hergestellt; Schmelzöfen sind am Niederrhein gefunden worden. Weit reichende Handelsverbindungen gab es u.a. zum Mittelmeerraum, eine kriegerische berittene Elite ("Fürsten") bezog von dort Prestigegüter und stand einer in dörflicher Wirtschaftsweise lebenden Basisgesellschaft gegenüber. Das Dorf - auch in Form von Wandersiedlungen - bestand aus Gehöften, die jeweils einer Familie zugeordnet werden können, aus Gruppen von Langhäusern und Nebengebäuden, und blieb damit über die Jahrtausende seit dem Neolithikum eine Konstante menschlicher Existenz im nördlichen Europa. Die Gesellschaft der älteren Eisenzeit geriet um die Wende vom 5. zum 4. vorchristlichen Jahrhundert in eine schwere Krise, die Wanderbewegungen der Kelten sind hierfür ein Indiz. Die anschließende Latènezeit kann dann im Rheingebiet mit der jüngeren Hunsrück-Eifel-Kultur und der niederrheinischen Grabhügelzivilisation in Verbindung gebracht werden. Beide Kulturen wurden bis ins 1. Jh. v.Chr. hinein zunehmend keltisch überprägt, wenn auch die keltische Zivilisation durch ein Süd-Nordgefälle charakterisiert werden kann und am Niederrhein nicht mehr so wirksam war. "Die Kelten" können dabei angesehen werden als die Bewohner eines weiträumigen Kulturraums, der seit der späten Bronzezeit Rheinland-Pfalz, Südhessen, Baden-Württemberg und Bayern überzog und in dem - wahrscheinlich über die damaligen Oberschichten - eine relativ gleichförmige, "keltische" Kultur herrschte, vielleicht auch eine Gruppe zusammenhängender Sprachen vorhanden war, sich auf jeden Fall im Laufe der Zeit ausbildete. Von den Kelten zu unterscheiden sind die Germanen wohl in der Nachfolge der Jastorf- und Harpstedt-Nienburger Kulturen (ab Mitte des 1. Jahrtausends). Das Vordringen dieser Bevölkerungsgruppen von Südskandinavien, Dänemark, Nord- und Ostseeküste und Elberaum bis an Ems und Niederrhein lässt einen einheitlichen "Ursprung" der "Germanen" nicht erkennen. Um Christi Geburt könnte der Raum zwischen Rhein, Mittelgebirgen und Weichsel von germanischen Stämmen besiedelt gewesen sein, doch sind seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert immer wieder "Völkerbewegungen" auszumachen, wie der Kimbernzug (113-101 v.Chr.), das Vordringen der Sueben unter Ariovist (58 v.Chr.) oder das Eindringen germanischer Stämme am Niederrhein (um Christi Geburt) zeigen. Am Niederrhein erschienen damals - in den römischen Geschichtsquellen - Friesen, Germani cisrhenani, Sugambrer, Marser, Ubier, Brukterer, Chatten, Cherusker, Ampsivarier, Chamaven, Angrivarier, Fosi, Dulgubnii, Calucones, Tubanten, Tuihanti und Usipeter. Vereinfacht können wir diese (somit fremdbezeichneten) Germanen mit westgermanischen Funden und den (Nordsee- und) Rheinwesergermanen in Verbindung bringen, die Sugambrer sollen nach Tacitus zu den Istväonen gehören.
Zur Urgeschichte s.: Driehaus, Jürgen (1968), Rheinische Urgeschichte. Führer durch die Urgeschichtliche Abteilung des Rheinischen Landesmuseums Bonn (= Kunst und Altertum am Rhein, H.16), Düsseldorf 1968, 57 S., Abbildungen, DM N.N.; > E Eiszeiten; > M Menschwerdung; Müller-Karpe, Hermann (1974), Geschichte der Steinzeit, München 1974, 393 S., Schwarzweißabbildungen, DM 15,-; Narr, Karl J. (1961), Urgeschichte der Kultur (= KTA 213), Stuttgart 1961, VIII, 362 S., Bildtafeln, Zeittafeln, DM 15,-; Pietsch, Erich (1963), Altamira und die Urgeschichte der chemischen Technologie (= Deutsches Museum. Abhandlungen und Berichte, Jg.31, H.1), München 1963, 68 S., Abbildungen, Farbtafeln, Zeittafel, DM 4,80; Pörtner, Rudolf (1961), Bevor die Römer kamen. Städte und Stätten deutscher Urgeschichte (= Knaur 69), München-Zürich 51969, 479 S., Abbildungen, Karten, DM 4,80; Probst, Ernst (1991), Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordsee und Alpen, München 1991, 619 S., Abbildungen, DM 68,-; Probst, Ernst (1996), Deutschland in der Bronzezeit. Bauern, Bronzegießer und Burgherren zwischen Nordsee und Alpen, München 1996, 559 S., Abbildungen, DM 68,-. [Buhlmann, 10.2003, 04.2020]

Urban, Josef (Hg.) (2006), Das Bistum Bamberg um 1007. Festgabe zum Millenium (= SBBG 3), Bamberg 2006 > B Bamberg, Bistum

Urban Tb = Urban Taschenbuch

Urbanek, Walter (1969), Deutsche Literatur. Das 19. und 20. Jahrhundert. Epochen, Gestalten, Gestaltungen, Bamberg 31974 > D Deutsche Literaturgeschichte

Urkunden und Akten der oberdeutschen Städtebünde, hg. v.d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Bd.II (1988): Ruser, Konrad (Bearb.), Städte- und Landfriedensbündnisse von 1347 bis 1380, Göttíngen 1988, 2 Tle., 1382 S., € 9,95, erfasst quellenmäßig die Bündnisse von (freien, Reichs-) Städten von Burgund und dem burgundischen Rektorat, über die Schweiz, den Oberrhein bis zu Elsass, Mittelrhein und Wetterau sowie die Landfrieden an Oberrhein und Rhein, in der Wetterau, in Schwaben, Franken und Bayern im Zeitraum zwischen dem Tod Kaiser Ludwigs des Bayern (1347) und der Gründung des Schwäbischen Städtebundes (1376/80). [Buhlmann, 07.2015]

Uslar, Rafael von (1956/57), Fuhlrott - Der Neandertaler - Tiere und Höhlen, in: Romerike Berge 6 (1956/57), S.145-158 > N Neandertaler

UTB = Ulmer Taschenbuch

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z