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Rezensionen (Geschichte)
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RA = Rheinisches Archiv

Rabeneck, Günter [o.J.], St. Liudger (742-26.3.809). Zeittafel seines Lebens, [Essen-Werden] [o.J.] > L Liudger

Rader, Olaf B. (2010), Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. Eine Biographie, München 2010 > F Friedrich II. (von Hohenstaufen)

Raffa, Enzo [o.J.], San Gimignano. Stadt der schönen Türme. Führer Kunst und Geschichte, Terni o.J., 95 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, Stadtplan. Der toskanische Ort San Gimignano kann auf eine Geschichte bis zu der Zeit der Etrusker zurückblicken (etruskische Gräber und Funde [3./2. Jahrhundert v.Chr.], Legende um die Römer Silvio und Muzio und die catilinarische Verschwörung [63 v.Chr.]). Der Aufstieg des Ortes begann wohl im Langobardenreich (568-773/74) des 7. Jahrhunderts als Hospiz- und Raststättenstation an der Via Francigena von Nord-/Westeuropa nach Rom. Urkundlich erwähnt findet sich San Gimignano in der Schenkung des "Berges des Turmes" durch den italienischen "Nationalkönig" Hugo (926-948) an Bischof Adelhard von Volterra vom 30. August 929. Im hohen Mittelalter wurden die zwei Ortsteile San Gimignanos durch eine Ringmauer vereinigt (ca.1000). Es gab im Ort mehrere Kirchen (Dom, San Lorenzo, Augustinuskirche) und noch mehr Adelstürme (Monte, Casaglia, Ulignano, Fosci, Monteagutolo, Picchena, Santa Christina, Castelnuovo) rivalisierender Adelsfamilien. San Gimignano wurde zu einer Stadt des Handels und Gewerbes unter der Stadtherrschaft des Bischofs von Volterra (kleiner und großer Rat, Konsulat und Podestat). Die Stadt hatte bis ins 14. Jahrhundert innere Parteikämpfe, (ghibellisch-guelfische) Kriege gegen Nachbarorte und Auseinandersetzungen mit dem Stadtherrn zu bestehen. Schließlich unterwarf sich der Ort Florenz (1352) und war fortan Teil des Florentiner Contado. Zwischenzeitlich wurde San Gimignano zu einem Zentrum der Safranproduktion, doch verarmte der Ort seit dem ausgehenden Mittelalter zusehends, weil die Via Francigena als Durchgangsstraße und Handelsroute an Bedeutung verlor. So blieb es in Renaissance und Barock beim mittelalterlichen Stadtbild, das das heutige San Gimignano zu einem Zentrum des Tourismus in der Toskana macht. [Buhlmann, 12.2016]

 Ramsen, Nonnenkloster, Männerkloster: Das Nonnenkloster Ramsen, ein Priorat der Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald, gelegen bei Kirchheimbolanden, hatte aus Sicht des Schwarzwaldklosters keine Zukunft. Es war eine Schenkung des Speyerer Ministerialen Berthold von Winzingen (1146), erwies sich aber wegen der räumlichen Distanz und der Ausstattung als für das Schwarzwaldkloster unrentabel, so dass es 1174 an den Bischof Konrad II. von Worms (1171-1192) übergeben wurde. Das Kloster gehörte ab dem Jahr 1267 dem Zisterzienserorden an, im späten Mittelalter verschlechterte sich seine wirtschaftliche Lage trotz umfangreichen Grundbesitzes so, dass es 1418 aufgelöst wurde. Im Jahr 1477 wurde in Ramsen ein Männerkloster gegründet, das nur bis 1485 Bestand hatte. Nur die klösterlichen Ländereien bildeten in der Folge eine Wirtschafts- und Verwaltungseinheit innerhalb des Besitzes des Bistums Worms.
An Literatur zum Kloster Ramsen ist zu nennen: Buhlmann, Michael (2009), Das St. Georgener Priorat Ramsen in der Pfalz. St. Georgener Tochterklöster und Priorate in Mittelalter und früher Neuzeit (= VA 43), St. Georgen 2009, 48 S., € 4,-; Werle, Hans (1955), "Ramosa". Das Kloster Ramsen, Berthold von Winzingen und die pfalzgräfliche Neustadt, in: BllPfKG 22 (1955), S.129-134. > A Acht, Empfängerkonzept [Buhlmann, 09.2009]

Randall, Lisa (2008), Verborgene Universen. Eine Reise in den extradimensionalen Raum (= Fischer Tb 17438), Frankfurt a.M. 42011 > U Universum

Ranke, Leopold von (1942), Alexander der Große. Aufstieg und Untergang der mazedonischen Weltmacht, Köln 1942 > A Alexander der Große

Rappmann, Roland, Zettler, Alfons (1998), Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter (= AG 5), Sigmaringen 1998 > R Reichenau

Rath, Gebhard, Reiter, Erich (Bearb.) (1989), Das älteste Traditionsbuch des Klosters Mondsee, Linz 1989, 255 S. > Lateinische Literatur > A Ältestes Traditionsbuch des Klosters Mondsee

Rave, Wilhelm (1939), Ein alter Plan der Werdener Krypten, in: Westfalen 24 (1939), S.131-135 > W Werden

Reclams Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten, hg. v. Hiltgart L. Keller (1968), Stuttgart 71991 > H Heilige des Christentums

Redlich, Otto R. (1929), Die Bedeutung von Stift und Burg Kaiserswerth für Kirche und Reich, in: AHVN 115 (1929), S.61-75 > K Kaiserswerth

Reese, Elke (2015), Das Porträt eines Kölner Kurfürsten? Fragen zur möglichen Stifterfigur eines Altars von 1513, in: AHVN 218 (2015), S.95-103. Eine Altartryptichon des Malers Jacob Claesz. van Utrecht (vielleicht 1535 als Wiedertäufer hingerichtet) aus dem Jahr 1513 zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige und darin vielleicht ein Porträt des Kölner Erzbischofs Philipps von Daun (1508-1515) als Zweiter der Könige, nebst einem an prominenter Stelle im Bild platzierten Zwerg und Hofnarren. [Buhlmann, 05.2016]

Regesta pontificum Romanorum sind sich auf Antike und Mittelalter beziehende Sammlungen von Papstregesten. Regesten sind von modernen Bearbeitern gestaltete, chronologisch geordnete, kurze Zusammenfassungen der Inhalte von Geschichtsquellen; Päpste heißen in der christlichen Kirche der Antike und des Mittelalters die römischen Bischöfe.
Im Einzelnen ergibt sich: Regesta pontificum Romanorum: Jaffé, Philipp (Hg.) (1851), Regesta pontificum Romanorum. Ab condita ecclesia ad annum post christum natum MCXCVIII, Bd.1 [-1143], Bd.2 [1143-1198], bearb. v. Ferdinand Kaltenbrunner, Paul Ewald, Samuel Loewenfeld, 2 Bde., 21885-1888, Nachdruck Graz 1956, XXXIV, 918 S., VIII, 832 S., DM 160,-, Potthast, August (Hg.) (1874/75), Regesta pontificum Romanorum. Inde ab a. post christum natum MCXCVIII ad a. MCCCIV, 2 Bde., 1874-1875, Ndr Graz 1957, VII, 2157 S., DM 168,-; Regesta pontificum Romanorum. Germania pontificia sive repertorium privilegiorum et litterarum a Romanis pontificibus ante annum MCLXXXXVIII Germaniae ecclesiis monasteriis civitatibus singulisque personis concessorum, hg. v. Theodor Schieffer: III: Provincia Maguntinensis: Pars III (1910/11): Dioeceses Strassburgensis, Spirensis, Wormatiensis, Wirciburgensis, Bambergensis, bearb. v. Albert Brackmann (1935), Berlin 1935, XXVI, 300 S., RM 20,-; Regesta pontificum Romanorum. Italia pontificia sive repertorium privilegiorum et litterarum a Romanis pontificibus ante annum MCLXXXXVIII Italiae ecclesiis monasteriis civitatibus singulisque personis concessorum, hg. v. Paul Fridolin Kehr: VIII: Regnum Normannorum - Campania, hg. v. Paul Fridolin Kehr (1935), 1935, Ndr Hildesheim 1986, XII, 479 S., € 9,80, IX: Samnium - Apulia - Lucania, hg. v. Walther Holtzmann (1962), 1962, Ndr Hildesheim 1986, XLVI, 519 S., € 11,50. [Buhlmann, 07.2015]

Reichelt, Günther (1970), Die Landschaft der Baar im Spiegel alter Karten, in: SVGBaar 28 (1970), S.34-79 > B > Baar

Reichelt, Günther (Hg.) (1972), Die Baar. Wanderungen durch Landschaft und Kultur, Villingen o.J. [1972] > B > Baar

  Reichenau, Benediktinerkloster: Das um 724 gegründete Kloster Reichenau wurde unter den karolingischen Kaisern und Königen Reichsabtei. Überhaupt war das 9. Jahrhundert eine erste Blütezeit des Klosters, der in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts unter dem Reformmönch Bern (1008-1048) eine zweite folgte. Aus dem frühen Mittelalter sind von der Reichenau der berühmte St. Galler Klosterplan (ca.820) überliefert, weiter die herausragenden Kodizes der Reichenauer Schreib- und Malschule (970-1030). Im späteren Mittelalter trat der wirtschaftliche und geistige Niedergang der adligen Mönchsgemeinschaft ein, ein Klosterbrand von 1235 verstärkte diese Entwicklung, die auch zur Aufgabe der vita communis führte. Von den Klosterreformen des 15. Jahrhunderts unberührt, wurde im Jahr 1540 die Abtei als Priorat dem Konstanzer Bistum inkorporiert. 1803 erfolgte die Säkularisation. Archtektonisch steht die Georgskirche in Reichenau-Oberzell für die Vorromanik, die Romanik für das Gotteshaus St. Peter und Paul in Reichenau-Unterzell; die Abteikirche in Mittelzell verbindet eine romanische Basilika mit einem gotischen Chor.
Die Geschichte der Reichenau fasst zusammen und beleuchtet in vielen Aspekten: Beyerle, Konrad (Hg.) (1925), Die Kultur der Abtei Reichenau. Erinnerungsschrift zur zwölfhundertsten Wiederkehr des Gründungsjahres des Inselklosters 724-1924, 2 Halbbde., 1925, Nachdruck Aalen 1970, 1243 S., DM 450,-. Besondere Fragestellungen haben zum Inhalt: Classen, Peter (Hg.) (1977), Die Gründungsurkunden der Reichenau (= VuF 24), Sigmaringen 1977, 88 S., DM 25,-; Fehrenbach, Theodor, Weißer, Alfons (1995), Die Reichenau und ihre drei Kirchen, Reichenau-Mittelzell 111995, 23 S., DM 3,-; Klüppel, Theodor (1980), Reichenauer Hagiographie zwischen Walahfrid und Berno, Sigmaringen 1980, 179 S., DM 24,-; Kreutzer, Thomas (2008), Verblichener Glanz. Adel und Reform in der Abtei Reichenau im Spätmittelalter (= VKGLBW B 168), Stuttgart 2008, XLIX, 582 S., € 49,-; Maurer, Helmut (1974), Die Abtei Reichenau. Neue Beiträge zur Geschichte und Kultur des Inselklosters (= Bodensee-Bibliothek, Bd.20), Sigmaringen 1974, 622 S., DM 52,-; Rappmann, Roland, Zettler, Alfons (1998), Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter (= AG 5), Sigmaringen 1998, 586 S., € 39,80; Szkiet, Christine (2005), Reichenauer Codices in Schaffhausen. Die frühen Handschriften des Schaffhauser Allerheiligenklosters und ihre Stellung in der südwestdeutschen Buchmalerei des 11. Jahrhunderts (= Kieler kunsthistorische Studien, Neue Folge, Bd.9), Kiel 2005, 236 S., € 14,95; Zettler, Alfons (1988), Die frühen Klosterbauten der Reichenau. Ausgrabungen - Schriftquellen - St. Galler Klosterplan (= AG 3), Sigmaringen 1988, 362 S., DM 88,-. Eine neue, nur punktuelle Perspektiven bietende Zusammenfassung von Kloster- und Inselgeschichte geben: Spicker-Beck, Monika, Keller, Theo (2001), Klosterinsel Reichenau. Kultur und Erbe, Stuttgart 2001, 127 S., zahlreiche Abbildungen, DM 39,80. > R Reichenauer Texte und Bilder [Buhlmann, 06.2011]

  Reichenauer Texte und Bilder, hg. v. Walter Berschin bieten Einblicke in die Literatur, Überlieferung und Kunst des ehemaligen benediktinischen Bodenseeklosters Reichenau. Erschienen sind bisher: RTB 1 (1999): Berschin, Walter, Klüppel, Theodor, Die Reichenauer Heiligblut-Reliquie, Stuttgart 21999, 63 S., DM 16,-; RTB 2 (1992): Berschin, Walter, Klüppel, Theodor, Die Legende vom Reichenauer Kana-Krug. Die Lebensbeschreibung des Griechen Symeon, Sigmaringen 1992, 52 S., € 8,20; RTB 3 (1992): Berschin, Walter, Staub, Johannes, Die Taten des Abtes Witigowo (985-997). Eine zeitgenössische Biographie des Purchart von der Reichenau, Sigmaringen 1992, 66 S., DM 16,-; RTB 4 (1994): Berschin, Walter, Klüppel, Theodor, Der Evangelist Markus auf der Reichenau, Sigmaringen 1994, 89 S., € 8,20; RTB 5 (1994): Drös, Harald, Das Wappenbuch des Gallus Öhem, Sigmaringen 1994, 68 S., € 8,20; RTB 6 (1997): Konrad, Bernd, Weimar, Gertrud, Heilige am Bodensee. Der spätgotische Flügelaltar im Reichenauer Münster (1498), Sigmaringen 1997, 76 S., € 8,20; RTB 7 (1994): Pörnbacher, Mechthild (Hg.), Walahfrid Strabo, Zwei Legenden (Blathmac, der Märtyrer von Iona, Mammes, der christliche Orpheus), Sigmaringen 1997, 104 S., DM 16,-; RTB 8 (1999): Berschin, Walter, Zettler, Alfons, Egino von Verona. Der Gründer von Reichenau-Niederzell (799), Stuttgart 1999, 72 S., DM 16,-; RTB 9 (2002): Antoni, Richard, Leben und Taten des Bischofs Pirmin. Eine karolingische Vita, Stuttgart 2002, 114 S., € 9,90; RTB 10 (2002): Konrad, Bernd, Weimar, Gertrud, Weimar, Peter, Die Renaissancefresken im spätgotischen Chor des Reichenauer Münsters, Stuttgart 2002, 112 S., € 9,90; RTB 11 (2005): Berschin, Walter, Hellmann, Martin, Hermann der Lahme. Gelehrter und Dichter (1013-1054), Heidelberg 22005, 114 S., € 9,90; RTB 12 (2004): Knittel, Hermann (Hg.), Heito, Walahfrid Strabo, Visio Wettini, Heidelberg 2004, 156 S., € 9,90; RTB 13 (2007): Berschin, Walter (Hg.), Walahfrid Strabo, De cultura hortorum (Hortulus). Das Gedicht vom Gartenbau, Heidelberg 2007, 106 S., € 9,90; RTB 14 (2008): Hollick, Bernhard (Übers.), Opusculum Herimanni: De octo vitiis principalibus. Eine Vers- und Lebensschule, Heidelberg 2008, 152 S., € 14,80. > R Reichenau [Buhlmann, 06.2011]

Reichenbach, Klosterreichenbach, Benediktinerkloster: Das Priorat Reichenbach war eine Gründung Abt Wilhelms von Hirsau (1069-1091), der 1082 auf Veranlassung des adligen Stifters Bern die cella sancti Gregorii im Schwarzwald an der Murg errichtete. Die enge Verflechtung mit Hirsau blieb in der Folgezeit bestehen, der Hirsauer Abt besaß das Recht der Ein- und Absetzung des Reichenbacher Priors, Loslösungstendenzen des Priorats wurden erfolgreich unterbunden. Die Vogtei über Priorat und Klosterbesitz besaßen zunächst die Grafen von Calw, um 1200 die Pfalzgrafen von Tübingen, im 14. Jahrhundert die Grafen von Eberstein. 1399 erlangten die Markgrafen von Baden einen Anteil an der Kastvogtei, Markgraf Bernhard I. von Baden (1372-1431) erhöhte im Interesse seiner Landesherrschaft den Druck auf das Priorat, dessen Mönche wohl daraufhin zur Besitzwahrung und -dokumentation das Reichenbacher Urbar von 1427 anfertigten. Das Eingreifen der Grafen von Württemberg auf Hirsauer Seite führte dazu, dass Reichenbach im 15. und 16. Jahrhundert ständiges Streitobjekt zwischen Baden und Württemberg wurde. So setzte Markgraf Karl I. von Baden (1453-1475) im Jahr 1472 gewaltsam seinen Kandidaten als Prior durch, die Zusammensetzung des Konvents, der aus dem Landadel und den Ratsfamilien der Umgebung kam, wurde im badischen Sinne beeinflusst. Die Reformation und die Säkularisierung Hirsaus (1535) durch den Württemberger Herzog Ulrich I. (1498-1550) verstärkten den Streit, da Reichenbach unter badischer Kontrolle und somit katholisch blieb. 1595 besetzte Herzog Friedrich I. von Württemberg (1568-1608) Reichenbach, 1602 erwarb er die Vogteirechte, 1603 wurde in Reichenbach die Reformation eingeführt. Nach einem katholischen Zwischenspiel zwischen Restitutionsedikt (1629) und Westfälischem Frieden (1648) wurde Reichenbach endgültig württembergisch. Das Reichenbacher Schenkungsbuch aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und das Reichenbacher Urbar von 1427 geben einen guten Einblick in die Grundherrschaft des Priorats. Danach besaß die geistliche Kommunität im späten Mittelalter nicht nur das Klosterterritorium im oberen Murgtal, sondern auch Besitzschwerpunkte im Gebiet von Neckar und oberer Nagold sowie Streubesitz um Oppenau, Achern, Gernsbach, Ettlingenweier und Pforzheim. Das Urbar verweist auf Ortsherrschaften, Gerichtsrechte, Frondienste und Abgaben an über 60 Orten, teilweise schimmert noch die hochmittelalterliche Fronhofsverfassung der Grundherrschaft durch. Die heutige Reichenbacher Kirche geht, was Langhaus, Vorhalle und Westturmpaar betrifft, auf das Gotteshaus von oder kurz nach 1082 zurück. Verändert wurde im ausgehenden 12. Jahrhundert der Chor, zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Vorhalle. Die Klosteranlage wurde nach der württembergischen Okkupation durch eine Ringmauer geschützt. Bedeutende Prioren aus Reichenbach waren Theoger von St. Georgen (ca.1085-1088) und Wolfram Maiser von Berg (1423-1428), der die Niederschrift des Reichenbacher Urbars veranlasste.
Zu Reichenbach s. an Quellen: Keyler, Regina (Bearb.) (1999), Das älteste Urbar des Priorats Reichenbach von 1427 (= VKGLBW A 51), Stuttgart 1999, XXVI, 222 S., Abbildungen, Karten, DM 38,-; Molitor, Stephan (Bearb.) (1997), Das Reichenbacher Schenkungsbuch (= VKGLBW A 40), Stuttgart 1997, XXVI, 269 S., Karten, DM 40,-, an Darstellungen: Hahn, Dorothea, Frenzel, Burkhard, Wein, Gerhard (1982), Kloster Reichenbach 1082-1982, Freudenstadt 1982, 116 S., Abbildungen, Karten, DM 12,-. [Buhlmann, 11.2004, 09.2015]

Reichenmiller, Margareta (1964), Das ehemalige Reichsstift und Zisterziensernonnenkloster Rottenmünster. Studien zur Grundherrschaft, Gerichts- und Landesherrschaft (= VKWGLBW B 28), Stuttgart 1964 > R Rottenmünster

Reichert, Folker (2013), Das Bild der Welt im Mittelalter, Darmstadt 2013, 160 S., Farbabbildungen, € 29,95. Texte und Karten geben Auskunft darüber, wie mittelalterliche Menschen des christlichen Europa über die Welt dachten. Es beginnt im Übergang von der Antike zum Frühmittelalter mit den Etymologiae des westgotischen Bischofs Isidor von Sevilla (†626). Die Etymologiae transportierten antikes Wissen ins Mittelalter und blieben für das Bild, das sich die ersten Jahrhunderte des Mittelalters von der Welt machten, maßgeblich. Antike Geografie und Kartografie (Tabula Peuteringia, Kosmas Indikopleustes) reichte dabei hauptsächlich von Nordafrika im Süden bis zu den britischen Inseln im Norden, vom Atlantik im Westen bis nach Arabien, Indien und China im Osten. Im Mittelalter entstanden die schematischen TO-Karten, die drei Kontinente Asien, Europa und Afrika zeigen (auch als Hemisphärenkarten); daneben gab es Zonen- und Klimakarten. Die mittelalterlichen Weltkarten waren symbolisch und christlich-heilsgeschichtlich aufgeladen (Oxforder Weltkarte, Hereford-Karte, Ebstorfer Weltkarte; Jerusalem als Mittelpunkt der Welt; christliche Kartografie). Mittelalterliche Kartografie war eingebunden in die Ansicht der Erde als Erdglobus (Kugelgestalt der Erde) im Weltall (mundus, Kosmos-Ei), wie sie der fast anonyme Gelehrte Honorius Augustodunensis (12. Jahrhundert) in seiner Imago mundi ("Bild der Welt") schildert. Den Wundern in der Welt spürten dann aber nicht nur die Karten nach. Auch Gervasius von Tilbury (†ca.1235) führte in seinen Otia imperialia, einer Weltbeschreibung, zahlreiche natürliche Wunder auf, von Tieren und Pflanzen bis hin zu den Wundervölkern am Rand der Ökumene. Jenseits von Spiritualität und Wunderglauben erschloss sich seit dem 13. Jahrhundert durch Mongolengefahr und Mongolenreich die Welt Asiens und Ostasiens (Johannes von Plano Carpini, Wilhelm von Rubruk, Marco Polo). Im späten Mittelalter kamen Spezialkarten auf, etwa die "Augenscheinkarten" in rechtlichen Angelegenheiten (Grenzkarten) gab oder Reisekarten zu den Pilgerzielen der Christenheit (Romwegkarte des Erhard Etzlaub). Wichtig für die Seefahrt z.B. auf dem Mittelmeer wurden auch die Portulankarten (Kompass und Karte, Liniennetz); damit zusammenhängend beschrieb der Humanist Christoforo Buondelmonti (†ca.1430) aus Florenz über seine "Inselwelten". Neue Impulse gab am Ende des 14. Jahrhunderts die Entdeckung der Kartografie des antiken Geografen Klaudios Ptolemaios, die gerade bei den Humanisten Verbreitung fand (Karte und Gradnetz; frühe Drucke, u.a. die Ulmer Ausgaben 1482, 1486). Für das endende Mittelalter stehen die Weltkarte des venezianischen Kamaldulenserlaienbruders Fra Mauro (†1459), die Kartentafeln des Henricus Martellus Germanus (†1496), der Reisebericht des niederrheinischen Adligen Arnold von Harff (†1505; Reise: Rom - Sinai - Jerusalem - Konstantinopel - Santiago), für die geografischen Veränderungen im europäischen Weltbild an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert schließlich die portugisisch-spanischen Entdeckungen, der Behaim-Globus und die Cosmographia des Sebastian Münster (†1552). [Buhlmann, 05.2015]

Reichmann, Christoph (2013), Der Ansiedlung der Salfranken in Toxandrien, in: AHVN 216 (2013), S.1-15. Die salischen Franken (Salii, zu: -seli/sali für "zeitweiligen Wohnsitz" [Ortsnamen], wohl als fränkischer Teilstamm) ließen sich 337/40 im römischen Toxandrien nieder, wo Kaiser Constans I. (337-350) sie in seinem Niederrheinfeldzug von 341/42 bekriegte und mit ihnen einen foedus abschloss (342; römische Münzen mit Vertrag als Thema, Münzanhänger von Krefeld-Fischeln [als Vertragsnachweis, als vereinfachte Form römischer Militärdiplome]). Auf diesem förmlichen Vertrag von 342 beruhte u.a. die Ansiedlung von Saliern im Duisburger Raum (Dispargum als Duisburg) zur Sicherung des Hellwegs und des Handels (Handelsplatz [Duisburg-] Serm). Der Caesar Julian (†363) bekämpfte 356/58 diese rechtsrheinischen Salier (deren Ausweichen ins Bergische Land) und erneuerte 358 den foedus von 342. [Buhlmann, 04.2014]

Reinhardt, Volker (1998), Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance (= BSR 2028), München 1998, 122 S., DM 14,80. Im mittelalterlichen Florenz ist der Familienclan der Medici seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts bezeugt. Im 13. Jahrhundert waren die Medici, zugehörig zum popolo der Stadt Florenz, nur am Rande beteiligt an der politischen Entwicklung der Kommune zwischen Ghibellinen und Guelfen, zwischen Aristokratie und wirtschaftlich aufstrebendem Bürgertum (primo popolo). Die wirtschaftlich erfolgreiche Hauptlinie der Medici ("di Averardo" oder "di Cafaggiolo") gelangte erste gegen Ende des 14. Jahrhunderts in politisch wichtige Positionen (Salvestro di Medici als gonfaloniere 1378; Ciompi-Aufstand 1378), als sich aus dem Stadtstaat der Territorialstaat Florenz (unter Einschluss von Prato, Pistoia, Arezzo u.a.) schon entwickelt hatte. U.a. mit der Gründung der Medici-Bank (1397) gelang Giovanni di Medici (†1429) eine beträchtliche Ausweitung des politischen Einflusses seiner Familie in Florenz gegen die damals regierende Oligarchie (Medici-"Faktion"). Giovannis Sohn Cosimo (†1464) richtete die informelle Signorie der Medici in Florenz auf; Parteigänger der Familie besetzten dabei wichtige politische Positionen innerhalb der Stadt, die Medici beeinflussten das Leben der Stadt in Kunst und Kultur (Mäzenatentum: Palazzo Medici, Dominikanerkloster San Marco), Wirtschaft und Verwaltung. Unter Cosimos Sohn Piero (†1469) und Cosimos Enkel Lorenzo "il Magnifico" (†1492) konnte die Vormacht der Medici auch gegen Widerstände noch ausgebaut werden; Lorenzo überlebte 1478 ein Attentat, bei dem sein Bruder Giuliano ermordet wurde (Pazzi-Verschwörung). Gestützt wurde die Macht der Medici auch durch politisch-familiäre Verbindungen zu anderen italienischen Staaten; Lorenzos Sohn Giovanni wurde 1489 Kardinal an der römischen Kurie (später Papst Leo X. [1513-1521]). Lorenzos Sohn Piero (†1503) wurde 1494 aus Florenz vertrieben, die Republik des popolo grasso lebte damals wieder auf. 1512 sollten die Medici indes ihre Machtstellung in Florenz wiedererlangen, seit 1537 war Cosimo I. (†1574) Herzog von Florenz, seit 1569 Großherzog der Toskana. [Buhlmann, 09.1998]

Reinhardt, Volker (2002), Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur (= BSR 2191), München 2002, 128 S., Schwarzweißabbildungen, € 7,90. Das (nördliche) Italien des späten Mittelalters, besonders des 15. und 16. Jahrhunderts, war - politisch gesehen - ein Flickenteppich von Staaten (Monarchien, Signorien, Republiken), unter denen die fünf Vormächte Venedig, Mailand, Florenz, Rom (Kirchenstaat), Neapel (Königreich Sizilien) hervorragten (Frieden von Lodi [1454], Italien zwischen Frankreich und Spanien-Habsburg [Königreich Neapel, Herzogtum Mailand, Sacco di Roma 1527]). In diesem politischen Umfeld war die Kunst der Renaissance (ca.1430-1560) angesiedelt, eine Kunst der Fürstenhöfe, der Mäzene und Künstler (Herrschaft und Inszenierung von Herrschaft durch Kunst), die nach ganz Europa hin ausstrahlte. [Buhlmann, 07.2002]

Reinhardt, Volker (2012), Machiavelli oder Die Kunst der Macht. Eine Biographie, München 2012, 400 S., Schwarzweißabbildungen, 1 Karte, Zeittafel, € 24,95. Niccolò Machiavelli (*1469-†1527) wurde in einen verarmten Familienzweig der Florentiner Machiavelli hineingeboren, genoss aber eine umfangreiche Ausbildung und Erziehung, die ihn u.a mit klassisch-lateinischen Autoren wie Livius und Ovid bekannt machte. Nach dem Sturz Savanarolas (1498) wurde Machiavelli Zweiter Kanzler der Republik Florenz und führte im Auftrag von Regierung (gonfaloniere Piero Soderini) und Rat (governo largo) erfolgreich diplomatische Aufträge durch (Gesandtschaften zu König Ludwig XII. von Frankreich, Cesare Borgia, Kaiser Maximilian I. u.a.). Ausfluss dieser Tätigkeit waren die Denkschriften Machiavellis über Deutschland und die Schweizer Eidgenossenschaft (1508). 1509 gelang mit Hilfe der von Machiavelli aufgestellten Bauernmilizen die Eroberung von Pisa, das 1494 von Florenz abgefallen war. Die alleinige politische Anbindung an Frankreich (Gegenkonzil von Pisa 1511 u.a.) führte indes Florenz in die Niederlage gegen Papst und Spanier, die Medici kehrten nach Florenz zurück, die Dienste des Republikaners Machiaveli wurden nicht mehr gebraucht (1512). Letzterer überstand Inhaftierung und Folterung infolge seiner angeblichen Beteiligung an einer Verschwörung gegen die Medici (1513). Bis 1513 war Machiavellis Schrift "Vom Fürsten" (De principatibus) entstanden, der 1513/17 der an Livius angelehnte Traktat "Von der Republik" (Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio) folgte. In den beiden Schriften trennt Machiavelli provozierend Politik (Macht) und Moral, erweist sich aber mit seinem Traum von der "perfekten Republik" als gesellschaftspolitischer Idealist. Politisch interpretierbar sind auch sein 1517/19 fertiggestellten Komödien La Mandragola und Clizia sowie seine 1519/20 verfasste Biografie über den Luccheser Stadtherren Castruccio Castracani degli Antelminelli (†1328). 1520/25 folgt die Istorie Fiorentino, die "Geschichte von Florenz", die Machiavelli im Auftrag des Kardinals und Papstes Giulio de Medici (Papst Clemens VII., 1523-1534) verfasste (Kritik Machiavellis an der Mediciherrschaft über Florenz). Gegen Ende seines Lebens (1526/27) führte Machiavelli noch politische Aufträge in Norditalien durch (Warnungen vor dem kaiserlichen Söldnerheer) und erlebte noch den Sacco di Roma (1527). [Buhlmann, 02.2012]

Reinhardt, Volker (2013), Geschichte von Florenz (= BSR 2773), München 2013, 128 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, 1 Karte, € 8,95. Das römische Florenz entstand im Jahr 59 v.Chr. als Folge eines Ackergesetzes des damaligen Konsuls Gaius Julius Cäsar (†44 v.Chr.) für die Soldaten des Gnaeus Pompejus (†48 v.Chr.); die römische Kolonie Florentia mit cardo (Via Cassia) und decumanus lag am schiffbaren Arno, entwickelte sich mit zu einem Handelsort und zu einem Zentrum der Woll- und Kupferverarbeitung, erreichte ihre Blütezeit im 3. Jahrhundert n.Chr. und wurde zum Verwaltungszentrum für das römische Tuszien (Tempel, Amphitheater, Thermen). Um die Mitte des 3. Jahrhunderts soll der heilige Minias hier das christliche Martyrium erlitten haben, spätestens ab 313 gab es einen Bischof in Florenz. Neben Minias/Miniato ist für den Beginn des 5. Jahrhunderts die Verehrung der heiligen Reparata nachweisbar, ebenso eine Belagerung von Florenz durch die Ostgoten. Zwischenzeitlich (539-568) oströmisch, wurde Florenz als Teil des Langobardenreiches zum Sitz eines langobardischen dux (n.569), in karolingischer Zeit (774-875) wurde Florenz in das System der karolingischen Grafschaftsverfassung eingebunden (854). In der Stadt ansässiger Adel (Uberti, Giandonati, Buondelmonti als maiores), Bischöfe, Kirchen und Klöster (Kamaldulenser, Benediktinerkloster St. Miniato [1014], Baptisterium [1060/1150]) bestimmten im 10. und 11. Jahrhundert - unter der Stadtherrschaft der Markgrafen von Tuszien - die politische und wirtschaftliche Entwicklung von Florenz (Textilproduktion, Stadtmauer [1078], vergebliche Belagerung von Florenz durch König Heinrich IV. [1082]). Für das beginnende 12. Jahrhundert sind Vorstädte (borghi) von Florenz nachweisbar und ein sich strukturierendes Einzugsgebiet (contado; Sieg über die Adelsfamilie Adimari [1107], Eroberung von Fiesole [1125]), erstmals 1138 eine Konsularverfassung mit vier gewählten Konsuln. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts rückten neben die maiores neue konkurrierende Familienclans in die städtische Oberschicht auf, die - wirtschaftlich erfolgreich - ebenso erfolgreich adligen Lebensstil nachahmten (Geschlechtertürme, Landbesitz, Grabkapellen). Um 1200 - inmitten eines starken demografischen und wirtschaftlichen Wachstums - hatte Florenz rund 25000 Einwohner, neue Familien waren zugezogen und bildeten den popolo mit seinen Institutionen. Podesta-Verfassung und Parteiungen zwischen Ghibellinen und Guelfen vor dem Hintergrund zeitweiligen Einflusses staufischer Kaiser und Könige (1150er-, 1230er-, 1240er-Jahre) mündeten 1282 ein in die "Zunftherrschaft" der Kaufleute, Textilhersteller und Handwerker. Deren oligarchisches Regiment (21 arti maggiori, 16 gonfaloni, Tre Maggiori [Signoria mit gonfaloniere, 12er-, 16er-Gremium]) gründete nicht zuletzt auf der Stadt Florenz als europäisches Zentrum der Textilherstellung und der Banken (Palazzo della Signoria/Vecchio [1302], Eroberung von Pistoia, Arezzo u.a. [bis 1340]). Der Zusammenbruch der florentischen Banken (1338/43), die kurzzeitige Alleinherrschaft des Johann von Brienne (1342/43) und die Pest (1348, 1363) lösten in der bis dahin rund 100000 Einwohner zählenden Stadt wirtschaftliche Krisen und weitere Parteikämpfe aus (Ciompi-Aufstand [1378] und Wiederherstellung der Oligarchie [1382]); Florenz wurde vom Mailänder Herzog Gian Galeazzo Visconti (†1402) bedroht, konnte aber 1406 durch die Eroberung von Pisa direkten Zugang zum Meer gewinnen (Ospedale degli Innocenti [1419], Domkuppel [1420/36]). Ab 1434 stand die Republik Florenz unter der Herrschaft der Medici. U.a. mit der Gründung der Medici-Bank (1397) gelang Giovanni di Medici (†1429) eine beträchtliche Ausweitung des politischen Einflusses seiner Familie in Florenz gegen die damals regierende Oligarchie (Medici-"Faktion"). Giovannis Sohn Cosimo (†1464) richtete die informelle Signorie der Medici in Florenz auf; Parteigänger der Familie besetzten dabei wichtige politische Positionen innerhalb der Stadt, die Medici beeinflussten das Leben der Stadt in Kunst und Kultur (Mäzenatentum: Palazzo Medici, Dominikanerkloster San Marco), Wirtschaft und Verwaltung. Unter Cosimos Sohn Piero (†1469) und Cosimos Enkel Lorenzo "il Magnifico" (†1492) konnte die Vormacht der Medici auch gegen Widerstände noch ausgebaut werden; Lorenzo überlebte 1478 ein Attentat, bei dem sein Bruder Giuliano ermordet wurde (Pazzi-Verschwörung). Gestützt wurde die Macht der Medici auch durch politisch-familiäre Verbindungen zu anderen italienischen Staaten; Lorenzos Sohn Giovanni wurde 1489 Kardinal an der römischen Kurie (später Papst Leo X. [1513-1521]). Lorenzos Sohn Piero (†1503) wurde 1494 aus Florenz vertrieben, die Republik des popolo grasso lebte damals unter dem streitbaren Prediger Savanarola (†1498; Verbrennung des Savanarola [1498]) wieder auf. 1512 sollten die Medici indes ihre Machtstellung in Florenz wiedererlangen, seit 1537 war Cosimo I. (†1574) Herzog von Florenz, seit 1569 Großherzog der Toskana. Die Medici-Großherzöge regierten Florenz bis 1737 im Großen und Ganzen erfolgreich (Einbindung des florentischen Adels in die Herrschaft, kulturelle Impulse in der "Stadt der Erinnerung" [Francesco Vettori, Giorgio Vasari, Accademai del designo, Camerata fiorentina, Galilei Galileo]). 1737, nach dem Aussterben der Medici im Mannessstamm, folgten diesen die Großherzöge aus dem Hause Habsburg-Lothringen nach. Großherzog Pietro Leopoldo (1765-1790, Kaiser Leopold II. 1790-1792) führte im Sinne der Aufklärung Modernisierung durch, die Gesellschaft (Adel, Abschaffung der Todesstrafe [1786]) und Wirtschaft (Abschaffung der Zünfte [1770]) betrafen. Mit der französischen Herrschaft über Florenz (1799-1814) im Gefolge der Französischen Revolution (1789) gelangte die Stadt vollends auf den "Weg in die Moderne", zunächst im restaurierten Großherzogtum der Habsburger (Revolution von 1848/49), dann im Italien der piemontesischen Könige (1859/61; Florenz als Hauptstadt Italiens [1865-1870]). Im Italien des 20. Jahrhunderts machte Florenz die faschistische Ära Benito Mussolinis und den Zweiten Weltkrieg (1939-1945; deutsche Besetzung [1943]) mit, heute ist Florenz wegen seiner Kulturschätze ein Zentrum des internationalen Tourismus.
Vgl. noch: Beuys, Barbara (1992), Florenz. Stadtwelt - Weltstadt. Urbanes Leben von 1200 bis 1500, Reinbek b.H. 1992, 331 S., DM 42,-. [Buhlmann, 05.2013]

Reinhardt, Volker (2016), Pius II. Piccolomini. Der Papst, mit dem die Renaissance begann, München 2013, 392 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Zeittafel, € 24,95. Enea Silvio Piccolomini wurde am 18. Oktober 1405 in Corsignano (bei Siena) geboren und gehörte einer verarmten Adelsfamilie aus Siena an. Seine Kindheit verbrachte Enea in seinem Heimatdorf Corsignano; Siena und Florenz waren die Städte, in denen der Adlige auf Grund von Studium und Ausbildung zu einem bedeutenden Humanisten wurde. Schon damals wusste Enea (nicht nur in Sachen Liebesaffären) gesellschaftliche Netzwerke zu nutzen, wobei ihm seine erworbene Meisterschaft in lateinischer Rhetorik half. Als Scholar und Sekretär des Kardinals Domenici Capranica gelangte er ans Basler Konzil (1432), in dessen Auftrag er in der Folge als Schreiber und Vertreter des Konziliarismus tätig wurde (Rede vor dem Herzog von Mailand 1433, Anschlag auf Papst Eugen IV. [1431-1447] 1435, Schottlandreise 1435/36, Suspension Papst Eugens IV. 1438, Pestepidemie 1439, Schrift Libellus dialogorum de concilii generalis auctoritate 1440) und als Sekretär des Gegenpapstes Felix V. (1439-1449; Leitung des Konklaves 1439, Sekretär 1440/42). In habsburgischen Diensten König Friedrichs III. (1440-1493) befand sich Piccolomini als Kanzleisekretär ab dem Jahr 1442. Damals schrieb er erotische Werke ("Geschichte von den zwei Liebenden", Chrysis 1444) und ein Satyretraktat ("Über das Elend der Hofleute", 1444). Als Diplomat des römisch-deutschen Königs bereinigte er sein Verhältnis zu Papst Eugen IV. (1445, Ernennung zum päpstlichen Sekretär). Diplomatische Reisen im Auftrag des Königs prägten die nächsten Jahre (1447/51). Papst Nikolaus V. (1447-1455) machte ihn, der inzwischen Priester geworden war (Subdiakonat 1446), zum Bischof von Triest (1447), dann zum Bischof von Siena (1450). 1452 empfing Piccolomini die Braut Friedrichs III., Eleonora von Portugal, in Livorno und führte Braut und Bräutigam zusammen, bevor es zur römischen Kaiserkrönung Friedrichs ging (Organisation der Krönung). Die Zeit der osmanischen Eroberung Konstantinopels (1453) war auch geprägt von einer Anzahl von Schriften Piccolominis ("Österreichische Geschichte", Dialogus 1453/55, Germania 1457/58). 1456 wurde Piccolomini durch Papst Kalixt III. (1455-1458) zum Kardinal erhoben, 1458 erfolgte seine Wahl zum Papst (1458-1464). Als Papst Pius II. stärkte Piccolomini die Stellung des Papsttums (gegen den Konziliarismus, Bulle Execrabilis 1460) und berief nach Mantua (Gonzaga) einen Kreuzzugskongress ein (1459/60, Eingriffe in die inneren Angelegenheiten der Stadt Siena 1459 [Beteiligung des Adels an der Politik der Stadt]). Dem Kreuzzugskongress war indes nur mäßiger Erfolg beschieden. Dem von ihm betriebenen Nepotismus widersprachen Reformbestrebungen des Papstes (Reformentwurf, Reformschriften des Nikolaus von Kues). Im Kirchenstaat griff Pius II. hart und erfolgreich durch (römisch-republikanische Unruhen 1460, Prozess gegen Sigismondo Malatesta von Rimini 1461). Im Krieg um das und im Königreich Neapel stand Pius II. auf der Seite des aragonesischen Königs Ferrante (1458-1494) gegen die französischen Anjou (u.a. 1461). In den letzten Jahren seines Pontifikats betrieb Piccolomini - obwohl gesundheitlich schwer angeschlagen (Badeaufenthalte des Papstes) - den architektonischen Ausbau seines Geburtsortes Corsignano, der nun Pienza hieß (Kathedrale, Palazzo, Piazza, Erhebung des Ortes zum Bischofssitz Pienza 1462), weiter schrieb er an seiner "Autobiografie" (Commentarii 1462/64). Anlässlich seines nur ungenügend vorbereiteten Kreuzzugsunternehmen begab sich Pius II. nach Ancona, wo er in der Nacht vom 14. auf dem 15. Oktober 1464 verstarb. Der Leichnam des Papstes wurde in der Peterskirche in Rom beigesetzt. S. noch: Aeneas Silvius de Piccolomini, Historia Austrialis. Österreichische Geschichte, hg. v. Jürgen Sarnowsky (2005), Darmstadt 2005 > F Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe. > Lateinische Literatur > P Piccolomini, Enea Silvio [Buhlmann, 08.2016]

Reitz, Manfred (2007), Schinderhannes und Spießgesellen. Kleine Geschichte der Räuber und Raubritter, Ostfildern 2007, 160 S., Schwarzweißabbildungen, € 7,-. Adelskrise und wirtschaftliche Veränderungen ließen im späten Mittelalter (13.-15./16. Jahrhundert) manche Ritter ["Raubritter"; fragwürdiger Begriff!] zur Fehde besonders gegen Kaufleute, Bürger und Städte greifen, wobei Überfälle und Lösegeld ein Auskommen sichern sollten (Philipp von Hohenfels [13. Jahrhundert, Mitte], Thomas von Absberg [†1531], Mangold von Eberstein [16. Jahrhundert, 1. Hälfte], Götz von Berlichingen [†1562]). Mit dem Beginn der frühen Neuzeit (16.-18. Jahrhundert) verschwanden Fehdewesen und "Raubritter"; Räuber, Mordbrenner und Wilderer, (arbeitslose) Söldner und Marodeure, auch kriminelle Frauen verübten nun ihre Verbrechen (Diebstahl, Raub, Mord und Totschlag). Ein Tiefpunkt dieser Entwicklung war sicher im und kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erreicht, der in der frühen Neuzeit erreichten Territorialisierung zum Trotz (Peinliche Halsgerichtsordnung [1532] und Todesstrafe [Hängen, Rädern], Prozess und Folter, Zwangsarbeit und Galeerenstrafe, Gefängnisse und Freiheitsstrafen [17. Jahrhundert, 2. Hälfte], Polizei [18. Jahrhundert]). Noch im 18./19. Jahrhundert gab es erfolgreiche (auch sozialromantisch verklärte) Räuberbanden (Friedrich Schwan ["Sonnenwirtle", †1760], Jakob Reinhardt ["Hannikel", †1787], Johannes Bückler ["Schinderhannes", †1802], Georg Philipp Lang ["Hölzerlips", †1812]). [Buhlmann, 04.2012]

Rellinghausen, Frauenstift an der unteren Ruhr, Stadtteil von Essen, Großstadt in Nordrhein-Westfalen: I. (Essen-) Rellinghausen weist eine bis ins frühe Mittelalter zurückreichende Geschichte auf. Der Ort Rellinghausen wird erstmals zu 858/63 erwähnt anlässlich einer Schenkung des Kirchenzehnts an die damals neu gegründete Essener Frauengemeinschaft. Ab dem Jahr 943 verfügte das Benediktinerkloster (Essen-) Werden über den Zehnten in Rellinghausen. Die Rellinghauser Kirche weist wahrscheinlich ins 9. Jahrhundert zurück; dieser Datierung entspricht das erstmals 1311 erwähnte Lambertuspatrozinium des Gotteshauses. Die Nennung Rellinghausens im berühmten Testament der Essener Äbtissin Theophanu (1039-1058) setzt jedenfalls mindestens die Existenz einer Kirche voraus. II. Über die Anfänge der Frauengemeinschaft Rellinghausen ist nichts bekannt. Nachrichten, wonach die Kommunität von der Essener Äbtissin Mathilde (971-1011) gestiftet wurde, stellen sich als frühneuzeitliche Fälschungen des Essener Frauenstifts dar. Zum Jahr 1158 wird eine Rellinghauser Pröpstin Ida in den mittelalterlichen Geschichtsquellen erwähnt; zum Jahr 1170 spricht die Jahrgedächtnisstiftung der Essener Äbtissin Hadwig II. von Wied (1154-v.1172?/76) von einer (Frauen-) "Gemeinschaft in Rellinghausen". Rellinghausen rückte in den Mittelpunkt des politischen Geschehens am Niederrhein, als im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts die Vogtei über das Stift zwischen den Kölner Erzbischöfen, den Grafen von Isenberg-Limburg und der Äbtissin der Essener Frauengemeinschaft umstritten war. Rellinghausen gehörte damals teilweise zur staufischen Prokuration Kaiserswerth. Im 13. Jahrhundert verdichteten sich ebenfalls Grundbesitz und Rechte um Rellinghausen zur Landesherrschaft, zur "Herrlichkeit Rellinghausen" der Rellinghauser Pröpstin als Leiterin des Stifts und "Herrin von Rellinghausen". Die Landesherrschaft der Pröpstin über das kleine Rellinghauser Territorium beiderseits der unteren Ruhr war indes eingeschränkt durch die Stiftsvögte (Rellinghauser Landfeste vom endenden 16. Jahrhundert). Für das späte Mittelalter fließen die Geschichtsquellen über Rellinghausen reichlicher. Personelle Verflechtungen zwischen den benachbarten Frauenstiften Essen und Rellinghausen werden erkennbar. Vielfach gehörten Rellinghauser Pröpstinnen auch der Essener Frauengemeinschaft an. Daneben gab es auch wiederholt Streitigkeiten zwischen den beiden geistlichen Kommunitäten. Auch über das Leben im Rellinghauser Stift (adlige und ritterbürtige Stiftsfrauen, hochadlige Pröpstin, Rellinghauser Liber ordinarius, Liturgie, Prozessionen), über die Topografie innerhalb der Stiftsimmunität (Stiftskirche als Pfarrkirche, Stiftsgebäude, Wirtschaftsgebäude) und über die wirtschaftlichen Grundlagen kann für Spätmittelalter und frühe Neuzeit viel mehr in Erfahrung gebracht werden. Die Frauengemeinschaft besaß umfangreichen Grundbesitz (spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Rentengrundherrschaft) in der Umgebung von Rellinghausen, im Bergischen Land und westlich des Niederrheins. In Krisenzeiten, etwa im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), ging manches verloren (Verkauf von Höfen), auch schädigten Kriege die Frauengemeinschaft schwer. Einnahmen aus dem Steinkohlebergbau im Stiftsgebiet sind indes seit dem späten Mittelalter belegt. Im Zeitalter der Reformation behauptete sich das Rellinghauser Stift trotz protestantischer Vögte als katholische Frauengemeinschaft. Dafür gewann - auch auf Grund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage - die Frauenkommunität Essen immer mehr Einfluss auf Rellinghauser Stift und Stiftsgebiet. Versuche der Rellinghauser Frauengemeinschaft, über die Aufnahme von Beziehungen zu den römisch-deutschen Kaisern, politisches Gegenspiel zu entwickeln, scheiterten letztlich. Und so kam es gemäß dem Vereinigungsvertrag von 1661 zu einer Übertragung von Rellinghauser Landeshoheit und Gerichtsbarkeit an die Essener Äbtissin und das Stift Essen. Rellinghausen war fortan Teil der Essener Landesherrschaft. Parallel dazu leitete nun die Rellinghauser Dechantin die Frauengemeinschaft, freilich unter Beibehaltung des Pröpstinnenamtes (1669). Mit dem Frauenstift Essen kam auch die Rellinghauser Kommunität zu ihrem Ende, als preußische Truppen das Essener Stift besetzten (1802). Die bisherige Rellinghauser Stiftsverfassung wurde aufgehoben (1803), es entstand für kurze Zeit eine Versorgungsanstalt für adlige preußische Offiziers- und Beamtentöchter (1804). Die Auflösung dieser Versorgungsanstalt (1812) ebnete den Weg zur Säkularisation des ursprünglichen Stiftsvermögens. III. Heutzutage sind im Stadtteil Rellinghausen der Großstadt Essen noch die im 19. Jahrhundert umgebaute ehemalige Stiftskirche und einzelne Gebäude des Stifts einschließlich von Resten der einstigen Ummauerung des stiftischen Immunitätsbezirks zu sehen. Überlebt hat auch der in einer Abschrift von 1577 überlieferte Rellinghauser Liber ordinarius.
Wenig gibt es zur Geschichte des Frauenstifts Rellinghausen (bzw. des Ortes Rellinghausen): Buhlmann, Michael (2016), Frauengemeinschaft Rellinghausen in Mittelalter und früher Neuzeit (= SGE 3), Essen 2016, 52 S., € 3,-; Grevel, Wilhelm (1881), Das Gerichtswesen im Stifte Rellinghausen von der ältesten Zeit bis zu dessen Auflösung, in: EB 1 (1881), S.15-45; Harleß, W[oldemar] (1911), Zwei Denkschriften über das Verhältnis von Rellinghausen und Bifang zum Stift Essen und dessen Bergregal, mitgeteilt v. Wilh[elm] Grevel, in: EB 33 (1911), S.79-132; Hoederath, Hans Theodor (1928), Das Rellinghauser Land- und Stoppelrecht. Ein Beitrag zur westfälischen Rechtsgeschichte, in: EB 46 (1928), S.329-407; Humann, F[ranz] Ant[on] (1871), Das Stift Rellinghausen, in: ZBGV 7 (1871), S.61-74; Karsch, [J.] (1881), Zur Geschichte des Stiftes Rellinghausen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, in: EB 4 (1881), S.24-43; Karsch, [J.] (1892), Das Stift Rellinghausen in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, in: EB 14 (1892), S.5-35; Karsch, [J.] (1892), Verzeichnis der Pröpstinnen und Dechantinnen des kaiserlich freiweltlichen Damenstifts Rellinghausen, in: EB 14 (1892), S.35-46; Potthoff, Ludwig (1953), Rellinghausen im Wandel der Zeit, Essen 1953, 175 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, DM N.N.; Schroer, Hans (1991), Rellinghausen und seine Geschichte, Essen 1991, Schwarzweißabbildungen, Karten, DM N.N.; Tomaszewski, H. (1963), Die Rellinghauser Stiftsdamen, in: MaH 16 (1963), S.101-106; [Buhlmann, 05.2013, 06.2016]

Remmen, Karl (2005), Die Klosterlandschaft im mittelalterlichen Stadtraum Neuss (= Libelli Rhenani, Bd.13), Köln 2005, 156 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Pläne, € 11,-. I. Die Siedlung Neuss, gelegen an der Mündung der Erft in den Rhein im Berich der rheinischen Niederterrasse, entwickelte sich seit der Karolingerzeit (8./9. Jahrhundert) um ein kreisrundes castellum Niusa auf einem Büchel (Erhebung), der mit etwas über 40 m Meereshöhe hochwasserfrei war und in den folgenden Jahrhunderten Platz für einen fränkischen Hofverband, die Frauengemeinschaft St. Quirin und das Münster bot. Zur Burg kam eine westlich davon gelegene Kaufmannsvorstadt als suburbium. In ottonisch-salischer Zeit (10./11. Jahrhundert) stellte sich Neuss als "Siedlungscluster" dar; bevorzugt wurden bei der Bebauung weitere (sechs) Büchel, neben der Büchelburg und dem Handwerker- und Kaufleuteareal gab es mit Türmen versehene Freihöfe des Ortsadels. Die staufische Zeit (12./13. Jahrhundert) war dann die Zeit der Neusser Stadtentwicklung, topografisch gesehen der Ummauerung des Ortes (spätromanische Stadtmauer, Stadtgraben), der Ausdehnung der Siedlung (über die die Büchel trennenden Rinnen hinweg) nach Westen und Süden (Freihöfe, Ministerialenburgen). Innerhalb der Stadtmauer befand sich in spätem Mittelalter und früher Neuzeit ein birnenförmiger Stadtraum, der von Nordwest nach Südost 1050 m, von Südwest nach Nordost 400 m maß und eine Fläche von 400000 qm umfasste. II. Die sich gerade im Spätmittelalter in Neuss ansiedelnden geistlichen Gemeinschaften nahmen wohl 15 bis 20 Prozent dieser Fläche ein. Zu nennen sind: St. Quirin als Benediktinerinnenkloster (9./10. Jahrhundert; Translation der Quirinusreliquien 1050 [Dionysius- als Vorgängerpatrozinium]) bzw. Frauenstift (12. Jahrhundert; Immunität und erzbischöflich-kölnische Stadtherrschaft), "altes" Kloster auf dem "Marienberg" (13. Jahrhundert?; Neusser Marienpatrozinien [Köln]) ("alte" Klöster), Minoritenkloster (1234; im Süden der Stadt intra Muros), Klarissenkloster (13. Jahrhundert, Mitte?; in zentraler Lage), Alexianerkloster (14. Jahrhundert, Mitte; im Kaufleuteviertel), Sebastianuskloster (1422/28; nahe dem Niedertor) ("neue" Klöster u.a. der Bettelorden), Udemannskonvent (v.1328), Michaelisbergkloster (Hunenkonvent, v.1467) (Beginenkonvente). Das mit Augustinerchorherren besiedelte Oberkloster (1181) befand sich außerhalb der Stadtmauer (kriegsbedingte Zerstörungen des Klosters [1205 u.a.], Räumung des Klosters [1585], Übersiedlung der Chorherren in die Stadt [Kamperhof, 1603/07]). Im 14. und 15. Jahrhundert geraten auch die Klöster und geistlichen Kommunitäten in Neuss in eine (wirtschaftliche) Krise (Misstrauen der Stadtregierung [Vermögensaufsicht durch den Rat], Rückgang der Schenkungen, Verflachung des klösterlichen Engagements, Gleichgültigkeit der Bürger). Die Neusser Klöster überstanden indes Reformation und frühe Neuzeit und werden zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgehoben und säkularisiert. [Buhlmann, 12.2016]

Rensing, Franz (1913), Der Geburtsort des hl. Liudger, in: BeitrrGWerden 16 (1913), S.54-61 > L Liudger

Reuchlin, Johannes, Henno. Lateinisch/Deutsch, übers. v. Harry C. Schnur (1995) (= RUB 7923), Stuttgart 1995, 72 S., € 1,- > Lateinische Literatur > R Reuchlin, Johannes

Reuter, Marcus (1997), Der römische Gutshof von Wurmlingen, in: TutHbll NF 60 (1997), S.24-30. Im Tuttlinger Raum, an der Donau, waren die Römer seit 40/60 n.Chr. präsent; mit der Inbesitznahme der agri decumates ab 73/74 n.Chr. entstand die Fernstraße Straßburg - Offenburg - Waldmössingen - Rottweil - Tuttlingen. Bei Wurmlingen wurde in Hanglage und an einer Quelle in direkter Beziehung zur im Tal verlaufenden Fernstraße am Ende des 1. Jahrhunderts ein römischer Gutshof (villa rustica) gegründet, der - zunächst aus Holzgebäuden bestehend - um die Mitte des 2. Jahrhunderts in Stein aufgeführt wurde (Hauptgebäude, Wirtschaftsgebäude, Bad); die Siedler kamen dabei wohl aus dem römischen Reich (Gallien). Bis zu Beginn des 3. Jahrhunderts prosperierte der Gutshof, auch auf Grund seiner Lage an der Fernstraße (Funde: Bronzeschalengriff, Bronzeaufsatz eines Reisewagens, Pantherfibel). Nach einem Brand wurde das Badegebäude zum Wohnhaus, der Wirtschaftsbau zur Werkstatt für das Umschmelzen von Bronze. Nach 238/39 (Fund: römische Münze Kaiser Gordians III.) ist der Gutshof aufgegeben worden, seit dem späten 3. Jahrhundert sind Alemannen als Siedler bezeugt, die bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts das ehemalige Badegebäude weiternutzten und die Anlage ihren Vorstellungen anpassten. Die Wurmlinger Reihengräberfriedhöfe des 5. und 6. Jahrhunderts zeigen dann die Verlagerung von Siedlungen ins Tal an. Der Ort Wurmlingen wird erstmals in einer Urkunde des Klosters St. Gallen zum Jahr 797 erwähnt. [Buhlmann, 01.2012]

RGA = Reallexikon der Germanischen Altertumskunde: Ergbd. = Ergänzungsbände

RhVjbll = Rheinische Vierteljahresblätter

RI = Regesta Imperii

RI Beihefte = Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu den Regesta Imperii

Ribbeck, Konrad (1911), Zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Stiftes Essen im Mittelalter, in: EB 48 (1930), S.23-50. Das Essener Kettenbuch aus dem beginnenden 15. Jahrhundert bietet wichtige Einblicke in das Leben im und um das Essener Frauenstift (Essener Stiftsimmunität, Äbtissin, Stiftskapitel und Stiftsverwaltung), in die stiftische Grundherrschaft (Besitz, Oberhöfe, Abgaben, Landschaft), in den Haushalt von Äbtissin und Kapitel (Hofämter, Versorgung mit Getreide, Fleisch und Fisch) sowie in die Festkultur (Jahrmärkte, Festtage, Prozessionen). [Buhlmann, 09.2012]

Ribbeck, Konrad (1915), Geschichte der Stadt Essen [Tl.1], Essen 1915 > E Essen im Mittelalter

Ribhegge, Wilhelm (2002), Die Grafen von der Mark und die Geschichte der Stadt Hamm im Mittelalter, Münster 2002, 160 S., Schwarzweißabbildungen, Stammtafeln, Pläne, € 9,90. I. Die Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert II. (1216-1225) im November 1225 bei Gevelsberg und die Hinrichtung Graf Friedrichs von Isenberg, des Verursachers der Tat, im Jahr 1226 in Köln führten - laut dem Historiografen Levold von Northof (*1279-†ca.1359) und seiner "Chronik der Grafen von der Mark" - zu Racheaktionen des Grafen Adolf I. von der Mark (1199-1249), eines Vetters Friedrichs. Adolf zerstörte die Stadt Nienbrügge mit der Burg und gründete Aschermittwoch 1226 die märkische Stadt Hamm. Hamm liegt an der Mündung der Ahse in die Lippe; daraus erklärt sich der Ortsname "Hamme", "Hamo" usw. mit "Hamm" für "Landzunge". II. Die Stadt Hamm und die benachbarte Burg Mark waren Herrschaftszentren der entstehenden Grafschaft Mark, jener Territorialbildung im hochmittelalterlichen Westfalen, deren Landesherren, die Grafen von der Mark, von den Grafen von Berg bzw. von denen von Altena abstammten. Graf Adolf I. betrieb mit der Gründung der Stadt Hamm bewusst Territorialpolitik, wozu auch die Errichtung der Burg Blankenstein gehörte, die die zerstörte Burg Isenberg (bei Hattingen) ersetzen sollte. Adolf behauptete in zahlreichen Fehden die Grafschaft Mark gegen die Herren zur Lippe, Bischöfe von Osnabrück, Grafen von Schwalenberg, Herren von Steinfurt oder Grafen von Tecklenburg. Auch nach Adolf I. blieben (nicht nur) bei den Grafen von der Mark Städte und Burgen bestimmende Elemente in der Territorialpolitik. So entstanden im 13. Jahrhundert als Städtegründungen Iserlohn, Kamen, Lüdenscheid und Unna, im 14. Jahrhundert Altena, Blankenstein, Bochum, Breckerfeld, Castrop, Hagen, Hattingen, Hörde, Lünen, Neuenrade, Plettenberg, Schwelm, Schwerte, Wattenscheid und Wetter, vielfach mit Burgen als Herrschaftsmittelpunkten und Residenzen versehen. III. Hamm entwickelte sich im 13. bis 15. Jahrhundert unter der (Stadt-) Herrschaft der märkischen Grafen von einer ca. 17 Hektar großen Siedlung zu einer rund 30 Hektar großen Stadt, befestigt zunächst mit Wall und Graben (Vertrag Graf Adolfs I. mit Dietrich von Isenberg 1243: Hamm als befestigte Stadt/Festungsstadt), dann (v.1290) mit einer Stadtmauer (vier Stadttore, Türme), später (1393) zusätzlich gesichert durch Landwehren. Die Stadt erfreute sich des Zuzugs aus umgebenden Orten (Stadtrecht), neben Ackerbau gab es Gewerbe und Handel (vier Handwerkerzünfte). Für Hamm war zunächst die Pfarrkirche in Mark zuständig, in Hamm gab es eine Filialkirche (Kapelle am gräflichen Hof), ab 1254 besaß das Prämonstratenserkloster Cappenberg das Patronat über Kirche und Kapelle. Die spätmittelalterlichen kirchlichen Einrichtungen waren: die Hammer Pfarrkirche St. Georg und Laurentius (Gründung der Hammer Pfarrei 1337) neben dem Markt, ein Zisterzienserinnenkloster (ca.1270, 1295 in Kentrop zwischen Hamm und Mark), das Nordenhospital (ca.1280, später als Schwestern-/Beginenhaus), das Kloster der Franziskanerobservanten (1455). Die Stadtverfassung wurde immer wieder von den märkische Grafen und Herzögen den Hammer Bürgern und ihrer Bürgergemeinde bestätigt (Stadtrechtsprivilegien, erstmals 1279; Soest-Lippstädter Stadtrecht, Stadtrat, Bürgermeister, städtisches Siegel [1269], Markt und Jahrmärkte, Grundstückszins, Münzrecht [1269], Befreiung von auswärtigen Gerichten [1331]), wobei bis ins 14. Jahrhundert hinein dennoch die städtische Selbstverwaltung durch den Landes- und Stadtherrn eingeschränkt blieb (Verkauf der stadtherrlichen Rechte durch märkischen Landesherren). 1417 schloss sich die Stadt Hamm der Hanse an. IV. Die Grafschaft Mark behauptete sich im westfälischen Kräftespiel nach der Niederlage des Kölner Erzbischofs in der Schlacht bei Worringen (1288) (kölnisches Herzogtum Westfalen 1180). Ein politisch-kirchliches Ausgreifen der Märker Grafenfamilie u.a. auf die Bischofssitze von Köln, Lüttich, Münster und Osnabrück ist feststellbar (14. Jahrhundert), die Grafen von der Mark übten Vogteirechte gegenüber dem Frauenstift Essen und dem Kloster Werden aus. In der "Großen Dortmunder Fehde" (1388/89) sollte - wenn auch erfolglos - die Reichsstadt Dortmund niedergezwungen werden. Nach der Erbvereinigung des Herzogtums Kleve mit der Grafschaft Mark (1391) erschütterten (ab 1414) Streitigkeiten innerhalb der klevisch-märkischen Herzogsfamilie die vereinigten Territorien, Streitigkeiten, die u.a. der Stadt Hamm eine Ausweitung ihrer Rechte ermöglichte (1419/50). In der (Teil-) Grafschaft Mark entwickelte sich im 15. Jahrhundert eine landständische Verfassung (Ritterschaften und Städte als Landstände). Das Territorium Kleve-Mark unterstützte in der Soester Fehde (1444-1449) die Stadt Soest gegen den Kölner Erzbischof und stand im Neusser Reichskrieg (1474/75) auf der Seite des Herzogs von Burgund. Am Ende des Mittelalters war die Grafschaft Kleve Teil der vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg (1521). [Buhlmann, 05.2016]

Richard von Cornwall, Graf von Cornwall, römisch-deutscher König: Geboren wurde Richard von Cornwall in Winchester als zweiter Sohn des englisch-angevinischen Königs Johann Ohneland (1199-1216) und der Isabella von Angoulême am 5. Januar 1209. Durch die Heirat Kaiser Friedrichs II. (1198/1212-1250) mit Isabella von England wurde Richard, seit 1227 Graf von Cornwall, zum Schwager des Stauferherrschers und hatte daher durchaus dynastische Ansprüche auf das römisch-deutsche Königreich. Und wirklich wurde Richard am 13. Januar 1257 in Frankfurt zum deutschen König gewählt und am 17. Mai in Aachen gekrönt. Wenn auch nicht unangefochten und immer wieder eingebunden in die englische Politik, gelang es Richard, besonders im auch für England wirtschaftlich wichtigen Rheingebiet Fuß zu fassen. Seine Aufenthalte in Deutschland (1257/58, 1260, 1262/63, 1268/69) belegen dies. Am 2. April 1272 ist Richard gestorben; er liegt in der Zisterzienserabtei Hayles begraben. Auf der Seite seines älteren Bruders, König Heinrich III. von England (1216-1272), stand Richard gegen den Aufstand der englischen Barone (1258-1265), unterstützte den Friedensvertrag mit dem französischen König Ludwig IX. (1226-1270) (Pariser Frieden 1259) und entfaltete in seiner Herrschaft eine gewisse Wirksamkeit in Deutschland, insbesondere in den Rheinlanden (Kaiserswerth, Köln, [Eroberung] Boppard[s 1258], Oppenheim, Worms, Speyer, Basel; Wormser Reichstag [1269], Heirat in Kaiserslautern [1269]).
Zu Richard von Cornwall sei verwiesen auf: Denholm-Young, Noël (1947), Richard of Cornwall, Oxford 1947, XV, 187 S., Abbildungen, Karte; Lemcke, Georg (1909), Beiträge zur Geschichte König Richards von Cornwall (= HS 65), Berlin 1909, 104 S.; Neugebauer, Anton, Kremb, Klaus, Keddigkeit, Jürgen (Hg.) (2010), Richard von Cornwall. Römisch-deutsches Königtum in nachstaufischer Zeit (= BPfG 25 = Veröffentlichungen der Pfälzischen Geschichte zur Förderung der Wissenschaften, Bd.109), Kaiserslautern 2010, 336 S, Farbabbildungen, Karten, € 24,90 (mit den Beiträgen: Anton Neugebauer, Richard von Cornwall - ein Engänder am Rhein, ein König ohne Bedeutung?; Manfred Groten, Mitravit me, et ego eum coronabo - Konrad von Hochstaden und die Wahl Richards von Cornwall; Jörg Schwarz, Herrschaft und Herrschaftskonzeptionen des römisch-deutschen Königs Richard von Cornwall; Björn Weiler, Das Königtum Richards von Cornwall und das Erbe Friedrichs II.; Ingo Schwab, Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien - Parallelen und Differenzen ihres Königtums; Alexander Thon, ... sitzen wir an Stelle Herrn Richards, Königs der Römer, dem Gericht vor. Studien zur Bedeutung der pfälzischen Reichsministerialität für Itinerar und Herrschaftspraxis des römisch-deutschen Königs Richard, Graf von Cornwall (1257-1272); Gerold Bönnen, Richard von Cornwall und die Städte Worms und Speyer - Frieden und Macht, Netzwerke und Geld; Nicholas Vincent, Richard von Cornwall und das "Heilige Blut" - Indentitätsstiftung im 13. Jahrhundert; Daniel Parello, Kunstströmungen am Rhein zur Zeit des Interregnums - Überlegungen zur Genese des sogenannten "mittelrheinischen" Zackenstils; Klaus Kremb, Macht und Gegenmacht im mittelalterlichen Mehrebenensystem - Das römisch-deutsche Königtum Richards von Cornwall als Beispiel prekärer Staatlichkeit im Interregnum; Sarah Brötz, Jürgen Keddigkeit, Anton Neugebauer, Der Engländer auf dem deutschen Thron - König Richard von Cornwall und seine Zeit ). [Buhlmann, 08.2016]

Richards, Julian D. (2011), Die Wikinger (= RUB 18691), Stuttgart 2011, 216 S., Karten, Schwarzweißabbildungen, € 6,60. Die Wikinger (Normannen) entstammten dem skandinavischen Raum (Dänemark, Norwegen, Schweden) der Spätantike und des früh(er)en Mittelalters (3.-10./11. Jahrhundert [Wikingerzeit]: Einzelgehöfte, Dörfer, Handelsplätze und -städte [Birka, Haithabu], Königtum und Königreiche, Christianisierung) und verbreiteten sich seit dem ausgehenden 8. Jahrhundert als Händler, Plünderer und Siedler über den nordwest- und osteuropäischen Raum sowie den Nordatlantik (England [Danelaw], Irland [Dublin], Wales, Pikten [Hebriden, Orkneys, Shetlands], Russland [Rus], Faröer, Island, Grönland ["Landnahme", Kolonisierung], Vinland [als Neufundland, Stützpunkt]) im politischen und kulturellen Mit- und Gegeneinander mit der jeweils einheimischen Bevölkerung. Deutlich wird: Die "Wikinger" - schon der Begriff ist problematisch - hat es so nicht gegeben, besonders nicht die Verallgemeinerungen und Ideologisierungen, die diesen Skandinaviern des frühen Mittelalters in Geschichtsschreibung und öffentlicher Wahrnehmung seit dem 19. Jahrhundert angedichtet wurden (Wikingerbild der Romantik oder des deutschen Nationalsozialismus). [Buhlmann, 06.2011]

Riché, Pierre (1981), Die Welt der Karolinger, Stuttgart 1981 > K Karolinger

Riché, Pierre, Die Karolinger. Eine Familie formt Europa, Stuttgart 1987 > K Karolinger

Riché, Pierre (1987), Gerbert d`Aurillac. Le Pape de l`An Mil, Paris 1987 > G Gerbert von Aurillac

Richter, Klaus (1999), Friedrich Barbarossa hält Gericht. Zur Konfliktbewältigung im 12. Jahrhundert (= Konflikt, Verbrechen und Sanktion in der Gesellschaft Alteuropas. Fallstudien 2), Köln-Wien-Weimar 1999, IX, 227 S., € 12,90. Auf Grund von Falbeispielen in der Gesta Frederici Bischof Ottos von Freising und Rahewins (Erhängen von Ministerialen, Verweigerung von Vergebung, dänische Thronfolgestreitigkeiten, Streitigkeiten um das Herzogtum Bayern, Regalienentzug, Bußleistung des Regensburger Bischofs, Strafe gegen den rheinischen Pfalzgrafen und gegen den Mainzer Erzbischof, Verurteilung von Räubern, burgundische Streitigkeiten, Unterwerfung Herzog Boleslaw IV., Streitigkeiten zwischen Herzog Heinrich dem Löwen und den Grafen von Eppan, Streitigkeiten mit einer byzantinischen Gesandtschaft, Auseinandersetzungen mit Mailand, Verona und den Römern, Zerstörung von Asti, Chieri und Tortona, Einnahme Spoletos, Belagerung und Eroberung Crema, Hinrichtung von Brandstiftern, Kreuzigung eines Mörders) kann festgestellt werden, dass Gericht und Fehde (Krieg) die Mittel Kaiser Friedrich I. Barbarossas (1152-1190) zur Konfliktbeilegung und -bewältigung waren. Die Konfliktbeilegung erfolgte im öffentlichen Raum und orientierte sich an bestimmten, dennoch variierenden Regeln, die sich weniger an Strafen als an Ausgleich und Vermittlung orientierten. Fehde (Krieg) war dazu ein Mittel, neben Gericht (Rechtsgang, Hofgericht) und vertraglicher Übereinkunft (Sühnevertrag). Die hochmittelalterliche Rechtspraxis der öffentlichen Strafe lässt sich bis an die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert verfolgen und vollzog sich als öffentliche Sanktionierung (Verfahren, Strafvollstreckung durch den Herrscher als strafende Person) in Reaktion auf die Verletzung bzw. die Gefährdung von Reichsrechten u.a. in der Reichspolitik. [Buhlmann, 02.2016]

Richtsteig, Georg (Bearb.) [o.J.], Kaiserswerther Notizen. Fragmentarische Kurzmanuskripte zur Vergangenheit unserer Stadt (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.11), [Düsseldorf-Kaiserswerth] o.J. > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Rieckhoff, Sabine, Biel, Jörg (2001), Die Kelten in Deutschland, Stuttgart 2001 > K Kelten

Riedel, Hermann (1974), Ausweglos ...! Letzter Akt des Krieges im Schwarzwald, in der Ostbaar und an der oberen Donau Ende April 1945, Aachen 2011, 404 S., Bildanhang, € 24,-. Mit dem Übergang französischer Truppen über den Oberrhein Ende März/Anfang April 1945 begann auch für das Gebiet des mittleren Schwarzwalds, der Baar und der oberen Donau der letzte Akt des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) zwischen alliierten Soldaten und deutschen Divisionen der im Dezember 1944 neu gebildeten Heeresgruppe "Oberrhein". Vor der drohenden Einkesselung durch rasch vordringende französische und amerikanische Truppen versuchten die deutsche 106. und 719 Infanteriedivision der Heeresgruppe als Teil des XVIII. SS-Armeekorps sich nach Südosten abzusetzen, scheiterten aber in diesem Versuch und lösten sich schließlich im Gebiet der oberen Donau auf. Betroffen von den Kampfhandlungen hauptsächlich südlich und südöstlich von Villingen waren die Orte: Triberg, Nußbach, Schönwald, Brigach, St. Georgen im Schwarzwald, Oberkirnach, Unterkirnach, Rohrbach, Schönenbach, Vöhrenbach, Herzogenweiler, Pfaffenweiler, Rietheim, Marbach, Bad Dürrheim, Hochemmingen, Sunthausen, Biesingen, Obebaldingen, Unterbaldingen, Öfingen, Ippingen, Immendingen, Geisingen, Zimmern, Hintschingen, Mauenheim. [Buhlmann, 02.2017]

Riegel, Stadt zwischen Kaiserstuhl und Schwarzwald: I. Riegel, gelegen auf Lössboden im Rheintal, an Elz, Glotter und Dreisam, kann eine bis in die Jungsteinzeit zurückreichende Geschichte aufweisen. Ein keltischer Münzschatz datiert ins 2. Jahrhundert v.Chr., ein römisches Holz-Erde-Kastell stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr., die Fundamentreste eines römerzeitlichen Mithräums lassen sich in die ersten Jahrhunderte n.Chr. verorten. Der Ort wird als Riegola erstmals im Testament des Straßburger Bischofs Heddo (734-v.765?) erwähnt (762); hier hatten die Klöster Ettenheimmünster (762) und Lorsch (770, 781) Besitz. Der Riegeler Königshof (curtis regalis mit Besitz in der Umgebung) kam durch Kaiser Otto I. (936-973) an das Kloster Einsiedeln, das auch über die Martinskirche als Pfarrkirche verfügte. Die Einsiedler Güter wurden von den Zähringerherzögen bevogtet (bis 1218), danach übten die Herren von Üsenberg Ortsherrschaft und Herrschaftsrechte in Riegel aus. Güter und Rechte der Mönchsgemeinschaft Einsiedeln wurden 1353 verkauft bzw. 1483 an das Kloster Ettenheimmünster verschenkt. Ab 1368 gehörte Riegel zur vorderösterreichischen Landesherrschaft der Habsburger. 1806 wurde Riegel badisch, es folgten die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts (Industrialisierung, Rheintalbahn, evangelische Kirchengemeinde, Zweiter Weltkrieg). II. Eine erste Riegeler Pfarrkirche als Martinskirche auf dem Fronhofsbuck neben dem Königshof reicht wohl als Holzkirche ins 8., als Steinkirche ins 8./9. Jahrhundert zurück. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das Gotteshaus in das Dorf Riegel verlegt, die mittelalterliche Kirche war west-östlich orientiert und wurde 1743 durch einen barocken Neubau in Nord-Süd-Ausrichtung ersetzt. Patronatsherr der Kirche war bis 1483 das Kloster Einsiedeln, dannach die Mönchsgemeinschaft Ettenheimmünster. Der barocke Kirchenbau samt Inneneinrichtung (Deckengemälde, Altar, Statuen) ist im Wesentlichen bis heute erhalten (Renovierung 1903/11, Brandunglück 1936, Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg). III. Oberhalb von Riegel auf dem Michaelsberg liegt die Michaelskapelle, die vielleicht ursprünglich eine Burgkapelle einer im 12. Jahrhundert erbauten zähringischen Befestigungsanlage (castrum Riegol 1180, zähringischer Dienstmann Werner von Roggenbach). Im 13. und 14. Jahrhundert waren Burg und Kapelle üsenbergisch, nach dem Aussterben der Üsenberger (1379) zerfiel die Burg, die Michaelskapelle wurde weiter genutzt, wie Baumaßnahmen aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts - und nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) - vom Ende des 17. und vom 18. Jahrhundert (Barockisierungen) zeigen. Im 18. und 19. Jahrhundert war die Kapelle Ziel von Wallfahrten. Vgl.: Michels, Mechthild (2005), Katholische Pfarrkirche St. Martin Riegel, Lindenberg 2005, 32 S., Farbabbildungen, Pläne, € 3,50. [Buhlmann, 11.2016]

Riegel, Joseph (1916), Die Teilnehmerlisten des Konstanzer Konzils. Ein Beitrag zur mittelalterlichen Statistik, Diss. Freiburg i.Br. 1916, 73 S., Tabelle. Über die Chronik des Konstanzer Bürgers Ulrich von Richental (†1437) hinaus geben Tagebuchnotizen etwa von geistlichen Einzelpersonen (Guillaume Fillastre, Lionardo Bruni, Johannes von Firstenport, Lorenz von Brschezowa) und Gesandten (aus Köln, Frankfurt, Wien), allgemein-pauschale Erwägungen (Geschichtsschreibung und Chroniken [Korner-Chronik, Klingenberger Mitteilungen, Augsburger Chronik, Chronica Austriae des Thomas Ebendorfer, Magdeburger Schöppenchronik]) und Namensverzeichnisse Auskunft über Menge und Zusammensetzung der Teilnehmer am Konstanzer Konzil (1414-1418). Während des Konzils wurde im Auftrag von König und Stadt eine aigen buch ("behördliche Statistik") mit den Namen der in Konstanz und Umgebung anwesenden Einheimischen und Fremden angefertigt. Das aigen buch ist allerdings nicht mehr erhalten, wohl aber drei Auszüge (Frankfurt, Wien), die die Informationen des aigen buch entsprechend kürzten und pauschalisierten. Auf Privatinitiative hin zusammengestellte Namensverzeichnisse entstanden während und nach dem Konstanzer Konzil (Prager Verzeichnis, Richental-Chronik, Liste des Konrad Justinger, zeitgenössische Dichtung [Johann Engelmars]). [Buhlmann, 07.2014]

Riemer, Ulrike (2006), Die römische Germanienpolitik. Von Caesar bis Commodus, Darmstadt 2006, 167 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 4,95. Germani waren für die Römer die (ethnisch nicht genau abzugrenzenden) "Völker" jenseits von Rhein und Donau, aber auch die Germani cisrhenani u.a. der Militärbezirke und Provinzen Germania inferior und Germania superior. Die römische Eroberung Galliens durch Caesar (58-51 v.Chr.) brachte auch Kriege gegen Germanen mit sich (Ariovist [58 v.Chr.], Belger [?, 57/56 v.Chr.], Usipeter und Tenkterer [55/54 v.Chr.], Caesars Rheinübergänge [55, 53 v.Chr.]). Die Germanenpolitik unter den römischen Kaisern Augustus (27 v.Chr.-14 n.Chr.) und Tiberius (14-37) begann mit der Übersiedlung der Ubier in linksrheinisches Gebiet (ca.20/19 v.Chr.) und der Niederlage eines römisches Heeres unter M. Lollius Paulinus gegen die Sugambrer (16 v.Chr.), die unter Drusus (†9 v.Chr.) und Tiberius immer weiter reichende römische Feldzüge zwischen Rhein und Elbe provozierte (Eroberung des Alpengebiets [16/15 v.Chr.], Niederlage der Sugambrer [12 v.Chr.], Unterwerfung der Usipeter [11 v.Chr.], Krieg gegen Chatten, Sueben und Cherusker [9 v.Chr.], linksrheinische Ansiedlung der Sugambrer [8 v.Chr.], Feldzug des Tiberius [4/5 n.Chr.]). Die römische Herrschaft westlich des Rheins brach allerdings vor dem Hintergrund des Panonienaufstandes (6-9 n.Chr.) mit der vernichtenden Niederlage des P. Quintilius Varus gegen ein germanisches Bündnis unter Arminius bei Kalkriese ("Teutoburger Wald", 9 n.Chr.) in sich zusammen. Auch die Feldzüge des Germanicus (14-16 n.Chr.) änderten nichts daran, dass das Imperium Romanum auf Gallien bis zum Rhein beschränkt blieb; Rhein und Donau wurden zu Grenzen des römischen Reiches, versehen mit einer Kette von Wehranlagen und Legionslagern. Die folgenden Jahrzehnte scheinen am Rhein überwiegend friedlich gewesen zu sein, unterbrochen von Aufständen gegen Rom (Friesenaufstand [28], Bataver- und Trevereraufstand [68/69]) und diplomatischen Misserfolgen römischer Politik gegenüber germanischen Gruppen rechts des Rheins (Einsetzung des Italicus als König der Cherusker [47]). Ab Kaiser Domitian (81-96) ist dann ein Übergreifen römischer Macht in rechtsrheinische Räume (Rhein-Main-Gebiet, Rhein-Donau-Gebiet, Chattenfeldzug [83], Saturninusaufstand [89]) bei Umformung der Militärbezirke zu den Provinzen Germania inferior und Germania superior (83/84) feststellbar. Bis in die Regierungszeit der Kaiser Hadrian (117-138) und Antoninus Pius (138-161) wurden die agri decumates zwischen Oberrhein und oberer Donau auch durch die Anlage des obergermanisch-rätischen Limes der römischen Herrschaft gesichert. Unter Kaiser Marc Aurel (161-180) kam es zu den Markomannen- und Quadenkriegen an der mittleren Donau (169-180, Marc-Aurel-Siegessäule in Rom), denen ein Frieden unter Kaiser Commodus (180-192) folgte (180). [Buhlmann, 01.2013]

Riese, Berthold (2011), Das Reich der Azteken. Geschichte und Kultur, München 2011 > A Azteken

Rietheim, Ort, als Rietheim-Weilheim Gemeinde auf der Baar, in Baden-Württemberg: Rietheim wird erstmals erwähnt in Urkunden des Klosters St. Gallen von 786 und 834. Der Ortsname ist ein -heim-Name und steht für "Sumpf, sumpfartiges Gelände, mit Sumpfgras bewachsenes Gelände". Zudem lag Rietheim an einer via publica, ebenso wie die -heim-Orte Aixheim, Balgheim, Dürbheim und Weilheim, die offensichtlich die "Königsstraße" von Rottweil nach Tuttlingen für die fränkische Herrschaft sichern halfen. Ob Rietheim zur St. Galler Villikation um den Fronhof Kirchdorf (um 1200) gehörte, ist unklar. Für die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert ist die damals dort beheimatete Adelsfamilie der Herren von Rietheim bezeugt; sie gehörte zu demjenigen Personenkreis, der das 1089 gegründete benediktinische Reformkloster Zwiefalten unterstützte. Die Herren von Rietheim bildeten dann bis zu ihrem Aussterben am Beginn des 14. Jahrhunderts den Ortsadel. Zum Jahr 1275 erwähnt der Liber decimationis des Bistums Konstanz erstmals die Rietheimer Pfarrkirche. Im 14. Jahrhundert kam Rietheim zur Herrschaft Lupfen, 1444 gelangte der Ort an die Grafschaft Württemberg. Am Ende des 15. Jahrhunderts belehnte Graf Eberhard V. von Württemberg (1450-1496) Hans von Karpfen u.a. mit dem Rietheimer Burgstall (1491; Burg Altrietheim). Hans von Karpfen erwarb dazu noch den Ort Rietheim durch Kauf. Bis 1663 sollten seine Nachkommen Rietheim in Besitz haben. Danach erfolgte durch Württemberg der Verkauf Rietheims an die Familie Wiederhold (Grabmäler der Familie [18. Jahrhundert]). Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gehörte Rietheim zum Königreich Württemberg; der Ort machte die geschichtlichen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts mit (Industrialisierung; Deutscher Bund, Kaiserreich, Weimarer Republik, Bundesrepublik Deutschland und Bundesland Baden-Württemberg) und wurde wiederum Pfarrort (Kirchenbau von 1885). 1975 erfolgte die Vereinigung Rietheims mit dem benachbarten Weilheim zur Gemeinde Rietheim-Weilheim.
Zu Rietheim s.: Buhlmann, Michael (2014), Das Kloster St. Gallen, das Königtum, die Baar und Rietheim im frühen Mittelalter (= VA 74), Essen 2014, 68 S., € 4,-. [Buhlmann, 09.2014]

Rippoldsau, Benediktinerkloster: Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159-1181) für das Kloster St. Georgen im Schwarzwald erwähnt zum 26. März 1179 erstmals die "Zelle des heiligen Nikolaus auf dem Gut Rippoldsau" (im Nordschwarzwald), ein Priorat im Besitz des Brigachklosters, wohl um 1140 von den Herren von Wolfach gegründet. Kirchenvögte waren zunächst die Herren von Wolfach, ab 1306 die Grafen von Fürstenberg. Im Zuge des Übertritts des Grafen Wilhelm von Fürstenberg (1509-1549) zum Protestantismus wurde 1537 in Rippoldsau die Reformation eingeführt und die Klostergüter eingezogen. Die Konventualen flüchteten nach Villingen, konnten aber 1549 wieder zurückkehren. Aus dem 17. Jahrhundert ist über das "neuerbaute Klösterlein" wenig zu erfahren, im Dreißigjährigen Krieg kam das monastische Leben fast zum Erliegen. Im 18. Jahrhundert bildete sich am Priorat Rippoldsau eine Marienwallfahrt aus, die den Mönchen eine verstärkte Bautätigkeit ermöglichte, im Jahr 1802 wurde das Priorat badisch, säkularisiert und in eine Pfarrei umgewandelt.
Literatur zum Kloster Rippoldsau ist: Buhlmann, Michael (2008), Das St. Georgener Priorat Rippoldsau im Nordschwarzwald. St. Georgener Tochterklöster und Priorate in Mittelalter und früher Neuzeit (= VA 40), St. Georgen 2008, 40 S., € 4,-. [Buhlmann, 09.2008]

rm = rororo monographie

Rockenschuh, Wolfgang (1999), Königsfeld. Beiträge zur Geschichte, Königsfeld 1999 > K Königsfeld

Röhl, John C.G. (2013), Wilhelm II. (= BSR 2787), München 2013, 144 S., 2 Karten, € 8,95. Der am 27. Januar 1859 geborene Sohn (Friedrich) Wilhelm (Viktor Albert) des Hohenzollernprinzen Friedrich (†1888) und seiner englischen Prinzessin Victoria kam mit einem verkrüppelten linken Arm zur Welt; man unterzog das Kind, das zudem unterb einem Schiefhals litt, qualvollen medizinischen Behandlungen (Operationen, Bäder, Magnet- und Elektrotherapien), deren Nutzen höchst zweifelhaft war. Auch das ambivalente Verhältnis der Mutter zu ihrem missgebildeten Kind und die ausufernde, überfordernde (gymnasiale) Erziehung (unter Georg Ernst Hinzpeter, bis 1876) beförderten die später massiv auftretenden Charaktermängel des Kronprinzen (Narzissmus, Herzlosigkeit, Egoismus, Emotionalität, Labilität). Es folgten ein Studium an der Universität Bonn (1877-1879) sowie die militärische Karriere Wilhelms in den Garderegimentern in Potsdam (ab 1879), weiter Wilhelms Heirat mit der Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein (1881). Das Dreikaiserjahr 1888 brachte den Kronprinzen als Kaiser Wilhelm II. auf deutschen (und preußischen) Thron. Gottesgnadentum und "persönliches Monarchie" des autokratischen Herrschers führten zum Sturz des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck (1890) und zu den in starker Abhängigkeit vom Kaiser stehenden Reichskanzlern Caprivi (1890-1897), Bülow (1897-1909), Bethmann Hollweg (1909-1918) (als Höflingen Wilhelms). Gerade die Außenpolitik des Deutschen Reiches wurde von dem Kaiser zunehmend bestimmt; falsche politische Signale förderten Isolation Deutschlands in Europa und gegenüber den Weltmächten Großbritannien, Russland und Frankreich (Weltmacht- und Flottenpolitik, Hegemonialpolitik in Kontinentaleuropa; Dreibund und Tripelentente). Stationen der aggressiven und unberechenbaren deutschen Außenpolitik auf den Weg letzlich in den Ersten Weltkrieg (1914-1918) waren dabei: das Kaisertreffen von Björkö (1905) in der Folge des russisch-japanischen Krieges (1904/05), der Besuch des Kaisers in Tanger (1905) und die Konferenz von Algeciras (1906), die Daily-Telegraph-Äffare um Reichskanzler Bülow (1908/09), die Krise infolge der Annexion Bosniens durch den deutschen Verbündeten Österreich-Ungarn (1908/09), der "Panthersprung" nach Agadir (1911), der gesteigerte deutsche Schlachtschiffbau (1911/12), die Haldane-Mission (1912), die Balkankrise um Serbien und Österreich-Ungarn (1912) und der Aufschub des europäischen Krieges (1913/14); innenpolitisch war die Stellung des Kaisers durch die Eulenburg-Affäre (1906-1909) angeschlagen. Die Julikrise von 1914 mündete - unter maßgeblicher Beteiligung des Kaisers als "obersten Kriegsherrn" und "selbstgerechten Gottesstreiter" - in den Ersten Weltkrieg Deutschlands und Österreich-Ungarns gegen Russland, Frankreich und auch Großbritannien. Bestimmte Wilhelm zunächst im Krieg, besonders im Seekrieg (U-Boot-Krieg) militärisch und politisch (Königreich Polen 1916) noch mit, so wurde er ab 1916 - als "Schattenkaiser" - zunehmend von den Generälen der Obersten Heeresleitung Hindenburg und Ludendorff in seiner politischen Wirksamkeit eingeengt. Die Niederlage Deutschlands im Krieg und die deutsche Novemberrevolution von 1918 führten zum erzwungenen Rücktritt des Kaisers, der mit seinem Gefolge letztlich in Doorn in den Niederlanden Exil fand. Dort auf Rache sinnend und auf eine Wiedererrichtung des deutschen Kaisertums, profilierte sich Wilhelm weiter als Antisemit und war auch der natonialsozialistischen Bewegung Adolf Hitlers durchaus zugetan (Treffen mit Göring 1931, 1932); starken Anteil nahm der Hohenzoller an den deutschen Erfolgen im Zweiten Weltkrieg (1939-1945). Wilhelm starb 4. Juni 1941 im Exil. [Buhlmann, 09.2013]

Röhrig-Schlierbaum, Annette (1993), Ein neues frühmerowingerzeitliches Kriegergrab bei Möhringen, Stadt Tuttlingen, in: TutHbll NF 56 (1993), S.95-99. Alemannische Grabfunde bei Möhringen (Friedhof im Gewann "Gansäcker", Gräber im Gewann "Unter Weilattengraben") reichen bis in die 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts zurück. Das gilt auch für ein (adliges?) Kriegergrab im Gewann "Unter Weilattengraben" mit seiner nur teilweise erhalten gebliebenen Ausstattung (Griffangel der Spatha, Zierstücke der Schwertscheide). Die Grabfunde weisen auf eine frühe alemannische Besiedlung des Möhringer Raums hin (Wüstung Renningen), die sich aus der Lage an der Donau (Donauversickerung, Donaufurten [Öthenfurt]), an der Geisinger Pforte durch die Schwäbische Alb und an der damals hier nord-südlich verlaufenden Römerstraße zwischen Singen und Tuttlingen ergab. Der Verstorbene im Kriegergrab könnte von daher eine wichtige Rolle bei der Besiedlung [oder Sicherung des Donauübergangs] gespielt haben. [Buhlmann, 01.2013]

Römische Kunst: Einen umfangreichen Überblick über die römische Kunst von den Anfängen bis zur Spätantike bietet unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Rom und der römischen Architektur Wohlmayr, Wolfgang (2011), Die römische Kunst. Ein Handbuch (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2011), Darmstadt 2011, 400 S., zahlreiche Abbildungen, ca. € 15,-. Schollmeyer, Patrick (2005), Römische Plastik. Eine Einführung, Darmstadt 2005, 160 S., zahlreiche Abbildungen, € 5,-, beschäftigt sich mit Porträts (Statuen [Augustus, Claudius, Holconius Rufus, Tetrarchen, Konstantin der Große], Reiterstatuen [Mark Aurel], Büsten [sog. Brutus, Pompejus, Augustus, Nero, Vespasian, Trajan, Hadrian, Philippus Arabs; Plotina, Faustina, Julia Mamea]), Reliefs (Staatsreliefs [Ara Pacis, Trajanssäule, Konstantinsbogen], Idealplastik, dekorative Reliefs, Sarkophage und Grabstatuen [Balbinussarkophag]) innerhalb von Raumkonzeptionen (Tempel und Heiligtümer, Forum, Thermen, Bibliotheken, Nymphäen, monumentale Grabanlagen, domus, villa, Palast) in ihrer zeitlichen (Königszeit, Republik, Kaiserzeit, Spätantike) und geografischen Verteilung (Rom, Italien, Provinzen) und im Umfeld des antiken Kunstbetriebs (Materialbeschaffung [Marmor, Bronze, Edelmetalle, Terrakotta], Herstellung [Techniken, farbige Gestaltung], Typen [Formate], Künstler und Auftraggeber, Kunsthandel und -raub). Nach Schollmeyer, Patrick (2008), Römische Tempel. Kult und Architektur im Imperium Romanum, Darmstadt 2008, 192 S., zahlreiche Farbabbildungen, € 5,-, entsprachen römische Tempel italisch-etruskischen Formen (Prostylos mit cellae und alae), später auch griechischen Architekturvorstellungen (Peripteros, Pseudoperipteros, Peripteros sine postico, Prostylos [Rechtecktempel]; Monopteros, Tholos [Rundtempel]; Terassenheiligtum); daneben gab es Sonderformen in den Provinzen des römischen Reiches wie den gallorömischen Umgangstempel. Die Tempel waren reich ornamentiert, skulpturiert (Kapitelle [ionisch, korintisch, dorisch, Kompositkapitell], Basen [attisch, ephesisch, samisch], Friese, Akrotere u.a.; Kultbilder [thronende Götter]) und farbig ausgemalt, wurden im Auftrag der römischen Republik, der Kaiser oder von Privatleuten (auf Grund besonderer Anlässe) erbaut oder wiederhergestellt (Architekten, Bauplanung, Baumaterialien [Mauerung], Tempelerrichtung) und geweiht. Im Bereich der Stadt Rom folgten auf vorgeschichtliche Heiligtümer die Tempel der Königszeit (6. Jahrhundert v.Chr.; Tempel am Nordrand des Forum Boarium; Kapitol mit Jupitertempel), der frühen römischen Republik (5.-3. Jahrhundert v.Chr.; Saturntempel, Dioskurentempel auf dem Forum Romanum, Largo Argentina mit vier Tempeln) und der mittleren und späten römischen Republik (2.-1. Jahrhundert v.Chr.; Porticus Metelli, Portunustempel, Tiberrundtempel, Theater des Pompejus). In das augusteische Zeitalter Roms gehören Tempelanlagen u.a. auf dem Forum Romanum, dem Marsfeld oder dem Forum Iulium (Tempel des Saturn, der Vesta, des Apollo [Sosianus, Palatinus], der Concordia, des Mars Ultor), in die römische Kaiserzeit weitere Tempel, z.B. das Pantheon oder die Heiligtümer auf den Kaiserforen, dem Marsfeld und dem Forum Romanum (Hadrianeum, Tempel des Vespasian, der Faustina und des Antoninus Pius). Im Zuge der orientalischen "Erlösungsreligionen" verbreiteten sich Mithräen in Rom. In Italien und in den Provinzen des Imperium Romanum wurden spätestens in der Kaiserzeit römische Tempeltypen vielfach verbindlich, im Westen des Reiches beherrschend (Tempel in Tivoli, Pompeji, Brescia; Tempel in Alcántara, Ankara, Ephesus, Évora, Nímes, Pergamon, Philae, Pula, Soda, Sufetula, Thugga; orientalische Kultbauten [Baalbek, Palmrya]). Die Christianisierung des römischen Reiches in der Spätantike brachte dann das Ende des antiken Heidentums und der römischen Tempel (christliche Kirchen [Johannesbasilika in Ephesos], Zerstörungen und Umwidmung von heidnischen Tempeln). [Buhlmann, 05.2011, 04.2013]

Römmelt, Stefan W., Wilhelm von Grumbach (1503-1567), Reichsritter, in: Fränkische Lebensbilder, Bd.21, hg. v.d. Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Würzburg 2006, S.71-102 Die niederadligen Grumbach waren im späten Mittelalter als fränkische Lehnsträger des Würzburger Hochstifts durchaus einflussreich; Wolfram (1332-1333) und Johann III. von Grumbach (1455-1456) waren sogar Würzburger Bischöfe. Der Reichsritter Wilhelm von Grumbach (*1503-†1567) war der Sohn Konrad von Grumbachs zu Rimpar (†1526). Er genoss wohl eine elementare adlige Erziehung, vielleicht auch am Hof des brandenburgischen Markgrafen und am Würzburger Bischofshof. Unter Bischof Konrad II. von Thüngen (1519-1540) hielt sich Wilhelm vom Würzburger Hof fern, unterstützte danach aber politisch und "in herausgehobener Position" - u.a. als Marschall - Konrads Nachfolger Konrad III. von Bibra (1540-1544). Unter Bischof Melchior Zobel (1544-1558) verlor Wilhelm seinen Einfluss im Hochstift, seinem Dienstverhältnis zum Markgrafen Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach (1541-1554) kam jetzt erhöhte Bedeutung zu, besonders als markgräflicher Statthalter (beginnende 1550er-Jahre) und im Zweiten Markgräfler Krieg gegen die Bistümer Würzburg und Bamberg sowie die Reichsstadt Nürnberg (1552/53). Die Erklärung der Reichsacht gegen Albrecht (1553) schädigte auch Wilhelm schwer (Verlust der würzburgischen Lehen- und fränkischen Eigengüter). Er schloss sich Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen (1557-1567) an, mit dem er ein Dienstverhältnis schloss (Versuch der Erlangung der Kurwürde durch Johann Friedrich II.). Mit der wohl unbeabsichtigten Tötung des Würzburger Bischofs Melchior Zobel (1558) durch Leute Wilhelms begannen die Grumbachschen Händel, zumal der neue Würzburger Fürstbischof Friedrich von Wirsberg (1558-1573) nicht kompromissbereit war. Die Grumbachschen Händel hatten mit der Eroberung Würzburgs (1563) durch Wilhelm ihren Höhepunkt. Den Engelsvisionen des Sundhausener Bauernjungen Hans Müller zum Trotz verschlechterte sich in der Folgezeit die politische Lage von Sachsenherzog und Grumbacher (erneute Achterklärung 1566, Achtexekution 1567). Der Herzog wurde entmachtet, Wilhelm von Grumbach am 18. April 1567 auf dem Hauptmarkt von Gotha hingerichtet. Durchgesetzt hatte sich in den Grumbachschen Händeln die Fürstenmacht gegen adliges Machtstreben mit dessen Rückgriff auf das damals nicht mehr zeitgemäße Fehdewesen. Wilhelm von Grumbach warb beides: sowohl "adliger Gewalttäter" als auch "Opfer fürstlicher Gewalt", mobil, modern und anpassungsfähig (Medien, Adelnetzwerke) und zugleich "rückwärtsgewandt". [Buhlmann, 04.2015]

Rösener, Werner (1974), Reichsabtei Salem. Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte des Zisterzienserklosters von der Gründung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts (= VuF, Sonderband 13), Sigmaringen 1974 > S Salem

Rösener, Werner (Hg.) (1989), Strukturen der Grundherrschaft im frühen Mittelalter (= MPIG 92), Göttingen 1989 > G Grundherrschaft

Rösener, Werner (Hg.) (1995), Grundherrschaft und bäuerliche Gesellschaft im Hochmittelalter (= MPIG 115), Göttingen 1995 > G Grundherrschaft

Roitner, Ingrid (2005), Das Admonter Frauenkloster im zwölften Jahrhundert: ein Musterkloster des Ordo Hirsaugiensis, in: SMGB 116 (2005), S.199-289 > A Admont

Rom: In König, Ingemar (2009), Caput mundi. Rom - Weltstadt der Antike (= Besondere Wissenschaftliche Reihe 2009), Darmstadt 2009, 144 S., zahlreiche Abbildungen in Farbe, ca. € 15,-, erschließen sich dem Leser in einem virtuellen Spaziergang durch die 14 Regionen und über die sieben Hügel des kaiserzeitlichen Rom die Sehenswürdigkeiten der Stadt: Tempel (auf dem Kapitol, Largo Argentina, Forum Romanum, Forum Boarium, Ara pacis und Horologium Augusti, Pantheon), Foren (Forum Romanum mit dem Lapis niger, Kaiserforen) und Märkte, Paläste (der Kaiser, Domus aureus), öffentliche Gebäude und Basiliken (Curia Iulia, Maxentiusbasilika), insulae, Villen und Gärten (Villa des Maecenas), Theater und Arenen (Theater des Pompejus und des Marcellus, Amphitheater, Circus maximus), Straßen, Brücken und Plätze (Via sacra, Via lata, Via Appia, Ponte Fabricio, Pons Aemilius), Hafen, Aquädukte, Thermenanlagen und Kanäle (Trajans-, Caracalla-, Diokletiansthermen, Cloaca maxima), Stadtmauern und -tore (servianische und aurelianische Stadtmauer), Triumphbögen (der Kaiser Titus, Septimius Severus und Konstantin), Denkmäler (Koloss Kaiser Neros, Säulen der Kaiser Trajan und Marc Aurel, Obelisken, Janusbogen), Friedhöfe und Grabmäler (Scipionengrab, Grabmal der Caecilia Metella, Cestius-Pyramide, Grabmal des Bäckers Eurysaces, Mausoleen der Kaiser Augustus und Hadrian, Columbarien, Ager Vaticanus). Mit dem Forum Romanum und dem westlich daran anschließenden Palatin beschäftigt sich: Lugli, Giuseppe (1964), Forum Romanum. Palatin, Rom 1964, 181 S., Pläne und Schwarzweißabbildungen, (L 700,-), mit dem Friedensaltar des Kaisers Augustus (30 v.Chr.-14 n.Chr.): Moretti, Giuseppe (1962), Die Ara Pacis Augustae (= Führer durch die Museen, Galerien und Denkmäler Italiens, Nr.67), Rom 1962, 48 S., Schwarzweißabbildungen, (L 350,-), mit der Rom vorgelagerten Hafenstadt Ostia: Calza, G., Becatti, G. (1963), Ostia (= Führer durch die Museen, Galerien und Denkmäler Italiens, Nr.1), Rom 31963, 134 S., Pläne, Schwarzweißabbildungen, (L 600,-). [Buhlmann, 03.2011, 11.2014]

Romains, Jules u.a. ([1973]), Alexander der Große. Das Genie und seine Welt, Wiesbaden [1973] > A Alexander der Große

Romm, James (2011), Der Geist auf dem Thron. Der Tod Alexanders des Großen und der mörderische Kampf um sein Erbe, München 2016, 352 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 26,95. I. Der Tod des Makedonenkönigs Alexander (III.) des Großen (336-323 v.Chr.), des Eroberers des Perserreichs, durch Krankheit (oder Gift?) am 10. Juni 323 v.Chr. in Babylon bedeutete Untergang und Zergliederung seines Reiches durch die Kämpfe um die Herrschaft, die von Alexanders ranghohen Offizieren und/oder Leibwächtern mit ihren Heeren in Asien, Afrika und Europa ausgefochten wurden. Alexander fungierte dabei als "Geist auf dem Thron" und als Folie, vor der die Kämpfe um die Herrschaft und die Rolle der makedonischen Königsdynastie der Argeaden stattfanden. Das Reich Alexanders [oder dessen Fiktion] ging dabei in einer ersten Etappe bis zum Jahr 316 v.Chr. unter; weitere Kriege sollten folgen, so dass der Kampf um die Macht über 25 Jahre anhielt. Letztendlich entstand an der Wende vom 4. zum 3. Jahrhundert v.Chr. das hellenistische Staatensystems Griechenlands, Vorderasiens und Nordafrikas. II. Zwischen 323 und 316/08 v.Chr. sind dann folgende politisch-kriegerische Ereignisse und Entwicklungen auszumachen: 323 Tod Alexanders des Großen in Babylon, dortige Konferenz von Alexanders Leibwächtern/Gefährten/Offizieren/Feldherren (mit dem "Geist auf dem Thron"), Herrschaftsverteilung an Perdikkas (Regentschaft über die Könige Philipp III. Arrhidaios und Alexander IV.), Ptolemaios (Ägypten), Peithon (Baktrien), Eumenes von Kardia (Kappadokien), Antigonos der Einäugige (Phrygien), Leonnatos (Kleinphrygien), Lysimachos (Thrakien), Antipater (schon bestehende Statthalterschaft in Makedonien), Krateros (Leitung des Zugs der entlassenen Veteranen nach Makedonien); 323/22 Antigonos in Phrygien, Krateros in Kilikien, Aufstand in Baktrien, Ptolemaios in Ägypten (Ausschaltung des Kleomenes, Söldnerführer Thibron und Kyrene); 323/22 Unruhe in Athen (Phokion, Demosthenes, Aristoteles, Hypereides), Harpalos-Affäre, Verbanntendekret Alexanders des Großen, Erhebung der Athener, Hellenischer [Lamischer] Krieg (Einschluss des makedonischen Heeres unter Antipater in Lamia, Entsatz durch Leonnatos, athenische Niederlage, Oligarchie in Athen, Selbstmord des Demosthenes); 322 Kleopatra, die Schwester Alexanders des Großen, in Sardis, Ermordung der Kynane durch Alketas, Heirat der Kynanetochter Adea mit König Philipp III., Bündnis des Antipater, Antigonos und Krateros gegen Perdikkas; 321 Entführung von Alexanders Leichnam nach Ägypten (Memphis) durch Ptolemaios, Feldzug des Perdikkas gegen Ägypten, Sieg des Eumenes über Krateros und Neoptolemos in Nordanatolien, Schlachtentod des Krateros, Perdikkas' Niederlage und Ermordung, Antipater in Asien, Konferenz von Triparadeisos und Neuverteilung der Aufgaben (Antigonos als Vormund der Könige, Antigenes und die Silberschilde [Veteranen Alexanders], Ächtung des Eumenes); 320 Besetzung von Syrien und Palästina durch Ptolemaios, Eumenes in der Defensive; 320/19 Antipaters Rückkehr mit den Königen nach Makedonien; 319 Niederlage des Eumenes gegen Antigonos bei Orkynia, Flucht des Eumenes in die Bergfestung Nora, Demades und Phokion in Athen, Tod Antipaters, dessen Nachfolger Polyperchon, Antipaters Sohn Kassander gegen Polyperchon, Tod des Alketas, Polyperchon und Olympias, die Mutter Alexanders des Großen; 319/18 Eumenes belagert in Nora, Antigonos' Angebot an Eumenes und dessen Abzug aus Nora, Bündnis zwischen Polyperchon und Eumenes gegen Kassander und Antigonos; 318 Antigenes, Teutamos und die Silberschilde als Kerntruppe des Eumenes, Polyperchons Begünstigung demokratischer Regierungen in Griechenland, demokratischer Umsturz in Athen durch Hagnonides, Hinrichtung des Phokion, Polyperchons Feldzug auf der Peleponnes (misslungene Belagerung von Megalopolis), Eumenes in Phönizien, Kassander in Vorteil, Niederlage der Flotte des Kleitos am Hellespont gegen Nikanor und Abzug von Polyperchons Sohn Alexander aus Athen, Verhandlungen der Athener mit Kassander, wiederum Oligarchie in Athen, Überlaufen der Truppen König Philipps III. und Adeas zu Olympias und Polyperchon, Olympias' Regime in Makedonien, Ermordung Philipps III., erzwungener Selbstmord der Königin Adea; 318/17 Zug des Eumenes durch Babylonien in die Susiana, Bündnis mit Peukestas und den Befehlshabern der östlichen Satrapien; 317 Niederlage des Antigonos am Fluss Koprates, erfolgreiches Eindringen Kassanders nach Makedonien, Belagerung der Olympias und ihres Enkels Alexander IV. in Pydna durch Kassander, unentschiedene Schlacht von Paraitakene zwischen Eumenes und Antigonos; 316 Schlacht von Gabiene zwischen Eumenes und Antigonos, Rebellion der Silberschilde gegen Eumenes, Auslieferung des Eumenes an Antigonos, Hinrichtung des Eumenes, Kapitulation und Ermordung der Olympias, 316/11/10 König Alexander IV. und dessen Mutter Roxane als Gefangene in Amphipolis, Ermordung der beiden auf Befehl Kassanders, Zerwürfnisse zwischen Kassander und Antiogonos; 309/08 Versuch eines Feldzugs Polyperchons gegen Kassander zur Rückgewinnung Makedoniens (Ermordung des Herakles, des illegitimen Sohns Alexanders des Großen, Polyperchon in Diensten Kassanders); 308 Anbahnung einer Ehe zwischen Kleopatra und Ptolemaios, Ermordung der Kleopatra durch Antigonos (Kleopatra als letzte Angehörige der argeadischen Königsfamilie). [Buhlmann, 12.2016]

Rose, Anne (2001), Filippo Beroaldo der Ältere und sein Beitrag zur Properz-Überlieferung (= BzA 156), Leipzig 2001, 474 S., € 6,90. Der Humanist Filippo Beroaldo der Ältere (*1453-†1505), aus Bologneser Adel stammend, studierte klassische Studien in Bologna, war Lehrer in Bologna (1472-1475), Parma (1475-1476), Paris (1476-1479) und kehrte über Mailand nach Bologna zurück, wo er politisch in der Umgebung des Herrschers Giovanni II. Bentivoglio zu finden war (Mitglied einer Gesandtschaft an Papst Alexander VI. 1492 u.a.) und an der Universität als Professor im Bereich von Rhetorik und Dichtkunst lehrte. Beroaldos Vorleseungen erfreuen sich bei den Studenten großer Beliebtheit, Ausfluss seiner Lehrtätigkeit war seine daraus erwachsende philologische Methode, waren die Kommentare und Ausgaben zu lateinisch-antiken Schriftstellern sowie weitere literarisch-humanistische Werke wie Symbola Pythagorae, De felicitate, Carmina pia et religiosa. Beroaldo war als Herausgeber seiner in Bologna gedruckten Kommentare dabei auch wirtschaftlich erfolgreich (Universität und Studenten als Markt). Auch nach seinem Tod wurden seine Werke, besonders auch in Frankreich, rezipiert. Im Zusammenhang mit der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Überlieferung der elegischen Werke des römischen Dichters Properz (*47 v.Chr.-†ca.15 v.Chr.) erweist sich Beroaldos 1487 gedruckte kommentierte Ausgabe als wichtig. Sie gehört zu den 15 Properz-Inkunabeln des ausgehenden 15. Jahrhunderts und beeinflusste Drucke und Handschriften, wie sie umgekehrt z.B. die Properz-Ausgaben der Humanisten Giovanni Calphurnius und Delio Volsco verarbeitete. > Lateinische Literatur > B Beroaldo der Ältere, Filippo [Buhlmann, 10.2011]

Roth, Gerhard (2001), Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert (= stw 1678), Frankfurt a.M. 2003, 600 S., Schwarzweißabbildungen, € 17,-. Geschichte wird (zwar nicht nur) von Menschen gemacht, Geschichte ist (aber) Menschheitsgeschichte, der Mensch und das menschliche Verhalten sind Grundkonstanten von Geschichte. So kommt den biologischen Grundlagen der sich seit Jahrmillionen entwickelnden biologischen Gattung "Mensch" eine besondere Rolle in der Geschichte zu. Dies betrifft insbesondere das Gehirn des Menschen (Nervenzellen, Vernetzung, kognitives-exekutives Gehirn [Großhirnrinde, Isocortex, sensorisch-assoziative Areale, limbisches System]), das Gedächtnis und Erinnerung (Geschichte), Denken, Intelligenz und Kreativität, Bewusstsein, Gefühle und Persönlichkeit (Ich), Handeln und Willen (Willensfreiheit, Determinismus, Autonomie), schließlich Sprache, Kommunikation und Interaktion (in menschlichen Gesellschaften) bewirkt. [Buhlmann, 09.2015]

Rottenmünster, Zisterzienserinnenkloster: Geistliche Frauengemeinschaften des hohen Mittelalters waren Ausfluss einer religiösen Frauenbewegung, einer mittelalterlichen Suche nach einem christlichen Leben in Armut, Demut und Fürsorge für den anderen. Auch in Rottweil fanden sich bei der Altstadt in Hochmauren Frauen zu einer (irregulären) geistlichen Kommunität zusammen (1217), die sich dem Zisterzienserorden und dem Abt von Salem unterstellte (1223) und von Papst und Kaiser privilegiert wurde (1224, 1237). Gerade der Schutz durch König und Reich sollte den Weg der Frauengemeinschaft zu einem Reichsstift eröffnen. Spätes Mittelalter und frühe Neuzeit sahen die Kom-munität als reichsunmittelbar und reichsständisch unter der Leitung einer Fürstäbtissin sowie im Besitz eines Territoriums, mit dem insbesondere Niedergerichtsbarkeit und Ortsherrschaft in den südlich und östlich von Rottweil gelegenen Dörfern Aixheim, Frittlingen, Neukirch, Lauffen und Zepfenhan verbunden war. Westlich von Rottweil hatte die Frauengemein-schaft zudem Besitz in Dunningen, Hardt, Locherhof und Seedorf. Schutz-herren und Vögte Rottenmünsters waren zunächst die königlichen Amtsträger in Rottweil, später resultierte aus den vogteilichen Ansprüchen der Reichsstadt gegenüber der Frauengemeinschaft eine Reihe von Streitigkeiten. Wirtschaftlich nahm Rottenmünster im 13. Jahrhundert einen enormen Aufschwung, die wohl bis zu 140 Nonnen kamen aus dem regionalen Hoch- und Niederadel, später auch aus dem Bürgertum der unmittelbar benachbarten Reichsstadt. Im Windschatten der Reichsstadt überstand das Stift die Reformation, zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Abtei aufgelöst worden.
An Literatur zu Rottenmünster sei genannt: Reichenmiller, Margareta (1964), Das ehemalige Reichsstift und Zisterziensernonnenkloster Rottenmünster. Studien zur Grundherrschaft, Gerichts- und Landesherrschaft (= VKWGLBW B 28), Stuttgart 1964, XV, 207 S., DM 24,-. [Buhlmann, 03.2009, 11.2012]

Rotter, Ekkehart (2000), Friedrich II. von Hohenstaufen (= dtv 31040), München 2000 > F Friedrich II. (von Hohenstaufen)

RS = Rheinischer Städteatlas

RTB = Reichenauer Texte und Bilder

RUB = Reclam Universal-Bibliothek

Rudenberg, Ortsteil von Titisee-Neustadt: Rudenberg wird zum Jahr 1316 erstmals genannt, kann aber - in Verbindung stehend mit dem benachbarten Kloster Friedenweiler - sehr wahrscheinlich auf eine weiter zurückreichende Geschichte zurückblicken. Die Chronik Rudenberg, hg. v. Arbeitskreis Rudenberg, v. Gerhard Beha, Jochen Borrmann, Albert Braun, Hildegard Frei, Karin Frei, Carola Hannig, Birgit Hermann, Gerrit Müller, Franz Rombach, Liane Schilling, Egon Straub, Edelbert Willmann (2011), Titisee-Neustadt-Rudenberg 2011, 670 S., € 28,-, informiert ausführlich über: das Ortswappen, die politische Geschichte von der Vor- und Frühgeschichte bis heute (Anfänge bis 12. Jahrhundert [Reichenau, St. Gallen, St. Georgen, Tauschurkunde von 1123]; 12. bis 15. Jahrhundert [Benediktinerinnenkloster Friedenweiler, Grafen von Fürstenberg, Schweizer Eidgenossenschaft]; 16. bis 17. Jahrhundert [Bauernkrieg, Fürstenberger, Zisterzienserinnen in Friedenweiler]; 17. Jahrhundert bis zur Säkularisation [Kriege des 17./18. Jahrhunderts, Streitigkeiten um Rudenberg, Fürstenberger, Säkularisation]; 19. und 20. Jahrhundert [Großherzogtum Baden, badische Revolution, Weltkriege, Baden-Württemberg], die Dorfentwicklung vom Mittelalter bis in die Moderne [mittelalterlich-frühneuzeitliche Grundherrschaft und Leibeigenschaft, Höfe als Erblehen, Höfe und Wohnhäuser], die Entwicklungen hauptsächlich ab dem 19. Jahrhundert (Schulwesen, Flurbereinigung, Kriege, Vertriebene und Flüchtlinge), Sagen und Erzählungen, die Kirchengeschichte, Vereine (Feuerwehr, Kirchenchor, Vinzensiusverein, Musikverein, Narrenverein, Veteranenverein, Jagdgenossenschaft, Sportverein, Armenfond), Gewerbe (Geigenbau, Hinterglasmalerei, Uhrenhandwerk/-handel, Erwerbsmöglichkeiten in der Industrie [Papier-, Schraubenfabrik], Landwirtschaft, Schlachthaus, Gasthäuser), Höfe in Rudenberg (in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts), Natur und Landschaft (Geografie, Geologie, Gewässer, Vegetation, Wald), Haus- und Höfechronik (Knöpflehof, Thebisenhof, Josefenhof, Straube, Josefenhisli, Gasthaus "Sternen", Äußerer Hof, Michelishof, Freie Kaspar's, Kirnerhof, Lickerte, Knöpfle, Schlegelhof, Pauli-Wirt, Lochhisli, S'Gschtellerhisli, [Wiesenhof], Schulhaus, S'Kerne, Knöpfles, Murerhisli, Rothisli, Junge, [Jokelhof], Josenhof, Heptinge, Schlegel, Löffler, Bauknechte, Brunner, Jokelhisli, Schlössle, Schlössle, Berghof, Baders, Wehrles, Dolde, S'Freie, Herchers, Lochenbach, Winterhalder, Waldvogel, [Schafhof]). [Buhlmann, 12.2011]

Rudolf I. von Habsburg, römisch-deutscher König: Der Sohn des Grafen Albrecht IV. von Habsburg (1211-1239) und der Heilwig von Kiburg wurde am 1. Mai 1218 geboren. Als Anhänger der Staufer stand Rudolf auf der Seite Konrads IV. (1237/50-1254) und Konradins (Italienzug 1267/68). Seit 1239 war Rudolf Graf von Habsburg. Am 1. Oktober 1273 wurde Rudolf von den Kurfürsten in Frankfurt zum König gewählt; die Krönung fand am 24. Oktober in Aachen statt. Damit hatte sich Rudolf gegen den böhmischen König und mächtigen Territorialfürsten Ottokar II. (1253-1278) durchgesetzt. In dem daraufhin ausbrechenden Konflikt (1276) blieb wider Erwarten Rudolf der Sieger (Schlacht bei Dürnkrut auf dem Marchfeld, 26. August 1278); Ottokar fiel, und Rudolf konnte Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain für die Habsburger gewinnen. Der König hatte damit eine starke Hausmacht, was sich auch vorteilhaft auf seine Revindikationen (Zurückgewinnung von Reichsgut) und auf seine Politik bzgl. der sich ausbildenden Reichsstädte auswirkte. Alles in allem gelang es also Rudolf mit den Mitteln der Städte- und Friedenspolitik, der Verwaltungsneuordnung (Landgutvogteien) und der Stärkung der habsburgischen Hausmacht, das Königtum machtpolitisch wieder zu festigen. Indes verweigerten die Kurfürsten Rudolf die Wahl seines Sohnes Albrecht (I.) zum Nachfolger. Und so starb der Habsburger am 15. Juli 1291, ohne dass sein Sohn ihm im Königtum nachgefolgt wäre oder er die Kaiserwürde erlangt hätte. Rudolf liegt im Dom zu Speyer begraben.
An Literatur zu König Rudolf I. seien genannt: Franzl, Johann (1986), Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron, Graz-Wien-Köln 1986, 309 S., DM 50,-; Krieger, Karl-Friedrich (2003), Rudolf von Habsburg (= GMR), Darmstadt 2003, VII, 294 S., € 24,90. [Buhlmann, 1986ff, 01.2013]

Rückert, Peter, Planck, Dieter (Hg.) (1999), Anfänge der Zisterzienser in Südwestdeutschland. Politik, Kunst und Liturgie im Umfeld des Klosters Maulbronn (= OS 16), Stuttgart 1999 > M Maulbronn

Rückert, Peter (2007), Von der Burgkapelle zur Stiftskirche. Anfänge der Wertheimer Kirchengeschichte, Wertheim 2007, 31 S., Farbabbildungen, Karten, € 3,-. Die Kirchengeschichte Wertheims a.d. Tauber wurzelt im Mainfranken der Merowinger- und Karolingerzeit (Martinskirche in Gamburg [7./8. Jahrhundert], Bistum Würzburg [8. Jahrhundert, Mitte]). Erst ab dem 11./12. Jahrhundert sind Einzelheiten zur Kirchenorganisation an den unteren Tauber bekannt (Würzburger Kirche, Zentralort Kreuzwertheim und dortiger Markt [1009]; Grafen von Wertheim [1003]). 1136 übergab Bischof Embricho von Würzburg (1125-1146) Kirche und Pfarrei Kreuzwertheim, die hier erstmals genannt werden, sicher aber einige Jahrhunderte zurückreichen, dem Chorherrengemeinschaft Triefenstein; im Verlauf des hohen Mittelalters wurden die Kreuzwertheimer Filialkirchen Altfeld, Michelrieth und Röttbach selbstständige Pfarrkirchen; Patronzinium der Kreuzwertheimer Pfarrkirche war das Heilig-Kreuz-Patrozinium. Gegenüber von Kreuzwertheim lag am südlichen Ufer des Main und am Zusammenfluss von Tauber und Main der Ort Wertheim als suburbium und Markt-, Handwerker- und Kaufleutesiedlung unterhalb der Burg der Grafen von Wertheim (12. Jahrhundert). Kirchlich gehörte Wertheim zur Pfarrei des weiter südlich an der Tauber gelegenen Reicholzheim, die Wertheimer Filialkirche stand am Markt der planmäßig errichteten Stadt Wertheim. Zu 1192 wird ein Reicholzheimer Pfarrer Rugger erwähnt und eine pfarreiliche Abgabe der Einwohner von Wertheim (Beschluss einer Würzburger Synode); Rugger wird damals die Tochterkirche in Wertheim seelsorgerisch mitbetreut haben. Zu 1264 war die Wertheimer Stadtkirche Ort der Verleihung eines Privilegs Graf Poppos IV. von Wertheim (1264-1278) an die Johanniterkommende Mosbach-Neckarelz, zu 1266 wird ein rector scolarum ("Schulmeister" mit der Wertheimer Kirche in Verbindung gebracht. Daneben gab es eine Burgkapelle der Grafen von Wertheim mit gräflichem Kaplan und Pankratius-Patrozinium; die Burgkapelle war mit der (frühromanischen) St. Vitus-Pfarrkirche in Eichel vereinigt, einer gräflichen Eigenkirche aus dem beginnenden 12. Jahrhundert (Saalkirche mit quadratischem Turm, romanisches Tympanon [Schaf und Wolf]). An der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert besaß die Wertheimer Stadtkirche den Status einer Pfarrkirche zusammen mit der Reicholzheimer im Pfarrbezirk Wertheim-Reicholzheim (Ablassbrief von 1295: ecclesia parrochialis sancte Marie virginis, Marienpatrozinium, Kirchenbau) und entsprechend der Aufgliederung der Reicholzheimer Mutterpfarrei in selbstständige Pfarrbezirke (Sachsenhausen 1297, Waldenhausen 1317, Urphar 1325). In der Pfarrei Wertheim-Reicholzheim wurde die Pfarrkirche in Wertheim tonangebend. Im 14. Jahrhundert bestand die Wertheimer Sakrallandschaft aus: Pfarrkirche, Burgkapelle, Kapellen innerhalb der Stadt (Elisabeth-, Lorenzkapelle), Spital, Synagoge. Die Krise des mit den Grafen von Wertheim eng verbundenen Zisterzienserklosters Bronnbach (als Wertheimer Gründung und Grablege sowie unter Wertheimer Vogtei) nach der Mitte des 14. Jahrhunderts nutzte Graf Johann I. (1373-1404) zur Unterstellung der Wertheimer Pfarrkirche unter das Kloster (päpstliche Inkorporationsurkunde 1378) bei Ausformung der Pfarrkirche zu einer Stifskirche, an der insgesamt zehn Weltgeistliche (darunter der Pfarrer bzw. dessen Vikar) den Gottesdienst feiern sollten (1383/84). Damit verbunden war der architektonische Um- und Ausbau der Pfarrkirche (Langhaus, Chor [1388], Stifterdenkmal Graf Johanns I. [ca.1400], Heilig-Geist-Kapelle [1406] im neuen Kirchturm, Tumba Graf Johanns I. [1407], Vorhalle). Die endgültige Ausformung der Pfarrkirche zu einem Kollegiatstift geschah unter Johanns I. Sohn Johann II. (1407-1444). [Buhlmann, 03.2017]

Rüeggisberg, Benediktinerpriorat: Am Anfang der Rüeggisberger Geschichte stehen der Cluniazensermönch Ulrich von Zell (†1093) und der Adlige Liutold von Rümlingen. Nach einer allerdings gefälschten "Gründungsurkunde" König Heinrichs IV. (1056-1106) vom 27. März 1076 war es der vir illustris Liutold, der unter Zustimmung seiner Brüder und Neffen im südlich von Bern gelegenen Rüeggisberg eine Mönchsgemeinschaft stiftete, die als Priorat dem Kloster Cluny unterstellt wurde. Beteiligt an der Stiftung war auch der von Cluny neben einem Kuno entsandte Mönch Ulrich von Zell, der Liutold bei der Gründung des Priorats unter die Arme greifen sollte. Ulrich und Kuno wählten als Ort der Klostergründung also Rüeggisberg, den mons Rotgeri, aus. Kuno blieb zurück, vielleicht als erster Prior der Mönchsgemeinschaft, Ulrich kehrte nach Cluny zurück. Die Klostergründung selbst ist gegen das Jahr 1075 (1071/72?, 1074?) anzusetzen, jedenfalls vor dem 9. Dezember 1075. Denn auf diesen Tag datiert eine Urkunde Papst Gregors VII. (1073-1085) für das Kloster Cluny, die u.a. die cella quae dicitur mons Richeri ("Zelle, die Rüeggisberg genannt wird"), als Besitz des Mutterklosters aufführt. Ein Diplom Kaiser Heinrichs V. (1106-1125) vom 13. Dezember 1115 bestätigte schließlich Rüeggisberg sowie Cluny und dessen Abt Pontius (1109-1122) die gefälschte Rüeggisberger Urkunde von angeblich 1076. Damit war das Priorat von Papst und Kaiser als von Cluny abhängiges Kloster anerkannt. Es war zudem das erste Cluniazenserpriorat im deutschsprachigen Raum. In den ersten vierzig Jahren der Gründungsphase erfolgte der auch wirtschaftliche Aufbau des Priorats, Liutold von Rümlingen hatte die Mönchsgemeinschaft mit Besitz in Rüeggisberg und Umgebung ausgestattet, in das letzte Viertel des 11. Jahrhunderts fiel der Bau der romanischen Klosterkirche (und der Klostergebäude), die Klosterkirche war den cluniazensischen Hauptheiligen Peter und Paul geweiht. Liutold hatte der Mönchsgemeinschaft noch die Pfarrkirche des Ortes Rüeggisberg übertragen. Daneben lässt eine für das Priorat ausgestellte Schutz- und Bestätigungsurkunde Papst Eugens III. (1145-1153) vom 27. Mai 1148 erkennen, dass zur Anfangsausstattung der Mönchsgemeinschaft neben Rüeggisberg und Guggisberg wohl noch Besitz in Alterswil, Galteren, Hettiswil, Hötschingen, Iffwil, Kaufdorf, Konolfingen, Maggenberg, Oberwill, Plaffeien, Ried Röthenbach, Urselen, Wiler, Würzbrunnen usw. gehörte. In Alterswil und Röthenbach entstanden von Rüeggisberg abhängige Mönchszellen, in Plaffeien war ebenfalls eine Außenstation der Rüeggisberger Mönchsgemeinschaft vorhanden. Bevogtet wurden Kloster und Klosterbesitz durch die Familie des Klosterstifters, durch die Herren von Rümlingen. Im staufisch-zähringischen Gegensatz auch im nordöstlichen Burgund kam dem Kloster Rüeggisberg, gelegen zwischen den "Zähringerstädten" Freiburg im Üchtland und Bern, eine besondere Rolle in der zähringischen Machtpolitik und Kirchenherrschaft zu. Die politische Lage änderte sich nach dem Aussterben der Zähringer (1218). 1224 stellte sich das Priorat unter den Schutz Kaiser Friedrichs II. (1212-1250) und König Heinrichs (VII.) (1220-1235). Mit dem Schutz war die Klostervogtei des staufischen Königs als Hochvogtei verbunden. 1244 übertrug König Konrad IV. (1237-1254) die Vogtei an die Stadt Bern, nach dem Interregnum (1256-1273) gelangte die Hochvogtei wieder an Königtum und Reich (1275). Die Herren von Rümlingen waren weiterhin die Vögte vor Ort. Das Auf und Ab in den Beziehungen zu den Vögten zeigt weiterhin ein Kompromiss von 1325 betreffend die vogteiliche Hochgerichtsbarkeit und die Rechte des Priors und dessen Ammans. Vor 1330 verkaufte Rudolf von Rümlingen die Vogtei an den Berner Bürger Niklaus von Eschi. Die klösterliche Schutzherrschaft blieb in der Folge bei Berner Bürgern, sie wurde teilweise verpfändet. Das 13. Jahrhundert sah den Niedergang des Priorats Rüeggisberg. In den völlig zerfallenen Klostergebäuden (1259) lebte zeitweise nur ein Mönch (1273). Erst der schon genannte Peter von Cronay vermehrte zunächst als Prokurator, dann als Prior die Zahl der Mönche auf drei bis vier und ordnete die bis dahin desolaten wirtschaftlichen Verhältnisse (Güterverluste und -entfremdungen) neu. Die Fehde König Rudolfs von Habsburg (1273-1291) mit der Stadt Bern (1289) schädigte das Priorat weiter, eine Visitation von 1300 enthüllte die Missstände an der Kommunität. Unter Prior Simon von Nyon (1338, 1348/49) kam es immerhin zur Instandsetzung der Klostergebäude, doch blieb die wirtschaftliche Lage angespannt, wie Verpfändungen unter Prior Peter von Treyvaux (1350, 1358/61) zeigen. Letzterer wurde wegen offenkundiger Misswirtschaft abgesetzt, sogar verhaftet und in Cluny eingekerkert. Erst unter Prior Peter von Bussy (1377, -1399) besserte sich der Zustand des Priorats; Peter stieg auf Grund seiner Verdienste zum Visitator des Mutter-klosters Cluny und der Cluniazenserprovinz "Alemannien und Lothringen" auf. Die Prioren Otto von St-Martin-du-Chene (1400-1404) und Anton (1404), die aus dem Nachbarpriorat Münchenwiler kamen, sowie insbesondere Wilhelm von Mont (1411-1440) vollendeten die Reform in Rüeggisberg, die Grundherrschaft war wiederhergestellt. Ausfluss der erfolgreichen wirtschaftlichen Sanierung war auch das Rüeggisberger Kartular von 1425, das zudem ein Zinsbuch des Priorats enthielt. Die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts sah wiederum den wirtschaftlich-geistlichen Zerfall Rüeggisbergs. Anlässlich der Gründung des Kollegiatstifts St. Vinzenz durch die Stadt Bern konnte mit Genehmigung Papst Innozenz' VIII. (1484-1492) vom 14. Dezember 1484 indes auch das Rüeggisberger Priorat der neu konstituierten Kommunität inkorporiert werden. Das Priorat war nun St. Vinzenz unterstellt, zwischen 1484 und 1528 besaß es aber im Verband dieser Kommunität als Schaffnerei eine gewisse Selbstständigkeit. Reformation und Säkularisation brachten schließlich das Vinzenzstift und damit die Schaffnerei Rüeggisberg zu ihrem Ende (1528). Die Rüeggisberger Güter wurden nun von der Schaffnerei des Vinzenzstifts aus verwaltet, die Kirche des ehemaligen Priorats 1541 geschlossen und teilweise in eine Scheune verwandelt, die Klostergebäude abgerissen bzw. als Steinbruch genutzt.
An Literatur zu Rüeggisberg sei genannt: Buhlmann, Michael (2010), Eine Urkundenfälschung für das Benediktinerpriorat Rüeggisberg auf Grund der Vorlage eines Diploms König Heinrichs V. für die Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald vom 28. Januar 1108 (= VA 51), Essen 2010, 60 S., € 4,-; Drinkwelder, Otto (1916), Das Rüeggisberger Chartular aus dem Jahr 1425, in: SMGB 37 (1916), S.64-82. [Buhlmann, 07.2010]

Rühl, Franz (1897), Chronologie des Mittelalters und der Neuzeit, Berlin 1897 > C Chronologie

Rüpke, Jörg (2014), Römische Religion in republikanischer Zeit. Rationalisierung und ritueller Wandel, Darmstadt 2014, 284 S., grafisches Modell, € 39,95. Die römische Religion der archaischen und frührepublikanischen Zeit lässt sich festmachen an Kultstätten, Ritualen und Priesterschaften; sie war die Religion einer einzelnen Stadt. Als Rom im Gefolge der mittleren und späten Republik zur den Mittelmeerraum beherrschenden Macht wurde (römische nobilitas und Senat), änderte sich auch die römische Religion. Veränderungen gab es vielfach bei den Ritualen und Festen (Prozessionen, Triumphzüge, ludi), die im während des 3. und 2. Jahrhunderts v.Chr. sich ausgestaltenden Raum literarischer Kommunikation (Eindringen von Schriftlichkeit, Drama, Epos) verschriftlicht und systematisiert wurden. Zudem änderte sich das römische Kalendersystem (Pontifikalkalender), in dem Religion und Recht gleichermaßen eingebunden wurden. Gerade in der Zeit der späten römischen Republik des ausgehenden 2. und 1. Jahrhunderts v.Chr. stellte sich in der römischen Religion im Zuge der Hellensierung Roms griechische Rationalität neben römische Tradition. Dabei kam der antiquarischen Betrachtung römischer Religion (Varro, Antiquitates rerum divinarum und sein System der "dreifachen Theologie") und dem Eindringen griechischer Philosophie (Cicero, De legibus, De divinatione u.a. und Religion als Teil systematischer Philosophie) eine besondere Rolle zu. Römische Religion in der späten Republik ist dann nicht von den Auseinandersetzungen innerhalb der römischen Aristokratie zu trennen (Selbstdarstellung und öffentlicher Raum, Selbstreflexion, Professionalisierung im Bereich der Schriftlichkeit). [Buhlmann, 05.2015]

Rüschen, Johannes (1966), Hildigrim und das Kloster Werden, in: MaH 19 (1966), S.85-94 > W Werden

Rüschen, Johannes (1967), Das Kloster Werden und das Emsland, in: MaH 20 (1967), S.19-24 > W Werden

Rüschen, Johannes (1969), Das Kloster Werden im 13. Jahrhundert, in: MaH 22 (1969), S.89-94 > W Werden

Rüschen, Johannes (1969), Die Werdener Äbte des Mittelalters, in: MaH 22 (1969), S.94f > W Werden

Rüschen, Johannes (1969), Das Kloster Werden im 14. Jahrhundert, in: MaH 22 (1969), S.182-186 > W Werden

Rüschen, Johannes (1970), Das Kloster Werden vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges, in: MaH 23 (1970), S.121-128 > W Werden

Rupert von Deutz, Benediktinermönch im Kloster St. Laurentius in Lüttich, Abt des Benediktinerklosters Deutz (1120/21-1129): Rupert, geboren wohl 1076 bei Lüttich, puer oblatus, Novize und Mönch im Lütticher Benediktinerkloster St. Laurentius unter Abt Berengar (1077-1116), stand im Investiturstreit (1075-1122) auf Seiten der Kirchenreformer gegen den Lütticher Ortsbischof Otbert (1091-1119), wie seine polemischen Carmina de sancto Laurentio, verfasst im Exil (1095), zeigen. Zweifel und Depressionen prägten die Persönlichkeit Ruperts am Anfang des 12. Jahrhunderts, bis mystische Erfahrungen vor dem Hintergrund der Einführung der cluniazensischen Klosterreform in St. Laurentius (1106) Rupert nun doch zum Priester werden ließen (1108) und damit die literarisch produktivste Zeit des Mönchs einleiteten. So entstanden De divinis officiis (1108/12), De sancta Trinitate et operibus suis, De victoria Verbi Dei u.a. Ab 1120/21 war Rupert Abt des Benediktinerklosters St. Maria und Heribert in Deutz. Der Klosterleiter starb am 4. März 1129.
An Quellen und Literatur zu Rupert von Deutz seien erwähnt: Rupert von Deutz, De divinis officiis. Der Gottesdienst der Kirche. Lateinisch-Deutsch, hg. v. Helmut u. Ilse Deutz (1999), 4 Tlbde. (= Fontes Christiani, Bd.33,1-4), Freiburg-Basel-Wien 1999 > F Fontes Christiani; Rupert von Deutz, Lesungen über Johannes. Der geistige Sinn seines Evangeliums, übers. v. Ferdinand Edmunds u. Raban Haacke (1977) (= Occidens, Bd.1), 2 Tle., Trier 1977, 952 S., DM 49,80; Rupertus abbas Tuitiensis, De victoria verbi Dei, hg. v. Rhaban Haacke (1970) (= MGH. Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters, Bd.5), Weimar 1970, LIX, 474 S., DM 36,- > Lateinische Literatur > R Rupert von Deutz; Arduini, Maria Lodovica (1987), Rupert von Deutz (1076-1129) und der "Status christianitatis" seiner Zeit. Symbolisch-prophetische Deutung der Geschichte (= AfD, Beih.25), Köln-Wien 1987, XI, 504 S., DM 64,-; Grundmann, Herbert (1966), Der Brand von Deutz 1128 in der Darstellung Abt Ruperts von Deutz. Interpretation und Textausgabe, in: DA 22 (1966), S.385-471. [Buhlmann, 07.2015]

Rupert von Ottobeuren, Benediktinermönch und Abt: Rupert von Ottobeuren (†1145) war Prior im Kloster St. Georgen im Schwarzwald, ab 1102 Abt von Ottobeuren, wo der bedeutende Klosterreformer nach seinem Tod als Heiliger verehrt wurde. Mittelalterlicher Überlieferung zufolge soll Rupert 120 Jahre alt geworden sein, der Ottobeurer Abt starb am 15. August 1145 wohl im hohen Alter und wurde vielleicht um die Mitte des 11. Jahrhunderts geboren wurde. Wo Ruperts geistliche Laufbahn begann - ob er als Oblate einem Benediktinerkloster "übergeben" wurde oder ob er zur Erziehung an ein Kanonikerstift gelangte -, kann nicht ermittelt werden; eine Rupertsvita, die es gegeben haben muss, ist nicht überliefert. Hinsichtlich der Herkunft Ruperts stellt die historische Forschung den Ottobeurer Abt zur schwäbischen Adelsfamilie der Herren von Ursin bzw. Irsee (bei Kaufbeuren), den späteren Grafen von Ursin-Ronsberg. Seit Anfang des 11. Jahrhunderts waren die Herren von Ursin Vögte des Klosters Ottobeuren, der Name "Rupert" kommt hier als Leitname vor. Die Herren von Ursin hatten im Übrigen nicht nur Verbindungen zu den Welfen, sondern auch nach Hirsau und St. Georgen. Auch von daher kann die Einordnung des Ottobeurer Abts Rupert in die Ursiner Adelsfamilie Bestätigung finden. Der Gründungsbericht des St. Georgener Klosters erwähnt anlässlich des Eingreifens Abt Wilhelms von Hirsau (1069-1091) im Vorfeld der St. Georgener Klostergründung bzw. der Verlegung der zu stiftenden Mönchsgemeinschaft von Königseggwald nach St. Georgen (1084) einen Hirsauer Mönch Rupert, der vielleicht mit dem späteren Abt identisch ist. Denkbar ist in der Tat, dass Rupert gemeinsam mit dem St. Georgener Abt Theoger (1088-1119) in Hirsau gelebt hat, was das spätere intensive Vertrauensverhältnis zwischen den beiden erklärt. Theoger, zuvor Prior im Hirsauer Priorat (Kloster-) Reichenbach, wurde dann im Jahr 1088 Abt von St. Georgen, Rupert könnte mit Theoger nach St. Georgen gekommen sein, gehörte jedenfalls vor 1102 dem dortigen Mönchskonvent an. Als Mönch des Schwarzwaldklosters hat Rupert dann die mitunter schwierige Aufbauphase erlebt, die die Mönchsgemeinschaft in St. Georgen zu meistern hatte, als Prior, als Zweiter nach dem Abt und dessen Stellvertreter, unterstützte er Theoger in jeder erdenklichen Weise bei den inneren und äußeren Angelegenheiten des Klosters. Der Wechsel Ruperts von St. Georgen nach Ottobeuren wurde von dem Ottobeurer Vogt Rupert (von Ursin) initiiert und erfolgte mit Einwilligung Theogers im Jahr 1102. Rupert war der erste St. Georgener Mönch, der Abt in einem anderen Kloster wurde, um dort die "monastische Ordnung wiederherzustellen", eine Ordnung im Sinne der damaligen Partei der Kirchenreformer im Investiturstreit (St. Georgener Klosterreform). Ottobeuren war - so will es die Überlieferung aus der Sicht der Kirchenreformer - vor der Ankunft Ruperts ein zerrissener Konvent, sein Abt Heinrich I. (1100-1102) ohne Durchsetzungsvermögen. Mit der erfolgten Wahl des St. Georgener Mönchs zum Ottobeurer Abt, mit der Zustimmung des Konvents zu Rupert aus St. Georgen begann die über 40-jährige Regierungszeit eines Abtes, der sein Kloster im Sinne der St. Georgener Reform umformte und - so scheint es - die Mönchsgemeinschaft dadurch auf eine neue Grundlage stellte. Rupert organisierte das monastische Leben in Ottobeuren neu, füllte den Konvent mit Mönchen aus anderen (Reform-) Klöstern auf, stellte neben die Vollmönche die Laienbrüder und gründete in Ottobeuren eine Frauengemeinschaft. Ottobeurer Skriptorium und Malschule nahmen sicher mit den Reformen einen neuen Anfang. Eine Folge der neuen klösterlichen Disziplin war die wirtschaftliche Gesundung der Ottobeurer Mönchsgemeinschaft, die durch Schenkungen hauptsächlich von Seiten Adliger ihren Grundbesitz massiv erweitern konnte. Eine Folge der erweiterten wirtschaftlichen Grundlagen war auch die Vollendung des Klosterneubaus in Ottobeuren. Begonnen hatte der Um- bzw. Neubau der Klosteranlage zur Zeit Abt Adalhelms (1082-1094), zu Allerheiligen 1121 erfolgte die Weihe durch die Bischöfe Ulrich I. von Konstanz (1110-1127) und Hermann von Augsburg (1096-1133). Offensichtlich erwies sich das Zusammengehen von Abt und Vogt als tragfähige Grundlage für die Reform des Klosters Ottobeuren. Rupert war damit keiner der Kirchenreformer, die jeglichen weltlichen Einfluss auf eine geistliche Institution ausschließen wollten, vielmehr handhabte er die Reform seines Klosters eher pragmatisch und hatte damit offensichtlich Erfolg. Die vermuteten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Abt und Vogt spielten dabei sicher eine herausragende Rolle und führten dazu, dass sich der Einfluss der Vögtefamilie auf Ottobeuren festigte bzw. noch steigerte. Unklar bleibt weitgehend, wie sich Abt Rupert im Kräftedreieck zwischen Abtei, Bistum und Königtum verhalten hat, verhalten konnte. Das Kloster Ottobeuren war eine königliche Abtei, doch ist eine verstärkte Einflussnahme des Augsburger Bischofs seit dem [[10. Jahrhundert]] nachweisbar. Das Königtum schied wegen des Investiturstreits weitgehend hinsichtlich einer eventuellen Einflussnahme auf die Mönchsgemeinschaft aus, doch stand das Bistum Augsburg unter der Leitung des königstreuen Bischofs Hermann. Offenbar hat es Abt Rupert aber weitgehend verstanden, das Kloster vor gegenreformerischen Kräften zu schützen und die St. Georgener Reform durchzuführen, sich nicht zuletzt stützend auf die Vögtefamilie der Herren von Ursin. Die "Ottobeurer Chronik" (Chronicon Ottenburanum) vermittelt noch etwas von der Heiligmäßigkeit Abt Ruperts. Sie erwähnt seine nicht auf uns gekommene Lebensbeschreibung, die wiederum die von Rupert bewirkten Wunder aufgeschrieben hatte. Sie erwähnt das Charisma Ruperts, der Ottobeuren zum Anziehungspunkt von "viel Volk" machte. Der Tod des charismatischen Abtes im Jahr 1145 blieb daher in den Kreisen des Mönchtums nicht unbeachtet. Den Ottobeurer Mönchen galt Rupert als "außergewöhnlicher Vater des ganzen Ortes, ein ausgezeichneter Verursacher von Wundern", wie ein Eintrag im Nekrolog des Klosters zum 15. August formuliert. Die Verehrung Ruperts als Heiliger setzte im Kloster Ottobeuren unter dem nachfolgenden Abt Isingrim (1145-1180) ein. Unter Isingrim wurde mit der Ottobeurer Chronik begonnen, wohl auch die verloren gegangene Rupertsvita aufgeschrieben. Das Ottobeurer Graduale (12. Jahrhundert) enthält Miniaturen der Äbte Rupert und Isingrim. Im Jahr 1270 wurden die Gebeine Ruperts in die Abteikirche überführt. Rupert prägte nicht nur durch seine lange Amtszeit als Abt also intensiv die Geschichte Ottobeurens im 12. Jahrhundert und darüber hinaus.
Zu Rupert von Ottobeuren s.: Buhlmann, Michael (2006), Rupert, Mönch aus St. Georgen, Abt von Ottobeuren (†1145), in: Der Heimatbote 17 (2006), S.4-14; Schwarzmaier, Hansmartin (1996), Abt Rupert von Ottobeuren (1102-1145) und seine Zeit, in: SMGB 107 (1996), S.299-317. [Buhlmann, 06.2006, 09.2015]

Rupf, Philipp E. (2004), Das Zisterzienserkloster Tennenbach im mittelalterlichen Breisgau. Besitzgeschichte und Außenbeziehungen (= FOLG 48), Freiburg i.Br.-München 2004 > T Tennenbach

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z