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Rezensionen (Geschichte)
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Oberste, Jörg (2014), Die Zisterzienser (= Urban Tb 744), Stuttgart 2014 > Z Zisterzienser

Obhof, Ute (1991), Das Leben Augustins im "Niederrheinischen Augustinusbuch" des 15. Jahrhunderts. Überlieferungs- und Textgeschichte, Teiledition (= Germanische Bibliothek, Reihe 3), Heidelberg 1991, 211 S., DM 65,-/95,-. Als "Niederrheinisches Augustinusbuch" bezeichnet die germanistische Forschung einen aus dem späten Mittelalter stammenden Handschriftentypus, dessen Textzeugen aus dem 15. und 16. Jahrhundert im Wesentlichen das Leben des heiligen Augustinus (†430) und Predigten über Augustinus enthalten. Das "Niederrheinische Augustinusbuch" wandte sich an ein nicht des Lateinischen mächtiges Publikum und war vornehmlich für Leserinnen und Hörerinnen in geistlichen Frauengemeinschaften (Augustinerinnenklöster) bestimmt. Alle erhaltenen Handschriften stammen aus der 2. Hälfte des 15. und 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts und aus dem ribuarischen Mundartraum. Dies entspricht der Verbreitungszeit und dem Verbreitungsraum des Augustinusbuchs. [Buhlmann, 08.2007]

Ochsenbein, Peter (Hg.) (1999), Das Kloster St. Gallen im Mittelalter. Die kulturelle Blüte vom 8. bis zum 12. Jahrhundert, Darmstadt 1999 > S St. Gallen

Oediger, Friedrich Wilhelm, Die bischöflichen Pfarrkirchen des Erzbistums Köln, in: DJb 48 (1956), S.1-37 > K Köln, Erzbistum

Oehmichen, Gaetano, Weber-Jenisch, Gabriele (Hg.) (1997), Die Alamannen an der Neckarquelle. Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Schwenningen "Auf der Lehr". Begleitheft zur gleichnamigen Sonderausstellung in der Schwenninger Volksbank vom 16. Oktober bis 11. Dezember 1997, hg. v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (= Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, H.35), Stuttgart 1997, 57 S., Karten, Abbildungen, DM 8,-. Das seit jeher von Menschen genutzte bzw. besiedelte Altsiedelland der Baar um Schwenningen (steinzeitliche Funde, Funde der Urnenfelderzeit, der Hallstatt- und Latènezeit, römische Gutshöfe) besitzt mit dem frühmittelalterlichen Gräberfeld "Auf der Lehr" (althochdeutsch lê/leh für Hügel, Grabhügel, Friedhof) nördlich des historischen Schwenninger Ortskerns auch Bodenfunde aus alemannischer Zeit. Das Gräberfeld liegt auf dem sich zum noch jungen Neckar (Neckarquelle bei Schwenningen) hin abfallenden Ostabhang eines Hügels; eine Siedlung in der Nähe mag vielleicht in Beziehung zur römischen Straße zwischen Rottweil und Hüfingen und zu einer Neckarfurt gestanden haben. 202 Gräber einschließlich vier Doppelgräbern konnten bisher auf dem Friedhof festgestellt werden, der damit zu den größten alemannischen Gräberfeldern auf der Baar gehört. Die (parallel in Reihe angeordneten) Gräber sind grob in West-Ost-Richtung orientiert und umfassen zeitlich das 6. und 7. Jahrhundert, während um 700 der Friedhof aufgelassen wurde. Typisch für das 6. Jahrhundert sind Brettersärge und Kammergräber aus Holz, für das 7. Jahrhundert Steinkisten- und Steinplattengräber; bei vielen Gräbern fehlten indes Grabfassungen dieser Art. Gerade auf Grund von Beigabenfunden konnten Gräber Männer, Frauen und Kindern zugeordnet werden. Fibeln und Schmuck zierten die Kleidung der "Schwenninger Dame" aus einem reich ausgestattetem Grab, verschiedene Fibelformen (Bügel-, Scheiben-, Vogel-, S-Fibeln) kennzeichnen modische Entwicklungen im Verlauf des 6. und 7. Jahrhunderts. Männer- und Kriegergräber enthielten als Beigaben Waffen wie Spatha, Sax, Franziska, Speer, Lanze oder Schild. Glas- und Keramikfunde ergänzen das Bild, viele Grabbeigaben verweisen auf überregionale Beziehungen (Fernhandel, Beute, Heirat). Die (fehlenden) Grabbeigaben verweisen zudem auf die soziale Stellung der Verstorbenen und auf eine geschichtete alemannische Gesellschaft mit Freien (einer Ober-, Mittel- und Unterschicht), Halbfreien und Abhängigen (Unfreie, Hörige, Sklaven). Die Beigabensitte spiegelt weiter damalige Jenseitsvorstellungen und Religiosität im Übergang zwischen Heiden- und Christentum (Amulette, Kreuzdarstellungen) wider (Christianisierung der Alemannen über die adlige Führungsschicht); Grabberaubungen kamen vor. Schließlich geben die Beigaben Hinweise auf das damalige Handwerk (Herstellung von Schmuck und Waffen), die Skelettreste der Begrabenen auf Krankheiten und Verletzungen (Eingeweidebrüche und Schwenninger Bruchband, Knochenbrüche, Karies, Arthrose und Rheuma). Der zeitlichen Verteilung der Gräber auf dem Schwenninger Gräberfeld entsprechend lässt sich für die frühmittelalterliche Siedlung Schwenningen wohl an der Stelle des heutigen Ortskerns eine Entstehung wahrscheinlich aus einem Adelshof der Zeit um 500 n.Chr. ausmachen. Die anfänglich kleine Siedlung wuchs im Verlauf des 6. und 7. Jahrhunderts, wobei - bei Ackerbau, Viehzucht und Waldbewirtschaftung - auch weniger fruchtbare Böden der Umgebung genutzt werden mussten. Soziale und wirtschaftliche Abstufungen spiegelten sich in den (umzäunten) Gehöften (mit Wohnhäusern, Stellen, Scheunen und Speichern; Herrenhof). Dabei war das Dorf Schwenningen eingebunden in alemannisches Herzogtum und fränkisches Merowingerreich und stand auch politischen und kulturellen Einflüssen von Seiten der Franken offen (fränkische Stützpunkte am Neckar). [Buhlmann, 03.2013]

Öhringen, Stadt in Schwaben: Öhringen kann auf eine bis in die römische Kaiserzeit reichende Geschichte zurückblicken (Kastelle, Zivilsiedlung vicus Aurelianus [2./3. Jahrhundert n.Chr.]). Alemannische Besiedlung entlang von Kocher und Jagst (nach der Aufgabe der agri decumates; 4.-6. Jahrhundert) und spätmerowingerzeitlicher Landesausbau (7. Jahrhundert) sollten im Öhringer Raum folgen. Adelheid, Mutter König Konrads II. (1024-1039) und Bischof Gebhards III. von Regensburg (1036-1060), ließ in der villa Oringowe die dortige Pfarrkirche in ein Chorherrenstift umwandeln (1037); Vögte der neuen geistlichen Gemeinschaft wurden bis zu ihrem Aussterben (1108) die Grafen von Comburg, das Stift diente Adelheid als Grablege. Ein Erwerb Öhringens durch König Friedrichs II. (1212-1250) scheiterte im Jahr 1215 (Öhringen als urbs pia); nach einem missglückten Mordanschlag auf König Konrad IV. (1237-1254) im Jahr 1250 erhielt Gottfried von Hohenlohe die Stiftsvogtei (1250; "Öhringer Weistum" 1253), die Hohenloher (Grafen) bleiben auch in der Folgezeit im Besitz der Vogtei (Besitzschutz des Stifts durch die Hohenloher, Stiftskirche als Hohenloher Grablege 1343; Hohenloher "Hausgesetz" 1515; Öhringer Prädikatur 1506; Reformation des Stifts 1556; Hohenloher Kirchenordnung 1578). Der Entwicklung des Stifts bis zu seiner Aufhebung im Zuge der Reformation entspricht die Abfolge der Stiftskirchen ([merowingerzeitliche Urkirche?]; romanische Stiftskirche als Säulenbasilika mit Querhaus, Westtürmen, Rechteckchor und Rundapsis, Krypta [mit Adelheid-Tumba] [11./13. Jahrhundert]; spätromanische Stiftskirche mit Erweiterung von [Polygon-] Chor und Krypta, Chorseitentürmen, Westfront mit zusätzlichem Turm [13. Jahrhundert, Mitte und später]; spätgotische Stiftskirche mit Ausbau von Kyrpta und Hochchor, erweitertem Kirchenschiff, Süd- und Mittelturm bei Neugestaltung des Kreuzgangs [1453/67, 1486/1510]; Umbauten in der ehemaligen Stiftskirche [frühe Neuzeit]). Im Schatten des Chorherrenstifts entwickelte sich die Stadt Öhringen, in der sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Herren von Hohenlohe gegen die Herren von Weinsberg durchsetzen konnten (Stadtmauer [13. Jahrhundert], "Altstadt", Spital 1353, Friedhofsverelgung [ca.1500] und Annakapelle [1506], Landesgymnasium [Reformationszeit] mit Lehrerseminar [1788] und Kirchenverwaltung, Hohenloher Schloss [1610/16]). Öhringen wurde zum Zentrum der hohenlohischen Herrschaft(en) (Landesteilung 1551/55 [Neuenstein, Waldenburg], hohenlohische Reichsfürstentümer [1744/57/64], Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen [1782] in spätem Mittelalter und früher Neuzeit. Im 18. Jahrhundert kam zur Stadt Öhringen die Karlsvorstadt hinzu. 1806 wurde Öringen württembergisch (Oberamt Öhringen), im 19. und 20. Jahrhundert machte Öhringen die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen von deutschem Kaisereich, Weimarer Republik, nationalsozialistischem Deutschalnd und Bundesrepublick Deutschland mit (Landkreis Öhringen 1938, Bundesland Baden-Württemberg 1952, Eingemeindungen 1972/75, Landkreis Künzelsau 1973).
Zur Öhringer Geschichte ist zu verweisen auf: Erdmann, Adolf (2000), Stiftskirche St. Peter und Paul Öhringen, Regensburg 22008, 35 S., Farbabbildungen, Pläne, € 3,-. [Buhlmann, 03.2017]

Offergeld, Thilo (2001), Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter (= MGH. Schriften, Bd.50), Hannover 2001, XCVII, 862 S., € 90,-. U.a. entsprechend der Alterseinteilung des Menschen bei Bischof Isidor von Sevilla (†636) (0-7 Jahre: infantia, 8-14: pueritia, 15-28: adolescentia, 29-49: iuventus, 50-70: aetas senioris, ab 70: aetas decrepta) lag im frühen (von den Germanenreichen bestimmten) Mittelalter die Grenze zwischen Minder- und Volljährigkeit bei zwölf (z.B. salisches Recht) oder 15 (14) Jahren (ribuarisches Recht). Frühmittelalterliche Kindkönige unterlagen als Minderjährige rechtlich keinen Einschränkungen (so dass es auch keine Unmündigkeit des Herrschers, keine Vormundschaft und keine rechtlich begründete Regentschaft geben konnte). Da aber minderjährige Könige nur eingeschränkt handlungsfähig waren, gab es allerdings faktisch (nicht rechtlich) eine Regentschaft (des politischen Handelns), die aus den politischen Begebenheiten (Regierung der Königsmutter, von Verwandten, von Adelsgruppierungen <- physische Verfügung über den König) folgte und die bei erlangter Handlungsfähigkeit des Herrschers auslief. Dabei muss der Zeitpunkt des Beginns dieser Handlungsfähigkeit nicht mit dem des Volljährigkeitsbeginns übereinstimmen (so dass auch ein "Mündigkeitsbeginn" im Zusammenhang mit Volljährigkeit oder Wehrhaftmachung obsolet ist). Aus alldem ergibt sich die Mündigkeit des minderjährigen Königs und die (Rechts-) Gültigkeit von dessen Herrschaft als abstrahierte und dennoch existente Rechtskonstruktion für das frühe (und hohe) Mittelalter. Vor dem Hintergrund eines "germanischen Heerkönigtums" und des römischen Kaisertums als Vorbild, vor Dynastiebildung und Kindkönigtum treten minderjährige Könige ab den Germanenreichen der "Völkerwanderungszeit" in Erscheinung. Dies gilt insbesondere für das Frankenreich der Merowinger und Karolinger. Im merowingischen Frankenreich (482-751) gab es minderjährige Könige von Anfang an, die Reichsteilung von 511, nach dem Tod König Chlodwigs I. (482-511), schloss auch die jungen bis minderjährigen Söhne der Chlodwig-Ehefrau Chrodechild mit ein. Auch beteiligt an der politischen Ausgestaltung der Reichsteilung waren wohl die fränkischen Großen, deren Macht im Verlauf des 6. und 7. Jahrhunderts weiter anwuchs, insbesondere während der bella civilia (561-613) und nach dem Tod König Dagoberts I. (623/29-639). Zunächst waren es noch die Merowingerkönige, die eine meist feindliche Einflussnahme auf die mit ihnen verwandten Kindkönige ausübten (524/31 Ermordung von zwei Chrodechild-Enkeln, 533/48 Sohnesfolge im östlichen Teilreich [Theudebert, Theudowald]). In den bella civilia übten Königinnen (Brunichilde, Fredegunde) und Adelsfraktionen Regentschaften in den Reichsteilen für minderjährige Könige aus (ab 575 Childebert II., ab 584 Chlothar II., 613 Sigibert II. als Kindkönige). Das 7. Jahrhundert sah bei Verfestigung der Reichsteile/Teilreiche Austrien, Neustrien und Burgund die Unterkönigreiche Dagoberts I. (ab 623) und Sigiberts III. (ab 633) in Austrien, weiter die Regentschaften von Königswitwen (Nanthild, Balthilde; Rolle als Mutter und Erzieherin), Adelsgruppierungen und Hausmeiern (Grimoald, Ebroin, Pippin der Mittlere). Die meisten Merowingerherrscher wurden im 7. und 8. Jahrhundert minderjährig zu Königen, und nicht jeder Merowinger wurde auch König, Herrschaft von Kindkönigen und die Ausbildung eines Machtmonopols bei den karolingischen Hausmeiern entsprachen einander. Im fränkischen Karolingerreich (751-911/87) sind die Kinder König Karls des Großen (768-814) als Unterkönige etwa in Aquitanien (ab 781 Ludwig der Fromme) hervorzuheben, die Desintegration des karolingischen Gesamtreichs ließ machtvolle Adelsgruppierungen entstehen, die (wahlweise) Kindkönige im Mittelreich (855-863 Karl von der Provence) und im Westfrankenreich (879-884 Karlmann, 893-923 Karl der Einfältige) erhoben. Aufschlussreich ist zudem das Beispiel Kaiser Karls III. (876/82-887/88), der an Stelle seines illegitimen und daher nicht als Nachfolger durchsetzbaren Sohnes Bernhard den minderjährigen Ludwig von Vienne adoptierte (887). Mit minderjährigen Ludwig dem Kind (900-911) endete dann die Karolingerzeit im Ostfrankenreich. Im frühdeutschen Reich der sächsischen Ottonen war Otto III. (984-1002) ein Kindkönig (984/85 Entführung Ottos und Versuch der Erlangung des Königtums durch Heinrich den Zänker, 985-991 Regentschaft der Königsmutter Theophanu, 991-994 Regentschaft der Großmutter Adelheid), und das Gleiche galt im deutschen Reich der Salier für König Heinrich IV. (1056-1106) (1056-1062 Regentschaft der Königsmutter Agnes von Poitou, 1062 "Kaiserswerther Staatsstreich", 1062-1065 Bischöfe als Regenten, bis 1069/70 weitgehend unselbstständige Regierung Heinrichs IV.). Dynastiewechsel, Wahlgedanke und Idoneität des Königs ließen dann in der Stauferzeit die "Institution" des Kindkönigtums verschwinden (1152 Friedrich von Rothenburg, ab 1198 Friedrich II. als minderjähriger König von Sizilien und chint von Pulle, 1254 Konradin). [Buhlmann, 08.2012]

Oltmer, Jochen (2012), Globale Migration. Geschichte und Gegenwart (= BSR 2761), München 2012, 128 S., 3 Karten, € 8,95. Zur Menschheit gehört mit und seit Entstehen des homo sapiens die Migration (Wanderung, Ausbreitung; Migration als regionale bis überregionale/globale Mobilität von menschlichen Individuen oder Gruppen [Ab-, Zu-, Aus-, Einwanderung in den Formen: Arbeits-, Bildungs-, Heirats-, Kultur-, Siedlungswanderung, Nomadismus, Menschenhandel und Zwangswanderung]). Zur Frühgeschichte gehören Migrationen in Zusammenhang mit der Entstehung Ackerbau und Viehzucht treibender sowie städtischer Kulturen (Mesopotamien, Ägypten, China), weiter die Siedlungsbewegungen südlich der Sahara (Bantu), in Südostasien und Polynesien. Die frühneuzeitliche europäische Expansion seit dem 15. Jahrhundert führte zur ersten Phase einer sich verdichtenden Globalisierung (spanisches, portugiesisches Kolonialreich, britisches Empire), der Handel mit afrikanischen Sklaven entwickelte sich zum Kern eines Wirtschaftssystem beiderseits des Atlantik. Hauptsächlich ab dem "langen" 19. Jahrhundert spielte die europäische Masseneinwanderung nach Nordamerika eine Rolle (Zuwanderung in die USA, nach Australien, Argentinien, Sibirien, Verdrängung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas), die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachte einen weiteren Globalisierungsschub (japanische Expansion in die Mandschurei und nach China, europäischer Kolonialismus, Einwanderung von Indern nach Südafrika). Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) trat eine Phase der Deglobalisierung ein (Weltwirtschaftskrise 1929), der Zweite Weltkrieg (1939-1945) führte nicht nur in Europa zu massiven Bevölkerungsverschiebungen (Flucht, Vertreibung, Deportation, Kriegsfolgewanderungen [Deutschland, Polen, Sudetenland]). Auch die Dekolonisation trug zur Migration in die Mutterländer der ehemaligen Kolonien bei (Großbritannien, Frankreich und Algerien). In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und im beginnenden 21. Jahrhundert standen und stehen Migrationsbewegungen im Zusammenhang mit dem Arbeitskräftebedarf einer globalisierten Wirtschaft, den "Mega-Cities" oder Umwelt und Hunger ("Gastarbeiter" in Deutschland, Europa und EG/EU [Europäische Union] als Zuwanderungsgebiet, Bevölkerungsverschiebungen innerhalb Chinas, Arbeitswanderungssystem der Golfstaaten). [Buhlmann, 11.2012]

Opitz, Karen (1998), Geschichte im höfischen Roman. Historiographisches Erzählen im "Eneas" Heinrichs von Veldeke (= GRM Beih.14), Heidelberg 1998 > H Heinrich von Veldeke

Opll, Ferdinand (1978), Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152-1190) (= RI, Beih.1), Wien-Köln-Graz 1978 > F Friedrich I. Barbarossa

Opll, Ferdinand (1990), Friedrich Barbarossa (= GMR), Darmstadt 1990 > F Friedrich I. Barbarossa

Opll, Ferdinand (2010), Zwang und Willkür. Leben unter städtischer Herrschaft in der Lombardei der frühen Stauferzeit, Wien-Köln-Weimar 2010, 275 S., € 35,-. Auf der Grundlage von im November 1184 durchgeführten Verhören von 80 Zeugen aus den fünf oberitalienischen Dörfern Mondovico, Monticelli, Olmo, Parpanese und S. Marzano entwickelt der Autor ein das 12. Jahrhundert umfassendes Bild der Herrschaft der Städte Pavia und Piacenza über die zwischen Letzteren immer wieder umstrittenen Orte. In der Erinnerung der Zeugen spielten aber nicht nur lokale und regionale Ereignisse eine Rolle, sondern auch die (Reichs-) Geschichte der deutschen Könige und Kaiser in Oberitalien von Lothar von Supplinburg (1125-1137) bis Friedrich I. Barbarossa (1152-1190). Es ensteht ein lebendiges und spannendes Bild von Gesellschaft, Herrschaft und Politik in der frühstaufischen Lombardei Reichsitaliens. [Buhlmann, 03.2011]

Origo gentis Romanae. Die Ursprünge des römischen Volkes, hg., übers. v. Markus Sehlmeyer (= Texte zur Forschung, Bd. 82), Darmstadt 2004, 176 S., € 29,90 > Lateinische Literatur > O Origo gentis Romanae

Ornstein, Robert, Thompson, Robert F. (1986), Unser Gehirn: das lebendige Labyrinth (= rororo 9571), Reinbek 1993 > G Gassen, Gehirn

Ortmanns, Kurt (1985), Schloß Broich in Mülheim an der Ruhr (= Rheinische Kunststätten, H.77), Köln 31992 > B (Mülheim-) Broich

OS = Oberrheinische Studien

Ostrowitzki, Anna (1993), Die Ausbreitung der Zisterzienserinnen im Erzbistum Köln (= RA 131), Köln-Weimar-Berlin 1993 > Z Zisterzienser

Oswald, Wolfgang, Tilly, Michael (2016), Geschichte Israels. Von den Anfängen bis zum 3. Jahrhundert n.Chr. (= Geschichte kompakt), Darmstadt 2016 > J Jüdische Geschichte, 10. Jahrhundert v.Chr.-3. Jahrhundert n.Chr.

Ott, Hugo (1964), Das Immunitätsprivileg Heinrichs IV. für St. Blasien vom Jahr 1065, in: ZGO 112 (1964), S.413-430 > S St. Blasien

Ott, Hugo (1965), Die Vogtei über das Kloster St. Blasien seit dem Aussterben der Zähringer bis zum Übergang an das Haus Habsburg, in: ZGO 113 (1965), S.29-44 > S St. Blasien

Ott, Hugo (1969), Die Klostergrundherrschaft St. Blasien im Mittelalter. Beiträge zur Besitzgeschichte (= Arbeiten zum Historischen Atlas von Südwestdeutschland, Bd.4), Stuttgart 1969 > S St. Blasien

Ott, Hugo (1970), Probleme um Ulrich von Cluny. Zugleich ein Beitrag zur Gründungsgeschichte von St. Ulrich im Schwarzwald, in: AlemJb 1970, S.9-29 > U Ulrich von Cluny/Zell

Ott, Hugo (1972), Vorläufige Bemerkungen zur Geschichte des St. Blasianischen Registratur- bzw. Archivwesens, in: Schau-ins-Land 90 (1972), S.23-36 > S St. Blasien

Ott, Hugo (1995/96), Die rechtliche Stellung St. Blasiens nach dem Aussterben der Zähringer bis zum Ende der Regierung Rudolfs von Habsburg, in: AlemJb 1995/96, S.39-48 > S St. Blasien

Otto I. der Große, ostfränkisch-deutscher König und Kaiser: I. Otto, der Sohn König Heinrichs I. (919-936) und der Mathilde, wurde am 22. November 912 geboren. Seine Designation zum alleinigen Nachfolger des Vaters erhielt er 929 in Quedlinburg; hier wurde er wahrscheinlich auch mit der angelsächsischen Prinzessin Edgith verheiratet. Nach dem Tod Heinrichs ging das Königtum nahtlos auf Otto I. über, denn die offizielle Thronerhebung fand schon am 7. August 936 in Aachen statt. Ottos Zentralisierungsbestrebungen und eine damit einhergehende stärkere Betonung der königlichen Autorität ließen ihn jedoch schon sehr bald in Konflikt mit Verwandten und hohen Adligen geraten. Eine Rebellion Eberhards (937-938), des Sohnes und Nachfolgers Herzog Arnulfs von Bayern, wurde ebenso niedergeworfen (937) wie die sächsische Erhebung des Halbbruders Thankmar, der dabei den Tod fand (938). Der Aufstand des jüngeren Bruders Heinrich hatte Lothringen als Zentrum, und auch der westfränkische Karolinger Ludwig IV. (936-954) war nicht unbeteiligt; hier brachten aber die Siege der königlichen Heere bei Birten (März 939) und Andernach (2. Oktober 939) die Wende. Lothringen blieb dem Ostreich erhalten, Heinrich (I.) wurde 948 Herzog von Bayern (948-955), Zeichen einer 939 einsetzenden Familienpolitik, durch die die Herzogtümer mit Familienmitgliedern oder angeheirateten Herzögen besetzt wurden. Brun, der jüngste Bruder Ottos, wurde so 953 Erzbischof von Köln und kurz darauf auch noch Herzog von Lothringen (archidux, 953-958/65). Dass diese Familienpolitik nicht frei von Konflikten war, zeigen die Rivalitäten zwischen Heinrich von Bayern und Liudolf, also zwischen dem Bruder und dem 930 geborenen Sohn Ottos. Das politische Übergewicht Heinrichs war sicher auch der Auslöser des Liudolf-Aufstandes (953/54), der erst nach einem Ungarneinfall - dieser leitete einen Stimmungsumschwung zu Gunsten des Königs ein - und der Unterwerfung Liudolfs und des lothringischen Herzogs Konrad des Roten (944-953) beendet werden konnte (954). Die Ungarn versuchten im folgenden Jahr wieder in das Reich einzudringen, wurden aber hierbei in der Schlacht auf dem Lechfeld vernichtend geschlagen (10. August 955). Mit dem Tod des karolingischen Königs Ludwig IV. von Westfranken ([936-954] 954) und des robertinisch-kapetingischen Gegenspielers Hugo von Franzien (956) war im entstehenden Frankreich ein Machtvakuum entstanden, das die schon bei der Ingelheimer Synode von 948 offenkundige hegemoniale Stellung Ottos des Großen noch verstärkte. In dem zwischen Karolingern und Robertinern zerrissenen Westfranken bemühten sich nun die Witwen der Verstorbenen, Gerberga und Hadwiga, beides Schwestern Ottos, erfolgreich um einen politischen Ausgleich (Westpolitik Ottos und Bruns). In Italien, das seit 888 ein eigenständiges regnum unter nichtkarolingischen Königen fränkischer Herkunft war, hatte Otto I. schon 951 eingegriffen und damit in Fortsetzung der schwäbischen und bayerischen Interessen die spätkarolingisch-ostfränkische Südpolitik wiederaufgenommen. In Pavia ließ er sich damals zum König krönen und nahm die Königin Adelheid zur Frau. Das spätestens in der Schlacht auf dem Lechfeld gewonnene imperiale Königtum Ottos des Großen fand auf dem 2. Italienzug (961-965) in der römischen Kaiserkrönung des Liudolfingers durch Papst Johannes XII. (955-963) am 2. Februar 962 seine bezeichnende Fortentwicklung; Otto ließ in diesem Zusammenhang im Pactum Ottonianum die Rechte von Kaiser und Papst bestätigen. Konflikte mit der norditalienischen Opposition, die Absetzung des alten und die Ernennung eines neuen Papstes banden aber Otto noch einige Jahre südlich der Alpen. Beim 3. Italienzug (966-972) standen wieder die römischen Verhältnisse an. Otto gelang es auf der Synode zu Ravenna (967), die Gründung des Erzbistums Magdeburg (968) durchzusetzen. Ein Feldzug nach Süditalien (968) führte zum Kompromiss mit dem byzantinischen Reich (Zweikaiserproblem) und zur Heirat des designierten und zum Mitkaiser gekrönten Nachfolgers Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu (14. April 972). Danach kehrte Otto der Große aus Italien zurück. Er starb am 7. Mai 973 in Memleben und wurde im Magdeburger Dom bestattet. Hauptsächlich der nördliche und mittlere Teil Italiens blieb seit Otto dem Großen als durchaus selbstständiges Königreich mit dem deutschen Reich verbunden. Die Italienzüge waren - gerade in Hinblick auf die Kaiserkrönung - ein unverzichtbarer Bestandteil der Politik der deutschen Könige und förderten darüber hinaus die Integration im deutschen Reich. Auch benötigte gerade die ottonische Missionspolitik gegenüber den Slawen Rückhalt beim Papsttum, auf das wiederum über das Kaisertum eingewirkt werden konnte. II. Der Beiname "der Große" bedarf noch einer Erklärung. Zu Lebzeiten Ottos I. wurde zwischen Vater und Sohn unterschieden (Otto magnus [Otto "der Ältere"] - Otto II.); der stauferzeitliche Historiograf und Bischof Otto von Freising (†1158) benutzte den Beinamen beim für ihn historisch bedeutsamen Vergleich zwischen Otto und Kaiser Karl dem Großen (768-814). Die historische "Größe" Ottos misst sich heute an der Durchsetzung seiner Herrschaft im Ostfrankenreich (Bewältigung der Aufstände, Ungarnsieg) und in Italien (Kaiserkrönung, Papsttum, Herrschaft über Norditalien), am Zusammenhalten und -wachsen der gentes (Sachsen, Franken, Thüringer, Alemannen, Bayern, Lotharingien) im Ostfrankenreich (Königtum und Adel; Bedeutung der Italienzüge), an der Politik gegenüber dem Westfrankenreich (archidux Brun) und gegenüber den Slawen (Mission, Erzbistum Magdeburg).
Die lateinischen Urkunden König Ottos I. sind zusammengefasst in: Die Urkunden Konrads I., Heinrichs I. und Ottos I., hg. v. Theodor Sickel (1879/84) (= MGH. Diplomata. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd.1), 1879-1884, Nachdruck München 1980. 740 S., DM 108,-. Ältere und neuere Biografien zu Otto den Großen sind: Becher, Matthias (2012), Otto der Große. Eine Biographie, München 2012, 332 S., € 24,95; Köpke, Rudolf, Dümmler, Ernst (1876), Kaiser Otto der Große (= Jahrbücher des deutschen Reiches, der deutschen Geschichte), 1876, Nachdruck Darmstadt 1962, XIII, 611 S., DM 50,-. Besondere Fragestellungen zu Otto den Großen erörtern: Beumann, Helmut, Büttner, Heinrich (1962), Das Kaisertum Ottos des Großen, Konstanz 1962, 80 S., DM 5,-; Fleckenstein, Joseph (1975), Otto der Große in seinem Jahrhundert, in: FMSt 9 (1975), S.253-267; Otto der Große. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Kaiserkrönung Ottos des Großen (1963): Tl.1: Festbericht, Vorträge, Abhandlungen (= MIÖG Ergbd. XX,1), Graz-Köln 1962, ? S., € 13,-, Tl.3: Wolfram, Herwig, Splendor imperii. Die Epiphanie von Tugend und Heil in Herrschaft und Reich (= MIÖG Ergbd. XX,3), Graz-Köln 1963, 199 S., DM 28,-; Zimmermann, Harald (Hg.) (1976), Otto der Große (= WdF 450), Darmstadt 1976, VI, 457 S., DM 10,-. [Buhlmann, 10.1994, 10.2013]

Otto IV., deutscher König und Kaiser: Otto von Braunschweig war der um 1175/77 geborene Sohn Heinrichs des Löwen und der englischen Königstochter Mathilde. Die Doppelwahl von 1198 brachte Otto als Kandidat der niederrheinisch-welfischen Partei auf den deutschen Königsthron (Kölner Wahl, 9. Juni 1198; Aachener Königskrönung, 12. Juli 1198). Otto konnte sich aber - trotz englischer Unterstützung - auf die Dauer gegen seinen Konkurrenten Philipp von Schwaben (1198-1208) nicht durchsetzen. Erst nach der Ermordung des Staufers (1208) wurde der Welfe allgemein als König anerkannt und schwenkte alsbald, was seine Politik in Italien und gegenüber dem Papst anbetraf, in staufische Fahrwasser. Vom Papst wurde er zwar noch am 4. Oktober 1209 in Rom zum Kaiser gekrönt, aber auf Grund seines Feldzuges nach Unteritalien ein Jahr später gebannt (18. November 1210). In Deutschland wählte daraufhin eine vom französischen König und dem Papst unterstützte prostaufische Fürstengruppe Friedrich II. zum König (September 1211). Otto IV. kehrte nach Deutschland zurück, Friedrich II. kam ihm zuvor und gewann in der Folgezeit immer mehr an Boden. Ottos Eingreifen im französisch-englischen Krieg auf Seiten des englischen Königs Johann Ohneland (1199-1216) endete mit der Niederlage gegen Philipp II. August (1180-1223) in der Schlacht bei Bouvines (27. Juli 1214). Danach konnte sich der Welfe selbst am Niederrhein nicht mehr behaupten und zog sich auf seine welfisch-braunschweigischen Besitzungen zurück (1215), ohne Möglichkeit, in die Reichspolitik wieder eingreifen zu können. Am 19. Mai 1218 starb Otto IV. unbeachtet auf der Harzburg; begraben liegt er im Dom zu Braunschweig. Verheiratet war der Welfe in erster Ehe mit Beatrix, einer Tochter Philipps von Schwaben (Ehe 1209; Tod der Beatrix 1212), in zweiter Ehe mit Maria, der Tochter des Herzogs Heinrich I. von Brabant (1190-1235).
Biografien zu Kaiser Otto IV. sind: Hucker, Bernd Ulrich (1990), Kaiser Otto IV. (= MGH. Schriften, Bd.34), Hannover 1990, XC, 760, 32 S., DM 198,-; Hucker, Bernd Ulrich (2003), Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser (= it 2557), Frankfurt a.M.-Leipzig 2003, 676 S., € 16,-; Winkelmann, Eduard (1873/78), Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig (= Jahrbücher der deutschen Geschichte, des deutschen Reiches): Bd.I: Philipp von Schwaben 1197-1208, 1873, Nachdruck Darmstadt 31968, XII, 592 S., Bd.II: Kaiser Otto IV. von Braunschweig 1208-1218, 1878, Nachdruck Darmstadt 31968, XII, 563 S., zus. DM 140,-. Weiter beleuchtet ein Ausstellungskatalog das Leben des Herrschers: Otto IV. Traum vom welfischen Kaisertum, hg. v. Braunschweigischen Landesmuseum, Bernd Ulrich Hucker, Stefanie Hahn, Hans-Jürgen Derda (2009), Petersberg 2009, 520 S., € 39,95. Zu verweisen ist noch auf: Die Regesten des Kaiserreiches unter Philipp, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.), Conrad IV., Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272 (1881-1983) (= RI V,1-6): Bd.V,1 (= Abt.1-2): Kaiser und Könige, hg. v. Julius Ficker, 1881/82, Nachdruck Hildesheim 1971, Bd.V,2 (= Abt.3-4): Päpste und Reichssachen, hg. v. Julius Ficker, Eduard Winkelmann, 1892, Nachdruck Hildesheim 1971, Bd.V,3 (= Abt.5): Einleitung und Register, hg. v. Julius Ficker, Eduard Winkelmann, bearb. v. Franz Wilhelm, 1901, Nachdruck Hildesheim 1971, zus. CLX, 2424 S., zus. DM 380,-, Bd.V,4 (= Abt.6): Nachträge und Ergänzungen, bearb. v. Paul Zinsmaier, Köln-Wien 1983, XII, 403 S., DM 94,-. [Buhlmann, 09.2003, 06.2011]

Ottobeuren, Benediktinerkloster in Ostschwaben: I. Früheres Mittelalter: Das ostschwäbische, zwischen Iller und Lech gelegene Kloster Ottobeuren soll 764 von einer alemannischen Adelsfamilie gegründet worden sein und war wohl seit spätkarolingischer Zeit Reichskloster. Fest steht, dass erstmals in den mittelalterlichen Geschichtsquellen von der Ottobeurer Mönchsgemeinschaft um das Jahr 830 die Rede ist, als das Gedenkbuch der Bodenseeabtei Reichenau den Abt Milo (814-840?) und dessen Mönche erwähnt. Von Milos Nachfolgern wird dann außerhalb der für die Ottobeurer Frühzeit als unzulänglich einzustufenden Abtsliste des Klosters für das 9. Jahrhundert noch Abt Witgar (864-902?) genannt, der wahrscheinlich nach seiner Tätigkeit als Kanzler König Ludwigs des Deutschen (830/40-876) 860/61 den Abbatiat über Ottobeuren erhielt. Letzteren gab Witgar auf, als er 867 Bischof von Augsburg (867-887) wurde. Der nächste außerhalb der Abtsliste bezeugte Ottobeurer Klosterleiter (Kommendatarabt) war Adalbero (941-972), der Neffe und vorgesehene Nachfolger des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg (923-973). Nach Adalberos Tod übernahm Ulrich die Ottobeurer Klosterleitung (972-973). Nach dem nur 973 belegten Ottobeurer Abt Rudung (973-1000?) setzte gemäß der Klosterchronik Abt Dangolf (1000-1012?) die Ursiner Adelsfamilie als Vögte über Ottobeuren ein (n.1000). Von den Äbten aus der Zeit vor der hochmittelalterlichen Klosterreform ist dann noch Eberhard (1050-1069?) zu nennen, der zudem Klosterleiter in Füssen, später Abt in Tegernsee und in St. Emmeram in Regensburg (1060-1068) war und der schließlich Abt von Kempten (1076-1094) wurde. Mit den Ottobeurer Äbten des Investiturstreits (1075-1122), den Klosterleitern Adalhelm (1082-1094), Gebhard (1094-1100) und Heinrich I. (1100-1102) fließen die Geschichtsquellen reichlicher. Die Klosterreform in Ottobeuren selbst ging zunächst vom Schwarzwaldkloster St. Blasien aus, mit Abt Rupert I. (1102-1145) hielt dann die Hirsau-St. Georgener Reform Einzug, und es begann die Blütezeit der Mönchsgemeinschaft im 12. Jahrhundert. Abt Isingrim (1145-1180), der Nachfolger Ruperts, erweiterte die Reformtätigkeit des Klosters nach außen hin, seine Mönche besiedelten im Jahr 1146 das Südtiroler Kloster Marienberg, das in der Folge durch fünf Ottobeurer Professen als Äbte eng mit dem Mutterkloster verbunden war. Isingrim begann die Ottobeurer Chronik zu verfassen und ließ kostbare liturgische Handschriften anfertigen, u.a. das Isingrim-Missale, das Kollektar des Mönches Reinfrid oder das Ottobeurer Graduale, das Miniaturen der Äbte Rupert und Isingrim enthält. Unter Isingrim muss auch die verloren gegangene Vita des heiligen Rupert niedergeschrieben worden sein. Ausfluss einer schon unter Abt Rupert wieder einsetzenden Schriftlichkeit im Kloster waren zudem Nekrologien, Geschichtsschreibung und liturgische Texte, Urkunden und ein Traditionsbuch. Unter Abt Isingrim kam das Verhältnis des Ottobeurer Klosters zu den deutschen Königen und Kaisern insofern zu einem Abschluss, als aus dem Jahr 1171 mit dem Diplom Kaiser Friedrichs I. Barbarossa erstmals eine echte Königsurkunde für die Mönchsgemeinschaft vorliegt. II. Späteres Mittelalter: Das Kloster Ottobeuren hatte im Verlauf des 12. Jahrhunderts näheren Kontakt zu Papst und Königtum erlangt. Im 13. Jahrhundert können wir die Entwicklung hin zu einer Reichsabtei mit reichsfürstlichem Status des Abtes feststellen. Die Unterstellung Ottobeurens unter die Landesherrschaft des Augsburger Bischofs und innerer Verfall machten dem Kloster im späten Mittelalter allerdings schwer zu schaffen. Das 13. Jahrhundert sah für Ottobeuren im Sinne des ?idealen? benediktinischen Mönchtums eine Wende zum Schlechteren. Eine dritte Klosterkirche, 1204 geweiht, ersetzte das Gotteshaus Ruperts, 1217 brannte das Kloster nieder, seitdem gab es in Ottobeuren keine Frauengemeinschaft mehr, und im Mönchskonvent des Reichsklosters breitete sich unter einem Reichsfürsten als Abt eine eher adlig-"stiftische" Lebensweise aus. Eine gewisse Zäsur in der Klostergeschichte dieser Zeit bedeutete sicher das Aussterben der Markgrafen von (Ursin-) Ronsberg als Ottobeurer Klostervögte (1212) und der das Kloster in große Mitleidenschaft ziehende Brand von 1217. Über den Grafen Gottfried von Marstetten gelangte die Vogtei durch Kauf an die staufischen Herrscher, an Kaiser Friedrich II. (1212-1250) und König Heinrich (VII.) (1220-1235), die diesbezüglich der Mönchsgemeinschaft zwei Diplome vom 4. Januar 1220 und später ausstellten. Die Klostervogtei beim deutschen König verstärkte mithin die Bindung Ottobeurens an das Reich (Reichsunmittelbarkeit). Ab 1268 hatte das römisch-deutsche Reich die Vogtei über Ottobeuren inne, die seit 1309 pfandweise ausgegeben war und im Jahr 1356 vom Augsburger Bischof Markwart I. (1348-1365) erworben wurde. In den folgenden Jahrhunderten verblieb die Vogtei als Reichspfand beim Augsburger Hochstift, ein Obervogt übte die Gerichtsbarkeit im Territorium des Klosters aus. Dieser konnte ab 1488 immerhin durch den Ottobeurer Abt bestimmt werden. Bzgl. der inneren Entwicklung des Klosters ist nach dem Brand eine Aufwärtsentwicklung zumindest im wirtschaftlichen Bereich festzustellen. Eine Vielzahl von Adligen trat in das Kloster ein und überwies dabei der Mönchsgemeinschaft neue Güter, was u.a. die Belehnung von 100 klösterlichen Ministerialen ermöglichte. Im Kloster verstärkte sich aber die schon genannte adlig-"stiftische" Lebensweise, Ottobeuren wurde von Seiten des Benediktinertums im 14. und 15. Jahrhundert zunehmend als reformbedürftig angesehen. Im Sinne einer Annäherung an das Ideal benediktinischen Mönchtums griffen aber erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts diesbezügliche Reformen. Zwar nahm schon Abt Eggo Schwab (1404-1416) am Konstanzer Konzil (1414-1418) und dessen Reformmaßnahmen teil, doch wurde Schwab am 18. August 1416 von Adligen ermordet. Schwabs Nachfolger Johann V. Schedler (1416-1443) war Teilnehmer des benediktinischen Provinzialkapitels in Petershausen (bei Konstanz, 1417), doch gingen hiervon keine prägenden Impulse nach Ottobeuren aus. Erst unter Abt Jodok Niederhöfer (1443-1453) und insbesondere dem Augsburger Bischof Peter von Schaumburg (1424-1469) versuchte man die (Kastler bzw. Melker) Reform durchaus auch mit gewaltsamen Mitteln in Ottobeuren einzuführen, scheiterte aber, zumal Abt Wilhelm von Lustenau (1460-1473) unter Umgehung des Mönchskapitels vom Bischof eingesetzt wurde und Ottobeuren immer mehr unter Augsburger Kontrolle geriet. Ein Tiefpunkt der Entwicklung war 1471/72 erreicht, als das Ottobeurer Kloster fast leer stand. Papst, Freisinger und Eichstätter Bischof griffen ein, konnten aber ebensowenig bewirken wie eine 1477 von einem päpstlichen Legaten erlassene charta reformationis, die faktisch ein Schisma im Kloster schuf, oder wie die bischöfliche Visitation vom 1. Januar 1486. Etwas erfolgreicher war dann auch die Visitation des Augsburger Bischofs und der Äbte von Elchingen und Blaubeuren vom 10. Februar 1502; sie leitete - indes mit einiger zeitlicher Verzögerung - einen Reformprozess in Ottobeuren ein, der in der langen Regierungszeit Abt Leonhard Wiedemanns (1508-1546) endlich zum Ziel führte. III. Frühe Neuzeit: Am Anfang der Neuzeit steht die Schädigung des Klosters im Bauernkrieg durch plündernde Bauern (1525). Von der Reformation, die in der nahen Stadt Memmingen so erfolgreich war, blieb Ottobeuren indes weitgehend verschont. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Reichsunmittelbarkeit des Klosters vom Augsburger Bistum, das ja die Vogtei über Ottobeuren besaß, bestritten, Abt Alexander Sauter (1600-1612) fand sich 1611 in bischöflicher Haft wieder. 1617 erkannte man, dass die Augsburger Ansprüche auf Ottobeuren sich aus einer Urkunde von 1116 speisten, die nicht für Ottobeuren, sondern für Benediktbeuren bestimmt gewesen war, 1624 bestätigte das Reichskammergericht in Speyer die reichsunmittelbare Stellung der ostschwäbischen Abtei. Das Kloster war an prominenter Stelle an der Errichtung der Salzburger Benediktineruniversität beteiligt (1622), österreichische Mönchsgemeinschaften wie Admont, Mondsee oder Kremsmünster unterstellten sich in der Folge der Ottobeurer Observanz. Schwäbische Abteien, unter ihnen Ottobeuren, gründeten 1673 zudem ein Studienhaus in Rottweil. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erlitt das Kloster Ottobeuren Schäden durch Einquartierungen und Kontributionen, 1632 flüchteten die Mönche vor den heranrückenden Schweden, noch 1647 war die Lage für die Mönchsgemeinschaft schwierig. Nach dem Krieg erholte sich das Kloster indes rasch, 1695 wurde mit dem damals erworbenen Priorat St. Johann im Vorarlberger Feldkirch eine klösterliche Nebenstation eingerichtet, die die Wirksamkeit der Ottobeurer Mönche in Tirol begründete. Unter Abt Rupert II. Ness (1710-1740) begann der architektonische Ausbau der Klostergebäude zu einer Barockanlage. Zwischen 1711 bis 1725 entstanden die Stiftsgebäude, von 1737 bis 1766 die Klosterkirche, die somit erst unter Ruperts Nachfolger Abt Anselm Erb (1740-1767) am 28. September 1766 eingeweiht werden konnte. Annähernd zeitgleich damit feierte man 1764 die 1000-Jahr-Feier des Klosters, unter Abt Honorat Göhl (1767-1802) erweiterte man die Klosterschule, die nun 200 Schüler beherbergte. Am Ende der frühen Neuzeit war Ottobeuren ein gerade in Hinblick auf Kunst, Wissenschaft und Kultur bedeutendes Reichsstift, dessen Klosterterritorium 25 Dörfer einschließlich des Marktes Ottobeuren bei 266 qkm Größe und rund 10.000 Einwohnern umfasste. 1802 erfolgte die Säkularisation und Aufhebung des Klosters, Stift und Stiftsgebiet kamen an den bayerischen Staat, die geistliche Kommunität mit immerhin 45 Priestermönchen und drei Novizen wurde aufgelöst. Prior Maurus Feyerabend (†1818) war in dieser Zeit des Wandels der geistliche Mentor der in Ottobeuren verbliebenen Mönche; er verfasste zwischen 1813 und 1816 die Ottobeurer Jahrbücher, auf denen noch heute vieles an Informationen zur Klostergeschichte beruht. IV. Moderne: König Ludwig I. von Bayern (1825-1848) machte 1834 die Aufhebung der ostschwäbischen Abtei rückgängig, insofern er Ottobeuren dem Stephanskloster in Augsburg als Priorat unterstellte. Erster Abt von St. Stephan wurde der Ottobeurer Mönch Barnabas Huber (1834-1851). Unter ihm und seinen Nachfolgern gewann auch Ottobeuren wieder an Bedeutung, so dass das Priorat nach Vorbereitungen während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) und auf Grund einer Entscheidung Papst Benedikts XV. (1914-1922) am 2. Juli 1918 zur Abtei erhoben wurde. Der Erhebung folgte 1920 der erste Ottobeurer Abt der neuesten Zeit Joseph M. Einsiedler (1920-1955). 1922 wurde das Progymnasium gegründet, 1926 das Gotteshaus eine päpstliche Basilika. 1964 feierte man das 1200-jährige Bestehen Ottobeurens.
Geschichtsquellen und quellennahe Abhandlungen zum Kloster Ottobeuren sind: Giese, Martina (2002), Die sogenannten Annales Ottenburani, in: DA 58 (2002), S.69-121; Hauke, Hermann (1973), Das Isingrim-Missale von Ottobeuren, in: SMGB 84 (1973), S.151-157; Hoffmann, Hermann (Bearb.) (1991), Die Urkunden des Reichsstiftes Ottobeuren (764-1460) (= VSFKBLG Reihe 2a, Bd.13), Augsburg 1991, XXVII, 263 S., € 22,50; Schwarzmaier, Hansmartin (1962), Mittelalterliche Handschriften des Klosters Ottobeuren. Versuch einer Bestandsaufnahme, in: SMGB 73 (1962), S.7-48. Gesamtdarstellungen zur Ottobeurer Geschichte sind: Faust, Ulrich (2004), Abtei Ottobeuren. Geschichtlicher Überblick 764 bis heute, Lindenberg 22007, 64 S., Abbildungen, € 6,-; Ottobeuren. Festschrift zur 1200-Jahrfeier der Abtei, hg. v. Aegidius Kolb u. Hermann Tüchle (1964), Augsburg 1964, VIII, 416 S., DM 32,-; Ottobeuren. Schicksal einer schwäbischen Reichsabtei, hg. v. Aegidius Kolb (1964), Kempten 21986, 276 S., € 9,-. Spezielle Fragestellungen behandeln u.a.: Buhlmann, Michael (2007), St. Georgen und Ottobeuren. Benediktinerklöster der St. Georgener Klosterreform (= VA 35), St. Georgen 2007, 56 S., € 4,-; Keller, Hagen (1964), Ottobeuren und Einsiedeln im 11. Jahrhundert, in: ZGO 112 (1964), S.373-411. [Buhlmann, 10.2007, 08.2015]

Ovid, Fasti. Der römische Festkalender. Lateinisch/Deutsch, ausgew., übers. und hg. v. Gerhard Binder (2014) (= RUB 19272), Stuttgart 2014, 317 S., € 9,80 > Lateinische Literatur > O Ovid

Ovid, Liebeskunst. Lateinisch/Deutsch, übers. und hg. v. Michael von Albrecht (1992) (= RUB 357), 1992, Nachdruck Stuttgart 2003, 294 S., € 5,80 > Lateinische Literatur > O Ovid

Ovid, Metamorphosen, übers. v. Hermann Breitenbach (1980) (= RUB 356), Stuttgart 1980, 791 S., DM 14,40 > Lateinische Literatur > O Ovid

Ovid, Metamorphosen. Lateinisch/Deutsch, übers. und hg. v. Michael von Albrecht (1994) (= RUB 1360), 1994, Nachdruck Stuttgart 2010, 1018 S., € 18,80 > Lateinische Literatur > O Ovid

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