www.michael-
buhlmann.de

Geschichte
> Rezensionen

Start > Geschichte > Rezensionen > K

Rezensionen (Geschichte)
K

Kämpf, Hellmut (Hg.) (1963), Canossa als Wende (= WdF 12), Darmstadt 31976 > I Investiturstreit

Kaesler, Dirk (2011), Max Weber (= BSR 2726), München 2011, 128 S., € 8,95. Max Weber (*1864-†1920), geboren in Erfurt, Mitglied einer westfälischen Kaufleutefamilie, aufgewachsen in Charlottenburg (bei Berlin), studierte ab 1882 Jura und Nationalökonomie in Heidelberg und promovierte 1889 in Berlin über Handelsrecht. 1890/92 arbeitete er u.a. für den "Verein für Socialpolitik" (Landarbeiter-Enquete zur wirtschaftlichen Lage von Gutsbesitzern und Landarbeitern in den ostelbisch-preußischen Gebieten). Ab 1892 war Weber Privatdozent an der Berliner Universität, zwischen 1894 und 1897 Professor an der Universität Freiburg, ab 1897 Professor in Heidelberg, doch behinderten seit 1897 auftretende Depressionen zunehmend seine Lehrtätigkeit (Beurlaubung 1900, Rücktritt vom Lehramt 1903), ohne dass seine wissenschaftliche Publikationstätigkeit wesentlich darunter litt. So erschienen: eine Abhandlung zur historischen Nationalökonomie (1903/06), "Die 'Objektivität' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis" (1904: Kultur und wissenschaftliche Erkenntnis), Aufsätze zur Kultur des Protestantismus (1904: Calvinismus, Pietismus; Protestantismus und Kapitalismus). Weitere Studien betrafen: die 'Werturteilsfreiheit' von Wissenschaft (1909/12/17), die "Wissenschaft als Beruf" (1917: Rationalisierung, Intellektualsierung und Wissenschaft), die "Politik als Beruf" (1919). 1919 wurde Weber Professor in München, wo er auch wieder Lehrveranstaltungen durchführte. Hier befasste er sich mit der allgemeinen Soziologie und deren Begrifflichkeit (1920/23: menschliches Verhalten und Handeln; Beziehungen, Herrschaft und Bürokratie; Rationalisierung des Lebens als historischer Prozess im westlich-europäischen Kontext; Grenzen der Rationalisierung und Musik). [Buhlmann, 02.2012]

Kahmer, Inge (2003), Die neuromanische Ausmalung von St. Suitbertus (Kaiserswerth) nach den Plänen von Kaplan Matthias Goebbels. Versuch einer Rekonstruktion, in: DJb 74 (2003), S.247-301 > K Kaiserswerth

Kaiser, Jürgen (2004), Klöster in Baden-Württemberg. 1200 Jahre Kunst, Kultur und Alltagsleben, Stuttgart 2004 > B Buhlmann, Klöster und Stifte in Baden-Württemberg

Kaiser, Jürgen (2010), Herrinnen der Welt. Kaiserinnen des Hochmittelalters, Regensburg 2010, 255 S., Schwarzweißtafeln, 1 Stammtafel, € 22,90. Biografisch erfasst werden in ihrer Rolle als consors regni ("Gefährtin im Königtum", Mitherrscherin), Leiterin des königlichen Haushalts und eventuell Regentin für den minderjährigen Sohn die Kaiserinnen und deutschen Königinnen: Adelheid, Theophanu, Kunigunde, Agnes, Mathilde. I. Adelheid (*ca.931-†999): Die Tochter des Königs Rudolf II. von Hochburgund heiratete 947 König Lother von Italien (947-950), der aber alsbald verstarb, so dass Adelheid vor Berengar und Adalbert von Friaul zum ostfränkisch-deutschen König Otto I. (936-973) fliehen musste. Die Heirat mit Adelheid öffnete Otto den Weg nach Italien (951 italisches Königtum) und zur Kaiserkrone (962). Der gemeinsame Sohn Otto (II.) wurde 967 zum Mitkaiser gekrönt und 972 mit der byzantinuischen Prinzessin Theophanu verheiratet. Das Verhältnis zwischen Adelheid und Theophanu war dann während der Regierungszeit Ottos II. (973-983) von Spannungen überschattet. Nach dem frühen Tod des Kaisers übte zuerst Theophanu, dann nach deren Tod (991) Adelheid die Regentschaft für den unmündigen Otto III. (983-1002) aus. Die selbstständige Regierung (994) und die Erlangung der Kaiserkrone (996) durch Otto III. ließen dann Adelheid, die ihre beiden Ehemänner, ihren Sohn und ihre älteste Tochter, Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, überlebt hatte, ihre (dritte) Klostergründung im elsässischen Selz (nach Peterlingen und San Salvatore) in die Wege leiten (996 Weihe der Klosterkirche). In Selz wurde Adelheid, die 999 verstarb, auch begraben. II. Theophanu (*ca.959/60-†991): Die griechische Prinzessin, verwandt mit byzantinischen Kaisern und der Kaiserin Theophanu, genoss eine sorgfältige Ausbildung, bevor sie nach langwierigen Verhandlungen in den Westen geschickt und mit dem ebenfalls gebildeten Kaiser Otto II. verheiratet (Heiratsurkunde der Theophanu) und zur Kaiserin gekrönt wurde (972). An der Seite ihres Ehemanns absolvierte Theophanu das Tagesgeschäft des Reisens und Herrschens (976 Aufstand der drei Heinriche, 978 westfränkischer Überfall auf Aachen, 982 Schlacht bei Cotrone, 983 Tod Ottos II.). Zusammen mit ihrer Schwiegermutter Adelheid setzte sie gegen Heinrich den Zänker, den Entführer des Kindkönigs Ottos III. (984-1002) durch (984/85) und führte bis zu ihrem Tod unumstritten und tatkräftig die Regentschaft (West- und Italienpolitik). Theophanu starb im Jahr 991 und wurde im Kölner Kloster St. Pantaleon begraben. III. Kunigunde (*ca.975/85-†1033): Kunigunde war die Tochter des Grafen Siegfried im Mosel- und Saargau und wohl seit dem Jahr 1000 Ehefrau des bayerischen Herzogs Heinrich IV. (995-1004), des Sohns Heinrichs des Zänkers. An der Seite ihres Manns, der sich nach dem frühen Tod Kaiser Ottos III. als König (1002-1024) durchsetzte, wurde Kunigunde - auf Grund ihrer Paderborner Krönung (1002) - zur Königin. Der durchaus tyrannische, wohl impotente Herrscher gründete "sein" Bistum Bamberg (1007) und bekämpfte in der Moselfehde die Brüder seiner Frau (1008-1015). 1014 wurde Kunigunde in Rom zur Kaiserin gekrönt, 1024 - nach dem Tod Heinrichs II. - füllte sie ihre bedeutende politische Rolle beim Übergang der Königsherrschaft auf den Salier Konrad II. (1024-1039) aus. Dieser machte allerdings die von Kunigunde verfügten Schenkungen an bayerische Kirchen rückgängig (1024/25), worauf sich die Kaiserin in das von ihre gestiftete Kloster Kaufungen zurückzog und dort als Nonne im Jahr 1033 starb. IV. Agnes von Poitou (*ca.1027/28-†1077): Agnes war eine Tochter der Agnes von Burgund (†1068), der Ehefrau des burgundischen Herzogs Wilhelm V. des Großen. Agnes von Burgund setzte sich nach dem Tod Wilhelms (1030) im Herzogtum Aquitanien und im Poitou durch, die erfolgreiche Machtpolitikerin verheiratete ihre Tochter Agnes von Poitou 1043 ebenso erfolgreich mit dem deutschen König Heinrich III. (1039-1056), dem Sohn Konrads II. Dank der Beziehungen seiner Ehefrau konnte Heinrich die Herrschaftsverhältnisse im erst 1033 neu erworbenen Königreich Burgund zu seinen Gunsten festigen. 1046 folgte nach der Synode zu Sutri die römische Krönung des Ehepaars zu Kaiser und Kaiserin, 1055 wurde Agnes bayerische Herzogin (1055-1061). Nach drei Töchtern gebar Agnes den Thronfolger Heinrich IV. (1050), der 1054 Mitkönig wurde und beim Tod seines Vaters (1056) ein Kindkönig zunächst unter der Regentschaft seiner Mutter war. Die Kaiserin handelte in der Folgezeit politisch geschickt, was die Herrschaftssicherung für ihren Sohn und die Behandlung der Krisenherde Ungarn, Bayern und Sachsen anbetraf (1057 Rudolf von Rheinfelden als schwäbischer Herzog, Sachsenaufstand, 1058 Frieden mit Ungarn, 1061 Weihe des Speyerer Doms). Ein von ihr verursachtes Papstschisma (1061-1064) belastete die Kaiserin, die Änhängerin der Kirchenreform war, schwer und bewog sie, die Rolle der gottgeweihten Witwe anzunehmen, wodurch Bischof Heinrich II. von Augsburg (1047-1063) die Leitung der Regierungsgeschäfte übernahm. Gegen diesen wandten sich der Kölner Erzbischof Anno II. (1056-1075) und eine Gruppe Mitwisser im "Staatsstreich von Kaiserswerth" (1062) mit der Entführung König Heinrichs IV. Agnes war politisch entmachtet, die Regentschaft lag in den Händen einger Bischöfe, die Kaiserwitwe hielt sich 1064/65 wieder am Königshof auf (1065 Volljährigkeit des Herrschers), bis sie nach Rom aufbrach und zwischen 1067 und 1077 als Diplomatin im Dienst von Papst und Kurie wirkte und auch öfter nach Deutschland und zu ihrem Sohn zurückkehrte (1067/68, 1070?, 1072, 1074). Kurz vor ihrem Tod holten Agnes die Anfänge des Investiturstreits (1075-1122) ein (1076 Exkommunikation des Königs, 1077 Gang nach Canossa). Ende 1077 starb die Kaiserin und wurde zu Beginn des Jahres 1078 in Rom in einer Kapelle des Petersdoms beerdigt. V. Mathilde (*1102-†1167): Die Tochter des englischen Königs Heinrich I. (1100-1135) kam infolge einer Eheverabredung achtjährig im Jahr 1110 ins deutsche Reich und heiratete 1114 Kaiser Heinrich V. (1106-1125), den Sohn Heinrichs IV. Die Ehe blieb kinderlos, Heinrich V. starb 1125, die "gute" Mathilde kehrte zu ihrem Vater zurück (1126) und musste den viel jüngeren Grafen Gottfried den Schönen von Anjou (†1151) heiraten. Nach dem Tod des Vaters (1135) kämpfte die "Kaiserin§ Mathilde um ihre Königsherrschaft in England, konnte sich aber in dieser "Zeit der Anarchie" (1139-1148) gegen König Stephan von Blois (1135-1154) nicht durchsetzen. Mehr Erfolg hatte indes Mathildes ältester Sohn Heinrich II. (1154-1189) aus der Ehe mit Gottfried von Anjou. Er konnte Stephan als König nachfolgen (1154) und herrschte - u.a. als Ehemann der Herzögin Eleonore von Aquitanien - über das angevinische Reich in England und Frankreich. Ab 1148 lebte Mathilde in der Normandie, in einem Palast nahe Rouen. Hier starb sie im Jahr 1167 und wurde im Kloster Le Bec begraben. [Buhlmann, 08.2012]

Kaiser, Michael (2014), Nachrichten aus den Haag. Johann van der Veecken als kurkölnischer Agent zur Zeit des Dreißigjährigen Krieg, in: AHVN 217 (2014), S.63-147. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) waren die kriegführenden oder neutralen Parteien auf Informationen über politische Entwicklungen angewiesen. Johann van der Veecken war Agent des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Ferdinand von Bayern (1612-1650) im niederländischen Den Haag und versorgte kontinuierlich seinen Auftraggeber mit Informationen und Neuigkeiten, fand sich aber auch in der Rolle eines Diplomaten wieder (Belange Kurkölns, der Katholischen Liga und des Hauses Wittelsbach; böhmische Frage und Verhältnis zwischen Reich und Generalstaaten [späte 1620er-Jahre]; Neutralität Kurkölns gegenüber den Generalstaaten [1631/32]). In seiner Eigenschaft als Agent kommunizierte van der Veecken in einem "Dorf voll von Politikern, Ständevertretern und Diplomaten" (Den Haag). [Buhlmann, 01.2017]

Kaiser, Reinhold (1976), Münzprivilegien und bischöfliche Münzprägung in Frankreich, Deutschland und Burgund im 9.-12. Jahrhundert, in: VSWG 63 (1976), S.289-338. Die karolingischen Herrscher des Frankenreichs organisierten das aus der Merowingerzeit überkommene "zerrüttete" Münzwesen neu und brachten es "öffentlich-rechtlich" in ihre Verfügung. Unter den späten Karolingern kamen aus wirtschaftlichen und fiskalischen Gründen Münzprivilegien für Bischöfe/Bistümer auf. In den karolngischen Nachfolgereichen Deutschland, Frankreich und Burgund lassen sich dann unterschiedliche Entwicklungen ausmachen. Während in Deutschland unter den ottonischen und salischen Königen im Rahmen der ottonisch-salischen Reichskirche die Vergabe von Münzprivilegien an Bischöfe auf karolingischen Bahnen ausgebaut wurde, fehlen entsprechende herrscherliche Initiativen in Frankreich und Burgund. In Frankreich und Burgund bemühten sich die Bischöfe um das Münzrecht weitgehend ohne herrscherliche Unterstützung und gerieten, was dieses Hoheitsrecht anbetraf, häufig in Gegensatz zu den Fürsten und den politisch Mächtigen auf regionaler und lokaler Ebene; in Frankreich waren Fürsten und Grafen in Bezug auf die Münzhoheit erfolgreich, die Bischöfe nur in den Städten, die ihrer Herrschaft unterstanden. Hier wie auch in Deutschland werden im hohen Mittelalter mit den Bischöfen als Münzherren auch Organisationsformen des Münzwesens erkennbar (monetarii, Münzerhausgenossenschaften, magisteria). [Buhlmann, 10.2014]

Kaiser, Reinhold (1979), Steuer und Zoll in der Merowingerzeit, in: Francia 7 (1979), S.1-17. Das komplexe spätantik-römische Steuer- und Zollsystem mit der annona (Naturalabgabe), dem iugum (Vermögenssteuer auf Landbesitz) und dem caput (Kopfsteuer), mit den munera (Dienste, Arbeitsleistungen) und den vectigalia als indirekten Steuern (Verbrauchssteuern, Zölle) kamen auch den merowingischen Königen als Rechtsnachfolgern der römischen Kaiser zugute. Bis ins 7. Jahrhundert hinein blieb im Frankenreich der Merowinger das römische Steuersystem auf der territorialen Basis von civitates und pagi und bezogen auf die Teilreiche der Merowingerkönige im Wesentlichen erhalten. Steuereinnehmer waren vicarii und exactores im Auftrag von duces, patricii und comites, die wiederum im Auftrag des Herrschers bzw. des Hausmeiers oder Pfalzgrafen handelten. Steuererleichterungen und Immunitäten konnten einzelne Städte betreffen (Auxerre, Clermont, Limoges, Lyon, Tours); König Chlothar II. (613-629) musste neu eingeführte Steuern wieder abschaffen (614), Königin Balthilde (†ca.665) soll die Steuern allgemein gesenkt haben. Steuerexemtionen betrafen bestimmte Kirchen und deren Güter (Clermonter Bischofskirche 533), Steuereinkünfte gelangten spätestens seit König Dagobert I. (623/29-639) an bestimmte Bischofskirchen und Klöster (Marmoutier, Poitiers, St. Bertin, Tours; Immunitätsurkunden, Abtretung von Steuereinkünften, Unterstellung des Grafen unter den Bischof, Kirche als Steuererheber [Reimser ordinationes, Listen von St. Martin in Tours], Leistungen der Kirche für den König im Rahmen der Reichsverwaltung). Für das 7. Jahrhundert wird daher zunehmend ein Übergang der Steuererhebung (im mittleren Gallien) von der weltlichen in die (wohl effektivere) kirchliche Verwaltung erkennbar. Eine entsprechende Entwicklung lässt sich auch in Bezug auf die Zölle feststellen. Die Übertragung von Steuern und Zöllen hat dabei zweifelsohne die Ausbildung der spätmerowingerzeitlichen "Bischofsrepubliken" befördert. [Buhlmann, 07.1988, 08.2015]

Kaiser, Reinhold (1979), Aachen und Compiègne. Zwei Pfalzstädte im frühen und hohen Mittelalter, in: RhVjbll 43 (1979), S.100-119 > A Aachen

Kaiser, Reinhold (Bearb.) (1985), Kaiserswerth (= RS 46), Köln-Bonn 1985 > K Kaiserswerth

Kaiser, Reinhold (1990), Das Ruhrgebiet im Itinerar der früh- und hochmittelalterlichen Könige, in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), hg. v. Ferdinand Seibt, Essen 1990, Bd.2, S.12-19 > B Buhlmann, Hof- und Gerichtstag

Kaiser, Reinhold (1990), Der Hoftag in Steele (938), in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), hg. v. Ferdinand Seibt, Essen 1990, Bd.2, S.20ff > S Steele

Kaiser, Reinhold (1993), Das römische Erbe und das Merowingerreich (= EdG 26), München 1993 > M Merowinger

Kaiser, Reinhold, Scholz, Sebastian (2012), Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger. Vom 3. Jahrhundert bis 751, Stuttgart 2012, 228 S., 4 Karten, Schwarzweißabbildungen, € 29,90. Fränkische Geschichte in Spätantike und frühem Mittelalter ist eigenständige Geschichte "zwischen Antike und Mittelalter" unter Berücksichtigung des Periodisierungsproblems des Übergangs von der Antike zum Mittelalter. Im Gegensatz zum römischen Reich entstanden die Franken (als "Kühne", als "(von römischer Herrschaft) Freie") als westgermanischer Stammesverband ("Stammesschwarm") am Niederrhein (antiqua Francia); fränkische Einfälle ins und Versuche einer "Landnahme" im römischen Reich sind dann für das (endende) 3. und das 4. Jahrhundert belegt, in der Spätantike (4./5. Jahrhundert) wandelte sich das Verhältnis zwischen Römern und Franken von einem Gegen- zu einem Miteinander (Franken als Laeten, Gentilen und Foederaten; römisch-germanische "Mischzivilisation" des 4./5. Jahrhunderts zwischen Rhein und Loire, "Reihengräberzivilisation" des 5. bis 8. Jahrhunderts). Die im 5. Jahrhundert erfolgte fränkische linksrheinische "Landnahme" ließ per pagos et civitates fränkisch-merowingische (Klein-) Königreiche entstehen (Königtum Chlogios, Childerichs; Rheinfranken), die unter dem im katholischen Glauben getauften König Chlodwig I. (482-511) zum Frankenreich der Merowinger vereint wurden. Das merowingische Frankenreich als erfolgreichstes der germanischen regna der Völkerwanderungszeit expandierte im 6. Jahrhundert erfolgreich im gallischen und ostrheinischen Raum, die wiederholten Reichsteilungen ließen in den bella civilia an der Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert die Teilreiche Austrien, Neustrien und Burgund sich ausbilden, eine Oberschicht aus fränkischen, romanischen und burgundischen Großen bzw. ein fränkischer Adel sollten insbesondere ab dem 7. Jahrhundert die Politik im Frankenreich bestimmen. Die Machtstellung der Karolinger als Hausmeier leitete dann im 8. Jahrhundert zum Frankenreich der karolingischen Könige (und Kaiser) über. Als Vielvölkerstaat (Franken, Romanen, Burgunder, Goten, Alemannen, Bayern, Thüringer u.a. als gentes) gründete das Merowingerreich vielfach auf römischen Verwaltungsstrukturen (Kirche, Steuersystem, civitas, pagus), eingebunden in das "sakrale (Heer-) Königtum" der merowingischen Herrscher. An Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger wird verwiesen auf bzw. werden beispielhaft vorgestellt: Panegyrici (auf römische Kaiser), historiografische Quellen (Stammessagen, "Zehn Bücher Geschichten" des Gregor von Tours, Fredegar-Chronik, Liber historiae Francorum, Einhard, Zosimos, Agathias), Viten (Genovefa, Desiderius von Cahors), Briefe (fränkischer Bischöfe, merowingischer Könige), Konzilsbeschlüsse und Edikte, Pactus legis Salicae, Testamente und Grabsteine, Dichtung (Venantius Fortunatus, Chilperich). Die "Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger" basieren stark auf dem Buch: Kaiser, Reinhold (1997), Die Franken: Roms Erben und Wegbereiter Europas? (= Historisches Seminar. Neue Folge, Bd.10), Idstein 1997, 187 S., DM 25,80. [Buhlmann, 04.2008, 09.2012]

Kaiserchronik, mittelhochdeutsches Erzählwerk: Die Kaiserchronik, verfasst auf Mittelhochdeutsch wahrscheinlich von einem unbekannten Regensburger Geistlichen und wohl vor 1147, schildert - mit einem Exkurs zum alten Rom - die Geschichte der römischen Kaiser von Julius Caesar bis zum Staufer Konrad III. (1138-1152). Dabei stehen exempla, antike Überlieferungen (Lucretia, Mucius Scaevola u.a.), christliche Legenden (Silvester, Veronica u.a.) und (germanische) Sagen (Dietrich u.a.) im Vordergrund, die vor dem Hintergrund einer chronologisch zum Teil nur unzureichend sortierten Kaisergeschichte erzählt werden. Die Kaiserchronik unterscheidet dabei moralisierend zwischen guoten und ubelen Kaisern, der Abschnitt über Karl den Großen steht an der Schwelle zwischen antikem und mittelalterlichem Kaisertum und kennzeichnet auch einen Wechsel in der Erzählpraxis. Insgesamt ist die Kaiserchronik Beispielsammlung und Fürstenspiegel im "ideell-politischen Rahmen" des riche (römisches, deutsches Reichs). Die mittelhochdeutsche Kaiserchronik wurde vielfach rezipiert, fünfzig Handschriften sind überliefert. Sie war wegweisend für die (gereimte) deutsche Weltchronistik des späten Mittelalters (Weltchronik des Rudolf von Ems [ca.1250], Sächsische Weltchronik [ca.1230/60], Christherre-Chronik [13. Jahrhundert, 2. Hälfte], Weltchronik des Heinrich von München [14. Jahrhundert]). S. Die Kaiserchronik. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, ausgew. u. übers. v. Mathias Herweg (2014) (= RUB 19270), Stuttgart 2014, 509 S., € 14,-. [Buhlmann, 01.2015]

Kaiserswerth, Stift, Pfalz, Stadt, Stadtteil: Gegen Ende des 7. Jahrhunderts gründete der angelsächsische Missionar Suitbert (†713) ein Kloster auf einer Rheininsel am Niederrhein; der Ort wurde "Werth" (für "Insel"), später Kaiserswerth genannt. Erst aus dem letzten Viertel des 9. Jahrhunderts sind dann zwei Immunitätsprivilegien ostfränkischer Herrscher überliefert, die eine enge Beziehung der Rheininsel zum Königtum anzeigen. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts stand Konrad, der spätere ostfränkische König (911-918), als Laienabt der geistlichen Gemeinschaft in Kaiserswerth vor. 1016 an die lothringischen Pfalzgrafen vergeben, gelangte die Rheininsel um 1045 an das salische Königtum. Die Könige Heinrich III. (1039-1056) und Heinrich IV. (1056-1106) hielten in der Kaiserswerther Pfalz Hof, der noch unmündige Heinrich IV. wurde hier von Erzbischof Anno II. von Köln (1056-1075) entführt (1062). In dieser Zeit war aus der geistlichen Kommunität in Kaiserswerth eine als Pfalzstift organisierte Kanonikergemeinschaft geworden. Mit König Konrad III. (1138-1152) setzten die Beziehungen Kaiserswerths zu den staufischen Herrschern ein. Konrad unterstellte die Königsleute, die königlichen Kaufleute und die Stiftsleute in Kaiserswerth seinem Schutz (1145), sein Nachfolger Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) verlegte die Zollstelle vom niederländischen Tiel auf die Rheininsel (vor 1174), wo er die auch heute immer noch beeindruckende staufische Pfalzanlage aufführen ließ. Die Pfalz war am Ende des 12. und in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts Zentrum einer staufischen Prokuration (Reichsprokuration), die Reichsbesitz und königliche Rechte der Umgebung zusammenfasste. Kaiserswerth wurde zu einer wichtigen Festung am Niederrhein, während sich im Schatten von Pfalz und Stift ein Ort mit durchaus reichsstädtischem Charakter entwickelte. In den Thronkämpfen des 13. Jahrhunderts wurden Pfalz und Ort zweimal belagert (1215, 1247/48), der Einfluss der deutschen Herrscher nach Kaiser Friedrich II. (1212-1250) auf den niederrheinischen Pfalzort sollte sich in den kommenden Jahrzehnten - gerade auch während des Interregnums (1245/56-1273) - beträchtlich vermindern. Pfandschaften, Auslösungen und Übergaben von Burg und Stadt Kaiserswerth (samt Zoll und Reichseinkünften) wechselten nun, 1302 erfolgte die Übertragung Kaiserswerths an die Grafen von Jülich. 1424 gelangte der Ort schließlich an das Kölner Erzstift und wurde als kurkölnisches Amt organisiert, was eine gewisse Isolierung vom Umland mit sich brachte. Die politische Bedeutung und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Kaiserswerths nahmen daher seit Ende des 13. Jahrhunderts ab. Dagegen gewann der Ort in der frühen Neuzeit zunehmend als Festung an Bedeutung. Neben der Pfalz war im späten Mittelalter die Stadt mit Mauer und Graben versehen worden. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde nun Kaiserswerth zu einer modernen Festung mit fünf Bastionen ausgebaut. Denkwürdig sind die Belagerungen des Ortes 1689 im Pfälzischen Krieg (1688-1697) und 1702 während des Spanischen Erbfolgekrieges (1700-1714), als die Stadt aufs Schwerste zerstört und schließlich erobert wurde. 1762/67/72 gelangte Kaiserswerth gemäß einem Urteil des Reichskammergerichts an das Herzogtum Jülich-Berg und wurde damit kurpfälzisch unter Kurfürst Karl (IV. Philipp) Theodor (1743-1799). Im Rahmen von Französischer Revolution (1789) und napoleonischen Kriegen besetzte Frankreich das linke Niederrheingebiet (1799) und schuf das rechtsrheinische Großherzogtum Berg (1805/06). Kaiserswerth geriet 1808 bis 1813 unter französische Herrschaft und wurde als Mairie (Bürgermeisterei) organisiert. 1815 ist der Ort dann eine preußische Stadt geworden, Teil des Düsseldorfer Landkreises in der Provinz Cleve-Berg. Wirtschaftliche Veränderungen wie der Wegfall des Treidelverkehrs auf dem Rhein trafen Kaiserswerth schwer. Doch es gab auch Neuanfänge; u.a. prägten das Diakoniewerk Theodor Fliedners (*1800-†1864) und die Frühindustrialisierung nun den Ort. 1929 ist Kaiserswerth nach Düsseldorf eingemeindet worden und seither Stadtteil einer Großstadt.
Überblicke zur Kaiserswerther Geschichte bzw. zu Teilen davon geben: Heck, Karl (1925), Geschichte von Kaiserswerth. Chronik der Stadt, des Stiftes und der Burg mit Berücksichtigung der näheren Umgebung, Düsseldorf 21925, VIII, 484 S., RM 6,-; Kaiser, Reinhold (Bearb.) (1985), Kaiserswerth (= RS 46), Köln-Bonn 1985, 32 S., 5 Taf., DM 38,-; Lorenz, Sönke (1983), Borgh, Stat ind Landt van Keiserswerde. Ein Beitrag zur Geschichte von Kaiserswerth, Diss., Düsseldorf 1983 = Lorenz, Sönke (1993), Kaiserswerth im Mittelalter. Genese, Struktur und Organisation königlicher Herrschaft am Niederrhein (= SH 23), Düsseldorf 1993, 258 S., DM 20,10; Stick, Günther (1955), Das Kollegiatstift St. Suitbert zu Kaiserswerth (von der Gründung bis zum Ausgang des Mittelalters), Diss., Bonn 1955; Zimmermann, Christa-Maria, Stöcker, Hans (Hg.) (1981), Kayserswerth. 1300 Jahre Heilige, Kaiser, Reformer, Düsseldorf 21981, 480 S., DM 39,-. Spezielle historische Problemstellungen behandeln: Clemen, Paul (1901), Kaiserswerth. Untersuchung und Ausgrabungen der Hohenstaufenpfalz, in: BJbb 106 (1901), S.148-158; Dresen, A[rnold] (1916), Beda Venerabilis und der älteste Name von Kaiserswerth, in: DJb 28 (1916), S.211-218; Eschbach, Peter (1903), Zur Baugeschichte der Hohenstaufenpfalz Kaiserswerth, in: DJb 18 (1903), S.156-164; Großmann, Dieter (1985), HANC TEMPLI PARTEM GERNANDVS REPARAT. Zur Baugeschichte der Stiftskirche in Kaiserswerth, in: Wallraff-Richartz-Jahrbuch 46 (1985), S.367-375; Grossmann, Klaus (1992), Die mittelalterliche Gerichtsverfassung und Verwaltungsorganisation in Kaiserswerth nach dem Stadtrecht aus dem 14. Jahrhundert (= Rechtsgeschichtliche Studien, Bd.2), Köln-Weimar-Wien 1992, XXVII, 131 S., € 9,90; Kahmer, Inge (2003), Die neuromanische Ausmalung von St. Suitbertus (Kaiserswerth) nach den Plänen von Kaplan Matthias Goebbels. Versuch einer Rekonstruktion, in: DJb 74 (2003), S.247-301; Pagenstecher, Wolfgang (1947), Burggrafen- und Schöffensiegel von Kaiserswerth, in: DJb 44 (1947), S.117-154; Redlich, Otto R. (1929), Die Bedeutung von Stift und Burg Kaiserswerth für Kirche und Reich, in: AHVN 115 (1929), S.61-75; Schottmann, Jochen (2003), Der Prozess um Kaiserswerth und den dortigen Rheinzoll vor dem Reichskammergericht 1596-1767. Eine Auswertung der Prozessakten, in: DJb 74 (2003), S.105-178; Senger, Nicola (1999), St. Suitbert in Kaiserswerth (= Veröffentlichungen der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln, Nr.69), Köln 1999, 160, 44 S.; Struve, Tilmann (2006), Lampert von Hersfeld, der Königsraub von Kaiserswerth im Jahre 1062 und die Erinnerungskultur des 19. Jahrhunderts, in: AKG 88 (2006), S.251-278; Verwiesen sei noch auf das Urkundenbuch: Kelleter, Heinrich (Bearb.) (1904), Urkundenbuch des Stiftes Kaiserswerth (= Urkundenbücher der geistlichen Stiftungen des Niederrheins, Bd.1), Bonn 1904, LXVIII, 672 S. > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth [Buhlmann, 08.1994, 09.1998, 11.1998, 04.1999, 06.2003, 10.2003, 09.2006, 03.2008, 10.2009, 09.2010, 03.2011, 02.2012]

Kalchschmidt, Karl Theodor (1895), Geschichte des Klosters, der Stadt und des Kirchspiels St. Georgen auf dem badischen Schwarzwald, Heidelberg 1895, Nachdruck Villingen-Schwenningen 1988, 174 S., € 13,-. Die Mönchsgemeinschaft in St. Georgen im Schwarzwald, gegründet im Jahr 1084 als benediktisches Reformkloster, war zunächst Priorat des Klosters Hirsau, bis es unter Abt Theoger (1088-1119) als selbstständige Abtei Beziehungen zum Papsttum und zum deutschen Königtum aufnehmen konnte. Besitzmäßig gut ausgestattet mit Gütern und Rechten auf der Baar, in Oberschwaben, am Oberrhein und im Elsass, wurde das Kloster im beginnenden 12. Jahrhundert zu einem Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums; Frauen- und Männerklöster wie Lixheim, Amtenhausen, Friedenweiler, Urspring oder Rippoldsau waren St. Georgener Priorate. Wechselhaft war die Klostergeschichte unter den St. Georgener Äbten ab dem 12. Jahrhundert: 1224 wurde das Kloster durch Brand stark in Mitleidenschaft gezogen; im späten Mittelalter gelang die Ausformung eines Klostergebiets (mit St. Georgen, Brigach, Oberkirnach, Langenschiltach und Peterzell), während die Klostervogtei am Ende des Mittelalters württembergisch wurde. Die Einführung der Reformation durch den württembergischen Herzog (1536) beendete die katholische Zeit St. Georgens, die Mönche wichen nach Villingen aus, das Klostergebiet wurde als Klosteramt innerhalb der württembergischen Landesherrschaft organisiert, es gab eine evangelisches Kloster (zeitweise mit Klosterschule) unter evangelischen Äbten. Der Zerstörung des Klostergebäude im Dreißigjährigen Krieg (1633) folgte 1810 der Übergang St. Georgens an das Großherzogtum Baden. Das 19. Jahrhundert war u.a. geprägt von Bevölkerungswachstum, Industrialisierung und dem Wandel in Infrastruktur und Landwirtschaft. > S St. Georgen im Schwarzwald. Aus dem Klosterdorf St. Georgen entwickelte sich die Stadt (1891). [Buhlmann, 11.1998]

Kandler, Karl-Hermann (1995), Nikolaus von Kues. Denker zwischen Mittelalter und Neuzeit, Göttingen 1995 > N Nikolaus von Kues

Kanitscheider, Bernulf (1993), Von der mechanischen Welt zum kreativen Universum, Darmstadt 1993 > U Universum

Kannengiesser, Matthias, Enseleit, Damir (2004), PHP 5. Praxisbuch & Referenz, Poing 2004, 600 S., € 25,- > Kompendium Mittelalter > Geschichtsdarstellung: Homepage/Website [Buhlmann, 09.2015]

Kappeler, Andreas (2013), Die Kosaken. Geschichte und Legenden (= BSR 2768), München 2013, 127 S., Zeittafel, 2 Karten, € 8,95. Entlang von Flüssen, am Übergang zu den Steppen Osteuropas, an den Grenzen Polen-Litauens und in der Ukraine, bildeten sich ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts ethnisch und kulturell heterogene, zunächst egalitäre Verbände von Kosaken ("freie Krieger"; Ostslawen [Russen, Ukrainer, Bauern], Tartaren). Erkennbar werden bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Dnjepr- (Zaporozer Sic [16. Jahrhundert, Mitte]), Don-, Wolga-, Jaik- und Terekkosaken, die als freie Kosaken oder (polnische) Registerkosaken (1572) die Grenzverteidigung christlicher Staaten gegenüber Tartaren und Osmanen übernahmen. Kosaken hatten zudem einen wichtigen Anteil an der russischen Erschließung Sibiriens (Wolgakosak Ermak [†1585], Entdeckung der Halbinsel Sachalin [1645] und der Beringstraße [1648]). Sie widersetzten sich der Eingliederung nach Polen-Litauen und in den Moskauer Staat (Aufstand der Dnjeprkosaken 1591/96). Aufstände polnischer Registerkosaken (1606/07, 1630er-Jahre, 1648) führten ab 1648/49 zur Entstehung des ukrainischen Hetmanats der Dnjeprkosaken (Hetmane Bohdan Chelnyckyj [1648-1657], Ivan Mazepa [1687-1709]), das 1667 in eine polnische und eine russische Einflusszone geteilt wurde. Die Schlacht bei Poltawa (1709) und die im Verlauf des 18. Jahrhunderts stärker werdende russische Vorherrschaft beendeten die Existenz der Dnjeprkosaken und das (nur noch nominelle) Hetmanat. Auch im Bereich der Donkosaken und der Jaikkosaken war es im 17. und 18. Jahrhundert zu Aufständen gegen Russland gekommen (Aufstände des Stepan Razin 1670/71, des Kondratij Bulavin 1707/09 und des Emeljan Pugacev 1773/75); auch hier setzten sich die Zaren durch. Die freien Kosakengemeinschaften des 16. und 17. Jahrhunderts waren damit im 18. Jahrhundert in das russische Reich weitgehend eingebunden. Die (Dienst-) Kosakenheere des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts (Don-, Terek-, Astrachan-, Ural-, Orenburg-, Sibirien-, Transbajkal-, Amur-, Ussuri-Kosaken) waren nunmehr ins russische Zarenreich integriert; die Kosaken dienten militärisch und als Polizei dem Zaren. In der Folge von Erstem Weltkrieg (1914-1918), Oktoberrevolution (1917) und russischem Bürgerkrieg (1917-1921) kam es zu einer zumindest äußerlichen Renaissance in der Ukrainischen Volksrepublik (1918-1920; Dnjeprkosaken); Kosaken (Kuban-, Donkosaken u.a.) standen auf Seiten der Weißen im russischen Bürgerkrieg. Nach dem Sieg der Sowjettruppen kam es folgerichtig durch Massenterror zu "Entkosakisierung" (1919/21) und "Entkulakisierung" (1929/33); es entstand ein "sowjetisches Kosakentum", das im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) gegen das nationalsozialistische Deutschland kämpfte (Kosakeneinheiten im deutschen Heer 1941, 1943; Auslieferung von Kosaken an die Sowjetunion 1945). Mit dem Ende der Sowjetunion (1990) kam es zur Gründung kosakischer Organisationen in Russland und der Ukraine (1990); die heutige Sicht auf das historische Kosakentum ist weitgehend geprägt von Mythen und Legenden (Kosakenfrauen, kosakische Nation, Kosakenhelden). Allgemein können die Kosaken dem historischen Typus der Grenzergemeinschaften zugeordnet werden (Kosaken, Tartaren und Walachen, Pioniere des Wilden Westens). [Buhlmann, 05.2013]

Kappelhoff, Bernd, Vogtherr, Thomas (Hg.) (2002), Immunität und Landesherrschaft. Beiträge zur Geschichte des Bistums Verden (= Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Bd.14), Stade 2002, XII, 263 S., Farb-, Schwarzweißabbildungen, Karten, € 20,-. I. Die Immunitätsurkunde von 849 (?) sowie weitere königliche Privilegierungen karolingischer und ottonischer Herrscher (Schenkungen, Markturkunde von 985) lassen die Einbindung des Bistums Verden in das ostfränkisch-deutsche Reich des 9. bis 11. Jahrhunderts erkennen (Thomas Vogtherr, Das Bistum Verden in der Reichskirchenpolitik der Karolinger und Ottonen). II. Entsprechend den Verhältnissen im Bistum Verden kann auch für das (Erz-) Bistum Bremen (-Hamburg) auf Grund von Immunitätsprivilegien und der Anbindung an das ostfränkisch-deutsche Königtum die Entwicklung des Erzstifts Bremen zur spätmittelalterlichen Landesherrschaft nachvollzogen werden (Konrad Elmshäuser, Immunitätsverleihung, Königtum und Landesherrschaft im Erzstift Bremen). III. Für die Ausbildung des Territoriums des Verdener Bischofs (Verdener Stift, Hochstift) waren landesherrschaftliche Ansätze zu Zeiten der Bischöfe Tammo (1180-1188) und Rudolf I. (1188-1205) entscheidend (misslungener Versuch der Errichtung einer Landesherrschaft in der Lüneburger Heide 1202), aber auch die erfolgreiche Einziehung der Verdener Vogtei (1223) durch Bischof Iso von Wölpe (1205-1231) und die weitere Ausbildung und Konsolidierung der Verdener Territorialherrschaft unter den Bischöfen Luder (1231-1251), Gerhard I. (1251-1269) und Konrad I. (1269-1300); den vorläufigen Schlusspunkt der Entstehung des Verdener Territoriums bildete der Erwerb von Grafschafts- und Gerichtsrechten im Jahr 1288 (Arend Mindermann, Zur Frühgeschichte des Hochstifts Verden. Grundlagen, Anfänge, Entwicklungsmöglichkeiten und Ausgestaltung der bischöflichen Landesherrschaft bis zum Ende des 13. Jahrhunderts). IV. Die römische Kurie und das Bistum Verden waren im Spätmittelalter auf vielfache Weise miteinander verflochten (päpstliche Provisionen bei Bischöfen, Verden und das Große Papstschisma [1378-1417], misslungene Verlegung des Bischofssitzes von Verden nach Lüneburg 1401/02, Errichtung einer Propstei in Lüneburg 1445, sonstige Beziehungen [Kuriale, kurialer Pfründenmarkt]) (Brigide Schwarz, Die römische Kurie und das Bistum Verden im Spätmittelalter). V. Im 16. Jahrhundert blieb auch das Bistum Verden von der protestantisch-lutherischen Reformation nicht verschont (Beschluss des Generalkapitels 1570, Aufbau einer neuen kirchlichen Ordnung, Ausbau des Schulwesens); im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde befand sich das Bistum zwischenzeitlich (1627-1632) unter kaiserlich-katholischer Kontrolle, das Hochstift Verden wurde 1632 schwedisch, im Zuge des Westfälischen Friedens (1648) wurden die Stiftsgebiete Bremen und Verden zu Herzogtümern, die mit dem Königreich Schweden durch Personalunion verbunden waren (Matthias Nistal, Verdens evangelische Bischöfe als Landesfürsten bis 1648). VI. In Verden war aus einem Gerichtsort und eventuellen Missionszentrum zur Zeit Kaiser Karls des Großen (768-814), aus einer (Siedlung oder) Gehöftgruppe (am nahe gelegenen Ringwall "Alte Burg") ab 814/15 ein mit Spitzgraben und Wall befestigter Dombezirk (Immunitätsbezirk) mit Bischofskirche und Domkloster entstanden; nördlich des Dombezirks entwickelte sich wahrscheinlich im 11. Jahrhundert eine Marktsiedlung (Vorgängerbau der Johanniskirche, ca.1030); dies ist vor dem Hintergrund des Markt- und Zollprivilegs König Ottos III. vom 30. November 985 zu sehen. Der planmäßige Ausbau der Marktsiedlung erfolgte aber erst unter dem Verdener Hochvogt Heinrich den Löwen (1150/75); weiter ist eine Kaufleutesiedlung um eine Nikolauskirche erkennbar; Dombezirk und Siedlungskerne wuchsen unter Bischof Iso von Wölpe und dessen Stadtherrschaft zusammen; der Ort Verden erhielt von Bischof Gerhard I. von Hoya Stadtrecht (Frank Wilschewski, Siedlung und Bischofssitz Verden an der Aller im frühen Mittelalter. Der archäologische Forschungsstand). VII. Die Urkunde des Verdener Bischofs Wigger (1014-1031) weist eine Siegelankündigung auf, das Siegel ist nicht erhalten; Siegel treten dann im 12. Jahrhundert ab Bischof Thietmar II. (1116-1148) in Erscheinung, von Bischof Hermann (1148-1167) sind zwei verschiedene Siegel im Original erhalten; diese wie spätere (runde, spitzovale) Siegel zeigen das Bild eines sitzenden Bischofs mit Stab und Buch, die Umschriften verweisen jeweils auf den Namen des siegelführenden Bischofs; das früheste erhaltene Siegel des Domkapitels stammt von 1230/35, eine Siegelführung der Kanonikergemeinschaft ist zu 1198 belegt (Arend Mindermann, Die Siegel der Bischöfe und des Domkapitels von Verden bis 1300). [Buhlmann, 08.2013]

Karl der Große, fränkischer König und Kaiser: Karl war der im Jahr 748 geborene älteste Sohn des ersten Karolingerkönigs Pippin des Jüngeren (741/51-768). Der frühe Tod seines Bruders Karlmann (771) machte aus Karl (dem Großen) den Alleinherrscher des Frankenreichs (768-814). Der König entfaltete eine bemerkenswerte Energie bei der Ausdehnung seiner Herrschaft. Im Sachsenkrieg (772-804) wurde Sachsen bis zur Elbe, im Langobardenkrieg (773/74) das Langobardenreich in Italien erobert. Es folgten die Eingliederung Bayerns (788) und die Zerstörung des Awarenreichs (795/96), die das Frankenreich sich bis nach Pannonien (Ungarn), Kroatien und Slowenien ausdehnen ließen. Gegenüber dem Omaijadenemirat in Spanien errichtete man die Spanische Mark zwischen Pyrenäen und Ebro (bis 812, Eroberung Barcelonas 801). In diesem Zusammenhang ist vom Feldzug von 778 zu reden, in dessen Verlauf ein fränkisches Heer bis vor die Tore des maurischen Saragoza gelangte, dies allerdings nicht einnehmen konnte. Auf dem Rückzug erlitt die fränkische Nachhut unter Graf Roland gegen die christlichen Waskonen (Basken) eine schwere Niederlage (Rolandslied). Weit über das Frankenreich hinaus hatte Karl der Große schließlich Beziehungen zum oströmisch-byzantinischen Reich (Kaisertum) und zum islamischen Kalifat von Cordoba (Gesandtenaustausch mit Kalif Harun al-Raschid [786-809] 797). Der Erwerb des Kaisertums (25. Dezember 800) mag dann als Höhepunkt der Regierung Karls des Großen gelten, ebenso die Ausgestaltung Aachens zur "Residenz" des Herrschers. Dieser "Habenseite" steht entgegen, dass besonders nach 800 das nun übergroße Frankenreich außenpolitisch zunehmend in die Defensive geriet. Die "Grenzen des Wachstums" waren längst überschritten, etwa hinsichtlich des byzantinischen Venedig und des Adriaraums, mit dem Auftreten der Normannen oder gegenüber der Bretagne, deren vollständige Unterwerfung mehrfach misslang (Bretonische Mark). Auch gestalteten sich die inneren Verhältnisse im Frankenreich schwieriger, geriet der Vielvölkerstaat doch - u.a. ausgelöst durch die andauernden Kriege - in eine soziale Schieflage, die die wirtschaftlich Schwächeren (pauperes) gegenüber den Mächtigen und Großen (potentes) benachteiligte. Da halfen denn auch eine zunehmende Schriftlichkeit in der Reichsverwaltung, die ausgeprägte Kapitulariengesetzgebung, die schriftliche Fixierung von Volksrechten, die Grafschaftsverfassung und das Herrschaftsinstrument der Königsboten (missi dominici) nicht viel, während die fränkische Kirche mit ihren Bistümern und Abteien verstärkt in Politik, Verwaltung und Kriegswesen integriert wurde. Das Eingreifen Karls in kirchlich-religiöse Bereiche belegt eindrucksvoll die Frankfurter Synode von 794 mit ihren Beschlüssen zu (spanischem) Adoptianismus und byzantinischem Bilderstreit (Libri Carolini). Dass dabei die Herrschaft Karls nicht immer unumstritten gewesen war, beweist die gegen ihn gerichtete Adelsverschwörung des Grafen Hardrad in Ostfranken (785/86).
An Biografien zu Karl dem Großen seien aufgeführt: Becher, Matthias (1999), Karl der Große (= BSR 2120), München 1999, 127 S., DM 14,80; Braunfels, Wolfgang (1978), Karl der Große (= rm 187), Reinbek 1978, 185 S., DM 6,80; Epperlein, Siegfried (1971), Karl der Große. Eine Biographie, Berlin 61976, 163 S., DM 2,-; Fried, Johannes (2013), Karl der Große. Gewalt und Glaube. Eine Biographie, München 2013, 736 S., Farbtafeln, Schwarzweißabbildungen, Pläne, Karten, € 29,95; Hägermann, Dieter (2000), Karl der Große. Herrscher des Abendlandes. Biographie, München 2000, 736 S., DM 68,-; Hartmann, Wilfried (2010), Karl der Große (= Urban Tb 463), Stuttgart 2010, 333 S., € 19,90; McKitterick, Rosamond (2008), Karl der Große (= GMR), Darmstadt 2008, 472 S., € 34,90; Wahl, Rudolph (1948), Karl der Große. Eine Historie, München 1948, 338 S., DM 2,-; Weinfurter, Stefan (2013), Karl der Große. Der heilige Barbar, München-Zürich 2013, 352 S., Farbtafeln, Farbkarte, € 22,95. Verwiesen sei auf die Ausstellung zu Karl dem Großen in Aachen im Jahr 1965: Braunfels, Wolfgang u.a. (Hg.) (1965-1968), Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben: Bd.1: Persönlichkeit und Geschichte, Düsseldorf 21966, 857 S., Bd.2: Das geistige Leben, Düsseldorf 21966, 306 S., Bd.3: Karolingische Kunst, Düsseldorf 21966, 590 S., Bd.4: Das Nachleben, Düsseldorf 21967, 484 S., Bd.5: Registerband, Düsseldorf 1968, 143 S., zus. DM 200,-. Karl der Große. Werk und Wirkung, hg. v.d. Stadt Aachen (1965) (= Ausstellungskatalog), Aachen 1965, XL, 568 S., DM N.N. sowie auf die Ausstellungen in Frankfurt a.M. 1994 und in Paderborn 1999: Fried, Johannes (Hg.) (1994), 794 - Karl der Große in Frankfurt am Main. Ein König bei der Arbeit (= Ausstellungskatalog), Sigmaringen 1994, 184 S., DM 24,-; Stiegemann, Christoph, Wemhoff, Matthias (Hg.) (1999), 799 - Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn, Paderborn 1999: Bd.1: Katalog der Ausstellung [Tl.1], Bd.2: Katalog der Ausstellung [Tl.2], zus. XLI, 938 S., Bd.3: Beiträge zum Katalog der Ausstellung, X, 744 S., zus. DM 148,-, weiter auf: Karl der Große und sein Nachwirken. 1200 Jahre Kultur und Wissenschaft in Europa, 2 Bde., Bd.1: Butzer, Paul Leo, Kerner, Max, Oberschelp, Walter (Hg.) (1997), Wissen und Weltbild, Turnhout 1997, XXXI, 557 S., Abbildungen, € 24,95, Bd.2: Butzer, Paul Leo, Jongen, Hubertus T., Oberschelp, Walter (Hg.) (1997), Mathematisches Wissen, Turnhout 1997, 596 S., Abbildungen, € 24,95. Lexikalisch aufbereitet ist: Barth, Reinhard (2000), Taschenlexikon Karl der Große (= SP 3034), München 2000, 236 S., DM 16,90. Quellen bzw. quellennah sind: Die Urkunden Pippins, Karlmanns und Karls des Großen, hg. v. Engelbert Mühlbacher (1906) (= MGH. Diplomata. Die Urkunden der Karolinger, Bd.1), 21956, Nachdruck München 1979, XI, 581 S., DM 90,-; Die Regesten des Kaiserreiches unter den Karolingern 751-918, bearb. v. Engelbert Mühlbacher, Johannes Lechner (1908) (= RI I,1), 21908, Nachdruck Hildesheim 1966, 8, CXXII, 987 S., DM 150,-; Reindel, Kurt (1970), Die Kaiserkrönung Karls des Großen (= Historische Texte. Mittelalter, Bd.4), Göttingen 21970, 84 S., DM 4,50; Abel, Sigurd, Simson, Bernhard (1883-1888), Jahrbücher des fränkischen Reiches unter Karl dem Großen: Bd.I: 768-798, 21888, Nachdruck Berlin 1969, XVI, 698 S., Bd.II: 799-814, 1883, Nachdruck Berlin 1969, XII, 650 S., zus. DM 130,-. Spezielle Fragestellungen behandeln: Becher, Matthias, Eid und Herrschaft. Untersuchungen zum Herrscherethos Karls des Großen (= VuF, Sonderband 39), Sigmaringen 1993 > B Becher, Eid und Herrschaft; Fried, Johannes (2001), Papst Leo III. besucht Karl den Großen in Paderborn oder Einhards Schweigen, in: HZ 272 (2001), S.281-326; Hauck, Karl (1970), Die Ausbreitung des Glaubens in Sachsen und die Verteidigung der römischen Kirche als konkurrierende Herrscheraufgaben Karls des Großen, in: FMSt 4 (1970), S.138-172; Hauck, Karl (1986), Karl der Große in seinem Jahrhundert, in: FMSt 9 (1975), S.202-214; Hauck, Karl (1986), Karl als neuer Konstantin 777. Die archäologischen Entdeckungen in Paderborn in historischer Sicht, in: FMSt 20 (1986), S.513-540; Irblich, Eva, Herwig, Wolfram (Hg.) (1993), Karl der Große und die Wissenschaft (= Ausstellungskatalog Karolingische Handschriften), Wien 1993, 130 S., Abbildungen, ÖS 200,-; Langen, Ruth (1989), Die Bedeutung von Befestigungen in den Sachsenkriegen Karls des Großen, in: WZ 139 (1989), S.181-211; Müllejans, Hans (Hg.) (1988), Karl der Große und sein Schrein in Aachen. Eine Festschrift, Aachen 1988, 199 S., Abbildungen, DM 59,-; Wolf, Gunther (Hg.) (1972), Zum Kaisertum Karls des Großen (= WdF 38), Darmstadt 1972, 441 S., DM 44,80. [Buhlmann, 07.1980, 10.1991, 09.1999, 04.2000, 05.2010, 06.2011, 02.2014, 03.2014, 04.2014]

Karl Martell, Hausmeier im merowingischen Frankenreich: Karl Martell (der "Hammer") wurde um 688 als Sohn des pippinidisch-arnulfingischen Hausmeiers Pippin des Mittleren (687-714) und der Chalpaida geboren. Die Söhne aus Pippins Ehe mit Plektrud (†725?), Drogo (†708) und Grimoald (II., †714), sollten indes dem Hausmeier politisch nachfolgen, doch überlebten sie den Vater nicht, worauf Grimoalds unmündiger Sohn Theudoald (714-715, †741?) Nachfolger Pippins wurde. Doch konnten sich Plektrud und Theudoald in der "karolingischen Sukzessionskrise" - neben den neustrischen Großen unter König Chilperich II. (716-721) - nicht gegen Karl Martell durchsetzen (Schlachten bei Amblève 716, Vinchy 717, Soissons 718). Nach Überwindung der inneren Widerstände nahm Karl Martell als maior domus des fränkischen Gesamtreiches die Außenpolitik seines Vaters wieder auf. Einer Übereinkunft mit den Aquitaniern (720) unter ihrem Herzog Eudo (714-735) folgten Feldzüge gegen Thüringen, Alemannien, Bayern und Burgund. Der Sieg in der Schlacht zwischen Tours und Poitiers (732) galt nach Aquitanien eingedrungenen Sarazenen des islamischen Omaijadenkalifats. Trotz weiterer Siege (bei Avignon und Narbonne 737) konnten die Araber nicht aus Septimanien (ehemals westgotisches Gebiet nördlich der Pyrenäen am Mittelmeer) verdrängt werden, während die karolingische Herrschaft über Burgund gefestigt werden konnte (728/39). Seit dem Tod des Merowingers Theuderich IV. (721-737) regierte Karl Martell ohne König. Er selbst ließ seinen Sohn Pippin vom Langobardenkönig Liutprand (712-744) adoptieren (737). Vor seinem Tod (741) teilte er das Frankenreich - auch hierbei königgleich - unter seine Söhne Pippin den Jüngeren (Neustroburgund) und Karlmann (Austrien, Thüringen) auf, wobei auch Grifo, der Sohn Karls aus dessen Ehe mit der bayerischen Agilolfingerin Swanahild, Berücksichtigung fand. Karl Martell verhielt sich durchaus zwiespältig, was christliche Missionierung und Kirchenorganisation anbetraf (Winfried-Bonifatius, Verhältnis zum Papsttum). Indes lastet dem Hausmeier in der späteren Überlieferung (Visio Eucherii des Erzbischofs Hinkmar von Reims) wohl weitgehend zu Unrecht das Bild eines "Kirchenräubers" an. Dem im 9. Jahrhundert hinzugekommenen Beinamen "Hammer" (tudes, martellus) entsprach hingegen die Sicht auf Karl Martell als einen erfolgreichen Krieger und Heerführer (egregius bellator), der als Stammvater der nach ihm benannten Karolinger und als erfolgreicher Kämpfer gegen die Sarazenen auch als König angesehen wurde (französisches Königtum, Grablage Karls in St. Denis). Das Bild Karls als Krieger und angeblicher Verteidiger des Christentums gegen den Islam prägt noch heute vielfach die Sicht auf den fränkischen Hausmeier.
Biografisch werden Karl Martell und das Frankenreich seiner Zeit erfasst in: Fischer, Andreas (2012), Karl Martell. Der Beginn karolingischer Herrschaft (= Urban Tb 648), Stuttgart 2012, 278 S., 3 Stammtafeln, 1 Karte, € 24,90; Jarnut, Jörg, Nonn, Ulrich, Richter, Michael (Hg.) (1994), Karl Martell in seiner Zeit (= Beihefte der Francia, Bd.37), Sigmaringen 1994, 412 S., DM 69,- (mit den Beiträgen: Nonn, Ulrich, Das Bild Karl Martells in mittelalterlichen Quellen; Heidrich, Ingrid, Die Urkunden Pippins d.M. und Karl Martells: Beobachtungen zu ihrer zeitlichen und räumlichen Streuung; Reuter, Timothy, "Kirchenreform" und "Kirchenpolitik" im Zeitalter Karl Martells: Begriffe und Wirklichkeit; Wolfram, Herwig, Karl Martell und das fränkische Lehnswesen. Aufnahme eines Nichtbestandes; Staudte-Lauber, Annalena, Carlus princeps regionem Burgundie sagaciter penetravit. Zur Schlacht von Tours und Poitiers und dem Eingreifen Karl Martells in Burgund; Goetz, Hans-Werner, Karl Martell und die Heiligen. Kirchenpolitik und Maiordomat im Spiegel der spätmerowingischen Hagiographie; Becher, Matthias, Der sogenannte Staatsstreich Grimoalds. Versuch einer Neubewertung; Joch, Waltraud, Karl Martell - ein minderberechtigter Erbe Pippins?; Brunner, Karl, Sachkultur, Kontinuität und Epoche im frühen 8. Jahrhundert; Gerberding, Richard A., 716: A Crucial Year for Charles Martell; Jarnut, Jörg, Die Adoption Pippins durch König Liutprand und die Italienpolitik Karl Martells; Collins, Roger, Deception and Misrepresentation in Early Eigth Century Frankish Historiography: Two Case Studies; Staab, Franz, Rudi populo rudis adhuc presul. Zu den wehrhaften Bischöfen der Zeit Karl Martells; Ebling, Horst, Die inneraustrasische Opposition; Schieffer, Rudolf, Karl Martell und seine Familie; Jahn, Joachim, Hausmeier und Herzöge. Bemerkungen zur agilolfingisch-karolingischen Rivalität bis zum Tode Karl Martells; Mordek, Hubert, Die Hedenen als politische Kraft im austrasischen Frankenreich; Enright, Michael J., Iromanie-Irophobie Revisited: A Suggested Frame of Reference for Considering Continental Reactions to Irish Peregrini in the Seventh and Eigth Centuries; Geary, Patrick J., Die Provence zur Zeit Karl Martells; Richter, Michael, "... quiquis scit scribere, nullum potat abere labore". Zur Laienschriftlichkeit im 8. Jahrhundert). [Buhlmann, 05.2010, 09.2012, 03.2013]

Karolinger, Königsdynastie im Frankenreich: Die Anfänge der karolingischen Adelsfamile fallen ins 7. Jahrhundert, als der Einfluss des Adels und der Großen auf die fränkische Politik sich intensivierte. Mit dem Aufstieg der karolingischen Hausmeier in Austrien verstärkte sich der Gegensatz zwischen den Teilreichen Neustroburgund und Austrien ("Staatsstreich" Grimoalds 657/62?, Regentschaft der Königin Balthilde [†680/81] in Neustrien, Hausmeier Ebroin), der letzte regierungsfähige Merowingerkönig und Gesamtherrscher Childerich II. (673-675) wurde ermordet. Die Merowingerkönige danach waren - so will es die frühmittelalterlich-karolingische Überlieferung - "Schattenkönige", sie hatten mit den politischen Kämpfen des ausgehenden 7. und der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts nichts zu tun. Sieger der Auseinandersetzungen um die Macht im Frankenreich war der karolingische Hausmeier und princeps Pippin der Mittlere (†714; Schlacht bei Tertry 687); Pippins Enkel Pippin der Jüngere (741/51-768) sollte den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) absetzen und selber König werden (751). Auf die Merowinger folgten die Karolinger als Herrscher im Frankenreich. Beim Tod des ersten Karolingerkönigs erfolgte wiederum eine Teilung des Frankenreichs, diesmal zwischen Karl (dem Großen, 768-814) und Karlmann (768-771). Nach dem frühen Tod Karlmanns (771) war Karl der Große Alleinherrscher und erweiterte das Frankenreich beträchtlich (Eroberung des Langobardenreiches 773/74; Eroberung Sachsens 772-804; Angliederung Bayerns 788) bei Ausformung eines christlichen Reiches und Erwerb des (römischen) Kaisertums (800). Der Rahmen der "karolingischen Renaissance" bot die Möglichkeit von Reformvorhaben (Schriftlichkeit, Admonitio generalis [789], Gesetzgebung und Kapitularien), die von Karls Sohn Ludwig dem Frommen (814-840) zunächst (Aachener Reichsversammlung 818/19) und unter Betonung der Reichseinheit (Ordinatio imperii 817) konsequent weiterverfolgte. Krisenerscheinungen im Frankenreich traten im Zusammenhang mit Normanneneinfällen und Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und seinen Söhnen auf. Im nach dem Tod des Kaisers ausbrechenden Bürgerkrieg setzten sich die jüngeren Söhne Ludwigs gegen ihren Bruder Kaiser Lothar (817-855), dem Verfechter der Reichseinheit, durch (Schlacht bei Fontenoy 841). Der Vertrag von Verdun (843) besiegelte die Teilung des Karolingerreiches in ein West-, Mittel- und Ostreich und damit das Ende aller Reichseinheitspläne. Lediglich zwischen 885 und 887 sollte noch einmal ein geeintes Reich unter Kaiser Karl III. (876-887/88) entstehen, während sich Westfranken unter Kaiser Karl II. dem Kahlen (840-877) und Ostfranken unter König Ludwig II. dem Deutschen (833/40-876) konsolidierten und das Mittelreich sich zergliederte (Teilung 855, Teilung Lotharingiens [Vertrag von Meersen] 870). Das Jahr 888 sah - bei fortschreitendem Aufstieg von Adligen und Großen als Mittelgewalten - die Ablösung der Karolinger im Westfrankenreich, Italien und Burgund. Mit Ludwig dem Kind (900-911) erlosch das karolingische Königtum im von den Ungarn heimgesuchten Ostfrankenreich (911), mit König Ludwig V. (986-987) im Westfrankenreich (987). West- und Osfrankenreich, Burgund und Italien verstanden sich bis ins 11. Jahrhundert hinein dennoch gemeinschaftlich als Nachfolgereiche des regnum Francorum.
Umfangreich ist die Literatur zu Karolingern und karolingischem Frankenreich: Ewig, Eugen (1995), Die fränkischen Königskataloge und der Aufstieg der Karolinger, in: DA 51 (1995), S.1-28; Laudage, Johannes, Hageneier, Lars, Leiverkus, Yvonne (2012), Die Zeit der Karolinger, Darmstadt 2006, 208 S., Farbabbildungen, Karten, € 27,90; Mühlbacher, Engelbert (1896), Deutsche Geschichte unter den Karolingern, 2 Bde., Essen o.J. [1980], 429, 489 S., DM 39,80; Riché, Pierre (1981), Die Welt der Karolinger, Stuttgart 1981, 392 S., Abbildungen, Karten, DM 29,80; Riché, Pierre, Die Karolinger. Eine Familie formt Europa, Stuttgart 1987, 480 S., Abbildungen, DM 54,-; Schieffer, Rudolf (1992), Die Karolinger (= Urban Tb 411), Stuttgart-Berlin 1992, 260 S., DM 25,-; Ubl, Karl (2014), Die Karolinger. Herrscher und Reich (= BSR 2828), München 2014, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 8,95. [Buhlmann, 10.1991-02.1992, 02.2007, 04.2008, 08.2015]

Karsch, [J.] (1881), Zur Geschichte des Stiftes Rellinghausen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, in: EB 4 (1881), S.24-43 > R Rellinghausen

Karsch, [J.] (1892), Das Stift Rellinghausen in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, in: EB 14 (1892), S.5-35 > R Rellinghausen

Karsch, [J.] (1892), Verzeichnis der Pröpstinnen und Dechantinnen des kaiserlich freiweltlichen Damenstifts Rellinghausen, in: EB 14 (1892), S.35-46 > R Rellinghausen

Karsten, Arne (2012), Geschichte Venedigs (= BSR 2756), München 2012, 1 Stadtplan, 1 Karte, 128 S., € 8,95. Die Anfänge Venedigs reichen bis in die 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts zurück, seit dem sich in der Lagune am nördlichen Ende der Adria Orte und Häfen ausbildeten (Eraclea, Torcello, Malamocco), die sich vor Eroberung schützten ("Völkerwanderung") und gleichzeitig Handel trieben. Die Lagunenregion stand unter oströmisch-byzantinischer Kontrolle (byzantinischer dux, Eingreifen der byzantinischen Flotte 810), der Amtssitz des dux wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts nach Rialto, dem Zentrum des heutigen Venedig, verlegt. Die Entführung der sterblichen Überreste des heiligen Evangelisten Markus von Alexandrien nach Venedig (827/29; Markusdom) steht dann am Anfang des Aufstiegs Venedigs zur bedeutendsten Handelsstadt am europäischen Mittelmeer bei weitgehender Löslösung vom byzantinischen Reich (9./10. Jahrhundert). Der Konstituierung einer Bürgergemeinde unter Führung des Dogen entsprach dabei eine Ausweitung der Handels- und politischen Aktivitäten (privilegierte venezianische Kaufleute im byzantinischen Reich, Frieden von Venedig 1177, Besitz in Dalmatien, 4. Kreuzzug 1202-1204, venezianische Ägäisbesitzungen [Kreta, Peloponnes, Euböa] und stato da mar). Das 13. bis 15. Jahrhundert kann dann als Glanzzeit Venedigs gelten, was den Ost-West-Handel und die Eingriffsmöglichkeiten in die italienische Politik betraf (Auseinandersetzungen mit Genua [Chioggia-Krieg 1378/81], Eroberung der terra ferma). Venedig selbst war eine Oligarchie adliger Kaufleute [Patriziat], eine Minderheit regierte die Großstadt im Meer (1540: knapp 130000 Einwohner; consiglio [1143] und Großer Rat [Wahl, Kontrolle des Dogen], Ausschüsse und Kommissionen ["Staatsinquisition"]). Das Venedig des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance brachte bedeutende Maler und Architekten hervor (Dogenpalast [14. Jahrhundert], Familie Bellini, Jacopo Tintoretto, Tizian), die frühe Neuzeit steht zunächst für die kulturelle Hochblüte Venedigs bei politischem Niedergang der Stadt (Mittelmeer als Randgebiet des Welthandels [Salzhandel, Glasbläserei, Schiffsbau und Arsenal], venezianische Niederlage bei Agnadello [1509], Schlacht bei Lepanto [1571], Verlust Kretas [1669]). Der im 17. Jahrhundert einsetzende wirtschaftliche und politische Verfall der Serenissima (innenpolitische Gegensätze, Niedergang des Patriziats) führte 1797/1805 zur französischen Herrschaft über Venedig (Königreich Italien, Kontinentalsperre [1806] und britische Handelsblockade [1813/14]), der 1814/15 die Einbeziehung Venedigs in das habsburgische Königreich Lombardo-Venetien (Revolution von 1848/49) und schließlich in das Königreich Italien (1866) folgte (1. Weltkrieg [1914-1918] und Venedig als Frontstadt [1917/18]). Venedig wurde im 19. und 20. Jahrhundert trotz Industrialisierung und Modernisierung (Grande Venezia, Festlandshafen [ab 1917], Mestre [1926]) zur Stadt der Touristen mit allen Vor- und Nachteilen (Biennale, Überschwemmung von 1966 und acque alte, Umweltverschmutzung, Kreuzfahrtschiffe). [Buhlmann, 12.2012]

Kasper, Alfons (1968), Alt- und Neu-Otterswang. Von der Tal- und der Höhenburg vom Schweigfurt-Weiher mit Insel, in: ZWLG 27 (1968), S.135-141. Das oberschwäbische Otterswang (bei Pfullendorf) geht auf die alemannische Zeit im deutschen Südwesten zurück (5.-7. Jahrhundert); der Ortsname "Otterswang" ist daher zu interpretieren als "Siedlung des Alemannen Otolf" o.ä.; Grundwort ist "Wange" für "gerundete Erhebung". Im hohen Mittelalter war eine Burg neben dem Dorf Sitz der Edelherren von Otterswang. Zum Jahr 1083 werden die Herren von Otterswang erkennbar bei einer Gütertransaktion für das damals zu gründende benediktinische Reformkloster St. Georgen. Der dabei erwähnte Rupert von Otterswang ist noch einmal 1116 im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Benediktinerkloster Allerheiligen (in Schaffhausen) bezeugt, er war wohl auch anwesend bei der Gründung des bedeutenden oberschwäbischen Zisterzienserklosters Salem (1134/37). Eine nächste Generation der Herren von Otterswang stellen wahrscheinlich Radpert und Manegold dar. Radpert verkaufte 1138 ein Gut in Boos an das Konstanzer Kloster Petershausen. Er tritt vielleicht noch um 1160 als Zeuge in einer Urkunde Herzog Welfs VI. von Spoleto (†1191) auf. Dazu passt, dass auch Manegold im Umfeld der welfischen Herzogsfamilie in Erscheinung trat; 1155 war er Zeuge in einer Urkunde für den Welfenherzog Heinrich den Löwen (1142/56-1180). Die Otterswanger Adligen rückten damit in die Nähe zur Ministerialität der welfischen Herzöge. Manegold war ferner Zeuge in Rechtsakten u.a. der Mönchsgemeinschaft Salem (1171, 1185). Letztmals ist Manegold zum Jahr 1187 belegt. Mit Manegold starben die Herren von Otterswang im Mannesstamm aus, eine Tochter Manegolds erbte die Herrschaften Otterswang und Otterswang-Wolfegg. Sie war verheiratet mit einem Grafen von Aichelberg, so dass Otterswang nun aichelbergisch wurde, während ein Otto, ein Ritter Heinrich und ein K(onrad) von Otterswang (1237, 1239) als Dienstleute der Grafen von Aichelberg in Erscheinung traten und Graf Egino von Aichelberg, der Enkel Manegolds, 1189 als Tradent für das Prämonstratenserstift Weißenau bezeugt ist. Vor 1240 gehörten Burg und Dorf Otterswang dem Ritter Ulrich I. von Gundelfingen, nach Ulrichs I. Tod kam Otterswang an das Bistum Konstanz, das im Jahr 1269 eine Hälfte der Herrschaft an Ulrich II., Berthold und Eberhard von Gundelfingen verlehnte. Vor 1281 erfolgte schließlich durch Ulrich II. der Verkauf von Burg und Dorf Otterswang an die Schenken von Winterstetten-Schmalegg. Mit den Schenken von Winterstetten sind die Nachkommen des berühmten Konrad von Winterstetten gemeint, des Villinger Prokurators und Stifters des Zisterzienserinnenklosters Baindt, des Wohltäters des Prämonstratenserstifts Schussenried. Die Schenken von Winterstetten erscheinen nach dem Kauf Otterswangs vor 1281 u.a. als Schenken von Otterswang. Rudolf und Hermann von Otterswang waren Söhne der Irmgard, der Tochter Konrads von Winterstetten, die mit Konrad von Schmalegg verheiratet gewesen war. In der nächsten Generation taucht ein Ulrich von Otterswang in den Geschichtsquellen auf (1339), danach sind ein weiterer Ulrich und Hermann der Ältere von Otterswang bezeugt. Hermann der Ältere hatten einen Sohn Hermann den Jüngeren (1365), der am 10. Dezember 1380 die Otterswanger Herrschaft, d.h.: Burg, Dorf, Kirche in (Neu-) Otterswang, an Heinrich von Emerkingen veräußerte. Dieser verkaufte Otterswang an Sophie von Rotenstein-Stuben weiter (1381), ein Johann Stubenberg von Stuben die Herrschaft wiederum an die Propstei Schussenried (1420). Otterswang wurde damit Teil des Schussenrieders Klosterterritoriums, Otterswang und Schussenried hatten von da an eine gemeinsame Geschichte, erkennbar an der nun propsteilichen Burg mit den zwei Meiern (1420), an den Rechten und dem Besitz der geistlichen Gemeinschaft in Otterswang oder an dem bei Otterswang gelegenen Lusthaus des Schussenrieder Großkellers Restitut Grimm auf der Schwaigfurtinsel (1777). Frühneuzeitliche Schussenrieder Quellen überliefern dann noch ein wüst gelgenes Alt-Otterswang mit einer "Talburg" und ein besiedeltes Neu-Otterswang mit der "Höhenburg". Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) und in den napoleonischen Kriegen (1793, 1798/99) war Otterswang von Kampfhandlungen betroffen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Ort infolge der Aufhebung und Säkularisation der Abtei Schussenried württembergisch. [Buhlmann, 09.2011]

Kastinger Riley, Helene M. (1997), Hildegard von Bingen (= rm 50469), Reinbek 1997 > H Hildegard von Bingen

Kastner, Dieter (1979), Zur Lage des Hofes Karls des Großen in Friemersheim, in: DF 27 (1979), S.1-20 > F Friemersheim

Kattinger, Detlef (1999), Die Gotländische Genossenschaft. Der frühhansisch-gotländische Handel in Nord- und Westeuropa (= QDHG NF 47), Köln-Weimar-Wien 1999, X, 529 S., € 19,-. Der deutsche Ostseehandel des 11. und 12. Jahrhunderts ging von Schleswig und Alt-Lübeck aus; gerade in Alt-Lübeck entstand beim slawischen Fürstensitz eine rechtlich-verfassungsrechtlich organisierte Kaufleutesiedlung (Zerstörung Lübecks 1137), am Ort sind deutsche, skandinavische, slawische und gutnische Kaufleute bezeugt (ca.1100). Das schauenburgische (Neu-) Lübeck (1143) - auch des Sachsenherzogs Heinrichs des Löwen (1158/59) - war ebenfalls durch die Kaufleute und deren gildemäßigen Organisationen bestimmt; u.a. können hier (aus zeitlich begrenzten Zusammenschlüssen von Kaufleuten) die Anfänge der Kaufmannshanse der "Gotländischen Genossenschaft" als Gilde der Gotlandfahrer vermutet werden. Die "Gotländische Genossenschaft", die universitas mercatorum Romani imperii Gotlandium frequentantium ("Gotlandfahrergesellschaft", "Kaufmannsgesellschaft in Visby") entstand somit aus einer Gemeinschaft von Kaufleuten im Gotlandhandel (Artlenburg-Privileg und Schutz des Sachsenherzogs [1161], Vertrag zwischen dem Sachsenherzog und König Knut Eriksson [1167/80], Vertrag zwischen dem Sachsenherzog und einem russischen Fürsten [v.1180]) und stellt sich spätestens seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts dar als eine rechtsfähige Kaufleuteorganisation (Siegelführung). Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen (1180) erlitt der deutsche Ostseehandel, der im Übrigen in Konkurrenz zum Gotlandhandel der Dänen stand (Knutsgilde der dänischen Gotlandfahrer 1177), Einbußen; erst die dänische Stadtherrschaft Herzog bzw. König Waldemars II. über Lübeck (1201) beförderte den Lübecker Ostseehandel (Niederlassung der deutschen Novgorodfahrer in Novgorod [ca.1190], Gründung Rigas [1201], gilda communis von Visby [1211], Rigaer ius Gotorum [1225/26]; frühhansisches Stützpunktsystem). Das frühe 13. Jahrhundert sah in Visby auf Gotland deutsche und gutnische Händler als hospites und cives/burgenses, frequentantes und manentes; dabei war die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Händlergruppen gut, u.a. was den gemeinsamen Handel mit dem Dünagebiet und Novgorod betraf (Friedensschlüsse [1210/15], Novgoroder Handelsvertrag [1268]). Das Ende der dänischen Stadtherrschaft über Lübeck (1227) leitete einen Intensivierung des Handels von Kaufleuten aus Lübeck, Visby und Riga im Ostseeraum ein, wobei seit den 1230er-Jahren deutsche Händler zunehmend den Handel dominierten (Handelsvertrag mit Smolensk [1229], Dünahandel). Auch Handelsbeziehungen von Gotland nach Westeuropa sind seit der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert belegt; mercatores de Gutlandia führten - nach einer Phase der Handelsintensivierung während des deutschen Thronstreits (1198-1208) - vorzugsweise Pelze und Wachs nach England ein und standen in Konkurrenz zu den Kaufleuten von Köln und Tiel (Lübecker Englandfahrer, Kölner Hanse der Englandfahrer, Kölner Ostseehandel). Im Verlauf des 13. Jahrhunderts erfolgte gerade beim Englandhandel eine Organisationsänderung hin zur "Städtehanse" (Lübeckprivileg [1227], kommunale Vertretung bei Handelsinteressen, Privilegierungen der Handelsstädte), Lübeck übernahm die Führung der sich aus Einzelhansen herausbildenden deutschen Hanse (hansa Alemanie [1260, 1280er-Jahre]). Im Flandernhandel besaßen die Kaufleute der "Gotländischen Genossenschaft", obwohl privilegiert, keinen erkennbaren Einfluss. Im Ostseehandel geriet die "Gotländische Genossenschaft" im Verlauf des 13. Jahrhunderts immer mehr unter Lübecker Führung, sie war eine Organisationsform neben der der Livlandfahrer (Handelsblockade gegen Novgorod [1277/78], Städtebündnis zwischen Lübeck, Visby, Riga [1280/82] und deren Einfluss auf den Novgorodhandel, Bürgerkrieg zwischen der Stadt und Landgemeinde Visby [1288], lübisches Recht im Dünahandel [n.1295]). Die "Gotländische Genossenschaft" fand sich bei Herausdrängung der gutnischen Kaufleute immer mehr einbezogen in die Städtehanse der wendischen Städte bzw. auf innere Angelegenheiten beschränkt. Mit der Verlegung der Appellationsinstanz für Kaufleute von Visby nach Lübeck und der Abschaffung des Siegels der "Gotländischen Genossenschaft" hörte Letztere faktisch auf zu bestehen (1293/98). [Buhlmann, 05.2008]

Kaus, Eberhard (1992), Zu den Liudger-Viten des 9. Jahrhunderts, in: WZ 142 (1992), S.9-55 > L Liudger

Keegan, John (2010), Der Amerikanische Bürgerkrieg (= rororo 62831), Reinbek b.H. 2012 > A Amerikanischer Bürgerkrieg

Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, 264 S., € 15,50. Mit dem Martyrium des angelsächsischen Missionars und Bischofs Winfrid-Bonifatius in Friesland (5. Juni 754) begann die Verehrung des Märtyrers als Heiliger. Der Leichnam des Bonifatius gelangte - trotz einiger Unstimmigkeiten - über Utrecht und Mainz - dem Wunsch des Heiligen gemäß - ins Kloster Fulda, wo er im Westteil der Klosterkirche bestattet wurde (Grab mit goldverziertem Altar). Im Jahr 819 erfolgte im Rahmen der neu errichteten Kirche mit Doppelchor die Erhebung der heiligen Gebeine (Grab im Westchor mit Altar und Ciborium); Todestag und Tag der Translation gehörten zur sich entwickelnden Bonifatiusverehrung und -liturgie in Fulda, Bonifatius wurde im Selbstverständnis des Klosters zu einem Heiligen, der in Fulda höchstes Ansehen genoss und zum Patron des Klosters wurde (congregatio sancti Bonifatii). Verehrt wurde Bonifatius auch in Mainz und Utrecht, weiter in Dokkum, wo der Heilige ermordet wurde, und im angelsächsischen England, schließlich im Umfeld der Missionare Alkuin und Liudger. Zur Verehrung des Heiligen gehörte nicht zuletzt die Abfassung der (ersten) Vita Bonifatii durch Willibald, wohl einen Priester der Mainzer Kirche, im Auftrag des Mainzer Bischofs Lul (754-786); die Vita ist eine Schrift der Belehrung und Erbauung und legitimiert Lul als Nachfolger des Bonifatius auf dem Mainzer Bischofssitz. Wohl in die 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts zu setzen ist die auf den Bischofssitz Utrecht und das Martyrium des Heiligen bezogene Vita altera Bonifatii, vielleicht von Bischof Friedrich von Utrecht (820-835) verfasst. Aus dem 10. oder 11. Jahrhundert (917/1075) stammt eine wahrscheinlich ebenfalls in Utrecht entstandene Vita tertia Bonifatii. Eine Vita quarta Bonifatii eines anonymen Mainzer Geistlichen (1011/66) nimmt die Vita Bonifatii Willibalds auf, die sie verkürzt und ergänzt. Wirtschaftliche und politische Krisen in der Reichsabtei Fulda im 11. und 12. Jahrhundert führten u.a. zur Abfassung der Vita Bonifatii des Otloh von St. Emmeram (1062/66), der den Bischof und Misionar Bonifatius gegen Ansprüche von Mainzer Erzbischof und König antreten lässt. Wohl ab dem endenden 8. Jahrhundert bis zum hohen Mittelalter breiteten sich Bonifatiusverehrung und -fest (Martyrologien) in Mitteleuropa weiter aus (Disentis, Einsiedeln, Ellwengen, Essen, Hersfeld, Hildesheim, Lorsch, Münster, Muri, Paderborn, Pfäfers, Prüm, Reichenau [Vita Bonifatii, Kalendarien, Gebetsverbrüderung], Rheinau, St. Emmeram [Regensburg], St. Gallen [Kalendarien, Liber confraternitatum], Trier, [Essen-] Werden, Würzburg). Bonifatiusreliquien fanden durch Vergabungen weite Verbreitung (Aschaffenburg, Bamberg, Benediktbeuern, [Münster-] Dreisen, Echternach, Erfurt, Fleury, Freckenhorst, Halberstadt, Hersfeld, Hildesheim, Hirsau, Holzkirchen, Höchst a.M., Kerspleben, Lorch, Lüneburg, Margaretenhaun, Metz, Osnabrück, Petershausen, Prüm, Regensburg, St. Amand, Schaffhausen, Springiersbach, Tegernsee, Trier, Weissenau, Zell [bei Kirchheimbollanden], Zwiefalten). Bonifatiuspatrozinien finden sich aus der Zeit bis um 1200 in Fulda, Mainz, Dokkum und Utrecht, bei den zu Fulda gehörenden Kirchen Salmünster, St. Andreas (Fulda), Schapdetten, Solnhofen, Wingershausen, Zell (bei Gethürms), weiter in Boßlehe, Weißenohe und wohl bei einer Reihe thüringischer Kirchen, deren Bonifatiusatrozinien erst ab dem Spätmittelalter bekannt sind. Vom 9. bis 12. Jahrhundert spielte die Figur des Bonifatius im politisch-kirchlichen Bereich eine wichtige Rolle (Hinkmar von Reims und Trierer Primatsansprüche, Primatsanspruch der Mainzer Erzbischöfe), in Liturgie und Gebet (Hrabanus Maurus, Hildegard von Bingen), in Hagiografie und Geschichtsschreibung (Vita Pirmini, Vita Chrodegangi, Vita Lulli, Adam von Bremen, Otto von Freising, Berichte von Klostergründungen [Altomünster, Benediktbeuern, Wessobrunn]), schließlich auch als apostolus Germaniae ("Apostel Deutschlands"). > B Bonifatius, F Fulda [Buhlmann, 05.2012]

Kehr, Paul (1937), Aus den letzten Tagen Karls III., in: DA 1 (1937), S.138-146. Das letzte Lebens- und Regierungsjahr Kaiser Karls III. (876-888) wurde überschattet von der Krankheit des Herrschers (Epilepsie?, Kopfoperation) und ist vor dem Hintergrund auch der politischen Streitigkeiten um die Ersetzung Bischofs Liutward von Vercelli (879/80-899) durch den Mainzer Erzbischof Liutbert (863-889) als wichtigsten Berater des Kaisers (Mai/Juni 887) zu sehen. Dem Zeugnis der Urkunden nach hielt Karl im Mai 887 einen Hoftag in Waiblingen ab, begab sich über (Efringen-) Kirchen (Mai/Juni) und St. Gallen ins vorarlbergische Lustenau (Juli/September). Von dort brach der Kaiser nochmals auf, um über Waiblingen Frankfurt zu erreichen. In Frankfurt verschworen sich die Großen des Ostfrankens gegen den Herrscher, der sich nach Tribur zurückzog (11. November), um dort auch von seinen Anhängern verlassen zu werden. Nun ist eine auf König Karl den Großen (768-814) gefälschte Urkunde des Klosters Reichenau vom angeblich 17. November 780 in Wirklichkeit eine überschriebenes Diplom Kaiser Karls III. vom 17. November 887 (die Datierung dieses Diploms blieb einzig teilweise erhalten). Damit ist dieses weitgehend wegrasierte Diplom die letzte erhaltene Urkunde aus der Regierungszeit des Kaisers; es soll vermutlich in Frankfurt ausgestellt worden sein [dagegen: > S Schwarzmaier, Neudingen]. Die Absetzung Karls III. als ostfränkischer Herrscher, die Erhebung Arnulfs von Kärnten zum König (887-899) und der Tod des Kaisers am 13. Januar 888 in Neudingen beendeten dann endgültig die Zeit des karolingischen Gesamtreichs; Ostfranken, Westfranken, Italien und Burgund gingen von nun an politisch eigene Wege. [Buhlmann, 11.2013]

Keitel, Christian (2000), Herrschaft über Land und Leute. Leibherrschaft und Territorialisierung in Württemberg 1246-1593 (= SSWLK 28), Leinfelden-Echterdingen 2000, X, 288 S., DM 62,-. Leibherrschaft und Ortsherrschaft waren im späten Mittelalter eine wichtige Grundlage der württembergischen Landesherrschaft, personale und territoriale Vogtei durch die Erhebung der Mannsteuer bzw. territorialer (Stadt-, Gemeinde-) Steuer gekennzeichnet, wobei die Mannsteuer z.B. dann zum Tragen kam, wenn Eigenleute des Grafen von einem württembergischen Amt ins andere zogen. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Mobilität der Leibeigenen, der Bauern auf dem Land und auch der Bürger in den Städten, durch Wegzugs- und Heiratsbeschränkungen (gegen horizontale Mobilität und ungenosssame Ehe) weitgehend unterbunden. Die leibeigenen Untertanen hatten Huldigung zu leisten, sie führten Rekognitionsabgaben wie Leibhennen ab und unterlagen dem Hauptrecht (Besthaupt, Bestkleid). Schwierig wurde es, wenn sich Rechte von zwei Landesherren überschnitten, etwa im Fall württembergischer Ausleute (Leibeigene außerhalb des Territoriums) auf Gütern des Spitals der Reichsstadt Esslingen in den Dörfern Vaihingen und Möhringen um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Hier wurden die Ausleute mit einer nichtjährlichen Mannsteuer von Württemberg und mit einer Steuer vom Spital belegt. Leibeigenentausch oder die Verdrängung der einen Landesherrschaft durch die andere führten in solchen Konfliktfällen zu einer Klärung. [Buhlmann, 08.2006]

Keller, Hagen (1964), Ottobeuren und Einsiedeln im 11. Jahrhundert, in: ZGO 112 (1964), S.373-411 > O > Ottobeuren

Keller, Hagen (1966), Zum Sturz Karls III., in: DA 22 (1966), S.333-384. Das letzte Lebens- und Regierungsjahr Kaiser Karls III. (876-888) wurde überschattet von der Krankheit des Herrschers (Epilepsie?, Kopfoperation) und ist vor dem Hintergrund auch der politischen Streitigkeiten um die Kaisernachfolge (Bernhard als illegitimer Sohn Karls; Arnulf als illegitimer Sohn König Karlmanns [876-880]; Adoption Ludwigs, des Sohns König Bosos von Vienne [879-887], durch Karl III. [887]) und um die Ersetzung Bischofs Liutward von Vercelli (879/80-899) durch den Mainzer Erzbischof Liutbert (863-889) als wichtigsten Berater des Kaisers (Mai/Juni 887) zu sehen. Dem Zeugnis der Urkunden nach hielt Karl im Mai 887 einen Hoftag in Waiblingen ab, begab sich über (Efringen-) Kirchen (Mai/Juni) und St. Gallen ins vorarlbergische Lustenau (Juli/September). Von dort brach der Kaiser nochmals auf, um über Waiblingen Frankfurt zu erreichen. In Frankfurt verschworen sich die Großen des Ostfrankens gegen den Herrscher, der sich nach Tribur zurückzog (11. November), um dort auch von seinen Anhängern verlassen zu werden - so jedenfalls die "Fuldaer" Annalen oder die Chronik des Historiografen Regino von Prüm. Auslösende Momente für den Sturz Karls III. waren sicher die an den Tag gelegte, auch durch die schwere Erkrankung bedingte politische Unfähigkeit des Herrschers in einer krisenhaften Zeit im Frankenreich sowie - damit zusammenhängend - die vom Kärntner Herzog Arnulf und Liutward von Vercelli beförderte Opposition ostfränkischer Großer. Letztere erhoben Arnulf in Frankfurt zum König (887-899; Aufenthalt Arnulfs in Frankfurt bezeugt zum 27. November 887), politisch(-militärisch?)e Gegenmaßnahmen Karls fruchteten angesichts der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens nichts, während der Mainzer Erzbischof Luitbert Arnulf als König anerkannte. Vielleicht fand im für Ostfranken bedeutenden Forchheim (Reichsteilung von 872, Königswahlen von 889, 911, 1077) um den oder nach dem 11./12. Dezember 887 eine formelle "Königswahl" Arnulfs statt, vielleicht in Regensburg zu Weihnachten auch eine Königskrönung, die dann Auftakt der Königskrönungen nichtkarolingischer Herrscher in den anderen fränkischen Teilreichen gewesen wäre. [Buhlmann, 01.1992, 11.2013]

Kellner, Beate (2004), Ursprung und Kontinuität. Studien zum genealogischen Wissen im Mittelalter, München 2004, 557 S., Schwarzweißabbildungen, € 27,90. Genealogie bezieht sich als historische Hilfswissenschaft auf die Erforschung von Individuen, Familien und (Verwandtschafts-) Gruppen innerhalb geschichtlicher Gesellschaften und Kulturen, hier der mittelalterlich-christlichen Kultur des "abendländischen" Europa. Individuen definierten sich hier (und anderswo) u.a. über ihren Namen (Namenvariation, Nachbenennung und Leitnamen, Einnamigkeit und Beinamen), (Kern-) Familien gruppierten sich um Mann und Frau als Fortpflanzungsgemeinschaft, wobei sich die zwei biologischen Geschlechter durch die (zunehmend christlich überformte) Ehe oder das Konkubinat miteinander verbanden. "Sippen" heißen kognatisch-"horizontal" organisierte Personenverbände meist des frühen Mittelalters auf der Grundlage von Blutsverwandtschaft (der zur Verwandtschaftsgruppe gehörenden Frauen und Männer). Ab dem hohen Mittelalter dominierten agnatische Familienstrukturen, die als Geschlechter "vertikal" auf die Abfolge von durch männliche Familienangehörige (Vater-Sohn) vermittelten Generationen abhoben, ohne dass kognatisch orientierte Denkweisen damit verschwanden. Genealogisches Denken hatte auch im Mittelalter seine Bedeutung. So gab es - im Umfeld von agnatischen Familienstrukturen oder Königs- und Fürstendynastien - Stammbäume und Stammtafeln. Mittelalterliche Genealogien verorten Individuen in familiäre und verwandt-schaftliche Zusammenhänge, in personale Beziehungen. Individuen - erkennbar an ihren Namen - werden einbezogen in eine Abfolge von Generationen, erhalten eine Abstammung und Herkunft. "Verwandtschaftsbäume" ("von Blutsverwandtschaft und Schwägerschaft", arbores consanguinitatis et affinitatis) definierten und widerspiegelten Verwandtschaft als eine abgegrenzte gesellschaftliche Gruppe. Verwandtschaft hatte in der europäischen Kultur des Mittelalters biologische (Abkunft von einem "Spitzenahn" o.ä.) und rechtliche Bedeutung (Erbengemeinschaft). Neben der biologischen Verwandtschaft gab es auch die der geistlichen Patenschaft, die heilige Familie der Bibel war ein Modell für Adelsfamilien (Wurzel Jesse-Stammbäume). Verwandtschaft war auch das Vorbild für die Organisation nichtverwandtschaftlicher Gruppen z.B. in Kirche und Kloster. Jenseits von Stammtafeln und Verwandtschaftstabellen schlug sich mittelalterliche Genealogie nicht zuletzt in historiografischen Texten nieder. Sehr bekannt ist die hochmittelalterliche Überlieferung zur Fürsten- und Herzogsfamilie der Welfen in ihrem süddeutschen bzw. sächsischen Umfeld. Eine Genealogia Welforum ("Genealogie der Welfen") aus der Zeit um 1120 bietet eine Generationenabfolge von dem ersten Welfen Eticho bis zum in Südwestdeutschland beheimateten Herzog Welf VI. (†1191), (verwandtschaftliche) Beziehungen der Welfen zu Königen und Kaisern werden herausgestellt. Die von einem unbekannten Autor 1167/74 wohl am Hof Herzog Welfs VI. verfasste Historia Welforum ("Welfengeschichte") schildert rund dreieinhalb Jahrhunderte "ausführliche Familiengeschichte" (welfische Dynastiegeschichte), anfangend im 9. Jahrhundert und anknüpfend an die römische Geschichte bzw. an die fränkisch-trojanische Herkunftssage; eine Stammtafel von Welf I. bis zu Welf VII. bzw. den Welfenherzog Heinrich den Löwen von Bayern und Sachsen (1142/56-1180), ein "Bilderbuch" der welfischen Genealogie ergänzt das in Worten Geschilderte. Schließlich sei noch auf ein (nicht nur) im Mittelalter vorhandenes genealo-gisches Prinzip verwiesen, das genealogische Schlussweisen auch auf andere Phänomene übertrug. Hier ist insbesondere auf die Tradierung und Strukturierung von Wissen und Wissenschaft abzuheben. Zu erkennen ist in der Genealogie ein im Mittelalter weit verbreitetes Strukturprinzip, das sich nicht nur in den Stammbäumen von Familien oder Dynastien äußert, sondern verallgemeinert im topologischen Schematismus einer "Baumsprache". Nachzuvollziehen sind genealogisches Denken und Schließen, ist eine "Grammatik des Genealogischen" (mit Regelwerk und Bauprinzipien) nicht zuletzt anhand literarischer und historiografischer Texte, die insbesondere die kulturell-politische Konstruiertheit von Genealogien (Herkunft aus Troja, welfische Genealogien, Melusinentexte) aufzeigen (Familien- und Verwandtschaftsmodelle, Selbstreflexion und memoria, literarischer Diskurs). [Buhlmann, 06.2016]

Kellner, Thomas (1997), Die Göttergestalten in Claudians De raptu Proserpinae. Polarität und Koinzidenz als anthropozentrische Dialektik mythologisch formulierter Weltvergewisserung (= BzA 106), Stuttgart-Leipzig 1997, 341 S., € 9,95 > Lateinische Literatur > C Claudian

Kels, Manfred (1977), Alte Straßen, Plätze, Häuser und Kirchen (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.1), [Düsseldorf-Kaiserswerth] 21977 > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Kelten: Die (vorrömische) Eisenzeit lässt sich in eine frühe (ca.800-ca.475 v.Chr.) und eine späte Eisenzeit (ca.475-25/15 v.Chr.) gliedern; diesen beiden Zeitabschnitten können die Hallstatt- und Latènekultur zugeordnet werden. Schriftliche Quellen aus dem Bereich der Mittelmeerzivilisationen Griechenlands und Roms bezeichnen die eisenzeitliche Bevölkerung Süddeutschlands als Kelten (griech. Keltoi, lat. Galli), ohne dass mit dieser Bezeichnung aus der griechisch-römischen Ethnografie bestimmte "Völker" oder "Stämme" (Ethnien) verbunden werden können. Vielmehr sollten die (frühen) Kelten als die Bewohner eines weiträumigen Kulturraums angesehen werden, der seit der späten Bronzezeit zunächst Rheinland-Pfalz, Südhessen, Baden-Württemberg und Bayern überzog und in dem - wahrscheinlich über die damaligen Oberschichten - eine relativ gleichförmige, "keltische" Kultur herrschte, vielleicht auch eine Gruppe zusammenhängender Sprachen vorhanden war. Es sind Handelsbeziehungen - von Etrurien, Norditalien und Südfrankreich aus -, die am Beginn solcherart definierter keltischer Geschichte stehen. So werden in der frühen Eisenzeit Handelswege vom Mittelmeer über oder westlich der Alpen nach Südwestdeutschland erkennbar entlang von Oberrhein und Neckar, entlang der (oberen) Donau, die - einer Mitteilung des griechischen Geschichtsschreibers Herodot (*ca.485-†ca.425 v.Chr.) zufolge - im Land der Kelten ihren Anfang nahm . Bernstein-, Zinn- und in zunehmenden Maße Eisenhandel verhalfen im südwestdeutschen Raum der Ranggesellschaft des Westhallstattkreises zum Durchbruch. Das 6. und 5. Jahrhundert v.Chr. war die Zeit von Produktions- und Handelszentren (Heuneburg, Hohenasperg), es war die Zeit der "Fürstensitze" und "Fürstengräber". Die zunehmende Spezialisierung und Professionalisierung in Handwerk und (Fern-) Handel führte dabei zu einer Differenzierung der Gesellschaft um den Preis ihrer sozialen Stabilität. Denn die nur lokal verankerten Rang- und Häuptlingsgesellschaften zeigten sich den zunehmenden Anforderungen nicht gewachsen, ihr politisches System war und blieb rudimentär. So begleiteten das 5. Jahrhundert v.Chr. Krisen wie etwa am Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit oder an der Wende vom 5. zum 4. Jahrhundert v.Chr. Um 400 v.Chr. und nochmals um 300 v.Chr. wanderten Teile der keltischen Bevölkerung - zuallererst die Eliten - aus. Somit finden sich Kelten, zumeist in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, in Nord- und Mittelitalien, Griechenland und Kleinasien, weiter in Gallien und Spanien (Keltiberer) (um 500 v.Chr.). Die Bevölkerungsbewegungen waren aber nur ein Teil der politisch-sozialen Veränderungen, die die frühkeltische (ca.800-ca.250 v.Chr.) von der spätkeltischen Zeit (ca.250-25/15 v.Chr.) trennten. Mit dem Wandel bei den Bestattungssitten hing u.a. das Verschwinden der Grabhügel zusammen, Brandgräber dominierten nun, die Beigabensitte erlosch. An die Stelle der alten Befestigungen traten neue Zentralorte - Siedlungen mit Handwerk und Handel sowie herrschaftliche Wohnsitze, die "Viereckschanzen" - und signalisieren damit den politischen Bruch zur frühkeltischen Zeit. Eine stärkere Hierarchisierung hin zu einer Gesellschaft mit einer sich abgrenzenden Oberschicht korrespondierte mit der zunehmend wichtiger werdenden Rolle der keltischen Krieger und des Gefolgschaftswesens bis hin zur Spaltung der keltischen Gesellschaft in eine Aristokratie und eine weitgehend rechtlose gesellschaftliche Basis zur Zeit der römischen Eroberung Galliens. Schließlich entwickelte sich im Verlauf des 2. vorchristlichen Jahrhunderts mit der Oppidaziviliation eine vor- und frühstädtische Kultur, die Geld und (die lateinische und griechische) Schrift kannte und benutzte. Das oppidum war der befestigte (oder auch unbefestigte) wirtschaftliche oder administrative Mittelpunkt einer Region mit ihren gewerblich orientierten "Dörfern" (vici) und den Einzel- und Herrenhöfen für die agrarische Produktion. Auch die keltische Oppidazivilisation sollte im 2. und 1. Jahrhundert v.Chr. von Krisen nicht verschont bleiben. Zunächst ist die Bedrohung durch von Norden vordringende Germanen zu nennen. Die Kimbern, denen sich die Teutonen, vielleicht ein Teilstamm der keltischen Helvetier, angeschlossen hatten, konnten erst nach langwierigen Kämpfen von der Römern besiegt werden (113-101 v.Chr.), die Sueben (und andere Stämme bzw. Gefolgschaften) unter ihrem Heerkönig Ariovist - sie waren über den Oberrhein ins keltische Gallien eingedrungen - wurden von römischen Legionen unter C. Iulius Caesar (*100-†44 v.Chr.) zurückgeschlagen (58 v.Chr.). Caesar nutzte sein Eingreifen zur Eroberung ganz Galliens (58-51 v.Chr.) und leitete damit den Übergang der gallisch-keltischen Stämme in das römische Reich ein. Parallel dazu ist archäologisch feststellbar der Zusammenbruch der spätkeltischen Zivilisation östlich des Rheins in den Jahren 80/60 v.Chr.
Über keltische Geschichte und Kultur schreiben: Demandt, Alexander (1998), Die Kelten (= BSR 2101), München 1998, 127 S., DM 14,80; Maier, Bernhard (2000), Die Kelten. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2000, 320 S., DM 58,-; Maier, Bernhard (2001), Die Religion der Kelten. Götter, Mythen, Weltbild, München 2001, 251 S., DM 68,50; Meid, Wolfgang (2007), Die Kelten (= RUB 17053), Stuttgart 2007, 210 S., € 5,-; Noelle, Hermann (1977), Die Kelten (= Bastei Tb 64001), Bergisch Gladbach 1977, 384 S., DM 8,80; Rieckhoff, Sabine, Biel, Jörg (2001), Die Kelten in Deutschland, Stuttgart 2001, 542 S., € 49,90. [Buhlmann, 11.2002, 09.2007, 06.2012]

Kemp, Wolfgang (2011), Geschichte der Fotografie. Von Daguerre bis Gursky (= BSR 2727), München 2011, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Schwarzweiß-, Farbtafeln, € 8,95. I. 1839-1913: Das moderne Medium der Fotografie hat mehrere Erfinder: die Franzosen Nicéphore Niépce (*1765-†1833), Louis Daguerre (*1787-†1851) und Hippolyte Bayard (*1807-†1887), den Engländer William Henry Fox Talbot (*1800-†1877), von dem auch die Bezeichnung "Fotografie" stammt. Vor dem Hintergrund von Industrialisierung und bürgerlicher Gesellschaft verbreitete sich die Fotografie schnell. Ziemlich von Anfang an wurde Fotografie unter dem Aspekt der "Bildtreue" und Genauigkeit einerseits und der Akzente setzenden Kunst andererseits gesehen. Fotografie als Kunst folgte dabei künstlerischen Bildmitteln wie Beleuchtung, Standpunkt, Bildausschnitt u.a. Frühe Repräsentanten der Fotokunst waren: Oscar Gustav Rejlander (*1813-†1875; The Two Ways of Life 1856), David Octavius Hill (*1802-†1870) und Robert Adamson (*1821-†1848; Hugh Miller 1843, künstlerische Unschärfe), Julia Margaret Cameron (*1815-†1879, The Mountain Nymph 1866), Peter Henry Emerson (*1856-†1936; "Naturalistische Fotografie"). Um 1900 herrschte in der Fotografie der impressionistische Piktorialismus vor, der wiederum abgelöst wurde von einer Fotografie "materieller Wahrheit", deren Wegbereiter Eugène Atget (*1856-†1927, Stillleben von Paris) war. II. 1913-1940: Paul Strand (*1890-†1976) hob "die absolute und die unbestimmte Objektivität" der Fotografie hervor, die er mit den Begriffen "Struktur, Sache, Suche, Bewegung" verband. László Moholy-Nagy (*1895-†1946) und seine Ehefrau Lucia standen für das "fotografische Sehen" (Architektur [Berliner Funkturm 1928, Bauhaus], modernes Leben), Albert Renger-Patzsch (*1897-†1967) und Edward Weston (*1886-†1958) für die "Neue Sachlichkeit"; Fotografie als Gesellschaft abbildendes Medium verfolgten August Sander (*1876-†1964; "Menschen des 20. Jahrhunderts") und Walker Evans (Allie Mae Burroughs 1936/37). Vom Dadaismus beeinflusst war die surrealistische Fotografie z.B. eines Man Ray (*1890-†1976). III. 1940-1970: Ein bedeutender Momentfotograf war André Kertész (*1894-†1985); der "entscheidende Augenblick" (z.B. in der Pressefotografie) spielte auch für Henri Cartier-Bresson (*1908-†2004) eine wichtige Rolle (The Decisive Moment 1952, Life is Good and Good for You in New York 1956, The Americans 1958), die Life-Photography verkörperten Irving Penn (*1917-†2009) und Richard Avedon (*1923-†2004). Eine andere Entwicklung nahmen die emotional-"subjektive Fotografie" eines Otto Steinert (*1915-†1978) u.a. sowie die Fotografie des Grotesken etwa einer Diane Arbus (*1923-†1971). IV. 1970-heute: In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, in der Postmoderne wurde Fotografie zunehmend in über die Fotografie hinausgehende Kunst eingebettet (serielle Fotos, Großformate, Image Recycling, Erzählen); Vertreter dieser Entwicklungen sind: Hilla und Bernd Becher (*1934 bzw. *1931-†2007; Anonyme Skulpturen 1970), Bernhard und Anna Blume (*1937; Küchenkoller 1985/86), Victor Burgin (*1941; Angelus Novus 1995), Barbara Kruger (*1945), Sherrie Levine (*1947), Les Krims (*1947; Making Chicken Soup 1972), Richard Prince (*1949; Spiritual America 1983); "Gattungsfotografie" verfolgte die Künstlergruppe um Andreas Gursky an der Düsseldorfer Kunstakademie. Postmoderne Fotografie steht dabei nichz zuletzt im Zeichen des Wandels von der analogen (auf der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen beruhenden) zur digitalen Fotografie (Fotografie nach der Fotografie 1995). [Buhlmann, 10.2013]

Kerker, M[oritz] (1863), Wilhelm der Selige, Abt von Hirschau, Tübingen 1863 > W Wilhelm von Hirsau

Kersten, Paul (1881), Arnold von Wied, Erzbischof von Köln 1151-1156, Diss. Berlin 1881 > A Arnold II. von Wied

Kessel, Johann Hubert (1877), Der selige Gerrich (Stifter der Abtei Gerresheim). Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des Christenthums im Bergischen Lande, Düsseldorf 1877 > G Gerresheim

Keßler, Eckhard (2008), Die Philosophie der Renaissance. Das 15. Jahrhundert, München 2008, 270 S., € 29,90. Die mittelalterliche Scholastik kam im 14./15. Jahrhundert vor dem Hintergrund von Nominalismus (der Universalien) und Voluntarismus (Gottes) zu ihrem Ende bei ihrer Zusammenschau von Theologie und Philosophie auf aristotelischer Grundlage. Im 15. Jahrhundert lassen sich dann die drei neuen, miteinander zusammenhängenden philosophischen Strömungen des Humanismus, Neuplatonismus und Aristotelismus gerade in Italien ausmachen. Nicht nur der Florentiner Bürgerhumanismus betonte von (Franceso Petrarca [†1374] bzw.) Leonardo Bruni (†1444) bis Niccolo Machiavelli (†1527) die Diesseitigkeit von Philosophie und menschlicher Vernunft, von Werden und Vergänglichkeit im Streben nach dem Guten, und dies auf der Grundlage einer weitgehend übernommenen aristotelischen Philosophie; die Moralphilosophie wurde zur prima philosophia. Der Florentiner Neuplatonismus von Georgios Gemistios Plethon (†1452, Antikenrezeption) über Marsilio Ficino (†1499, prisca philosophia) bis zu Giovanni Pico della Mirandola (†1494) und dessen kosmologische Deutung der Welt als Eines und Vieles waren Voraussetzungen für die neuplatonische Liebesphilosophie und deren Bezugnahme auf (humanistische) Ästhetik und Kunst. Auch der (Paduaner) Aristotelismus entwickelte sich weiter von Paolo Veneto (†1429) bis zu Agostino Nifo (†1538, Averroismus) und Pietro Pomponazzi (†1525, Naturalismus); er zielte ab auf das Wahre und verband dieses mit der Deutung der Realität, betonte dabei die Logik der (Natur-) Wissenschaften und die Seelenlehre des menschlichen Intellekts. Die humanistischen Philosophieströmungen des 15. Jahrhunderts bildeten dann mit ihrer inhaltlichen Erneuerung eine wichtige Voraussetzung für die frühneuzeitliche Philosophie. [Buhlmann, 08.2013]

Kessler, Hans-Wolfram, Kessler, Konrad (Hg.) (2013), Ritter im Heiligen Land - Kreuzfahrerstätten in Israel, Darmstadt 2013, 168 S., Farbabbildungen, Glossar, Karte, € 9,95. Die europäisch-christlichen Kreuzzüge des Hochmittelalters schufen im islamisch geprägten vorderasiatischen Mittelmeerraum die "fränkischen" Kreuzfahrerstaaten des Heiligen Landes: Königreich Jerusalem, Fürstentum Antiochien, Grafschaft Edessa, Grafschaft Tripolis. Als historische Stätten der Kreuzfahrer im Heiligen Land sind feststellbar: Akkon (1104-1291; Fliegenturm, Hafenbefestigung, Hospitaliterkomplex [Gänge, Säle, Säulensaal, Tore], Tunnel); Aqua Bella (ca.1150; fränkischer Landsitz); Arsuf (1101-1187, 1191-1265; [Kern-] Burg [Donjon, Refektorium, Ring- und Grabenmauer, Wasserbecken], Hafen, Stadtmauer, Stadttor); Askalon (1153-1187, 1192-1270; St. Maria Viridis, Stadtmauer, Zitadelle); Banyas (1129-1164; Haus auch mit fränkischer Bauphase); Belmont (12. Jahrhundert, Mitte-?; Johanniterburg); Belvoir (ca.1140-1189, 1241-1263; Kreuzfahrerburg, Johanniterburg); Bethsan (1099-1187, 1240-1260; Stadt, Kreuzfahrerburg); Cachon (v.1123-1187, 1191-1265; Templerburg); Caesarea (1101-1187, 1191-1220, 1229-1275; Befestigungen, Kathedrale, Tore); Cafarlet (?-1291; Kreuzfahrerburg, Templerburg); Calanson (1128-1187, 1191-1265; Johanniterburg); Casal Imbert (v.1123-1187, 1191-1271; Kreuzfahrerburg, Deutschordensburg); Castellum Beroardi (n.1153, 1169; Kastell); Castellum Regis (v.1160-1266/71; Kreuzfahrerburg, Kreuzfahrerherrschaft, Deutschordensburg); Castrum Dumi (1172; Templerburg); Chastel Neuf (1106-1167/87, 1240-1266; Kreuzfahrerburg); Chastellet (1177-1179; Templerburg); Château Pèlerin (1218-1291; Templerburg); Friedhöfe (Beinhäsuer, Grabstätten); Gibelin (ca.1135-1187, 1240-1244; Johanniterburg); Hospitäler; Ibelin (1141-?; Kastell, Kreuzfahrerkapelle); Iudin (1220-1268/71; Deutschordensburg); Jerusalem (1099-1187, 1229-1244; sakrale Bauwerke: Al-Aqsa-Moschee, Felsendom, Grabeskirche, Marienkirche, St. Anna-Kirche und Kreuzfahrerkapelle; Stadtmauer, Verteidigungsanlagen: Davidsturm, Gerbertor, Tankredturm, Zitadelle, Zionstor; Stadtviertel; Handel und Gewerbe: Gewölbe, Hospitaliterkomplex, fränkische überdachte Ladenstraße); Le Destroit (12. Jahrhundert, Anfang-ca.1220; Templerburg); Manuet (1169, 1220, -1270; Zuckerrohranbau, Zuckerproduktion); Mirabel (12. Jahrhundert, Anfang-1187; Kreuzfahrerburg, Kreuzfahrerherrschaft); Mons Gaudii (1157, -1187, -1244; Kirche, Kloster, Kreuzfahrerburg); Montfort (1220-1271; Deutschordensburg als Deutschordenszentrale); Nimrod (1139-1164; Kreuzfahrerburg); Recordana (ca.1150; Wassermühle); Safed (1101-1188, 1240-1266; Kreuzfahrerburg, Templerburg); Toron des Chevaliers (Latrun; v.1170-1187, 1229-1244; Templerburg); Tiberias (1099-1187, 1240-1247; [archäologischer Park], fränkische Gebäudereste, Zitadelle); [Buhlmann, 09.2016]

Keupp, Jan, Schwarz, Jörg (2013), Konstanz 1414-1418. Eine Stadt und ihr Konzil, Darmstadt 2013, 184 S., Schwarzweißabbildungen, € 14,90. I. Als Folge des Großen Papstschismas (1378-1417) und des Konzils von Pisa (1409), wodurch es drei rivalisierende Päpste an der Spitze der katholischen Kirche(n) gab, trat 1414 das Konzil von Konstanz zusammen (Generalversammlungen im Münster, Konklave im Kaufhaus [Konzilshaus]). 600 bis 700 Geistliche, darunter 300 Bischöfe, und ebenso viele weltliche Große und Gesandte berieten unter der Leitung des römisch-deutschen Königs und Kirchenvogts Sigismund (1411-1437) in Konstanz über: 1) die Einheit der Kirche (causa unionis): das Konzil beanspruchte die Entscheidung im Papstschisma (Dekret Haec sancta synodus, 6. April 1415), so dass es zum Rücktritt bzw. zur Absetzung der drei Päpste im Großen Papstschisma (1378-1417) kam und am 11. November 1417 mit Martin V. (1417-1431) ein neuer Papst gewählt wurde; 2) die Einheit im Glauben (causa fidei): das Konzil verbot und verurteilte die Lehren des Böhmen Jan Hus, der als Ketzer verbrannt wurde (6. Juli 1415); 3) die Reform der Kirche (causa reformationis) hinsichtlich Benefizienverteilung und Abgaben an die Kurie bei Forderung der periodischen Abhaltung weiterer Konzilien (Dekret Frequens, 17. Oktober 1417). Am 22. April 1418 kam die Kirchenversammlung zu ihrem Ende. II. Jenseits von Kirchenpolitik und Konzil musste aber in Konstanz das alltägliche Leben der städtischen Bewohner und der Gäste weitergehen. Konstanz empfing die Konzilsteilnehmer - neben den geistlichen Personen auch weltliche mit deren Anhang - nicht unvorbereitet. Letztlich kamen alle, die Konzilsväter und die anderen Gäste, in der Stadt, den Vorstädten und der Umgebung unter. Auch die Versorgung der Städter und der Gäste mit Nahrungsmitteln war gewährleistet, wobei Garküchen, rollende Bäckereien oder auch gewöhnungsbedürftige Speisen in Konstanz Einzug hielten oder der Handel mit osteuropäischen Rindern den Nachschub an Fleisch sicherstellte. Im Großen und Ganzen kamen Städter und Gäste, auch die Konzilsnationen gut miteinander aus, sprachliche Verständigungsprobleme oder Verbrechen (wie Mord) mit eingeschlossen. Händler, fahrendes Volk (Gaukler, Musikanten, Spielleute) und Huren bevölkerten die Stadt (öffentliche, heimliche, Kinderprostitution, Frauenhäuser), Prozessionen und Festlichkeiten belebten den Alltag. Politik wurde auch öffentlich inszeniert wie bei den Herrscheradventus oder bei der Belehnung des Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. (I.) von Hohenzollern (1397-1440) mit der Markgrafschaft Brandenburg (30. April 1415). Dies alles spielte sich ab vor der Kulisse einer ständisch gegliederten städtischen Gesellschaft ab, die alle Schichten von Arm bis Reich mit einbezog (Unterschichten, Handwerker und Zünfte, Oberschicht und Patriziat). [Buhlmann, 08.2014]

KGRQ = Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen

KHA = Kölner Historische Abhandlungen

Kienast, Dietmar, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, Darmstadt 1990 > B > Burgess, Roman Imperial Chronology

Kilian, Ulrich, Aschemeier, Rainer, Das große Buch vom Licht (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2012, 176 S., zahlreiche Farbabbildungen, ca. € 12,-. Schon seit der Vorzeit beschäftigten sich die Menschen mit dem Naturphänomen (Feuer und) Licht, die antiken (Rand-) Kulturen kannten Lichtgötter, auch das Christentum weist vielfältige Bezüge zum Licht auf. Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Licht begann in der antik-griechischen Kultur (Euklid), die islamische und christliche Kultur des Mittelalters erweiterte die Kenntnis über Optik und menschliches Auge (Alhazen, Roger Bacon; Erfindung der Brille). Christian Huygens begründete im 17. Jahrhundert die Wellentheorie des Lichts, Isaac Newton vertrat eine Teilchentheorie ("Theorie über Licht und Farben" 1662), Thomas Young wies 1801 durch sein Experiment mit dem Doppelspalt den Wellencharakter des Lichts nach. Die Entdeckungen des 19. Jahrhunderts bzgl. Elektrizität und Magnetismus mündeten ein in die Forschungen James Clerk Maxwells zum Elektromagnetismus (Maxwellsche Gleichungen 1862) und in die Erkenntnis, dass Lichtwellen elektromagnetische Wellen verschiedener Wellenlänge und Frequenz sind (Heinrich Hertz; Nachweis elektromagnetischer Wellen 1886). Die spezielle Relativitätstheorie Albert Einsteins (1905) und der misslungene Nachweis eines Lichtäthers durch das Lichtexperiment Albert Michelsons (1887) brachten die Erkenntnis der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit (c = 299792,458 km/s) und rückten das Licht in eine zentrale Position innerhalb der Raumzeit der modernen Physik. Die Arbeit Einsteins über den photoelektrischen Effekt (1905), die allgemeine Relativitätstheorie (1915) und die Forschungen von Max Planck (Schwarze Körper und Plancksches Wirkungsquantum) ließen das Licht als Welle und Teilchen (Quanten, Photonen; moderne Quantentheorie) erscheinen, das in der Kosmologie eine bedeutende Rolle spielt (Georges Lemaître, Edwin Hubble; Rotverschiebung des Lichts und expandierendes Universum 1929). Parallel zu diesen wissenschaftlich-physikalischen Erkenntnissen sind die technischen Entwicklungen des 19. bis 21. Jahrhunderts um das künstliche Licht zu nennen (elektrische Glühbirne und Nachfolger, Maser und Laser, LEDs). [Buhlmann, 04.2012]

Kimpen, Emil (1933), Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, in: MÖIG Ergänzungsbd.12, Innsbruck 1933, S.1-91 > E Ezzonen

Kindermann, Udo (Hg.) (2013), Satiren des Mittelalters. Lateinisch und deutsch (= TzF 105), Darmstadt 2013, 219 S., € 29,90 > Lateinische Literatur > S Satiren des Mittelalters

Kirchgässner, Bernhard, Baer, Wolfram (Hg.) (1988), Stadt und Bischof (= Stadt in der Geschichte, Bd.14), Sigmaringen 1988 , 190 S., 2 Karten, € 10,-. I. Das Christentum war (nicht nur) in der Antike eine städtische Religion, der Bischof residierte in der Stadt (oppidum, municipium) und übernahm im spätantiken christlichen Imperium Romanum auch über den christlichen Kult hinausgehende, aus der Persönlichkeit und der sozialen Stellung resultierende öffentliche Funktionen (Kirche als Staatskirche, Verwaltungs- und Finanzaufgaben [Fürsorge, Xenodochien, kirchliche arca], bischöfliche Bautätigkeit [Kirchen, Taufkapellen], bischöfliche Residenz [Bischofshaus]) (Wilhelm Gessel, Die spätantike Stadt und ihr Bischof). II. Die Bistümer im mittelalterlichen Europa waren je nach Urbanisierungsgrad unterschiedlich verteilt. In Italien wird in der Zeit vom frühen zum hohen Mittelalter der Bischof aus der (entstehenden) Stadt herausgedrängt, Bischofsherrschaft war nurmehr ein Zwischenzustand historischer Entwicklung. Im spätmerowingischen Frankenreich bildeten sich "Bischofsrepubliken" aus, die mit der Entstehung des karolingischen Gesamtreichs nach und nach verschwanden. Im frühmittelalterlichen Frankreich gab es Regionen mit (Südwest-, Ostfrankreich) und ohne bischöflicher Stadtherrschaft (Bretagne, Normandie, kapetingische Krondomäne); ab dem hohen Mittelalter erfuhr die bischöfliche Stadtherrschaft durch die Entstehung von Kommunen (Bürgergemeinden) mitunter massive Veränderungen und Einschränkungen. In Deutschland war bischöfliche Stadtherrschaft bei einem zunächst geringen Stand städtischer Entwicklung eingebunden in die ottonisch-salische Reichskirche; im hohen und späten Mittelalter betrieben z.B. der Kölner und der Trierer Erzbischof eine aktive Städtepolitik (Edith Ennen, Bischof und mittelalterliche Stadt. Die Entwicklung in Oberitalien, Frankreich und Deutschland). III. Konstanz: Zur Zeit Bischof Salomos III. (890-919) bestand der Ort aus dem Münsterhügel (evtl. mit Niederburg), erweitert um einen Fernhandelsakt; im 10. Jahrhundert kam u.a. das Kloster Petershausen hinzu, im 12. Jahrhundert entstanden vorstädtische Siedlungen (Fronhof Stadelhofen, Stadtmauer), die cives Constantienses sind für die Mitte des 12. Jahrhunderts bezeugt, ab ca.1215 ein Konstanzer Rat; für das 13. Jahrhundert ist eine Verselbstständigung der Bürgergemeinde festzustellen (Schiedsspruch von 1255), die Bischöfe zogen sich aus Konstanz zurück, während dort neue Klöster u.a. der Bettelorden und eine Judengemeinde entstanden. Augsburg: Unter Bischof Ulrich (923-973) wurden die Siedlungskerne um Dom und Kloster St. Afra befestigt, die Augsburger "Kirchenlandschaft" verdichtete sich im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts, Stadterweiterungen gab es weiter im 12. Jahrhundert (Pfarreien St. Afra, St. Moritz), hinzu kamen im 13. Jahrhundert Klöster u.a. der Bettelorden; die Erwähnung von Bürgern zum Jahr 1129, das sog. 1. Stadtrecht von 1156 und die Streitigkeiten der Bürger mit Bischof Hartmann von Dillingen (1250-1286) offenbaren dann ein gestiegenes Selbstbewusstsein und die gewachsene Selbstständigkeit der Bürgergemeinde, die 1234 erstmals ein eigenes Siegel führte. Das Mit- und Gegeneinander von Bischof und Stadt war insgesamt geprägt von der topografischen Entwicklung (bischöfliche Pfalz, Stadterweiterung), von der Rolle des (staufischen) Königtums (Königsaufenthalte), vom Aufbau von bischöflichen Ausweichresidenzen (Georg Kreuzer, Das Verhältnis von Stadt und Bischof in Augsburg und Konstanz im 12. und 13. Jahrhundert). IV. Das Augsburg der frühen Neuzeit war konfessionell gespalten, die protestantische Stadt besaß ein katholisches Umland und in ihren Mauern eine katholische fürstbischöflich-hochstiftische Enklave. Von daher kam es auch noch im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder zu Streitigkeiten zwischen der Stadt und den bischöflichen Behörden; die Streitpunkte umfassten dabei: das Burggrafenamt, die Stellung der Domherren, der Dombediensteten und der bischöflichen Leibgarde in der Stadt, das Ungeld, den bischöflichen Zoll, Jagd- und Forstrechte, den bischöflichen Stierhof in Augsburg, bischöfliches Obereigentum und bürgerlicher Besitz im hochstiftischen Umland (Wolfgang Wüst, Augsburger Bürgerschaft, Domkapitel und Fürstbischöfe im 17. und 18. Jahrhundert: geistlich-weltliche Allianz oder politisch-ständischer Gegensatz?). V. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 veränderte die politische Landkarte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und hatte vermöge (kirchlicher) Säkularisation und Mediatisierung auch Auswirkungen auf die Bischofsstädte (Auflösung der Hochstifte, Verlust der bischöflichen Residenzen [Bamberg, (Basel), (Konstanz), Passau, Salzburg, Würzburg]; Augsburg und Regensburg als Bischofs- und Reichsstädte; Wandel bei Frömmigkeitsformen und Bildung, Mentalitätswandel; Aschaffenburg und Regensburg als fürstbischöfliche Residenzen des Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg [1803-1814]) (Laetitia Böhm, Säkularisation und Stadtkultur. Zur Auswirkung des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 auf süddeutsche Bischofsstädte). VI. Das Spannungsfeld von Stadt und Bischof in der konfessionell bestimmten frühen Neuzeit ist bestimmt: topografisch (geistliche Stadt [Dom, Kirchen, Bischofsresidenz] <-> bürgerliche Stadt [Rathaus, Bürgerhäuser]), verfassungsgeschichtlich (Reichsstädte, freie Städte), konfessionell (katholische, protestantische Städte [Reformation], Mischformen [Augsburg, Erfurt]), territorial (Reichsstädte, freie Städte <-> Landstädte; Landesherrschaft und "Absolutismus" [Hildesheim, Osnabrück]) (Volker Press, Bischof und Stadt in der Neuzeit). [Buhlmann, 11.2012]

Kirchner, Gero (1953), Die Steuerliste von 1241. Ein Beitrag zur Entstehung des staufischen Königsterritoriums, in: ZRG GA 70 (1953), S.64-104 > Lateinische Literatur > R Reichssteuerliste

Kirmeier, Josef, Brockhoff, Evamaria (Hg.) (1993), Herzöge und Heilige. Das Geschlecht der Andechs-Meranier im europäischen Hochmittelalter (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Nr.24 = Ausstellungskatalog), Regensburg 1993, 272 S., zahlreiche Abb. und Karten, Stammtafel, € 12,-. Die Andechser bildeten neben den Welfen, Babenbergern und Wittelsbachern eines der wichtigsten hochmittelalterlichen Adelsgeschlechter in Bayern. Am Ende des 10. Jahrhunderts werden im Raum um Tegernsee und Isar die Grafen von Dießen-Andechs erkennbar, die in der Folgezeit bis zu sieben Grafschaften in Südostdeutschland innehaben sollten. In enger politischer Anbindung an die staufischen Könige Konrad III. (1138-1152) und Friedrich I. (1152-1190) gelang es ihnen, ihrem Haus reichsfürstlichen Rang zu verleihen: 1173 wurde Graf Berthold II. (III., 1151-1188) Markgraf von Istrien, 1180 Berthold III. (IV., 1188-1204) Herzog von Meranien (Dalmatien, Kroatien). Zu Beginn des 13. Jahrhunderts besaßen die Andechs-Meranier - auch als Pfalzgrafen von Burgund - europaweite Verbindungen u.a. zum französischen und ungarischen Königshaus. Die Beteiligung an der Ermordung des deutschen Königs Philipp von Schwaben (1198-1208) leitete letztendlich den Niedergang des Fürstengeschlechts ein, zumal dieses mit Graf (Pfalzgraf, Herzog) Otto II. (VIII., 1234-1248) im Mannesstamm ausstarb. Auch konnten die Andechser Bistümer durch Familienmitglieder besetzen bis hin zu Patriarch Berthold von Aquileja (1218-1251). Auch zwei Heilige - nämlich Hedwig von Schlesien (†1243) und Elisabeth von Thüringen (†1231) - gehörten zur Familie der Grafen. Das 1438/55 gegründete Benediktinerkloster Andechs verwahrte den bedeutenden Reliquienschatz der Andechser. [Buhlmann, 10.2011]

Kist, Johannes (1953), Fürst- und Erzbistum Bamberg. Leitfaden durch die Geschichte von 1007 bis 1943 (= BHVB 92), Bamberg 1953 > B Bamberg, Bistum

Klaemmt, Martin [o.J.], Diakoniewerk Kaiserswerth (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.8), [Düsseldorf-Kaiserswerth] o.J. > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Klapheck, Thomas (2008), Der heilige Ansgar und die karolingische Nordmission (= VHKNB 242), Hannover 2008, 217 S., Zeittafel, Karten, € 7,50. Die Vita Anskarii des Corveyer Mönchs (und Bremer Erzbischofs) Rimbert informiert hagiografisch und mit Schwerpunkt auf den Mönch vom Leben des heiligen Ansgar, dem "Apostel des Nordens". Geboren gegen Ende des 8. Jahrhunderts, wurde der Sachse Ansgar in jungen Jahren als puer oblatus dem Kloster Corbie übergeben, wo er eine geistliche Ausbildung erhielt. Ernsthaftigkeit, Disziplin und Bildungseifer sollen den Jungen ausgezeichnet haben (puer senex). Als Mönch wurde er Lehrer in der Corbeier Klosterschule (816), dann - ins sächsische Corvey (Nova Corbeia) entsandt - Leiter der dortigen Klosterschule (823). Der geografische Wechsel nach Corvey kennzeichnet dabei den eigentlichen Eintritt Ansgars in die karolingische Nordmission um Kaiser Ludwig den Frommen (814-840) und Erzbischof Ebo von Reims. Ansgar begleitete den Dänenkönig Harald Klak nach dessen Taufe (Ingelheimer Hoftag 826) nach Dänemark, zu 830/31 ist die erste Schwedenreise Ansgars nach Birka bezeugt. Doch blieben die Missionserfolge in Nordeuropa gering. Auch die Gründung des Missionsbistums Hamburg (Diedenhofener Hoftag 831), das (dem Bischof) Ansgar zusammen mit dem Kloster Torhout unterstellt wurde, brachte die christliche Mission nicht voran, zumal der Einfluss Hamburgs zwischen Frankenreich, Abodriten und Dänemark eingeschränkt blieb. Nach der weitgehenden Zerstörung der Hamburger Bischofsburg durch die Wikinger (845) wich Ansgar nach Bremen aus (Erzbistum Bremen-Hamburg 847/49). Es folgten Gesandtschafts- bzw. Missionsreisen Ansgars nach Dänemark (849) und Schweden (852); 858 wurde Bremen von Dänen geplündert, 864 die Vereinigung von Bremen und Hamburg auch päpstlicherseits gebilligt. Am 3. Februar 865 starb Ansgar nach einem von Mönchtum und Askese einerseits, von reichsbischöflicher Stellung und Repräsentation andererseits geprägten Leben. [Buhlmann, 07.2014]

Klawun, Ruth (1995), St. Ludgerus in Essen-Werden als Beispiel für preussische Denkmalpflegekonzepte im 19. Jahrhundert (= QuS 5), Münster 1995 > W > Werdener Kirchenlandschaft

Kleinschmidt, Harald (2011), Die Angelsachsen (= BSR 2728, München 2011, 128 S., Karten, € 8,95. Das römische England, die spätantiken Provinzen vom Hadrianswall bis zur Südküste der britischen Hauptinsel, kam im Verlauf der "Völkerwanderungszeit" zu seinem Ende, als die römische Truppen am Anfang des 5. Jahrhunderts (nach 409) von dort endgültig abzogen. In der Folge bildeten sich auf der Insel britische Königreiche aus, einzelne Kleinkönige werden sich bei ihrer Herrschaft auf angeworbene germanische Söldner vom europäischen Festland gestützt haben, wobei es übrigens schon seit dem 3. Jahrhundert immer wieder zu germanischen Übergriffen auf das römische England gekommen war. Die Präsenz hauptsächlich von Angeln, Sachsen und Iutae (Jüten?) in Britannien verstärkte sich ab der Mitte des 5. Jahrhunderts, die Briten wurden durch die "angelsächsische Landnahme" bis um 580 aus dem Süden und Osten der Insel abgedrängt, wobei der germanische Siedlungsprozess auch immer wieder retardierende Momente hatte und es Phasen friedlichen Kontakts zwischen Briten und eingewanderten Angelsachsen gab. Angelsächsische Königreiche bildeten sich in der Folge der Landnahme aus, etwa spätestens im 6. Jahrhundert die Königreiche von Surrey, Middlesex und Lindsay, spätestens im frühen 7. Jahrhundert die der Iutae in Kent, die der Sachsen in Sussex, Essex und Wessex sowie der Angeln in Ostanglien, Mittelanglien, Mercia und Northumbrien. Das 7. Jahrhundert stand im Zeichen einer romorientierten christlichen Missionierung bei den Angelsachsen (Missionar Augustinus, Erzbistum Canterbury), wobei zwischenzeitliche Rückschläge nicht ausblieben. Von Kent aus verbreitete sich das Christentum, in den 650er-Jahren gelang die Missionierung des Königreichs Mercia, gegen Ende des 7. Jahrhunderts waren alle angelsächsischen Königreiche christlich geworden. Das 8. Jahrhundert stand unter der Vorherrschaft Mercias unter dessen Königen Aethelbald (716-757) und Offa (757-796). Mit dem Beginn der "Wikingerzeit" (ab 793) beherrschten und besiedelten Wikinger ab der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts den Nordosten Englands (Danelaw), Northumbrien und Mercia spielten seit den 860er-Jahren politisch keine Rolle mehr, während die Könige von Wessex - unter ihnen Alfred der Große (871-899), Edward (899-924) und Edgar (959-974) - zunächst den Süden und die Mitte Englands, dann auch das Wikingergebiet beherrschten und somit ein einheitliches angelsächsisches Königreich (England) schufen. Grundlagen des Aufstiegs von Wessex bildeten dabei die im 8. Jahrhundert vielfach einsetzenden gesellschaftlichen Wandlungen auf dem Gebiet von Herrschaft ("staatliche Verdichtung", Königserbfolge, Königtum und christliche Kirche), Wirtschaft (Kaufleute, Handelsplätze) und Religion. [Buhlmann, 11.2011]

Klepper, Dieter (2006), Wetterwendisch. Glaube und Aberglaube um Donner, Blitz und Feuer, Villingen 2006, 114 S., € 22,-. I. Das Buch hat – wie der Untertitel aufweist – den „Glauben und Aberglauben um Donner, Blitz und Feuer“ in Mittelalter und (früher) Neuzeit zum Inhalt. Ausgangspunkt der mentalitätsgeschichtlichen Studie sind die Abbildungen auf Eisengussplatten der frühen Neuzeit, die im Sinne des „Wetterwendisch“ Martin Luthers interpretiert werden. Der Autor geht danach ein auf die Rolle der christlichen Heiligen beim Schutz vor Unwetter und Feuer, auf Wetter- und Hagelkreuze, Wetter- und Feuersegen, Gebete und Formeln, Feuerglocken und Löscheimer, Belemniten und Bäume. Dies alles wird relativ zusammenhanglos nebeneinander gestellt, neuere mentalitätsgeschichtliche Forschungen der Geschichte und Volkskunde fließen meines Erachtens nicht ein. Immerhin nimmt der Autor seine Beispiele aus St. Georgen und Umgebung (Buchenberg, Villingen, Fürstenberg, Oberrhein) und verfolgt in etwa eine chronologische Linie, indem er seine Untersuchung mit der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise von Wetter und Feuer im 19. und 20. Jahrhundert enden lässt. Eine Zusammenfassung von Ergebnissen fehlt indes. - II. Der Text ist wenig strukturiert, eine Einteilung in Kapitel und Abschnitte fehlt oder ist für mich nicht durchschaubar, gerade auch wegen des „Inhaltsverzeichnisses“ am Schluss des Buches. Formale Fehler häufen sich zudem. So gibt es Endnoten und gleichzeitig Anmerkungen im Text. Die Endnoten sind mitunter zu umfangreich; hier wäre eine Einbeziehung der dort beheimateten Texte in den Haupttext besser gewesen (wie etwa bei der Erklärung von „Wetterwendisch“, aus der man gut eine Einleitung zum Thema hätte machen können). Zudem ist der Endnotenteil zweigeteilt in Endnoten für den Haupttext und die für die zwei Anhänge, was unübersichtlich und nicht notwendig ist. Literatur wird auf unterschiedliche Weise zitiert; so fehlt einmal der Verlagsort, ein anderes Mal ist er vorhanden; Seitenzahlen fehlen ebenfalls mitunter. - III. Der Haupttext wird teilweise sehr verwirrend dargeboten. Schuld daran sind die manchmal unglücklich platzierten Abbildungen mit ihren zumeist überlangen Erläuterungen. Abbildungstexte und Haupttext werden in derselben Schriftgröße dargeboten, was die Verwirrung ebenso steigert wie die durch *, ** oder gar *** eingeleiteten Anmerkungen in den Abbildungstexten oder die Abbildungsnachweise. Was nun den Haupttext anbetrifft, so sind zuallererst die Quellenzitate schlecht erkennbar, „Überschriften“, Wörter im Fettdruck und fettgedruckte Wörter/Passagen in größerer Schrifttype – Letztere für mich unerfindlich – strukturieren den Text nur schlecht. Hier hätte – wie gesagt – eine Kapiteleinteilung des Textes geholfen. Dagegen ist das nachstehend Aufgeführte fast vernachlässigbar und dennoch störend: Unterschiedliche Überschrift „Anmerkungen/Literaturverzeichnis“ bei den Endnoten für den Hauptteil und den Anhang, unterschiedliche Verwendung von „Jahrhundert“ und „Jh.“, unterschiedliche Datierungsweisen, einige Fehler in der Zeichensetzung, ungenauer Gebrauch des Trennungsstrichs, ungenauer Abschluss des Textspiegels am unteren Rand. Der Bucheinband ist etwas zu dunkel geraten, es fehlt ein Klappentext auf dem hinteren Umschlag. - IV. Insgesamt bringt das Buch inhaltlich wenig Neues außer einer mehr oder weniger gelungenen, sehr beispielhaften Zusammenfassung von Aberglauben in Mittelalter und Neuzeit in St. Georgen und Umgebung. Die vielen formalen Mängel und die Unübersichtlichkeit beeinflussen das Lesen in negativer Weise. [Buhlmann, 03.2007]

Kley, Siegfried (1968/69), Der Besitz der Abtei Werden im Bereich der ehemaligen Herrlichkeit Hardenberg vom 9. bis zum 17. Jahrhundert, in: ZBGV 84 (1968/69), S.159-211 > W Werden

Klosterbücher: Bei den Klosterbüchern handelt es sich um eine relativ neue Entwicklung in der historischen Forschung, alle geistlichen Gemeinschaften (Klöster, Stifte, Kapitel, Beginenhäuser u.a.) einer Region und einer Zeitepoche (Mittelalter, frühe Neuzeit) überblickshaft und nach gleichem inhaltlichen Schema unter Verweis auf dei Geschichtsquellen und die Forschungsliteratur darzustellen.
Klosterbücher sind: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810 (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Bd.56), hg. v. Josef Dolle, Dennis Knochenhauer: Tl.1 (2012): Abbingwehr bis Gandersheim, Bielefeld 2012, Tl.2 (2012): Gartow bis Mariental, Bielefeld 2012, Tl.3 (2012): Marienthal bis Zeven, Bielefeld 2012, Tl.4 (2012): Literatur und Register, Bielefeld 2012, zus. LXVII, 2211 S., Karten, € 116,-; Nordrheinisches Klosterbuch. Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815, hg. v. Manfred Groten, Georg Mölich, Gisela Muschiol, Joachim Oepen, Redaktion: Wolfgang Rosen (= Studien zur Kölner Kirchengeschichte, Bd.37): Tl.1 (2009): Aachen bis Düren, Siegburg 2009, 576 S., € 39,90, Tl.2 (2013): Düsseldorf bis Kleve, Siegburg 2013, 741 S., € 39,90; Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. v. Karl Hengst (= VHKW XLIV: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, Bd.2): Tl.1 (1992): Ahlen - Mülheim, Münster 1992, 641 S., DM 68,-, Tl.2 (1994): Münster - Zwillbrock, Münster 1994, 800 S., Karten, DM 78,-. > G Germania Benedictina [Buhlmann, 07.2014]

Kluckert, Ehrenfried (2001), Reise nach Mömpelgard. Kulturgeschichtliche Streifzüge ins schwäbische Frankreich, Stuttgart 2001 > M Mömpelgard

Klug-Treppe, Jutta (2003), Einzigartige Funde aus Holz in Gräbern des merowingerzeitlichen Friedhofes von Trossingen, in: TutHbll NF 66 (2003), S.96-107. Der merowingerzeitliche alemannische Ortsfriedhof von Trossingen besteht aus ungefähr 70 Gräbern aus dem 6. Jahrhundert. Grab 58 ist das Grab eines 20-40jährigen, 1,76m großen Mannes (Skelett). Eine 3m lange und 1,2m breite Holzkammer enthielt ein Bett, auf dem der Tote lag, sowie als Beigaben verschiedene gut erhaltene Holzgegenstände wie: ein zerlegter dreibeiniger Rundtisch, ein zerlegter Stuhl, Holzteller, eine Feldflasche aus Ahornholz, ein Leuchter aus Eichenholz, eine sechssaitige verzierte Leier. Das Holz der Holzkammer wird dendrochronologisch auf das Jahr 580 n.Chr. datiert, die Holzgegenstände auf 576 n.Chr. Dem Toten wurde eine zerbrochene Lanze und eine Spatha beigelegt. Weiter wurden Textilreste festgestellt (grober Wollstoff, rotes Leinengewebe, Lederarmbändchen, Hosen- oder Schuhreste). Der Bestattete war augenscheinlich eine hochgestellte Persönlichkeit, ein alemannischer Adliger, vielleicht ein Sänger. [Buhlmann, 01.2013]

Klug-Treppe, Jutta (2009), Frühmittelalterliche Bestattungsplätze in Nendingen und Bärenthal. Archäologische und anthropologische Auswertung, in: TutHbll NF 72 (2009), S.176-183. I. Bei Nendingen sind drei frühmittelalterliche Friedhöfe/Bestattungsplätze bekannt: "Auf Lett", "Brenner/Hinter Hexern", "Am Galgen/Haselstein". Zwei unmittelbar benachbart liegende Gräber des Friedhofs "Auf Lett" enthielten die von Krankheiten gezeichneten Skelette eines 40-Jährigen und einer 30/40-Jährigen. Der 40-Jährige war wohl von Geburt an körperlich und geistig behindert, die Verstorbene vielleicht die für sein Überleben notwendige Bezugsperson. II. Der frühmittelalterliche Friedhof "Eschle" bei Bärenthal umfasst 33 Gräber mit 39 Individuen, darunter 15 Neugeborene, Säuglinge oder Kleinkinder. Bei den im frühen Kindesalter Verstorbenen lassen sich - resultierend aus einem entbehrungsreichen Leben - Krankheiten, Mangelerscheinungen und Wachstumsstörungen feststellen. Der Friedhof war vom 7. bis 10. Jahrhundert belegt. [Buhlmann, 01.2013]

Klüppel, Theodor (1980), Reichenauer Hagiographie zwischen Walahfrid und Berno, Sigmaringen 1980 > R Reichenau

Knapp, Ulrich (2003), Salem. Münster (= Schnell (& Steiner) (Kleine) Kunstführer, Nr.875), Regensburg 22003 > S Salem

Knapp, Ulrich (2008), Stätten deutscher Könige und Kaiser im Mittelalter, Darmstadt 2008, 160 S., zahlreiche Farbabbildungen, € 5,-. Herrschaftsorte fränkischer, ostfränkischer und deutscher Könige und Kaiser des frühen, hohen und späten Mittelalters waren - weitgehend einem Reisekönigtum (ambulante Herrschaftsausübung) geschuldet - Pfalzen, Königshöfe, Bischofssitze, Klöster, Grablegen, Memorialstätten und dynastische Residenzen. Sie fungierten als Aufenthaltsort und zur Versorgung von Herrscher und Hof, als Versammlungsort bei Hoftagen und Reichsversammlungen, als Gerichtsort und zur Herrschaftsrepräsentation z.B. an kirchlichen Feiertagen. Den (städtischen) Pfalzen der fränkisch-merowingischen Könige (6.-8. Jahrhundert) folgten zeitlich die karolingischen Pfalzanlagen (aula, Pfalzkapelle) gerade im Nordosten des Frankenreichs. Paderborn (Aula, Salvatorkirche), Ingelheim (Exedrahalbkreis, Aula), Aachen (Aula, oktogonale Pfalzkapelle) und Nimwegen entstanden als Pfalzen unter König Karl den Großen (768-814). Karolingerzeitlich (8.-9./10. Jahrhundert) ist auch die Nutzung von Bischofssitzen (Bistumsgründungen in Sachsen [Paderborn, Hildesheim, Osnabrück, Verden, Bremen], Reichskirche) und Reichsklöstern (Reichenau [Pfalzanlage des Königs], Hersfeld, Fulda, Lorsch, St. Gallen, Corvey [Westbau], Weißenburg, Murbach); in ostfränkischer Zeit wurde die Abtei Lorsch (Torhalle) als königliche Grablege genutzt. Für die ottonisch-sächsische Kaiserzeit (10.-11. Jahrhundert) sind dann die Pfalzen und Königshöfe Quedlinburg (Frauenstift), Aachen (Krönungsort) und Ingelheim (Beziehungen zu den Mainzer Erzbischöfen) zu nennen, weiter die neu gegründeten Bistümer Magdeburg (962), Merseburg (mit Königspfalz) und Bamberg (1007; Grablege Kaiser Heinrichs II., mit Königspfalz) sowie die Klöster und Stifte Gandersheim (Westbau), Essen (Westbau) und Memleben. In frühsalischer Zeit (11. Jahrhundert) gehörten Bamberg (Oktogonkapelle) und Nimwegen (Oktogonkapelle) zu den bevorzugten Aufenthaltsorten der Herrscher, die Goslarer Pfalz (als Nachfolgerin des Königshofs Werla; Aula, Doppelkapelle, Pfalzstift St. Simon und Juda) wurde ausgebaut; Grablegen und Memorialstiftungen der Herrscher(familie) der Salierzeit (11.-12. Jahrhundert) waren Limburg a.d. Haardt (Klosterkirche) und das als Königsgrablege so wirkungsmächtige Speyer (Neubau des Speyrer Doms). König Lothar von Supplinburg (1125-1137) besaß (nach Süpplingenburg) seine Grablege in Königslutter (Klosterkirche). Mit den staufischen Kaisern und Königen (12.-13. Jahrhundert) sind die dynastischen Grablegen in Walburg (Klosterkirche), Lorch (Klosterkirche) und Ebrach (Klosterkirche) und die Königsgrablegen Bamberg (Konrad III.) und Speyer (Philipp von Schwaben) verbunden. Wichtige Königspfalzen waren Hagenau (Heiliger Forst, Stadt, Klöster Walburg und Neuburg), Gelnhausen (Aula, Torhalle, Pfalzkapelle), Kaiserswerth (Zollstelle), Nürnberg (palatium/castrum, Burgkapelle, Palas) und Wimpfen (Roter Turm, Palas, Blauer Turm, Reichsforst, Ministerialenburgen der Umgebung [Ehrenburg, Guttenberg, Minneberg, Reichenstein, Stolzeneck]; Bistum Worms); die Burg Trifels (Bergfried, Palas, Brunnenturm) diente u.a. der Aufbewahrung der Reichskleinodien; mit ihr waren (die Stadt) Annweiler und die Zisterzienserabtei Eußerthal (Kapellendienst auf der Trifels) verbunden. Beteiligt war das staufische Königtum am Neubau des Wormser Doms (staufische Hochvogtei). Im Interregnum (1245/56-1273) gingen viele Herrschaftsorte für das deutsche Königtum verloren. Die frühen habsburgischen Könige (13./14. Jahrhundert) stützten sich bei ihrer Herrschaftsausübung auf die Klöster der neuen Orden (Ottmarsheim, Maulbronn, Colmar, Klingenthal), auf die Reichsstädte (Straßburg); König Rudolf I. (1273-1291) fand in Speyer seine Grablege. Für das späte Mittelalter (13.-15/16. Jahrhundert) ist dann eine dynastisch-territoriale Verankerung des Königtums feststellbar: König Ludwig der Bayer (1314-1347) bewahrte die Reichskleinodien in der Münchener Frauenkirche auf, König Karl IV. (1346-1378) schuf mit Prag eine moderne Residenzstadt (Veitsdom, Karlshofer Kapelle), mit der Burg Karlstein einen Ort zur Unterbringung der Reichskleinodien. Vor dem Hintergrund des spätmittelalterlichen Wahlkönigtums (Goldene Bulle 1356) ließ Karl IV. zudem in einem "königlichen Bauprogramm" das Frankfurter Bartholomäusstift (nördlicher Querhausarm, 1353) und das Aachener Marienstift (Chorneubau, ca.1350?/1411) erweitern und veranlasste mit den Bau der Nürnberger Frauenkirche (1350/52/58; Vorhalle mit Empore und Balkon, Skulpturenprogramm); auch der steinerne Königsstuhl bei Rhens (1398 erstmals bezeugt, 1795/1806 zerstört) soll auf Kaiser Karl IV. zurückgehen. [Buhlmann, 05.2013]

Knapp, Ulrich (2009), Auf den Spuren der Mönche. Bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Regensburg 2009 > S Salem

Knichel, Martina (2004), Das Memorienbuch von St. Florin in Koblenz. Edition und Erläuterung (= QAMRhKG 110), Mainz 2004, 269 S., Farb- und Schwarzweißabbildungen, € 19,90 > Lateinische Literatur > L Lahnstein, Peter

Knichel, Martina (2009), Gilles von Daun (1318-n.1353), Ritter und Räuber. Aus der Geschichte des Wanderns, in: JbwdtLG 35 (2009), S.73-86. Die Burg Daun, gelegen an der "Weinstraße" Köln-Trier und der "Ferkelstraße" Bonn-Wittlich, 1107 erstmals erwähnt, im Spätmittelalter verbunden mit dem "Kröver Reich", stand im 14. Jahrhundert (zum Teil) unter der Herrschaft des Reichsministerialen Ägidius/Gilles von Daun (1318-1358). Gille war zunächst Trierer Domherr, dann (ca.1318) verheiratet mit Kunigunde von Virneburg, mal Parteigänger des Trierer Erzbischofs Balduin (1307-1354) u.a. im "Kröver Reich" und hinsichtlich von Burg und Offenhaus Altendaun, mal politisch dem Kölner Erzbistum zugewandt. Zahlreiche Fehden bestimmten das Leben des Dauners, 1352 schloss sich Gilles dem damals geschlossenen rheinischen Landfrieden an, nachdem die Burg Daun schon 1350 von kurtrierischen und kurkölnischen Truppen eingenommen worden war. Ein Bündnis zwischen Kurtrier und Kurköln vom 23. September 1352, dessen als Konzept überlieferter Vertrag u.a. Übergriffe des Dauners auf kaufluden, pilgerimme, wandelern erwähnt, zwang Gilles von Daun zur Unterwerfung und zu Schadensersatzleistungen gegenüber den Erzbistümern Trier und Köln, der Markgrafschaft Jülich und der Grafschaft Luxemburg (1353). Erzbischof Balduin wurde mit der Burg Daun belehnt (1354); unter Erzbischof Boemund von Trier (1354-1362) konnte Kurtrier weitere Rechte im "Kröver Reich" erwerben (1355); Heinrich von Daun, Sohn des Gilles, wurde mit der Burg und Herrschaft Daun als Reichslehen sowie der Vogtei Kröv und Reil belehnt (1356). Alles in allem zeigen die Vorgänge um Gilles von Daun eine weitgehende Unabhängigkeit der Reichsministerialität zwischen Kurtrier und Kurköln, resultierend u.a. aus den vielfältigen, sich überschneidenden Lehensbindungen der Reichsministerialen von verschiedenen Lehnsherren. [Buhlmann, 05.2013]

Knörle, Rainer (2008), Kirchen, Klöster und Kapellen auf Tuttlinger Gemarkung vor dem Stadtbrand, in: TutHbll NF 71 (2008), S.79-99. Tuttlinger Besitz kam im Jahr 799 durch Schenkung des fränkisch-alemannischen Grafen Gerold an das Bodenseekloster Reichenau. Anzunehmen ist, dass die Tuttlinger Martinskirche auf eine Stiftung der Familie Gerolds zurückgeht. Die Reichenau gehörende Kirche war Mittelpunkt der Tuttlinger Pfarrei im Bistum Konstanz (Liber decimationis von 1275: Erzdiakonat ante nemus) und Schauplatz der Ermordung des Reichenauer Abtes Ludwig von Pfullendorf (1131-1135) am 28. Januar 1135. Durch Verlagerung der Siedlung Tuttlingen ab 1200 verlor die nunmehr außerhalb der Stadtmauer der entstehenden Stadt gelegene Martinskirche an Bedeutung; 1643 wurde sie weitgehend zerstört und die Ruine im 19. Jahrhundert als Steinbruch genutzt. Die Peter- und Paulskirche in der Stadt Tuttlingen, zunächst Filialkirche der Martinskirche, wurde 1006 erbaut und war die mit zwei Altären versehene spätmittelalterliche und frühneuzeitliche (Pfarr-) Kirche der ab der Reformation protestantischen Stadtbewohner (Taufbuch von 1558, Baumaßnahmen von 1584, Plünderungen und Schäden im Dreißigjährigen Krieg [1618-1648], Orgel von 1684, Erweiterung von 1699, Zerstörung beim Stadtbrand von Tuttlingen 1803). Zu nennen ist noch die spätmittelalterliche Bruderhauskapelle St. Johannes auf Aichhalden (auf die Reichenau oder die Johanniter zurückgehend?) auf der Tuttlinger Gemarkung, bestehend bis zur Reformation. Daneben gab es bis ins 16. Jahrhundert Kapellen am Siechenhaus (?), an der Ziegelhütte und an der Kirchgasse, eine 1320 erwähnte Kindsklause sowie vielleicht eine Reichenauer Bruderschaft am unteren Kelhof. [Buhlmann, 02.2013]

Koch, Hans Albrecht (2008), Die Universität. Geschichte einer europäischen Institution (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2008), Darmstadt 2008, 320 S., € 10,-. Die Universität ist als europäische Institution dem Bildungssystem und den höheren Schulen des 12. und 13. Jahrhunderts entwachsen (Pariser Professorenuniversität, Studentenuniversitäten Bologna und Padau, collegia in Oxford und Cambridge). Im späten Mittelalter entfaltete sich das Universitätswesen weiter (Universitäten im römisch-deutschen Reich), Humanismus und Reformation führten am Beginn der frühen Neuzeit zur Konfessionalisierung und Regionalisierung bei den Universitäten. Dabei wurden die Artes (liberales), Theologie, Recht und Medizin gelehrt. Akademien und Universitäten unterlagen im Zeitalter der Aufklärung etwa durch Erweiterung ihres Fächerkanons Wandlungen, doch erst die Reformen des 19. Jahrhunderts (Reformmodelle Kants, Humboldts u.a.) veränderten die deutschen Universitäten (Burschenschaften und Revolution von 1848/49, Althoffsche Reformen, Gelehrte als "Mandarine"), ebenso die technischem Hochschulen die Universitätslandschaft (Polytechnika). Das 20. Jahrhundert sah die deutschen Universitäten zwischen dem Zugriff des Staates (Nationalsozialismus) und den Studentenunruchen von 1968. [Buhlmann, 12.2011]

Koch, Karl (1935), Hildegard von Bingen und ihre Schwestern, Leipzig 1935 > H Hildegard von Bingen

Köhler, Anne-Kathrin (2003), Geschichte des Klosters Nimbschen. Von der Gründung 1243 bis zu seinem Ende 1536/1542, (= Arbeiten zur Kirchen- und Theologiegeschichte, Bd.7), Leipzig 2003, 318 S., € 35,50. Im Jahr 1243 gründete der Wettiner Markgraf Heinrich der Erlauchte (1221-1288) wohl bei Torgau das Nonnenkloster Marienthron als Seelstiftung seiner kurz zuvor verstorbenen Ehefrau Constantia von Österreich. Das Kloster erhielt eine umfangreiche Erstausstattung: Grundbesitz, die zwei Pfarreien Altbelgern und Weßnig und die Torgauer Kirche, u.a. aus wettinischen Besitz, der einmal 1119 für das Benediktinerkloster Reinhardsbrunn vorgesehen gewesen war. Neben der materiellen Absicherung gelang es dem Markgrafen, das Nonnenkloster rechtlich zu verankern. Dies geschah durch Inkorporation in den Zisterzienserorden (1244), wobei als Mutterkloster für die Nonnen das Männerkloster Pforte bestimmt wurde. Mönche von Pforte sollten in den folgenden Jahrhunderten Beichtväter der Marienthroner Nonnen werden, die Äbte das Frauenkloster visitieren und in Seelsorge und wirtschaftlichen Belangen unterstützen. Im Jahr 1250 erhielten die Nonnen von Papst Innozenz IV. (1243-1254) das privilegium commune des Zisterzienserordens, doch erlangten die Nonnen keine Exemtion vom Merseburger Diözesanbischof. Das Nonnenkloster ist zweimal umgezogen. Um 1250 siedelten die Sanktimonialen in die Stadt Grimma, der wettinischen Gründung aus der Zeit um die Wende zum 13. Jahrhundert, und wurden dort mit der Pfarrei und dem Hospital ausgestattet. Die Hospitalgebäude dienten den Nonnen wohl zum Aufenthalt und wurden zwischen 1250 und 1270 um- und ausgebaut. Noch vor 1291 bezogen die Sanktimonialen indes ein neu errichtetes Kloster bei Nimbschen und stärkten damit in diesem Gebiet auch die Stellung ihres wettinisch-markgräflichen Territorialherren. Die Zisterze Nimbschen besaß im späten Mittelalter umfangreichen Besitz an Elbe und Mulde, doch stagnierte der Aufbau der klösterlichen Grundherrschaft seit dem 14. Jahrhundert, gegen Ende des 15. Jahrhunderts werden finanzielle Schwierigkeiten erkennbar. Die Wettiner als sächsische Kurfürsten und Landesherren und die Äbte von Pforte bemühten sich um Reformen, die nur insofern gelangen, als dass die Gemeinschaft der Nonnen trotz umfangreicher Umbauarbeiten der Klostergebäude am Beginn des 16. Jahrhunderts in den 1520er-Jahren wirtschaftlich gesundet dastand. Das geistlich-religiöse Leben der Nonnen blieb aber von den Reformen wohl unberührt. Nur so ist das Eindringen von reformatorischem Gedankengut in Nimbschen erklärbar. Die Flucht von neun Nonnen aus dem Kloster im Jahr 1523, darunter von Katharina von Bora, der späteren Ehefrau Martin Luthers, gehört hierher. Von 40 Frauen waren noch neun Nonnen im Kloster übrig, als mit Margaretha (II.) (1509-1536) die letzte Marienthroner Äbtissin starb. Das Kloster als geistliches Institut wurde daraufhin aufgelöst (1536), der Wirtschaftsbetrieb noch von dem Klosterverwalter fortgeführt, bis im Jahr 1542 der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen (1525-1554) das Klostergut verpachtete. [Buhlmann, 06.2004]

Köhler, Joachim (1982/83), Abt Wilhelm von Hirsau 1069-1091. Heiliger, Reformer, Politiker, in: Der Landkreis Calw 1982/83, S.3-22 > W Wilhelm von Hirsau

Köhler, Joachim, Müller, Karl (1991), Hirsau. St. Aurelius (= Schnell & Steiner Kunstführer, Nr.705), Regensburg 131991 > H Hirsau

Köhler, Mathias (Bearb.) (1995), Die Bau- und Kunstgeschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Bebenhausen bei Tübingen (= VKGLBW B 124), Stuttgart 1995 > B Bebenhausen

Kölzer, Theo (2005), Kaiser Ludwig der Fromme (814-840) im Spiegel seiner Urkunden (= Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Geisteswissenschaften. Vorträge G 401), Paderborn-München-Wien-Zürich 2005, 34 S., Schwarzweißabbildungen, Urkundentabelle, € 18,90. Von Kaiser Ludwig den Frommen (814-840) sind überliefert insgesamt 417 Urkunden, die von dessen aquitanischer Zeit (794) bis zu dessen Tod (840) reichen. Hinzu kommen 52 Urkundenformulare (Formulae imperiales), die Urkunden Ludwigs als Vorlage haben, weiter Briefe und Kapitularien, schließlich rund 200 verloren gegangene Diplome. Knapp ein Viertel der überlieferten Urkunden sind Fälschungen, rund ein Viertel (98) Originale, der Rest der Diplome ist abschriftlich (kopial) überliefert. Von Kaiser Ludwig dem Frommen sind pro Regierungsjahr durchschnittlich knapp 16 Urkunden auf uns gekommen, rund 45 Prozent stammen aus den ersten sieben Regierungsjahren (814-820), rund 20 Prozent aus den letzten sieben (834-840). Als Ausstellungsort rangiert Aachen als sedes regni ("Sitz des Königtums") mit weitem Abstand vor Frankfurt a.M. und Ingelheim; hinzukommen Diedenhofen, Worms, die Merowingerpfalzen Compiègne und Quierzy sowie Nimwegen. Insgesamt werden die Francia und der Nieder- und Mittelrhein als Gebiete des politischen Handelns des Kaisers sichtbar. Die Urkunden vermitteln damit einen Eindruck vom politischen Auf und Ab des Frankenreichs gerade während der Alleinherrschaft Ludwigs. Die Urkunden Ludwigs und auch deren Vielzahl (etwa im Vergleich zur Zahl Urkunden Karls des Großen) lassen dann etwas von der (stark) zunehmenden Schriftlichkeit im fränkischen Gesamtreich erahnen, waren letztlich Ausfluss eines Phänomens, das von der historischen Forschung "karolingische Renaissance" genannt wird. Alle Urkunden sind auf Latein verfasst, das ein etwa gegenüber der Merowingerzeit verbessertes Latein war. Den Urkunden lagen auch häufig Formularsammlungen zugrunde, die Urkundenaufbau und -inhalt, mithin das Urkundenformular präziser darzulegen wussten. So veränderten sich die Arengen, während das merowingerzeitliche H-Monogramm in den Urkunden Ludwigs wieder Einzug hielt; schließlich verweist "Ludwig" auf (den Merowingerkönig) "Chlodwig" (I., 482-511), womit die Karolinger sich an die ältere fränkische Königsdynastie "ansippten". Empfänger der Urkunden Ludwigs des Frommen waren zum überwiegenden Teil geistliche Institutionen wie Klöster (Aniane, Corbie, Corvey, Ebersmünster, Ellwangen, Farfa, Fulda, Hersfeld, Hornbach, Kempten, Kremsmünster, Lorsch, Pfäfers, Prüm, Reichenau, St.-Bertin, St. Gallen, Schwarzach, Stablo-Malmedy, Tours) und Bistümer (Angers, Aquileia, Bordeaux, Cambrai, Chur, Eichstätt, Langres, Le Mans, Paris, Passau, Piacenza, Straßburg, Worms, Würzburg), doch stehen den (somit) rund 170 geistlichen Empfängern immerhin auch 50 weltliche entgegen. Die Empfänger kamen dabei aus allen Teilen des fränkischen Gesamtreichs; gemäß der Invocatio der Ludwig-Diplome (In nomine domini dei et salvatoris nostri Iesu Christi) waren alle in Christus und im christlichen Frankenreich vereint. Auf Diplomen befindliche tironische Noten (eine Kurzschrift), die im Rekognitionszeichen oder am Ende des Urkundenmittelteils zu finden sind, sind Vermerke zum Umfeld der Urkundenausstellung; in den Noten werden Schreiber, Petenten oder ambasciatores (vielleicht einflussreiche Personen am Königshof, vielleicht zur Übermittlung des Beurkundungsbefehls) genannt. Inhaltlich geht es für die Empfänger in den Diplomen um Gütertransaktionen (Schenkung, Wiederherstellung, Tausch, Bestätigung), um Vergünstigungen und Rechte. Insbesondere ist diesbezüglich an die (nun in einer Urkunde vollzogene) Verleihung von Immunität und Königsschutz für geistliche Kommunitäten zu erinnern; die freie Abtswahl kam den Königsklöstern, die zusammen mit den Bistümern die karolingerzeitliche Reichskirche ausmachten. Insgesamt gestalteten die Diplome Kaiser Ludwigs des Frommen herrscherliches Handeln mit, in dem sie auch eigene Rechtsverhältnisse schufen. Das Formular der Diplome entwickelte sich dabei unter den ostfränkisch-deutschen Herrschern der nachfolgenden Jahrhunderte weiter, beeinflusste aber erst seit der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert den Bereich der "Privaturkunden" von weltlicher Großen oder von Vorstehern geistlicher Institutionen. > L Ludwig der Fromme [Buhlmann, 12.2013]

König, Ingemar (2001), Kleine römische Geschichte, Stuttgart 2001, 509 S., DM 36,80, und König, Ingemar (2007), Der römische Staat. Ein Handbuch (= RUB 18668), Stuttgart 2009, 456 S., € 11,80, geben einen umfangreichen und präzisen Überblick zu römischer Geschichte und Staatsaufbau (Republik und Kaiserzeit bzw. römische Frühzeit bis Spätantike). Im Einzelnen werden im ereignisgeschichtlichen Teil angeführt: Frühzeit/Königszeit, frühe, mittlere und späte römische Republik, Prinzipat, Dominat/Spätantike. Innerhalb des römischen Staates werden dann die ihn gestaltenden gesellschaftlichen Kräfte sichtbar; dies waren in der Zeit der Republik: Senat (und nobilitas), Ritter, Bürgerschaft, Magistraturen, in der Kaiserzeit: Kaiser, Verwaltung, Provinzen, Militär, Rechtswesen. [Buhlmann, 01.2002, 07.2011]

König, Ingemar (2009), Caput mundi. Rom - Weltstadt der Antike (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2009), Darmstadt 2009 > R Rom

Koenig-Warthausen, Wilhelm Freiherr von (1967), Die Herren von Warthausen und Habsberg, in: ZWLG 27 (1968), S.117-134, 1 Karte. I. Methodik: Die Erforschung von Adelsfamilien im hochmittelalterlichen deutschen Südwesten wird erschwert durch die ungenügende Quellenlage und die aus den Geschichtsquellen vielfach nur zu vermutende Zuordnung einzelner Adliger zu Familien bei fehlender Abgrenzung der Geschlechter voneinander (Benennung nach Burg oder Ort, "Mobilität" des Adels). - II. Herren von Warthausen (nördlich Biberach): Mit Liutpold von Warthausen und seiner Güterschenkung an das ostschwäbische Augustinerchorherrenstift Rottenbuch (1110/20) treten die Herren von Warthausen als nobiles und liberi erstmals in Erscheinung, wohl verwandtschaftlich verbunden mit Graf Heinrich I. von Berg a.d. Donau (†1116/27) und den im Ostschwäbischen beheimateten Herren von Habsberg, weiter in Beziehung stehend zu den geistlichen Gemeinschaften Zwiefalten und Ochsenhausen (Adalbert von Warthausen, 1128, †ca.1138) sowie Schönau im Odenwald (Ulrich von Warthausen, 1152). Ulrich von Warthausen war 1157 Zeuge in einer Urkunde Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (1152-1190); nach 1167, nach dem 4. Italienzug des Kaisers erwarben die Staufer auch den Besitz der Herren von Warthausen. Grundbesitz der (älteren) Herren von Warthausen lag entlang der Riß bei Warthausen, Röhrwangen, Alberweiler, Altheim und Biberach. 1299 sind noch Ministeriale (als jüngere Herren) von Warthausen bezeugt, die jüngeren, niederadligen Herren von Warthausen erscheinen ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in Alberweiler, ein Sifrid von Warthausen (1228/38) kann nicht eindeutig zugeordnet werden. Die Herrschaft Warthausen gelangte vor 1234 an die Truchsessen von Waldburg (-Warthausen), 1331 an die Habsburger (Vorderösterreich), 1806 an das Königreich Württemberg. - III. Herren von Habsberg: Die Brüder Konrad (1092, 1116, 1127), Adalbert (1114?, 1116), Heinrich (1127, ca.1150) und Ulrich von Habsberg (ca.1150) treten in Zusammenhang mit den Klöstern Zwiefalten und Ochsenhausen auf, auch im Umkreis der Großen Schwabens (allgemeine Zusammenkunft von Rottenacker 1116); Konrad war verheiratet mit Sophie, der Witwe Graf Eginos von Achalm. Die nächste Generation der Habsberger wird durch Bertolf (ca.1150, 1203), Werner und Ulrich repräsentiert (Güterschenkung an das Prämonstratenserstift Ursberg ca.1150). Ein Otto von Habsberg war bei der Weihe der Holzheimer Kirche (bei Dillingen?) anwesend (1163), ein Konrad von Habsberg Zeuge in einer Urkunde betreffend den Verzicht des Bistums Konstanz auf ein dem Kloster St. Georgen im Schwarzwald geschenktes Gut (1163). Bertolf war Urkundenzeuge bei Rechtsakten der Klöster St. Blasien, Ochsenhausen und Bebenhausen (1164, 1187, 1200), er selbst schenkte 1203 dem Kloster St. Blasien die Kirche in Loppenhausen (bei Mindelheim). Für die letzte Generation der (älteren) Habsberger steht Ulrich, der Propst des Stifts Ursberg (1180-1203). - IV. Folgerungen: Die Herren von Warthausen-Habsberg könnten vielleicht von dem fränkischen Grafen Warin und Hatto von Kesselburg (†902) abstammen und/oder von den bayerischen Liutpoldingern, den schwäbischen Herzögen Ernst I. (1012-1015) und Hermann IV. (1030-1038) bzw. den oberpfälzischen Herren von Kastl-Habsberg. Zudem wird auf Grund von Besitzverzahnung (Warthausen, Ehingen) und gemeinsamen Leitnamen (Ulrich, Heinrich, Konrad, Otto) eine gleiche Herkunft der Herren von Warthausen-Habsberg und der Grafen von Berg-Wartstein angenommen. [Buhlmann, 01.2012]

Königsfeld, Stadt, Kurort am östlichen Rand des mittleren Schwarzwalds: Kontakte der pietistisch-evangelischen Herrnhuter Brüdergemeine zur Geistlichkeit im protestantischen Herzogtum Württemberg im 18. Jahrhundert (Nikolaus Ludwig Graf von Zinsendorf [*1700-†1760]) führten schließlich zur Errichtung eines Gemeinortes im zukünftigen Königsfeld (württembergischer Plan der Herrhuter Diasporaarbeiter, Rundbriefe der Brüdergemeine, Verhandlungen mit der württembergischen Staatsverwaltung, Herrnhuter Gruppen in Schwenningen, Mönchweiler, Weiler, Peterzell und St. Georgen, Erwerb des Gutes "Hörnlishof" 1804/05, Fundationsurkunde des württembergischen Königs 1806, Ortsgründung 1806/07). Es entstand eine spätbarocke Stadtanlage in Schachbrettform (Planentwurf von Johann Gottfried Schulz 1807), die von Mitgliedern der Brüdergemeine besiedelt wurde (Kolonie), als unabhängige Gemeinde besondere Vorrechte besaß und gemäß Anordnung des württembergischen Königs "Königsfeld" genannt wurde (1809). 1810 kam Königsfeld durch Gebietstausch an das Großherzogtum Baden, Königsfeld wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einer prosperierenden Kolonie der Herrnhuter (Mädchen-, Jungenschule, Zinsendorfplatz als Ortszentrum, Handel, Gewerbe). 1901 entstand die politische Landgemeinde Königsfeld, die die Herrnhuter Kolonie ablöste. Zwischen 1922 und 1957 besaß der Mediziner, Theologe und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer (*1875-†1965) ein Haus in Königsfeld. Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stellt sich Königsfeld als Kurort (Kliniken, Kindersanatorium, Freibad) und Bildungszentrum (Zinzendorfschule). 1973/74 wurden die umliegenden Orte Weiler, Burgberg und Erdmannsweiler Königsfeld eingemeindet, 1975 kam es zum Zusammenschluss zwischen den Gemeinden Königsfeld, Buchenberg und Neuhausen.
Königsfelder Geschichte beschreibt: Rockenschuh, Wolfgang (1999), Königsfeld. Beiträge zur Geschichte, Königsfeld 1999, 272 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, Pläne, (€ 20,-). [Buhlmann, 03.2016]

Kötzschke, Rudolf (1904), Die Anfänge der Stadt Werden, in: WB 10 (1904), S.1-69 > W Werden

Kötzschke, Rudolf (1904), Das Gericht Werden im späteren Mittelalter und die Ausübung der Landesgewalt im Stiftsgebiet, in: WB 10 (1904), S.70-126 > W Werden

Kötzschke, Rudolf (1904), Die älteste Landkarte des Stifts aus Abt Heinrich Dudens Zeit, in: WB 10 (1904), S.127-136 > W Werden

Kohler, Hubert (Hg.) (1983), Bad Schussenried. Geschichte einer oberschwäbischen Klosterstadt. Fschr zur 800-Jahrfeier der Gründung des Prämonstratenserstifts, Sigmaringen 1983, 268, [48] S., DM 40,-. Die Brüder Beringer und Konrad, Ministerialen Herzog Welfs VI. (†1191), gründeten 1183 das Prämonstratenserstift Schussenried in Oberschwaben. Sie selbst traten in die Gemeinschaft ein, nach ihrem Tod musste sich ab 1191 der Schussenrieder Konvent gegenüber Ansprüchen ihrer Verwandten behaupten. Dies gelang erst 1205, als eine Kompromisslösung die Rückkehr der Prämonstratenser nach Schussenried ermöglichte. Schon früh baute die Kommunität Beziehungen zu Reich und staufischem Königtum auf (Schutzurkunden von 1183 und 1227), 1440 wurde aus der bisherigen Propstei eine Abtei, die Privilegien Kaiser Friedrichs III. (1440-1493) und Maximilians I. (1493-1519) von 1487 und 1512 machten aus Schussenried endgültig ein schwäbisches Reichsprälatenkloster, das in seinem aus fünf bzw. sieben Dörfern bestehenden Territorium auch über die Hochgerichtsbarkeit verfügt. Nach den Zäsuren von Bauernkrieg, Reformation und Dreißigjährigem Krieg (Niederbrennung Schussenrieds 1647) begann unter Abt Didacus Ströbele (1719-1733) die Phase der Barockisierung des Klosters. Zwischen 1728 und 1733 wurde die barocke Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Steinhausen erbaut, es folgte der barocke Konventsbau mit dem prunkvollen Bibliothekssaal von 1754/61. Hingegen wurde die mittelalterliche Stiftskirche St. Magnus, ursprünglich die Pfarrkirche Schussenrieds, nicht neu erbaut, sondern nur barock umgestaltet. 1802/05 wurde die Abtei aufgehoben, Kloster und Territorium gelangten zunächst an die Reichsgrafen von Sternberg-Manderscheid, bevor Schussenried 1806 württembergisch wurde. Der sich im Schatten des Klosters entwickelnde Ort Schussenried machte die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts mit und ist heute ein Kurort. [Buhlmann, 10.2006]

Kolb, Anne, Fugmann, Joachim (2008), Tod in Rom. Grabinschriften als Spiegel römischen Lebens (= Kulturgeschichte der Antiken Welt, Bd.106), Mainz 2008, 232 S., Schwarzweißabbildungen u.a. von 58 Grabinschriften, € 12,95 > Lateinische Literatur > R Römische Grabinschriften

Koller, Heinrich (2005), Kaiser Friedrich III. (= GMR), Darmstadt 2005, 311 S., € 27,90. Nach dem Tod König Albrechts II. (1438-1439) wählten die Kurfürsten am 2. Februar 1440 in Frankfurt den habsburgischen Herzog Friedrich V. (1435-1493) zum König; die Krönung wurde erst am 17. Juni 1442 in Aachen vollzogen. Friedrich wurde am 21. September 1415 in Innsbruck als Sohn des Erzherzogs Ernst von Österreich und der Cimburgis geboren. Nach dem Tod seines Vaters (1424) übte sein Onkel Friedrich IV. (1386/1402-1439) für ihn die Regentschaft aus; er übernahm 1435 aber die Herrschaft in Steyr, Kärnten und Krain. Todesfälle bei Habsburgern, u.a. der Tod Albrechts II. (1439), ermöglichten es Friedrich, faktisch in allen habsburgischen Stammländern zu herrschen. Doch sollte es zwischen dem König, seinem Bruder Albrecht VI. (†1463) und dem habsburgischen Adel in der Folgezeit öfter zu Differenzen kommen (1443/46, 1462; Baumkircher Fehde 1469-1471), denen Friedrich mit einer umfassenden europäischen Politik, aber auch mit Passivität begegnete. Im Reich bemühte sich der König um weitere Reformen und wandte sich gegen das Baseler Konzil (1439). Mit Papst Nikolaus V. (1447-1455) schloss er das Wiener Konkordat (1448), das Friedrich letztlich den Weg zur (übrigens letzten) römischen Kaiserkrönung durch den Papst ebnete (19. März 1452). In Rom heiratete Friedrich auch Eleonore von Portugal (16. März 1452). Friedrichs Eingreifen in Böhmen und Ungarn und das Vordringen der Osmanen schwächten die habsburgische Position im Osten des Reiches; erinnert sei an die Niederlage gegen den ungarischen König Matthias Corvinus (1458-1490), der Teile der habsburgischen Stammlande besetzen konnte (1477-1490). Dagegen errang Friedrich gegen den burgundischen Herzog Karl den Kühnen (1467-1477) bei der Belagerung von Neuß (1474) einen Sieg und mit Karl einen Ausgleich (1475), der in der Heirat Marias, der Erbtochter des 1477 gefallenen Karls des Kühnen, mit Maximilian, dem Sohn Friedrichs, gipfelte. Die Habsburger gewannen so gegen den französischen König einen Großteil der ehemals burgundischen Gebiete. Außerdem gelang es, Maximilian 1486 zum römisch-deutschen König wählen und krönen zu lassen. Bei Friedrichs Tod am 19. August 1493 in Linz waren jedenfalls die Weichen für die Übernahme der böhmischen und ungarischen Krone durch die Habsburger gestellt. Begraben liegt Friedrich III. im Wiener Stephansdom. [Buhlmann, 06.2006]

Kollmar-Paulenz, Karénina (2011), Die Mongolen (= BSR 2730), München 2011, 128 S., 3 Karten, Zeittafel, € 8,95. Mongolische Völker bzw. Stämme sind als Nomaden erstmals zurzeit der chinesischen Tang-Dynastie (618-906) bezeugt. Unter (Temüjin-) Dschingis Khan (1206-1227) kam es zur Einigung der Mongolen und zur Entstehung eines mongolischen Großreichs (1209 Unterwerfung der türkischen Uiguren, 1215 Eroberung Pekings, 1219/23 Eroberung Transoxaniens, 1223 Schlacht an der Kalka), das unter den Nachfolgern Dschingis Khans, den Großkhanen Ögedei (1227-1241), Güyügs (1246-1248), Möngke (1251-1259) und Qubilai (1264-1294), weiter ausgedehnt wurde (1234 Eroberung des Jin-Reiches in Nordchina, 1235 Hauptstadt Karakorum, ab 1240 Einbeziehung Tibets, 1241 Schlacht bei Liegnitz, 1252/76 Eroberung des Song-Reiches in Südchina, 1253 Mongolen im Iran, 1258 Eroberung Bagdads, 1260 Eroberung von Aleppo und Damaskus, 1274/78 Feldzüge gegen Japan, 1292 Angriff auf Java). Mit dem Großreich in Beziehung steht das "lange mongolische Jahrhundert" (13./14. Jahrhundert; administrative Strukturen des Vielvölkerstaats [quiriltai, Gesetzgebung, Armee, Steuern], Religionen, Kultur [Kleiderordnungen] und Wissenschaft, Handel und Verkehr, Pax Mongolica, europäische Gesandtschaften). Ab den 1260er-Jahren zerfiel das Großreich, es bildeten sich die Nachfolgereiche aus: die Goldenen Horde in Osteuropa (ab 1240er-Jahre; 1313/41 Herrschaft Özbegs und Islamisierung der Goldenen Horde, 1382 Zerstörung Moskaus, ab 1438 Teilung in Kazan-Khanat, Große Horde, Khanat von Astrachan und Krim-Khanat, 1552/54 Khanate von Astrachan und Kazan russisch, 1783 Krim-Khanat russisch), der ulus Caghatai mit Transoxanien (vor 1242; 13./14. Jh. Islamisierung, ab 1338 [türkische] Nachfolgekhanate, u.a. Mogulistan, 1370/1405 Timur Lenk und Timuridenreich [1399 Eroberung Delhis, 1400 Eroberung von Damaskus und Aleppo]; 16. Jh., Anfang Mogulreich), das Il-Khanat im Iran (1256-1335; ca.1300 Islamisierung, ab 1335 Zerfall und Timuridenreich) sowie die mongolische Yuan-Dynastie in China (1260-1368; 1264/94 Qubilai, ab 1323 Zerfall, 1368 Vertreibung der Mongolen bei mongolischen Ansprüchen auf China). Nach dem Ende des Yuan-Reiches dominierten in den Steppengebieten nördlich von China im 15. Jahrhundert politisch zunächst die mongolischen Oiraten (bis 1455 Kriege Esen Khans gegen die chinesische Ming-Dynastie), bis sich die Nachfahren Dschingis Khans unter Dayan Khan durchsetzten (1483/88) und die Mongolen unter der Herrschaft von Großkhanen geeint waren (Neuordnung der Mongolen in sechs Tümen und der Oiraten in vier Oyirad, 16. Jh. Durchsetzung des Buddhismus, kulturelle Blütezeit, 17. Jh. Mongolen und Tibet); mit Ligdan Khan ging das Großkhanat auch in Kämpfen gegen die Jürchen (Mandschu) unter (1634). Ab dem 17. Jahrhundert fanden sich die Mongolen zwischen Russland und China wieder, die Mongolen der "inneren" Mongolei gehörten zum chinesischen Qing-Reich der Mandschu (1644-1911), u.a. im Gefolge der Kriege von Khalkha-Mongolen und Chinesen gegen die Dzungaren (1718/39, 1754/59) führte auch zur Eingliederung der "äußeren" (Khalkha-) Mongolei in das Qing-Reich (Einrichtung des Bannersystems). Auch die Torgud-Mongolen (an unterer Wolga und Kaspischem Meer) wichen unter russischen Druck nach China aus (1771/77). Die Mongolei wurde im 19. Jahrhundert vielfach von Chinesen besiedelt, die Mongolen zunehmend unterdrückt (Widerstand und mongolische Reformbewegungen). Das Ende der Qing-Dynastie (1911), die chinesische Republik und die kommunistische Revolution in Russland (1917) führten zur Abtrennung der "äußeren" Mongolei von China, die unter (russisch-) sowjetischem Einfluss (mongolische Revolution von 1921) zur Mongolischen Volksrepublik wurde (1924; kommunistische [Allein-] Herrschaft und Wirtschaft, 1937/39 "Große Säuberung", ab 1948 Fünf-Jahres-Pläne, 20. Jh., 2. Hälfte starkes Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Hauptstadt Ulanbator). Im Zuge der Demokratisierung der Mongolei (ab 1989/90) folgte auf die Volksrepublik die heute bestehende Mongolische Demokratische Union (politische Parteien, Wirtschaftskrisen). Die zu China gehörende "innere" Mongolei stand in den 1920er-Jahren zwischen mongolischen Kommunisten und Nationalisten, Mongolen schlossen sich in den Jahren ab 1932 den japanischen Besatzern der Mandschurei an (Autonomie, Reformen, Kultur; 1940er-Jahre chinesischer Bürgerkrieg). Das Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) bedeutete durch das militärische Eingreifen von Mongolischer Volksrepublik und Sowjetunion auch das Ende der japanischen Besatzung (1945); ab 1949 sollten die chinesischen Kommunisten die "innere" Mongolei (als Innermongolische Autonome Region) kontrollieren (Säuberungen und Verfolgungen auch im Rahmen der Kulturrevolution von 1966/76, chinesische Einwanderung, Umsiedlungen, ab 1990 demokratische Tendenzen unter den Mongolen). [Buhlmann, 10.2011]

Komlosy, Andrea (2011), Globalgeschichte. Methoden und Theorien (= UTB 3564), Wien-Köln-Weimar 2011 > W Weltgeschichte

Konrad I., ostfränkischer König: Geboren wurde Konrad als Sohn des Grafen Konrad des Älteren und der Glismoda um 880/85. Als Mitglied der zwischen Franken und Niederrhein politisch mächtigen und reichbegüterten Adelsfamilie der Konradiner sehen wir Konrad schon in der Regierungszeit seines Vorgängers in wichtigen politischen Funktionen, etwa als Laienabt des Klosters Kaiserswerth am Niederrhein (904) oder in einer herzogsgleichen Stellung im östlichen Franken (ab 906). Die Konradiner waren auch an der Regentschaft für Ludwig das Kind beteiligt, und so ist es kein Wunder, dass nach dem Tod des letzten ostfränkischen Karolingers bei der Königserhebung in Forchheim die Wahl der Franken, Sachsen, Alemannen und Bayern auf Konrad fiel (911). Lothringen hingegen ging einen anderen Weg und wandte sich dem Karolinger Karl dem Einfältigen (898-923) zu; es sollte erst 925 wieder an das Ostreich fallen, den Versuchen Konrads zum Trotz, das Gebiet westlich des Rheins zurückzugewinnen (912/13). Regionales Machtstreben verdichtete sich indes auch in anderen Gebieten des ostfränkischen Reiches. Die aufkommenden Mittelgewalten, die sog. jüngeren Stammesherzogtümer, waren es, die dem König zu schaffen machten. Konflikte mit den Liudolfingern Otto und Heinrich von Sachsen (912/13, 914/15) und dem Liutpoldinger Arnulf von Bayern (913/14, 916, 918) brachten Konrad nichts weiter ein; vielmehr konsolidierten sich die Mittelgewalten oder bildeten sich erst aus, wie in Schwaben nach dem Ungarnsieg der gräflichen Brüder Erchangar und Berthold (913) und nach erfolgreich überstandener Auseinandersetzung mit Konrad I. (914/15), der die Grafen erst 917 in seine Hand bekam und hinrichten ließ. Da half es auch wenig, dass Konrad seit 913 mit Kunigunde, der Mutter Arnulfs von Bayern und der Schwester Erchangars und Bertholds, verheiratet war. Auf Seiten des Königs standen hingegen die Bischöfe, wie die Synode von Hohenaltheim (20. September 916) bewies. Doch hatte Konrad schon längst nicht mehr die notwendige Durchsetzungskraft - weder gegen die Ungarn, die 917 nach Süddeutschland einfielen, noch gegen die ostfränkischen Herzogtümer. Am 23. Dezember 918 starb Konrad I.; er liegt im Kloster Fulda begraben. Alles in allem gilt: Nicht mehr zu den Karolingern gehörig, aber Franke, war König Konrad I. noch weitgehend der spätkarolingischen Politik in Ostfranken verhaftet.
An Quellen und Literatur sind zu nennen: Die Urkunden Konrads I., Heinrichs I. und Ottos I., hg. v. Theodor Sickel (1879/84) (= MGH. Diplomata. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd.1), 1879-1884, Nachdruck München 1980, XX, 740 S., DM 108,-; Buhlmann, Michael (2011), Der Kaiserswerther Laienabt und ostfränkische König Konrad I. (= BGKw MA 12), Düsseldorf-Kaiserswerth 2011, 28 S., € 4,-; Goetz, Hans-Werner (Hg.) (2006), Konrad I. Auf dem Weg zum "Deutschen Reich"?, Bochum 2006, 478 S., € 49,90 (u.a. mit den Beiträgen: Gerd Althoff, König Konrad I. in der ottonischen Memoria; Matthias Becher, Von den Karolingern zu den Ottonen. Die Königserhebungen von 911 und 919 als Marksteine des Dynastiewechsels im Ostfrankenreich; Franz-Rainer Erkens, Konrad I. als christus domini; Hans-Werner Goetz, Einführung: Konrad I. - ein König in seiner Zeit und die Bedeutung von Geschichtsbildern; H. Hartmann, König Konrad I. und die Kirche; Ingrid Heidrich, Das Adelsgeschlecht der Konradiner vor und während der Regierungszeit Konrads I.; T. Heller, Das Grab König Konrads I.; Jörg Jarnut, König Konrad I. und die Entstehung des mittelalterlichen deutschen Reiches; Brigitte Kasten, Der Kampf um die wirtschaftlichen Ressourcen zur Zeit König Konrads I.; Karl Heinrich Krüger, Konrad I. im sächsisch-fränkischen Grenzraum; Johannes Laudage, Konrad I. in der früh- und hochmittelalterlichen Geschichtsschreibung; Verena Postel, Nobiscum partiri: Konrad I. und seine politischen Berater; J. Römer, Der vergessene König: Das Nachleben Konrads I. im Spätmittelalter; Rudolf Schieffer, König Konrad I. in der modernen Geschichtswissenschaft; Wilhelm Störmer, Die konradinisch-babenbergische Fehde um 900. Ursachen, Anlass, Folgen; Thomas Vogtherr, Das Nachleben Konrads I. in dokumentarischen Quellen; Thomas Zotz, König Konrad I. und die Genese des Herzogtums Schwaben ). > K Konradiner [Buhlmann, 03.2011]

Konrad II., deutscher König und Kaiser: Geboren wurde Konrad der Ältere, der erste salische Herrscher im deutschen Reich, um das Jahr 990 als Sohn Ottos von Kärnten und der Lothringerin Adelheid. 1016 heiratete er gegen den Willen König Heinrichs II. (1002-1024) Gisela, die verwitwete Herzogin von Schwaben. Nach seiner Wahl zum König empfing Konrad II. im Herrscherumritt die Huldigung der deutschen und lothringischen Großen (1024/25). Sein 1. Italienzug (1026/27) - vorbereitet durch die Designation seines Sohnes Heinrichs (III.) zum Nachfolger - machte Konrad bei Niederkämpfung der oberitalienischen Opposition (Kapitulation Pavias 1027) zum König von Italien (1026) und zum Kaiser (26. März 1027). Nach Deutschland zurückgekehrt, vergab er Bayern an seinen Sohn Heinrich (1027), der im Laufe von Konrads Regierungszeit auch noch Herzog von Schwaben (1038) und Kärnten (1039) wurde; die süddeutschen Herzogtümer waren damit fest in königlicher Hand. Heinrich (III.) wurde zudem am 14. April 1028 in Aachen zum Mitkönig gewählt und gekrönt. Außenpolitisch standen um 1030 Kämpfe gegen Polen und Konflikte mit Ungarn im Vordergrund; der Thronfolger Heinrich brachte Böhmen und Mähren in stärkere Lehnsabhängigkeit vom deutschen Reich (1035). Mit dem Tod Rudolfs III. von Burgund (993-1032) war schließlich 1032/33 der sog. burgundische Erbfall eingetreten. Schon Heinrich II. hatte mit Rudolf einen Vertrag abgeschlossen, der im Falle des Todes des burgundischen Herrschers ihm die Nachfolge in Burgund sicherte (1006, 1016, 1018). Konrad II. erzwang dann von Rudolf die Anerkennung dieser Ansprüche (1027) und konnte sich nach Abwehr einer französischen Intervention in den Besitz des burgundischen Reiches setzen (1033). Damit bestand das Reich der deutschen Könige nun aus der "Trias" Deutschland, Italien und Burgund. In Oberitalien war es unterdessen zu Unruhen gekommen (Valvassorenaufstand 1035), die der Kaiser auf seinem 2. Italienzug (1036-1038) durch die Absetzung des Mailänder Erzbischofs Aribert und durch den Erlass des sog. Valvassorengesetzes (Erblichkeit der kleinen Lehen) weitgehend beilegen konnte (1037). Ein Feldzug nach Unteritalien musste wegen einer Seuche im Heer abgebrochen werden. Am 4. Juni 1039 ist Konrad II. in Utrecht gestorben; er wurde im Dom zu Speyer, der seit ca. 1030 im Bau befindlichen Grablege der salischen Könige, bestattet.
Zu nennen sind die Biografie zu Konrad II.: Erkens, Franz-Reiner (1998), Konrad II. (um 990-1039). Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers, Darmstadt 1998, 245 S., DM 39,80, sowie die Urkunden des Kaisers: Die Urkunden Konrads II., hg. v. Harry Bresslau (1909) (= MGH. Diplomata. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd.4), 1909, Nachdruck München 1980, XXVI, 554 S., DM 90,-, weiter: Bresslau, Harry (1879-1884), Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II.: Bd.I: 1024-1031, 1879, Nachdruck Berlin 1967, XII, 491 S., Bd.II: 1032-1039, 1884, Nachdruck Berlin 1967, XI, 603 S., zus. DM 90,-. [Buhlmann, 05.2011]

Konrad von Konstanz, Bischof von Konstanz: I. Eine prominente Persönlichkeit war in Reichskirche und Politik im ostfränkisch-deutschen Reich der ottonischen Kaiser und Könige (919-1024) war zweifelsohne der Konstanzer Bischof Konrad I. (934-975). Der Welfe Konrad wird um das Jahr 900 geboren worden sein, er erhielt am Konstanzer Domkapitel seine geistliche Ausbildung, trat in die Kanonikergemeinschaft ein und wurde 934 von seinen Mitkanonikern und unter Einflussnahme des Augsburger Bischofs Ulrich (923-973) zum Bischof gewählt. Als Bischof und somit als Teil der ottonischen Reichskirche stand Konrad zumindest sporadisch in Beziehungen zum Königtum Ottos I. des Großen (936-973). So war Konrad an der Romfahrt und Kaiserkrönung des Herrschers im Winter 961/62 beteiligt, auch die von ihm Konstanz erbaute Mauritiusrotunde verweist auf den Reichsheiligen des 10. Jahrhunderts. Weitere. Mehr persönlichere Reisen führten Konrad wiederum nach Rom sowie nach Jerusalem und dienten u.a. der Einbringung von Reliquien. Rom- und Jerusalemidee bestimmten dann das Bauprogramm, das der Bischof in seiner Stadt durchführte, deren Gründung er zu Recht für die römische Zeit annahm. So entstanden in Konstanz zur Zeit Bischof Konrads die schon erwähnte Mauritiusrotunde unmittelbar beim Chor der Domkirche als dritte Kanonikergemeinschaft neben Münster und Stephanskirche, eine Johannes dem Täufer gewidmete Kirche ebenfalls beim Münster, eine Pauluskirche vor der Stadt, während die auch vor der Stadt gelegene Laurentiuskirche erneuert und eine Peterskirche auf der anderen Seite des Rheins in Petershausen errichtet wurde. Das Kirchenbauprogramm schuf damit eine Kirchenlandschaft in und um Konstanz, die besonders der mittelalterlichen Romidee verpflichtet war. Doch weisen, wie eben angedeutet, die Heiligen Mauritius und Laurentius - Letzterer war der Tagesheilige der berühmten Ungarnschlacht auf dem Lechfeld (10. August 955) - auch hin auf das ostfränkisch-deutsche Reich. Der Kaiser revanchierte sich in einer Urkunde vom 21. Februar 962, wenige Tage nach seiner Krönung zum Kaiser, mit einer Stiftung an Bischof und Bischofskirche zum Seelenheil des Herrschers und auch des Bischofs. Das damit verbundene gemeinsame Gebetsgedenken offenbarte die doch engen Bindungen zwischen Bischof und Kaiser, die mit dem Aufenthalt Ottos in der Bischofsstadt Konrads im August 972 und zum Pelagiusfest am 28. dieses Monats ihren Höhepunkt fanden. Konrad verstarb dann am 26. November 975. II. In Konstanz ist die Verehrung zur Zeit Bischof Gebhards III. (1084-1110) belegt, die Verwendung von Konradsreliquien im schweizerischen Kloster Muri wird sogar kurz nach dem Tod des Heiligen eingesetzt haben. Nach der Elevation wurde Konstanz zum Zentrum und Ausgangsort des Konradskultes, jährlich kehrte des Konradsfest wieder und wurde im Verlauf des Mittelalters zu einem der Hochfeste im Ort am Bodensee, neben den Herrenfesten und den Festtagen der beiden anderen Konstanzer Patrone Maria und Pelagius. In der Münsterkirche des Bischofs gab es Konradspfründen und -altäre, ein 1299 gestiftetes Spital hatte mindestens seit 1469 Konrad als Patron, eine von Konrad selbst eingerichtete Spitalstiftung wurde unter Gebhard III. nach Münsterlingen südöstlich von Konstanz verlegt. Selbst die Konstanzer Bürger führten seit 1324 jeweils am Montag nach Fronleichnam eine eigene Konradsprozession durch. Angestoßen durch die Elevation im Rahmen des Konstanzer magnus conventus von 1123 fand der Kult um den Konstanzer Bischof im 12. Jahrhundert wohl seine stärkste Verbreitung. Von Konstanz aus hat sich der Konradskult dann hauptsächlich über Schwaben, d.i. im Bistum Konstanz ausgebreitet. Erkennbar wird dies an den Konradstagen in Kalendarien von geistlichen Institutionen, etwa im spätmittelalterlichen St. Georgener Kalendarium, und in den Kalendern von Laien, an der Verbreitung von Konradsreliquien, etwa auch im Augsburger Bischofsdom oder in Klöstern wie Weingarten, Einsiedeln, St. Gallen, Petershausen oder Salem, an den an vielen Kirchen hängenden Konradspatrozinien. Insgesamt war der Konradskult, der neben Konstanz in Weingarten und Einsiedeln Mittelpunkte der Verehrung fand, besonders im Gebiet des Konstanzer Hochstifts vertreten, des Weiteren im Bodenseeraum allgemein, dann bei benediktinischen Klöstern auch des Schwarzwalds. Auch außerhalb des Bistums Konstanz, in den Diözesen Straßburg, Basel, Chur und Augsburg, finden wir den Konradskult, wenn auch in abgeschwächter Form. Im Bistum Konstanz wurde Konrad hauptsächlich als Patron der Diözese verehrt, andere Kultformen treten kaum in Erscheinung. Wie jeder Heiligenkult hatte auch die Konradsverehrung im Laufe der Jahrhunderte ihre Höhen und Tiefen. Angestoßen durch die Elevation von 1123 fand der Kult um den Konstanzer Bischof im 12. Jahrhundert wohl seine stärkste Verbreitung. Die meisten Zeugnisse zum Konradskult stammen indes aus dem 15. und beginnenden 16. Jahrhundert. Die Reformation, zumal in Konstanz, führte dann mitunter zu massiven Einbußen, mit der Überwindung der Reformation in Konstanz und der Gegenreformation setzte der Kult um den Heiligen auch außerhalb der Bodenseestadt wieder ein und hatte im 17. und 18. Jahrhundert in den katholischen Territorien Südwestdeutschlands wieder einen Höhepunkt erreicht.
Zu verweisen ist auf: Der heilige Konrad - Bischof von Konstanz. Studien aus Anlaß der tausendsten Wiederkehr seines Todesjahres, hg. v. Helmut Maurer, Wolfgang Müller, Hugo Ott (1975) (= FDA 95), Freiburg i.Br. 1975, 371 S., Karte, DM 35,-, mit den Beiträgen: Helmut Maurer, Bischof Konrad von Konstanz in seiner ottonischen Umwelt; Renate Neumüllers-Klauser, Zur Kanonisation Bischof Konrads von Konstanz; Walter Berschin, Odalscalcs Vita S. Konradi im hagiographischen Hausbuch der Abtei St. Ulrich und Afra; Walter Berschin, Historia S. Konradi; Wolfgang Müller, Studien zur Geschichte der Verehrung des heiligen Konrad, u.a. [Buhlmann, 04.2005, 06.2014]

Konradiner, (ost-) fränkische Adelsfamilie: I. Ob sich die Konradiner auf einen Grafen Udo von Orleans (†834) zurückführen lassen und damit zur karolingischen Reichsaristokratie im fränkischen Gesamtreich Kaiser Karls des Großen (768-814) und Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) gehörten, sei dahingestellt. Sicheren genealogischen Boden betritt mann mit Graf Gebhard (†n.879?) im hessischen Lahngau. Er war der Urgroßvater König Konrads I. (911-918) und damit der "erste" Konradiner. Das Ostfrankenreich der Sachsen, Franken, Alemannen (Schwaben) und Bayern, um die "Hauptstämme" dieses karolingischen Herrschaftsbereichs zu nennen, bildete also weitgehend den politischen Hintergrund für den Aufstieg des Adelsgeschlechts der Konradiner im Raum östlich des Rheins, aber auch in Lothringen (regnum Lotharii), einem Teil des ehemaligen fränkischen Mittelreichs, dessen Zugehörigkeit bis ins 10. Jahrhundert hinein zwischen West- und Ostfrankenreich schwankte. Die Söhne des genannten konradinischen Grafen Gebhard waren Udo (†n.879?), der Großvater König Konrads, Berthold (†n.879?), Berengar (†n.879?), der Graf des Hessengaus, sowie Waldo, der im Trierer Kloster St. Maximin die Abtswürde bekleidete (839?, 868/79). Die Konradiner waren besitzmäßig und als Grafen amtsrechtlich verankert in Hessen und im daran anschließenden lothringischen Raum. Für die Generation vor König Konrad (den Jüngeren) stehen dessen Vater Konrad der Ältere (†906) und dessen Onkel Eberhard (†902), Gebhard (†910) und Rudolf. Rudolf I. war Bischof des fränkischen Bistums Würzburg (892-908). Politisch einflussreich waren die vier Brüder zu Beginn des 10. Jahrhunderts, also in der Regierungszeit des Karolingerkönigs Ludwigs des Kindes (900-911), in Hessen, Franken (Mainfranken, Francia orientalis), Schwaben, Lothringen, Thüringen und teilweise in Sachsen. Konrad der Ältere und Gebhard engagierten sich in Lothringen, wie ihre Interventionen in Königsurkunden für die Bischofskirchen in Trier, Lüttich und Toul sowie die geistlichen Gemeinschaften in Echternach und Chèvremont zeigen; Gebhard wird in einer Königsurkunde von 903 sogar als dux ("Herzog") bezeichnet, ansonsten ihm und Konrad der Titel comes ("Graf") beigelegt. So war Gebhard Graf der Wetterau, sein Bruder Eberhard Graf im (Nieder-) Lahngau, Konrad der Ältere fungierte als "Chef" der Konradinerclans. Die Diplome Ludwigs des Kindes belegen schließlich noch die Königsnähe der konradinischen Adelsfamilie, die an den Schaltstellen der (allerdings beschränkten) königlichen Macht saß. Im südlichen Hessen wurde der konradinische Einfluss zusätzlich noch durch die Stiftung geistlicher Kommunitäten gesichert. So soll St. Peter in Kettenbach von Graf Gebhard im Jahr 845 gegründet und später (879) ins Westerwälder Gemünden verlegt worden sein. 897 entstand das Wetzlarer Marienstift, 910 die dem heiligen Georg geweihte Klerikergemeinschaft in Limburg a.d. Lahn. Auch soll König Konrad um 912 die Kommunität von St. Walpurgis in Weilburg a.d. Lahn gestiftet haben, wo neben anderen Familienangehörigen Konrad der Ältere seine letzte Ruhestätte fand. Die Einsetzung des Konradiners Rudolf als Bischof von Würzburg (892) beförderte - neben anderem - jene herausragenden Ereignisse, die das ostfränkische Reich in Hessen und Mainfranken um die Jahrhundertwende erschütterten und die als konradinisch-babenbergische (bzw. Babenberger-) Fehde (897-906) bekannt sind. Die Konradiner standen damals dem mächtigen Adelsclan der (älteren) Babenberger (oder Popponen) gegenüber. Der babenbergische princeps militiae Heinrich (†886) war ein ostfränkischer Heerführer, der u.a. bei Duisburg erfolgreich gegen die Normannen kämpfte (883/84), Heinrichs Bruder Poppo II. Markgraf der Sorbenmark (880-892). Unter König Arnulf von Kärnten (887/88-899) sanken die Babenberger in der herrscherlichen Gunst, 897 kam es zu einem Vorfall, bei dem die Söhne Heinrichs, Adalhard, Heinrich und Adalbert, den königlichen Beauftragten Trageboto in Prosselsheim (bei Würzburg) umbrachten. Adalbert und Heinrich stellten sich damit gegen den König, der verstärkt auf die Konradiner gesetzt hatte und weiter setzen sollte. Königsferne zeichnete die Babenberger auch in der Regierungszeit Ludwigs des Kindes aus, in der die Fehde mit den Konradinern voll entbrannte. Dabei war zunächst das Würzburger Bistum Schauplatz der Kampfhandlungen, in deren Verlauf Eberhard und Konrad der Ältere ihren Bruder, Bischof Rudolf, unterstützten. Nach einer Schlacht bei der Burg Babenberg (Bamberg, 902) gerieten die Konradiner ins Hintertreffen (903), der König griff auf der Seite der Letzteren ein; schließlich eroberte der Babenberger Adalbert die Wetterau und wandte sich gegen Fritzlar (906). Die Konradiner waren unterlegen, Eberhard war im Jahr 902, Konrad der Ältere im Jahr 906 in den Kämpfen umgekommen. Das Blatt wendete sich, als ein königliches Heer die Burg Theres (bei Schweinfurt) belagerte, in der sich Adalbert verschanzt hatte. Adalbert ergab sich und wurde nach einem gegen ihn geführten Prozess hingerichtet (906). Die Konradiner konnten nun ihre Machtstellung im Ostfrankenreich bedeutend erweitern und auch Einfluss auf Schwaben und Bayern gewinnen. Konrad der Jüngere rückte in Mainfranken in eine herzogsgleiche Stellung ein; 910 wird er als egregius dux ("vorzüglicher Herzog") bezeichnet. Dennoch blieben Rückschläge nicht aus wie die Niederlage und der Tod des Würzburger Bischofs Rudolf im Kampf gegen die Ungarn (908). Und der Schlachtentod von Rudolfs Bruder Gebhard im Jahr 910 hatte nachteilige Folgen für die Konradiner im lothringischen Raum. II. König Konrad I. hatte zwar keine Nachkommen - dasselbe gilt auch für seine Brüder -, doch bestanden die weit verzweigten "Nebenlinien" der Konradiner bis ins 1. Drittel des 11. Jahrhunderts (im Mannesstamm) fort. Eberhard, der Bruder König Konrads I., war der dux Francorum, der Herzog von Franken (911-939). Eberhard hatte seinen königlichen Bruder in dessen Politik unterstützt, nach dem Tod Konrads soll er Herzog Heinrich von Sachsen (919-936) den Weg zum Königtum freigemacht haben. Eberhard selbst blieb als Herzog in gewisser Weise selbstständig, er war Beauftragter und Richter des Königs in Lothringen nach dem Anfall der Gebiete westlich des Rheins an das Ostreich (925). Mit Heinrichs I. Sohn Otto I. dem Großen (936-973) kam es ab 937 zu Konflikten, 939 fiel der rebellierende Eberhard in der Schlacht bei Andernach, Franken als Herzogtum wurde aufgelöst. Dem ersten König aus ottonisch-sächsischem Hause, Heinrich I., gelang die Integration der süddeutschen Herzogtümer in sein Reich. Mit der Einsetzung Hermanns I. (926-949) als Herzog versuchte der ostfränkische König erfolgreich, erstmals gestaltend in Schwaben einzugreifen. Hermann I. war dabei ein Konradiner, der Sohn des lothringischen Herzogs Gebhard. Konstituierend für das ostfränkisch-deutsche Reich wirkte nun die Italienpolitik König Ottos I., die das schwäbische Herzogtum (neben Bayern) wie schon in der Karolingerzeit als einen Verbindungsraum zwischen "Deutschland" und Italien sah. Hierbei spielte die schwäbische Herzogsherrschaft Liudolfs (950-954), des ältesten Sohnes Ottos I., eine gewisse Rolle. Liudolf, der mit der Konradinerin Ida, der Tochter Herzog Hermanns I., verheiratet war, hatte sich 953/54 allerdings gegen seinen Vater aufgelehnt - ein Indiz dafür, dass es damals noch allgemein an der Einordnung der ostfränkischen Herzogtümer in die ottonische Herrschaft mangelte. Von den vom Königtum eingesetzten Herzögen Otto I. (973-983) und Konrad (983-997) war Konrad - wohl gleichzusetzen mit Kuno von Öhningen - ein Neffe Hermanns I. über dessen Bruder Udo I. (†949), dem Grafen der Wetterau und des Rheingaus, Otto der Sohn Liudolfs und der Ida; Ottos Schwester Mathilde wurde Äbtissin der Essener Frauengemeinschaft (971-1011). Die Zeit der sächsischen Könige Otto III. (983-1002) und Heinrich II. (1002-1024) sah ein wiederum verstärktes Eingreifen des Königtums in die machtpolitischen Verhältnisse des schwäbischen Herzogtums. Umgekehrt verstärkte Herzog Hermann II. (997-1003), der Sohn Konrads und damit ebenfalls ein Konradiner, seinen Einfluss in Schwaben. Hermann war es auch, der nach dem Tod Ottos III. seinen Anspruch auf das ostfränkisch-deutsche Königtum durchzusetzen versuchte, letztlich aber dem Bayernherzog Heinrich (II.) unterlag. Hermanns II. Sohn Herzog Hermann III. (1003-1012) verstarb kinderlos und war daher der letzte Konradiner in Schwaben, Hermanns III. Schwester Gisela ehelichte den Salier Konrad (II.), den späteren Kaiser (1024-1039) und Begründer der salischen Königsdynastie im deutschen Reich. Von dem mittelrheinischen Grafen Udo I. stammte schließlich Graf Otto von Hammerstein (†1036) ab. Otto war mit Irmingard von Verdun verheiratet, wegen zu naher kanonischer Verwandtschaft wurde die Ehe aber u.a. von Kaiser Heinrich II. und dem Mainzer Erzbischof Aribo (1021-1031) angefochten ("Hammersteiner Ehestreit", 1018-1027). König Konrad II. verfolgte indes die Sache seines Verwandten nicht weiter. Mit Otto von Hammerstein starben die Konradiner im Mannesstamm aus.
An Literatur zu den Konradinern sei erwähnt: Dietrich, Irmgard (1953), Die Konradiner im fränkisch-sächsischen Grenzraum von Thüringen und Hessen, in: HessJbLG 3 (1953), S.57-95; Hlawitschka, Eduard (2003), Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput (= MGH. Studien und Texte, Bd.32), Hannover 2003, XX, 220 S., € 30,-; Jackman, Donald C. (1990), The Konradiner. A Study in Genealogical Methodology (= Ius commune, Bd.47), Frankfurt a.M. 1990, XV, 315 S., DM 92,-; Struck, Wolf-Heino (1972), Die Stiftsgründungen der Konradiner im Gebiet der mittleren Lahn, in: RhVjbll 36 (1972), S.28-52; Wolf, Armin (1980), Wer war "Kuno von Öhningen"? Überlegungen zum Herzogtum Konrads von Schwaben (†997) und zur Königswahl vom Jahre 1002, in: DA 36 (1980), S.25-83. > K Konrad I. [Buhlmann, 03.2011]

Konstanz, Stadt am Bodensee, in Baden-Württemberg: Die Anfänge von Konstanz liegen, sieht man von vor- und frühgeschichtlichen Hinweisen einmal ab, in einer keltischen Siedlung des 1. vorchristlichen und im römischen Reich des 1. nachchristlichen Jahrhunderts. In der Spätantike mag Konstanz, dessen Name sich wahrscheinlich von Kaiser Constantius II. (337-361) her ableitet, auf Grund seiner Lage gegenüber den Alemannen als Grenzkastell gedient haben. Der Ort überstand mit Brüchen und Kontinuitäten (romanische Bevölkerung, Ortsname) die alemannische "Landnahme" (4./5. Jahrhundert). In das 7. Jahrhundert gehören die Anfänge als Bischofssitz, 762 wird Konstanz als civitas bezeichnet. Bischöfliche Münsterkirche und die Pfarrkirche St. Stephan bildeten hier ein erstes "Kirchenensemble", das in der Karolingerzeit durch Handwerkerviertel und Markt eine Erweiterung fand. Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert wurde aus dem Bischofssitz dann eine Bischofsstadt im spätkarolingischen Ostfranken- bzw. im ostfränkisch-deutschen Reich. Das Wirken Bischof Salomos III. (890-919) und die Kirchengründungen des heiligen Konrad (I., 935-975) gehören hierher, ebenso die Stiftung des Klosters Petershausen durch Bischof Gebhard II. (979-995). Spätestens um 900 wurde aus Konstanz auch ein bedeutender Ort des Fernhandels, wie Markt und Kaufleute sowie eine bischöfliche Münzstätte belegen. In Konstanz nahmen deutsche Könige bis weit in die Stauferzeit Aufenthalt, der Ort wurde gleichsam zu einer "Hauptstadt" in Schwaben. Als solche überstand Konstanz die Wirren des Investiturstreits (1075-1122) unter Bischof Gebhard III. (1084-1110) und auch die 1128 erfolgende Belagerung durch den welfisch-bayerischen Herzog Heinrich X. den Stolzen (1126-1139). Die Stadt war in spätsalischer Zeit Kulisse für den magnus conventus vom November 1123 und in staufischer Zeit für den Konstanzer Vertrag vom 23. März 1153 zwischen König Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) und Papst Eugen III. (1145-1153) sowie für den Konstanzer Frieden vom 25. Juni 1183 zwischen dem Stauferkaiser und dem lombardischen Städtebund. Ab dem Ende des 12. Jahrhunderts verstärkte sich der Einfluss des Königtums auf Konstanz (königliche Vogtei). Im Reichssteuerverzeichnis von 1241 teilten sich Bischof und König die von der Stadt erhobene Steuer, 1246 ist erstmals das Stadtsiegel mit dem Reichsadler belegt. Doch verzögerte sich in der Folgezeit die Loslösung der Bürgergemeinde vom bischöflichen Einfluss. Im 13. Jahrhundert bildete sich der städtische Rat, im 14. das Bürgermeisteramt heraus. Die Anerkennung der 19 Zünfte (1342) und deren Beteiligung am kleinen und großen Rat (1370, ca.1400) sowie die Formierung und Ausdehnung des Stadtrechts gehören ebenfalls zur spätmittelalterlichen Entwicklung, die Konstanz als Reichsstadt sah. Indes scheiterte nicht zuletzt im Schwabenkrieg (1499) die Ausbildung eines städtischen Territoriums. Konstanz übernahm die Reformation (1524/25), musste sich aber 1548 Österreich und damit dem katholischen Glauben unterwerfen. In der (seit dem 15. Jahrhundert auch die Vorstädte einbeziehenden) Stadtmauer fand sich im späten Mittelalter eine Kirchen- und Klosterlandschaft mit Münster (und Domimmunität), Pfarr- und Stiftskirchen, den Stadtklöstern der Dominikaner (1236), Franziskaner (1250) und Augustinereremiten (1268), den Schwestersammlungen und Brüderhäusern. Hinzu kamen das 1225 gestiftete Heiliggeistspital und die Stiftungen für Kranke und Leprose. Markt und Bürgerhaus verweisen auf die städtische Wirtschaft, etwa auf Konstanz als Zentrum des Leinwandexports, auf den Handel mit Seewein, auf die Konstanzer Handelsgesellschaften. In der frühen Neuzeit war Konstanz mithin Landstadt innerhalb der vorderösterreichischen Territorien, erlebte im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) eine schwedische Belagerung (1634) und in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts die Umgestaltung der noch auf mittelalterlichen Grundlagen fußenden Rats- zur Magistratsverfassung. Im Jahr 1806 fiel Konstanz an das Großherzogtum Baden; 1821 fand das Konstanzer Bistum sein Ende; das 19. und das 20. Jahrhundert waren geprägt von sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen u.a. in Folge der Industrialisierung und von der Rolle Konstanz' als Grenzstadt in den deutschen Nationalstaaten Kaiserreich, Weimarer Republik, "Drittes Reich" und Bundesrepublik.
An Literatur zu Konstanz seien genannt: Geschichte der Stadt Konstanz: Bd.1 (1989): Maurer, Helmut, Konstanz im Mittelalter: I. Von den Anfängen bis zum Konzil, Konstanz 21996, 296 S., Abbildungen, Karten, DM 72,-; Bd.2 (1989): Maurer, Helmut, Konstanz im Mittelalter: II. Vom Konzil bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Konstanz 21996, 304 S., Abbildungen, Karten, DM 72,-; Kramml, Peter F. (1985), Kaiser Friedrich III. und die Reichsstadt Konstanz (1440-1493). Die Bodenseemetropole am Ausgang des Mittelalters (= KGRQ 29), Sigmaringen 1985, 556 S., € 25,-; Zimmermann, Wolfgang (1994), Rekatholisierung, Konfessionalisierung und Ratsregiment. Der Prozeß des politischen und religiösen Wandels in der österreichischen Stadt Konstanz 1548-1637 (= KGRQ 34), Sigmaringen 1994, 328 S., € 7,95. [Buhlmann, 10.2006, 06.2014]

Konstanz: Konzil von Konstanz (1414-1418): Das spätmittelalterliche Konstanz war das Umfeld, als 1414 das Konzil von Konstanz zusammentrat (Generalversammlungen im Münster, Konklave im Kaufhaus [Konzilshaus]). 600 bis 700 Geistliche, darunter 300 Bischöfe, und ebenso viele weltliche Große und Gesandte berieten unter der Leitung des römisch-deutschen Königs und Kirchenvogts Sigismund (1411-1437) in Konstanz über: 1) die Einheit der Kirche (causa unionis): das Konzil beanspruchte die Entscheidung im Papstschisma (Dekret Haec sancta synodus, 6. April 1415), so dass es zum Rücktritt bzw. zur Absetzung der drei Päpste im Großen Papstschisma (1378-1417) kam und am 11. November 1417 mit Martin V. (1417-1431) ein neuer Papst gewählt wurde; 2) die Einheit im Glauben (causa fidei): das Konzil verbot und verurteilte die Lehren des Böhmen Jan Hus, der als Ketzer verbrannt wurde (6. Juli 1415); 3) die Reform der Kirche (causa reformationis) hinsichtlich Benefizienverteilung und Abgaben an die Kurie bei Forderung der periodischen Abhaltung weiterer Konzilien (Dekret Frequens, 17. Oktober 1417). Am 22. April 1418 kam die Kirchenversammlung zu ihrem Ende. Sie fand ab 1431 in der Basler Synode seine Fortsetzung. Die kirchlichen Versammlungen in Pisa, Konstanz und Basel gelten dann als Höhepunkte des (spätmittelalterlichen) Konziliarismus.
Zum Konstanzer Konzil s.: Das Konzil von Konstanz (1414-1418). Weltereignis des Mittelalters (= Ausstellungskatalog) (2014), 2 Bde.: Katalog, hg. v. Badischen Landesmuseum, Darmstadt 2014, 392 S., Farbabbildungen, Karten; Essays, hg. v. Karl-Heinz Braun, Matthias Herweg, Hans W. Hubert, Joachim Schneider, Thomas Zotz, Darmstadt 2014, 247 S., Schwarzweißabbildungen, zus. € 49,95 (Essayband mit den Beiträgen: Jürgen Miethke, Das Konstanzer Konzil in Überlieferung und Wirkung; Thomas Martin Buck, Der Konzilschronist Ulrich Richental; Gerrit Jaspar Schenk, Zeremonielle und Rituale auf dem Konstanzer Konzil; Kurt Weissen, Die Päpste und ihre Bankiers; Dieter Mertens, Das Konzil und der Humanismus; Joachim Schneider, Sigismund. Römisch-deutscher König auf dem Konstanzer Konzil; Ansgar Frenken, Johannes XXIII.; Joachim Schneider, Eberhard Windeck, König Sigismund und das Konstanzer Konzil; Matthias Herweg, Oswald von Wolkenstein. Ein Sängerleben auf Reisen; Peter Elbel, Die Delegation der Prager Kirchenprovinz und die böhmischen Gegner des Jan Hus in Konstanz; Daniela Dvoraková, Die Delegation der ungarischen Kirche und des ungarischen Adels in Konstanz; Jürgen Miethke, Konziliarismus; Karl-Heinz Braun, Die Konstanzer Dekrete Haec sancta und Frequens; Peter Hilsch, Die Theologie des Jan Hus; Pavel Soukup, Die Maßnahmen des Konzils gegen die Hussiten; Karel Hruza, Hussitische Propaganda gegen das Konstanzer Konzil; Peter Hilsch, Das Hus-Bild in der geschichtlichen Erinnerung; Jürgen Miethke, Die Polen auf dem Konstanzer Konzil. Der Konflikt um den Dominikaner Johannes Falkenberg; Sophie Vallery-Radot, Die Causa Jean Petit und das Problem des Tyrannenmordes; Ansgar Frenken, Gregor XII.; Britta Müller-Schauenburg, Benedikt XIII.; Birgit Studt, Martin V. Überwindung des Schismas und Kirchenreform; Birgit Studt, Das Konstanzer Konzil und die Ordensreformen; Thomas Zotz, Der deutsche Südwesten. Regionales Gefüge und Adelslandschaft in der Zeit um 1400; Peter Niederhäuser, Fürst und Fluchthelfer. Herzog Friedrich IV. von Österreich und das Konzil von Konstanz; Helmut Maurer, Die Stadt Konstanz und das Konzil; Dorothea Weltecke, Juden im Bodenseeraum; Felix Thürlemann, Von Konstantinopel nach Konstanz. Zwei lateinische Inschriften im Kontext des Konzils; Marc Carell Schurr, Der "Schöne Stil" in der Architektur um 1400; Ernö Marosi, Die Skulpturen von Buda im europäischen Kontext; Matthias von der Bank, Klaus Gereon Beuckers, Zur südwestdeutschen Skulptur und ihren Einflüssen um die Zeit des Konstanzer Konzils; Milena Bartlová, The Beautiful Style in Bohemia. An Argument in the Controversy of Christian Images; Barbara Schellewald, Das östliche Bild im Westen. "Karriereverläufe"; Jana Lucas, Spätmittelalterliche Buch- und Tafelmalerei im Bodenseeraum. Die Geschichte eines Verlustes; Harald Derschka, Die Wandbilder in der Konstanzer Dreifaltigkeitskirche (Augustinerkirche). Entstehung, Wiederentdeckung und Deutung; Hans W. Hubert, Papstgrabmäler während der Zeit von Schisma und Konzil; Arnold Nesselroth, Martin V. Restaurator Urbis. Konstanz und Folgen für die Ewige Stadt). Vgl. noch: > B Buck u.a., Konstanzer Konzil. [Buhlmann, 07.2014]

Konstanz: magnus conventus von 1123: Im Jahr 1123 fand in Konstanz unter reger Teilnahme der Bevölkerung die vom Konstanzer Bischof Ulrich I. (1111-1127) in die Wege geleitete Erhebung der Gebeine des heiligen Konstanzer Bischofs Konrad (934-975) statt. Zu dieser (wohl letzten) gesamtschwäbischen Zusammenkunft, einem magnus conventus, kamen auch die Äbte vom Schwarzwaldkloster St. Georgen und von der Bodenseeabtei Reichenau; sie vereinbarten am 26. November, dem Tag des Konradsfestes, urkundlich einen Gütertausch, wobei die Schwarzwälder Mönchsgemeinschaft u.a. Besitz in Friedenweiler erlangte.
An Literatur zum Konstanzer magnus conventus von 1123 sei aufgeführt: Bihrer, Andreas (2000), Bischof Konrad als Patron von Konstanz. Zur Stiftung städtischer Identität durch Bischof Ulrich I. (1111-1127), in: ZGO 148 (2000), S.1-40; Buhlmann, Michael (2005), Das Kloster St. Georgen und der magnus conventus in Konstanz im Jahr 1123 (= VA 17), St. Georgen 2005, 24 S., € 3,50. > K Konrad von Konstanz [Buhlmann, 04.2005, 10.2006, 06.2014]

Korenjak, Martin (2016), Geschichte der neulateinischen Literatur, München 2016, 304 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, € 26,95. Neulatein ist die lateinische Sprache der europäischen Neuzeit und Forschungsgegenstand der Neulatinistik. Die Anfänge des Neulatein liegen im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Humanismus mit dessen Abkehr vom Mittellatein als Latein des europäischen Mittelalters und dessen Rückbesinnung auf das klassische Latein der römischen Antike. Neulatein war als Sprache der Literatur, der Dichtung wie der Gelehrsamkeit, erfolgreich in der frühen Neuzeit, trat hingegen bis zur Gegenwart hinter den sich auch im schriftlichen Bereich entwickelnden Volkssprachen immer mehr zurück. Dank der Erfindung des Buchdrucks hat eine Vielzahl von neulateinischen Werken überlebt. Neulatein durchlebte dabei die Epochen von Humanismus und Renaissance (1300-1520), das Zeitalter der Konfessionen (1520-1618), das 17. Jahrhundert, das (18.) Jahrhundert der Aufklärung und die Moderne (19.-21. Jahrhundert). Themen neulateinischer Literatur sind: Pädagogik/Didaktik der Renaissance, Übersetzungen ins Latein, Briefliteratur, Geschichtsschreibung, religiöse Literatur, Politik/Utopie, Naturwissenschaften. Bedeutende Autoren und Werke repräsentieren die neulateinische Literatur, angefangen von den Humanisten Francesco Petrarca, Lorenzo Valla oder Erasmus von Rotterdam über die Reformatoren wie Philipp Melanchton, über Thomas Morus (Utopia), die Jesuiten (ratio studiorum), Athanasius Kircher, Jacob Balde, die Bollandisten (acta sanctorum), Gottfried Wilhelm Leibniz, die katholische Kirche (Kirchenrecht, Enzykliken, Zweites Vataikanisches Konzil) bis hin zu Autoren der modernen Neolatinistik. [Buhlmann, 07.2016]

Korn, Lorenz (2012), Die Moschee. Architektur und religiöses Leben (= BSR 2573), München 2012, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, 2 Karten, € 8,95. Seit den Anfängen des Islam dienten Moscheen (masjid = "Ort, an dem man sich niederwirft") als Versammlungsgebäude, Gebets- und Predigträume (Freitagspredigt, Freitagsmoscheen). Die typischen architektonischen Elemente einer Moschee bildeten sich seit dem 7. Jahrhundert heraus; die Gebetsrichtung (qibla), die Gebetsnische (mihrab), die Predigtkanzel (minbar), evtl. die Abschrankung um den Platz des Herrschers (maqsura), das Minarett (manara, [midhana]) waren eingebunden in verschiedenste Bauformen: a) Frühzeit (622-750): Moscheen des beginnenden Islam (Prophetenmoschee in Medina, Kaaba in Mekka), Moscheen der Umayyadenzeit (Felsendom, Herrschermoschee in Damaskus); b) Klassische Zeit (750-1400): Moscheen der Abbasidenzeit (Große Moschee von Kairouan, Moschee in Samara, Ibn Tulun-Moschee in Kairo), Moscheen des islamischen Westens (in Sevilla, Cordoba), iranische Kuppel- und Iwan-Moscheen (in Isfahan, Buchara), Moscheen in Anatolien und der Jazira; c) Zeit der Moscheen als Kuppelbauten (1400-1750): Kuppel- und Iwan-Anlagen, osmanische Moscheen (in Istanbul); d) Kolonialzeit, Moderne und Postmoderne (1750-heute) (Moscheen in Jakarta, Visoko, Riyad, Jidda). [Buhlmann, 08.2013]

Kortüm, Hans-Henning (2010), Kriege und Krieger 500-1500, Stuttgart 2010 > A Adel

Kosch, Clemens (2010), Die romanischen Kirchen von Essen und Werden. Architektur und Liturgie im Hochmittelalter, Regensburg 2010, 64 S., Farbabbildungen, Pläne, Karten, € 12,80. I. Essen: Die gestiegene Bedeutung der um die Mitte des 9. Jahrhunderts entstandenen Essener Frauengemeinschaft in der Zeit der ostfränkisch-deutsch-ottonischen Könige und Kaiser offenbarte sich auch in der Bautätigkeit besonders des 10. und 11. Jahrhunderts. In den Jahrzehnten ab der Mitte des 9. Jahrhunderts erfolgte der Bau der ersten (spätkarolingischen), den Heiligen Cosmas und Damian geweihten Kirche, die aber um 944/46 durch Brand (teilweise) zerstört wurde. Frühottonische Erweiterungsbauten aus der Zeit kurz danach waren ein Westwerk mit vorgelagertem Atrium, das das Münster mit der wohl damals errichteten Vorgängerin der heutigen Johanneskirche verband, und eine Außenkrypta. Gründungsbau und Erweiterungen verschwanden aber mit dem Neubau der Kirche ab der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert. Es entstand nun die dreischiffige romanische Basilika mit Westbau, Querhaus, Nebenchören und Krypta, wie wir sie in den wichtigsten Teilen auch heute noch sehen können; am beeindruckendsten war und ist dabei sicher das mehrstöckig angelegte Oktogon mit seinen Emporenräumen, das sich harmonisch zum Langhaus hin öffnet. Vor dem Westbau erhielt zudem das Atrium eine neue Gestalt. Im 12. Jahrhundert kam auf der Südseite des Querhauses eine Vorhalle hinzu, Querhaus und Vorchor wurden eingewölbt. Der Brand der Münsterkirche im Jahre 1275 machte dann aber den Neubau des Langhauses und des Chores im gotischen Stil erforderlich, so dass nun die erste gotische Hallenkirche des Rheinlandes entstand. Im 15. Jahrhundert war mit der Errichtung eines spätgotischen Vierungsturms die mittelalterliche Bautätigkeit am Essener Münster weitgehend abgeschlossen. Für die (nicht nur) mittelalterliche Liturgie im Essener Frauenstift spielten eine Rolle der bedeutende Münsterschatz mit wichtigen Kunstwerken aus ottonischer Zeit (Vortragekreuze wie älteres Mathildenkreuz und Theophanukreuz, Lilienkrone, Evangeliar der Theophanu, siebenarmiger Leuchter, Kreuzsäule) sowie das älteste vollplastische Marienbild im Abendland, die mehr als tausend Jahre alte Goldene Madonna, ebenso die umfangreichen Reliquienbestände der geistlichen Gemeinschaft (Reliquiensepulcrum des romanischen Hochaltars 1054). Die über das Atrium mit dem Essener Dom verbundene Johanneskirche war wohl von Anfang an Taufkapelle. Ebenfalls vielfachen architektonischen Veränderungen unterworfen, stellt sie sich heute im Wesentlichen wie nach dem Neu- bzw. Umbau im Jahre 1471 dar. Die Anfänge der kleinen, dem Münster benachbarten Quintinuskapelle wird man frühestens in das 11. Jahrhundert datieren können; von der Kapelle ist heute nichts mehr erhalten. II. Stoppenberg: Durch die Essener Äbtissin Swanhild (1058-1085) ist (wohl) 1073 in (Essen-) Stoppenberg eine Frauengemeinschaft als Tochtergründung des Essener Frauenstifts eingerichtet worden. Noch heute besteht die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika St. Maria und Nikolaus aus dem 11. Jahrhundert, die damals ältere Bauteile aufnahm. An ein zweijochiges Langhaus schließen sich ein Chorquadrat und eine halbrunde Apsis an, die Kirchendecke betsand aus (heute nicht mehr erhaltenen) gotischen Gewölbekappen, es gab ein westliches Turmpaar, zwischen dem im Innern der Kirche die Empore der Stiftsfrauen lag. Die Kirche war auch Pfarrkirche, wie nicht zuletzt Außenzugänge und ein romanisches Taufbecken (12. Jahrhundert) zeigen. Ein romanisches Kapitelhaus (1826 abgebrochen) und ein Stiftsfriedhof - jeweils in einiger Entfernung von der Kirche - ergänzten topografisch das Ensemble der Stoppenberger Frauenkommunität. III. Werden, Ludgerusbasilika: Die Hauptkirche des ehemaligen Benediktinerklosters in (Essen-) Werden war zweifellos die vom heiligen Liudger (†809) als basilica sancti Salvatoris gegründete Kirche des Klosters. Dies bestätigt auch die archäologische Forschung, die eine 38 m lange, dreischiffige Basilika ausmachen kann; sie soll von West nach Ost erbaut worden sein. Ab 840 wurde Liudgers Grab in den Neu- und Umbau der Abteikirche unter Abt Altfrid (839-849) mit einbezogen. Die so entstandene Hallenkrypta beim Hochaltar im Chor erwähnt auch die Werdener Tradition als crypta nova necdum peracta ad pedes sacri sepulcri Liudgeri. Daneben gab es eine Außenkrypta, die die Gräber der Äbte aus der Verwandtschaft Liudgers enthielt; vier Grabinschriften der liudgeridischen Klosterleiter Hildigrim I. (809-827), Gerfrid (827-839), Altfrid und Hildigrim II. (853/64-886) sind überliefert. Der erweiterte Ostbau und das Langhaus sind als "Kirche des heiligen Liudger in Werden" dann im Jahr 875 geweiht worden. Es folgte die Weihe des noch heute bestehenden Westwerks der Basilika (943), das im Mittelalter als Marien- oder Peterskirche bezeichnet wurde und von dem es einen direkten Zugang zur Abteikirche gab. Vor dem Westwerk wurde im 11. Jahrhundert und später eine Vorhalle mit Portalnische, im 12. Jahrhundert ein Paradies in T-Form geschaffen, im östlichen Teil des Gotteshauses die umgebaute Hallen- als Außenkrypta 1059 geweiht. Vielleicht schon um 1230 ist die spätromanische Abteikirche entstanden, die im Jahre 1255 oder 1256 teilweise Opfer eines Brandes geworden ist. Mit der Wiederherstellung der Kirche zwischen Westwerk und Hallenkrypta muss aber bald begonnen worden sein. Darauf weisen zumindest die Sammlungsaufrufe und Ablässe für die Kirche aus dem Jahr 1256 und vom 10. Mai 1258 hin. In fast 20-jähriger Arbeit entstand bis zur Weihe der Abteikirche durch Albertus Magnus (*ca.1200-†1280) im Jahr 1275 ein spätromanisches Gotteshaus mit gotischen Formen, das bis heute nur wenige Veränderungen erfahren hat. Im unter Einbeziehung des Westwerks und der Krypta rund 100 m langen Bauwerk besteht der Mittelteil aus einer dreischiffigen Anlage mit Langhaus, Seitenschiffen und Querschiff, über dessen Mitte sich ein achteckiger Vierungsturm erhebt; Vierungsturm und Westturm - die einzigen Türme der (Doppel-) Kirche - stehen so in gewisser Polarität nebeneinander. Im Innern münden die niedrigeren Seitenschiffe mit dem darüber liegenden Emporengeschoss in das hohe Langhaus; über den Doppelöffnungen der Emporen sind Rosettenfenster zu sehen, die harmonisch zur kreuzrippengewölbten Decke des Langhauses mit den vier Jochen hinüberleiten. Der Chor im Anschluss des Querschiffs nimmt die Gliederung des Langhauses wieder auf; er wird von einem sechsteiligen Rippengewölbe überdacht und ist von den Chornebenräumen umgeben; eine halbrunde Apsis schließt den Chor zur Hallenkrypta hin ab, wobei Letztere über vom Chor ausgehende Seiteneingänge betreten werden kann. Für die Neuzeit sind dann nur noch wenige Baumaßnahmen wie die Erhöhung des Westwerkturms (1840/50) bezeugt. Dies geschah im Zusammenhang mit Restaurierungsmaßnahmen der preußischen Denkmalpflege im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert (1837/50, 1884/93, 1901/09). IV. Werden, Luciuskirche: Baubeginn der Luziuskirche soll das Jahr 995 gewesen sein. Der Gründungsbau war ein einschiffiger Saalbau mit rechteckigem Chor, anschließender Apsis und einer Vorhalle. Er ist im 11. Jahrhundert erweitert worden, als bis zur Weihe am 1. Oktober 1063 (oder 1065) beim Chor Querhausflügel hinzukamen und das Querhaus verändert wurde. Die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts brachte die umfassende Erweiterung der Kirche zu einer dreischiffigen Basilika mit Stützenwechsel, Haupt- und Nebenchören. Ein Westturm mit wuchtigen Kreuzgratgewölben entstand um die Mitte des 12. Jahrhunderts (vielleicht in der Nachfolge eines früheren Turms), ergänzt um die vorgelagerte apsidiale Eingangshalle mit Nischenportal; zwei Chorwinkeltürme waren ebenfalls vorhanden. Aus der Mitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen auch die Wandmalereien in der Kirche. An den Chorwänden sind oberhalb der Arkaden, die die Nebenchöre vom Hauptchor trennen, Nischen angebracht, die den heiligen Luzius, den Kirchenpatron, und fünf Äbte zeigen. Daneben müssen Bögen, Fensterlaibungen und Gesimse ausgemalt gewesen sein, so dass allein durch die Bemalung das Kircheninnere einen prunkvollen Eindruck auf die Gläubigen gemacht hat. Die in antikisierendem Blattwerk gestalteten Pilaster der Chorwände, die Pfeiler- und Würfelkapitelle der Langhaus- und Chorarkaden taten sicher ihr Übriges. Für das späte Mittelalter ist der Umbau des südlichen Chors durch den Einbau eines gotischen Fensters festzuhalten (1487). Um das Jahr 1780 wurden dann die baufälligen Seitenschiffe zusammen mit den Chorwinkeltürmen niedergelegt. Die Nutzung der Kirche zu Wohnzwecken schädigte das Gebäude im Verlauf des 19. Jahrhunderts schwer, mit der Wiederherstellung des Gotteshauses wurde 1958 begonnen. > E Essen; > W Werden, Werdener Kirchenlandschaft [Buhlmann, 05.2017]

Kossert, Andreas (2014), Ostpreußen. Geschichte einer historischen Landschaft (= BSR 2833), München 2014, 128 S., Karten, € 8,95. Am Anfang (ost-) preußischer Geschichte stehen die baltischen Prußen zwischen Weichsel und Memel, bezeichnet als Bruzi (9. Jahrhundert, Mitte), vergeblich missioniert (Tod Adalberts von Böhmen 997), organisiert in Stammes- und Familienverbänden, dem Heidentum verhaftet (Götter Perkuns [Kriegsgott], N/Patrimpe, Patollu; heilige Haine, Berge [Rombinus] und Gewässer). Mit dem Auftreten des Deutschen Ordens in Preußen (seit 1225) begannen Unterwerfung und Christianisierung der (ca. 220000) Prußen, die sich im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte kulturell assimilierten (Verschwinden der prußischen Sprache [17. Jahrhundert]). Das bis 1283 vollständig eroberte Preußen wurde zum Kernraum des Deutschordensstaates (Städtegründungen von Kulm und Thorn 1233, Elbing 1237, Königsberg 1255; Residenz Marienburg 1308). Konflikte mit dem Königreich Polen-Litauen blieben nicht aus (Krieg von 1409/11, Schlacht bei Tannenberg 1410, Erster Thorner Frieden 1411; Dreizehnjähriger Krieg von 1454/66, Zweiter Thorner Frieden 1466 und Abtretung von Pommerellen, Ermland, Kulmer Land u.a. bei Lehnsabhängigkeit von Polen). Unter dem Hochmeister Albrecht von Brandenburg (1511/25-1568) wurde aus dem Deutschordensstaat Preußen ein weltliches evangelisches Herzogtum (1525) mit kultureller und religiöser Vielfalt (Königsberger Universität 1544, kulturelle Blüte Königsbergs [17. Jahrhundert; Simon Dach, Ännchen von Tharau], katholisches Ermland). Innerhalb der Hohenzollerndynastie gelangte Preußen an die (calvinistischen) Brandenburger (1603/18) bei Anerkennung der preußischen Lehnsunabhängigkeit von Polen im Zweiten Nordischen Krieg (1655-1660) und in den Verträgen von Wehlau, Bromberg und Oliva (1657, 1660) sowie bei Durchsetzung des absolutistischen Machtanspruchs des Herzogs. Kurfürst Friedrich III. (1688-1713) wurde "König in Preußen" (1701), aus dem Länderkomplex Brandenburg-Preußen sollte schließlich das Königreich Preußen enstehen (1806). Der hohenzollerische Länderkomplex hatte etwa unter König Friedrich II. (1740-1786) die militärische Krise des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) zu bestehen, Brandenburg-Preußen dehnte sich auf Kosten Polens aus (polnische Teilungen von 1772, 1793, 1795), aus Preußen wurde verwaltungstechnisch Ostpreußen (1773). Durch Krieg (1656/57), Pest (1709/11), Hunger und wirtschaftliche Ausbeutung wurde (Ost-) Preußen im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert schwer geschädigt, "Repeuplisierungs"politik und Reformen auf der Grundlage eines protestantischen aufgeklärten Absolutismus besserten immerhin zunächst die sozialen Verhältnisse etwas (Zuwanderung, religiöse Toleranz, Königsberg als Zentrum der preußischen Toleranz [Immanuel Kant, Aufklärung]). Das beginnende 19. Jahrhundert brachte für Ostpreußen die Bauernbefreiung und die Katastrophe der napoleonischen Kriege (Frieden von Tilsit 1807, Russlandfeldzug 1812, Konvention von Tauroggen 1812). Vom Deutschen Bund (1815) war Ostpreußen ausgeschlossen, bürgerlich-liberale Tendenzen zeigten sich besonders in Königsberg und in der Revolution von 1848/49, während das Scheitern der Revolution und der Austritt der Provinz (West- und Ost-) Preußen aus dem Deutschen Bund (1850) das konservative preußische Junkertum beförderte. Der Konservatismus in Ostpreußen bestimmte auch die sozialen und wirtschaftlichen Missverhältnisse dort, die Gründung des Deutschen Kaiserreichs (1871) bei Einbeziehung Ostpreußens brachte durch die sich verstärkende Industrialisierung eine wirtschaftliche Besserung (Eisenbahnbau [Bahnhof Eydtkuhlen], verhaltene Verstädterung [Großstadt Königsberg, größere Städte Tilsit, Allenstein, Insterburg, Memel], verhaltene Bevölkerungsentwicklung). Zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914-1918) war Ostpreußen Kampfgebiet (Schlacht bei "Tannenberg" 1914), der Versailler Vertrag (1919) brachte die Abtretung des polnischen Korridors und die Trennung Ostpreußens vom restlichen Reichsgebiet der Weimarer Republik, schließlich die Abtrennung des Memelgebiets an Litauen (1920/23). In der Weimarer Republik wurde aus dem wirtschaftlich und kulturell geschwächten und schwachen Ostpreußen der Mythos eines fremden östlichen Landes, das trotz wirtschaftlicher Maßnahmen kaum gesundete und sich stark dem Nationalsozialismus öffnete (ab 1925). Im "Dritten Reich" (1933-1945) stand das germanische Grenzland Ostpreußen (unter dem Gauleiter Erich Koch) zunächst wirtschaftlich im Mittelpunkt von Ostpreußenplan (1933) und Masurischer Arbeitsschlacht (1934/36), wurde ethnisch "flurbereinigt" (Umbenennung von Orten, Germanisierung) und erlebte die Heimkehr des Memelgebiets (1939), Terror, Verfolgung und Zweiten Weltkrieg (1939-1945). Zunächst Aufmarschgebiet im Krieg gegen Polen (1939) und die Sowjetunion (1941), dann territorial vergrößert durch polnische Gebiete (1939), wurde Ostpreußen Sitz des Führerhauptquartiers "Wolfsschanze" (ab Juli 1940, Attentat auf Adolf Hitler 20. Juli 1944), dann hart umkämptes Kampfgebiet gegen die eindringende Sowjetarmee (ab Juni 1944/Januar 1945, Luftangriffe, Konzentrationslager Stutthof, Todesmarsch vom Januar 1945; Flucht der deutschen Bevölkerung [Wilhelm Gustloff], Kessel Königsberg und Samland). Die Nachkriegsordnung sah die "Westverschiebung" Polens bei Teilung Ostpreußens unter ein südlich-polnisches und nördlich-sowjetisches Herrschaftsgebiet vor (1945); die Besetzung Ostpreußens ging einher mit Vertreibung, Hunger, Seuchen und Tod. Dabei wurde aus dem sowjetischen Teil Ostpreußens (Oblast Kaliningrad) ein "Land ohne Geschichte", nach den europäischen Umbrüchen von 1989/90 letztlich eine russische Enklave innerhalb der Europäischen Union. Das polnische Ostpreußen gehörte zu den "Wiedergewonnenen Gebieten", zu den "urpolnischen" Ländern, heute organisiert in der Wojewodschaft Ermland und Masuren. Das Memelgebiet wurde der Sowjetrepublik Litauen zugeschlagen und gehört heute zum litauischen Staat. Vertriebene in der Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegszeit organisierten sich in der Landsmannschaft Ostpreußen (1948), politisch geleitet vom Wunsch nach Rückkehr, kritisch eingestellt gegenüber der Ostpolitik des Kanzlers Willy Brandt und sich dadurch politisch isolierend. In der Deutschen Demokratischen Republik wurde indes die Problematik um die "Umsiedler" totgeschwiegen. Das in der Europäischen Union vereinte Europa erlaubt heutzutage aber den Blick auf Ostpreußen als "fernes nahes Land". [Buhlmann, 10.2014]

Kothe, Irmgard (1938), Der fürstliche Rat in Württemberg im 15. und 16. Jahrhundert (= DWG 29), Stuttgart 1938, [IV], 199 S., Verzeichnis der württembergischen Räte (1450-1468), Stammtafel, RM 7,50. Im Zuge derspätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Territorialentwicklung kam auch dem Ratsgremium des Landesherrn eine zunehmend wichtigere Rolle zu. Das galt auch für die württembergische Grafsachft bzw. das württembergische Herzogtum. Die Anfänge eines gräflich-herzoglich-fürstlichen Rates reichen in Württemberg bis ins 13. Jahrhundert zurück (consilarii, 1269, 1273, 1280; Hofbeamte Truchsess [1262] und Marschall [1273]; Schreiber, 1254). Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erscheint das Amt des württembergischen Hofmeisters (Übernahme der Aufgaben des Marschalls), 1357 das Amt des Landhofmeisters; daneben gab es den Haushofmeister (15. Jahrhundert, 2. Viertel). In Problemsituationen (Beschlüsse über Krieg und Frieden, Vormundschaften) vermochte ein Rat als Gremium der Räte maßgeblich auf die württembergische Politik einzuwirken (1419/21 u.a.). Im Verlauf des 15. Jahrhunderts spielte der Landeshofmeister in Landesverwaltung und Gerichtsbarkeit eine immer größer werdende Rolle; ein sich ausbildendes Finanzwesen wird erkennbar, die Kanzlei (protonotarius, 1397) stand für die Verschriftlichung der Verwaltung (Urbare, Lehnbücher). Mitglieder des sich ausbildenden Rates waren ministerialischen, aber auch zunehmend adligen und bürgerlichen Ursprungs, waren Laien- und geistliche Räte, waren (Rechts-) Gelehrte. In der Zeit der Urach-Stuttgarter Landesteilung (1442-1482) und danach kam es zu einer weiteren Verfestigung von Rat und Finanzverwaltung (Kanzlei unter dem Kanzler, 1478; Kammermeisteramt, 1481; Stellung des Landhofmeisters; Münsinger Vertrag 1482). Unter Graf/Herzog Eberhard V./I. (1459-1496) spielte die Vielzahl von Räten und Dienern eine große Rolle (Dienerbücher, 1488, 1490/92, 1495), Rat und Kanzlei standen für die kollegial organisierten obersten Regierungs- und Finanzbehörden. Vor dem Hintergrund des Esslinger Vertrags (1492) behaupteten sich Rat und Stände gegen Herzog Eberhard II. (1480/96-1498), die desolate Herrschaft von Eberhards Sohn Ulrich (1498-1550) mündete im Tübinger Vertrag (1514) und der habsburgischen Eroberung Württembergs (1520). Württemberg unterstand der habsburgischen Herrschaft König Ferdinands I. (1522-1534) und von dessen Regiment (unter der Leitung eines Statthalters), das die Kompetenzen des Rates regelte (Instruktionen nach österreichischem Vorbild, 1531) und eine selbstständige Finanzbehörde (Kammer) schuf (Instruktion, 1520), mithin die württembergische Verwaltung auf andere, zukunftsorientierte Grundflagen stellte. Der 1534 in sein Herzogtum zurückgekehrte Herzog Ulrich und insbesondere sein Sohn Christoph (1550-1567) bauten auf den habsburgischen Verwaltungsmaßnahmen auf, wobei sich indes aus dem nicht abgegrenzten Miteinander von Hof- und Kanzleiräten unter Herzog Ulrich verwaltungstechnische Missstände ergaben. Erst die Kanzleiordnungen Herzog Christophs (1550/53) organisierten einen Oberrat mit den teilweise davon abhängigen Institutionen Kammer und Kirchenrat (protestantische Reformation 1534, Augsburger Interim 1548; Kirchenordnung 1559), während in diese Zeit die Anfänge eines Geheimen Rates verortet werden können. Eine Gerichtsbarkeit von Landhofmeister und Räten stellte schließlich das 1474 erstmals erwähnte Hofgericht (Hofrichter, Beisitzer) dar (Hofgerichtsordnungen, 1540, 1587). [Buhlmann, 05.2015]

Kottje, Raymund (1992), Die niederrheinischen Zisterzienser im späten Mittelalter. Reformbemühungen, Wirtschaft und Kultur (= Zisterzienser im Rheinland, Bd.3), Köln-Bonn 1992 > Z Zisterzienser

Kotzur, Hans-Jürgen (Hg.) (1998), Hildegard von Bingen 1098-1179 (= Ausstellungskatalog), Mainz 1998 > H Hildegard von Bingen

Krägeloh, Konrad (1930), Die Lehnkammer des Frauenstifts Essen. Ein Beitrag zur Erforschung des Essener Kanzleiwesens, in: EB 48 (1930), S.99-278. Anfänge einer Kanzlei (und deren urkundlicher Tätigkeit) von Essener Äbtissin und Frauenstift reichen wahrscheinlich ins 12., auf jeden Fall ins 13. Jahrhundert zurück. Das älteste Essener Lehnbuch des 15. Jahrhunderts (Urkundenregister, Lehnaktprotokolle) stellt dann einen Zusammenhang zwischen der Kanzlei und einer sich entwickelnden Lehnkammer her (Kanzleineuordnung des 2. Viertel des 14. Jahrhunderts). In der frühen Neuzeit (Neuorganisation der Kanzlei in den 1550er-Jahren) bildete sich unter dem Einfluss juristisch geschulter Berufsbeamten die neuzeitliche Kanzlei mit der um Zuständigkeiten (Dienstmannengericht als Lehngericht, Räte als Richter, Einziehung der Lehngebühren und sonstige Einnahmen) erweiterten Lehnkammer als Behörde. Stiftische Kanzlei und Lehnkammer kamen dann mit der Aufhebung des Frauenstifts Essen zu ihrem Ende (1803). [Buhlmann, 07.2013]

Krah, Adelheid (2000), Die Entstehung der "potestas regia" im Westfrankenreich während der ersten Regierungsjahre Kaiser Karls II. (840-877), Berlin 2000, 346 S., € 19,80. Nach dem Tod Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) gelang es dem jüngsten Sohn dieses Herrschers, Karl II. (840-877), in stetiger politischer Aufbauarbeit der ersten Regierungsjahre seine potestas regia zu begründen. Der Bruderkrieg im Frankenreich insbesondere zwischen Karl und Kaiser Lothar I. (817/40-855) insbesondere um den Raum zwischen Seine und Maas beeinflusste dabei das sich entwickelnde Königtum Karls. Nach der Niederlage Lothars bei Fontenoy (841) war dann der Weg frei für Verhandlungen zwischen Karl, Lothar und König Ludwig dem Deutschen (840-876), die nach vorausgegangener descritio regni schließlich im Vertrag von Verdun einmündeten. Wie schon die Straßburger Eide zwischen Karl und Ludwig (841) offenlegen, kam den Gefolgschaftsverbänden der Herrscher (Treuegedanke [gesellschafspolitische Ordnung und christliches Handeln]) bei dieser politischen (Neu-) Entwicklung ("Wandel der Ordnungsstrukturen") eine besondere Rolle zu. So war Karls Gefolgschaftsverband aus Magnaten und kirchlicher Führungsschicht (fideles, vasalli, foederati, amici) auch konstitutiv für Bildung und Neustrukturierung von Karls regnum gerade in Neustrien und Teilen Austriens; ebenso haben die wirtschaftlichen Grundlagen des karolingischen Königtums u.a. bei der Ausstattung von Parteigängern sowie die Stellenbesetzungen bei Bistümern und Abteien eine Rolle gespielt. Der Vertrag von Verdun sah dann ein stark vergrößertes Westfrankenreich Karls, eingebunden in das Kaisertum Lothars und in die Brüdergemeinschaft der fränkischen Könige (fraternitas als politisches Konzept); grundlegend für die Aquitanien- und Kirchenpolitik Karls in den Folgejahren war zudem der "Gesellschaftsvertrag" von Coulaines (843; ordinatio regni und Herrschaftskonzept). Daraus erschließt sich das stilisierte theologisch-sakrale Herrscherbild Karls mit den Herrschertugenden (ius, iustitia, fortitudo, virtus, misericordia, benignitas, clementia; Herrscherparänesen des Lupus von Ferrières) zwischen Gott und Welt (gelasianische Zweigewaltenlehre), mit hegemonialem politischen Anspruch (Thronbild Karls der Viviansbibel). Dem entsprach nicht zuletzt die Sorge Karls um das dynatische Gebetsgedenken (memoria), das den König, seine Ehefrau, die Kinder und seinen Vater miteinbezog. [Buhlmann, 01.2014]

Kramer, Wolfgang (1992), Bärenthal - "die Idylle im Bäratal?", in: TutHbll NF 55 (1992), S.104-108. Am Anfang stehen zwei Rechtsgeschäfte im Zusammenhang mit Gütertransaktionen des Klosters St. Georgen im Schwarzwald (1092), im späten Mittelalter war Bärenthal hohenbergisch bzw. vorderösterreichisch, 1751 erlangte das Augustinerchorherrenstift Beuron das Dorf durch Kauf. Die Beuroner Herrschaft ging dann 1802 an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen über. Das 18., 19. und beginnende 20. Jahrhundert war in Bärenthal durch Armut geprägt (Bevölkerungswachstum, Auswanderung), das Dorf war landwirtschaftlich geprägt, Industrialisierung fand kaum statt; ab 1832 entstand der Teilort Bäraweiler oder Gnadenweiler (als "Luftkurort"). [Buhlmann, 01.2012]

Kramer, Wolfgang (1992), Hausen ob Verena und der Karpfen, in: TutHbll NF 55 (1992), S.109-115. Der Ort Hausen ob Verena erscheint erstmals in der Überlieferung des Klosters Zwiefalten vor 1092 (Verkauf von Besitz an Egilward von Karpfen). Die Überlieferung des Klosters St. Georgen im Schwarzwald nennt zu 1089 und 1092 einen Ulrich von Husin, doch ist nicht klar, welcher Ort Hausen damit gemeint ist. 1275 wird Hausen ob Verena als Hausen apud Kalphen ("beim Karpfen") erwähnt, 1403 erscheint der Zusatz "uff Freena" (ob Verena), der wahrscheinlich auf die heilige Verena von Zurzach zurückzuführen ist (Verenakapelle?). Eine ältere edelfreie Familie der Herren von Karpfen (11. Jahrhundert, Ende - 13. Jahrhundert, Mitte) ist von einer jüngeren (ab endendem 15. Jahrhundert) zu unterscheiden. Ein Vertreter der älteren Herren von Karpfen war Abt Heinrich von Reichenau (1206-1234). Die hoch- und spätmittelalterliche Burg Karpfen war dabei Herrschaftsmittelpunkt der Karpfener, kam an die Grafen von Lupfen-Stühlingen u.a. und wurde 1444 württembergisch (Mittelpunkt des sich ausbildenden Amtes Tuttlingen 1444-1460). Die spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Herren von Karpfen stammen von Hans Wirtemberger ab, einem illegitimen Sohn des württembergischen Grafen Eberhard im Bart (1450-1496), der Hans I. um 1491 mit der Burg Karpfen belehnte. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ist das Schloss Karpfen zerstört worden (1634, vgl. auch die Tagebücher des Abtes Georg II. Gaisser von St. Georgen im Schwarzwald), die Karpfener starben 1663 aus, der Karpfen wurde 1681/86 von der Familie Wiederhold erworben. Die Karpfener (Unter-) Herrschaft mit Hausen war als württembergisches Lehen eingebunden in das württembergische Herzogtum und von daher evangelisch. Das Dorf Hausen machte vom 19. bis 21. Jahrhundert die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen vom Königreich Württemberg bis zum Land Baden-Württemberg der Bundesrepublik Deutschland mit. [Buhlmann, 01.2012]

Kramml, Peter F. (1985), Kaiser Friedrich III. und die Reichsstadt Konstanz (1440-1493). Die Bodenseemetropole am Ausgang des Mittelalters (= KGRQ 29), Sigmaringen 1985 > K Konstanz

Kranz, Horst (2002), Von Werden an der Ruhr nach Lucca. Ein rheinischer Ingenieur und Autor im spätmittelalterlichen Italien, in: AHVN 205 (2002), S.49-64 > L Lohrmann u.a., Konrad Gruter von Werden

Kranzhoff, Maria (1929), Aachen als Mittelpunkt bedeutender Straßenzüge zwischen Rhein, Maas und Mosel in Mittelalter und Neuzeit, in: ZAGV 51 (1929), S.1-63 > A Aachen

Krauftal, Benediktinerinnenkloster: Krauftal war wohl eine Gründung des 10. Jahrhunderts, und zwar ein Kloster benediktinischer Prägung. Auf nicht mehr nachzuvollziehende Weise waren die Grafen von Metz an der Gründung maßgeblich beteiligt gewesen. Nur so - und über Abt Theoger (1088-1119), dem Klosterleiter der Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald - sind jedenfalls spätere Besitzrechte des Klosters im Saargau und die Verfügung Graf Folmars V. von Metz über das Kloster zu Beginn des 12. Jahrhunderts verständlich. Denn der Graf übertrug der Mönchsgemeinschaft in St. Georgen die geistliche Oberaufsicht über das Nonnenkloster (1124/30), wie es der Humanist und Benediktinermönch Johannes Trithemius (*1462-†1516) erstmals formulierte. Immerhin gibt es mit einem Privileg Papst Innozenz' II. vom wahrscheinlich 12. März 1138 die Bestätigung des Aufsichtsrechts St. Georgens über Krauftal. Vogt des Nonnenklosters war zum Zeitpunkt der Urkundenausstellung Graf Peter von Lützelburg, der zusammen mit seiner Frau Ida und seinem Sohn Reginald unter Zustimmung des Bischofs Stephan von Metz (1120-1163) und der Krauftaler Äbtissin Hazzecha das Seelsorgerecht St. Georgens anerkannte und um Wiederherstellung der religio, also der richtigen klösterlichen und gottesdienstlichen Ordnung bat. Bezüglich der Seelsorge im Kloster wandte sich Hazzecha in einem Schreiben auch an die berühmte Hildegard von Bingen (*1098-†1179), jene prophetissa teutonica, die nicht zuletzt durch ihre Visionsliteratur und durch natur- und heilkundliche Schriften bekannt wurde. Hazzecha bezieht sich in ihrem Schreiben auf den Besuch Hildegards in Krauftal, der gemäß der Vita Hildegardis im Jahr 1160 stattgefunden haben soll. Viel hatte sich seit dem Aufenthalt Hildegards in Krauftal allerdings nicht zum Guten geändert, und so war die Antwort der Äbtissin vom Rupertsberg eine Ermahnung zur Selbsthilfe. Noch 1389 ist ein St. Georgener Mönch als Prior in Krauftal bezeugt, das Kloster wurde 1488 von Nonnen aus Sindelsberg (bei Marmoutier) neu besiedelt. Im Bauernkrieg von 1524/25 wurde das Kloster zerstört, die geistliche Kommunität kurz darauf aufgehoben. Die Klostergebäude zerfielen im 16. Jahrhundert.
An älterer Literatur zum Nonnenkloster Krauftal seien genannt: Cuny, Fr. (1936), Zur Geschichte der Abtei Graufthal im Mittelalter, in: ArchKGElsaß 11 (1936), S.107-118; Fischer, Dagobert (1875), Die ehemalige Abtei Craufthal, Zabern 1875, 26 S. Zu nennen ist ferner: Buhlmann, Michael (2009), Das St. Georgener Priorat Krauftal (Graufthal) im Elsass. St Georgener Tochterklöster und Priorate in Mittelalter und früher Neuzeit (= VA 46), St. Georgen 2009, 56 S., € 4,-. [Buhlmann, 05.2009]

Kraus, Thomas R. (1980), Die Entstehung der Landesherrschaft der Grafen von Berg bis zum Jahre 1225 (= Bergische Forschungen, Bd.16), Neustadt a.d. Aisch 1980 > B Berg, Grafen von

Krause, Hans-Georg (Hg., Übers.) (2007), Die Touler Vita Leos IX. (= MGH. Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi, Bd.70), Hannover 2007, 314 S., € 35,- > Lateinische Literatur > T Touler Vita Papst Leos IX.

Krebernik, Manfred (2012), Götter und Mythen des Alten Orients (= BSR 2708), München 2012, 128 S., 2 Übersichten, 2 Karten, € 8,95. Der Kulturraum des Alten Orients umfasst geografisch Mesopotamien zwischen Kleinsasien und Mittelmeer im Westen sowie Persischem Golf im Osten, historisch die Kulturen, Stadtstaaten und Reiche der Sumerer, Akkader, der 3. Dynastie von Ur, des altbabylonischen Reiches, der Hethiter und Kassiten, von Mitanni, der Assyrer, des neubabylonischen Reiches sowie des Perserreiches. Die Schrifkultur der Keilschrift entstand um 3300 v.Chr. und klang im 1. Jahrhundert n.Chr. aus; an Keilschrifttexten sind überliefert: Wirtschaftstexte und -urkunden, Inschriften, Formeln, Geschichtsschreibung, Wissenschaft, Lieder, Mythen, Epen, lexikalische Texte, Namen. Die polytheistische Religion(en) des Alten Orients zeichnet sich durch ein Vielfalt von Göttern, Kulten und Mythen aus. Die bedeutendsten Götter, in sumerische, akkadische oder altbabylonische Zeit zurückgehend, waren: An (Himmelsgott), Enlil (Schöpfergott), Enki/Ea (Gott des Wassers und der Fruchtbarkeit), Digirnah/Nimmah/Nindigirene (Muttergöttin), Inanna/Ischtar (Göttin der Liebe, Sexualität und des Krieges), Nanna/Sin (Mondgott), Schamasch (Sonnengott), Ninurta (Erd- und Ackerbaugott), Ninissina (Heilgöttin), Dumuzi/Tammuz (Gefährte der Ischtar), Ischkur/Adad (Wettergott), Ereschkigal und Nergal (Unterweltsgötter), Marduk (Stadtgott von Babylon, Götterherr), Nabu (Gott der Gelehrsamkeit), Assur (Stadtgott von Assur, Reichsgott). Im Zusammenhang mit Religion und Göttern bildeten sich zahlreiche Mythen aus: Mythen der Weltschöpfung und -ordnung (Enlil, An, Enki, "Ninurta und die Schildkröte"), Götterkämpfe ("Kumarbi-Zyklus"), Mythen um die Schöpfung des Menschen ("Preislied auf die Hacke", Atrahasis-Epos), Mythen um Götterhochzeiten, -zeugungen und verschwundene Götter ("Enlil und Ninlil", "Enki und Ninhursaga", "Nergal und Ereschkigal", "Inannas Gang in die Unterwelt", "Dumuzis Traum"), Sintflutmythen ("Sumerische Sintfluterzählung"), Mythen um Götter, Könige und Menschen (Emmerkat-, Lugalbanda-, Gilgamesch-Epos, "Inanna und Schukalletuda", Adapa-Mythos, Etana-Mythos, "Erra-Epos"). Schließlich war das religiöse Leben im Alten Orient geprägt von Kult, Weissagung und Prophetie, von Totenpflege und Ahnenkult ("Königslisten"), von Tempel und Königtum (Kultbau [Zikkurrat], Tempelhaushalt und -ausstattung [Statuen von Gottheiten], Kultpersonal und Priesterschaft), von Fest und Kalender (babylonischer Standardkalender als Mondkalender mit Schaltmonaten, akiti-Feste, "Heilige Hochzeit" (?), babylonisches Neujahrsfest). [Buhlmann, 03.2012]

Kreiser, Klaus (2012), Geschichte der Türkei. Von Atatürk bis zur Gegenwart (= BSR 2758), München 2012, 128 S., Zeittafel, 2 Karten, € 8,95. Mit dem Waffenstillstand von Mudros (30. Oktober 1918) endete für das osmanische Reich der Erste Weltkrieg (1914-1918). In der Folge reduzierte es sich auf die ("Nussschale") Türkei, aliierte Interventionen (England, Frankreich, Italien) bzw. griechische Besetzungen betrafen das kleinasiatische Kernland, Thrakien und Istanbul. Während die osmanische Regierung unter Sultan Mehmed VI. Vahdeddin (1918-1922) den Friedensvertrag von Sèvres schloss (10. August 1920), organisieret sich der türkische Widerstand unter Mustafa Kemal Atatürk (*1881-†1938) in der Großen Nationalversammlung von Ankara (23. April 1920) und dem Krieg gegen die griechischen Invasoren (Unabhängigkeitskrieg, Schlacht von Dumlupinar 1922). Der griechisch-türkische Waffenstillstand von Mudanya vom 11. Oktober 1922 brachte eine "ethnische Entflechtung" hinsichtlich der Griechen und Türken, mit dem Friedensvertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923 und der damit einhergehenden Übereinkunft zwischen der Türkei und den allierten Mächten des Ersten Weltkriegs endete die Phase der türkischen "Republik vor der Republik"; zuvor war das osmanische Sultanat abgeschafft worden, am 3. März 1924 endete das osmanische Kalifat. Die türkische Republik unter ihrem ersten Präsidenten Atatürk und der "Republikanischen Volkspartei" (CHF, CHP) mit Hauptstadt Ankara hatte sich der sog. Scheich Said-Rebellion zu erwehren (1925), im Osten der Türkei blieben die ethnischen Spannungen zwischen Türken, Kurden und Armeniern virulent. Vor diesem Hintergrund vollzogen sich in den folgenden Jahren politisch-gesellschaftliche Reformen auf den Gebieten des Rechts (europäische Gesetzbücher), der Bildung (Schulen, Universitäten, lateinische Schrift) oder der Stellung der Frau (Laizismus). Die Reformen mündeten ein in den eher doktrinären "Kemalismus" der 1930er-Jahre ("Sechs Pfeile" des Parteiprogramms der CHP). Mit dem Vertrag von Montreux vom 20. Juli 1936 erhielt die Türkei die Souveränität über die Meerengen von Bosporus und Dardanellen zurück; 1938 fiel der "Sandschak von Alexandrette" an die Türkei. 1937/38 erschütterte der Dersim-Aufstand die Republik. Nach dem Tod Atatürks (11. November 1938) wurde Ismet Inönü Staatspräsident (1938-1950). Die Türkei betrieb während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) eine erfolgreiche Neutralitätspolitik, nach dem Krieg orientierte sich die Türkei stärker nach dem Westen (Marshall-Plan 1948, Koreabrigade 1950/53, NATO-Mitgliedschaft 1952, Assoziierungsabkommen mit der EWG 1963/64). Die 1950er-Jahre standen unter der Ägide Adnan Menderes' (1950-1960) und seiner "Demokratischen Datei" (DP), mit dem Militärputsch vom 27. Mai 1960 begann die "Zweite Republik", ein Regime (Nationaler Sicherheitsrat) mit einer neuen Verfassung (1961) und u.a. einer von der "Gerechtigkeitspartei" (AP) geführten Regierung unter Süleyman Demirel (1965-1974, 1979-1980). Die CHP-geführte Regierung unter Bülent Ecevit (1974, 1977, 1978-1979) ließ 1974 Nordzypern militärisch besetzen (Zypernfrage, Republik Nordzypern), die schlechte wirtschaftliche Lage und innere Unruhen (Terroraktionen der "Grauen Wölfe", "Nationale Aktionspartei" [MHP]) riefen im Putsch vom 12. September 1980 nochmals die türkischen Streitkräfte unter General Kenan Evren auf den Plan. Propagiert wurde in der Folge ein "dritter Weg" des "Atatürkismus", 13 Zivilregierungen z.B. unter Turgut Özal (1983-1989) und seiner "Vaterlandspartei" (ANAP) regierten das Land, das im Osten von Terrorakten der "Kurdischen Arbeiterpartei" (PKK) erschüttert wurde (1984-2000, ab 2003). Religiös orientierte Parteien wie die "Wohlfahrtspartei" (RP) (Necmettin Erbakan, 1996-1997) und die "Tugendpartei" (FP) wurden verboten (1997/98), das Mamara-Erdbeben vom August 1999 verursachte große Zerstörungen und forderte 17000 Menschenleben. Seit dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends besitzen die "Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung" (AKP) und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (ab 2002) die politische Führerschaft in der Republik. Ein starkes Wirtschaftswachstum (Industrie, Bodenschätze, Tourismus) hielt bis zum Jahr 2011 an, Verfassungsreformen (Referendum 2010) drängten die innenpolitische Machtstellung der Streitkräfte zu Gunsten einer "autoritären Demokratie" zurück. Nicht zuletzt stieg zwischen 1920 und 2010 die Bevölkerungsanzahl der Türkei von 17 auf 73 Millionen Einwohner an. [Buhlmann, 04.2013]

Kremer, Bruno P. (2016), Die Wiese (= Besondere Wissenschaftliche Reihe), Darmstadt 2016, 192 S., Farbabbildungen, ca. € 14,-. Weiden heißen Landflächen, die durch Abweidung direkt der Ernährung von Haustieren dienen; Wiesen sind Landflächen zur Futtermittelgewinnung, von denen etwa der Wintervorrat für Haustiere durch Abmähen gewonnen wird. Für den mitteleuropäischen Raum der Vorgeschichte und der mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte sind Wiesen und Weiden daher (hauptsächlich) Teile der durch den Menschen geschaffenenen Kulturlandschaft. Im Postglazial der (letzten) Weichsel/Würm-Eiszeit (ab ca.8000 v.Chr.) bedeckte lichter Wald (Großfauna) Mitteleuropa (Eindringen von Birke, Kiefer [ca.8000-5000 v.Chr.], Eiche, Hasel, Buche [ca.1000 v.Chr.]), im Zuge der neolithischen Revolution (v.5000 v.Chr.), von Ackerbau und Viehzucht, wurde der Wald gerodet und als (extensive) Waldweide für die domestizierten Tiere (Ziege, Schaf, Schwein) genutzt. Die Beweidung und eine Klimaverschlechterung führten ab Beginn der Bronzezeit (Subboreal, ca.2000 v.Chr.) zur Schneitelwirtschaft und schließlich zur Feld-Gras-Wirtschaft etwa der Eisenzeit mit den Wiesen als Freiflächen zur Aberntung des Viehfutters. Die Feld-Gras-Wirtschaft des europäischen Mittelalters spiegelt sich in der Dreifelderwirtschaft wieder. Modernisierungsschübe gab es dann im 20. Jahrhundert (Düngemittel) z.B. ab den 1950er-Jahren im Zuge der Umstellung von der Extensiv- zur Intensivweideform einschließlich einer damit einhergehenden Verarmung von Flora und Fauna innerhalb der Kulturlandschaft. [Buhlmann, 02.2016]

Kreutzer, Hans Joachim (2011), Heinrich von Kleist (= BSR 2716), München 2011, 128 S., € 8,95. Heinrich von Kleist, geboren am 18. (10.) Oktober 1777, aus einer brandenburgischen Adels- und preußischen Offiziersfamilie stammend, war nach Schule (1780er-Jahre), Militär (1793-1799), Universität (1799-1800) und Staatsdienst (1805) als Schriftsteller nur im "Jahrzehnt der Dichtung" zwischen 1801 und 1811 tätig. Als Folge von Lebenskrisen (1801, 1803/04, 1809/10, 1811) beging Kleist am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee bei Berlin Selbstmord. Kleists literarisches Werk besteht aus (frühen) Gelegenheitsschriften ("Der höhere Frieden", "Hymne an die Sonne", "Nicht aus dem Herzens bloßen Wunsche" (?), "Die beiden Tauben", "Aufsatz, den sicheren Weg des Glücks zu finden", "Geschichte meiner Seele", literarische Briefe), Dramen ("Die Familie Schroffenstein" [1802/03], "Robert Guiskard, Herzog der Nordmänner" [1804], "Amphitryon" [1807], "Der zerbrochene Krug" [1807], "Penthesilea" [1808], "Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe" [1808/09], "Die Herrmannsschlacht" [1809], "Prinz Friedrich von Homburg" [1809/10]), Publizistisches (Phöbus [1808-1809], Germania [1809], Berliner Abendblätter [1810-1811]) und Erzählungen ("Das Erdbeben in Chili" [1807], "Die Marquise" [1808], "Michael Kohlhaas" [1808/10], "Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik" [1810], "Das Bettelweib von Locarno" [1810], "Der Findling" [1810], "Die Verlobung in St. Domingo" [1811]); geplant hatte Kleist 1811 zudem einen Roman. Zu Heinrich von Kleist s. noch: Pelster, Theodor (2008), Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas (= RUB 15334), Stuttgart 2008, 77 S., € 3,-; Semdner, Helmut (2005), Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug (= Erläuterungen und Dokumente = RUB 8123), Stuttgart 2005, 159 S., € 1,-. Literatur als Geschichtsquelle ist: Kleist, Heinrich von (1968), Die Marquise von O... Die Verlobung in St. Domingo. Erzählungen (= RUB 1957), Stuttgart 1968, 95 S., DM 1,60; Kleist, Heinrich von (1980), Sämtliche Erzählungen (= Goldmann Klassiker 7532), München 21982, 250 S., DM 7,80 (mit den Erzählungen: Michael Kohlhaas, Die Marquise von O..., Das Erdbeben von Chili, Die Verlobung in St. Domingo, Das Bettelweib von Locarno, Der Findling, Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik, Der Zweikampf). [Buhlmann, 07.2013, 11.2015]

Kreutzer, Thomas (2008), Verblichener Glanz. Adel und Reform in der Abtei Reichenau im Spätmittelalter (= VKGLBW B 168), Stuttgart 2008 > R Reichenau

Kreuzzüge: Eine Geschichte der Kreuzzüge bewegt sich ereignisgeschichtlich vom 1. (1096-1099) bis zum 7. Kreuzzug (1270), umfasst den geografischen Raum vom christlichen Westeuropa über das byzantinische Reich bis zur Levante (Kreuzfahrerstaaten in Syrien und Palästina [sowie in Griechenland und der Ägäis]), umfasst [eingeschränkt] weiter die mit der Kreuzzugsidee mehr oder weniger in Verbindung stehenden Kriege gegen die Muslime in Spanien, gegen Heiden in Europa (Wendenkreuzzug, Deutscher Orden in Preußen) und innerchristliche Konflikte (Albigenserkreuzzug, Krieg gegen das sizilische Reich Kaiser Friedrichs II.). Vor dem Hintergrund der hochmittelalterlichen Veränderungen in Europa (Klimaoptimum, Bevölkerungswachstum, Entstehung von Städten, Ausweitung von Handel und Verkehr, verstärktes Aufkommen der Geldwirtschaft, grundherrschaftlicher Wandel) und von gregorianischer Kirchenreform und Investiturstreit (1075-1122) kam es im Zuge der Kreuzzüge zum "Aufbruch Europas" über Europa hinaus, setzten sich das Papsttum (von Urban II. [1088-1099] bis Pius II. [1458-1464]) sowie christliche Könige (Konrad III. [1138-1152] und Ludwig VII. von Frankreich [1137-1180], Friedrich I. Barbarossa [1152-1190] und Richard I. Löwenherz von England [1189-1199], Friedrich II. [1212-1250], Ludwig IX. der Heilige von Frankreich [1226-1270], [Sigismund von Ungarn (1387-1437)]) an die Spitze der Kreuzzugsbewegung und entstanden in der Levante im Gefolge des 1. Kreuzzugs (Eroberung Antiochias 1098, Eroberung Jerusalems 1099) die Kreuzfahrerstaaten Grafschaft Edessa, Fürstentum Antiochia, Königreich Jerusalem und Grafschaft Tripolis (Outremer). Im Mit- und Gegeneinander mit den muslimischen Herrschaften des Vorderen Orients waren die Kreuzfahrerstaaten immer auf kriegerischen Nachschub aus dem christlichen Westen angewiesen - hierbei spielten die italienischen Seefahrerstädte Venedig und Genua eine zunehmend wichtigere Rolle -, die Ritterorden der Templer, Johanniter und (seit dem Ende des 12. Jahrhunderts) der Deutschordensritter bestimmten mit ihren Rittern und Burgen gerade im 13. Jahrhundert die militärische Ausrichtung Outremers. Wirtschaftliche Grundlage der Kreuzfahrerstaaten war das Zusammenleben von Muslimen, orientalischen Christen, Juden und sich ansiedelnden bzw. herrschenden "Franken" (meist aus dem westeuropäisch-französischen Raum), im 13. Jahrhundert besaß der Handel über die Küstenstädte Outremers eine große Bedeutung. Gesellschaftlich-politisch war Outremer nach europäisch-lehnsrechtlichen Maßstäben organisiert (König bzw. Fürst, Barone). In Kriegen mit den muslimischen Zengiden und Aijubiden gingen die Grafschaft Edessa (1147) bzw. der Großteil des Königreichs Jerusalem (Schlacht bei Hattin, Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187) verloren, die Belagerung und letztendliche (Wieder-) Eroberung von Akkon (1189-1191) leitete zeitlich die 2. Hälfte der Existenz Outremers als Küstenregion mit muslimischem Umfeld ein. Zwar gelang durch den gebannten Kaiser Friedrich II. auf diplomatischen Weg die Zurückgewinnung der heiligen Stätten Jerusalem und Bethlehem (1228/29), doch wurde Jerusalem 1244 wieder muslimisch. Das Ausgreifen von Mamelucken und Mongolen nach Syrien und Palästina beendete dann die Existenz der Kreuzfahrerstaaten in der Levante (Eroberung Antiochias 1268, Eroberung Akkons 1291). [Die Kreuzfahrerstaaten in Griechenland und der Ägäis (Lateinisches Kaiserreich, Fürstentum Achaia, Herzogtum Athen, Herzogtum Naxos, venezianische Besitzungen), entstanden in der Folge des 4. Kreuzzugs (1202-1204), überlebten teilweise bis zum 15. Jahrhundert und bis in die frühe Neuzeit hinein. Das Spätmittelalter sah Kreuzzüge gegen die osmanischen Türken (osmanisches Reich) (Schlacht bei Nikopolis 1396, Schlacht bei Varna 1444). Der (angebliche) "Kreuzfahrtgedanke" wurde bis ins 21. Jahrhundert immer wieder neu und verändert rezipiert sowie politisch-ideologisch missbraucht.]
Quellen zur Geschichte der Kreuzzüge bieten: Bühler, Arnold (Hg.) (2002), Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas. Bericht eines Augenzeugen (= Fremde Kulturen in alten Berichten, Bd.13), Sigmaringen 2002, 191 S., € 24,90; Pernoud, Régine (Hg.) (1971), Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten (= dtv dokumente = dtv 763), München 31975, 374 S., DM 6,80; Schmale, Franz-Josef (1986), Italienische Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs I. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I. Ottos Morenas und seiner Fortsetzer Buch über die Taten Kaiser Friedrichs. Eines unbekannten Mailänder Bürgers Erzählung über die Unterdrückung und Unterwerfung der Lombardei. Aus Oberts Genueser Annalen. Aus der Chronik des Erzbischofs Romoald von Salerno. Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I. (= FSGA A 17a), Darmstadt 1986, 422 S., DM 48,-. Darstellungen zur Geschichte der Kreuzzüge sind: Ashbridge, Thomas (2010), Die Kreuzzüge, Stuttgart 2010, 807 S., € 39,90; Jaspert, Nikolas (2003), Die Kreuzzüge (= Geschichte kompakt. Mittelalter), Darmstadt 2003, 180 S., € 9,90; Riley-Smith, Jonathan (Hg.) (1999), Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge (= Oxford Illustrated History), Frankfurt a.M.-New York 1999, 488 S., DM 98,-; Runciman, Steven (1975), Geschichte der Kreuzzüge, München 1975, 1338 S., DM 48,-; Thorau, Peter (2003), Die Kreuzzüge (= BSR 2338), München 2003, 128 S., € 7,90; Tyerman, Christopher (2009), Die Kreuzzüge. Eine kleine Einführung (= RUB 17058), Stuttgart 2009, 208 S., € 5,40; Zöllner, Walter (1975), Geschichte der Kreuzzüge, Berlin 1990, 271 S., DM 7,95. [Buhlmann, 09.1981, 07.1995, 11.2003, 05.2004, 09.2009, 12.2011]

Krieger, Karl-Friedrich (2003), Rudolf von Habsburg (= GMR), Darmstadt 2003 > R Rudolf I. von Habsburg

Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos, hg. v. Mario Kramp (2000) (= Ausstellungskatalog), 2 Bde., Mainz 2000 > A Aachen

Krohn, Niklot (Hg.) (2013), Das Brigachtal im frühen Mittelalter. Begleitheft zur Ausstellung der Gemeinde Brigachtal in Brigachtal-Kirchdorf, 8. September bis 16. November 2013 (= AIBW 67), Esslingen 2013, 133 S., Farbabbildungen, Karten, € 8,50: Die Orte (Brigachtal-) Klengen und Kirchdorf, gelegen auf der Westbaar an der Brigach, zeichnen sich für das frühe Mittelalter durch eine gute archäologische und historische Überlieferung aus. Archäologisch nachweisbar ist aus der Merowinger- und Karolingerzeit nun eine Reihe von wichtigen Fundplätzen: die Bestattungsplätze "In der Wanne" und "Zwischen den Dörfern" (Reihengräberfriedhöfe des 5./6. bis 7./8. Jahrhundert) in Klengen, zwei Gräbergruppen in (Brigachtal-) Überauchen ("Eggwald" [Bestattungen an hallstattzeitlichen Grabhügeln], "Belli" [Bestattungen in einer römischen villa rustica]), die Martinskirche von Kirchdorf (frühmittelalterlicher Separatfriedhof [Kirchenbestattung], Kultbauten des 7./8., karolingische Kirche des 8./9., romanische Kirche des 12./13. Jahrhunderts) (Kurt W. Alt, Andrea Scheunemann, Die Bevölkerung des Brigachtals im Spiegel von Anthropologie und Paläomedizin; Sebastian Brather, Matthias Friedrich, Das frühmittelalterliche Reihengräberfeld von Klengen "Zwischen den Dörfern"; Jennifer Deible, Frühmittelalterliche Bestattungen in prähistorischen Grabhügeln: Die Gräber im Eggwald bei Überauchen; Hannes Eckert, Kirchdorf, St. Martin: Bauliche Entwicklung und denkmalpflegerisches Konzept; Jutta Klug-Treppe, Ein frühmittelalterlicher Bestattungsplatz im römischen Gutshof von Brigachtal-Überauchen; Niklot Krohn, Zwischen Ahnengrab und Urpfarrei: St. Martin in Kirchdorf im frühen Mittelalter). Die Urkunden des Klosters St. Gallen zu den Jahren 764/68, 793, 817, 821, 881 und 888 geben Einblicke in die besitzrechtlichen und politischen Verhältnisse in Klengen, auf der "Klengener Mark" und in Kirchdorf. Erkennbar wird eine Adelsfamilie um die Grafen Nebi (†v.769/73) und Ruodbert (769/73, 797/801), Vater und Sohn; Nebi soll der Großvater der Hildegard (†783), der alemannischen Ehefrau Kaiser Karls des Großen, gewesen sein, ein weiterer Ruodbert wird zu 793 genannt, ein Priester und ministerialis Ruodbert zu 881 und 888 (Schenkung der Kirchdorfer Kirche durch Kaiser Karl III. [876-887/88]), eine Kirchdorfer Seitenlinie der Adelsfamilie ist auszumachen (Eiginhova [Kirchdorf] und Agino), das Kirchdorfer Gotteshaus war auf Grund von frühkarolingischer Besitzkonfiskation im endenden 8. und im Jahrhundert in Besitz der karolingischen Könige. (Thomas H.T. Wieners, Cheneinga marca & capella sancti Martini. Die Urmark Klengen und die Urkirche Kirchdorf im Spiegel der frühmittelalterlichen Urkundenüberlieferung des Klosters St. Gallen). Vgl. Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Gallen, das Königtum, die Baar, Klengen und Kirchdorf im frühen Mittelalters (= VA 80), Essen 2015, 72 S., € 5,-. [Buhlmann, 07.2015]

Kronenberg, Friedrich (1995), Online Surfing im Internet (= Econ Computer Taschenbücher, Nr. 28078), Düsseldorf-Wien 1995, 397 S., Schwarzweißabbildungen, DM 19,90 > Kompendium Mittelalter > Wissenschaftsbetrieb: Computertechnologie [Buhlmann, 04.1995]

Krüger, Jürgen, Wallraff, Martin (2010), Luthers Rom. Die Ewige Stadt in der Renaissance, Darmstadt 22015, 176 S., Farbabbildungen, Karten, € 14,95. I. Im Herbst 1511 besuchte Martin Luther (*1483-†1546) in Angelegenheiten seines Ordens der Augustinereremiten und im Auftrag des Leiters der sächsischen Kongregation, Johannes von Staupitz, Rom. Nur Weniges kann konkret zum Lutheraufenthalt in "Luthers Rom" gesagt werden, vieles muss vermutet werden, was den damals unbekannten Mönch betrifft. Metahistorisch betrachtet, verband das Rom des 15. und 16. Jahrhunderts immerhin einiges mit der Reformation Martin Luthers. II. Luther wird sich wahrscheinlich auf der Via Francigena (teilweise als Via Cassia, Via Flamina) über Acquapendente (nördliche Grenze des Kirchenstaats, Kathedrale S. Sepolcro), Bolsena (frühes Christentum, Kirche S. Cristina), Montefiascone (Kirche S. Flaviano, Farnese), Viterbo (Papstresidenz), Sutri (Synode von 1046) und La Storta (Kapelle und Vision des Ignatius von Loyola) nach Rom begeben haben. Dort war er wohl im Augustinerkloster an der Kirche S. Maria del Popolo (Renaissancebau, Cappella del Crocifisso, Tafelbilder [Bekehrung des Paulus]; Piazza del Popolo; Porta del Popolo) untergebracht (daneben Augustinerkirche S. Agostino). Von dort wird er sicher Kirchen und Paläste, auch die Katakomben erkundet haben, soweit dies seine dienstlichen Aufgaben zuließen, auf jeden Fall die deutsche "Nationalkirche" S. Maria dell'Anima. Luther sah im abitato (<-> disabitato) zudem ein Rom des Adels (Adelstürme, Paläste), des Handels (Läden, Bottegen) und der Finanzen (päpstliche Münzstätte); zudem gab es in Rom ein große jüdische Gemeinde (Ghettoisierung 1555). III. Das Rom der Renaissance war - nach "Babylonischer Gefangenschaft" (1309-1378) und Großen Papstschisma (1378-1417) - eine Stadt auch im architektonischen Aufbruch. Der Papst als "Urbanist" durchzog Rom mit neuen Straßen, u.a. der Via Papalis ("Papststraße") und der Via dei Pellegrini ("Pilgerstraße"; Pilgerviertel, Ponte Sisto). Kirchen und Palazzi wurden neu gestaltet und erbaut, angefangen bei den Hauptkirchen der Päpste, Lateranbasilika (Papst Martin V.) und Peterskirche des Vatikans (Neubau). Mit der katholischen Reform des 16. Jahrhunderts - und damit indirekt mit der Reformation - zu tun haben: S. Maria sopra Minerva (Dominikanerkirche und -kloster, römische Inquisition), Palazzo della Cancellaria (Kurie, päpstliche Kanzlei), S. Pietro in Montorio (Theologie der katholischen Reform). IV. Spuren des Reformators Martin Luther (als "Erzketzer") finden sich noch heute in Rom: Graffito "LUTHERus" (Stanzen des Raffael, 1527 ["Sacco di Roma"]), Grabmal des Ignatius von Loyola (Jesuitenkirche Il Gesù, Figur der Häresie), Ölgemälde "Mariä Himmelfahrt" in der Kirche S. Maria in Monserrato, Statue des Giordano Bruno (1889, Emblem Luthers), nichtkatholische Kirchen Roms. [Buhlmann, 08.2015]

Krüger, Thomas Michael (2002), Persönlichkeitsausdruck und Persönlichkeitswahrnehmung im Zeitalter der Investiturkonflikte. Studien zu den Briefsammlungen des Anselm von Canterbury (= SB 22), Hildesheim 2002, 270 S., € 14,80. Anselm von Canterbury (*ca.1030-†1109) war Prior (1063-1078) und Abt des normannischen Klosters Bec (1078-1092) bzw. Erzbischof von Canterbury Anselm (1092-1109), Verfasser von zahlreichen theologisch-philosophischen Werken (Dialog Cur deus homo u.a.), der (sog.) "Vater der Scholastik", Verfechter der libertas ecclesdie im kirchlichen Reformzeitalter und im Investiturstreit. Die Briefsammlung des Priors, Abtes und Erzbischofs Anselm von Canterbury ist entstanden aus einem durch Anselm initiierten Sammlungsprozess. Anselm edierte und komponierte seine Briefsammlung didaktisch als ein Sammlung von Musterbriefen, inhaltlich als eine Briefsammlung mit pastoraler, wissenschaftlicher und dokumentarischer Funktion (memoria). Die Briefe können von daher als "autobiografisch" gelten, aber auch als "amtlich" und "privat" sowie "literarisch" stilisiert. Sie sind Ausdruck von (gesteigerter) (entwicklungspsychologisch zu deutender) Persönlichkeit und Individualität innerhalb der intellektuellen kirchlich-politischen Elite in einer "Wendezeit" des Mittelalters. Die Briefsammlung, die Freundschaft und ethische Verhaltensweisen zum Ausdruck bringt, ist damit - mentalitätsgeschichtlich gesehen - ein Baustein in der historischen Entwicklung zum neuzeitlich-europäischen Individualismus. > Lateinische Literatur > A Anselm von Canterbury. [Buhlmann, 04.2013]

Krüger, Thorsten (Hg.) (2010), O vitae philosophia dux! Lateinische Texte zum Thema "Philosophie in Rom" (= RUB 19784), Stuttgart 2010, 160 S., € 4,40. I. Die Römer der frühen und mittleren Republik bis zum 2. vorchristlichen Jahrhundert hatten unter Verweis auf die römischen Tugenden (virtutes) und auf die "Sitte der Vorfahren" (mos maiorum) wenig mit der griechischen Philosophie gemeinsam. Mit der Einbeziehung der Magna Graecia Unteritaliens und Griechenlands in das römische Weltreich drang dennoch griechisches Gedankengut nach Rom ein ("Philosophengesandtschaften" ab 173 v.Chr., Vorträge griechischer Philosophen [Krates von Mallos, 168 v.Chr.], griechische Geiseln [168 v.Chr.] und "Scipionenkreis", P. Scipio Africanus und Q. Tubero [129 v.Chr.]). Doch erst mit dem Politiker, Redner und eben Philosophen und "Anwalt der Philosophie" Marcus Tullius Cicero (†42 v.Chr.) wurde auch die griechische (nicht-epikuräische) Philosophie im Rom der späten Republik wichtig. Die Philosophie der römischen Kaiserzeit, vornehmlich die Stoa, prägte Dichter (Vergil, Horaz) und Kaiser (Marc Aurel), Lucius Annaeus Seneca (†65 n.Chr.) war der wichtigste römische Philosoph der frühen Kaiserzeit. II. Ein Spiegelbild römischer Philosophie bieten Texte von Cicero, Lukrez, Seneca und Augustinus. > Lateinische Literatur. [Buhlmann, 10.2013]

 Kruse, Karl Bernhard (2000), Der Hildesheimer Dom. Von der Kaiserkapelle und den Karolingischen Kathedralkirchen bis zur Zerstörung 1945. Grabungen und Bauuntersuchungen auf dem Domhügel 1988 bis 1999, Hannover 2000, 517 S., Abbildungen, Tabellen, Pläne, Karte (auch als Beilagen), € 9,-. Die (Bau-) Geschichte des Hildesheimer Dom stellt sich wie folgt dar: Marienkapelle Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) als einschiffige Kirche mit quadratischem Chor, Halbkreisapsis und Chorscheitelkapelle (als Ort des Marienwunders) (v., ca.815; Fundatio ecclesie Hildesemensis); Dombau des Hildesheimer Bischofs Gunthar (815-834) südlich der kaiserlichen Kapelle auf dem Domhügel (an der Fernhandelsstraße Rheinland-Ostsachsen, Domburg der Bischöfe) als dreischiffig-basilikale Kathedralkirche St. Caecilia mit Westquerhaus und zwei Türmen (815-v.822/23?), daneben ein festes Haus mit Versorgungsbau, daneben eine Steinmauer als Schutz vor der Treibe; Dombau des Hildesheimer Bischofs Altfrid (847-874) unter Überbauung der kaiserlichen Marienkapelle als dreischiffige Marienbasilika mit Querhaus, Vierungs- und Apsischor, Umgangskrypta und Scheitelkapellen, Westchor, Westkrpyta und Westtürmen (851-872), geweiht 872, daneben die Klausurgebäude für die Geistlichkeit; Epiphaniuskapelle des Hildesheimer Bischofs Othwin (954-984; Raub der Gebeine des Epiphanius in Pavia 962) südlich des Altfrid-Doms (n.962); Verfall und Abriss des Gunthar-Doms (10./11. Jahrhundert); kostbare Ausstattung des Altfrid-Doms (Westkrypta) und Neuerrichtung einer Westvorhalle (Bronzetüren) durch den Hildesheimer Bischof Bernward (993-1022); Umbau des Westchores und Westbau (Westriegel) durch den Hildesheimer Bischof Godehard (1022-1038); Brand des Altfrid-Doms (1046) und unvollendeter Neubau des Hildesheimer Bischofs Azelin (1044-1054) unter Abriss von Teilen des Langschiffs und Beibehaltung von Ostchor, Querhaus und Westriegel; Wiederaufbau des Mariendoms unter dem Hildesheimer Bischof Hezilo (1054-1079) mit Vierungs- und Chorkrypta in den Grundmaßen des Altfrid-Doms, geweiht 1061 (Marienaltar im Hochchor); daneben die ursprüngliche Scheitelkapelle als freistehende Rundkapelle (1078); Baumaßnahmen am Dom (im Bereich des Kreuzgangs Errichtung der Laurentiuskapelle durch den Hildesheimer Bischof Udo [1079-1114], Umgestaltung der Domapsis unter dem Hildesheimer Bischof Berthold [1119-1130]) und Erweiterungen des Doms (12./13. Jahrhundert); Erweiterungen des Doms durch gotische Kapellenbauten (14. Jahrhundert, 1. Hälfte; Bartholomäuskapelle, Annenkapelle, Erweiterung der Laurentiuskapelle, Erneuerung des Marienbrunnens); wenige frühneuzeitliche Baumaßnahmen, umfangreiche Barockisierung der Innenausstattung des Doms; Abriss und Neubau des Westriegels und der Domtürme (1841/50); Zerstörung des Doms beim Luftangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 und Wiederaufbau (ab 1949). [Buhlmann, 01.2017]

KSKG = Kölner Schriften zu Geschichte und Kultur

KTA = Kröner Taschenausgabe

Kuchenbuch, Ludolf (1991), Grundherrschaft im früheren Mittelalter (= Historisches Seminar. Neue Folge 1), Idstein 1991 > G Grundherrschaft

Künzl, Ernst (2013), Die Thermen der Römer, Darmstadt 2013, 160 S., Farbabbildungen, Pläne, Karten, € 12,95. Die republik- und kaiserzeitlichen Thermen der Römer waren Teil der antiken Badekultur, hatten im griechischen Badewesen ihren Vorgänger und besaßen auch eine religiöse Grundlage (Heiligkeit von Wasser, Quellheiligtümer: Clitumnusquelle, Münzopfer, Wasserorakel, Heilbäder, Wassergötter und Quellnymphen). Die Badeanstalten der römischen Zeit setzten eine geregelte Wasserversorgung voraus; für Rom und andere Städte im römischen Reich stellten diese Äquadukte (Rom: Aqua Appia [312 v.Chr.], ... Aqua Alexandrina [226 n.Chr.]; Nimes: Pont du Gard [um Christi Geburt]), unterirdische Wasserleitungen (Köln: Eifelwasserleitung) sowie die Wasserverteilung in der Stadt (Zweigleitungen, Wasserverteiler, Brunnen, Nymphäen) sicher. Thermen waren dann der architektonische Rahmen des römischen Badewesens: von einfachen Bädern über die Privatbäder der Reichen und Mächtigen bis hin zu den Kaiserthermen Roms (Agrippa-, Nero-, Titus-, Trajansthermen [Letztere als Prototyp], Caracalle-, Diokletiansthermen) oder Triers (Barbara-, Kaiserthermen). Die Kaiserthermen besaßen im Badebereich: Caldarium, Tepidarium, Frigidarium, Palästren, Natatio, Apodyterium, im Außenbereich: Nymphäen, Exedren, Bibliothek, Vortragssäle, versehen mit einer besonderen Ausstattung (Bilder, Statuen, Brunnen); Fensterglas und Hypokaustenanlagen sicherten die Beheizbarkeit von Wasser und Räumen; öffentliche Toilettenanlagen waren vorhanden. Thermen waren im ganzen römischen Reich vorhanden (Gymnasium-Thermen-Komplexe: Vediusgymnasium in Ephesos, Faustinathermen in Milet; Militärbäder; Thermen römischer Gutshöfe). Der Badebetrieb stellte sich dar als meist eintrittspflichtiges (Eintrittsgeld als balneaticum; tessara als Bleimarke von Bäderstiftungen) Dienstleistungsunternehmen mit Bademeister, Badepersonal und Sklaven sowie geregelten Öffnungszeiten. Die Kunden, Männer und Frauen gleichermaßen nackt oder mit einem Schurz bekleidet (bei Frauen), badeten wohl meist gemischt und absolvierten das Badegeschehen von der Garderobe (Apodyterium) über Schwitzbad (Laconicum, Sudatorium) und Heißbaderaum (Caldarium) bis hin zum Tepidarium (Bad mit lauwarmen Wasser) und Frigidarium (Kaltbad) bzw. zur Natatio (Ruhebecken); es ging dabei um die Reinigung des Körpers, daneben aber auch um Unterhaltung (Gespräche, Vorträge, Bibliothek, Essen und Trinken) oder um die ärztliche Versorgung (Chirurgie, Operationsräume). Genutzt wurden insbesondere im Rahmen des römischen Badewesens die Heilquellen und Thermalbäder, etwa die campi flegrei bei Neapel (Baiae) oder Quellen bei Rom (Aquae Albulae, Aquae Apollinares), die Heilquelle im südwestenglischen Aquae Sulis (Bath), die Seinequellen (als Akratopege) oder die Quellen in den germanischen Provinzen des römischen Reiches (Aachen, Baden-Baden, Badenweiler, Bad Bertrich, Bad Cannstatt, Bad Gögging, Bad Niedernau, Nierstein, Bad Vilbel, Wiesbaden u.a.). Vgl. dazu: Brödner, Erika (1983), Die römischen Thermen und das antike Badewesen. Eine kulturhistorische Betrachtung, Darmstadt 1983, XI, 306, 80 S., Schwarzweißabbildungen, Tafeln, DM 2,-. [Buhlmann, 09.2016]

Küppers-Braun, Ute (1997), Frauen des hohen Adels im kaiserlich-freiweltlichen Damenstift Essen (1605-1803). Eine verfassungs- und sozialgeschichtliche Studie, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Stifte Thorn, Elten, Vreden und St. Ursula in Köln (= QuS 8), Münster 1997, 483 S., DM 75,-. Zeitlich steht die frühe Neuzeit und hier das 17. und 18. Jahrhundert im Mittelpunkt der Darstellung über Stiftsfrauen und Äbtissinnen des ins 9. Jahrhundert zurückreichenden hochadligen, freiweltlichen Stifts Essen. Das Leben der Stiftsfrauen war geprägt vom Verfassungsgefüge des Stifts und der Landesherrschaft Essen, vom Netzwerk der Hochadelsfamilien, aus dem sich die Mitglieder des gräflichen Domkapitels in Essen rekrutierten (Voraussetzungen, Aufnahmeverfahren, Residenzpflicht, Dignitäten), von der Stellung der Fürstinnen-Äbtissinnen innerhalb und außerhalb des Stifts (Wahl, Konfirmation und Belehnung, Handlungsweisen), vom Alltagsleben zwischen Chordienst, Bildung und Welt, von den Funktionen, die das Frauenstift im adlig-gesellschaftlichen Gefüge seiner Zeit hatte. Eine Prosografie der Stiftsfrauen gibt dabei einen umfangreichen Überblick über Leben und Lebensgestaltung der einzelnen hochadligen Mitglieder des Essener Stifts. Alles in allem kann hinsichtlich des Essener Frauenstifts daher festgestelt werden: In der frühen Neuzeit war das Frauenstift eine ständisch-adlig legitimierte Einrichtung, die neben der Funktion als Versorgungsinstitut der weiblichen Sozialisation sowie dem Selbstverständnis und der Selbstbestätigung des Adels diente. [Buhlmann, 04.2010]

Küppers-Braun, Ute (2002), Macht in Frauenhand. 1000 Jahre Herrschaft adeliger Frauen in Essen, Essen 2002, 42008, 224 S., Abbildungen, Karten, € 17,90. Die Anfänge Essens reichen bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts zurück. Doch machen es die Ergebnisse neuester archäologischer Untersuchungen sehr wahrscheinlich, dass schon weit vor der Gründungszeit der Frauengemeinschaft (Vorgänger-?) Siedlungen in Essen bestanden haben (6./7. Jahrhundert). Auch weist der Ortsname "Essen" (Astnide u.ä.) - was soviel wie "Gegend nach Osten" bedeuten soll - auf eine frühmittelalterliche Grundherrschaft hin, deren Mittelpunkt vielleicht in Altenessen zu suchen ist. Man wird die Grundherrschaft um Altenessen mit dem umfangreichen Erbbesitz der Gründer Gerswid und Altfrid in Verbindung bringen können. Denn als der Sachse Altfrid und dessen Verwandte Gerswid die Frauengemeinschaft in Essen errichteten, taten sie dies der Essener Überlieferung nach auf ihren eigenen Gütern und vielleicht im Jahr 852. Die sich ausbildende geistliche Gemeinschaft benötigte eine umfangreiche, möglichst in der Umgebung vorhandene materielle Ausstattung, und so kamen neben den Besitztiteln der Altfrid-Familie auch die Schenkungen ostfränkisch-deutscher (und lothringischer) Könige des 9. bis 11. Jahrhunderts hinzu. Es entstand die Grundherrschaft der Essener Frauengemeinschaft mit den Haupthöfen Viehof und Eickenscheid und vielen Hofverbänden (einschließlich der über 1000 abhängigen Bauernhufen), die - zumeist als Streubesitz - sowohl in der Nähe lagen, als auch weiter entfernt (Niederlande, Westfalen, Rur-Erft-Raum, Breisig). Seit dem 10. Jahrhundert stellt sich die Essener Gemeinschaft religiöser Frauen als ein unter Königsschutz stehendes und mit Immunität begabtes kirchliches Institut dar. Die Äbtissin war Immunitätsherrin und ernannte in dieser Eigenschaft den Vogt als öffentlichen Richter für die Kommunität und deren Besitz. Die Verfügung über den Zoll und die unter Äbtissin Theophanu (1039-1058) erfolgte Einrichtung eines Jahrmarktes an Cosmas und Damian (1041) stärkten die Gemeinschaft ebenso wie der Besitz des Kirchenzehnten zwischen Ruhr und Emscher, Leithebach und Oberhausener Gebiet oder die Unterstellung unter die päpstliche Gerichtsbarkeit. Die gestiegene Bedeutung der Frauenkommunität offenbarte sich auch in der Bautätigkeit besonders des 10. und 11. Jahrhunderts (Basilika mit Westwerk und Atrium), aber auch nach der Brandkatastrophe von 1275 des 13. bis 15. Jahrhunderts (gotisches Langhaus mit Chor und Vierungsturm). Schon für das 11. Jahrhundert muss von einer Marktsiedlung im topografischen Vorfeld des Stifts ausgegangen werden. Dienstleute der Äbtissin und Wachszinsige der stiftischen Grundherrschaft spielten im Stadtwerdungsprozess Essens eine wichtige Rolle. Im 13. Jahrhundert begann die Trennung von Stift und Stadt Essen. Parallel zur Ausbildung der Stadt verdichteten sich Rechte und Besitz des Stifts in der Essener Umgebung zur Landesherrschaft der Äbtissin zwischen Ruhr und Emscher. Doch blieb diese im Verhältnis zur Stadt einerseits und zur Stiftsvogtei andererseits nicht unumstritten (Essener Vogteifrage). Die Äbtissin erlangte zwar den Status einer Reichsfürstin, doch war ihre Herrschaft durch mächtige Vögte bedroht. Versuche der Kölner Erzbischöfe, im Rahmen des kölnisch-klevischen Gegensatzes die Essener Vogtei wiederzugewinnen, scheiterten im 1. Äbtissinnenstreit (1290-1309) und mussten spätestens mit der für Köln unglücklich verlaufenden Soester Fehde (1445-1449) endgültig aufgegeben werden. Streitigkeiten innerhalb des Hauses Kleve-Mark (1423-1429) und der damit verbundene 2. Äbtissinnenstreit (1426-1429) belasteten Stift und Stadt Essen ebenfalls. Wiederholte Konflikte zwischen Stift und Stadt wurden im sog. Großen Schied vom 20. Februar 1399 durch einen Kompromiss beigelegt. In der frühen Neuzeit kamen im Verlauf des 16. Jahrhunderts reformatorische Bestrebungen in Stadt und Stift Essen auf, die Stifsfrauen gehörten im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert zum Teil der katholischen, zum Teil der protestantisch-lutherischen Konfession an. Unter Äbtissin Elisabeth von Berg (1605-1614), die gegen den Widerstand des Konvents Leiterin der Frauengemeinschaft wurde, begann im Essener Territorium die Zeit der Gegenreformation. Jesuiten und Kapuziner wurden ins Land geholt. Die Spannungen verschärften sich mit dem Religionsedikt der Äbtissin Maria Clara von Spaur (1614-1644) von 1616, das eine Rückkehr zum katholischen Glauben auch für die Stadt Essen vorsah. Die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts stand dann aber unter dem Vorzeichen eines gewissen konfessionellen Ausgleichs. Ein 1568 beim Reichskammergericht begonnener und bis 1670 dauernder Prozess zwischen Stadt und Stift Essen endete damit, dass die Äbtissin weiterhin Landesherrin im Territorium war, der Stadt hingegen deren Freiheiten und Rechte wie die freie Ratswahl oder die Freiheit von Steuern der Landesherrschaft bestätigt wurden. Das 18. Jahrhundert sah unter Fürstäbtissin Franziska Christina von Pfalz-Sulzbach (1726-1776), die gleichzeitig (ab 1717) auch Leiterin des Frauenstifts in Thorn war, durchaus absolutistische Tendenzen im Verhältnis zwischen der Äbtissin und den ebenfalls die Landesherrschaft tragenden Ständen. Maria Kunigunde von Sachsen und Polen (1776-1803) war dann die letzte der Essener Fürstäbtissinnen. Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sie "weibliches Unternehmertum" (Beteiligung an Eisenhütten, Chausseenbau). Für das Ende der frühen Neuzeit ist noch auf den Landesgrundvergleich von 1794 zu verweisen, der als "Verfassung" und "Grundgesetz" für Stift und Landesherrschaft Essen gelten kann. 1802 wurde die Essener Landesherrschaft durch Truppen des preußischen Königs, immerhin dem Schutzherrn der Frauengemeinschaft, besetzt. Im Jahre 1803 erfolgte die Säkularisation des Frauenstifts. Alles in allem kann hinsichtlich des Essener hochadligen, freiweltlichen Frauenstifts festgestelt werden: Aus einem wie auch immer gearteten Sanktimonialentum des früheren Mittelalters entstand spätestens in der frühen Neuzeit das Frauenstift als ständisch-adlig legitimierte Einrichtung, die neben der Funktion als Versorgungsinstitut der weiblichen Sozialisation sowie dem Selbstverständnis und der Selbstbestätigung des Adels diente. [Buhlmann, 04.2010]

Kunisch, Johannes (2011), Friedrich der Große (= BSR 2731), München 2011, 127 S., Zeittafel, € 8,95. Der preußische König Friedrich der Große (*1712, 1740-1786), Sohn des brandenburgisch-preußischen Herrschers Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), hatte eine auf Militär, Disziplin und Gehorsam beruhende Erziehung (Flucht Friedrichs, Hinrichtung Kattes und Kronprinzenprozess 1730, Heirat mit Wilhelmine von Bayreuth 1733, Rheinsberger Herrschaft 1733-1740) hinter sich, als er 1740 seinem Vater in der Herrschaft über den Länderkomplex Brandenburg-Preußen (als hohenzollerisches Kurfürstentum vom Niederrhein bis nach Prueßen, Verwaltung, Heer und Finanzen, Bevölkerung und Gesellschaftsschichten) nachfolgte. Die preußischen Truppen unter Führung Friedrichs eroberten im 1. Schlesischen Krieg (1740-1742) das österreichisch-habsburgische Schlesien, das der König im nachfolgenden 2. Schlesischen Krieg (1743-1744) und im Frieden von Aachen (1748) behaupten konnte. Es folgten die Jahre der Herrschaftskonsolidierung (Schloss Sanssouci 1745/48, königliche Sammlungen, Landesausbau, Finanzen und Justiz). Der Siebenjährige ("Welt-") Krieg (1756-1763, auch als 3. Schlesischer Krieg, Frieden von Hubertusburg 1763) hinterließ nach Siegen und Niederlagen bei Behauptung Schlesiens ein vielfach verwüstetes preußisches Territorium (Bevölkerungsverluste, Münzverschlechterung und Inflation, Kriegszerstörungen), das im Zuge des rétablissement wiederaufgebaut wurde (Politisches Testament Friedrichs 1768, Essay Friedrichs über die Regierungsformen 1777). Friedrich (der "Alte Fritz") und Preußen beteiligten sich im diplomatischen Mit- und Gegeneinander der europäischen Großmächte (Kabinettsdiplomatie) an der 1. Polnischen Teilung (1772, Erwerb von Ermland und Teilen von Großpolen). Im Gegenspiel zum Haus Habsburg-Österreich konnte Friedrich den Anfall Bayerns an die österreichische Monarchie verhindern (wittelsbachischer Erbfall 1777, Bayerischer Erbfolgekrieg als "Kartoffelkrieg" 1778/79, Frieden von Teschen 1779). Ein Gegengewicht zu Österreich bildete auch der von Preußen maßgeblich mitinitiierte Fürstenbund von 1785. An Gicht und schwerem Asthma erkrankt, starb Friedrich am 16. August 1786, der Leichnam fand seine Grabstätte in der Potsdamer Garnisonskirche, dann auf der Burg Hohenzollern, schließlich doch noch im Schlosspark von Sanssouci (1991). Friedrich gilt der Nachwelt als aufgeklärt-absolutistischer Herrscher, als Eroberer und Feldherr, als Kunstmäzen und Schriftsteller, der u.a. mit dem französischen Philosophen Voltaire korrespondierte. [Buhlmann, 11.2011]

Kunst umfasst die verschiedenartigsten (handwerklich-) künstlerisch-kulturellen Tätigkeiten von Menschen und deren Ergebnisse. Sie gliedert sich in: bildende Kunst (Architektur, Skulptur, Malerei), Literatur (Dramatik, Epik, Lyrik u.a.), Musik (Komposition, Interpretation), darstellende Kunst (Theater, Tanz, Film). U.a. die bildende Kunst wird in verschiedene Kunstepochen unterteilt: Vorgeschichte, Antike (altorientalische, griechische, römische Kunst), Mittelalter (altchristliche, byzantinische, karolingische, romanische, gotische Kunst), Neuzeit (Renaissance, Barock, Rokoko), Moderne.
Allgemeine Einführungen zur Kunst bieten: > A Archaeologica Mundi; Braun, Heinz (1974), Formen der Kunst. Eine Einführung in die Kunstgeschichte, München 1974, 523 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, Glossar, DM 23,80; > E Enzyklopädie der Weltkunst; Müller, Werner, Vogel, Günther (1974/81), dtv-Atlas zur Baukunst. Tafeln und Texte, 2 Bde., Bd.1: Allgemeiner Teil. Baugeschichte von Mesopotamien bis Byzanz (= dtv 3020), München 1974, DM 12,80, Bd.2: Baugeschichte von der Romanik bis zur Gegenwart (= dtv 3021), München 1981 > D dtv-Atlas, dtv-Atlanten. [Buhlmann, 04.2017]

Kunst, Christiane (2005), Römische Adoption. Zur Strategie einer Familienorganisation (= FAB 10), Hennef 2005, 351 S., € 58,-. I. Arrogatio bedeutete in römisch-frührepublikanischer Zeit im Rahmen der patria potestas die Unterordnung eines Familien-/Herrschaftsverbands eines pater familias unter einen oder im Falle des Zusammenschlusses mit einem anderen (Verwandtschaft und Loyalität). Die arrogatio war faktisch den patrizischen Adelsgeschlechtern im alten Rom vorbehalten (Kontrolle durch die pontifices); Patrizier verschafften sich damit und durch Beschluss in den comitia curiata einen Sohn und Erben. Vererbung konnte auch über die Rechtsform des testamentum calatum stattfinden. Im 3. Jahrhundert v.Chr. bildete sich zudem die adoptio zunächst als privatrechtliche Verfügung heraus. Die Adoption verschaffte dem Adoptierenden den (meist jugendlichen) Adoptierten als Sohn und Erben. Zudem gab es das Mittel der Sklavenadoption. Adoption und arrogatio waren in der ausgehenden späten römischen Republik in der römischen Oberschicht verbreitet. Der Philosoph und Schriftsteller Cicero (†43 v.Chr.) sprach von einem ius adoptionis, das in der Form der arrogatio politisch instrumentalisiert wurde. II. Adoption diente zum einen dem Familienerhalt bei den - auch auf Grund von Selbstbeschränkung - mit männlichem Nachwuchs nicht allzu reichlich versehenen Familien des römisch-republikanischen Adels. Zum Zweiten brachte die Adoption von Mitgliedern aus anderen Oberschichtenfamilien, die über mehr politisch-soziales Prestige verfügten, Teilhabe an ebendiesem Prestige. Adoption war also auch eine Frage von Rang und Stellung, die es zu vergrößern galt; sie schmiedete poltische Bündnisse zwischen Familien oder stärkte die Stellung einer gens, innerhalb der Adoptionen unter Umgehung von Heiratsverboten stattfinden konnten. III. In der römischen Kaiserzeit des Prinzipats verloren Adoptionen ihre prestigebildende Funktion, da Senatoren- und Ritterstand kaum noch über politische und gesellschaftlich-soziale Macht verfügten (Kaisertum). Die Regeladoption republikanischer Tradition trat nun hinter die Testamentsadoption zurück. Bis in die Spätantike hinein unterlagen die Adoptionsregeln einem Rechts- und Wertekonservatismus, der zum Zusammenhalt der sich selbstvergewissernden und legitimierenden Oberschicht im römischen Reich beitrug. Auch der Kaiser (als eine Quelle römischen Rechts) gestaltete u.a. durch Ausnahmen und Einzelprivilegierungen das kaiserzeitliche Adoptionsrecht (ius trium liberorum, Bruderadoption, Frauenadoption, Quasiadoption). Bei den Mittelschichten im römischen Reich gab es vielfach die Adoption ersetzende Strategien (informelle Adoption). In den Mittelpunkt der Adoptionsvorstellungen gerieten auch stärker die ethischen Normen, die der zu Adoptierende bzw. Adoptierte gegenüber dem Adoptierenden einzuhalten hatte; statt gesellschaftlicher Selbstkontrolle regelten seit dem 2. Jahrhundert n.Chr. zunehmend (restriktive) rechtliche Bestimmungen die Adoption (Wertebewahrung). Seit dem 2. und 3. Jahrhundert wandelte sich - auch durch das Adoptionsrecht - die patria potestas, ohne ihre für die römische Gesellschaft wichtige Rolle zu verlieren. Als [mit dem Christentum und] im Übergang zum Mittelalter Vaterschaft zunehmend über den Zeugungsakt definiert wurde, verloren Adoption und soziale Sichtweise auf die Familie an Bedeutung. [Buhlmann, 12.2016]

Kunst-Epochen ist eine Geschichte der europäischen Kunst; die Bände sind jeweils untergliedert in eine geschichtliche Darstellung, nach Gattungen (Architektur, Skulptur, Malerei), mit Werkbeispielen, Materialien (Geschichtsquellen) und Künstlerbeispielen. U.a. ist in der Reihe erschienen: Bd.6 (2004): Wundram, Manfred, Renaissance (= RUB 18173), Stuttgart 2004, 313 S., Schwarzweißabbildungen, € 7,60, definiert die Kunst der Renaissance als Kunst, die sich - hauptsächlich im 15. und 16. Jahrhundert (Früh-, Hochrenaissance, Renaissance nördlich der Alpen) - der Antike, der Natur und dem Menschen zuwendet, führt als Werkbeispiele u.a. auf: Ospedale dei Innocenti (Florenz, Brunelleschi), Palazzo Medici (Florenz, Bartolommeo), Palazzo Rucellai (Florenz, Alberti), Palazzo Ducale (Urbino, Laurana), S. Andrea (Mantua, Alberti), S. Maria presso S. Satiro (Mailand, Bramante), Petersdom (Rom, Bramante), Paradiestür (Florenz, Ghiberti), Cantoria (Florenz, Donatello), Reiterdenkmal des Bartolommeo Colleoni (Venedig, Verrocchio), David (Florenz, Michelangelo), Heilige Dreifaltigkeit (Florenz, Masaccio), Heiliger Sebastian (Venedig, da Messina), La Primavera (Florenz, Botticelli), Abendmahl (Florenz, Ghirlandio), Abendmahl (Mailand, da Vinci), Mona Lisa (Florenz, da Vinci), Isenheimer Altar (Colmar, Grünewald), Vier Apostel (Nürnberg, Dürer), Alexanderschlacht (München, Altdorfer), als Beispiele von Künstlern u.a.: Alberti, Altdorfer, Bellini, Botticelli, Bramante, Brunelleschi, Castagno, Donatello, Dürer, Gerhaert van Leyden, Ghiberti, Giorgione, Gozzoli, Grünewald, Leonardo da Vinci, Lippi, Mantegna, Masaccio, Michelangelo, Pacher, Perugino, Pisanello, Raffael, Riemenschneider, Rossellino, Stoß, Uccello, Verrocchio. [Buhlmann, 08.2008, 08.2015]

Kurrus, Theodor (1976), St. Trudpert/Münstertal (= Schnell & Steiner Nr.1081), Regensburg 152006 > S St. Trudpert

Kurze, Wilhelm (1965), Adalbert und Gottfried von Calw, in: ZWLG 24 (1965), S.241-308 > C Calw, Grafen von