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Rezensionen (Geschichte)
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EB = Essener Beiträge, Beiträge zu Geschichte von Stadt und Stift Essen

Eberl, Immo (1978), Geschichte des Benediktinerinnenklosters Urspring bei Schelklingen 1127-1806. Außenbeziehungen, Konventsleben, Grundbesitz (= SSWLK 13), Stuttgart 1978, XLIV, 476 S., DM 48,-; Eberl, Immo (1978), Regesten zur Geschichte des Benediktinerinnenklosters Urspring bei Schelklingen 1127-1806 (= SSWLK 14), Stuttgart 1978, XXIV, 479, 12 S., DM 48,-. Vielleicht erst im 10. Jahrhundert wurde südwestlich von Blaubeuren bei Schelklingen das Quellgebiet eines Baches besiedelt, das nach ebendieser Quelle und dem Bach den Namen "Urspring(en)" erhielt. Erstmals wird Urspring in einer Urkunde von 1127 genannt. Eine Stifterfamilie - drei Brüder mit den Namen Rüdiger, Adalbert und Walther - übergab den Ort mit der Kirche an das Kloster St. Georgen im Schwarzwald, repräsentiert durch Abt Werner I. (1119-1134) und den Konvent. Die dem Kloster St. Georgen übergebene Kirche war eine Eigenkirche, ein Gotteshaus auf (gemeinsamen) Allodialbesitz der Stifter. Als Eigenkirche war das Urspringer Gotteshaus von anderen Pfarrkirchen unabhängig, die Kirchenvogtei hatte ein Graf Diepold (II.) von Berg (v.1127-n.1160) inne. Dass schon bald Benediktinerinnen in Urspring einzogen, ergibt sich zwanglos aus der späteren Überlieferung. Sogar dass die Nonnen aus dem St. Georgener Tochterkloster Amtenhausen kamen, ist bekannt. In den ersten hundert Jahren seines Bestehens muss das Kloster Urspring arm gewesen sein. Keine Güterschenkung ist bis 1237 überliefert. Seit dem 13. Jahrhundert fließen die Quellen zum Benediktinerinnenkloster Urspring etwas reichlicher; zu Beginn des 13. Jahrhunderts setzt beispielsweise die Überlieferung der Urspringer Totenbücher (Nekrologien) ein. Nach der Zerstörung des Klosters in den Kämpfen zwischen dem staufischen König Konrad IV. (1237-1254) und Anhängern der päpstlichen Partei (1246/47) konnte sich die Nonnengemeinschaft wieder erholen. In der Folgezeit gewann Urspring - auch weil es sich immer mehr von seinen benediktinisch-klösterlichen Grundlagen entfernte - größeres Ansehen bei den Adelsgeschlechtern der Umgebung, die ihre nun mit Eigenbesitz ausgestatteten Töchter nunmehr standesgemäß unterbringen konnten. St. Georgen konnte und wollte einer größeren Bedeutung seines Priorats nicht entgegensteuern, zumal das Frauenkloster gegenüber der Mönchsgemeinschaft im Schwarzwald an Selbstständigkeit gewann. Ein eigenes Siegel (1258/75), die kaum feststellbare Beteiligung des St. Georgener Abtes an Urspringer Güterkäufen und -verkäufen, eine über weite Strecken fehlende geistliche und rechtliche Aufsicht über das Frauenkloster belegen dies, der Festschreibung der Rechte St. Georgens in einer Urkunde vom 14. April 1328 zum Trotz. Auch an der Bursfelder Klosterreform für den zusammengeschmolzenen Urspringer Frauenkonvent (1474/75) war St. Georgen, das im späten Mittelalter selbst nicht reformiert wurde, nur indirekt beteiligt. Das Kloster Urspring blieb aber in der Folgezeit St. Georgen weiter unterstellt. Daran änderte ebenfalls die Reformation nichts (1536/66); Urspring befand sich seit 1566 unter der Leitung des katholischen Abtes St. Georgens, der in Villingen residierte. Erst Streitigkeiten im Urspringer Konvent nach der Wahl der Äbtissin Maria Abundantia von Barille (1797-1806/15) führten 1802 dazu, dass St. Georgen auf die Rechte an Urspring verzichtete. Das Benediktinerinnenkloster ist dann 1806 säkularisiert worden. [Buhlmann, 12.2007]

Eberl, Immo (Hg.) (1985), Kloster Blaubeuren 1085-1985. Benediktinisches Erbe und Evangelische Seminartradition (= Ausstellungskatalog), Sigmaringen 1985 > B Blaubeuren

Eberl, Immo (2002), Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens, Darmstadt 2002 > Z Zisterzienser

Ebling, Horst (1974), Prosopographie der Amtsträger des Merowingerreichs von Chlothar II. (613) bis Karl Martell (741) (= BdF 2), München 1974, 259 S., DM 48,-. I. Methodik: Aufgenommen wurden sog. merowingische Große, die folgende Kriterien erfuellen: sie sind keine Vorfahren der Karolinger; sie sind jeweils durch zeitgenoessische Quellen bezeugt; sie sind Amtsträger, d.h. meistens duces, comites, grafiones. II. Umfang der Propographie: 316 merowingische Amtsträger werden genannt, davon sind: 63 duces, 80 comites, 16 grafiones. Davon gehören: 69 zu Auster, 37 zu Neuster, 23 zu Burgund, 12 zu Aquitanien. III. Verfassungsgeschichtliche Diskussion: a) Keine Kontinuitaet im Amt des dux von der Spätantike zur Merowingerzeit, keine im Amt des comes vom 6. zum 7. Jahrhundert (Sprandel); b) Kontinuität im Amt des dux jedoch Abschwächung des Amtscharakters im 7. Jahrhundert; Ähnliches gilt für den comes civitatis auch im 7. Jahrhundert (Claude); c) grafio: Unterschiedliches Auftreten von comes und grafio (Sprandel). IV. Personengeschichtliche Ergebnisse: a) Dukate: Amtskontinuität in manchen Dukaten; zahlreiche ducatus-Belege für Auster (mindestens 7), für Neuster (5 duces), für Burgund (3 Dukate), für Aquitanien (mindestens 2 duces). b) Comites-Belege: für Auster (teilweise im 7. Jahrhundert, zahlreich Anfang des 8. Jahrhunderts) für Neuster (vielfach im 7. Jahrhundert), für Burgund (im 7., 8. Jahrhundert mit 3 Belegen), für Aquitanien (1 Beleg aus dem 7. Jahrhundert). c) Civitas-Komitate: Sie sind zumindest teilweise in Neuster und Aquitanien im 7. Jahrhundert nachweisbar. d) Comites pagi in Auster und Burgund feststellbar. e) Grafio nur in Neuster feststellbar im 7. Jahrhundert; Rangunterschied zwischen comes und grafio. V. Ergebnisse: Duces und comites sind die tragenden Schichten der staatlichen Ordnung. Dem comes kommt wohl in der Gerichtsverfassung eine bedeutende Funktion zu. Doch auch für das Fiskalgut oder die Zölle war er zuständig, während der dux Verwaltungsaufgaben bzgl. der Domanialgüter ausübte. Dux und comes können mithin miteinander konkurrieren; allerdings hat der dux ein größeres Amtsgebiet sowie bewaffnetes Gefolge. Daher war auch die politische Einflussnahme eines solchen Amtsträgers größer. [Buhlmann, 05.1988]

Echnaton, Sonnenhymnen. Ägyptisch/Deutsch, übers. v. Christian Bayer (= RUB 18492), Stuttgart 2012 > S Schlögl, Echnaton

Eckhart, Pia, Die Herren von Krautheim in der späten Stauferzeit und ihre Burganlage im Jagsttal, in: ZWLG 69 (2010), S.125-170. Die Herren von Krautheim (im Jagsttal zwischen Mergentheim und Künzelsau) lassen sich mit dem Würzburger Domherrn Gottfried (1169, 1203) bis in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen und wurden wichtige Gefolgsleute der staufischen Könige, denen sie ihren politisch-wirtschaftlichen Aufstieg (mit)verdankten. Wolfrad I. (1192, 1213, †ca.1220), wohl ein Neffe Gottfrieds, war verheiratet mit Adelheid aus der Familie der bedeutenden und benachbarten Boxberger Adelsfamilie. Wolfrad ist erstmals zu 1194 am Hof und im engeren Gefolge des Stauferherrschers Heinrich VI. (1190-1197) nachweisbar sowie im Umfeld der Familien von Boxberg, Dürn und Wertheim; er erbaute die Krautheimer Höhenburg (Bergfried, Wohnbau, Mantelmauer) oberhalb der Jagst (statt Altkrautheim) und vererbte seinen Söhnen Konrad (1221, †1267), Wolfrad II. (1221, †v.1252) und Kraft I. (1221, †v.1271) umfangreichen (auch ehemals Boxberger) Besitz. Beziehungen der Krautheimer zu den deutschen Königen Friedrich II. (1212-1250) und Konrad IV. (1237/50-1254), zu verwandten Adelsfamilien der Umgebung, zum Deutschen Orden sowie zu den Würzburger Bischöfen werden für diese Zeit erkennbar; die Burganlage in Lichteneck (bei Ingelfingen) und besonders die Burg Krautheim waren Stützpunkte Krautheimer Herrschaft. Die Schwester der drei Krautheimer Brüder, Richenza, heiratete Graf Gottfried von Hohenlohe (1219, †1255). Im Streit um das Erbe und Würzburger Lehen des Walter, Albrecht und Siegfried von Langenburg (1234/35) standen die Krautheimer auf Seiten Gottfrieds von Hohenlohe gegen den Würzburger Bischof, die Schenken von Limpurg und König Heinrich (VII.) (1220-1235). Ein Entscheid Kaiser Friedrichs II. begünstigte aber den Hohenloher Grafen (1234), während Heinrich (VII.) gegen seinen Vater rebellierte und Herrschaft und Königtum verlor (1234/35). Im Umfeld von Mainzer Reichstag und Reichslandfrieden (1235) unterwarfen sich die Anhänger Heinrichs (VII.) dem Kaiser (Entschädigungszahlungen der Schenken von Limpurg für Gottfried von Hohenlohe und die Krautheimer). Gottfried gehörte auch dem "Regierungsrat" für den neuen König Konrad IV. an; er zog zudem Kraft I. von Krautheim als königlichen Rat heran (1239), der sich in der Folgezeit als mediator des Königs erfolgreich betätigte (1246), schließlich aber Partei für die Staufergegner ergriff (1248). Seit den 1230er-Jahren betrieb Konrad von Krautheim, verheiratet mit Kunigunde von Eberstein, die Gründung des Zisterzienserinnenklosters Gnadental zunächst in Hohebach, dann bei Schwäbisch Hall (Inkorporation in den Zisterzienserorden 1237, Schenkungen ab 1243). In diesem Zusammenhang muss wohl der Verkauf der Burgen Krautheim und Boxberg und anderer Besitzungen an Gottfried von Hohenlohe gesehen werden (1239), ein Verkauf, der allerdings letztlich am Widerstand von Konrads Brüdern scheiterte. Konrad verkaufte seinen Besitz letztlich an seinen Bruder Wolfrad II. (1245), während der kinderlose Kraft I. von Krautheim für seinen Boxberger Besitz Gottfried von Hohenlohe und dessen Nachkommen als Erben bestimmte (1245). Konrad zog sich in der Folge aus der Politik und nach Gnadental zurück, seine Tochter Kunigunde (†v.1278) wurde Nonne (und später Äbtissin) in gestifteten Kloster, sein Sohn Kraft II. (1266, 1295) trat in den Deutschen Orden ein. Konrads Brüder, Kraft I. von Krautheim und Wolfrad II. von Boxberg, unterstützten König Konrad IV. hingegen weiterhin politisch und militärisch (Schlacht bei Frankfurt 1246). Wolfrad II. befand sich ab 1245 im Besitz der Burg Krautheim, die er umbaute und erweiterte (Portal am Wohnbau, Burgkapelle [Adlerkapitelle mit Bezug auf die staufischen Könige]). Nach dem Tod Wolfrads II. (v.1252; Versammlung von Verwandten und Vasallen auf der Burg Krautheim 1252) befand sich Otto von Eberstein (†1279), der Schwiegersohn Wolfrads, im alleinigen Besitz der Burg Krautheim (1254). [Buhlmann, 08.2014]

Eco, Umberto (1994), Die Suche nach der vollkommenen Sprache (= Europa bauen), München 31995, 388 S., Schwarzweißabbildungen, DM 48,-. Der Bogen spannt sich zunächst von der Schöpfung im alttestamentlichen Buch Genesis der Bibel (Gottes Ansprache an Adam, Benennung der Tiere, Adam und Eva) bis zum Turmbau zu Babel und der Verzweigung der adamitischen Sprache in 79 bzw. 72 Sprachen (confusio linguarum). Mit der biblischen Darstellung war ein Mythos geboren, der die Jahrhunderte von Mittelalter und Neuzeit bestimmen sollte. Sprache ist eine menschliche Kommunikationsform mit Form und Inhalt. In Mittelalter und früher Neuzeit folgte man bei der Erforschung von Sprachen vielfach monogenetischen Entwicklungsmustern. Dantes (*1265-†1321) universale Grammatik gehört hier ebenso her wie die Ars magna des Raimund Lull (*1232/35-†1316) oder die "universale Eintracht" bei Nikolaus von Kues (*1401-†1464). Als ideale und/oder Ur-Muttersprache galt noch in der frühen Neuzeit insbesondere das Hebräische, wie dies Guillaume Apostel (*1510-†1581) propagierte; Kabbalistik und Lullismus prägten diese Sichtweise des Hebräischen (Agrippa von Nettesheim, Giordano Bruno). Daneben gab es die "nationalistischen Hypothesen" von Sprachforschern, die zumeist auf Grund etymologischer Szenarien (furor etymolgicus) z.B. Deutsch oder Französisch die Rolle als Ur-Muttersprache zuerkannten. Aber auch die ägyptische Hieroglyphenschrift oder das Chinesische standen diesbezüglich etwa bei Athanasius Kircher (*1602-†1680) hoch im Kurs. Die Suche nach der vollkommenen Sprache brachte im 18. Jahrhundert magische und Geheimsprachen hervor (John Dee) nach den Polygraphien eines Johann Trithemius (*1462-†1516) und mit Arbeiten eines Francis Bacon (*1561-†1626). Apriorisch-philosophische Sprachen behandelten Rene Descartes (*1596-†1650) und Marin Mersenne (*1588-†1648). Bei den philosophischen Sprachen des 17. und 18. Jahrhunderts ging es um Begrifflichkeiten und Klassifizierungen (John Wilkins, Francis Lodwick). Dabei ging es auch um eine Ordnung des Wissens etwa bei Gottfried Wilhelm Leibniz (*1646-†1716) oder der französischen Encyclopedie (1751/80). In Letzterer ist schließlich eine positive Bewertung der Babel-Episode der Bibel zu finden, mithin die Polygenese der Sprachen. [Buhlmann, 05.2015]

Edda, altnordische Literatur des (hohen) Mittelalters: Die sog. Ältere Edda (Edda benannt nach dem südwestisländischen Ort Oddi oder im Sinn von óðr für "Gesang, Dichtung"?; Jüngere Edda des Snori Sturluson) stammt aus dem christlichen Island des 13. Jahrhunderts und ist überliefert im Kopenhagener Codex Regius der Lieder-Edda aus der Zeit um 1270; die Ältere Edda wurde verfasst wahrscheinlich kurz vor der Mitte des 13. Jahrhunderts und ist ein wichtiger Bestandteil altnordisch-germanischer Literatur. Die Lieder der Älteren Edda gliedern sich in: Götterdichtung (Mythologie: Volospa - Alwislied, Merkgedicht von Rig - Walkürenlied), Spruchweisheit (Sittengedichte, Odin, Runenlehren, Zauberlieder), Heldendichtung (Wölundlied - Hildibrands Sterbelied; Altes Sigurdlied, Altes Atlilied, Altes Hamdirlied, Gudrunlieder, Brünhildens Helfahrt und Nibelungensage).
Ausgaben der Edda sind: Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheiten und Heldengesänge der Germanen, übers. v. Felix Genzmer, eingel. v. Kurt Schier (1981) (= Diederichs Gelbe Reihe), 1981, Sonderausgabe München 1997, 472 S., DM 10,-; Götterlieder der Älteren Edda, bearb. v. Hans Kuhn (1991) (= RUB 781), 1991, Nachdruck Stuttgart 2002, 122 S., € 3,10; Die Edda des Snori Sturluson, übers. v. Arnulf Krause (1997), (= RUB 782), Stuttgart 1997, 271 S., € 6,10; Die Heldenlieder der Älteren Edda, übers. v. Arnulf Krause (2001) (= RUB 18142), Stuttgart 2001, 296 S., € 6,60. [Buhlmann, 03.2015]

EdG = Enzyklopädie deutscher Geschichte

Egeler, Matthias (2015), Avalon, 66° Nord. Zu Frühgeschichte und Rezeption eines Mythos (= RGA Ergbd.95), Berlin-Boston 2015 > E Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde

Eggenberger, Christoph (2001/02), Der Goldene Psalter und die Buchmalerei des Klosters St. Gallen, in: AlemJb 2001/02, S.63-83 > S St. Gallen

Eggert, Manfred K.H. (2001), Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden (= UTB 2092), Tübingen-Basel 2001 > A Archäologie

Eggler-Perler, Philipp Emanuel (1992), Namenschichtung und Besiedlungschronologie zwischen Konstanz und St. Gallen. Ein kontinuitätskritischer Beitrag der Toponomastik zur Siedlungsgeschichte des Frühmittelalters, Frauenfeld 1992 > S St. Gallen

Ehlers, Joachim (2008), Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 2008 > H Heinrich der Löwe

Ehrenberg, Victor (1968), Aristophanes und das Volk von Athen. Eine Soziologie der altattischen Komödie (= Bibliothek der Alten Welt. Reihe Forschung und Deutung), Zürich-Stuttgart 1968 > A Aristophanes

Ehrismann, Otfrid (2011), Fabeln, Mären, Schwänke und Legenden (= Einführung. Germanistik), Darmstadt 2011, 144 S., € 5,-. I. Die (ineinander übergehenden) literarischen Gattungen "Fabel", "Märe", "Schwank" und "Legende" gehören zum Typ (mittelalterlich-deutscher) Kleinliteratur (des 12. bis 17. Jahrhunderts: mittelhochdeutsche Zeit [12./13. Jahrhundert], spätmittelhochdeutsche Zeit [13./14. Jahrhundert], ältere frühneuhochdeutsche Zeit [14./15. Jahrhundert], mittlere frühneuhochdeutsche Zeit [16. Jahrhundert, 1. Hälfte]) und waren damals wichtige und bekannte Formen von Schriftlichkeit. II. Bei der Fabel (bîspel, bîschaft, bysprok) stehen einer erzählten Geschichte (Narration) eine kommentierende Bewertung (Evaluation) gegenüber. Deutschsprachige Fabeln waren äsopische, basierten auf den Fabeln des Phädrus und denen des spätantiken Romulus, die volkssprachlichen Fabeln des Mittelalters und der frühen Neuzeit haben mithin die lateinischen als Vorlage. Volkssprachliche Fabeln finden sich zumeist in spätmittelalterlichen Sammelhandschriften wie einem Wiener Codex (ca.1280), dem "Nürnberger Prosa-Äsop" (v.1412), dem "Buch der natürlichen weishait" von Ulrich von Pottenstein (ca.1415), dem Codex Donaueschingen 104 (ca.1430/33), dem Codex Karlsruhe 408 (ca.1430/35)), dem "Esopus" des Heinrich Steinhöwel (1476/77), dem "Buch der Beispiele der alten Weisen" des Anton von Pforr (1480), dem "Magdeburger Prosa-Äsop" (ca.1492), den "Etlichen Fabeln aus Esopo" des Martin Luther (1530), dem "Esopus" des Burkard Waldis (1548) u.a. Fabeln gehörten zur (geistlichen, weltlichen) Erziehungsliteratur und waren gerade von daher im volkssprachlichen Umfeld von großer Wichtigkeit. Fabelerzähler waren der Stricker ("Rabe und Pfaue"), Ulrich Boner ("Feld- und Stadtmaus"), der unbekannte Verfasser der "Liedersaal"-Fabeln ("Katze als Nonne"), der Humanist Ulrich von Pottenstein ("Fuchs und Rabe"), der Humanist Heinrich Steinhöwel ("Wölfe und Schafe"), der Reformator Martin Luther ("Hund im Wasser"), Erasmus Alberus ("Wolf und Lamm"), Burkard Waldis ("Wolf und Fuchs"), Hans Sachs ("Storch und Frösche") u.a. Fabeln werden von den Autoren eingebunden in ein christliches Umfeld ("Hahn und Edelstein", Fabel als Parabel und Allegorie) und in den Humanismus. III. Mären sind kleinere Erzählungen, oft als Schwank gestaltet, volkssprachlich auftretend ab dem 13. Jahrhundert, basierend zumeist auf mittellateinischen Schwänken. Das Märe ist ein Kleinepos, entzieht sich aber einer strengen Gattungsdefinition. Es spielt mit dem Lachen des Publikums (Gelächter) (zunächst weniger eines Lesers) vermöge sprachlicher, psychischer und physischer Gewalt(szenen; Tabubrüche, Ordnungswidrigkeiten). Die Stellung des erzählenden/aufführenden Autors in dem (literarisch weitgehend unfesten) Märe war hervorgehoben (Ich-Auftritt, Autor und Publikum). Mit der Erfindung des Buchdrucks kam es infolge eines Medienwechsels zur Einbindung des Märe in die Erbauungs- und Unterhaltungsliteratur; die Märe als ursprüngliches Literaturformat hatte somit ausgedient. An Autoren können genannt werden: der Stricker ("Der nackte Ritter", "Die drei Wünsche", "Der kluge Knecht"), Wernher der Gärtner ("Helmbrecht"), Konrad von Würzburg ("Das Herzmäre"), Herrand von Wildonie ("Die treue Gattin"), der Autor der "Frauentreue", Rüdiger der Hünkhofer ("Der Schlegel"), Niemand ("Die drei Mönche zu Kolmar"), Heinrich Kaufringer ("Die unschuldige Mörderin"), Hans Rosenplüt ("Die Tinte"), Hans Folz ("Die halbe Birne"), Hans Sachs ("Der Maler und der Dompropst") u.a. Themen des Märe waren die menschlichen Geschlechter, die Geistlichkeit ("Von dem übeln wibe", "Die eingemauerte Frau", "Das Gänslein", "Der fahrende Schüler"). Schwank-Collagen sind etwa durch eine Figur und funktional miteinander verbundene Schwänke ("Pfaffe Âmis des Strickers, "Dyl Ulenspiegel", "Der Pfarrer von Kalenberg" u.a.). IV. Legenden sind fiktionale Texte (mit invariantem Erzählkern [materia]) über christliche Heilige, beruhend auf lateinischer Erzähltradition und Hagiografie. Untergattungen der Legenden sind: Passion (Martyrium), Vision (Jenseitsreise, -vision), Mirakel (Wundererzählung), Translation (Heiligen-/Reliquienübertragung). Autoren, die das Leben von Märtyrern und Heiligen (Anachoreten, Asketen, Bekenner) beschrieben, betrachteten ihre Dichtung als Buße und gottgefälliges Werk, die Legende selbst war ein wichtiger Bezugspunkt in der christlichen Glaubenswelt (Kirche und Heilige, Gemeinschaft der Heiligen; Erbauung [aedificatio] und Nachahmung [imitatio]). Sammlungen von Heiligenlegenden heißen Legendare (Legenda aurea). Volkssprachliche Legendare treten ab dem endenden 13. Jahrhundert in Erscheinung (Vers-, Prosalegendare). Sie waren kalendarisch oder nach Heiligentypen geordnet. Ab dem Zeitalter von Humanismus und Reformation wurden Legenden zunehmend kritischer betrachtet (Martin Luther: fabulae fictae). Als deutschsprachige Legenden lassen sich ausmachen: Jenseitsvisionen des irischen Ritters Tnugdalus, niederrheinische Albanuslegende, "Barlaam und Josaphat" des Rudolf von Ems, "Servatius" des Henrik van Veldeken, die Veronikalegende des Wilden Manns, "Gregorius" des Hartmann von Aue, "Silvester", "Alexius" und "Pantaleon" des Konrad von Würzburg, Kreuzlegenden, Werke der "alten Legende" (14./15. Jahrhundert; u.a. Marienbüchlein, Legenden um "neue" Heilige [Brandan, Christopherus, Crescentia, Elisabeth von Thüringen, Georg von Ungarn, Hedwig von Schlesien, Katharina von Alexandrien, Lazarus, Rochus, Ursula; im Gegensatz zu den), Texte(n) der "neuen Legende" der katholischen Gegenreformation (16./17. Jahrhundert). Nicht zuletzt die Albanuslegende (Inzestmotiv, Wunder, Tod) zeigt den Wandel von der römisch-lateinischen Legende über niederrheinische Versübertragung zur Legendenerzählung des Zisterziensermönchs Andreas Kurzmann (†v.1431) und zur Prosafassung des Albrecht von Eyb (†1475). Legenden spiegeln zudem Fremdes ("Eremit Paulus von Theben", Marienlegenden des "Passionals"). [Buhlmann, 04.2017]

Eichengrün, Fritz (1928), Gerbert (Silvester II.) als Persönlichkeit (= BKGMR 35), Leipzig-Berlin 1928 > G Gerbert von Aurillac

Eichhorn, Werner (1964), Kulturgeschichte Chinas (= Urban Tb 76), Stuttgart 1964 > C China

Eickhoff, Ekkehard (1977), Friedrich Barbarossa im Orient. Kreuzzug und Tod Friedrichs I. (= Istanbuler Mitteilungen. Beih.17), Tübingen 1977, XV, 199 S., Schwarzweißtafeln, Faltkarten, € 9,60. I. Die größten politischen Umwälzungen im vorderasiatisch-islamischen Raum des 11. und 12. Jahrhunderts waren weniger die christlichen Invasionen und Kreuzzüge, denn das Eindringen trürkischer Völkerschaften nach Kleinasien und darüber hinaus. Die Niederlagen der byzantinischen Kaiser bei Mantzikert (1071) und Myriokephalon (1176) öffneten den seldschukischen Türken den Weg nach (Inner-) Anatolien, christliche Königreiche bildeten sich in der Folge des Ersten Kreuzzugs (1096-1099) in Syrien, Palästina und Kleinarmenien. Die "fränkischen" Herrschaften im Vorderen Orient waren indes immer bedroht von ihren muslimischen Nachbarn, den Fatimiden in Ägypten und den Zengiden (Zengi, Nureddin) in Syrien. Der kurdische Feldherr Saladin vereinigte in der Nachfolge der Zengiden Syrien und Ägypten unter seiner Herrschaft. Sein Ausgreifen auf die christlichen Staaten des Heiligen Landes führte zur Schlacht bei Hattin, zur Einnahme der wichtigen Hafenstadt Akkon und zur Eroberung Jersusalems (1187). Letztere wiederum hatte Signalwirkung im christlich-katholischen Europa, so dass Päpste, Könige und der römisch-deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) sich zum Dritten Kreuzzug (1189-1192) zusammenfanden. II. Vor dem Hintergrund von politischen Streitigkeiten zwischen dem Herrscher und dem Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191) (1187/88) zögerte Friedrich zunächst mit der Kreuznahme, die erst am Mainzer "Hoftag Christi" am 27. März 1188 erfolgte. Kreuzzugsvorbereitungen und Kreuzzugswerbung schlossen sich an, diplomatische Aktionen sollten den ungarischen König Bela III., den byzantinischen Kaiser Isaak II. und den Seldschukensultan Kilic Arslan II. in das Kreuzzugsunternehmen einbinden. Es war mithin ein Heereszug zu Land geplant, der am 23. April 1189, dem Georgstag, in Regensburg beginnen sollte. Nicht zuletzt konnte sich Kaiser Friedrich auf seine Orienterfahrungen während des Zweiten Kreuzzugs (1147-1149) stützen. Organisiert war das Kreuzfahrerheer in drei bis vier Treffen ([Ungarn und Böhmen], deutsche Ritter und Krieger unter Herzog Friedrich von Schwaben und Bischof Konrad III. von Regensburg, deutsche Ritter und Krieger unter der Führung der Bischöfe von Würzburg, Basel und Lüttich, Nachhut unter der Führung des Kaisers; Organisation und militärische Entscheidungen durch ein consilium principum). III. Geschildert wird der Dritte Kreuzzug, soweit er die Expedition Kaiser Friedrichs betrifft, ausführlich in Ansberts Historia de expeditione Friderici imperatoris und in einem Historia peregrinorum genannten Werk. Danach und auch nach anderen Geschichtsquellen verlief der Kreuzzug Friedrichs I. wie folgt: 1189: Reichstag in Regensburg, Aufbruch des Heeres (11. Mai), Passau (15. Mai), Wien (22. Mai), Preßburg und Feier des Pfingstfests (25./29. Mai), Gran (4. Juni), Zusammentreffen mit dem ungarischen König Bela III., Übergang über die Drau (24. Juni), Übergang über die Save (28. Juni), Belgrad (29. Juni), Vorrücken zur byzantinischen Festung Brandiz (2. Juli) und Verabschiedung König Belas, Zug entlang der Morava durch sumpfiges Gelände, Überfälle auf das Heer (serbisch-byzantinische Grenzzone), Nisch (23./24. Juli) und der von Serben versorgte Markt in der Stadt, Zusammentreffen mit Stefan Nemanja (27. Juli), Aufbruch von Nisch (31. Juli), Angriffe auf das Heer im "Bulgarenwald", Ankunft im verlassenen Sofia (13. August) und sofortiger Weitermarsch, feindliche Stellungen (20. August), Ankunft im fast verlassenen Philippopel (24. August), Gesandtschaft Kaiser Isaaks II. (25. August), politischer Bruch zwischen den Kaisern, Sieg der Reiter unter Herzog Friedrich von Schwaben gegen byzantinische Truppen bei Philippopel (Ende August), weiterer Aufenthalt des Kreuzfahrerheeres in Philoppopel und Beutezüge in Ostmakedonien und Thrakien (Eroberung der Stadt Berrhoe, der Burg Scribention), deutsche Gesandtschaft zurück in Philippopel (28. Oktober), Verhandlungen, Rückkehr der ungarischen Kreuzfahrer nach Ungarn, Aufbruch eines Großteils Kreuzfahrerheeres nach Adrianopel (5. November), Rast in Blisimos, Ankunft im verlasssenen Adrianopel (22. November), Überwinterung in Adrianopel, Pläne Friedrichs I. zur Eroberung Konstantinopels; 1190: Zuzug des Restheeres aus Philippopel (5. Februar), Gesandtschaften, Verhandlungen und Vertrag (Verzicht auf Schadensbegleichung, Proviantstellung [Märkte, Wechselkurse], Freilassung inhaftierter Kreuzfahrer und Gesandter, Unterstützung des Kreuzfahrerheeres beim Übergang nach Kleinasien, Geiselstellung; 14. Februar), Zusicherung der Seldschuken hinsichtlich des unbehinderten Durchmarschs des Kreuzfahrerheeres durch Anataolien (16. Februar), Aufbruch des Kreuzfahrerheeres aus Adrianopel (1. März), schwere Regenfälle, Übergang über die "Reina" (4. März), Rossa (18. März), Aphrodisias (21. März), Gallipoli (22. März), Übergang über den Hellespont mit byzantinischer Flottenunterstützung (24.-28. März), Aufbruch ins Landesinnere Kleinasiens (29. März), Markt in Biga (1. April), Überquerung des Aisopos, Überfälle durch Räuberbanden (u.a. 3. April), Rast am Manyassee (6. April), Makestostal (7. April), byzantinische Grenzzone der Themen Opsikion, Neokastra, Thrakesion (11. April), Grenzfestung Calomos (13. April), Meleos (?, 15. April), Sardes, Kastell Aulax (18. April), Philadelphia als griechisch-byzantinische Stadt (21. April), Streitigkeiten mit den Stadtbewohnern, Verstärkung durch italienische Bogenschützen, Aufbruch (22. April), Überfälle durch Turkmenen, Schwierigkeiten bei der Verproviantierung, Burg Aetos (23. April), Überquerung des Menderes, Hierapolis (25. April), Überquerung des Lykos, Grenzstadt Laodikeia und der dortige Markt (25. April), Gesandtschaft Kilic Arslans II., Weitermarsch in seldschukisches Gebiet (27. April) entlang des Lykos, Sanaossee (ca. 28. April), Route über das Hochland, Nahrungsmangel bei Kreuzfahrerheer, Überfälle durch Turkmenen, Dinarquellen (29. April), Sieg der Kreuzfahrer über die Turkmenen beim aufgegebenen Kreuzfahrerlager (30. April), erfolgreiche Kämpfe der Nachhut mit den Turkmenen, Sozopolis (2. Mai), Gefecht in einem Pass bei Myriokephalon, Erreichen der anatolischen Hochebene (3. Mai), Entlassung der seldschukischen Gesandten (5. Mai), unterdessen politische Annäherung des Seldschukenherrschers Kutbeddin an Saladin, turkmenischer Angriff auf die Kreuzfaher und Tod des Minnesängers Friedrich von Hausen (6. Mai), Sieg der Kreuzfahrer bei Philomelion und Einnahme der Stadt (7. Mai), Weitermarsch nach Ikonoium (8. Mai), (massive) Versorgungschwierigkeiten, Firmin/Ilgin, siegreiches Gefecht bei Firmin (11. Mai), Wassermangel, Sieg in der Schlacht gegen Kutbeddin südlich von Ladik (14. Mai), Vormarsch auf Ikonium/Konya (Zerstörung zweier Sultanspaläste, 17. Mai), Unwetter, Eroberung von Konya, Massaker an seinen Bewohnern, türkische Niederlage vor Konya (18. Mai), Frieden mit Kilic Arslan II., Weitermarsch (23. Mai), Gegend von Cumra, Kodylessos (?, 27. Mai), Pyrgos und der dortige Markt (28. Mai), Laranda/Karamann (1. Juni), Taurusgebirge, armenische Grenzfestung Sibilia, Gesandtschaft des kleinarmenischen Herrschers Leon II. (7. Juni), Weitermarsch von Mut nach Silifke entlang des Flusses Saleph/Göksu durch den Taurus (8.-10. Juni), Tod Kaiser Friedrichs I. beim Bad im Saleph. IV. Der Tod des Kaisers war der Anfang vom Ende des deutschen Kreuzzugsunternehmens. Zwar wurde Herzog Friedrich von Schwaben, der älteste Sohn des Kaisers, zum neuen Anführer der Kreuzfahrer, doch häuften sich in der Folge Absetzbewegungen von Rittern und Kämpfern, während das Heer von Silifke/Seleukia, wo die sterblichen Überreste Friedrich Barbarossas einbalsamiert wurden, die Küstenstraße entlang über Korykos (14. Juni) zog. Ein Teil der Kreuzfahrer bestieg Schiffe, um nach Syrien zu gelangen; das Hauptheer zog weiter nach Tarsos (ca. 17. Juni), wo die Eingeweide des Kaisers bestattet wurden und sich das Heer nochmals teilte (Überfahrt zu Schiff nach St. Symeon, dem Hafen Antiochiens). Das Landheer marschierte über Adana und Mamistra, wo Herzog Friedrich erkrankte, nach Thegium/Toprakkale und Antiochien (Anfang Juli), wo das Fleisch des einbalsamierten Leichnams Friedrichs beerdigt wurde. Eine folgende Ruhrepidemie dezimierte das Kreuzfahrerheer in Antiochien indes rasch; viele Kreuzfahrer machten sich zudem euf die Heimreise. Die Reste des deutschen Heeres unter Führung Herzogs Friedrich brachen von Antiochien aus nach Süden auf (28. August), um Laodikeia und Tripolis zu erreichen. Doch waren die Kräfte für ein weiteres Vordringen wohl zu schwach, so dass sich Friedrich und sein Heer in Tripolis nach Tyrus einschifften. Ein Unwetter auf See schwächte nach dem Untergang dreier Schiffe das Heer weiter, seine Reste schlossen sich den Belagerern von Akkon an (7. Oktober) und wurden nochmals im Winter 1190/91 durch Kämpfe und Epidemien dezimiert. Herzog Friedrich von Schwaben starb am 20. Januar 1191, die von ihm mitgeführten Gebeine seines Vaters sind verschollen, während sich um den Tod des Kaisers im Fluss Saleph schon bald Sagen und Legenden rankten. Vgl. dazu noch die Übersetzung von Ansberts Historia de expeditione Friderici imperatoris in: Bühler, Arnold (Hg.), Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas. Bericht eines Augenzeugen (= Fremde Kulturen in alten Berichten, Bd.13), Sigmaringen 2002, 191 S., Abbildungen, Karte, € 24,90. [Buhlmann, 03.2011, 02.2017]

Eickhoff, Ekkehard (1996), Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt, Stuttgart 1996 > T Theophanu

Eigen, Hella (1987), Die Überlieferung der "Letteratura cavalleresca". Ihre Stellung auf dem italienischen Buchmarkt des 15. Jahrhunderts, Wiesbaden 1987, 117 S., € 2,70. "Letteratura cavalleresca" ist die in der italienischen Volkssprache (Volgare) verfasste "Ritterliteratur" des späten Mittelalters. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert beeinflusste die französische Epik (Ritterepen um Karl den Großen und Artus) die italienische Literatur, im späten Mittelalter ragen Autoren wie Andrea de Barberino (†1432; "Reali di Francia", "Guerino il Meschino"), Luigi Pulci (†1484; "Morgante") oder Matteo Mario Boiardo (†1494; "Orlando Innamorato") hervor. Die "Letteratura cavalleresca" schlug sich auch in den Erzeugnissen italienischer Drucker aus Venedig, Florenz, Mailand, Bologna, Rom usw. nieder (Inkunabeln ab den 1470er-Jahren bis 1500). [Buhlmann, 08.2011]

Eisenhuth, Albert, Haffner, Hans (1967), Das Weltall im Bild, Graz-Wien-Köln 21971 > U Universum

EK = Europäische Kulturstudien. Literatur - Musik - Kunst im historischen Kontext

Ekschmitt, Werner (1978), Der Aufstieg Athens. Die Zeit der Perser-Kriege, München 1978, 303 S., Abbildungen, DM 29,80. Stationen der inneren Entwicklung Athens von der archaischen bis zur klassischen Zeit sind die Adelsherrschaft (7. Jahrhundert v.Chr., Anfang), die wirtschaftlichen Probleme der attischen Kleinbauern und die Einbeziehung einer größeren Bevölkerungsschicht in das politische System Athens (Drakon um 624, Solons 594 v.Chr.), die Tyrannis des Peisistratos (560-527 v.Chr.) und seiner Söhne Hippias und Hipparch (527-514/10 v.Chr.), die Abschaffung der Tyrannis durch Kleisthenes (510 v.Chr.) und die Konstituierung der athenischen Demokratie durch Einbeziehung der unteren Gesellschaftsschichten (Hopliten, Theten; lokale Phylen, Rat der Fünfhundert [Bule], Ostrakismos [Scherbengericht], Areopag); die Reformen hin zu einer Demokratie gingen in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts v.Chr. weiter (Auslosung der Archonten 487/86, Entmachtung des Areopags 462/61 v.Chr.). Zur Ausformung der athenischen Demokratie trugen nicht zuletzt die Erfolge in den Perserkriegen bei: persischer Kriegszug des Datis und Artaphernes (Schlacht bei Marathon 490 v.Chr.), Kriegszug unter dem Perserkönig Xerxes (485-465 v.Chr.; Schlacht bei den Thermopylen 480, Seeschlacht vor Salamis 479, Schlacht bei Platäa 479 v.Chr.). Mit der Abwehr der persischen Angriffe durch Athener und Griechen etablierte sich die Polis Athen als Seemacht und Vormacht im (1.) Attischen Seebund (477 v.Chr.). [Buhlmann, 09.1978]

Elbern, Victor Heinrich (1962), St. Liudger und die Abtei Werden. Gesammelte kunsthistorische Aufsätze, hg. v. Basilius Senger, Essen 1962 > W Werden

Elbern, Victor Heinrich (1966), Species Crucis - Forma Quadrata Mundi. Die Kreuzigungsdarstellung am fränkischen Kasten von Werden, in: Westfalen 44 (1966), S.174-185 > W Werden

Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, 624 S., Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, 623 S., zus. € 58,-. I. Aufsätze: Geboren wurde Elisabeth im Jahr 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und der Gertrud von Andechs-Meranien. Vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des frühen 13. Jahrhunderts (Hagen Keller, Das frühe 13. Jahrhundert. Spannungen, Umbrüche und Neuorientierungen im Lebensumfeld Elisabeths von Thüringen; Sybille Schröder, Frauen im europäischen Hochadel des ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Normen und Handlungsspielräume), einer verstärkten politischen Westorientierung Ungarns (Lázló Vesprémy, Ungarn im Europa des frühen 13. Jahrhunderts; Erno Marosi, Hof und adlige Kultur in der Kunst des frühen 13. Jahrhunderts in Ungarn) kam es sehr bald zur politisch bedeutsamen Verlobung Elisabeths mit dem thüringischen Landgrafen(sohn) Ludwig IV. (1217-1227) (Brautfahrt Elisabeths nach Thüringen 1211) (Peter Wiegand, Eheversprechen und Fürstenkoalition. Die Verbindung Elisabeths von Ungarn mit Ludwig von Thüringen als Baustein einer europäischen Allianz (1207/08-1210/11)). Der Ehe zwischen beiden entstammten Landgraf Hermann II. (1227-1241), Sophie von Brabant (†1275) und Gertrud von Altenberg (†1297). Elisabeth entfaltete als Reichsfürstin und thüringische Landesherrin am und gegen den thüringischen Hof (auf der Wartburg) Wirkung (Matthias Kälble, Reichsfürstin und Landesherrin. Die heilige Elisabeth und die Landgrafschaft Thüringen). Schon früh kam sie in Kontakt zu der religiösen Bewegung um Franziskus von Assisi, das Armutsideal der Franziskaner beeinflusste Elisabeth wesentlich (ab 1223), ebenso ihr Beichtvater Konrad von Marburg (ab 1226, Gelübde Elisabeths 1228) (Maria Pia Alberzoni, Elisabeth von Thüringen, Klara von Assisi und Agnes von Böhmen. Das franziskanische Modell der Nachfolge Christi diesseits und jenseits der Alpen; Matthias Werner, Elisabeth von Thüringen, Franziskus von Assisi und Konrad von Marburg). Die Hungersnot der Jahre 1225/27 in Thüringen radikalisierte die religiös-sozialen Einstellungen Elisabeths noch, darin unterstützt von ihrem Ehemann (Hospital der Elisabeth auf dem Wartberg 1226). Als Hermann I. jedoch auf dem Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. (1212-1250) im unteritalienischen Otranto an einer Seuche starb (1227) (Stefan Tebruck, Militia Christi - Imitatio Christi. Kreuzzugsidee und Armutsideal am thüringischen Landgrafenhof zur Zeit der heiligen Elisabeth), verlor Elisabeth jegliche Unterstützung am thüringischen Hof und wich ins landgräfliche Marburg aus, wo sie 1228 ein Hospital errichtete und sich dort als (geistliche) soror in seculo gemäß ihrem radikalen Armutsideal um Kranke und Aussätzige kümmerte (vita activa und vita contemplativa) (Rainer Atzbach, Das Hospital der heiligen Elisabeth in Marburg. Grabungsbefunde und schriftliche Überlieferung; Martina Wehrli-Johns, Armenfürsorge, Spitaldienst und neues Büßertum in den frühen Berichten über das Leben der heiligen Elisabeth). Elisabeth starb krankheitsbedingt am 16./17. November 1231 und wurde am 19. November begraben. Schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt, wurde sie u.a. auf Grund der Summa vitae Konrads von Marburg (1232) und des Libellus de dictis quatuor ancillarum (1234, 1236/37) von Papst Gregor IX. (1227-1241) an Pfingsten 1235 heilig gesprochen (Helmut G. Walther, Der "Fall Elisabeth" an der Kurie. Das Heiligsprechungsverfahren im Wandel des kanonischen Prozessrechts unter Papst Gregor IX. (1227-1241); Ingrid Würth, Die Aussagen der vier "Dienerinnen" im Kanonisationsprozess und ihre Überlieferung im sogenannten "Libellus"). Die Verehrung der heiligen Elisabeth setzte aber schon unmittelbar nach dem Tod der Landgräfin in Marburg ein (Elisabeth-Grab, Reliquien, elevatio der Heiligen 1236, Elisabeth-Schrein 1235/36/49, Kultregulierung, Liturgie und Elisabeth-Offizium) (Bruno Breudenbach, Kopf, Arm und Leib. Reliquien und Reliquiare der heiligen Elisabeth; Rita Amedick, Die Gemmen vom Schrein der heiligen Elisabeth in Marburg; Felix Heinzler, Die "heilige Königstochter" in der Liturgie. Zur Inszenierung Elisabeths im Festoffizium "Laetare Germania"). Der päpstlichen Kanonisation folgte die Verehrung Elisabeths als "europäische Heilige" in Religion, Kunst und Literatur seit dem 13. Jahrhundert, etwa im Prämonstratenserinnenstift Altenberg (Elisabethtochter Gertrud, †1297), bei den Wettinern (franziskanische Elisabethzelle auf dem Wartberg 1331), im Deutschen Orden (Marburger Deutschordenshaus) (Gábor Klaniczay, Elisabeth von Thüringen und Ungarn. Zur "Europäisierung des Elisabeth-Kultes; Christian Schuffels, "Beata Gertrudis, filia sancte Elyzabet". Gertrud, die Tochter der heiligen Elisabeth, und das Prämonstratenserinnenstift Altenberg an der Lahn; Udo Hopf, Ines Spazier, Petra Weigel, Elisabethverehrung und Elisabethgedenken der Wettiner. Das Elisabethhospital St. Elisabeth unterhalb der Wartburg - archäologische Befunde und schriftliche Zeugnisse; Dieter Blume, Grit Jacobs, Anette Kindler, Wechselnde Blickwinkel. Die Bildzyklen der heiligen Elisabeth vor der Reformation; Frank Martin, Die heilige Elisabeth in der Glasmalerei. Vermittlungsstrategien eines weiblichen Heiligenmodells; Andreas Bräm, "Fratrum minorum mater". Heiligenbilder als Angleichung und zum Patronat in Frankreich und Flandern und in der Anjou-Hofkunst Neapels; Dieter Blume, Diana Joneitis, Eine Elisabeth-Handschrift vom Hof König Alfons' X. von Kastillien; Cordelia Warr, Der Freskenzyklus der heiligen Elisabeth von Ungarn in Santa Maria Donna Regina in Neapel; Ulrike Jenni, Die Elisabeth-Legende im Krumauer Bildercodex; Beatrix Leisner, Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen. Ein mittelalterlicher Bilderzyklus in der Kapelle des Erfurter Nikolaiturms; Gyöngyi Török, Die Ikonographie des Hochaltarretabels der Kirche St. Elisabeth in Kaschau; Mária Prokopp, Überlegungen zur mittelalterlichen Ikonographie der heiligen Elisabeth; Volker Honemann, Die "Vita sanctae Elisabeth" des Dietrich von Apolda und die deutschsprachigen "Elisabethleben" des Mittelalters; Enno Bünz, Königliche Heilige - Hospitalheilige - "Mater pauperum". Der spätmittelalterliche Elisabethkult im deutschsprachigen Raum). Die Elisabethverehrung unterlag dann in Reformation und Protestantismus (weiteren) Wandlungen (Volker Leppin, "So wurde uns anderen die heilige Elisabeth ein Vorbild". Martin Luther und Elisabeth von Thüringen; Thomas Fuchs, Das Bild der heiligen Elisabeth im frühneuzeitlichen Protestantismus. Formung des protestantischen Elisabethbildes in der Reformation; David Ganz, Eine Heilige mit großer Garderobe. Elisabeth-Bilder im konfessionellen Zeitalter; Cordula Bischoff, Rollenmodelle der frühen Neuzeit. Fürstliche Selbstdarstellung im Bild der Elisabeth von Thüringen). Im 19. und 20. Jahrhundert erfolgte eine "Modernisierung" und Popularisierung der katholischen und protestantischen Heiligen (Stefan Gerber, "Die Heilige der Katholiken und Protestanten". Die heilige Elisabeth in konfessioneller Wahrnehmung während des "langen" 19. Jahrhunderts; Marko Kreutzmann, Die heilige Elisabeth in der thüringischen Erinnerungskultur des 19. Jahrhunderts; Markus Bertsch, "Heiligenbildchenkram"? Zur Präsenz der heiligen Elisabeth im Bilderkosmos der Nazarener; Michael Overdick, Zwischen Alomosenspende und Rosenwunder. Zur Darstellung der heiligen Elisabeth in der populären Druckgraphik des 19. Jahrhunderts; Stefan Schweizer, Der katholische Maler und sein protestantischer Auftraggeber. Moritz von Schwinds Elisabeth-Fresken auf der Wartburg; Grit Jacobs, Kaiserkunst auf der Wartburg. Das Glasmosaik in der Elisabethkemenate; Detlef Altenburg, "Die Erde berührte in diesem Moment den Himmel". Franz Liszts "Legende von der heiligen Elisabeth"; Josef Pilvousek, Zur Geschichte der Elisabethwallfahrt 1957; András Korányi, "Nostra enim Elisabeth". Die Gestalt der heiligen Elisabeth im ungarischen Geistesleben des 19. und 20. Jahrhunderts).
II. Katalog (Die hochadlige Elisabeth, Elisabeth als Landgräfin, Elisabeth und die religiöse Armutsbewegung, Heiligsprechung, Anfänge der Elisabethverehrung, spätmittelalterliche Elisabethverehrung (in der Stadt), Elisabethverehrung in Europa, Elisabethverehrung in der frühen Neuzeit, Elisabeth(verehrung) in der Moderne). [Buhlmann, 11.2011]

Ellerbrock, Uwe, Winkelmann, Sylvia (2012), Die Parther. Die vergessene Großmacht, Darmstadt 22015, 368 S., Farbabildungen, Karten, € 34,95. I. Nur wenige innerparthische Schriftquellen (Inschriften u.a.) beleuchten die parthische Geschichte, während griechische und römische Schriftquellen (römische Geschichtsschreibung u.a.) einen Außenbild auf das Partherreich geben. Umso wichtiger erscheinen die archäologischen Funde (Städte, Paläste, Befestigungen, Siedlungen, Kunst) sowie die parthischen Münzen (Drachmen, Tetradrachmen parthischer Herrscher, parthische Königschronologie). Die disparate Quellensituation machte aus dem Partherreich, gelegen zwischen Mesopotamien und Indus, zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf mit dem Iran als Kernland, "die vergessene Großmacht", eingebunden in die Geschichte der altorientalischen Reiche Mesopotamiens, der Meder und persischen Achmämeniden sowie der hellenistischen Königreiche u.a. der Seleukiden. II. Die Heimat der Daher/Parner/Parther, eines "skythischen Volksstamms", ist ein Gebiet südöstlich des kaspischen Meeres und lag in den achäminidischen Satrapien Parthavien und Hyrkanien, in der seleukidischen Provinz Parthien. Als Gründer des Partherreichs gilt der autokrator Arsakes I. (ca.247-211 v.Chr.), der die seleukidische Provinz Parthien eroberte. In der Folgezeit konnte sich die parthische Herrschaft gegen seleukidische Angriffe behaupten, die Macht der Parther wuchs nach dem Tod des Seleukidenkönigs Antiochos III. (223-187 v.Chr.) zusehends (Expansion nach Osten, Krieg gegen die Marder). Unter König (Großkönig, "König der Könige") Mithradates I. (ca.171-138 v.Chr.) gelang die Eroberung Herats (ca.167), Mediens und der Margiane (ca.155) sowie Mesopotamiens und Seleukias (141). Mithradates' Sohn Phraates II. (ca.138-127 v.Chr.) wehrte erfolgreich einen seleukidischen Angriff auf die von seinem erorberten Gebiete ab (129). Mithradates II. (ca.123-88 v.Chr.) eroberte die Adiabene, Gordyene und Osrhoene, mit den Römern gelang die Festlegung des Euphrat als Grenze der Einflusssphären beider Reiche (96, 69/68, 66 v.Chr.). Die Zeit vom 1. vorchristlichen bis zum 1. nachchristlichen Jahrhundert gilt dann als Zeit des Partherreichs als führende vorderasiatische Großmacht. Die Parther behaupteten sich in den drei Mithridatischen Kriegen (Friedensvertrag 64 v.Chr.), unter König Orodes II. (ca.57-38 v.Chr.) besiegte eine partische Reiterarmee ein römisches Heer Marcus Licinius Crassus (†53 v.Chr.) in der Schlacht bei Carrhae (53); römische Gegenangriffe unter Gaius Iulius Caesar (†44 v.Chr.) und Marcus Antonius (†30 v.Chr.) blieben erfolglos, unter Kaiser Augustus (†14 n.Chr.) kam es zum Friedensschluss (20 v.Chr.). Dabei wurde das Partherreich immer wieder von Thronstreitigkeiten innerhalb des arsakidischen Königshauses erschüttert. Alles in allem hatte sich aber zurzeit der parthischen Großmacht im Westen und Süden des Partherreichs ein System von abhängigen Klientelkönigreichen etabliert (Osrhoene, Adiabene, Media Atropatene, Charakene, Elymais), während im Osten sich die Parther erfolgreich gegen die Nomadenvölker der Sarmaten und Saken, gegen das graekobaktrische (bis 130 v.Chr.), das indogriechische (bis 10 v.Chr.) und das sakisch-indoskythische Reich (bis 12 v.Chr.) sowie das Kuschanreich (bis 5. Jahrhundert, Anfang) behauptete und es mit dem indoparthischen Reich sogar zu einer Ausbildung eines Königreichs unter einer parthischen Fürstendynastie kam (ca.20-100 n.Chr.). Die Kontrolle über das Königreich Armenien blieb zwischen römischem und Partherreich lange Zeit umstritten, auch als - mit römischer Unterstützung (63 n.Chr.) - ab Tiridates I. (52/53-60, 63-ca.75 n.Chr.) ein arsakidischer Seitenzweig als Könige über Armenien herrschte (bis 428 n.Chr.). Unruhen im Partherreich beförderten weiterhin römische Angriffe, etwa unter Kaiser Trajan (98-117 n.Chr.) (Armenien, Mesopotamien 114/17), unter Kaiser Septimius Severus (römische Provinzen Osrhoene und Mesopotamia 195/98) oder unter Kaiser Caracalla (211-217) (216/18, römische Niederlage bei Nisibis 217); unter König Vologases IV. (ca.147-191 n.Chr.) führten die Parther Krieg gegen Rom (161-166). Verursacht durch einen Aufstand in der Persis unter dem Lokalfürsten Ardaschir, kam es mit Niederlage und Tod der letzten Arsakidenkönige Artabanos IV. (ca.216-224 n.Chr.) und Vologases VI. (ca.208-228 n.Chr.) auch zum Ende des Partherreiches. Ardaschir I. (224-239/40) war der Begründer des persischen Sasanidenreiches. III. Verfassungsgeschichtlich gesehen war das Partherreich ein Reich unter der Herrschaft von Königen aus der Familie der Arsakiden, der Nachkommen des Reichsgründers Arsakes (Königswahl, Thronstreitigkeiten konkurrierender Partherkönige, Herrscherbild und Herrschaftsrepräsentation [göttliche Investitur, Inschriften, Herrscherbilder], Heiratspolitik), wobei das Königtum auch von einer Schicht politisch Großer (Adel) abhängig war. Auf regionaler und lokaler Ebene herrschten im Auftrag des Königs Satrapen und königliche Amtsträger, Verwaltungssprachen waren das Parthische und das Griechische, in den griechischen Städten im Partherreich gab es weiterhin eine griechische Verwaltung. Großstädte und Herrschaftszentren waren: Assur, Babylon, Dura Europos, Edessa, Ekbatana, Hatra, Herat, Ktesiphon, Merw, Nippur, Nisa, Palmyra, Seleukia am Tigris, Susa, Uruk (parthischer Städtebau, parthische Architektur [hellenistische, römische Einflüsse, Iwanbauten, Kuppel, Rundstädte, Märkte]). Die Städte waren wichtige Handelszentren; den Beziehungen des Partherreichs nach Osten bis nach China hin entsprach ein ost-westlicher Kulturtransfer und die große Bedeutung des Handels u.a. entlang der Seidenstraße (Land- und Seehandel, Handelsgüter, Zollwesen). Grundlage der Wirtschaft im Partherreich war indes die Landwirtschaft (Anbau von Nutzpflanzen [Getreide, Gemüse, Wein, Kräuter], , Wasserwirtschaft in Parthien [Qanate], [nomadische] Viehzucht [Pferde, Schafen, Ziegen]). Die Gesellschaft war hierarchisch-ständisch gegliedert, die Kultur des Partherreiches vielfältig (Sprache, Schrift [Tonscherben, Inschriften, manichäische Schriftquellen der Turfanoase], Literatur ["Lied von der Perle", "Vis und Ramin", Heldenepen, Theaterstücke], Zeitrechung [Seleukiden-, Arsakidenära, babylonisch-griechischer Kalender], [Männer-, Frauen-] Kleidung, Bildung, Erziehung, Musik, Medizin, Alltagsleben [Arbeit, Ernährung], Kunst [hellenistisch-iranische Strömungen 3.-1. Jahrhundert v.Chr., "ausgebildete parthische Kunst" 1.-3. Jahrhundert n.Chr. mit Felsbildern, Wandmalereien, Mosaik- und Reliefkunst, Skulptur und Plastik, Schmuck, Gebrauchskunst]). Ausfluss von Kultur war nicht zuletzt die Vielfalt der Religionen im Partherreich (Zoroastrismus, "hellenistische/parthische Tyche", Mithraskult, Judentum, Christentum [Apostel Thomas, Edessa], Manichäismus). IV. Das Sasanidenreich als letztes altorientalisches Reich übernahm vieles aus dem Partherreich (Kunst, Bekleidung/Mode, Herrschaftsrepräsentation), die schwere parthische Kataphraktenreiterei diente dem römischen Heer als Vorbild, stilprägend bis in die islamische Zeit war u.a. die parthische Iwan- und Kuppelarchitektur, parthische Stilrichtungen (Frontalität, Statik) flossen ein in die christlich-byzantinische Kunst. [Buhlmann, 03.2016]

Elm, Kaspar (1978), Westfälisches Zisterziensertum und spätmittelalterliche Reformbewegung, in: WZ 128 (1978), S.9-32 > Z Zisterzienser

Engelberg, Ernst (1985), Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer, Berlin 1985, 839 S., Schwarzweißabbildungen, DM 48,-. Geschildert wird das Leben Ottos von Bismarck (*1815-†1898) von Geburt, Schule und Studium (Vater: Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck, Mutter: Luise Wilhelmine Mencken; Plamannsche Erziehungsanstalt in Berlin, Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster 1830/32; Jurastudium in Göttingen 1832/35; Militärdienst 1838) über die Zeit als hinterpommerscher Gutsherr und die Heirat mit Johanna von Puttkamer (1847; Ehe, drei Kinder) zum konservativen Politiker (politische Anfänge 1843/44, Abgeordnter im Vereinigten Landtag 1847, Abgeordneter der 2. Kammer des preußischen Landtags 1849, preußischer Gesandter am Frankfurter Bundestag des Deutschen Bundes 1851, preußischer Gesandter in St. Petersburg 1859). Die preußische Politik gestaltete Bismarck mit seiner Berufung zum preußischen Ministerpräsidenten (1862; Verfassungskonflikt 1863/66; Deutsch-Dänischer Krieg 1864; Deutscher Krieg und Schlacht bei Königgrätz 1866); sie gipfelte im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), in der Reichsgründung von Versailles (1871) sowie im Frieden von Frankfurt (1871). [Buhlmann, 06.2015]

Engels, Johannes (2006), Philipp II. und Alexander der Große (= Geschichte kompakt. Antike), Darmstadt 2006 > A Alexander der Große

Engler, Michael (1993), Spuren der Geschichte in Schleswig-Holstein (mit Texten von Claus Ahrens), Neumünster 1993, 144 S., Fotoband, DM 68,-. In den Landschaften (Nordseeküste und Inseln, Mittelrücken, östliches Hügelland) des Bundeslandes Schleswig-Holstein, Bundesrepublik Deutschland, haben sich bis heute sichtbare vor- und frühgeschichtliche Bodendenkmale erhalten. Beginnend bei den Großsteingräbern der Stein- und Bronzezeit ("Hünengräber" der Jungsteinzeit, d.h. der Megalith- oder Trichterbecherkultur bzw. der Schnurkeramik [Dolmen, Ganggräber wie der Denghoog, einfache Grabhügel und Einzelgräber], große Grabhügel [wie in Grünhof-Tesperhude] und Grabhügel[gruppen] der älteren Bronzezeit [mit Baumsärgen], Grabhügel[gruppen] der jüngeren Bronzezeit [über Leichenbrand]) zieht sich die Geschichte der Bodendenkmäler über die eisenzeitlichen Urnengräberfriedhöfe der jeweils fünf Jahrhunderte v.Chr. und n.Chr., Opferplätze (Thorberger Moor, Rotes Maaß) und kultische Anlagen (Archsumburg, Tinnumburg) bis hin zu den Warften und Wohnhügeln des 5./6. Jahrhunderts n.Chr. (Tosting, Firstklent). Mit dem Einsetzen schriftlicher Überlieferung im frühen Mittelalter werden die Abwanderung von Angeln und Sachsen (5./6. Jahrhundert), die Einwanderung von Friesen (7./8. Jahrhundert), das Vordringen slawischer Stämme u.a. gegen die nordalbingischen Sachsen (7./8. Jahrhundert), schließlich ein Vordringen von Dänen (9. Jahrhundert) erkennbar (Schlacht bei Börnhoved 798, fränkische Befestigungen als limes Saxoniae). Frühmittelalterliche Burganlagen als Ringwälle entstanden zum Schutz der sächsischen, friesischen und slawischen Einwohner (sächsische Burgen: Borgdorf, Einfeld, Hitzhausen, Willenscharen; friesische Befestigungen: Lembecksburg, Tinnumburg; slawische Burgen: Oldenburg, Olsburg); auch frühmittelalterliche (friesische) Friedhöfe können ausgemacht werden. In Zusammenhang mit der Ausbildung des dänischen Königreichs stehen das Verteidigungssystem des Danewerks (8./9. Jahrhundert) und die Wikinger- und Handelsstadt Haithabu (8.-11. Jahrhundert). An Verkehrsverbindungen der damaligen (und auch vor- und frühgeschichtlichen) Zeit sind der in nord-südlicher Richtung verlaufende Ochsenweg und die West-Ost-Verbindung der Salzstraße zu nennen, ebenso Verbindungen auf dem Wasser oder kombinierte Wasser-Land-Strecken (Schlei-Haithabu-Hollingstedt-Eider). Das hohe Mittelalter sah "Motten" (mit Vorburgen; ostholsteinische Kolonisation) und die Hoch-/Wölbäcker der damaligen agrarischen Wirtschaft. [Buhlmann, 02.2017]

Englert, Siegfried (1990), Der Dom zu Worms, Worms 1990 > J Jürgensmeier, Bistum Worms

Ennodius, Magnus Felix, Heiligenviten. Epiphanius von Pavia / Antonius von Lerins. Lateinisch und deutsch, hg. u. übers. v. Frank M. Ausbüttel (= TzF 109), Darmstadt 2016, 184 S., € 29,95 > Lateinische Literatur > E Ennodius

Enzyklopädie der Weltkunst als Taschenbuchausgabe der Reihe "Kunst im Bild". Die Reihe betrachtet Kunst (Architektur, Skulptur, Malerei) nach Epochen und Kulturen gegliedert. Die einzelnen Bände lauten: Bd.1: Westendorf, Wolfhart (1979), Das Alte Ägypten, München 1979, 316 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.2: Du Ry, Carel J. (1979), Völker des Alten Orients, München 1979, 287 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.3: Hafner, German ([1979]), Kreta und Hellas, München [1979], 286 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.4: Hafner, German ([1979]), Athen und Rom, München [1979], 287 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.6: Backes, Magnus (1979), Die Geburt Europas, München 1979, 285 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.8: Du Ry, Carel J. (1980), Die Welt des Islam, München 1980, 301 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.9: Souchal, Francois (1980), Das hohe Mittelalter, München 1980, 287 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.11: Wolf, Robert E. (1980), Geburt der Neuzeit, München 1980, 317 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.14: Schug, Albert (1980), Erlebnis der Gegenwart, München 1980, 287 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.15: Anton, Ferdinand (1980), Das alte Amerika, München 1980, 286 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.16: Trowell, Margaret, Nevermann, Hans (1981), Afrika und Ozeanien, München 1981, 286 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.17: Münsterberg, Hugo (1981), Der Ferne Osten, München 1981, 271 S., Abbildungen, DM 2,-. [Buhlmann, 04.2017]

Enzyklopädie deutscher Geschichte ist eine Reihe mit kompakt gestalteten Überblicksdarstellungen zu Fragen deutscher (politischer, Kultur-, Sozial-, Wirtschafts-) Geschichte, gegliedert jeweils in einen allgemeinen, Forschungs- sowie Quellen- und Literaturteil. U.a. sind bisher erschienen: EdG 26: Kaiser, Reinhold (1993), Das römische Erbe und das Merowingerreich, München 1993 > M Merowinger; EdG 32: Paravacini, Werner (1994), Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, München 1994 > A Adel; EdG 35: Schubert, Ernst (1996), Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter, München 1996 > A Adel; EdG 72: Hechberger, Werner (2004), Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter, München 2004 > A Adel. [Buhlmann, 07.2016]

Epperlein, Siegfried (1971), Karl der Große. Eine Biographie, Berlin 61976 > K Karl der Große

Epperlein, Siegfried (1993), Waldnutzung, Waldstreitigkeiten und Waldschutz in Deutschland im hohen Mittelalter (= VSWG, Beih.109), Stuttgart 1993, 108 S., DM 24,-. Der Wald hatte für das Dasein der Menschen im Mittelalter eine überragende Bedeutung; seine wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten waren vielfältig, daneben mussten Wälder gerade im frühen Mittelalter gerodet und ehemalige Waldflächen der bäuerlichen Land- und Viehwirtschaft zugeführt werden. Schon im frühen Mittelalter gab es daher eine differenzierte Sicht auf den Wald: der Wald als Rodungshemmnis u.a. gegen den Wald als Raum für die Schweinemast ("Mastbäume" Eiche und Buche) oder den Wald zur Gewinnung von Bau- und Brennholz. Diese ambivalente Sichtweise sollte sich im Verlauf des Mittelalters noch verstärken, zumal Rodungen und (gelenkter) Landesausbau den Wald immer mehr zurückdrängten, was auch eine Beschränkung der Viehwirtschaft (Rinder, Schweine) bei Änderung von Mikroklimaten und Verstärkung der Bodenerosion mit sich brachte. Die Gefahren des Raubbaus am (durch die Bevölkerungsentwicklung beträchtlich verkleinerten) Wald verstärkten sich noch durch die von mittelalterlicher Wirtschaft und entstehenden Städten in die Höhe getriebene Nachfrage nach Holz. Dies betraf insbesondere die holz- und energieintensiven Wirtschaftssparten des Bergbaus und Hüttenwesens sowie der Salzgewinnung ("vorindustrielle Holzknappheit", Holzhandel, Aufforstungen). Streitigkeiten um Wald sind - gerade im Bereich des Altsiedellandes (im Gegensatz zu den ostelbischen Kolonisationsgebieten) - ab dem hohen Mittelalter bezeugt. Kloster und Bauern, (Territorial-, Orts-, Grund-) Herrschaft und Abhängige standen sich hier gegenüber, gerade wenn es um Waldnutzungsrechte (Forst, Rodungszehnte, Allmende) ging. Eine Wurzel der sich seit dem Hochmittelalter ausbildenden Dorfgemeinde (communitas, universitas) als genossenschaftlicher Zusammenschluss der Dorfbewohner ist im gemeinsamen Interesse an der Waldnutzung zu finden (Markgenossenschaften, "Allmendekorporationen") zu finden. Im späteren Mittelalter steht der Schutz des Waldes gleichberechtigt neben dessen Rodung und Nutzung (klösterliche Waldordnungen, Weistümer, Stadtrechte, landesherrliche Anordnungen). [Buhlmann, 10.2015]

Erben, Dietrich (2008), Die Kunst des Barock (= BSR 2557), München 2008, 128 S., € 8,95. Die europäische Barockkunst schließt nahtlos an die Kunst von Renaissance und Mainierismus an; ihre Anfänge liegen in Rom an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, mit der Kunst des Rokoko endet der Barock nach der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Kunst des Barock (von portugiesisch/spanisch/italienisch barocco für "verkümmerte Perle/verkümmerter Edelstein") war europa- bis weltweit (Nord- uns Südamerika) vertreten (Caravaggisten, Palladianisten) sowie konfessionsübergreifend (Konfessionskulturen), sie umfasste Malerei (Stillleben, Landschaftsmalerei, Porträt, Genre, Historie als Gattungen), Skulptur, Architektur (Kirchenbau, Villen, Bibliothelen) und Stadtplanung (Rom), war auch Thema kunsttheoretischer Überlegungen (Rhetorik, Kunstwerk und Realität). Barockkunst stand im Dienste der Staats- und Herrschaftsrepräsentation (Titelblatt des "Leviathan" von Thomas Hobbs [1651], fürstliche Macht und Bürgertum, Panegyrik, Medallien, Emblematik, Schloss Versailles, Wiener Karlskirche als Staatskirche), sie war historisch (Bild und Bildung/Wissen, Gegenwart der Vergangenheit, Bildmedien der Gegenwart) und "emblematisch" (Embleme als systematische Zusammenführung von Bild und Text). Das aus Frankreich stammende Rokoko (von französisch rocaille für Muschel- oder Steineinlagen in künstlichen Grotten bzw. für eine künstliche Muschelornamentik) entstand 1717/36 (Bild eines "galanten Festes" von Antoine Watteau [1717], style rocaille [1736]), um die bzw. ab der Mitte des 18. Jahrhunderts kam es im Zuge der Aufklärung zur Kritik an der Barockkunst, die vielfach musealisiert wurde und ihr Ende fand. Dem Barock folgte der Klassizismus, die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts definierte den Barockbegriff, neobarocke Tendenzen in der Kunst sind im 19. und 20. Jahrhundert feststellbar. [Buhlmann, 07.2012]

Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, hg. v. Heinrich Beck, Sebastian Brather, Dieter Geuenich, Wilhelm Heizmann, Steffen Patzold, Heiko Steuer ist eine Monographienreihe zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde.
U.a. sind bisher erschienen: RGA Ergbd.83 (2014): Sauckel, Anita, Die literarische Funktion von Kleidung in den Íslendigasogur und Íslendingapþættir, Berlin-Boston 2014, X, 223 S., € 99,95: Die altwestnordischen Sagasammlungen von Íslendigasogur und Íslendingapþættir, verschriftlicht seit dem 13. Jahrhundert, haben Geschehnisse aus der isländischen Sagazeit (9. Jahrhundert, 3. Drittel - 11. Jahrhundert, 1. Drittel) zum Inhalt. Sie sind nicht historisch, haben aber einen gesellschaftlichen und kulturhistorischen Wirklichkeitshintergrund. Insofern kommt den kulturgeschichtlichen Aussagen der Sammlungen eine besondere Rolle zu. Dies betrifft gerade auch die in den Sagas auftretenden Belegstellen zur Kleidung der Protagonisten. Die "Sprache der Kleidung" war kein literarisches Beiwerk in den Sagas, sondern Kleidung diente der sozialen Differenzierung (sozialer Status) innerhalb der Saga-Gesellschaft (exklusive Kleidung als Zurschaustellung einer sozialen Rolle: soziale Distinktion, Oberschicht, Reichtum, Heldentopik; Männer- und Frauenkleidung: Distinktion der Geschlechter; Kleidung und Emotionen, Kleidung als Veranschaulichung emotionalen Handelns: aggressives, kriegerischen Verhalten, Verliebheit und Liebe, Trauer und Freude). RGA Ergbd.95 (2015): Egeler, Matthias, Avalon, 66° Nord. Zu Frühgeschichte und Rezeption eines Mythos, Berlin-Boston 2015, IX, 590 S., € 129,95; Der mittelalterliche altwestnordisch-isländische Mythos um Ódáinsakr ("Unsterblichkeitsfeld") und Glæsisvellir ("Glanzgefilde") kann - ausgehend von der Thorkillus-Erzälung der Gesta Danorum des dänischen Historiografen Saxo Grammaticus (ca.1200) und dem Mythos um die Insel Avalon beim englischen Geschichtsschreiber Geoffrey von Monmouth (12. Jahrhundert) - kann in Verbindung gebracht werden (archäologisch-religionsgeschichtlich) mit den Schiffsgräbern der Wikingerzeit (transmarine "Anderwelt"), mit einem wahrscheinlich inselkeltischen Ursprung des "Unsterblichkeitsfeldes", mit der christlichen Suche nach dem irdischen Paradies im Westen (Island), (literarisch) mit der wohl erst im Hochmittelalter vollzogenen Übernahme des Mythos um die Insel Avalon ("Insel der Äpfel", "Insel der Seligen" als Anderweltsinsel) aus dem Sagenkreis um König Arthur (inselkeltisch-paganer Mythos -> irisch-christlicher Mythos -> repaganisierter Mythos der isländischen Vorzeitsagas = Mythos um Ódáinsakr und Glæsisvellir als Anderweltsmythos). [Buhlmann, 05.2016]

Ernst, Ulrich, Ridder, Klaus (2003), Kunst und Erinnerung. Memoriale Konzepte in der Erzählliteratur des Mittelalters (= Ordo 8), Köln-Weimar-Wien 2003, XVII, 325 S., € 9,90. I. Mittelalterliche memoria als Erinnerungskultur ist nicht zuletzt auch ein Faktor in der Erzählliteratur des Mittelalters. Dies setzt zunächst menschliches Gedächtnis und die Kunst des Memorierens voraus, die ars memorativa mit ihrem loci-System nach Aristoteles und Cicero, ihrer Transzendierung und Spiritualität nach Albertus Magnus und Bernhard von Clairvaux und ihrer "diesseitigen" funktionalen Konzeption nach Handschriften des 15. Jahrhunderts (Sabine Heimann-Seelbach, Konzeptualisierung von Mnemotechnik im Mittelalter). II. Antike Geschichte als Vorgeschichte zum Mittelalter behandelt der altfranzösische hochmittelalterliche Antikenroman um Troja oder Theben (Udo Schöning, Erinnerte Vergangenheit: Der altfranzösische Antikenroman). III. Zwischen Oralität und Literalität, zwischen Antike und Mittelalter angesiedelt ist das volkssprachliche Heldenepos 'Alexander' des Pfaffen Lambrecht (Barbara Haupt, Altiu maere aus alten zîten. Historische Erinnerung im Spannungsfeld von Oralität und Literalität. Zu Lamprechts 'Alexander'). IV. Ebenso zwischen Oralität und Literalität steht die Fassung *C des Nibelungenliedes (Harald Haferland, Das Gedächtnis des Sängers. Zur Entstehung der Fassung *C des 'Nibelungenliedes'). V. Im höfischen Heldenepos geht es auch um Erinnerung und Vergessen der weiblichen und männlichen Protagonisten, vermittelt über den Körper der Helden bzw. Heldinnen (Katharina Philipowski, Erinnerte Körper, Körper der Erinnerung. Sein und Nicht-Sein in der Dichtung des Mittelalters). VI. Das Ritterepos 'Tristan' des Gottfried von Straßburg zeichnet sich u.a. durch eine "memoriale Struktur" aus (Minnegrotte als Gedächtnis, Tristan und Isolde als Memorialgemeinschaft) (Waldtraud Fritsch-Rößler, Multiple Memorialisierung in Gottfrieds von Straßburg 'Tristan'). VII. Die tumpheit führt Rennewart im 'Willehalm' Wolframs von Eschenbach in das Vergessen und die "Selbstvergessenheit des Kriegers" (Martin Przybilski, Die Selbstvergessenheit des Kriegers. Rennewart in Wolframs 'Willehalm'). VIII. Historiografie, Heiligenmemoria und Fürstenspiegel bilden memoriale Elemente im 'Willehalm' Wolframs von Eschenbach (Jürgen Wolf, Wolframs 'Willehalm' zwischen höfischer Literatur und Memorialkultur). IX. Memoria in der mittelalterlichen Hagiografie ist ein Abbild der Liturgie des christlichen Gottesdienstes (Edith Feistner, Imitatio als Funktion der Memoria. Zur Selbstreferentialität des religiösen Gedächtnisses in der Hagiographie des Mittelalters). X. Für den Zisterzienser Bernhard von Clairvaux ist memoria eingebunden in die Abkehr von der Sündhaftigkeit des Menschen und in dessen Liebe zu Gott und den Nächsten (Wendelin Knoch, Selbsterkenntnis und Selbstvergessen im Spiegel des Gotteswortes - Bernhard von Clairvaux). XI. Autobiografische Kindheitserinnerung geistlicher Autoren wie Guibert de Nogent betont u.a. die Kindheit als eine wichtige Phase menschlichen Lebens (Friedrich Wolfzettel, Kindheit, Erinnerung und geistige Berufung). [Buhlmann, 01.2013]

Ertl, Thomas (2010), Alle Wege führten nach Rom. Italien als Zentrum der mittelalterlichen Welt, Ostfildern 2010, 304 S., Schwarzweißabbildungen, € 24,90. Dank seiner geografischen Lage zwischen westlichem und östlichem Mittelmeer, zwischen West- und Mitteleuropa und Griechenland war das mittelalterliche Italien vielfachen (politischen) Einflüssen von außen ausgesetzt, strahlte aber auch (wirtschaftlich, kulturell) nach außen aus. Politisch war Italien das ganze Mittelalter hindurch zerrissen: Zum Franken- und deutschen Reich gehörte Norditalien (Reichsitalien), Süditalien war byzantinisch, arabisch, normannisch (Normannenreich Sizilien), in Mittelitalien gab es den Kirchenstaat (patrimonium Petri); im späten Mittelalter konkurrierten mächtige norditalienische Stadtstaaten und Herzogtümer (Mailand, Florenz, Venedig) miteinander, bis am Ende des Mittelalters Italien von den Kriegen zwischer der Habsburgermonarchie und Frankreich wiederholt heimgesucht wurde (Sacco di Roma 1527). Schon seit dem 9. Jahrhundert ist ein Überseehandel italienischer Städte feststellbar (Amalfi), das Zeitalter der Kreuzzüge (1096-1291) brachte den wirtschaftlich-politischen Aufstieg von Venedig und Genua und die Ausbildung von Kolonialreichen der beiden Städte im östlichen Mittelmeer im Gefolge des 4. Kreuzzuges (1202-1204). Das hohe Mittelalter sah auch die Emanzipation der norditalienischen Städte vom deutschen König und Kaiser (Stauferherrscher Friedrich I., Friedrich II.). Hier entstanden fortgeschrittene Handelsstrukturen (Bankenwesen, Handelsgesellschaften, Märkte), die "Weltwirtschaft" des lateinisch-katholischen Europa war auf Italien ausgerichtet (deutscher Handel mit Venedig [Fondaco dei Tedeschi], Deutsche in Rom [Campo Santo Teutonico], deutsche Einwanderung nach Italien [etwa als Bäcker oder Drucker]). Umgekehrt handelten italienische Kaufleute auf den Champagnemessen oder in Brügge. Rom war schließlich das Zentrum der katholischen Kirche, Papsttum und römische Kurie praktizierten neue Verwaltungstechniken, die Stadt Rom war Ziel von Pilgern aus ganz Europa. Geistliche Orden wie das benediktinische Mönchtum (Benedikt von Nursia) oder die Franziskaner (Franziskus von Assisi) hatten auf der Apenninhalbinsel ihren Ursprung, während Norditalien im hohen Mittelalter zu einem Zentrum für Häretiker (Katharer, Waldenser) wurde. Eng verbunden war die verwaltete Kirche seit dem 12. Jahrhundert (Rechtsschule und Universität von Bologna) mit der Ausbildung des römischen und kirchlich-kanonischen Rechts, das im späten Mittelalter zu einem europäischen Recht wurde. Am Ende des Mittelalters prägten Renaissance und Humanismus das Italien nicht nur der Fürstenhöfe (Francesco Petrarca; Malerei, Architektur, Geschichtsschreibung, Philosophie) und strahlten auf die benachbarten Länder aus. In der frühen Neuzeit endete die kulturelle und wirtschaftliche Vorrangstellung Italiens. [Buhlmann, 06.2011]

Ertmer, Dorothee (1994), Studien zur althochdeutschen und altsächsischen Juvencusglossierung (= StAhd 26), Göttingen 1994 > S Studien zum Althochdeutschen

Esch, Arnold (2010), Wahre Geschichten aus dem Mittelalter. Kleine Schicksale selbst erzählt in Schreiben an den Papst (= BSR 6040), München 2012, 223 S., Schwarzweißabbildungen, € 12,95. Taten und Sünden von christlichen Gläubigen gingen im späten Mittelalter die katholische Kirche und das Papsttum an. Unter einem Großpönitentiar entstand an der römischen Kurie die Sacra Poenitentiaria Apostolica als päpstliches "Buß- und Gnadenamt", die Bittgesuche von Geistlichen und Laien (Petenten) bearbeitete (Geschäftsgang der Behörde), entschied (fiat in forma, fiat de speciali, Ausfertigung und Aushändigung von litterae als Dispenz oder Lizenz) und in nach Inhalten geordnete Supplikenresgister eintrug. Diese Supplikenregister hier der Amtszeiten der Päpste Eugen IV. (1431-1447) bis Alexander VI. (1492-1503) enthalten rund 33000 kirchliche Rechtsfälle aus dem Bereich der deutschen Landesherrschaften, die zumeist Einzelschicksale von "kleinen" Leuten in der spätmittelalterlichen Ständegesellschaft beleuchten. Zur Sprache kommen darin: Lebensverläufe von der Kindheit bis zum Tod; Stadt, Schule, Universität, Hinrichtungen; Geistlichkeit und Mönchtum; Krieg; Wirtshäuser, Glücksspiel und Trunkenheit; Landleben und Dorf; Fremdsein, Reisen und Pilgern; "große" Geschichte und "kleine" Schicksale. [Buhlmann, 07.2013]

Eschbach, Peter (1903), Zur Baugeschichte der Hohenstaufenpfalz Kaiserswerth, in: DJb 18 (1903), S.156-164 > K Kaiserswerth

Essen im Mittelalter: I. Die Anfänge Essens reichen bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts zurück, als um diese Zeit das Essener Frauenstift gegründet wurde. Doch haben damals sehr wahrscheinlich (Vorgänger-?) Siedlungen in Essen bestanden, die bis ins 6./7. Jahrhundert zurückreichen sollen. Auch weist der Ortsname "Essen" - was soviel wie "Gegend nach Osten" bedeuten soll - auf eine frühmittelalterliche Grundherrschaft hin, deren Mittelpunkt vielleicht in Altenessen zu suchen ist. Man wird die Grundherrschaft um Altenessen mit dem umfangreichen Erbbesitz der Stiftsgründer Gerswid (†v.864) und Altfrid (†874) in Verbindung bringen können. Dieser Erbbesitz war der Grundstock für die Grundherrschaft der Essener Frauengemeinschaft mit den Haupthöfen Viehof und Eickenscheid und vielen Hofverbänden (einschließlich der über 1000 abhängigen Bauernhufen), die - zumeist als Streubesitz - sowohl in der Nähe lagen, als auch weiter entfernt (Niederlande, Westfalen, Rur-Erft-Raum, Breisig). Die Erträge der Grundherrschaft sicherten dabei die Existenz der geistlichen Gemeinschaft, die in ihrer Blütezeit immerhin bis zu 50 Sanktimonialen und 20 Kanonikern im Kapitel Platz bieten mochte. II. Die günstige Entwicklung der Essener Frauengemeinschaft wäre ohne die Unterstützung ostfränkisch-deutscher Könige kaum denkbar gewesen. Seit dem 10. Jahrhundert stellt sich die Gemeinschaft religiöser Frauen als ein unter Königsschutz stehendes und mit Immunität begabtes kirchliches Institut dar. Die Äbtissin war Immunitätsherrin und ernannte in dieser Eigenschaft den Vogt als öffentlichen Richter für die Kommunität und deren Besitz. Die Verfügung über den Zoll und die Einrichtung eines Jahrmarktes (1041) stärkten die Gemeinschaft ebenso wie der Besitz des Kirchenzehnten zwischen Ruhr und Emscher, Leithebach und Oberhausener Gebiet oder die Unterstellung unter die päpstliche Gerichtsbarkeit. Aus der geistlichen Gemeinschaft wurde im Verlauf des Hochmittelalters ein "freiweltliches Reichsstift" (ecclesia secularis), und die guten Verbindungen zum Königtum fanden nicht zuletzt in den verwandtschaftlichen Beziehungen der Essener Äbtissinnen Mathilde (971-1011) und Theophanu (1039-1058) zu den ottonisch-sächsischen Königen ihre Entsprechung. Die gestiegene Bedeutung der Frauengemeinschaft offenbarte sich auch in der Bautätigkeit besonders des 10. und 11. Jahrhunderts (Brand des Stifts [ca.944/46], Neubau der den Heiligen Cosmas und Damian geweihten Stiftskirche, Westwerk mit vorgelagertem Atrium [10. Jahrhundert], Neubau des Münsters [11. Jahrhundert, Mitte], Brand der Münsterkirche [1275] und Neubau als gotische Hallenkirche; spätromanischer Kreuzgang und Friedhof an der Kirche; Residenz der Äbtissin östlich des Münsters [ca.1300]; über das Atrium mit dem Essener Dom verbundene Johanneskirche als Taufkapelle, Neu- bzw. Umbau [1471]; dem Münster benachbarte Quintinuskapelle [11. Jahrhundert]). Hinzuweisen ist schließlich noch auf den bedeutenden Münsterschatz mit wichtigen Kunstwerken aus ottonischer Zeit (Vortragekreuze wie älteres Mathildenkreuz und Theophanukreuz, Lilienkrone, Evangeliar der Theophanu, siebenarmiger Leuchter, Kreuzsäule) und auf das älteste vollplastische Marienbild im Abendland, die Goldene Madonna (ca.980). III. Der Gebäudekomplex rund um das Münster war Teil der sog. (Stifts-) Immunität oder Freiheit, also jenes wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts befestigten Areals, das als eigener Rechtsbezirk von Frauengemeinschaft und Äbtissin zu gelten hat. Außerhalb der Immunität lag die um die Mitte des 11. Jahrhunderts erstmals erwähnte Kirche St. Gertrud, die heutige Marktkirche. Sie verweist wieder auf die wirtschaftlichen Aktivitäten der Frauenkommunität und seiner Anwohner. Schon im 11. Jahrhundert muss von einer Marktsiedlung an Limbecker Straße, Markt und Flachsmarkt ausgegangen werden. Im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts häufen sich Hinweise auf Ministeriale, also Dienstleute der Äbtissin, und Wachszinsige, gehobene Abhängige der Essener Grundherrschaft, die im Stadtwerdungsprozess Essens eine wichtige Rolle spielten. Ministerialität und eine sich vielleicht seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts herausbildende Bürgerschaft sind auch die wesentlichen verfassungsrechtlichen Komponenten in der so genannten Mauerbau-Urkunde von 1244. Beim Beschluss, die bis dahin unbefestigte Siedlung rund um das Stift mit Wall und Graben zu versehen, wirkten nämlich auch und gerade die Bürger mit, denen die Lasten des Mauerbaus und die Verantwortung für die Verteidigung der Stadt auferlegt wurden. Gleichzeitig verabschiedete sich die stiftische Ministerialität aus der Stadt; ihre Interessen lagen auf die Dauer außerhalb, in der ländlichen Umgebung Essens. Und so bildete sich schon bald die Gesamtheit der Essener Bürgerschaft heraus, die im für die städtische Politik wichtigsten Beschlussorgan, dem Rat, ihre Vertretung fand. Im 13. Jahrhundert begann so die Trennung von Stift und Stadt Essen. Die Ummauerung führte zu einer nierenförmigen Stadtbefestigung, die eine - gemessen an der Einwohnerzahl von rund 3500 Einwohnern - zu große Fläche von rund 37 ha umschloss. Die Stadtmauer hatte vier Tore (Viehofer, Steeler, Kettwiger. Limbecker Tor, wahrscheinlich noch um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut und am Anfang des 15. durch Vortore verstärkt). In die Ummauerung mit einbezogen war auch die Stiftsimmunität; der Mauer vorgelagert war ein System von Gräben unter Einbeziehung der Berne und des Limbecker Bachs. IV. Parallel zur Ausbildung der Stadt verdichteten sich Rechte und Besitz des Stiftes in der Essener Umgebung zur Landesherrschaft der Äbtissin. Doch blieb diese im Verhältnis zur Stadt einerseits und zu den Stiftsvögten andererseits nicht unumstritten. Das 13. Jahrhundert ist bzgl. der so genannten Essener Vogteifrage von großer Wichtigkeit. Es ging hierbei um freie Vogtwahl und Reduzierung der Vogteirechte auf der einen, um Erblichkeit der Vogtei und Kompetenzerweiterung bei gleichzeitigem Kampf niederrheinischer Fürsten um die Vogtei auf der anderen Seite. Nun erlangte zwar die Äbtissin den Status einer Reichsfürstin (Urkunde König Heinrichs (VII.) 1228), doch war ihre Herrschaft durch mächtige Vögte bedroht (Graf Friedrich von Altena-Isenburg, Kölner Erzbischöfe). Nach der Schlacht bei Worringen (1288) fiel die Vogtei an die Grafen von der Mark und verblieb auf Grund eines Vogteivertrages (1308) dort, dann beim Herzogtum Kleve-Mark (Erbvereinigung des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark 1398). Versuche der Kölner Erzbischöfe, im Rahmen des kölnisch-klevischen Gegensatzes die Essener Vogtei wiederzugewinnen, scheiterten im 1. Äbtissinnenstreit (1290-1309) und mussten spätestens mit der für das Erzstift unglücklich verlaufenden Soester Fehde (1445-1449) endgültig aufgegeben werden. Streitigkeiten innerhalb des Hauses Kleve-Mark (1423-1429) und der damit verbundene 2. Äbtissinnenstreit (1426-1429) belasteten Stift und Stadt Essen ebenfalls. Die Stifts- und Landesherrin hatte es dabei aber immerhin verstanden, ihr Territorium und anfangs auch die Verfügung über Stadt, Gerichtsgewalt und Münze zu behaupten. Das Essener Mittelalter fand ereignisgeschichtlich seinen Abschluss im 3. Äbtissinnenstreit (1489-1504), ausgelöst durch eine Doppelwahl im Stiftskapitel. Damit einher ging der Erbvogteivertrag mit dem Herzogtum Kleve-Mark (1495), der endgültig die politische Abhängigkeit des kleinen Essener Territoriums von seinem mächtigen Nachbarn besiegelte. V. Das Verhältnis von Stadt und Äbtissin war im Verlauf des 14. Jahrhunderts einem starken Wandel unterworfen. Die Weigerung der Stadt, der Äbtissin Katharina von der Mark (1337-1360) zu huldigen, und der Ausschluss des stiftischen Stadtrichters, des Schultheißen vom Viehof, bildeten dabei den Auftakt. Eine Stärkung der städtischen Ratsverfassung brachten zudem der Ausbau einer selbstständigen Verwaltung und die Etablierung zweier Bürgermeister. Der Konflikt zwischen Stift und Stadt eskalierte und konnte erst im sog. Großen Schied (1399) durch einen Kompromiss beigelegt werden, der für die Stadt eine weitgehend innere Autonomie bei gleichzeitiger Anerkennung der Äbtissin als Landesherrin bedeutete. Trotzdem blieb der Status der Stadt im Territorium der Essener Äbtissin weiterhin ungeklärt ("Goldene Bulle" Kaiser Karls IV. 1357, Reichsunmittelbarkeit der Stadt 1377). VI. Im Mauerring der nicht allzu stark bebauten Stadt gab es sicher Platz für agrarische Aktivitäten (Gärten); auch besaßen viele Bürger Äcker und Gärten außerhalb der Stadtbefestigung. Was Handel und Handwerk anbetrifft, so fallen zunächst die gegen Ende des 14. Jahrhunderts wieder nachweisbaren Juden auf, die in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts im Judenhof ghettoisiert wurden. Seit dem 14. Jahrhundert treten verstärkt Wollweber und Tuchscherer in Erscheinung; auch war der Handel mit Eisen wichtig geworden. 1470 sind zum ersten Mal Büchsenmacher belegt (Waffenherstellung als Essener Exportgewerbe). Zuletzt sei noch des Stifts gedacht als eine "freiweltliche" Gemeinschaft von 10 bis 13 Stiftsdamen, als ein "Versorgungsinstitut" für hochadlige Frauen, die über Pfründen, Privateigentum und eigene Häuser in der Stadt verfügten; hinzu kamen die Kanoniker, die spätestens seit dem Ende des 13. Jahrhunderts zusammen mit den Stiftsdamen die Äbtissin wählten. Stift und Stadt behaupteten dabei ihre lokale Selbstständigkeit, bis im Jahre 1803 die Frauengemeinschaft säkularisiert wurde.
Zur Geschichte von Stift und Stadt Essen im Mittelalter vgl.: Bettecken, Winfried (1988), Stift und Stadt Essen. "Coenobium Astnide" und Siedlungsentwicklung bis 1244 (= QuS 2), Münster 1988, XXXIII, 227 S., DM 48,-; Bettecken, Winfried (1989), Von der Stiftsmauer zur Stadtmauer. Zur Siedlungsentwicklung in Essen bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, in: MaH 43 (1989), S.33-61; Buhlmann, Michael (2001), Essen und Werden: Zu den Anfängen und zur mittelalterlichen Geschichte zweier geistlicher Gemeinschaften, in: MaH 54 (2001), S.67-128; Buhlmann, Michael (2001/15), Essen und Werden - Anfänge, Geschichte und Beziehungen zweier geistlicher Gemeinschaften im Mittelalter (= SGE 1), Essen 2015 > B Buhlmann, Werden und Essen; Buhlmann, Michael (2011/15), Essen und Gerresheim - Äbtissinnen und Stiftsfrauen an zwei Frauengemeinschaften des Mittelalters und der frühen Neuzeit (= SGE 2), Essen 2015 > B > Buhlmann, Essen und Gerresheim; SGE 4 (2016): Buhlmann, Michael (2016), Frauengemeinschaft Essen im Mittelalter - Geschichte und Genealogie, Essen 2016 > Buhlmann, Frauengemeinschaft Essen; Falk, Birgitta (Hg.) (2009), Der Essener Domschatz, Essen 2009, 343 S., Farbabbildungen, € 8,95; Gerchow, Jan (Hg.) (1995), Die Mauer der Stadt. Essen vor der Industrie 1244 bis 1865 (= Ausstellungskatalog), Bottrop-Essen 1995, 123 S., Abbildungen, Karten, € 8,-; Ribbeck, Konrad (1915), Geschichte der Stadt Essen [Tl.1], Essen 1915, IV, 505 S., Wappentafel, Stadtansicht, DM 100,-; Wisplinghoff, Erich (1989/90), Untersuchungen zur frühen Geschichte von Stift und Stadt Essen, in: EB 103 (1989/90), S.53-67. > S Schriften zur Geschichte Essens [Buhlmann, 11.1999, 11.2001, 09.2015, 06.2016]

Essener Forschungen zum Frauenstift beleuchten verdienstvoll und kompetent die Rolle von geistlichen Frauengemeinschaften als Teil der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Frauengeschichte. Bd.1 (2002): Herrschaft, Liturgie und Raum. Studien zur mittelalterlichen Geschichte des Frauenstifts Essen, hg. v. Katrinette Bodarwé, Jan Gerchow, Essen 2002, 159 S., € 19,90, beschäftigt sich mit einigen Grundkonstanten mittelalterlicher Frauenstifte, der Rolle des Königtums (sächsische Frauenstifte und Klöster), Stiftsgründung (Elten), Stift und Stadt (Essen). Bd.2 (2003): Essen und die sächsischen Frauenstifte im Frühmittelalter, hg. v. Jan Gerchow, Thomas Schilp, Essen 2003, 280 S., € 22,90, beinhaltet Aufsätze zu Königtum, Kult, Liturgie, Stifts- und Klostergebäuden. Bd.3 (2004): Reform - Reformation - Säkularisation. Frauenstifte in Krisenzeiten, hg. v. Thomas Schilp, Essen 2004, 264 S., € 22,90, behandelt die Themen: Reform (sächsische Frauenstifte und hochmittelalterliche Kirchenreform, Frauenstift Essen im 13. Jahrhundert), Reformation (Nürnberger Clarissenkloster St. Clara, Frauenstift Wetter bei Marburg), Säkularisation (Stift Essen). Bd.4 (2006): Gandersheim und Essen. Vergleichende Untersuchungen zu sächsischen Frauenstiften, hg. v. Martin Hoernes, Hedwig Röckelein, Essen 2006, 256 S., € 22,90, beschäftigt sich mit den Stiftsgründungen in Essen, Gandersheim und Quedlinburg sowie mit der Gandersheimer Geschichte. Bd.5 (2007): ... wie das Gold den Augen leuchtet. Schätze aus dem Essener Frauenstift, hg. v. Birgitta Falk, Thomas Schilp, Michael Schlagheck, Essen 2007, 316 S., € 24,95, geht ein auf den Essener Kirchenschatz und behandelt u.a.: Kunstwerke und Liturgie, Stiftungen und Totengedenken, Goldene Madonna, Relquiare, siebenarmiger Leuchter, Agraffen, Glocken. Die Ausführungen in Bd.6 (2008): Pro remedio et salute anime peragemus. Totengedenken am Frauenstift Essen im Mittelalter, hg. v. Thomas Schilp, Essen 2008, 313 S., € 24,95, kreisen um Totengedenken (Memoria) und kulturelles Gedächtnis. Liturgie und Erinnerung, Stiftungspraxis, Stifter(innen)bilder, Selbstvergewisserung am Frauenstift Essen. In Bd.7 (2009): Frauenstifte, Frauenklöster und ihre Pfarreien, hg. v. Martin Hoernes, Hedwig Röckelein, Essen 2009, 260 S., € 24,95, geht es um das Verhältnis von Pfarreien und Frauengemeinschaften als Inhabern von Pfarrrechten in Seelsorge, Kunst und Architektur, beispielhaft dargestellt an Essen, Gandersheim, Itzehoe, Medingen und Nürnberg sowie an Taufsteinen in Kirchen von Frauengemeinschaften. Bd.8 (2010): Frauenkonvente im Zeitalter der Konfessionalisierung, hg. v. Ute Küppers-Braun, Thomas Schilp, Essen 2010, 197 S., € 24,95, behandelt die Reichsstifte Essen und Quedlinburg, das evangelische Stift Gandersheim, die Frauengemeinschaft Clarenberg bei Dortmund-Hörde als dreikonfessionelles Stift sowie die Lebens- und Wohnverhältnisse westfälischer Frauenstifte im Zeitalter von Reformation und Gegenreformation. [Buhlmann, 02.2011]

Essener Frauenstift: I. Mittelalter: Auf umfangreichen Erbbesitz der Stiftsgründer Gerswid (†v.864) und Altfrid (†874) (Grundherrschaft um Altenessen) entstand um die Mitte des 9. Jahrhunderts die Essener Frauengemeinschaft. Dieser Erbbesitz war der Grundstock für die Grundherrschaft der Essener Frauengemeinschaft mit den Haupthöfen Viehof und Eickenscheid und vielen Hofverbänden (einschließlich der über 1000 abhängigen Bauernhufen), die - zumeist als Streubesitz - sowohl in der Nähe lagen, als auch weiter entfernt (Niederlande, Westfalen, Rur-Erft-Raum, Breisig). Die Erträge der Grundherrschaft sicherten dabei die Existenz der geistlichen Gemeinschaft, die in ihrer Blütezeit immerhin bis zu 50 Sanktimonialen und 20 Kanonikern im Kapitel Platz bieten mochte. Die günstige Entwicklung der Essener Frauengemeinschaft wäre dabei ohne die Unterstützung ostfränkisch-deutscher Könige kaum denkbar gewesen. Seit dem 10. Jahrhundert stellt sich die Gemeinschaft religiöser Frauen als ein unter Königsschutz stehendes und mit Immunität begabtes kirchliches Institut dar. Die Äbtissin war Immunitätsherrin und ernannte in dieser Eigenschaft den Vogt als öffentlichen Richter für die Kommunität und deren Besitz. Die Verfügung über den Zoll und die Einrichtung eines Jahrmarktes (1041) stärkten die Gemeinschaft ebenso wie der Besitz des Kirchenzehnten zwischen Ruhr und Emscher, Leithebach und Oberhausener Gebiet oder die Unterstellung unter die päpstliche Gerichtsbarkeit. Aus der geistlichen Gemeinschaft wurde im Verlauf des Hochmittelalters ein "freiweltliches Reichsstift" (ecclesia secularis), und die guten Verbindungen zum Königtum fanden nicht zuletzt in den verwandtschaftlichen Beziehungen der Essener Äbtissinnen Mathilde (971-1011) und Theophanu (1039-1058) zu den ottonisch-sächsischen Königen ihre Entsprechung. Die gestiegene Bedeutung der Frauengemeinschaft offenbarte sich auch in der Bautätigkeit besonders des 10. und 11. Jahrhunderts (Brand des Stifts [ca.944/46], Neubau der den Heiligen Cosmas und Damian geweihten Stiftskirche, Westwerk mit vorgelagertem Atrium [10. Jahrhundert], Neubau des Münsters [11. Jahrhundert, Mitte], Brand der Münsterkirche [1275] und Neubau als gotische Hallenkirche; spätromanischer Kreuzgang und Friedhof an der Kirche; Residenz der Äbtissin östlich des Münsters [ca.1300]; über das Atrium mit dem Essener Dom verbundene Johanneskirche als Taufkapelle, Neu- bzw. Umbau [1471]; dem Münster benachbarte Quintinuskapelle [11. Jahrhundert]). Hinzuweisen ist schließlich noch auf den bedeutenden Münsterschatz mit wichtigen Kunstwerken aus ottonischer Zeit (Vortragekreuze wie älteres Mathildenkreuz und Theophanukreuz, Lilienkrone, Evangeliar der Theophanu, siebenarmiger Leuchter, Kreuzsäule) und auf das älteste vollplastische Marienbild im Abendland, die Goldene Madonna (ca.980). Der Gebäudekomplex rund um das Münster war Teil der sog. (Stifts-) Immunität oder Freiheit, also jenes wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts befestigten Areals, das als eigener Rechtsbezirk von Frauengemeinschaft und Äbtissin zu gelten hat. Die am Stift gelegene Handwerker- und Marktsiedlung entwickelte sich seit dem hohen Mittelalter zur Stadt Essen, die als Bürgergemeinde mit Rat und Bürgermeistern eine relative Unabhängigkeit von Stift und Äbtissin erlangen konnte. Parallel dazu verdichteten sich Rechte und Besitz des Stiftes in der Essener Umgebung zur Landesherrschaft der Äbtissin. Doch blieb diese im Verhältnis zur Stadt einerseits und zu den Stiftsvögten andererseits nicht unumstritten. Das 13. Jahrhundert ist bzgl. der so genannten Essener Vogteifrage von großer Wichtigkeit. Es ging hierbei um freie Vogtwahl und Reduzierung der Vogteirechte auf der einen, um Erblichkeit der Vogtei und Kompetenzerweiterung bei gleichzeitigem Kampf niederrheinischer Fürsten um die Vogtei auf der anderen Seite. Nun erlangte zwar die Äbtissin den Status einer Reichsfürstin (Urkunde König Heinrichs (VII.) 1228), doch war ihre Herrschaft durch mächtige Vögte bedroht (Graf Friedrich von Altena-Isenburg, Kölner Erzbischöfe). Nach der Schlacht bei Worringen (1288) fiel die Vogtei an die Grafen von der Mark und verblieb auf Grund eines Vogteivertrages (1308) dort, dann beim Herzogtum Kleve-Mark (Erbvereinigung des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark 1398). Versuche der Kölner Erzbischöfe, im Rahmen des kölnisch-klevischen Gegensatzes die Essener Vogtei wiederzugewinnen, scheiterten im 1. Äbtissinnenstreit (1290-1309) und mussten spätestens mit der für das Erzstift unglücklich verlaufenden Soester Fehde (1445-1449) endgültig aufgegeben werden. Streitigkeiten innerhalb des Hauses Kleve-Mark (1423-1429) und der damit verbundene 2. Äbtissinnenstreit (1426-1429) belasteten Stift und Stadt Essen ebenfalls. Die Stifts- und Landesherrin hatte es dabei aber immerhin verstanden, ihr Territorium und anfangs auch die Verfügung über Stadt, Gerichtsgewalt und Münze zu behaupten. Das Essener Mittelalter fand ereignisgeschichtlich seinen Abschluss im 3. Äbtissinnenstreit (1489-1504), ausgelöst durch eine Doppelwahl im Stiftskapitel. Damit einher ging der Erbvogteivertrag mit dem Herzogtum Kleve-Mark (1495), der endgültig die politische Abhängigkeit des kleinen Essener Territoriums von seinem mächtigen Nachbarn besiegelte. Nach innen konnten Streitigkeiten zwischen Stadt und Stift im sog. Großen Schied (1399) durch einen Kompromiss beigelegt werden, während der Status der Stadt im Territorium der Essener Äbtissin weiterhin ungeklärt blieb. II. Frühe Neuzeit: In der frühen Neuzeit kamen im Verlauf des 16. Jahrhunderts reformatorische Bestrebungen in Stadt und Stift Essen auf. Beschlüsse des Essener Stadtrats zu Gunsten des Protestantismus datieren auf die Jahre ab 1561, die Stifsfrauen gehörten im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert zum Teil der katholischen, zum Teil der protestantisch-lutherischen Konfession an. Unter Elisabeth von Berg (1605-1614), die gegen den Widerstand des Konvents Leiterin der Frauengemeinschaft wurde, begann im Essener Territorium die Zeit der Gegenreformation. Jesuiten und Kapuziner wurden ins Land geholt, Stiftsfrau konnte in Essen nur noch diejenige werden, die katholisch war. Mit Erlöschen des Klever Herzogshauses (1609) und dem jülich-klevischen Erbfolgekrieg (1609-1614) teilten sich der brandenburgische Kurfürst und der Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg die Stiftsvogtei. 1611 waren in Essen bei einem jülich-klevisch-märkischen Landtag die Vögte anwesend; es ging auf dem Landtag u.a. um die schwierigen Beziehungen zwischen der protestantischen Stadt und dem katholischen Stift. Die Spannungen verschärften sich mit dem Religionsedikt der Äbtissin Maria Clara von Spaur (1614-1644) von 1616, das eine Rückkehr zum katholischen Glauben auch für die Stadt Essen vorsah. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war die Stadt zwischen 1623 und 1629 von katholisch-spanisch-burgundischen Truppen besetzt, 1629 folgten die protestantischen Niederländer, die Stiftsleiterin musste unter Mitnahme des Kirchenschatzes nach Köln fliehen. Gegen Ende des Krieges war die katholische Landesherrschaft der Essener Äbtissin wiederhergestellt, kaiserliche Truppen verließen die Stadt Essen erst 1650. Die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts stand dann unter dem Vorzeichen eines gewissen konfessionellen Ausgleichs. Die erbliche Vogtei über das Stift gelangte 1648/66 insgesamt an den brandenburgischen Kurfürsten (bzw. später den preußischen König), der wiederum 1655 die reformierte Konfession gleichberechtigt neben der katholischen und lutherischen in der Essener Landesherrschaft einführte. Der 1568 beim Reichskammergericht begonnene und bis 1670 dauernde Prozess zwischen Stadt und Stift Essen endete damit, dass die Äbtissin weiterhin Landesherrin im Territorium war, der Stadt hingegen deren Freiheiten und Rechte wie die freie Ratswahl oder die Freiheit von Steuern der Landesherrschaft bestätigt wurden. Das 18. Jahrhundert sah unter Fürstäbtissin Franziska Christina von Pfalz-Sulzbach (1726-1776), die gleichzeitig (ab 1717) auch Leiterin des Frauenstifts in Thorn war, durchaus absolutistische Tendenzen im Verhältnis zwischen der Äbtissin und den ebenfalls die Landesherrschaft tragenden Ständen; Letztere wurden seit 1735 nicht mehr einberufen. Während der Regierungszeit der Fürstäbtissin entstanden repräsentative Bauten in und um Essen. Das bis 1760 umgebaute (Essen-) Borbecker Schloss diente als Residenz, auch das zwischen 1764 und 1769 errichtete Waisenhaus in (Essen-) Steele hatte Residenzcharakter. Am Essener Burgplatz und damit noch innerhalb der Burgfreiheit bzw. Stiftsimmunität stand ab 1736 der barocke Bau der Jesuitenresidenz, der diese Funktion 1774 verlor, als der Jesuitenorden aufgelöst wurde. Innerhalb der Stadt gab es die neu erbaute Kapuzinerkirche (1742-1747), bis 1775 wurde das Münster des Frauenstifts barock ausgestaltet. Maria Kunigunde von Sachsen und Polen (1776-1803) war dann die letzte der Essener Fürstäbtissinnen. Obwohl meist abwesend, weil residierend in Koblenz, bewirkte sie dennoch manches in ihrer Landesherrschaft. Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sie "weibliches Unternehmertum", wie ihre Beteiligung an der Eisenhütte St. Antony oder die 1791 erfolgte Gründung der Hütte Neu-Essen im Norden des Essener Stiftsgebiets zeigen. Als Landesherrin förderte sie den Bau der Chaussee von Steele nach Oberhausen mit eigenen Mitteln. Auch im Schulwesen kam es zu Reformen (1786). Für das Ende der frühen Neuzeit ist noch auf den Landesgrundvergleich von 1794 zu verweisen, der als "Verfassung" und "Grundgesetz" für Stift und Landesherrschaft Essen gelten kann. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts behaupteten Stift und Stadt im fürstlichen Territorium Essen ihre lokale Selbstständigkeit, dann war es damit im Zuge der Französischen Revolution (1789) und der napoleonischen Neuordnung Europas vorbei. 1802 wurde die Essener Landesherrschaft durch Truppen des preußischen Königs, immerhin dem Schutzherrn der Frauengemeinschaft, besetzt. Im Jahre 1803 erfolgte die Säkularisation des Frauenstifts, die letzte Essener Fürstäbtissin gab ihr Amt auf, Äbtissin, Stiftsfrauen und Stiftskanoniker wurden mit Pensionen abgefunden.
Zur Geschichte des Essener Frauenstiftes in Mittelalter und früher Neuzeit vgl.: Bader, Walter (1967), Eine Art Einleitung zur Geschichte des Essener Kanonissenstiftes, in: BJbb 167 (1967), S.300-322; Berghaus, Günter, Schilp, Thomas, Schlagheck, Michael (Hg.) (2000), Herrschaft, Bildung und Gebet. Gründung und Anfänge des Frauenstifts Essen, Essen 2000, 167 S., Farbabbildungen, DM 38,-; Lux, Thomas, Das Stift Essen. Grundzüge seiner Geschichte von der Mitte des 9. Jahrhunderts bis zum Jahre 1495, in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), hg. v. Ferdinand Seibt, Essen 1990, Bd.2, S.23-27; Schilp, Thomas (2000), Gründung und Anfänge der Frauengemeinschaft Essen, in: EB 112 (2000), S.30-63; Wisplinghoff, Erich (1967), Beiträge zur Geschichte des Damenstifts Essen, in: AfD 13 (1967), S.110-133. [Buhlmann, 11.1999, 11.2001, 09.2015]

Esslingen, Stadt in Schwaben: Esslingen am Neckar reicht mindestens bis ins 8. Jahrhundert zurück, zum Jahr 777 ist dort eine Klosterzelle des Abtes Fulrad von St. Denis (†784) bezeugt, zum Jahr 866 sind der Ortsname Hetsilinga und ein Markt überliefert. Im 10. Jahrhundert war Esslingen Vorort des schwäbischen Herzogtums, unter Herzog Liudolf (949-953) werden ein herzoglicher Tiergarten und das Gestüt "Stuttgart" genannt, die mit Esslingen verbunden waren. Seit 1181 staufisch, entwickelte sich Esslingen in der Folge zu einer Stadt unter Gericht und Verwaltung eines königlichen Amtsträgers, schließlich zur Reichsstadt. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts entstand aus einem Gremium von mitwirkenden "Richtern" und "geschworenen Bürgern" (1229, 1232) ein die Bürgergemeinde repräsentierender Rat (1274), an dem auch die Zünfte Anteil hatten. 1286 wird ein Bürgermeister erwähnt, daneben gab es den königlichen Schultheißen oder Ammann, seit 1315 bildete Esslingen einen autonomen Rechtsbezirk. Wichtige Bezugspunkte in der spätmittelalterlichen Stadt waren die dem Bistum Speyer gehörende Pfarrkirche und die zwischen 1321 und 1517 entstandene Frauenkirche, eine der bedeutendsten Hallenkirchen im deutschen Südwesten, die aber keine Pfarrrechte besaß. Daneben gab es Niederlassungen der Bettelorden, schließlich klösterliche Pfleghöfe wie die von Salem, Blaubeuren, Bebenhausen oder St. Blasien. Rathaus, Markt und Spital - Letzteres 1232 erstmals erwähnt - standen für das städtische Bürgertum. Im 13. Jahrhundert erfolgte die Ummauerung der Kernstadt, im 14. Jahrhundert wurden die Obertorvorstadt, die Beutau und die Mettinger Vorstadt befestigt. Die Esslinger Stadtmauer war wegen der häufigen Auseinandersetzungen mit den Grafen von Württemberg und einer auf Ausdehnung gerichteten reichsstädtischen Territorialpolitik mehr als notwendig. 1287 und 1312 war man erfolgreich gegen Württemberg, 1295/97 gelang der Erwerb von Möhringen und Vaihingen, 1331 wurde in Esslingen der Schwäbische Städtebund gegründet, 1488 der Schwäbische Bund. Dazwischen behauptete sich Esslingen als Reichsstadt gegenüber den benachbarten Territorien, wenn auch nach der Schlacht bei Döffingen (1388) in Anlehnung an Württemberg, unter dessen Schirm der Ort seit 1473 stand. 1531/32 nahm Esslingen die Reformation an, 1802 wurde die Stadt württembergisch.
Esslinger Geschichte beleuchten: Bernhardt, Walter (1984), Esslingen im Früh- und Hochmittelalter. Gedanken zur Geschichte und Topographie, in: EsslSt 23 (1984), S.7-44; Bernhardt, Walter (1990), Wann erfolgte die Erhebung Esslingens zur Stadt?, in: EsslSt 29 (1990), S.1-16; Borst, Otto (1977), Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar, Esslingen 1977, 543 S., Abbildungen, Karten, € 14,-; Buhlmann, Michael (2016), Esslingen im Reichssteuerverzeichnis von 1241 (= VA 104), Essen 2016, 68 S., € 5,-. [Buhlmann, 12.2016, 03.2017]

EsslSt = Esslinger Studien

Eugippius, Das Leben des Heiligen Severin, übers. v. C. Rodenberg, Essen-Kettwig 1986, 127 S., DM 19,80 > Lateinische Literatur > E Eugippius

Europäische Union, wirtschaftlicher und politischer Verbund von europäischen Staaten, ab 1957: Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) und des politisch-ideologischen West-Ost-Gegensatzes (1945-1990) gab es in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts schon früh Bestrebungen zur europäischen Integration zunächst auf wirtschaftlichem Gebiet (Schuman-Plan 1950, Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl [EGKS, "Montanunion"] 1951). Mit den Römischen Verträgen wurde 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) (zusammen mit der Europäischen Atomgemeinschaft [EURATOM]) zur Schaffung eines gemeinsamen Marktes der sechs Staaten Belgien, (Bundesrepublik) Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und Niederlande gegründet (1957; Benelux-Vertrag 1958). Die Zusammenlegung von EWG, EGKS und EURATOM führte zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) (1965/67). In der Folgezeit vergrößerte sich der Wirtschaftsraum der EWG/EG bzw. der Europäischen Union (EU) durch Beitritt der Staaten Dänemark (zunächst mit Grönland), Großbritannien und Irland (1973), Griechenland (1981), Portugal und Spanien (1986). Die "Wende" von 1989/90 und die politische Desintegration der Sowjetunion und des Ostblocks ermöglichte die Einbeziehung der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik sowie - neben Finnland, Österreich und Schweden (1995), Malta und Zypern (2004) - eine Osterweiterung mit den Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowenien, Slowakei und Ungarn (2004). Es folgten Rumänien und Bulgarien (2007) sowie Kroatien (2013). Französische, portugiesische und spanische Gebiete außerhalb Europas gehören zur EU. Durch den Maastrichter Vertrag (1992) erfolgte die Umformierung der Wirtschaftsunion auch zu einer politischen Union (1993), sich gründend auf Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten. Die Schengen-Abkommen (1985, 1995, 2005) regelte zwischen einigen Mitgliedsstaaten den freien Personenverkehr, die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung (2001) betraf die Mitgliedsstaaten der sog. Eurozone (Währungsunion). Der Vertrag von Lissabon (2007/09) sollte die Europäische Union weiter festigen (Europa der "zwei Geschwindigkeiten") und die politische Handlungsfähigkeit der Union wiederherstellen. Jedoch geriet die EU mit Finanz- und Eurokrise (ab 2007) politisch und wirtschaftlich ins Hintertreffen, die Angst europäischer Bevölkerungsschichten u.a. vor der Globalisierung und in der Folge der Flüchtlingskrise (ab 2015) und ein grassierender Rechtspopulismus gefährden gefährden ebenfalls die EU, ebenso der "Brexit", der 2016 beschlossene Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Institutionen der Union - der Europäische Rat, der Rat der Europäischen Union, die Europäische Kommission als Exekutive, das Europäische Parlament (EP) als Legislative (Europawahlen), der Europäische Gerichtshof (EuGH) als Judikative u.a. - haben sich mit den neuen Entwicklungen zu befassen.
Vielfältig ist die Literatur zur Europäischen Union. Genannt sei: Müller-Brandeck-Bocquet, Gisela u.a. (2002), Deutsche Europapolitik von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder, Opladen 2002, 228 S., € 14,90. Unter der Herausgeberschaft der Bundeszentrale für politische Bildung erscheint eine Schriftenreihe u.a. mit Europa und die Europäische Union betreffenden Titeln: Bd.373: Weidenfeld, Werner (Hg.) (2002), Europa-Handbuch, Bonn 2002, 935 S.; Bd.474: Läufer, Thomas (Hg.) (2005), Verfassung der Europäischen Union. Verfassungsvertrag vom 29. Oktober 2004. Protokolle und Erklärungen zum Vertragswerk, Bonn 2005, 475 S. [Buhlmann, 04.2017]

Ewig, Eugen (1974), Studien zur merowingischen Dynastie, in: FMSt 8 (1974), S.15-59 > M Merowinger

Ewig, Eugen (1988), Die Merowinger und das Frankenreich (= Urban Tb 392), Stuttgart-Berlin 1988 > M Merowinger

Ewig, Eugen (1995), Die fränkischen Königskataloge und der Aufstieg der Karolinger, in: DA 51 (1995), S.1-28 > K Karolinger

Ezzonen, rheinische Pfalzgrafen: Die Ezzonen als machtvolle Adelsfamilie des 10. und 11. Jahrhunderts werden am Ende des 9. Jahrhunderts in der Person eines Erenfrids am Mittelrhein, in Alzey greifbar. Vielleicht hatte dieser Erenfrid Vorfahren, die der karolingischen Reichsaristokratie angehörten. Der politische Aufstieg dieses Adelsgeschlechts lässt sich dann gut an Hand der von ihnen kumulierten Grafschaften nachvollziehen. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts tritt mit Hermann (948) ein Graf im Auelgau in Erscheinung, sein Nachfahre Erenfrid war schon Graf mehrerer Grafschaften, u.a. in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft (950). Dessen Sohn Hermann I. (970, 989-996) wird erstmals als lothringisch-rheinischer Pfalzgraf bezeichnet und stand somit in der Nachfolge der Konradiner, die dieses Amt vermutlich zu Beginn des 10. Jahrhunderts ausgeübt hatten und die mit Otto und Eberhard in der Königsurkunde vom 3. August 904 als Grafen im Gellepgau bzw. in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft belegt sind. Der Ezzone Hermann I. verfügte entlang von Nieder- und Mittelrhein über die Grafschaften im Bonn-, Auel-, Eifel- und Zülpichgau; er verfügte auch in der Nachfolge seines Vaters über die Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft (976). Pfalzgraf (Erenfrid-) Ezzo (996-1034) erreichte dann um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert eine herzogs-, ja königsgleiche Stellung. Die Machtstellung Ezzos beruhte auf seiner nachweisbaren Königsnähe und auf seiner verwandtschaftlichen Beziehung zum ottonischen Herrscherhaus auf Grund der um 991 erfolgten Heirat mit Mathilde (†1025), der Tochter Kaiser Ottos II. (973-983). Dennoch scheiterten nach dem Tod Kaiser Ottos III. (983-1002) ezzonische Ansprüche auf die Nachfolge im Königtum daran, dass sich der Bayernherzog Heinrich (II.) als König (1002-1024) durchsetzte. Über zehn Jahre sollte der Widerstand Ezzos gegen den neuen Herrscher dauern, ehe es nach einem Gefecht bei Odernheim (1011) zu einer Verständigung zwischen Pfalzgraf und König kam. Im Zuge einer Einigung sind Kaiserswerth, Duisburg und das umliegende Reichsgut an Ezzo verschenkt worden (nach 1016). Auch beim Dynastiewechsel von den Ottonen zu den Saliern (1024) sind die Ezzonen übergangen worden, doch wird es wohl diesbezüglich zu einer Übereinkunft zwischen Ezzo und König Konrad II. (1024-1039) gekommen sein. In der Pfalzgrafschaft ist jedenfalls Ezzo dessen jüngster Sohn Otto I. (1034-1045) nachgefolgt, der 1045 im Austausch gegen Kaiserswerth und Duisburg das Herzogtum Schwaben erhielt (1045-1047). Ottos Nachfolger Heinrich (1045-1060) - er war der Sohn Graf Hezelins (1020-n.1033), des Bruders Ezzos - übernahm die Pfalzgrafschaft, scheiterte in seiner Politik aber am Widerstand des Kölner Erzbischofs Anno II. (1056-1075). Sein Nachfolger Hermann II. (†1085) ist ab 1064 als Pfalzgraf nachweisbar; er musste sich mit einer gegenüber dem Kölner Erzbistum reduzierten Machtstellung begnügen. Dies betraf insbesondere die südlichen der ezzonischen Grafschaften, während Hermann in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft noch vertreten war (1065, 1071). Mit seinem Tod hörte das Geschlecht der Ezzonen-Hezeliniden auf zu bestehen. Trotz ihrer überragenden Stellung im lothringisch-rheinischen Raum sind die Pfalzgrafen beim Aufbau einer regionalen Machtstellung gescheitert an den ottonischen und salischen Königen sowie an den Kölner Erzbischöfen, gescheitert aber auch am von den Königen immer wieder herausgestellten Amtscharakter der Pfalzgrafschaft, der einer Allodialisierung, einer Einbeziehung von zum Reich gehörenden Herrschaftsrechten in die der pfalzgräflichen Familie entgegenstand.
Mit den Ezzonen beschäftigen sich: Droege, Georg (1961), Pfalzgrafschaft, Grafschaften und allodiale Herrschaften zwischen Maas und Rhein in salisch-staufischer Zeit, in: RhVjbll 26 (1961), S.1-21; Gerstner, Ruth (1941), Die Geschichte der lothringischen und rheinischen Pfalzgrafschaft (von den Anfängen bis zur Ausbildung des Kurterritoriums Pfalz) (= RA 40), Bonn 1941, 119 S., RM 6,-; Kimpen, Emil (1933), Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, in: MÖIG Ergänzungsbd.12, Innsbruck 1933, S.1-91; Lewald, Ursula (1979), Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechts, in: RhVjbll 43 (1979), S.120-168. [Buhlmann, 03.2008]

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