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Rezensionen (Geschichte)
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Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, übers. v. Martina Backes, eingel. v. Alois Wolff (1992) (= RUB 8831), 1992, Stuttgart 2007, 308 S., € 8,-. Tagelieder sind mittelalterliche, lateinische und volkssprachliche Dichtungen, die die schmerzliche Trennung von Liebenden bei Tagesanbruch beschreiben. Entstanden auf römisch-antiken und christlich-lateinischen Grundlagen, entwickelten sich im Mittelalter verschiedene Formen des Tagelieds: Alba und Albakanzone, geistliches Weck- und Tageslied, höfisches Tageslied. Deutschsprachige, d.h. mittelhochdeutsche Tagelieder entwickelten sich seit dem 12. Jahrhundert im höfischen Kontext. Typisch für das Tagelied sind: Lichtmetaphorik, Einbeziehung der Natur (des anbrechenden Morgens), erotische Konnotationen. Ausgewählt wurden 44 Tagelieder von: Dietmar von Aist, Heinrich von Morungen, Wolfram von Eschenbach, Reinmar der Alte, Walther von der Vogelweide, Otto von Botenlauben, Ulrich von Singenberg, Diepold V. oder Berthold III. von Hohenburg, Kristan von Hamle, Heinrich (?) von Lienz, dem Marner, Günther von dem Forste, Heinrich von Frauenberg, Ulrich von Lichtenstein, Ulrich von Winterstetten, Konrad von Würzburg, Walther von Breisach, Wenzel von Böhmen, Steinmar, Hadlaub, Hugo von Montfort, einem unbekannten Mönch von Salzburg, Oswald von Wolkenstein. [Buhlmann, 01.2012]

(Villingen-Schwenningen-) Tannheim, Ort auf der Baar: Tannheim liegt an der Grenze von Schwarzwald und Baar am von Nordwesten nach Südosten fließenden Wolfbach in einer Meereshöhe von ca. 750 m über NN. Die schriftliche Überlieferung zu Tannheim setzt mit der Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) für das Kloster St. Gallen vom 4. Juni 817 ein. Der Ortsname "Tannheim" (817) enthält als Grundwort -heim in der Bedeutung "Wohnort, Siedlung, Heim"; das Bestimmungswort Tan- ist eine Gattungsbezeichnung und verweist selbstverständlich auf die "Tanne(n)", hat also einen geografischen Bezug, ist eine Lagebezeichnung. Erst 1312 taucht die Siedlung Tannheim in der mittelalterlichen schriftlichen Überlieferung wieder auf. Der Ort blieb bis weit in die frühe Neuzeit ein kleines Dorf ("Bauernschaft" als Landgemeinde mit bewirtschafteter Flur und Allmende). Besitz und Rechte der St. Galler Mönchsgemeinschaft sind dort weiter nicht bezeugt. Das Dorf gehörte im späten Mittelalter zum überwiegenden Teil zur (Brigachtal-) Kirchdorfer Pfarrei (Tannheimer Galluskapelle), die Dorfherrschaft übten die Grafen von Fürstenberg u.a. als Landgrafen der Baar aus. Im Bauernkrieg (1524/25) wurde das aufständische Tannheim durch ein Aufgebot Villinger Bürger zerstört. Vor oder um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstand in Tannheim ein Kloster des kirchlichen Ordens der Pauliner, das seinen Ursprung in der Klause eines Eremiten mit Namen Kuno hatte; das Kloster wurde 1801/02 aufgehoben. Neben dem Paulinerkloster und den Grafen von Fürstenberg waren am Ort Tannheim zudem begütert: das Benediktinerinnenkloster Amtenhausen (1312), das Dominikanerinnenkloster Katharinental (bei Dießenhofen) (1339/45), das Dominikanerinnenkloster Maria-Hof (in Neudingen) (1359), die Kirchdorfer Pfarrkirche (1584), die Tannheimer Gallus- und Verenakapelle (1584). In der Tannheim benachbarten Stadt Villingen ist im späten Mittelalter (1244, -1422/23, -1430/50) noch die Patrizierfamilie der Herren von Tannheim bezeugt, die die historische Forschung mit dem Ort Tannheim in Beziehung setzt. Der dörfliche Charakter Tannheims blieb bis in die Moderne erhalten, 1972 wurde Tannheim der damals neu entstandenen Stadt Villingen-Schwenningen als Ortsteil angegliedert.
Zu Tannheim s.: Berner, Herbert (Hg.) (1971), Tannheim. Geschichte von Dorf und Kloster am Osthang des Schwarzwaldes (= Schriftenreihe des Landkreises Donaueschingen, Bd. 31), Donaueschingen 1971, VI, 546 S., Abbildungen, Karten, DM 28,- (mit den Beiträgen: Karl Albert Habbe, Geographische Grundlagen der Ortsgeschichte Tannheim; Ernst Schneider, Tannheimer Flurnamen; Rolf Dehn, Ur- und Frühgeschichte; Anneliese Müller, Von den Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg; Anneliese Müller, Die Herren von Tannheim in Villingen; Hans Brüstle, Kriegerische Begebenheiten auf der Baar zwischen 1650 und 1870/71; Fridolin Mayer, Das Paulinerkloster in Tannheim; Herbert Berner, Die Pfarrei Tannheim; Herbert Berner, Manumission und Auswanderung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert; Herbert Berner, Allgemeine Gemeindeverhältnisse um die Mitte des 19. Jahrhunderts; Herbert Berner, Die Schule in Tannheim; Herbert Berner, Abgesonderte Gemarkung Kloster Tannheim; Kurt Weckesser, Die Landwirtschaft in Tannheim; Hans Freudenberger, Wald und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei in Tannheim; Josef Grüner, Tannheim im 19. und 20. Jahrhundert; Wolf Rüdiger Grimmig, Tannheim heute; Herbert Berner, Sitte und Brauch; Anhang u.a. mit Ortschronik); Buhlmann, Michael (2016), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Tannheim im frühen Mittelalter (= VA 86), Essen 2016, 60 S., € 4,-. [Buhlmann, 02.2016]

Tarkianen, Tutto (1966), Die athenische Demokratie (= BdAW FD), Zürich-Stuttgart 1966 > A Athenische Demokratie

TBLG = Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte

Teck: Herzöge von Teck im deutschen Südwesten des hohen und späten Mittelalters: Einen Zweig der Zähringerherzöge bildete seit ca. 1186 die Linie der Herzöge von Teck, begründet durch Adalbert I. (ca.1186-n.1195), einem jüngeren Sohn Herzog Bertholds III. von Zähringen (1111-1122). Die Herzöge von Teck nannten sich nach ihrer am Trauf der Schwäbischen Alb gelegenen Burg Teck, ihr Herrschaftsgebiet hatte eine nur geringe Ausdehnung. Trotzdem standen die Herzöge nach dem Aussterben der Zähringer und Staufer rangmäßig im deutschen Südwesten vor allen anderen Fürstenfamilien. Konrad II. von Teck (†1292) engagierte sich im Reichsdienst König Rudolfs von Habsburg und wurde am 30. April 1292 von einer österreichisch-schwäbisch-pfälzischen Fürstenpartei zum deutschen König gewählt, starb aber (durch Mord?) schon einen Tag später. Konrad war der Begründer der jüngeren Linie der Herzöge von Teck, die 1381/85 ihre Hälfte des Herrschaftsgebiets an die Grafen von Württemberg verkaufte. Die Rangerhöhung der Württemberger zu Herzögen im Jahr 1495 war wohl auch eine Folge davon, dass zur württenbergischen Landesherrschaft das ehemalige Territorium der Herzöge von Teck gehörte. Der ältere Zweig der Teck stammte von Herzog Ludwig II. (†1283) ab. Dessen Sohn Hermann I. (†v.1316) verkaufte im Jahr 1303 seine Herrschaft an die Habsburger. Die Teck dieser Linie residierten danach in Oberndorf, wo die Familie 1363 ausstarb. Die Teck des jüngeren Zweiges waren bis 1432 in Mindelheim (bei Augsburg) beheimatet, Ludwig (VI.), der 1420 von Venedig abgesetzte Patriarch von Aquileja (1412-1420/39), war der letzte männliche Vertreter der schwäbischen Herzöge.
Zu den Herzögen von Teck siehe: Gründer, Irene (1963), Studien zur Geschichte der Herrschaft Teck (= SSWLK 1), Stuttgart 1963, XIII, 275 S., Schwarzweißabbildungen, DM 19,80; Wunder, Gerd (1968), Herzog Konrad II. von Teck, in: ZWLG 27 (1968), S.113-116. [Buhlmann, 10.2006, 01.2015]

Temmesfeld, Norbert (1975), Zur frühen Geschichte eines Klosters in Werden, in: MaH 28 (1975), S.167-179 > W Werden

  Tennenbach, Zisterzienserkloster: Die Gründung des Zisterzienserklosters Tennenbach - oder wie es zunächst hieß: Porta Coeli ("Himmelspforte") - erfolgte um das Jahr 1161. Zwölf Mönche unter ihrem Abt Hesso übersiedelten damals vom burgundischen Kloster Frienisberg - ob auf Veranlassung Herzog Bertholds IV. von Zähringen (1152-1186), ist zweifelhaft. Eine in der Mitte des 13. Jahrhunderts gefälschte Gründungsnotiz nennt den Besitz bestimmter Güter und Rechte in der Nachbarschaft Tennenbachs und führt eine Zeugenliste an, zu der auch Herzog Berthold und Markgraf Hermann III. oder IV. (1130-1160 oder 1160-1190) gehören. Rechte und Güter der Zisterzienserabtei am Westabhang des Schwarzwalds sind aber schon bald im Privileg Papst Alexanders III. vom 5. August 1178 aufgeführt worden. Die Zisterze erfreute sich also schon damals - nach dem Ende des alexandrinischen Papstschismas (1159-1177) - reger Kontakte zum Papsttum. Von weltlicher Seite her soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) für Tennenbach geurkundet haben, während die Wegnahme von Klostergut in Neuenburg zwecks Gründung der gleichnamigen Stadt durch Herzog Berthold IV. (zwischen 1170 und 1180) auch noch im Tennenbacher Güterbuch des 14. Jahrhunderts Protest hervorrief. Anzumerken bleibt noch, dass Tennenbach ab Ende des 12. Jahrhunderts der Zisterzienserabtei Salem unterstand. Anzumerken bleibt ebenfalls die besondere, zisterziensische Struktur der Tennenbacher Grundherrschaft in den knapp ersten zwei Jahrhunderten nach der Gründung der Zisterze: Grangien, also vom Kloster in Eigenbewirtschaftung betriebene Ländereien, waren wesentlich für das Gefüge des Grundbesitzes, der sich in der Oberrheinebene und im westlichen Schwarzwald konzentrierte, während der Tennenbacher Besitz in der Baar weitgehend davon isoliert war. Das Tennenbacher Güterbuch (1317-1341) des Cellerars und Abtes Johannes (II.) Zenlin (1336-1353) dokumentiert diesen Übergang der Tennenbacher Grundherrschaft zu einer Rentengrundherrschaft mit ihren bäuerlichen Natural- und Geldabgaben. Die Klostervogtei hatten im 13. und 14. Jahrhundert die Markgrafen von Hachberg inne, ab 1373 beanspruchten sie die Habsburger. 1444 wurde Tennenbach von den Armagnaken verwüstet - das Kloster war über 30 Jahre lang unbewohnt -, 1525 im Bauernkrieg verbrannt, 1807 säkularisiert. Von der alten Klosteranlage existiert heute nur noch die Krankenkapelle.
Auf die Geschichte des Klosters Tennenbach gehen ein: Rupf, Philipp E. (2004), Das Zisterzienserkloster Tennenbach im mittelalterlichen Breisgau. Besitzgeschichte und Außenbeziehungen (= FOLG 48), Freiburg i.Br.-München 2004, IX, 445 S., € 42,-; Schwineköper, Berent (1983), Das Zisterzienserkloster Tennenbach und die Herzöge von Zähringen. Ein Beitrag zur Gründungs- und Frühgeschichte des Klosters, in: Forschen und Bewahren. Das Etztäler Heimatmuseum in Waldkirch. Kultur- und landesgeschichtliche Beiträge zum Etztal und zum Breisgau, Waldkirch 1983, S.95-157; Weber, Max (1923), Die Bauern der Klostergrundherrschaft Tennenbach im Mittelalter, in: ZFGV 37 (1923), S.119-154; Weber, Max (1935/37), Die Rodungen und Besitzungen Tennenbachs auf der Baar, in: ZFGV 46 (1935), S.121-158; 48 (1937), S.88-120; Zinsmaier, Paul (1939), Suppliken des Klosters Tennenbach an Philipp von Schwaben und Innozenz III., in: MIÖG 53 (1939), S.187-192; Zinsmaier, Paul (1950), Zur Gründungsgeschichte von Tennenbach und Wonnental, in: ZGO 98 (1950), S.470-479. An Quellen zur Tennenbacher Klostergeschichte sind zu nennen: Schmidt, Stefan (Hg.) (2009), Tennenbacher Urkundenbuch, Bd.I, Wyhl 2009, 214 S., Eigenverlag, auch als PDF-Datei über Internet verfügbar, (problematisch!); Weber, Max, Haselier, Günther u.a. (Bearb.) (1969), Das Tennenbacher Güterbuch (1317-1341) (= VKGLBW A 19), Stuttgart 1969, XLVIII, 696 S., DM 75,-. [Buhlmann, 06.2011]

Terenz, Phormio. Lateinisch-Deutsch, übers. u. hg. v. Peter Kruschwitz (1999) (= RUB 1869), Stuttgart 1999, 145 S., € 1,- > Lateinische Literatur > T Terenz

Tertullian, christlicher Schriftsteller der römischen Kaiserzeit: Quintus Septimius Florens Tertullianus (*135/160-†n.220 n.Chr.) stammte aus Karthago, war Anwalt und schrieb nach seiner Bekehrung zum Christen (193/95) auf Latein zahlreiche Werke zur christlichen Katechese und Askese, zur Apologie des Christentums und - als Anhänger der Orthodoxie der christlichen "Großkirche" - zu den christlich-gnostischen Häresien. Gegen Ende seines Lebens soll sich Tertullian dem Montanismus angenähert haben (207). Von Tertullian sind u.a. folgende Werke überliefert: Ad martyras, Ad nationes, Ad uxorem, Adversus Hermogenem, Adversus Iudaeos, Adversus Marcionem, Adversus Praxean, Adversus Valentinianos, Apologeticum, De anima, De baptismo, De carne Christi, De corona, De exhortatione castitatis, De fuga in persecutione, De idolatria, De monogamia, De oratione, De paenitentia, De pallio, De praescriptione haereticorum, De pudicitia, De resurrectione mortuorum, De spectaculis, De testimonio animae, De virginibus velandis, Scorpiae. Tertullian machte die lateinische Sprache für die christliche Lehre und Religion nutzbar.
Die lateinischen Werke des Tertullian liegen gedruckt vor u.a. in: Quintus Septimius Florens Tertullianus, Opera omnia, 2 Bde. (= PL 1-2), Paris 1866 > P Patrologia Latina; Tertullian, De praescriptione haereticorum. Vom prinzipiellen Einspruch gegen die Häretiker, übers. v. Dietrich Schleyer (= FC 42), Turnhout 2002 > F Fontes Christiani. [Buhlmann, 03.2016]

Tetens, Holm (2013), Wissenschaftstheorie. Eine Einführung (= BSR 2808), München 2013, 126 S., € 8,95 > Kompendium Mittelalter > Wissenschaft(stheorie) [Buhlmann, 12.2014]

Teufel, Waldemar (1977), Universitas Studii Tuwingensis. Die Tübinger Universitätsverfassung in vorreformatorischer Zeit (1477-1534) (= Contubernium, Bd.12), Tübingen 1977 > L Lorenz u.a., Tübingen in Lehre und Forschung um 1500

Thalmann, Söhnke (2010), Ablaßüberlieferung und Ablaßpraxis im spätmittelalterlichen Bistum Hildesheim, Hannover 2010, 271 S., € 9,-. Ablassüberlieferung und Ablasspraxis, das hauptsächlich spätmittelalterliche Ablasswesen gründet auf den Ablassurkunden und -briefen als historischen Quellen, bezogen auf das Bistum Hildesheim auf rund 440 Urkunden, die als littere indulgencie/indulgenciarum, ablaßbrief bezeichnet werden (Urkunden des 13./14. Jahrhunderts, frühester Ablassbrief von 1209 [Ablassverleihung Papst Innozenz' III.]), nach Papst-, Legaten- und Privaturkunden (z.B. Bischofsurkunden) geordnet werden können, Kollekturablässe, Beglaubigungs- und Bestätigungsurkunden, kombinierte Ablassurkunden sein können. Ablass (indulgentia) bedeutet ein auf einen kirchlichen Gnadenakt (gratia) fußender Nachlass (Erlass) von Bußen (poenitentia), wobei die Ablasshöhe (20, 40, 100 Tage, Karene [carena]; Ablasstage und -zeiten [als Zeiten im Kirchenjahr, Festtage und Hochfeste, Kirchweihtage, Wochentage]) den Bußen und Bußleistungen des Gläubigen als Ablassempfänger (Ablassbedingung, "Ablasswerk" <-> Ablasszweck des Ablassanbieters; Ablasskumulierung) entsprechen sollte (4. Laterankonzil 1215) und Ablässe befristet, unbefristet oder bis auf Widerruf gelten konnten (Ablassdauer). An einem Ablass in der Form einer Ablassurkunde waren also beteiligt: der Ablassgeber (Päpste und päpstliche Legaten, Patriarchen, Erzbischöfe und [Hildesheimer, baltisch-preußische, ehemalige, Titular- und Weih-, Diözesan-] Bischöfe [auch aus anderen Diözesen als der Hildesheimer], der Ablassanbieter (Stifte von Säkularkanonikern [St. Blasius/Braunschweig, St. Cyriakus/Braunschweig, Gandersheim, Petersberg/Goslar, Domstift/Hildesheim, Heiligkreuz/Hildesheim, St. Andreas/Hildesheim, St. Johannes/Hildesheim, St. Moritz/Hildesheim], Augustinerchorherren-/-frauenstifte [Derneburg, Dorstadt, Georgenberg/Goslar, Riechenberg/Goslar, Heiningen, St. Bartholomäus/Hildesheim, Steterburg, Wülfinghausen], Benedikter/innenklöster [St. Ägidius/Braunschweig, St. Maria/Gandersheim, St. Godehard/Hildesheim, St. Michael/Hildesheim, Lamspringe], Zisterzienser/innenklöster [Amelungsborn, Heiligkreuz/Braunschweig, Neuwerk/Goslar, Isenhagen, Marienrode, Walkenries, Wienhausen, Wötingerode], Magdalenerinnenklöster [Goslar, Hildesheim], Klöster der Bettelorden [Bothfeld, Braunschweig, Hildesheim, Marienau], Niederlassungen der Ritterorden [Braunschweig, Goslar], Pfarrkirchen [St. Pankratius/Bockenem, St. Katharina/Braunschweig, St. Magnus/Braunschweig, St. Martin/Braunschweig, St. Michael/Braunschweig, St. Petrus/Braunschweig, St. Ulrich/Braunschweig, Burgdorf, Delligsen, Weden, Wrisbergholzen], Kapellen, Hospitäler [St. Maria/Braunschweig, St. Thomas/Braunschweig], Bruderschaften [confraternitates, kalende]), die Ablassempfänger/-nehmer (als Gläubige, die sich der Buß- und Ablassdisziplin [bußrechtlich, kirchenrechtlich] unterwerfen [Beichte, "Ablasswerk", Genehmigung zum Ablasserwerb, Ablassnehmer regional und auch überregional verortet, Ablass und "Lebenspraxis"]). Der Erwerb von Ablassurkunden (durch die Ablassanbieter als Petenten) geschah dabei (gegen Gebühr) an der römischen Kurie, durch Ablassvermittler ("Ablassbörsen"), durch Hinwendung an geeignete Ablassgeber (z.B. beliebige Bischöfe gemäß dem Liber extra von 1234). Päpstliche Ablassurkunden und aufwändig gestaltete Sammelablassbriefe (Sammelindulgenzen) konnten im Umfeld des Gottesdienstes in der Liturgie als (mediale) Ausstellungsobjekte (ornamenta ecclesie, Präsentation der Ablassurkunden [Befestigungsspuren] [neben Ablasstafeln, -inschriften, -bildern]) dienen, wobei sie - wenn nicht benötigt - meist im Archiv des Ablassanbieters (oder einer anderen Institution) lagerten oder doch nur durch das gesprochene Wort vermittelt wurden. [Buhlmann, 01.2017]

Thamer, Hans-Ulrich (2004), Die Französische Revolution (= BSR 2347), München 42013 > F Französische Revolution

Thamer, Hans-Ulrich (2013), Die Völkerschlacht bei Leipzig. Europas Kampf gegen Napoleon (= BSR 2774), München 2013, 126 S., € 8,95. Vor dem Hintergrund von Französischer Revolution (1789), von Napoleons Aufstieg zum 1. Konsul und Kaiser und der napoleonisch-französischen Vorherrschaft in Europa (Frieden von Tilsit 1807, Rheinbund und französische Satellitenstaaten, "Kontinentalsperre") kam es nach der für Napoleon katastrophalen Niederlage im Russlandfeldzug von 1812 zu einem Bündnis des Königreichs Preußens, dem Zarenreich Russland und des Kaiserreichs Österreich gegen Frankreich (1813). Den Verbündeten gelang es, im August und September 1813 die über die Elbe und u.a. bis nach Dresden vorgerückte Grande Armée Napoleons durch aufeinander abgestimmte Operationen von Nord-, Ost- und Südarmee und unter Vermeidung einer Schlacht mit Napoleons Hauptarmee bis in die Gegend von Leipzig zurückzudrängen. Hier fand zwischen dem 14. und 19. Oktober 1813 die Entscheidungsschlacht statt, die mit einem Sieg der Allierten und dem Rückzug Napoleons endete. Den napoleonischen Massenkriegen geschuldet, nahmen rund 500.000 Soldaten an der Schlacht Teil, die Zahl der Toten belief sich auf knapp 100.000, groß war das Leid der Verwundeten, groß das der Zivilbevölkerung in und um Leipzig (Einquartierungen, Versorgungsengpässe, Hunger, Plünderungen, Seuchen, materielle Schäden). Bis ins 20. Jahrhundert hinein war diese "Völkerschlacht bei Leizig" Teil der deutschen historischen Erinnerung und wurde - je nach Standpunkt - zunächst als Auftakt der Befreiungskriege unter fürstlicher Führung oder als Etappe innerhalb von deutsch-nationalen Freiheitskriegen gesehen. Instrumentalisiert geriet die "Völkerschlacht" als nationaler Mythos ab den 1860er-Jahren und im Zuge der bismarckschen Reichsgründung (1870/71; "Völkerschlacht" und Schlacht bei Sedan) in das Fahrwasser bürgerlich-nationaler Ideologie, wie der zwischen 1898 und 1913 erfolgte Bau des Völkerschlachtsdenkmals (Einweihung 1913) zeigt. Im Nationalsozialismus (1933-1945) diente nicht zuletzt dieses Denkmal symbolhaft der Darstellung von "Volksgemeinschaft". Die Deutsche Demokratische Republik der Nachkriegszeit verband "Völkerschlacht" und preußisch-russisches Bündnis mit der "Nationalen Volksarmee" und der kommunistischen Verbundenheit mit der Sowjetunion. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands (1989/90) ist die "Völkerschlacht" nurmehr Teil lokaler historischer (Leipziger) Erinnerung. [Buhlmann, 04.2013]

Theisen, Karl Heinz (2007), Nikolaus von Prüm. Ein rheinisch-moselländischer Kirchenrechtler des 15. Jahrhunderts. Professor in Köln und Löwen, General-Offizial in Trier, in: AHVN 210 (2007), S.15-44. Nikolaus von Prüm (*ca.1400-†1439), oder Nikolaus Doeser, Nikolaus von Winringen bzw. Nikolaus von Köln, war Doktor "beider Rechte", Professor an der Universität Löwen, Offizial des Trierer Erzbistums und Teilnehmer am Basler Konzil. Gegen 1400 in Winringen (beim Kloster Prüm) geboren, begann Nikolaus an der Universität Erfurt im Jahr 1412 das Studium der artes liberales, war 1413 Baccalar an der Wiener Artistenfakultät, um dort die Rechte zu studieren. Ab 1415 war Nikolaus in der juristischen Fakultät der Universität Köln eingeschrieben, 1417 erwarb er hier das kanonistische und legistische Baccalaureat, dem 1425 der Erwerb des Doktors iuris utriusque in Pavia folgte. In Köln hatte Nikolaus von Prüm schon ab 1417 als Magister gelehrt, 1426 wurde er zum ersten Professor für kanonisches Recht an der neu gegründeten Universiät Löwen berufen. Hier hielt er am 7. September eine Eröffnungsrede anlässlich der Universitätsgründung. Zeitweise war er Rektor der Universität (1429, 1431), zeitweise Steuereinnehmer (1431). 1435 verließ Nikolaus von Prüm den Löwener Lehrstuhl, er war seit 1432 Offizial des Trierer Elekten Ulrich von Manderscheid (1430-1436), der sich mit seinem Kontrahenten Raban von Helmstedt (1430-1439) im Trierer Bistumsstreit befand. Nach der Absetzung Ulrichs im Jahr 1436 nahm Nikolaus seit 1438 am Basler Konzil (1431-1449) teil, wo er der Deputation für Friedensangelegenheiten zugewiesen wurde. Auf dem Konzil war Nikolaus als Rotarichter tätig. Nikolaus von Prüm starb wohl infolge der Pest vor dem Juli 1439 in Basel. Wie damals üblich, hatte Nikolaus für seine Tätigkeiten im kirchlich-universitären Bereich Einnahmen aus kirchlichen Pfründen, und zwar aus: Pfarrei Lissendorf (1420/1423), Kanonikat und Amt des Scholasters am Liebfrauenstift Prüm (1422), Vikariat an der Kardener Kollegiatkirche St. Castor (1424), Vikariat an der Marienkirche in Lehmen (1424), Kanonikat im Stift Münstermaifeld (1438), Kanonikat im Stift Karden (zu einem unbekannten Zeitpunkt). [Buhlmann, 06.2008]

Theißen, Gerd (2002), Das Neue Testament (= BSR 2192), München 2002 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

Theoger von St. Georgen, Reformabt: Theoger, um die Mitte des 11. Jahrhunderts geboren, stammte - so die Prüfeninger Vita Theogeri - aus ministerialischen Verhältnissen, war aber wahrscheinlich mit mächtigen Adelsfamilien im elsässisch-lothringischen Raum verwandt, u.a. mit den Grafen von Metz und denen von Lützelburg. Theoger soll dann unter dem berühmten Manegold von Lautenbach (†n.1103) und im Wormser Cyriakusstift seine geistliche Ausbildung erhalten haben. Er wandte sich aber dem Mönchtum Hirsauer Prägung zu und trat in das Kloster Hirsau unter dessen Abt Wilhelm (1069-1091) ein. Dieser ernannte ihn später zum Vorsteher des Hirsauer Priorats (Kloster-) Reichenbach (1085-1088). Schließlich wurde Theoger auf Betreiben Wilhelms zum Abt von St. Georgen eingesetzt (1088). Um Selbstständigkeit von Hirsau bemüht, gelang es Theoger während seines Abbatiats, das Kloster St. Georgen zu einem Reformmittelpunkt benediktinischen Mönchtums in Elsass, Süddeutschland und Österreich zu machen. Diese St. Georgener Reform war verbunden mit der Einflussnahme der Schwarzwälder Mönchsgemeinschaft auf eine Reihe von Männer- und Frauenklöstern, die entweder neu gegründet oder von St. Georgen aus reformiert wurden. Dabei fungierten St. Georgener Mönche vielfach als Äbte der zu reformierenden Klöster, während die Neugründungen meist als St. Georgener Priorate in Besitz bzw. unter der seelsorgerischen Oberaufsicht der geistlichen Kommunität an der Brigach standen. Der damaligen Bedeutung St. Georgens entsprach es, dass das Kloster auch Empfänger zweier wichtiger Papstprivilegien wurde. Wie der "Gründungsbericht des Klosters St. Georgen" zudem mitteilt, waren es bedeutende Schenkungen von Landbesitz und Rechten, die die Mönche aus dem Schwarzwald um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert erlangen konnten. Diese äußeren Faktoren machten zusammen mit der inneren Geschlossenheit klösterlichen Lebens den Erfolg des Klosters St. Georgen unter Theoger aus - ein Erfolg, der auch noch nach dem Weggang Theogers als Bischof von Metz (1119-1120) anhielt und das sog. St. Georgener Jahrhundert von der Klostergründung bis zu Abt Manegold von Berg (1169-n.1193/94) begründete. Die kirchliche Reformpartei im durch den Investiturstreit (1075-1122) zerrütteten Deutschland hatte Theoger, der sich lange dagegen sträubte, zum Bischof von Metz und damit zum Gegenkandidaten des kaiserfreundlichen Prälaten Adalbero IV. (1090-1117) ernannt (1117). Unterstützt von seinen Metzer Verwandten, ebenfalls Reformern, bestätigt vom Papst, gelang es Theoger dennoch nicht, im Metzer Bistum Fuß zu fassen (1119). Ein Ausgleich zwischen Papst Calixt II. (1119-1124) und Erzbischof Bruno von Trier (1102-1124) in Cluny (Ende 1119) endete schließlich damit, dass Theoger in dem burgundischen Kloster bleiben und faktisch auf die Bischofswürde verzichten konnte. Theoger starb am 29. April 1120 in Cluny. Die Vita Theogeri verehrt Theoger als Heiligen.
Quellen und Literatur zu Theoger von St. Georgen sind: Brennecke, Paul (1873), Leben und Wirken des heiligen Theoger, Diss. Halle 1873, 52 S.; Buhlmann, Michael (2004), Abt Theoger von St. Georgen (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Tl.III = VA 7), St. Georgen 2004; Buhlmann, Michael (2009), Theoger von St. Georgen - Abt und Bischof. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= Vertex Alemanniae, H.42/3), St. Georgen 2009, 60 S., € 6,-; Zeggert, Gerhard (1954), Theoger (Dietger von Metz). Abt des Klosters St. Georgen im Schwarzwald in den Jahren 1088-1118, o.O. [1954], 88 S. [Buhlmann, 03.2004, 03.2009, 07.2013]

Theophanu, Kaiserin, Ehefrau Kaiser Ottos II.: Theophanu (*ca.959/60-†991): Die griechische Prinzessin, verwandt mit byzantinischen Kaisern und der Kaiserin Theophanu, genoss eine sorgfältige Ausbildung, bevor sie nach langwierigen Verhandlungen in den Westen geschickt und mit dem ebenfalls gebildeten Kaiser Otto II. (973-983) verheiratet (Heiratsurkunde der Theophanu) und zur Kaiserin gekrönt wurde (972). An der Seite ihres Ehemanns absolvierte Theophanu das Tagesgeschäft des Reisens und Herrschens (976 Aufstand der drei Heinriche, 978 westfränkischer Überfall auf Aachen, 982 Schlacht bei Cotrone, 983 Tod Ottos II.). Zusammen mit ihrer Schwiegermutter Adelheid (†999) setzte sie gegen Heinrich den Zänker, den Entführer des Kindkönigs Ottos III. (984-1002) durch (984/85) und führte bis zu ihrem Tod unumstritten und tatkräftig die Regentschaft (West- und Italienpolitik). Theophanu starb im Jahr 991 und wurde im Kölner Kloster St. Pantaleon begraben.
Zu Theophanu s.: Eickhoff, Ekkehard (1996), Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt, Stuttgart 1996, 696 S., Abbildungen, Karten, DM 38,-; Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends, hg. v. Anton von Euw u. Peter Schreiner (1991), 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), Köln 1991, 422, 436 S., Abbildungen, Karten, zus. DM 50,-; Uhlirz, Mathilde (1957), Zu dem Mitkaisertum der Ottonen. Theophanu coimperatix, in: BZ 50 (1957), S.383-389. [Buhlmann, 09.2016]

Thieme, André (Hg.) (2002), Herzog Albrecht der Beherzte (1443-1500), Köln-Weimar-Wien 2002, 303 S., € 24,90. Der Wettiner Albrecht der Beherzte (*1443-†1500) war der Sohn des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Sanftmütige (1428-1464), herrschte mit seinem älteren Bruder, dem Kurfürsten Ernst (1464-1486), zunächst gemeinschaftlich, dann nach der Leipziger Teilung (1485) allein über das sächsische Herzogtum. Albrecht entfaltete während seiner Regierung vielfältige politische Aktivitäten im römisch-deutschen Reich der habsburgischen Herrscher Friedrich III. (1440-1493) und Maximilian I. (1486/93-1517) und in Europa (Karlheinz Blaschke, Herzog Albrecht der Beherzte - ein sächsischer Fürst im Reich und Europa). Im Einzelnen ist zu berichten von Albrechts politischen und durch seine Lehnstreue begründbaren Aktivitäten nach dem Tod des böhmischen Königs Georg Podiebrad (1458-1471) zur Sicherung der Neuwahl von Georgs Nachfolger (Jörg Rogge, Herzog Albrecht von Sachsen und Böhmen - der Tag von Eger (1459) und der Zug nach Prag (1471)), von Albrechts in wettinischer Tradition stehender Pilgerreise ins Heilige Land (Pilgerreise als Adelreise, Erwerb geistlichen Lohns und Ritterschaft vom Heiligen Grab; Aufbruch in Dresden [5. März 1476] - Bayern - Oberitalien - Florenz - Rom - Venedig - Korfu - Rhodos - Zypern - Jaffa - Jerusalem [Juli/August 1476] - Jaffa - Zypern - Rhodos - Venedig - Österreich - Bayern - Dresden [5. Dezember 1476]), aufgezeichnet vom wettinischen Rentmeister Hans von Mergenthal (Folker Reichert, Von Dresden nach Jerusalem. Albrecht der Beherzte im Heiligen Land), von der fürstlichen Karriere Albrechts im Reichsdienst bei seinem Einsatz als Bannerträger bei der Belagerung von Neuss durch den burgundischen Herzog Karl den Kühnen (1467-1477) (1475), als (weitgehend erfolgloser) Reichshauptmann für die Rückgewinnung der habsburgischen Kernlande gegen den ungarischen König Matthias Corvinus (1458-1490) (1487), beim Heerzug nach Flandern zur Befreiung König Maximilians I. (1488) und zur Sicherung der habsburgischen Herrschaft dort (1488-1494) (André Thieme, Herzog Albrecht der Beherzte im Dienste des Reiches. Zu fürstlichen Karrieremustern im 15. Jahrhundert). Ausfluss von Reichsdienst und der gerade durch die Flandernfeldzüge Albrechts stark angewachsene Verschuldung der Habsburger beim Wettiner war dann das friesische "Abenteuer" Albrechts, das dieser diplomatisch seit 1492 vorbereitete (Reichsprivilegien Kaiser Friedrichs III. und König Maximilians für Friesland 1493); nicht zuletzt von Albrecht geschürte innerfriesische Streitigkeiten (1497) ermöglichten bei politischem Druck auf die Habsburger die Ernennung des Wettiners zum (1498) und die Anerkennung als erblicher Herrscher (Gubernator) Frieslands (Vertrag von Sneek 1498). Albrecht konnte seine Herrschaft im westlichen Ostfriesland und über Groningen festigen (1499), doch agierte Abrechts Sohn Heinrich in Stellvertretung für seinen Vater politisch ungeschickt, Albrecht selbst starb bei der Belagerung Groningens (1500), sein Sohn Herzog Georg von Sachsen (1500-1539) konnte im Jahr 1515 die friesische Herrschaft an den Habsburger und Kaiser Karl V. (1519-1556) verlaufen (Paul Baks, Albrecht der Beherzte als erblicher Gubernator und Potestat Frieslands. Beweggründe und Verlauf seines friesischen "Abenteuers"). Die Aufgaben in Reichs- und habsburgischen Diensten erforderten finanzielle Verpflichtungen, die hauptsächlich das sächsische Herzogtum Albrechts zur Verfügung stellen musste. Die landesherrlichen Einnahmen (im Jahrzehnt 1488-1497) umfassten dabei über die Verwaltung durch mehrere Kassen (Kammerkasse, Oberzehntamtskasse, Ämterkassen) Anleihen, (Natural-, Geld-) Erträge der albertinischen Ämter der Landesherrschaft, Erträge aus dem erzgebirgischen Silberbergbau, Steuern wie Ungeld, städtische Jahrrenten, Schutz- und Verspruchgelder, Tuchgelder, Gerichtsgelder, Erträge aus der Leipziger Goldmünze (Uwe Schirmer, Die finanziellen Einkünfte Albrechts des Beherzten (1485-1500)). Gerade die in das sächsische Herzogtum eingebundenen landesherrlichen Städte (Stadtentstehung ab dem 12. Jahrhundert, spätmittelalterliche Verdichtung des Städtenetzes, wettinische Stadtgründungen [Freiberg, Leipzig, Dresden]; thüringische, sächsische und Bergstädte; Klein- und Minderstädte) leisteten ihren finanziellen Beitrag zur Landesherrschaft (städtische Jahrrenten), blieben wirtschaftlich und finanzpolitisch in ihrem Handeln weitgehend unabhängig, unterlagen aber z.B. bzgl. der Zusammensetzung ihrer Räte landesherrlicher Kontrolle. Auch Eingriffe des Landesherrn in innere Angelegenheiten seiner Städte waren üblich, die wettinische Landesordnung von 1482 sah Maßnahmen beim Bierbrauen und -verkauf, gegen Kleiderluxus, bei Handwerk und Löhnen vor. Leipzig trat dabei immer mehr faktisch als "Hauptstadt" des Landes hervor (wettinische Hauptteilung 1485, Buchdruck und Buchhandel, Leipziger Jahrmarkt/Messe 1458/66/69) (Henning Steinführer, Herzog Albrecht und die Städte. Zum Verhältnis zwischen Städten und Stadtherren in Sachsen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts). Die 1499 beschlossene, in Maastricht ausgestellte "Väterliche Ordnung" Herzog Albrechts regelte dann die Erbfolge der Albrechtsöhne Heinrich (in Friesland) und Georg (Sachsen) (Eckhart Leisering, Die Väterliche Ordnung des Herzogs Albrecht vom 18. Februar 1499). In seinem sächsischen Territorium bemühte sich Albrecht - resultierend aus einer persönlichen Frömmigkeit - um die Ausweitung der wettinischen Kirchenhoheit (geistliche Gesetzgebung und Entwurf einer Landesordnung [1490], abhängige Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg-Zeitz) bei Durchsetzung von Kloster- und Ordensreform (Visitation von Nonnenklöstern 1483, Abtwahlen und deren landesherrliche Bestätigung, Anschluss der Leipziger Franziskaner an die Observanten 1499 u.a.) (Günther Wartenberg, Herzog Albrecht der Beherzte als spätmittelalterlicher Christ und als Herr der Kirche seines Landes). Architektonisch fand die Herrschaft Albrechts ihren Ausdruck in der auf Initiative der Wettiner Ernst und Albrecht zurückgehenden spätgotischen Albrechtsburg auf dem Meißner Burgberg (ab ca.1470), aber auch am benachbarten Dom mit seiner Westturmanlage (ab ca.1470, ab 1497) und mit Sakristei, Kapitelhaus und Kreuzgang (1489/90) (Matthias Donath, Herzog Albrecht der Beherzte und die Bauten auf dem Meißner Burgberg. Spätgotische Baukunst im ausgehenden 15. Jahrhundert). [Buhlmann, 10.2012]

Thimme, Hermann (1909), Forestis. Königsgut und Königsrecht nach den Forsturkunden vom 6. bis 12. Jahrhundert, in: AUF 2 (1909), S.101-154 > D Dasler, Forst und Wildbann

Thomas, Heinz (1994), Ludwig der Bayer. Kaiser und Ketzer, Regensburg 1994 > L Ludwig der Bayer

Thorau, Peter, Penth, Sabine, Fuchs, Rüdiger (Hg.) (2003), Regionen Europas - Europa der Regionen. Festschrift Kurt-Ulrich-Jäschke, Köln-Weimar-Wien 2003, XI, 304 S., € 9,90. I. Siedlungsnamen mit Amtsbezeichnungen, die sich an frühmittelalterliche fränkische Institutionen anlehnen, sind: Bischof > Bischmisheim (864), Bischheim (1173); Graf > †Greffenhofen (994); König > Kinzheim (774), Königshofen (722?); thunginus > †Dinzheim (768), Dingsheim (788), Dinsheim (ca.1007); meistar > Meistratzheim (742) (Wolfgang Haubrichs, Thunging, kuning, meistar - Amtsbezeichnungen in elsässischen Siedlungsnamen des frühen Mittelalters). II. Zweikampfangebote zwischen Herrschern bzw. Königen (Ehre, Ernsthaftigkeit) sind mehrfach aus dem Mittelalter bezeugt (Massenritterduell zwischen König Peter III. von Aragon und König Karl I. von Anjou [Pugna Burdegalensis 1283], König Johann von Böhmen und König Kasimir von Polen [?], habsburgisches Privilegium maius [1358/59], Herzog Philipp der Gute an den Osmanensultan [1454], Kaiser Karl V. an König Franz I. von Frankreich [1528, 1536]); als Duell im Rahmen der Reichsverfassung ("reichsrechtliche Konfliktlösung" bei zwiespältiger Königswahl) kann dann die Schlacht bei Göllheim am 2. Juli 1298 gelten, die mit dem Tod des Zweikampf suchenden König Adolfs von Nassau (1292-1298) einherging, während sich sein Herausforderer Albrecht von Habsburg (1298-1308) einem Zweikampf entzog (Reinhard Schneider, Zweikampf von Königen - statt blutiger Kriege?). III. Papst Gregor der Große (590-604) hat nicht nur mit oströmischen Kaisern und germanischen Königen Briefwechsel geführt, sondern auch mit den Frauen von Herrschern und Herrscherinnen (Kaiserin Constantina [595, Spannungen zwischen Papsttum und Kaisertum], Langobardenkönigin Theodelinda [598], Königin Bertha von Kent [601, Missionierung], Frankenkönigin Brunichilde [595-602, Kirchenreform]) (Eckard Ruppenthal, Beobachtungen zur Rolle von Herrscherinnen in den Briefen Papst Gregors des Großen). IV. Die Frauen westfränkischer Könige zeigten zeitbedingt (Kirchenreform, Investiturstreit) unterschiedliches Interesse an kirchenpolitischen Angelegenheiten (Klostergründung und -förderung, Synoden, Bischofserhebung) (Carsten Woll, "Regina amatrix ecclesiarum et mater monachorum". Zu kirchenpolitischem Engagement von Königinnen im Reich der späten westfränkischen Karolinger und früheren Kapetinger). V. Im "Armen Heinrich" setzt der (somit geistlich-theologisch gebildete) Autor Hartmann von Aue die letztlich nicht durchgeführte Tötung der Meierstochter in Beziehung zur biblischen Opferung des Isaak; der Ritter Heinrich verhindert den Tod des Mädchen und muss daher - vergleichbar mit Hiob - weiterhin seine Krankheit (Ersatzopfer) erdulden (Sabine Penth, "Dar ûf er si vil vaste bant". Biblische Motive im "Armen Heinrich" Hartmanns von Aue). VI. Die Urkunden walisischer Herrscher im 12. und 13. Jahrhundert sind Ausfluss eines damals stattfindenden literarisches Prozesses zwischen kultureller Assimilation und Beschränkung (Huw Pryce, Welsh rulers and the written word, 1120-1283). VII. Die "Gründungsurkunde" des Klosters Herrenalb (12. Jahrhundert, Mitte) wird nur teilweise in zwei "Vidimierungen" aus der Zeit um 1270 sichtbar (zentraler Klosterbezirk, Jagdhaus der Grafen von Eberstein und Kompromiss zwischen Kloster und Vögten) (Kurt Andermann, Zur "Gründungsurkunde" des Klosters Herrenalb). VIII. Der mos Treverensis im Trierer Erzbistum vom 12. bis 17. Jahrhundert bezeichnet die kalendarische Datierung der Jahre nach dem Annunziationsstil (Marienstil) und ist vielfach in Urkunden, Inschriften (Grabgedicht Erzbischof Balduins, Epitaph Abt Heinrichs von Bruch, Gesta Baldewini, Rückrechnungen) (Rüdiger Fuchs, Mos Treverensis - Fünf Fallstudien und ein mutiger Exkurs). IX. Chronogramme kamen im christlichen Abendland im 15. Jahrhundert auf (Genter Altar und Chronostichon von 1432, Pseudo-Chronogramme [auf Liudger-, Tassilokelch], Vorformen [jüdische Tradition]) (Michael Oberweis, "En prenant les lettres, qui font milliare". Beobachtungen zu Entstehung und Verbreitung des Chronogramms im 14./15. Jahrhundert). X. Für Beurkundungen mussten Urkundenempfänger - erkennbar seit dem späteren Mittelalter - Sporteln, Gebühren und Taxen bezahlen, die an die sich ausbildenden Kanzleien von Königen, Fürsten oder Städten gingen, Ausdruck der Fiskalisierung und Verschriftlichung von Herrschaft und "Verwaltung" unter Berücksichtigung auch von Gewohnheiten (römisch-deutsches Reich: gewohnheitliches Vorgehen, Regalienbelehnung und Lehnware, "Taxregister" von 1470/75, Kanzleiordnungen von 1494, 1497/98 und 1518) (Paul-Joachim Heinig, Der Preis der Gnade. Sporteln, Kanzleitaxen und urkundliche Gebührenvermerke im europäischen Mittelalter). XI. König Eduard III. von England (1327-1377) übte auf Veranlassung Kaiser Ludwigs des Bayern (1314-1347) und als Folge eines Politikwechsels des römisch-deutschen Königs zwischen 1338 und 1341 (Widerruf) das Reichsvikariat insbesondere am Niederrhein und gegenüber Frankreich (Ausrufung Eduards als französischer König 1340) aus, parallel zu den Reichsvikariaten des Herzogs von Brabant (westlich der Maas) sowie des Grafen von Geldern und des Markgrafen von Jülich (Cambrai) (Marie-Luise Heckmann, Das Reichsvikariat Eduards III. von England "per Alemanniam et Galliam" (1338-1341) - Eine Neuinterpretation). XII. Verwandtschafliche Beziehungen zwischen den Adelshäusern Luxemburg und Avesnes wirkten sich auf die Territorialpolitik von Holland bis Flandern im 13. und 14. Jahrhundert aus (Michel Margue, Luxemburg und Avesnes. Territorialpolitik und Ritterideal (1250-1350)). XIII. Der römisch-deutsche und böhmische König Wenzel (IV., 1378-1419) wird zu Unrecht in den damaligen, gerade böhmischen Geschichtsquellen als untätig und trunksüchtig dargestellt; dagegen stehen entgegen die Konstanz der königlichen Verwaltung (Urkunden, Akten) sowie vielfältigen, auch kulturellen Interessen des Herrschers in schwieriger Zeit (Absetzung als römisch-deutscher König 1400, Zurückgezogenheit des Herrschers, Hussitenbewegung) (Petra Roscheck, König Wenzel IV. - Opfer einer Schwarzen Legende und ihrer Strahlkraft). XIV. Weitere Beiträge sind: Elmar Wadle, Metternichs erster Vorschlag zur Organisation des Deutschen Buchhandels und der Schutz gegen Nachdruck; Clemens Zimmermann, Der Wissenschaftsverlag Carl Winter im Nationalsozialismus; Wolgang Müller, "Von Köthen und Dessau über Wasserburg und Paris schließlich zurück in seine Vaterstadt Saarbrücken." Erinnerungen an den Gründungsprofessor für Mathematik an der Universität des Saarlandes Dr. Aloys Herrmann (1898-1953); Dieter Heckmann, Paläographie - Eine archivische Dienstleistung mit Zukunft > Kompendium Mittelalter > Paläographie/Schriftkunde. [Buhlmann, 06.2014]

Thorndike, Lynn (1954), Computus, in: Speculum 29 (1954), S.223-238 > Z Zeit

Thudichum, Friedrich (Bearb.) (1906), Die Stadtrechte von Tübingen 1388 und 1493 (= TSRG 1), Tübingen 1906, VIII, 79 S., € 5,-. Tübingen, Burg (und Ort), wird erstmals 1078 erwähnt, im Hochmittelalter bildete sich unter den Grafen (ab 1146 schwäbischen Pfalzgrafen) von Tübingen unterhalb der Burg die Stadt Tübingen aus (v.1231). Stadt und Schönbucher Umland verblieben den Grafen auch nach dem Verkauf des Pfalzgrafentitels an die Markgrafen von Burgau (1268); Königsurkunden (1324, 1331) belegen die Lehnsabhängigkeit Tübingens vom Reich. Mit dem Verkauf Tübingens und des Schönbuchs (1343) traten die Grafen von Württemberg die Nachfolge der Grafen von Tübingen an. Die Württemberger übernahmen dabei die bestehende Gerichtsverfassung mit dem Tübinger Stadtgericht (Vogt, zwölf Richter, Letztere als Teil des insgesamt aus 24 Personen besteheden Stadtrates) als Oberhof für Gerichte der (ehemals tübingischen, auch späteren württembergischen) Umgebung (1493: Statt, Marckt und Dörff hollent ir urttel und rechtt zu Tuwingen; Blaubeuren, Calw, Dornstetten, Haigerloch, Hechingen, Horb, Jesingen, Kusterdingen, Mössingen, Münsingen, Nagold, Oberndorf, Ofterdingen, Rottenburg, Sindelfingen, Trochtelfingen, Urach, Vaihingen, Veringen, Wankheim, Weil im Schönbuch u.a.). Aus württembergischer Zeit sind dann die deutschen Stadtrechte von 1388 und 1493 überliefert; in zeitliche Nähe zum Stadtrecht von 1388 ist eine Abschrift von 1734 zu rücken. Die Rechtssatzung von 1388 versteht sich als Aufzeichnung althergebrachten Rechts, das viel umfangreichere Recht vom 22. April 1493 (überliefert als "Buch" mit 29 Pergamentseiten) erteilte Graf Eberhard im Bart (1450-1496) als etliche Ordnungen, Satzungen und Artikel (an Vogt Konrad Brüning und die Tübinger Stadtgemeinde; Inhalt: Gerichtsordnung/-verfahren, Privatrecht [Sachenrecht, Güterrecht, Vertragsrecht, Erbrecht, Heirat und Vormundschaft, Ehe- und Familienrecht, Testament, Bürgeraufnahmen]; Parallelen zum Stuttgarter Stadtrecht von 1492). [Buhlmann, 12.2013]

Thumser, Matthias (1995), Rom und der römische Adel in der späten Stauferzeit (= BHDIR 81), Tübingen 1995, X, 429 S., Stammtafeln, Karte, € 24,95. Die päpstliche Stadtherrschaft über Rom, Rom als Residenzort des Papstes behinderte seit der Mitte des 11. Jahrhunderts die kommunale und soziale Entwicklung der Stadt. Römische Adelsgeschlechter wie die Frangipane oder Pierleoni sind zwar seit dieser Zeit nachweisbar, besaßen aber in Rom meist nur in Verbindung mit dem Reformpapsttum eine einflussreiche Rolle. Im Jahr 1143 bildete sich die Kommune der römischen Mittelschicht (Kollegialsenat, Autonomie, Contado, Weltherrschaftsgedanke und staufisches Kaisertum) gegen den Stadtherrn und den Adel. Der Ausgleich zwischen Papsttum und Kommune (1188) ließ zwei Gruppierungen für und gegen die päpstliche Stadtherrschaft entstehen. Dies geschah vor dem Hintergrund der Ausbildung einer neuen römischen Adelsschicht im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, ein Prozess, der in den 1220er-Jahren weitgehend abgeschlossen war. Die neuen Adelsfamilien (innerstädtische Wohnungen und Verteidigungsanlagen [Torre], Grund- und Kastellbesitz im römischen Umland [Incastellamento], sozialer Vorrang [römische Spitzenfamilien] und Titulatur [dominus, consul]) waren (neben den schon genannten alten Adelsfamilien): Andreotta, Annibaldi (Senator Annibaldus [1171]), Arcioni, Arlotti, Bobazani, Boboni (einflussreich im 12. Jahrhundert), Boccamazza, Capocci, Cerini, Colonna (Pietro Colonna [ca.1100]), Conti (Verwandte Papst Innozenz' III. [1198-1216]), Crescenzi (Kardinäle mit Namen Gregorio [13. Jahrhundert, 1. Viertel]), Franchi (Senatoren), Giacinti, Grassi, Gregori, de Iudice, Lombardi, Malabranca (Beziehungen zu Papst Alexander III. [1159-1181]), Mannetti, de Monumento, Normanni, Oddolina, Orsini (filii Ursi, bedeutendste neue Adelsfamilie), Ottaviani (Crescentierabkunft), Pantaleoni, Papareschi, Paparoni, Papazzurii, Parenzi, de Ponte (vielleicht vertreten auch in anderen italienischen Kommunen), Romani, Sant'Alberto, Sant'Eustachio (einflussreich im 12. Jahrhundert), Savelli, Scotta, Sordi, Stefaneschi (einflussreich im 13. Jahrhundert), Suburra, Tebaldi (zurückgehend ins 11. Jahrhundert, wenig einflussreich), vielfach jeweils aufgeteilt in einzelne Linien; Ausfluss adligen Bewusstseins war dann u.a. die vielfach bezeugte Bekleidung des Podestats in anderen italienischen Kommunen durch Mitglieder römischer Adelsfamilien. Gegensätze innerhalb der so definierten, aber nicht genau abgrenzbaren Oberschicht (fließende Übergänge zur Mittelschicht) ergaben sich aus dem politischen Spannungsfeld von Kommune, Papsttum (Stadtherr) und Kaisertum, so in der Regierungszeit Kaiser Heinrichs VI. (1190-1197) (Übergang zum Einmannsenat [1191]), während des Pontifikats Papst Innozenz' III. (Vorherrschaft des Papstes in Rom, päpstliche Adelsfamilien), während der Machtkämpfe zur Zeit Papst Gregors IX. (1227-1241) (Aufstand römischer Adelsfamilien 1234, wechselnde politische Rolle Kaiser Friedrichs II. [1212-1250], Sieg der päpstlichen Partei 1241), während des Pontifikats Papst Innozenz' IV. (1243-1254) (römische Autonomie 1243/52, popolares Regiment 1252/58) oder im Zuge des sich ausbildenden Gegensatzes zwischen Guelfen und Ghibellinen (Karl von Anjou als Senator 1263/66, Romzug des Staufers Konradin mit popolarer römischer Unterstützung [1268], Zusammenbruch der ghibellinischen Machtstellung in Rom nach der Schlacht bei Tagliacozzo 1268). Die politischen (gewaltsamen) Umwälzungen in Rom in spätstaufischer Zeit spiegeln sich - übrigens bei weitgehender Konstanz kommunaler Ideen - nicht zuletzt im Charakter des Senats als städtisches (Repräsentations-) Organ (Kollegialsenat, Einmann-/Zweimannsenat, Adelssenat). [Buhlmann, 05.2014]

Tittel, Heinz (2009), Zum Eintrag Karls des Großen im ältesten überlieferten Necrolog des Viktor-Stiftes Xanten, in: AHVN 212 (2009), S.51-70. Einträge zu Kaiser Karl dem Großen (768-814) in Nekrologien (Totenbüchern) sind von frühmittelalterlichen geistlichen Gemeinschaften am Niederrhein nur aus Xanten und Werden (a.d. Ruhr) überliefert. Während beim Kloster Werden der Nekrologeintrag (zum 28. Januar, dem Todestag des Herrschers) mit den Schenkungen Karls des Großen (in Leuze und Friemersheim) an die von dem friesischen Missionar Liudger (†809) gegründete Mönchsgemeinschaft in Zusammenhang gebracht werden kann, resultiert der entsprechende Eintrag aus dem Xantener Nekrolog von 1044/46, das ein älteres Nekrolog aus dem letzten Drittel des 9. Jahrhunderts und später benutzte, aus den wahrscheinlich zu machenden Aufenthalten des Königs bzw. Kaisers bei und in Xanten im Rahmen von Sachsenkrieg (772-804) und Rheinüberquerung des fränkischen Heeres beim rechtsrheinisch gegenüber Xanten liegenden Ort Lippeham (779, 784, 799, 810). Zeitweise enge Kontakte zu den Xantener Kanonikern sind von daher anzunehmen, ebenso wirtschaftliche Zuwendungen des Herrschers an das bedeutende Stift zum Zweck des Totengedächtnisses. [Buhlmann, 05.2011]

Toch, Michael (1998), Die Juden im mittelalterlichen Reich (= EdG 44), München 1998 > J Juden im Mittelalter

Tönnesmann, Andreas (2007), Die Kunst der Renaissance (= BSR 2556), München 2007, Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, 136 S., € 5,-. "Renaissance" (rinascita als "Wiedergeburt") bedeutet, eingebettet in den Humanismus, für Italien, das Kernland der Renaissance, die Nachahmung von (griechisch-römischer) Antike und Natur in der Kunst des 14./15. und 16. Jahrhunderts. Die Kunst der Renaissance geht dabei einher mit einer Neubewertung von Kunst und Künstler - der Künstler steht zunehmend im Mittelpunkt -, die Kunst wird theoretisch hinterfragt (Kunsttheorien des Leon Battista Alberti [*1404-†1472, Malerei, Baukunst, Skulptur], Künstlerbiografien des Giorgio Vasari [*1511-†1574], Architekturtheorie des Sebastiano Serlio [*1475-†1554]), die Kunst erfüllte in den Städten und an den Fürstenhöfen auch gesellschaftlich-soziale Funktionen, etwa bei der Sicherung von Herrschaft oder beim Mäzenatentum (Kunst- und Bildungspolitik). Die Kunst der Renaissance war vielfältig. Florenz spielte als "Labor der Renaissance" hier eine Vorreiterrolle (Perspektive, Architektur: Filippo Brunelleschi [*1377-†1446, Domkuppel]; Malerei: Donatello [*1386-†1466], Guido de Pietro [Fra Angelico, *1387-†1455], Piero della Francesca [*1400/10-†1492], Sandro Botticelli [*1445-†1510, Geburt der Venus]); nicht zuletzt die massive Förderung von Kunst und Künstlern durch die Medici (Palazzo Medici, Dominikanerkloster San Marco [15. Jahrhundert], Kirche San Lorenzo und Medici-Grablege [16. Jahrhundert]) wirkte vorbildhaft für italienische Fürstenhöfe wie Urbino (Federico da Montefeltro und Piero della Francesca [Porträt]), Rimini (Sigismondo Malatesta und Leon Battista Alberti), Mantua (Ludovico Gonzaga und Andrea Mantegna [*1431-†1506]), Mailand (Ludovica Sforza und Leonardo da Vinci [*1452-†1519]) oder Ferrara (Alfonso d'Este und Tizian [*1489-†1576, Bacchus und Ariadne]). Das Rom der Renaissancepäpste Julius II. (1503-1513) und Leo X. (1513-1521) übernahm nach Anfängen z.B. unter Papst Pius II. (1464-1471; Idealstadt Pienza) die Führung in der Kunst der Renaissance (Malerei: Raffael [*1483-†1520, Stanzen], Michelangelo [*1475-†1564, Sixtinische Kapelle]; Architektur: Donato Bramante [*1444-†1514, Petersdom], Michelangelo [Petersdom, Juliusgrabmal]). Ab 1520 wurde die (späte) Renaissancekunst zur Kunst des Manierismus, die Künstler suchten eigene Zugänge zu Kunst und Architektur, suchten Übertreibung und "Künstlichkeit", während die handwerklichen Grundlagen die gleichen blieben (Malerei: Jacopo Pontormo [*1494-†1537, Kreuzabnahme], Architektur: Giulio Romano [*1499-†1546, Pallazo del Te], Jacopo Barozzi il Vignola [*1507-†1573, Jesuitenkirche Il Gesù], Andrea Palladio [*1518-†1580, Villa Malcontenta]). Beeinflusst wurde die italienische Renaissance von der flandrisch-niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts (Rogier van der Weyden [*1399-†1464], Jan van Eyck [*1390-†1441]); umgekehrt beeinflusste die italienische Renaissance den Norden Europas (Albrecht Dürer [*1471-†1528], Renaissance und Reformation). Renaissancekunst wurde auch zur Kunst der Könige; König Franz I. von Frankreich (1515-1547, Fontainebleau), eingeschränkt Kaiser Karl V. (1519-1556, und Tizian [*1489-†1576]), König Philipp II. von Spanien (1556-1598, Escorial) oder Kaiser Rudolf II. (1576-1612, und Giuseppe Arcimboldo [*ca.1530-†1593], Prager Kunstkammer Rudolfs [Bildung, Kunst, Dichtung, Wissenschaft]) sind hier zu nennen. Mit Rudolf II. endet dann die Renaissance. Vgl. Lexikon der Renaissance, hg. v. Günter Gurst (1989), Leipzig 1989, 797, 80 S., Abbildungen, Karten, DM 48,-. [Buhlmann, 04.2012, 08.2015]

Tomaszewski, H. (1963), Die Rellinghauser Stiftsdamen, in: MaH 16 (1963), S.101-106 > R Rellinghausen

Treffeisen, Jürgen (1993), Johannes Hase (Lepus) - Ein Kenzinger Bürgersohn als Abt des Zisterzienserklosters Tennenbach (1353-1368), in: FDA 113 (1993), S.75-103. Johannes Hase (latinisiert Lepus), geboren wahrscheinlich zu Anfang des 14. Jahrhunderts, gehörte einer nicht unbedeutenden Ministerialenfamilie der Grafen von Üsenberg innerhalb der Führungsschicht der üsenbergischen Stadt Kenzingen an. Sein Vater Johannes Hase war Mitglied des Kenzinger Rats, seine Mutter hieß Adelheid. Beziehungen (Jahrzeitstiftungen u.a.) der Familie bestanden zum vor Kenzingen gelegenen Zisterzienserinnenkloster Wonnental und zum etwas weiter entfernten Zisterzienserkloster Tennenbach. Ins Kloster Tennenbach trat auch der junge Johannes Hase, wohl im Alter vom 18 Jahren, zu Ostern 1326 als Mönch ein. Anlässlich dieses Klostereintritts ist eine Urkunde über jährliche, Johannes Hase bzw. dem Kloster zukommende Zinseinnahmen erhalten geblieben. Johanes Hase folgte 1353 seinem Vorgänger Johannes Zenlin (1336-1353) in der Leitung der Zisterze nach (1353-1368). Aus der Amtszeit des Johannes Hase als Abt sind dann weitgehend nur urkundliche Belege zum Klosterbesitz überliefert. Der Ausbau des Grundbesitzes betraf dabei vor allem Güter im nördlichen Breisgau in der näheren Umgebung von Tennenbach. Die Mönchsgemeinschaft verfügte über einen gewissen Reichtum, wie dem Liber marcarum des Bistums Konstanz von 1360/70 zu entnehmen ist. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts trat in Tennenbach wie anderswo auch allerdings eine gewisse wirtschaftliche Stagnation ein (Umstellung von Grangienwirtschaft auf Rentengrundherrschaft, spätmittelalterliche Agrarkrise). Johannes Hase verkörpert zudem den sozialen Wandel in den Zisterzienserklöstern der damaligen Zeit von Mönchsgemeinschaften mit adlig-ministerialischen Konventen zu solchen mit Mönchen weitgehend aus dem Bürgertum. Unter Abt Johannes Hase ist das Tennenbacher Jahrzeitbuch von 1364 niedergeschrieben worden. Hase legte die Leitung der Mönchsgemeinschaft (wohl aus Alters- und Krankheitsgründen) 1368 nieder und zog sich ins Frauenkloster Wonnental zurück, wo er - einem Tennenbacher Nekrolog des 16. Jahrhunderts zufolge - am 9. April 1570 starb und in capitolio beerdigt wurde. [Buhlmann, 08.2012]

Trevor-Roper, Hugh, Der Eremit von Peking. Die Geschichte eines genialen Fälschers (= Die Andere Bibliothek, Bd.209), Frankfurt a.M. 2009, 392 S., € 29,50. Edmund Trelawny Backhouse wurde 1873 im englischen Lancashire in eine geschäftlich erfolgreiche Quäkerfamilie hineingeboren, war Schüler u.a. an der Schule St. George's in Ascot und am Winchester College und studierte ab 1892 ohne Abschluss in Oxford (1892-1895), verschuldete sich indes während des Studiums bis zum Bankrott. Ab 1898 hielt sich Backhouse überwiegend in China und in Peking auf. Er arbeitete, sprachbegabt wie er war, als Übersetzer u.a. für Chinesisch. Vor dem Hintergrund von Boxeraufstand (1900) und Regentschaft der Kaiserinwitwe Cixi (1861-1908) verfasste er mit John Otway Percy Bland das (auf einem von ihm erfundenen chinesischen Tagebuch aufbauende) Buch "China under the Empress Dowager" (1910), das auf Grund des großen wirtschaftlichen Erfolges Backhouse zunächst zu einem anerkannten Historiker werden ließ und dem "Annals and Memoirs of the Court of Peking" folgte (1914). Schenkungen von chinesischen Büchern und Handschriften an die Oxforder Universität (1913, 1914/15) ließen Backhouse dort in die engere Wahl bei der Besetzung einer Professorenstelle für Chinesisch treten, doch zerschlugen sich letztlich seine diesbezüglichen Pläne (1920). Eine angebliche große chinesische Palastbibliothek kam nie in Oxford an (1920/21), und auch Backhouse's geschäftliche Unternehmungen (Provisionen für: Waffenhandel, Schiffsverkäufe, Banknotenvertrag) während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) und danach gründeten eher auf Betrug und scheiterten allesamt. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde indes um das angebliche, von Backhouse benutzte Tagebuch des kaiserlichen Kammereunuchen Jing Shan immer kontroverser diskutiert, in den 1930er-Jahren wurde aus Backhouse der "Eremit von Peking", 1942 wurde Backhouse römisch-katholisch, 1943 schrieb er seine bis heute auf Grund ihres snobistischen und stark pornografischen Inhalts unveröffentlichten Memoiren ("Decadence Mandchoue" [1898-1908], "The Dead Past" [vor 1898]). Backhouse starb am 8. Januar 1944 in Peking. [Buhlmann, 10.2012]

Triberg, Stadt im mittleren Schwarzwald: Die Anfänge Triberger Geschichte reichen zur Person des Adligen Adalbert von Ellerbach (†1121) zurück, der - in enger Beziehung u.a. zum Kloster St. Georgen im Schwarzwald stehend - an der oberen Gutach um die Burg Alt-Hornberg die Herrschaft der Herren von Hornberg begründete. Eine (Seiten-) Linie der Hornberger Herren waren dann die Herren von Triberg, die vom beginnenden 13. Jahrhundert an um Burg und Ort Triberg ihre Herrschaft im mittleren Schwarzwald ausbilden konnten. Mit Burkhard (II) (1280, †1325) starben die Herren von Triberg aus, die Herrschaft Triberg kam unter die Grafen von Hohenberg, die sie 1355 an die österreichisch-habsburgischen Herzöge verkauften. In die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts fällt die Stadtwerdung Tribergs, die Herrschaft Triberg (auch als Niedere und Obere Herrschaft) wurde als Teil der vorderösterreichischen Territorien bis 1654 verpfändet, 1642 die Triberger Burg zerstört. 1645 wird das Mariengnadenbild in der Triberger Wallfahrtskapelle Maria in der Tanne erwähnt, die österreichische Herrschaft über Triberg hielt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an, danach war Triberg Teil des Herzogtums Modena, 1806 wurden Stadt und Herrschaft württembergisch, 1810 badisch. Im Zuge der Industrialisierung entstand in Triberg eine bedeutende Uhrenindustrie, im 20. Jahrhundert wurde Triberg (ab 1973/74 einschließlich der Ortsteile Nußbach und Gremmelsbach) zu einem Anlaufpunkt für Touristen und Urlauber (Triberger Wasserfälle, Schwarzwalduhren).
Zur Triberger Geschichte des Mittelalters s.: Buhlmann, Michael (2012), Anfänge Triberger Geschichte (= VA 61), Essen 2012, 44 S., Schwarzweißabbildungen, Karte, € 4,-, zur Triberger Geschichte allgemein: Maier, Wilhelm, Lienhard, Karl (1964), Geschichte der Stadt Triberg im Schwarzwald, Triberg 1964, 459 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Pläne, € 6,-. [Buhlmann, 12.2012, 06.2015]

Trithemius, Johannes, spätmittelalterlicher Benediktinermönch und Gelehrter: Der Benediktinermönch und Geschichtsschreiber Johannes Trithemius (*1462-†1516) aus Trittenheim (bei Trier) ergriff, über 20-jährig, eine theologische und priesterliche Laufbahn und trat als [[Novize]] ins Benediktiner[[kloster]] Sponheim ein (1484). Bald nach Ablegung der Profess wurde Trithemius Abt des Klosters (1485-1506), das er zu reformieren versuchte. Gleichzeitig begann seine literarische Tätigkeit als Verfasser von liturgischen und reformerischen Schriften, schließlich als Autor historiografischer Werke. Während eines Aufenthalts in Berlin formierte sich Widerstand in Sponheim gegen Trithemius (1505/06), so dass der Gelehrte auf seine Abtswürde verzichtete und sich zu seinem Freund, dem Würzburger Bischof Lorenz von Bibra (1495-1515), begab. In Würzburg wurde er Leiter des [[Schottenkloster]]s (1506-1516) und setzte seine literarische Tätigkeit bis zu seinem Tod fort. An Werken des Johannes Trithemius sind aus dem Bereich der Geschichtsschreibung überliefert: eine Schrift über "Die berühmten Männer des Benediktinerordens", die bis zum Jahr 1370 reichende "Hirsauer Chronik" und die zwei Teile umfassenden "Hirsauer Annalen" (bis 1226 bzw. bis 1514). Dabei ist der geschichtliche Wert seiner Schriften durchaus umstritten, sind ihm doch häufig Fälschungen nachzuweisen. Selbst ein angebliches (zweites) Privileg Papst Urbans II. (1088-1099) für das Kloster Hirsau wurde Trithemius' Fälschungstätigkeit zugeschrieben, doch entpuppt es sich heute als eine Fälschung wahrscheinlich aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.
An Werken des Trithemius sei genannt: Trithemius, Johannes, Opera Historica, hg. v. Marquard Fresher (1601), Pars I, Pars II (Chronica insignia duo), Nachdruck Frankfurt a.M. 1966, 412+574 S., DM 350,-. Zu Johannes Trithemius s. noch: Arnold, Klaus (1971), Johannes Trithemius (1462-1516) (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Bd.XXIII), Würzburg 21991, XI, 350 S., DM 78,-. [Buhlmann, 11.2004]

TSRG = Tübinger Studien für Schwäbische und Deutsche Rechtsgeschichte

TTH = Translated Texts for Historians

Turner, Ralph V. (2009), Eleonore von Aquitanien. Königin des Mittelalters, München 2012, 496 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, Karten, € 24,95. Eleonore (*1124-†1204) war die Tochter Herzogs Wilhelm X. von Aquitanien (1127-1137). Dieser starb auf einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostella (1137), Herzogtum und Erbtochter kamen in die Verfügung des französischen Königs Ludwig VI. (1108-1137) als Lehnsherrn. Ludwig verheiratete Eleonore mit seinem Sohn, den späteren König Ludwig VII. (1137-1180). Als französische Königin bestimmte Eleonore die Politik ihres Ehemanns zunächst mit (1140er-Jahre, Niederbrennung der Kirche von Vitry mit vielen Toten 1143), wobei sie auf Widerstände u.a. Abt Sugers von St. Denis (†1151) stieß. Der alles andere als erfolgreiche Zweite Kreuzzug (1147/49) offenbarte tiefgreifende Konflikte zwischen den Ehepartnern (Eleonore und Raimund I. von Antiochien, Streit um Weiterzug nach Jerusalem, kurzfristige Entführung Eleonores auf der Rückreise). Nach dem Kreuzzug kam es alsbald zur wohl hauptsächlich von Ludwig VII. in die Wege geleiteten Annullierung der Ehe mit Eleonore wegen "zu enger Verwandtschaft". Das politische Überleben als Herzogin erforderte die schnelle Neuverheiratung Eleonores mit Heinrich von Anjou-Plantagenêt (†1189) (Heirat in Poitiers 1152). Heinrich verfügte damit als Lehen des französischen Königs über den Westteil Frankreichs von der Normandie bis zu den Pyrenäen. Hinzu kam nach dem Tod Stephans von Blois (1154) das englische Königtum Heinrichs II. (1154-1189). Aus der Ehe zwischen Eleonore und Heinrich gingen acht Kinder hervor, u.a. Heinrich der Jüngere (†1183), Richard (Löwenherz, †1199), Gottfried (von der Bretagne, †1186), Johann (Ohneland, †1216) oder Eleonore (†1215), die König Alfons VIII. von Kastilien (1158-1214) heiraten sollte. An der Seite ihres Ehemanns gelang es Eleonore, innerhalb des "angevinischen Reichs" die Herrschaft über Aquitanien zu festigen (Übergriffe des französischen Königs 1152, Angriffe auf die Grafschaft Toulouse 1159, 1162, Eleonore als Herzogin in Aquitanien 1169/73, angevinische Oberherrschaft über Toulouse 1173). Zu Krisen des Königtums Heinrichs II. wuchsen sich aus die Ermordung des Erzbischofs Thomas Becket von Canterbury (1169) und der Aufstand der Heinrich-Söhne Heinrich des Jüngeren, Richard und Gottfried (1173/74) nach den in den Augen der Söhne unzulänglichen Verfügungen Heinrichs II. bzgl. der Nachfolge in der angevinischen Herrschaft (1169). Eleonore unterstützte den Aufstand, nach dessen Niederschlagung (1173/74) findet sie sich als unter Hausarrest stehende Gefangene des Königs wieder (Burgen Chinon, Salisbury); die Be- und Überwachung Eleonores sollte bis zum Tod des Herrschers (1189) andauern. Im letzten Regierungsjahrzehnt Heinrichs II. mehrten sich nochmals die Krisen im angevinischen Herrschaftsraum, mehrfach verstärkt durch den neuen französischen König Philipp II. Augustus (1180-1223). Aufstände gab es in Aquitanien (1180, 1182/84), wobei sich die Heinrich-Söhne Gottfried und Johann gegen ihren Bruder Richard Löwenherz, den aquitanischen Herzog, wandten (Versöhnung in Windsor 1184). Heinrich der Jüngere war damals schon verstorben (1183), Gottfried von der Bretagne starb ebenfalls vor seinem Vater (1186) unter Hinterlassung des posthum geborenen Sohns Arthur. Die Revolte von Richard Löwenherz gegen den Vater (1188/89) endete unter massiver Vermittlung des französischen Königs im Friedensschluss von Ballan-Miré (1189). Kurz darauf starb Heinrich II., und Richard wurde dessen Nachfolger in England und dem französischen Lehnsbesitz (1189-1199). Eleonore kam aus der Bewachung frei und bestimmte während des politischen Übergangs und der Abwesenheit ihres königlichen Sohnes (Dritter Kreuzzug 1190/92, Gefangenschaft Richards in Deutschland 1192/94) als Königinmutter die Politik im angevinischen Herrschaftsraum (Kanzlerschaft Wilhelm Longchamps, Rebellion Johann Ohnelands 1193). Nach Richards Rückkehr zog sich die Mutter in das Kloster Fontevraud zurück (1194). Der Tod Richards (1199) veranlasste Eleonore indes, das Kloster zu verlassen, um sich für die Nachfolge ihres Sohnes Johanns (1199-1216) im Plantaganêt-Reich (gegen Ansprüche ihres Enkels Arthur von der Bretagne) einzusetzen. Dies gelang auch, nur verspielte Johann in den folgenden Jahren seinen politischen Kredit in der Normandie und in Aquitanien (Eroberung der Normandie durch Philipp II. Augustus 1203/04), insbesondere nach dem Tod Eleonores in Fontevraud am 31. März 1204. Im Kloster Fontevraud wurde Eleonore (neben Heinrich II., Richard Löwenherz) auch bestattet. Der Nachwelt galt die Herzogin - rezeptionsgeschichtlich gesehen - als Ehebrecherin, Dämonin, Mörderin und "Königin der Troubadoure". Vgl. noch: Pernoud, Régine (1976), Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien (= dtv 1461), München 91991, 267 S., Abbildungen, DM 9,80. [Buhlmann, 08.2016]

TuscB = Tusculum-Bücherei

Tutanchamun, ägyptischer Pharao: I. Die Regierung des politisch wenig wirksamen Kindpharaos Tutanchamun stand unter den Vorzeichen der Restauration der ägyptischen Religion nach dem Tod König Amenophis' IV. (1352/51-1335/34 v.Chr.), des Vaters Tutanchamuns als Pharao Echnaton der sog. Armanazeit. Nach dem Tod Echnatons setzte sich zunächst Meritaton, die älteste Tochter Echnatons und Nofretetes, durch; sie heiratete Semenchkare, den Sohn des Aja (1335/34-1332 v.Chr.). Außenpolitisch standen seit den letzten Regierungsjahren Echnatons die Auseinandersetzungen mit den Hethitern in Syrien im Vordergrund. Auch von daher mussten sich Meritaton und Semenchkare wieder der alten Religion (Amunpriesterschaft in Theben) annähern. Nach dem Tod Meritatons und Semenchkares wurde Tutanchaton (Tutanchamun), der einzige Sohn Echnatons und der Nofretete, Pharao (1332-1323 v.Chr.), nach diesem Tutanchamuns Großvater Aja (1323/22-1319 v.Chr.). General Haremhab, zunächst Verbündeter, dann Feind Ajas, übernahm nach Ajas Tod die Königsherrschaft (1319-1292 v.Chr.). Tutanchamun starb 18/20-jährig wohl an den Folgen eines Unfalls. II. Berühmt wurde Pharao Tutanchamun durch die Auffindung seiner weitgehend unversehrt gebliebenen Grabkammer im äygptischen Tal der Könige durch den britischen Archäologen Howard Carter in den Jahren 1922/23. Trotz der politischen Unbedeutendheit Tutanchamuns war das Grab reichhaltig ausgestattet (Vorraum, Sargkammer: Wandmalereien, Kanopen, Sarkophag, goldene Totenmaske, Mumie des Pharao, goldener Thron, Schmuck, Jagdutensilien, Streitwagenteile, Schreibutensilien, Fächer, Krüge, mumifizierte Föten).
Die (mehr oder weniger) historische Literatur zu Tutanchamun ist unübersehbar und geschuldet der archäologischen Sensation der Auffindung seines Grabes mit der beeindruckenden Grabausstattung: Carter, Michael (1972), Tut-ench-Amun. Ägyptens goldener Monrach (= Heyne Tb 7049), München 41980, 128 S., Schwarzweißtafeln, DM 5,80; Hoving, Thomas (1978), Der Goldene Pharao Tut-ench-Amun (= Knaur Tb 3639), München-Zürich 1980, 319 S., Schwarzweißabbildungen, Schwarzweiß-, Farbtafeln, DM 12,80; Neubert, Otto (1977), Tut-ench-Amun. Gott in goldenen Särgen (= Bastei-Lübbe Tb 64004), Bergisch Gladbach 1977, 222 S., Schwarzweiß- und Farbtafeln, DM 6,80. [Buhlmann, 05.2017]

TutHbll = Tuttlinger Heimatblätter (NF = Neue Folge)

TzF = Texte zur Forschung

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