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Rezensionen (Geschichte)
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Jackman, Donald C. (1990), The Konradiner. A Study in Genealogical Methodology (= Ius commune, Bd.47), Frankfurt a.M. 1990 > K Konradiner

Jacobi, Klaus (Hg.) (1979), Nikolaus von Kues. Einführung in sein philosophisches Denken (= Kolleg Philosophie), Freiburg-München 1979 > N Nikolaus von Kues

Jacobus de Voragine: Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine, übers. von Richard Benz ([1955]), Heidelberg 101984, XL, 1027 S., DM 48,- > Lateinische Literatur > J Jacobus de Voragine

Jacobus de Voragine, Legenda aurea. Lateinisch/Deutsch, übers. u. hg. v. Rainer Nickel (1988) (= RUB 8464), Stuttgart 1988, 280 S., DM 9,- > Lateinische Literatur > J Jacobus de Voragine

Jänichen, Hans (1968), Zur Genealogie der älteren Grafen von Veringen, in: ZWLG 27 (1968), S.1-33. I. Methodischer Teil: Die Erforschung der Genealogie hochmittelalterlicher Adelsgeschlechter ist wichtig für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters. Genealogische Forschungen müssen die gegenüber dem Frühmittelalter veränderten sozialen Strukturen des hochmittelalterlichen "Adelshauses" (Definition "Geschlecht") berücksichtigen, wobei Methoden (Untersuchungen zu den Klöstern Hirsau und St. Georgen) und Geschichtsquellen (Verbrüderungs- und Gedenkbücher) heranzuziehen sind. - II. Historischer Teil: Die seit dem Anfang des 11. Jahrhunderts bezeugten Grafen von Altshausen - Graf Manegold (1077, †1104) stiftete zusammen mit seiner Schwester Irmgard das Kloster Isny (1096) - starben mit Graf Wolfrad (1110, 1116) in männlicher Abfolge aus. Nur unter Schwierigkeiten konnten Wolfrad von Treffen (-Altshausen) (†ca.1181) und sein Bruder Markward von Veringen (†v.1167/68) die schwäbischen Positionen der Altshauser Grafen übernehmen. Die beiden Brüder waren die Enkel des Kärntner Herzogs Liutold von Eppenstein (1076-1090), der eine nicht anerkannte Ehe wahrscheinlich mit der Altshauserin Irmgard einging. Der Sohn aus dieser Ehe war ein Graf Ulrich (†v.1121), der wiederum eine namentlich unbekannte Enkelin des Grafen Ulrich von Bregenz (1043) heiratete und im Magdeburger Umfeld des Magdeburger Erzbischofs Adelgoz (1107-1119, mit seiner Abstammung von den Herren von Steußlingen) und des Salzburger Bischofs Konrad I. (1106-1147) zu verorten ist. Aus der Ehe Ulrichs gingen dann Wolfrad von Treffen und Markward von Veringen hervor. Im Umkreis der Bregenzer (und Veringer) Grafen treten dann noch die Grafen von Zeil und die von Pfullendorf, die Herren von (Singen-) Twiel und die von Steußlingen in Erscheinung, der Name des ersten Veringers Markward kommt bei den Adelsfamilien der Nellenburger, Rohrdorfer, Otterswanger u.a. vor. [Buhlmann, 08.2011]

Jänichen, Hans (1976/78), Die Grafen von Urach, ín AlemJb 1976/78, S.1-15. Die Uracher Grafen treten erstmals im 11. Jahrhundert in Erscheinung, eine Geschichtsquelle aus dem bedeutenden benediktinischen Reform- und Schwarzwaldkloster Hirsau bezeichnet das Ermstal (von Dettingen bis Neckartenzlingen) als "Swiggerstal" und ordnet diese Landschaft der "Grafschaft des Grafen Egino" zu (ca.1100). Hier gab es aber neben den Urachern auch andere Adelsfamilien, die Herrschaft ausübten; als Herrschaftsmittelpunkte stellen sich damals dar: Urach mit dem Runden Berg, einer Burganlage u.a. des 7./8. Jahrhunderts, Seeburg mit seinen verkehrstechnisch günstigen Albaufstiegen, Dettingen als Zentralort des pagus Swiggertal, Wittlingen sowie Metzingen vielleicht mit dem Burgberg Florian (Staufen). Ortsnamenkundlich gesehen, reichen die -ingen-Namen von der Ermsmündung bis nach Dettingen und - neben Reihengräberfriedhöfen u.a. in Urach - ins 5./6. Jahrhundert zurück, die weiter ermsaufwärts um Urach platzierten -hausen-Namen ins 7./8. Jahrhundert. Der Ortsname "Urach" (Aurich) selbst könnte durch Namensübertragung an die Erms gelangt sein, womit wahrscheinlich wäre, dass die Grafen von Urach ursprünglich nicht aus dem Ermstal kamen. Man hat ihre Familie bis in die Karolingerzeit auf das Adelsgeschlecht der Unruochinger zurückführen wollen, aber auch eine Herkunft aus dem fränkischen Saalegebiet wäre möglich. Hier schenkte ein Graf Egino mit seiner Ehefrau im Jahr 832 u.a. den Ort Urach (Aura(ch)), der 1007 zur Ausstattung des neu gegründeten Bamberger Bistums gehörte, dessen Burg um 1020 in bischöflicher Hand war und 1108 in das Kloster Aura umgewandelt wurde. Ein gewisser Kardinal Kuno von Praeneste (†1122) war an der Gründung dieses Klosters an prominenter Stelle beteiligt, die Benediktinermönche kamen aus Hirsau. Die Mönchsgemeinschaft im Schwarzwald stand aber damals unter der Leitung Abt Gebhards (1091-1105), des Bruders des Uracher Grafen Egino II., und auch für Kuno hat die historische Forschung dessen Verwandtschaft mit den Uracher Grafen zu belegen versucht. Diese noch zu Beginn des 12. Jahrhunderts bezeugten Beziehungen der Grafen von Urach mit Aura a.d. Saale machen es also wahrscheinlich, dass die Uracher aus Franken und dem Würzburg-Bamberger Raum gekommen waren und von dort verdrängt wurden. Egino I. (1030/40), der erste im Ermstal ansässige Graf von Urach, begann um 1040 mit dem Achalmer Burgenbau. Um 1060 teilte man die Uracher Herrschaft mit dem Mittelpunkt Dettingen unter die Nachkommen Eginos I. einerseits und Eginos Bruder Rudolf andererseits auf. Rudolf wurde zum Begründer der Achalmer Linie, während Egino II. um 1060 die Burg Hohenurach errichtete. Fest steht also die Verwandtschaft der Uracher mit den Grafen von Achalm. Unter den Mitgliedern der Uracher Grafenfamilie gab es im 12. Jahrhundert zwei Bischöfe, nämlich den schon erwähnten Hirsauer Abt Gebhard als Bischof von Speyer (1105-1107) und dessen gleichnamigen Neffen als Straßburger Bischof (1131-1141). Graf Egino IV. von Urach (1180-1230) heiratete vor 1181 die Zähringerin Agnes. Zentrale Persönlichkeiten in der Uracher Grafenfamilie waren dann die Söhne Eginos IV., Graf Egino V. von Urach und Freiburg (1230-1236/37) und dessen Bruder Konrad von Urach (†1227). Letzterer war Abt des bedeutenden Zisterzienserklosters Clairvaux (ab 1213/14), Abt von Citeaux und oberster Repräsentant des Zisterzienserordens (ab 1217) und Kardinalbischof von Porto und Santa Rufina (ab 1219). Als päpstlicher Legat war Konrad in Frankreich (1220-1223; Albigenserkreuzzug, Klosterrefom) und Deutschland (1224-1226; Kreuzzugwerbung, kirchliche Konflikte) tätig; er vermittelte in politischen Angelegenheiten des Stauferkaisers Friedrich II. und auch in Angelegenheiten seiner Familie (Ausgleich zwischen König Heinrich (VII.) und Graf Egino V.) (1224). [Buhlmann, 11.2007]

Jäschke, Kurt-Ulrich (1970), Die älteste Halberstädter Bischofschronik (= MdtF 62/I = Untersuchungen zu mitteldeutschen Geschichtsquellen des hohen Mittelalters, Tl.I), Köln-Wien 1970, VII, 238 S., € 13,-. Der Halberstädter Bischofssitz verfügte im 10. Jahrhundert über eine Domschule, die bekannte Persönlichkeiten wie die Bischöfe Switger von Münster (993/94-1011) oder Meinwerk von Paderborn (1009-1036) hervorbrachte. Halberstädter Historiografie ist wohl erstmals mit Bischof Haimo (840-853) in Verbindung zu bringen (Epitome historiae sacrae), eine Vita Liutbirgae über die sächsische Einsiedlerin stammt aus der Zeit Bischofs Hildigrim des Jüngeren (853-886). Nur erschlossen werden kann eine älteste Halberstädter Bischofschronik (H) von 992/96 (981 Aufhebung des Bistums Merseburg, 992 Halberstädter Domweihe, 996 Tod Bischofs Hildiwards [968-996]), die die fränkischen Einhardsannalen, weiter für die liudgeridischen Bischöfe Halberstadts die Vita Liudgeri secunda, schließlich die Sachsengeschichte Widukinds von Corvey verwendete. Die älteste Halberstädter Bischofschronik war in inhaltlicher und formaler Hinsicht wegweisend und vorbildhaft für die ostsächsische Geschichtsschreibung ab dem 11. Jahrhundert: für die Annales Quedlinburgenses, die Chronik Thietmars von Merseburg und - über Zwischenstufen (RH1: Redaktion 1 [ca.1050]; RH2: Redaktion 2 [n.1113]; RH3: Redaktion 3 von (H) [ca.1138/52]) - den Annalisto Saxo sowie die Gesta episcoporum Halberstadensium (GH) (n.1209). Die Annales Quedlinburgenses und die Chronik Thietmars von Merseburg waren dabei wieder Vorlage für die Gesta episcoporum Halberstadensium. [Buhlmann, 07.2005]

Jahn, Robert (1938), Der Hoftag König Ottos I. bei Steele im Mai 938, in: EB 56 (1938), S.7-90 > S Steele

Jahrbücher des deutschen Reiches, der deutschen Geschichte, hg. v.d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, stellen quellennah und in zeitlicher Anordnung die biografisch-dynastische Geschichte der fränkisch-ostfränkisch-deutschen Herrscher, Könige und Kaiser, dar: Abel, Sigurd, Simson, Bernhard (1883-1888), Jahrbücher des fränkischen Reiches unter Karl dem Großen: Bd.I: 768-798, 21888, Nachdruck Berlin 1969, Bd.II: 799-814, 1883, Nachdruck Berlin 1969 > K Karl der Große; Simson, Bernhard (1874/76), Jahrbücher des fränkischen Reiches unter Ludwig dem Frommen: Bd.I: Bd.I: 814-830, 1874, Nachdruck Berlin 1969, Bd.II: 831-840, 1876, Nachdruck Berlin 1969 > L Ludwig der Fromme; Köpke, Rudolf, Dümmler, Ernst (1876), Kaiser Otto der Große, 1876, Nachdruck Darmstadt 1962 > O Otto I.; Hirsch, Siegfried (1862/75), Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II.: Bd.I: 1002-1006, 1862, Nachdruck Berlin 1975, Bd.II: 1007-1014, 1864, Nachdruck Berlin 1975, Bd.III: 1014-1024, 1875, Nachdruck Berlin 1975 > H Heinrich II.; Meyer von Knonau, Gerold (1890-1909), Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V.: Bd.I: 1056-1069, 1890, Nachdruck Berlin 1964, Bd.II: 1070-1077, 1894, Nachdruck Berlin 1964, Bd.III: 1077-1084, 1900, Nachdruck Berlin 1965, Bd.IV: 1085-1096, 1903, Nachdruck Berlin 1965, Bd.V: 1097-1106, 1904, Nachdruck Berlin 1965, XIV, 516 S., Bd.VI: 1106-1116, 1907, Nachdruck Berlin 1965, Bd.VII: 1116-1125, 1909, Nachdruck Berlin 1965 > H Heinrich IV., Heinrich V.; Toeche, Theodor (1867), Kaiser Heinrich VI. (= Jahrbücher des deutschen Reiches, der deutschen Geschichte), 1867, Nachdruck Darmstadt 1965 > H Heinrich VI.; Winkelmann, Eduard (1873/78), Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig (= Jahrbücher der deutschen Geschichte, des deutschen Reiches): Bd.I: Philipp von Schwaben 1197-1208, 1873, Nachdruck Darmstadt 31968, Bd.II: Kaiser Otto IV. von Braunschweig 1208-1218, 1878, Nachdruck Darmstadt 31968 > O Otto IV., > P Philipp von Schwaben; Thorau, Peter (1998), Jahrbücher des Deutschen Reiches unter König Heinrich (VII.): Tl.I: König Heinrich (VII.), das Reich und die Territorien. Untersuchungen zur Phase der Minderjährigkeit und der "Regentschaften" Erzbischof Engelberts I. von Köln und Herzog Ludwigs I. von Bayern (1211) 1220-1228, Berlin 1998 > H Heinrich (VII.). [Buhlmann, 10.2013, 12.2013, 09.2016]

Jakobi-Mirwald, Christine (2004), Das mittelalterliche Buch. Funktion und Ausstattung (= RUB 18315), Stuttgart 2004, 316 S., € 8,80. Das Buch stand im Zentrum mittelalterlicher Schriftlichkeit und Bildung, sofern Letztere mit Schriftlichkeit zu tun hatte. Das mittelalterliche Buch ist der Codex (wohl von lateinisch caudex, "Holzblock"; vgl. "Buch" und der Baum "Buche"). Anders als die in der Antike so verbreitete Papyrusrolle (Rotulus) besteht der in der späteren Antike (seit dem 1. Jahrhundert) auftretende Codex aus Pergamentblättern, die von Buchdeckeln geschützt und über den Buchrücken zusammengebunden wurden. Dabei war die Herstellung des Grundstoffes Pergament ein aufwändiger Vorgang, musste doch die Haut von Schaf, Ziege oder Kalb gegerbt, gebeizt, abgeschabt, aufgespannt, getrocknet und gekalkt werden, wobei die Haar- und die Fleischseite des Pergaments mitunter eine unterschiedliche Qualität aufwiesen. Die Kostbarkeit des Pergaments - man bedenke, dass ein Codex die Haut von einigen Dutzend Kälbern oder Schafen benötigte - führte zu einem sparsamen Umgang mit dem robusten Beschreibstoff und zu dessen Wiederverwendung, wenn Bücher nicht mehr benötigt wurden (Palimpseste). Ab dem 15. Jahrhundert wurde das Pergament ausgedienter Handschriften von Buchbindern für Buchdeckel und -rücken benutzt (Makulatur). Damals hatte schon längst das Papier das Pergament als Beschreibstoff verdrängt. Nicht zuletzt spielte hier die Papierherstellung (Südwestdeutschland: Papiermühlen in Ravensburg 1393, in Gengenbach, Giengen, Offenburg und Reutlingen am Ende des 15. Jahrhunderts) eine wichtige Rolle. Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (†1468) um die Mitte des 15. Jahrhunderts leitete dann das Ende der handgeschriebenen Bücher ein (Südwestdeutschland: erste Druckerei in Ulm 1473). Zur Beschreibung und Bemalung von Pergament oder Papier mussten Tinte und Farben zunächst hergestellt werden; Tinte etwa wurde aus Ruß und Schlehdorn gewonnen, die rote Farbe ist Mennige (rotes Bleioxyd, minium, wovon sich das Wort "Miniatur" ableitet), für Gelb fanden Ocker oder Auripigmentum (gelbes Arsinsulfid) Verwendung, Grünspan lieferte ein mattes Grün, pulversiertes Lapislazuli, ein sehr teures Pigment, Ultramarinblau, Bleiweiß Weiß, Ruß oder verkohlte Knochen schließlich Schwarz. Bindemittel wie Eiklar lassen hauchdünnes Blattgold am Pergament heften. Geschrieben wurde mit den Kielfedern von Gans oder Schwan, gemalt mit Pinseln. Das Schreiben mit der Feder führte dazu, dass die Buchstaben des lateinischen Alphabets aus dickeren und dünneren Bögen und Schäften zusammengesetzt waren (Haar- und Schattenstriche). Als Großbuch-staben wurden Lettern der lateinischen Capitalis, einer kalligrafischen Majuskelschrift, verwendet, die römische Inschriften-Capitalis besaß "Füßchen" (Serifen); Kleinbuchstaben waren die karolingischen Minuskeln (um 800) und deren gotische bzw. kursive und halbkursive Ableger (Textura, Bastarda; 12. Jahrhundert); die humanistische Minuskel, die Antiqua (15. Jahrhundert), war die Buchschrift im gedruckten Buch (Majuskel im Zwei-, Minuskel im Vierlinienschema [Ober-, Unterlängen]). Im Verlauf des frühen Mittelalters bildete sich das Schema der Worttrennung (Abstand zwischen Worten) aus, die Interpunktion mit ihren Satzzeichen und Großbuchstaben halfen, den Text in Sinnabschnitte zu untergliedern, Worttrennungszeichen traten ab dem 11. Jahrhundert, der i-Punkt ab ca. 1100 in Erscheinung. Dies alles verbesserte die Lesbarkeit einer Handschrift und veränderte somit das Lesen selbst. Der Text wurde auf das liniierte Pergament (ein- oder mehrspaltig) geschrieben, wobei man die meist in Rot auszuführenden Überschriften, Auszeichnungen und Anfangsbuchstaben berücksichtigte (Rubrizierung; von lateinisch rubrum für "rot") und Platz für den später anzubringenden Buchschmuck (Initialen, Verzierungen, Illustrationen) ließ. Der Satzspiegel ergab sich u.a. aus der Anzahl der Zeilen und Spalten pro Seite, aus dem Seitenrand und dem Zeilenabstand (Vorgaben der Zeilen und der Textbegrenzung durch Liniierung). Ein rechteckiges Pergamentstück ließ Raum für vier Seiten, je zwei Seiten bildeten ein meist hochrechteckiges Folium: die (rechts liegende) Vorderseite und die Rückseite eines Blattes (recto für Vorder-, verso für Rückseite; folio als Ablativ zu folium). Zusammengefasst wurden die Doppelblätter (Bifolien) zu Lagen, die übliche, aus vier Doppelblättern bestehende Lage heißt Quaternio (entsprechend Binio: 2, Ternio: 3, Quinternio: 5 usw.). Die Faltung des Pergaments (einmal: Folio-, zwei-mal: Quart-, dreimal: Oktavformat usw.) bestimmte zudem die Größe der Seiten und des Buchs. Lagen und Doppelblätter wurden durchgezählt (Foliierung als Blättzählung, Paginierung als Seitenzählung). Die Buchdeckel bestanden meist aus Holz, die Lagen wurden aneinander genäht, die Bünde an den Deckeln befestigt, der Buchblock geschnitten, Deckel und Rücken außen mit Leder oder Pergament überzogen, die Innenseiten der Deckel mit Spiegelblättern versehen. Buchschließen verschlossen das Buch. [Buhlmann, 01.2007]

Jakobs, Hermann (1961), Die Hirsauer. Ihre Ausbreitung und Rechtsstellung im Zeitalter des Investiturstreits (= Bonner Historische Abhandlungen, Bd.4), Köln-Graz 1961 > H Hirsau

Jakobs, Hermann (1968), Der Adel in der Klosterreform von St. Blasien (= KHA 16), Köln-Graz 1968 > S St. Blasien

Jakobs, Hermann (1989), Die Verdener Abt-Bischöfe der Gründungszeit, das Andreas-Patrozinium ihres Domklosters und das Bardowickproblem, in: JbnsKG 87 (1989), S.109-125. [Nach der Errichtung des Missionsbistums Verden a.d. Aller u.a. durch Einbeziehung des Missionszentrums Bardowick (814/15)] sind Missionsbischöfe bezeugt, die gleichzeitig Äbte des Klosters Amorbach gewesen waren und sich von daher nur zeitweise in Sachsen aufhalten konnten: Spatto (ca.815/16), Tancho (n.815/16-v.829), Harud (v.829-829). Die als Scoti, also Iroschotten bezeichneten Abtbischöfe entfalteten indes wohl keine allzu große missionarische Wirkung innerhalb ihres Verdener Missionssprengels. Letzterer umfasste - nach sich bis 847/48 erstreckenden Arrondierungsmaßnahmen - die Siedlungslandschaften des Sturmigaus (mit Verden), von Waldsati, des Bardengaus (mit Bardowick), von Moswedi, Drewani und Osterwalde. Der Bischofssitz Verden verfügte damit über eine "extreme Randlage" an der Westgrenze seiner Diözese. Das Stift Ramelsloh im Bardengau war Eigenkloster des Erzbischofs von Bremen. Als weitere Bischöfe des Bistums Verden sind zu nennen: Helmgaud (829-n.838), Waldgar (839/47-849/67), Erlulf (v.868-[873]), Wigbert (n.873-908). [Buhlmann, 08.2013]

Jakobs, Hermann (1992), Eine Urkunde und ein Jahrhundert. Zur Bedeutung des Hirsauer Formulars, in: ZGO 140 (1992), S.39-59 > H Hirsau

Jakobs, Hermann (1995/96), Die rechtliche Stellung St. Blasiens bis zur Berufung der Zähringer in die Vogtei (1125), in: AlemJb 1995/96, S.9-38 > S St. Blasien

Jakobs, P. (1893/94), Geschichte der Pfarreien im Gebiete des ehemaligen Stiftes Werden a.d. Ruhr, 2 Tle., Düsseldorf 1893-1894 > W Werden

Jakobs, P. (1901), Werdener Reichskammergerichts-Klagen, in: WB 8 (1901), S.23-151 > W Werden

Jankrift, Kay Peter (2004), Das Mittelalter. Ein Jahrtausend in 12 Kapiteln, Ostfildern 2004 > M Mittelalter

Jansen, Jan C., Osterhammel, Jürgen (2013), Dekolonisation. Das Ende der Imperien (= BSR 2785), München 2013, 144 S., € 8,95. Der geschichtliche Prozess der Dekolonisation betraf im 20. Jahrhundert, vornehmlich zwischen 1945 und 1975, die global-interkontinentalen Kolonialreiche und Imperien der europäischen Mächte Großbritannien (British Empire), Frankreich, Niederlande, Belgien, Portugal und Spanien sowie Japans, während Deutschland mit dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), Japan mit dem Zweiten (1939-1945) seine Kolonien verlor. Dekolonisation meint damit einen vielfach gewaltsam verlaufenden Übergang abhängiger Kolonien in souveräne Staaten (1913: 163 Kolonien, 1965: 68, 1995: 33) vor dem Hintergrund der zwei Weltkriege, von Nationalismus, Imperialismus, Spätkolonialismus, Ost-West-Konflikt (Kalter Krieg) und wirtschaftlichem Wandel. Dekolonisation fand statt in den spätkolonialen Gesellschaften in den Kolonien (Beherrschungs-, Siedlungs- oder Stützpunktkolonie, Weltmarktanbindung, koloniale Gesellschaft, [direkte, indirekte] Kolonialherrschaft, antikoloniale Bewegungen) und in den Metropolen, war ein Vorgang der Loslösung der Kolonien vom Kolonialreich (Zeitpunkt, Politik und Strategien, Einflüsse) und zeitigte unterschiedliche politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Folgen in den ehemaligen Kolonien (Unabhängigkeit, Bindung an die ehemalige Metropole, wirtschaftliche Abhängigkeiten). Im Einzelnen betraf Dekolonisation Länder und Regionen in Asien (Philippinen 1946; Indien/Pakistan 1947 [Hindus, Muslime]; Ceylon, Birma 1948; Indonesien 1945/49/50 [niederländische "Polizeiaktionen", Sukarno]; Vietnam 1945/54 [Indochinakrieg, geteiltes Vietnam, Ho Chi Minh]; Malaya 1957; Goa 1961; Singapur 1965; Hongkong 1997), im Nahen Osten und Nordafrika (Ägypten 1922/36 [informal empire]; Irak 1932); Syrien/Libanon 1945/46; Jordanien/Transjordanien 1946; Palästina 1947/48 [UNO, Staat Israel]; Sudan 1956; Suezkanal 1954/56 [Suez-Krise]; Tunesien 1956; Marokko 1956; Zypern 1960; Algerien 1962 [Algerienkrieg]; Aden 1967), im restlichen Afrika (Südafrika 1910/90er-Jahre [Dominion, Ende der Apartheid]; Nigeria 1960; Kongo 1960 [belgische Kolonialmacht, Mobutu-Regime]; Sierra Leone 1961; Tanganjika 1961; Uganda 1962; Kenia 1963 [Kenyatta]; Njassaland/Malawi, Sambia 1964/65 [Central African Federation]; Gambia 1965; Rhodesien 1965 [Siedlerregime]; Mauritius 1968; Angola, Guinea-Bissau, Mosambik 1974/75 [portugiesische Dekolonisationskriege und Salazar-Regime]; Westsahara 1975 [Mauretanien, Marokko]; Namibia 1990 [Südafrika]), in der Karibik und im Pazifik (Jamaika, Trinidad und Tobago, Barbados, Guyana 1962/66; französische "Überseedepartements" Guadeloupe, Martinique, Guyana, Réunion; Puerto Rico). In den ehemaligen kolonialen Metropolen und Kolonien wurde in unterschiedlicher Weise Dekolonisation zu einem Teil der geschichtlichen Erinnerungskultur. [Buhlmann, 11.2013]

Janson, Tore (2006), Latein. Die Erfolgsgeschichte einer Sprache, Hamburg 2006 > L Latein

Jarnut, Jörg (1972), Prosopographische und sozialgeschichtliche Studien zum Langobardenreich in Italien (568-774) (= BHF 38), Bonn 1972, 427 S., DM 48,-. I. Gesamtverzeichnis der aus dem Langobardenreich namentlich bekannten Personen, Methodik und Aufbau der Prosopographie nach: Namen (standardisiert, alphabetisch); Quellen; (Ausstellungsort der Urkunde); Jahr der Erwähnung; Verwandschaftsverhältnisse zu anderen Personen des Verzeichnisses; soziale Stellung und Herkunft; Identität von Personen gleichen Namens (mögliche, wahrscheinliche Identität). Tabellen: A. Neustrien, Austrien, Emilia, Toskana (Namen gesichert: 1511, unsicher: 134), B. Spoleto (401, 10), C. Register der Amts- und Berufsbezeichnungen im Langobardenreich. II. Prosopographie der Träger höherer Ämter im Langobardenreich. Abgehandelt werden folgende Ämter: duces, comites, Gastalde, sculdahis, Hof- und Zentralämter. Im Einzelnen ergibt sich: A. Neustrien, Austrien, Emilia, Toskana (Nr.I-CXXXVI), B. Spoleto (Nr.I-LXI), C. Amtsträger aus unsicheren Quellen (Nr.I-XVI), D. Register der Amtsträger aus den einzelnen Dukaten, Comitaten und Gastaldaten. III. Namengebung bei ethnischen Gruppen und in sozialen Schichten des Langobardenreichs. Untersucht wird die Namengebung (langobardisch/romanisch) von Vätern auf ihre Kinder. Dabei wird unterschieden: a) zwischen sozialen Gruppen: A. König, höhere Amtsträger, B. Geistliche, C. Unfreie, Halbfreie u.ä., D. Übrige; b) zwischen den Regionen des Langabardenreiches: (a) Neustrien, (b) Austrien, (c) Emilia, (d) Toskana, (e) Spoleto; c) zwischen zeitlichen Feriodisierungen: (1) 568-680, (2) 681-744, (3) 745-774. IV. Ergebnisse: Bei Langobarden und Romanen tritt dann in unterschiedlicher Weise geografisch und zeitlich Namenwechsel oder Namenkonstanz in Erscheinung. Es folgt: Getrenntes Nebeneinanderleben von Langobarden und Romanen während der Periode 1, danach Tendenzen zur Annäherung beider Völker. Doch bleibt die Heterogenität der langobardischen Gesellschaft bis zur Eroberung durch die Franken (773/74) erhalten. [Buhlmann, 04.1988]

Jarnut, Jörg, Nonn, Ulrich, Richter, Michael (Hg.) (1994), Karl Martell in seiner Zeit (= Beihefte der Francia, Bd.37), Sigmaringen 1994 > K Karl Martell

Jaurant, Danielle (1995), Rudolfs "Weltchronik" als offene Form. Überlieferungsstruktur und Wirkungsgeschichte (= BG 34), Tübingen-Basel 1995, 407 S., € 8,-. I. Methodik: Statt für unterschiedliche Überlieferungen eines mittelalterlichen Textes einen "Archetyp" etwa in "Normalmittelhochdeutsch" zu (er)finden, bemüht sich die heutige germanistische Philologie mit Hilfe textologischer Erkenntnisse (Gleichrangigkeit der Überlieferungen, Überlieferungsgeschichte, historisches Umfeld der jeweiligen Überlieferung [Autor, Publikum, Bedingungen des Schreibens]), sog. (autornahe) "Leithandschriften" zu ermitteln. II. Analyse: Die "Weltchronik" des volkssprachlichen Dichters Rudolf von Ems (um 1220/55), gewidmet dem staufischen König Konrad IV. (1237-1254), bietet in über 33000 Versen eine Zusammenschau biblischer und paganer Geschichte (ban und nebinganc) u.a. im Sinne staufischer Königspropaganda. Gemäß der Analyse von 23 Handschriften erweist sich die "Weltchronik" durch Ergänzungen (insbesondere aus der "Christherrechronik") und Auslassungen als "offene Form", die man den jeweiligen Gegebenheiten der mittelalterlichen Zeitläufe anpasste. Damit ergeben sich Zusammenhänge mit der volkssprachlichen Weltchronistik allgemein, mit den Historienbibeln und Werken wie der Weltchronik des Heinrich von München. Die "offene Form" der "Weltchronik" stellt dabei eine besondere, komplexe Form von Text-, Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte dar. [Buhlmann, 08.2011]

JbnsKG = Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte

JbwdtLG = Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte

Jenisch, Bertram (1999), Die Entstehung der Stadt Villingen. Archäologische Zeugnisse und Quellenüberlieferung (= FBAMBW 22), Stuttgart 1999 > V Villingen

Jenks, Stuart (1992), England, die Hanse und Preußen. Handel und Diplomatie 1377-1474 (= QDHG 38,1-3), Tl.II: Diplomatie, Tl.III: Anhänge, Köln-Wien 1992, zus. XXII, VI, VI, 1265 S., DM 196,-. Das Verhältnis zwischen der deutschen Hanse und dem englischen Königreiche schwankte im ausgehenden 14. und im 15. Jahrhundert zwischen Handel, Krieg und Diplomatie (frühe Privilegien für Kölner Kaufleute und deutsche Hansen [ca.1170?, 1260], carta mercatoria König Edwards I. [1303], anglo-hansische Konflikte [1370er-Jahre], Privilegienstreit [1377/80], Zollstreit [1382/88], Vertrag von Marienburg [1388], Subsidienstreit [-1399], veränderte englische Preußenpolitik [1399/1409], Poundage-Streit [1410/31] und anglo-hansische Krise [1431/34], Vertrag von London [1437], Streitigkeiten um den Londoner Vertrag, Kaperung der Baienflotte [1449/50], Krieg Lübecks gegen England [1450/53], Privilegienstreit [1461/67], Kölner Sonderweg [1468], Seekrieg [1469/74], Frieden von Utrecht [1474]). Dabei waren die Handelsbeziehungen für beide Handelspartner wichtig, für die Hanse indes wichtiger (Außenhandelsumsätze der Hanse im Englandhandel). Einen Großteil des englischen Hansehandels machte der Handel mit Tuche aus (hansische Zollprivilegien, englischer Tuchausfuhren über Hansekaufleute). Herausragend für den hansischen Englandhandel war der Vertrag von London (22. März 1437), der eine gesonderte Gerichtsbarkeit der Hansekaufleute, Schutz der Hansen und die Befreiung von Handelssubsidien (Tunnage, Poundage) vorsah. Folge des Vertrags war eine Ausweitung des hansischen Englandhandels, wobei insbesondere der Kölner Englandhandel eine Rolle spielte (englische Tuche und englisches Zinn <-> rheinische Fertig- und Industriewaren; negative Kölner Handelsbilanz). U.a. führte die Ausweitung des Handels der Hanse mit England dazu, dass sich einzelne Hansestädte auf bestimmte Regionen (Zollbezirke) in England konzentrierten, wo sie mit unterschiedlichem Erfolg operierten. Folge davon war, dass einer gemeinsame hansischen Politik gegenüber England immer mehr die Grundlage fehlte (Krieg Lübecks gegen England [1450/53], Kölner Sonderweg [1468]). Innerhalb der Hanse verschoben sich die (handels-) politischen Gewichte, sicher einer der Gründe für die schon seit 1420 einsetzende Schwächung der Hanse, die in deren Niedergang in der frühen Neuzeit einmündete. Immerhin konnte die Hanse im Frieden von Utrecht (1474) nochmals ihre Vorstellungen vom Handel zwischen Norddeutschland/Preußen und England durchsetzen (englische Kaufleute in der Ostsee und Nichtreziprozität des Preußen- und Ostseehandels). [Buhlmann, 12.2016]

JfL = Jahrbuch für fränkische Landesforschung

Johannes von Salisbury, John of Salisbury: The Metalogicon. A Twelfth-Century Defense of the Verbal and Logical Arts of the Trivium, übers. v. Daniel D. McGarry, Berkeley-Los Angeles 1962, XXVII, 305 S. > Lateinische Literatur > J Johannes von Salisbury

Johnston, Andrew James (2013), Robin Hood. Geschichte einer Legende (= BSR 2767), München 2013, 128 S., € 8.95. Hinter der Legende um Robin Hood steht keine historische Persönlichkeit des hohen oder späten Mittelalters. Vielmehr könnte sich die Legende von dem mittelalterlich-englischen "Robehood" für "Räuber, Bandit" ableiten. Legendarisch und literarisch fassbar wird dann Robin Hood erstmals (1377) in der religiösen Dichtung Piers Plowman des William Langland. Seit dem 2. Viertel des 15. Jahrhunderts sind Robin-Hood-play-games als (religiöse) Spiele an Pfingsten erkennbar; die Robin-Hood-Gestalt stand hierbei für das Gegeneinander von Kultur (Stadt) und Natur (Wald, Robin Hood als "wilder, grüner Mann"). Robin-Hood-Balladen (Robin Hood and the Monk, Robin Hood and the Potter, Robin Hood and Guy of Guisborne) reichen wohl bis in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück und entstanden noch im 18. Jahrhundert neu; hier fungierte die Robin-Hood-Gestalt im demokratisch geprägten, homoerotischen Ambiente von männlichen Gefolgsleuten, Bogenschützen und sommerlichen Wald (gelegen zwischen Barnsdale und Nottingham [Sherwood Forrest]) in der Rolle des yeoman (als Freier mit Grundbesitz, Dienstmann, [bewaffneter] Gefolgsmann; soziale Aufstiegsmöglichkeiten im England des 14. und 15. Jahrhunderts). Die Balladen wahrscheinlich voraussetzend und benutzend, entstand wohl nach 1460 A Gest of Robyn Hode (gedruckt 1506/10); diese "Geschichte von Robin Hood" enthält verschiedene (teilweise nur unzulänglich miteinander verbundene) Handlungsstränge, sie bereitet den sozialen Aufstieg des "Räubers" (gentrification) im Literarischen vor, schildert das Zusammentreffen Robin Hoods mit dem englischen König und die Ermordung des Helden infolge von Verrat. In der frühen Neuzeit wurde aus (den vielen) Robin Hood(s) u.a. der Earle of Huntingten des Londoner Theaters der Shakespeare-Zeit (Bühnenstück Anthony Mundays 1598), während in der Legende als weibliches Element die Maid Marian in Erscheinung trat, als Folge u.a. der englischen Reformation die Robin-Hood-play-games verschwanden und spätmittelalterlich-frühneuzeitliche (schottische, englische) Geschichtsschreiber (Andrew of Wyntoun ca.1420, Walter Bower ca.1440, John Mayor 1521 [Historia Majoris Britanniae] Robin Hood als historische Gestalt ins englische Hoch- und Spätmittelalter versetzten (John Mayor: Robin Hood zur Zeit von König Richard Löwenherz [1189-1199], als Verteidiger des rechtmäßigen Königtums, als Unterstützer der Armen, als "Rächer der Enterbten"). Im 1819 erschienen Roman Ivanhoe des schottischen Autors Sir Walter Scott tritt Robin Hood (als Locksley) in einer Handlung, die vom Gegensatz zwischen Angelsachsen und Normannen (Norman Yoke) mit bestimmt ist. Auch Spielfilme und TV-Serien des 20. und 21. Jahrhunderts beschäftigten sich in unterschiedlicher Herangehensweise an die Legende mit der Gestalt des Robin Hood (Robin Hood 1922, The Adventures of Robin Hood 1938, Robin and Marian 1976, Robin of Sherwood 1984-1986, Robin Hood - Prince of Thieves 1991, Robin Hood 2010). [Buhlmann, 05.2013]

Jones, Charles W. (1934), Polemius Silvius, Bede, and the Names of the Months, in: Speculum 9 (1934), S.50-56 > B Beda Venerabilis

Jooß, Rainer (1971), Kloster Komburg im Mittelalter. Studien zur Verfassungs-, Besitz- und Sozialgeschichte einer fränkischen Benediktinerabtei (= Forschungen aus Württembergisch Franken, Bd.4), Sigmaringen 21987, 165 S., € 7,95. I. Entstanden ist das Benediktinerkloster (Groß-) Komburg (bei Schwäbisch-Hall) aus einer Stiftung der Grafen Burkhart, Rugger und Heinrich von Komburg-Rothenburg, die ihren Stammsitz 1078 in eine geistliche Gemeinschaft umwandelten. Die Mönche kamen zunächst aus Brauweiler, dann (1086/88) aus Hirsau, so dass Komburg ein Reformkloster der Hirsauer Klosterreform wurde. Der wirtschaftlichen und geistig-religiösen Aufwärtsentwicklung bis zum Ende der Stauferzeit folgten im 14. Jahrhundert wirtschaftliche Probleme und innere Streitigkeiten. Nach einer kurzen Phase wirtschaftlicher Stabilität an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert kehrten in den darauffolgenden Jahrzehnten die Probleme wieder zurück, zumal die Mönche aus Haller Patriziat und Niederadel der Umgebung immer mehr eine stiftische Lebensweise pflegten. Von daher war die 1488 erfolgte Umwandlung Komburgs in ein Ritterstift nur folgerichtig, trotz des Widerstands der Stadt Hall und des Benediktinerordens. In der frühen Neuzeit entfaltete sich unter Propst Erasmus Neustetter (1551-1594) und im 18. Jahrhundert eine reiche Bautätigkeit; die Kloster- bzw. Stiftsanlage gleicht auch heute einer Burg mit der Barockkirche als Mittelpunkt, die wiederum Romanisches wie einen Radleuchter enthält. 1802 ist das Stift aufgehoben worden und wurde württembergisch. II. Das (Groß-) Komburg benachbarte Kleinkomburg mit der romanischen Ägidiuskirche als Mittelpunkt wurde 1118 vielleicht als Frauenkloster gegründet, war aber 1248 eine Propstei von Großkomburg. Im 17. Jahrhundert siedelten hier Kapuzinermönche, 1803 wurde das Kloster aufgelöst und war im 19. Jahrhundert zeitweise Sitz von Franziskanerinnen. [Buhlmann, 07.2006]

Jordan, Karl (1970), Heinrich der Löwe und das Schisma unter Alexander III., in: MIÖG 78 (1970), S.224-235 > H Heinrich der Löwe

Jordan, Karl (1979), Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 1979 > H Heinrich der Löwe

Jordan, Karl (1981), Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe, in: BlldtLG 117 (1981), S.61-71 > H Heinrich der Löwe

Josephus, Flavius, jüdischer Historiker: Flavius Josephus (*37-†n.93 n.Chr.), Sohn eines jüdischen Priesters, Mitglied bei den Pharisäern, Sadduzäern und Essenern, seit seiner Romreise (63) in Beziehung stehend zur römischen Oberschicht, im jüdischen Aufstand (66-70) jüdischer Feldherr, gefangen genommen durch den späteren Kaiser Vespasian (67), römischer Freigelassener des Vespasian (69; Flavius Josephus), zurückkehrend nach Judäa, pharisäischer Priester, Gelehrter und Historiograf in seinem letzten Lebensabschnitt, ist durch seine aus der römischen Antike überlieferten Werke bekannt: a) Die "Jüdischen Altertümer" (Antiquitates Judaicae), auf Griechisch in 20 Büchern verfasst und um das Jahr 94 n.Chr. veröffentlicht, behandeln die jüdische Geschichte und Chronologie von den Anfängen (Schöpfung der Welt) bis zum Jahr 66 n.Chr., fußend auf dem Alten Testament, auf biblischen Apokryphen und dem Midrasch, fußend auch auf nichtjüdischen Geschichtsschreibern wie Nikolaus von Damaskus, Poseidonios oder Strabon; sie beschreiben insbesondere (außerbiblische) jüdische Geschichte vom 6. Jahrhundert v.Chr. bis ins 1. Jahrhundert n.Chr. und biten zum Bücherkanon des Neuen Testaments eine parallele Geschichtsschreibung (Flavius Josephus, Jüdische Alterthümer, übers. v. Heinrich Clementz, Halle 1899, Nachdruck Wiesbaden o.J., 646, 724 S., DM 39,80; Flavius Josephus, Jüdische Alterthümer, übers. v. Heinrich Clementz, Halle 1899, Nachdruck Wiesbaden 22006, 1024 S., € 14,95). b) Der auf Griechisch geschriebene, in 7 Bücher unterteilte "Jüdische Krieg" (De bello Judaico) befasst sich mit dem jüdischen Aufstand gegen Rom (66-70/73 n.Chr.) (Flavius Josephus, De Bello Judaico. Der jüdische Krieg, hg. v. Otto Michel u. Otto Bauernfeind (1959/69), 3 Bde. in 4 Tlbd., Bd.I: Einleitung, Buch 1-3, Darmstadt 1959, XXXVI, 464 S., Bd.II,1: Buch 4-5, Darmstadt 1963, XII, 274 S., Bd.II,2: Buch 6-7, Darmstadt 1969, 287 S., Bd.III: Ergänzungen und Register, Darmstadt 1969, XXVII, 149 S., Karte, insges. DM 90,-; Flavius Josephus, Der Jüdische Krieg, übers. v. H.M. Endres (= Goldmann KL 110), München o.J., 601 S., DM 12,-). c) "Autobiografie". d) "Über die Makkabäer". e) "Gegen Apion".
Zu Flavius Josephus s. noch: Schlatter, Adolf, Kleinere Schriften zu Flavius Josephus, hg. v. Karl Heinrich Rengstorf (1970), Gütersloh N.N., Nachdruck Darmstadt 1970, X, 276 S., DM 29,80. [Buhlmann, 1978, 05.2016]

Juden im Mittelalter in Mitteleuropa, im fränkisch-deutschen Reich: Die Geschichte des Judentums ist seit der Antike (Alter Orient, Hellenismus, römisches Kaiserreich) geprägt durch die Diaspora, d.h. auch durch die Einbindung der religiös-monotheistischen jüdischen Kultur in andere Gesellschaften bei Abgrenzung und partieller Integration. Während in der ausgehenden Antike Israel/Palästina und östlicher Mittelmeerraum der Bezugsrahmen jüdischer Kultur waren, verlagerte sich jüdisches Leben im beginnenden Mittelalter zunehmend nach Europa. Jüdische Händler und Kaufleute sind erstmals im Gebiet des Frankenreichs und Mitteleuropas im 9. und 10. Jahrhundert belegt. Eine Kontinuität des mittelalterlichen, mitteleuropäischen Judentums zu dem der Antike und Spätantike hat es nicht gegeben. Vielmehr liegen die Ursprünge des mittelalterlichen Judentums in der jüdischen Einwanderung nach Mitteleuropa aus Südfrankreich und Italien. Während des gesamten Mittelalters blieben die Juden in Europa als Bevölkerungsgruppe eine Minderheit, die europäischen Juden machten nur einen kleinen Teil der Juden insgesamt aus (orientalische Juden unter islamischer Herrschaft, sephardische Juden Spaniens), die Juden Mitteleuropas bildeten die sog. aschkenasische Kultur aus, die bis zum späten Mittelalter auch Teile Osteuropas umfassen sollte. Im Bereich von karolingischem Frankenreich und ostfränkisch-deutschem Reich treten einzelne jüdische Kaufleute erstmals an der Aachener Pfalz König Karls des Großen in Erscheinung (ab 797), weiter im Salzburger Formelbuch (798/821), im Raffelstettener Zollweistum (903/05), in Magdeburg (965), Regensburg (981), Köln und Worms (ca.1012) sowie Speyer (ca.1084). Eine Nähe zu den Haupthandelsrouten und zum Königtum ist also gegeben. Für das frühe Mittelalter ist mithin davon auszugehen, dass nur kleine Gruppen von Juden im ostfränkisch-deutschen Reich lebten. Das 11. Jahrhundert sah mit der beginnenden Ausprägung einer städtischen Gesellschaft jüdische Ansiedlungen in Handels- und Bischofsstädten. Jüdische Kaufleute waren an Fern- und Nahhandel, an Messen und Märkten beteiligt, schlossen sich zu Händlergruppen zusammen und halfen sich untereinander mit Geldkapital aus, belieferten mit verschiedensten Waren (Luxusgüter [des Fernhandels; Pelze, Seide, Gewürze, Medikamente], Güter des täglichen Bedarfs [Lebensmittel, Metalle, Kleidung, Vieh], jüdischer [?] Sklavenhandel) Angehörige verschiedener Bevölkerungsschichten. Grundlage für den jüdischen Erfolg war dabei das hochmittelalterliche Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum mit seinen positiven Veränderungen bei Handel, Gewerbe und Geldwirtschaft. Im Hochmittelalter sind Juden in der Finanzverwaltung z.B. von Königen (Münzmeister), als Ärzte, in Ingenieurberufen (Bergbau, Brückenbau) und im Geldverleih bezeugt. Letzterer erlangte eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit dem biblisch begründeten Zinsverbot der christlichen Kirche. Über die wirtschaftlich gut gestellten Juden in Handel und Geldverleih ("Aristokratie" des Reichtums und der Gelehrsamkeit) dürfen aber die abhängigen Juden der Unterschicht nicht vergessen werden, die als kleine Gewerbetreibende (Handel, Handwerk), als Dienstboten und Knechte und/oder im Umfeld von jüdischer Religion (Herstellung von koscheren Speisen, Synagogendienst, Dienst im rituellen Bad) und jüdischer Gemeinde (Gemeindediener) ihr Auskommen fanden. Dabei einte die Juden in der mitteleuropäischen Diaspora die jüdische Religion (Thora, Synagoge, Rabbis); diese war auch Grundlage jüdischer Gelehrsamkeit (Magie, Kabbala). Alles in allem stellt sich damit nicht nur die Binnenstruktur jüdischer Gemeinden im Mittelalter als vielgestaltig dar. Zu einem massiven Bruch im Verhältnis von Juden und Christen kam es zur Zeit der Kreuzzüge, zumal des Ersten Kreuzzugs (1096/99), als die durch den Kreuzzugsaufruf aufgeheizte Stimmung eines "christlichen Fundamentalismus" zu Judenpogromen insbesondere im Rheinland führte. Betroffen waren die Judengemeinden der rheinischen Bischofsstädte, allen voran Köln und die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Gerade Letztere besaßen eine gewisse kulturell-religiöse Vorrangstellung im aschkenasischen Judentum. Während Kaiser Heinrich IV. noch zuvor die Speyerer und Wormser Juden privilegiert hatte (ca.1090) und die Juden allgemein in seinem Reichslandfrieden unter kaiserlichen Schutz stellen sollte (1103), kämpften im Vorfeld des Kreuzzugs nun rheinische Judengemeinden um ihr Überleben (Ermordung, Selbstmord, Zwangstaufe). Die Pogrome zeigten die prekäre "Randlage" von Juden zwischen Duldung, Vertreibung und Tötung innerhalb der mittelalterlichen christlichen Gesellschaft auf, galten die Anhänger des jüdischen Glaubens doch - u.a. nach dem lateinischen Kirchenlehrer Augustinus (†430) - als lebendige Zeugen für die Richtigkeit der neutestamentlichen Überlieferung vom Kreuzestod Jesu Christi, andererseits als nicht zum Christentum bekehrbare, "verstockte Gottesmörder", als die Verursacher des Todes Christi. Doch nicht nur dieser Zwiespalt christlicher Theologie, sondern auch die religiöse und gesellschaftliche Fremdheit (Ausgrenzung, "Sündenbock"-Funktion) und schließlich wirtschaftliche Faktoren (Verschuldung der Gläubiger) und auch Vorurteile gelten in der historischen Forschung als Gründe für die Judenverfolgungen. In der auf die Pogrome folgenden Zeit ist dennoch von einem weiteren Wachsen der jüdischen Gemeinden im deutschen Reich auszugehen. Lebten vielleicht dort im 10. Jahrhundert an die 5000 Juden, so waren es vor den genannten Pogromen an die 25.000, während die Zahl der Orte, an denen sich Juden ansiedelten, massiv im Verlauf des hohen Mittelalters auf bis zu 1000 anstieg bei vielleicht 100.000 jüdischen Einwohnern (ca.1300). An einzelnen Orten wie den SchUM-Städten konnte der jüdische Bevölkerungsanteil zwischen 10 und 20 Prozent betragen. Im 12. Jahrhundert hielt die Privilegierung der Juden in den Landfrieden der deutschen Könige und Kaiser an. Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) war es, der im Rahmen seiner Regalienpolitik wahrscheinlich auch erstmals ein Judenregal für sich programmatisch beanspruchte. So stellte er in einem nur unvollständig überlieferten Privileg für die Regensburger Juden wahrscheinlich vom September 1182 heraus, dass alle Juden "durch besonderes Vorrecht unserer [kaiserlichen] Würde zur kaiserlichen Kammer gehören". Mit der "Kammer" des Herrschers (camera, fiscus, corona) blieben die Juden auch weiterhin verbunden. So spricht ein Diplom Kaiser Friedrichs II. (1212-1250) vom Juli 1236 von den Juden als "unseren Kammerknechten in Deutschland", als universi Alemannie servi camere. Die Zugehörigkeit aller deutschen Juden zur "kaiserlichen Kammer" sollte sich zumindest dem Namen nach zur "Kammerknechtschaft" im Rahmen des Judenschutzes (als Schutzherrschaft des Königs; tutio, tutela, defensio) steigern; die Juden waren keine Rechtssubjekte mehr, sondern Rechtsobjekte, über die (finanziell) verfügt werden konnte. Das solcherart definierte Judenregal war spätestens in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einer einträglichen Einnahmequelle für die deutschen Herrscher geworden. Und so sehen wir im Reichssteuerverzeichnis von 1241 die Einnahmen aus den Judengemeinden getrennt veranschlagt von den Steuern der königlichen Städte, zu denen die Judengemeinden gehörten. Dabei machten die von den Juden zu zahlenden Steuern einen beträchtlichen Anteil am gesamten Steueraufkommen der Reichssteuerliste aus, rund 13 Prozent der Gesamteinnahmen, durchschnittlich rund 16,5 Prozent der Einnahmen des Herrschers von den königlichen Städten. Bei der Umlage der geforderten Geldleistungen wurde offensichtlich wenig Rücksicht auf die Juden genommen. Inwieweit Judenschutz und Judenregal aber tatsächlich beim deutschen König lagen, lässt sich auf Grund der Reichssteuerliste nicht wirklich feststellen. Denn es wurden hier ja nur die Juden auf Reichsgut besteuert; in den sich ausbildenden fürstlichen Territorien der damaligen Zeit sah es aber ganz anders aus. Die Herrscher konnten hier kaum ihre alleinige, auf Kammerknechtschaft basierende Verfügungsgewalt über die Juden zur Geltung bringen. Vielmehr verlief die Entwicklung von Judenschutz und Kammerknechtschaft in nachstaufisch-spätmittelalterlicher Zeit dem "Programm" der staufischen Herrscher entgegengesetzt. Zunächst muss die Rede sein von der Kammerknechtschaft, die sich von einer eher theoretisch erfassbaren Rechtsgröße, einem Vorrecht (praerogativa) für die Juden, zu einem praktisch anwendbaren Unterdrückungsmechanismus ("Zwangsinstitut") im Rahmen spätmittelalterlicher Leibeigenschaft steigerte. Wenn König Rudolf I. von Habsburg (1273-1291) den jüdischen Gelehrten und Rabbi Meir von Rothenburg festnehmen ließ, weil er sich unerlaubt nach Palästina begeben wollte (1286), wenn König Ludwig der Bayer (1314-1347) eine Streichung der Schulden des Nürnberger Burggrafen bei den dortigen jüdischen Kreditgebern verfügte (1343), wenn Kaiser Karl IV. (1346/47-1378) sein Einverständnis zur Vertreibung und Ermordung der Nürnberger Juden gab (1347), dann brachte dies alles klar zum Ausdruck die absolute Verfügbarkeit über die Juden und deren Besitz bzw. das Eigentumsrecht des Herrschers an den Juden (dominium, proprietas). Dies war neben anderem (angebliche Ritualmorde, angebliche Hostienschändungen der Juden u.a.) der Nährboden für viele spätmittelalterliche Judenverfolgungen (mittelrheinische Verfolgungswelle 1287/89, "Rindfleisch"-Verfolgungen 1298, "Armleder"-"Judenschläger"-Verfolgungen 1336/38, Wiener Gesera 1420/21), für die Auslöschung vieler Judengemeinden im Zuge der verheerenden Pestpandemie (?Schwarzer Tod?) in Europa in den Jahren 1348/51, für die Vielzahl der Judenvertreibungen aus Territorien (Kurpfalz 1390/91, Erzstift Trier 1418/19, Bayern 1450/59, Erzstift Mainz 1470/79) und den Judenvierteln und Ghettos der meisten Reichsstädte; am Ende des Mittelalters gab es nur noch Juden in wenigen Reichsstädten wie Frankfurt oder Friedberg. Dabei betraf die aus der Kammerknechtschaft folgende absolute Verfügbarkeit über die Juden nur diejenigen, auf die der deutsche Herrscher im Spätmittelalter Zugriff hatte. Vielerorts war aber das Judenregal einträglich von den Königen an Landesherren, Adelsfamilien oder Städte (als neue Regalieninhaber) vergeben worden. Stattdessen gab es neue Judensteuern von Seiten der Könige, etwa den 1342 eingeführten "Goldenen Opferpfennig", die jeden Juden, ob männlich oder weiblich, ab einem Alter von zwölf Jahren betraf, oder die teilweise exorbitant hohen Vermögenssteuern König Sigismunds (1410-1437) und seiner Nachfolger ("Dritter Pfennig" 1414, 1433; "Bullengeld" 1418). Aber auch die Profiteure von Judenregal und Judensteuern kamen in finanzielle Verlegenheit, etwa wenn die Zwangstaufe von Juden zu Steuerminderungen führte oder wenn auf Grund der immer geringer werdenden Erträge bei den Judensteuern Kaiser Maximilian I. (1493-1519) die Zustimmung zu Judenvertreibungen gab, natürlich gegen Entschädigungen an den Herrscher. Die frühe Neuzeit sah die endgültige "Territorialisierung" des Judenschutzes in den Händen der Landesherren (Judenordnungen); im 17. Jahrhundert war die Kammerknechtschaft des Königs über die Juden faktisch erloschen.
Zur jüdischen Geschichte im europäischen Mittelalter s.: Battenberg, Friedrich (1987), Des Kaisers Kammerknechte. Gedanken zur rechtlich-sozialen Situation der Juden in Spätmittelalter und früher Neuzeit, in: HZ 245 (1987), S.545-599; Gasparaitis, Siegfried (1997), Kammerknechtschaft. Zum Wandel des rechtlich-sozialen Status der Juden im Hochmittelalter, Seminararbeit, Seminar "Formen und Funktionen persönlicher Unfreiheit im europäischen Mittelalter" (Prof. Dr. Rolf Köhn, Universität Essen, Fachbereich 1, Fach Geschichte, SS 1997), 28 S.; Haverkamp, Alfred (Hg.) (1999), Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge (= VuF 47), Sigmaringen 1999, XX, 371 S., Abbildungen, DM 96,- (u.a. mit den Beiträgen: Haverkamp, Eva, "Persecutio" und "Gezerah" in Trier während des Ersten Kreuzzugs; Hiestand, Rudolf, Juden und Christen in der Kreuzzugspropaganda und bei den Kreuzzugspredigern; Lotter, Friedrich, "Tod oder Taufe". Das Problem der Zwangstaufen während des Ersten Kreuzzugs; Toch, Michael, Wirtschaft und Verfolgung: die Bedeutung der Ökonomie für die Kreuzzugspogrome des 11. und 12. Jahrhunderts. Mit einem Anhang zum Sklavenhandel der Juden); Heberer, Pia, Reuter, Ursula (Hg.) (2013), Die SchUM-Gemeinden Speyer - Worms - Mainz. Auf dem Weg zum Welterbe, Regensburg 2013, 480 S., Abbildungen, Karten, € 49,95 (u.a. mit den Beiträgen: Barzen, Rainer Josef, Die SchUM-Gemeinden und ihre Rechtssatzungen. Geschichte und Wirkungsgeschichte; Brocke, Michael, Der jüdische Friedhof in Worms - 1059 bis 1519. Beobachtungen an einem singulären Ort; Wenninger, Markus J., Die Entwicklung jüdischer Reichssteuern im 15. Jahrhundert und ihr Zusammenhang mit den Judenvertreibungen dieser Zeit); Patschovsky, Alexander (1993), Das Rechtsverhältnis der Juden zum deutschen König. Ein europäischer Vergleich, in: ZRG GA 110 (1993), S.331-371; Stobbe, O. (1887), Die Judenprivilegien Heinrichs IV. für Speier und Worms, in: ZGJD 3 (1887), S.205-215; Toch, Michael (1998), Die Juden im mittelalterlichen Reich (= EdG 44), München 1998, X, 185 S., DM 29,80. [Buhlmann, 10.2015]

Jürgensmeier, Friedhelm (Hg.) (1997), Das Bistum Worms. Von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801 (= BMKG 5), Würzburg 1997, 301 S., Abbildungen, Karten, DM 48,-. I. Das (keltisch-) römische Borbetomagus bzw. die civitas Vangionum bildeten den durch das Ende des römischen Reiches vielfach gebochenen Ursprung des mittelalterlichen Worms. Ein Wormser Bistum wird erst in der Karolingerzeit vollends erkennbar, römische Ursprünge im 4. Jahrhundert und seine Existenz in der Merowingerzeit sind anzunehmen. Eine Einbindung des Bistums in die ottonisch-salische Reichskirche erfolgte verstärkt im 10. Jahrhundert, mit Burchard I. (1000-1025) erfassen wir einen bedeutenden Wormser Bischof am Ausgang der ottonisch-sächsischen Zeit (Domneubau von 1018, Decretum, Wormser Hofrecht). In salisch-staufischer Zeit entwickelte sich die Stadt Worms (Bürgergemeinde 1074) zu einem bedeutenden Ort innerhalb Deutschlands, wie am hier geschlossenen Wormser Konkordat (1122) zwischen Papsttum und Königtum erkennbar wird. Neben der bischöflichen Residenz bestand die königliche Pfalz, der romanische Dom stammt aus der Zeit zwischen 1125/30 und 1181. Im 12. Jahrhundert teilten sich Bischof und König die Stadtherrschaft, die Entwicklung eines Rates der Bürgergemeinde kam an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zum Abschluss. Im späten Mittelalter blieben die Einwirkungsmöglichkeiten der Bischöfe auf Worms begrenzt, zumal auch das deutsche Königtum und die rheinischen Pfalzgrafen Herrschaftsrechte in Worms besaßen. Als Reichsstadt (freie Stadt) waren dabei die Wormser Bindungen an das Königtum besonders eng, zahlreiche Hof- und Reichstage sowie Synoden sind für Worms bezeugt, u.a. der wichtige Wormser Reichstag König Maximilians I. von 1495, dem im 16. Jahrhundert weitere folgten. Im Investiturstreit erfuhr das Wormser Bistum eine Schwächeperiode, erst unter Bischof Burchard II. (1115/20-1149) konnte diese überwunden werden. Um 1120 erlangten die Staufer die Wormser Hochstiftvogtei, ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts waren Bischöfe und Könige auf reichspolitischer Ebene eng miteinander verbunden. Im späten Mittelalter konnte gegen die rheinische Pfalzgrafschaft nur ein enges Hochstiftterritorium ausgebildet werden, Residenzstadt der Bischöfe war Ladenburg. Spätestens ab dem 12. Jahrhundert war das Bistum aufgeteilt in vier Archidiakonate, im Jahr 1496 zählte es zehn Dekanate und 255 Pfarreien. II. In der frühen Neuzeit war das Wormser Hochstiftterritorium integraler Bestandteil des römisch-deutschen Reiches. Territorialherr war der durch das Domkapitel gewählte (meist auswärtige) Bischof, das Domkapitel übernahm zunehmend Verwaltungsaufgaben in der Wormser Diözese. Der Besetzung des linksrheinischen Teils von Wormser Bistum und Hochstift durch französische Truppen im Gefolge der Französischen Revolution (1797) schloss sich die Auflösung des Bistums an (1801), das rechtsrheinische Wormser Gebiet wurde hessisch, schließlich auch bayerisch. Zum Mainzer Dom vgl. noch: Englert, Siegfried (1990), Der Dom zu Worms, Worms 1990, 47 S., Abbildungen, Pläne, DM 6,-; Hotz, Walter (1981), Der Dom zu Worms, Darmstadt 1981, XI, 158 S., Abbildungen, Pläne, DM 22,50, zur von Bischof Burchard I. ab 1002 errichteten Wormser Stiftskirche St. Paulus: Spille, Irene (1993), St. Paul, Worms (= Schnell (& Steiner), (Kleine) Kunstführer, Nr.609), Regensburg 31993, 23 S., Abbildungen, Pläne, DM 4,-, zu einem in Worms stattgefundenen spätkarolingischen Konzil: Hartmann, Wilfried (1977), Das Konzil von Worms 868. Überlieferung und Bedeutung (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philosophisch-historische Klasse, Dritte Folge, Nr.105), Göttingen 1977, 140 S., € 15,-. [Buhlmann, 09.2009, 12.2015]

Julien, Catherine (1998), Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion (= BSR 2075), München 1998 > I Inka

  Jungmann, Dieter (2013), Die Neuwerkkirche in Goslar (= DKV-Kunstführer Nr.618), Berlin 22013, € 2,50. I. Volkmar (1173, 1191), königlicher Vogt in Goslar, und seine Ehefrau Helena stifteten 1186 unmittelbar an der nördlichen Stadtmauer (ein oratorium und) die erste Frauengemeinschaft in Goslar. Das umfangreiche Gründungsgut bestand aus Grundbesitz in und um Goslar, die Nonnen kamen aus dem Zisterzienserinnenkloster Ichtershausen, das Stift war den Heiligen Maria, Johannes dem Evangelisten und Bartholomäus geweiht. Die Schutzurkunde Kaiser Friedrichs I. (1152-1190) verlieh der geistlichen Kommunität Abgabenfreiheit, Immunität und Vogtei (freie Vogtwahl) und wurde 1225 nochmals erneuert. Als Vögte traten die Grafen von Wohldenberg in Erscheinung, die im Jahr 1290 auf die Vogtei zu Gunsten der Stadt Goslar verzichteten. Die ausgedehnten Güter des Stifts weckten Begehrlichkeiten von Landesherren und Stadt Goslar (Aufgabe des Goslarer Grundbesitzes n.1290). Nach innen stellte sich die Frauengemeinschaft als durch Äbtissin und Propst geleitete Kommunität von Benediktinerinnen (bzw. Zisterzienserinnen) dar. Fehlende Regeltreue führte zur Absetzung des Propstes Heinrich Minneke, der als Ketzer verbrannt wurde (1222/24), und zu gravierenden Missständen im 15. Jahrhundert (Visitation 1475 und anschließende Reform). Die Kommunität überstand die Reformation, der Konvent wurde in der Folge der schwedischen Besetzung Goslar vertrieben (1631), um 1667 als evangelisches Frauenstift wiederzuerstehen. Die Klosterstatuten von 1740 und ein Vergleich mit der Stadt Goslar vor dem Reichskammergericht (1767) prägten die letzten Jahrzehnte der Frauengemeinschaft, die im Jahr 1802 aufgehoben und durch eine Versorgungsanstalt für Beamtentöchter ersetzt wurde. Das 20. Jahrhundert sah die Neuwerkkirche u.a. als "Weihestätte des deutschen Volkes" (nationalsozialistische Zeit), als evangelische Gemeindekirche und "Versorgungsanstalt Neuwerk" (Aufhebung des Konvents 1969). II. Die noch heute bestehende Neuwerkkirche aus dem endenden 12. und dem 13. Jahrhundert ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querhaus, Chor und Nebenchören als Apsiden, einem Portal auf der Nordseite sowie einem Westwerk mit zwei oktogonalen Türmen. Mittel- und Seitenschiffe sind kreuzgewölbt. Es sind zwei Bauperioden auszumachen. Die Turmglocken stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Im Kircheninneren finden sich: (beringte) Ösen der Dienste der Mittelschiffsgurte, romanische Wandgemälde (ca.1230/40; Maria als Himmelskönigin mit Christus Pantokrator, Erzengel, biblische Propheten [Hauptapsis], Könige und Königinnen Israels, Apostel [Arkaden]), Kanzel und Altar des (ehemaligen) Lettners (ca.1230/40), Stuckrelief mit segnendem Christus (13. Jahrhundert), Pietà (ca.1450), Pietà (1476), Sakramentshäuschen (1484), Stiftergrab im nördlichen Querhaus (15. Jahrhundert, Ende), Grabsteine (16. Jahrhundert), Lindenholzkruzifix (16. Jahrhundert), Glasmalereien (17. Jahrhundert), Altarkreuz (1719), Orgel (1972; Brüstung der Orgelempore aus Steinen des ehemaligen Lettners). Zu erwähnen ist darüber hinaus das berühmte Goslarer Evangeliar (ca.1240). Vgl. noch: Cordes, Gerhard (Hg., Bearb.) (1968), Ein Neuwerker Kopialbuch aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar, H.25), Goslar 1968, 273 S., Schwarzweißabbildungen, € 2,-, mit (sprachwissenschaftlicher) Einleitung zum und Edition des Kopialbuchs in niederdeutscher Sprache, umfassend (127 ins Niederdeutsche übersetzte, lateinische) Urkunden der Neuwerker Frauengemeinschaft von 1186 bis 1365 (mit Nachträgen). [Buhlmann, 09.2016]

Jursa, Michael (2004), Die Babylonier. Geschichte, Gesellschaft, Kultur (= BSR 2349), München 2004 > F Frahm, Mesopotamien

Jussen, Bernhard (2014), Die Franken. Geschichte, Gesellschaft, Kultur (= BSR 2799), München 2014, 128 S., Schwarzweißabbildungen, € 8,95. I. Am Anfang fränkischer Geschichte stehen Migrationsbewegungen von Personen und Personengruppen aus den "Mangelgesellschaften" östlich des Niederrheins in das den "Barbaren" attraktiv erscheinende römische Weltreich. Nachgefragt von römischen Seiten wurden insbesondere die "Experten" im Kriegshandwerk. Die fränkischen Gruppen, die kaum über größere politische Organisationsformen verfügten, integrierten sich dabei schnell in das sich mental verändernde römische Reich (Verlust römischer Identität). Von den imperialen-postimperialen Veränderungen des 4. bis 6. Jahrhunderts n.Chr. (Reich und "Barbaren", Interventionen und Immigration, Integrationsgefälle zum Rand des Imperium Romanum hin) war besonders der nordgallische Raum betroffen. Das postimperiale Machtvakuum in Gallien (5. Jahrhundert) führte zur "Erfindung" eines neuen Herrschaftssystems der galloromanischen Aristokratie; katholische Kirche und merowingische Könige (König Chlodwig [†511], Taufe Chlodwigs) ergänzten sich darin, der Frankenkönig war kein Eroberer, es gab keine Abgrenzungen zwischen den ethnischen Gruppen im entstehenden Frankenreich. II. Das Frankenreich der karolingischen Könige beginnt mit einem Umsturz (751), den der karolingische Hausmeier Pippin der Jüngere (741/51-768) erfolgreich gegen den letzten Merowingerkönig Childerich III. (743-751) unternahm und in der karolingerzeitlichen Historiografie eine entsprechende positve Wertung fand. Dem Kaisertum Karls des Großen (768-814), der Reichseinheit unter Karl und Ludwig dem Frommen (814-840) folgte der politische Zerfall des Karonlingerreichs und die Loslösung des Königtums von der karolingischen Dynastie (9. Jahrhundert, 2. Hälfte) bei Ausbildung von ost- (911/19) und westfränkischem Reich (987). III. Das Franken"reich" war kein Staat und kein Reich, sondern die (sakrale) Herrschaft von (Priester-) Königen (z.B. ohne Lehnswesen). Politisches Handeln fand im Relgiösen statt, innerhalb der ecclesia ("Kirche", Christenheit, Synoden, Könige und Bischöfe). Die Gesellschaft im Frankenreich ("christliches Volk") war eine "büßende Gesellschaft" (gottesdienstliches Regieren, Bußorganisation, Kirche und Gebet), war in Personengruppen organisiert (face-to-face-Kommunikation, Rituale [Gabentausch, Scham und Schuld, Tabus, Übergangsriten). Sozial spielte die Ehe eine zentrale Rolle (schwache Verwandtschaft, Heiratsverbote), auch beim "Umbau der Gedächtniskultur" für die Toten (kirchlich institutionalisierte memoria). Das Wirtschaftsystem basierte zu großen Teilen auf "Vergetreidung" (neue Kulturpflanzen, Wendepflug, Dreifelderwirtschaft, Wassermühle) und Grundherrschaft (Großgrundbesitz, Hörigkeit und Verschwinden der Sklaverei, Ehe und Kernfamilie). IV. Die christlich-fränkische Gesellschaft war eine "Buchgesellschaft" (Buchkodex), die karolingische Renaissance eröffnete der Buchkultur neue Grundlagen (Admonitio generalis 789; Abschreiben und Korrigieren, karolingische Schreibschrift, Kodifizierung des Lateinischen). Auch die Kunst sollte sich vom Politischen und Religiösen befreien (Intellektuelle am Hof Karls des Großen und Libri Carolini). [Buhlmann, 05.2014]

Justinian I., oströmischer Kaiser: Justinian (*481/82-†565) folgte, im Jahr 525 zum Caesar erhoben, im Jahr 527 seinem Onkel Justin I. (518-527) als Herrscher über das oströmische Reich nach. Die ersten Regierungsjahre (527-532) waren von einer Konsolidierung der Herrschaft Justinians geprägt (526-532 Perserkrieg, 529 1. Codex Iustinianus und kaiserliche Weltordnung, 529/30 1. Samariteraufstand, 532 Nika-Aufstand, 532 "Ewiger Friede" mit dem Perserreich, 532/33 Religionspolitik zwischen Chalkedoniern und Miaphysiten). In einer Phase der Expansion (532-536) dehnte sich das oströmische Reich in den westlichen Mittelmeerraum aus (533/34 Vandalenkrieg, 535-ca.562 Gotenkrieg, 551 Festsetzung auf der iberischen Halbinsel), die kaiserliche "Fürsorge und Kontrolle" für die bzw. der Untertanen erreichte einen Höhepunkt (533 Institutionen, Digesten, 534 2. Codex Iustinianus), das Kaisertum manifestierte sich im christlichen Glauben (536 Konzil von Konstantinopel) und den herrscherlichen Kirchenbauten (537 Hagia Sophia in Konstantinopel). Es folgten Jahre des Abschwungs (536-542) - Naturkatastrophen (536/37 Vulkanausbruch? und Verdunklung des Himmels) und Justinianische Pest (542) sind hier zu nennen -, außenpoltisch gab es Rückschläge gegenüber Persern (540-561/62 Perserkriege, unterbrochen von Waffenstillständen) und Ostgoten (546/47/50 "Kampf um Rom"). Das Jahrzehnt nach 542 (542-553) war weiter gekennzeichnet durch die Kriege an der Ostgrenze des Reiches, in Italien oder auf dem Balkan; es gab von Seiten Justinians Reformneuansätze, das Ringen um die Einheit der christlichen Kirche(n [Beginn der Ausbildung orientalischer Kirchen]) ging weiter (544/45 Drei-Kapitel-Streit, 553 5. Ökumenisches Konzil von Konstantinopel); eine Zäsur stellte der Tod der Kaiserin Theodora (†548), der Ehefrau Justinians, dar. Die letzte Phase im Leben des Kaisers (553-565) offenbart dann dessen Scheitern gerade in der Religions- und Kirchenpolitik, während doch das oströmische Kaisertum (auch in der "heiligen" Person des Kaisers) für den Gesamtanspruch eines nunmehr politischen Christentums in der oströmischen Gesellschaft stand und damit für (mit dem damaligen Mitteln so nicht durchführbares) System von Repression und Kontrolle (, das etliche Teile des Reiches wie Ägypten, Nordafrika, Syrien oder Kleinasien nicht erreichen sollte). Justinian I. starb in der Nacht vom 14. zum 15. November 565; sein Nachfolger wurde Justin II. (565-578), ein Neffe des verstorbenen Herrschers.
Biografien zu Kaiser Justinian I. sind: Leppin, Hartmut (2011), Justinian. Das christliche Experiment, Stuttgart 2011, 448 S., € 24,90; Meier, Mischa (2004), Justinian. Herrschaft, Reich und Religion (= BSR 2332), München 2004, 128 S., € 7,90. [Buhlmann, 03.2004, 02.2012]

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