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Rezensionen (Geschichte)
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MABW = Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg

MacKendrick, Paul Lachlan (1965), Hellas steinernes Erbe. Archäologie der griechischen Welt (= Bastei Tb 60009), Bergisch Gladbach 1980 > G Griechische Geschichte

Macksey, Kenneth J. (1968), Das Afrika-Korps (= Moewig Dokumentation 4300), München 1980 > Z Zweiter Weltkrieg

Macksey, Kenneth J. (1981), Deutsche Panzertruppen (= Moewig Dokumentation 4310), München 1981 > Z Zweiter Weltkrieg

Maedel, K[arl-] E[rnst] (1968), Die Dampflokzeit. Schienengiganten des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Stuttgart 31974 > E Eisenbahn(en) in Mitteleuropa

Magirius, Heinrich (1994), Annaberg. Evangelisch-Lutherische St. Annenkirche (= Schnell & Steiner, Kleine Kunstführer, Nr.2147), Regensburg 72013 > A Annaberg

Magrini, Riccardo (2005), Schiffe. Segelschiffe, Passagier- und Handelsschiffe, Kriegsschiffe (= Wissenswertes, Sport, Technik), Klagenfurt 2006 > B Bohn, Seefahrt

MaH = Das Münster am Hellweg

Mai, Günther (2009), Die Weimarer Republik (= BSR 2477), München 2009 > D Deutsche Geschichte, 1918/19-1933

Mai, Klaus-Rüdiger (2015), Dürer. Das Universalgenie der Deutschen, Berlin 2015, 400 S., Farbtafeln, € 28,-. Albrecht Dürer (*1471-†1528), Sohn des Nürnberger Goldschmieds Andreas Dürer des Älteren (wohl ungarischer Herkunft) und der Barbara Holper, Tochter des Goldschmieds Hieronymus Holper, ging bei seinem Vater, mit dem er sich Zeit seines Lebens insbesondere in künstlerischen Dingen sehr gut verstand, in die Goldschmiedelehre (1484/85), um dann eine Malerlehre bei Michael Wolgemut zu absolvieren (1486/89). Die Wanderschaft als Geselle führte Dürer an den Oberrhein (1490/94). Dürer kehrte nach Nürnberg zurück und heiratete 1494 Agnes Frey, Tochter des Rotschmieds, Tischbrunnenbaumeisters und Musikers Hans Frey. 1495/96 war Dürer in Venedig. Von seinen Reisen brachte der genau beobachtende Künstler vielfältige Eindrücke mit, die sein Schaffen in origineller Weise beeinflussen sollten. So wurde Dürer zu einem künstlerischen Universalgenie, eingebunden in den deutschen, christlichen Humanismus (translatio imperii, translatio studii, translatio artium) u.a. des Nürnberger Patriziats (Conrad Veltis, Willibald Pirckheimer, Anthoni Koberger), eingebunden auch in die neuen Techniken der Wende vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit (Buchdruck, Holzschnitt, Kupferstich, disegno-colore). Betriebswirtschaftlich-organisatorisch ruhten die Nürnberger Werkstatt des Künstlers und der wirtschaftliche Erfolg wohl entscheidend auf Dürers Ehefrau Agnes, die selbst auf Verkaufsreisen ging und mit der Dürer im Übrigen keine Kinder hatte. In Dürers Werkstatt absolvierten so bedeutende Künstler wie Hans Baldung Grien oder Matthias Grünewald Teile ihrer Ausbildung. Eigenständige und Auftragsarbeiten - u.a. vom sächsischen Herzog Friedrich den Weisen oder Kaiser Maximilian I. - sollten Dürer dann in ganz Europa bekannt machen: Selbstbildnis (1484), Bildnis des Vaters (1490), Bildnis der Mutter (1490/93), "Mein Agnes" (1494), Landschaftsaquarelle (1495/96), Dresdner Marienaltar (1496), "Frauenbad" (1496), "Männerbad" (1496), "Büßender Heiliger Hieronymus" (1497), "Apokalypse" (1498), "Große Passion" (1496/99), Selbstbildnis (1500), "Nemesis" (1501/02), "Marienleben" (1501/05), "Feldhase" (1502), Jabachaltar (1503/04), "Anbetung der Könige" (1504), "Adam und Eva" (1504), "Rosenkranzfest" (1505/07), "Marter der 10000 Christen" (1508), "Ritter, Tod und Teufel" (1513/14), "Mellencolia I" (1514), "Hieronymus im Gehäus" (1514), "Ehrenpforte Kaiser Maximilians I." (1517/18), "Triumphwagen Kaiser Maximilians I." (1518/22) u.a. Dabei nahm Dürer immer wieder die künstlerischen Strömungen seiner Zeit auf wie bei seinem zweiten Venedigaufenthalt (1505/07) oder auf seiner Reise durch die Niederlande (1520/21). Insgesamt diente das künsterlische Gesamtwerk Dürers dessen Suche nach (christlicher) Wahrheit (imitatio Christi), so dass der Künstler alsbald zum Anhänger Martin Luthers und der (Nürnberger) Reformation wurde (Schenkung der "Vier Apostel" an die Stadt Nürnberg 1526). Kurz vor seinem Tod vollendete Dürer noch seine theoretischen Schriften zur Wahrheit in der Kunst: "Unterweisung der Messung" (1525), Befestigungslehre (1527), "Vier Bücher von menschlicher Proportion" (posthum 1528). [Buhlmann, 12.2015]

Maier, Bernhard (1994), Lexikon der keltischen Religion und Kultur (= KTA 466), Stuttgart 1994 > K Kelten

Maier, Bernhard (2000), Die Kelten. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2000 > K Kelten

Maier, Bernhard (2001), Die Religion der Kelten. Götter, Mythen, Weltbild, München 2001 > K Kelten

Maier, Bernhard (2012), Geschichte und Kultur der Kelten, München 2012, 384 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Pläne, € 68,-. I. Die geschichtliche Erforschung der Kelten gründet auf griechisch-römisch-antiken Quellen (Literatur, Kunst), archäologischen Untersuchungen, der vergleichenden Sprachwissenschaft und der Geschichtswissenschaft seit dem Humanismus. II. Vorrömische keltische Geschichte reicht vom 6. bis 1. Jahrhundert v.Chr. (späte Hallstattzeit, Laténezeit) und lässt sich geografisch zunächst in Mittel- und Westeuropa, dann auch in Oberitalien, Spanien, Britannien, Irland und Kleinasien verorten (keltische Expansionen im 4/3. Jahrhundert v.Chr.). Mehr oder weniger Spezifisches lässt sich in Hinblick auf keltische Kulturen und Gesellschaften aussagen: Wirtschaft (Ackerbau und Viehzucht, Jagd, Bodenschätze [Erz, Salz]), Siedlungswesen (Höfe, Dörfer, Zentralorte und oppida), Handwerk und Kunst (Metall- und Holzverarbeitung, Keramik, Glas und Emaille, Schmuck, Textilien), Handel und Verkehr (Handelsstraßen und -flüsse, Handelsgüter, Mittelmeerraum), Gesellschaft (Arbeitsteiligkeit, soziale Gliederung, Gefolgschaftswesen), Religion (Gräber, Kultstätten, Götterverehrung, Druiden), Sprache (Namen, Inschriften, Festland- und Inselkeltisches). Mit der Einbeziehung keltischer Stämme in das römische Reich ab dem 3. Jahrhundert v.Chr. (römische Unterwerfung der Kelten in Mittel- und Oberitalien [bis 193 v.Chr.], der Keltiberer [bis 133 v.Chr.], der Gallier [bis 51 v.Chr.], der kleinasiatischen Kelten [bis 25 v.Chr.], von Teilen der britannischen Kelten [ab 43 n.Chr.]). Im römischen Reich erfolgte dann die Romanisierung der unterworfenen Kelten, wobei vielleicht keltische Kontinuitäten in Kultur, Kunst und Gesellschaft weiterbestanden (gallorömische Kultur: Neuerungen in der Landwirtschaft, Urbanisierung und römische Städteneugründungen, Gräber, Weihinschriften und Reliefs [Brigachquellstein], spätantike Landschafts- und Städtebezeichnungen). [Buhlmann, 01.2014]

Maier, Bernhard (2015), Geschichte Schottlands (= BSR 2844), München 2015, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 8,95. I. Schottland, mit dem südlich gelegenen England zu einer Insel verbunden, 79000 qkm groß, zeichnet sich mit seinen vorgelagerten Inseln ([Äußere, Innere] Hebriden, Orkneys, Shetlands) durch seine geologische (Präkambrium, Kambrium usw.) und geografische Vielfalt (Highlands, Mittleres Tiefland, Südliches Hügelland) aus. II. Frühe Jäger und Sammler lebten seit dem Mesolithikum in Schottland (9.-5. Jahrtausend v.Chr.), die Nordseeküste war um 6100 v.Chr. von einer Tsunami-Katastrophe betroffen. Neolithische Siedlungen datieren ab der 1. Hälfte des 4. Jahrtausends v.Chr. und weisen auf Viehzucht und Getreideanbau hin (Skara Brae, Barnhouse settlement). Jungsteinzeitlich sind die Kammergräber als gemeinschaftliche Bestattungsform (Galeriegräber [court cairns], stalled cairns), neolithische Kultstätten stellen der Hügel von Cairnpapple (um 3000 v.Chr) und die Steinkreise von Callanish, Stenness und Brodgar (3. Jahrtausend v.Chr., 1. Hälfte). Bronzezeitlich sind Funde wie die Bronzeaxt von Migdale (2200/2000 v.Chr.) oder das Grab von Culduthel (2000 v.Chr.); in der Spätbronzezeit (1200/1000 v.Chr.) wurde Schottland vom Ausbruch des isländischen Vulkans Hekla heimgesucht (Opfergaben im Duddingstonsee, 950/750 v.Chr.). Die um 700 v.Chr. beginnende Eisenzeit steht für keltische Geschichte und Kultur (Ausbreitung keltischer Kultur und Sprache, Akkulturationsvorgänge; Hügelfestungen [hillforts], Steinhäuser, crannógs); eisenzeitliche Funde sind die Erlenholz"göttin" von Ballachulish (600 v.Chr.), das Wagengrab von Newbridge (5. Jahrhundert v.Chr.), eine "Leier" von der Insel Skye (300 v.Chr.). III. Mit der Einbeziehung Englands in das römische Reich (ab 43 n.Chr.) geriet auch Schottland (Caledonia) seit der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n.Chr. ins Blickfeld der Römer (römische Invasionen 71/74, 79/81 [Schlacht bei Trimontium], 83/84 [Schlacht beim Mons Graupius]). Die schottischen Stämme konnten indes in der Folge des Baus der Limesanlagen von Hadrians- und Antoninuswall (n. ca.118, 142/54) ihre (relative) Unabhängigkeit von Rom behaupten (römische Festung Cramond ca.140, 208/11; römische Invasion unter Kaiser Septimius Severus [193-211] 209/11). IV. In römische und nachrömische Zeit (Abzug römischer Truppen aus Britannien 409/10, Aufgabe Britanniens 440) gehören dann die Stämme Schottlands (Votadini/Gododdin u.a.) und die frühmittelalterlichen Königreiche Gododdin, Ystrad Clud/Alclud (bis 11. Jahrhundert) und Dál Riada (Gälen, Scot(t)i; König Fergus Mór [10./11. Jahrhundert]) sowie das Königreich der Pikten und das Königreich Fortriu (König Óengus I. [731-762]); aus den letzteren Herrschaftsbildungen entstand das schottische Königreich (Alba) angeblich (?) König Kenneths I. (9. Jahrhundert) der Alpindynastie bis auf König Malcolm II. (†1034). Das frühe Schottland hatte sich dabei mit den Wikingern und Dänen auseinanderzusetzen (Hebriden, Orkneys). In der Zeit des Übergangs von Antike zu Mittelalter verbreitete sich auch das Christentum in Schottland (Steine mit christlichen Inschriften [5. Jahrhundert, 2. Hälfte], Missionare Ninian, Mungo, Columban der Ältere). Der Alpindynastie folgte das Haus Dunkeld (1034-1286) u.a. mit den Königen David I. (1124-1153), William I. (1165-1214) und Alexander II. (1214-1249). Englische Einflüsse auf Schottland (Lehnswesen, Verwaltung) bis hin zur Oberhoheit (Vertrag von Falaise 1175) zeichneten das Hochmittelalter aus; die schottischen Könige engagierten sich in der Gregorianischen Kirchenreform (Klostergründungen [Dumferline, Holyrood, Melrose], Selbstständigkeit der schottischen Bischofskirche 1192), schottische Kultur äußerte sich beonders in der verschiedensprachigen Geschichtsdichtung. V. Das spätmittelalterliche Schottland wird eingeleitet durch die Schottischen Unabhängigkeitskriege (1296-1328 [Schlachten von Stirling 1297 und Falkirk 1298, Robert Bruce [†1329]; 1332-1357 [Vertrag von Berwick 1357]). Die schottische Stuartdynastie begann mit König Robert II. (1371-1390). Unter Robert II. und den Stuartkönigen Robert III. (1390-1406), Jakob I. (1406-1437), Jakob II. (1437-1460), Jakob III. (1460-1488) und Jakob IV. (1488-1513) kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit England (Schlachten von Otterburn 1388, Roxburgh 1436, Sark 1448, Flodden Field 1513; Verlust von Berwick upon Tweed 1482; Gewinn der Orkneys und Shetlands 1469, der Hebriden 1493). Innenpolitisch konnte das Königtum erfolgreich den schottischen Adel verdrängen und die Zentralisierung des Königreichs vorantreiben (Lehnswesen, königliche Städte [royal burhgs], Kronrat, Parlament), für die schottische Wirtschaft blieben weiterhin auf Ackerbau, Viehzucht und Fischerei maßgeblich, weiter der lokale, regionale und überregionale Handel (mercat crosses, Hafenstädte [Export, Import]; gesellschaftliche Hierarchie [Adel, Bauern, Leibeigene/Sklaven]). Im 15. Jahrhundert entstanden erste schottische Universitäten (St. Andrews 1410/13, Glasgow 1450, Aberdeen 1495, [Aberdeen 1583]). VI. Dem mit Frankreich verbündeten Schottenkönig Jakob V. (1513/28-1542) folgten dessen Tochter Maria Stuart (†1567) und die Niederlage gegen das England König Heinrichs VIII. (Schlachten bei Ancrum Moor 1545 und von Pinkie Cleugh 1547; Verträge von Boulogne 1550 und Norham 1551), während sich spätestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation auch in Schottland durchsetzte (Scots Confession des Parlaments 1560); König Jakob VI. (1567-1625), der Sohn Maria Stuarts, war Protestant und verband ab 1603 als Jakob I. die Königreiche Schottland und England in Personalunion. Unter Jakobs Sohn Karl I. (1625-1649) kam es in Schottland zu den "Bischofskriegen" (1639/40; presbyterianische Kirche Schottlands [National Covenant], Covenanters und englischer Bürgerkrieg [ab 1642]). Die Herrschaft Oliver Cromwells (†1658) umfasste auch das von englischen Truppen besetzte Schottland, während unter den Stuartkönigen Karl II. (1660-1685) und (dem katholischen) Jakob II. (1685-1688/1701) die Personalunion weiterbestand. Die Glorious Revolution in England (1688) führte zur Herrschaft Wilhelms von Oranien (1689-1702) in England und Schottland. Nach der Act of Settlement des englischen Parlaments 1701, der Act of Security des schottischen Parlaments 1704 und einem englischen Handelsembargo gegenüber Schottland folgte 1707 die Realunion zwischen den beiden Königreichen letztlich unter den Königen des Hauses Hannover Georg I. (1714-1727), Georg II. August (1727-1760), Georg III. (1760-1820) usw. (Old Pretender 1708, Jakobitenaufstand 1715/16, Schlachten von Prestonpans 1745, Falkirk 1746 und Culloden 1745). Kunst, Literatur und Kultur Schottlands standen in der frühen Neuzeit unter den Voraussetzungen von Renaissance und Reformation (schottische Geschichtsschreibung u.a.), bedeutend war die schottische Aufklärung im 17./18. Jahrhundert (Francis Hutcheson [†1746], David Hume [†1776], John Knox Witherspoon [†1794], Thomas Reid [†1796], Dugald Stewart [†1828] u.a.), weitreichend die von James Macpherson (†1796) kolportierten angeblichen Werke Ossians. VII. Das 19. Jahrhundert sah Schottland als Teil Großbritanniens und des britischen Weltreichs (schottische Soldaten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg [1775-1783], Spanischen Unabhängigkeitskrieg [1808-1814], Krimkrieg [1853-1856], Ersten Weltkrieg [1914-1918]), als Teil der wirtschaflich-gesellschaftlichen Entwicklung im Gefolge von Industrialisierung und Urbanisierung (James Watt [†1819], Kohleabbau und Schwerindustrie, Eisenbahnbau, Schiffsbau; schottische Auswanderung u.a. nach Kanada [Nova Scotia]; Staat und Kirche [Church of Scotland, United Presbyterian/Free Church of Scotland). Dabei kam es seit dem 19. Jahrhundert zu nationalen Bestrebungen in Schottland, die sich nicht zuletzt im Rahmen einer sich ausbildenden parlamentarischen Demokratie im schottischen Parteienwesen niederschlug (Scottish/Independent Labour Party, Scots National League/Scottish Party). Nach Zweitem Weltkrieg (1939-1945) und europäischer Integration Großbritanniens erlangte Schottland seit 1997 eine immer größere politische Autonomie innerhalb des britischen Herrschaftsverbunds (schottisches Parlament 1999, Referendum zur Abtrennung Schottlands vom Vereinigten Königreich 2014). Heute ist Schottland ein integraler Bestandteil der Europäischen Union und Großbritanniens, eingebunden in die Weltwirtschaft, ausgestattet mit seiner regionalen Kultur. Vgl. Höhn, Christian, Kostrzewa, Achim, Kostrzewa, Renate (1994), Schottland, Augsburg 1997, 144 S., Farbfotos, DM 19,95. [Buhlmann, 09.2015, 10.2019]

Maier, Ferdinand (2006), Der Bildstein von der Brigachquelle bei St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis), in: Germania 84,2 (2006), S.415-429. Wohl in die römische Zeit, in das endende 1., 2. oder beginnende 3. Jahrhundert, gehört ein Steindenkmal an der Brigachquelle bei St. Georgen, das mit einem Quellheiligtum in Verbindung gebracht werden kann. Der Reliefstein hat eine Länge von 0,56 m, eine Höhe von 0,27 m und ist mit einem Bildfeld auf der Vorderseite versehen. Das Denkmal zeigt, in einem Rahmen eingefasst, im Zentrum frontal einen Kopf auf einem Kandelaber, der links und rechts an den Rändern von zwei weiteren Köpfen flankiert wird, die sich dem Kopf in der Mitte zuwenden. Zwischen den drei Köpfen finden sich Tiere, und zwar links ein von links nach rechts laufender Hirsch, rechts ein Hase, der sich nach links wendet, darüber ein Vogel, vielleicht eine Taube. Der Kopf in der Mitte wird interpretiert als Abnoba, die römische Personifikation des Schwarzwaldes, der Kopf mit dem Hirsch als Cernunnos, als römischer Silvanus, der rechte Kopf als Astarte, Aphrodite, Venus; der Hase ist das Attribut der Abnoba. Eine andere Deutung geht von einer Brigia als keltischer Quellgottheit aus. [Buhlmann, 06.2008]

Maier, Wilhelm, Lienhard, Karl (1964), Geschichte der Stadt Triberg im Schwarzwald, Triberg 1964 > T Triberg

Maissen, Thomas (2013), Geschichte der Frühen Neuzeit (= BSR 2790), München 2013, 128 S., Karten, € 8,95. Die frühe Neuzeit ist die europäische Geschichte des 16. bis 18./19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt geschichtlicher Entwicklungen in der frühen Neuzeit ist die Zeit um 1500 mit ihren ständisch gegliederten Gesellschaften, dem Humanismus und der Reformation, mit der portugiesischen und spanischen außereuropäischen Expansion (Afrika, Asien, Amerika). Das spanisch-habsburgische Jahrhundert (16. Jahrhundert) kulminiert im Kaisertum und Weltreich des Habsburgers Karl V. (1519-1556/58) bei habsburgisch-französischem Gegensatz und der vergeblichen Bekämpfung der Reformation; die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Zeit der Gegenreformation und der Loslösung der Niederlande aus dem Habsburgerreich (Achtzigjähriger Krieg 1568-1648) sowie der spanischen Staatsbankrotte trotz reicher Edelmetallzufuhr aus Amerika. Es folgt ein französisches Jahrhundert (17. Jahrhundert), eingeleitet mit dem Edikt von Nantes (1598) König Heinrichs IV. (1589-1610); der konfessionelle Ausgleich in Frankreich war dann bei einer zunehmend auf das Königtum ausgerichteten Verwaltung (Souveränitätslehre, Staatsraison Richelieus) eine der Voraussetzungen für Frankreichs Aufstieg zu einer europäischen Großmacht gerade auch während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) und der Regierungszeit des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. (1643-1715; Fronde 1648/53, Pyrenäenfrieden 1659, Absolutismus). Mit dem Westfälischen Frieden (1648) verband sich ein modernes Völkerrecht, das die Souveränität der europäischen Herrscher betonte (Navarra an Frankreich, Böhmen und Ungarn an Habsburg, Hohenzollern als Könige in Preußen, Welfen als englische Könige); die (nicht nur Mitteleuropa und Heiliges Römisches Reich betreffende) Friedensordnung wurde oftmals gestört, u.a. durch die englisch-niederländischen Seekriege (1652-1654, 1665-1667, 1672-1674; Niederlande als Welthandelsmacht), den Pfälzer Krieg (1689-1697), den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) und den Großen Nordischen Krieg (1700-1721) (Staatsbildungskriege ["Kabinettskriege"] und Souveränität, Herrscher und Stände). Eingeleitet durch die Glorious Revolution (1688; republikanischer Commonwealth Cromwells 1649, Wiederherstellung des englischen Königtums 1660, Großbritannien), wurde das 18. Jahrhundert zum britischen Jahrhundert, in dem sich Großbritannien (König, Parlament) als Welthandelsmacht gegen die Mitkonkurrenten Frankreich (Siebenjähriger Krieg 1756-1763) und Niederlande (4. englisch-niederländischer Krieg 1780-1784) durchsetzen konnte (Naturrecht und Aufklärung, Nation und Welthandel, wissenschaftliche Revolution; Aufstieg Preußens). Die frühe Neuzeit endet mit gesellschaftlichen Umbrüchen in Europa im Zusammenhang mit Industrialisierung und "politischen Revolutionen" (Französische Revolution 1789, napoleonische Neuordnung Europas). [Buhlmann, 02.2014]

Manegold von Berg, Abt von St. Georgen, Bischof von Passau: Manegold, der jüngste Sohn des oberschwäbischen Grafen Diepold (II.) von Berg (1116/27-1160/66) und der Gisela von Andechs (†n.1160), war für eine geistliche Karriere bestimmt. In jungen Jahren wurde er Mönch, dann Abt von St. Georgen, wo er im Tennenbacher Güterstreit (1180-1187) die Besitzrechte des Schwarzwaldklosters verteidigte. Zudem erhielt Manegold die Leitung des österreichischen Klosters Kremsmünster (1183-1206), doch war er hier nicht unumstritten. Er wurde Abt im bayerischen Tegernsee (1190-1206) und gab nach 1193/94 die St. Georgener Abtswürde auf. Im Jahr 1197 beteiligte er sich am Kreuzzug ins Heilige Land, 1206 wurde er zum Bischof von Passau (1206-1215) gewählt. Vor dem Hintergrund der stauferfreundlichen Haltung der Grafen von Berg entfaltete Manegold mehrfach reichspolitische Aktivitäten und traf mit den Königen Heinrich VI. (1190-1197), Philipp von Schwaben (1198-1208), Otto IV. (1198-1215) und Friedrich II. (1212-1250) zusammen. Als Bischof war er am territorialen Ausbau seines Bistums interessiert; auch die Stadt Passau ließ er neu befestigen (1209). Manegold von Berg starb am 9. Juni 1215 in Wien.
Quellen und Literatur zu Manegold von Berg sind: Buhlmann, Michael (2003), Manegold von Berg - Abt von St. Georgen, Bischof von Passau (= VA 4), St. Georgen 2003, 52 S., € 4,-, Essen 22010, 80 S., € 6,-; Buhlmann, Michael (2003), Manegold von Berg - Abt von St. Georgen, Bischof von Passau: Quellen und Regesten (= VA 6), St. Georgen 2003, 68 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2004), Der St. Georgener Abt Manegold von Berg auf dem Dritten Laterankonzil (März 1179)?, in: Heimatbote 15 (2004), S.3-9. [Buhlmann, 09.2003, 11.2003, 12.2004, 10.2010, 07.2013]

Manilius, Marcus, Astronomica. Astrologie. Lateinisch-Deutsch, hg. v. Wolfgang Fels (= RUB 18555), Stuttgart 2008, 531 S., € 16,- > Lateinische Literatur > M Manilius

Mann, Bernhard (2006), Kleine Geschichte des Königreichs Württemberg 1806-1918, Leinfelden-Echterdingen 2006 > W Württemberg

Mann, Christian (2013), Die Gladiatoren (= BSR 2772), München 2013, 127 S., Schwarzweißabbildungen, 1 Karte, 1 Zeittafel, € 8,95. In der etruskischen und italischen Kultur der Antike sind - im Zusammenhang mit der Bestattung hochgestellter Persönlichkeiten - Phersu-Kämpfe (6. Jahrhundert v.Chr.) bzw. Zweikämpfe (4. Jahrhundert v.Chr.) bezeugt, die vielleicht Vorläufer der Gladiatorenkämpfe im römischen Kulturbereich waren. Erstmals sind für Rom zum Jahr 264 v.Chr. (Bestattung des Decimus Iunius Brutus Pera) Gladiatorenkämpfe (munera) überliefert. In der mittleren und späten Republik dienten die munera der Selbstdarstellung der aus Senatoren und Rittern bestehenden Oberschicht innerhalb eines Konkurrenzkampfes um Ämter und Macht (lex Tullia de ambitu 63 v.Chr.). Seit augusteischer Zeit bestand der Zusammenhang zwischen Bestattungsritualen und Gladiatorenkämpfen nicht mehr (22 v.Chr.), während sich die munera mindestens seit dem endenden 3. vorchristlichen auch außerhalb Italiens im römischen Reich, auch im griechischen Osten verbreitet hatten. In der römischen Kaiserzeit bis zur Spätantike sind in Rom die Kaiser und die römischen Magistrate als Ausrichter von Gladiatorenkämpfen bezeugt (Eröffnung des Kolosseums 80 n.Chr., Triumph Kaiser Trajans 107 n.Chr., Kaiser Commodus als Gladiator 192 n.Chr.), in Italien und in den Provinzen richteten Mitglieder der städtischen Oberschichten und die Kaiserpriester (römischer Kaiserkult) munera aus, die aber auch (finanziellen) Beschränkungen von Seiten der römischen Zentrale unterlagen (177 n.Chr.). Ab dem 4. Jahrhundert ist dann ein Rückgang der Gladiatorenkämpfe im römischen Reich zu beobachten, Gladiatorenkämpfe im Kolosseum sind letztmalig für 434/35 n.Chr. bezeugt; mit der Christianisierung des römischen Reiches fiel teilweise die organisatorische Grundlage für munera weg (Kaiserpriester), Gladiatoren zwischen Leben und Tod erinnerten zudem in ihrer Symbolik an Tod und Auferstehung von Jesus Christus; moralische Einwände (von Heiden oder Christen) treten demgegenüber zurück. In der späten Republik und in der römischen Kaiserzeit waren Gladiatoren Sklaven, Kriegsgefangene, (durch Gerichtsurteil für eine gewisse Zeit übereignete) Verbrecher, aber auch Freiwillige (auctorati); sie unterlagen - soweit sie Freie waren - rechtlichen Beschränkungen (infamia), lebten in Gladiatorenkasernen (ludi; familia) und wurden von lanistae an munenarii, die Ausrichter von Gladiatorenkämpfen, ausgeliehen (palus als Rangklasse eines Gladiators, Gladiatoren verschiedener Rangklassen). Üblicherweise fanden Gladiatorenkämpfe im (hölzernen, steinernen) Amphitheatern statt (steinernes Amphitheater des Statilius Taurus in Rom 29 v.Chr.), zeitlich nach den Tierhetzen (venationes) und den Hinrichtungen von Verurteilten. Gekämpft wurde in Zweikämpfen in verschiedenen Waffengattungen (armaturae [Schutz, Bewaffnung]; retiarius, secutor, thraex, murmillo, hoplomachos, provocator, eques, essedarius, bimachairos [arbelas]). Die von einem Schiedsrichter überwachten Kämpfe konnten unentschieden (stantes missi), durch den Tod eines Kämpfers oder durch die Niederlage eines Gladiators enden; im letzten Fall entschieden die Zuschauer oder der Kaiser über Leben und Tod des Unterlegenen (missio als Begnadigung des Gladiators; Zusammenwirken von Kaiser und Volk bei Gladiatorenkämpfen in Rom [römisches Gemeinschaftsbewusstsein, römische Tugenden, "Brot und Spiele"]). Über das Schicksal einzelner Gladiatoren (und Gladiatorinnen) - jenseits eines Spartacus (Spartacus-Aufstand 73-71 v.Chr.) - berichten hauptsächlich Grabsteine. In den Provinzen des römischen Reiches stand die Ausbreitung der Gladiatorenkämpfe im (weiteren) Zusammenhang mit der Romanisierung und der Anwesenheit römischer Soldaten und Truppen. [Buhlmann, 05.2013]

Mann, Golo (1971), Wallenstein (= Spiegel Edition), Hamburg 2006 > D Dreißigjähriger Krieg

Mann, Heinrich, deutscher Schriftsteller: I. Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 als Sohn des Lübecker Kaufmanns und Senators Thomas Johann Heinrich Mann in Lübeck geboren. Er lebte dort zusammen mit seinen vier Geschwistern und den Eltern; eine Buchhandelslehre in Dresden barch er ab, es folgte u.a. ein Voluntariat beim Berliner S. Fischer-Verlag. Ab dem Jahr 1891 war er als Schriftsteller tätig. Politisch links, pazifistisch, antifaschistisch und sozialdemokratisch eingestellt, floh er 1933 aus Deutschland und lebte seit 1940 im US-amerikanischen Kalifornien im Exil. Heinrich Mann starb am 12. März 1950 im kalifornischen Santa Monica. II. An literarischen Werken wurden von Heinrich Mann veröffentlicht: "Haltlos" (1891), "In einer Familie" (1894), "Im Schlaraffenland" (1900), "Die Jagd nach der Liebe" (1903); Mann, Heinrich (1905), Professor Unrat. Roman (= rororo 35), 1951, Nachdruck Hamburg 1974, 152 S., DM 3,80, 1951, Nachdruck Hamburg 1988, 185 S., DM 6,80; "Stürmische Morgen" (1906), "Zwischen den Rassen" (1907), "Die kleine Stadt" (1909), "Die Armen" (1917); Mann, Heinrich (1918), Der Untertan. Roman (= dtv 256), München 191979, 363 S., DM 6,80, 442 S., München 351993, DM 12,90 (über den den deutschnational gesinnten Unternehmer und Untertan des Kaisers Diederich Heßling und dessen gesellschaftlichen Aufstieg in der Stadt Netzig im deutschen Kaiserreich [Vater und Kindheit, Chemiestudium und Promotion in Berlin, Begegnungen mit dem Kaiser in Berlin und später in Rom, Rückkehr nach Netzig, Papierfabrik, Geschwister, Heirat und Kinder, Politik, Sozialdemokratie und Liberale, Netziger Kaiserdenkmal]); "Diktatur der Vernunft" (1923), "Vereinigte Staaten von Europa" (1924), "Der Kopf" (1925), "Mutter Marie" (1927), "Eugénie" (1928), "Ein ernstes Leben" (1932), "Die Jugend des Königs Henri Quatre" (1935); Mann, Heinrich (1938), Die Vollendung des Königs Henri Quatre. Roman (= rororo 13488), Frankfurt a.M. 212004, 907 S., € 10,90; "Ein Zeitalter wird besichtigt" (Memoiren, 1946), "Der Atem" (1949) u.a. [Buhlmann, 06.2020]

Mann, Thomas, deutscher Schriftsteller: Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 als Sohn des Lübecker Kaufmanns und Senators Thomas Johann Heinrich Mann in Lübeck geboren. Er lebte dort zusammen mit seinen vier Geschwistern und den Eltern; der Vater starb, als Thomas sechszehn war. Thomas war Schüler im Katharineum, einem Lübecker Gymnasium. Schon früh verfasste er Aufsätze für Zeitschriften, interessierte sich darüber hinaus für Kunst, Literatur und Philosophie. Nach Beendigung der Schule (1894) wurde er Volontär bei einer Versicherungsgesellschaft, eine Stelle, die er alsbald (1895) aufgab, als seine erste Novelle Gefallen (1894) erschien. Der volljährige Thomas Mann (1896) wandte sich nun vollends der Schriftstellerei zu. Er veröffentlichte Beiträge für konservative Zeitschriften, u.a. für die Zeitschrift Das zwanzisgste Jahrhundert, deren Herausgeberschaft kurzzeitig sein älterer Bruder Heinrich Mann innehatte. Die erste Novellensammlung Der kleine Herr Friedemann sollte folgen (1897). 1901 erschien sein erfolgreicher Gesellschaftsroman Buddenbrooks, aufgeteilt in zwei Bände; für die Buddenbrooks erhielt er den Nobelpreis für Literatur (1929). Thomas Mann heiratete seine damalige Freundin Katia Pringsheim, mit der er sechs Kinder hatte (1905). Als weitere Erzählungen sind für die wohl wichtigsten Jahrzehnte von Manns schriftstellerischem Schaffen zu nennen: Tonio Kröger (1903), Tristan (1903), Das Eisenbahnunglück (1909), Der Tod in Venedig (1911), Tristan und Isolde (1923), Der Zauberberg (1924), Mario und der Zauberer (1930). Auch war Mann in der Weimarer Republik als (politischer) Essayist erfolgreich ("Deutsche Ansprache" 1930). Die nationalsozialistische "Machtergreifung" (1933) traf Thomas Mann auf einer Europareise; er beschloss, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren (Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft 1933, Reisen in die USA 1934/35, Verleihung der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft 1936). Die endgültige Übersiedlung in die USA erfolgte 1938; Thomas Mann arbeitete u.a. als Gastprofessor an der Universität Princeton und führte Leserreisen durch. Nach einer weiteren Europareise (1939) konnte Mann seinen Goethe-Roman Lotte in Weimar veröffentlichen. Zwischen 1940 und 1945 - während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) - hielt der Schriftsteller gegen die nationalsozialistische Regierung in Deutschland Radioreden unter dem Titel "Deutsche Hörer!", die über die BBC nach Deutschland hin ausgestrahlt wurden. Ab 1941 wohnten Mann und seine Familie an der kalifornischen Pazifikküste. 1944 wurde Thomas Mann US-amerikanischer Staatsbürger, 1946 konnte sein Lungenkrebsleiden operativ kuriert werden. Währenddessen entstand Manns Roman Doktor Faustus (1947). Das Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) ermöglichte Mann die Rückkehr nach Europa. Nach einem ersten Besuch im Nachkriegsdeutschland (1949) siedelte der Schriftsteller - auch als Opfer des "Komitees für unamerikanische Umtriebe" (1951) - nach Zürich, wo er ein Haus in Kilchberg erwarb (1952/54). Thomas Mann starb dort am 12. August 1955, sein Roman Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull blieb Fragment. Zahlreich waren die Literaturpreise und Ehrungen, die Thomas Mann im Laufe seines Lebens erhielt, u.a.: Ehrendoktorwürde der Universität Bonn (1919, 1936 aberkannt, 1946 erneuert), Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft (1932), Ehrendoktorwürden der Harvard, Columbia, Yale, Princeton University (1935/39), Ehrendoktorwürde der University of Oxford und der Universität Lund (1949), Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main (1949), Ehrenbürger der Stadt Weimar (1949), Goethe-Nationalpreis (1949), Premio Feltrinelli (1952), Ehrenmitglied der Deutschen Akademie der Künste (1955), Ehrenbürger der Stadt Lübeck (1955), Pour le Mérite/Friedensklasse (1955), Ehrendoktorwürde der ETH Zürich (1955). Wirkung und Renommee Thomas Manns als Person und Schriftsteller blieben zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tod umstritten.
Von den zahlreichen Publikationen Thomas Manns als Schriftsteller seien hier genannt: Mann, Thomas (1901), Die Buddenbrooks. Verfall einer Familie, Gütersloh 1957, 700 S., DM 7,80; Mann, Thomas (1901), Die Buddenbrooks. Verfall einer Familie, Freiburg i.Br. 1968, 636 S., DM N.N.; Mann, Thomas (1901), Buddenbrooks, Gütersloh o.J., 573 S., DM N.N.; Mann, Thomas (1901), Die Buddenbrooks. Verfall einer Familie (= Fischer Tb 9431), Frankfurt a.M. ?1994, 759 S., DM 19,90, Frankfurt a.M. 562007, 759 S., € 10,-; Mann, Thomas (1909), Königliche Hoheit. Roman (= Fischer Tb 2), Frankfurt a.M. 101958, 254 S., DM 2,20; Mann, Thomas (1909), Das Eisenbahnunglück. Novellen (= SP 868), München 1988, 77 S., DM 7,80; Mann, Thomas (1924), Der Zauberberg. Roman, Stuttgart-Hamburg o.J., 750 S., DM N.N.; Mann, Thomas (1924), Der Zauberberg (= Fischer Tb 9433), Frankfurt a.M. ?1994, 998 S., DM 24,90; Mann, Thomas (1939), Lotte in Weimar. Roman (= Sonderausgabe), Gütersloh o.J. [1975], 407 S., DM N.N.; Mann, Thomas (1947), Doktor Faustus (= Fischer Tb 9428), Frankfurt a.M. ?1993, 672 S., DM 22,90; Mann, Thomas (1954 u.a.), Der Tod in Venedig (und andere Erzählungen) (= Fischer Tb 54), Frankfurt a.M.-Hamburg 91960, 241 S., DM 2,40; Mann, Thomas (1955), Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (= Fischer Tb 639), Nachdruck Frankfurt a.M. 1986, 300 S., DM 8,80; Mann, Thomas (1955), Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (= Fischer Tb 9429), Frankfurt a.M. ?1997, 398 S., DM 15,80. [Buhlmann, 1994, 04.2018, 11.2019, 01.2020, 02.2020, 07.2020, 09.2020]

Manvell, Roger (1982), Die Herrschaft der Gestapo (= Moewig Dokumentation 4319), München 1982 > D Deutsche Geschichte, 1933-1945

Manz, Dieter (2008), Die Gotteshäsuer der Katholischen Kirchengemeinde St. Moriz in Rottenburg-Ehingen. Geschichte - Kunstwerke, Rottenburg 32008 > R Rottenburg

(Kaiser) Marc Aurel, Wege zu sich selbst, hg. v. Willy Theiler (1951) (= BdAW RR [7]), Zürich 1951, 347 S., DM 4,-; Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, übers. v. Wilhelm Capelle (1933) (= KTA 4), Stuttgart 111967, LX, 204 S., DM 6,50. Die auf Griechisch verfassten "Selbstbetrachtungen" (oder "An sich selbst") des römischen Kaisers Marc Aurel (160-181) bieten von ihren 12 Büchern her eine disparates Bild. Die Reihenfolge der Bücher ist unklar; Buch 1 in der Ich-Form erinnert an ein Testament, die Bücher 2-12 sind in der Du-Form verfasst. Die philosophisch-stoische Schrift kreist (durchaus ermüdend) um ein gemeinnütziges, schlichtes, bescheidenes und ehrliches Leben. Marc Aurel reflekiert über die Kürze dieses Lebens, das von der Vorsehung und damit von Vernunft und Ordnung als Verbindung zum Göttlichen bestimmt wird. Dem entspricht die gesellschaftliche Rolle Marc Aurels, Kaiser zu sein, ohne zu "verkaisern". Dem entspricht, den Körper der (naturgemäßen) Askese zu unterwerfen, den Verstand aber im Sinne der Philosophie zu kontrollieren. Alles dies steht aber im Schatten des Todes und eines (nur) eventuellen Weiterlebens danach. Vgl. Fündling, Jörg (2008), Marc Aurel (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2008), Darmstadt 2008, S.115-129 > G Gestalten der Antike. [Buhlmann, 01.2013]

Marasovic, Tomislav (1967), Split. Die Denkmäler des historischen Zentrums, Zagreb 1967, 50 S., Schwarzweißabbildungen, Farbplan. Auf der Halbinsel des dalmatinischen Orts Split reichen Siedlungsspuren bis in die Bronzezeit zurück, eine am Meer gelegene (illyrische?, griechische?) Siedlung namens Aspalatos wird im 3. Jahrhundert v.Chr. in griechischen Geschichtsquellen erwähnt. Die Siedlung (mit einer Palastanlage?) wird auch in frührömischer Zeit noch bestanden haben. Sie stand im Schatten der benachbarten Stadt Salona. Gegen Ende des 3. Jahrhunderts n.Chr. sollte Aspalatos der Ort des Palastbaus des römischen Kaisers Diokletian (284-305) werden. In über zehnjähriger Bauzeit wurde durch die Baumeister Zotikos und Lotas eine annähernd rechteckige, 215m mal 180m große Palastanlage errichtet, umgeben von Mauern und (Eck-) Türmen, versehen mit drei Toren und einer Anlegestelle; im Innern des Mauergevierts befanden sich entlang von decumanus und cardo zahlreiche Gebäude, u.a. Tempel und das Mausoleum des Kaisers sowie dessen Privaträume, zur Seeseite hin gelegen, und Höfe. Im frühen Mittelalter ermöglichte die Zerstörung Salonas durch Awaren und Slawen (614) den Aufstieg Spalatos/Splits zur (Hafen-) Stadt. Der Ort wurde Bischofssitz (Diokletianmausoleum als Dom, Jupitertempel als Taufkirche) und Verwaltungsmittelpunkt im byzantinischen Reich. Nach venezianisch-kroatischem Zwischenspiel (Slawisierung Splits im 10./11. Jahrhundert) war seit dem beginnenden 12. Jahrhundert ein weitgehend autonomes Split im Herrschaftsbereich der ungarisch-kroatischen Könige einbezogen. Die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit der Stadt dauerte bis zur Unterstellung der Stadt unter Venedig (1420). Im 15. Jahrhundert war der Ort Teil der venezianischen terra ferma, in der frühen Neuzeit Festung gegen das Vordringen der osmanischen Türken. Split nahm kulturell an Humanismus und den Kunstströmungen des 17. und 18. Jahrhundert teil. Mit dem Ende der venezianischen Republik (1797) gelangte die Stadt an Österreich-Ungarn, gesellschaftlicher Wandel und Industrialisierung machten aus dem Ort eine Großstadt, zumal im Königreich Jugoslawien der Zeit nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) bzw. im sozialistischen Jugoslawien nach dem 2. Weltkrieg (1939/41-1945). Erhalten geblieben sind in Split die Reste des Diokletianspalast (Süd-, Nord-, West-, Osttor, Nordost-, Südostturm, nördliche, östliche Mauer, südliche Palastfassade, Keller, Peristyl, kleiner Saal mit Apside), mittelalterliche Kirchen- und Klostergebäude (Dom, Taufkirche, Martins-, Benedikt-, Dominikus-, Michaelskirche), profane Gebäude des Mittelalters und der frühen Neuzeit (vorromanisches Gebäude, spätgotischer Palast der Patrizierfamilie Cambj, Palast Karepic, Palast Agubio, Palast Tartaglia, altes Rathaus, mittelalterliche Stadtmauer, Civran-Bollwerk, Cornaro-Bollwerk, Conarini-Bollwerk). [Buhlmann, 11.2016]

MarbTS = Marburger Theologische Studien

Marek, Christian (2010), Geschichte Kleinasiens in der Antike (= HB), München 2010, 941 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, Karten, € 44,-. Die Geschichte des kleinasiatischen Subkontinents, der Küstenregionen (Ägäis, Nord-, Südkleinasien) und der zentral- und ostanatolischen Hochebenen und Gebirge, begann in der Zeit vor 22000 Jahren im Paläolithikum (Urfa-Region). Neolithische und chalkolithische Kulturen (neolithische Revolution 8300/7600 v.Chr.) finden sich in Göbekli Tepe und Catal Höyük, die frühe und mittlere Bronzezeit (3000-1700 v.Chr.) ist repräsentiert durch Troja II, Kültepe oder Beziehungen zu den Hochkulturen in Mesopotamien (assyrischer Handel). Die Spätbronze- und beginnende Eisenzeit (1800-1200 v.Chr.) nimmt die Staatenbildung der indoeuropäischen Hethiter ein (Altes, Mittleres, Neues [Groß-] Reich), die auch über Kleinasien nach Mesopotamien und Syrien hinausgriffen. Der "Seevölkersturm" (ca.1200 v.Chr.) beendete die Existenz des hethitischen Großreichs (hethitische Nachfolgestaaten in Syrien), die dunklen Jahrhunderte (1200-800 v.Chr.) ließen neue Völker und Reiche entstehen: Phryger (11.-6. Jahrhundert v.Chr.), Uratäer (9.-6. Jahrhundert v.Chr.), Lykier, Karer, Sideten (7.-4. Jahrhundert v.Chr.), Lyder (7./6.-6. Jahrhundert v.Chr.). Griechen siedelten ab dem 11. Jahrhundert v.Chr. an den Küstenregionen Kleinasiens (Aioler, Dorer, Ionier), im Rahmen der Großen Griechischen Kolonisation (750-550 v.Chr.) kam es zur Sekundarkolonisation von griechischen Städten in Kleinasien (Alphabetschrift, Homer, ionische Naturphilosophie, griechische Literatur und Wissenschaften). Mit der Unterwerfung des Lyderreiches (547/46 v.Chr.) wurde Kleinasien Teil des Perserreiches der Achäminiden. Die poltische Zuordnung der griechischen Städte zum Perserreich blieb umstritten (Ionischer Aufstand [500-494 v.Chr.], persische Feldzüge nach Griechenland [490, 480/79 v.Chr.], Attischer Seebund [477-404 v.Chr.], Peleponnesischer Krieg [431-404 v.Chr.], Königsfrieden [387/86 v.Chr.]). Die persische Herrschaft in Kleinasien war dabei weitgehend ungebrochen (Satrapienordnung, Königsstraße; Zug der Zehntausend [Schlacht bei Kunaxa 401 v.Chr.], Satrapenaufstand ca.368 v.Chr.). Erst die Eroberung des Perserreiches durch König Alexander den Großen von Makedonien (336-323 v.Chr.) änderte die Machtverhältnisse - bei vielfacher Beibehaltung der persischen Verwaltung - grundlegend (Schlacht am Granikos 334 v.Chr.); in den Diadochenkämpfen (323-281 v.Chr.) war die Herrschaft über Kleinasien zwischen den Nachfolgern Alexanders umstritten (Eumenes von Kardia, Antigonos I., Demetrios von Phaleron, Lysimachos, Seleukos I.; Schlacht bei Ipsos 301 v.Chr., Schlacht bei Korupedion 281 v.Chr.), bis sich das Seleukidenreich weitgehend durchsetzen konnte. Städtegründungen nicht nur der makedonischen Könige (Poleis) beförderten auch in Kleinasien die Kultur des Hellenismus. Im 3. Jahrhundert v.Chr. etablierten sich die Galater (Kelten) in Kleinasien (278/77 v.Chr.), es entstand das Königreich der Attaliden um Pergamon (ab 282 v.Chr.), ptolemäisch-ägyptische Besitzungen finden sich an der Südküste Kleinasiens. Unter Antiochos III. (223-187 v.Chr.) gewann das Seleukidenreich in Kleinasien wieder an Einfluss, doch musste sich der König nach der Niederlage bei Magnesia (190 v.Chr.) im Frieden von Apameia den Römern geschlagen geben (188 v.Chr.); fortan war das Seleukidenreich auf das Gebiet südlich des Taurus begrenut. Das Königreich Pergamon dominierte nun, daneben die Insel Rhodos einschließlich ihres kleinasiatischen Festlandbesitzes, die Lykier, die Königreiche Bithynien und Pontos. Mit dem Tod des letzten Attaliden fiel das Reich Pergamon an die Römer (133 v.Chr.), die die Provinz Asia hier einrichteten. Das ausgehende 2. und 1. Jahrhundert v.Chr. war dann durch die römische Hegemonie in Kleinasien bestimmt. In den drei Kriegen gegen Mithradates Eupator von Pontos (119-63 v.Chr.) (88-84, 83-81, 73-63 v.Chr.) sowie bei der Bekämpfung der Seeräuber u.a. in Kilikien durch Gnaeus Pompeius (†48 v.Chr.) setzten sich die römischen "Kriegsherren" durch; Pompeius ordnete nach der Aufhebung des Seleukidenreiches den östlichen Mittelmeerraum neu (63 v.Chr.). Von der allgemeinen Ausplünderung Kleinasiens durch die römische Oberschicht (Konfiskationen, Steuern) hob sich die Statthalterschaft des Konsulars Marcus Tullius Cicero (†43 v.Chr.) in der Provinz Kilikien wohltuend ab (51/50 v.Chr.). Gaius Iulius Caesar (†44 v.Chr.) besiegte bei Zela den pontischen König Pharnakes. Von den römischen Bürgerkriegen (44-30 v.Chr.) war auch Kleinasien betroffen. In der römischen Kaiserzeit (Prinzipat) wurde das System der kleinasiatischen Provinzen (Asia, Pontus et Bithynia, Galatia, Paphlagonia, Lycia et Pamphilia, Cilicia, Cappadocia, Armenia Minor, Ora Ponti Ptolemoniani) bis in die Zeit der flavischen (72 n.Chr.) und der Adoptivkaiser (117/61 n.Chr.) weiterentwickelt. In der langen Friedenszeit des 1. und 2. Jahrhunderts n.Chr. entfaltete sich die pax Romana auf Grund des auf den Poleis (Polisordnung [Dekurionen, Ämter, Euergetismus, Liturgien], Städtebau [Tempel, Theater], städtisches Umland) und den Provinzen (römische Statthalterschaft, Provinziallandtage) beruhenden politischen Systems, von Wirtschaft und Handel (Steuern, Zölle, Geldwirtschaft), Infrastrukturmaßnahmen (Straßen, cursus publicus, militärische Einrichtungen, Ostgrenze [Limes]); kulturelles Leben äußerte sich in Bildung (Philosophie, Rhetorik, Zweite Sophistik) und Religion (Tempel, Heiligtümer, Orakel, Wanderprediger, Monotheismus, Grabkult). Die Anfänge der christlichen Religion, die im 2. und 3. Jahrhundert n.Chr. Verfolgungen ausgesetzt und zunächst alles andere als einheitlich war (Häresien), liegen in Kleinasien in der Zeit des Apostels Paulus (†64 n.Chr.). Die Krise des römischen Reiches im 3. Jahrhundert n.Chr. (Parther-, Perserkriege u.a. um Armenien) führte auch in Kleinasien zu tiefgreifendem politischen und wirtschaftlichen Wandel, die in die politischen und verwaltungstechnischen Umstrukturierungen unter der Tetrarchie Kaiser Diokletians (284-305 n.Chr.) und unter Kaiser Konstantin den Großen (306-337 n.Chr.) einmündeten. Vgl. noch: Schwertheim, Elmar (2005), Kleinasien in der Antike. Von den Hethitern bis Konstantin (= BSR 2348), München 2005, 127 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 7,90. [Buhlmann, 08.2005, 08.2013]

Margarete von Navarra, französischsprachige Schriftstellerin: Margarete von Navarra (*1492-†1549) aus der Nebenlinie Angoulême des französischen Königshauses, Schwester des französischen Königs Franz I. von Valois (1515-1547), aufgewachsen und erzogen in Blois (Vermittlung von Latein, Spanisch, Italienisch, Philosophie), in erster Ehe verheiratet mit Herzog Karl von Alençon (1509), in zweiter mit König Henri d'Albret von Navarra (1527), bestimmte die Politik des Königreichs Frankreich teilweise (Margarete als französische Unterhändlerin in den Verhandlungen um die Freilassung ihres Bruders nach der verlorenen Schlacht bei Pavia 1525/26) und beratend mit, neigte durchaus reformatorischen Gedankengut zu, war an Mystik und Dantes "Göttlicher Komödie" interessiert, förderte die Übersetzung wichtiger Werke ins Französische durch ihre Sekretäre und wurde insbesondere als Verfasserin literarischer Werke bekannt: Miroir de l'Ame pécheresse (religiöse Gedichte, 1531; 1533 von der Sorbonne zeitweise verboten), Gedichte (v.1549), L'Heptaméron ("Siebentagewerk" als Sammlung von Novellen in einer Rahmenhandlung [in Anlehnung an die Geschichtenerzählungen Boccaccios], 1558/59). Vgl. Margarete von Navarra, Das Heptameron, übers. v. Walter Widmer (1960), Stuttgart-Hamburg o.J. [1960], 790 S., Schwarzweißstiche, DM 24,80. [Buhlmann, 11.2018]

Maria, christliche Heilige, "Gottesmutter": Maria, die Mutter Jesu Christi, hat von jeher gläubige Christen fasziniert. Auf dem ökumenischen Konzil von Ephesos (431) wurde sie als "Gottesgebärerin" bezeichnet; davon ausgehend genoss Maria in (spätem) Mittelalter und (früher) Neuzeit in allen Schichten der christlichen Bevölkerung eine überragende Verehrung. Die Marientage (Mariä Verkündigung, Mariä Himmelfahrt u.a.) wurden zu wichtigen kirchlichen Festtagen, Marienbilder (Lukasbilder) und Marienreliqiuen (als Sekundärreliquien [Rock, Mantel, Gürtel]) vergegenständlichten die Rolle Marias als Helferin in der Not oder auch bei Schlachten, als Strahlenkranz-, Schutzmantel- oder Rosenkranzmadonna. Marias Mutter war - der christlichen Tradition zufolge - Anna (Anna Selbdritt mit Tochter Maria, und Enkel Jesus), Maria hatte drei Töchter (Heilige Sippe).
Maria und die mit ihr verbundene Marienverehrung behandeln: Beinert, Wolfgang, Petri, Heinrich (Hg.) (1984), Handbuch der Marienkunde, Regensburg 1984, 1042 S., DM 39,80; Beissel, Stephan (1909), Geschichte der Verehrung Marias in Deutschland während des Mittelalters. Ein Beitrag zur Religionswissenschaft und Kunstgeschichte, Freiburg 1909, Nachdruck Darmstadt 1972, 677 S., Abbildungen, DM 40,-; Schreiner, Klaus (1996), Maria - Jungfrau, Mutter, Herrscherin (= dtv 4707), München 1996, 593 S., Abbildungen, DM 39,-; Schreiner, Klaus (2003), Maria. Leben, Legenden, Symbole (= BSR 2313), München 2003, 128 S., Schwarzweißabbildungen, € 7,90; Signori, Gabriela, Maria zwischen Kathedrale, Kloster und Welt. Hagiographische und historiographische Annäherungen an eine hochmittelalterliche Wunderpredigt, Sigmaringen 1995, 336 S., DM 58,-. [Buhlmann, 05.2003, 12.2013]

Marienberg bei Helmstedt, Augustinerchorfrauenstift: Das Augustinerchorfrauenstift Marienberg von den Toren Helmstedts wurde (vielleicht als Hauskloster) von Abt Wolfram (1173-1183) des Klosters Werden a.d. Ruhr gestiftet; der Abt soll auch in der Klosterkirche begraben worden sein. Die Gründung wurde mit Nonnen aus dem Kloster Steterburg (bei Salzgitter) besetzt, die in Marienberg einem Propst und einer Priorin unterstellt waren. 1235 ließ sich der Werdener Abt Gerhard von Grafschaft (1228-1255) alle Rechte am Frauenstift bestätigen, 1247 kam es zu einem Vergleich zwischen dem Stift und dem Werdener Abt. Hauptsächlich im 13. Jahrhundert entstand durch Schenkung und Kauf die kleine Grundherrschaft des Stifts, das auch Patronatsrechte über einige Kirchen der Umgebung ausübte und spätestens 1242 das Kloster Marienborn gründete. Dem inneren und äußeren Verfall begegnete man 1461 mit einer Reform nach der augustinischen Klosterregel. 1568/69 wurde die Frauengemeinschaft in ein evangelisches Stift umgewandelt, das noch heute besteht.
Grundlegend für die Geschichts des Stifts ist die Urkundensammlung: Urkundenbuch des Augustinerchorfrauenstiftes Marienberg bei Helmstedt, bearb. v. Horst-Rüdiger Jarck (= VHKNB XXXVII 24 = QFBrLG 32), Hannover 1998, 535 S., € 12,20 > Lateinische Literatur > M Marienberg, ebenso grundlegend ist die Darstellung: Strauß, Ulrike (1983), Das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Marienberg bei Helmstedt. Beiträge zu seiner Geschichte bis zur Reformation (= Braunschweigisches Jahrbuch, Beih.1), Braunschweig 1983, 236 S., ca. DM 16,-. [Buhlmann, 09.2014]

Marienberg in Südtirol, Benediktinerkloster: I. Das Südtiroler Benediktinerkloster Marienberg war eine Gründung des Investiturstreits (1075-1122), an der die Herren von Tarasp, ihnen voran Eberhard und sein Bruder, der Churer Bischof Ulrich II. (1088-1096), maßgeblich beteiligt gewesen waren. Die Stiftung zunächst in Schuls schloss vielleicht an das damals nicht mehr bestehende karolingerzeitliche Männerkloster Tuberis an. Um das Jahr 1095/96 wurde das Eigenkloster in Schuls zu Ehren der Gottesmutter Maria gestiftet und genügend ausgestattet. Im Jahr 1130 durch Brand schwer geschädigt, wurden Kloster und Kirche am 7. Juli 1131 erneut geweiht, die Dotation der Mönchsgemeinschaft nochmals erweitert. Als Eigenkloster blieb die geistliche Kommunität auch weiterhin in der Hand der Herren von Tarasp, die 1142 mit Albert von Ursin aus der bedeutenden Ottobeurer Vögtefamilie einen Ottobeurer Mönch als Abt (1142-1152; erstmals statt eines Priors) nach Schuls beriefen. Wegen der nicht nur geografisch ungünstigen Lage des Klosters zog unter Albert noch vor 1150 die Mönchsgemeinschaft mit Erlaubnis des Papstes schließlich nach Marienberg (bei Burgeis) um, wo bis 1201 eine Kryptenanlage und die Klosterkirche entstanden. Die Konversen im Marienberger Konvent kamen aus Ottobeuren, nach Albert wurden dessen Nachfolger Mazelin (1152-1158), Schwiker (1158-1163), Gebhard (1163/64-1179) und Volker (1179-1180) ebenfalls aus Ottobeuren berufen. Den somit fünf Ottobeurer Äbten in Marienberg gelang bis zur Resignation Volkers, der 1180 in sein Ursprungskloster zurückkehrte, Aufbau und Konsolidierung der Mönchsgemeinschaft. 1169 fand Marienberg als Stiftung der Herren von Tarasp die Anerkennung durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1180), 1178 erhielt das Kloster ein Privileg Papst Alexanders III. (1159-1181). In den 1160er- und 1170er-Jahren erhielt das Kloster umfangreiche Zuwendungen von der Stifterfamilie. II. Weitere Königs- und Papstprivilegien für Marienberg folgten bis zum ausgehenden hohen Mittelalter. Wichtig waren die Urkunden Papst Honorius III. (1216-1227), eine Schutzurkunde vom 6. August 1220 und ein Privileg vom 9. Februar 1217, das dem Kloster den Besitz der Pfarrkirche von Burgeis bestätigte. Doch gab es in der Folgezeit Probleme mit den Pfarrangehörigen sowie mit den Bewohnern des Dorfes Burgeis. Der Grundbesitz der Kommunität beschränkte sich im Wesentlichen auf Güter im Vintschgau und im Unterengadin, wobei eine klösterliche Siedlungstätigkeit in Burgeis, Schlinig und Paznaum erkennbar wird. Die Vogtei lag bis 1164/68 in den Händen der Stifterfamilie, danach bei den mit diesen verwandten Herren von Matsch. Im 15. Jahrhundert waren die Tiroler Landesherren und habsburgischen Herzöge Klostervögte. Im späten Mittelalter wurde Marienberg, das bis in die Neuzeit hinein im Durchschnitt nur bis zu rund einem Dutzend Mönche beherbergte, Opfer von Übergriffen, wie der Überfall des Ritters Schwiker von Reichenberg auf das Kloster am 25. Oktober 1274 oder die Ermordung Abt Hermanns (1302-1304) durch den Klostervogt Ulrich II. von Matsch am 26. August 1304 zeigen. Das 14. Jahrhundert sah trotz des Einbruchs der Pest, die das Kloster an den Rand seiner Existenz brachte (1348), eine Stabilisierung des Konvents gerade auch im geistlich-religiösen Bereich. Die Gebetsverbrüderungen mit den Klöstern Weihenstephan, St. Georgenberg und Füssen gehören hierher (1316/17), ebenso das Wirken des bedeutenden Marienberger Priors Goswin (†n.1393), dessen Chronik als älteste Tiroler Geschichtsschreibung gilt. Daneben schrieb Goswin, der Lehrer an der Klosterschule war, Chorbücher und das Marienberger Urbar von 1390. Im 15. Jahrhundert führte die zum Teil prekäre wirtschaftliche Situation zum verstärkten Eingreifen der habsburgischen Klostervögte und Landesherren in die inneren Verhältnisse der Marienberger Mönchsgemeinschaft. Die Visitation von 1498 schärfte den Mönchen die Beachtung von Benediktregel und Klausur ein, doch kam im Anschluss, bedingt u.a. durch den Engadinerkrieg (1499), keine Reform zustande. III. Auch in der beginnenden frühen Neuzeit blieb die Reform des Klosters Marienberg ein Thema. Zwar überstand die Kommunität Bauernkrieg (1525) und Reformation (Wiedertäufer, Zwinglianismus), doch eskalierte unter Abt Christian Blaas (1558-1561) die Lage, als dieser eine Visitation des Churer Bischofs ablehnte und daraufhin Kaiser Ferdinand I. (1531/56-1564) beim Papst die Klostervisitation vom 5. Dezember 1560 durchsetzte. Aber auch danach blieb es hinsichtlich der Klosterreform nur bei Ansätzen, die Anzahl der Marienberger Mönche blieb gering oder war in der Seelsorge auf andere Orte verstreut. So holte man sich etwa den Mönch und Priester Johannes Januari aus Ottobeuren oder den St. Blasianer Konventualen Cosmas Zink, der in Marienberg Abt wurde (1578-1586). Unter Zinks Nachfolger Leonhard Andri (1586-1606) konnte sich das Kloster in der Frage der Exemtion vom Churer Bischof im Wesentlichen durchsetzen; mit päpstlicher Hilfe wurde es gemäß dem sog. Laudum Turrianum vom 15. Dezember 1598 exemt und direkt dem Papsttum unterstellt. Visitationen von 1598 und 1599 führten indes zur Absetzung des Abtes durch päpstliche Beauftragte, sogar die Aufhebung der geistlichen Gemeinschaft drohte. Letzteres wurde aber verhindert durch die Intervention Weingartener Mönche und des Ottobeurer Abtes Alexander Sauter (1600-1612). In der Folge lag die Reform des Marienberger Klosters bei den Weingartener Mönchen, Matthias Lang schuf als Prior, Administrator und Abt (1615-1640) die Grundlage für das weitere Bestehen der Mönchsgemeinschaft. Unter Matthias Lang, dem "zweiten Gründer" der Abtei, schloss sich Marienberg der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation an (1638). Baumaßnahmen, auch unter den Nachfolgern Langs, zielten auf eine Erweiterung und Barockisierung des Klosters. Trotz Klosterbrand (1656) und Türkenkriegen blieb die Gemeinschaft auch weiterhin auf einem guten Weg, wie die Gebetsverbrüderungen mit Ottobeuren (1683/84) und Tegernsee (1694) sowie der Zuwachs an Mönchen in der Regierungszeit des Abtes Johannes Baptist Murr (1705-1732) belegen. Im Jahr 1724 entstand in Meran das Gymnasium, später Lyzeum der Marienberger Patres, dem bis 1744/45 das Kollegium der Professoren und ein Benediktinerkonvikt folgten. Unter Abt Beda Hillebrand (1732-1771) stabilisierten Sparmaßnahmen den Klosterhaushalt wieder, doch hatte deswegen der Klosterleiter Auseinandersetzungen mit den ihm untergebenen Mönchen (Visitation von 1747). IV. Das endende 18. Jahrhundert stand dann im Zeichen von Josephinismus und Französischer Revolution. Die Teilnahme des Klosters Marienberg an der Oberschwäbischen Kongregation wurde untersagt (1781), die Exemtion aufgehoben, das Konvikt in Meran geschlossen (1786/87). Im bayerischen Tirol der Jahre 1805 bis 1814 erlosch mit Säkularisation und Aufhebung am 17. September 1807 zunächst das Marienberger Kloster, bis mit Datum vom 12. Januar 1816 im nunmehr wieder österreichischen Land die Abteien und Stifte wiederhergestellt wurden. Für Marienberg bedeutete dies unter Abt Karl Mayr (1816-1855) einen Neuanfang, zumal der Konvent bis zum Höchstand im Jahr 1890 auf 41 Mitglieder ansteigen sollte und aus diesem hervorragende Vertreter von Kultur und Religion stammten. Zu erwähnen ist diesbezüglich Beda Weber (†1858), Professor am Meraner Gymnasium, Stadtpfarrer in Frankfurt und Verfasser einer dreibändigen Heimatkunde. Restaurierungen und Modernisierungen betrafen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die Baulichkeiten der Mönchsgemeinschaft, das Kloster war seit 1889 Mitglied der Österreichischen Kongregation vom heiligen Josef und seit 1919, nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), Teil des italienischen Südtirol. Die Zeit des italienischen und deutschen Faschismus sowie des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) überstand Marienberg mit einigen Blessuren (Aufhebung des Meraner Gymnasiusm 1930, Anschluss an die Schweizer Benediktinerkongregation 1931). 1946 richtete man die 1807 aufgehobene Klosterschule als Privatgymnasium ein. Der Bedeutung Ottobeurens in der Marienberger Geschichte entsprechend, wurde unter Abt Stephan Pamer (1957-1984) am 7. April 1959 die Gebetsverbrüderung mit dem ostschwäbischen Benediktinerkloster erneuert.
An Literatur zum Südtiroler Kloster Marienberg seien genannt: Buhlmann, Michael (2007), St. Georgen und Ottobeuren. Benediktinerklöster der St. Georgener Klosterreform (= VA 35), St. Georgen 2007 > O Ottobeuren; Loose, Rainer (1997), Marienberg und Tirol. 900 Jahre Benediktinerabtei (Schuls-) Marienberg 1096-1996, in: SMGB 108 (1997), S.97-111; Müller, Iso (1980), Die Herren von Tarasp, Disentis 1980, 223 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, SFR 39,-. [Buhlmann, 10.2007, 01.2016]

Mariental in Steinheim a.d. Murr, Dominikanerinnenkloster: Römisches Bad, Herrenhof der badischen Markgrafen, Dominikanerinnen-kloster - so könnte man die topografische Entwicklung bis zur Gründung einer Frauengemeinschaft in Steinheim a.d. Murr im Jahr 1255 beschreiben. Die Frauensammlung, die sich 1261 dem Dominikanerorden anschließen konnte, nutzte denn auch die Baulichkeiten des markgräflichen Hofes, der zum Teil in Klosterkirche und Kloster einbezogen werden konnte. Als Versorgungsanstalt für Töchter aus Adel und städtischem Patriziat verfügte Mariental über reichen Grundbesitz, die Siedlung Steinheim beim Kloster blieb hingegen wirtschaftlich unbedeutend. Im späten Mittelalter stellte sich die Frauengemeinschaft als reichsunmittelbar dar, was württembergischen Einfluss in Hinblick auf notwendige Reformen im Kloster nicht ausschloss (1478). Ausfluss der Reformen waren die wirtschaftliche Gesundung Marientals, ablesbar am Umbau des Klosters unter der Priorin Ursula von Ramstein um 1500, und eine geistlich-geistige Erneuerung, die die Anzahl der Nonnen wieder steigen ließ. Zwischen 1556 und 1582 wurde das Kloster ein Opfer der württembergischen Reformation.
Zu Mariental s.: Untermann, Matthias (1991), Kloster Mariental in Steinheim an der Murr. Römisches Bad, Grafenhof, Kloster (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Bd.13), Stuttgart 1991, 128 S., Abbildungen, Karten, Pläne, DM 15,-. [Buhlmann, 03.2009]

Marks, Robert B. (2006), Die Ursprünge der modernen Welt. Eine globale Weltgeschichte, Darmstadt 2006, 208 S., € 4,95. Betrachtet wird die globale (besonders wirtschaftliche) Entwicklung der Jahrhunderte zwischen 1400 und 1900. Am Anfang stehen die Kulturen des eurasischen Doppelkontinents mit Westeuropa, Russland, osmanischem Reich, Persien, Indien, China, Südostasien und Japan, eingebunden im System der biologischen alten Ordnung der neolithischen Revolution. Auf Landwirtschaft beruhende Gesellschaften konnten dabei - wie China oder England im 18. Jahrhundert - an ihre wirtschaftliche Grenzen gelangen, waren aber - nach dem Rückgang der Bevölkerung infolge der Pest (1347/49 und später) - dennoch fähig zu weltweitem Außenhandel (chinesische Flottenexpeditionen des beginnenden 15. Jahrhunderts und der Verzicht Chinas auf maritime Vorherrschaft) oder zu kolonialer Expansion (Entdeckungsreisen; spanisches Kolonialreich in Amerika, Portugiesen im Indischen Ozean). Dabei waren die indische und chinesische Gesellschaft bei wachsenden Bevölkerungen bis um 1800 in der Weltwirtschaft führend, deren Landwirtschaften am produktivsten. Asiatische Waren gelangten dabei gegen (spanisches) Silber und Gold nach Europa und Amerika; gerade der Silberabfluss nach China hielt den Welthandel in Gang. Im kolonialen Amerika entstand durch die weitgehende Vernichtung der Ureinwohner (Krankheiten, Zwangsarbeit) ein auf afrikanische Sklaven beruhendes Plantagensystem u.a. zur Herstellung von Baumwolle. Die industrielle Revolution in England (politischer Aufstieg Englands gegen Frankreich im 18. Jahrhundert [Siebenjähriger Krieg]) schuf dann für Großbritannien, Westeuropa und Nordamerika - bei Ausbeutung fossiler Brennstoffe - eine gesellschaftliche Situation, die ein Ausbrechen aus der biologischen alten Ordnung agrarischer Prägung ermöglichte, während Asien und Lateinamerika innerhalb dieser alten Ordnung verblieben. Somit geriet China politisch und wirtschaftlich gegenüber Großbritannien im 19. Jahrhundert ins Hintertreffen (Opiumkriege, Kanonenbootpolitik), Japan musste sich dem "Freihandel" europäisch-nordamerikanischer Prägung öffnen. Die Nationalstaaten in Europa und die USA konkurrierten dabei wirtschaftlich (Rohstoffe, Absatzmärkte) und politisch (Kolonialreiche besonders in Afrika, Konzessionen in China) miteinander. Diese Entwicklungen verstärkten gegen Ende des 19. Jahrhunderts die durch El-Nino-Katastrophen verursachten Hungersnöte, die Millionen von Menschen in den Gesellschaften der biologischen alten Ordnung das Leben kosteten. Die globaliserte Welt des 15. bis 19. Jahrhunderts bildete dann die Voraussetzung für den Industriekapitalismus des 19. und 20. Jahrhunderts, für einen weltweiten Technologieausbau (industrieller Aufstieg Asiens), für aus starkem Bevölkerungswachstum (jenseits der biologischen alten Ordnung) hervorgehenden Migrationsbewegungen in die Industrieländer, für einen Wandel in der politischen Weltordnung (Weltkriege, Entkolonialisierung, Kommunismus und Kapitalismus). [Buhlmann, 03.2013]

Markschies, Alexander (2011), Brunelleschi (= BSR 2540), München 2011, 128 S., Abbildungen, Farbtafeln, € 8,95. Der Künstler Filippo Brunelleschi (*1377-†1446) aus Florenz, Sohn eines Notars, ausgebildet zum Goldschmied, Bildhauer und Architekt, steht mit seinen Werken am Anfang der Renaissance in Italien. Brunelleschis Leben lässt sich in etwa ablesen an der Kunst und Architektur, mit der er (nicht immer in eindeutiger Art und Weise) in Verbindung gebracht wird: Figuren u.a. des heiligen Augustinus als Teil des Silberaltars im Dom von Pistoia (1395/1400), zwei Perspektivtafeln u.a. des Florentiner Baptisteriums (1410er-Jahre), Kuppel des Doms von Florenz (1417-1436), Florentiner Findelhaus (1419-1427), Barbadori-Kapelle in der Kirche S. Felicità in Florenz (1419-1423), Neubau und Alte Sakristei der Florentiner Kirche S. Lorenzo (ab 1419, um 1422), Oratorium des Kamaldulenserklosters S. Maria degli Angeli in Florenz (1434-1437), Palazzo die Parte Guelfa in Florenz (um oder nach 1430), Neubau der Florentiner Kirche S. Spirito (ab 1436), Pazzi-Kapelle des Franziskanerklosters S. Croce in Florenz (ab 1445, Zuordnung unsicher). Begraben liegt Brunelleschi unter der Kuppel des Florentiner Doms. [Buhlmann, 05.2011]

Markschies, Christoph (2001), Die Gnosis (= BSR 2173), München 2001 > G Gnosis

Marlowe, Christopher, englischer Dichter: Christopher Marlowe (*1564-†1593) war ein englischer Dichter des elisabethanischen Zeitalters (Königin Elisabeth I., 1558-1603), der in Cambridge am Corpus Christi College studierte (Bachelor of Arts 1584, Master of Arts 1587), um in seinen letzten Lebensjahren (1587/93) in London Theaterstücke zu verfassen und aufzuführen. Unter Blaspehmieverdacht stehend, wurde Marlowe am 30. Mai 1593 in Deptford ermordet. Von Marlowe sind überliefert die Theaterstücke: Tamburlaine the Great (1587/90), Edward II, Massacre at Paris, Faustus (ca.1592/1604), The Jew of Malta, Dido, Queen of Carthage (1594). Außerdem übersetzte er Ovids Liebeskunst.
S.: Marlowe, Christopher (ca.1592/1604), Die tragische Historie vom Doktor Faustus (= RUB 1128), Nachdruck Stuttgart 1971, 88 S., DM 1,20. [Buhlmann, 05.2019]

Marrucci, Myriam, Volterra. Stadtführer, San Gimignano o.J., [32] S., Farbabbildungen, Stadtplan, L N.N. I. Der Villanova-Zeit (9./8. Jahrhundert v.Chr.) folgte seit dem 8. Jahrhundert v.Chr. das etruskische Volterra, entstanden aus dem Zusammenschluss mehrerer Siedlungen, als Teil eines aus zwölf Orten bestehenden etruskischen Städtebundes. Volterra (Velletri) wurde bedeutsam u.a. durch den Handel mit Kupfer und Salz; die Bedeutung der Stadt ist zuletzt ablesbar an der (heute nur noch teilweise erhaltenen) etruskischen Stadtmauer aus dem 4. Jahrhundert v.Chr. Das ab dem 4./3. Jahrhundert v.Chr. im römischen Machtbereich gelegene Volterra wurde in den römischen Bürgerkriegen in Mitleidenschaft gezogen (79 v.Chr.), erholte sich aber in der Kaiserzeit. Mit der Durechsetzung des Christentums im römischen Reich der Spätantike (4./5. Jahrhundert n.Chr.) wurde Volterra Bischofssitz. Im hohen Mittelalter entstand gegen die Stadtherrschaft des Bischofs (Adelsfamilie der Pannocchieschi) eine Bürgergemeinde (Rat, Bürgermeister [1193], Palazzo Comunale [1208]). Im späten Mittelalter geriet Volterra in zunehmende Abhängigkeit des benachbarten Florenz (Stadtherrschaft der Belforti [1340], Giusto die Antonio Landini als Capitano del Popolo [1429], Niederlage Volterras gegen Florenz [1472]). Die Stadt blieb in der Folge unter der Herrschaft der Florentiner Medici. II. Sehenswürdigkeiten in Volterra sind: etruskische Kunst (Ombra della Sera [6. Jahrhundert v.Chr.], Aschenurnen, Urne der Vermählten [1. Jahrhundert v.Chr.]), Arco Etrusco (4. Jahrhundert v.Chr.), römisches Theater (um Christi Geburt), Dom (12./13. Jahrhundert), Geschlechtertürme (Mittelalter), Palazzo dei Priori (13. Jahrhundert), Bastione Medievale (13. Jahrhundert), Medici-Festung (1472/75; Rocca Antica [1343], Maschio) u.a. [Buhlmann, 03.2020]

Marti, Franz, Trüb, Walter (1979), Bahnen der Alpen, Zürich 1979 > E Eisenbahn(en) in Mitteleuropa

Martini, Eduard Christian (1859), Geschichte des Klosters und der Pfarrei St. Georgen auf dem Schwarzwald (mit Rücksicht auf die Umgebung), St. Georgen 1859, Nachdruck Villingen-Schwenningen 1979, 313 S., € 10,50. Die Mönchsgemeinschaft in St. Georgen im Schwarzwald, gegründet im Jahr 1084 als benediktisches Reformkloster, war zunächst Priorat des Klosters Hirsau, bis es unter Abt Theoger (1088-1119) als selbstständige Abtei Beziehungen zum Papsttum und zum deutschen Königtum aufnehmen konnte. Besitzmäßig gut ausgestattet mit Gütern und Rechten auf der Baar, in Oberschwaben, am Oberrhein und im Elsass, wurde das Kloster im beginnenden 12. Jahrhundert zu einem Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums; Frauen- und Männerklöster wie Lixheim, Amtenhausen, Friedenweiler, Urspring oder Rippoldsau waren St. Georgener Priorate. Wechselhaft war die Klostergeschichte unter den St. Georgener Äbten ab dem 12. Jahrhundert: 1224 wurde das Kloster durch Brand stark in Mitleidenschaft gezogen; im späten Mittelalter gelang die Ausformung eines Klostergebiets (mit St. Georgen, Brigach, Oberkirnach, Langenschiltach und Peterzell), während die Klostervogtei am Ende des Mittelalters württembergisch wurde. Die Einführung der Reformation durch den württembergischen Herzog (1536) beendete die katholische Zeit St. Georgens, die Mönche wichen nach Villingen aus, das Klostergebiet wurde als Klosteramt innerhalb der württembergischen Landesherrschaft organisiert, es gab eine evangelisches Kloster (zeitweise mit Klosterschule) unter evangelischen Äbten. Der Zerstörung des Klostergebäude im Dreißigjährigen Krieg (1633) folgte 1810 der Übergang St. Georgens an das Großherzogtum Baden. Beziehungen St. Georgens bestanden seit dem Mittelalter zu Tennenbronn, Mönchweiler, Stockburg, Weiler und Burgberg. [Buhlmann, 11.1998]

Maschek, Dominik (2018), Die römischen Bürgerkriege. Archäologie und Geschichte einer Krisenzeit, Zabern-Darmstadt 2018, 350 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, Karten, € 46,40. I. Die Zeit der römischen Bürgerkriege (133-30 v.Chr.) lässt sich chronologisch an folgenden Ereignissen festmachen: 146 v.Chr.: Zerstörung Karthagos und Korinths, 136-132: 1. Sizilischer Sklavenkrieg, 133; Zerstörung Numantias, Volkstribunat des Tiberius Gracchus und dessen Ermordung, 129: Einrichtung der Provinz Asia, 125: Zerstörung Fregellaes, 123/21: Volkstribunat des Gaius Gracchus und dessen Ermordung, 120: Weihe des Concordiatempels in Rom, 113-101: Krieg gegen dei Kimbern und Teutonen, 104-100: 2. Sizilischer Sklavenkrieg, 100: Volkstribunat des Marcus Livius Drusus und dessen Ermordung, 91-89/82: Römischer Bundesgenossenkrieg, 89-85: 2. Mithridatischer Krieg, 88-86/84: Regime des Marius und des Cinna in Rom, 83-81: Bürgerkrieg, 82-79: Diktatur Sullas, 78: Tod Sullas, 77-72: Krieg zwischen Pompejus und Sertorius, 73-63: 3. Mithridatischer Krieg, 73-71: Spartakusaufstand, 67-63: Eingreifen des Pompejus im östlichen Mittelmeerraum, 60: 1. Triumvirat zwischen Pompejus, Caesar und Crassus, 58-50: Gallischer Krieg, 53: Römische Niederlage bei Carrhae, 49-48: Bürgerkrieg zwischen Pompejus und Caesar, 48: Schlacht bei Pharsalus und Tod des Pompejus, 48-44: Dikatur Caesars, 46: Schlacht bei Thapsus, 44: Ermordung Caesars, 44-42: Bürgerkrieg zwischen Caesaranhängern und -gegnern, 43: Mutinesischer Krieg, 43: Triumvirat zwischen Marcus Antonius, Octavian und Lepidus, 43-33: Sizilien unter der Herrschaft des Sextus Pompejus, 42: Schlacht bei Philippi, 36: Schlacht bei Naulochos, 31: Schlacht bei Actium, 30: Tod des Marcus Antonius und der Kleopatra, 27: Prinzipat des Augustus. II. Die Krise der römischen Republik im Zeitalter der Bürgerkriege lief im Rahmen der "klassischenspezifischen Konkurrenz" der römischen und italischen Oberschichten ab. Da war zum einen die massive Umverteilung von Vermögen als Folge von Bürgerkrieg und Proskriptionen, die den Aufstieg von (neuen, Freigelassenen-) Familien z.B. in den Ritterstand ermöglichten, aber auch die Gefährdung von (Grund-) Besitz aufzeigten. Sowohl die Konkurrenz innerhalb der Elite als auch die (Beute-) Gier der oberen und unteren Schichten der Bevölkerung hielt dabei den Bürgerkrieg in Gang und dies bei weiterer politischer und wirtschaftlicher Expansion des römischen Machtbereichs im Mittelmeerraum und darüber hinaus. Die Expansion römischer Macht aber beförderte - auf Kosten der Besiegten - eine weiter zunehmende Monetarisierung und Globalisierung der römischen Wirtschaft und eine Urbanisierung auf der italischen Halbinsel. Auch dabei gab es Gewinner und Verlierer, so dass der Reichtum sehr ungleichmäßig verteilt war. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen innerhalb des Sozialgefüges ("familiäre Gefolgschaftsstrukturen", Sklavenarbeit) vollzogen sich innerhalb von nur drei Generationen, massiv innerhalb der 40er- und 30er-Jahre des 1. Jahrhunderts v.Chr., ablesbar aber auch an einem Bauboom und an einem gesteigerten Konsum (luxuria). All diese Entwicklungen spiegelten sich in der Gebäudearchitektur und der Relief- und Grabmalkunst, wo es um erinnerte Geschichte, die Deutungshoheit um die Geschichte und die "Vorherrschaft über die Erinnerungskultur" ging. Die Weihe des römischen Concordia-Tempels gehört hierher, ebenso ein Abheben auf für Gemeinschaft und Staat verbindliche Tugenden, aber auch das Festhalten an Tradiertem gerade bei politischer Instabilität. In der Zeit des princeps Augustus (27 v.Chr.-14 n.Chr.) ist dann in der Kunst und Literatur ein Konsens zu beobachten, der die vorangegangenen politischen Gegensätze aufhob, um ein Bild vom Aufstieg Roms zu vermitteln und eine "Botschaft des Friedens und des Aufblühens, der Ruhe und der Sicherheit" (römische summi viri, römisches Curtius-Relief, Monumente und Bilder). Adressaten dieser Botschaft waren die, die den römischen Bürgerkrieg und damit Gewalt und gesellschaftliche Verwerfung miterlebt hatten. [Buhlmann, 03.2020]

Maser, Werner (1974), Adolf Hitler - Mein Kampf. Geschichte, Auszüge, Kommentare (= Moewig Dokumentation 4329), München 1983 > H Hitler, Adolf

Maser, Werner (1980), Adolf Hitler. Das Ende der Führer-Legende (= Moewig Dokumentation 4325), München 1982 > H Hitler, Adolf

Masson, Georgina (1976), Das Staunen der Welt: Friedrich II. von Hohenstaufen (= Bastei 61006), Bergisch-Gladbach 1976 > F Friedrich II. (von Hohenstaufen)

Mathematik, Wissenschaft im Bereich menschlicher Kulturen und Gesellschaften: I. [Mathematik ist die logisch-beweistechnisch unterlegte Wissenschaft von (mathematischen) Strukturen und deren Eigenschaften,] Mathematikgeschichte orientiert sich an je nach geschichtlicher Epoche wirksamen mathematischen Teilgebieten. II. Der Satz des Pythagoras (*ca.580-†497 v.Chr.) und seine geometrisch-beweistechnische Formulierung in einem rechtwinkligen Dreieck stehen (von daher) am Anfang der Mathematikgeschichte, damit zusammenhängend die pythagoräischen Zahlentripel und die Frage von Rationalität und Irrationalität von (reellen) Zahlen. Antik-griechische Geometrie, vermittelt u.a. durch Euklid (ca.300 v.Chr.), Perseus (ca.150 v.Chr.), Diokles (ca.100 v.Chr.) und Ptolemaios (ca. 140 n.Chr.), drehte sich um Axiomatik und Deduktion, um regelmäßige Polyeder, Kegelschnitte und Epizykel. An zahlentheoretischen Erkenntnissen sind die Prim- und Polygonalzahlen zu nennen, der Euklidische Algorithmus, die Diophantischen Gleichungen (Diophantes, ca.250 n.Chr.?). Infinitesimale Betrachtungen (Zenon-Paradoxon, ca.450 v.Chr.) bieten die Proportionentheorie des Eudoxos (4. Jahrhundert, 1. Hälfte), geometrische Approximationen von Figuren und Körpern u.a. durch Archimedes (*ca.287-†212 v.Chr.). Teilweise parallele Entwicklungen sind dann für den chinesischen Kulturkreis und für Indien auszumachen (Brahmagupta [*598-†665]; Bhâskara [*1114/15-†ca.1185]). III. Die Anfänge von Algebra finden sich (neben Brahmagupta) bei dem arabischen Mathematiker al-Khwarizmi (9. Jahrhundert, 1. Hälfte), der in seinem Werk Al-jabr w'al mûqabale (ca.830 n.Chr.) die Lösung linearer und quadratischer Gleichungen behandelte. Die Algebra al-Khwarizmis kann dann als Ausgangspunkt gelten für das Lösen kubischer und algebraisch höherer Gleichungen (mit irrationalen Lösungen) (Niccolò Tartaglia [*1499/1500-†1557]; Girolamo Cardano [*1501-†1576]; Francois Vieta [*1540-†1603]). IV. Im Bereich der analytischen Geometrie (Koordinatensysteme [Hipparch, ca.150 v.Chr.; Nikolaus Oresme, *ca.1323-†1382]) erbrachten die Forschungen u.a. von René Descartes (*1596-†1650) auf dem Gebiet algebraischer Kurven Fortschritte (Kegelschnitte, Folium, kubische Kurven, Bézouts Theorem, Arithmetisierung der Geometrie). Mit projektiver Geometrie (Perspektive) beschäftigten sich Girard Desargues (*1591-†1661) und Blaise Pascal (*1623-†1662; Essai pour les coniques 1640). V. Im Rahmen der im 17. Jahrhundert aufkommenden Analysis (Calculus) ging es um Infinitesimalrechnung bei Differentiation (Tangente, Minimum, Maximum einer Kurve) und Integration (Flächenberechnung, Quadratur); zu nennen sind hier die Arithemetica Infinitorum des John Wallis (*1616-†1703), die mathematischen Erkenntnisse Isaac Newtons (*1642-†1727) sowie der für die Folgezeit maßgeblichere Calculus des Gottfried Wilhelm Leibniz (*1646-†1716). Zum Gebiet der Infinitesimalrechnung gehörte auch die Theorie der unendlichen Folgen und (Potenz-) Reihen (Fibonacci-Folge 1202, Richard von Swineshead und sein Liber calculationum ca.1350, Transzendenz der Zahlen π und e, Zeta-Funktion), vermittelt u.a. durch James Gregory (*1638-†1675) und Leonhard Euler (*1707-†1783). Physikalische Anwendungen der Analysis betrafen die Himmelsmechanik, "mechanische Kurven" (Pendel, Flüssigkeit) (Jakob Bernoulli [*1654-†1705], Johann Bernoulli [*1667-†1754). VI. Im Bereich der Zahlentheorie gab es seit Diophantes ebenfalls Fortschritte (Pascalsches Dreieck 1654), insbesondere durch Pierre Fermat (*1601-†1665; Fermats kleiner Satz, Fermats letzter Satz). VII. Die Theorie der elliptischen Funktionen bildete sich im 17. bis 19. Jahrhundert heraus (elliptische Integrale, Lemniskate); hier leisteten u.a. Niels Henrik Abel (*1802-†1829) und Carl Gustav Jacob Jacobi (*1804-†1851) Entscheidendes. VIII. Komplexe Zahlen treten als Lösungen etwa quadratischer und kubischer Gleichungen in Erscheinung, sind aber auch im Zusammenhang zu den elliptischen Funktionen zu sehen. Der Fundamentalsatz der Algebra (1799) stand hier im Mittelpunkt (Jean le Rond d'Alembert [*1717-†1783]; Gauß), ebenso komplexe Kurven und deren Projektionen (Bernhard Riemann [*1826-†1866]) sowie komplexe Funktionen (Satz von Cauchy 1814/25), elliptische Funktionen und Kurven (Uniformisierung) (Joseph Louis Lagrange [*1736-†1813]; Augustin-Louis Cauchy [*1789-†1857]). IX. Die Differentialgeometrie nahm ihren Ausgang bei den transzendentalen Kurven (Exponentialfunktion, trigonometrische Funktionen) und untersuchte die Krümmung von Kurven und Oberflächen; Protagonisten dieses mathematischen Forschungsfeldes waren u.a. Thomas Harriot (*ca.1560-†n.1621) und Carl Friedrich Gauß (*1777-†1855). X. Es entwickelte sich zudem eine nichteuklidische Geometrie (euklidische Axiome, sphärische Geometrie, hyberbolische Geometrie, Parkettierungen) u.a. durch János Bolyai (*1802-†1860) und Nikolai Ivanovich Lobachevsky (*1792-†1856). XI. Neue Impulse erhielt die Mathematik durch das Konzept der algebraischen Struktur der Gruppe (Permutationsgruppen, Parkettierungen) besonders durch Evariste Galois (*1811-†1832). Ringe, Körper und Ideale traten hinzu (Gaußsche Ganzzahlen, algebraische Zahlen) (Richard Dedekind [*1831-†1914], David Hilbert [*1862-†1943], Emmy Noether [*1882-†1935]). XII. Die Erweiterung des komplexen Zahlbegriffs zu den hyperkomplexen Zahlen (Quaternionen, Oktonionen) erfolgte durch William Rowan Hamilton (*1805-†1865). XIII. Topologie als Erweiterung der Geometrie beschäftigt sich mit den gegenüber geometrischen Transformationen invarianten Eigenschaften von Räumen und Körpern (Polyederformlen von Descartes und Euler 1630, 1752; Oberflächen und Oberflächenklassifizierungen [Möbiusband], Fundamentalgruppen) (Henri Poincaré [*1854-†1912]). XIV. Mengentheorie und mathematische Logik fanden zusammen u.a. bei der Überabzählbarkeit der reellen Zahlen (Georg Cantor [*1845-†1918]), in der Maß- und Integrationstheorie (Riemann- und Lebesgue-Integral, Fourierreihen), im Auswahlaxiom, in der Berechenbarkeit von Funktionen (Turing-Maschine 1936), schließlich in den für die (axiomatischen) Grundlagen der Mathematik so bedeutsamen Gödelschen Sätzen (Alfred North Whitehead, Bertrand Russell, Principia Mathematica 1910; Kurt Gödel [*1906-†1978]) (nach: Stillwell, John (1989), Mathematics and its History (= Undergraduate Texts in Mathematics), New York 22004).
Die moderne Mathematik gliedert sich in eine Vielzahl von Fachgebieten, u.a.: Grundlagen: Duden. Schulwissen: Mathematik 5. bis 10. Klasse, Berlin-Mannheim-Zürich 22011, 400 S., € N.N.; Laugwitz, Detlef, Vollrath, Hans-Joachim, Schulmathematik vom höheren Standpunkt, Bd.I (= BI 118/118a), Mannheim-Wien-Zürich 1969, 195 S., Abbildungen, DM N.N.; Lexikon der Mathematik, hg. v. Guido Walz, in 5-6 Bden.: Bd.1 (2001): A bis Eif, Heidelberg-Berlin 2001, IX, 475 S., Abbildungen, DM 186,-; Lineare Algebra: Bosch, Siegfried (2001), Lineare Algebra, Berlin-Heidelberg 52014, 385 S., € 29,90; Numerik: Engeln-Müllges, Gisela, Reutter, Fritz (1987), Formelsammlung zur Numerischen Mathematik mit Turbo-Pascal-Programmen, Mannheim-Wien-Zürich 21987, 505 S., DM 44,-; Meister, Andreas, Sonar, Thomas (2019), Numerik. Eine lebendige und gut verständliche Einführung mit vielen Beispielen (= Springer Spektrum), Berlin 2019, 381 S., Farbabbildungen, € 32,99. [Buhlmann, 12.2019, 06.2020, 10.-11.2020]

Matthäus, Hartmut, Der Arzt in römischer Zeit: [Tl.1:] Literarische Nachrichten - archäologische Denkmäler (= Schriften des Limesmuseums Aalen, Nr.39), Aalen 1987 > S Schriften des Limesmuseums Aalen

Matthäus, Hartmut, Der Arzt in römischer Zeit: [Tl.2:] Medizinische Instrumente und Arzneien - Archäologische Hinterlassenschaften in Siedlungen und Gräbern (= Schriften des Limesmuseums Aalen, Nr.43), Aalen 1989 > S Schriften des Limesmuseums Aalen

Matuz, Josef (1985), Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt 1985 > O Osmanische Geschichte

Matz, Klaus-Jürgen (1980), Regententabellen zur Weltgeschichte (= dtv 3215), München 1980 > R Regententabellen, Stammtafeln

Maul, Stefan M. (2013), Die Wahrsagekunst im Alten Orient. Zeichen des Himmels und der Erde, München 2013, 423 S., Farb- und Schwarzweißabbildungen, Karte, € 29,95. Jede menschliche Gesellschaft (Kultur) benötigt Prognoseverfahren zur Erkundung der vermeintlichen Zukunft. Aus neolithischen Anfängen (Viehzucht) erwuchs im Alten Orient Mesopotamiens und Syriens die (wohl vorwiegend semitisch geprägte) Wahrsagekunst zur Vorausschau der Zukunft. Die Orakeltätigkeit verband dabei Menschen und Götter, Erde und Himmel. Gegen Ende des 3. vorchristlichen Jahrtausends war es König Schulgi (3. Dynastie von Ur [21./20. Jahrhundert v.Chr.]), der wohl die Orkakeltätigkeit neu organisierte, im 2. und 1. Jahrtausend v.Chr. bildete sich die Wahrsagekunst heraus, wie sie zahlreiche Keilschrifttexte (frühe Keilschriftsammlungen des 19. Jahrhunderts v.Chr.) vermitteln. Dem mit aufwändigen Ritualen verbundenen Binärorakel (Fragestellung mit Ja/Nein-Antwort) im Zusammenhang mit der Opferung von Lämmern und der Analyse der geopferten Tiere (allgemeines Erscheinungsbild, Innereien, Leberschau [linke/ungünstige, rechte/günstige Felder, Saldo der günstigen und ungünstigen Zeichen, göttliche Antwort]) kam eine besondere Rolle zu, doch vermochten die "Seher" auch aus der Verteilung von Mehl, Räucherwerk oder Öl zu lesen. Solcherart beraten wurden Könige (Politikberatung in Krieg und Frieden) wie Privatleute. Gegen Ende des 2. vorchristlichen Jahrtausend kamen zudem in Mesopotamien die Astrologie und mit ihr die genaue (astronomische) Beobachtung des Himmels und der Himmelsphänomene (Finsternisse, Lunisolarkalender) auf, die die bisherige Wahrsagekunst bald als subsidiär erscheinen ließen. Im 1. vorchristlichen Jahrtausend war Babylon als kulturelles Zentrum und damit auch wichtigstes Zentrum der Orakelkunst (Priester, "Seher", himmelskundige "Tafelschreiber"). Gut belegt ist Wahrsagekunst unter dem neuassyrischen König Assurbanibal (668-631 v.Chr.; Bibliothek des Königs in Ninive; Netzwerk astronomischer Beobachtung, Opferschau). [Buhlmann, 01.2014]

Maulbronn, Zisterzienserkloster: Aus einer "Gründungsurkunde" des Speyerer Bischofs Gunther (1146-1161) von 1148 erfahren wir einiges über die Entstehung der Zisterze Maulbronn. Initiator der Gründung war ein Edelfreier namens Walter von Lomersheim, auf dessen Bitten Abt Ulrich vom Neuburger Zisterzienserkloster auf Walters Erbgut in Eckenweiher eine Mönchsgemeinschaft gründete (1138/39). Doch genügte Eckenweiher den Erfordernissen eines Klosters nicht, so dass die Mönchsgemeinschaft mit Unterstützung des Bischofs von Speyer nach Maulbronn verlegt wurde (1147). Eine Bulle Papst Eugens III. (1145-1153) vom 29. März 1148 privilegierte schon bald das Kloster, das sich in der Folgezeit trotz angespannter Wirtschaftslage und trotz eines bestehenden Gegensatzes zwischen staufischen und welfischen Parteigängern etablieren konnte. Die defensio, die "Verteidigung" des Klosters kam dabei in bischöfliche Hand, die geistliche Gemeinschaft fand sich eingebunden in das Netzwerk der Stauferanhänger nördlich der Enz, von denen Bischof Gunther der prominenteste war. Die Schutzurkunde Kaiser Friedrichs I. (1152-1190) vom 8. Januar 1156 kann dann als vorläufiger Endpunkt der Integration Maulbronns in das staufische Herrschaftssystem gelten. Besitzvergrößerung und Rodungstätigkeiten verbesserten unterdessen die wirtschaftliche Situation der Zisterze, die beispielsweise 1159 massiv gegen die Bewohner des Dorfes Eilfingen vorging, um dort eine Grangie zu errichten. Mit dem Tod Bischof Gunthers hörten die engen Beziehungen Maulbronns zum Speyerer Bistum auf, das Kloster stand während des alexandrinischen Papstschismas (1159-1177) auf staufischer Seite, der Bischof übte wohl im Auftrag des Kaisers die defensio über die Mönchsgemeinschaft aus. Nach dem Frieden von Venedig (1177) erlangte das Kloster zwei Papstprivilegien vom 21. Dezember 1177 und April 1179. Maulbronner Äbte standen in der Folgezeit weiterhin in Verbindung mit den staufischen Kaisern und Königen, die deutschen Herrscher übten die Schirmvogtei über das Kloster aus, als diesbezügliche Amtsträger sind wohl ab 1236 die Herren von Niefern-Enzberg, ein staufisches Ministerialengeschlecht, neben dem Reichsvogt von Wimpfen (1240/43) bezeugt. In spät- und nachstaufischer Zeit gerieten die Reichsrechte gegenüber Maulbronn bald ins Hintertreffen. Gemäß einem Diplom König Wilhelms von Holland (1247-1256) vom 23. März 1255 durfte der Bischof von Speyer den Schirmvogt über die Zisterze einsetzen, doch konnten die Herren von Enzberg, die die Schutzvogtei rücksichtslos ausübten, erst 1270 aus der klösterlichen defensio verdrängt werden. 1273 gelangte die Vogtei nochmals ans Reich, ab 1280 übte der Speyerer Bischof die defensio in königlichem Auftrag aus. Die Vogtei wurde in den 1360er-Jahren kurpfälzisch, 1504 württembergisch. Das 1554 endgültig evangelisch gewordene Kloster ging in der Landesherrschaft der württembergischen Herzöge auf. Die Klosterkultur Maulbronns bewegte sich mit Skriptorium und Büchern im Umfeld der Kultur des Zisterziensertums. Das zisterziensische "Grundgesetz" der charta caritatis ("Urkunde der Liebe", endgültige Redaktion in den 1160er-Jahren) schrieb so einen gewissen Mindeststandard in Quantität und Qualität der im Kloster zu benutzenden (liturgischen) Bücher vor, die damit klösterliche Lebenspraxis untermauern halfen. Das Maulbronner Antiphonar des Jahres 1249 aus dem Kloster Lichtenthal verweist dann direkt auf die damalige zisterziensische Buchkultur in Südwestdeutschland. Danach war diese beeinflusst vom überragenden Kultur- und Kunstzentrum von Ile-de-France und Paris, Letzteres auch die Residenz des kapetingisch-französischen Königtums und Sitz der wichtigen Universität. Südwestdeutsche Zisterzienser studierten in Paris, Pariser Handschriften gelangten in deutsche Zisterzen, liturgische Bücher orientierten sich am französischen Vorbild, z.B. bei der Notenschrift mit den Linien. Damit war die klösterliche Buchkultur Südwestdeutschlands, soweit sie die Zisterzienser betraf, eingebunden in größere, europäische Zusammenhänge. Das genannte Maulbronn-Lichtenthaler Antiphonar sowie zwei wohl von einem Maulbronner Mönch Bertolf geschriebene Graduale aus der Zeit um 1175 beleuchten dann die Situation von Skriptorium und Buchproduktion in der Zisterze Maulbronn im hohen Mittelalter, wenn auch kaum mehr über die Maulbronner Bücher des 12. und 13. Jahrhunderts in Erfahrung zu bringen ist. Erhalten geblieben ist immerhin die hoch- bis spätmittelalterliche Klosteranlage Maulbronns: die schmucklose romanische Pfeilerbasilika als Klosterkirche (1147/78) mit dem Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert, das Paradies (ca.1215), das Winterrefektorium (ca.1230), der Kapitelsaal, der unterschiedlich gestaltete Kreuzgang (13.-15. Jahrhundert) sowie die zahlreichen Wirtschaftsgebäude (Küferei, Schmiede, Fruchtkasten) und die Klostermauer mit den Wehrtürmen. Im sog. Faustturm des Klosters wohnte der 1509 an der Heidelberger Universität zum Doktor der Theologie promovierte Alchemist Johann (Georg) Faust (*ca.1480-†1540) im Jahr 1516.
An Literatur zu Maulbronn sei genannt: Henk, Richard, Braus, Günter, Braus, Johannes, Grassl, Anton Maria (1979), Abtei Maulbronn, Heidelberg 31983, 72 S., Schwarzweiß-, Farbtafeln, (DM 25,80); Rückert, Peter, Planck, Dieter (Hg.) (1999), Anfänge der Zisterzienser in Südwestdeutschland. Politik, Kunst und Liturgie im Umfeld des Klosters Maulbronn (= OS 16), Stuttgart 1999, 278 S., € 14,95. [Buhlmann, 03.2009, 11.2012, 02.2016]

Maurach, Gregor (Hg.) (1975), Seneca als Philosoph (= WdF 314), Darmstadt 1975 > S Seneca

Maurer, Heinrich (1889), Zur Geschichte der Markgrafen von Baden, in: ZGO 43 (1889), S.478-506 > B Baden

Maurer, Helmut (1974), Die Abtei Reichenau. Neue Beiträge zur Geschichte und Kultur des Inselklosters (= Bodensee-Bibliothek, Bd.20), Sigmaringen 1974 > R Reichenau

Maurer, Helmut (1978), Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit, Sigmaringen 1978 > S Schwaben

Maurer, Helmut (1989), Konstanz im Mittelalter: I. Von den Anfängen bis zum Konzil (= Geschichte der Stadt Konstanz, Bd.1), Konstanz 21996 > K Konstanz

Maurer, Helmut (1989), Konstanz im Mittelalter: II. Vom Konzil bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (= Geschichte der Stadt Konstanz, Bd.2), Konstanz 21996 > K Konstanz

Maurice, Florence, Rex, Patricia (2008), CSS. Webdesign mit Cascasing Style Sheets (= Markt + Technik), München 2008, 447 S., Schwarzweißabbildungen, € 24,95 > Kompendium Mittelalter > Geschichtsdarstellung: Homepage/Website [Buhlmann, 08.2008]

Maximilian I., deutscher König und Kaiser: Der Sohn des habsburgischen Kaisers Friedrich III. (1440-1493) und der Eleonore von Portugal wurde am 22 Mai 1459 in Wiener Neustadt geboren. Seine Heirat mit der burgundischen Erbtochter Maria am 18. August 1477 in Gent brachte den Habsburgern - wenn auch erst nach den erfolgreichen Kämpfen Maximilians gegen Frankreich - den Großteil der burgundischen Erbmasse ein (Friede von Arras 1482; Vertrag von Senlis 23. Mai 1493). Die Wahl Maximilians zum deutschen König (16. Februar 1486) und seine Krönung in Aachen (9. April) machte den Sohn zum Nachfolger des Vaters im römisch-deutschen Reich. Nach dem Tod Friedrichs III. konnte zudem Maximilian I. alle habsburgischen Länder (Stammlande, Tirol, burgundische Territorien) in einer Hand vereinen. Die Heirat Maximilians mit der Mailänderin Bianca Maria (9. März 1494) ermöglichte es dem König, auch in Italien einzugreifen. Dort stieß er allerdings auf den Widerstand der französischen Könige Karl VIII. (1483-1498), Ludwig XII. (1498-1515) und Franz I. (1515-1547) sowie Venedigs. Die Italienpolitik endete in einem Fiasko (1515) und im Frieden von Brüssel (3 Dezember 1516). Immerhin brachte das Zusammengehen mit Papst Julius II. (1503-1513) für Maximilian den Titel eines "Erwählten Römischen Kaisers" (4. Februar 1508); alle deutschen Könige nahmen seither bei ihrer Königskrönung auch den Kaisertitel an. Im Reich machte auf dem Wormser Reichstag (7. August 1495) die Reichsreform dahingehend Fortschritte, dass ein Ewiger Landfriede, die Bildung eines Reichskammergerichts und die Erhebung eines Gemeinen Pfennigs beschlossen wurden. Trotzdem hielten die Unruhen in Deutschland an, z.B. mit den Schweizern, die nach dem Schwabenkrieg (1499) mit dem Frieden von Basel (22. September 1499) faktisch aus dem Reich ausschieden. Maximilian konnte sich aber im Landshuter Erbfolgekrieg (1504/05) erfolgreich durchsetzen (Schlacht bei Regensburg, 12. September 1504). Der Kölner Reichstag im Sommer 1505 sah dann den König auf dem Höhepunkt seiner Macht. In seiner Ostpolitik bemühte sich Maximilian weiter um den Erwerb der ungarischen und böhmischen Krone. Die Adoption des Prinzen Ludwig - dieser war der Sohn des ungarisch-böhmischen Königs Wladislaw (1471-1516) - und eine Doppelhochzeit regelten die habsburgischen Ansprüche auf beide Königreiche (20. Juli 1515). Der Kaiser starb am 12. Januar 1519 und wurde in Wiener Neustadt begraben.
Vgl. die Quellen: Quellen zur Geschichte Maximilians I. und seiner Zeit, hg. v. Inge Wiesflecker-Friedhuber (1996) (= FSGA B 14), Darmstadt 1996, XIX, 323 S., € 20,- und die Darstellungen: Breitner, Erhard (1939), Maximilian I. Der Traum von der Weltmonarchie, Bremen 1939, 403 S., Schwarzweißtafeln, DM 5,50; Holleger, Manfred (2005), Maximilian I. (1459-1519). Herrscher und Mensch einer Zeitenwende (= Urban Tb 442), Stuttgart 2005 > H Holleger, Maximilian I. [Buhlmann, 11.1996, 03.2020]

Mayer, Hartwig, Die althochdeutschen Griffelglossen der Handschrift Salzburg St. Peter a VII 2 (= StAhd 28), Göttingen 1994 > S Studien zum Althochdeutschen

Mayer, Wilhelm, 65 Jahre Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth 1949-2014, Düsseldorf-Kaiserswerth 2014 > H Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth. Dokumente

Mayer, Wilhelm, 30 Jahre Museum des Heimat- und Bürgervereins Kaiserswerth 1984/1991-2014. Dokumentation über 30 Jahre Ausstellungen zur Geschichte Kaiserswerths und zu Künstlern des Düsseldorfer Nordens, Düsseldorf-Kaiserswerth 2014 > H Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth. Dokumente

Mayer, Wilhelm, Veröffentlichungen und sonstige Schriften des Heimat- und Bürgervereins Kaiserswerth. Zusammenstellung der verschiedenen Schriftenreihen und sonstigen verkäuflichen Schriften zur Geschichte Kaiserswerths und zu Künstlern des Düsseldorfer Nordens, Düsseldorf-Kaiserswerth 2014 > H Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth. Dokumente

Mayor, Adrienne (2020), Götter und Maschinen. Wie die Antike das 21. Jahrhundert erfand (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2020), Darmstadt 2020, 336 S., Schwarzweißabbildungen, € ca.10,-. Die griechisch-römische Antike kannte (sich gegenseitig aufeinander beziehende) mythische Darstellungen und technologische Vorstellungen von "Robotern" und "Automaten", die biologisches Leben künstlich nachahmen sollten, aber "geschaffen, nicht geboren" waren, und Wünsche und "technologische Gedankenexperimente", das natürliche Leben künstlich zu übertreffen, was z.B. Altern und Unsterblichkeit anbetraf: der "Bronzeroboter" Talos des kretischen Königs Minos, besiegt von Medea und den Argonauten; die "biotechnische" Verjüngung König Aisons durch Medea und Medeas Rache am Usurpator Pelias; das Streben nach Unsterblichkeit und die damit verbundenen Probleme (Unsterblichkeit der Götter; Eos und Tithonos); das Streben nach Technologie zur Ausweitung und Verstärkung menschlicher Fähigkeiten (techne; feuerspeiende Stiere, Metallsoldaten Alexanders des Großen, medizinische Prothesen, techne-Pornografie [Minotaurus], Daedalus und Ikarus); die künstliche Nachahmung von Lebendigem (lebendige Statuen und Automaten des Daedalus; [weibliche] Automaten des Hellenismus, Magnetismus-Theorien; Pygmalions lebendige Puppe; Erschaffung des Menschen aus Schlamm/Ton durch Prometheus); die göttlichen Apparate und Automaten des Gottes Hephaistos (techne und Schmiede; künstliches Pferd, goldener Hund, fliegendes Dreibein, fliegender Sessel, goldene Jungfrauen, automatische Dienerinnen; Erschaffung der Pandora im Auftrag des Zeus als kalon kakon für die Menschheit ["Büchse der Pandora"]); die mehr oder wenigee reale technische Umsetzung von techne (in römischen Arenen, als Bronzestiere, Signalhörner, "musikalische" Statuen, "Batterien", Startsignalegeber bei den Olympischen Spielen, automatische Tiere [fliegende Taube des Archytas, Riesenschnecke des Demetrios von Phaleron, künstlicher Vogel und Maschinen des Philon von Byzanz], Menschen [Ehefrau Apega des Tyrannen Nabis von Sparta] und Götter [Riesenstatue der Nysa, bronzener Herakles des Heron von Alexandria]). Parallelen zur heutigen technischen Entwicklung (technologischer Fortschritt, Maschinen, künstliche Intelligenz; Science fiction [Literatur, Film]) sind also feststellbar, [vielleicht] enstprechen sie doch [mentalitätsgeschichtlich] den Urängsten und Urhoffnungen von Menschen aller Epochen in Bezug auf ein künstliches Leben, der Ausweitung von menschlichen Fähigkeiten und der Unsterblichkeit von Menschen, betreffen also über den Menschan als solchen hinausgehende auch technologische Entwicklungen [Menschen und Götter]. [Buhlmann, 06.2020]

Mazal, Otto (1989), Handbuch der Byzantinistik, Graz 1989 > B Byzantinische Geschichte

MBMRF = Münchener Beiträge zur Mediävistik und Renaissance-Forschung

MdtF = Mitteldeutsche Forschungen

Me

Medingen, Zisterzienserinnenkloster: Die Nonnengemeinschaft des Zisterzienserinnenklosters Medingen (bei Bad Bevensen) war zunächst in Wolmirstadt (bei Magdeburg) entstanden (1228). Ansiedlungen in Restorf am Höhbeck (1228-ca.1234/35), in Plate (bei Lüchow) (ca.1234/35-123) und Bohndorf (bei Dahlenburg) (1237-1241) erwiesen sich als kurzlebig, wenn auch das Kloster wahrscheinlich Unterstützung beim Magdeburger Erzbischof Albrecht II. (1205-1232) fand. Erst der Umzug nach (Alten-) Medingen stellte vor dem Hintergrund einer durch die Ritter von Meding erfolgten Schenkung von (Alten-) Medinger Kirche und Klostergelände (1241) die geistliche Kommunität auf eine solide, auch wirtschaftliche Grundlage. Hinzu kamen 1251 die Zuweisung des Medinger Zehnten durch Bischof Lüder von Verden (1231-1251), 1253 das Schutzprivileg König Wilhelms von Holland (1247-1256) sowie 1261 die Schenkung eines Königszinses in Niendorf und Secklendorf. Unter den Medinger Pröpsten Nikolaus (II.) (1261-1287) und Hartwig von der Sülze (1287-1306) schritt der wirtschaftliche Ausbau des Klosters weiter voran (Zehntrechte an Orten der Umgebung 1262, Anteil an der Lüneburger Saline 1263), für das ausgehende 13. Jahrhundert lassen sich in Medingen hergestellte Musikhandschriften ausmachen. Unter den Pröpsten Christian (1306-1326) und Ludolf von Lüneburg (1326-1352) erfolgte im Zusammenhang mit einer Verschärfung der Nonnenklausur bei bestehendem Konversinneninstitut (1313) der Umzug des Zisterzienserinnenklosters nach Zellensen oder - wie es nun hieß - Neu-Medingen (1336). Das 14. Jahrhundert sah den Erwerb von Kirchenpatronaten u.a. in Römstedt (1319), Bardowick (1333) und Wichmannsburg (1339), die Einkünfte des Klosters ergaben sich aus dem Salinengut, aus grundherrschaftlichen Renten, aus Memorialstiftungen und Seelmessen; ein Vertrag zwischen Kloster und Stadt Lüneburg regelte die Schifffahrt auf der Ilmenau (1343). Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts werden Veränderungen bei der Nonnenklausur bemerkbar. Die Nonnen verfügten zunehmend über Privateigentum (1370), gehörten vielfach auch Lüneburger Bürgerfamilien an. Die engen Beziehungen der Zisterzienserinnengemeinschaft zur Stadt Lüneburg wirkten sich indes im Lüneburger Nachfolgekrieg (1371-1388) und im "Prälatenkrieg" (1449-1462) negativ auf das Kloster aus. Parallel dazu verstärkte sich die finanzielle Belastung des Klosters durch die Landesherren und Herzöge von Braunschweig-Lüneburg (Auslösung von herzoglichen Bürgschaften 1464); klösterliche Misswirtschaft kam hinzu. Propst Tilemann von Bavenstedt (1467-1494) führte spätestens ab 1477 erfolgreich eine Reform des Klosters durch. Der Neubau von Wirtschaftsgebäuden, eine 1479 erfolgte Visitation der Frauengemeinschaft durch den Verdener Bischof Berthold von Landsberg (1470-1502), die Bereitstellung von Ordensregel und liturgischen Handschriften sowie die Einführung der vita communis bei Verzicht der Nonnen auf Privateigentum und Verschärfung der Klausur gehören hierher; statt der bisherigen Priorinnen führte ab 1494 eine Äbtissin den Frauenkonvent. Dieser sollte während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) in die Stadt Lüneburg fliehen (1519). Ab 1524 gab es Versuche des Landesherrn, in Medingen die Reformation einzuführen. Der Konvent wehrte sich, Herzog Ernst der Bekenner (1521-1546) richtete das Amt Medingen ein (ab 1529) und zerstörte Teile der Klostergebäude (ab 1536). Im Jahr 1554 wurde schließlich die lutherische Reformation in Medingen eingeführt. Vgl. Urkundenbuch des Klosters Medingen, bearb. v. Joachim Homeyer (2006) (= Lüneburger Urkundenbuch, 10. Abt. = VHKNB 233), Hannover 2006, 797 S., € 15,- > V Veröffentlichungen der historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. [Buhlmann, 06.2014]

Meid, Wolfgang (2007), Die Kelten (= RUB 17053), Stuttgart 2007 > K Kelten

Meier, Christian (1986), Caesar (= dtv 10524), München 1986 > C Caesar

Meier, Esther (2010), Handbuch der Heiligen, Darmstadt 2010 > H Heilige des Christentums

Meier, Frank (2008), Mensch und Tier im Mittelalter, Ostfildern 2008, 174 S., € 7,-. Das Verhältnis von Mensch und Tier war auch im Mittelalter ambivalent. Nach christlichem Glauben und Bibel Gottes Mitgeschöpfe des Menschen innerhalb von Welt und Natur, dienten Tiere der Ernährung, waren Haustiere, wurden gejagt, angeklagt und gequält. Das Tier war (christliches) Symbol (Lamm Gottes, Eber im Weinberg), war Wappentier (Adler, Löwe, Bär, Wolf, Hirsch, Fisch), stand - nicht zuletzt in den mittelalterlichen Bestiarien oder im "Tierlexikon" der Ebstorfer mappa mundi - für gewisse tugendhafte (Mut des Ebers) oder verachtenswerte Eigenschaften (Suhlen des Hausschweins). In Märchen und Fabeln haben Tiere ihre eigene Sprache; Fabeln wurden belehrend im Gottesdienst eingesetzt, vermittelten aber auch Kritik an der mittelalterlichen Ständegesellschaft (Reineke Fuchs, Isegrim). Aus Tieren wurden dann (angebliche) Heilmittel hergestellt (Hildegard von Bingen, Physica), als Essenzen der guten oder bösen (dämonischen) Kräfte des Tiers. Tiere konnten zur Plage werden (Heuschreckenschwärme) oder verursachten Unfälle und Unglücke; Folge davon waren u.a. die Gerichtsprozesse gegen Tiere, die mit Tierstrafe, -bann oder -tötung enden konnten (Lausanner Maikäferprozess 1478/79); Tierprozesse und Tierexorzismus kamen im 15. Jahrhundert verstärkt auf, vielleicht eine indirekte Folge, der schlechter werdenden klimatischen Bedingungen in Europa. Jenseits von Symbolik und Dämonisierung wurden Tiere gejagt oder zur Jagd verwendet; aus dem frühmittelalterlichen Forst (forestis) entwickelten sich Bannforst, Wildbann und Jagdregal etwa der spätmittelalterlichen Fürsten und Landesherren. Gejagt wurde im Jagdrevier, aber auch im eingefriedeten Wildpark (Wildgehege, Brühl) Rot-, Schwarz- und Niederwild; Bärenjagd fand mit Jagdhunden statt, die Beizjagd mit Greifvögeln (Jagdbücher [Falknerei], Jagdtechniken). Im späten Mittelalter diente die Jagd in erster Linie der Repräsentation des die Jagd durchführenden Adels; Bauern hingegen waren auf die Vogeljagd verwiesen (Netze, Leimruten). Als Haus- und Nutztiere fanden im Mittelalter sowohl auf dem Land als auch in der Stadt Verwendung: Rinder (Fleischversorgung [Viehhandel, -märkte], eingeschränkt: Milchwirtschaft; Weidebetrieb), Schweine (Fleischversorgung; Schweinemast [Eichelmast im Wald]), Ziegen (Milch), Schafe (Wollproduktion, Pergamentherstellung), Hühner (Eier, Fastenspeise), Gänse, Enten, Tauben, Hauskaninchen (in Gehegen); Ochsen und Pferde (Kaltblüter) wurden von den Bauern als Gespanntiere verwendet, Pferde (Shire Horse, Ponys) und Esel als Reit- und Lasttiere, Hunde der Jagd (Schweiß-, Lauf-, Vorstehhunde, Doggen) oder als Hof- und Hirtenhunde, Katzen der Bekämpfung von Schädlingen, Eichhörnchen als (adlige) Schoßtiere, Bienenvölker der Herstellung von Honig (Zeidelwirtschaft). Besondere Bedeutung bei der Ernährung kam dem Fisch (u.a. als Fastenspeise) zu, der eingepökelt über weite Strecken transportiert werden konnte (Hering ["Voll-, Hohlhering", Bückling; Bedeutung der Hanse], Stockfisch [Dorsch, Kabeljau]). Gegenüber Tierkrankheiten (Rotz, Spat als Pferdekrankheiten; fehlende Hygiene) war die Tierheilkunde (Bücher zur Pferdeheiilkunde) weitgehend machtlos. (Haus-, Nutz-) Tiere wurden geschlachtet und gegessen, wobei es zeitliche Einschränkungen (Fastenzeit bei den Christen) und kulturelle Beschränkungen (jüdische Speisege- und -verbote) gab; Hunger und Völlerei (Schaugastmähler adliger und bürgerlicher Repräsentation; Kochbücher) standen sich im Spätmittelalter gegenüber. Schließlich dienten gefangene Tiere an Höfen von Fürsten und Herrschern der Repräsentation (Elefant Abul Abbas als Geschenk für Kaiser Karl den Großen [801], Menagerie Kaiser Friedrichs II., Elefant Hanno für Papst Leo X. [1514], Panzernashorn [1516, Zeichnung Albrecht Dürers]). [Buhlmann, 07.2013]

Meier, Franziska (2018), Dantes Göttliche Komödie. Eine Einführung (= BSR 2880), München 2018, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, € 9,95. I. Der toskanische Dichter Dante Alighieri (*1265-†1321) wurde in Florenz geboren und getauft (1266) und beschäftigte sich schon früh - auch nach dem Tod des Vaters (1281/86) - mit Literatur und Schriftstellerei (Teilübersetzung des Rosenromans, Gedichte). Verheiratet mit Gemma die Manetto Donati (1288?), entstammten der Ehe zwei Söhne und eine Tochter; die von Dante angebetete Beatrice (Bice di Folco Portinari?) starb 1290. Als Bürger von Florenz nahm Dante an der Schlacht bei Campaldino teil (1289), seine politische Karriere (ab 1295) brachte Dante - trotz beginnender wirtschaftlicher Schwiergkeiten in der Familie Alighieri - ins Florentiner Priorat (1300). Der Sturz der Bianchi (1301) brachte Dante die Verbannung aus Florenz (1302); Dante sollte dorthin nicht mehr zurückkehren können und wollen (1311; Todesurteil gegen Dante und Beschlagnahmung von dessen Besitz 1315) und hielt sich in der Folgezeit vormehmlich in Nord- und Mittelitalien auf (Bologna, Casentino?, Lucca, Pisa?, Ravenna). Als ravennatischer Gesandter stirbt Dante auf der Rückreise von Venedig am 13./14. September 1321. Dante hat neben den Gedichten und seiner "Göttlichen Komödie" (1307/20) auch philosophische Werke auf Latein verfasst. II. Die "Göttliche Komödie", die Dante über einen langen Zeitraum verfasste, ist eine "Synthese aus Antikem und Christlichem", u.a. gründend auf Vergils Aeneis (Aeneas' Besuch der Unterwelt) und auf einer im Mittelalter verbreiteten Visionsliteratur ("Entrückung des Apostels Paulus", Mohammeds Himmelfahrt u.a.) und antik-mittelalterliche Vorstellungen der (Jenseits-) Geografie (Landschaften), der Seelenlehre oder der Erklärung von den jenseitigen Schattenleibern nutzend. Die "Göttliche Komödie" stellt die "Ordnungen der Jenseitsreiche" dar: Inferno (Hölle; Aufbau abgeleitet aus der aristotelischen Ethik), Purgatorium (Läuterungsberg, Fegefeuer; Aufbau gemäß den sieben christlichen Todsünden), Paradies (Aufbau gemäß den christlichen Tugenden). In der "Göttlichen Komödie" begibt sich der Wanderer (Dante) in Begleitung des römischen Dichters Vergil bzw. der Beatrice (im päpstlichen Jubeljahr 1300) auf Jenseitsreise durch Inferno (Luzifer im Erdmittelpunkt), Purgatorium (Läuterungen) und Paradies (Annäherung an Gott, Gottesschau). Reflektiert wird von Dante auch die Niederschrift der "Göttlichen Komödie" (Musen, Dante als "irdischer" Dichter, Dichtung und Lüge). Formal besteht die auf Italienisch verfasste Divina Commedia aus 100 Gesängen (canto), verteilt über die drei Abschnitte (cantiche) Inferno, Purgatorium, Paradies. Jedes canto besteht aus rund 140 Versen, je drei Verse bilden eine Strophe (Terzine), in der sich der 1. und 3. Vers reimen. Das (klassische) Versmaß ist das des endecasillabo mit seinen elf Silben pro Vers. III. Die Rezeption von Dantes "Göttlicher Komödie" war vielfältig, wie die überlieferten mittelalterlichen Abschriften zeigen. Für Neuzeit und Moderne stand die "Göttliche Komödie" am Anfang der modernen europäischen Dichtung (Kanonisierung als great book). [Buhlmann, 01.2019]

Meier, Mischa (2004), Justinian. Herrschaft, Reich und Religion (= BSR 2332), München 2004 > J Justinian I.

Meier, Mischa, Patzold, Steffen (2010), August 410 - Ein Kampf um Rom, Stuttgart 2010, 259 S., € 19,90. Die Eroberung Roms durch die Westgoten unter ihrem König Alarich (382-410) im Jahr 410 wird beleuchtet und gedeutet als "epochales Ereignis" in den zeitgenössischen Geschichtsquellen des Claudian, Hieronymos, Augustinus, Orosius und Rutilius Namatianus (Christentum, Romidee). Die Eroberung Roms wurde rezipiert und tradiert durch spätantike und mittelalterliche Geschichtsschreiber wie Zosimus, Prokop, Jordanes, Isidor von Sevilla, Otto von Freising oder Flavio Biondo. In der Neuzeit beschäftigten sich mit dem Geschehen u.a. Edward Gibbon, Ferdinand Gregorovius, Felix Dahn sowie Herwig Wolfram und Michael Kulikowski (Ethnogenese der Goten). [Buhlmann, 03.2011]

Meier-Seethaler, Carola (1997), Gefühl und Urteilskraft. Ein Plädoyer für die emotionale Vernunft (= BSR 1229), München 1997 > G Gassen, Gehirn

Meineke, Birgit (1991), Althochdeutsche -scaf(t)-Bildungen (= StAhd 17), Göttingen 1991 > S Studien zum Althochdeutschen

Meineke, Eckhard (1994), Abstraktbildungen im Althochdeutschen. Wege zur ihrer Erschließung (= StAhd 23), Göttingen 1994 > S Studien zum Althochdeutschen

Meineke, Eckhard, Schwerdt, Judith (2001), Einführung in das Althochdeutsche (= UTB 2167), Paderborn-München-Wien-Zürich 2001, 350 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 15,90. Das althochdeutsche gehört zur Gruppe der indogermanischen (indoeuropäischen) Sprachen (früheste indoeuropäische Siedlungsgebiete [Kurgan-Kultur, transkaukasische Kupferzeitkultur; linguistisch-kulturhistorische Methode] und europäische Ausbreitung in der frühen Bronzezeit (?)) und zur Teilgruppe der (west-) germanischen Sprachen ("Völkerwanderung und germanische Stammessprachen, u.a.: Gotisch [Wulfilabibel als Codex Argenteus], Burgundisch, Wandalisch, Angelsächsich, Sächsisch, Friesisch, Fränkisch [mit Westfränkisch], Alemannisch, Langobardisch, Bayrisch). Das Althochdeutsche machte damit die 1. (germanische) Lautverschiebung (indogermanisch *b/d/g/gw > germanisch *p/t/k/kw bzw. *bh/dh/gh/gwh > b/d/g/gw u.a.) und die 2. (althochdeutsche, wohl in regionalen Entwicklungen verwurzelte, überregional sich angleichende) Lautverschiebung (Konsonantenverschiebung) des Hochdeutschen (germanisch p/t/k > pf/ts/kch* [Affrikate, Frikative] > f/s/ch bzw. p/t/k > f/s/ch [6.-8. Jahrhundert?]; rheinischer Fächer [Benrather Linie bis Speyerer/Germersheimer Linie]) mit. Zum Althochdeutschen des frühen Mittelalters gehören dann: Mittelfränkisch, Rheinfränkisch, Thüringisch, Südrheinfränkisch, Ostfränkisch, Alemannisch, Bairisch (daneben als Niederdeutsch: Niederfränkisch, Sächsisch). Während das Germanische in einigen Lehnwörtern im Finnischen und Lateinischen, in Runen- und Matroneninschriften überliefert ist, offenbart sich das Althochdeutsche in einer Reihe von schriftlich fixierten Sprachdenkmälern (Schriftsprache und Lautgestalt des Althochdeutschen): a) Kleinere Textdenkmäler: Paternoster, Credo, Taufgelöbnisse, Katechismus, Beichten, Predigten, Bibelkommentare, -übersetzungen und -dichtung (Muspilli), Lieder und Hymnen (Petrus-, Georgslied), Physiologus, Inschriften, Beschwörungen (Merseburger Zaubersprüche), Schullektüre, (Ereignis-) Dichtung (Hildebrands-, Ludwigslied), Rechtsdenkmäler, Gesprächsbücher (Kasseler Gespräche); b) Größere Textdenkmäler: althochdeutscher Isidor und Mon(d)see-Wiener Fragmente, althochdeutsche Benediktregel, althochdeutscher Tatian, Evangelienbuch Otfrids von Weißenburg, althochdeutsche Bearbeitung von Werken des Boethius, Aristoteles und Martianus Capella sowie des Psalters durch Notker von St. Gallen, Hoheliedparaphrase der Williram von Ebersberg; c) Althochdeutsche Glossen (Arbograns, Prudentiusglossen, Summarium Heinrici, Sachglossare). Das Althochdeutsche genügt den grammatikalischen Regeln von Deklination (Substantivflexion), Konjugation (Flexion von schwachen und starken Verben), Wortbildung (Komposition, Ableitung) und Syntax (Satz und Satzgefüge, Wortstellung). Vgl. noch: Braune, Wilhelm (1875), Althochdeutsches Lesebuch, bearb. v. Ernst A. Ebbinghaus, Tübingen 171994, 259 S., € 13,-; Braune, Wilhelm (1891), Abriß der althochdeutschen Grammatik, bearb. v. Ernst A. Ebbinghaus (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte, C., Nr.1), Tübingen 151989, VIII, 68 S., Konjugationstabellen, € 7,40; Müller, Stephan (Hg., Übers.) (2007), Althochdeutsche Literatur. Eine kommentierte Anthologie. Zweisprachig (= RUB 18491), Stuttgart 2007, 412 S., € 9,60. [Buhlmann, 05.2014]

Meister, Andreas, Sonar, Thomas (2019), Numerik. Eine lebendige und gut verständliche Einführung mit vielen Beispielen (= Springer Spektrum), Berlin 2019 > M Mathematik

Melchers, B. (1912), Die ältesten Grafen von Berg bis zu ihrem Aussterben 1225, in: ZBGV 45 (1912), S.5-105 > B Berg, Grafen von

Melchers, Erna, Melchers, Hans (1965), Das große Buch der Heiligen. Geschichte und Legende im Jahreslauf, bearb. v. Carlo Melchers (1978), Gütersloh-München 1978 > H Heilige des Christentums

Melka, R[obert Lewis] (1969), Nazi Germany and the Palestine Question, in: Middle Eastern Studies 5 (1969), S.221-233 > P Palästina, 1933-1939

Melton, Jim, Buxton, Stephen (2006), Querying XML. XQuery, XPath, and SQL/XML in Context, San Francisco 2006, 815 S., Schwarzweißabbildungen, $ N.N. > Kompendium Mittelalter > Geschichtsdarstellung: Homepage/Website [Buhlmann, 05.2020]

Melville, Gert, Rehberg, Karl-Siegbert (Hg.) (2004), Gründungsmythen - Genealogien - Memorialzeichen. Beiträge zur institutionellen Konstruktion von Kontinuität, Köln-Weimar-Wien 2004, 300 S., € 9,90. I. Geschichte hat auch die Aufgabe, historische Kontinuität als Brücke zur Vergangenheit (Kontinuität, Überzeitlichkeit und Entzeitlichung) für menschliche Gruppen, Institutionen, Organisationen und Staaten (zwischenmenschliche Beziehungen) bereitzustellen, um diese in rückerinnernd-teleologischen Entwürfen ("Erbe", kollektive Erinnerung, Memorialzeichen) zu deuten, zu legitimieren, zu stablisieren. Diese identitätsstiftenden "Entwürfe historischer Kontinuität" betreffen alle Epochen der Menschheitsgeschichte und beziehen sich etwa auf Mythen an den Anfängen von Kulturen, auf mittelalterliche Genealogien, auf kulturelle Traditionen, auf "Leitideen", auf institutionelle Vorgaben, auf nationale Selbstbilder usw. (Karl-Siegbert Rehberg, Zur Konstruktion kollektiver "Lebensläufe". Eigengeschichte als instituioneller Mechanismus). II. Beispiele von Konstruktionen historischer Kontinuität sind: der abendländisch-europäische Mythos des Gegensatzes zwischen West und Ost, gegründet im Troja-Mythos und den griechisch-persischen Kriegen und den Schlachten von Marathon (490 v.Chr.), Salamis und Plataiai (480/79 v.Chr.): römisches Reich gegen persisches Reich (römische Kaiserzeit), Ost-/Mitteleuropa gegen die osmanischen Türken (Spätmittelalter, frühe Neuzeit) (Hans Joachim Gehrke, Was heißt und zu welchem Ende studiert man intentionelle Geschichte? Marathon und Troja als fundierende Mythen). III. Gerade im Mittelalter erwies sich in Form von Genealogisierungen der Troja-Mythos (trojanischer Krieg) als produktiv, z.B. im Eneasroman Heinrichs von Veldeke (Zäsur am Anfang einer Genealogie, Generationenübergänge und Genealogiekontinuität, Ansippung an ältere Familien/Dynastien/Geschlechter -> Stiftung von Kontinuität zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) (Beate Kellner, Zur Konstruktion von Kontinuität durch Genealogie. Herleitungen aus Troja am Beispiel von Heinrichs von Veldeke 'Eneasroman'). IV. Die Jungfrau von Orléans, Jeanne d'Arc, stellt einen Frankreich, den französischen Nationalstaat, definierenden Nationalmythos dar, der sich als "nationales Erinnerungsprivileg" im europäischen Kontext (Europäische Union) und in einer globalisierten Welt behaupten muss (Dietmar Rieger, Die Jungfrau von Orléans ins Museum? Überlegungen zur weiteren Verwendungsfähigkeit eines Nationalmythos). V. Im russisch-japanischen Krieg (1904-1905; Schlachten von Mukden und Tsushima 1904) erlitt das russische Zarenreich eine Niederlage, was zur Folge hatte, verstärkt das "kollektive kulturelle Gedächtnis" in Russland durch die Feier von Jubiläen auf erfolgreiche russische Kriege und Kriegserfahrungen zu lenken ("Militarisierung der Erinnerungskultur", Staat und orthodoxe Kirche, "Ritualisierung von Kriegserfahrung") (Konstantin Tsimbaev, "Jubiläumsfieber". Kriegserfahrung in den Erinnerungsformen in Russland Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts). VI. "Geschichte als Waffe" konstruierter Erinnerung im Dienste Nationalstaatlichkeit modifizierte auch die Erfahrungen mit Krieg in Polen und der Ukraine im 1. Drittel des 20. Jahrhunderts (Schlacht bei Tannenberg/Grunwald 1410, kosakischer Aufstand gegen Polen 1648/49) (Christoph Mick, Kriegserfahrungen und die Konstruktion von Kontinuität. Schlachten und Kriege im ukrainischen und polnischen kollektiven Gedächtnis 1900-1930). VII. Die mexikanische Revolution bzw. der mexikanische Bürgerkrieg (1910/20, auch 1920er-Jahre) wurde schon bald (ab 1920er-Jahre) institutionalisiert (nationaler Identitätsdiskurs, Institutionalisierungsphase) u.a. innerhalb der "Populärkultur" durch das visuelle Medium von Wandmalereien der Revolutionsmaler Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Álafaro Siqueiros, während das narrative Medium von Romanen des Martin Luis Guzmán oder Juan Rulfo zur "Dekonstruktion" des Revolutionsmythos beitrug (1928, 1953) (Walter Bruno Berg, Die Institutionalisierung der mexikanischen Revolution in der Literatur und der bildenden Kunst sowie ihre Revision in der zeitgenössischen "Cultura popular"). VIII. Das (ab ca.1960) entkolonialisierte subsaharische Afrika übernahm mit seinen rund 40 Staaten die Grenzen der Kolonialzeit bei einer postkolonialen Geschichtspoltik des Vergessens und Ausblendens z.B. ethnischer Konflikte (transethnische Programmatik, Panafrikanismus). Nichtdestotrotz spielt bis heute die historische Dimension afrikanischer Staatlichkeit ein wichtige Rolle (Hartmut Bergentheim, Winfried Speitkamp, Grenzen der Kontinuitätskonstruktion. Geschichtspolitik und Geschichtswissenschaft im postkolonialen Afrika). IX. Verfassungen sind als "Grundordnungen des Poltischen" auch (konstitutive) Institutionen, die sich (meist) durch einen konstitutionellen Gründungsakt und dessen Begründung auszeichnen. Daraus ensteht konstitutionelle ver- und entzeitliche Kontinuität in Form einer institutionellen Eigengeschichte als behaupteter Geschichte ("institutionelle Geltungsbehauptung") (Hans Vorländer, Verfassungsgeschichten. Über die Kontinuierung des konstitutionellen Momentes). X. Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft hatte auch das "Minimalparlament" der EG eine "institutionelle Eigendynamik" u.a. auf der Grundlage einer (fiktiven) europäisch-parlamentarischen Kontinuitätskonstruktion ("institutioneller Mechanismus") (Werner J. Patzelt, Identitätsstiftung durch Konstruktion fiktiver Kontinuität. Erfahrungsmanagement im frühen Europäischen Parlament). XI. Die in die französische Literaturgeschichte zwischen 1630 und 1730 einzuordnenden "Querelle des Anciens et des Modernes" kreiste als Streit zwischen den Akademien, als "Metastreit um die autonome Ordnung" um Beharrung oder Fortschritt, Latein oder französische Moderne usw. (Christoph Oliver Mayer, Konstruktion von Kontinuität und Diskontinuität. Die "Querelle des Anciens et des Modernes" im Frankreich des 17. Jahrhunderts). XII. Dekonstruktivismus und absolutierte Elitekunst als Sichtweise auf Kunst sowie geschichtslose Kunstautonomie schlagen sich auch nieder beim 2001 gegründeten Pariser "Musée des Arts Premiers" und dessen eigenartiger unhistorischer Auffassung von "primitiver" (auch afrikanischer "Volks"-, Beute-) Kunst (Wolfgang Brückner, Museale Kontinuitätskonstruktion von "les arts premiers"). XIII. Moderne "Zweierbeziehungen" (Paargeschichten; Ehen u.a.) sind besondere Vergemeinschaftungsformen hinsichtlich ihrer Existenz und Eigengeschichten mit besonderen Kontinuitäten und Diskontinuitäten (Karl Lenz, Maja S. Maier, Paargeschichten als Kontinuitätskonstruktion. Ein Beitrag zur institutionellen Analyse von Zweierbeziehungen). XIV. "Utopien und Institutionen versuchen die Zeit anzuhalten." Diese Detemporalisierung geschieht durch Konstituierung von Eigenzeiten, erkennbar etwa an "Salomons Haus" in der Utopie "New Atlantis" des Francis Bacon (1623) oder in den "offenen", oder an den Zeitutopien des Bildungsromans des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts (Wilhelm Voßkamp, Entzeitlichung. Utopien und Institutionen). [Buhlmann, 09.2019]

Mennicken, Peter (1932), Nikolaus von Kues, Trier 21950 > N Nikolaus von Kues

Menschwerdung als Herausbildung der Gattung Mensch im Rahmen der biologischen Evolution auf dem Planeten Erde: Der Rahmen der biologisch-evolutionären Entwicklung von Menschenformen umfasst den zeitlichen Rahmen der geologischen Epochen des Tertiär und Quartär (65 Millionen Jahre vor heute-heute). Nach der Entstehung erster Säugetierarten in der Kreidezeit (90-65 Millionen Jahre vor heute) kam es im tertiären Paläozän (65-56 Millionen Jahre vor heute) zu einer Herausbildung der Stammlinie von Säugetrieren, zu der auch die Primaten gehören. Weitere evolutionäre Aufspaltungen erfolgten innerhalb dieser Primatenstammlinie während des tertiären Miozäns (25-8 Millionen Jahre vor heute) und Pliozäns (8-1 Millionen Jahre vor heute) hin zu den Menschenartigen (Hominoidea, 23 Millionen Jahre vor heute), den Menschenaffen (Hominidae, 15 Millionen Jahre vor heute), den afrikanischen Menschenaffen (11 Millionen Jahre vor heute), den Hominini (5,2+/-1,1 Millionen Jahre vor heute). Entscheidend war die Entwicklung der Hominini in (Ost-) Afrika, von denen die folgenden Gattungen paläontologisch aufgespürt werden konnten: Sahelanthropus, Orrorin (7-5 Millionen Jahre vor heute), Ardipithecus (4,4 Millionen Jahre vor heute), Australopithecinen (4-2 Millionen Jahre vor heute: Australopithecus afarensis, Paranthropus), Formen der Gattung Homo (ab 3-2 Millionen Jahre vor heute). Mit dieser Entwicklung verbunden waren: aufrechter Gang, Vergrößerung des Gehirnvolumens, Verkleinerung des Kiefers, Reduzierung der Überaugenwülste, opponierbarer Daumen, Rückgang der Behaarung, Verlängerung von Schwangerschaft und Kindheit - Verhalten, Sexualität - Kultur (Verwendung von Feuer und Werkzeugen). Innerhalb der Gattung Homo lief die Evolution der Menschwerdung weiter: Homo (Australopithecus) rudolfensis (2,5-2 Millionen Jahre vor heute), Homo (Australopithecus) habilis (2-1,5 Millionen Jahre vor heute), Homo ergaster, Homo erectus (1,5-0,5 Millionen Jahre vor heute). Homo erectus (Homo heidelbergensis) trat auch außerhalb von Afrika in Europa und Asien in Erscheinung. Aus der eurasiatischen Homo erectus-Art entwickelte sich der Neandertaler (Homo neanderthalensis) und als Seitenlinie der Denissowa-Mensch (0,25 Millionen Jahre vor heute), weiter der Homo floresiensis. Aus dem (ost-) afrikanischen Homo erectus entwickelte sich der (heutige) Homo sapiens (0,3-0,2 Millionen Jahre vor heute), der vor 70000 bis 45000 vor heute auch Europa und Asien besiedelte, wo er den Neandertaler verdrängte, vor 60000 Jahren vor heute Australien, vor 15000/11500 Jahren vor heute Amerika. Gerade mit dem Homo sapiens verbanden sich schon früh kulturelle Äußerungen wie Sprache, Geisterglaube, Schamanismus oder Kunst. Auch in historischer Zeit änderte sich noch der Phänotyp des Homo sapiens (Hautfarbe, Laktosetoleranz [Neolithikum], Unterkieferverkleinerung [europäisches Mittelalter]).
Zur biologischen Menschwerdung s.: Glowatzki, Georg (1968), Tausend Jahre wie ein Hauch. Woher kommt der Mensch? (= Kosmos-Bibliothek, Nr.259), Stuttgart 1968, 87 S., Schwarzweißabbildungen, -tafeln, DM 3,80; Haaf, Günter (1982), Adam und Eva. Ursprung und Entwicklung des Menschen, Gütersloh 1982, 208 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, DM N.N.; Reichholf, Josef H. (1993), Das Rätsel der Menschwerdung. Die Entstehung des Menschen im Wechselspiel der Natur (= dtv 30341), München 1993, 279 S., Abbildungen, Karten, DM 16,90; Schrenk, Friedemann (1997), Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zum Homo sapiens (= BSR 2059), München 1997, 127 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, DM 14,80. [Buhlmann, 11.1997, 04.2020]

Menzies, Gavin (2002), Als China die Welt entdeckte (= Knaur Tb 77766), München 2004, 603 S., Schwarzweißabbildungen, -tafeln, Karten, € 10,90. Der chinesische Kaiser Zhu Di-Yongle (*1402-1424) der Ming-Dynastie setzte sich in einem Bürgerkrieg (1399/1402) gewaltsam als chinesischer Kaiser durch, schaltete alsbald die eventuellen Ansprüche männlicher Verwandter aus, betrieb die weitere Zentralisierung der kaiserlichen Verwaltung und residierte ab 1406 in der neuen Hauptsadt Peking. Mongolenfeldzüge (1410, 1414, 1422, 1423, 1424) und die Eroberung der Mandschurei sicherten den Bestend des chinesischen Kaiserreichs; hinzu kam die Unterwerfung Annams (Vietnam, 1406). Zwischen 1405 und 1422 unternahm eine große, neu erbaute Flotte (Schatzflotte) chinesischer Dschunken meist unter dem Admiral Zheng He (†1433/35) Erkundungs- und Entdeckungsfahrten entlang der schon lange benutzten chinesischen Handelsrouten nach Westen (Indonesien, Indien, Ceylon: 1405/07, 1407/09, 1409/11; Persischer Golf, afrikanische Ostküste: 1417/19, 1421/22; Malakka, Thailand: 1431/33). Die Erkundungsfahrten wurden 1435 eingestellt, die Schatzflotte außer Betrieb gesetzt bzw. in die chinesische Kriegsflotte integriert. Angeblich sollen nun chinesische Flotten in den Jahren 1421/23 Nord- und Südamerika, Australien, die Arktis und Antarktis erkundet haben, auch eine Weltumseglung sei gelungen, ablesbar ebenso angeblich auf europäischen Karten wie der Pizzigano-Karte (1424), der Karte des Fra Mauro (1459), der des Martin Waldseemüller (1507) oder der von Piri Reis (1513); auch die Vinlandkarte oder eine chinesische Weltkarte von angeblich 1418 sollen die weltweiten chinesischen Erkundungsfahrten belegen. [Buhlmann, 11.2020]

Merk, Otto (1966), Handeln aus Glauben. Die Motivierungen der paulinischen Ethik (= MarbTS 5), Marburg 1968, XII, 287 S., DM 34,-. Die neutestamentlichen Briefe des christlichen Missionars Paulus (Thessaloniker- I/II, Galater-, Korinther- I/II, Römer-, Philipper-, Kolosser-, Philemonbrief) bezeugen paränetisch (ermahnend)-begründend-motivierend, wie aus dem Glauben um Jesus Christus und dessen "Sitz im Leben" christliches Handeln auf der Grundlage "verstehenden Gehorsams" entstehen kann. Das Handeln bezieht somit sowohl ethische als auch praktisch-nützliche Umsetzungen des Glaubens mit ein, resultierend aus dem geschichtlichen Handeln Gottes heraus, d.h. aus der Bedeutung der Taufe, der von Gott an Christus vollzogenen Heilsgeschichte (Abendmahl, Auferstehung) sowie der Parusie (Naherwartung der Wiederkehr Christi) und Eschatologie für jeden Christen (vergangenes, gegenwärtiges, zukünftiges bzw. rechtfertigendes, versöhnendes Heilshandeln Gottes [christologische Begründungen, endzeitliches Handeln Gottes, Taufe als Berufung, Gesetze des Alten Testaments als Begründung]). [Buhlmann, 08.2019]

Merker, Reinhard (1983), Die bildenden Künster im Nationalsozialismus. Kulturideologie, Kulturpolitik, Kulturproduktion (= DuMont Tb 132), Köln 1983 > D Deutsche Geschichte, 1933-1945

Merlot, André (1966), Précis d'Histoire de la Littérature Francaise (du XVIe siècle à nos jours), Paderborn-München 61967 > F Französische Sprache

Mernissi, Fatema (1990), Die Sultanin. Die Macht der Frauen in der Welt des Islam, Frankfurt a.M. 21991, 259 S., DM 38,-. I. Der Islam des (europäischen) Mittelalters und der frühen Neuzeit kannte den Kalifen als religiös-institutionellen "Führer der Gläubigen", gebunden am göttlichen Gesetz der Scharia. Herrschaft in der rein weltlichen Sphäre übte der Sultan oder König (malik), aber auch der Kalif aus. Laut dem islamischen Gelehrten Ibn Chaldun (†1406) war weltliche Herrschaft (mulk) ein System politischer Vorschriften (Herrschaft, Willkürherrschaft, Despotie), denen sich die Untertanen des Herrschers unterwerfen mussten. Während die Stellung eines Kalifen nur Männern zustand, konnten in der islamischen Geschichte auch Frauen Herrscherinnen (Sultanin, Königin, Herrscherin [malika, sajida, hurra, sitt, amira, chatun]) werden. II. Vorbehalte gegenüber weiblicher Herrschaft gab es von Seiten des Kalifats (Schadscharat ad-Durr und die Dynastie der Aijubiden [ab 1250]) oder islamisch-geistlicher Würdenträger (Radija als Sultanin von Delhi [ab 1260]; vier Königinnen des Reiches Atjeh [Sumatra, 17./18. Jahrhundert]). Der "geistliche Vorbehalt" gegen weibliche Herrschaft wurde dabei von der islamischen Geistlichkeit als Verstoß gegen die religiösen Grundlagen von Herrschaft begründet. III. Auch Haremssklavinnen (Kurtisanen) bestimmten über die "Waffen einer Frau" (Sexualität, Liebe, Intellekt) zu allen Zeiten (informell) die Politik der jeweiligen männlichen Herrscher (Machtpolitik, Haremsfraktionen, Erbfolge) mit, zum Teil auch über den Tod des Herrschers hinaus (Chaizuran als Frau des Abbasidenkalifen al-Mahdi [775-785] und als Mutter Harun ar-Raschids [786-809]; Mutter des Kalifen al-Muqtadir [908-932]; Adud ad-daula [949-982] und die Tötung einer Haremssklavin [dscharia]). Insignien (formeller) weiblicher Macht waren die Nennung der (im Übrigen nur nicht-arabischen) Herrscherinnen im Freitagsgebet (chutba) und/oder auf Münzen. IV. An Herrscherinnen sind zu nennen: die mamlukischen Sultaninnen Radija, Schadscharat ad-Durr (13. Jahrhundert), die mongolischen chatun Qutluh, Padeschah, Abesch, Sati Beg, Tindu, Fatema Begum (13./14. Jahrhundert), die maledivischen Herrscherinnen Chadija, Myriam, Fatema (14. Jahrhundert), die schon genannten indonesischen Herrscherinnen von Atjeh. V. Darüber hinaus gab es innerhalb der sulaihidisch-schiitischen Dynastie im Jemen die Herrscherinnen Asma und Arwa (11./12. Jahrhundert). Vom Jemen spannt sich der Bogen zur sagenhaften, auch im Koran erwähnten Königin von Saba. Weiter ist hier die fatimidisch-schiitische Herrscherin Sitt al-Mulk (1021-1025) zu nennen, die (informell) über Ägypten herrschte. [Buhlmann, 05.2019]

Merowinger, Königsdynastie im Frankenreich: Die Anfänge der Merowingerdynastie lassen sich bei den Kleinkönigen als Anführer (duces) kriegerischer Gefolgschaften (Heerkönigtum) während der fränkischen "Landnahme" im römischen Reich (5./6. Jahrhundert) verorten (Könige Chlodio, Merowech, Childerich I.). Das Frankenreich entstand als Germanenreich auf dem Boden des römischen Gallien. Mit der fränkischen Großreichsbildung König Chlodwigs I. (482-511) und dessen Übertritt zum christlich-katholischen Glauben (496 oder 507/08) begann die Zeit der merowingischen Herrscherdynastie und damit eine Epoche des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter, die geprägt war durch ein erbliches, Teilungen unterworfenes Königtum an der Spitze eines römisch-germanischen Vielvölkerstaates christlich-barbarischer Prägung. Einer Phase der Expansion des Frankenreichs unter Chlodwig I. und den Chlodwigsöhnen Theuderich I. (511-533), Chlodomer (511-524), Childebert I. (511-567) und Chlothar I. (511-561) (Reich des Syagrius 486, Alemannen 496, Tolosanisches Westgotenreich 507, Thüringerreich 531, Burgunderreich 532/34, Provence 536/37) folgte die des "Bürgerkriegs" (bellum civile, 584-613) unter den Chlotharsöhnen und -enkeln, insbesondere zwischen Sigibert I. (561-575) und dem auch kulturell interessierten Chilperich I. (561-584) bzw. zwischen dem neustrischen König Chlothar II. (584-629) und der austroburgundischen Regentin Brunichilde (†613). Die Bürgerkriege beschleunigten dabei die Formierung der Teilreiche/Reichsteile Neustrien, Austrien und Burgund innerhalb des fränkischen Gesamtreichs. Daran änderten auch die Jahre der Reichseinheit (613-639) unter Chlothar II. (Pariser Reichsversammlung und -konzil, Edictum Chlotharii 614) und Dagobert I. (623/29-639) nicht viel, kam doch den Großen in den Reichsteilen eine immer größere Bedeutung zu (Hausmeier). Die Unmündigkeit der Dagobertsöhne Sigibert III. (639-656/57) und Chlodwig II. (639-656/57) verstärkte den Einfluss des Adels und der Großen auf die fränkische Politik (Hausmeier in Austrien, Regentschaft der Königin Nanthild [†642] in Neustrien). Mit dem Aufstieg der karolingischen Hausmeier in Austrien verstärkte sich der Gegensatz zwischen den Teilreichen Neustroburgund und Austrien ("Staatsstreich" Grimoalds 657/62?, Regentschaft der Königin Balthilde [†680/81] in Neustrien, Hausmeier Ebroin), der letzte regierungsfähige Merowingerkönig und Gesamtherrscher Childerich II. (673-675) wurde ermordet. Die Merowingerkönige danach waren - so will es die frühmittelalterliche Überlieferung - "Schattenkönige", sie hatten mit den politischen Kämpfen des ausgehenden 7. und der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts nichts zu tun. Sieger der Auseinandersetzungen um die Macht im Frankenreich war der karolingische Hausmeier und princeps Pippin der Mittlere (†714; Schlacht bei Tertry 687); Pippins Enkel Pippin der Jüngere (741/51-768) sollte den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) absetzen und selber König werden (751). Auf die Merowinger folgten die Karolinger als Herrscher im Frankenreich.
Umfangreich ist die Literatur zu Merowingern und merowingischem Frankenreich: Bleiber, Waltraut (1988), Das Frankenreich der Merowinger, Wien-Köln-Graz 1988, 194 S., Abbildungen, Karten, DM 39,80; Ewig, Eugen (1974), Studien zur merowingischen Dynastie, in: FMSt 8 (1974), S.15-59; Ewig, Eugen (1988), Die Merowinger und das Frankenreich (= Urban Tb 392), Stuttgart-Berlin 1988, 235 S., Karten, DM 24,-; Hartmann, Martina (2003), Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger, Darmstadt 2003, 222 S., Farbabbildungen, Karten, € 27,90; Hartmann, Martina (2012), Die Merowinger (= BSR 2746), München 2012, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Stammtafeln, Karten, € 8,95; Kaiser, Reinhold (1993), Das römische Erbe und das Merowingerreich (= EdG 26), München 1993, IX, 157 S., Karte, DM 28,-; Scholz, Sebastian (2015), Die Merowinger (= Urban TB 748), Stuttgart 2015, 342 S., Schwarzweißabbildungen, Karte, Stammtafel, € 28,-. [Buhlmann, 04.-07.1989, 04.-07.1994, 04.2008, 08.2015, 02.2017]

Mersiowsky, Mark (2000), Die Anfänge territorialer Rechnungslegung im deutschen Nordwesten. Spätmittelalterliche Rechnungen, Verwaltungspraxis, Hof und Territorium (= Residenzenforschung, Bd.9), Stuttgart 2000, 475 S., € 15,90. Rechnungen, die in den Geschichtsquellen disparat vom 13. Jahrhundert bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auftauchen, belegen mit den bekannten Territorialisierungsprozess, dem die Landesherrschaften im römisch-deutschen Reich des späten Mittelalters unterlagen. Für den deutschen Nordwesten, d.h. hier für das Erzstift Köln, die Hochstifte Münster, Osnabrück und Paderborn und die weltlichen Territorien Jülich-Berg-Ravensberg, Kleve, Lippe, Nassau-Dillenberg sowie kleinere Adelsherrschaften (Anhol, Drachenfels, Lembeck, Vlatten, Werth u.a.) ergibt sich aus dem wenig Erhaltenen immerhin eine territoriale Rechnungslegung und Rechnungspraxis (Rechnungsvorstufen [Kladden, Wachstafeln, Kerbhölzer] und -schreiber, Rechnungsjahr, manipulierte Rechnungen und Kontrolle), die gut mit der Ausweitung territorial-herrschaftlicher Aufgaben in Einklang steht. Rechnungslegung bedingte dabei in erster Linie die Kontrolle der Amtsträger, war aber noch weit entfernt von einer behördenmäßigen Erfassung der Finanzen einer Landesherrschaft (Budgetierung, Etat) und damit von einer Entwicklung, die erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts begann. [Buhlmann, 03.2013]

Metternich, Wolfgang (2011), Teufel, Geister und Dämonen. Das Unheimliche in der Kunst des Mittelalters (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2011), Darmstadt 2011, 144 S., zahlreiche Farbabbildungen, ca. € 15,-. Mittelalterliche Bildkunst, überliefert etwa in Codices oder in der Architektur der Kirchen, wurde entscheidend geprägt von der christlichen Religion. Die Darstellung des Unheimlichen, das Angst, Grauen und Erschrecken beim Betrachter hervorrief, aber auch Ehrfurcht vor Gott und seinen Heiligen, war daher ein Mittel der Kirche, die Gläubigen dem christlichen Glauben zu unterwerfen, die Menschen in ihrem Sinne zu erziehen und die aus Heidentum und Volkskultur kommenden Vorstellungen in das Christentum einzubeziehen. Umgekehrt artikulierte sich darin auch eine kirchlich unterdrückte Volkskultur. Das immer wieder von Gewalt und wirtschaftlicher Ausbeutung bedrohte Leben des Einzelnen in der mittelalterlichen Gesellschaft erzeugte allgemein Angst, die in der Kunst im Unheimlichem seinen adäquaten Ausdruck fand. Dabei wurden aus dem (griechisch-römischen, keltischen) Heidentum überlieferte Wesen wie Götter, Zentauren, Dornauszieher oder Schlangen thematisiert, ebenso der Teufel und die Dämonen. Für den göttlichen Willen standen die Heerscharen (Chöre) der Engel. Weiter bevölkerten Tiere (Physiologus: Löwe als Symbol der Stärke, Hase als Fruchtbarkeitssymbol usw.) und Fabelwesen (Drache, Schlange, Ziegenfisch, Steinbock usw.) die Bilddarstellungen. Die Frau mit ihrer die christliche Askese (Keuschheit) bedrohenden Sexualität, die Frau als Verführerin war mitunter Thema obszöner und exhibitionistischer Szenen (romanische Eva von Autun, Frauen als Dämonen, unzüchtige Verhaltensweisen); Sexualität und Fruchtbarkeit betonten wiederum Phalli oder Geburtsszenen an Gotteshäusern. Das Unheimliche in der mittelalterlichen Kunst hatte seinen Anteil auch an der Marginalisierung gesellschaftlicher Gruppen wie Juden, Heiden (Muslime) oder fahrenden Volk (Tanz der Salome). Noch fremder und exotischer waren allerdings die sagenhaften Völker weit entfernter Länder, wie sie etwa der Bibel, der heidnischen Antike oder dem Alexanderroman zu entehmen waren (Gog und Magog, Kopffüßler, Panotier, Priesterkönig Johannes usw.). Und schließlich ist noch auf das Unheimliche von Krankheiten (Mutterkorn, Pest) zu verweisen (Krankheit als Strafe, Totentanz). [Buhlmann, 07.2011]

Metz, Friedrich (Hg.) (1959), Vorderösterreich. Ein geschichtliche Landeskunde, Freiburg i.Br. 42000 > V Vorderösterreich

Metz, Wolfgang (1959), Probleme der fränkischen Reichsgutforschung im sächsischen Stammesgebiet, in: NiedersJb 31 (1959), S.77-126 > R Reichsgut

Metz, Wolfgang (1960), Das karolingische Reichsgut, Berlin 1960, XXXVI, 266 S., Karten. I. Reichsgut waren die Besitzungen (und Rechte) des (nicht nur fränkisch-ostfränkischen) Königs, die er zum Zweck der Herrschaftsausübung einsetzen konnte. Daneben verfügte der Herrscher auch über das Hausgut, also über Besitz der Adelsfamilie, der er selbst angehörte. Da eine Abgrenzung von Reichsgut und Hausgut auch im Mittelalter schwierig war, vermengten sich im Verlauf der Jahrhunderte des frühen und hohen Mittelalters immer wieder diese für den König nutzbaren Besitzgruppen. Auch veränderten sich im Laufe der Zeit die Besitz-grundlagen des Königtums geografisch; das Reichs- bzw. Hausgut der karolingischen Herrscher lag im austrasisch-lothringischen Raum der spätmerowingisch-karolingischen Epoche. Das Reichsgut der karolingischen Könige des frühen Mittelalters ging zumindest zum Teil auf Königsgut der merowingischen Frankenkönige (5.-8. Jahrhundert) zurück, die wiederum im Zuge der fränkischen "Landnahme" im römischen Reich (4./5. Jahrhundert) Teile des römischen Staatslandes für sich nutzbar machen konnten. Mit der Karolingerzeit wird das grundherrschaftlich organisierte Reichsgut der fränkischen Könige und Kaiser erfassbar. Grundherrschaft heißt ein den Grundherrn, hier den König, versorgendes Wirtschaftssystem, das auf Großgrundbesitz und Abgaben von und Rechten über abhängige Bauern beruht. Die zweigeteilte Grundherrschaft bestand aus eigenbewirtschaftetem Salland und gegen Abgaben und Frondienste an bäuerliche Familien ausgegebenem Leiheland. Villikationen, Hofverbände unter der Verwaltung eines villicus (Meier), hatten einen Fronhof als Zentrum, eine Anzahl von Villikationen und Einzelhöfen bildeten die Grundherrschaft. Die königliche Grundherrschaft der Karolingerzeit (unter Einschluss des auch nicht grundherrschaftlich organisierten Reichsguts) war auf den Königshof (curtis) oder die Pfalz (palatium) hin ausgerichtet, mithin auf das Königsitinerar, sie war eingebunden in Landschaft (pagus) und Grafschaft (comitatus), genoss aber Immunität. Grafen wurden aus dem Reichsgut mit Amtsgut ausgestattet, von Reichsgut wurde der Landesausbau betrieben. II. Das Capitulare de villis ist ein Kapitular des Frankenkönigs Karl des Großen (768-814), einzig überliefert als Gebrauchsexemplar von Königsboten (missi) in dem auf uns gekommenen Codex Helmstadensis 254 (heute in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel), niedergeschrieben im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts. Das Capitulare de villis als "Landgüterverordnung" umfasst 70 Kapitel, die detailliert auf die Organisations- und Verwaltungsstruktur des karolingischen Königsguts eingehen. Seinem Inhalt nach wird das Capitulare de villis den sog. capitularia mundana ("weltlichen Kapitularien") zugeordnet. Das Capitulare de villis war wohl im ganzen Frankenreich ohne Italien gültig. Es datiert auf das letzte Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts (ca.795). Güterverzeichnisse wie die Brevium exempla (ca.825/50) und weiter der St. Gallener Klosterplan (ca.820) hängen inhaltlich und sprachlich mit dem Capitulare de villis zusammen. Karolingisches Reichsgut wird darüber hinaus fassbar im Lorscher Reichsurbar (ca.830/50), churrätischen Reichsurbar (842/43), Polyptychon von Verberie (v.864/921) u.a. Vgl. noch: Metz, Wolfgang (1971), Zur Erforschung des karolingischen Reichsgutes (= EdF 4), Darmstadt 1971, VI, 93 S., DM 12,90. > Lateinische Literatur > B Brevium exempla, C Capitulare de villis, C Churrätisches Reichsurbar, L Lorscher Reichsurbar. [Buhlmann, 10.2015]

Metz, Wolfgang (1964), Staufische Güterverzeichnisse. Untersuchungen zur Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte des 12. und 13. Jahrhunderts, Berlin 1964, XXVI, 187 S., DM 48,-. Reichsgut heißt der in der Nutzung des (nicht nur) fränkisch-ostfränkisch-deutschen Königs stehende Besitz aus Krongut, Reichskirchengut und Reichslehngut (königliche Grundherrschaft). Aus der Stauferzeit ist dann eine Reihe von Güterverzeichnissen überliefert, die Einblick geben in Verwaltung und Leistungen des Reichsguts. Es handelt sich hierbei um das Tafelgüterverzeichnis (ca.1150 oder später), das Lehnbuch des staufischen Ministerialen Werner II. von Bolanden (Wende 12. zum 13. Jahrhundert), das Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim (13. Jahrhundert, 1. Hälfte), ein Verzeichnis von Rechten und Einnahmen des Reichs im Amt (officium) Pfullendorf (ca.1220), die Reichssteuerliste (1241), die Abrechnung des Amtmanns Gerhard von Sinzig (1242) sowie die Goslarer Vogteigeldlehnrolle (1244). > Lateinische Literatur > A Abrechnung Gerhards von Sinzig, G Goslarer Vogteigeldlehnrolle, L Lehnbuch Werners II. von Bolanden, R Reichssteuerverzeichnis, T Tafelgüterverzeichnis, U Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim, V Verzeichnis von Rechten und Einnahmen des Reichs im Amt Pfullendorf. [Buhlmann, 10.2015]

Metz, Wolfgang (1971), Zur Erforschung des karolingischen Reichsgutes (= EdF 4), Darmstadt 1971 > M > Metz, Karolingisches Reichsgut

Metz, Wolfgang (1976), Quellenstudien zum Servitium regis (900-1250), in: AfD 22 (1976), S.183-271. I. Innerhalb der christlichen Reichskirche des mittelalterlichen fränkischen Karolingerreichs sowie des Ostfranken- bzw. deutschen Reichs umfasste das servitium regis, der "Königsdienst", im Wesentlichen: Gebetsgedenken für Herrscher und Herrscherfamilie, Abgaben und Dienste für die Verpflegung des Königs (Königsgastung) und für das Heerwesen, Beteiligung an königlichen Hoftagen und an Heerzügen. Der Königsdienst betraf die Reichsbistümer und Reichsabteien, die - gerade in der Zeit der ottonisch-salischen Reichskirche (10./11. Jahrhundert) - vom ostfränkisch-deutschen Herrscher mit Reichskirchengut ausgestattet wurden und von daher das servitium als Gegenleistung zu erbringen hatten. Nach der Zäsur des Investiturstreits (1075-1122) wurde der Königsdienst lehnsrechtlich gedeutet und gehörte zur Sphäre der temporalia (Regalien, Steuern) der reichskirchlichen Institutionen. II. Quellenmäßig wird das servitium im Bereich der Reichsabteien erfassbar in Urbaren, Güterverzeichnissen und Urkunden [Belegsammlung im Aufsatz]. Dies betrifft die Reichsabteien: (Rheinland, Lothringen:) Werden, Stablo-Malmedy, St. Maximin/Trier, Lorsch (Abtretung von Villikationen an den König 1147), Remiremont, Burtscheid, Klingenmünster, Prüm, Essen (Königsstufe), (Niedersachsen, Westfalen:) Freckenhorst, Gandersheim, Vreden, Corvey (königliche Verschenkung von Kemnade und Fischbeck an das Kloster 1147), Helmarshausen, (Hessen:) Fulda (Königsfutter), (Bayern:) Tegernsee, Benediktbeuern, Wessobrunn, Ober-/Niedermünster/Regensburg, Niederaltaich (steura regis), Niedernburg/Passau, (Alemannien:) Reichenau. [Buhlmann, 07.2018]

Metz, Wolfgang (1978), Das Servitium Regis. Zur Erforschung der wirtschaftlichen Grundlagen des hochmittelalterlichen deutschen Königtums (= EdF 89), Darmstadt 1978 > R Reichsgut

Meuthen, Erich (1958), Die letzten Jahre des Nikolaus von Kues. Biographische Untersuchungen nach neuen Quellen (= Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes NRW 3), Köln-Opladen 1958 > N Nikolaus von Kues

Meuthen, Erich (1961), Nikolaus von Kues in Aachen, in: ZAGV 73 (1961), S.5-23 > N Nikolaus von Kues

Meuthen, Erich (1964), Nikolaus von Kues (1401-1464). Skizze einer Biographie (= BCG Sb), Münster 71992 > N Nikolaus von Kues

Meuthen, Erich (1964), Das Trierer Schisma von 1430 auf dem Basler Konzil (= BCG 1), Münster 1964 > N Nikolaus von Kues

Mexikanische Geschichte: I. Im zum heutigen mexikanischen Staatsgebiet gehörenden geografischen Raum entwickelnden sich altamerikanische Kulturen wie die der Olmeken (1500-500 v.Chr.), postolmekische Kulturen, die klassische Kultur von Teotihuacan (2.-6. Jahrhundert n.Chr.), die Kulturen von Teotihuacans Peripherie, die der klassische-nachklassischen Maya (3. Jahrhundert v.Chr.-10. Jahrhundert n.Chr.), die der Tolteken, Mixteken und Zapoteken (11.-13. Jahrhundert), die der Azteken (Mexika) (13.-16. Jahrhundert). II. Die Eroberung Mexikos durch die Spanier (1520/24) beendete faktisch die Existenz der altamerikanischen Kulturen. An ihre Stelle trat eine mehrere Jahrhunderte überdauernde spanische Kolonialherrschaft (1521/35-1821); Mittelamerika war Teil des Vizekönigreichs Neuspanien, das auf koloniale Ausbeutung von Menschen und Ressourcen beruhte. Mit der 1811/21 gegen Spanien erkämpften Unabhängigkeit (Vertrag von Córdoba 1821) änderte sich innenpolitisch aber zuächst wenig, insbesondere dauerte es, bis die politischen Strukturen von Mexiko (als Monarchie und Republik) so weit aufgebaut waren, um den Land Stabilität zu geben. Die weitere Verschlechterung der Lebensverhältnisse eines Großteils der Bevölkerung (Mestizen, Indios) unter der Diktatur des Generals Porfirio Díaz (1876-1910) führte schließlich zur mexikanischen Revolution (1910/17), die mit verlustreichen Bürgerkriegen einherging (Venustiano Carranza, Francesco Madera, Pancho Villa, Emiliano Zapata). Folgen der Revolution waren die Etablierung der "Partei der institutionalisierten Revolution" (PRI, 1929) als Staatspartei und eines durch "Präsidentialismus" bestimmten republikanischen Systems. Auch die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts sah soziale Unruhen (Massaker im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele 1968; Indio-Aufstand in Chiapas 1994/95 und später; Drogenkriege). Heute ist Mexiko eine föderale Republik ("Vereinigte Mexikanische Staaten") mit rund 125 Millionen Einwohnern.
Zu Mexiko s.: Heck, Gerhard, Wöbcke, Manfred (1987), Mexiko (= DuMont Richtig reisen), Köln 42001, 416 S., Farbabbildungen, Fotos, Pläne, Karten, DM 39,80; Helfritz, Hans (1980), Mexiko. Ein Reisebegleiter zu den Götterburgen und Kolonialbauten Mexikos (= DuMont Kunst-Reiseführer), Köln 61989, 283 S., Farbabbildungen, Fotos, Pläne, Karten, DM 42,-; Schmitt, Hans-Jürgen (1991), Mexiko (= dtv merian reiseführer = dtv 3753), München 1991, 334 S., Farbabbildungen, Fotos, Pläne, Karten, DM 29,80. [Buhlmann, 08.1991, 06.2020]

Meyer, Christoph (2006), Herbert Wehner. Biographie (= dtv 24551), München 22006 > F Faulenbach, Geschichte der SPD

Meyer, Eduard (1906), Die Israeliten und ihre Nachbarstämme. Alttestamentliche Untersuchungen, Nachdruck Darmstadt 1967 > J Jüdische Geschichte, 10. Jahrhundert v.Chr.-3. Jahrhundert n.Chr.

Meyer, Eduard (1910/31), Geschichte des Altertums, hg. v. Hans Erich Stier: Bd.I,1: Einleitung, Elemente der Anthropologie, Darmstadt 1981, XVI, 252 S., Bd.I,2: Die ältesten geschichtlichen Völker und Kulturen bis zum 16. Jahrhundert, Darmstadt 1981, 1090 S., Bd.II,1: Die Zeit der ägyptischen Großmacht, Darmstadt 1981, XIII, 620 S., Bd.II,2: Der Orient vom zwölften bis zur Mitte des achten Jahrhunderts, Darmstadt 1981, X, 460 S., Bd.III: Der Ausgang der altorientalischen Geschichte und der Aufstieg des Abendlandes bis zu den Perserkriegen, Darmstadt 1981, XIX, 787 S., Bd.IV,1: Das Perserreich und die Griechen bis zum Vorabend des Peloponnesischen Krieges, Darmstadt 1981, XVIII, 905 S., Bd.IV,2: Der Ausgang der griechischen Geschichte, Darmstadt 1981, 366 S., Bd.V: Das Perserreich und die Griechen, Darmstadt 1981, XV, 595 S., zus. DM 198,-. Die altorientalischen Zivilisationen sind die Kulturen, Stadtstaaten und Reiche der Ägypter (Altes, Mittleres, Neues Reich), der Sumerer, Akkader, der 3. Dynastie von Ur, des altbabylonischen Reiches, der Hethiter und Kassiten, von Mitanni, der Assyrer und des neubabylonischen Reiches, der biblischen Staaten (Israel, Juda) sowie des Perserreiches. In vielfältigen Beziehung zum Alten Orient, insbesondere zum Perserreich, stand die archaische, klassische und vorhellenistische Kultur Griechenlands. [Buhlmann, 1983]

Meyer, Wilhelm (1910), Die Welt der Planeten (= Kosmos), Stuttgart 1910 > A Astronomie

Meyer-Zwiffelhoffer, Eckard (2009), Imperium Romanum. Geschichte der römischen Provinzen (= BSR 2467), München 2009 > W Wesch-Klein, Provinzen

Meyers Handbuch über das Weltall, hg. v. Sebastian von Hoerner u. Karl Schaifers (1960), Mannheim 1960 > U Universum

MGH = Monumenta Germaniae Historica

MHF = Münstersche Historische Forschungen

Mi

Michaelis, Herbert, Hubatsch, Walter, Ruge, Friedrich, Dahms, Hellmuth Günther, Ruge, Friedrich, Schraepler, Ernst (1968), Der 2. Weltkrieg. Bilder, Daten, Dokumente, München 1983 > Z Zweiter Weltkrieg

Michels, Mechthild (2005), Katholische Pfarrkirche St. Martin Riegel, Lindenberg 2005 > R Riegel

Miedema, Nine Robijntje (2001), Die römischen Kirchen im Spätmittelalter nach den 'Indulgentiae ecclesiarum urbis Romae' (= BDHIR 97), Tübingen 2001, VIII, 897 S., Karte, € 16,95. I. Die Indulgentiae ecclesiarum urbis Romae sind ein spätmittelalterlicher Pilgerführer zu den Kirchen in Rom und bieten zudem Auskünfte über die zu erwerbenden Ablässe. Ursprünglich - seit dem 12. Jahrhundert - in Latein verfasst, gab es bis zum 16. Jahrhundert zahlreiche volkssprachliche Übersetzungen, u.a. in Deutsch, seit 1470er-Jahren lagen die Indulgentiae auf Latein, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch auch gedruckt vor (Unterschiede zwischen den vereinheitlichenden Druckfassungen und der handschriftlichen Überlieferung). Eine Ergänzung der Indulgentiae sind die mit diesen zusammen überlieferten Stationes ecclesiarum urbis Romae, ein Verzeichnis der römischen Stationskirchen nach dem Kalender- bzw. Kirchenjahr. Mischformen zwischen Indulgentiae und Stationes lassen sich seit dem späten Mittelalter nachweisen. Weiter schlossen die Mirabilia Romae vel potius Historia et descriptio urbis Romae, die ungefähr seit 1475 zunächst auf Deutsch, dann auch auf Latein (als Inkunabeln) gedruckt wurden, die Indulgentiae und die Stationes mit ein, ergänzt um eine Chronik römischer Könige und Kaiser. II. Die Indulgentiae listen auf: die römischen Hauptkirchen S. Crucis, S. Johannis in Laterano, S. Laurentii extra Muros, S. Mariae Maioris, S. Pauli extra Muros, S. Petri in Vaticano, S. Sebastiani, die römischen Nebenkirchen, auch Titelkirchen S. Apollinaris, S. Caeciliae, S. Chrysogoni, S. Clementis, Ss. Quattuor Coronatorum, Ss. Cosmae et Damiani, S. Eustachii, S. Georgii (al Velabro),Ss. Johannis et Jacobi, S. Laurentii in Carcere, S. Laurentii in Damaso, S. Marcelli, S. Marci, S. Mariae Rotundae (Pantheon), S. Mariae ad Scolam Graecam (in Cosmedin), S. Petri in Vinculis, Ss. Philippi et Jacobi, S. Stephani in Coelio Monte (Rotondo), S. Susannae. > Lateinische Literatur > I Indulgentiae ecclesiarum urbis Romae, M Mirabilia Romae vel potius Historia et descriptio urbis Romae, S Stationes ecclesiarum urbis Romae [Buhlmann, 07.2015]

Miegel, Annekathrin (2014), Kooperation, Vernetzung, Erneuerung. Das benediktinische Verbrüderungs- und Memorialwesen vom 12. bis 15. Jahrhundert (= SSWLK 74), Ostfildern 2014, 270 S., Schwarzweißabbildung, Karten, Tabelle der Verbrüderungen, € 39,-. Die umfangreichen geistigen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Benediktinerklöstern im hohen und späten Mittelalter (12.-15. Jahrhundert) im süddeutschen Raum machen Kooperation, Vernetzung und Erneuerung im Umfeld des (nur in Einzelklöster organisierten) benediktinischen Mönchtums greifbar. Beispielhaft können dazu die Beziehungen der Klöster Hirsau, St. Emmeran (Regensburg), Prüfening, Heilig Kreuz (Donauwörth), Mönchsdeggingen, St. Ulrich und Afra (Augsburg), Wiblingen, Elchingen, Irsee herangezogen werden. Dabei resultierten Kooperation, Vernetzung und Erneuerung vielfach aus den benediktinischen Reformbewegungen des hohen (gregorianische Kirchenreform) und des späten Mittelalters (Kastler, Melker, Bursfelder Reform). Es entstanden auch dadurch vornehmlich "lose gefügte Verbrüderungs- und Memorialnetze", die etwa dem (einmaligen) Gedenken verstorbener Mönche und Äbte an anderen Klösteren dienten (Individual- versus Pauschalgedenken), aber als (rudimentäre) Vorstufe von Klosterverbänden von den im hohen Mittelalter sich entwickelnden Mönchsorden (etwa der Zisterzienser oder der Bettelorden) mit deren Institutionalisierung und Hierarchisierung (rechtlich) weit entfernt waren (<-> Cluniacensis ecclesia). Nach einer Blütezeit im hohen Mittelalter kam es gegen Ende des 13. Jahrhunderts im benediktischen Mönchtum zu einer Erneuerung der Aktivitäten auf dem Gebiet der Verbrüderung (fraternitas) und des Gebetsgedenkens (Totengedenken, memoria), die durch die Reformbewegungen des 15. Jahrhunderts noch verstärkt wurden ("Aktivierung von Verbrüderungsbeziehungen"). Die Verbrüderungen (als "umfassende Bruderschaft") waren weit von einem "rechtlichen Zusammenschluss" von Klöstern entfernt, bildeten aber die wichtigste Grundlage im Beziehungsgeflecht zwischen den Mönchsgemeinschaften, wobei sich zwei Partnerklöster durch individuell ausgestaltete, flexible Verbrüderungsverträge miteinander verbanden. Diese enthielten wesentlich: die Teilhabe des einen an den guten Werken des anderen Klosters, das gemeinsame Gebetsgedenken, die Modalitäten der Versorgung von Mönchen des einen im anderen Kloster. Ein Kloster verband sich exklusiv mit einem ausgewählten anderen Kloster, wenn dieses etwa durch Ansehen oder als Reformzentrum unter den Klöstern des Benediktinertums hervorstach. Das Netzwerk der durch Verbrüderung verbundenen Klöster war Teil des damaligen viel umfangreicheren kirchlichen Netzwerks (Klöster und Bischöfe, Papsttum und Kirche als zentrale Organe spätmittelalterlicher Kirche), es entstand auch auf Grund eines kooperativen Handelns, das soziales Ansehen für die Klöster (bei Ausschaltung von Hierarchien) versprach. [Buhlmann, 01.2018]

Mieth, Dietmar (2004), Meister Eckhart. Mystik und Lebenskunst, Düsseldorf 2004 > E Eckhart

Militzer, Klaus (1968), Die Deutschordenskommende zu Giengen, in: ZWLG 27 (1968), S.31-38. Vom endenden 13. bis zum endenden 14. Jahrhundert sind für Giengen Komture des Deutschen Ordens nachweisbar, die die Annahme einer selbstständigen Giengener Deutschordenskommende wahrscheinlich machen. Initiator der Kommende war wohl ein Friedrich von Giengen, Komtur von Ulm (1268?, 1270, 1284), der die Giengener Kommende mit Besitz ausstattete und von Ulm aus gründete. Seit 1286 sind hier Komture bezeugt (Albert [1286], Ulrich von Kammlach [1293-1299], Herbort [1309-1320], Erkinger von Stetten [1340], Herold von Ohrn [1345/46, 1350]), Heinrich der Kittler [1352], Walter von Kaltental [1391], Johann von Venningen [1396]), Besitzungen sowohl der Ulmer als auch der Giengener Kommende befanden sich im 13./14. Jahrhundert in Gemengelage, die Kommende Giengen muss noch mindestens bis in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts Bestand gehabt haben. Mit der zeitlich nicht bestimmbaren Auflösung/Umwandlung der Kommende gelangte deren Grundbesitz (Güterverzeichnis von 1391) teilweise an die Ulmer Kommende (Besitz in Landshausen, Deisenhofen, Mörslingen u.a.), der Großteil der Güter indes an die Deutschordenskommende Kapfenburg (bezeugt ab 1379; Übergang der Güter in Fleinheim [1434] und Ballhausen [1435], Vogtei Zöschingen); Walter von Kaltental war Komtur sowohl von Karpfenburg als auch von Giengen, und das mag auch für seine Nachfolger gegolten haben. Irgendwann zwischen dem endenden 15. und endenden 16. Jahrhundert muss die Giengener Kommende in die Karpfenburger Vogtei Zöschingen umgewandelt worden sein. > D Deutscher Orden [Buhlmann, 06.2013]

Militzer, Klaus (2005), Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005 > D Deutscher Orden

Militzer, Klaus (2012), Fragment eines Kopialbuchs des Ursulastifts, in: AHVN 215 (2012), S.1-16 > Lateinische Literatur > D Deutschordenszentralarchiv, Varia 37

Militzer, Klaus (2014), Die Fehde des Deutschen Ordens mit den Lievendaels, in: AHVN 217 (2014), S.1-17. Die Lievendaels waren eine spätmittelalterliche Adelsfamilie, die sich nach ihrem Ansitz Lievendael (bei Wevelinghoven) nannten, einem Offenhaus des Kölner Erzstifts (1370/95). Verwandt waren die Lievendaels mit den Wyden und Ousheim, Verbindungen der drei Familien zum Deutschen Orden bestanden. Katharina von der Wyden war nacheinander mit Heinrich von Ousheim und Gerhard dem Älteren von Lievendael verheiratet; aus den zwei Eheen entstammten der Deutschordensbruder Heinrich von Ousheim und die Geschwister Gerhard der Jüngere, Reinhard und Rutger von Lievendael. Als Katharina im Jahr 1424 brachen Erbstreitigkeiten aus und in der deren Folge eine langdauernde Fehde zwischen den Lievendaels auf der einen und dem Deutschen Orden auf der anderen Seite (Fehdeansage von 50 Herren an den Deutschen Orden 1425, Fehdeansage der Lievendaels 1425, Verhandlungen mit dem Kölner Erzbischof und Schiedsgerichtsverfahren 1425, Schiedsgerichtsverfahren der Lievendael-Brüder 1425, Fehdefortsetzung 1425/26, weitere Verhandlungen 1426, Fehdefortsetzung u.a. Johann Lievendaels [des Sohns Gerhards des Jüngeren] 1426-1446, Schiedsgerichtsverfahren des Kölner Erzbischofs und Schiedssspruch des Jungherzogs Ruprecht von Jülich-Berg von Kaster [Transfix vom 30. Dezember 1447] 1447, Beiliegung der Fehde). In Fehden mit Adelsfamilien war der Deutsche Orden insofern benachteiligt, als dass er von sich natürlich keine Christen angreifen und schädigen konnte. Insofern setzte der Orden immer wieder auf die im Spätmittelalter so verbreitete Schiedsgerichtsbarkeit. > D Deutscher Orden [Buhlmann, 01.2017]

Militzer, Klaus (2016), Testament und Inventar des Priesters Hermann Moelner von Kirspenich an der Pfarrkirche von Elsen, in: AHVN 219 (2016), S.103-116 > Lateinische Literatur > M Moelner, Hermann

Miller, Konrad (Hg.) (1962), Die Peutingersche Tafel, 1916, Nachdruck Stuttgart 1962, 16 S., Karte, DM 50,-. Die Peutingertafel (tabula Peutingeriana), benannt nach dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger (*1465-†1547), ist die mittelalterliche Nachzeichnung (wohl spätes 12. Jahrhundert) einer spätantiken Reisekarte. Die weitgehend genordete Karte stellt - gemäß ihrer ursprünglichen, auch in der Nachzeichnung beibehaltenen Aufzeichnung auf einer antiken Pergamentrolle (Rotulus von 6,75 m Länge und 0,34 m Höhe) - das Gebiet des römischen Reiches um das Mittelmeer verzerrt dar und führt die wichtigsten Städte und Straßen mit den zugehörigen Entfernungsangeban auf. Sie verortet z.B. die Alamannia, das Siedlungsgebiet der Alemannen, östlich und nördlich von Rhein, Bodensee und Donau, das Siedlungsgebiet der fränkischen Stämme (Franci, Bructuri) jenseits des Niederrheins und gibt damit gut die Situation im 4./5. Jahrhundert wieder. [Buhlmann, 10.2005]

Miller, Matthias (2004), Mit Brief und Revers. Das Lehenswesen Württembergs im Spätmittelalter. Quellen - Funktion - Topographie (= SSWLK 52), Leinfelden-Echterdingen 2004, X, 214 S., 1 CD-ROM, € 25,-. Nach außen hin belegte der Graf von Württemberg in der lehnsrechtlich begründeten Heerschildschildordnung des spätmittelalterlichen deutschen Reiches den 4. Rang, nach seiner Erhebung zum Herzog (1495) gehörte er dem Reichsfürstenstand und damit dem 3. Heerschild an. Dabei besaßen die Grafen seit jeher Lehen des Reiches wie etwa das Herzogtum Teck, die Pfalzgrafschaft Tübingen oder die Grafschaften Württemberg, Neuffen, Calw usw. (passive Lehnsbindungen). Nach innen (aktive Lehnsbindungen: gewere) wirkte das spätmittelalterliche Lehnswesen integrierend in Bezug auf die württembergische Landesherrschaft. Die auf Ritual (Handgang) und Schriftlichkeit ([Lehns-] Brief und Revers) begründete Lehensvergabe (bei Herren- und Mannfall, Lehensmutung innerhalb von Jahr und Tag) band im 14. und 15. Jahrhundert rund 300 bis 500 Vasallen, Ritter und Niederadlige, Geistliche, Bürger und Bauern, an den Grafen (württembergischer Lehnshof). Verliehen wurden Dorfherrschaften, Burgen, Zehntrechte, Höfe und Grundstücke, der Lehnsherr konnte von den Vasallen "Rat und Hilfe" (consilium et auxilium) erwarten, wobei die militärische Bedeutung des Lehnsverbands zu Gunsten des Einsatzes der Vasallen in der Verwaltung immer mehr abnahm. Aus dem Lehnsadel, der Geistlichkeit und der Schicht der Amtsträger entwickelten sich die württembergische Landstände, die im 15. Jahrhundert in finanziellen Angelegenheiten und etwa bei der Landesteilung von 1442 Mitsprache erlangten. [Buhlmann, 10.2006]

Mindermann, Arend (2006), Ein karolingischer Missionsstützpunkt in Bardowick-Konende? Neue Thesen zu einer alten Kontroverse um die Frühgeschichte des Bistums Verden, in: JbnsKG 104 (2006), S.9-48. Bardowick (an der Ilmenau) und Verden (an der Aller) waren schon vor dem Sachsenkrieg (772-804) des Frankenkönigs Karl des Großen (768-814) besiedelt, besaßen auch durchaus zentralörtliche Funktionen, wie das Verdener "Strafgericht" des fränkischen Königs über die Sachsen (782) oder auch ein Aufenthalt des Kaisers in Verden bezeugt (810). Anzunehmen ist weiter, dass es in Verden - bevor der Ort Bischofssitz wurde - ein älteres Missionszentrum gegeben hat, das für die Christianisierung des Umlandes zuständig war. Dies ist vielleicht aus Aktivitäten von Mönchen des Odenwälder Klosters Amorbach ab ungefähr 815 zu erschließen. Eventuell waren ja die Amorbacher Mönche schon seit 795/900 in der christlichen Missionierung tätig. Die historische Forschung meint sogar in der spätmittelalterlichen Verdener Überlieferung die Namen von vier dieser Mönche ausfindig gemacht zu haben (Nortila, Leyulo, Rotila, Isenger), die aber doch eher in die Zeit ab 815 zu stellen sind. Bardowick - bzw. Konende, bei (in) Bardowick an einer Stephanskirche (als Missionskirche) gelegen - war vielleicht schon ab 785/87, vielleicht sogar schon ab 779/80 ein Zentrum der Christianisierung von Sachsen im Bardengau, und auch von Slawen östlich der Ilmenau; das Kapitular von Diedenhofen (805) bezeichnet Bardowick als Grenzhandelsplatz zu den Slawen. Die Missionszelle unterstand sehr wahrscheinlich der Bremer Kirche des Missionars Willehad (†789), als Missionare und Heilige erscheinen in legendenhafter Überlieferung ein Marianus und ein Egistius. Ob in Bardowick-Konende in der Zeit Karls des Großen ein Missionsbistum errichtet werden sollte, ist unklar, aber möglich; immerhin hielt sich der Frankenkönig dort in den Jahren 795 und 798 auf. Auf jeden Fall sind eventuelle Pläne aufgegeben worden, als Kaiser Ludwig der Fromme an die Macht kam. Das Missionszentrum Bardowick wurde aufgegeben - und damit auch die Bindung an Bremen -, der Ort und das Umland des Bardengaus wurden zum Bistum Verden geschlagen, dessen Anfänge - als Mainzer Suffraganbistum - somit auf die Zeit 814/15 anzusetzen sind. Rund eine Generation hatte damit die Bardowicker Missionszelle Bestand gehabt. In Verden sind nun Missionsbischöfe bezeugt, die gleichzeitig Äbte des Klosters Amorbach gewesen waren und sich von daher nur zeitweise in Sachsen aufhalten konnten: Spatto (ca.815/16), Tancho (n.815/16-v.829), Harud (v.829-829). Die als Scoti, also Iroschotten bezeichneten Abtbischöfe entfalteten indes wohl keine allzu große missionarische Wirkung innerhalb ihres Verdener Missionssprengels. [Buhlmann, 08.2013]

Minnesang: Innerhalb der höfisch-ritterlichen Kultur des hohen Mittelalters drehte sich der Minnesang als mittelhochdeutsche Liebeslyrik um Liebe und ein doch begrenzten Minnerepertoire wie heimliche Liebe, Fernliebe, Frauendienst oder Minneleid. Aus diesen Voraussetzungen machten Dichter und Autoren wie Albrecht von Johansdorf, Dietmar von Eist, Friedrich von Hausen, Gottfried von Neifen, Hartmann von Aue, Heinrich von Breslau, Heinrich von Morungen, Heinrich von Veldecke, Johannes Hadlaub, der von Kürenberg, Neidhart, Reinmar, Rudolf von Fenis, der Tannhäuser, Ulrich von Lichtenstein, Ulrich von Winterstetten oder Walther von der Vogelweide inhaltlich und formal beeindruckende Lieder, die Rollenlyrik sowie Selbstbezug, literarische Kommunikation und Konkurrenz (zwischen den Dichtersängern), Minne- und Minnesangdiskurs transportierten. Dabei traten auch erzählend-narrativ-szenische Elemente hinzu, etwa bei Tagelied, Pastourelle oder Erzähllied.
An Einführungen in den und Quellen zum Minnesang seien erwähnt: Deutscher Minnesang (1150-1300), Mittelhochdeutsch - Neuhochdeutsch, hg. v. Friedrich Neumann, bearb. v. Kurt Erich Maurer (1981) (= RUB 7857), Stuttgart 1981, 174 S., DM 2,-; Herchert, Gaby (2010), Einführung in den Minnesang (= Einführungen. Germanistik), Darmstadt 2010, 141 S., € 9,90; Minnesang. Mittelhochdeutsche Liebeslieder. Eine Auswahl. Mittelhochdeutsch - Neuhochdeutsch, hg. v. Dorothea Klein (2010) (= RUB 18781), Stuttgart 2010, 576 S., € 16,-. [Buhlmann, 01.2011, 05.2012]

MIÖG = Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

Mirabilia Urbis Romae. Die Wunderwerke der Stadt Rom, hg. u. übers. v. Gerlinde Huber-Rebenich, Martin Wallraff, Katharina Heyden u. Thomas Krönung (2014), Freiburg i.Br. 2014, 176 S., Schwarzweißabbildungen, -fotos, Stadtplan, € 21,95. I. Mirabilia: Der lateinische Text der Mirabilia Urbis Romae, verfasst wohl zwischen 1140 und 1143 von einem unbekannt gebliebenen Autor, steht im Zusammenhang mit der Rückbesinnung auf das antike Rom, die im Rahmen des Aufstiegs des mittelalterlichen Rom im 11. und 12. Jahrhundert sowohl das wiedererstarkende Papsttum als auch die entstehende "Republik" betrieben; hierbei kam dem Ende des Pontifikats Papst Innozenz' II. (1130-1143) eine gewisse Bedeutung zu (Porphyrsarkophag Kaiser Hadrians als Grab des Papstes, Ausrufung der römischen "Republik" auf dem Kapitol 1143). So finden sich die Mirabilia abschriftlich erstmals im Liber politicus des römischen Kanonikers Benedikt (12. Jahrhundert, Mitte). Die Mirabilia sind also entstanden aus dem "Geist der glorifizierenden Erneuerung Roms aus der Antike". Sie sind eine Mischung aus listenartigen Verzeichnissen (antike Regionarien), Städtelob und -beschreibung (indulgentiae, stationes) sowie "Reiseführer". Sie enthalten im Anfangsteil Listen (Stadtmauer, Stadttore, Trumphbögen, Hügel, Thermen, Paläste, Theater, Orte christlichen Martyriums, Brücken, Katakomben), im Mittelteil eine Aneinanderreihung von kurzen historiografischen und legendarischen Erzählungen, festgemacht an der "Kulisse" antiker Bauten und Gegebenheiten (Kirche S. Maria in Aracoeli, Dioskurengruppe des Quirinals, Kolosseum, Reiterstandbild, Pantheon, römische Märtyrer, Kirche S. Pietro in Vincoli, Vatikan, Engelsburg, Marsfeld, Kapitol, Foren, Palatin, Circus maximus, Caelius, Esquilin, Quirinal, Aventin, Forum Boiarium, Trastevere), sowie einen kurzen Schluss, in dem der Verfasser auf das erinnerungswürdige heidnisch-antike Rom verweist. II. Mittelalterliche Topografie Roms: Zwischen Antike und Mittelalter (5./6. Jahrhundert) verwandelte sich Rom unter hohen Bevölkerungsverlusten von der Weltstadt als Haupt(stadt) des römischen Reiches zu einem Ort mit (für das Mittelalter immer noch beträchtlichen) rund 60000 Einwohnern. Die Einwohnerschaft verlor sich folglich im Mauerring der aurelianischen Stadtmauer, viele Bereiche waren unbesiedelt (disabitato). Die mittelalterliche Besiedlung (abitato) war im frühen Mittelalter noch auf die einzelnen Stadtviertel verteilt, konzentrierte sich bis zum 10./11. Jahrhundert aber allein auf die Bereiche entlang des Tiber, vom Marsfeld über das Tiberknie und Trastervere bis zum Rindermarkt (Forum Boiarium) und zum Velabrum. Ablesbar ist diese Entwicklung auch an der zunehmenden Bestattung der Toten innerhalb des Mauerrings bei Aufgabe der Katakomben (8./9. Jahrhundert). Besiedelte Inseln im disabitato waren das Gebiet um die Lateranbasilika, das Kolosseum und S. Maria Maggiore. Besiedelt war außerhalb der römerzeitlichen Ummauerung die Gegend zwischen der Peterskirche des Vatikans und der Engelsburg (Borgo), die unter Papst Leo IV. (847-853) ummauerte civitas Leonina. Bis zum 8. Jahrhundert war das Forum Romanum noch das Zentrum (Rest-) Roms gewesen; die Freiflächen der Foren waren im 9. und 10. Jahrhundert mit Wohnhäusern überbaut, ab dem 11. Jahrhundert der nicht mehr bewohnte Campo Vaccino, eine "Kuhweide". Antike Brücken über den Tiber (bei der Engelsburg, über und südlich der Tiberinsel) verbanden die Stadtteile auf beiden Seiten des Flusses, noch (bis ins Hochmittelalter) funktionierende Aquädukte lieferten Wasser; die antike Infrastruktur war auch im noch teilweise bestehenden römischen Straßensystem erkennbar, während antike Baulichkeiten außer Kirchen (Basiliken, Pantheon), die Engelsburg (Mausoleum Kaiser Hadrians) und dem Marcellustheater (als Befestigungen) kaum weiter genutzt wurden. Stattdessen entstanden auf und in römischen Ruinen Wohnhäuser und Adelstürme (Geschlechtertürme), große Bereiche des disabitato wurden landwirtschaftlich genutzt (Wein-, Obstanbau). Das Kapitol wurde im Rahmen der römischen "Republik" (Senatorenpalast) im 12./13. Jahrhundert dem abitato eingegliedert. > Lateinische Literatur > M Mirabilia Urbis Romae [Buhlmann, 08.2020]

Mirkovic, Miroslava (2007), Moesia Superior. Eine Provinz an der mittleren Donau (= Orbis Provinciarum. Römische Provinzen), Mainz 2007, 127 S., zahlreiche Farbabbildungen, Karten, € 12,95. Die Unterwerfung der Volksstämme der Autariaten, Dardaner, Skordisker oder Triballer nördlich der römischen Provinz Macedonia geschah ab dem Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. (Niederlagen der Skorisker 106, 80 v.Chr.; römische Siege über Dardaner 97, 85, 75-72 v.Chr.; Unterwerfung der Moeser 30-28 v.Chr.; römische Feldzüge gegen Odrysen, Bessen, Sarmaten 24/23, 19/18, 16, 12-9 v.Chr.). Es entstand ein Komplex der römischen Provinzen Achaia-Makedonia-Moesia, aus dem am Beginn des 1. Jahrhunderts n.Chr. die Provinz Moesia entlang der Donau gebildet wurde (vor 23 n.Chr.). In der Militärprovinz standen zwei römische Legionen zur Grenzverteidigung; sie dienten dem Schutz des römischen Reiches hauptsächlich vor den Dakern nördlich der Donau. 86 n.Chr. wurde vor dem Hintergrund der Dakerbedrohung (Dakereinfälle der 80er-Jahre) die Moesia in die beiden Provinzen Moesia superior und Moesia inferior geteilt. Die Moesia superior umfasste das Provinzgebiet von der mittleren Donau bis nach Makedonien und auch nach der römischen Eroberung des Dakerreiches (106 n.Chr.) weiter die Legionsstandorte Singidunum und Viminacium. Die Provinz wurde ab dem 1./2., besonders im 2./3. Jahrhundert n.Chr. romanisiert (Soldaten, Veteranen; Urbanisierung), Zentren der Romanisierung waren die Munizipien Singidunum, Viminacium, Horreum, Naissus, Ulpiana, Scupi und municipium Dardanorum. Innerhalb der Moesia superior spielte der Bergbau eine wichtige Rolle, die Provinz war einbezogen in den Handel im römischen Reich. Die Krise des 3. Jahrhunderts, die römischen Kaiser aus den Balkanprovinzen und die Bedrohungen des römischen Reiches durch Völker nördlich der Donau (Aufgabe Dakiens 271 n.Chr.) führten u.a. zu Militärreformen und zur Neugliederung und Verkleinerung der Provinzen; an die Stelle der Moesia superior traten in der Spätantike die Provinzen Moesia I und Dardania, teilweise die Dacia ripensis und Dacia mediterranea. Die Moesia I blieb weiterhin für die Grenzverteidigung wichtig (obermösischer Donaulimes), die Provinz war wirtschaftlich weitgehend autark. In Romulania erbaute sich Kaiser Galerius (293/305-311) eine stark befestigte Palastanlage, in der villa Mediana (bei Naissus) teilten die Kaiser Valentinian (364-375) und Valens (364-378) ihre Verwaltung über das römische Reich (364 n.Chr.). Im 4. Jahrhundert n.Chr. breitete sich das Christentum in Obermoesien aus (christliche Märtyrer, christliche Kirchen [Romulania, Remesiana]). Die Veränderungen im Rahmen der "Völkerwanderung" (Westgoten, Hunnen, Ostgoten) betrafen auch das obermösische Gebiet im römischen Reich (4./5. Jahrhundert n.Chr.). Unter Kaiser Justinian (527-565) gelang die zeitweise Sicherung der Donaugrenze; Justinian gründete die Stadt Iustiniana Prima (ca.530 n.Chr.; Ober-, Unterstadt, Akropolis). Das Ende des 6. Jahrhunderts brachte auch das Ende der (ost-) römischen Herrschaft im obermösischen Raum (awarische Eroberung von Sirmium [582], awarische Angriffe auf Singidunum [584/96 und später] und Viminacium [ca.600]). [Buhlmann, 06.2013]

Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft, hg. v. Rudolf Haubst u.a., ist eine Reihe zur Person und Umwelt des spätmittelalterlichen Kirchenmanns, Theologen und Philosophen Nikolaus von Kues (*1401-†1464). U.a. sind in der Reihe erschienen: Bd.1 (1961): Mainz 21968, 126 S. (u.a. mit den Beiträgen: Josef Stallmach, Zusammenfall der Gegensätze. Das Prinzip der Dialektik bei Nikolaus von Kues; Hermann J. Hallauer, Eine Denkschrift des Nikolaus von Kues zum Kauf der Ämter Taufers und Uttenheim in Südtirol; H. Kleinen, Robert Danzer, Cusanus-Bibliographie [1920-1961]); Bd.2 (1962): Mainz 1962, 138 S. (u.a. mit den Beiträgen: Erich Meuthen, Die Pfründen des Cusanus; Giovanni Mantese, Ein notarielles Inventar von Büchern und Wertgegenständen aus dem Nachlaß des Nikolaus von Kues); Bd.3 (1963): Mainz 1963, 270 S. (u.a. mit den Beiträgen: Alois Krchnak, Neue Handschriften in London und Oxford. Reisebericht; Alois Krchnak, Die Herkunft der astronomischen Handschriften und Instrumente des Nikolaus von Kues; Peter Volkelt, Die Philosophenbildnisse in den Commentarii ad opera Aristotelis des Cod. Cus. 187; Valentin Palm, Nikolaus von Kues und sein Vater im Bernkasteler Weistum des Jahres 1431; Robert Danzer, Cusanus-Bibliographie. Fortsetzung [1961-1964]); Bd.4 (1964): Das Cusanus-Jubiläum in Bernkastel-Kues vom 8. bis 12. August 1964, hg. v. Rudolf Haubst, Mainz 1964, 450 S., Abbildungen (u.a. mit den Beiträgen: Erich Meuthen, Neue Schlaglichter auf das Leben des Nikolaus von Kues; Erwin Iserloh, Reform der Kirche bei Nikolaus von Kues; Johannes Bärmann, Cusanus und die Reichsreform; Hermann J. Hallauer, Eine Visitation des Nikolaus von Kues im Benediktinerinnenkloster Sonnenburg; Rudolf Haubst, Die leitenden Gedanken und Motive der cusanischen Theologie; Maurice Patronnier de Gandillac, Das Problem der Völkerverständigung nach den theologischen Grundsätzemn und praktischen Vorschlägen des Kardinals Nikolaus von Kues; Joseph Meurers, Nikolaus von Kues und die Entwicklung des astronomischen Weltbildes; Nikolaus Stuloff, Mathematische Tradition in Byzanz und ihr Fortleben bei Nikolaus von Kues); Bd.5 (1965): Mainz 1965, 180 S. (u.a. mit den Beiträgen: Mariano Alvarez-Gomez, Die Frage nach Gott bei Nikolaus von Kues; Paul Eugene Sigmund, Konzilsidee und Kollegialität nach Cusanus; Joseph Ehrenfried Hofmann, Mutmaßungen über das früheste mathematische Wissen des Nikolaus von Kues); Bd.6 (1967): Mainz 1967, 210 S. (u.a. mit den Beiträgen: Hermann J. Hallauer, Nikolaus von Kues und das Brixener Klarissenkloster; Joseph Ehrenfried Hofmann, Über Regiomontanus und Butéons Stellungnahme zu Kreisnäherungen des Nikolaus von Kues; W. Traut, M. Zacher, Cusanus-Bibliographie, 2. Fortsetzung [1964-1967] und Nachträge); Bd.7 (1969): Mainz 1969, 192, 4 S., Abbildungen (u.a. mit dem Beitrag: Rudolf Haubst, Ein Predigtzyklus des jungen Cusanus über tätiges und beschauliches Leben); Bd.8 (1970): Mainz 1970, 279 S. (u.a. mit den Beiträgen: Erich Meuthen, Der Dialogus concludens Amedistarum errorem ex gestis et doctrina concilii Basiliensis; Satoshi Oide, Über die Grundlagen der cusanischen Konjekturenlehre; Peter Hirt, Vom Wesen der konjekturalen Logik nach Nikolaus von Kues; Rudolf Haubst, Zusammenfassende theologische Erwägungen); Bd.9 (1971): Nikolaus von Kues als Promotor der Ökumene. Akten des Symposions in Bernkastel-Kues vom 22. bis 24. September 1970, Mainz 1971, 224 S. (u.a. mit den Beiträgen: Erich Meuthen, Nikolaus von Kues in der Entscheidung zwischen Konzil und Papst; Werner Krämer, Der Beitrag des Nikolaus von Kues zum Unionskonzil mit der Ostkirche; Hermann J. Hallauer, Das Glaubensgespräch mit den Hussiten; Anton Schall, Die Sichtung des Christlichen im Koran; Rudolf Haubst, Der Leitgedanke der repraesentatio in der cusanischen Ekklesiologie; Gerd Heinz-Mohr, Friede im Glauben. Die Vision des Nikolaus von Kues; Bernhard Hanssler, Die Idee der Völkergemeinschaft bei Nikolaus von Kues); Bd.10 (1973): Mainz 1973, 264 S. (u.a. mit den Beiträgen: Joseph Ehrenfried Hofmann, Über eine bisher unbekannte Vorform der Schrift De mathematica perfectione des Nikolaus von Kues; Karl Bormann, Eine bisher verschollene Handschrift von De beryllo; Peter Takashi Sakamoto, Die theologische und anthropologische Fundierung der Ethik bei Nikolaus von Kues; Wolfgang Breidert, Rhytmomachia und Globusspiel; Pavel Floss, Cusanus und Comenius; M. Vazquez, Cusanus-Bibliographie, 3. Fortsetzung [1968-1972]); Bd.11 (1975): Nikolaus von Kues in der Geschichte des Erkenntnisproblems. Akten des Symposions in Trier vom 18. bis 20. Oktober 1973, hg. v. Rudolf Haubst, Mainz 1975, 287 S. (u.a. mit den Beiträgen: Maurice Patronnier de Gandillac, Nikolaus von Kues zwischen Platon und Hegel; Johannes Hirschberger, Das Prinzip der Inkommensurabilität bei Nikolaus von Kues; Wilhelm Dupré, Apriorismus oder Kausaldenken nach der cusanischen Auffassung von der Gotteserkenntnis?; Eusebi Colomer Pues, Die Erkenntnismetaphysik des Nikolaus von Kues im Hinblick auf die Möglichkeit der Gotteserkenntnis); Bd.18 (1989): Das Sehen Gottes nach Nikolaus von Kues. Akten des Symposions in Trier vom 25. bis 27. September 1986, hg. v. Rudolf Haubst, Trier 1989, 303 S., Abbildungen (u.a. mit den Beiträgen: Margot Schmidt, Nikolaus von Kues im Gespräch mit den Tegernseer Mönchen über Wesen und Sinn der Mystik; Alex Stock, Die Rolle der "icona Dei" in der Spekulation "De visione Dei"; Werner Beierwaltes, "Visio facialis" - Sehen ins Angesicht. Zur Coincidenz des endlichen und unendlichen Blicks bei Cusanus; Rudolf Haubst, Die erkenntnistheoretische und mystische Bedeutung der "Mauer der Koinzidenz"; Klaus Kremer, Gottes Vorsehung und die menschliche Freiheit); Bd.24 (1998): Nikolaus von Kues als Kanonist und Rechtshistoriker, hg. v. Klaus Kremer u. Klaus Reinhardt, Trier 1998, XIII, 278 S., € 3,95 (mit den Beiträgen: Thomas E. Morrissey, Ein unruhiges Leben. Franciscus Zabarella an der Universität von Padua (190-1410). Die Welt, die Nikolaus von Kues vorfand; Peter Landau, Die Bedeutung der Kanonistik für die Karriere einer aufsteigenden Bürgerschicht; Erich Meuthen, Der Kanonist und die Kirchenreform; Hans-Jürgen Becker, Der Streit der Juristen: Nikolaus von Kues in der Auseinandersetzung mit Herzog Sigismund 1460-1464; Hermann J. Hallauer, Nikolaus von Kues als Rechtshistoriker. Sen Kampf um die Bewahrung der Brixener Kirche; Gregorio Piaia, Marsilius von Padua (†um 1342) und Nicolaus Cusanus (†1464). Eine zweideutige Beziehung?; Paul Eugene Sigmund, Konsens, Repräsentation und die Herrschaft der Mehrheit bei Marsilius und Cusanus; Giovanni Santinello, Nikolaus von Kues (1401-1464) und Petrarca (1304-1374); Hermann J. Hallauer, Auf den Spuren eines Autographs von Predigten und Werken des Nikolaus von Kues aus der Brixener Zeit). > N Nikolaus von Kues [Buhlmann, 10.1996-02.1997, 07.2020]

Mitteis, Heinrich (1950), Die Krise des deutschen Königswahlrechts (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Jg. 1950, H.8), München 1950, 92 S., € 2,-. Die Nachfolge eines Königs im ostfränkisch-deutschen Reich des frühen und hohen Mittelalters war bestimmt durch "Geblüts-" und "Wahlrecht", wobei je nach politischer Lage das eine hinter dem anderen zurücktreten konnte und das "Geblütsrecht" mit sakralem Königscharisma und -heil verbunden war. Der dynastische Gedanke des Königtums stand bei den Merowingern, Karolingern, Ottonen, Saliern und Staufern im Vordergrund, es gab aber auch z.B. im Rahmen eines Dynastiewechsels Situationen, in denen die Königswahl dominierte. Im (spätkarolingisch-) ostfränkischen Reich sind diesbezüglich die Wahl Arnulfs von Kärnten (887) und die Konrads I. (911) zu nennen. Die ottonische Dynastie begann mit der Designation und Wahl ("Auswahl", "Kur") König Heinrichs I. (919). Ein entscheidender politischer Umbruch war im Investiturstreit (1077-1122) mit der Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden (1077) gegeben. Diese erscheint als ein Wendepunkt in der Entwicklung hin zum Königswahlrecht des späten Mittelalters, wenn auch die Staufer für mehrere Generationen wieder eine Königsdynastie etablieren konnten (Erbreichsplan Kaiser Heinrichs VI. [1196]; deutscher Thronstreit [1198/1208]). Nach dem "Untergang" der Staufer setzte sich der Gedanke einer ausschließlichen Königswahl im deutschen Reich durch. [Buhlmann, 07.2020]

Mittelalter: Das Mittelalter umfasst das Jahrtausend zwischen 500 und 1500, wobei die Zeitgrenzen nur als ungefähr, die Übergänge von der Antike und Vorgeschichte bzw. hin zur Neuzeit als fließend zu verstehen sind; es wird traditionell unterteilt in ein frühes, hohes und spätes Mittelalter. Das frühe Mittelalter (6.-11. Jahrhundert) ist dabei die Epoche des fränkischen Großreichs der Merowinger und Karolinger, des Reichsverfalls im 9. und der Bildung u.a. des deutschen Reiches im 10. und 11. Jahrhundert Das hohe Mittelalter (11.-13. Jahrhundert) schließt die Umbruchszeit des 11./12. Jahrhunderts mit ein; es ist die Zeit des Investiturstreits und der Entstehung der mittelalterlichen Stadt. Früheres Mittelalter heißt die Zeit vom 6. bis 12., späteres die vom 12. bis 15. Jahrhundert. Eine andere Zeiteinteilung orientiert sich an den ostfränkisch-deutschen Königsdynastien der Karolinger (751/843-911), Ottonen (919-1024), Salier (1024-1125) und Staufer (1138-1254). Das Ende des staufischen Königtums und das daran anschließende Interregnum (1256-1273) stehen am Beginn des späten Mittelalters (13.-15./16. Jahrhundert), der Zeit der Territorien, Städte und der wirtschaftlichen Intensivierung. Die dem Mittelalter nachfolgende Zeitepoche ist die frühe Neuzeit (16.-18. Jahrhundert) bis zum Ende des "Alten Europa".
Einführungen in die mittelalterliche Geschichte gibt es mehr als genug. Jankrift, Kay Peter (2004), Das Mittelalter. Ein Jahrtausend in 12 Kapiteln, Ostfildern 2004, 286 S., € 12,95, behandelt - in Auswahl und jahrhundertweise - mittelalterliche Geschichte vom römischen Reich der Spätantike und von der "Völkerwanderungszeit" (4./5. Jahrhundert) an, um dann auf die germanischen Reiche der "Völkerwanderung" (Ostgoten, Franken) einzugehen; dem frühmittelalterlichen Frankenreich zwischen Islam und Normannen (7.-9. Jahrhundert) folgte die hochmittelalterliche Welt der deutschen, französischen und englischen Herrscher (10.-13. Jahrhundert), die Zeit des Investiturstreits, der Kreuzzüge und der Häresien (11.-13. Jahrhundert); das Spätmittelalter ist gekennzeichnet durch eine intensivierte Wirtschaftsentwicklung (Hanse), als Krisenzeit und "Herbst des Mittelalters" (Kleine Eiszeit, Pest, Großes Papstschisma, Hundertjähriger Krieg), aber auch als Zeitalter des Aufbruchs (Burgund, Renaissance, Entdeckungsfahrten) (13.-15./16. Jahrhundert). [Buhlmann, 12.2011]

Mittelalterliche Kartografie: I. Die Erde besaß gemäß dem mittelalterlichen Weltbild drei (von Menschen bewohnte) Kontinente, nämlich Europa, Afrika und Asien, das Letztere so groß wie die zwei anderen Landmassen. Diese Ökumene war umflossen vom Weltmeer, das Verhältnis von Wasser zu Land schwankte von 1 : 7 über 4 : 1 bis 11 : 1. Hinzukommen konnte in den Überlegungen der mittelalterlichen Gelehrten ein unbekannter vierter Südkontinent (terra australis incognita) mit seinen Antipoden ("Gegenfüßlern"). Dabei war zu beachten, dass gemäß der antiken Klimalehre, die die Erde in Zonen geografischer Breite vom arktischen bis zum heißen Äquatorklima unterteilte (Klimakarten, Zonenkarten), die Unbewohnbarkeit und Unüberschreitbarkeit der Äquatorgegend postuliert wurde. Nach dem Kirchenvater Augustinus (†430) sollen nämlich die Nachkommen der drei Söhne Noahs jeweils nur einen Kontinent besiedelt haben, so dass von daher keine Antipoden zu erwarten waren. Dem entsprach es, dass der biblische Missionsbefehl Jesu Christi sich wegen der "klimatischen Sperre" am Äquator doch nur auf die Nordhalbkugel der Erde beziehen konnte. Mittelpunkt der Erde war dabei Jerusalem. II. Aus dem Mittelalter sind eine Fülle von Karten (und Plänen) überliefert: keine, die heutigen entsprechen würden, hingegen solche, die die Eigenart mittelalterlichen Denkens verdeutlichen. Die Peutingerkarte (tabula Peutingeriana) war eine hochmittelalterliche Nachzeichnung einer spätantiken Reisekarte, benannt nach dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger (†1547). Die Peutingerkarte verzeichnet das Straßennetz im (spät-) römischen Reich, nennt in der Art eines Itinerars Entfernungen, Stationen und Städte und verzeichnet Küsten, Flüsse und Gebirge. Sie stellt dies alles bei einer Länge von 6,75 Meter und einer Breite von 34 Zentimetern in (ungefährer) West-Ost-Richtung gestreckt, in (ungefährer) Nord-Süd-Richtung gestaucht dar. Die Reisekarte fand im Mittelalter keine Nachahmung. Von der Peutingerkarte unterscheiden sich somit die eigentlichen mittelalterlichen Weltkarten (mappae mundi). Sie waren vielfach TO-Karten, d.h. in einem Kreisrund O befinden sich die drei Kontinente Asien, Europa und Afrika, die Meere in Form eines T voneinander trennen. Dabei sind die Weltkarten allesamt geostet ("orientiert", d.h.: Osten ist oben), in ihrem Zentrum liegen Jerusalem und das Heilige Land. Die Karten vermitteln im Allgemeinen keine Entfernungen zwischen einzelnen Orten, sondern führen - in Anlehnung an die geografischen Vorstellungen des Mittelalters - Inseln, Berge, Meere und Flüsse, Bauwerke und Städte, Menschen, Völker und Tiere auf. Zu den mittelalterlichen mappae mundi gehören die Ebstorfer Weltkarte (13. Jahrhundert) und die Hereford-Karte. Die Weltkarten hatten insbesondere die Aufgabe, in einer räumlichen und zeitlichen Dimension Heilsgeschichte zu vermitteln. Seekarten, sog. Portulane hatten dagegen praktische Bedeutung. Die Portulane, entwickelt im 12. und 13. Jahrhundert, zeigten nur die Küstenlinien vorzugsweise von Mittel- und Schwarzem Meer. Die auf den Karten verzeichneten Küstenlinien sind dabei nur in Maßen genau, eine einheitliche und mathematische Projektionsmethode (vom Globus auf die Karte) gab es nicht, auch wurden Längen- und Breitengrade in die Karte eingetragen. Die Nordung der Portulane weicht vom geografischen Norden um 7 bis 12 Grad ab und folgte damit dem magnetischen Nordpol, Letzteres ein Hinweis auf die Benutzung des Kompasses im späteren Mittelalter. In der Seefahrt brauchte man darüber hinaus weitere Gerätschaften, um Positionsbestimmungen durchzuführen, wie die (wenig geeigneten) Armillarsphären und Astrolabien sowie die Quadranten und Sextanten. Neue Impulse gab am Ende des 14. Jahrhunderts die Entdeckung der Kartografie des antiken Geografen Claudios Ptolemäus, die gerade bei den Humanisten Verbreitung fand (Karte und Gradnetz; frühe Drucke, u.a. die Ulmer Ausgaben 1482, 1486). Für das endende Mittelalter stehen die Weltkarte des venezianischen Kamaldulenserlaienbruders Fra Mauro (†1459) und die Kartentafeln des Henricus Martellus Germanus (†1496). Die sog. ptolemäischen Karten sind mit ihrer Einteilung in Längen- und Breitengrade und entsprechenden Kartenprojek-tionen unseren heutigen sehr ähnlich. Die Welt war damit zumindest theoretisch vermessen, wenn auch exakte Koordinatenangaben noch fehlten. Der Vorstel-lung der Erde als Erdapfel geschuldet war schließlich der Globus des Nürnberger Martin Behaim (†1507), den der Entdeckungsreisende und Kartograf 1492 anfertigte.
Zur mittelalterlichen Kartografie s.: Miller, Konrad (Hg.) (1916), Die Peutingersche Tafel, 1916, Nachdruck Stuttgart 1962 > M Miller, Peutingersche Tafel; Reichert, Folker (2013), Das Bild der Welt im Mittelalter, Darmstadt 2013 > R Reichert, Bild der Welt. [Buhlmann, 05.2015, 01.2020]

Mittelalterliches Weltbild: I. Das mittelalterliche Weltbild war ein geozentrisches, gespeist aus antiken und mittelalterlichen Vorstellungen der Naturphilosophie. Der Kosmos, das Weltall war auch ein musikalisches Klangbild von astronomisch begründeten Sphären. Die Erde war eine Kugel, bestehend aus dem schwersten der vier Elemente und damit "unten" im Zentrum des Kosmos angesiedelt. Der die Erde umgebende Kosmos (Welt, mundus) war eingeteilt in konzentrische, kugelförmige Sphären, die die Erde als Mittelpunkt hatten. Auf dem geozentrischen Weltbild der ionisch-antiken Naturphilosophie beruhend, unterschied man die Himmelssphären der sieben "Planeten" ("Wandelsterne") einschließlich Sonne und Mond. Hinzu kamen die noch sichtbare Fixsternsphäre (Firmament mit den Sternbildern und den Tierkreiszeichen) und die Sphäre des "ersten Bewegers" (primum movens) bzw. des "ersten Bewegten" (primum mobile), so dass es insgesamt neun Sphären gab. Das Firmament, von Gott jenseits der Fixsternsphäre in Bewegung gesetzt, rotierte dabei am schnellsten, innerhalb von 24 Stunden um die Erde und teilte diese Bewegung durch Reibung den anderen Sphären mit, ohne dass sich die Bewegung auch auf die Erde übertrug. Dieses Grundsystem von Erde und Kosmos ist dann vielfach modifiziert worden. Außerhalb der Fixsterne soll es einen Kristallhimmel (als primum mobile), einen Feuerhimmel (empyreum) und Gott (als primum movens) gegeben haben. Gott wurde u.a. als unendlich gedacht, so dass ein endlicher Sphärenkosmos im Unendlichen zu liegen kam. Dies hatte z.B. die Konsequenz, dass man auch darüber nachdachte, ob es in diesem Unendlichen nicht noch anderen "Erden" gab. Das Unendliche konnte dann in verschiedene "geistige" Himmel mit göttlicher Trinität und Engelschören zergliedert werden, wie dies u.a. die Schedelsche Weltchronik von 1493 wiedergibt. Da man unter Umständen auch die sublunare Sphäre in die Bereiche der vier Grundelemente Feuer, Luft, Wasser und Erde unterteilte, schwankte die Anzahl der Sphären gerade im Spätmittelalter zwischen acht und 14. Dazu kamen Modelle, die aus astronomischen Gründen - etwa nach Aristoteles (†322 v.Chr.) - über viel mehr Sphären verfügten, denn man wollte die Planetenbewegungen (mit ihren auftretenden Rückläufigkeiten) exakt nachahmen. Hier setzte sich aber die Epizykeltheorie des Claudios Ptolemäus (†n.160) durch, wonach die Planeten sich auf Kreisen (Epizykeln) bewegten, deren Mittelpunkte wiederum auf den Sphären (Deferenten) lagen. Das Phänomen des Auftretens der Planeten Merkur und Venus als "Morgen- und Abendsterne" löste man zumindest teilweise, indem man diesen Himmelskörpern heliozentrische Umläufe (um die Sonne) einräumte, so dass ein gemischt-geozentrisch-heliozentrischer Kosmos entstand. Als weitgehend kongruent zur Sphärensystematik wurde das Modell des kosmischen Eis empfunden, wobei das Ei mit der Schale als Firmament, dem Häutchen als Äther, dem Eiweiß als Wasser und dem Dotter als Erde die Sphären und Elemente abbildete. Dass schließlich bestimmte Sphären unterschiedlich "klangen", war Inhalt der antik-mittelalterlichen und unhörbaren Sphärenharmonie. Danach umfassten die Sphären von "Planeten" und Fixsternen eine Oktave von Tönen, wobei der Mond den tiefsten, der Fixsternhimmel den höchsten Ton erzeugte. II. Den Kosmos mochte man sich in seinen räumlichen Dimensionen endlich oder unendlich (unter Einschluss der "Unendlichkeit" und "Ewigkeit" Gottes) vorstellen, die zeitliche Endlichkeit der Welt war jedoch durch Bibel und christliche Lehre vorgegeben. Gottes Schöpfung stand am Anfang der Welt, das Jüngste Gericht an deren Ende, wobei man über das Kommen der Endzeit reichlich wenig wusste (Endzeiterwartungen, Parusie oder Wiederkunft Christi; Weltalterlehre). Die unbewegliche Erde befand sich im Mittelpunkt der kosmischen Sphären. Nach den meisten mittelalterlichen Vorstellungen war die Erde eine Kugel; nur wenige vertraten die Ansicht, dass sie eine Scheibe sei. Und so war z.B. für Christoph Kolumbus (†1506), dem Entdecker Amerikas, von vornherein klar, dass Ostasien auch durch eine Fahrt nach Westen erreicht werden konnte. Somit wurde bei den Verhandlungen um die Entdeckungsreise des Kolumbus nach Westen auch nicht die Kugelgestalt der Erde in Frage gestellt, sondern die Durchführbarkeit des Unternehmens, war man sich doch im Unklaren darüber, welches die Größe des Erdumfangs war. Der antike Astronom Eratosthenes (3. Jahrhundert v.Chr.) hatte diesen mit knapp 40.000 km recht genau ermittelt, der griechische Geograf Strabo (†23 n.Chr.) mit nur 27.000 km. Dagegen war auch aus antiken Schriften oder etwa von Beda Venerabilis (†735) her bekannt, wie man Erdkrümmung und Kugelgestalt der Erde nachweisen konnte (Sichtbarkeit eines Schiffes bis zum Horizont, Planetenauf- und -untergänge). Die Erde besaß gemäß dem mittelalterlichen Weltbild drei (von Menschen bewohnte) Kontinente, nämlich Europa, Afrika und Asien, das Letztere so groß wie die zwei anderen Landmassen. Diese Ökumene war umflossen vom Weltmeer, das Verhältnis von Wasser zu Land schwankte von 1 : 7 über 4 : 1 bis 11 : 1. Hinzukommen konnte in den Überlegungen der mittelalterlichen Gelehrten ein unbekannter vierter Südkontinent (terra australis incognita) mit seinen Antipoden ("Gegenfüßlern"). Dabei war zu beachten, dass gemäß der antiken Klimalehre, die die Erde in Zonen geografischer Breite vom arktischen bis zum heißen Äquatorklima unterteilte (Klimakarten, Zonenkarten), die Unbewohnbarkeit und Unüberschreitbarkeit der Äquatorgegend postuliert wurde. Nach dem Kirchenvater Augustinus (†430) sollen nämlich die Nachkommen der drei Söhne Noahs jeweils nur einen Kontinent besiedelt haben, so dass von daher keine Antipoden zu erwarten waren. Dem entsprach es, dass der biblische Missionsbefehl Jesu Christi sich wegen der "klimatischen Sperre" am Äquator doch nur auf die Nordhalb-kugel der Erde beziehen konnte. Mittelpunkt der Erde war dabei Jerusalem.
Zum mittelalterlichen Weltbild s.: Grant, Edward (1980), Das physikalische Weltbild des Mittelalters, Zürich-München 1980, 214 S., Abbildungen, DM 18,-; Gurjewitsch, Aaron J. (1978), Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen, München 41989, 421 S., Abbildungen, DM 39,80; Simek, Rudolf (1992), Erde und Kosmos im Mittelalter. Das Weltbild vor Kolumbus, München 1992, 219 S., Abbildungen, DM 39,80. [Buhlmann, 10.1991-02.1992, 01.2020]

Mittelalterrezeption ist die Sichtweise nachmittelalterlicher Personen und Historiker auf die Epoche des Mittelalters, beginnend beim Humanismus, fortlaufend bis in die heutige Zeit. Mittelalterrezeption umfasst u.a. die Definition von Mittelalter als historischer Epoche und ein (jeweils unterschiedliches) Geschichtsbild über das Mittelalter. Mittelalterrezeption kann künstlerisch, literarisch oder wissenschaftlich erfolgen.
Vgl. dazu: Browne, Dik ([1994]), Hägar der Schreckliche. Heldengeschichten aus dem Leben des furchtlosen Wikingers, Lingen [1994], 160 S., Comics, DM N.N.; > Kompendium Mittelalter > Mittelalter-Rezeption, > Kompendium Mittelalter > Mittelalter-Rezeption in der Moderne: Historische Romane, [Buhlmann, 07.2020]

Mittelhochdeutsche Sangspruchdichtung des 13. Jahrhunderts. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. v. Theodor Nolte u. Volker Schupp (2011) (= RUB 18733), Stuttgart 2011, 515 S., € 15,80. Mittelhochdeutsche Sangspruchdichtung ist eine schwer abgrenzbare literarische Gattung, die man dadurch umschreiben kann, dass sie nicht Minnesang ist. Sangspruchdichtung betrifft hauptsächlich das 13. Jahrhundert und klingt im 14. und 15. Jahrhundert aus bzw. wird abgelöst von Minnerede, Reimchronistik und Meistergesang. Sangsprüche behandeln disparate Themen wie Religion und Politik, Lebenswirklichkeit und Gesellschaft, Lebenswelt der Sänger und Unterhaltung. Ausgewählt wurden Sangsprüche von: Meister (Wilder) Alexander (13. Jahrhundert, 2. Hälfte; alemannisch?), (Starker?) Boppe (13. Jahrhundert, Ende; Südwestdeutschland), Der von Buchein (ca.1262/63; alemannisch?), Hermann Damen (1282/1307; Rostock), Fegfeuer (13. Jahrhundert, 2. Hälfte), Frauenlob (Hermann von Meißen, †1317/18?), Friedrich von Sonnenburg (1250/75; Südtirol), Gast (13. Jahrhundert, 4. Viertel), Geltar (Gedrut, 1230/50; Bayern/Österreich), Der Goldener (13./14. Jahrhundert; Nordostdeutschland), (Pseudo-) Gottfried von Straßburg, Der Guter (13. Jahrhundert, 2. Hälfte; Mitteldeutschland), Der Hardegger (13. Jahrhundert, Mitte; St. Gallen?), Der Henneberger (Meiningen/Würzburg), Höllefeuer (v.1268), Der Junge Meißner (1303?; Tirol?), Der Junge Spervogel (Der Junge Stolle; ca.1200), Der Kanzler (13. Jahrhundert, Ende), Kelin (13. Jahrhundert, 2. Hälfte; oberdeutsch), Konrad von Würzburg (†1287), Leutold von Seven (13. Jahrhundert, Mitte; Steiermark?), Der Litschauer (13. Jahrhundert, 2. Hälfte?; Niederösterreich?), Der Marner (1230/v.1267; Schwaben), Der Meißner (13. Jahrhundert, 2. Hälfte; Ostmitteldeutschland), Reinmar der Fiedler (13. Jahrhundert, Mitte; Oberdeutschland), Reinmar von Zweter (13. Jahrhundert, 2. Viertel; Österreich/Franken?), Rumelant von Sachsen (13. Jahrhundert, 2. Hälfte; Bayern/Dänemark), Rumelant von Schwaben (1275/77), Schulmeister von Esslingen (1274/75), Sigeher (13. Jahrhundert, 3. Viertel; Südtirol?), Singauf (Mitteldeutschland), Stolle (Der Alte Stolle; 13. Jahrhundert, 2. Viertel oder 2. Hälfte), Süßkind von Trimberg (1218/25), Der Tannhäuser (13. Jahrhundert, Mitte; Franken?), Ulrich von Singenberg (1209/28; St. Gallen), Der Unverzagte (13. Jahrhundert, 4. Viertel), Walther von Breisach (1265/1300), Walther von der Vogelweide (*ca.1170-†ca.1230), Bruder Wernher (13. Jahrhundert, 2. Viertel; Bayern/Österreich), Zilies von Seine (13. Jahrhundert, 2. Hälfte; Sayn). [Buhlmann, 04.2012]

Mo

Mocker, Ute, Mocker, Helmut, Werner, Matthias (1993), PC-Einsatz in den Geisteswissenschaften. EDV-Einsatz für das Studium sinnvoll nutzen (= dtv 50155), München 1993, 304 S., DM 22,90 > Kompendium Mittelalter > Wissenschaftsbetrieb: Computertechnologie [Buhlmann, 04.1994]

Möhlig, Andreas (2011), Reformatio und reclusio. Das Zisterzienserinnenkloster Sterkrade im Spätmittelalter, in: AHVN 212 (2009), S.71-97. Zunächst als Nonnenkloster im Jahr 1240 in Defth (bei Bottrop-Kirchhellen) gegründet, wurde die Frauenkommunität nach ihrem Umzug nach (Oberhausen-) Sterkrade (ca.1248, bis 1255) bald (1257/71) Teil des Zisterzienserordens. Das Kloster war der Zisterze Kamp unterstellt und hatte bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1809 Bestand. Äbtissin Elisabeth von Stecke (1382-1418) leitete eine wirtschaflich prosperierende Gemeinschaft, die allerdings im 15. Jahrhundert zunehmend reformbedürftig erschien. So kam es unter Äbtissin Hadwig von Loe (1461-1473) zu bis Anfang 1465 dauernden Reformmaßnahmen (Wiederherstellung von Klosterdisziplin und Klausur bei Chorgebet, geistlicher Lesung und Handarbeit sowie Verzicht auf Privateigentum), die von Papst Pius II. (1458-1464) (Papsturkunde von 1461), dem klevischen Landesherrn, Herzog Johann I. (1448-1481), und dem Kamper Abt Heinrich von Ray (1452-1483) wirksam und auch gegen Widerstände von Sterkrader Nonnen (Beschwerdebrief von 1464) unterstützt wurden. In der frühen Neuzeit wurde das Kloster 1583 im Truchsessischen Krieg (1583-1589) stark in Mitleidenschaft gezogen; die Nonnen wichen nach Holten aus und kehrten erst 1623 wieder nach Sterkrade zurück. Nicht zuletzt auf Grund des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) blieb die wirtschaftliche Lage des Klosters jedoch weiterhin angespannt (Visitation von 1666). Auch schädigte der Siebenjährige Krieg (1756-1763) die Frauengemeinschaft schwer. [Buhlmann, 05.2011]

Mölig, Georg, Neddermeyer, Uwe, Schmitz, Wolfgang (Hg.) (2001), Spätmittelalterliche Geschichtsschreibung in Köln und im Reich. Die "Koelhoffsche" Chronik und ihr historisches Umfeld (= VKGV 43), Köln 2001, 160 S., Schwarzweißabbildungen, Diagramme, € 14,-. Spätmittelalterliche städtische Geschichtsschreibung im deutschen Reich befasst sich mit Stadtgeschichte (Stadtchronistik) zumeist im "universalen" Umfeld (biblische Geschichte, Reichsgeschichte). Beispiele von ("popularisierender", von Geistlichen oder Laien verfasster) Stadtchronistik finden sich für Augsburg (Sigmund Meisterlin), Erfurt (Nikolaus von Siegen), Helmstedt (Henning Hagen, Croneke van Helmstede), Mainz (Hermann Picator), Minden (Heinrich Piel), Nürnberg (Sigmund Meisterlin) (Uta Goerlitz, "Accepi [...] te poesis et historiarum fore audissimum exquisitorem". Der Mainzer Humanist und Historiograph Hermannus Piscator OSB und sein Umfeld; Uwe Neddermeyer, Einleitung: Städtische Geschichtsschreibung im Blickfeld von Stadthistorie, Inkunabelkunde, Literatur- und Historiographiegeschichte. Anmerkungen zu einer Textgattung) und nicht zuletzt für Köln (Gerlach vanme Hauwe, Nuwen boichs; Heinrich van Beeck, Agrippina; Koelhoffsche Chronik; Volker Henn, Städtische Geschichtsschreibung in Köln und im Hanseraum). Gerade die Koelhoffsche Chronik (oder Cronica van der hilliger Stat van Coellen) eines unbekannten Verfassers (1499) offenbart dabei Beziehungen zu anderen historiografischen Werken der damaligen Zeit (Schedelsche Weltchronik, Mainzer Sachsenchronik; Heinz Finger, Der Druck der "Koelhoffschen" Chronik im Kontext der Drucklegung zeitgenössischer Chronikausgaben; Christoph Reske, Die "Koelhoffsche" Chronik und ihre Beziehung zur Schedelschen Weltchronik sowie zur Mainzer Sachsenchronik aus buchwissenschaftlicher Sicht) und zur Tradition Kölner Geschichtsschreibung (Anna-Dorothee von den Brincken, Der universalhistorische Rahmen der "Koelhoffschen" Chronik und die bis 1499 im Druck zugängliche Chronistik; Carl August Lückerath, Cronica regia Coloniensis und Chronica Sancti Pantaleonis als Zeugnisse der mittelalterlichen Kölner Historiographie; Robert Meier, Zeitgemäßes und Unzeitgemäßes. Die "Koelhoffsche" Chronik und ihre Vorgängerin Agrippina im Vergleich). Die bis 1499 gedruckte Koelhoffsche Chronik des Kölner Verlegers Johann Koelhoff des Jüngeren umfasste über 700 Seiten und hatte bei einer geschätzten Auflage von 600 bis 1000 Stück einen hohen Verkaufspreis, was neben der niederdeutschen Sprache und dem Vordringen lateinischer gedruckter Bücher (Humanismus) den Absatz sehr erschwerte (Uwe Neddermeyer, Koelhoffs große Fehlkalkulation? Überlegungen zu Auflagenhöhe und Absatzchancen der Cronica van der hilliger Stat van Coellen). [Buhlmann, 11.2015]

Möller, Joseph (1992), Sinn des Lebens. Sinn der Geschichte. Grundzüge einer Geschichtsphilosophie (= PAE 17), Villingen-Schwenningen 1992, 144 S., DM 22,- > Kompendium Mittelalter > Geschichtsphilosophie [Buhlmann, 06.2018]

Möller, Reinhard (1975), Reduktion und Namenwandel bei Ortsnamen in Niedersachsen, in: BNF NF 10 (1975), S.121-156 > N Namenkunde

Möllmann, Ulrich, Die althochdeutschen Adjektive auf -sam (= StAhd 24), Göttingen 1994 > S Studien zum Althochdeutschen

Mömpelgard: Mömpelgard (Montbéliard) liegt in der Burgundischen Pforte und wird um 985 erstmals genannt. Die Burg Mömpelgard war ab dem 11./12. Jahrhundert Herrschaftszentrum einer Grafschaft in den Händen der Grafen von Bar bzw. Montfaucon. Am Ende des 14. Jahrhunderts bestand die Herrschaft Mömpelgard aus der Grafschaft und einigen Nebenherrschaften, die Nebenländer der "Quatre Terres" waren seit einer Erbteilung von 1321 von Mömpelgard getrennt, gelangten indes im 16. Jahrhundert wieder an Mömpelgard. Die Eheabsprache von 1397 betreffend die Heirat Graf Eberhards IV. von Württemberg (1415-1417) mit Henriette von Mömpelgard (*1384/91-†1444) begründete dann ein württembergisches Mömpelgard, d.h. ein in spätem Mittelalter und früher Neuzeit dynastisch mit der Grafschaft bzw. dem Herzogtum Württemberg verbundenes linksrheinisches Territorium. Im Reformationszeitalter wurde Mömpelgard, das Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1550) zeitweise Zuflucht bot, lutherisch; im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert entstand die Renaissancestadt Mömpelgard. In den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die württembergische Herrschaft Mömpelgard mehrfach französisch besetzt, konnte aber ihre Unabhängigkeit inmitten des Königreichs Frankreich weiterhin behaupten (so 1648, 1679 oder 1697). Das Ende der burgundischen Herrschaft Württembergs kam mit der Französischen Revolution (1789) und der Besetzung Mömpelgards (1792/93), der 1796/1802 der württembergische Verzicht auf das Nebenland folgte.
An neuerer Literatur zum württembergischen Mömpelgard seien genannt: Buhlmann, Michael (2007), Württembergisches Mömpelgard (= VA 30), St. Georgen 2007, 24 S., € 3,50; Kluckert, Ehrenfried (2001), Reise nach Mömpelgard. Kulturgeschichtliche Streifzüge ins schwäbische Frankreich, Stuttgart 2001, 254 S., DM 39,80; Lorenz, Sönke, Rückert, Peter (Hg.) (1997), Württemberg und Mömpelgard - 600 Jahre Begegnung (= Ausstellungskatalog), Stuttgart 1997, 56 S.; Lorenz, Sönke, Rückert, Peter (Hg.) (1999), Württemberg und Mömpelgard - 600 Jahre Begegnung / Montbéliard - Wurtemberg. 600 Ans de Relations (= SSWLK 28), Leinfelden-Echterdingen 1999, XI, 484 S., € 20,90. [Buhlmann, 04.2007]

Möncke, Gisela (2003), Gedruckte Rezesse des Provinzialkapitels der Benediktinerprovinz Mainz-Bamberg aus den Jahren 1482 bis 1524, in: SMGB 114 (2003), S.21-57. Die von Papst Benedikt XII. (1334-1342) dem Benediktinerorden gegebene Reformbulle Benedictina (1336) schrieb den Benediktinerklöstern eine geordnete Güterverwaltung, geistige Arbeit und innerklösterliche Ausbildung vor und verfügte eine Zentralisierung des Ordens mit 36 Ordensprovinzen - u.a. die Mainz-Bamberger Provinz für die süddeutschen Klöster - und Provinzialkapiteln. Für das 15. Jahrhundert ist dann allgemein ein verstärkter organisatorischer Zusammenschluss von Benediktinerkonventen zu beobachten, resultierend u.a. aus den Reformbewegungen des Benediktinertums (Bursfelder Reform, Melker Reform). Benediktinische Klöster in den Diözesen der Mainzer Kirchenprovinz und im Bistum Bamberg bildeten die Benediktinerprovinz Mainz-Bamberg mit ihren Äbteversammlungen als Provinzialkapiteln. Ausfluss der im Wesentlichen seit der Äbtekonferenz von Petershausen (1417) beim Konstanzer Konzil (1414-1418) alle zwei bzw. später alle drei Jahre stattfindenden Versammlungen von Vertretern der Benediktinerklöster der Ordensprovinz Mainz-Bamberg waren die zunächst abschriftlich, dann auch gedruckt verbreiteten Rezesse, die die Beschlüsse, d.h. die Provinzialstatuten der jeweiligen Provinzialkapitel in den Klöstern verbreiten sollten. So sind gedruckte Rezesse zwischen 1482 und 1524 überliefert von den Provinzialkapiteln von 1482 (Blaubeuren), 1485 (Ausgburg), 1487 (Mainz), 1490 (Nürnberg), 1493 (Hirsau), 1496 (Seligenstadt), 1499 (Würzburg), 1501 (Fulda), 1506 (Augsburg), 1509 (Erfurt), 1512 (Bamberg), 1515 (Mainz), 1518 (Würzburg), 1521 (Donauwörth), 1524 (Nürnberg). [Buhlmann, 08.2018]

Mörike, Eduard, deutscher Dichter: Eduard Mörike wurde am 8. September 1804 im württembergischen Ludwigsburg geboren, besuchte dort die Lateinschule (1811/17), danach die Uracher Klosterschule (1818/22) und studierte am Tübinger Stift Theologie (1822/26). Gemäß seiner theologischen Ausbildung bekleidete er im Königreich Württemberg verschiedene Stellen als Vikar in Oberboihingen, Möhringen (1826/27), Köngen (1827), Plattenhardt, Owen (1829/31) und Pfarrverweser in Eltingen (1831), Ochsenwang (1832/33), Weilheim (1833/34), Owen (1834), Ötlingen (1834), schließlich Pfarrer in Cleversulzbach (1834/43) bis zu seiner Pensionierung vom Pfarrdienst (1843). Parallel zu seiner Tätigkeit in der württembergisch-evangelischen Landeskirche erfolgte die als Schriftsteller, beginnend mit dem Ende der 1820er-Jahre. Mörikes erstes Werk, der Roman "Maler Nolten" erschien 1832 in einem Stuttgarter Verlag. Es folgten die "Gedichte" (1838), "Idylle am Bodensee" (1846), "Das Stuttgarter Hutzelmännlein", "Der alte Turmhahn" (1853), "Mozart auf der Reise nach Prag" (1855) u.a., neben seinen Briefwechseln mit Wilhelm Hartlaub, Moritz von Schwind, Theodor Storm oder Friedrich Theodor Vischer und seinen Grafiken und Zeichnungen. Nach 1856 war Mörike kaum noch schriftstellerisch tätig. Er war Lehrer am Stuttgarter Katharinenstift (1851/66) und - nach einer wieder gelösten Verlobung mit Luise Rau (1829/33) - ab 1851 mit Margarethe Speeth verheiratet, von der er die zwei Töchter Fanny (geb. 1855) und Marie (geb. 1856) hatte. Nach seiner Pensionierung von der Lehrertätigkeit am Katharinenstift lebte Mörike zeitweise in Lorch und Nürtingen, um nach Stuttgart zurückzukehren (1873). Nach schwerer Krankheit verstarb der Dichter am 4. Juni 1875 in Stuttgart; sein Leichnam wurde auf dem Stuttgarter Pragfriedhof bestattet.
Als Werke von Eduard Mörike seien hier aufgeführt: Mörike, Eduard (1838), Gedichte (= Hamburger Lesehefte 199), Husum o.J., 72 S., DM 2,40; Mörike, Eduard (1856), Mozart auf der Reise nach Prag. Novelle (= KdW), Offenburg o.J. [1946], 76 S., RM 1,30; Mörike, Eduard (1856), Mozart auf der Reise nach Prag. Novelle (= Kleine Lesering Bibliothek, Bd.10), [Gütersloh] o.J., 76 S., DM N.N. Als Biografie über Eduard Mörike sei genannt: Quak, Udo (2004), Eduard Mörike. Reines Gold der Phantasie (= ATV 2064), Berlin 2004, 292 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, € 9,95. [Buhlmann, 09.2017, 09.2018]

Mombauer, Annika (2014), Die Julikrise. Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (= BSR 2825), München 2014, 128 S., Karten, € 8,95. Die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg am 28. Juni 1914 im bosnischen Sarajevo durch serbische Attentäter der revolutionären Bewegung "Junges Serbien" war der Anlass und Auslöser zum Ersten Weltkrieg (1914-1918), der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts". Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn - unterstützt durch den politischen "Blankoschec" des deutschen Kaisers Wilhelm II. und des Deutschen Kaiserreichs - arbeitete innerhalb des Zweibundes (Deutschland, Österreich-Ungarn) in der "Julikrise" 1914 zielstrebig auf einen Krieg gegen Serbien und damit unweigerlich auch gegen das russische Zarenreich. Die politische Reaktion auf das Attentat fiel zunächst verhalten aus; abgewartet wurde das Ende der Erntezeit und der französisch-russischen Verhandlungen in St. Petersburg, bis am 23. Juli - unter Übergehung Italiens (Dreibund) - das absichtlich unannehmbar gehaltene Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien ging. U.a. auf Einwirken Russlands hin lenkte Serbien weitgehend ein, u.a. die britische Diplomatie versuchte, einen Krieg zu verhindern. Am 28. Juli begann indes der Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien; der Logik der Bündnisse von Entente (Frankreich, Russland) und Zweibund entsprechend folgten die militärischen (Teil-) Mobilmachungen Russlands, Deutschlands und Frankreichs (31. Juli, 2. August). Gemäß den militärischen Erfordernissen des Schlieffenplans stellte Deutschland am 2. August dem neutralen Belgien ein Ultimatum, die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich erfolgte am 3. August, die Großbritanniens an Deutschland am 4. August. Alles in allem wurde in der "Julikrise" ein europäischer Krieg gerade von den maßgeblichen politischen Kreisen in Österreich-Ungarn und Deutschland für unvermeidbar (und vom Zeitpunkt her für günstig) gehalten. Ausgelöst wurde der Erste Weltkrieg bewusst durch eine Politik des Täuschens von Seiten der Zweibundmächte, während sich Russland und Frankreich auf den Krieg einließen. [Buhlmann, 04.2014]

Momente. Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg, hg. v. Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, behandelt landeskundlich-historische Themen quer durch die Epochen.
U.a. sind erschienen: H.1|2014 (2014), 48 S., Farbabbildungen, € 8,50, hat das Konstanzer Konzil (1414-1418) zum Thema. > K Konstanz: Konzil von Konstanz [Buhlmann, 05.2016]

Mommsen, Hans (1986), Archäometrie. Neuere naturwissenschaftliche Methoden und Erfolge in der Archäologie, Stuttgart 1986 > A Archäologie

Mommsen, Theodor (1892), Die Papstbriefe bei Beda, in: NA 17 (1892), S.387-396 > B Beda Venerabilis

Monheim, Ingeborg (1967), Aachen. Ein Stadtführer, Aachen 51989 > A Aachen

Moosbauer, Günther (2018), Die vergessene Römerschlacht. Der sensationelle Fund am Harzhorn, München 2018, 201 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 19,95. I. Im Verlauf des 2. Jahrhunderts n.Chr. erwuchsen dem das Mittelmeer und die angrenzenden Gebiete umfassenden römischen Reich militärische Probleme mit den Germanen(stämmen) entlang Rhein und Donau (agri decumates zwischen Rhein und Donau mit obergermanisch-rätischem Limes, römisches Dakien; gesellschaftliche Veränderungen im Barbaricum, germanische Fürsten als Verbündete oder Gegner Roms [Fürstengräber] und deren Kampfverbände). Die bis zu Kaiser Antoninus Pius (138-161) geübte Grenzpolitik der Abschottung gegenüber den Germanen erwies sich spätestens ab den Markomannenkriegen (167-175, 178-180) unter den Kaisern Marc Aurel (161-180) und Commodus (180-192) als hinfällig. Weitere römisch-germanische Auseinandersetzungen sollten folgen, so unter den Kaisern Caracalla (211-217) (Feldzug in die Main-Tauber-Regnitz-Region von Rätien aus 213) und Severus Alexander (222-235) (Germaneneinfälle im Maingebiet 233) , wobei sich das römische Reich auch mit dem Reich der Parther bzw. (ab 224/27) der Sassaniden (und damit an zwei Fronten) militärisch beschäftigen musste (römische Niederlage gegen die Parther 217; römischer Feldzug gegen die Perser 231). II. Ein von Severus Alexander lang (234/35) geplanter Germanenfeldzug wurde nach der Ermordung des Kaisers in Mainz (235) von dessen damals vom Heer erhobenen Nachfolger Maximinus Thrax (235-238) unternommen (235). Die römischen Truppen (Legionäre, Reiterei, Artillerie, Tross) passierten (wohl in der Gegend von Butzbach) den obergermanischen Limes, maschierten zur Lahn und erreichten nach dem Durchmarsch durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet die Siedlungsräume der westgermanischen Chatten (Fritzlar-Waberner Becken). Von Hedemünden a.d. Fulda wandte sich das Heer nach Osten ins Thüringer Becken (Lagerplatz bei Hachelbich), dem Siedlungsgebiet der Hermunduren, wo es erstmals zu Kämpfen kam. Über das Saaletal wurde die Elbe erreicht und damit der Siedlungsraum der elbgermanischen Sueben. Die Römer rückten verwüstend und plündernd weiter vor. An der Elbe schlugen sie unter großen eigenen Verlusten die Sueben in der "Schlacht am Moor" (nördlich Magdeburg?). Der Rückmarsch der römischen Truppen erfolgte weiter westlich, wobei es an der Engstelle des Harzhorns, eines Ausläufers des Harzes, zu einer weiteren (archäologisch gut dokumentierten [Waffen, Ausrüstung, Gerätschaften, Plünderungsgut]) Schlacht kam. Die Römer konnten sich den Weg Richtung Hedemünden freikämpfen. Über Hedemünden wurde dann Mainz als Winterlager der Truppen erreicht. III. Der Feldzug des Maximinus Thrax zeigt, dass es dem römischen Heer prinzipiell jederzeit möglich war, den Krieg auch in das feindliche germanische Gebiet zu tragen. Dies galt für die Zeit der "römischen Reichskrise" (3. Jahrhundert; Germaneneinfälle [Alemannen, Franken], Perserkriege, Gallisches Sonderreich [260/74], Aufgabe des obergermanisch-rätischen Limes [259/60 bzw. n.290?]) nach der Ermordung des Maximinus Thrax (238) wie für die Spätantike (4./5. Jahrhundert; Reformen der Kaiser Diocletian [284-305] und Konstantin I. [306-337]). [Buhlmann, 07.2019]

Morrissey, Christoph (1997), Vor- und frühgeschichtliche Wallanlagen auf der Baar-Alb, in: TutHbll NF 60 (1997), S.10-23. Im Gebiet der Baaralb (um Geisingen, Spaichingen und Tuttlingen, zwischen Baar, Hegau und Randen) findet sich eine Reihe von Wallanlagen, die teilweise in die späte Jungsteinzeit (5./4. Jahrtausend v.Chr.), in die Urnenfelderzeit (11./8. Jahrhundert v.Chr.), in die keltische Zeit (8./1. Jahrhundert v.Chr.) bzw. ins Früh- (8./10. Jahrhundert n.Chr.) und Hochmittelalter (11./13. Jahrhundert) zurückreichen. Der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur könnten angehören die Wallanlagen Hörnekopf (bei Geisingen) und Blatthalde (bei Unterbaldingen), aus der Urnenfelderzeit stammen wohl die ersten Befestigungen auf dem Dreifaltigkeitsberg (bei Spaichingen), hallstattzeitlich (8./5. Jahrhundert v.Chr.) ist der Darrendobel beim Talhof. Mittelalterlich sind die Anlagen Ehrenberg und Schänzle (bei Geisingen), Schanze (bei Kirchen), Heidenberg (bei Ippingen) und die Befestigungen beim Kloster Amtenhausen. Hinsichtlich Kirchens (Kirchheims) kann die Wallanlage auf dem Bergle mit dem in alemannisch-fränkischer Zeit bezeugten Ort Chiriheim (764) in Verbindung gebracht werden, der wiederum auf Grund von dort aufgefundenen Gräbern mindestens ins 7. Jahrhundert zu datieren ist; seit dem hohen und späten Mittelalter wurde der Hang, auf dem die Befestigung lag, landwirtschaftlich genutzt (Ackerbau, Holznutzung). [Buhlmann, 01.2012]

Morrissey, Christoph (2001), Archäologisch-geographische Beobachtung zur Kulturlandschaft am Beispiel des Bergles bei Kirchen-Hausen auf der Baar-Alb, in: TutHbll NF 64 (2001), S.109-124. Der Ort Kirchen (-Hausen) ist in alemannisch-fränkischer Zeit als Chiriheim (764) bezeugt, reicht mindestens ins 7. Jahrhundert zurück und besaß damals mit der Wallanlage Schanze eine frühmittelalterliche Befestigung auf dem Bergle. Seit dem hohen und späten Mittelalter wurde der Hang, auf dem die Befestigung lag, indes landwirtschaftlich genutzt (Ackerbau, Holznutzung), worauf u.a. Terrassierungen hindeuten. [Buhlmann, 01.2012]

Morrissey, Christoph, Müller, Dieter (1999), Die Wallanlagen auf den Geisinger Bergen bei Geisingen (Landkreis Tuttlingen) und Bad-Dürrheim-Unterbaldingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) (= Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg, Bd.2, H.7), Stuttgart 1999, 55 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Kartenbeilagen, DM 24,-. I. Unmittelbar nördlich des Baarortes Geisingen befinden sich die Geisinger Berge der Baaralb. Auf den Geisinger Bergen finden sich die Wallanlagen der "Ehrenburg" (äußerer Abschnittswall, Hauptwall), des "Hörnekapf" (innerer, äußerer Wall, Toranlage) und des "Schänzle" (Abschnittswall, Graben), die auf Grund fehlender Funde zeitlich nicht eingeordnet werden können. II. Ebenfalls zur Baaralb gehört die Wallanlage auf der "Blatthalde" (bei Bad Dürrheim-Unterbaldingen) (Abschnittsbefestigung); in ihrer Umgebung wurden frühhallstattzeitliche Keramikreste aufgefunden. III. Neben der zeitlichen Einordnung der vor- und frühgeschichtlichen Bodendenkmäler steht deren Funktion selbst (als Befestigung, als kultische Anlage?) in Frage. [Buhlmann, 07.2014]

Morrissey, Christoph, Müller, Dieter (1999), Die Wallanlagen bei Kirchen-Hausen und Leipferdingen (Stadt Geisingen, Landkreis Tuttlingen) (= Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg, Bd.2, H.8), Stuttgart 1999, 39 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Kartenbeilagen, DM 20,-. Östlich vom Baarort Geisingen liegen über dem Tal der Aitrach die Schanze auf dem "Bergle" bei (Geisingen-) Kirchen-Hausen (Wall, Graben) und die Befestigung "Heidenlöcher" bei (Geisingen-) Leipferdingen (Wall, Graben). Deren Zeitstellung kann weitgehend nicht bestimmt werden. Immerhin fand man hallstattzeitliche Keramik in der Nähe der Leipferdinger Wallanlage. Und die (dann als frühmittelalterliche einzuordnende) Schanze bei Kirchen-Hausen stand vielleicht in Verbindung mit dem zu 764 erstmals als Chiriheim erwähnten Kirchen; für Kirchen kann archäologisch eine mindestens bis ins 7. Jahrhundert zurückreichende Siedlungskontinuität (merowingerzeitliche Gräber) angenommen werden, der Ort verfügte nach Ausweis des Ortsnamens im 8. oder womöglich schon im 7. Jahrhundert über eine Kirche, eine der "Urkirchen" der Baar; Chiriheim besaß im frühen Mittelalter zudem zentralörtliche Funktionen zwischen Baar, Hegau und Donau. [Buhlmann, 07.2014]

Morrissey, Christoph, Müller, Dieter (1999), Die Wallanlagen bei Wurmlingen, Tuttlingen-Möhringen und Tuttlingen-Eßlingen/Seitingen-Oberflacht (Landkreis Tuttlingen) (= Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg, Bd.2, H.10), Stuttgart 1999, 40 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Kartenbeilagen, DM 20,-. Verwiesen sei auf die zeitlich noch unbestimmte "Schwedenschanze" auf dem Aienbuch östlich von Wurmlingen, weiter auf zwei ebenso zeitlich unbestimmbare, vor- und frühgeschichtliche (?) Bodendenkmäler, den Schanzgraben auf dem Mühleberg bei Tuttlingen-Möhringen und die Wallanlage auf dem Kohlberg bei Tuttlingen-Eßlingen/Seitingen-Oberflacht. Alle Anlagen liegen in den Geisingen-Spaichinger Waldbergen nordwestlich, westlich bzw. südwestlich von Tuttlingen. [Buhlmann, 10.2012]

Morrissey, Christoph, Müller, Dieter (1999), Die Wallanlagen bei Ippingen und Zimmern (Gemeinde Immendingen, Landkreis Tuttlingen) (= Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg, Bd.2: Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen, H.9), Stuttgart 1999 > B Bader, Amtenhausen

Mossé, Claude (1979), Der Zerfall der athenischen Demokratie (404-86 v.Chr.), Zürich-München 1979 > A Athenische Demokratie

Mozart, Wolfgang Amadeus, deutsch-österreichischer Musiker: Wolfgang Amadeus Mozart, geboren am 27. Januar 1756 in Salzburg, gestorben am 5. Dezember 1791 in Wien, war ein "musikalisches Wunderkind", das früh (1766/71) durch seine ersten musikalischen Kompositionen (Schuloper, Singspiel, Messe) auffiel. Mozart war Konzertmeister in Salzburg, der Residenzstadt des Salzburger Hochstifts (1772/77), hielt sich auf Stellensuche danach u.a. in Mannheim auf, um als Hoforganist wieder nach Salzburg zurückzukehren (1779/81). Seine letzten Lebensjahre (1781/91) verbrachte Mozart als freischaffender Komponist hauptsächlich in Wien, wobei in der 2. Hälfte der 1780er-Jahre die musikalischen Misserfolge überwogen. Die finanziellen Verhältnisse Mozarts blieben trotz durchschnittlich großer Einnahmen auf Grund größerer Ausgaben prekär; Mozart war Mitglied von Wiener Freimaurerlogen. Der frühe Tod Mozarts gab zu Spekulationen Anlass, die Mozart-Rezeption und historische Aufarbeitung der Person basiert u.a. auf den zahlreichen Briefen des Musikers und seinem musikalischem Werk (Opern, Messen, Requiems, Sinfonien, Klavierkonzerte, Orchesterwerke, Kammermusik, Lieder, Kanons; Köchelverzeichnis).
Das Opernwerk Mozarts (frühe Opern: Schuldigkeit des ersten Gebots 1767, Apollo et Hyacinthus 1767, Bastien und Bastienne 1768; Opera buffa: La finta semplice 1768, La finta giardiniere 1775; Opera seria: Mitridate re die Ponto 1770, Lucio Silla 1772, Il re pastore 1775; "große opera" Idomeneo re die Creta 1781; Entführung aus dem Serail 1782; italienische Musikkomödien Le nozze di Figaro 1785/86, Don Giovanni 1787, Cosi fan tutte 1789/90; Opera seria La clemenza di Tito 1791; "große Oper" Zauberflöte 1791) beleuchtet eindringlich: Kunze, Stefan, Mozarts Opern, Stuttgart 1984, 687 S., Schwarzweißsabbildungen, Notenbeispiele, DM 89,-. [Buhlmann, 02.2018]

Mozes Kor, Eva, Rojani Buccieri, Lisa (2009), Ich habe den Todesengel überlebt. Ein Mengele-Opfer erzählt (= cbj 40109), München 42012 > D Deutsche Geschichte, 1933-1945

MPIG = Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte

MS = MittelalterStudien (des Instituts zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, Paderborn)

MTU = Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters

Mu

Müchler, Günter (2019), Napoleon. Revolutionär auf dem Kaiserthron (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2019), Darmstadt 2019 > N Napoleon

Mühe, Richard, Kahlert, Helmut (1983), Die Geschichte der Uhr. Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen, München 1983, 160 S., Schwarzweiß-, Farbfotos, DM 36,-. Zeit in menschlichen Gesellschaften war von Anfang an mit Zeitmessung verbunden. Die Drehung der Erde um sich selbst (Tag-Nacht-Rhythmus) und um die Sonne (Jahr), die Drehung des Mondes um die Erde (Monat) waren und sind dabei astronomische Zeitmarken, die menschliche Technik ab- und nachzubilden versuchte. Ein technisches Mittel der Zeitmessung war und ist die Uhr, zunächst als Sonnen-, Wasser-, Sand- und Feueruhren, dann - nach der Erfindung der Räderuhr im späten Mittelalter (ca.1300 [Italien, England]) - die mechanischen Uhren (mit den Bauteilen: Antrieb [Aufzugsvorrichtung], Räderwerk, Anzeige, Hemmung [Spindel, Anker], Gangregler [Pendel, Unruhe], Schlagwerk). Erste Räder-, Kirchturm- und astronomische Monumentaluhren stammen aus dem 14. Jahrhundert (Sraßburger Münsteruhr 1353; "öffentliche Zeit"), es folgten gotische Stuhluhren und Wanduhren (Gotik: 14. Jahrhundert-ca.1640), Tisch- und tragbare Uhren im Renaissancestil (Renaissance: 15./16. Jahrhundert), Hals- und Sackuhren (Uhren in Eiform, 16./17. Jahrhundert). Ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert konnte das Konzept der Räderuhr - gerade was die Ganggenauigkeit betraf - mit Pendel und Feder weiter ausgebaut werden; es entstanden bis zum 19. Jahrhundert Stutzuhren und Pendulen, Wanduhren und Bodenstandsuhren, Taschenuhren ("Zwiebeln", Karossen-, Satteluhren u.a.); an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kamen auch Armbanduhren auf. Die Zeit zwischen 1670 und 1720 markiert dann den Beginn der Schwarzwälder Uhrmacherei mit ihren Holzuhren. Die Schwarzwälder Uhrmacherei sollte sich im 18. und 19. Jahrhundert durch Fortschritte in ihrer Uhrentechnik (Verwendung von Messingrädern, Glockenuhren; Diversifikation [Schwarzwalduhr, Schottenuhr, Jockeleuhr, Sorgührchen; Kuckucksuhren, Figurenuhren, Musikuhren]) massiv ausweiten, ablesbar an der Zahl der hergestellten Uhren, an den Produktionsbedingungen (Hausgewerbe: Uhrmacher, Schildmaler u.a.) und dem Uhrenhandel (ambulante Händler). Das 19. und 20. Jahrhundert sahen das Aufkommen einer Schwarzwälder Uhrenindustrie. Im 20. Jahrhundert traten neben die Räderuhren elektrisch betriebene Stimmgabeluhren und Quarzuhren; Atomuhren ermöglichen die genaueste Messung der Zeit. [Buhlmann, 07.2020]

Mühlbacher, Engelbert (1896), Deutsche Geschichte unter den Karolingern, 2 Bde., Essen o.J. [1980] > K Karolinger

Mühle, Eduard (2011), Die Piasten. Polen im Mittelalter (= BSR 2709), München 2011, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 8,95. Die Piasten waren eine polnische Herzogs- und Königsfamilie, die aufs Engste mit der mittelalterlichen Geschichte Polens verbunden ist. Die Anfänge piastischer Herrschaftsbildung um Gnesen scheinen sich ins 9. Jahrhundert zurückführen zu lassen (Burgenbau, Gründungsmythos); im Verlauf des 10. Jahrhunderts kam es zu einer Verdichtung piastischer Machtstellung, woraus sich Kontakte mit dem ostfränkisch-deutschen Reich der ottonischen Könige und die Christianisierung der sich als Polen konstituierenden Herrschaft (Bezeichnung Polani, Poloni u.a, um 1000) ergaben. Die Reichsbildung (Reichsgründung) erfolgte dann unter den Piasten Mieszko I. (†992) und Boleslaw I. Chrobry (992-1025); der "Akt von Gnesen", als Kaiser Ottos III. (984-1002) das Grab des heiligen Märtyrers Adalbnert (†997) besuchte (1000), stand dabei für die enge politische Zusammenarbeit zwischen polnischem Herzog und deutschem Herrscher und wurde zur Grundlage der Unabhängigkeit piastischer Herzogsgewalt und der Eigenständigkeit der sich ausformenden polnischen Kirche (Gründung des Erzbistums Gnesen). Der Herrschaftsbereich Boleslaws umfasste - auch gegen den deutschen König Heinrich II. (1002-1024) - neben dem piastischen Kernraum um Gnesen und Posen (Großpolen) Schlesien, Krakau, zeitweise Gebiete bis zur Ostsee und Böhmen; 1025 wurde Boleslaw zum König gekrönt, das Königtum blieb mit den Piasten im Wesentlichen bis 1079 verbunden, wobei die Nachfolger Boleslaws - unter ihnen Mieszko II. (1025-1034) und Kasimir I. (1034-1058) - immmer wieder mit Krisen der piastischen Königsherrschaft zu kämpfen hatten. Ab dem endenden 11. Jahrhundert, nach dem endgültigen Scheitern der Königsherrschaft, war die piastische Herrschaft über Polen in verschiedene Herzogtümer zergliedert (Senioratsverfassung, Piasten als domini naturales), Amtsträger der Herrscher (ius ducale, Dienstorganisation) und polnische Große bestimmten zunehmend die Politik. Unter dem ideellen Dach des regnum Poloniae gab es im 12. Jahrhundert vier Teilfürstentümer (Großpolen, Kleinpolen, Schlesien, Masowien), deren Zahl sich ab den 1170er-Jahren durch Teilungen noch beträchtlich erweiterte. Dennoch und trotz der Emanzipation des Adels und der polnischen Kirche von den Herzögen (libertas ecclesiae, organisatorische Verdichtung) war das 13. Jahrhundert für die Teilfürstentümer auch auf Grund starken gesellschaftlichen Wandels eine Zeit der Herrschaftsverdichtung (Geldpolitik, Landesausbau). 1295 konnte der Krakauer Teilfürst Przemysl II. (1290-1291, 1295-1296) wieder das Königtum erlangen. Unter den Königen Wladyslaw I. Ellenlang (1306-1333) und Kasimir I. (III.) dem Großen (1333-1370) entstand - auch gegen Übergriffe der böhmischen Herrscher - ein vereinigtes Polen, das sich unter Verzicht auf Schlesien (an Böhmen) und die Pommerellen (an den Deutschen Orden) nach Osten (Halicer Rus, Podolien) ausdehnte. Gleichzeitig gelang eine Intensivierung monarchischer Macht. Mit Kasimir dem Großen starben die Piasten im Mannesstamm aus (1370). [Buhlmann, 07.2011]

Mühleisen, Hans-Otto, Ott, Hugo, Zotz, Thomas (Hg.) (2001), Das Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald. Studien zu seiner Geschichte von der Gründung im 11. Jahrhundert bis zur frühen Neuzeit (= VAI 68), Waldkirch 2001, 322 S., DM 58,-. Die Mönchsgemeinschaft in St. Peter war Hauskloster und Grablege der Zähringer. Die Ursprünge der Kommunität liegen in Weilheim, in einem 1073 oder davor gegründeten Eigenkloster oder -stift, das nach 1078 - erzwungen durch kriegerische Ereignisse, von denen besonders Schwaben in den Jahrzehnten des Investiturstreits betroffen war - an das Kloster Hirsau, frühestens 1085 an Herzog Berthold II. von Zähringen (1078-1111) gelangte. Dieser ließ dort ein Hauskloster errichten, änderte aber gegen 1090 seine Pläne und ließ bis 1093 die geistliche Kommunität eben nach St. Peter im Schwarzwald verlegen. Hier entwickelte sich in kurzer Zeit ein benediktinisches Reformkloster, das mit dem Privileg Papst Urbans II. (1088-1099) vom 10. März 1095 der römischen Kirche unterstellt wurde. Ausfluss des zunehmenden Wohlstands der Mönchgemeinschaft, die mit Schenkungen der Zähringerherzöge und von deren Ministerialen begabt wurde, war der hauptsächlich im 12. Jahrhundert angelegte Rotulus Sanpetrinus, eine Pergamentrolle u.a. mit Traditionsnotizen, die einen guten Einblick in die sich entwickelnde klösterliche Grundherrschaft gibt. Das Kloster wurde dabei von den Zähringerherzögen bevogtet, wobei der Rechtsakt vom 27. Dezember 1111, in dem der zähringische Verzicht auf erbrechtliche Ansprüche an Kloster und Klostergüter geregelt wurde, die auch herzogliche Vogtei über St. Peter mitbegründen half. Bis 1218 blieb dann die zähringische Kloster- und Stiftervogtei unbestritten, die Auseinandersetzungen nach dem Tod des söhnelosen Herzogs Berthold V. (1186-1218) endeten mit der Übernahme der Vogtei durch Bertholds Neffen Graf Egino V. dem Jüngeren von Urach und Freiburg (†1236/37) (1221/26), der nun advocatus ac defensor ("Vogt und Verteidiger") der Mönchsgemeinschaft wurde. Die Vogtei verblieb bei den Freiburger Grafen, die manchmal recht eigenmächtig über klösterliche Güter und Rechte verfügten (1284, 1314). Die Bedrückung durch die Vögte wurde so groß, dass sich das Kloster an Kaiser Karl IV. (1347-1378) wandte und - vielleicht im Rückgriff auf eventuell vorhanden gewesene Beziehungen zu Kaiser Friedrich II. (1212-1250) - den Schirm des Reiches erlangte (1361). Das Privileg wurde 1443 bestätigt, 1498 sprach Kaiser Maximilian I. (1493-1519) von der Zugehörigkeit des Klosters zum Reich. Unterdessen war die Vogtei auf dem Weg der Verpfändung (ab 1371) endlich an Markgraf Wilhelm von Hachberg-Sausenberg (1428-1441) gelangt (1441). 1526 übernahmen die Habsburger die Klostervogtei. Im 11. und 12. Jahrhundert erwarb die Mönchsgemeinschaft in St. Peter - nicht zuletzt durch die Zuwendungen der Stifterfamilie - bedeutenden Besitz im Nahbereich, im Breisgau, auf der Baar, bei Weilheim, in der Mittelschweiz. Kloster und Klosterort lagen auf dem Seelgut (Salland) im engeren Immunitätsbezirk des Klosters, in den Tälern der Umgebung bildete sich ein kompaktes Klostergebiet aus. Im Breisgau gab es Villikationen, fronhofmäßig organisierten Besitz, im Schwarzwald existierten auf Rodungsland bäuerliche Erblehen (feoda), wobei durch Teilung und Verkauf eine ausgeprägte Besitzzersplitterung auftrat (13./14. Jahrhundert). Infolge der Bevölkerungsverluste im 14. Jahrhundert kam es zu Wüstungsprozessen und zum Rückgang der grundherrschaftlichen Einnahmen. Die Dingrodel von 1416 und 1456 benennen die daraus resultierenden Schwierigkeiten zwischen Kloster und Vogt. Sie zeigen zudem die Art der Güter auf: Ding- und Meierhöfe, eigenbewirtschaftete Güter des Seelguts, bäuerliche Lehengüter. 1238 und 1437 ist das Kloster St. Peter Opfer einer Brandkatastrophe geworden, 1436 wurden dem Abt Johannes Tüffer (1427-1439) die Pontifikalien verliehen. Das Kloster verlor im späten Mittelalter an Bedeutung, die Klosterreformen des 15. Jahrhunderts fanden keinen Eingang, der Besitz blieb aber weitgehend erhalten, auch im Zeitalter der Reformation. Abt Peter Gremmelsbach (1496-1512) erneuerte Zähringertradition und Stiftermemoria, die Klostergebäude sind im 17. und 18. Jahrhundert barock neu erbaut worden. Die Mönchsgemeinschaft wurde 1806 aufgehoben. > S St. Peter im Schwarzwald [Buhlmann, 11.2005]

Mühlstein, Verena (1998), Helene Schweitzer Bresslau. Ein Leben für Lambarene (= BSR 1387), München [2]2001, 298 S., Schwarzweißabbildungen, DM 25,90. Helene Bresslau (*1879-†1957), geboren in Berlin, entstammte einer deutsch-jüdischen Familie; ihr Vater Harry Bresslau (*1848-†1926) war ein bedeutender Mittelalterhistoriker u.a. an der Straßburger Universität. Helene studierte u.a. Musik und Gesang in Straßburg, weiter Geschichte und Kunstgeschichte. 1898 traf sie auf den deutsch-französischen Arzt, Philosophen und Pazifisten Albert Schweitzer (*1875-†1965), mit dem sie ab 1902 intensiv befreundet wurde. Unter dem Eindruck Schweitzers wandte sich Helene Bresslau der Medizin und Krankenpflege zu. Sie gründete in Straßburg auch ein Heim für ledige Mütter (1908) und absolvierte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Frankfurt a.M. (1909). 1912 heiraten Albert Schweitzer und Helene Bresslau. Ab 1913 unterstützte Helene Schweitzer Bresslau in durchaus eigenständiger Weise den Aufbau eines Krankenhauses im gabunischen Lambarene durch ihren Mann. Unterbrochen durch die französische Gefangenschaft der beiden im Ersten Weltkrieg (1914-1918) (Tuberkuloseerkrankung Helenes), gelang ihr und ihrem Mann der Wiederaufbau des Spitals. Schweitzer Bresslau hielt sich 1929/30 in Lambarene auf, sonst in Deutschland (Heilung von der Tuberkulose 1930) und Frankreich, von wo ihr und ihrer 1922 geborenen Tochter 1941 die Flucht vor Nationalsozialismus und Krieg nach Lambarene gelang. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) kehrte sie nach Europa zurück (1946), 1956/57 hielt sie sich nochmals in Lambarene auf. Am 1. Juni 1957 starb sie in Zürich. [Buhlmann, 11.2020]

Müllejans, Hans (Hg.) (1988), Karl der Große und sein Schrein in Aachen. Eine Festschrift, Aachen 1988 > A Aachen

Müllenheim-Rechberg, Burkhard Freiherr von (1981), Schlachtschiff Bismarck. Ein Überlebender seiner Zeit (= Bibliothek der Zeitgeschichte), Frankfurt a.M.-Berlin 1990, 431 S., Schwarzweißtafeln, Pläne, DM 24,80, schildert autobiografisch den ersten und gleichzeitig letzten Einsatz des deutschen Schlachtschiffs Bismarck im Zweiten Weltkrieg (1939-1945). Erbaut zwischen 1936 und 1940 in Hamburg (Stapellauf 14. Februar 1939, Indienststellung 24. August 1940; Länge: 250,5 m, Breite: 36 m, Tiefgang: 9,9 m), war das Schiff ab Januar 1941 einsatzbereit, um ab 18. Mai 1941 im Rahmen der "Operation Rheinübung" zur Störung des Schiffsverkehrs im Nordatlantik von "Gotenhafen" aus in See zu stechen. Begleitet wurde die Bismarck von Zerstörern und dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen. Nach Durchquerung der Ostsee kam es in der Dänemarkstraße am 24. Mai zu einem Seegefecht mit britischen Einheiten, bei dem das britische Flaggschiff Hood versenkt wurde, die Bismarck beschädigt wurde (Verlust von Treibstoff, Schlagseite). Die nächsten Tage steuerte - nunmehr ohne Begleitung - das Schiff den französischen Atlantikhafen St.-Nazaire an, teilweise verfolgt von britischen Einheiten. Angriffe britischer Torpedobomber auf das von den Allierten wiederentdeckte Schiff richteten am 26. Mai einen Schaden an der Steueranlage an, so dass die Bismarck nur mehr im Kreis fahren konnte. Es kam am 26. Mai zu einem für beide Seiten erfolglosen Nachtgefecht. Ein mehrstündiges Seegefecht am Morgen des 27. Mai zwischen der Bismarck und einem britischen Schiffsverband endete mit der Versenkung des deutschen Schlachtschiffs um 10.40 Uhr rund 550 Seemeilen westlich von Brest. Von den 2221 Besatzungsmitgliedern überlebten 115. Vgl. Brennecke, Jochen (1960), Schlachtschiff Bismarck (= Moewig Tb 3122), München 1981, 411 S., Karten, DM 2,-. [Buhlmann, 02.2020]

Müller, Dieter, Nübling, Verena (2010), Die Befestigungen auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen (= Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg, Bd.2, H.9), Stuttgart 2010, 63 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Kartenbeilagen, € 15,60. Die vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen (Wälle) auf dem fast 1000 m hohen Dreifaltigkeitsberg (bei Spaichingen) reichen zum Teil in die Jungsteinzeit (4./3. Jahrtausend v.Chr.) zurück, stammen weiter aus der Hallstatt- und Latènezeit und zeigen eine frühe Besiedlung an. Nur einzelne Funde konnten als frühmittelalterlich (Alemannenzeit, Merowingerzeit) nachgewiesen werden. Eine dauerhafte Ansiedlung hat es in dieser Zeit auf dem Berg nicht gegeben, doch ist an die Existenz einer Fluchtburg zu denken. [Buhlmann, 12.2011]

Müller, Felix (2012), Die Kunst der Kelten (= BSR 2574), München 2012, 128 S., zahlreiche Farb- und Schwarzweißabbildungen, € 8,95. Als Kelten (Keltoi um 500 v.Chr., Galli, Galatoi 3. Jahrhundert v.Chr.) werden bezeichnet Angehörige einer antiken Zivilisation (und "Randkultur"), die ihren Ursprung an der oberen Donau hatte (Hallstattzeit, 8.-5. Jahrhundert v.Chr.) und sich über das südliche Mitteleuropa, Westeuropa (Frankreich, [Spanien], britische Inseln) bis in den Karpartenraum, Norditalien, Griechenland und Kleinasien ausbreitete (Latènezeit, 5.-1. Jahrhundert v.Chr.). Der keltischen "Zivilisation" und Kultur entspricht weitgehend eine "Kunst der Kelten". Einer keltischen Oberschicht zugeordnet werden können die Grabhügel u.a. in Südwestdeutschland (Gomadingen, Hochdorf, Magdalenenberg bei Villingen; ab 7. Jahrhundert v.Chr.), die Alb-Hegau-Keramik steht für die keltische Kunst des 7. Jahrhunderts v.Chr. Griechische Kunstimporte und Einflüsse verraten die Steinplastik von Hirschlanden (6. Jahrhundert v.Chr., Mitte), die Funde im Grabhügel des burgundischen Vix, die Gestaltung von Pflanzenmotiven (5. Jahrhundert v.Chr., 1. Hälfte). Der Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit war gekennzeichnet durch gesellschaftliche Veränderungen (Rückgang an Urbanität [Heuneburg], Wandel bei den Bestattungen [Krieger- und Clangräber als Flachgräber]). Die keltische Ornamentik erreichte im sog. Frühen Stil (5. Jahrhundert v.Chr.), Waldalgesheimerstil (4. Jahrhundert v.Chr.) und Späten Stil (3. Jahrhundert v.Chr.) eine Hochblüte, der Grabhügel am Glauberg (5. Jahrhundert v.Chr., Mitte) steht mit seinen vier Steinfiguren für das Machtbewusstsein einer politischen Elite. Ab dem 2. Jahrhundert v.Chr. waren keltische Zivilisation und Kunst auch hellenistisch geprägt, worauf die keltischen oppida (2. Jahrhundert v.Chr., Ende), eigene Münzprägungen und eine sich in Anfängen befindende Schriftkultur hinweisen. Die Ornamentik tritt gegenüber naturnahen figürlichen Darstellungen von Mensch und Tier zurück, die Kunst erfasste breitere Kreise der Bevölkerung, regionale Stile bildeten sich heraus, ebenso eine Alltagskunst. Mit der Einbeziehung Galliens in das römische Reich (58-51 v.Chr.) entstand eine keltisch-römische (gallorömische) Mischzivilisation; Ähnliches gilt für das ab 43 n.Chr. von den Römern eroberte Britannien. In Folge der Romanisierung verschwanden zunehmend keltische Kunst und Kultur (Kultur der Spätantike 3.-5. Jahrhundert n.Chr.). Einen Ausklang keltischer Kunst stellt die (frühmittelalterliche) Kunst des christlich-klösterlichen Irlands dar (7. Jahrhundert n.Chr.); hier ist insbesondere auf die Ornamentik und die Buchmalerei zu verweisen. [Buhlmann, 03.2012]

Müller, Felix, Lüscher, Geneviève (2004), Die Kelten in der Schweiz, Stuttgart 2004, 200 S., zahlreiche Farb- und Schwarzweißabbildungen, Pläne, Karten, € 9,95. I. Die Anfänge keltisch-vorgeschichtlicher Zivilisation liegen vielleicht in der ausgehenden mitteleuropäischen Bronzezeit, als Kelten - der Eisenzeit - werden bezeichnet Angehörige der vorgeschichtlich-frühgeschichtlich-antiken Zivilisation, die ihren Ursprung an der oberen Donau hatte (Hallstattzeit, 8.-5. Jahrhundert v.Chr.) und sich - unter Einschluss der Schweiz - über das südliche Mitteleuropa, Westeuropa (Frankreich, [Spanien], britische Inseln) bis in den Karpartenraum, Norditalien, Griechenland und Kleinasien ausbreitete (Latènezeit, 5.-1. Jahrhundert v.Chr.). Keltische Gesellschaften waren sozial gegliedert (Oberschicht [Adel], Krieger/Bauern, Unterschicht/Sklaven), sie waren arbeitsteilig organisiert (Landwirtschaft, Gewerbe [Kunst], Handel); der Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit war gekennzeichnet durch gesellschaftliche Veränderungen (Wandel bei der Oberschicht und im Bestattungswesen), in der späteren Latènezeit trat mit den keltischen oppida (2. Jahrhundert v.Chr., Ende) eine durchaus städtische, mediterran geprägte keltische Hochkultur in Erscheinung, die u.a. durch die römische Eroberung ihr Ende fand ("Gallischer Krieg" des Gaius Julius Caesar, keltvische Helvetier; 58-50 v.Chr.). II. Keltische Fundorte im Gebiet der heutigen Schweiz sind: Avenches (römische Tempel als galloromanische Umgangstempel in keltischer Tradition); Bas Vully (- Mont Vully: spätlatènezeitliche Wallanlage); Basel (-Münsterhügel: spätlatènezeitliche Wallanlage; -Gasfabrik: latènezeitliche Siedlung mit Gräberfeld); Bern (-Engehalbinsel: keltisches oppidum); Boudry (- Grotte du Four: Grotte mit keltischen Knochen- und Keramikfunden); Bourg-Saint-Pierre (Heiligtum am Großen St. Bernhard); Brig-Glis (- Gamsen-Waldmatte: hallstatt-latènzeitliches Dorf); Cornol (- Mont Terri: keltisches oppidum); Gressy (- Sermuz: spätlatènezeitliche Wallanlage); Ins (- Schaltenrain: hallstattzeitliche Grabhügelgruppen); Marin-Epagnier (- La Tène: "Pount Vouga", "Pount Desot", keltische Fundobjekte); Meikirch (- Grächwil: zwei Grabhügel, Hydria); Münsingen (-Rain: latènezeitliches Gräberfeld); Muttenz (- Hardhäuslischlag: hallstattzeitliches Körpergräberfeld); Oberriet (- Montlingerberg: hallstattzeitliche Siedlungsfunde); Posieux (- Châtillon-sur-Glâne: hallstattzeitliche Besiedlung, Wallanlage); Rheinau (-Au: keltisches oppidum, Wälle); Sissach (- Burgenrain: hallstattzeitliche Befestogun; - Brühl: Siedlungsspuren); Subingen (- Erdbeereinschlag: hallstattzeitliches Grabhügelfeld); Üetliberg (- Uto-Kulm, Aegerten: Wallanlage, Siedlung; - Aegerten: frühlatènezeitliches Gräberfeld; - Sonnenbühl: Grabhügel); Unterlunkhofen (- Bärhau: frühhallstattzeitliches Grabhügelfeld aus mindestens 63 Hügeln); Wittnau (- Horn: hallstattzeitliche Höhensiedlung, Befestigung); Zürich (- Lindenhof: spätlatènezeitliche Siedlung). [Buhlmann, 01.2016]

Müller, Friedrich, Valentin, Gerold (1957), Deutsche Dichtung. Kleine Geschichte unserer Literatur, Paderborn-München 1966 > D Deutsche Literaturgeschichte

Müller, Heribert (1995), Kreuzzugspläne und Kreuzzugspolitik des Herzogs Philipp des Guten von Burgund (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd.51), Göttingen 1995, 188 S., € 3,10. Der Burgunderherzog Philipp der Gute (1419-1467) verfolgte während seiner Herrschaftszeit weitgehend nicht realisierte Kreuzzugspläne, wobei er sich mit den Königreichen Portugal und Aragón-Neapel verband. Politische Kontakte gab es diesbezüglich auch mit dem römisch-deutschen König Friedrich III. (1440-1493) - hier sind die Reichstage von Frankfurt a.M. 1454 und Wiener Neustadt 1455 zu nennen - und dem Papsttum unter Calixt III. (1455-1458) und Pius II. (1458-1464). Auch suchte die burgundisch(-portugiesisch)e Politik nach dem sagenhaften Priesterkönig Johannes von Äthiopien-Indien (1443/46). Basis für Kreuzzug (croisade bourgoignonne) und Türkenkrieg waren in Burgund u.a. die Gründung des Ordens vom Goldenen Vlies (Toisson d'Or) sowie fiskalische Maßnahmen zur Finanzierung der militärischen Unternehmen. Durchgeführt wurden letztendlich als Teil einer auch kommerziellen burgundischen Mittelmeerpolitik: Flottenunternehmungen vor Rhodos (1441/42), im Schwarzen Meer (1444/46) und vor Ceuta (1464). Letztlich scheiterten die Kreuzzugspläne Philipps an wechselnden politischen Konstellationen und insbesondere am hinhaltenden Widerstand des Königreichs Frankreich unter Karl VII. (1422-1461) und Ludwig XII. (1498-1515) nach Beendigung des Hundertjährigen Krieges (1339-1453). [Buhlmann, 09.2011]

Müller, Heribert (2017), Köln und die Lande an Rhein und Maas zur Zeit Plektruds und Pippins des Mittleren: Am Rande des Frankenreichs?, in: Francia 44 (2017), S.1-28. I. Nach dem Tod des fränkischen Hausmeiers und princeps Pippin des Mittleren (687-714) (Ermordung des Pippinsohnes Grimoald, Tod Pippins in Jupille 714) geriet das Frankenreich durch die Herrschaftskämpfe zwischen Plektrud, der Ehefrau Pippins, und Karl Martell (714-741), dem Sohn Pippins (und Chalpaidas), in eine Krise. Neben den Parteiungen in Austrien beteiligten sich alsbald auch die Neustrier unter dem Hausmeier Raganfred und die Friesen unter Herzog Radbod an den Auseinandersetzungen (Schlacht bei Compiègne, neustrisches Vorrücken auf Köln und [zeitweise] Entmachtung Plektruds, Sachseneinfall nach Hattuarien 715). Erst der aus der Haft entflohene Karl Martell konnte die Machtstellung der Arnulfinger-Pippiniden wiederherstellen (Niederlage gegen Radbod, Sieg bei Amblève 716, Sieg bei Vinchy 717, Sieg bei Soissons 718). Über Plektruds weiteres Schicksal ist nichts bekannt; hoch- bis spätmittelalterlicher Überlieferung zufolge soll sie die Kölner Kirche Maria im Kapitol gegründet haben (merowingerzeitlicher Plektrudissarkophag), auch eine vielleicht selbstständige Herrschaft Plektruds in Köln und im Kölner Gebiet kann bis zu derem Tod (723?) angenommen werden. Danach bemächtigte sich Karl der Kölner Plektrudherrschaft und heiratete die Agilolfingerin Swanahild (725), verband sich also mit jener in Austrien mächtigen Adelsfamilie, der auch Plektrud entstammte. II. Das merowingische Köln besaß für Austrien eine Vorortfunktion, zumal als Bischofssitz (Bischof Kunibert [623?-663?] und die Christianisierung des Rheinlandes; antik-frühmittelalterliche Gebäudereste, römisches Praetorium und Kapitol). Köln war gerade auch Herrschaftsschwerpunkt, Aufenthaltsort und Residenzsitz des Hausmeiers Pippin, lag dabei aber außerhalb des arnulfingisch-pippinidischen Kernbesitzes im Lütticher Raum im Einflussgebiet der Familie Plektruds (Irmina-Hukbert-Sippe), das u.a. nördlich von Köln den Rhein entlang reichte. Jedenfalls kann Plektrud als eine treibende Kraft bei der Gründung des (Düsseldorf-) Kaiserswerther Klosters durch Suitbert gesehen werden (n.695); Teile des Plektrudbesitzes (als Erbe von Plektruds Vater, dem Seneschall und Pfalzgrafen Hukbert) um (Krefeld-) Gellep (Lank, Kierst, Ilverich, Gellep) gelangten als Gründungsausstattung an die geistliche Gemeinschaft auf der Rheininsel. Die solcherart durch die Heirat mit Plektrud erlangte Präsenz Pippins im nördlichen Rheinland war Grundlage z.B. für das erfolgreiche Ausgreifen des Hausmeiers nach Friesland. Das Rheingebiet blieb auch für die Politik Karl Martells gegenüber Friesen und Sachsen zentral, die arnulfingisch-pippinidische Sukzessionskrise (714/17) mündete ein in den endgültigen politischen Aufstieg der Karolinger im Frankenreich. [Buhlmann, 07.2018]

Müller, Iso (1980), Die Herren von Tarasp, Disentis 1980 > M Marienberg, in Südtirol

Müller, Karl Otto, Necrologium Alpirsbachense (1133), in: WVjhLG 39 (1943), S.185-231 > Lateinische Literatur > N Necrologium Alpirsbachense

Müller, Miriam (2012), On dit. Die Nachrichtenrezeption des Krefelders Abraham ter Meer im Siebenjährigen Krieg, in: AHVN 215 (2012), S.73-96. Das (zweite) Tagebuch des liberalen Krefelder Mennoniten, Sayettwebers, Buchhändlers und Verlegers Abraham ter Meer (*1729) umfasst den Zeitraum von Juli 1758 bis Juli 1769. Die Nachrichten über den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) (z.B. Schlacht bei Torgau 1760) werden im Tagebuch unter Benutzung verschiedenartiger Quellen (Zeitungen [Gazette des Cologne], Kontakte zu französischen Besatzungstruppen) kritisch ausgewählt, aufbereitet und kommentiert, mithin auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft (Beglaubigungsstrategien). [Buhlmann, 06.2013]

Müller, Stephan (Hg., Übers.) (2007), Althochdeutsche Literatur. Eine kommentierte Anthologie. Zweisprachig (= RUB 18491), Stuttgart 2007 > M Meineke, Schwerdt, Althochdeutsch

Müller, Thomas T., Schmies, Bernd, Loefke, Christian (Hg.) (2008), Für Gott und die Welt. Franziskaner in Thüringen (= Mühlhäuser Museen. Forschungen und Studien, Bd.1), Paderborn-München-Wien-Zürich 2008, 356 S., Schwarzweißabbildungen, Farbabbildungen im Katalogteil, Karten, € 9,95. Spiritualität und Lebensweise des Ordens des heiligen Franziskus von Assisi (†1226) sollten sich im 13. Jahrhundert im christlichen Europa rasch verbreiten; Bettelordenbrüder fanden auch den Weg nach Deutschland ([1217], 1221) (Arens, Heribert, Franziskus und die Franziskaner) und - unter Bruder Jordan von Giano (†n.1262; Chronica Fratris Jordani) - nach Thüringen (1221) (Schlageter, Johannes, Die Anfänge der Franziskaner in Thüringen). Mit Erfurt als Ausgangspunkt entstanden zunächst franziskanische Niederlassungen in den kirchlich-politischen Vororten Eisenach, Mühlhausen, Nordhausen (bis ca.1231), Arnstadt, Saalfeld und Coburg (bis ca.1280); dabei ersetzten Klöster und Kirchen die zunächst provisorischen Niederlassungen. Die thüringischen Niederlassungen waren eingebunden in eine Saxonia genannte Franziskanerprovinz (1230, 1239; Erfurt als Zentrale der Provinz [Provinzkapitel u.a.]) mit bis zu 100 Konventen (1316), unterteilt in Kustodien, u.a. die thüringische Kustodie. Im 14. Jahrhundert entstanden nur noch wenige neue Franziskanerkonvente, der Orden teilte sich in Observanten (Franziskaner) und Konventuale (Minoriten) (1517; Ordensprovinzen Saxonia sanctae crucis 1518, Saxonia sancti Johannis Baptistae 1523, Thuringia 1523), die Reformation schädigte den Orden schwer (Schmies, Bernd, Aufbau und Organisation der Sächsischen Franziskanerprovinz und ihrer Kustodie Thüringen von den Anfängen bis zur Reformation; Weigel, Petra, Die franziskanische Observanzbewegung in Thüringen; Springer, Klaus-Bernward, Die Franziskaner in Thüringen zur Reformationszeit: ein Überblick). Die Ordensprovinz Thuringia entfaltete sich erst nach dem Dreißigjährigen (1618-1648); Niederlassungen waren Erfurt, Worbis, Dermbach und Schmalkalden, Seelsorge (Predigt, Gebet, Bruderschaften, Gemeinschaften des Dritten Ordens) und Laienfrömmigkeit (Prozessionen, Wallfahrten) bestimmten das Leben der Brüder, ebenso Bildung und Wissenschaft (Schulen, Bibliotheken) (Plath, Christian, Aufbau und Entwicklung der Thüringischen Franziskanerprovinz (Thuringia)). Ausfluss der mittelalterlich-(früh-)neuzeitlichen franziskanischen Ordenskultur waren dann: (Honemann, Volker,) Ein spätmittelalterliches Visionen- und Mirakelbuch der Sächsischen Franziskanerprovinz, entstanden um 1300, eine Sammlung von Erzählungen, Wunder und Visionen aus dem Umfeld des Ordens (Seelsorge, Tod, Gott, Alltag); (Loefke, Christian,) Das Totenbuch (Liber mortuum) der Franziskaner in Mühlhausen aus der Zeit um 1300 mit Kalendarium und Nekrolog, insbesondere Mitglieder des Mühlhäuser Franziskanerkonvents betreffend; das franziskanische Bildungswesen mit Erfurt als Bildungszentrum (studium particulare; Universität 1392), Studienhäusern in Coburg, Meiningen, Mühlhausen, Nordhausen und Saalfeld (Bibliotheken) (Bretschneider, Jana, Predigt, Professur und Provinzleitung - Funktion und Struktur des franziskanischen Bildungswesens im mittelalterlichen Thüringen); die Architektur der Franziskanerklöster und -kirchen im städtischen Umfeld im Mittelalter (Pieper, Roland, Die Architektur der Franziskaner in Thüringen im Mittelalter - ein Überblick), im Barock und im 19. und 20. Jahrhundert (Pieper, Roland, Franziskanische Baukunst vom 17. bis zum 19. Jahrhundert); (Einhorn, Jürgen Werinhard,) Die Kunst der Franziskaner in Thüringen, gerade auch mit ihrer Christusverbundenheit im Dienst der franziskanischen Predigt (Wort, Bild, Zeichen [Kirchenausstattung]) und Seelsorge stehend (Heiligenverehrung, Totengedenken). Mehr oder weniger vielfältig waren die Beziehungen der Franziskaner zu religiösen oder geistlichen Gemeinschaften, und zwar: (Schmies, Kirsten,) Bruderschaften an Franziskanerklöstern und -kirchen in Thüringen, für die - falls es sie im Umfeld der Franziskaner gab - Letztere hauptsächlich seelsorgerisch tätig waren; (Voigt, Jörg,) Religiöse Frauengemeinschaften und Franziskaner - Klarissen, Beginen und Tertiarinnen in der Sächsischen Franziskanerprovinz, u.a. die Klarissenkloster in Seußlitz (1268), Weißenfels (1284), Hof (14. Jahrhundert, Mitte) und die Tertiarinnenkonvente Langensalza (v.1466), Halle (1468) und Weimar (v.1499); die Termineien als klösterliche Außenstationen (z.B. Termineien um Nordhausen), besetzt mit Franziskanermönchen, zur flächendeckenden Seelsorgetätigkeit innerhalb des terminus, aber auch zur Verbesserung der wirtschaftlichen Basis (etwa durch Almosensammeln) (Mindermann, Arend, Das Termineiwesen der Franziskaner in Thüringen). Im 19. Jahrhundert gründeten deutsche Franziskaner, u.a. auch Thüringer Franziskanerbrüder, Missionsstationen im Mittleren Westen der USA für deutsche Auswanderer (Scherfenberg, Stephan, Thüringische Franziskaner in den USA im 19. Jahrhundert); (Richardt, Franz,) Franziskanisches Leben und Wirken in Thüringen in der Gegenwart beschränkt(e) sich während der DDR-Zeit und nach der Wiedervereinigung Deutschlands (1990) auf wenige Orte (Erfurt, Schmalkalden, Dingelstädt, Hülfensberg als einziges Franziskanerkloster, Franziskanerinnengemeinschaften u.a. in Dingelstädt, Eisenach, Erfurt, Weimar). Konvente der Franziskaner in Thüringen bestanden in: Altenburg (v.1238-1529), Arnstadt (13. Jahrhundert, Mitte-1538), Coburg (1270er-1543), Dingelstädt (Kerbscher Berg; 1666-1667, 1864-1994), Eisenach (St. Michael; 1225-1525; Zelle der heiligen Elisabeth), Erfurt (1224-1525), Hülfensberg ([1740-1747], 1860-heute), Langensalza (1453-1540), Meinigen (1239?-1543), Mellenbach (St. Maria und Katharina; 1383-1525/33), Mühlhausen (1225/31-1542/66; Müller, Thomas T., Das doppelte Ende des Mühlhäuser Franziskanerklosters), Nordhausen (St. Maria und Franziskus; 1226-1525), Saalfeld (13. Jahrhundert, Mitte-1534), Schleusingen (1476, 1502-1545), St. Jobst (Bayreuth; 1514-1528/29), Weida (v.1267-1527/28), Weimar (1453-1525/33), Worbis (1667-1802/24). [Buhlmann, 05.2013]

Müller, Walter (1961), Die Abgaben von Todes wegen in der Abtei St. Gallen. Ein Beitrag zur Rechtsgeschichte des sanktgallischen Klosterstaates (= Rechtshistorische Arbeiten, Bd.1), Köln-Graz 1961 > S St. Gallen

Müller-Beck, Hansjürgen (2005), Die Eiszeiten. Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte (= BSR 2363), München 2005 > E Eiszeiten

Müller-Brandeck-Bocquet, Gisela u.a. (2002), Deutsche Europapolitik von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder, Opladen 2002 > E Europäische Union

Müller-Karpe, Hermann (1974), Geschichte der Steinzeit, München 1974 > U Ur-, Früh-, Vorgeschichte

Münster, Stadt in Westfalen: I. Für das mittelalterliche und frühneuzeitliche Münster lassen sich zwei Entwicklungen, das Bistum und die Stadt betreffend, festhalten. Das durch den friesischen Missionar und Klostergründer Liudger (*ca.742-†809) begründete Bistum blieb zunächst in der Verfügung der liudgeridischen, mit dem Kloster Werden a.d. Ruhr verbundenen Bischöfe Gerfrid (809-839) und Altfrid (839-849). Der Ausbildung einer umfassenden Pfarrorganisation bis zum 10. Jahrhundert standen adlige und königliche (Frauen-) Stifte wie das in Freckenhorst, gegründet um 856, gegenüber. Das Hochmittelalter sah die münsterischen Bischöfe weitgehend auf der Seite des deutschen Königtums - Münster ist in den Wirren des Investiturstreits (1075-1122) Opfer eines Angriffs des sächsischen Herzogs (und späteren Königs) Lothar von Supplinburg (1106-1137) geworden (1121) -, im späteren Mittelalter und der frühen Neuzeit wurden die Bischöfe zu Landesherren eines Territoriums zwischen Ems und Hünte, des (Hoch- und Nieder-) Stifts Münster, das auch die Grafschaft Ravensberg umfasste und mit der Unterordnung des stiftischen Adels und der Ausbildung der drei Landstände von Domkapitel, Rittern und Städten zunehmend fester organisiert war. Erschütterungen blieben dennoch nicht aus, wie die Münsterische Stiftsfehde (1450-1458), bei der sich zwei Kandidaten und deren Parteien im Kampf um den Bischofsstuhl gegenüber standen, die Einführung der Reformation (1524) oder das Täuferreich von Münster (1533/34-1535) zeigen. II. Im Schatten von Bischof und Bistum entwickelte sich die Stadt Münster. Das monasterium (geistliche Gemeinschaft) auf dem Domhügel, die vorgelagerte civitas (Siedlung) sowie marktähnliche Siedlungskerne verschmolzen im hohen Mittelalter zu einem Ort, den wir noch vor 1180 als Stadt ansprechen können. Ab dem 13. Jahrhundert werden ein Rat aus Schöffen, ein Stadtsiegel, Bürgermeister für uns erkennbar, Rechte des Bischofs und seines Vogts in der Stadt wurden zurückgedrängt, die Markt- und Wehrhoheit der bedeutenden Handelsstadt geriet in die Verfügung des Rats (1278), städtische Repräsentanten nahmen an den Landtagen im bischöflichen Territorium teil. Ein städtisches "Patriziat" aus ratsfähigen Familien und eine von zwei Olderluden geführte Gesamtgilde (Gemeinheit, universitas) der nicht im Rat vertretenen Vollbürger bestimmten das politische, 17 Gilden der Handels- und Handwerksberufe das wirtschaftliche Geschehen in der Stadt, die um 1500 wohl mehr als 10.000 Einwohner zählte und in der Bischof und Domkapitel schon längst nicht mehr die ausschlaggebende Rolle spielten. Die frühe Neuzeit in Münster war nach Reformation und Täuferreich geprägt durch die Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben (1607/21) und durch die Einordnung der Stadt in das Territorium der absolutistisch regierenden Fürstbischöfe (1661). Dem Münster als Schauplatz eines den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) beendenden Friedenskongresses (1644-1648) stand dabei ein bis ins 18. Jahrhundert anhaltender wirtschaftlicher Niedergang der nunmehr bischöflichen Residenzstadt gegenüber. III. 1802 wurde Münster preußisch, 1806 französisch besetzt, 1810 Teil des Großherzogtums Berg, 1811 Teil des franzöischen Kaiserreichs. Nach dem Wiener Kongress (1814/15) fiel Münster wieder an das Königreich Preußen und machte daher die preußisch-deutschen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des 19. bis 21. Jahrhunderts mit (Deutscher Bund, deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalssozialismus, Bundesrepublik Deutschland/Bundesland Nordrhein-Westfalen). Bedeutend ist die "Westfälische Wilhelms-Universität" (1902/25). Münster ist heute ein wichtiges Zentrum innerhalb des nordrhein-westfälischen Landesteils Westfalen.
Zu Münster s.: Kirchhoff, Karl-Heinz, Forschungen zur Geschichte von Stadt und Stift Münster. Ausgewählte Aufsätze und Schriftenverzeichnis, hg. v. Franz Petri, Peter Schöller, Heinz Stoob u. Peter Johanek (1988), Warendorf 1988, VII, 290 S., Abbildungen, Karten, DM 40,-; Krüger, Gerd (1992), 'Treudeutsch allewege!' Gruppen, Vereine und Verbände der Rechten in Münster (1887-1929/30) (= QFGMs NF 16), Münster 1992, VII, 323 S., DM N.N.; Prinz, Joseph (1960), Mimigernaford - Münster. Die Entstehungsgeschichte einer Stadt (= VHKW XXII: Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung, Bd.4), Münster 21976, XVI, 250 S., Abbildungen, Karten, DM 65,-; Tiefenbach, Heinrich (1984), Mimigernaford - Mimigardeford. Die ursprünglichen Namen der Stadt Münster, in: BNF NF 19 (1984), S.1-20. [Buhlmann, 11.2003-02.2004, 07.2019]

Münsteraner Bischofschroniken des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit: I. Münsteraner Bischofschroniken heißen eine Reihe von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichtswerken aus dem Bistum Münster. II. Die früheste Bischofschronik für Münster ist die des spätmittelalterlichen münsterischen Bischofs Florenz von Wevelinghoven (1364-1379). Florenz hat die lateinische Chronik, wie er in der Vorrede schreibt, als Bischof von Münster anfertigen lassen. Sie muss daher vor seiner Versetzung nach Utrecht 1379 entstanden sein, wenn auch die erhaltenen Abschriften aus dem 17. Jahrhundert und später - das Original fehlt - den Leser über den Schluss der Chronik im Unklaren lassen. Der historiografische Text ist ein Bischofskatalog, der das Leben der Bischöfe von Münster in "Biografien" vorstellt. Jeder dieser "Biografien" sind am Schluss (zumeist) zwei Verse über den entsprechenden Prälaten beigefügt. Aus welchen Quellen die Chronik dabei geschöpft hat, ist meistens kaum noch nachzuvollziehen. Die chronologische Anordnung der historischen Ereignisse ist noch bis ins 14. Jahrhundert fehlerhaft und wird durch Wundergeschichten und Sagen ergänzt. Das gilt auch für die "Biografie" des ersten Bischofs Liudger (†809), bei der vieles aus der Liudgervita Altfrids übernommen wurde. Die Chronik des Florenz von Wevelinghoven wurde dann bis zum Jahr 1424 fortgesetzt. Eine niederdeutsche Chronik ist eine Umarbeitung dieser Bischofsgeschichte, die auch die Fortsetzung bis 1424 mit berücksichtigte. III. Melchior Röchell (†7. Dezember 1606) war Domkantor in Münster und verfasste auf Deutsch eine umfangreiche münsterische Chronik - der Folioband enthält 681 nummerierte Papierblätter -, die ab 1553 selbstständig erarbeitet ist. Röchell ergänzte die älteren, mittelalterlichen Überlieferungen. Von Melchior Röchell ist z.B. die Gänselegende des heiligen Liudger von der Erft ins Münsterland verpflanzt worden. III. Der Chronist Lambert Friedrich von Corfey (*11. Oktober 1668-†18. Februar 1733) war "Curkölnischer und fürstlich Münsterischer General-Major, Chef und Kommandant der Artillerie" sowie Ingenieur, u.a. bei der Belagerung und Eroberung Belgrads (1688), und Leiter bei den Arbeiten zur Anlage des Max-Clemens-Kanals bei Münster (1724). In der von ihm erbauten Münsteraner Dominikanerkirche ist er nach seinem Tod beigesetzt worden. Corfey hat in seiner Zeit in Münster das "Chronicon Monasteriense" verfasst, vollständig: "Chronicon Monasteriense mit vielen chronologischen annotationibus, wappen, genealogien, müntzen, elogiis, epitaphiis etc. mit sonderbaren fleiss aus vielen authoribus und manuscriptis colligirt durch L.F.C.".
Die Münsteraner Bischofschroniken sind ediert in: Ficker, Julius (Hg.) (1851), Die Münsterischen Chroniken des Mittelalters (= Geschichtsquellen des Bist(h)ums Münster, Bd.1), Münster 1851, LVI, 407 S., DM 250,-; Janssen, Johann (Hg.) (1856), Die Münsterischen Chroniken von Röchell, Stevermann und Corfey (= Geschichtsquellen des Bist(h)ums Münster, Bd.3), Münster 1856, XXIV, 358 S., DM 240,-. [Buhlmann, 02.2003]

Mütz, Karl (2007), Das Kalenderwerk (1404) im Tübinger Handbuch, Handschrift Md 2, Universitätsbibliothek Tübingen, in: ZWLG 67 (2008), S.27-43. Das sog. Tübinger Hausbuch, eine astronomisch-astrologische Sammelhandschrift, enthält auf den Blättern f.1r bis 50r u.a. ein Kalenderwerk von 1404. Der Aufbau des Kalenderwerks ist der folgende: 1r-6v: Kalenderseiten der zwölf Monate (mit deutschen Monatsnamen und Erläuterungen; Spalten: Tag / Neumondtag / Neumondzeitpunkt / Cisiojanus / Tages-, Sonntagsbuchstabe / Heiligentag / Lassbuchstabe / römisches Datum / Tierkreiszeichen der Sonne / Tierkreiszeichen des Mondes / Tagesdauer); f.7r: Tabelle der (Ader-) Lassbuchstaben (Tierkreiszeichen des Mondes, Goldene Zahl); f.7v, 8r, 22v, 33vb, 43vb: Stellung des Mondes im Tierkreis; f.10r-10v, 46v: Berechnung der Neumondtermine (Metonperioden und realer Mond, Sonnenfinsternisse); f.30vb-31vb: Erläuterungen zum Sonnen- und Kalenderjahr sowie zum Schalttag (Fehler des Julianischen Jahres gegenüber dem tropischen Jahr); f.44rb-45vb: Wechsel des Tierkreiszeichens beim Mond; f.46v: Tageslänge und geografische Breite; f.46vb, 47r-48r: Dauer des Mondscheins, Wochentags- und Stundenregenten; f.48vb-50r: Bemerkungen zu Ostern und den beweglichen Festtagen, Computus-Rosette (Goldene Zahl, Sonntagsbuchstabe). [Buhlmann, 08.2011]

Mundelfingen, Ort auf der Baar: Urkunden der St. Galler Mönchsgemeinschaft nennen Mundelfingen zum Jahr 802 (?), 803 (?) und 816. Die alemannisch-alemannenzeitliche Siedlung wurde benannt nach einem gewissen Munolf als "Sippenvorsteher" von Mun(d)elfingen. Bis zum 11. Jahrhundert erfahren wir nichts weiter über die Siedlung. Im hohen Mittelalter gab es in Mundelfingen einen Ortsadel, der erstmals (1086) in der Überlieferung des damals neu gegründeten benediktinischen Reformklosters St. Georgen im Schwarzwald erscheint und dessen letzte Vertreter ncoh im 14. und beginnenden 15. Jahrhundert greifbar sind. Im hohen und späten Mittelalter war Mundelfingen Mittelpunkt eines dem Kloster St. Gallen gehörenden Hofverbands (Heberegister, Einkünfteverzeichnisse u.a. von um 1200 und 1265), das Mundelfinger Gotteshaus stand als Pfarrkirche unter dem Patronat der Mönchsgemeinschaft (1225). Die Mundelfinger Ortsherrschaft besaßen die Grafen von Fürstenberg (1283) und als fürstenbergisches Lehen die Herren von Schellenberg (1380-1619). 1750/51 entstand die Barockkirche St. Georg des Architekten Peter Thumb als Pfarrkirche, daneben gibt es im auch in der Neuzeit weitgehend agrarisch orientierten Ort eine Margaretenkapelle sowie das Rathaus, das seine Funktion mit der Eingemeindung Mundelfingens nach Hüfingen (1975) verlor.
Zu Mundelfingen s.: Buhlmann, Michael (2016), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Mundelfingen im frühen Mittelalter (= VA 98), Essen 2016, 60 S., Karte, € 4,-. [Buhlmann, 10.2016]

Mundhenk, Christine (1997), Der "Occultus Erfordensis" des Nicolaus von Bibra. Kritische Edition mit Einführung, Kommentar und deutscher Übersetzung (= Schriften des Vereins für Geschichte und Altertumskunde von Erfurt, Bd.III), Weimar 1997, 395 S., DM 68,- > Lateinische Literatur > N Nicolaus von Bibra

Muschg, Walter (1929/60), Die Zerstörung der deutschen Literatur (und andere Essays), hg. v. Julian Schütt u. Winfried Stephan (2009), Zürich 2009 > D Deutsche Literaturgeschichte

Museum Folkwang (Hg.) (2018), Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe, Göttingen 2018 > S Staeck, Klaus

Musil, Robert, österreichischer Schriftsteller: Robert Musil (*1880-†1942), geboren in Klagenfurt, gestorben in Genf, aufgewachsen in verschiedenen Ländern der k.u.k.-Monarchie, Maschinenbaustudium in Brünn (1898/1901), Abitur (1902), Psychologie- und Philosophiestudium in Berlin (1902/08), Dissertation (1908), Bibliothekar in Wien (1911), Teilnahme am Ersten Weltkrieg (1914/16), entwickelte sich nach dem Anfangserfolg seines Romans Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906) zum hauptberuflichen Schriftsteller, der nach dem nationalsozialistischen "Anschluss Österreichs" (1938) ins Exil in die Schweiz ging. Bedeutende Werke des Schriftsstellers sind u.a.: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906, Roman), Drei Frauen (Tonka, Grigia, Die Portugiesin; 1922/24, Novellenzyklus), Der Mann ohne Eigenschaften (1930/43, Roman), Nachlaß zu Lebzeiten (1936).
Zu Robert Musil s.: Frisé, Adolf (Hg.) (1992), Wege zu Musil. Eine Auswahl aus seinen Texten (= rororo 13107), Reinbek b.H. 1992, 381 S., DM 10,-. [Buhlmann, 08.2020]

Musset, Lucien (1974), Analyse socio-economique de quelques recueils de miracles dans la Normandie du XIe au XIIIe siècle, in: Annales de Normandie 24,1 (1974), S.3-36, 287-290 > N Normandie

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z