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Rezensionen (Geschichte)
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Sachs, Hans, Meistergesänge, Fasnachtsspiele, Schwänke, ausgew. u. erl. v. Eugen Geiger (= RUB 7627), Stuttgart o.J., 80 S. Der Nürnberger Bürger Hans Sachs (*1494-†1576) steht für den Wandel der deutschen Dichtung vom Mittelalter zur frühen Neuzeit (bürgerliche statt ritterlich-höfische Dichtung). Vom Leben des Hans Sachs berichtet dessen Summa all meiner gedicht (1567), vom Meistersänger sind um die 4200 Meisterlieder überliefert (Meisterlied als Bar mit drei Gesätzen aus im Allgemeinen zwei Stollen und dem Abgesang, Ton mit Versen als Worten und der Melodie als Weise). Daneben hat Hans Sachs zahlreiche Spruchgedichte verfasst (Fabeln, Schwänke, dramatische Dichtungen), z.B. über die Trinität Gottes oder die Schöpfung (v.1520); im Rahmen der Reformation schrieb der Meistersänger von der Wittembergisch Nachtigall (1523) und die Sieben Dialoge. Als Humanist bot sich dem Dichter ebenfalls die antike Literatur (in Form und Inhalt) oder Boccaccios Decamerone an. Wichtig sind auch seine Fastnachtsspiele (Das heiß Eysen, Der farends Schuler), daneben die Fabeln und Schwänke (Das Schlauraffen Landt, Das kelberprüten, Der fuchs mit dem han). [Buhlmann, 11.2014]

The Saga of the People of Laxardal and Bolli Bolason's Tale, übers. v. Keneva Kunz (1997) (= Penguin Classics), London 2008, XLVI, 223 S., Stammtafeln, Karte, ISK 2350,-; I. Isländische Sagas beschäftigen sich mit isländischen Frühzeit von Besiedlung und Machtauseinandersetzungen (9. Jahrhundert, Mitte - 11. Jahrhundert, Mitte), sind aber erst ab dem 13. bis 15. Jahrhundert schriftlich auf Isländisch überliefert. Sagas sind breiter angelegt als Erzählungen, Sagas und Erzählungen berichten unter dem Blickwinkel der späteren Zeiten (verklärend) von der Vergangenheit. Die "Saga der Leute aus Laxardal" und die "Erzählung von Bolli Bollason" sind nur im Modruvellir-Buch aus dem 15. Jahrhundert überliefert. Die Sagas geben indirekt etwas über die Gesellschaft im früh(er)en Island preis, die sich um Patriarchat, Familie und Clan, auch um die Rolle von Mann und Frau drehte (Gesellschaftsstruktur). II. Im Mittelpunkt der "Saga der Leute aus Laxardal" (Laxardal im Nordwesten Islands) stehen Ketil Flachnase, der vor König Harald Schönhaar (ca.860/70-933) aus Norwegen nach Schottland bzw. Island floh, Ketils Tochter Unn, die Mutter des schottischen Königs Thorstein, die nach dessen Tod ebenfalls nach Island, nach Hvamm übersiedelte, und Ketils Nachkommen auf Island, insbesondere Björn Ketilsson und Gudrun Osvifsdottir. Gudruns Sohn war Bolli Bollason, mit dem sich die isländische Überlieferung auch in einer eigenen "Erzählung von Bolli Bollason" beschäftigte. [Buhlmann, 03.2016]

Salem, Zisterzienserkloster: Die 1134 entstandene Zisterze Salem war vom elsässischen Lützel aus eingerichtet worden. Sie war eines der ersten Zisterzienserklöster in Deutschland und entstand unter staufischer Beteiligung. In einem Diplom König Konrads III. (1138-1152) von 1142 erhielt das Kloster Königsschutz und, damit verbunden, die Vogtei der deutschen Herrscher. Die daraus resultierende Königs- bzw. Reichsunmittelbarkeit der Zisterze prägte auch die enge Anlehnung des Klosters an die staufischen Herrscher während der Amtszeit Abt Eberhards von Rohrdorf (1191-1240). Gegen landesherrschaftliche Konkurrenz und auf der Grundlage einer umfangreichen geschlossenen Grundherrschaft zwischen oberer Donau und Bodensee (Grangien- und Rentenwirtschaft) sowie eines straff organisierten Klosterstaates für mitunter (1310) mehr als 300 Mönche konnte das Kloster auch im späten Mittelalter seine reichsunmittelbare Stellung erhalten, die nochmals 1521 auf dem Wormser Reichstag Kaiser Karls V. (1519-1558) bestätigt wurde. In der frühen Neuzeit war Salem auf den Reichstagen vertreten und Mitglied der Prälatenbank des schwäbischen Reichskreises. Durch die Reformation ging Besitz in Nürtingen an das Herzogtum Württemberg verloren, eine versuchte Eingliederung Salems durch den Konstanzer Bischof scheiterte spätestens 1562. Nach der Brandkatastrophe von 1697 begann man mit dem barocken Neubau der Klosteranlage (Kaisersaal von 1708, Speisesaal mit Kachelofen von 1733, Ostflügel des Kreuzgangs mit Bilderzyklus zu Bernhard von Clairvaux von um 1766), die gotische Abteikirche, die vom Brand verschont geblieben war, wurde zwischen 1774 und 1784 klassizistisch umgestaltet. Hinzu kamen der Bau der Birnauer Wallfahrtskirche (am Bodensee, 1746-1750) und der Innenausbau des abteilichen Schlosses Kirchberg (bei Immenstadt). Der umfangreiche Grundbesitz des Klosters war in der frühen Neuzeit schon längst in Form einer Rentengrundherrschaft organisiert, in der die Mönchsgemeinschaft die niedere und hohe Gerichtsbarkeit besaß. Der Klosterbesitz war nach Ämtern gegliedert (z.B. das Oberamt in Salem für das "unterbergische Land" mit 22 Orten und 3800 Untertanen, das Oberamt in Ostrach mit 14 Orten und 1300 Einwohnern usw.). Die Reichsabtei Salem wurde 1802 aufgehoben, der Mönchskonvent 1804. Das Kloster selbst und der Großteil seines Besitzes kam an die Markgrafen von Baden, die die Klostergebäude als Wohnsitz für die nicht regierenden Familienmitglieder nutzten ("Familienfideikomiss"). 1920 wurde in Salem eine Reformschule gegründet, 2008/09 ist das Salemer Schloss Hauptverhandlungsmasse im Kompromiss zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Haus Baden.
Geschichtsquellen zum Kloster Salem sind: Codex Diplomaticus Salemitanus. Urkundenbuch der Cistercienserabtei Salem, hg. v. Friedrich von Weech: Tl.I: Urkunden 1134-1266 (= ZGO 35), Karlsruhe 1883, 548 S., Siegeltafeln; Tl.II: Urkunden 1267-1300, Karlsruhe 1886, 684 S., Siegeltafeln. Mit dem Kloster Salem beschäftigen sich: Knapp, Ulrich (2003), Salem. Münster (= Schnell (& Steiner), (Kleine) Kunstführer, Nr.875), Regensburg 22003, 27 S., € 3,-; Knapp, Ulrich (2009), Auf den Spuren der Mönche. Bauliche Zeugen der Zisterzienserabtei Salem zwischen Neckar und Bodensee, Regensburg 2009, 336 S., € 19,95 (mit den Salemer "Erinnerungsorten": Salem [Kloster, Kirche, Schloss, Wirtschaftsgebäude]; Bachhaupten, Bermatingen, Lausheim, Ostrach, Seefelden, Tiefenhülen [Kirchen]; Bermatingen, Leutkirch, Schemmerberg [Pfarrhöfe]; Biberach, Esslingen, Hagnau, Konstanz, Nürtingen, Pfullendorf, Pfullingen, Reutlingen, Sipplingen, Ulm [Pfleghöfe]; Birnau (und Neubirnau), Frauenberg [bei Bodman] [Wallfahrtsorte]; Adelsreute, Buggensegel, Killenberg, Kirchberg, Maurach, Mimmenhausen, Neufrach, Nußdorf, Oberuhldingen, Owingen, Seefelden, Tüfingen, Urnau, Weildorf [Oberamt Salem]; Bolstern, Burgweiler, Einhart, Kalkreute, Levertsweiler, Magenbuch, Ostrach, Tafertsweiler, Wangen [Oberamt Ostrach]; Altheim, Auhofen, Ingerkingen, Langenschemmern, Schemmerberg [Oberamt Schemmerberg]; Dornsberg, Mainwangen [Obervogteiamt Münchhöf]; Neidingen, Stetten, Storzingen [Obervogteiamt Stetten am kalten Markt]; Ehingen, Frankenhofen, Griesingen, Stetten, Unterelchingen [Pflegamt Ehingen]); Rösener, Werner (1974), Reichsabtei Salem. Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte des Zisterzienserklosters von der Gründung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts (= VuF, Sonderband 13), Sigmaringen 1974, 260 S., DM 48,-; Schneider, Reinhard (Hg.) (1984), Salem. 850 Jahre Reichsabtei und Schloss, Konstanz 1984, 376 S., DM 58,-. [Buhlmann, 03.2009, 09.2011]

Salier, deutsche Königsdynastie des Mittelalters: Die Anfänge der Salier, wie dieses Königsgeschlecht seit dem 12. Jahrhundert genannt wird, reichen in das Lothringen des 10. Jahrhunderts zurück. Konrad der Rote (944-953/54) verlor beim Liudolf-Aufstand gegen König Otto den Großen (936-973) sein Herzogtum. Sein Sohn Otto tritt uns um die Jahrtausendwende als Herzog von Kärnten (978-985, 995-1004) entgegen. Zur Zeit Kaiser Heinrichs II. (1002-1024) waren die Salier, vor allem Konrad der Ältere, Gegner des Königs. Nach dem Aussterben der Ottonen (1024) waren die Salier Konrad der Ältere und Konrad der Jüngere als Ururenkel Ottos des Großen offensichtlich die einzigen für die Königswahl in Betracht kommenden Kandidaten. Die Fürsten und die Geist-lichkeit des Reiches entschieden sich in Kamba (bei Oppenheim) am 4. September 1024 für Konrad den Älteren als König. Mit ihm begann die Königsdynastie der Salier, die im "salischen Jahrhundert" (1024-1125) die Herrscher Konrad II. (1024-1039), Heinrich III. (1039-1056), Heinrich IV. (1056-1106) und Heinrich V. (1106-1125) umfasste. Mit dem Tod des söhnelosen Heinrich V. erlosch das salische Königtum.
Mit der Königsdynastie der salischen Herrscher beschäftigen sich: Boshof, Egon (1987), Die Salier (= Urban Tb 387), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1987, 341 S., DM 24,-; Laudage, Johannes (2006), Die Salier. Das erste deutsche Königshaus (= BSR 2397), München 2006, 128 S., € 7,95. Publikationen zur großen Salier-Ausstellung in Speyer 1992 sind: Böhme, Horst-Wolfgang (Hg.) (1991), Burgen der Salierzeit, 2 Bde., Sigmaringen 1991, Bd.1: In den nördlichen Landschaften des Reiches (= Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Monographien, Bd. 25), 342 S., Bd.2: In den südlichen Landschaften des Reiches (= Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Monographien, Bd. 26), 388 S., zus. DM 108,-; Böhme, Horst-Wolfgang (Hg.) (1991), Siedlungen und Landesausbau zur Salierzeit, 2 Bde., Sigmaringen 1991, Bd.1: In den nördlichen Landschaften des Reiches (= Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Monographien, Bd. 27), 298 S., Bd.2: In den südlichen Landschaften des Reiches (= Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Monographien, Bd. 28), 215 S., zus. DM 96,-; Das Reich der Salier 1024-1125 (1992) (= Ausstellungskatalog), Sigmaringen 1992, XXX, 503 S., DM 58,-; Schulze-Dörrlamm, Mechthild (1991), Der Mainzer Schatz der Kaiserin Agnes. Neue Untersuchungen zum sogenannten "Gisela-Schmuck", Sigmaringen 21992, 134 S., DM 10,-; Schwarzmaier, Hans-Martin (1991), Von Speyer nach Rom. Wegstationen und Lebensspuren der Salier, Sigmaringen 21992, 198 S., DM 48,-; Weinfurter, Stefan (Hg.) (1991), Die Salier und das Reich, Sigmaringen 1991, Bd.1: Salier, Adel und Reichsverfassung, VIII, 577 S., Bd.2: Die Reichskirche in der Salierzeit, VIII, 569 S., Bd.3: Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier, VIII, 616 S., zus. DM 140,-. [Buhlmann, 06.1992, 06.2006, 08.2012]

Samotta, Iris (2010), Demosthenes (= UTB Profile = UTB 3407), Tübingen 2010, 137 S., Karten, Zeittafel, Glossar, € 9,90. Demosthenes (*384-†322 v.Chr.), Redner und Politiker der athenischen Demokratie des 4. Jahrhunderts v.Chr., ist bekannt durch seine Vielzahl von Gerichts- und politischen Reden vor (Teilen) der athenischen Volksversammlung (Corpus Demosthenicum aus bis zu 61 Reden nebst Prologen und Briefen). Die überlieferten Reden machen Person und Politik des Demosthenes (neben Cicero) intensiv erfahrbar vor dem Hintergrund von athenischer Demokratie des 4. Jahrhunderts (Peleponnesischer Krieg [431-404] und Kapitulation Athens 404, Oligarchie 404/03, Korinthischer Krieg 395/86 v.Chr.), Antalkidas-/Königsfrieden (387/86 v.Chr.), Zweitem Attischen Seebund (377 v.Chr., Bundesgenossenkrieg [357-355]), thebanischer Hegemonie (unter Epameinondas, Schlachten bei Leuktra [371] und Mantinea [362 v.Chr.]) und dem Aufstieg Makedoniens unter König Philipp II. (359-336) zur beherrschenden Macht in Griechenland. Nach dem Tod seines reichen Vaters (377 v.Chr.) standen Demosthenes und seine Familie unter der Vormundschaft von Verwandten, nach dem Ephebendienst (366/64 v.Chr.) klagte Demosthenes erfolgreich um Wiederherstellung seines Vernmögens (364/62 v.Chr.). Als Redenschreiber (Logograf) machte sich Demosthenes bald einen Namen (ab 364 v.Chr.), seine ersten Prozessreden datieren auf die Jahre 355/54 v.Chr. (Gegen Androtion, Gegen Leptines, Gegen Timokrates), die vier Reden gegen Philipp (351, 344, 341 v.Chr.) hatten die makedonische Machtausdehnung in Nordgriechenland zum Inhalt, ebenso Demosthenes' drei Olynthische Reden (349/48 v.Chr.) (makedonische Eroberung von Amphipolis [357], Pydna, Poteideia [356] und Methone [355], Dritter Heiliger Krieg gegen die Phoker [356-346], Krieg gegen und Eroberung von Olynth [349/48], Frieden des Philokrates [346 v.Chr.]). Die antimakendonische politische Haltung des Demosthenes musste der Politiker dabei in Einklang bringen mit der athenischen Finanzpolitik eines Euboulus (354/53-343 v.Chr.) oder später eines Lykourgos (338-322 v.Chr.). Antimakedonisch ausgerichtet waren auch der Euböische und Hellenenbund von 340 v.Chr. (Demosthenes als Verwalter der athenischen Flotte, Kranzehrung), doch endete der Vierte Heilige Krieg um Amphissa (340-338 v.Chr.) mit der athenisch-thebanischen Niederlage bei Chaironeia gegen Philipp II. (338 v.Chr.). An die Stelle des nun aufgelösten Hellenenbundes (und Zweitem Attischen Seebundes) trat der Korinthische Bund (338/37 v.Chr.) unter der Führung des Makedonenkönigs (Demosthenes als Verwalter der theorikon-Kasse, Kranzehrung [337/36 v.Chr.]). Philipp II. wurde 336 v.Chr. ermordet, sein Sohn Alexander III. (336-323 v.Chr.) sicherte sich die Nachfolge und begann die Eroberung des Perserreiches (ab 334; Zerstörung Thebens 335 v.Chr.). Im Jahr 330 v.Chr. verteidigte sich Demosthenes im berühmten Kranzprozess. Innenpolitische Verwicklungen infolge der Harpalos-Affäre führten zur Verbannung des Demosthenes (324 v.Chr.), der Tod Alexanders (323 v.Chr.) zu Aufstand und Lamischem Krieg (323/22 v.Chr.), der mit der Niederlage des neu entstandenen Hellenenbundes in den Schlachten bei Amorgos und Krannon endete (322 v.Chr.). Athen erhielt eine oligarchisch-timokratische Verfassung; Demosthenes kehrte zeitweise in seine Heimatpolis zurück, um alsbald zu fliehen und Asyl im Poseidontempel von Kalaureia zu finden. Dort von makedonischen Schergen aufgespürt, endete das Leben des bedeutenden athenischen Politikers durch Selbstmord (322 v.Chr.). Das Nachleben des Demosthenes spiegelte sich wieder in athenischen Ehrungen für den Verstorbenen (n.287/86 v.Chr.), in der Demosthenes-Biografie des Plutarch sowie in der Wertschätzung des Corpus Demosthenicum ab dem Renaissance-Zeitalter. [Buhlmann, 05.2014]

Sanader, Mirjana (Hg.) (2007), Kroatien in der Antike, Mainz 2007, 143 S., zahlreiche Farbabbildungen, Karten, € 14,95. Das antike Kroatien zwischen Drau und Adria, Istrien und Donau (ostadriatische Küste als Teil der Mittelmeerwelt, kontinental geprägtes Hinterland) war in der Zeit vor und neben den Griechen bzw. Römern geprägt von illyrischen Bevölkerungsgruppen (Histrier, Liburner, Dalmater, Japoden) und den Pannoniern, Kolapianen und Segestanen. Bekannt ist das Illyrerreich der 2. Hälfte des 3. bzw. der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts v.Chr. unter der Illyrerkönigin Teuta (1. Illyrerkrieg gegen die Römer 229 v.Chr.); unter dem Illyrerherrscher Genthios ging das Reich unter (3. Illyrerkrieg 168/67 v.Chr.). Seit dem letzten Drittel des 8. Jahrhunderts v.Chr. waren die Griechen in der Adria präsent (korinthische Kolonie Korkyra 735/33 v.Chr.), ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. entstanden die ostadriatischen Kolonien Korkyra Melaina (Korcula, als knidische Siedlung), Herakleia (Insel Hvar), Tragourion (Trogir), Epetion (bei Split), Issa (Insel Vis, Gründung des Tyrannen Dionysos I. von Syrakus 385 v.Chr., Kontakte zu Rom 229 v.Chr., Verlust der Unabhängigkeit 46 v.Chr.) und - als wichtigste - Pharos (Insel Hvar, Gründung 385/84 v.Chr., Demetrios Pharios und die Zerstörung von Pharos 219 v.Chr., 35/33 v.Chr. römisches Pharos). Das Vordringen der römischen Republik in den illyrischen Raum begann nach dem 1. Punischen Krieg (264-241 v.Chr.) im Zusammenhang mit den Illyrer- und makedonischen Kriegen (1. Makedonischer Krieg 215-205, 2. Makedonischer Krieg 200-197, 3. Makedonischer Krieg 171-168 v.Chr.) und führte zur Errichtung der römischen Küstenprovinz Illyricum. Römische Kriege gegen Delmaten, Ardiäer (Piraterie) und Japoden (156, 135, 129, 119 v.Chr.) verstärkten den Einfluss Roms im illyrischen Raum noch. Der Feldherr Gaius Julius Caesar (†44 v.Chr.) kämpfte gegen Piruster und Delmaten (54, 51 v.Chr.), im römischen Bürgerkrieg stand der ostadriatische Raum zeitweise unter dem Einfluss der Pompejaner (49-44 v.Chr.); unter Oktavian-Augustus (†14 n.Chr.) wurde die römische Herrschaft - u.a. mit der völligen Unterwerfung der Delmaten - entlang der Adria - und im Landesinnern - wieder hergestellt (35-33 v.Chr.); als Dalmatia wurde das Illyricum eine senatorische Provinz im römischen Reich (Aufstände 16, 12 v.Chr.; Istrien als Teil Italiens); der große illyrisch-panonische Aufstand (6-9 n.Chr.) änderte daran nichts. Römische Kolonien wie Issa, Zadar, Salona, Narona, Epidaurum, Pula oder Parentium, Militärstützpunkte und Straßen förderten in der Folgezeit die Romanisierung des illyrisch-pannonischen Raums vom Mittelmeer bis zur Donau, aber auch Gewerbe, Handel und Verkehr. Es entstanden befestige Städte mit Tempeln (Tempel des Augustus in Pula, Götterkulte, Kaiserkult), Foren (Zadar), Amphitheatern (Pula, Salona) und Nekropolen. Auf dem Land waren u.a. die villae rusticae Produktionszentren für agrarische Erzeugnisse (Ackerbau [Weizen, Wein, Oliven], Viehzucht [Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Schweine]). Der Altersruhesitz Kaiser Diokletians (284-305) war dessen Palast (villa) in Split. Nach Anfängen im 2. und 3. Jahrhundert n.Chr. (Salona) erfasste das Christentum im spätantiken römischen Reich der "Völkerwanderungszeit" auch das Illyricum (frühchristliche Basiliken [Salona-Manastirne, Doppelkirche bei Zadar, Kirche der heiligen Maria bei Pula, Basilika Euphrasiana in Porec, Coemeterialbasiliken], Nekropolen [Sarkophage], Kunst [Mosaike]). Das Ende antiker Kultur im illyrisch-pannonischen Raum kam nach langen Veränderungen endgültig mit dem Verlust der für das oströmische Reich wichtigen Stadt Sirmium. [Buhlmann, 06.2013]

Sanders, Ed P. (1999), Paulus. Eine Einführung (= RUB 9365), Stuttgart 1999 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

St. Blasien, Benediktinerkloster: Über die Frühgeschichte des Klosters St. Blasien im Schwarzwald besteht Unklarheit. Die cella alba des Hochrheinklosters Rheinau soll im 9. Jahrhundert am Anfang einer Entwicklung hin zum Kloster St. Blasien des 11. Jahrhunderts gestanden haben. Demnach muss sich die Zelle im Südschwarzwald (in einem längeren Prozess) von Rheinau gelöst haben. Vielleicht spielte der in der Überlieferung als "Stifter" bezeichnete (sanctus) Reginbertus (10. Jahrhundert?) eine Rolle, jedenfalls ist mit Werner I. (1045?-1069) erstmals ein Abt von St. Blasien bezeugt. Am 8. Juni 1065 erhielt das Schwarzwaldkloster, das im Übrigen mit der Adelsfamilie um Herzog Rudolf von Rheinfelden (1057-1079) verbunden war, von König Heinrich IV. (1056-1106) ein Immunitätsprivileg, zwischen 1070 und 1073 sind Kontakte zum cluniazensischen Reformkloster Fruttuaria in Oberitalien anzunehmen. Folge dieser Kontakte waren der Anschluss St. Blasiens an die fruttuarische Reformrichtung, die Einführung des Instituts der Laienbrüder (Konversen) und wohl die Gestaltung St. Blasiens als Doppelkloster von Mönchen und Nonnen; die Nonnen sollten dann vor 1117 das Kloster Berau besiedeln. Der Historiograf Bernold von Konstanz (*ca.1050-†1100) stellt St. Blasien neben Hirsau und Allerheiligen als führendes schwäbisches Reformkloster dar. Von St. Blasien sollten u.a. reformiert oder (als Priorat, Propstei) gegründet werden: Muri (1082), Göttweig (1094, Göttweiger Reform), Ochsenhausen (1099), Stein am Rhein (v.1123), Prüm (1132) oder Maursmünster (v.1166). An Kommunitäten im Schwarzwald beeinflusste St. Blasien die Klöster Alpirsbach (1099), Ettenheimmünster (1124) und Sulzburg (ca.1125) sowie seine Propsteien Weitenau (ca.1100), Bürgeln (v.1130) und Sitzenkirch (ca.1130). Eine Liste von Gebetsverbrüderungen, um 1150 erstellt, zeigt die Weitläufigkeit der Beziehungen zwischen St. Blasien und anderen Frauen- und Männerklöstern. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts erlahmte indes der Eifer der Schwarzwälder Mönche, die Aktivitäten wurden vom Ausbau einer umfangreichen Grundherrschaft dominiert. Im 14. und 15. Jahrhundert erreichte die Grundherrschaft ihre größte Ausdehnung und erstreckte sich über weite Gebiete des Südschwarzwaldes, unter Einbeziehung der genannten Propsteien sowie des Nonnenklosters Gutnau und der Niederkirchen in Niederrotweil, Schluchsee, Wettelbrunn, Achdorf, Hochemmingen, Todtnau, Efringen, Schönau, Wangen, Plochingen, Nassenbeuren usw. Die Schutzvogtei der Bischöfe von Basel konnte abgeschüttelt werden, wie ein Diplom Kaiser Heinrichs V. (1106-1125) vom 8. Januar 1125 beweist, das dem Kloster Königsschutz und freie Vogtwahl zugestand. In der Folge etablierten sich die Zähringer als Klostervögte, nach deren Aussterben (1218) wurde die Vogtei unter Kaiser Friedrich II. (1212-1250) Reichslehen, so dass immerhin eine gewisse Anbindung St. Blasiens an das Reich bestand, ohne dass hier von einem Reichskloster oder von Reichsunmittelbarkeit geredet werden kann. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts sind die Habsburger als Schutz- und Kastvögte der Mönchsgemeinschaft bezeugt. St. Blasien wurde damit zu einem Bestandteil des vorderösterreichischen Herrschaftsverbands der habsburgischen Herzöge und in der frühen Neuzeit als Landstand vorderösterreichisches Prälatenkloster. Trotzdem gab es auch Beziehungen zum Reich, die damit zusammenhingen, dass das Kloster zwischen 1422 und 1521 in den Reichsmatrikeln geführt wurde und der schwäbische Reichskreis 1549 vergeblich versuchte, St. Blasien als Reichsprälatenkloster einzubinden. Immerhin waren die vier seit dem Ende des 13. Jahrhunderts von St. Blasien erworbenen "Reichsherrschaften" Blumegg, Bettmaringen, Gutenburg und Berauer Berg Ausgangspunkt für die 1609 konstituierte reichsunmittelbare Herrschaft Bonndorf. St. Blasien, das von der Reformation verschont blieb, ist dann 1806 säkularisiert worden. Von der alten Klosteranlage, die im 18. Jahrhundert barock überbaut wurde, ist nichts vorhanden.
Quellen zur Klostergeschichte bieten: Braun, Johann Wilhelm (Bearb.) (2003), Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299: Tl.I: Edition, Stuttgart 2003, IX, 987 S., Tl.II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, V, 385 S., CD-ROM, zus. € 79,-; Schmale, Franz Josef (Hg.) (1998), Die Chronik Ottos von St. Blasien und die Marbacher Annalen (= FSGA A 18a), Darmstadt 1998, 275 S., DM 98,-. Einen Überblick über das Kloster St. Blasien gibt: Das tausendjährige St. Blasien. 200jähriges Domjubiläum, hg. v. Christel Rödel (1983) (= Ausstellungskatalog): Bd.I: Katalog, Karlsruhe 1983, 403 S., Bd.II: Aufsätze, Karlsruhe 1983, 368 S., zus. DM 68,-. Spezielle Fragestellungen zur Geschichte St. Blasiens behandeln: Baum, Christoph (1995), Der Klosterwald von St. Blasien. Eine forstgeschichtliche Untersuchung über die Waldverhältnisse im Stiftsbann der ehemaligen Benediktinerabtei St. Blasien im südlichen Schwarzwald bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts (= Hochschulsammlung Wirtschaftswissenschaft. Forstwissenschaft, Bd.8), Freiburg i.Br. 1995, 314 S., DM 63,50; Büttner, Heinrich (1939), St. Blasien und das Elsaß (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich-Fürstenbergischen Archiv, H.4), Donaueschingen 1939, 33 S., RM 1,20; Büttner, Heinrich (1950), St. Blasien und das Bistum Basel im 11./12. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte des Investiturstreits, in: ZSK 44 (1950), S.138-148; Gut, Johannes (1995/96), Zu den reichsrechtlichen Bestrebungen des Klosters St. Blasien vom 16. bis 18. Jahrhundert. Erwerb der Reichsherrschaft Bondorf, in: AlemJb 1995/96, S.49-68; Jakobs, Hermann (1968), Der Adel in der Klosterreform von St. Blasien (= KHA 16), Köln-Graz 1968, XVI, 336 S., DM 48,-; Jakobs, Hermann (1995/96), Die rechtliche Stellung St. Blasiens bis zur Berufung der Zähringer in die Vogtei (1125), in: AlemJb 1995/96, S.9-38; Naumann, Helmut (1967), Die Schenkung des Gutes Schluchsee an St. Blasien. Ein Beitrag zur Geschichte des Investiturstreites, in: DA 23 (1967), S.358-404; Ott, Hugo (1963), Studien zur Geschichte des Klosters St. Blasien im hohen und späten Mittelalter (= VKGLBW B 27), Stuttgart 1963, XIX, 136 S., DM 15,-; Ott, Hugo (1964), Das Immunitätsprivileg Heinrichs IV. für St. Blasien vom Jahr 1065, in: ZGO 112 (1964), S.413-430; Ott, Hugo (1965), Die Vogtei über das Kloster St. Blasien seit dem Aussterben der Zähringer bis zum Übergang an das Haus Habsburg, in: ZGO 113 (1965), S.29-44; Ott, Hugo (1969), Die Klostergrundherrschaft St. Blasien im Mittelalter. Beiträge zur Besitzgeschichte (= Arbeiten zum Historischen Atlas von Südwestdeutschland, Bd.4), Stuttgart 1969, 51 S., Karten, DM 14,20; Ott, Hugo (1972), Vorläufige Bemerkungen zur Geschichte des St. Blasianischen Registratur- bzw. Archivwesens, in: Schau-ins-Land 90 (1972), S.23-36; Ott, Hugo (1995/96), Die rechtliche Stellung St. Blasiens nach dem Aussterben der Zähringer bis zum Ende der Regierung Rudolfs von Habsburg, in: AlemJb 1995/96, S.39-48; Vogel, Jürgen (1984), Rudolf von Rheinfelden, die Fürstenopposition gegen Heinrich IV. im Jahr 1072 und die Reform des Klosters St. Blasien, in: ZGO 132 (1984), S.1-30; Wollasch, Joachim (1961), Muri und St. Blasien. Perspektiven schwäbischen Mönchtums in der Reform, in: DA 17 (1961), S.420-446. [Buhlmann, 03.2006, 07.2011]

St. Gallen, Benediktinerkloster: Die Benediktinergemeinschaft St. Gallen im Schweizer Hügelland südlich des Bodensees führte sich auf den irofränkischen Mönch und Priester Gallus (*ca.550-†v. 650) und auf seinen ersten Abt Otmar (719-759) zurück. Nähe zum vorkarolingisch-alemannischen Herzogtum bei Abgrenzung vom Konstanzer Bistum prägten in der Folgezeit die klösterliche Existenz, die St. Gallen im 9. und beginnenden 10. Jahrhundert nunmehr als Reichskloster zu einer kulturellen Hochblüte führte. Ein hervorragendes Skriptorium und eine Klosterschule gehören ebenso hierher wie der berühmte St. Galler Klosterplan (ca.820). Im "ehernen Zeitalter" des Investiturstreits und des späteren Mittelalters geriet die Abtei zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten und feudal-kriegerische Auseinandersetzungen. Benediktinische Reformen im 15. Jahrhundert überwanden die inneren Schwierigkeiten, St. Gallen wurde in die Schweizerische Eidgenossenschaft einbezogen. Nach einem kurzen reformatorischen Zwischenspiel (1531) stabilisierten sich die Zustände des Klosters weiter, erkennbar an der barocken Stiftskirche und der berühmten Bibliothek. 1805 wurde die Abtei aufgehoben. Schon früh erwarb St. Gallen Besitz in der unmittelbaren Umgebung und südlich des Bodensees, weiter in der Oberrheinebene, auch im Kirchzartener Becken. St. Galler Güter gab es auf der Baar und im daran angrenzenden südöstlichen Schwarzwald, doch lässt das hohe und späte Mittelalter eine Besitzausdehnung und -entwicklung vermissen.
Verwiesen sei zuerst auf: Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, hg. v. Historischen Verein des Kantons St. Gallen (1863-1917): Tl.I: 700-840, bearb. v. Hermann Wartmann, Zürich 1863, Tl.II: 840-920, bearb. v. Hermann Wartmann, Zürich 1866, Tl.III: 920-1360, bearb. v. Hermann Wartmann, St. Gallen 1882, Tl.IV: 1360-1412, bearb. v. Hermann Wartmann, St. Gallen 1892, Tl.V: 1412-1442, bearb. v. Pl. Bütler, Traugott Schiess, St. Gallen 1904, Tl.VI: 1442-1463, bearb. v. Traugott Schiess, St. Gallen 1917; Chartularium Sangallense, hg. v.d. Herausgeber- und Verlagsgemeinschaft Chartularium Sangallense (1983-1988): Bd.III: 1000-1265, bearb. v. Otto P. Clavadetscher, St. Gallen 1983, XXVIII, 619 S., DM 245,-, Bd.IV: 1266-1299, bearb. v. Otto P. Clavadetscher, St. Gallen 1985, XXIII, 666 S., DM 245,-, Bd.V: 1300-1326, bearb. v. Otto P. Clavadetscher, St. Gallen 1988, XXI, 630 S., DM 245,-. An Darstellungen zur St. Galler Geschichte werden erwähnt: Bikel, Hermann (1914), Die Wirtschaftsverhältnisse des Klosters St. Gallen (von der Gründung bis zum Ende des XIII. Jahrhunderts). Eine Studie, Freiburg i.Br. 1914, XIV, 351 S.; Dohrmann, Wolfgang (1985), Die Vögte des Klosters St. Gallen in der Karolingerzeit (= Bochumer historische Studien. Mittelalterliche Geschichte, Nr.4), Bochum 1985, III, 440 S., DM 49,80; Eggenberger, Christoph (2001/02), Der Goldene Psalter und die Buchmalerei des Klosters St. Gallen, in: AlemJb 2001/02, S.63-83; Eggler-Perler, Philipp Emanuel (1992), Namenschichtung und Besiedlungschronologie zwischen Konstanz und St. Gallen. Ein kontinuitätskritischer Beitrag der Toponomastik zur Siedlungsgeschichte des Frühmittelalters, Frauenfeld 1992; Geuenich, Dieter (2001/02), Mönche und Konvent von St. Gallen in der Karolingerzeit, in: AlemJb 2001/02, S.39-62; Müller, Walter (1961), Die Abgaben von Todes wegen in der Abtei St. Gallen. Ein Beitrag zur Rechtsgeschichte des sanktgallischen Klosterstaates (= Rechtshistorische Arbeiten, Bd.1), Köln-Graz 1961, VII, 111 S., DM 9,80; Ochsenbein, Peter (Hg.) (1999), Das Kloster St. Gallen im Mittelalter. Die kulturelle Blüte vom 8. bis zum 12. Jahrhundert, Darmstadt 1999, 288 S., DM 58,-; Zettler, Alfons (2001/02), St. Gallen als Bischofs- und Königskloster, in: AlemJb 2001/02, S.9-22; Zotz, Thomas (2001/02), St. Gallen im Breisgau. Die Beziehungen zu einer Fernzone seiner Herrschaft, in: AlemJb 2001/02, S.9-22. > S St. Galler Kultur und Geschichte [Buhlmann, 11.2004, 09.2005, 07.2011]

St. Galler Kultur und Geschichte, hg. v. Staatsarchiv und Stiftsarchiv St. Gallen, beinhaltet als Buchreihe zur Geschichte u.a.: Bd.16 (1986): Borgolte, Michael, Geuenich, Dieter, Schmid, Karl (Hg.), Subsidia Sangallensia I. Materialien und Untersuchungen zu den Verbrüderungsbüchern und zu den älteren Urkunden des Stiftsarchivs St. Gallen, St. Gallen 1986, 756 S. > S St. Gallen [Buhlmann, 07.2011]

St. Georgen im Schwarzwald, Benediktinerkloster: I. In den Anfang des Investiturstreits fällt die Gründung eines Benediktinerklosters auf dem "Scheitel Alemanniens" im Schwarzwald: Die Mönchsgemeinschaft in St. Georgen, an der Quelle der Brigach gelegen, war ein Resultat des Zusammengehens von schwäbischem Adel und kirchlicher Reformpartei, eindrucksvoll repräsentiert durch die Klostergründer Hezelo (†1088) und Hesso (†1113/14) und den Abt und Klosterreformer Wilhelm von Hirsau (1069-1091). Statt des zunächst in Aussicht genommenen oberschwäbischen Königseggwald wurde auf Betreiben Wilhelms St. Georgen als Ort der Klostergründung ausgewählt. Mit der Besiedlung St. Georgens durch Hirsauer Mönche im Frühjahr und Sommer 1084 und der Weihe der Klosterkapelle am 24. Juni 1085 nahm die Geschichte des Schwarzwaldklosters ihren Anfang. II. Zunächst hirsauisches Priorat, dann selbstständige Abtei (1086), begann in der Zeit Abt Theogers (1088-1119) der Aufstieg St. Georgens zu einem der bedeutendsten Klöster Süd(west)deutschlands Hirsauer Prägung. Bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts vergrößerten Schenkung, Kauf und Tausch von Land und Rechten den Besitz des Klosters beträchtlich und schufen damit die materielle Basis klösterlicher Existenz. Die über Schwaben und das Elsass reichende, im Raum zwischen Neckar und Donau sich verdichtende Grundherrschaft aus Gütern, Besitzkomplexen, abhängigen Bauern, Einkünften und Rechten, auch über Pfarrkirchen und Klöstern, sicherte die Versorgung der Mönche, die u.a. in Liturgie und Gebet dem Seelenheil der klösterlichen Wohltäter gedachten. Kloster und Klosterbesitz waren dabei (theoretisch) geschützt durch den Vogt. Die Vogtei übten zunächst der Klostergründer Hezelo und dessen Sohn Hermann (†1094) aus, spätestens ab 1114 die Zähringerherzöge. Nach deren Aussterben (1218) fiel die Vogtei an den staufischen König Friedrich II. (1212/15-1250), dann an die Herren von Falkenstein, schließlich (1444/49) an die Grafen bzw. Herzöge von Württemberg. III. Die Privilegien vom 8. März 1095 und vom 2. November 1105, die die Abtei von den Päpsten Urban II. (1088-1099) und Paschalis II. (1099-1118) erlangte, dienten der gleichsam verfassungsrechtlichen Absicherung des Klosters: Die libertas Romana, die "römische Freiheit" beinhaltete dabei die Unterstellung des Klosters unter das Papsttum bei päpstlichem Schutz, freier Abtswahl und Verfügung des Klosters über die Vogtei. Sie bedingte die Einordnung der monastischen Einzelgemeinschaft in die katholische Kirche bei Zurückdrängung von adligem Eigenkirchenrecht und Vogtei sowie bei Sicherung der klösterlichen Existenz gegenüber bischöflichen Ansprüchen. Eines dieser hochmittelalterlichen Papstprvilegien war die Urkunde Papst Alexanders III. (1159-1181) für St. Georgen mit Datum vom 26. März 1179. An ihr kann die Bedeutung des Schwarzwaldklosters als Reformmittelpunkt des Benediktinertums während des 12. Jahrhunderts in Elsass, Lothringen, Schwaben und Bayern abgelesen werden. Die Urkunde nennt eine Vielzahl von Kommunitäten, die damals in engeren Beziehungen zum Schwarzwaldkloster standen, d.h.: sich St. Georgen in der Seelsorge oder im Rahmen der Klosterreform unterstellten oder von St. Georgen aus errichtet wurden (Amtenhausen, Friedenweiler, Urspring, Rippoldsau u.a.), während z.B. das Benediktinerkloster Ottobeuren, das Stift Admont (1115, Admonter Reform), die Klöster Hugshofen (vor 1110), Gengenbach (vor 1117) und Prüfening (1121) von St. Georgen aus Äbte und/oder Reformimpulse empfingen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das St. Georgener Kloster unter Hirsauer Einfluss entstanden ist, selbst also Teil der Hirsauer Reform war. Die Reformwirkung St. Georgens muss im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts, in der Zeit der Äbte Theoger und Werner I. (1119-1134) beträchtlich gewesen sein, während in der zweiten Jahrhunderthälfte eine Phase der Stagnation eintrat. IV. Parallel zu den mehr oder weniger engen Beziehungen zum Papsttum gewann das Verhältnis zu den deutschen Königen im 12. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Erinnert sei an die Hinwendung St. Georgens zum Königtum, zu König Heinrich V. (1106-1125) (1108, 1112), Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) (1163) oder Kaiser Friedrich II., der in einer Urkunde vom Dezember 1245 der Mönchsgemeinschaft ihre Privilegien bestätigte, nicht ohne auf die staufische Vogtei und auf die daraus abgeleiteten herrscherlichen Rechte zu verweisen. V. Die späte Stauferzeit leitete den wirtschaftlichen und geistig-religiösen Niedergang St. Georgens ein. Aspekte dieser Entwicklung waren: die Brandkatastrophe von 1224, die das Kloster zerstörte - der Neubau wurde 1255 geweiht; der Verfall der klösterlichen Disziplin und der mönchischen Bildung; Verluste an Gütern und Rechten durch Entfremdung, Verkauf und Misswirtschaft; innere Unruhen im Klosterkonvent. Erst die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert brachte unter dem reformerischen Abt Johann III. Kern (1392-1427) eine Neuorientierung monastischen Lebens und damit einen Wandel zum Besseren. Hinter dem Zugehen auf das Königtum stand die Abgrenzung gegenüber den Klostervögten, deren Einfluss auf Kloster und Klostergebiet (d.h.: St. Georgen und Umgebung mit Brigach, Kirnach, Peterzell) sich im Rahmen der spätmittelalterlichen Territorialisierung noch verstärkte, während die Mönchsgemeinschaft selbst bei immerhin noch bedeutendem Grundbesitz an Wichtigkeit einbüßte. Gerade in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts geriet die Mönchsgemeinschaft im Zuge von Landsässigkeit und Landstandschaft in den Sog der württembergischen Landesherrschaft. Das Jahr 1536 brachte dann mit der Begründung der württembergischen Landeshoheit über St. Georgen und mit der Einführung der Reformation eine Zäsur, die die Existenz des Klosters ganz wesentlich in Frage stellte. Das katholische Kloster und seine Mönche fanden eine neue Heimat im österreichisch-habsburgischen Villingen, während sich in St. Georgen eine Gemeinschaft mit evangelischer Klosterordnung unter evangelischen Äbten etablierte (1566). Im Dreißigjährigen Krieg konnten sich die katholischen Mönche unter Abt Georg Gaisser (1627-1655) noch einmal für einige Jahre (1629-1632) in St. Georgen behaupten, doch führte der Krieg zur Zerstörung von Klosterkirche und -gebäuden am 13. Oktober 1633 durch Brand. Das Kloster ist danach nicht wieder aufgebaut worden, die katholische Mönchsgemeinschaft blieb auf Villingen beschränkt. Villingen schließlich wurde im Rahmen der napoleonischen Neuordnung auch Südwestdeutschlands im Jahr 1805 württembergisch, ein Jahr später badisch. Nun ereilte das Kloster das Schicksal von Säkularisation und Aufhebung (1806).
Zum Benediktinerkloster St. Georgen im Schwarzwald gibt es umfangreiche Literatur: Buhlmann, Michael (2006), Das Benediktinerkloster St. Georgen. Geschichte und Kultur (= VA 21), St. Georgen 2006, 60 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2007), Bildung im mittelalterlichen Kloster ? Mönchsgemeinschaft St. Georgen im Schwarzwald (= VA 32), St. Georgen 2007, 60 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2009), Hezelo und Hesso, die St. Georgener Klostergründer. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/1), St. Georgen 2009, 52 S., € 6,-; Buhlmann, Michael (2010), Wilhelm von Hirsau und die St. Georgener Klostergründung. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/2), St. Georgen 2010 > W Wilhelm von Hirsau; Buhlmann, Michael (2009), Theoger von St. Georgen - Abt und Bischof. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= Vertex Alemanniae, H.42/3), St. Georgen 2009 > T Theoger von St. Georgen; Buhlmann, Michael (2011), Anfänge des Klosters St. Georgen - Regesten zur Klostergeschichte. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/4), St. Georgen 2011, Register (= VA 42/4), St. Georgen 2011 > W Wollasch, St. Georgen im Schwarzwald; Buhlmann, Michael (2009), Benediktinerkloster St. Georgen im Schwarzwald. 925 Jahre St. Georgener Klostergründung 1084-2009 (= VA 42/5), St. Georgen 2009, 56 S., € 6,-; Kalchschmidt, Karl Theodor (1895), Geschichte des Klosters, der Stadt und des Kirchspiels St. Georgen auf dem badischen Schwarzwald, Heidelberg 1895, Nachdruck Villingen-Schwenningen 1988 > K Kalchschmidt, St. Georgen; Wollasch, Hans-Josef (1964), Die Anfänge des Klosters St. Georgen im Schwarzwald. Zur Ausbildung der geschichtlichen Eigenart eines Klosters innerhalb der Hirsauer Reform (= FOLG 14), Freiburg i.Br. 1964 > Wollasch, St. Georgen im Schwarzwald. > Q Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens [Buhlmann, 03.2006, 06.2007, 02.2009, 05.2009, 12.2014]

St. Georgener Prediger, mittelalterliche Handschriften: Die berühmte St. Georgener Predigtsammlung vom Georgskloster in Villingen, der so genannte St. Georgener Prediger aus dem endenden 13. Jahrhundert, beinhaltet 39 Predigten und Traktate auf Alemannisch. Zielgruppe der Predigten waren Nonnen, wohl Benediktinerinnen, die geistlich-erbaulichen Texte enthalten kurze Predigten, religiöse Traktate, Erbauungstexte ohne Predigtform oder haben theologisch anspruchsvolle Themen zum Inhalt wie Trinität, Christologie, Mariologie, Abendmahl und mystische Erfahrungen. Wie alle damaligen deutschen Predigten basieren auch die Texte im St. Georgener Predigers auf lateinischen Unterweisungen. Gepredigt wird das Wort Gottes, es ist dem Neuen oder Alten Testament entnommen. Fassbar ist die St. Georgener Predigtsammlung in einer breiten Überlieferung von 28 Handschriften. Zwei alemannische Handschriften stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, bei der Freiburger Handschrift der Schwarzwälder Predigten handelt es sich um eine Sammlung, die um sog. Schweizer Predigten erweitert wurde. Weitere Handschriften finden sich im Bereich des Bayerischen, West- und Ostmitteldeutschen sowie Niederländischen. Nach 1500 wurden keine weiteren Handschriften der Predigtsammlung angefertigt. Der St. Georgener Prediger gelangte auch nicht in den Buchdruck. Der St. Georgener Prediger gehört zu einer der drei großen Predigtsammlungen aus dem 13. und beginnenden 14. Jahrhundert. Am Ende des 13. Jahrhunderts waren die Schwarzwälder Predigten entstanden, die umfangreichste Sammlung von Musterpredigten des späten Mittelalters und vermutlich franziskanischen Ursprungs. Die deutschen Predigten schließlich, die dem Franziskaner Berthold von Regensburg (*ca.1210-†1272) zugeschrieben wurden, wollten die Bedeutung dieses Volkspredigers herausstellen. Die drei Predigtsammlungen stehen damit am Anfang deutschsprachiger Predigttexte des Mittelalters.
Ediert ist der St. Georgener Prediger in: Der sog. St. Georgener Prediger (aus der Freiburger und Karlsruher Handschrift), hg. v. Karl Rieder (1908) (= Deutsche Texte des Mittelalters, Bd.10), Berlin 1908, XXIV, 382 S. Mit dem St. Georgener Prediger beschäftigt sich: Seidel, Kurt Otto (2003), Die St. Georgener Predigten. Untersuchungen zur Überlieferungs- und Textgeschichte (= MTU 121), Tübingen 2003, X, 369 S., € 46,-. [Buhlmann, 01.2007]

  St. Trudpert, Benediktinerkloster im Schwarzwald: I. Das Kloster St. Trudpert geht mittelalterlicher Überlieferung zufolge auf den heiligen Trudpert, einen im Südschwarzwald missionierenden Iren und Märtyrer (7. Jahrhundert, 1. Hälfte), zurück. Er errichtete im Münstertal des Schwarzwaldes eine Einsiedelei, die wohl erst im (beginnenden?) 9. Jahrhundert zu einem Kloster umgestaltet wurde. Die Mönchsgemeinschaft ist spätestens um 900 von der oberelsässischen Adelsfamilie der Liutfride unterstützt worden, für 901 und kurz nach 965 sind Translationen von Trudpertreliquien bezeugt. Wohl in dieser Zeit vorhandene eigenkirchliche Bindungen an das Straßburger Bistum spiegeln sich noch im 13. Jahrhundert. in Patronatsrechten der Bischöfe wider. Kirchenreform und Investiturstreit scheinen in St. Trudpert keine Spuren hinterlassen zu haben, die Grundherrschaft dehnte sich hauptsächlich im Münstertal, im Breisgau, in der Ortenau und im Elsass aus, wobei im späten Mittelalter eine gewisse Besitzkonzentration eintrat und so das Kloster z.B. in Tunsel, am Ausgang des Münstertals, die Ortsherrschaft erlangte. Hinzu kamen als Kirchenbesitz die Pfarreien in Münstertal, Grunern, Krozingen, Tunsel, Laufen, Biengen u.a. Auch der im Hochmittelalter aufkommende Silberbergbau konnte von der geistlichen Ge-meinschaft genutzt werden. Es entwickelte sich auf Grund des Bergbaus das Städtchen Münster unterhalb der Abtei, das 1346 zusammen mit der Burg Scharfenstein der Herren von Staufen von Freiburger Bewaffneten zerstört wurde und infolge dieses Angriffs einging. Den wirtschaftlichen Niedergang in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts überwand das Kloster augenscheinlich während des Abbatiats Pauls I. (1435-1455). 1525 wurde beim Bauernkrieg St. Trudpert durch Plünderungen in Mitleidenschaft gezogen. II. Gegen 1200 gewannen die Herren von Staufen, Ministeriale der Herzöge von Zähringen, Vogtrechte über St. Trudpert. Klösterliche Urkundenfälschungen waren die Folge, eine Obervogtei der Grafen (bzw. Herzöge) von Habsburg ist zu 1277 erstmals belegt, so dass die Herren von Staufen bis zu ihrem Aussterben (1602) als habsburgische Untervögte fungierten. Die habsburgische Obervogtei bedeutete auch, dass das Kloster Teil der vorderösterreichischen Landesherrschaft wurde und somit habsburgisches Prälatenkloster. Als solches machte es die Säkularisation des Jahres 1806 mit und gelangte damals an das Großherzogtum Baden. III. Mehrere mittelalterliche Klosteranlagen/-kirchen sind bezeugt, so eine Erneuerung des Klosters 902 und dann wieder - nach einem Ungarneinfall im beginnenden 10. Jahrhundert? - vor 962. Die dreischiffige Basilika wurde um 1100 um ein Westwerk erweitert, im 15. Jahrhundert entstanden neue Klausurgebäude und ein gotischer Langchor. Der Zerstörung der Klostergebäude durch die Schweden im Jahr 1632 folgte ein zunächst provisorischer Wiederaufbau, der 1712/16 dem barocken Kirchenneubau weichen musste. Zwei Kreuze in Niellotechnik aus dem 13. Jahrhundert sind erhalten geblieben. Aus der Klosterbibliothek stammt eine Handschrift der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, die das "St. Trudperter Hohelied", das "erste Buch der deutschen Mystik", einen niederalemannischen Text des 12. Jahrhunderts, enthält.
Hinsichtlich des St. Trudperter Benediktinerklosters in Mittelalter und früher Neuzeit sei verwiesen auf: Kurrus, Theodor (1976), St. Trudpert/Münstertal (= Schnell & Steiner Nr.1081), Regensburg 152006, 27 S., Farbabbildungen, Pläne, € 3,-. [Buhlmann, 06.2016]

Sapper, Nico (1965), Die Schwäbisch-Österreichischen Landstände und Landtage (im 16. Jahrhundert) (= SSWLK 6), Stuttgart 1965, XXIII, 144 S., Abbildung, Karten, € 8,-. I. Die deutschen Landesherrschaften des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit waren u.a. geprägt vom politischen "Dualismus", von politischer "Interdependenz" zwischen Landesherr und Ständen. Der Landesherr benötigte die Stände zur Bewilligung von Geldern (Befugnisse im Steuerwesen), die Stände organisierten sich als integraler Bestandteil der Landesherrschaft mit angestammten Rechten. Landesherr und Landstände definierten dann die landständische Verfassung der Landesherrschaft; Ausfluss dieser Verfassung waren u.a. die Landtage. II. Innerhalb der Konglomeration der vorderösterreichischen Territorien (habsburgische Landesherrschaften: Unter-/Niederösterreich [Österreich unter und ob der Enns], Innerösterreich [Kärnten, Krain, Steiermark, Triest], Oberösterreich [Tirol], Vorderösterreich [westlich des Arl und Fern]) bestand Schwäbisch-Österreich aus den Kameralherrschaften: Grafschaft Hohenberg, Landgrafschaft Nellenburg, Landvogtei Schwaben und Markgrafschaft Burgau, den (mittelbar habsburgischen) Dominien: Grafschaft Kirchberg, Herrschaften Berg, Tengen, Veringen, Wald, Weissenhorn, Werenwag u.a., Stadt Schelklingen, den Städten (auch "Donaustädten") Burgau, Ehingen, Günzburg, Horb, Mengen, Raldofzell, Riedlingen, Rottenburg, Saulgau u.a., den Klosterherrschaften Heiligkreuztal, Urspring u.a., verschiedenen Standes- und Ritterherrschaften wie Dotternhausen oder Hirrlingen. Schwäbisch-Österreich war demgemäß uneinheitlich organisiert (Landvogt und Hauptmann an der Spitze der Verwaltung, Schultheiß, Ammann, Rat an der Spitze der Städte u.ä.; Landesbehörden der Vorlande und Tirols [bis 1587], Verwaltungsreformen Kaiser Maximilians I. [1493-1519] mit den zentralen Hofbehörden [Hofrat, Hofkammer] und den [Innsbrucker] Landesbehörden [Regiment, Raitkammer]), dem Ziel einer Wiederherstellung des schwäbischen Herzogtums kamen die Habsburger organisatorisch und politisch daher nicht näher. Schwäbisch-Österreich war seit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zudem eingebunden in österreichischen Reichskreis. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts (mit Vorläufen im 14. Jahrhundert) bildeten sich Ober- und Vorderösterreich allenthalben Landstände der einzelnen Landschaften heraus, teilweise auch gefördert vom Landesherrn. Dabei spielten die Landtage eine wichtige Rolle, sowohl die habsburgischen General- und Ausschusslandtage (Landtag zu Hall/Tirol 1487, Generallandtag zu Meran 1487, Innsbrucker Landtage 1489, 1490, 1518, Generallandtag zu Augsburg 1525/26, Innsbrucker Landtag 1529) als auch lokale Ständeversammlungen, und - aus beiden Landtagstypen resultierend - die nur auf Schwäbisch-Österreichisch bezogenen Landtage des 16. Jahrhunderts (Landtag von Altdorf 1536, Landtag von Riedlingen und Mengen 1541, Landtag zu Riedlingen 1545, Ehinger Landtage 1549, 1552, 1556, 1557, 1559, Konstanzer Landtag 1563, Ehinger Landtage 1565, 1566, Konstanzer Landtage 1567, 1573, Ehinger Landtage 1580, 1586, Riedlinger Landtag 1588, Ehinger Landtag 1589, Radolfzeller Landtag 1594, Konstanzer Landtag 1596, Riedlinger Landtag 1597). Die Organisation der Landtage beruhte dabei auf ihrer Einberufung, der Zusammenkunft der Deputierten (Vollmacht, Beglaubigungsschreiben) unter einem landesfürstlichen Kommissar als Verhandlungsführer an einem Tagungsort, wobei der Gang der Verhandlungen u.a. von einem "Hintersichbringen" der Landstände geprägt war, die Abstimmung über das zu Beschließende nach dem einfachen Majoritätsprinzip vonstatten ging und die Beschlüsse des Landtages (Landtagsabschied, Schadlosbrief) von den Landständen umzusetzen waren (ständische Verwaltung in den einzelnen Landesherrschaften). Nicht zuletzt beförderten Landtage und lokale Landstände ein "Landesbewusstsein", eher die einzelnen Herrschaften im habsburgischen Territorialkomplex als Schwäbisch-Österreich betreffend. [Buhlmann, 01.2015]

Sarnowsky, Jürgen (2007), Der Deutsche Orden (= BSR 2428), München 2007 > D Deutscher Orden

Sarnowsky, Jürgen (2011), Die Johanniter. Ein geistlicher Ritterorden in Mittelalter und Neuzeit (= BSR 2737), München 2011, 128 S., Abbildungen, 3 Karten, € 8,95. Legendenhafter mittelalterlicher Überlieferung zufolge soll das Jerusalemer Hospital des Johanniterordens auf eine Stiftung eines jüdischen Priesters Melchior und den aufständischen Juda Makkabäus (†160 v.Chr.) zurückgehen. Der Johanniterorden war allerdings ursprünglich eine Gründung von wahrscheinlich amalfitanischen Kaufleuten, die irgendwann zwischen 1048 und 1071 ein Pilgerhospital in Jerusalem stifteten. In der Folge des 1. Kreuzzugs (1096-1099) wurde aus der Hospitalbruderschaft ein Mönchs- und überregional agierender, vom Papsttum anerkannter und geförderter geistlicher Ritterorden (Ordensregel vor 1153, päpstlicher Schutz, kirchliche Exemtion). Neben den Templern bildeten die Johanniter das militärische Rückgrat der Kreuzfahrerstaaten, ausgestattet mit umfangreichem Besitz (Land, Einkünfte, Burgen) im Heiligen Land, aber auch in Europa, zudem ab 1312 mit dem den Johannitern überlassenen Besitzungen des aufgelösten Templerordens. Die Erträge aus dem Grundbesitz in Europa und dem Orient, Handelsaktivitäten, die Organisation von Pilgerreisen und (ab dem späten Mittelalter bis nach der Mitte des 18. Jahrhunderts) ein organisiertes Korsarentum finanzierten die Unternehmungen des Ordens in Krieg und Krankenpflege. Lokal war der Besitz organisiert in Kommenden und Präzeptoreien unter der Leitung von Komturen und Präzeptoren. Der Orden war seit dem 13. bzw. 14. Jahrhundert in nationes ("Zungen"), Großpriorate und Balleien untergliedert; an der Ordensspitze stand der Großmeister (weitere zentrale Ämter: Großkommendator, Großhospitalier, Marschall, Großadmiral, Drapier, Großkanzler). Die Ordensmitglieder teilten sich auf in Ritterbrüder, dienende Brüder und Kapläne. Nach der Eroberung Akkons und dem Ende der Kreuzfahrerstaaten (1291) war Zypern der Hauptsitz des Ordens, nach der Eroberung der zum Byzantinischen Reich gehörenden Insel Rhodos (1306-1309) entstand auf Rhodos und den umliegenden Inseln der Dodekanes der johannitische Ordensstaat, der auch auf das kleinasiatisch-osmanische Festland übergriff (Smyrna 1344, Bodrum 1400/02). Im 14. Jahrhundert ging der Ordensstaat durchaus offensiv vor (Besitz von Delos 1333, Eroberung Alexandrias 1365, Versuch der Ausweitung der Johanniterherrschaft auf die Peleponnes 1399, Akrokorinth als Stützpunkt der Johanniter 1400/04-1458, Johanniter auf Ikaria 1362/1481-1523?), im 15. Jahrhundert gerieten Orden und Ordensstaat gegenüber den osmanischen Türken und den ägyptischen Mamluken in die Defensive (osmanische Belagerung 1480). All dies wurde mit der (zweiten) osmanischen Belagerung von Rhodos (1522) hinfällig, als die Kreuzritter schließlich kapitulieren mussten und die Insel mit einem Großteil der eingesessenen griechischen Bevölkerung verließen. 1530 erhielten die Johanniter von Kaiser Karl V. Malta mit den Nebeninseln als Lehen. Aus den Johannitern wurden damit Malteser. Das Ende des maltesischen Ordensstaats kam dann 1798. Heute ist der Orden in Rom beheimatet, karitativ tätig und eingeschränkt ein Staat mit Hoheitsrechten. [Buhlmann, 10.2011]

Satz, Helmut (2016), Kosmische Dämmerung. Die Welt vor dem Urknall, München 2016 > U Universum

Sauckel, Anita (2014), Die literarische Funktion von Kleidung in den Íslendigasogur und Íslendingapþættir (= RGA Ergbd.83), Berlin-Boston 2014 > E Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde

SB = Spolia Berolinensia. Berliner Beiträge zur Geistes- und Kulturgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit

SBBG = Studien zur Bamberger Bistumsgeschichte

Schäfer, Alfons (1961), Zur Besitzgeschichte des Klosters Hirsau vom 11. bis 16. Jahrhundert, in: ZWLG 20 (1961), S.1-50 > H Hirsau

Schäfer, [Karl] H[einrich] (1907), Zur Rechtsgeschichte und Topographie des Werdener Münsters, in: WB 12 (1907), S.3-12 > W Werden

Schäfer, Thomas (1998), Visionen. Leben, Werk und Musik der Hildegard von Bingen (= Knaur Tb 77398), München 1998 > H Hildegard von Bingen

Schäferdiek, Knut (1995), Suidberht von Kaiserswerth, in: DJb 66 (1995), S.1-21 > S Suitbert

Schäferdiek, Knut (1996), Der Schwarze und der Weiße Hewald. Der erste Versuch einer Sachsenmission, in: WZ 146 (1996), S.9-24. Östlich im Lipperaum wurden die beiden Hewalde (†690/95 oder 691/92?), Priestermönche vielleicht aus Northumbrien, beim Versuch der Sachsenmissionierung aktiv. Die Hewalde - nach ihrer Haarfarbe spricht Beda Venerabilis (†735) in einem nach einer passio gestalteten Abschnitt seiner Kirchengeschichte vom Schwarzen und vom Weißen Hewald - begaben sich vom Boden des Frankenreichs zum Stamm der Altsachsen, um das Christentum zu predigen. Die Hewalde reisten also zunächst an der Spitze einer größeren Missionarsgruppe, die wahrscheinlich gemeinsam ausgesandt war von einer angelsächsischen Klostergemeinschaft. Dann trennten sie sich von ihren Gefährten und werden das sächsische Gebiet nördlich der Lippe - südlich davon siedelten ja (noch) die fränkischen Boruktuarier - erreicht haben. Der Untergliederung des sächsischen Stammes in pagi (Gaue) entsprach es, dass sich die Hewalde, als sie in ein sächsisches Dorf gelangten, an den Dorfvorsteher wandten, um mit dem "Gaufürsten" in Kontakt zu kommen. Ihre Missionierungsabsicht verrieten sie dabei nicht, wohl müssen sie sich aber verraten haben durch die Ausübung christlicher Gebräuche. Unter Missachtung der Gastfreundschaft wurden die Mönche von den Dorfbewohnern aus Angst vor der neuen Religion getötet - der Weiße Hewald dabei durch Schwertstreich, der Schwarze (mit seiner höheren geistlichen Qualifikation) auf eine qualvolle Weise durch Folter und Verstümmelung; ihre Leichen wurden in den Rhein geworfen und später von den Gefährten der Hewalde geborgen und begraben. Den Todestag für das Jahrgedächtnis der Märtyrer gibt Beda - ganz im Sinne seiner passio - als 3. Oktober an. Die Dorfbewohner aber erhielten die verdiente Strafe durch den "Gaufürsten", der sich missachtet sah, alle töten und das Dorf niederbrennen ließ. [Buhlmann, 04.1999]

Schaller, Hans-Martin (1974), Der heilige Tag als Termin mittelalterlicher Staatsakte, in: DA 30 (1974), S.1-24 > Z Zeit

Schallmayer, Egon (2006), Der Limes. Geschichte einer Grenze (= BSR 2318), München 2006, 136 S., € 7,90. Behandelt werden: der Begriff "Limes", die Geschichte der Erforschung des obergermanisch-rätischen Limes, die Geschichte des Limes in seinen Ausbauphasen (ab 74/75 unter den flavischen Kaisern, 2. Jahrhundert unter den Adoptivkaisern), die Limesanlagen (Patrouillienweg, Wachtürme, Kastelle, Palisade, Wall und Graben), der Limes als Kontaktzone bei Wirtschaftsaustausch und Grenzverkehr, die Limestruppen (Legionen, Hilfstruppen), das Limeshinterland der agri decumates. [Buhlmann, 11.2006]

Schanetzky, Tim (1998), Endstation Größenwahn. Die Geschichte der Stadtsanierung in Essen-Steele, Essen 1998 > S Steele

Schauer, Markus (2016), Der Gallische Krieg. Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk, München 2016 > C Caesar, > Lateinische Literatur > C Caesar

Schaumburg, E. von (1879), Zur Geschichte des Stiftes Gerresheim, in: ZBGV 15 (1879), S.29-69 > G Gerresheim

Schecher, Otto (1963), Die Grafen von Rieneck. Studien zur Geschichte eines mittelalterlichen Hochadelsgeschlechtes in Franken, 224 S., Diss. Würzburg 1963, DM 10,-. Die Grafen von Rieneck entstammten - nachweisbar auf Grund von Personennamen als Leitnamen, des Besitzes zwischen Mittelrhein und Spessart und der Funktionen als Amtsträger der Mainzer Erzbischöfe bzw. des Klosters Fulda - frühmittelalterlichen kognatischen Familienverbänden wie den Hattonen (Hattonen als Grafen im Worms-/Rheingau, Main-Spessartraum, Königssundragau; Hatto als Graf und Mainzer Kirchenvogt 863/71; Erzbischof Hatto I. von Mainz [891-913]?), einer Gruppe um Amtsträger mit Leitnamen Sigeboto, Regenhard und Gerhard (Sigeboto-Regen-Gerhard-Gruppe, 8./9. Jahrhundert) und vielleicht auch den Konradinern. Das 11. Jahrhundert sah Mitglieder einer Sippe um Männer mit Leitnamen Regenhard und Gebeno/Gerhard (Sig-Regen-Sippe, 11. Jahrhundert), die als Burg- und Stadtgrafen von Mainz sowie als Vögte der Mainzer Erzbischofskirche fungierten. Parallel dazu treten im 11. Jahrhundert die Grafen von Loon/Looz (bei Limburg, Lüttich) in Erscheinung (Graf Gislebert von Loon [v.1031-1044/66]). Arnold von Loon, der Sohn Graf Emmos (1046, 1078), heiratete um 1100 die namentlich unbekannte Tochter des Mainzer Burg- und Stadtgrafen Gerhard (ca.1085, 1106) und wurde in dessen Nachfolge als Graf Arnold von Rieneck (wohl Rheingau, 1115) Mainzer prefectus und Kirchenvogt (1108, 1135). Von Arnold stammen die bis zu ihrem Aussterben (1559) nachweisbaren Grafen von Rieneck ab, Arnolds Sohn Ludwig (I) von Loon-Rieneck (1139, 1162) war ebenfalls Mainzer Stadtgraf und Kirchenvogt des Erzbistums, Ludwigs Sohn Gerhard (I, 1159, 1189) zudem Vogt des Aschaffenburger Stifts St. Peter und Alexander. Gerhard (I) verfolgte im Mainzischen und Mainfränkischen eine ausgedehnte Besitzpolitik, unter ihm begannen sich die Linien der Grafen von Rieneck und die der von Loon zu trennen. Burg- und Rienecker Graf Gerhard (II, 1192, †v.1216) war zudem Vogt des Klosters Fulda. Der Rienecker Graf Ludwig (II, 1216, †v.1243) verlor das Amt des Mainzer Stadt- und Burggrafen (n.1221), während der territoriale Besitzausbau im nordlichen Spessartraum zunächst weiter voranschritt (Burg Rieneck [12. Jahrhundert], Rodungen, Burgenbau, Stiftung des Zisterzienserinnenklosters Himmelthal 1232). Indes stießen die Rienecker Grafen Ludwig (III), Gerhard (III), Sigiboto und Heinrich, die Söhne Ludwigs (II), mit ihren territorialen Ambitionen auf den entschiedenen Widerstand des Mainzer Erzbischofs Werner von Eppenstein (1259-1284) (Kampf und Niederlage gegen die Mainzer Kirche 1260-1271). Die Rienecker Grafen des späten Mittelalters blieben somit in Besitz und Territorium beschränkt und mussten zudem die Lehnshoheit des Mainzer Erzbischofs anerkennen (1336). An Rechten und Besitzungen der Rienecker Grafen können dann ausgemacht werden: Mainzer Erzkämmereramt; Aschaffenburger Vizedomamt; Vogtei über die "freien Leute" im und am Spessart; Zoll- und Geleitsrechte an der Fernhandelsstraße Frankfurt a.M.-Leipzig; Zoll bei Hofstetten; Zehnt, Markt und Münze in der Stadt Lohr a. Main; Lehen der Mainzer und Würzburger Kirche; Lehen des Klosters Fulda; Lehen der rheinischen Pfalzgrafschaft u.a. Im 14. Jahrhundert gab es zeitweise zwei Linien Rienecker Grafen, mit Philipp von Rieneck (1504, †1559) starben die zuletzt in Besitz und Herrschaft stark eingeschränkten Grafen von Rieneck aus, der Rienecker Besitz fiel das Mainzer Erzstift. Dasselbe Schicksal hatte die Grafen von Loon - nach einem Zwischenspiel unter Arnold von Rieneck (Arnulf III., 1223-1272/73) - schon im Jahr 1336 mit dem Tod Ludwigs (V., 1323-1336) ereilt. Die Looner Grafschaft kam an Dietrich von Heinsberg (1336-1361) und nach dessen Tod an das Bistum Lüttich. [Buhlmann, 01.2013]

Scheibelreiter, Georg (1983), Der Bischof in merowingischer Zeit (= Veröffentlichungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Bd.27), Wien-Köln-Graz 1983, 312 S., DM 48,-. I. Adlige (mitunter auch nichtadlige) Herkunft (Vorfahren) und ein christlicher Glauben bilden den Hintergrund von Askese und Adelsethik, von einer zur christlichen sanctitas gesteigerte nobilitas der Bischöfe als vires sacerdotales im merowingischen Frankenreich. Die bischöfliche Karriere begann mit christlicher Erziehung und antik-klassischer Bildung (auch Gegnerschaft zum antiken Bildungskanon [Papst Gregor I.]) in kirchlichen (Presbyteral-, Episkopal-) und Klosterschulen. Es folgte eine kirchliche Ämterlaufbahn über die Ämter des Priesters, Archidiakons oder Diakons; Mönche und Asketen konnten Bischöfe werden, ebenso weltliche Machthaber und Laien wie duces, comites oder Hofbeamte das Bischofsamt (als Verwaltungsamt) bekleiden (conversio des Laien). Der Einsetzung eines Bischofs gingen dabei Aktivitäten adliger (galloromanischer) Personengruppen voraus (Adelslandschaft); der Kandidat fand Unterstützung bei anderen Bischöfen; der fränkische König beförderte mit oder ohne Geistlichkeit und "Volk" die Bischofserhebung. Die sozialen und Verwaltungsaufgaben eines Bischofs als Vorsteher einer civitas umfassten: Rechtsprechung, Diplomatie, Kontakte zum König, caritas (soziale Fürsorge), Bauten, Reliquienerwerb. Reisen des Bischofs standen im Zusammenhang mit: Diplomatie und Reichsverwaltung, praesentatio und occursus regis (bei Zusammentreffen von Herrscher und Bischof), Hof- und Heerfahrt, Visitationen, Weihen, Synodaltätigkeit, Pilgerfahrten, Reliquienerwerb. Der Tod des Bischofs war dann vor dem aristokratischen Hintergrund des Kirchenleiters alles andere als "gewöhnlich", zu den Vorbereitungen diesbezüglich gehörte die bischöfliche Grablege, Todestag und Todesstunde fanden in den Bischofsviten eine entsprechende Ausschmückung (Inszenierung); Bischöfe kamen aber auch gewaltsam ums Leben (Hinrichtung, Ermordung, Tod bei Jagd und im Kampf). II. Beispiele galloromanischer, merowingischer bzw. fränkischer Bischöfe sind: Agde: Fronimius (1, 567/68-580); Albi: Salvius (574-584); Angers: Maurilius (n.420-453), Albinus (v.538-n.549), Domitian (ca.550-568); Angoulême: Marachar (n.549-v.560), Frontonius (ca.560), Heraclius (2, ca.562-580); Arles: Honoratus (427-429), Hilarius (429-449), Caesarius (502/03-542/43), Licerius (586-588), Virgilius (588-n.601); Arras: Vedastus (ca.500-ca.540); Autun: Simplicius (v.418-v.452), Syagrius (ca.561-599/601), Leodegar (659/63-677/80), Bobo (2, 677), Hermenar (675/77-684/93); Auxerre: Amator (388-418), Germanus (418-448), Auna(cha)rius (567-n.605), Desiderius (n.605-614/27), Savarich (ca.710-ca.715/16), Ainmar (ca.716-731), Theodramn (ca.720/30), Quintilian (n.730), Maurinus (760/70-v.800); Avignon: Eucherius (?, v.524-n.533); Bayeux: Leudoald (n.573-n.614), Hugo (3, ca.723-730); Beja: Apringius (ca.550); Bordeaux: Leontius I. (ca.520-541/52), Leontius II. (541/52-ca.570), Berthramn (ca.570-585/86), Gundegisil (586-v.614); Bourges: Felix (n.565-v.581), Remigius (581-584), Sulpicius I. (584-591), Austrigisil (ca.612-624), Sulpicius II. (624/27-647), Vulfleod (647-660/72); Büraburg: Witta (742-n.760); Cahors: Maurilius (n.549-ca.580), Ursicinus (580-n.585), Rusticus (621-ca.629), Desiderius (630-655); Cambrai: Gaugerich (584/90-624/27), Viditianus (n.667-n.683); Chalon-sur-Saône: Flavius (581-n.591), Desideratus (ca.666-n.677); Chartres: Arbogast (comes, ca.480/90), Sollemnis (ca.490-v.511), Pappolus (ca.573-ca.595), Betharius (n.595-v.614); Chur: Tello (758-773); Clermont: Apollinaris Sidonius I. (469/70-ca.487), Aprunculus (2, ca.490), Eufrasius (ca.490-515), Apollinaris Sidonius II. (515), Cautinus (551-571), Avitus I. (571/72-n.592), Genesius (655/60), Felix (ca.660-663), Gariwald (663/64), Praeiectus (663/64-676), Avitus II. (676-691), Bonitus (691-706), Nordbert (n.706); Dax: Faustinianus (585), Nicetius (n.585); Die: Marcellus (463-n.474); Eauze: Salonius (v.570-579/85), Desiderius (n.585-v.614); Embrun: Chramlin (ca.680); Freising: Arbeo (764/65-783); Gap: Sagittarius (v.570-579/85), Aredius (579/85-ca.604); Genf: Maximus (513-n.523); Köln: Carentinus (ca.565), Ebergisil (ca.590), Kunibert (ca.627-n.648), Hildegar (n.748-753); Konstanz: Audoin (708-736), Arnfrid (736-746), Sidonius (746-760); Langres: Aprunculus (1, ca.470), Armentarius (n.490), Gregor (506/07-539/40), Tetricus (539/40-572), Pappolus (572/75-579/81), Mummolus (579/81-n.585); Laon: Chagnoald (614/27-v.548), Liutwin (?, 3, ca.705-717/22); Le Mans: Principius (n.496-v.533), Domnulus (559-581), Badegisil (581-586), Berthramn (586-n.616), Berachar (ca.653-670), Aiglibert (ca.670-697), Herlemund (698-721); Limoges: Rusticius I. (v.484-n.506), Rusticius II. (v.533-n.549), Exocius (n.549-565/75), Lupus (v.614-n.632); Lüttich: Hugbert (706-727); Lyon: Rusticus (v.494-501), Viventiolus (ca.514-524), Sacerdos (v.549-552), Nicetius (552-573), Priscus (573-ca.586), Aredius (602/03-n.614), Aunemund (ca.654-657/64), Genesius (657/64-678), Lantbert (678-v.688), Godwin (v.688-n.706); Maastricht: Amandus (647-649), Landbert (669-675, 682-706), Faramund (675-682); Mainz: Sidonius (ca.550-n.567), Sigimund (ca.589), Leudegasius (ca.612), Lupoald (ca.627), Gerold (ca.730/40), Gewilib (ca.740-745), Bonifatius (745-754), Hatto (891-913); Marseille: Theodor (v.566-n.591); Meaux: Burgundofaro (627/37-n.669), Ebergisil (n.680); Metz: Arnold (ca.601-607), Pappolus (ca.607-613/14), Arnulf (614-629), Abbo (629-v.645), Chlodulf (645/50-v.667), Felix (ca.700), Sigebald (n.700-740/41), Chrodegang (742-766); Münster: Liudger (805-809); Nantes: Eumerius (v.533-549), Nonnichius (582-v.608); Narbonne: Argebaud (v.673-683); Nîmes: Ranimir (673-680); Noyon: Medardus (v.533-ca.560), Eligius (641-660), Mummolinus (660-674/75); Orange: Eutropius (463-n.475); Orleans: Savarich (ca.695), Eucherius (719-732/33); Paris: Germanus (555-576), Ragnemod (576-591), Eusebius (591-v.604), Faramod (n.594-601), Hugo (2, ca.723-730); Poitiers: Hilarius (350-367), Pientius (n.541-ca.561), Pascentius (n.561-ca.584), Marowech (ca.584-n.590), Venantius Fortunatus (ca.600), Dido (628/29-669/76); Regensburg: Gawibald (739-761); Reims: Remigius (v.475-533), Egidius (n.555-590), Romulf (590-v.613), Somnatius (v.613-n.627), Lando (ca.650), Nivard (v.657-673), Reolus (673-n.688/89), Rigibert (ca.689-ca.720), Liutwin (?, 2, ca.705-717/22), Milo (2, ca.720-743), Ebo (816-835, 840-841), Hinkmar (845-882); Rennes: Melanius (v.511-v.549), Victorius (v.567-n.573), Desiderius (?, ca.670/80); Riez: Maximus (433-462), Faustus (461/62-n.485), Contumeliosus (v.524-533/35); Rodez: Dalmatius (524-580), Theodosius (580-584), Innozenz (584-v.610); Rouen: Quintinian (v.506-ca.511), Praetextatus (556/57-580/81), Melantius (580/81-584/85, 586-n.601), Audoin (641-684), Ansbert (684-688/95), Hugo (1, ca.723-730), Grimo (744/45), Raginfrid (745/48-v.760); Saintes: Heraclius (1, 561/62), Palladius (v.573-n.596); Salzburg: Rupert (2, 696-ca.716), Virgil (745-784); Sens: Medegisil (ca.613), Lupus (v.613-623), Emmo (654/60-v.680), Vulframn (n.683-v.696), Ebbo (v.711-ca.725); Soissons: Bettolen(us) (ca.650), Drausius (ca.660-680); Speyer: Hilderich (ca.614); Straßburg: Arbogast (v.600), Ansoald (ca.614), Heddo (v.734-n.775); Thérouanne: Audomar (639-ca.670), Erkenbod (n.708-n.723), Folkwin (816-855); Tongern: Falco (ca.498-v.535); Toul: Auspicius (ca.470), Leudinus (ca.660/70), Dodo (ca.700), Godo (ca.750-v.757); Toulouse: Magnulf (ca.585), Erembert (657-671/77); Tours: Martin (371-397), Perpetuus (v.461-491), Licinius (ca.507-519), Proculus (n.519-v.533), Theodor (n.519-v.533), Iniuriosus (v.533-v.546), Baudin (ca.546-552), Gunther (552-555), Eufronius (555-572), Gregor (573-594), Sigilaich (n.616-v.627), Chrodbert (v.668-v.680); Trier: Nicetius (525-n.561), Magnarich (n.561-n.587), Modoald (v.627-645/50), Numerianus (ca.650-ca.675), Liutwin (1, ca.705-717/22), Milo (1, ca.720-n.751), Weomad (751/62-791), Wazzo (804-v.811), Hetti (ca.816-847); Troyes: Lupus (ca.426-478), Walmar (dux, 676/80?); Utrecht: Willibrord (695-739), Alberich (774/77-784); Uzès: Firminus (v.541-552), Ferreolus (n.552-581), Marcellus (581-v.614), Aurelian (ca.650); Valence: Apollinaris (ca.490-n.523), Bobo (1, ca.660/75); Vence: Fronimius (2, n.588); Verdun: Desideratus (v.534-ca.550), Charimer (588-n.614), Peppo (716/19-722/24); Vienne: Avitus (490-518), Pantagathus (v.538-v.549), Namatius (n.552-559), Desiderius (586/96-603, 606/07), Domnulus (603/06, 607-n.614); Worms: Bertulf (ca.614), Rupert (1, v.696). [Buhlmann, 07.2013]

Scheibelreiter, Georg (Hg.) (2004), Höhepunkte des Mittelalters, Darmstadt 2004, 256 S., € 24,90. Das Mittelalter ist die historische Epoche ungefähr zwischen 500 und 1500 n.Chr. Es wird unterteilt in ein frühes, hohes und spätes Mittelalter. Für das frühe Mittelalter stehen Georg Scheibelreiter, Die Bekehrung des Merowingerkönigs Chlodwig 496, die Rolle von Chlodwigs Ehefrau Chrodhild und die Alemannenschlacht bei Zülpich (?, 496/97?), Georg Jenal, Von Benedikt von Nursia zu den Benediktinern ca.530-816, mit Benedikt von Nursia (†547), der regula Benedicti, den Mischregeln des 7. und 8. Jahrhunderts und der benediktinischen Klosterreform unter Benedikt von Aniane (†821), weiter Ulrich Nonn , Die Schlacht bei Tours und Poitiers 732 mit dem Sieg des fränkischen Hausmeiers Karl Martell (714-741) über die nach Gallien eingedrungenen Araber, Anton Scharer, Die Kaiserkrönung Karls des Großen 800 mit Zusammengehen von römischem Papsttum und fränkischem Königtum, gleichfalls Gerd Althoff, Die Kaiserkrönung Ottos des Großen 962 im Umfeld des ostfränkischen Ungarnsiegs auf dem Lechfeld (955), dem "imperialen" Ausgreifen des ostfränkischen Königs nach Italien (951, 962) und der Erneuerung des westlichen Kaisertums. Vor dem Hintergrund des Investiturstreits (1075-1122) ist zu sehen Hans-Henning Kortüm, König Heinrich IV. in Canossa 1077. Mit dem Ersten Kreuzzug (1096-1099) beschäftigt sich Marie-Luise Favreau-Lilie, Die Eroberung Jerusalems auf dem Ersten Kreuzzug 1099. Hochmittelalterlich ist weiter Ferdinand OpllDas Werden der mittelalterlichen Stadt (antike Grundlagen, Bischofsstädte, Handelsplätze, Märkte und Städte, hochmittelalterliche Städtegründungen). Mit dem Mainzer Hoftag Kaiser Friedrichs II. (1212-1250) beschäftigt sich Andrea Sommerlechner, Der Hoftag von Mainz 1235 (Festkrönung, Zeltstadt, Mainzer Reichslandfrieden). Ins Spätmittelalter gehören Karl-Friedrich Krieger, Die Schlacht bei Dürnkrut 1276, also der Sieg König Rudolfs I. von Habsburg (1273-1291) über den Böhmenkönig Ottokar (1253-1278) und die Grundlegung der habsburgischen Macht in Österreich, weiter Klaus Bergdolt, Die Pest in Europa 1347-1349 mit ihren katastrophalen Auswirkungen (Bevölkerungsrückgang, Judenverfolgungen). Karl Ubl, Die Entstehung der deutschen Universitäten im 14. Jahrhundert ist dann vor einem "Bildungsrückstand" und vor der Entwicklung der Papstkirche (Großes Schisma 1378-1417) zu sehen. Armin Wolf, Die Goldene Bulle von 1356 beschäftigt sich dann mit dem bedeutenden Reichsgesetz Kaiser Karls IV. (1346-1378) (Königswahl, Kurfürstenkolleg) und dessen Folgen. Zum Konzil zu Konstanz (1414-1418) ist zu stellen Karel Hruza, Die Verbrennung von Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil 1415. Schließlich ist als mediale Revolution des ausgehenden Mittelalters Stephan Füssel, Die Erfindung des Buchdrucks um 1450 durch Johannes Gutenberg (†1468) zu nennen. [Buhlmann, 07.2005]

Schenk zu Schweinsberg, Guntram Freiherr (1971), Reims in merowingischer Zeit. Stadt, Civitas, Bistum (Anhang: Die Geschichte der Reimser Bischöfe in karolingischer Zeit bis zur Bischofserhebung Hinkmars ca.845), Diss. Bonn 1971, 193 S., DM 20,-. Die folgenden Ausführungen sind auf die merowingische Zeit beschränkt: I. Die Quellen: a) Gregor von Tours, Fränkische Geschichte, b) Sidonius Apollinaris, Briefe, c) Fortunatus, Carmina, d) Chronik Fredegars und Fortsetzer, e) Liber Historiae Francorum, f) Flodoard, Historia Remensis Ecclesiae (!), g) zwei Viten des Remigius, h) Vita des Nivardus, i) Vita Rigoberti, j) zwei Viten des Abtes Theodulf, k) zwei Viten des t. Theoderich, l) Viat s. Basoli, m) weitere Viten und Acta, n) Remi iustestamentei o) Urkunden, p) vier Briefe des Remigius. II. Stadt und Civitas in römischer Zeit: 1. Die Grenzen der Civitas der Remer: zwischen Marne und Ardennen, zwischen Tardenois und den Argonnen. 4. Jahrhundert, 1. Hälfte: Abtrennung der Poststation Catelaunum; 511 Abtrennung des pagus Laon. Grenze gegenüber Soissons. Danach blieb die Ausdehnung des Reimser Gebiets konstant. 2. Oberflächengestalt und Bodenbeschaffenheit. 3. Römische Straßen: Verbindungen nach Italien, Boulogne, Verdun, Toul, Metz, Trier, Soissons, Köln, Chalons, Bavai und Troyes. 4. Besiedlung: Römische vici; das Maastal als zusammenhängendes Siedlungsgebiet in römischer Zeit, ebenso wie die Abhänge der Montagne, im Umkreis von Epernay und im Aisnetal. Römische villae bis zum 3.Jahrhundert. Die Germaneneinfälle verursachten eine erhebliche Abnahme der Bevoelkerung. Nicht-römische Ortsnamem und ihre Herkunft von Laeten, Franken oder Burgundern (?). 5. Die Stadt Reims: Lage. Bis zum 3. Jahrhundert lockere Siedlungsweise auf einer Fläche von über 100 ha. Im 3./4. Jahrhundert Bau einer Stadtmauer, die ca. 20-30 ha umfasste. 4. Jahrhundert: Kaiserpalast. Reimser Einwohnerschaft, Militär, Verwaltung im 4. Jahrhundert. 6. Handel, Industrie und Landwirtschaft in spätrömischer Zeit: Rolle der Landwirtschaft, Getreide, Schafzucht. Industrien des 4. Jahrhunderts., auch auf dem Land. Glasindustrie. 7. Das Christentum in Reims bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts: Christentum sicher seit der 3. Jahrhundert, 2. Hälfte. Bischofsliste seit um 300. Im 4. und 5. Jahrhundert fortschreitende Christianisierung, was sich in Kirchenbauten niederschlägt. III. Die Übergangszeit (Remigius von Reims): 1. Bischof Remigius. Bischof 459/460-ca. 530. 496 Taufe Chlodwigs in Reims. Remigius-Testament. 2. Die fränkische Eroberung. Reims wird fränkisch irgendwann zwischen 486 und 496, feststellbar an den mehr als 100 Ortsnamen (kein archäologisches Material wird untersucht!), die fränkischen Ursprunqs sind und einen Anteil von 25 % am gesamten Ortsnamenbestand ausmachen. Der Norden des Reimser Gebiets wurde von der fränkischen Landnahme erfasst. Umfang und Streuung des merowingischen Königsguts: Attigny, Blanzy; Königegut ist insgesamt wenig vorhanden. 3. Die Stadt Reims zur Zeit des Remigius. Kirchenbauten, Klöster. Suburbane Siedlungen (?). 4. Die Civitas Reims zur Zeit des Remigius. Landkirchen und pagi: Die vier Landkirchen als Vororte von pagi, deren Anzahl in der Diözese Reims 7 bis 8 betrug. IV. Die merowingische Zeit: A. Das 6. Jahrhundert: 1. Die Bischöfe Romanus, Flavius und Mappnius. Romanus (ca.530-v.535), Flavius (ca. 535-v.549), Mappinius (v.549-v.573). Handelsbeziehungen zu Nordgallien. 2. Bischof Egidius. Seine Rolle in den Teilreichsauseinandersetzungen (Absetzung des Egidius 590). 3. Bischof Romulf (590-weit v.613). 4. Handel und Wirtschaft im 6. Jahrhundert. Rege Handelstätigkeit in Reims, u.a. mit dem Mittelmeer. Reimser Münzproduktion. Etwas Keramikindustrie. Strassen um Reims und ihre Bedeutung für den Handel. Im 7. Jahrhundert ist indes eine Handelstaetigkeit in Reims nicht feststellbar. 5. Reims als austrasische Residenz. Sedes Reims bei der Teilung von 511. In der Folgezeit blieb Reims aber im Großen und Ganzen trotz seiner peripheren Lage Residenzstadt bis in das letzte Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts. Neue Residenz wurde damals Metz. 6. Ducatus Campaniae. Nach 575 Bildung eines Champagnedukats, das - wohl mit Unterbrechnungen im 7. Jahrhundert fortbestand und insbesondere Grenzdukat in den Streitigkeiten zwischen Austrasien und Neustrien gewesen ist. Auch für die karolingischen Hausmeier des 7. Jahrhunderts war das Dukat als Brücke zwischen arnulfingischen Machtzentrum und Königsgut in Neustrien wichtig. Umfasst hat das Dukat Reims, Chalons, Laon, Troyes. Residenz war möglicherweise Reims. B. Das 7. Jahrhundert: 1. Bischof Somnatius (v.613-n.626). 2. Die Bischöfe Leudegisel, Anglebert, Lando (bis ca.655). 3. Bischof Nivardus (v.657-673?). 4. Bischof Reolus (673-688/93). 5. Bischof Rigobert (688/693-v.743). Immunitätsverleihung durch König Dagobert II. (629-639) an die Reimser Kirche. 6. Die Stadt Reims in merowingischer Zeit. Handel. Besitzstreuung der Reimser Kirche. Handwerker in Reims. Kirchen und andere geistliche Gebäude. V. Anhang. [Buhlmann, 04.1988]

Scherer, Peter (1969), Reichsstift und Gotteshaus Weingarten im 18. Jahrhundert (= VKGLBW B 57), Stuttgart 1969, 82 S., Tabellenanhang, Schwarzweißtafeln, Karten, € 5,-. I. Mit dem Welfen Heinrich "mit dem goldenen Pflug" (†n.934) und dessen Ehefrau Ata hatte das 934 gestiftete Benediktinerinnenkloster Altdorf (Weingarten) prominente Gründer. Herzog Welf IV. von Bayern (†1101) siedelte aber 1056 in Altdorf Benediktinermönche an, das Kloster wurde 1094 dem Papsttum übergeben, die Mönchsgemeinschaft war damals hirsauisch beeinflusst. Mit der Übergabe von 1094 verzichteten die Welfen zwar auf ihr Eigentumsrecht an ihrem Hauskloster und Begräbnisort, blieben aber bis 1191, bis zum Tod Welfs VI., Klostervögte. Grundausstattung und Grundherrschaft der Mönchsgemeinschaft waren durch die Zuwendungen der welfischen Herzöge beträchtlich; die Mönchsgemeinschaft hatte insbesondere um Weingarten Besitz, daneben Streubesitz von Vorarlberg bis Ravensburg. 1191 übernahmen die Staufer die Klostervogtei, eine kulturelle Blütezeit ist für das beginnende 13. Jahrhundert auszumachen. Im späten Mittelalter konnte Weingarten trotz habsburgisch-vorderösterreichischen Drucks (Landvogtei Oberschwaben) seine (reichsunmittelbare) Unabhängigkeit behaupten. Zu Beginn der frühen Neuzeit griffen die wirtschaftlichen und inneren Reformen unter den Äbten Gerwig Blarer (1520-1567) und Georg Wegelin (1586-1627). Das von der Reformation verschonte Kloster entwickelte sich auf Grund seiner benediktinischen Regeltreue zu einem wichtigen katholischen Stützpunkt in Oberschwaben und darüber hinaus. Dem entsprach es, dass die oberschwäbischen Benediktinerklöster sich 1603 unter Führung Weingartens zu einer Kongregation zusammenschlossen. Rückhalt fanden die Weingartener Mönche damals zudem in der Benediktineruniversität Salzburg. Der wirtschaftliche Aufstieg der Abtei ermöglichte nicht zuletzt die Barockisierung der Klostergebäude im Verlauf des 18. Jahrhunderts. Die damals errichteten Gebäude prägen das Bild des Klosters Weingarten auch heute noch. II. Unter Abt Sebastian Hyller (1697-1730) wurde zwischen 1715 und 1724 die barocke Klosterkirche erbaut, die die alte romanische Basilika von 1182 ersetzte. Es entstand nach dem Vorbild der römischen Peterskirche die heute bestehende Doppelturmanlage mit dreischiffigem Langhaus, das im östlichen Teil von einer mächtigen Vierungskuppel bekrönt ist. Langhaus und Kuppel werden durch die großen Fenster erhellt, das von außen einfallende Licht beleuchtet die von Cosmas Damian Asam geschaffenen Fresken vorzüglich, der weiße Stuck mit den Stuckaturen Franz Xaver Schmuzers bildet dazu einen künstlerischen Kontrast, drei Hauptaltäre und die Orgel des Joseph Gabler (erbaut zwischen 1737 und 1750) stehen im Innenraum der Kirche. Zwischen 1727 und 1750/60 entstanden zudem an der Kirchennordseite die neuen Klostergebäude der Prälatur, während auf der Südseite die alten Konventsgebäude erhalten blieben. III. In der frühen Neuzeit wurde bedeutsam die Heilig-Blut-Wallfahrt von Reitern, entstanden aus der Verehrung einer Blutreliquie Jesu Christi, die Herzog Welf IV. nach dem Tod seiner Frau Judith dem Kloster Altdorf-Weingarten überließ. IV. Die Barockisierung des Klosters im 18. Jahrhundert hatte in der aufstrebenden wirtschaftlichen Entwicklung der Weingartner Mönchsgemeinschaft seine Entsprechung (steigender Getreidepreis, konstante Bevölkerungszahlen in Oberschwaben), wobei der politische Status der Kommunität im Gefüge von Reichskreis und Reich mitunter große Ausgaben bedingte (Erwerb der Hochgerichtsbarkeit auf dem Klosterberg bzw. pfandweise im Weingartner Niedergericht und dessen Ämtern 1740, Erwerb des Blutbanns in der Herrschaft Liebenau bzw. in der Vogtei Hagnau 1772). Die Weingartner Untertanen waren dabei innerhalb des Systems von Grundherrschaft und Leibeigenschaft Abgaben unterworfen (Falllehen, faktisch als Erblehen [Erdschatz, Zehnt, Getreidezins, Kleinzehnt, Küchengefälle, weitere grundherrschaftliche Abgaben]; Leibeigenschaft [ungemessene Fron, Besthaupt und Bestkleid, Manumission, "Drittteiligkeit", Abzugsgeld]); sie bewirtschafteten kleine, mittlere und große Güter (Selde, Gut, Hof [mehr als 16 ha]; durchschnittliche Betriebsgröße 20 ha) mit hauptsächlich Äckern (Getreide: Dinkel, Hafer, Roggen, Gerste; Faserpflanzen: Flachs, Hanf; Ölfrucht, Rüben, Kraut, Bohnen; Kartoffeln), dann Wiesen und Weiden (Viehzucht: Pferde, Rinder, Schweine), schließlich Gartenland (Bedeutung der Egartenwirtschaft). Daneben gab es am Bodensee ausgedehnten Weinanbau, eine Vielzahl von Fischteichen sowie eine (zurücktretende) Forstwirtschaft. Wenig begüterte Klosteruntertanen wichen zudem auf Nebenerwerb aus (Garnspinnerei, Kleinhandel); umgekehrt arbeiteten Auswärtige im Weingartner Niedergericht ("Schwabenkinder"). Neben den ausgeliehenen Gütern verfügte das Kloster auch über Eigenwirtschaft; eine klösterliche Abgabenverwaltung (in Naturalien und Geld) war die Grundlage für Verkauf (Getreide) bzw. Veredelung (Brot, Wein) des Erwirtschafteten durch die Mönchsgemeinschaft. [Buhlmann, 07.2014]

Scherliess, Volker (1975), Alban Berg (= rm 225), Reinbek b.H. 1975, 158 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, (DM 6,80). Alban Berg (*1885-†1935), Sohn des Buchhändlers Conrad Berg, verlebte seine Jugend in Wien, beschäftigte sich schon früh mit Musik (Kompositionsversuche 1900), um nach bestandener Matura (1904) eine (1906 abgebrochene) Bematenlaufbahn anzustreben und bei Arnold Schönberg Musik zu studieren (ab 1904). Erste Kompositionen Bergs waren: 1. Storm-Lied (1907), Zwölf Klaviervariationen (op.1, 1907/08), Vier Lieder (op.2, 1909/10), Streichquartett (op.3, 1910), Fünf Orchesterlieder (1912), Vier Stücke für Klarinette und Klavier (op.5, 1913), Drei Orchesterstücke (op.6, 1914). Unterbrochen vom Militärdienst in Ungarn und im Wiener Kriegsministerium (1915/18) während des Ersten Weltkriegs (1914-1918), konnte Berg seine Arbeit an seiner ersten Oper "Wozzeck" April 1921 beenden (Klavierauszug 1922, Uraufführung 1925). Es folgten ein Kammerkonzert (1923/25) und eine Lyrische Suite (1925/26) sowie das 2. Storm-Lied als Zwölftonkomposition (1925, Vermittlung der Zwölftonmusik durch Schönberg 1923). Seit 1930 war Berg Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus (1933-1945) wurde Bergs (fragmentarisch gebliebene) Oper "Lulu" in Berlin uraufgeführt (1934, Lied der Lulu 1933). Es folgten noch eine Bearbeitung des Kammerkonzerts sowie ein Violinkonzert (1935, Uraufführung 1936). 1935 starb Berg an einer Blutvergiftung, 1955 gründete Bergs Ehefrau und Witwe Helene Berg die Alban-Berg-Stiftung, im selben Jahr folgte die International Alban Berg Society Igor Strawinskys. Der Nachwelt gilt Alban Berg als ein "Klassiker der modernen Musik", seine anfänglich als "revolutionäre Barbarei" betitelten Musikwerke haben Eingang gefunden in die Musik der Moderne. [Buhlmann, 03.2016]

Schieder, Wolfgang (2014), Benito Mussolini (= BSR 2835), München 2014, 128 S., Zeittafel, € 8,95. Benito Mussolini wurde als Sohn des Schmieds und Caféinhabers Alessandro Mussolini am 29. Juli 1883 in der mittelitalienischen Gemeinde Predappio geboren. Der rebellische Junge beendete seine Schulzeit im Jahr 1901 und war daraufhin als Volksschullehrer tätig, unterbrochen durch seine Flucht vor dem Militärdienst (1902/05), einer erfolgten Amnestie und der Ableistung des Dienstes (1905). Mussolinis gewalttätiges Verhalten bereitete aber trotz eines Diploms als Französischlehrer (1908) seiner Lehrerkarriere ein Ende. 1909 war Mussolini als Redakteur bei einer sozialistischen Zeitung angestellt, 1910 Chefredakteur einer eigenen sozialistischen Wochenzeitung in Forli, 1912 Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung "Avanti" in Mailand, 1914 gründete er die Zeitung "Populo d'Italia". Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) leistete Mussolini seinen Kriegsdienst an der italienisch-österreichischen Front ab, bevor er auf Grund einer Verwundung aus dem Kriegsdienst ausschied (1915/17). In der Nachkriegszeit profilierte sich Mussolini in der sich entwickelnden faschistischen Bewegung ("Erfindung des Faschismus" 1914/19, Mailänder Fascio di Combattimento 1919). Der "Marsch auf Rom" (28. Oktober 1922) brachte ihm die Ernennung zum italienischen Ministerpräsidenten ein, dem am 3. Januar 1925 ein Staatsstreich und die "persönliche Diktatur" Mussolinis folgte (Diktator als duce). Diktaturgesetze (1925/26), die "Charta der Arbeit" (1927) und die Lateranverträge (1927) festigten die Position Mussolinis im italienischen Königreich (König Viktor Emanuel III.). Der außenpolitischen Stärkung Italiens (mit erwünschter Rückwirkung auf die Innenpolitik, Radikalisierung der faschistischen Diktatur Mussolinis, Partito Nazionale Fascista und "faschistischer Stil") sollten die sich herausbildende "Achse Berlin - Rom" (Zusammentreffen mit Adolf Hitler in Venedig 1934, Staatsbesuch in Deutschland 1937 usw.), der Abessinienkrieg (1935/36), das Eingreifen im Spanischen Bürgerkrieg (1936), das italienische Einwirken beim "Münchner Abkommen" (1938) und der "Stahlpakt" zwischen Italien und Deutschland (1939) dienen. In den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) trat Italien nach einer Phase der "Nichtkriegführung" erst im Juni 1940 ein ("Parallelkrieg" Italiens); es folgten der Abschluss des "Dreimächtepaktes" zwischen Deutschland, Italien und Japan (1940) und der Angriff auf Griechenland (1940). An den Kämpfen sowohl in Nordafrika (Niederlage bei El-Alamein 1942) als auch gegen die Sowjetunion waren italienische Truppen beteiligt. Die Niederlagen der Achsenmächte, insbesondere der Angriff alliierter Truppen auf Sizilien (1943) führten zur Absetzung des nunmehr verstärkt zu Depressionen neigenden und politisch nicht mehr durchsetzungsfähigen Mussolini am 25. Juli 1943 durch das Gran Consiglio der Partito Nazionale Fascista. Mussolini kam in Haft und wurde von einem deutschen SS-Kommando daraus befreit. Als "Vasall" Adolf Hitlers stand Mussolini nun der Repubblica Sociale Italiana in Nord- und Mittelitalien vor (1943/45, Residenz in Gargagno); deutsche Truppen befanden hier im Kampf gegen die nach Norden vorrückenden Alliierten (Anzioschlacht, "Gotenlinie"). Am 20. Juli 1944 kam es nach dem Attentat auf Adolf Hitler noch einmal zu einem, dem letzten Zusammentreffen zwischen Mussolini und Hitler. Kurz vor Kriegsende wurden der fliehende Mussolini und dessen Geliebte Clara Petacci von kommunistischen Widerstandskämpfern bei Dongo am Comer See erschossen (28. April 1945), die Leiche des Diktators an einer Tankstelle kopfunter aufgehängt. Die italienische Erinnerungskultur der Nachkriegszeit bewertete Mussolini unterschiedlich, die italienische Geschichtsschreibung blieb lange Zeit eine konzise Biografie des "unheilvollen" Diktators schuldig. [Buhlmann, 02.2015]

Schieffer, Rudolf (1992), Die Karolinger (= Urban Tb 411), Stuttgart-Berlin 1992 > K Karolinger

Schieffer, Rudolf (1993), Karl III. und Arnolf, in: Schnith, Karl Rudolf, Pauler, Roland (Hg.), Festschrift für Eduard Hlawitschka zum 65. Geburtstag (= Münchener historische Studien, Abteilung Mittelalterliche Geschichte, Bd.5), Kallmünz 1993, S.133-149. König und Kaiser Karl III. (876-888), letzter Gesamtherrscher über das Frankenreich, und Arnulf, illegitimer Sohn von Karls Bruder König Karlmann (876-880), Herzog von Kärnten, standen seit jeher in einen politischem Gegensatz zueinander, der im Sturz Karls III. und der Königserhebung Arnulfs (887-888) im November/Dezember 887 kulminierte. Schon zuvor hatte zwischen diesen beiden Mitgliedern der karolingischen Königsfamilie politische Konkurrenz bestanden, etwa bei der Frage des "Eintritts-" oder "Anwachsungs"rechts beim Übergang Bayerns, des Herrschaftsgebiets Karlmanns, an Karl (879/80; Huldigung Arnulfs 882), in der fränkischen Südostpolitik (Friedensschluss mit den Mährern 884) oder bei den Nachfolgeregelungen Karls (Bernhard als illegitimer Sohn Karls; Adoption Ludwigs, des Sohns König Bosos von Vienne [879-887], durch Karl III. [887]). Der Gegensatz zwischen Karl und Arnulf spielte auch nach Karls Tod (888) noch eine Rolle, als es in Alemannien unter dem illegitimen Karlssohn Bernhard zu einem Aufstand kam (890; Beteiligung von Abt Bernhard von St. Gallen und von Graf Udalrich am Aufstand; Ermordung Bernhards 891) oder Arnulf gegen die Babenberger, die ehemaligen Unterstützer Karls III., in Mainfranken und Thüringen vorging (890er-Jahre; Bevorzugung der Konradiner). [Buhlmann, 11.2013]

Schieffer, Rudolf (2010), Papst Gregor VII. Kirchenreform und Investiturstreit (= BSR 2492), München 2010 > G Gregor VII.

Schieffer, Rudolf (2015), Königswinter, die Grafen von Weimar und die Ezzonen. Zum Verständnis von DH II 333, in: AHVN 218 (2015), S.7-14. Das Diplom Kaiser Heinrichs II. (1002-1024) vom 25. Februar 1015 nennt als Winetre den Ort (Königs-) Winter im frühmittelalterlichen Auelgau (beiderseits der Sieg), nach der nur abschriftlich aus dem 16. Jahrhundert überlieferten Nennung von Winteren, die wohl in den Anfang des 10. Jahrhunderts (n.911) gehört. Der Herrscher verfügte bei einem Aufenthalt in Bonn gemäß dem Diplom die Schenkung eines predium (Gut, Landgut) in Königswinter an das Bonner Nonnenkloster Dietkirchen. Das predium gehörte den Grafenbrüdern Wilhelm (III.) und Poppo von Weimar; Wilhelm steht am dynastischen Anfang der Markgrafen von Meißen, Poppo an dem der Markgrafen von Krain und Istrien. Offensichtlich überließen die Brüder das predium als ihren Fernbesitz dem Kaiser, sicher nicht ohne Gegenleistung, von der nicht bekannt ist. Dass Heinrich II. das Kloster Dietkirchen begünstigte, erkärt sich schließlich aus der Tatsache des damals stattgefundenen Ausgleichs zwischen dem Herrscher und dem rheinischen Pfalzgrafen Erenfrid-Ezzo (†1034), gehörte doch die Nonnengemeinschaft mit der Ezzo-Tochter Mathilde als Vorsteherin sicher zum Einflussbereich der mächtigen pfalzgräflichen Familie. [Buhlmann, 05.2016]

Schilp, Thomas (1998), Norm und Wirklichkeit religiöser Frauengemeinschaften im Frühmittelalter (= MPIG 137 = SGS 21), Göttingen 1998, 242 S., DM 54,-. Die Institutio sanctimonialium, beschlossen auf der Aachener Reformsynode von 816 als Teil des kirchlichen Reformprozesses im karolingischen Frankenreich, ordnete das reale frühmittelalterliche Sanktimonialentum allgemein religiös-spiritueller Frauengemeinschaften (Klöster und Kommunitäten) Normen und Regeln unter und erreichte als Regelwerk seit dem 9. Jahrhundert selbst zunehmend Bedeutung, ohne allerdings alleinige Geltung zu erlangen. Neben der z.B. am benediktischen Mönchtum orientierten Lebensweise von Frauen trat eine durch die Institutio definierte kanonikale Form des Zusammenlebens von Sanktimonialen, die für die Organisation und die gesellschaftlich-politische Vernetzung von Frauenkommunitäten die Grundlagen schuf. Die karolingerzeitliche Entwicklung wurde von daher prägend für die adligen Frauengemeinschaften und Frauenstifte der späteren Jahrhunderte des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Das früh(er)mittelalterliche, kanonikale Sanktimonialentum kann dabei charakterisiert werden als vita communis ("Gemeinschaftsleben", Gleichheit, Aufnahme in die Gemeinschaft, Tagesablauf, Klausur) in hierarchischen Strukturen (Äbtissin, andere Ämter) bei persönlichem Besitz. [Buhlmann, 04.2011]

Schilp, Thomas (2000), Gründung und Anfänge der Frauengemeinschaft Essen, in: EB 112 (2000), S.30-63 > E Essener Frauenstift

Schindling, Anton (1981), Humanismus und evangelische Theologie in Straßburg im konfessionellen Zeitalter. Bildungsangebot und Bekenntnistradition am Studienort des Liborius Wagner, in: WürzDbll 43 (1981), S.119-149, Sonderdruck. I. Die humanistische Hochschule in der elsässischen Reichsstadt Straßburg wurde im Jahr 1513 gegründet, war zunächst ein mehrklassiges Gymnasium, dann Akademie und "Semiuniversität" (Privileg Kaiser Maximilians II. 1566), schließlich Volluniversität (Privileg Kaiser Friedrichs II. 1621), immer unter der Leitung von Scholarchen. Die Hochschule war ein wichtiger evangelisch-reformatorischer Lernort, ein humanistisches, reformatorisches Bildungszentrum. Demgemäß gaben im Rahmen eines vom rector perpetuus Johannes Sturm (1538-1581) entwickelten Lehrplans (Artes, Theologie u.a.) im Theologiestudium (Vorlesungen über biblische Bücher, Bibelexegese, loci communes) zunächst lutherische Reformatoren den Ton an: Martin Bucer, Wolfgang Capito, Kaspar Hedio, daneben aber auch: Franz Lambert, Johannes Calvin, Petrus Martyr Vermigli, Paul Fagius. Eine Neuorientierung im Bereich der Theologie ergab sich unter den Professoren Johann Marbach, Girolamo Zanchi, Johann Pappus, Johann Picator vor dem Hintergrund des Bekenntnisstreits innerhalb des Protestantismus an der Hochschule (Luthertum gegen oberdeutsch-schweizerische Theologie). Unter Johann Pappus (†1610), der als professor primarius das Fach Theologie maßgebend bestimmte, setzte sich an der Hochschule das Luthertum durch. Nach Pappus verlor die theologische Ausbildung in Straßburg an Renommee (weitgehende Negierung der theologischen Neuscholastik und der aristotelischen Metaphysik); die Lehrerschaft war nur mehr regional verankert. Ein Aufstieg der theologischen Lehre ist dann für die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) feststellbar. II. In Straßburg studierte zwischen 1614 und 1619 die Artes und wohl auch Theologie der zunächst lutherisch gesinnte Humanist Liborius Wagner (*1593-†1631) aus dem thüringischen Mühlhausen, bevor er sich nach Würzburg begab (1622/23) und sich dem katholischen Glauben zuwandte [Wagner als katholischer Priester 1625, Tod als Märtyrer 1631, Seligsprechung 1974]. [Buhlmann, 05.2015]

Schipperges, Heinrich (1995), Hildegard von Bingen (= BSR 2008), München 21995 > H Hildegard von Bingen

Schipperges, Heinrich (1997), Die Welt der Hildegard von Bingen. Panorama eines außergewöhnlichen Lebens, Darmstadt 1997 > H Hildegard von Bingen

Schirrmacher, Wilhelm (1859/65), Kaiser Friedrich der Zweite, 4 Bde., Göttingen 1859-1865 > F Friedrich II. (von Hohenstaufen)

Schlatter, Adolf, Kleinere Schriften zu Flavius Josephus, hg. v. Karl Heinrich Rengstorf (1970), Gütersloh N.N., Nachdruck Darmstadt 1970 > J Josephus

Schlechter, Armin (1993), Die althochdeutschen Aratorglossen der Handschrift Rom Biblioteca Apostolica Vaticana Pal. Lat. 1716 und verwandte Glossierungen (= StAhd 20), Göttingen 1993 > S Studien zum Althochdeutschen

Schleinert, Dirk (2005), Die Geschichte der Insel Usedom, Rostock 2005, 192 S., € 12,90. Geografie und Geologie der Ostseeinsel Usedom sind geprägt von der Eiszeit, die Insel als solche ist entstanden durch die Meerestransgression der Zeit um 6000 v.Chr. Für Usedom sind dann mittel- und jungsteinzeitliche Funde feststellbar (8000-3000 v.Chr.; Trichterbecherkultur, indoeuropäische Schnurbandkeramiker). In die späten Jahrhunderte der Bronzezeit (1800-500 v.Chr.; Urnenfelderkultur) datiert der Burgwall auf dem Golm (Lausitzer Kultur), daneben gab es bronzezeitlichen Siedlungen auf der Insel. Ab der vorrömischen Kaiserzeit (500 v.Chr.-Zeitenwende) ist dann von einer germanischen Bevölkerung auszugehen (Usedom-Wolliner Gruppe), in der römischen Kaiserzeit (Zeitenwende-5. Jahrhundert n.Chr.) gab es ein Bevölkerungs- und Siedlungsrückgang, erkennbar u.a. an der germanischen Siedlung von Bahn (Siedlungsende im 3. Jahrhundert). Im 5. und 6. Jahrhundert war Usedom wenig besiedelt, ab dem 8. Jahrhundert setzte hier die altslawische Besiedlung ein (Burganlage von Mellenthin), die sich in der mittelslawischen Epoche (10. Jahrhundert) verdichtete und noch in der spätslawischen Zeit (10./11.-12. Jahrhundert) stark zunahm (Burgen, Burgbezirke, Siedlungen). Der Ort Usedom wurde zu einem wichtigen Handelsplatz und einer slawischen Frühstadt, die auf der Insel siedelnden Slawen gehörten wahrscheinlich den Lutizen oder Wilzen an. Politisch war die Insel Usedom an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert vielleicht Teil der Herrschaft "Selencia" (?), ab den 1120er-Jahren war sie in das frühpommersche Herzogtum Herzog Wartislaws I. (v.1107-1147/48) einbezogen. Parallel dazu wurde auf Usedom das Christentum eingeführt (2. Missionsreise des Bischofs Otto I. von Bamberg [1102-1139], Landtag von Usedom 1128); es folgten die Gründung des Bistums Wollin (-Usedom-Kammin; 1140) und die Errichtung des Prämonstratenserklosters Grobe (1153). Im Rahmen des Herzogtums Pommern (-Wolgast; Landesteilung von 1295) kam es im Verlauf des 13. Jahrhunderts zum deutschrechtlichen Landesausbau, zur Ansiedlung deutscher Bauern und Adliger auch auf Usedom ("deutsche Ostkolonisation", Dreifelderwirtschaft und Getreideanbau, Hufensystem), zur Verlegung des Klosters Grobe nach Pudagla (1307/09) sowie zur Gründung des Zisterzienserinnenklosters Krummin (14. Jahrhundert, Anfang). Der slawische Ort Usedom wurde 1298 von Herzog Bogislaw IV. (1295-1309) zur Stadt erhoben, erlebte aber schon im 15. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Niedergang (Stadtbrand von 1475/76). Unter Herzog Bogislaw X. (1478-1523) wurde Pommern zu einem frühneuzeitlichen Territorium umgestaltet (Vogtei Usedom 1495), die Einführung der Reformation (1534) unter Herzog Philipp I. von Pommern (-Wolgast, 1532-1560; Landesteilungen von 1532 und 1541) führte zur Ausgestaltung einer protestantischen Landeskirche und zur Aufhebung der Klöster Pudagla (1535) und Krummin (1563). Wirtschaftliche Veränderungen begünstigten gerade im 16. und frühen 17. Jahrhundert die Entstehung von Gutsbetrieben mit einer ausgeprägten Eigenwirtschaft bei einer Verschärfung der Abhängigkeitsverhältnisse (Leibeigenschaft, Bauern und Kossaten); weiterhin spielte die Fischerei (u.a. in Haff und Achterwasser) eine wichtige Rolle. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war Pommern seit 1627 (Einquartierung kaiserlicher Truppen, Quartier Usedom, Truppendurchzüge) in die Kampfhandlungen einbezogen (dänischer Angriff auf Wolgast 1628). Die schwedische Besetzung Usedoms und Pommerns (1630/31) und die mit den Pommern abgeschlossene Stettiner Allianz (1630) machte aus dem Herzogtum nach dem Tod des Herzogs Bogislaw XIV. (1625-1637), des Letzten der pommerschen Herzöge, ein Streitobjekt zwischen Schweden und den erbberechtigten Kurfürsten von Brandenburg. Mit dem Westfälischen Frieden (1648) gelang diesbezüglich insofern ein Ausgleich, als dass Schweden Vorpommern mit Usedom und die Odermündung behaupten konnte. Die schwedische Zeit der Ostseeinsel (1638/48-1713/20) war weitgehend geprägt von wirtschaftlicher Stagnation infolge der Bevolkerungsverluste, Verwüstungen und Verpfändungen im Dreißigjährigen Krieg, während ein absolutistisches schwedisches Königtum die Einlösung der Pfandschaften bewerkstelligte, die Landvermessungen von 1693 und 1704 durchsetzte sowie das Hufensteuerverzeichnis von 1708 (Lagerströmsche Matrikel) erstellen ließ. Schweden als Großmacht an der Ostsee führte aber auch den schwedisch-polnischen Krieg (1655-1660) und den schwedisch-brandenburgischen Krieg (1674-1679), von denen auch Usedom betroffen war (brandenburgische Eroberung Usedoms 1675, Einnahme der Peenemünder Schanze 1676, Frieden von St. Germain 1679). Im Großen Nordischen Krieg (1700-1720) wurde Usedom (mit Vorpommern) faktisch preußisch (1713), nochmals von Schweden besetzt (1715; schwedischer Seesieg über Dänemark vor Usedom 1715) und von Preußen zurückerobert (1715). Im Frieden von Stockholm (1720) behielt Preußen Usedom und Vorpommern. Das 18. Jahrhundert als frühe Preußenzeit auf Usedom brachte mit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) eine zwischenzeitliche Besetzung Usedoms durch die Schweden (1757-1761), während die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Verhältnisse auf der Insel weiterhin kaum vorankamen und erst am Ende des 18. Jahrhunderts Änderungen eintraten (Erbrecht und Vererbpachtung bei den abhängigen Bauern). Französische Revolution (1789) und napoleonische Kriege beschleunigten indes nach 1806 (Besetzung [Preußens und] Usedoms durch französisch-badische Truppen, Kontinentalsperre, nochmalige schwedische Besetzung Usedoms 1807) die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen im preußischen Königreich (Stein-Hardenbergische Reformen, preußische Agrarreform von 1807 und "Bauernbefreiung", Provinzialordnung und preußische Provinz Pommern 1815, Landkreis Usedom-Wollin 1818, Gutsbezirke und Landgemeinden). Usedom machte im 19. Jahrhundert die Revolution von 1848 mit, weiter verbesserten sich die landwirtschaftlichen Anbaumethoden (Einführung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel, chemische Düngung); Infrastrukturmaßnahmen betrafen Häfen, Swine und Oder, die Landstraßen (Chausseen) und die Eisenbahn (Strecke Ducherow-Karmin-Swinemünde 1874/76), doch fehlte eine durchgreifende Industrialisierung. Hingegen enstand an der Ostseeküste ein ausgedehnter Bäderbetrieb (Swinemünde und Heringsdorf ab 1824, Zinnowitz ab 1851, Ahlbeck ab 1852, Koserow ab 1858). Als Teil Preußens und des Deutschen Bundes war Usedom von den beiden deutsch-dänischen Kriegen (1848-1850, 1864/65) betroffen (dänische Flotten vor Usedom und Pommern; Flottenstützpunkt Swinemünde), als Teil Preußens und des Deutschen Kaiserreichs vom Ersten Weltkrieg (1914-1918), im "Dritten Reich" der nationalsozialistischen Diktatur vom Zweiten Weltkrieg (1939-1945; U-Boot-Hafen Kaseburg, Raketenversuchsanlage Peenemünde). Der sowjetischen Besetzung Usedoms im April 1945 folgten die Nackriegszeit des Kreises Usedom (1945-1952), die verwaltungstechnische Eingliederung der Ostseeinsel in den Bezirk Rostock der jungen Deutschen Demokratischen Republik (1952) und die Etablierung der neuen gesellschaftlichen Ordnung des Kommunismus (Staats- und Parteiorganisation, Enteignungen und Vergesellschaftung der Wirtschaft [LPGs], Industrialisierung [Peenewerft], staatliches Erholungswesen und Bäderbetrieb). Durch die 1945 beschlossene neue Westgrenze Polens ist die Insel seit Ende des Zweiten Weltkriegs geteilt; zu Polen gehört der östliche Teil Usedoms mit Swinemünde. Seit der "Wende" von 1989/90 ist das deutsche Usedom Teil der Bundesrepublik Deutschland, die wirtschaftliche Entwicklung der Insel steht bei neuer Verwaltungseinteilung (Landkreise Wolgast bzw. Ostvorpomnern, Zusammenschlüsse von Landgemeinden als Ämter) seitdem im Schatten von Tourismus, Arbeitslosigkeit, Kapitalismus und Globalisierung. [Buhlmann, 10.2011]

  Schleswig, Stadt in Schleswig-Holstein: Die wikingische Siedlung Haithabu a.d. Schlei war bis zum 11. Jahrhundert ein wichtiger Handelsort (Zerstörung Haithabus durch die slawischen Wenden 1066); hier gab es um 850 eine Kirche als Stiftung des Hamburger Erzbischofs Ansgar (834-865), Haithabu war 947 Bischofssitz. Die unmittelbar benachbarte Siedlung Schleswig a.d. Schlei wird erstmals zum Jahr 804 als Sliasthorp (Sliaswic) in den frühmittelalterlichen Geschichtsquellen genannt. Sie übernahm als Nachfolgesiedlung nach der Zerstörung Haithabus dessen Rolle (Schleswiger Bischofskirche des 11. Jahrhunderts?). Schleswig wurde zum Vorort eines gleichnamigen dänischen Herzogtums (Herzog Knut Laward [1115-1131]); der Schleswiger St. Petri-Dom wird erstmals zum Jahr 1134 unter Bischof Adalbert (1120-1135) erwähnt. Bis etwa zur Mitte des 12. Jahrhunderts war Schleswig ein bedeutender Handelsplatz, geriet aber - auch wegen der schlechteren Befahrbarkeit der Schlei durch die neuen Schiffstypen (Plünderung norwegischer Handelsschiffe auf der Schleswiger Reede 1155) - gegenüber dem neu gegründeten Lübeck alsbald ins Hintertreffen. Die Einbeziehung der Siedlungen Lollfuß und Friedrichsberg (1171) begründete das hochmittelalterliche Schleswig, mit dem ältesten (lateinischen) Stadtrecht (ca.1250) und dem niederdeutschen (14. Jahrhundert) begabt. Im späten Mittelalter stellte sich Schleswig als Bischofs- und Ackerbürgerstadt dar, versehen - neben dem Dom - u.a. mit Johanniskloster und Franziskanerniederlasung (Graukloster). Die schleswigschen Herzöge residierten seit 1268 auf der ehemaligen Bischofsburg Gottorp; 1459 gelangte die Burg in die Hand des oldenburgisch-dänischen Königs Christian I. (1448-1481), in der frühen Neuzeit wurde aus Gottorp eine repräsentative Residenz der Herzöge von Schleswig. Die Reformation machte aus Schlweswig den Sitz des evangelischen Bischofs Tilemann von Hussen (1542-1551). Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Stadt mehrfach besetzt, ebenfalls mit dänisch-schwedischen Krieg (1658-1660). Nach dem Großen Nordischen Krieg (1700-1721) gelangte Schleswig an die dänischen Könige als Herzöge von Schleswig. Im 19. Jahrhundert erlebte Schleswig einen wirtschaftlichen Niedergang, nach dem deutsch-dänischen Krieg (1864) und dem deutschen Krieg (1866) waren die Herzogtümer Schleswig und Holstein preußisch. Im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert machte die Stadt die politisch-wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklungen im Deutschen Kaiserreich (Schleswiger Domturm 1890/94), in der Weimarer Republik, im nationalsozialistischen Deustchalnd und in der Bundesrepublik Deutschland (Bundesland Schleswig-Holstein, dänische Minderheit, Weltkriegsvertriebene) mit.
Zu Schleswig s. u.a.: Pfeifer, Johannes (2014), Der St. Petri-Dom zu Schleswig (= DKV-Kunstführer 161), München 182014, 48 S., Farbabbildungen, Plan, € 3,-. [Buhlmann, 03.2017]

Schlieben, Barbara, Verspielte Macht. Politik und Wissen am Hof Alfons' X. (1252-1284) (= Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Bd.32), Berlin 2009 > A Alfons X. von Kastilien

Schlögl, Hermann A. (1986), Echnaton (= rm 350), Reinbek 1986, 144 S., Abbildungen, DM 9,80; Schlögl, Hermann A. (2008), Echnaton (= BSR 2441), München 2008, 128 S., € 7,90; Schlögl, Hermann A. (2012), Nofretete. Die Wahrheit über die schöne Königin (= BSR 2763), München 2012, 128 S., 1 Stammtafel, 1 Zeittafel, 2 Pläne, € 8,95. Neuägyptisches Reich, 18. Dynastie: Nofretete, Tochter der Bürgerlichen Aja und Teje-Tjj, heiratete 1353/52 v.Chr. den Kronprinzen Amenophis (IV.), Sohn und Nachfolger des Pharao Amenophis III. (1388-1352/51 v.Chr.); die Familien Amenophis' III. und Ajas sind untereinander verwandt; Aja ist über seine Schwester Teje, die Ehefrau Amenophis' III. und Mutter Amenophis' IV., ein Schwager des Königs. Nach Amenophis' III. Tod (1352/51 v.Chr.) übernahm Amenophis IV. (nach Richtungskämpfen am ägyptischen Hof?) die Herrschaft über das neuägyptische Reich (1352/51-1335/34 v.Chr.). Unter maßgeblicher Beteiligung Nofretetes sowie des Aja-Bruders Aanen sollte Amenophis IV. in seinen ersten Regierungsjahren den Kult bzw. die monotheistische Religion um Aton ("Sonne(nscheibe)") entwickeln; dabei entsprachen den massiven religiösen Veränderungen, die einen Bruch (Revolution) mit der ägyptischen Vergangenheit darstellten, auch neuen künstlerischen Entwicklungen ("Großer Sonnengesang", "Kleiner Sonnengesang" [Hymnen entstanden um 1345 v.Chr. aus gemeinsamen Versatzstücken ägyptischer Dichtung; Sonnengott Aton (Lichtmetaphorik), Schöpfung und Königspaar Echnaton und Nofretete; Nähe zum 104. Psalm des Alten Testaments], Malerei, Relief). Amenophis IV., der sich alsbald Echnaton nannte (1347/46 v.Chr.), und Nofretete, die "Große Königsgemahlin", bildeten zusammen mit Aton eine Göttertriade, König und Königin waren die gleichrangigen Vermittler zu Aton. Der neuen Religion folgte die neue, aufwändig erbaute Haupt- und Residenzstadt Achetaton mit Königspalästen, Atontempeln und im Osten gelegener Nekropole (Tell el-Amarna; Umzug nach Achetaton ca.1345 v.Chr.). Ca.1342 v.Chr. wurden die bisherigen ägyptischen Götterkulte verboten (Tempelschließungen), ein Aufstand in Nubien konnte niedergeschlagen werden, ausländische Gesandte wurden in Achetaton aufwändig empfangen, von den sechs Töchtern des Echnaton und der Nofretete sterben drei (1340/39 v.Chr.). Ihnen folgte 1337/36 v.Chr. ihre Mutter, die einem tödlichen Unfall (Verletzungen an Brust und Gesicht; Mumie der Nofretete) zum Opfer fiel. Nachfolgerin als "Große Königsgemahlin" Echnatons wurde Kija. Echnaton selbst starb 1335/34 v.Chr., Kija bemühte sich um die Übernahme der Herrschaft (geplante Heirat mit dem hethitischen Königssohn Zannanza). Doch setzte sich letztlich Meritaton, die älteste Tochter Echnatons und Nofretetes, durch; sie heiratete Semenchkare, den Sohn des Aja (1335/34-1332 v.Chr.). Außenpolitisch standen seit den letzten Regierungsjahren Echnatons die Auseinandersetzungen mit den Hethitern in Syrien im Vordergrund. Auch von daher mussten sich Meritaton und Semenchkare wieder der alten Religion (Amunpriesterschaft in Theben) annähern. Nach dem Tod Meritatons und Semenchkares wurde Tutanchaton (Tutanchamun), der einzige Sohn Echnatons und der Nofretete, Pharao (1332-1323 v.Chr.), nach diesem Tutanchamuns Großvater Aja (1323/22-1319 v.Chr.). General Haremhab, zunächst Verbündeter, dann Feind Ajas, übernahm nach Ajas Tod die Königsherrschaft (1319-1292 v.Chr.), die Pharaonen der Armanazeit (Amenophis IV., Semenchkare, Tutanchamun, Aja) verfielen der damnatio memoriae. Vgl. Aldred, Cyril (1968), Echnaton. Gott und Pharao Ägyptens, Herrsching o.J., 309 S.; Echnaton, Sonnenhymnen. Ägyptisch/Deutsch, übers. v. Christian Bayer (2007) (= RUB 18492), Stuttgart 2012, 126 S., Schwarzweißabbildungen, 2 Karten, € 4,-. [Buhlmann, 03.2008, 12.2012, 06.2013]

Schmale, Franz-Josef (1974), Die Anfänge der Grafen von Berg, in: Geschichte in der Gesellschaft. Festschrift Karl Bosl, hg. v. Friedrich Prinz, Franz-Josef Schmale, Ferdinand Seibt, Stuttgart 1974, S.370-392 > B Berg, Grafen von

Schmelz, Bernd (2013), Die Inka. Geschichte und Kultur (= Urban Tb 740), Stuttgart 2013 > I Inka

Schmenk, Nicole (2010), Spätmittelalterliche Memorialpraxis im Kloster Brauweiler, in: AHVN 213 (2010), S.103-112. Im Zuge der Bursfelder Reform und der Aktivitäten Adam Meyers (†1499), des Abtes von Groß St. Martin in Köln (ab 1454), Generalvikars (ab 1458) und Provinzialpräses des Provinzialverbandes Köln-Trier der Benediktinerklöster (ab 1467), wurde auch das Kloster Brauweiler von dieser benediktinischen Klosterreformbewegung erfasst (Aufnahme Brauweilers in die Bursfelder Reform 1469). Folge der eingeleiteten Reformmaßnahmen waren eine wirtschaftliche Gesundung der Abtei und ein Wiederaufleben der Memorialpraxis. Letztere verband sich mit der Anlage eines Kapiteloffiziumsbuchs (1476), das in seinem nekrologischen Teil wohl ein älteres Nekrolog (teilweise) aufnahm. Memorialpraxis und Kapiteloffiziumsbuch blieben bis zur Aufhebung des Klosters Brauweiler (1802) in Gebrauch. [Buhlmann, 03.2012]

Schmid, Elmar D. (1977), Nördlingen - die Georgskirche (und St. Salvator), Stuttgart-Aalen 1977 > N Nördlingen

Schmid, Karl (1959), Kloster Hirsau und seine Stifter (= FOLG 9), Freiburg i.Br. 1959 > H Hirsau

Schmid, Peter (1989), Der Gemeine Pfennig von 1495. Vorgeschichte und Entstehung, verfassungsgeschichtliche, politische und finanzielle Bedeutung (= SHKBAW 34), Göttingen 1989, 626 S., € 9,-. Im Rahmen der Reformbestrebungen im römisch-deutschen Reich am Ende des Mittelalters unter König Maximilian I. (1493-1519) spielte der Gemeine Pfennig als allgemeine Steuer der Reichsbewohner eine Rolle. Doch scheiterte dieses hauptsächlich vom Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg (1484-1504) betriebene Projekt letztlich an der Durchführbarkeit der Steuererhebung und am zu geringen Ertrag. Die Reichssteuer war eine Steuer auf Personen (Kopfsteuer), nicht auf Vermögen, sie sollte Kriegssteuer sein und innenpolitischen Zwecken bei Recht und Frieden (Reichskammergericht) dienen, der Steuersatz war niedrig gehalten. Beschlossen wurde der Gemeine Pfennig auf dem Wormser Reichstag von 1495, doch stellten sich alsbald die eben erwähnten Unzulänglichkeiten heraus, die auch König Maximilian von dieser Art der Steuer abrücken ließen. Dabei verbanden sich die Unzulänglichkeiten gerade mit der territorialen Gliederung des deutschen Reiches. Das Einsammeln der Reichssteuer oblag den Landesherren und Reichsständen; in einigen Territorien bestanden Spannungen zwischen Landesherrn und Landständen, der Adel pochte auf seine Steuerprivilegien, es gab Gebiete, wo sich territoriale Herrschaftsrechte überschnitten. Auch die von Maximilian gewünschte alleinige Verfügung über die eingenommene Reichssteuer führte zu Widerständen (Reichsschatzmeister, Rolle des Reichskanzlers), wie die Reichstage von Lindau (1496/97), Worms (1497) und Freiburg (1497/98) zeigen. Für Berthold von Henneberg besaß der Gemeine Pfennig zudem eine verfassungspolitische Dimension im Zusammenhang mit einem ständisch-zentralistischen Reichsregiment. Doch drang er mit solchen Vorstellungen insbesondere bei den Reichsfürsten nicht durch. Die Reichssteuer scheiterte an deren Widerstand, Nichtinteresse und Eigeninteresse. Der Augsburger Reichstag von 1500 ersetzte im Wesentlichen den Gemeinen Pfennig durch eine Reichshilfe, die Truppengestellung und Geldleistungen kombinierte. [Buhlmann, 09.2016]

Schmidt, Ludwig (1942), Geschichte der Wandalen, 21942, Nachdruck München 1970 > V Vandalen

Schmidt-Glintzer, Helwig (1995), Das alte China. Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert (= BSR 2015), München 1995 > C China

Schmitt, Jean-Claude (2006), Die Bekehrung Hermanns des Juden. Autobiographie, Geschichte und Fiktion, Stuttgart 2006, 398 S., € 28,90 > > Lateinische Literatur > H Hermannus quondam Judaeus

Schmitt, Gunter (1992), Burgen der Schwäbischen Alb: Burgruine Hohenhundersingen, in: Schönes Schwaben 1 (1992), S.54f. Die Ortsadelsfamilie von Hundersingen tritt zu Beginn des 12. Jahrhunderts erstmals in Erscheinung (Schenkungen Theobolds und Eberhards von Hundersingen an das Kloster Zwiefalten 1116). Die Hundersinger sind im Gefolge des Stauferkaisers Friedrich II. (1212-1250) nachweisbar (1237), Kontakte mit dem Zisterzienserkloster Salem sind ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bezeugt (1263, 1273, 1302). Die Burg Hohenhundersingen (im Großen Lautertal) reicht wohl bis ins 13. Jahrhundert zurück, 1314 bekam der württembergischen Graf Eberhard I. (1279-1325) hier ein Öffnungsrecht zugestanden, 1352 verkaufte Rudolf von Hundersingen Burg und Besitz (u.a. das Dorf) an Graf Eberhard II. von Württemberg (1344-1392). Das Dorf Hundersingen gelangte 1409 an die Grafen von Kirchberg, die Burg blieb württembergisch und wurde um das Jahr 1530 zerstört, u.a. 1624 als Burgstall bezeichnet. Die erhalten gebliebene Ruine weist Reste einer Vorburg mit Umfassungsmauer und Osttor, dahinter die Kernburg mit Palas und Bergfried (aus Buckelquadern, höchste Stelle der Burg). [Buhlmann, 12.2016]

Schneemelcher, Wilhelm (1981), Das Urchristentum (= Urban Tb 336), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1981 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

Schneider, Fr. (1884), Arnold II., Erzbischof von Cöln 1151-1156, Diss. Halle 1884 > A Arnold II. von Wied

Schneider, Jean (1951), Note sur l'organisation des mêtiers á Toul, au moyen age, in: Melanges d'histoire du Moyen Age dedies a la memoire de Loius Halphen, Paris 1951, S.659-664. Das mittelalterliche Toul erwuchs aus dem spätantiken castrum (v.310), aus frühmittelalterlichem Bischofssitz und suburbium. Die Stadt nahm im 11. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung (lokaler Markt, Händler); Stadtherren waren die Bischöfe, u.a. Bruno (1026-1051, Papst Leo IX.) und Poppo (1070-1107), der Graf blieb von der Stadt ausgeschlossen. Für das endende 12. Jahrhundert belegen die Geschichtsquellen die wichtige Rolle von Markt und Kaufleuten (Ministeriale) in Toul. Die Schicht der Kaufleute, Händler und Handwerker sollte im späten Mittelalter wirtschaftlich und politisch gegen Bischof und Geistlichkeit zumindest mitbestimmend in der Stadt werden (Rolle der magisteria [Zünfte, Ämter] in Toul). [Buhlmann, 08.2013]

Schneider, Reinhard (Hg.) (1984), Salem. 850 Jahre Reichsabtei und Schloss, Konstanz 1984 > S Salem

Schneider-Ferber, Karin (2014), Aufstand der Pfeffersäcke. Bürgerkämpfe im Mittelalter, Darmstadt 2014, 240 S., Schwarzweißabbildungen, € 19,95. I. Augsburg: Die schwäbische Römer- und Bischofsstadt entwickelte sich im frühen und hohen Mittelalter zu einer wichtigen Handels- und Gewerbestadt, die entstandene Bürgergemeinde emanzipierte sich vom Bischof als Stadtherrn (Stadtrechtsbuch von 1276), Patriziat, "Kleiner" und "Großer Rat" bestimmten die städtische Politik. Fehden der Geschlechter im Ausgburger Umland waren der Anlass zu einem unblutigen Aufstand der Handwerker (1368), dessen Ergebnis der "Erste" und der "Zweite Zunftbrief" und somit die Beteiligung der 17 Handwerkerzünfte bzw. deren Zunftmeister am "Kleinen" und "Großen Rat" (1368; daneben "Gesellschaft der Herren"). In der Folge behauptete sich die neu verfasste Stadtgemeinde gegen auswärtige Fürsten (bayerische Herzöge), wirtschaftlich (Barchentweberei, Fernhandel) und reichspolitisch (Bestätigungsurkunde Kaiser Karls IV. 1374). II. Braunschweig: Das spätmittelalterliche Braunschweig war aus den fünf Weichbilden Altstadt, Hagen, Neustadt, Sack und Altewiek entstanden ("Gemeiner Rat" von 1325). Als Handelsstadt gehörte Braunschweig der Hanse an und war zudem Residenzstadt der welfischen Herzöge. Die unzureichende Partizipation des Großteils der städtischen Bevölkerung an Herrschaft und Politik bei zunehmender Verschuldung Braunschweigs führte wiederholt zu Unruhen, nicht zuletzt in der "Großen Schicht" von 1374. Folge der damaligen Absetzung der Ratsgeschlechter war u.a. der Ausschluss Braunschweigs aus der Hanse, die wirtschaftlichen Einbußen waren schließlich so schwer, dass erst ein Bußritual des neuen Rates in Lübeck (1380) den Ausschluss beendete und eine neue Ratsverfassung unter Beteiligung von Patriziat, Handwerkern und Kaufleuten (1386) die städtische Verfassung auf eine neue Grundlage stellte. III. Erfurt: Die zahlreichen Fehden Erfurts mit dem Umland, die Belagerung der Stadt durch den Wettiner Landgrafen Friedrich den Friedigen (1309) führten 1310 zur Einrichtung des Kontrollgremiums der Vierherren (1310) sowie zur Bildung eines neuen Rates unter Beteiligung der Zünfte. IV. Köln: Köln, die größte Stadt im mittelalterlichen Deutschland, erlebte als Vorort der Niederrheinlande und sancta Colonia unter den Kölner Erzbischöfen im 9. bis 12. Jahrhundert auch einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg. Gegen den Stadtherrn und Erzbischof Anno II. von Köln (1056-1075) entlud sich 1074 ein Bürgeraufstand, der zwar niedergeschlagen werden konnte, den weiteren Aufstieg der Kölner kommunalen Bewegung gerade im 12. Jahrhundert nicht aufhalten konnte (Schwureinung von 1114, Schöffenkolleg, domus civium von 1135, Pfarrgemeinden und Amtleutekollegien [Schreinskarten und -bücher], Stadtmauer von 1179/80, Richerzeche von 1180). Im späten Mittelalter regierten - nicht konkurrenzlos miteinander - Rat ("Enger Rat", "Weiter Rat"), Richerzeche und Schöffenkolleg die Kölner Stadtgemeinde, wobei sich insbesondere der Rat in den Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof als Stadtherrn profilierte. Die politisch Mächtigen der Stadtgemeinde gehörten dabei den Geschlechtern an, während die Kölner Handwerker seit dem 12. Jahrhundert zunehmend in Zünften, die Kölner Kaufleuten in Gaffeln organisiert waren. Die Forderungen der Handwerker und Kaufleute nach politischer Mitsprache kumulierten dann in Aufstand und Herrschaft der Kölner Wollweber (1370/71) und in deren Niederlage in der "Weberschlacht" (1371). Es folgten die Restauration der Geschlechterherrschaft bei Machtkämpfen zwischen den Patriziern ("Greifen" gegen "Freunde"; Auflösung der Richerzeche 1392) und der Kölner Aufstand von 1396, der in den "Verbundbrief" von 1396 und der politischen Mitsprache von 22 Handwerker- und Kaufleute-Gaffeln einmündete (Neuorganisation des Rates u.a.). Der "Verbundbrief" blieb als "Kölner Grundgesetz" bis zum Jahr 1794 in Kraft. V. Leipzig: Die Stadtentwicklung des günstig an Handelsstraßen gelegenen Leipzig vollzog sich unter Einflussnahme der Markgrafen von Meißen insbesondere im 12. und 13. Jahrhundert. Die Gründung des Leipziger Augustinerchorherrenstifts St. Thomas (1212/13) durch Markgraf Dietrich dem Bedrängten (1197-1221) führte indes zu massiven Auseinandersetzungen mit der sich formierenden Bürgergemeinde; der Markgraf konnte sich mit Unterstützung König Friedrichs II. (1212-1250) zunächst behaupten (1216). Im Verlauf des 13. Jahrhunderts gelang es den Leipziger cives jedoch, immer mehr Rechte in ihrer Hand zu vereinigen (Aufstand von 1224, Rat, Erwerb der Münzstätte 1273, Herausdrängung des Schultheißen [1301]). VI. Münster: Die Geschicke der westfälischen Bischofs- und Hansestadt wurden gegen Ende des Mittelalters bestimmt vom über Wahlmänner gewählten 24er-Rat, der aus 17 Kaufleute- und Handwerkergilden (1410) vereinigten Gesamtgilde und der "Gemeinheit" der ärmeren Schichten der Bevölkerung. Im Zuge von Reformation, Bauernkrieg und schwieriger wirtschaftlicher Lage drang zunehmend reformatorisches Gedankengut in die katholische Bischofsstadt ein; 1532 installierten die Gilden in den städtischen Pfarreien Münsters evangelische Prediger, 1533 wurde im Vertrag von Dülmen die lutherische Lehre neben der der Altgläubigen anerkannt. Ein evangelisch dominierter Stadtrat und eine Radikalisierung der Reformation in Münster führten dann unter dem Reformator Bernhard Rothmann, dem Bürgermeister Bernt Knipperdolling und dem "Täuferkönig" Jan van Leiden zum "Reich der Wiedertäufer" in Münster sowie zur Belagerung und Eroberung der Stadt durch Truppen des Bischofs Franz von Waldeck (1534/35). Ein Strafgericht, die Rekatholisierung der Stadt und eine bischöfliche Verfassungsordnung waren die Folge. VII. Ulm: Die Verpfändung der Reichsstadt Donauwörth durch Kaiser Karl IV. (1346-1378) im Jahr 1376 war für Ulm und andere süddeutsche Städte der Anlass, sich im Jahr 1376 zum Schwäbischen Städtebund (gegen die Fürsten und deren Landesherrschaften) zusammenzuschließen. Auch militärisches Gegenspiel des Kaisers (Reichsacht, Belagerung Ulms, württembergische Niederlage bei Reutlingen 1377) nutzte nicht viel; es folgten eine Einigung mit dem Herrscher (1377) und das Anwachsen des Städtebündnisses, das bis 1385 auf 40 beteiligte Städte anwuchs und auch mit dem 1381 gegründeten Rheinischen Städtebund politisch einig war. Erst die Niederlage des städtischen Heeres bei Döffingen (1388) im Großen Städtekrieg (1387-1389) leitete das Ende des Schwäbischen Städtebundes ein (Reichslandfrieden von Eger 1389). Spätere Städtebündnisse besaßen bei Weitem nicht mehr die politische Durchschlagskraft wie der Schwäbische Städtebund. VIII. Wismar: Die Hansestadt Wismar an der Ostsee erlebte im beginnenden 15. Jahrhundert unruhige Jahrzehnte. Unter Führung des Wollwebers Claus Jesup und durch zeitweise Unterstützung der Stadt Lübeck gelang zwischen 1409 und 1416 und nochmals zwischen 1427/28 und 1430 die Verdrängung des patrizischen Rates. Wismar geriet im Jahr 1430 indes militärisch und politisch unter Druck; eine Verfassungsänderung unter Beteiligung der mecklenburgischen Landesherrin schuf einen "Neuen Rat", an dem auch die Ämter (Zünfte) beteiligt waren. IX. Worms: Die Bischofsstadt am Rhein mit der großen Judengemeinde stand im Zeitalter des Investiturstreits (1075-1122) auf Seiten König Heinrichs IV. (1056-1106); die Herrscher Friedrich I. (1152-1190) und Otto IV. (1198-1218) privilegierten die Stadt (1184 [Befreiung vom Kopfzins], 1198 [Schultheißenamt]). Zur Zeit Kaiser Friedrichs II. (1212-1250) und König Heinrichs VII. (1220-1235) kam es 1231/33 zu Streitigkeiten zwischen Bischof Heinrich und der Stadtgemeinde (Stadtrat, Bürgermeister) u.a. um Heersteuer und städtische Selbstverwaltung (Zerstörung des Wormser Rathauses [1232], "Wormser Rachtung" [1233]). Cives und milites (1229) sollten auch danach die stauferfreundliche Politik der Stadt bestimmen. Mit dem Ende des staufischen Königtums (1254) nahm Worms eine prominente Stellung im Rheinischen Städtebund von 1254/57 ein. Ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort zur "freien Stadt" (Unterstellung unter königlichen Schutz [1285], "Zweite Wormser Rachtung" [1293]). [Buhlmann, 01.2015]

Schneidmüller, Bernd, Weinfurter, Stefan (Hg.) (2003), Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I., München 2003, 624 S., € 39,90, enthält Kurzbiografien der (ostfränkisch-) deutschen Könige und Kaiser Heinrich I. (919-936), Otto I. (936-973), Otto II. (973-983), Otto III. (984-1002), Heinrich II. (1002-1024) (Ottonen), Konrad II. (1024-1039), Heinrich III. (1039-1056), Heinrich IV. (1056-1106), Heinrich V. (1106-1125) (Salier), Lothar von Supplinburg (1125-1137), Konrad III. (1138-1152), Friedrich I. (1152-1190), Heinrich VI. (1190-1197), Phlipp von Schwaben (1198-1208), Otto IV. (1198-1218), Friedrich II. (1212-1250), Konrad IV. (1237-1254) (Staufer u.a.), Rudolf I. (1273-1291), Adolf von Nassau (1292-1298), Albrecht I. (1298-1308), Heinrich VII. (1308-1313), Ludwig der Bayer (1314-1347), Karl IV. (1346-1378), Wenzel (1378-1400), Ruprecht von der Pfalz (1400-1410), Sigismund (1410-1437), Albrecht II. (1438-1440), Friedrich III. (1440-1493), Maximilian I. (1493-1519) (Habsburger, Luxemburger, Wittelsbacher u.a.). [Buhlmann, 11.2004]

Schnelle, Udo (2015), Die ersten 100 Jahre des Christentums (30-130 n.Chr.). Die Entwicklungsgeschichte einer Weltreligion (= UTB 4411), Göttingen 2015, 589 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 29,99. I. Methodik: (Religions-) Geschichte basiert auf dem deutenden Blick des Historikers auf die überlieferten (Geschichts-) Quellen. Frühes Christentum ("Urchristentum") meint das erste Jahrhundert christlicher Religion als "Bewegung der an Jesus Christus Glaubenden" (Kreuzigung Jesu Christi am 7. April 30 n.Chr.?). Das erste christliche Jahrhundert ist u.a. geprägt von der Einbeziehung der Heidenchristen (Apostelkonzil 48 n.Chr., Missionsreisen des Apostels Paulus), der Zerstörung des Jerusalemer Tempels (70) und der beginnenden Auseinandersetzung des Christentums mit der römisch-griechischen Antike (christliche Apologetik, 120er-Jahre). II. Geschichte: Vor dem Hintergrund von Hellenismus und der hellenistischen Einflüsse auf das Judentum (in Palästina und der Diaspora) stellt sich das frühe Christentum dar als Teil des hellenistischen Judentums (Septuaginta), aber in Abgrenzung zu der griechischen und römischen Religion und zu den Mysterienreligionen (Isis, Magna Mater, Mithras). (Mittelbare, längerfristige) Einflüsse auf das Christentum ergaben sich aus der antiken Philosophie (Stoa, Skeptizismus, Mittelplatonismus, Epikuräertum) sowie insbesondere aus Judentum (Exilszeit [598/87-539 v.Chr.; Diaspora] und Judentum [ab 539 v.Chr.], persische und hellenistische Zeit, Makkabäeraufstand [167 v.Chr.; Hohepriester und Jerusalemer Priesterschaft] und jüdische Gruppierungen ["Segmentierung des Judentums"; Hasidäer, Pharisäer, Zeloten, Essener, Sadduzäer], Caligula-Krise [38/39 n.Chr.], Jüdischer Krieg [66-70/73], Bar-Kochba-Aufstand [132-135]) und jüdischer Religion (Monotheismus, Bund Gottes mit dem Volk Israel, Gesetz und Tora, Tempel und Lebensweise, jüdische Apokalyptik [2. Jahrhundert v.Chr.-1. Jahrhundert n.Chr.; Henoch, Baruch, Qumramschriften], jüdische Weisheitsliteratur [Sirach, Hiob, Kohelet]). Frühchristentum fand dann statt im politischen und Wirtschaftsraum des römischen Reiches (Übergang zur Kaiserzeit, frühe Prinzipatszeit; Wirtschaft [Landwirtschaft, Handel, Gewerbe] und Gesellschaft [Oberschicht, Mittelschicht, Unterschicht, Sklaven]). Jüdische und griechische Einflüsse, aber auch ein "neues Denken" lassen sich insbesondere an der Person und Rolle von Jesus Christus festmachen (Osterereignisse [Kreuzigung, Auferstehung, leeres Grab, Erscheinung des Auferstandenen], monotheistische Lehre Jesu, Jesus als Inkarnation Gottes, Jesus als Messias); das frühe Christentum hatte damit eine sich ausbildende Christologie als Grundlage (Jesus Christus als Kyrios, Sohn Gottes, Sohn Davids, Menschensohn [Präexistenz der Weisheit]; Passionsgeschichte; Taufe, Herrenmahl, letztes Abendmahl als Erinnerungszeichen, tägliche Gottesdienste; Verschriftlichung des Geschehenen [Ostergeschehen, Logienquelle, Protoevangelien]). Jesus Christus war die Bezugsperson der Jerusalemer Urgemeinde der Christusgläubigen (u.a. aus Galiläa, u.a. die Apostel bzw. der Zwölferkreis [bzw. Teile davon]) als Teil des Judentums (Erscheinung des Auferstandenen, Geisterfahrungen, Jerusalem als Ort der Osterereignisse; erste Organisationsformen, Untergemeinden, Mahlgemeinschaften, wirtschaftliche Probleme und Unterstützung der Bedürftigen [Besitzverkauf, antikes Ideal der gemeinsamen Besitznutzung); herausragende Exponenten der Urgemeinde waren der Christusjünger Petrus, Kephas und der Herrenbruder Jakobus als Leiter der Urgemeinde, daneben traten weitere Mitglieder der Familie Jesu, die Brüder Jakobus und Johannes sowie Barnabas in Erscheinung. Zu den Gegnern der Urgemeinde zählten Sadduzäer (Steinigung des Herrenbruders Jakobus 62 n.Chr.) und Pharisäer (Paulus als Christenverfolger), zu ihren Konkurrenten bei der Mission die Jesusbewegung mit ihrer radikalen Ethik (Logienquelle) und zunehmend die Missionare der nicht dem Judentum zugehörigen "Heidenchristen" (Paulus, Barnabas, Apollos von Alexandrien [Weisheitslehre], Prisca und Aquila). Spannungen innerhalb der Jerusalemer Urgemeinde taten sich alsbald zwischen "Hebräern" (Judenchristen) und "Hellenisten" (nichtjüdische Christusanhänger) auf (Steinigung des Stephanus 32/33 n.Chr., Vertreibung der Hellenisten). Paulus betrieb von Antiochia aus seine Mission, die gerade Nichtjuden bekehren sollten, in Zypern, Kleinasien und Griechenland (1. Missionsreise ca.45/47, 2. Missionsreise 48/52, 3. Missionsreise 52/56). Das Jerusalemer Apostelkonzil (Aposteldekret 48 n.Chr.) bejahte nur einschränkend die Frage nach der Torafreiheit (bei rituellen Mindestanforderungen) und der Nichtbeschneidung nichtjüdischer Christusgläubiger sowie der (paulinischen) Völkermission (aber auch: judenchristliche Urgemeinde, antipaulinische Mission in Kleinasien und Griechenland). Das frühe Christentum, das sich aus mehreren Wurzeln speiste, geriet indes durch die Missionserfolge in die Rolle einer eigenständigen Religion zwischen Judentum und römischem Staat (Christenverfolgung im Reich Agrippas I. ca.43/44 n.Chr. [Flucht des Petrus], Edikt des Kaisers Claudius 49, Paulusbriefe [paulinische Theologie des Universalismus, der Abwendung vom Judentum, einer neuen Begrifflichkeit wie Evangelium und ecclesia]). Das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus in Rom (64 n.Chr., neronische Christenverfolgung) und der Jüdische Krieg mit der Eroberung Jerusalems und Zerstörung des jüdischen Tempels (70) bewirkten u.a. mit dem wohl damals eingetretenen Ende der Jerusalemer judenchristlichen Gemeinde eine Krise des frühen Christentums. Ergebnis und Chance der Krise war die Entstehung der Evangelien als neuer literarischer Gattung, des völkerchristlichen Markusevangeliums (ca.70 n.Chr.), des judenchristliches Matthäusevangelium (ca.90), der Apostelgeschichte (u.a. als Paulusbiografie) und des Evangeliums des "Historiografen" Lukas (ca.90/100); diesen Evangelien schlossen sich die Deuteropaulinen in der Tradition der Paulusbriefe (ca.70/100 n.Chr.) sowie die Briefe und das (in Christentum und Christusgeschehen [logos] einführende) Evangelium des Presbyters Johannes (1. Jahrhundert, Ende; johanneische Gemeinden, Doketismus) an. Auch das Judenchristentum bestand weiter (Matthäusevangelium, Jakobusbrief, Hebräerbrief?, Johannesoffenbarung, Didache). Das frühe Christentum insgesamt blieb weiterhin inneren und äußeren Gefährdungen ausgesetzt (Ausbleiben der Parusie und Parusieerwartung, innere Konflikte [soziale Unterschiede], Orthodoxie und Häresie, Abgrenzung vom Judentum, Kaiserkult und [lokale] Christenverfolgungen [unter Nero 64 n.Chr., Domitian [96], Trajan [110/12, Pliniusbriefe]). An der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n.Chr. wurde das Christentum vollends zu einer eigenständigen Religion mit seinen zum neutestamentlichen Kanon gehörenden Schriften zu Christologie und Kreuzestheologie, zu Glauben und Gott (Monotheismus, Christus als Inkarnation Gottes, frühes Christentum als "binitarische" Religion), zu (Nächsten-, Gottes-) Liebe (Dienen) und Eschatologie. Die Christengemeinden als Basis einer stark anwachsenden christlichen Religion (vornehmlich in Kleinasien, weiter in Syrien [Antiochia], Griechenland [Korinth], Italien [Rom], vielleicht in Ägypten [Alexandria] und Spanien) strukturierten sich weiter (ecclesia als Kirche; episcopos, Diakone als Ämter, Presbyter), christliche Gemeinden gab es vorwiegend in den Städten des römischen Reiches (Stadtreligion), das Christentum wurde auch auf Grund des Verschriftlichungsprozesses zu einer Bildungsreligion. Die Vernetzung innerhalb des Christentums und der Christengemeinden fand über Mission und neutestamentliche Schriften statt, theologische Richtungen innerhalb des Christentums standen in Zusammenhang mit den Schriften des Paulus, den synoptischen [Markus-, Matthäus-, Lukas-] Evangelien, dem Johannesevangelium (als Synthese von paulinischer Lehre und Markusevangelium), der Johannesoffenbarung. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts und im 1. Drittel des 2. Jahrhunderts n.Chr. verfestigte sich das Christentum zunehmend zum System der Alten Kirche mit ihren festen Strukturen (Bischof und Gemeinde, Ignatius von Antiochien). Es ist aber auch die Zeit der Herausbildung der Gnosis aus christlichem Umfeld (Menander, Satornil, Kerinth).
Zum Frühchristentum vgl. noch: Berger, Klaus (2002), Paulus (= BSR 2197), München 2002, 128 S., € 7,90; Bornkamm, Günther (1969), Paulus (= Urban Tb 119), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1969, 260 S., Karte, DM 7,20; Bultmann, Rudolf (1962), Das Urchristentum (im Rahmen der antiken Religionen), München-Zürich 51986, 259 S., DM 19,80; Leipoldt, Johannes, Grundmann, Walter (Hg.) (1976), Umwelt des Urchristentums, 3 Bde., Bd.I: Darstellung des neutestamentlichen Zeitalters, Berlin 61982, 568 S., Bd.II: Texte zum neutestamentlichen Zeitalter, Berlin 61982, 426 S., Karte, Bd.III: Bilder zum neutestamentlichen Zeitalter, Berlin 51982, 274 S., Abbildungen, zus. DM 60,-; Sanders, Ed P. (1999), Paulus. Eine Einführung (= RUB 9365), Stuttgart 1999, 179 S., DM 9,-; Schneemelcher, Wilhelm (1981), Das Urchristentum (= Urban Tb 336), Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1981, 220 S., DM 18,-; Theißen, Gerd (2002), Das Neue Testament (= BSR 2192), München 2002, 128 S., € 7,90. [Buhlmann, 06.2000, 03.2002, 03.2009, 09.2009, 09.2015]

Scholkmann, Barbara (1981), Die Grabungen in der evangelischen Mauritiuskirche zu Aldingen, Landkreis Tuttlingen, in: FBVFGBW 7, Stuttgart 1981, S.223-302. Für die Geschichte Aldingens, eines Ortes auf der Baar, bedeutsam sind die von der Archäologie ermittelten Fundschichten an bzw. unter der heutigen evangelischen Mauritiuskirche. Danach lassen (frühalemannische) Keramikfunde und Hinweise auf Bebauung (Grubenhaus, Pfostengruben, Feuerstelle) an eine alemannische Besiedlung Aldingens (Einzelgehöft oder Gehöftgruppe) noch im 4., vielleicht auch im beginnenden 5. Jahrhundert denken, während für den Zeitraum bis zum endenden 7. Jahrhundert keine Befunde vorliegen. Dies entspricht dem Fehlen von Reihengräberfriedhöfen in und um Aldingen. Für die Zeit um oder kurz nach 700 konnte die Existenz eines dreischiffigen Holzbaus als christliches Gotteshaus nachgewiesen werden. Zu dieser Holzpfostenkirche gehörten acht geostete Gräber ohne Beigaben; ein gemauertes Ewachsenengrab beträchtlicher Größe mit Kalksteinplatten als Abdeckung kann als Stiftergrab interpretiert werden. Die Gräber beherbergten wohl die verstorbenen Angehörigen einer am Ort ansässigen Familie, die eine sozial herausgehobene Stellung besaß. Somit stellt der früheste Aldinger Kirchenbau wahrscheinlich eine Eigenkirche dar, erbaut im Ort oder sogar innerhalb der Hofanlage dieser Familie. In der 2. Hälfte des 11. oder am Beginn des 12. Jahrhunderts entstand eine steinerne Saalkirche wohl mit Rechteckchor, die im 14./15. Jahrhundert um einen Westturm erweitert wurde. Ein dritter Kirchenbau aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und der vierte, heutige von 1719/20 sind dann frühneuzeitlich. Das Mauritiuspatrozinium der Aldinger Kirche, erstmals 1541 genannt, könnte in das frühe Mittelalter zurückreichen und mit dem Mauritiuskult der Klöster St. Gallen und Reichenau zusammenhängen. Die Abfolge der vier Kirchenbauten verweist schließlich auf die Siedlungskontinuität Aldingens von der Zeit um 700 bis heute; ob es solch eine Kontinuität zwischen der Siedlung des 4./5. Jahrhunderts und der um 700 gegeben hat, lässt sich nicht ermitteln. [Buhlmann, 07.2013]

Scholkmann, Barbara, Lorenz, Sönke (2000), Von Citeaux nach Bebenhausen. Welt und Wirken der Zisterzienser, Tübingen 2000 > Z Zisterzienser

Schollmeyer, Patrick (2005), Römische Plastik. Eine Einführung, Darmstadt 2005 > R Römische Kunst

Schollmeyer, Patrick (2008), Römische Tempel. Kult und Architektur im Imperium Romanum, Darmstadt 2008 > R Römische Kunst

Scholtz, Harald (1957), Evangelischer Utopismus bei Johann Valentin Andreä. Ein geistiges Vorspiel zum Pietismus (= DWG 42), Stuttgart 1957, VIII, 103 S., DM 6,30. Der protestantische Theologe [und Mathematiker] Johann Valentin Andreä (*1586-†1654; aus Herrenberg, Sohn eines Pfarrers) gilt mit seinen Schriften als Vordenker des württembergischen Protestantismus und Pietismus. Gerade seine Traktate aus den Jahren 1614 bis 1620 - allesamt in Latein verfasst - richteten sich an gebildete Protestanten und sollte ihnen einen "evangelischen Utopismus" (als Leitbild einer Sozialordnung) nahebringen, eine durch das Evangelium bestimmte christliche Gesellschaftsordnung, die auch vorbildhaft auf den einzelnen Gläubigen als christlichen Menschen wirken sollte. Die Schriften stehen auf evangelisch-lutherischer Grundlage (Seelenfrieden und -heil, irdische Wohlfahrt) und gehören im Schnittpunkt von protestantischer Orthodoxie und Mystik, von Humanismus und Spiritualismus ins Vorfeld des Pietismus. > Lateinische Literatur > A Andreä, Johann Valentin [Buhlmann, 05.2015]

Schottmann, Jochen (2003), Der Prozess um Kaiserswerth und den dortigen Rheinzoll vor dem Reichskammergericht 1596-1767. Eine Auswertung der Prozessakten, in: DJb 74 (2003), S.105-178 > K Kaiserswerth

Schramberg, Ort im Mittelschwarzwald: I. Der Ort Schramberg taucht erst spät, zum Jahr 1251 in den historischen Quellen auf als Shrannenberc. Im hohen und späten Mittelalter sind zahlreiche Adelsfamilien in und Schramberg nachweisbar: Herren von Ramstein, Herren von Falkenstein (Burgen Ramstein, Falkenstein), Ritter von Schilteck, Herren von Wartenberg-Wildenstein, von Ow, von Neuneck auf Schilteck, von Emershofen (Burg Schilteck), Herren von Rechberg (Burg Schilteck, Hohenschramberg). Die Herrschaft Schramberg wurde von Hans von Rechberg (†1464) begründet, der aus den ehemaligen Herrschaftsgebieten der Falkensteiner, Ramsteiner und Schiltecker ein reichsunmittelbares Territorium formte. Letzteres hatte auch nach 1464 Bestand, als Hans' Sohn Ludwig von Rechberg (†1503/04) und seine Brüder dieses uneinheitliche Herrschaftsgebiet behaupteten und erweiterten, etwa im Gebiet der ehemaligen Ritterherrschaft Schilteck (1496) oder mit dem Ausbau der Burg Hohenschramberg. Ludwigs Sohn Hans (II.) (1504-1526) bemühte sich nach Auseinandersetzungen mit der Reichsstadt Rottweil (1512/13) seit 1514 indes um den Verkauf der Herrschaft, die schließlich im Jahr 1526 an seinen Schwager Hans von Landenberg (1526-1540) für 11000 Goldgulden veräußert wurde. Die sog. Landenbergische Fehde der Landenberger mit der Reichsstadt Rottweil (1538-1541) leitete das Ende der landenbergischen Herrschaft über Schramberg ein, das an Rochus Merz von Staffelfelden (†1563) gelangte (1547; Merzsches Urbar 1547/49). Zwischen 1571 und 1583 war die Herrschaft Schramberg im Besitz von Sebastian und Gottfried Zott von Berneck, im Jahr 1583 erfolgte der Übergang Schrambergs an das Haus Habsburg-Österreich; Graf Wilhelm von Zimmern (1583-1594) wurde mit der nun vorderösterreichischen Herrschaft belehnt. Politisches Zentrum der Herrschaft Schramberg war die Burg Hohenschramberg. Daneben gab es die Streusiedlungen der Talschaften, die sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts zunehmend als Gemeinden organisierten. Lauterbach und Sulzbach sind hier zu nennen (1497). Aichhalden und Mariazell - Letzteres Lehen des Klosters Reichenau - waren zur Herrschaft Schramberg gehörende Gemeinden mit (zeitweise klein-) städtischem Charakter. Die innere Gliederung des Territoriums in fünf bzw. sechs "Ämter und Vogteien" wurde von Rochus Merz grundgelegt, das Merzsche Urbar zum "Grundgesetz" der Landesherrschaft, die sich als "ritterschaftlicher Miniaturstaat" in Organisation und Verwaltung den anderen Territorien anpasste. II. Die Herrschaft Schramberg war zunächst Teil des habsburgisch-vorderösterreichischen Länderkonglomerats im deutschen Südwesten, 1648 gelangte sie an die Herren (später Reichsgrafen) von Bissingen-Nippenburg. In den Kriegen des 17. Jahrhunderts wurden Schramberg und Burg Hohenschramberg in Mitleidenschaft gezogen (1633, 1689). Im Jahr 1806 wurde der Ort württembergisch (Oberamt Oberndorf im Königreich Württemberg), die Industrialisierung des 19. und 20. Jahrhunderts (Uhrenindustrie, Firma Junghans) machte aus Schramberg eine Stadt (Stadtrechte 1867) in deutschem Kaiserreich, Weimarer Republik, "Drittem Reich" und der Bundesrepublik Deutschland (Bundesland Baden-Württemberg).
Schramberger Geschichte vermitteln: Buhlmann, Michael (2007), Schramberg im Mittelalter. Ein Lexikon. Vortrag "Mittelalterliche Klöster im Schwarzwald - Mönchtum, Siedlung und Herrschaft im Schramberger Raum" beim Museums- und Geschichtsverein Schramberg e.V., Schramberg, 21. Juni 2007, Essen 2007, 60 S., Karten, &eur; 6,-; Buhlmann, Michael (2011), Beiträge zur Geschichte Schrambergs im Mittelalter (= VA 55), Essen 2011, 44 S., € 4,- (mit den Beiträgen: Schramberg im Mittelalter; Das Kloster St. Georgen im Schwarzwald und die Herren von Falkenstein; Eine Urkunde des Gegenpapstes Calixt III. für das Kloster St. Georgen im Schwarzwald; Die Herren von Ramstein und Falkenstein in ihren Beziehungen zu Benediktinerklöstern im Schwarzwald und am Bodensee; Hans von Rechberg und die Herren von Klingenberg); Dambach, Oskar (1904), Schramberg. Ort und Herrschaft. Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Schramberg 1904, 187 S., Bildtafeln; Topographische Karte 1:25.000, hg. vom Landesvermessungsamt Baden-Württemberg: TK 25: 7716 Schramberg, Stuttgart 21997, Karte, € 5,40. [Buhlmann, 06.2007, 09.2011, 11.2015]

Schreiner, Klaus (1987), Hirsau, Urban II. und Johannes Trithemius. Ein gefälschtes Papstprivileg als Quelle für das Geschichts-, Reform- und Rechtsbewusstsein des Klosters Hirsau im 12. Jahrhundert, in: DA 43 (1987), S.369-430 > H Hirsau

Schreiner, Klaus (Bearb.) (1991), Hirsau. St. Peter und Paul, 2 Tle. (= Forschungen und Berichte der Archäologie in Baden-Württemberg, Bd.10,1-2), Stuttgart 1991 > H Hirsau

Schreiner, Klaus (1996), Maria - Jungfrau, Mutter, Herrscherin (= dtv 4707), München 1996 > M Maria (Heilige)

Schreiner, Klaus (2003), Maria. Leben, Legenden, Symbole (= BSR 2313), München 2003 > M Maria (Heilige)

Schreiner, Klaus, Meier, Ulrich (Hg.) (1994), Stadtregiment und Bürgerfreiheit. Handlungsspielräume in deutschen und italienischen Städten des Späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit (= Bürgertum, Bd.7), Göttingen 1994, 321 S., DM 76,-. Freiheit (libertas) ist die Freiheit der Stadt, der Kommune, der Bürgergemeinde von auswärtiger Herrschaft, es ist die Freiheit des Bürgers bei seinen wirtschaftlichen Aktivitäten, nicht so sehr bei der Mitgestaltung des politischen Umfelds innerhalb der Stadt (Konsens und Partizipation in einer Ständegesellschaft [Wahlen; Rat, Obrigkeit und Bürgerschaft]) (Klaus Schreiner, Ulrich Meier, Regimen civitatis. Zum Spannungsverhältnis von Freiheit und Ordnung in alteuropäischen Stadtgesellschaften). Bürgerliche Freiheitsvorstellungen, der konsensuale Charakter von städtischer Herrschaft von Bürgern für Bürger, die stadt- und ständespezifisch unterschiedliche Beteiligung der Bürger an der Herrschaft (Patriziat, Zünfte) werden offensichtlich im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Florenz (Ulrich Meier, Der falsche und richtige Name der Freiheit. Zur Neuinterpretation eines Grundwertes der Florentiner Stadtgesellschaft (13.-16. Jahrhundert); Ulrich Meier, Konsens und Kontrolle. Der Zusammenhang von Bürgerrecht und politischer Partizipation im spätmittelalterlichen Florenz), Köln (Gerd Schwerhoff, Die goldene Freiheit der Bürger: Zu den Bedeutungsebenen eines Grundwertes in der stadtkölnischen Geschichte (13.-17. Jahrhundert); Gerd Schwerhoff, Apud populum potestas? Ratsherrschaft und korporative Partizipation im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Köln), Augsburg (Uwe Heckert, "Im Zweifel für die Freiheit". Ein Mustergutachten Conrad Peutingers zu Bürgerrecht und Bürgeraufnahme im spätmittelalterlichen Augsburg; Jörg Rogge, Ir freye wale zu haben. Möglichkeiten, Probleme und Grenzen der politischen Partizipation in Augsburg zur Zeit der Zunftverfassung (1368-1548)) und Nürnberg (Valentin Groebner, Ratsinteressen, Familieninteressen. Patrizische Konflikte in Nürnberg um 1500). [Buhlmann, 12.2012]

Die Schriften zur Geschichte Essens, hg. v. Michael Buhlmann, beleuchten verschiedene Aspekte der Geschichte von Stift und Stadt Essen vorzugsweise im Mittelalter. Bisher sind erschienen: SGE 1 (2015): Buhlmann, Michael, Essen und Werden - Anfänge, Geschichte und Beziehungen zweier geistlicher Gemeinschaften im Mittelalter, Essen 2015 > B Buhlmann, Werden und Essen; SGE 2 (2015): Buhlmann, Michael, Essen und Gerresheim - Äbtissinnen und Stiftsfrauen an zwei Frauengemeinschaften des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Essen 2015 > B > Buhlmann, Essen und Gerresheim; SGE 3 (2016): Buhlmann, Michael (2016), Frauengemeinschaft Rellinghausen in Mittelalter und früher Neuzeit, Essen 2016 > R Rellinghausen; SGE 4 (2016): Buhlmann, Michael (2016), Frauengemeinschaft Essen im Mittelalter - Geschichte und Genealogie, Essen 2016 > Buhlmann, Frauengemeinschaft Essen. [Buhlmann, 11.2015, 06.2016]

Schroer, Hans (1991), Rellinghausen und seine Geschichte, Essen 1991 > R Rellinghausen

Schubert, Ernst (1996), Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter (= EdG 35), München 1996 > A Adel

Schubert, Ernst (2003), Dies diem docet. Ausgewählte Aufsätze zur mittelalterlichen Kunst und Geschichte in Mitteldeutschland, hg. v. Hans-Joachim Krause (= QFGSA 3), Köln-Weimar-Wien 2003, 505 S., 142 Abbildungen, € 9,90. I. Der Westchor im stauferzeitlichen Naumburger Dom entstand durch Beseitigung der benachbarten Marienstiftskirche und durch die Einbeziehung der dortigen Kanoniker, die den Westchor als Kirche erhielten; der nach 1249 entstandene Westchor mit seinen Stifterfiguren war auch Grablege der ekkehardinischen Markgrafen als hier bestattete primi fundatores (Naumburger Urkunde von 1249). Der frühgotische Westchor wurde in den 1260er-Jahren durch einen Lettner vom Rest des Doms abgetrennt; dieser trennte aber eher zwei Kirchen voneinander, als dass er die Funktion eines Lettners besaß (Ernst Schubert, Der Westchor des Naumburger Doms. Ein Beitrag zur Datierung und zum Verständnis der Standbilder; Ernst Schubert, Der Westlettner des Naumburger Doms; Ernst Schubert, Zum ikonographischen Programm der Farbverglasung im Westchor des Naumburger Doms). II. Ernst Schubert, Der Naumburger Dreikönigsaltar. Ein historisch-philologischer Beitrag, beschäftigt sich mit der Dreikönigskapelle des Naumburger Doms, entstanden unter Bischof Gerhard II. von Goch (1409-1422) im oberen Stock einer doppelstöckigen Kapelle an der Vorhalle des Gotteshauses (Gemälde, Inschriften). III. Memleben, erstmals unter König Karl den Großen (768-814) erwähnt, ottonische Pfalz unter den Königen Heinrich I. (919-936), Otto I. (936-973), Otto II. (973-983) und Ottos III. (983-1002), Sterbeort Kaiser Ottos I. (973), verfügte unter Otto I. über eine Kirche (erbaut ab 942?), die Otto II. zum Benediktinerkloster erweiterte (Privileg Papst Benedikts VII. von 981), das im Jahr 1015 aufgehoben wurde; um 1200 entstand in Memleben ein Kirchenneubau, der die zerfallene ottonische Kirche ersetzte (Ernst Schubert, Zur Datierung der ottonischen Kirche zu Memleben; Ernst Schubert, Magdeburg statt Memleben?). IV. Eine Kirchenfabrikrechnung von 1367 verweist auf die Existenz eines baufälligen Paradieses am Westteil des Halberstädter Doms im 14. Jahrhundert, das bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht (Ernst Schubert, Besaß der Halberstädter Dom im 13. Jahrhundert eine Vorhalle?; Ernst Schubert, Zur Geschichte des Halberstädter Dombaus. Aus der Baurechnung vom Jahre 1367). V. Der Magdeburger Reiter, das 1238 errichtete Symbol bischöflicher Stadtherrschaft (im Auftrag des Königs), fußte vielleicht auf einem "Urbild" einer Statue Kaiser Ottos I., wurde zu einem Rechtsdenkmal der bürgerlichen Freiheiten (adventus regis), wurde wohl 1377 im Zuge des Magdeburger Besuchs Kaiser Karls IV. (1347-1378) "modernisiert" (Kaiser und Kurfürsten als Garanten der städtischen Privilegien) und im 16. Jahrhundert ein Denkmal des Gründers Magdeburgs (Ernst Schubert, Magdeburg und der Magdeburger Reiter). VI. Der 955 begonnene (die frühere Kirche des Klosters St. Mauritius ersetzende) Neubau der Magdeburger Kirche (Erhebung zum Erzbistum: Dom, 968) war Grablege für Edith (†946), Ottos des Großen erster Frau, und Otto selbst (†973; Krypta, Reliquiengrab). Den Umbauten im 11. Jahrhundert (Krypta) folgte nach dem Stadtbrand von 1207 der staufische Neubau des Doms (Grundsteinlegung 1209, Errichtung des Langhauses bis 1363) (Ernst Schubert, Der ottonische Dom in Magdeburg. Die Umbauten der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts nach literarischen Quellen; Ernst Schubert, Der ottonische Dom in Magdeburg. Die Baugeschichte und die Angaben der literarischen Quellen über die Bestattungen Kaiser Ottos I. und seiner Gemahlin Edith; Ernst Schubert, Der Magdeburger Dom. Ottonische Gründung und staufischer Neubau; Ernst Schubert, Thietmar von Merseburg über Kaiser Otto den Großen und Magdeburg; Ernst Schubert, Imperiale Spolien im Magdeburger Dom). VII. Nach Ernst Schubert, Der Westchor des Naumburger Doms, der Chor der Klosterkirche Schulpforta und der Meißener Domchor, sind aus stilistischen Gründen Naumburger Westchor und Chor des Zisterzienserkloster Pforta annähernd gleichzeitig entstanden, der Chor des Meißener Doms später. VIII. Ernst Schubert, Epigraphik und Kunstgeschichte - die Grabplatte König Rudolfs von Schwaben im Merseburger Dom, beschäftigt sich mit Grabplatte und Inschrift des (Gegen-) Königs Rudolf von Rheinfelden (1077-1080) (Bronzeguss der Grabplatte und des Werdener Kruzifix, Zusammengehen von Skulptur und Inschrift der Grabplatte, Ikonografie der Grabplatte). IX. Ernst Schubert, Drei Grabmäler des Thüringer Landgrafenhauses aus dem Kloster Reinhardsbrunn, behandelt die nach 1292, um 1300 ausgeführten Grabmäler der Landgrafen Ludwig des Springers (†1123; Klostergründer), Ludwigs III. (†1190), Ludwigs IV. des Heiligen (†1227), Adelheids (†1110), Ludwigs I. (†1140), Hermanns II. (†1241) und Ludwigs des Eisernen (†1172) (Grabmale als Hochreliefs, Grabinschriften, Gedächntisgrabmäler; Erneuerung der ursprünglichen Gräber nach dem Brand des Klosters 1292). X. Ernst Schubert, Inschrift und Darstellung auf Quedlinburger Äbtissinnengrabsteinen des 12. und 13. Jahrhunderts, führt an Grabmälern auf: Grabsteine der Äbtissinnen Adelheid I. (999-1043), Beatrix (1044-1062) und Adelheid II. (1062-1095) (12. Jahrhundert, Beginn), Grabstein und Inschriften der Äbtissin Agnes II. von Meißen (1184-1203) sowie der Gertrud von Amfurt (v.1233-1270). XI. Das inschriftlose Grabmal des Ritters (Hermann?) von Hagen (Stiftung von Grundbesitz an die Merseburger Kirche 1242) ist (daher?) auf die Jahre 1245/51 zu datieren (Ernst Schubert, Das Grabmal des Ritters von Hagen im Merseburger Dom). XII. Ernst Schubert, Memorialdenkmälern für Fundatoren in drei Naumburger Kirchen des Hochmittelalters, führt auf: die Stiftergrablege Markgraf Ekkehards I. (†1002) und seiner Ehefrau Swanhild im Naumburger Georgenkloster; den hochgotischen Memorialgrabstein des Naumburger Bischofs Richwin (†1125) im Naumburger Moritzkloster, das Richwin von einem Nonnenkloster zu einem Chorherrenstift umgestaltete; die Stifterstandbilder im Westchor des Naumburger Doms. XIII. Im 1137 gegründeten Zisterzienserkloster (Schul-) Pforta weist der Kirchenbau von 1251/68 zwei Inschriften auf: die Bauinschrift der Grundsteinlegung 1251, eine Inschrift an der Westfassade mit Verweis auf ein Kruzifix im Giebel und darin enthaltenen Reliquien (13. Jahrhundert, 3. Viertel) (Ernst Schubert, Zwei Inschriften an der Klosterkirche zu Schulpforta). XIV. Die Klosterkirche von Schulpforta weist als Nischen- (Arkosol-, Bogen-) Gräber auf: (wahrscheinlich?) das Grab des gräflichen Stifters Bruno vom Pleißengau und ein Kenotaph des Naumburger Bischofs Udo I. (†1148) (Ernst Schubert, Die Arkosolgräber im Sanktuarium der Zisterzienser-Klosterkirche in Schulpforta). XV. Nach Ernst Schubert, Die ältesten Personen-Denkmäler des Mittelalters in Sachsen, sind diesbezüglich vor dem Hintergrund mittelalterlicher memoria und Totenfürsorge zu nennen: das Grab- und Denkmal König Rudolfs von Rheinfelden (†1080), die drei Grabplatten der Quedlinburger Äbtissinnen Adelheid I., Beatrix, Adelheid II. (12. Jahrhundert, Anfang), das Grabmal des Magdeburger Erzbischofs Friedrich (1142-1152), der Goslarer Grabstein des Vogtes Giselbert (†1254/56). XVI. Ein kulturelles West-Ost-Gefälle ist konstatieren aus den gleichzeitigen Kirchenbaumaßnahmen in Köln (Gotik) und in Naumburg (Spätromanik mit Formen der Frühgotik) (Ernst Schubert, Individualität und Individualisierung in der Mitte des 13. Jahrhunderts: Die Naumburger Stifterstandbilder. Der Westchor des Naumburger und der Ostchor des Kölner Doms wurden gleichzeitig begonnen). [Buhlmann, 07.2013]

Schubert, Hannelore (1959), Die ersten Kirchen in Gerresheim, in: DJb 49 (1959), S.143-175 > G Gerresheim

Schubert, Hans (1912), Kleine Beiträge zur Geschichte der Stadt Gerresheim im Mittelalter, in: DJb 24 (1912), S.119-146 > G Gerresheim

Schütte, Bernd (2002), König Philipp von Schwaben. Itinerar - Urkundenvergabe - Hof (= MGH. Schriften, Bd.51), Hannover 2002 > P Philipp von Schwaben

Schütte, Leopold (1976), Wik. Eine Siedlungsbezeichnung in historischen und sprachlichen Bezügen (= Städteforschung A 2), Köln-Wien 1976, XLIX, 278 S., Liste von nordwesteuropäischen Wik-Namen, Karten, Beilagenkarten, DM 39,-. I. Orte mit Toponymen auf -wik sind weder auf (frühmittelalterliche) Kaufmannssiedlungen (Planitz u.a.), noch auf (hochmittelalterliche) "Weichbilder" (in Westfalen) (Kroeschell) zu beziehen. II. Ausgehend von der mittelalterlichen Bezeichung wik als Apellativum und Name, als Simplex, Bestimmungs- und Grundwort, ausgehend weiter von (vermeintlichen) sprachlichen Zusammenhängen (lat. vicus als "ländliche Gruppensiedlung", lat. villa als Einzelhofsiedlung; lat. vicus > wik ist falsch, -wik und [Lehnwort aus villa] -weiler entsprechen/ergänzen sich, wik als Femininum und Maskulinum), kann germ. wik, idg. *uiog, nhd. weich in den Zusammenhang von "eingehegter Raum, Ortschaft, Siedlung auf dem (Fest-) Land, schützender Ort, Umzäuntes, Abgegrenztes" gestellt werden. Der in der Karolingerzeit z.B. in Kapitularien auftretende Begriff vicus erklärt sich aus der Übertragung von wik ins Lateinische und hat die Bedeutung eines "(nicht-agrarische) Sonderrechts-, Immunitätsbezirks". Von daher sind Kaufleutesiedlungen, Handelsplätze mit wik-Toponym (Quentowik, Wijk bei Duurstede) nurmehr als Sonderrechtsbezirke, "Weichbilder" als grundherrschaftliche Immunitätsbezirke zu interpretieren. (Das wik in "Wikinger" führt auf die Interpretation der "Wikinger" als "Mannring".) [Buhlmann, 08.2006, 09.2014]

Schulte, Aloys (1907), War Werden ein freiherrliches Kloster?, in: WB 12 (1907), S.165-180 > W Werden

Schulte, Aloys (1910), Zu der Frage über den freiherrlichen Charakter von Werden und über das Bestehen eines Kollegiatkapitels daselbst. Eine Replik, in: WB 14 (1910), S.107-109 > W Werden

Schulte, Aloys (1923), Geschichte der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft (1380-1530), 3 Bde. (= Deutsche Handelsakten des Mittelalters und der Neuzeit, Bd.I-III), 1923, Nachdruck Wiesbaden 1964, XXI, 518, VIII, 315, XI, 532 S., DM 78,-. Welfischer Vorort, staufische Königsstadt, Reichsstadt - das waren die Etappen zur spätmittelalterlichen Stadt Ravensburg. Der Ort war schon früh exportorientiert, Ravensburger Kaufleute sind zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Italien bezeugt. Diese Fernkaufleute bildeten als Patriziat auch nach der Entstehung der Zünfte (ca.1330) und der Einführung der Zunftverfassung das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt (Patriziergesellschaft zum Esel 1396/97). Um 1380 schlossen sich unter Führung der Familie Humpis Fernhändler aus Ravensburg, dem Allgäu und dem Bodenseeraum zur Großen Ravensburger Handelsgesellschaft zusammen. Sitz der Gesellschaft war (seit 1420) Ravensburg, Filialen gab es in Memmingen und St. Gallen, Faktoreien (Kontore) waren im deutschen Reich, den Niederlanden, in der Schweiz, in Italien, Frankreich und Aragon vorhanden. Die Gesellschaft war besonders in Italien und auf den großen Messen (Champagnemessen, Brügge, Lyon, Frankfurt a.M., Nördlingen) vertreten. An der Spitze standen - zumindest zeitweise - drei Regierer aus einem Gremium von neun Gesellschaftern, die die bis zu 70 bis 80 an Handelsgeschäften beteiligten Personen repräsentierten. Ungefähr alle drei Jahre traf sich das Gremium zur Rechnungslegung, Gewinnermittlung und -verteilung. Gehandelt wurde mit einheimischem Leinen, Barchent, Textilien, Metallen und Spezereien. Die größte oberdeutsche Handelsgesellschaft geriet ab der Mitte des 15. Jahrhunderts auch wegen organisatorischer Mängel zunehmend in Schwierigkeiten, sie hatte noch bis 1530 Bestand. [Buhlmann, 10.2006, 06.2014]

Schulte, Wolfgang (1993), Die althochdeutsche Glossierung der Dialoge Gregors des Großen (= StAhd 22), Göttingen 1993 > S Studien zum Althochdeutschen

Schultz, Rudolf (1948), Die Staatsphilosophie des Nikolaus von Kues, Meisenheim am Glan 1948 > N Nikolaus von Kues

Schulze-Dörrlamm, Mechthild (1985), Germanische Kriegergräber mit Schwertbeigabe aus dem späten 3. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n.Chr. Zur Entstehung der Waffenbeigabensitte in Gallien, in: BRGK 32 (1985), S.509-569. Vor dem Hintergrund von römischer Spätantike und römisch-germanischem Mit- und Gegeneinander (Germanen im römischen Heer, Germaneneinfälle ins römische Reich) entwickelte sich ab der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts die Sitte der Waffen- oder Schwertbeigabe in Kriegergräbern als Brand-, Brandgruben- und Körpergräbern. Diese Sitte wurde u.a. von ostgermanischen Söldnern im römischen Heer - teilweise über Soldaten aus dem mittleren Donaugebiet - in den gallischen Raum übertragen. Am Niederrhein und in Nordgallien wirkten dabei vandalische, im Rhein-Main-Gebiet burgundische Kultureinflüsse; die Waffenbeigabensitte kam in Gallien gegen Mitte des 4. Jahrhunderts auf. Die Gräberinventare von Krieger- und Frauengräbern zeichnen sich dabei durch bestimmte Trachtbestandteile, Waffen und Gerätschaften aus (Kriegergräber: Spatha, Axt, eventuell Pfeil und Bogen, Schild, Gefäße, Eimer; Frauengräber: Schmuck, Fibeln, Münzen als Schmuck). [Buhlmann, 06.1988]

Schumacher, Meinolf (2010), Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters (= Einführung Germanistik), Darmstadt 2010, 160 S., € 9,90. Mittelalterliche (althoch-, mittelhoch-, mittelnieder-, frühneuhoch-) deutsche Literatur ist nur im medialen Umfeld von (fingierter) Mündlichkeit (Vortrag) und Schrift (Wachstafel [Polyptychon], Buch [Papyrus, Pergament, Papier, Rotulus, Kodex; Handschriften, Handschriftenillumination]) im Rahmen eines mittelalterlich-hermeneutischen "Sprach-, Schrift- und Weltverständnis"ses (mehrfacher Schriftsinn [Buchstabensinn, Allegorie, Typologie], Naturallegorese) begreifbar. Dichtung und Schreiben folgten (theoretisch) rhetorisch-poetischen Regeln (artes liberales; Rhetorikprogramm [Inventio, Dispositio, Elocutio, Memoria, Actio]); der Autor, soweit als Person erkennbar ("Autorisierung" eines Textes), stellt sich demütig und/oder stolz dar (Autorenbilder). Deutsche Literatur des Mittelalters ordnet sich dann ein in die Textformen von gebundener (Poesie) und ungebundener Sprache (Prosa), in die Hauptgattungen Lyrik, Epik und Dramatik. Mit der Poesie wird u.a. das Emotionale beim Rezipienten angesprochen, die literarischen Texte erscheinen, besonders innerhalb der Rhythmik eines mündlichen Vortrags, aus dem Alltag herausgehoben (Reime [Stabreim, Endreim]). Prosa (Fachprosa) gründet vielfach auf das Prosa einer lateinischen Vorlage, verbindet sich aber auch - damit zusammenhängend - mit einem Anspruch auf "Wahrheit" (Prosaauflösungen z.B. epischer Werke [15. Jahrhundert]). Deutsche Literatur des Mittelalters unterteilt sich in: a) mittelalterliche Epik (Stoffkreise Antikenroman [Alexanderroman, Eneasroman, Trojanerkrieg], Artus- und Gralsroman [Erec, Iwein, Parzival, Tristan], Heldenepik [Sagenkreise um Siegfried und Dietrich, Hildebrandslied, Nibelungenlied, Rolandslied], Minne- und Aventiureroman [Apollonius], Geschichtsdichtung und Weltchronistik [Kaiserchronik, Weltchronik des Rudolf vom Ems], Bibel- und Legendenepik [Heliand, Marienleben, deutsche Legenda aurea], Kleinepik [Märe, Schwank, Bîspel, Tierepos, Schwankroman]); b) mittelalterliche Lyrik (mittelhochdeutsche Lieddichtung als: Minnegesang der "hohen", "niederen" Minne, (politische) Sangspruchdichtung und Meistergesang, geistliche Lyrik); c) "Theater" (geistliches Spiel [Innsbrucker Osterspiel], weltliches Spiel [Neidhartspiel, Fastnachtsspiele]); d) Fachliteratur und Lehrdichtung (Artes-Literatur, Scahsenspiegel, Basler Rezepte), geistliche Prosa (Katechismen [Weißenburger Katechismus], Predigtbücher [Predigtbuch des Priesters Konrad, St. Georgener Predigten, Schwarzwälder Predigten, Leipziger Predigten], Literatur der Mystik [Meister Eckhart, Johannes Tauler], Offenbarungsbücher [Mechthild von Magdeburg]). [Buhlmann, 09.2013]

Schuncken, Albert (1865), Geschichte der Reichsabtei Werden an der Ruhr, Köln-Neuss 1865 > W Werden

Schuster, Hans-Joachim (1993), 1200 Jahre Reichenbach. Ein kurzer Streifzug durch die Geschichte der Heuberggemeinde, in: TutHbll NF 56 (1993), S.105-112. Am Anfang Reichenbacher Geschichte steht die keltische Besiedlung des Gebiets um das Bäratal (Heidentor der "Oberburg" als Kultplatz). Aus römischer Zeit stammen die Überreste eines Gutshofes (Gewann "Allmendsteige"). Zwei Friedhöfe bei Reichenbach (Gewanne "Scheibenbühl", "Angerwiesen") verweisen auf eine alemannische Besiedlung, die bis [mindestens] ins 7. Jahrhundert zurückreicht. Reichenbach wird als Rihinbah erstmals in Urkunde des Klosters St. Gallen vom 27. März 793 erwähnt (Schenkung und Leihe von Besitz in Reichenbach an das Kloster durch Graf Berthold, Ortsname "Reichenbach" als "wasserreicher Bach"; weitere St. Galler Urkunde zu 843). Ab dem 12. Jahrhundert beherrschten die Grafen von Hohenberg Reichenbach, mit dem Verkauf der Hohenberger Grafschaft (1381) wurde Reichenbach habsburgisch-vorderösterreichisch. Reichenbach gehörte nun zu den oberhohenbergischen Orten, die von Fridingen (bis 1688) bzw. Spaichingen (danach) verwaltet wurden. Gerade die Kriege der frühen Neuzeit (Dreißigjähriger Krieg [1635/36], Spanischer Erbfolgekrieg [1701-1714], napoleonische Kriege [1799]) schädigten das Dorf schwer. 1806 wurde Reichenbach württembergisch. Ab dem 17. Jahrhundert sind neben Landwirtschaft Erzgewinnung und Textilarbeit feststellbar, im 18. und 19. Jahrhundert wanderten aus Gründen der Armut nach Südosteuropa oder Nordamerika aus. Im Rahmen der Industrialisierung besserten sich die Lebensverhältnisse ab dem Ende des 19. Jahrhunderts (Mundharmonika-, Drehteileherstellung, einheitliche Wasserversorgung [1890], Elektrizität [1915]) bei nunmehr steigender Einwohnerzahl. [Buhlmann, 01.2013]

Schuster, Hans-Joachim (1996), Geschichte des Landkreies im Spiegel von Orts- und Siedlungsnamen, in: TutHbll NF 59 (1996), S.37-49. Der Beitrag befasst sich mit den (mittelalterlichen) Ortsnamen und Ortsnamentypen im Kreis Tuttlingen. Die typischen Namen auf -ingen sind zumeist patronymisch gebildet. Sie gehören zusammen mit den -heim-Namen im schwäbisch-alemannischen Raum zur ältesten mittelalterlichen Namenschicht und reichen größtenteils in die fränkisch-merowingische Zeit, ins 6. bis 8. Jahrhundert zurück, wobei sich feste Siedlungen und damit auch diese Siedlungen bezeichnende Ortsnamen wohl ab 400 n.Chr. auf der Baar und an der oberen Donau gebildet haben dürften. Die -heim-Namen gehen dabei wohl auf fränkische Einflüsse in Politik und Siedlung zurück (verkehrsgeografische Faktoren). Eine weitere Namenschicht bilden für das 7. Jahrhundert die Toponyme auf -statt, -weil, -hausen und -dorf, spätmerowingisch sind überwiegend Namen, die auf -stetten, -bach, -hofen enden, frühkarolingisch Namen mit dem Grundwort -weiler. Doch waren die meisten der hier aufgeführten Ortsnamentypen noch bis ins hohe Mittelalter produktiv. Hinzu kommen Ortsnamen auf Grund von geografischen Stellenbezeichnungen, schließlich sind noch Gebietsbezeichnungen wie Baar oder Schär zu nennen. Eine nach Ortsnamentypen alphabetisch geordnete Übersicht schließt den Beitrag ab, es fehlen Hinweise auf die den Ortsnamen zugrunde liegenden Geschichtsquellen. [Buhlmann, 12.2011]

Schuster, Hans-Joachim (1998), Geschichtliches zu zwei Amtsgebäuden in der ehemaligen Oberamtsstadt Spaichingen, in: TutHbll NF 61 (1998), S.27-39. Das 1683/88 in Spaichingen errichtete Gebäude des ehemaligen Oberamts steht für Spaichingen als Zentrum des vorderösterreichisch-oberhohenbergischen Obervogteiamts (1688-1805) bzw. des königlich-württembergischen Oberamts (1805-1938); ab den 1950er-Jahren ist das Haus Sitz des Spaichinger Polizeireviers. 1811 erhielt Spaichingen ein königlich-württembergisches Oberamtsgericht, die Stadt erbaute 1821/24 ein klassizistisches Gerichtsgebäude, das 1838 durch Kauf an das Königreich kam; mit einer Unterbrechung zwischen 1931 und 1951 (Aufhebung des Amtsgerichts 1931) ist das Spaichinger (Ober-) Amtsgericht bis heute in diesem Gebäude geblieben. [Buhlmann, 12.2011]

Schuster, Hans-Joachim (2003), 175 Jahre Stadtrechte Spaichingen, in: TutHbll NF 66 (2003), S.52-68. Der Beitrag bietet in Anschluss an die Schilderung der Irritationen um die Bezeichnung "Stadt" für Spaichingen (Spaichingen als Stadt im Bewusstsein der Bürger ab 1807, als Oberamtsstadt 1824, als Pfarrdorf 1828, mit Stadtprädikat auf Grund einer Weisung des württembergischen Königs vom 22. August 1828) eine kurze Ortsgeschichte vom Jahr 791 an mit Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert. [Buhlmann, 12.2011]

Schuster, Hans-Joachim (2003), 750 Jahre Mahlstetten, in: TutHbll NF 66 (2003), S.108-118. Der Ort Mahlstetten (auf dem Heuberg) wird "erstmals" zum Jahr 1253 in einem Schirmbrief erwähnt, der sich allerdings als Fälschung aus dem Augustinerchorherrenstift Beuron und aus dem 18. Jahrhundert darstellt, den Besitz des mittelalterlichen Klosters Beuron in Aggenhausen (heute abgegangen) und Mahlstetten in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts aber richtig wiedergibt. Der Liber decimationis des Bistums Konstanz erwähnt Aggahusen als Pfarrort; 1344 erscheint der Ort letztmals in den Geschichtsquellen. Dabei reichen Aggenhausen und Mahlstetten wohl in die alemannische Siedlungszeit des 7. und 8. Jahrhunderts zurück, worauf die beiden Ortsnamen auf -hausen und -stetten hindeuten; das Grundwort Mahl- kann dabei auf "mahlen" und "Mühle" oder auf "Mal" für "Gerichtsstätte" zurückgehen. Im 14. Jahrhundert gehörte Mahlstetten zur Herrschaft Mühlheim der Grafen von Zollern, dann zu der der Herren von Weitingen, ab 1409 zu der der Reichsritter von Enzberg, die sich im Bauernkrieg (1524/25) gegen ihre Untertanen durchsetzen konnten und auch reformatorische Entwicklungen unterdrückten, deren Herrschaftsrechte in Mahlstetten aber mit denen der Habsburger (Vorderösterreich) konkurrierten. 1806 fiel die enzbergische Herrschaft an das Königreich Württemberg; das 19. und 20. Jahrhundert verlief dann für Mahlstetten im württembergisch-schwäbischen Rahmen. [Buhlmann, 01.2012]

Schuster, Hans-Joachim (2008), Alamannische Besiedlungsgeschichte an der oberen Donau im Spiegel der Ortsnamen, Urkunden und archäologischen Funde, in: TutHbll NF 71 (2008), S.13-27. Die Geschichtsquellen zum frühmittelalterlichen Besitz des Klosters St. Gallen (und eingeschränkt der Abtei Reichenau), die auf das frühe Mittelalter zu beziehenden Ortsnamen vorzugsweise auf -ingen und -heim sowie archäologische Funde wie Reihengräberfriedhöfe lassen eine alemannisch (-fränkische) Siedlungsgeschichte an der oberen Donau erkennen: Alemannische Besiedlung ist hier ab dem 4. Jahrhundert erkennbar (Kriege zwischen Alemannen und Römern), Siedlungsunterbrechungen kommen häufig vor, vom endenden 5. bis zum 7./8. Jahrhundert weisen Reihengräberfriedhöfe auf benachbarte (feste) Siedlungsplätze hin, das Ende dieser Friedhöfe an der Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert zeigt die zunehmende Christianisierung Alemanniens an. Fränkische Einflüsse auf das Gebiet an der oberen Donau sind für die Zeit ab dem 6./7. Jahrhundert nachweisbar (Grabfunde); ob die frühmittelalterlichen -heim-Orte in Zusammenhang mit der verstärkten politischen Durchdringung Alemanniens durch die Franken (in der frühen Karolingerzeit, im 8. Jahrhundert) stehen, ist unklar. [Buhlmann, 12.2011]

Schwarz, Michael Viktor, Giotto (= BSR 2503), München 2009, 128 S., Schwarzweißabbildungen und Farbtafeln, € 7,90. Giotto (†1337), der bedeutende Maler zwischen Mittelalter und Renaissance, studierte die Natur, um die christlich-biblische Malerei neu und sinnlich intensiver erfahrbar zu machen. Giotto malte in und für seine Heimatstadt Florenz, hatte aber auch Auftragsgeber in Rom, Assisi, Padua und Neapel (Assisi, Oberkirche: Franziskuszyklus [1294/98]; Florenz: Tafelkreuz [ca.1300], Bardikapelle [ca.1320]; Padua: Arenakapelle [1303/06] u.a.). [Buhlmann, 12.2011]

Schwarzmaier, Hansmartin (1962), Mittelalterliche Handschriften des Klosters Ottobeuren. Versuch einer Bestandsaufnahme, in: SMGB 73 (1962), S.7-48 > O > Ottobeuren

Schwarzmaier, Hansmartin (1979), Neudingen und das Ende Kaiser Karls III., in: FBAMBW 6, Stuttgart 1979, S.39-46. Das letzte Lebens- und Regierungsjahr Kaiser Karls III. (876-888) wurde überschattet von der Krankheit des Herrschers (Epilepsie?, Kopfoperation) und ist vor dem Hintergrund auch der politischen Streitigkeiten um die Ersetzung Bischofs Liutward von Vercelli (879/80-899) durch den Mainzer Erzbischof Liutbert (863-889) als wichtigsten Berater des Kaisers (Mai/Juni 887) zu sehen. Dem Zeugnis der Urkunden nach hielt Karl im Mai 887 einen Hoftag in Waiblingen ab, begab sich über (Efringen-) Kirchen (Mai/Juni) und St. Gallen ins vorarlbergische Lustenau (Juli/September). Von dort brach der Kaiser nochmals auf, um über Waiblingen Frankfurt zu erreichen. In Frankfurt verschworen sich die Großen des Ostfrankens gegen den Herrscher, der sich nach Tribur zurückzog (11. November), um dort auch von seinen Anhängern verlassen zu werden. Nun ist eine auf König Karl den Großen (768-814) gefälschte Urkunde des Bodenseeklosters Reichenau vom angeblich 17. November 780 in Wirklichkeit eine überschriebenes Diplom Kaiser Karls III. vom 17. November 887 (die Datierung dieses Diploms blieb einzig teilweise erhalten). Damit ist dieses weitgehend wegrasierte Diplom die letzte erhaltene Urkunde aus der Regierungszeit des Kaisers; es soll in Sandhofen ausgestellt worden sein, das der Kaiser über das benachbarte Reichskloster Lorsch erreicht hatte. In Sandhofen, am Rhein gelegen, lag Königsgut, bevor dieses ans Reichskloster Lorsch kam. Das in Sandhofen ausgestellte Diplom Karls für die Reichenau passt dann wohl auch zu der dem Kaiser als Aufenthaltsort zugewiesenen Insel im Bodensee (Klosterhaft oder Alterssitz [standesgemäßer Aufenthalt, mit Gefolge]). Von Sandhofen hat sich der abgesetzte Kaiser aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Neckar nach Süden begeben; vielleicht feierte er in Waiblingen Weihnachten, vielleicht endete die Schiffsreise in Rottweil. Anfang des Jahres 888 ist Karl auf jeden Fall am Königshof Neudingen zu finden, dessen Güter wahrscheinlich dem Kaiser durch König Arnulf (887-899) zugewiesen worden waren und das dennoch wohl nur eine Zwischenstation des Todkranken gewesen war, war doch die Reichenau das Ziel des Letzteren und damit jene Datei, die Karl bis zuletzt begünstigt hatte. Letztlich ist aber der Kaiser am 13. Januar 888 in Neudingen verstorben; der Leichnam wurde auf der Reichenau bestattet. Das karolingische Königsgut auf der Baar war schließlich teilweise auf Neudingen/Donaueschingen, auf Rottweil oder Bodman ausgerichtet. [Buhlmann, 11.2013]

Schwarzmaier, Hansmartin (1994), Uta von Schauenburg, die Gemahlin Welfs VI., in: ZGO 142 (1994), S.1-17 > A Allerheiligen

Schwarzmaier, Hansmartin (1996), Abt Rupert von Ottobeuren (1102-1145) und seine Zeit, in: SMGB 107 (1996), S.299-317 > R Rupert von Ottobeuren

Schwarzrheindorf, Kapelle, mittelalterlich-frühneuzeitliche Frauengemeinschaft: I. Der Kölner Erzbischof Arnold II. von Wied (1151-1156) muss schon in den 40er-Jahren des 12. Jahrhunderts mit dem Schwarzrheindorfer Kirchenbau begonnen haben. Dafür schien ihm Eigenbesitz südlich der Siegmündung das geeignet zu sein. Die Wieder Grafenfamilie besaß in Schwarzrheindorf einen befestigten, burgähnlichen Herrenhof. Unmittelbar daran sollte sich im Süden die Hauskapelle Arnolds anschließen. Es entstand weitgehend bis zum Jahr 1151 die bemerkenswerte, in ein Unter- und Obergeschoss gegliederte Doppelkapelle von Schwarzrheindorf, ein romanischer Zentralbau. Die Weihe der Kapelle folgte - in Anwesenheit König Konrads III. (1138-1152) - am "Tag von Schwarzrheindorf" (24. April 1151, Weihinschrift). Die Doppelkirche, der Gründungsbau von 1151, hatte einen kreuzförmigem Grundriss mit annähernd gleichen Kreuzarmen und einer östlichen Apsis. Ober- und Untergeschoss der zweigeteilten Kirche waren und sind auch heute noch durch eine oktogonale Öffnung miteinander verbunden. Die Zweiteilung macht sich aber nicht nur im Kircheninnern bemerkbar. Auch von außen erkennt der Betrachter, dass der ungegliederten Fassade des Untergeschosses mit den einfachen Rundbogenfenstern ein reich gestalteter Oberbau entgegensteht. Das Untergeschoss war sowieso durch die Mauer des Herrenhofes bzw. später auch durch die Gebäude der Frauengemeinschaft zum größten Teil verdeckt gewesen, das Obergeschoss sollte aber allen sichtbar sein. Demgemäß sind am Oberbau eine Zwerggalerie mit ihren Säulen, Kapitellen und Simsen, oberhalb davon Lisenen und Rundbogenfriese, Vierpassfenster und Fenster in Lilienform zu sehen. An den Giebeln der im rechten Winkel zur Apsis stehenden Kreuzarme sind Muldennischen zu erkennen. Gekrönt wird der Oberbau schließlich durch einen damals wohl nur einstöckigen quadratischen Mittelturm mit seinen Lisenen und Rundbogenfriesen. Die Baumaßnahmen nach dem Tode Arnolds von Wied (1156) unter dessen Schwester, der Gerresheimer und Essener Äbtissin Hadwig von Wied (†v.1172?/76), erbrachten dann die Verlängerung des westlichen Kreuz-arms hin zum doppelgeschossigen Langhaus. Dabei war Hadwig bemüht, die Formenvielfalt des ursprünglichen Oberbaus auch auf den Oberbau des Langhauses zu übertragen. Zentraler Punkt im Kapelleninneren war und ist zweifellos die oktogonale Öffnung, die die Geschosse miteinander verband und vielleicht mit Doppelgeschossigkeit, Thron und Empore herrschaftlich-imperial die Aachener Marienkapelle zitierte. Auch die noch heute bestehenden Wandmalereien des Untergeschosses passen in dieses Interpretationsschema. Fünf Kreuzgewölbe mit insgesamt 20 Feldern illustrieren die Visionen des biblischen Propheten Hesekiel, die die Belagerung Jerusalems, die Verbannung und Gefangenschaft der von Gott abgefallenen Juden und den Aufbau eines neuen Jerusalems zum Inhalt haben. Weibliche Kriegergestalten sind neben den vier Bildern von (nicht benannten) Herrschern in den Muldennischen zu finden. Die Bemalung weist eine einheitliche Thematik auf, die etwa mit der Auswahl und Deutung des Hesekiel-Textes durch Abt Rupert von Deutz (1121-1129) oder der Frage nach der Erneuerung von Reich und Kirche bei Hildegard von Bingen (†1179) in Beziehung zu setzen ist. Auch die von Hadwig veranlassten, auf die Zeit um 1170 zu datierenden Wandgemälde im Obergeschoss der Kapelle können eschatologisch gedeutet werden. Die Apsiskuppel zeigt Christus als Weltenrichter mit Kreuznimbus, geschlossenem Buch und Saphirthron. Ihm zu Füßen liegen "anbetend hingestreckt" die beiden Stifter der Kirche: Arnold links, Hadwig rechts in Bischofs- bzw. Äbtissinnentracht. Umgeben sind Christus und die Kirchengründer von einer Schar von Heiligen, und zwar von den Kirchenpatronen der Gotteshäuser, denen die Geschwister vorgestanden haben. In Bezug auf Hadwig finden wir die Heiligen Cosmas und Damian für die Essener Kirche und für die Gemeinschaft in Gerresheim den heiligen Hippolyt. II. Die Kirche war dann der zentrale Bau der entstehenden Schwarzrheindorfer Frauengemeinschaft, als deren erste Äbtissin Sophia, eine Schwester Hadwigs, erscheint (ca.1170). Das Benediktinerinnenkloster, die Frauengemeinschaft hatte bis zur Säkularisation Ende des 18. Jahrhunderts Bestand.
An Literatur zu Schwarzrheindorf sei genannt: Verbeek, Albert (1963), Schwarzrheindorf. Die Doppelkirche und ihre Wandgemälde, Düsseldorf 1963, LXXVIII + 34 S., Abbildungen, DM 22,80. [Buhlmann, 10.2003]

Schwertheim, Elmar (2005), Kleinasien in der Antike. Von den Hethitern bis Konstantin (= BSR 2348), München 2005 > M Marek, Geschichte Kleinasiens

Schwineköper, Berent (1983), Das Zisterzienserkloster Tennenbach und die Herzöge von Zähringen. Ein Beitrag zur Gründungs- und Frühgeschichte des Klosters, in: Forschen und Bewahren. Das Etztäler Heimatmuseum in Waldkirch. Kultur- und landesgeschichtliche Beiträge zum Etztal und zum Breisgau, Waldkirch 1983, S.95-157 > T Tennenbach

Schwöbel, Hermann Otto (1968), Der diplomatische Kampf zwischen Ludwig dem Bayern und der römischen Kurie im Rahmen des kanonischen Absolutionsprozesses 1330-1346 (= QSVgDR 10), Weimar 1968 > L Ludwig der Bayer

Seeberg, Stefanie (2002), Die Illustrationen im Admonter Nonnenbrevier von 1180. Marienkrönung und Nonnenfrömmigkeit - Die Rolle der Brevierillustration in der Entwicklung der Bildthemen im 12. Jahrhundert (= Imagines Medii Aevi, Bd.8), Wiesbaden 2002 > A Admont

Seibert, Björn, Hoffmann, Manuela (2008), Professionelles Webdesign mit (X)HTML und CSS (= Galileo Computing), Bonn 2008, 366 S., Schwarzweißabbildungen, CD, € 29,90 > Kompendium Mittelalter > Geschichtsdarstellung: Homepage/Website [Buhlmann, 09.2015]

Seibert, Jakob (1972), Alexander der Große (= EdF 10), Darmstadt 21981 > A Alexander der Große

Seidelmann, Wolf-Ingo (1990), Das Kinzig-Donau-Projekt. Ein zweifelhaftes Unternehmen als Problem südwestdeutscher Verkehr- und Gewerbepolitik, in: ZGO 138 (1990), S.329-363. Das Kinzig-Donau-Projekt sollte die Flüsse Kinzig und Donau über einen Kanal miteinander verbinden. Es wurde im Rahmen einer südwestdeutschen Verkehrs- und Gewerbepolitik zwischen 1826 und 1836 auch in Baden verfolgt. Wie die anderen süddeutschen Territorien innerhalb des Deutschen Bundes versuchte das Großherzogtum durch künstliche Wasserstraßen und Kanalbauten die Industrialisierung zu fördern. Ausgangspunkt war das Bemühen miteinander konkurrierender französischer Unternehmer um eine Konzession für einen Kanalbau durch den Schwarzwald. Die badischen, württembergischen, hohenzollerschen und bayerischen Behörden waren mit den Planungen befasst, ohne dass es je zu einer realen Umsetzung des Projekts gekommen wäre. Letztlich scheiterte dieses an den verschiedenen Interessen der deutschen Staaten, an den Kosten und den Zweifeln an der technischen Ausführbarkeit. Projektiert wurden auch Kanalbauten zwischen Schiltach und Brigach (über den Brogen) und zwischen Nußbach und Brigach (über Sommerau; als rein badische Variante). [Buhlmann, 04.2007]

Selz, Gebhard J. (2005), Sumerer und Akkader. Geschichte, Gesellschaft, Kultur (= BSR 2374), München 2005 > F Frahm, Mesopotamien

Semmler, Josef (Hg.) (1991), Der Wald in Mittelalter und Renaissance (= SH 17), Düsseldorf 1991, 239 S., Schwarzweißabbidlungen, DM 49,80. I. Klimatologisch gesehen war Deutschland im Mittelalter waldreich, im frühen Mittelalter war bis zu 94% seiner Fläche bewaldet (Laubwald [Westen], Nadelwald [Mittelgebirge, Alpen], Au-/Bruchwald [der Gewässer]), ein Wechsel im Klima begünstigte seit der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert die auch hochmittelalterlichen Rodungstätigkeiten bei Bevölkerungswachstum (Schutz des Waldes), der spätmittelalterliche Bevölkerungsrückgang (Pest) begünstigte wiederum den Wald, dessen Ressourcen auch in der frühen Neuzeit durch Waldweide, Brenn- und Bauholz (Städte), Bergbau und Flößerei genutzt wurden und dessen Baumbestand sich verändern sollte (Armin Gerstenhauer, Die Stellung des Waldes in der deutschen Kulturlandschaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit). II. Russland lebte vom 7. bis 17. Jahrhundert n.Chr. von Gegensatz und Komplementarität zwischen den slawischen Acker- und Waldbauern der besiedelten Taiga einerseits sowie den nicht-slawischen Jägern, Fischern und Nomaden der nördlichen Tundra bzw. südlichen Steppe andererseits (Hans Hecker, Wald und Steppe im alten Rußland). III. Der Wald als vielfach herrschaftsfreier Raum war Ort mittelalterlicher Freiheit für geistliche Kommunitäten (Klöster und conversio) und für die Rodungen im Auftrag der Grundherren (König, Kirche, Adel) durchführenden Bauern (mit günstiger Rechtsstellung) (Rudolf Hiestand, Waldluft macht frei). IV. Der Wald war in der hochmittelalterlichen französischen und englischen höfischen Dichtung (Epik) ein unwirtlicher, den ritterlichen Normen entgegenstehender Ort, eine Gegenwelt zu fürstlichem Hof und courtoisie (Peter Wunderli, Der Wald als Ort der Asozialität. Aspekte der altfranzösischen Epik; Wilhelm Busse, Im Wald, da sind die Räuber ...). V. Forste wie der englische royal forest entstanden - u.a. seit der Karolingerzeit - durch königliche Einrichtung und Abgrenzung, eben durch Einforstung von Waldgebieten und herrenlosem Ödland. Jagd und Fischfang waren im Forst verboten, Rodung und Eichelmast unterlagen Beschränkungen; Aufseher (forestarii) überwachten den Forst. Im weiteren Verlauf zersplitterte die Forsthoheit. Nutzungsrechte am Forst kamen auf; der sog. Wildbann beinhaltete nun u.a. das Jagdrecht, den Fischfang und die Kontrolle über Eichelmast und Rodung, der Forst wurde zum Wald. Forst und fremder Grundbesitz schlossen sich übrigens nicht aus, der Forst konnte auch über fremden Besitz ausgedehnt werden; aber: ein königlicher Forst ohne ausreichende grundherrschaftliche Basis war auf Dauer kaum lebensfähig (Josef Semmler, Der Forst des Königs). VI. Der Wald in Mittelalter und früher Neuzeit wurde auch pharmakologisch genutzt (Hildegard von Bingen; Eiche, Ölbaum, Johannisbrotbaum als Lieferanten von Arzneien) (Hans Schadewaldt, Der Wald als Lieferant von Arzneimitteln). VII. In Dantes "Göttlicher Komödie" kommen der Höllenwald (der Selbstmörder), der Wald zwischen Purgatorium und Paradies und der Wald des Paradieses (Baum der Erkenntnis) vor (Marcella Roddewig, Der gerettete Wald in Dantes Göttlicher Komödie). VIII. Gerade in Renaissance und früher Neuzeit wird von Dichtern der melancholische Wald geschildert (Herbert Anton, Poetische Wälder der Schwermut). IX. Die Eiche wird im 18. und 19. Jahrhundert (Romantik) zum "deutschen Baum" (Klaus Lindemann, In den deutschen Eichenhainen webt und rauscht der deutsche Gott. Deutschlands poetische Eichenwälder). [Buhlmann, 11.2002, 09.2015]

Seneca, Ad Helviam matrem de consolatione. Trostschrift an die Mutter Helvia. Lateinisch/Deutsch, übers. v. Franz Loretto (2001) (= RUB 1848), Stuttgart 2001, 120 S., € 1,- > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, De vita beata, bearb. v. Gerhard Krüger (1950) (= Sammlung Klett. Altsprachliche Textausgaben), Stuttgart 21963, 32 S., DM 0,90 > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, Epistulae morales ad Lucilium. Briefe an Lucilius über Ethik. Lateinisch/Deutsch, übers. u. hg. v. Franz Loretto, Rainer Rauthe bzw. Heinz Gunermann: H.1: Liber I. 1. Buch (= RUB 2132), Stuttgart 1977, Nachdruck 1985, 88 S.; H.2: Liber II. 2. Buch (= RUB 2133), Stuttgart 1982, Nachdruck 1985, 104 S.; H.3: Liber III. 3. Buch (= RUB 2134), Stuttgart 1985, 96 S.; H.4: Liber IV. 4. Buch (= RUB 2135), Stuttgart 1987, 96 S.; H.5: Liber V. 5. Buch (= RUB 2136), Stuttgart 1988, 96 S.; H.6: Liber VI. 6. Buch (= RUB 2137), Stuttgart 1986, 94 S.; H.7: Liber VII. 7. Buch (= RUB 2139), Stuttgart 1990, 96 S.; H.8: Liber VIII. 8. Buch (= RUB 2140), Stuttgart 1991, 96 S.; H.9: Liber IX. 9. Buch (= RUB 2141), Stuttgart 1994, 101 S.; H.10: Liber X. 10. Buch (= RUB 2142), Stuttgart 1995, 72 S.; H.11: Libri XI-XIII. 11.-13. Buch (= RUB 2143), Stuttgart 1996, 127 S.; H.12: Liber XIV. 14. Buch (= RUB 9370), Stuttgart 1993, 128 S.; H.13: Liber XV. 15. Buch (= RUB 9371), Stuttgart 1996, 141 S.; H.14: Liber XVI. 16. Buch (= RUB 9372), Stuttgart 1997, 80 S.; H.15: Libri XVII et XVIII. 17.-18. Buch (= RUB 9373), Stuttgart 1998, 165 S.; H.16: Liber XIX. 19. Buch (= RUB 9374), Stuttgart 1999, 151 S.; H.17: Liber XX. 20. Buch (= RUB 9375), Stuttgart 2000, 135 S., zus. € 20,- > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, Moralische Briefe. Von der Vorsehung, übers. v. H.M. Endres (1977) (= Goldmann Klassiker, Nr.7509), München o.J. [1977], 159 S., DM 4,- > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, Naturales quaestiones. Naturwissenschaftliche Untersuchungen. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Otto Schönberger u. Eva Schönberger (1998) (= RUB 9644), Stuttgart 1998, 542 S., DM 22,- > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, Sämtliche Tragödien. Lateinisch und deutsch, übers. v. Theodor Thomann (1978) (= BdAW RR), Bd.1: Hercules Furens. Trojannerinnen. Medea. Phaedra. Octavia, Zürich-München 21978, 597 S., DM 47,- > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, L. Annaeus, Die Verkürbissung des Kaisers Claudius. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Anton Bauer (1981) (= RUB 7676), Stuttgart 1981, 90 S., DM 2,40 > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, L. Annaeus, Epistulae morales, hg. v. Gregor Maurach (1987) (= Schöningh Lateinische Klassiker. Text und Erläuterungen), Paderborn 1987, 142 S., DM 10,80 > Lateinische Literatur > S Seneca

Seneca, Lucius Annaeus, Von der Kürze des Lebens. Über den Zorn. Von der Muße, übers. v. H.M. Endres (1963) (= Goldmann (Klassiker), Nr.1391), München o.J. [1963], 152 S., DM 2,40 > Lateinische Literatur > S Seneca

Setzler, Wilfried (1976), Die Abtswahlen im Kloster Zwiefalten in den Auseinandersetzungen mit den Grafen von Wirtemberg, in: SMGB 87 (1976), S.339-383 > Z Zwiefalten

Setzler, Wilfried (1979), Kloster Zwiefalten. Eine schwäbische Benediktinerabtei zwischen Reichsfreiheit und Landsässigkeit. Studien zu ihrer Rechts- und Verfassungsgeschichte, Sigmaringen 1979 > Z Zwiefalten

Seyboth, Reinhard (1985), Die Markgraftümer Ansbach und Kulmbach unter der Regierung Markgraf Friedrichs des Älteren (1486-1515) (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd.24), Göttingen 1985, 481 S., € 8,-. I. Für die ursprünglich aus dem deutschen Südwesten stammenden Grafen von Hohenzollern wird im späten Mittelalter ein politischer Aufstieg im Rahmen von römisch-deutschem Reich und Territorienbildung erkennbar. Seit 1191 waren die Hohenzollern Burggrafen von Nürnberg, ab 1415/17 Markgrafen des Kurfürstentums Brandenburg. Nach Aufgabe der Nürnberger Burggrafschaft (1427) konzentrierten sich die Hohenzollern in Franken auf ihre Herrschaft über die Markgrafentümer Ansbach und Kulmbach. Wegweisend für die hohenzollerische Politik war der brandenburgische Kurfürst Albrecht Achilles (1440-1486) mit seinem Einsatz für Reichspolitik und Kaiser Friedrich III. (1440-1493) sowie der Schaffung eines hohenzollerischen politisch-dynastischen Netzwerks. Dem Haus Hohenzollern gelang dadurch der weitere politische Aufstieg. II. Die (mitunter fiktive) dynastische Einigkeit blieb auch für die Hohenzollern nach Albrecht Achilles zunächst politisch bestimmend. Gemäß der Dispositio Achillea (1473) sollten die Söhne des Achilles Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach (1486-1515) und Siegmund von Brandenburg-Kulmbach (1486-1495) die beiden Fürstentümer gemeinsam regieren - neben Johann Cicero von Brandenburg (1486-1499) im Kurfürstentum. Auch blieb der Einsatz der Hohenzollern im Reichs- und Königsdienst ungebrochen, während sie ihre Landesherrschaften in einer "Phase scharfen territorialpolitischen Wettbewerbs" behaupten und ausbauen konnten (territorium clausum besonders des Fürstentums Kulmbach). Insbesondere den hohenzollerischen Fürstenhöfen kam dabei eine wichtige Mittelpunktsfunktion in Hinblick auf die territoriale Verwaltung (Zentralisierungstendenzen, markgräfliche Räte), die hohenzollerische Außen-/Innenpolitik und die fränkische Adelsgesellschaft (Beziehungen der Markgrafen zu Grafen, Adligen, Rittern) sowie als Organ fürstlich-markgräflicher Repräsentation zu. In den "frühmodernen Territorialstaaten" war ebenfalls das "Polizeiwesen" mit seinen Verordnungen und Verboten bedeutsam und spielte in alle Lebensbereiche der fürstlichen Untertanen reglementierend hinein (wirtschaftlich-finzanzpolitische Maßnahmen [Münzwesen, Investitionen auch in den Landesausbau, höfische Repräsentation], fürstliche Güter- und Rechteverzeichnisse [Land-, Amts-, Sal-, Lehen-, Zinsbücher]). Markgraf Friedrich II. der Ältere hatte sich politisch zu kümmern um die Beziehungen zur Reichsstadt Nürnberg (Harrasischer Schiedsspruch 1496, Erfurter Vertrag 1502, Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05), um das Verhältnis zu den fränkischen Hochstiften Würzburg, Bamberg und Eichstätt, um das Verhältnis zu den bayerisch-wittelsbachischen Herzögen. Über die engeren hohenzollerischen Territorien hinaus wirkte die Wahl von Friedrichs Sohn Albrecht zum Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen (1511). Im Jahr 1515 kam es zu der von seinen Söhnen und von Personen des Hofes betriebenen Absetzung Friedrichs (Baiersdorfer Vertrag 1515); Friedrich wurde gefangen gesetzt und in der Plassenburg verwahrt, 1528 kam er frei, 1536 starb Friedrich. [Buhlmann, 02.2011]

SG = Sammlung Göschen

SGE = Schriften zur Geschichte Essens

SGS = Studien zur Germania Sacra

SH = Studia humaniora. Düsseldorfer Studien zu Mittelalter und Renaissance

SHKBAW = Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Sickel, Theodor (1861/82), Beiträge zur Diplomatik I-VIII, 1861-1882, Nachdruck Hildesheim-New York 1975, ohne durchgehende Seitenzahlen, € 49,80, umfasst die in den Sitzungsberichten der Philosophisch-Historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Wien 39, 47, 49, 85, 93 und 101 erschienenen Beiträge: I. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik I: Die Urkunden Ludwigs des Deutschen bis zum Jahre 859 (Urkundenaufbau, Datierung, Kanzler des Königs); II. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik II: Die Urkunden Ludwigs des Deutschen in den Jahren 859-876 (Kanzler des Königs, Urkundeneditionen, Urkundenverzeichnis); III. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik III: Die Mundbriefe, Immunitäten und Privilegien der ersten Karolinger bis zum Jahre 840 (merowingische Grundlagen, Urkunden Pippin des Jüngeren und Karls des Großen, Königsschutz und Immunität, Wandel unter Ludwig dem Frommen); IV. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik IV: Die Privilegien der ersten Karolinger bis zum Jahre 840 (merowingische Grundlagen, Urkunden Pippin des Jüngeren, Karls des Großen und Ludwigs des Frommen); V. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik V: Die Immunitätsrechte nach den Urkunden der ersten Karolinger bis zum Jahre 840 (Königsschutz und Immunität in den Urkunden Pippin des Jüngeren, Karls des Großen und Ludwigs des Frommen, Urkundeneditionen); VI. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik VI (vier Diplome Ottos I. für das Bistum Chur); VII. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik VII (Kanzler und Rekogneszenten in frühottonischer Zeit); VIII. Theodor Sickel, Beiträge zur Diplomatik VIIII (Datierungen in den Urkunden Ottos I.). [Buhlmann, 06.2015]

Siebenmorgen, Harald (Hg.) (1995), 750 Jahre Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal. Faszination eines Klosters (= Ausstellungskatalog), Sigmaringen 1995, 448 S., DM 68,-. Die Zisterze Lichtenthal war eine Gründung Irmengards, der Tochter des Pfalzgrafen Heinrich IV. (1195-1214) und der Ehefrau des badischen Markgrafen Hermann V. (1190-1243), und entwickelte sich nach der "Stiftung" von 1245 zum markgräflichen Hauskloster, nur wenig vom politischen Zentrum Baden-Baden entfernt. Die geistliche Gemeinschaft war bis 1372 fürstliche Grablege der badischen Markgrafen, bis sie ab 1391 diese Funktion an den Stiftskirche in Baden-Baden verlor. Als einziges badisches Kloster überstand Lichtenthal im Herrschaftsgebiet der (katholischen) Markgrafen von Baden-Durlach die Reformation. 1728 wurden die Klostergebäude erneuert. Die Zisterze wurde 1802 aufgehoben und säkularisiert. [Buhlmann, 04.2007]

Siedlungsforschung = Siedlungsforschung. Archäologie - Geschichte - Geographie

Sierck, Michael (1995), Festtag und Politik. Studien zur Tagewahl karolingischer Herrscher (= AKG Beih.38), Köln-Weimar-Wien 1995 > Z Zeit

Sierksma, Klaes (2000), Liudger Thiadgrimssohn. Herkunft und Familie. Versuch der Richtigstellung einiger im Laufe der Zeit entstandener Fehldeutungen der Viten Liudgeris, Essen-Werden [2000] > L Liudger

Sieroka, Norman (2014), Philosophie der Physik. Eine Einführung (= BSR 2803), München 2014, 127 S., € 8,95. I. Physik beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Wechselwirkung von Materie, was auch immer unter Materie zu verstehen ist. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte der Physik entstanden Modelle und Theorien zur Physik, die erkenntnistheoretische Motive und Perspektiven zu physikalischen Fragestellungen mit sich brachten. Die Physik ist mithin gerade im Laufe der letzten Jahrhunderte durch eine Mathematisierung, durch Erklärungsstrategien, durch ein bewusstes oder unbewusstes methodisches Vorgehen geprägt. II. Am Anfang einer Geschichte der Physik stehen - neben den altorientalischen Astronomen und deren Weltbeobachtung - die Vorsokratiker und griechischen Naturphilosophen mit ihrem erkenntnistheoretischen Übergang vom Mythos zum Logos, mit der Betrachtung der physis, der Natur (Begriff "Physik"; Elementarismus des Thales von Milet u.a., vier Elemente des Empedokles, Atomismus des Demokrit u.a. [7.-4. Jahrhundert v.Chr.]). Der griechische Mathematiker und Philosoph Pythagoras (ca.570-500 v.Chr.) und der Philosoph Platon (427-347 v.Chr.) stehen dann auch für eine mathematische Betrachtung von Physik; Zahlen und Symmetrien symbolisieren kosmos ("Ordnung") und "Harmonie", platonische Körper und die damit verbundenen Grundelemente bilden den Anfang einer wirkungsmaechtigen Entwicklungslinie innerhalb der Physik. Der Philosoph Aristoteles (384-322 v.Chr.) war den zweckursächlichen Kräften innerhalb der physikalischen Bewegungen empirisch auf der Spur (empeiria als Grundlage von [erkenntnistheoretischer] episteme und [handwerklicher] techne). Der Mathematiker Archimedes (287-212 v.Chr.) steht dann für Emperie und Experiment. III. In der frühen Neuzeit erfolgte die beginnende Mathematisierung der Physik auf Grund von Experiment und daraus abzuleitenden Naturgesetzen. Die drei Keplerschen Gesetze und ihre Symmetrien sind hierfür ein Beispiel (Johannes Kepler [1571-1630], Astronomia Nova 1609). Innerhalb der Bewegungslehre waren Galilei Galileo (1564-1642; Fallgesetze) und Isaac Newton (1643-1727; Principia Mathematica 1687 [Theorie der Kräfte, Gravitationsgesetz]) richtungsweisend, während für Rene Descartes (1596-1650; Ätherwirbeltheorie) geometrische Überlegungen bei der Beschreibung mechanischer Prozesse im Vordergrund standen, wogegen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) in seiner Schrift Specimen Dynamicum (1695) massive Einwände erhob (Ursache und Wirkung, wirkursächliche Zusammenhänge, Energien). Die frühneuzitliche Physik war dabei vielfach von angeblichen metaphysischen Grundvoraussetzungen abhängig. IV. Die moderne Physik des 19. bis 21. Jahrhunderts ist eine mathematisierte Physik, die mit einem "Verlust von Anschaulichkeit" einhergeht. Neben den makroskopischen Bereichen der Mechanik (Leonard Euler [1707-1783], Joseph-Louis Lagrange [1736-1813], William Rowan Hamilton [1805-1865]) und der (statistischen) Thermodynamik (James Clerk Maxwell [1831-1879], Ludwig Boltzmann [1844-1906]) traten die von Feldtheorien bestimmten Bereiche der Elektrodynamik/-magnetismus (Andre-Marie Ampere [1775-1836], Michael Faraday [1791-1836], Maxwell [Maxwell-Gleichungen], Heinrich Hertz [1857-1894], Gustav Mie [1868-1957]; elektromagnetische Wellen [Licht], Äther [Michelson-Morley-Versuch]) und der (speziellen, allgemeinen) Relativitätstheorie (Albert Einstein [1879-1955]; Theorie der Gravitation) zusammen mit dem Versuch einer vereinheitlichten Feldtheorie (Hermann Weyl [1885-1955]; euklidisch-riemannsche Geometrie), weiter die Quantenphysik des Atomaren (Max Planck [1858-1947, Plancksches Wirkungsquantum], Max Born [1882-1970], Erwin Schrödinger [1887-1961], Werner Heisenberg [1901-1976]; Quantenmechanik [Wahrscheinlichkeiten, schwache, starke Kraft]; Quantenchromodynamik/-elektrodynamik [Quarks, Elementarteilchen, Eichbosonen, Higgs-Teilchen]) und neuere Versuche der Vereinheitlichung (Stringtheorie, Supergravitation, Geometrie). V. Die Geschichte der Physik liefert dann philosophisch-erkenntnistheoretische Resultate zum Umgang mit physikalischen Sachverhalten in der Naturwissenschaft. Physikalische Begrifflichkeiten werden in der modernen Physik zu abstrakten Begriffen "symbolischer Konstruktion" (Ernst Cassirer [1874-1945], Weyl; "Feld" als mathematische Funktion, "Farbe" von Quarks usw.), die als "ideale Setzung" der Obejektivität verpflichtete physikalische Theorien beschreiben helfen. Theorien zeichnen sich dabei aus durch Vorhersagbarkeit, formale Einfachheit, Ähnlichkeit bei ähnlichen physikalischen Phänomenen (Weyl). Es gibt Übergänge (Spezialisierungen, Verallgemeinerungen) zwischen Theorien (Klassische Mechanik; Quanten-, Elektrodynamik, Quantenfeldtheorie [Standardmodell], spezielle, allegmeine Relativitätstheorie; Stringtheorie, Supergravitation, Quantengeometrodynamik). Moderne Theorien setzen dabei einen (abgeschwächten) Kausalitätsbegriff voraus, wonach das allgemeine Kausalitätsprinzip mathematische Formalisierbarkeit bedeutet und neben den Aussagen über Messungen und zu physikalischen Gesetzen sowie Prinzipien Physik erklärt (Cassirer; Heisenbergische Unschärferelation). Erklärungen von Physik seit der Antike können schließlich (vereinheitlichend) typisiert und systematisiert werden als mereologisch (Grundbestandteile der Materie), explanatorisch (Kräfte) und holistisch (Geometrisierung, Mathematisierung) mit Übergängen dazwischen (Darstellungsweisen [Hertz], Invarianzen und physikalische Symmetrien [Emmy Nöther]). Erkenntnisse in der Physik werden nicht zuletzt durch Experiment und Empirie vermittelt (theoretische Vorhersagen und physikalisches Experiment). [Buhlmann, 09.2015]

Sigismund, deutscher König und Kaiser: König Sigismund war der am 14. Februar 1368 geborene Sohn Kaiser Karls IV. (1347-1378) und der Elisabeth von Pommern. 1387 wurde er König von Ungarn, am 20. September 1410 erfolgte seine Wahl zum deutschen König - in Konkurrenz zu seinem etwas später gewählten Vetter Jobst von Mähren und zu seinem älteren, eigentlich als abgesetzt geltenden Bruder Wenzel (1378-1419). Nach dem Tod Jobsts (1411) ist Sigismund allgemein als König anerkannt worden. Am 8. November 1414 wurde der Luxemburger in Aachen zum König gekrönt. Von Anfang an stand die Regierung Sigismunds unter dem Dilemma, dass der König sich um zwei Reiche, Deutschland und Ungarn, zu kümmern hatte; die Niederlage gegen die Türken bei Nikopolis (1396) und innere Schwierigkeiten machten dabei Ungarn zu einem schwer zu beherrschenden Königreich. In Deutschland leitete Sigismund mit dem am 5. November 1414 eröffneten Konzil zu Konstanz (1414-1418) die Beendigung des Großen Schismas ein; die Wahl Papst Martins V. (1417-1431) brachte diesbezüglich den Abschluss. Die auf dem Konzil verfügte Verbrennung des wegen Ketzerei beschuldigten Jan Hus (6. Juli 1415) führte indes zu den nach 1419 in Böhmen eskalierenden hussitischen Wirren und damit zu Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Sigismunds Anspruch auf die böhmische Krone; die 1420er-Jahre waren vom Kampf des Königs gegen die Hussiten und um Böhmen bestimmt. Im Konflikt gegen die Kurfürsten (Binger Kurverein 1424, 1427) konnte sich Sigismund behaupten. Sein Aufenthalt in Ungarn (1426-1428) stabilisierte sein östliches Königreich gegen die angreifenden Osmanen. Zwischen 1431 und 1433 war Sigismund - als erster deutscher König seit Langem - in Italien zu finden; im Spätherbst 1431 erfolgte seine Krönung zum König von Italien in Mailand; am 31. Mai 1433 fand die Kaiserkrönung in Rom statt. 1436 gelang es Sigismund schließlich, als König von Böhmen anerkannt zu werden. Als Kaiser, deutscher, ungarischer und böhmischer König vereinigte er damit vier Kronen in seiner Hand. Die Jahre nach 1430 standen unter dem Zeichen der sog. Reichsreform, waren also verbunden mit dem Bemühen Sigismunds und seiner Räte um eine politische Reform im römisch-deutschen Reich (Friedenssicherung, Reform der Gerichtsbarkeit, Münz- und Geleitwesen, Sicherung der westlichen Grenze gegenüber dem "Zwischenreich" der burgundischen Herzöge). Diesbezügliche Verhandlungen zwischen König, Fürsten und Städten gestalteten sich aber mühsam und führten auch beim Reichstag zu Eger (Juli 1437) zu keinem Abschluss. Immerhin überdauerte die Idee einer Reichsreform Sigismund, wie nicht zuletzt die nach dem Tod des Kaisers verfasste Reformatio Sigismundi zeigt. Sigismund starb am 9. Dezember 1437 im mährischen Znaim. Er hinterließ seine einzige Tochter Elisabeth, die seit 1421 mit seinem Nachfolger Albrecht II. von Habsburg (1438-1439) verheiratet war.
Eine Biografie zu Sigismund ist: Hoensch, Jörg K. (1996), Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368-1437), München 1996, 625 S., Abbildungen, Karten, DM 86,-. [Buhlmann, 10.1998, 08.2014]

Signori, Gabriela, Maria zwischen Kathedrale, Kloster und Welt. Hagiographische und historiographische Annäherungen an eine hochmittelalterliche Wunderpredigt, Sigmaringen 1995 > M Maria (Heilige)

Slack, Paul, Die Pest (= RUB 19218), Stuttgart 2015, Schwarzweißabbildungen, Karten, € 6,80. Die in den letzten zwei Jahrtausenden drei Mal als Pandemie auftretende und die eurasiatische Menschheit heimsuchende Seuche der (Beulen-) Pest (Justinianische Pest ca.541-ca.750 [1. Epidemie: 541-544], Schwarzer Tod 1347-ca.1771 [1. Epidemie: 1347-1352], Pandemie in China und Indien ab ca.1894 [1. Epidemie: 1894-1922]) hat ihre Ursache im Krankheitserreger Yersinia pestis und in dessen Übertragung durch Nagetiere (Ratten) und Flöhe auf den Menschen, beeinflusst jeweils von klimatischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Besonders der Schwarze Tod im spätmittelalterlichen Europa (1347-1352, Folgeepidemien) kann auf Grund der relativ günstigen Quellenlage historisch beobachet werden. Dabei zeigt sich, dass von monokausalen "Schuldzuweisungen" an die Pest Abstand zu nehmen ist. Unstrittig sind die hohen Bevölkerungsverluste (ein Drittel der Bevölkerung Europas in der 1. Epidemie), unstrittig sind auch die wirtschaftlichen und sozialen Implikationen der Pest, d.h. die kulturell-gesellschaftlichen Veränderungen, die sich indes sehr wohl regional (stark) unterschieden. Mentalitätsgeschichtlich machte sich der Schwarze Tod bemerkbar durch eine schnelle Anpassung der Menschen an die neue Situation ("Leben mit der Pest"), durch die Auseinandersetzung mit dem Pest-Phänomen (Familäres [Bleiben oder Flucht, Opfer und Überlebende], Laienfrömmigkeit, Architektur ["perpendikularer Stil" in England, Kirche Santa Maria della Salute in Venedig], Kunst [Totentanz, Pestheilige], Literatur [Boccacios Decamerone, Defoes Journal of the Plage Year, Camus' Die Pest]), durch Erklärungsversuche und Maßnahmen gegen die Pest (Pesttraktate, Ansteckung und Verbreitung, Isolation und Quarantäne [europäisches Medizinwesen, Quarantänestationen wie erstmals 1377 in Ragusa oder 1423 in Venedig, österreichisch-ungarisch-osmanische Grenze]). Gerade die europäischen Gesellschaften entwickelten durch ihre Distanz zwischen "Welt" und christlicher Religion erfolgreiche Strategien zur Eindämmung der Pest, die während der 3. Pandemie auch im außereuropäischen Raum Verwendung fanden (Einstellung des Islam und der indisch-chinesischen Religionen gegenüber der Pest). Vgl. zur Pest noch: Bergdolt, Klaus (1994), Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters, München 1994, 266 S., Abbildungen, Karten, DM 48,-; Bergdolt, Klaus (2006), Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes (= BSR 2411), München 2006, 128 S., Abbildungen, Karten, € 7,90. [Buhlmann, 11.2006, 09.2015]

SMGB = Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige

Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, 232 S., € 19,90. Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.), der bedeutende römische Lyriker und Epiker, verschwindez als historische Persönlichkeit fast vollständig hinter seinem dichterischen Werk. Vergil, geboren am 15. Oktober 70 v.Chr., stammte aus Mantua, kam nach Studien in Mailand oder Cremona um das Jahr 45 v.Chr. nach Rom, wo er nach der Ermordung das Gaius Julius Caesar (44 v.Chr.) die Endphase der Brügerkriege der späten römischen Republik miterlebte. Patrone und Mäzene des Dichters waren u.a. Asinius Pollio und Maecenas, ein Dichterfreund und -kollege Gaius Cornelius Gallus, der erste Präfekt des römischen Ägypten, der im Jahr 26 v.Chr. nach einem gegen ihn gerichteten poltitischen Senatsurteil Selbstmord beging. Seine Werke - Eklogen, Georgica und Aeneis - verfasste Vergil - unter Benutzung intertextueller (alexandrinischer) Bezüge auf Vorbilder - in den 40er-Jahren v.Chr., bis 29 v.Chr. bzw. bis 19 v.Chr. unter den (nicht ausschließlichen) Leitmotiven Dialog (Eklogen), Weisheit (Lehrgedicht) und Mission (des Aeneas). Die Werke des Vergil, handschriftlich überliefert in Codices aus Spätantike und frühem Mittelalter (Kollation in Codices; Codex Mediceus u.a.), erfuhren in der römischen Kaiserzeit (Vergilbiografie des Sueton [2. Jahrhundert n.Chr.], überarbeitet von Aelius Donatus [4. Jahrhundert]), in der Spätantike (Centones [Cento nuptalis des Ausonius], De raptu Proserpinae des Claudian, Vergil-expositio des Servius [4. Jahrhundert]) und im Mittelalter (Karolingerzeit als aetas Vergiliana) große Verbreitung. Vergil beeinflusst Kunst, Musik und Kultur bis heute. > Lateinische Literatur > V Vergil [Buhlmann, 06.2013]

Smolinsky, Heribert (1976), Domenico de' Domenichi und seine Schrift "De potestate pape et termino eius". Edition und Kommentar (= Vorreformationsgeschichtliche Forschungen, Bd.17), Münster 1976, VIII, 494 S., DM 118,- > Lateinische Literatur > D Domenichi

Snorri Sturluson, Heimskringla or The Chronicle of the Kings of Norway, LaVergne 2006/10 > G Gudmundsson, Snorri Sturluson

Sobel, Dava (1999), Galileos Tochter. Eine Geschichte von der Wissenschaft, den Sternen und der Liebe, Berlin 1999, 430 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, € 6,95. Vor dem Hintergrund einiger von Virginia Galilei (Maria Celeste, *1600-†1634), der Tochter Galileo Galileis, an den Vater geschriebener Briefe entsteht eine Biografie Galileo Galileis (*1564-†1642), der, in Pisa geboren und aus einer Patrizierfamilie stammend, unverheiratet von der Venezianerinnen Marina Gamba (†1619) die Töchter Virginia und Livia Antonia sowie den Sohn Vincenzio Andrea hatte. Nach Universitätsstudien in Pisa wurde Galilei Professor in Pisa (1589) und Padua (1592), entwickelte eine noch weitgehend unbrauchbare Vorrichtung zur Temperaturmessung (1589) sowie einen geometrischen und militärischen Kompass (1606) und beschäftigte sich mit der Physik des freien Falls. Unter Verwendung und Verbesserung des 1608 vom Holländer Johann Lippershey entwickelten Linsenfernrohrs gelang die Entdeckung der Jupitermonde ("Mediceische Planeten", Sidereus Nuncius, 1610) und der Sonnenflecken. 1611 wurde Galilei Mitglied der römischen Accademia dei Lincei, es folgten die Veröffentlichungen (auf Italienisch): "Körper, die im oder unter Wasser schwimmen" (1612), "Briefe über die Sonnenflecken" (1613), "Theorie der Gezeiten" (1616), "Astronomische und philosophische Waage" (anonym, 1619), "Goldwaage" (1623). Mit Papst Urban VIII. (1623-1644) stand der Forscher auch persönlich in Kontakt (1624 und später); die Veröffentlichung seines "Dialogs über die beiden hauptsächlichen (ptolemäisches, kopernikanisches) Weltsysteme" (1632) führte von Seiten der katholischen Inquisition zum Verbot des Buches und zum Inquisitionsprozess gegen Galilei (1633), der bekanntlich mit dessen Verurteilung wegen Ketzerei endete. In seinen letzten Lebensjahren stand Galilei unter Hausarrest in Siena und Arcetri. In den Niederlanden erschienen noch Galileis "Brief an die Großherzogin" (1636) und seine "Unterredungen über Mechanik und Fallgesetze" (1638). Galilei entdeckte 1637 in Mondlibration; in diesem Jahr erblindete er völlig. Am 8. Januar 1642 starb Galilei in Arcetri. [Buhlmann, 06.2013]

Sohn, Andreas (1997), Deutsche Prokuratoren an der römischen Kurie in der Frührenaissance (1431-1474) (= NuS 8), Köln-Wien-Weimar 1997, 432 S., € 5,-. Prokuratoren bzw. Kurienprokuratoren waren im späten Mittelalter die Interessenvertreter geistlicher und weltlicher Institutionen und Personen an der römischen Kurie und den päpstlich-kurialen Behörden der Rota, Audientia oder Pönitentiarie. Die Beschlüsse des 4. Laterankonzils (1215) hinsichtlich der Zulassung von Petentenvertretern hatte erst die Ausbildung des Prokuratoreninstituts an der Kurie ermöglicht. Nachdem im 13. Jahrhundert hauptsächlich Italiener, im 14. Jahrhundert hauptsächlich Franzosen als Prokuratoren gearbeitet hatten, sind für das 15. Jahrhundert im Zuge einer Internationalisierung auch andere "Nationen" feststellbar. Aus den prosografisch zu den Jahren 1431 bis 1474 erfassten Angaben zu 234 deutschen Kurienprokuratoren, darunter zu Heinemann Loer, Heinrich von Roraw oder Heinrich Senftleben, ergibt sich - in einer Art von Kollektivbiografie - deren meist bürgerlich-städtische (neben adliger und ritterlicher) Herkunft, ein Studium des (kanonischen) Rechts in Deutschland (und Italien) mit Abschluss (der Promotion) sowie meist niedere oder höhere geistliche Weihen als Voraussetzung der Prokuratorentätigkeit, die Bearbeitung einzelner Aufträge oder eine ständige Interessenvertretung (z.B. als Generalprokurator des Deutschen Ordens) im kurialen Geschäftsgang (Expedition und Ausgabe von Schriftstücken, Trinkgelder und Gebühren) bei Informationsbeschaffung für den Auftraggeber. Eingebunden waren die Prokuratoren in die Stadt Rom (Wohnung, Arbeitsstätten, Kurienbehörden, Prälatenhäuser, Buchhandel und Besitz von juristischen Büchern), (landsmannschaftlich) in die deutsche Kolonie in Rom (Zugehörigkeit zur Bruderschaft des Hospizes S. Maria dell'Anima), auch in Klientelverhältnissen (als familiares, zu Kardinälen und Papst). Eingebunden waren sie allgemein in die politischen und kirchlichen Beziehungsetzwerke, die Karrieren (bis hinauf zum Bischof) beförderten und kirchliche Pfründen sicherten (Ämterkäuflichkeit, unterschiedliche Verweildauer von Prokuratoren an der Kurie, Ortskirche und Papstkirche). Dabei ist das 15. Jahrhundert von einer stetigen Kurialisierung des Prokuratoreninstituts (hin zu einer Behörde) geprägt (Prokuratorenkollegien). [Buhlmann, 10.2011]

Sohn, Andreas (2012), Von der Residenz zur Hauptstadt. Paris im hohen Mittelalter, Ostfildern 2012, 256 S., Schwarzweißabbildungen, Pläne, € 26,90. Paris, das keltische Lutetia, der Vorort der gallorömischen civitas Parisiorum, Residenzort von König Chlodwig I. (482-511) und weiterer Merowingerkönige, liegt einigermaßen zentral im Pariser Becken (Île-de-France) und an der Seine. Im westfränkisch-französischen Reich der Kapetinger löste aus militärischen Gründen (Herzogtum Normandie, Abwehr normannischer Übergriffe auf die Krondomäne, Vexin) unter König Heinrich I. (1031-1060) Paris Orléans als Residenzort der Könige ab. In Paris entfaltete sich vom 11. bis zum 13. Jahrhundert das französische Königtum; das kapetingische palatium mit aula regis, "Großer Brücke" und "Großer Turmburg" lag im Westen der Île de la Cité; der Königspalast und die königliche Grablege in St. Denis, das Kanonikerstift Saint-Martin-des-Champs, die hochmittelalterliche Stadtmauer König Philipps II. (1180-1223), die Festung des Louvre und die Saint-Chapelle König Ludwigs IX. des Heiligen (1226-1270) waren Bezugspunkte königlicher Herrschaft in und um Paris, das sich spätestens unter König Philipp II. zur "Festungs- und Residenzstadt" entwickelt hatte. Auf der Île de la Cité dem Königtum benachbart befand sich die Kathedrale (Notre-Dame) des Pariser Bischofs, der zusammen mit dem Domkapitel an Einfluss gewinnen sollte. Parallel zur politischen verlief die wirtschaftliche Entwicklung (Handel, Verkehr, Gewerbe), die Paris mit rund 200000 Einwohnern zur größten Stadt im christlichen Europa machte. Schließlich wurde aus Paris ein "kulturelles Zentrum" Frankreichs und Europas; die Entstehung der Pariser Universität gehört hierher (Domschule u.a., Bildungsaufschwung, Quartier Latin). [Buhlmann, 08.2013]

Sokrates, Philosoph der griechischen Klassik: Über Sokrates unterrichten eine Anzahl antiker Quellen mit mehr oder weniger großer zeitlicher (und geographischer) Nähe zu diesem Philosophen. An erster Stelle stehen zweifelsohne Platons Dialoge, hier insbesondere die sog. Frühdialoge; Xenophon hat sich Sokrates in seinen "Erinnerungen" und im "Gastmahl" angenommen. Neben diesen Hauptquellen sind Nennungen des Philosophen in den aristotelischen Werken und Aussagen und Lehrmeinungen von späteren tatsächlichen oder angeblichen Sokrates-Schülern hinzuziehen. Anhand der Sokrates-Schilderung in "Leben und Meinungen berühmter Philosophen" des Diogenes Laertios (3. Jahrhunder n.Chr.) wird aber klar, wie wenig solche späten Schilderungen noch mit dem "wahren" Sokrates zu tun haben. Den "wahren" Sokrates wird man aber auch in Platons Werken zu suchen haben, vermischen sich doch hier sokratisches und platonisches Gedankengut. Ein Zugang zu Sokrates' Lebensweise und -auffassung bieten immerhin auch Xenophons Schriften. So ist es reichlich wenig, was über das Leben des Philosophen gesagt werden kann: Sokrates ist, wenn man die Ausführungen in der Apologie zu seinem Alter wörtlich nimmt, um das Jahr 470/69 in Attika geboren. Vater war ein gewisser Sophroniskos aus dem Demos Alopeke (bei Athen), von Beruf Steinmetz, Mutter eine gewisse Phainarete, die in ihrer ersten Ehe mit Chairedemos verheiratet gewesen war, und später den Beruf der Hebamme ausübte. Aus der ersten Ehe stammte übrigens Sokrates' Halbbruder Patrokles; mehr Geschwister gab es aber nicht. Sokrates wird als Junge wohl die übliche Elementarausbildung in Schreiben, Lesen, Rechnen, Gymnastik und Musik durch einen Privatlehrer vermittelt bekommen und vielleicht auch den Kontakt zur griechisch-ionischen Naturphilosophie gefunden haben. Verheiratet war Sokrates übrigens mit Xanthippe, deren xanthippenhaftes Verhalten wahrscheinlich in das Reich der Legende gehört (vgl. dazu die im großen und ganzen abgeschlossene, häusliche Stellung der Frau im klassischen Athen). Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor: Lamprokles, Sophroniskos und Menexenos. In der (zeitlichen) Mitte seines Lebens standen die staatsbürgerlichen Aufgaben des Sokrates im Vordergrund. Hier ging es zunächst um seinen Einsatz bei drei Feldzügen während des Peleponnesischen Krieges: Bei der Belagerung von Poteideia (432-429) war er anwesend und zeichnete sich - so jedenfalls Alkibiades, der Neffe des Perikles, in Platons Gastmahl - durch Disziplin und Tapferkeit aus. Disziplin, nämlich das Nicht-Verlassen der Ordnung (Phalanx), legte Sokrates auch bei der verheerenden athenischen Niederlage bei Delion (424) an den Tag. Und schließlich nahm er an dem misslungenen Feldzug gegen das abtrünnige Amphipolis teil (422). In den innenpolitischen Auseinandersetzungen im Gefolge der Seeschlacht bei den Arginusen und der verhinderten Rettung schiffbrüchiger Athener setzte sich Sokrates als vorsitzender Prytane zugunsten der siegreichen, aber dennoch angeklagten Strategen ein, erreichte aber in der Volksversammlung nichts; sechs Strategen wurden gegen alle Gesetzmäßigkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet, was man übrigens ein Jahr später nach der Niederlage bei Aigospotamoi sehr bedauerte. Zur Zeit des Regimes der Dreißig Tyrannen (404/03) widersetzte er sich dem Befehl der Machthaber, einen gewissen Leon zu verhaften, der hingerichtet werden sollte. Sokrates' Verhalten hatte keine weiteren Konsequenzen, da das oligarchische Regime alsbald hinweggefegt wurde. Wohl während seines ganzen Lebens übte (notwendigerweise und zur Befriedigung seiner geringen Bedürfnisse) Sokrates den von seinem Vater erlernten Beruf des Steinmetzes aus - ob auch bei Bauwerken auf der Akropolis, bleibt dabei unklar. Vielleicht in der Anfangsphase des Peleponnesischen Krieges begann er öffentlich zu wirken, auf den Straßen, Plätzen und Märkten der Stadt, in den Säulenhallen und Gymnasien, und war schon früh morgens unterwegs, um zu diskutieren und zu erziehen bei privaten und öffentlichen Angelegenheiten. Gerade der Dialog - Analytik und Dialektik - lagen Sokrates am Herzen, der gelehrte Vortrag der Sophisten war ihm fremd. Im fragenden Gespräch, auch unter Einsatz von Ironie, wurde Wahrheit gesucht und Methodik, u.a. ausgehend vom sokratischen Grundsatz, dass er nur weiß, dass er nichts weiß. Sokrates' Schüler waren Platon und andere Angehörige aus dessen aristokratischer Familie, wie der später den Dreißig Tyrannen angehörende Kritias, ein Onkel Platons, oder Charmides, weiter Alkibiades, der Neffe des Perikles, schließlich der Geschichtsschreiber Xenophon und wahrscheinlich viele derjenigen, die in den frühen Dialogen Platons vorkommen. In der Öffentlichkeit blieb somit Sokrates ein "Sonderling" mit politischem Einfluss. Der Prozess gegen Sokrates - vielleicht Ausfluss einer nach der Niederlage im Peleponnesischen Krieg und der Herrschaft der Tyrannen im tiefsten Innern beschädigten Demokratie, sicher Folge der Vorurteile und Unkenntnis der athenischen Bürger - bildet das Schlusskapitel von Sokrates' Leben (399). Angeklagt wurde er von Meletos, Lykon und Anytos wegen der Nicht-Anerkennung der staatlichen Götter, der Einführung neuer Götter und des Verderbens (der Verführung) der Jugend. Indirekt wurden dadurch vermeintlich die Zusammenhänge zwischen Sokrates und den Sophisten ("die schlechtere Rede zur besseren machen"; Aristophanes' "Wolken") bzw. der Naturphilosophie bestätigt. Unter Vorsitz des für Religionsfrevel zuständigen archon basileus trat daraufhin ein aus 501 Geschworenen bestehendes Gericht zusammen, das nach Verhandlungen, hinsichtlich derer die Apologie des Sokrates nur mittelbar Informationen liefern kann, die Schuld des Angeklagten feststellte und die Todesstrafe verhängte. Trotz Möglichkeiten zur Flucht aus dem Gefängnis - die Vollstreckung des Urteils wurde durch eine spät von Delos zurückgekehrte Festgesandtschaft verzögert - nahm Sokrates 30 Tage nach der Urteilsverkündung den Schierlingsbecher, Gelassenheit zeigend gemäß seinen Überzeugungen und seine Philosophie lebend auch im Tod. Wie erwähnt, hat Sokrates selbst nichts geschrieben, so dass wir über seine Philosophie in erster Linie aus Platons Dialogen unterrichtet sind. Was platonisch, was sokratisch ist, ist dabei schwer abzuschätzen; dennoch sind Grundlinien der sokratischen Philosophie zu erkennen. Ein erster Ansatz bietet die sog. Sokratische Frage, also die immer wieder in den Dialogen auftretende Frage "Was ist X?", wobei X für Tugend, Gerechtigkeit, Schönheit, Lust etc. stehen kann. Dabei geht es z.B. nicht um schöne Dinge, sondern um das Schöne, mithin um Realitäten und Sachen, deren Zustand dadurch charakterisiert ist, dass sie an mehreren Dingen haften. Aristoteles sieht daher Sokrates als jemanden, der nach dem Allgemeinen sucht und dies definieren will. Die Erkenntnis des Allgemeinen hat auch Konsequenzen für das Handeln. Nach Sokrates impliziert das Wissen um die guten Dinge notwendiger- und hinreichenderweise auch ein moralisches Handeln des Betreffenden. Voraussetzung dafür war einmal Sokrates' Überzeugung, dass es gute und schlechte Dinge gibt, die von jedem Menschen auf dieselbe Art und Weise als gut bzw. schlecht erkannt werden, und zum zweiten der Zusammenhang zwischen dem Erkennen der, dem Wissen um die Tugenden (arete) und dem Können (techne), dem Handeln. Tugend als Einheit der Tugenden ist damit lehrbar, Wissen und Tugend gehen parallel, Verfehlungen treten nur dann auf, wenn man es nicht besser weiß. Und weiter: Böses schadet dem Menschen, Gutes nützt ihm. Unrecht darf man nicht mit Unrecht vergelten, wohl aber mit Recht, da Strafe für den Bestraften in diesem Falle Gutes bringt. Es folgen u.a. daraus seine Grundsätze betreffend menschliches Handeln und Recht und damit Sokrates' Entscheidung, nicht aus dem Gefängnis zu fliehen und das Urteil der Athener anzuerkennen (Gesetzestreue und bürgerlicher Ungehorsam). Auf die Bedeutung des daimonion als eine Art innere, intuitive Stimme für Sokrates sei nur hingewiesen. Sokrates hat mit seinen Lehren viele nach ihm kommende Philosophen beeinflusst. In der diesbezüglichen Rezeptionsgeschichte ist natürlich zuallererst Platon zu nennen. In dessen Schriften lässt sich die Weiterentwicklung der sokratischen Philosophie gut verfolgen, von den sokratisch geprägten Frühdialogen über die sog. Meisterdialoge bis hin zu den Spätschriften. In seiner Seinslehre geht Platon von den Ideen als dem absolut Seienden aus und stellt dieser "Realität" die Sinnenwelt der menschlichen Erfahrung als Abbild der Ideen gegenüber (Höhlengleichnis; mathematische Prinzipien). Seelen-, Tugend- und Staatslehre ergänzen noch die Philosophie Platons, ebenso seine Vorstellungen über den Kosmos und dessen Entstehung. Sokratik im engeren Sinne (ohne die platonische Fortentwicklung) vermittelten zu Beginn des 4. Jahrhunderts die tatsächlichen oder angeblichen Sokrates-Schüler Eucleides von Megara, Antisthenes und Aristipp von Cyrene. Auch ein Einfluss des Sokrates auf die stoische Lehre ist festzustellen. Im Mittelalter war Sokrates zumindest indirekt über die platonische Lehre vertreten, wobei es manchmal schwierig ist, den eigentlichen Platonismus vom Neuplatonismus oder dem christlichen Platonismus der Kirchenväter zu trennen (vgl. auch Platonismus und Aristotelismus). Immerhin weist Platons Weltsicht im Dialog "Timaios" einige Parallelen zum chrsitlichen Weltbild auf; und der "Timaios" war während des ganzen Mittelalters (als fast einzige platonische Schrift) in einer lateinischen Übersetzung und Kommentierung des Calcidius verfügbar. Sokratik - auch in der Methode - findet sich schließlich am Ausgang des Mittelalters in den Dialogen des Nikolaus von Kues. In der Aufklärung wurde Sokrates als der Weise schlechthin dargestellt. Und weiter sind die Zusammenhänge zwischen Sokratik und Platonismus auf der einen und der neuzeitlichen Philosophie auf der anderen schlichtweg vielfältig zu nennen.
Biografien über den Philosophen Sokrates sind: Figal, Günter (1995), Sokrates (= BSR 530, Beck'sche Reihe. Denker), München 1995, 143 S., DM 19,90; Irmscher, Johannes (1982), Sokrates. Versuch einer Biografie (= RUB [Ost] 911), Leipzig 31989, 118 S., DM 0,70. [Buhlmann, 02.1996]

Sommer, Michael (2013), Wirtschaftsgeschichte der Antike (= 2788), München 2013, 128 S., Glossar, Schwarzweißabbildungen, Karte, € 8,95. Innerhalb der "langen Antike" (10. Jahrtausend v.Chr.-5./7. Jahrhundert n.Chr.) sind zunächst folgende wirtschaftliche Entwicklungen in Vorderasien und dem Mittelmeerraum auszumachen: neolithische Revolution(en) Vorderasiens (präkeramisches [bis ca.5500 v.Chr.], keramisches Neolithikum [ab ca.5500 v.Chr.]; Ackerbau und Viehzucht), Urbanisierung (Jericho vor 8050 v.Chr., Catal Hüyük ca.7400-6200 v.Chr.) und Fernhandel (Obsidian), vorderasiatische "Kulturen" (ab ca.5500 v.Chr.; Obed-Zeit [ca.5000 v.Chr.]), Stadt, Schrift, Palast und Tempel als institutionelle Haushalte (Uruk-Zeit [ca.4000-3150 v.Chr.], frühdynastische Zeit [ca.3150-2800 v.Chr.]), vorderasiatische Großreiche (Ägypten, Akkad, Hethiterreich, Babylonien) und minoische Palastkulturen (ca.1500-1200 v.Chr.; Knossos, Mykene, Tyrins, Pylos) der Bronzezeit (durch Fernhandel vernetzt, assyrische Kaufleute in Kanis und Anatolien), Niedergang der Großreiche am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit (ca.1200 v.Chr.), Phöniker (10.-6. Jahrhundert v.Chr.; Sidon, Tyros; Handelsstützpunkte am Mittelmeer [Karthago], Handwerk; Purpur, Luxusartikel [Prestigegüter]), Griechen (große griechische Kolonisation [ca.750-550 v.Chr.], griechische Poleis [6.-4. Jahrhundert v.Chr.), hellenistische Großreiche (334-30 v.Chr.), römisches Reich (2. Jahrhundert v.Chr.-5. Jahrhundert n.Chr.) und Fernhandel mit Arabien, Indien und China (Seide, Gewürze; Palmyra), alles im Rahmen zunehmender wirtschaftlicher Vernetzung zwischen Mittelmeerraum und (Vorder-) Asien sowie Nordostafrika (Hellenismus). Für die (hellenistisch-römische) "kurze Antike" (ca.300 v.Chr-300 n.Chr.) ist zu verweisen auf die Verankerung der Wirtschaft im (durch den Handel vernetzten) Raum Mittelmeer-Asien, weiter in den Bereichen: Arbeit (Keramikherstellung [Terra sigillata, Glas], Ressorcennutzung [Salz und Fisch [garum], Metallgewinnung [Bergwerke und Erze, Verhüttung und Holzkohle; Geld, Waffen, Werkzeug], Landwirtschaft [landwirtschaftlich genutzte Flächen, Großgrundbesitz, Arbeitsteilung]), Institutionen [wirtschaftlich autarker oikos und Familie, Staat [Poleis, Königreich, römisches Weltreich] u.a. als Wirtschaftsakteur [Höchstpreisedikt von 301, römische Wirtschaft der Spätantike], Staaten und Konsumentenstädte [Versorgung Athens und Roms durch Getreidelieferungen], Märkte als Handelsplätze [Städte, Dörfer, Heiligtümer]), Kapital (homo oeconomicus, homo politicus; ökonomisches Kapital [Geldwirtschaft, Banken, Investitionen], symbolisches Kapital [Ehre, Politik und Macht -> Leiturgien, Euergetismus, römisch-kaiserzeitliches Kindergeld], wirtschaftliche Normen ("ökonomische Theorien", Wirtschaftsethik: Platon und Xenophon, Cato, Varro, Columella, Cicero, Seneca [Betonung von Landwirtschaft und Autarkie, Abwertung von Handel, Handwerk und Gewinn]). Antike Ökonomie(n) erwuchs(en) aus dem Umfeld der antiken Gesellschaft und beruhte(n) auf institutionellen Rahmenbedingungen (Haushalt, Staat, Markt, Sklaverei, Gesetze, Normen) und letztlich auf der Fähigkeit jedes einzelnen Menschen zur (materiellen) Existenzsicherung. Von einer (übergreifenden, "globalen") antiken Wirtschaft lässt sich am ehesten für die "kurze Antike" sprechen. Die antike Wirtschaft blieb aufs Ganz gesehen leistungsschwach und technologisch rückständig. [Buhlmann, 09.2013]

Sonnabend, Holger (2007), Die Grenzen der Welt. Geographische Vorstellungen der Antike, Darmstadt 2007, 157 S., € 5,-. Kenntnisse über die Geographie der "Alten Welt" wurden in der griechisch-römischen Antike vermittelt über Händler (Phönizier), Kolonisatoren (Große griechische Kolonisation), Soldaten und Feldherren (Xenophon, Anabasis; Alexanderzug; Hannibals Alpenüberquerung; Caesars gallischer Krieg; versuchte römische Eroberung Germaniens; Vandalen der Völkerwanderungszeit), Pilger, Entdecker (Kolaios, [Necho II.], Euthymenes, Skylax, Hanno, Pytheas, Patrokles, Demodamas, Eudoxos) oder Gelehrte (Thales von Milet, Anaximander, Hekataios, Herodot, Eratosthenes, Krates, Polybios, Agatharchides, Poseidonios, Strabon, Isidoros, Pomponius Mela, Plinius der Ältere, Tacitus, Marinos von Tyrus, Ptolemaios, Pausanias, Avienus, Geograf von Ravenna, [Peutingerkarte]). Es ergab sich ein kanonisches Weltbild der drei Kontinente Europa, Asien und Afrika (Grenzen der Kontinente) auf einer Erdkugel bei zeitlich unterschiedlichem Kenntnisstand von den Kanaren, Spanien ("Säulen des Herakles") und Britannien im Westen bis Arabien, Indien, Ceylon und China im Osten, von Zentral- bzw. Nordafrika im Süden bis Germanien und Skandinavien im Norden. Dabei vermittelte die Geografie auch ein ideologisches Weltbild (Ethnografie [Barbaren, West-Ost-Gegensatz]; mythische Geografie u.a. der griechischen Sagenwelt) und diente der Selbstdarstellung von Herrschaft (römisches Reich als imperium sine fine). [Buhlmann, 04.2013]

Sonnabend, Holger (2013), Katastrophen in der Antike, Darmstadt 2013, 160 S., Farbabbildungen, € 7,95. Auch für die griechisch-römische Antike sind unterschiedlichen Katastrophenarten und -szenarios zu unterscheiden: a) Naturkatastrophen: Thera/ca.1620 v.Chr. (Vulkanausbruch), Orobai/426 v.Chr. (Erdbeben, Tsunami), Heilike/373 v.Chr. (Erdbeben, Tsunami), Rhodos/227 v.Chr (Erdbeden, Zerstörung des Kolosses von Rhodos), Antiochia/65 v.Chr. (Erdbeben), Zwölf-Städte-Beben/17 n.Chr. (Erdbeben in Kleinasien), Pompeji, Herculaneum/79 n.Chr. (Ausbruch des Vulkans Vesuv), Antiochia/115 n.Chr. (Erdbeben), Antiochia/341 n.Chr. (Erdbeben), Alexandria, östliches Mittelmeer/21. Juli 365 n.Chr. (Erdbeben, Tsunami, als Mega-Katastrophe?), Antiochia/20./29. Mai 526 n.Chr. (Erdbeben), Antiochia/29. November 528 n.Chr. (Erdbeben), Antiochia/580 n.Chr. (Erdbeben), Antiochia/587 n.Chr. (Erdbeben), deren Eindämmung (politisch initiierte Rettungsmaßnahmen [Könige, Kaiser], versuchte Prävention bzgl. des Tiberhochwassers [15 n.Chr.]), deren Ursachen (Werk von Göttern, physikalisch-wissenschaftliche Erklärungen [Thales von Milet, Aristoteles]); b) Epidemien: Athen/430 v.Chr. ("Pest"), römisches Reich/166 n.Chr. ("Große Pest" als Pandemie), römisches Reich/250 n.Chr. ("Cyprianische Pest"), oströmisches Reich/541 n.Chr. ("Justinianische Pest"), fehlende bis unzulängliche medizinische Gegenmaßnahmen; c) Hungerkatastrophen: Lydien (Auswanderung der "Tyrsener"), Thera (Auswanderung nach Kyrene), Tauromenion/132 v.Chr. (Belagerung), Athen/87 v.Chr. (Belagerung), Rom/57 v.Chr. (politische Situation in der späten römischen Republik), Rom/22 v.Chr., Rom/5-9 n.Chr., Rom/69 n.Chr. (Vierkaiserjahr), Edessa/499-502 n.Chr., deren Ursachen (klimatische Unbilden, Spekulation, Politik) und Gegenmaßnahmen (Rom ["Brot und Spiele", cura annonae]); d) Kriege: "Trojanischer Krieg"/ca.1200 v.Chr.?, Perserkriege/490 v.Chr., Perserkriege/480/79 v.Chr., Syrakus/413 v.Chr. (athenische Sizilienexpedition), Cannae/216 v.Chr. (2. Punischer Krieg), Spartacusaufstand/73-71 v.Chr., Carrhae/53 v.Chr. (römische Niederlage), Alesia/52 v.Chr. (gallische Niederlage), "Teutoburger Wald"/9 n.Chr. (römische Niederlage), Edessa/260 n.Chr. (römische Niederlage), Adrianopolis/378 n.Chr. (römische Niederlage), Rom/410 n.Chr. (Einnahme der Stadt durch die Goten); e) politische Katastrophen: Athen/429 v.Chr. (Tod des athenischen Politikers Perikles), Aigai/336 v.Chr. (Ermordung König Philipps II. von Makedonien), Babylon/10. Juni 323 v.Chr. (Tod König Alexanders des Großen), Rom/44 v.Chr. (Ermordung Caesars, "Iden des März"), bei Wien/17. März 180 (Tod Kaiser Mark Aurels), Rom/455 n.Chr. (Ermordung Kaiser Valentinians III.), daneben Umstürze und Bürgerkriege ("Stasis" griechischer Poleis, "römische Revolution" 133-44 v.Chr.); f) Finanzkatastrophen: KLeinasien/88 v.Chr. ("Vesper von Ephesus", römisches Steuerpachtsystem), römisches Reich/3. Jahrhundert n.Chr. (Reichskrise, Inflation); g) Brandkatastrophen: Alexandria/48 v.Chr. (Krieg zwischen Caesar und Ägyptern), Rom/64 n.Chr. ([neronischer] Brand von Rom), Jerusalem/70 n.Chr. (jüdischer Auftstand, römische Belagerung, Brand des Tempels und der Stadt)deren Bekämpfung (Rom [Feuerwehr]); h) Schiffskatastrophen: Athos/492 v.Chr. (Seesturm, Untergang der persischen Flotte), Sepia/480 v.Chr. (Seesturm, Vernichtung von Teilen der persischen Flotte), Sizilien/255 v.Chr. (Sieg der römischen Flotte bei Kap Bon, ihre Untergang in einem Seesturm), Nordsee/16 n.Chr. (Seesturm, Untergang einer römischen Flotte), Schiffswracks im Mittelmeer; i) private Katastrophen. [Buhlmann, 09.2016]

Soukup, Pavel, Jan Hus (= Urban Tb 737), Stuttgart 2014, 263 S., Schwarzweißabbildungen, € 24,99. I. Jan (Johannes) Hus (*ca.1371-†1415), böhmischer Prediger, Theologe und Kirchenreformator, wurde im südböhmischen Husinec geboren, studierte und lehrte an der Prager Universität (Magister 1396) und wurde Priester (1400). Als Prediger und Seelsorger an und Rektor der Prager Bethlehemskapelle (1402) errang Hus große Bekanntheit. In der Folge bekannte er sich neben anderen zur Lehre John Wyclifs (via antiqua und Realismus, Abendmahllehre und Eucharistie, Donatismus). Die Neuordnung der Prager Universität durch das Kuttenberger Dekret (1409) König Wenzels (†1419) machte den Weg für die Wyclifiten frei; Jan Hus wurde als Führer der kirchlichen Reformbewegung nun Rektor der Universität. Der Prager Erzbischof Zbynek Zajic von Hasenburg (1402-1411), mit dem Hus zuvor u.a. in Fragen der Reform der Geistlichkeit zusammengearbeitet hatte (Synodalpredigten Hus' 1405, 1407), wandte sich massiv gegen die über die böhmische Reformtradition hinausgehenden Wyclifiten und Jan Hus (Verbrennung von wyclifitischen Schriften, Hus' Einspruch gegen die Bücherverbrennung an der Kurie, Bulle Papst Alexanders V. und Predigtverbot u.a. in der Bethlehemskapelle 1409/10). Es kam zu Unruhen in Prag; Hus, der vor die Kurie in Rom vorgeladen wurde und dort nicht erschien, wurde mit dem Kirchenbann belegt (1410), der - nach dem Eintreten von Hus gegen einen päpstlichen Kreuzzugsablass - von Papst Johannes XXIII. noch verschärft wurde (1412). Zwischen 1412 und 1414 tauchte Hus, der auch die Unterstützung König Wenzels verloren hatte, unter im nordwestlichen und südlichen Böhmen. Die Einladung König Sigismunds (1410-1437) zum Konzil von Konstanz (1414-1418) nahm Hus an. Dort wurde seine Lehre, der er nicht abschwor, als wyclifitisch verworfen, er selbst am 6. Juli 1415 als Ketzer verbrannt. II. Die Wirkungen des Jan Hus waren vielfältig: die Hussitenbewegung in Böhmen u.a. als Protest gegen das Konstanzer Konzil (Protestbrief 1415, Utraquisten und Taboriten 1418/19, Kreuzzug gegen die Hussiten 1420), die Hussitenkriege (1420-1436; Iglauer Kompaktaten 1436), die hussitische Reformation (außerhalb der Papstkirche stehend [Kirchenspaltung]) und die böhmisch-utraquistische Kirche reformorientierter Laien. > Lateinische Literatur > H Hus, Jan [Buhlmann, 01.2016]

Sousa Costa, Annette de, Studien zu volkssprachigen Wörtern in karolingischen Kapitularien, Göttingen 1993 > S Studien zum Althochdeutschen

SP = Sammlung Piper

Spicker-Beck, Monika, Keller, Theo (2001), Klosterinsel Reichenau. Kultur und Erbe, Stuttgart 2001 > R Reichenau

Spaichingen, Stadt auf der Baar, in Baden-Württemberg: I. Für die vor- und frühmittelalterliche Geschichte Spaichingens sei verwiesen auf die vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen (Wälle) auf dem fast 1000 m hohen Dreifaltigkeitsberg (bei Spaichingen), die zum Teil in die Jungsteinzeit (4./3. Jahrtausend v.Chr.) zurückreichen, weiter aus der Hallstatt- und Latènezeit stammen und eine frühe Besiedlung anzeigen. Nur einzelne Funde konnten als frühmittelalterlich (Alemannenzeit, Merowingerzeit) nachgewiesen werden. Eine dauerhafte Ansiedlung hat es in dieser Zeit auf dem Berg nicht gegeben, doch ist an die Existenz einer Fluchtburg zu denken. Alemannische Besiedlung wird dann konkreter an den Reihengräberfriedhöfen aus Spaichingen und Umgebung (Aixheim, Balgheim, Denkingen, Dürbheim, Rietheim) erkennbar. II. Fünf Urkunden der St. Galler Mönchsgemeinschaft, die Spaichingen zu 791, 801/06, 802/03, 817 und 882 (erstmals und einzig im frühen Mittelalter) erwähnen, stehen am Anfang der schriftlichen Überlieferung zu Spaichingen. Bei diesen Urkunden geht es in der Hauptsache um Schenkungen an das Kloster. Sie geben Einblick in Herrschaft und Gesellschaft, Besitz und Glauben in Spaichingen in jener Zeit. III. Die Herren von Spaichingen bildeten im hohen Mittelalter über mehrere Generationen den Adel des Baarortes. Sie standen in vielfältigen Beziehungen zu den benediktinischen Reformklöstern St. Georgen im Schwarzwald, Allerheiligen und Alpirsbach sowie zur Reichsabtei Reichenau. Die Brüder Benno (1084, 1097), Adelbert und Berger (1092) von Spaichingen traten als Zeugen bei Güterschenkungen an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert in Erscheinung, ebenso ein Markward von Spaichingen (1102, 1112), der zudem das Kloster Allerheiligen mit Mansen und einer Mühle in Spaichingen und Aldingen beschenkte. Benno von Spaichingen war testamenti doctor bei der Stiftung des Klosters Alpirsbach (1095, 1099). Im letzten Drittel des 12. und am Anfang des 13. Jahrhunderts war Hermann von Spaichingen Mönch, Propst (1170er-Jahre), Abt (1206) und Küster (1211) des Bodenseeklosters Reichenau. Ein Walther von Spaichingen ist im Reichenauer Umfeld im Jahr 1210 bezeugt. IV. 1281 war Spaichingen Teil der Grafschaft Hohenberg und wurde mit dem Verkauf der Grafschaft habsburgisch-vorderösterreichisch (1381). Die Pfarrkirche St. Peter und Paul reicht mindestens ins 13. Jahrhundert zurück (Neubau 1898/1900) und gehörte ab 1455 dem Moritzstift in Rottenburg. An der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert entwickelte sich die Wallfahrt auf den Dreifaltigkeitsberg (Steinkapelle 1415, 1592; Wallfahrtskirche 1666/73, 1762). Spaichingen nahm noch im 15. Jahrhundert eine Vortortfunktion im Gebiet Oberhohenberg ein. Im Jahr 1611 wurde Spaichingen von der Pest heimgesucht, im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) Opfer eines Überfalls schwedischer Soldaten (1633). 1688 wurde der Ort Sitz eines habsburgischen Obervogts. Ab 1805 gehörte Spaichingen zum Königreich Württemberg und war Mittelpunkt eines Amtes bzw. Oberamtes Spaichingen. Erst 1828 erfolgte die Stadterhebung. Das 19. und 20. Jahrhundert sah eine nur mäßige Industrialisierung des Orts.
Zur Spaichinger Geschichte siehe: Buhlmann, Michael (2011), Das Kloster St. Gallen, die Baar und Spaichingen im frühen Mittelalter (= VA 58), Essen 2011, 60 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2014), Die Herren von Spaichingen im hohen Mittelalter (= VA 76), Essen 2014, 64 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2015), Das Kloster St. Georgen im Schwarzwald und die Herren von Spaichingen (= VA 79), Essen 2015, 64 S., € 4,-; Spaichinger Stadtchronik. Beiträge zur Geschichte der Stadt unter dem Dreifaltigkeitsberg, hg. v.d. Stadt Spaichingen, Sigmaringen 1990, 518 S., Abbildungen, Karten, DM N.N. [Buhlmann, 12.2011, 12.2014]

Spaichinger Stadtchronik. Beiträge zur Geschichte der Stadt unter dem Dreifaltigkeitsberg, hg. v.d. Stadt Spaichingen, Sigmaringen 1990 > S Spaichingen

Spille, Irene (1993), St. Paul, Worms (= Schnell (& Steiner), (Kleine) Kunstführer, Nr.609), Regensburg 31993 > J Jürgensmeier, Bistum Worms

Spufford, Peter (2002), Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004, 328 S., zahlreiche Abbildungen, auch in Farbe, Karten, € 29,80. Die "Handelsrevolution" des 13. Jahrhunderts führte im abendländisch-christlichen Europa zu einer gewandelten Wirtschaft, resultierend aus Bevölkerungswachstum, Stadtentstehung, Geldwirtschaft und verstärkter Nachfrage nach Waren und Gütern. Im Nachfragemarkt des späten Mittelalters (13.-15./16. Jahrhundert) kam den Kaufleuten eine besondere Rolle zu. Kaufleute organisierten sich neu (Handelsunternehmen, Schriftlichkeit, Buchführung, Versicherungen), Banken und Finanzmärkte (internationales und regionales Bankwesen, Konten, Wechsel, Zins und Wucher) entstanden im Zuge der "Handelsrevolution". Gehandelt wurde europaweit und mit dem Nahen Osten (Levante, Schwarzes Meer) mit Rohstoffen (Getreide, Wein, Oliven, Salz, Gewürze; Schafwolle, Seide, Leinen, Baumwolle, Pelze; Farbstoffe, Alaun, Metalle; Sklaven) und Fertigwaren (Stoffe; Papier, Handschriften, Bücher; Metallwaren, Waffen, Rüstungen; Glas; Töpferwaren; Seife; Teppiche). Industrieregionen Europas waren u.a. Flandern bzw. südliche Niederlande, Süddeutschland, Toskana und Lombardei; es gab einen nördlichen und einen südlichen Wirtschaftsraum (Hanse, Mittelmeer). Nachfrage bestand in den großen Städten und Residenzstädten Europas (Paris, Mailand, Venedig, Florenz, London, Genua, Brüssel, Antwerpen; Königs- und Herrscherhöfe). Folge der regionalen Verschiedenheit von Angebot und Nachfrage waren Handelsungleichgewichte, etwa zwischen Norditalien und dem Nahen Osten bzw. Asien (China), zwischen Nordafrika und Europa oder innerhalb Europas. Die Handelsungleichgewichte wurden u.a durch die (mitteleuropäische) Förderung von Silber und Gold ausgeglichen (Bergbaustädte, Münzwesen). Alles in allem ergibt sich für das späte Mittelalter ein bisher nie erreichtes Ausmaß an Handelsaktivitäten zu Lande und zu Wasser; Krisenphänomene wechselten mit Phasen des Wachstums ab, Land- und Seehandelrouten wechselten. Konstant blieben aber im Großen und Ganzen die Wirtschaft und Produktivität der Städtelandschaften von Südengland über Flandern, das Rheinland und Süddeutschland bis nach Norditalien ("blaue Banane"). Konstant über die Jahrhunderte blieb auch die Einwirkung des Handels auf die mittelalterliche Gesellschaft (Verbreitung von Ideen, Technologien und Moden). [Buhlmann, 08.2011]

SSHMP = Sources and Studies in the History of Mathematics and Physical Sciences

SSWLK = Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde

StAhd = Studien zum Althochdeutschen

Stasch, Gregor Karl [o.J.], Die Andreaskirche zu Fulda-Neuenberg, Fulda [o.J.] > F Fulda

(Essen-) Steele, heute ein Stadtteil der Großstadt Essen: I. Steele, gelegen am nördlichsten Punkt der großen Ruhrschleife bei (Essen-) Überruhr-Hinsel am Straßensystem von Hellweg und einer Nord-Süd-Verbindung zum Bergischen Land, ist erstmals als Stela ("steiler Ort") anlässlich eines im Mai 938 dort stattfindenden Hof- und Gerichtstags König Ottos I. des Großen (936-973) bezeugt. Die Limburger Vogteirolle (ca.1220) und das Kettenbuch der Essener Frauengemeinschaft von 1332 erwähnen Steele als hauptsächlich zum Eickenscheidter Hofverband des Essener Stifts gehörig. Zum Jahr 1314 wird erstmals die Steeler Pfarrkirche (als Vorgängerin der heutigen Laurentiuskirche von 1873) genannt. Die Steeler Kirche tritt auch im Liber valoris der Kölner Bischofskirche (1308/78) in Erscheinung. Die Steeler Pfarrei umfasste neben Steele die Bauerschaften Eiberg, Freisenbruch, Horst, Kray und Leithe. Im 13. und 14. Jahrhundert häufen sich die historischen Zeugnisse zu Steele, meist in Verbindung stehend zu Personen, die aus Steele kommen, aber auch zu Besitz in Steele. II. Das spätmittelalterliche Dorf Steele im Essener Stiftsgebiet (Stiftsterritorium) entwickelte sich in der frühen Neuzeit zu einer Kleinstadt, die als Freiheit, Flecken oder Stadt bezeichnet wurde. Bürgermeister (1491) und ein Ortsvorstand, die Stadtmauer, eine innerstädtische Gliederung (1548; Steeler Stadtbrand 1548) sowie bürgerliche Statuten (1549) sind seit dem 15./16. Jahrhundert nachweisbar. Steele erhielt 1578 von der Essener Äbtissin und Landesherrin Marktrecht und Stadtsiegel (drei Ringe vor goldenem Hintergrund). Zum Jahr 1580 werden Kohlengruben bei Steele genannt, am Ort gab es eine Schmiedegilde (1467), Büchsenmacher (17. Jahrhundert) und Zünfte der Textilverarbeitung (1683, 1751). Nach der Überwindung reformatorischer Einflüsse lebten in Steele Ende des 17. Jahrhunderts wieder überwiegend katholische Einwohner. Im 18. Jahrhundert residierten in Steele zeitweise die Essener Fürstäbtissinnen (Schloss Auf der Lucht 1699), Äbtissin Franziska Christina von Pfalz-Sulzbach (1724-1776) stiftete im Ort das barocke Waisenhaus (Franziska-Christina-Stiftung 1769). Eine 1787/94 erbaute Chaussee verband Steele mit Essen. Im Zuge der Säkularisation wurde Steele mit seinen damals über 1200 Einwohnern preußisch (1803/15); in der Zeit der französischen Besetzung war der Ort Mittelpunkt einer Mairie (Bürgermeisterei). III. Das Steele des 19. Jahrhunderts war eine Kleinstadt im Königreich Preußen. Im Zuge der Industrialisierung war Steele geprägt von Kohlenbergbau, auch von Schwer- und Glasindustrie sowie vom Aufbau einer modernen Infrastruktur (Ruhrschifffahrt bis 1889, Eisenbahn 1862, Ruhrbrücke 1886). Der Stadt Steele wurden 1926 die Orte Königssteele, Horst, Eiberg und Freisenbruch eingegliedert. Im Jahr 1929 folgte die Einbeziehung in die Großstadt Essen. Steele wurde im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) vergleichsweise geringfügig zerstört. Die Steeler Innenstadt mit ihrer daher vielfach überalterten Bausubstanz wurde in den 1970er-Jahren saniert ("Endstation Größenwahn"). Steele entwickelte sich zu einem Stadtteilzentrum für Handel, Gewerbe und Dienstleistung mit knapp 18000 Einwohnern.
An Literatur zu Steele sei genannt: Buhlmann, Michael (2016), Hof- und Gerichtstag König Ottos I. in Steele (938) - Herrscheraufenthalte fränkisch-deutscher Könige an Rhein und Ruhr im früheren Mittelalter (= SGE 6), Essen 2016; Grevel, Wilhelm (1884), Die Statuten der früheren Gilden und Ämter in der Stadt Steele und im übrigen Hochstift Essen, in: EB 8 (1884), S.85-107; Grevel, Wilhelm (1886), Der Reichstag zu Steele unter Kaiser Otto dem Großen, in: EB 11 (1886), S.1-49; Grevel, Wilhelm (1886), Die Anfänge der Stadt Steele, in: EB 11 (1886), S.51-83; Jahn, Robert (1938), Der Hoftag König Ottos I. bei Steele im Mai 938, in: EB 56 (1938), S.7-90; Kaiser, Reinhold (1990), Der Hoftag in Steele (938), in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), hg. v. Ferdinand Seibt, Essen 1990, Bd.2, S.20ff; Schanetzky, Tim (1998), Endstation Größenwahn. Die Geschichte der Stadtsanierung in Essen-Steele, Essen 1998, 252 S., Abbildungen, DM 29,80. > Essen-Steele. 1075 Jahre Steele [Buhlmann, 10.2013, 12.2016]

Steinböck, Walter (1973), Die Gründung des benediktinischen Reformklosters Admont. Ein Beitrag zur neunhundertjährigen Geschichte seines Bestehens, in: SMGB 84 (1973), S.52-81 > A Admont

Steiniger, Judith (2013), Echo Melanchtonis (...) und Dialogus Philalethis et Genii (...). Zwei im Rahmen des Kölner Reformationsversuchs verfasste, unbekannt gebliebene Flugschriften aus dem Jahr 1545, in: AHVN 216 (2013), S.57-94 > Lateinische Literatur > D Dialogus Philalethis et Genii, E Echo Melanchtonis

Stekeler-Weithofer, Pirmin (2014), Sprachphilosophie. Eine Einführung (= BSR 2802), 127 S., € 8,95. Sprachphilosophie ist eine systematische Philosophie und Metaphysik. Sie reflektiert über die menschliche Sprache, d.h. aber auch über das menschliche Denken. Über Sprache wurde schon in der griechischen Antike philosophiert, die Sprachphilosophie als Teildisziplin der Philosophie reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Sprachphilosophie als Teil der philosophischen Anthropologie ist die Philosophie menschlicher Begriffe (Prädikate), die sinnkritische Reflexion sprachlicher Ausdrücke (Aussagen) auf der Grundlage der Sprachbegabung ("wahre Sprache") des Menschen und unter Verweis auf das menschliche Denken (Denken, Vorstellen, Sprechen -> Sprechplanen; Wahrnehmung, Handeln). Sprachphilosophie richtet mithin den Blick ontologisch auf Sein, Wahrheit und Bewusstsein. Ausgehend von der formallogisch-logizistischen Philosophie der Mathematik Gottlob Freges (†1925), lassen sich apriorische von empirischen (historischen, indexikalischen), analytischen von synthetischen Aussagen (Sätzen) unterscheiden ([halb-] sortale Bereiche, Rechenregeln, logische Formen). Eingebettet in das System menschlichen Sprechhandelns, relativiert sich der Wahrheitswert einer Aussage in deren zeitlicher und situationsabhängiger Verortung (Performator, Satzoperator, Prädikat; Wahrheit und situationsbedingte Notwendigkeit -> Situationsprädikate; generisches Schließen und wissenschaftliche Theorien). Aussagelogik bedingt dann u.a. die Logik der Verben und die materialbegrifflich-universal-generischen Sätze (empirische Wahrheiten, Begriffe [Nennungen] und Bedeutungen) und lässt Aussagen auf eine syntaktische "Tiefenstruktur" ("Tiefengrammatik") reduzierbar machen. (Wissenschaftliche) Theorien als System von analytisch-formallogischen Deduktionen - wie im Bereich der Mathematik (Frege, Gödel) - sind eine "Versprachlichung allgemeinen Wissens" (differenziell-bedingte, materialbegriffliche Inferenzen). Sprechakte allgemeiner Art finden im Formal- und Normalsprachenansatz der heutigen Sprachphilosphie ihr adäquates Umfeld (Sprecherabsicht, "Kooperativität des Verstehens" zwischen Gesprächspartnern [trotz/wegen Metapher, Analogie, Ironie u.a.], Ausdrucksbedeutung; Weltbild, Kultur und Gesellschaft [Normen]); sie sind schließlich verankert in der Grammatik der Sprache, die mit formalen Mitteln aus der "Tiefenstruktur" der Sprache generische Produktionsregeln zur Verfügung stellt, so dass das Anwenden der Regeln als Schemata formal der Bildung von Ausdrücken aus sprachlichen Grundformen (Phoneme, Morpheme, Wörter) dient (dagegen: sinnkritische und Sinn betonende Grundlagen der Sprachphilosophie). [Buhlmann, 01.2016]

Sticker, D. Anna (1978), Kaiserswerther Schattenbilder. Die Büsten von Caspar Ulenberg, Friedrich von Spee, Theodor Fliedner, Florence Nightingale und Herbert Eulenberg im Burggarten der Kaiserpfalz (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.10), [Düsseldorf-Kaiserswerth 1978] > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Stierle, Leopold (1990), Die Herren von Egesheim und ihre Besitznachfolger in Egesheim, in: TutHbll NF 53 (1990), S.60-76. Egesheim im oberen Tal der Bära reicht in alemannisch-karolingische Zeit zurück (Ersterwähnung 770). Hier war das Kloster St. Gallen begütert, das wohl seinen Besitz nach 890 noch erweitern konnte. Um 1188 treten mit Bertolfus de Egensheim (ca.1188, 1217), einem Ministerialen Graf Eginos IV. von Urach, erstmals die Herren von Egesheim in Erscheinung. Mit Cunradus scultetus können weiter die Villinger (Reichs-) Schultheißen Konrad der Ältere (1225) und Konrad der Jüngere (1244) den Egesheimern zugeordnet werden. Ein Heinrich von Egesheim war 1210 (zusammen mit Walther von Spaichingen) Zeuge einer Pfründenstiftung für das Kloster Reichenau (unter Abt Heinrich von Karpfen, dem Nachfolger Hermanns von Spaichingen). Für das 13. und frühe 14. Jahrhundert sind dann Mitglieder der Familie im Seelbuch der Egesheimer Pfarrei überliefert. Ein Konrad von Egesheim, wahrscheinlich ein Sohn des Villinger Schultheißen Konrad des Jüngeren, war Komtur der Rottweiler Johanniterkommende (1274, 1300). Er war wohl im engeren Sinne der Letzte der Herren von Egesheim, deren Nachkommen im bürgerlichen Umfeld in Villingen (Guntfride, Guntfrid-Egesheimer, 13.-15. Jahrhundert), Owelfingen-Aulfingen (14./15. Jahrhundert), Schömberg und Unterdigisheim (14. Jahrhundert), Fürstenberg und Geisingen (15. Jahrhundert) sowie Zürich (14.-15. Jahrhundert) lebten. [Buhlmann, 12.2011]

Stierle, Leopold (1993), Wer waren die Adelspersonen, die sich einst nach Spaichingen nannten?, in: TutHbll NF 56 (1993), S.136-166. I. Die Herren von Spaichingen bildeten im hohen Mittelalter über mehrere Generationen den Adel des Baarortes. Sie standen in vielfältigen Beziehungen zu den benediktinischen Reformklöstern St. Georgen im Schwarzwald, Allerheiligen und Alpirsbach sowie zur Reichsabtei Reichenau. Die Brüder Benno (1084, 1097), Adelbert und Berger (1092) von Spaichingen traten als Zeugen bei Güterschenkungen an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert in Erscheinung, ebenso ein Markward von Spaichingen (1102, 1112), der zudem das Kloster Allerheiligen mit Mansen und einer Mühle in Spaichingen und Aldingen beschenkte. Benno von Spaichingen war testamenti doctor bei der Stiftung des Klosters Alpirsbach (1095, 1099). Im letzten Drittel des 12. und am Anfang des 13. Jahrhunderts war Hermann von Spaichingen Mönch, Propst (1170er-Jahre), Abt (1206) und Küster (1211) des Bodenseeklosters Reichenau. Ein Walther von Spaichingen ist im Reichenauer Umfeld im Jahr 1210 bezeugt. II. Der Reichenauer Abt Hermann von Spaichingen kann noch der hochmittelalterlichen Familie der Herren von Spaichingen zugerechnet werden. Dasselbe gilt für einen (13. Jahrhundert, Anfang) urkundlich genannten Berngerus nobilis vir de Spaichingen, der verwandtschaftliche Beziehungen zu den Herren von Markdorf erkennen lässt. Ob beispielsweise ein zu 1222 genannter "Heinrich, Priester von [in] Spaichingen" noch dem Adelsgeschlecht angehörte oder ob hier "Spaichingen" als Ortsangabe nur die Wirkungsstätte des Priesters bezeichnet, ist unklar. Ebenfalls nur mit Wahrscheinlichkeit behaftet ist die Vermutung, wonach die Spaichinger Ortsadligen in den Herren von Michelstein fortlebten. Vielleicht ist ja von einem "Umzug" der Herren von Spaichingen nach Michelstein (am Rande der damaligen Grafschaft Oberhohenberg) einschließlich Burgenbau um die Mitte des 13. Jahrhunderts auszugehen. Die Michelsteiner Edelfreien treten immerhin in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bei Verkäufen und Schenkungen von Gütern in und um Spaichingen in Erscheinung (1272, 1273, 1276, 1280); vielleicht spielte hierbei die Umorientierung auf die Burg Michelstein eine Rolle. III. Ebenso wenig in Verbindung bringen mit den hochmittelalterlichen Spaichinger Edelfreien lassen sich die im städtischen Umfeld von Freiburg, Rottweil und Villingen auftretenden "Spaichinger" des späten Mittelalters (mit der Benennung nach Spaichingen als Adelsprädikat oder als Herkunftsbezeichnung?). Eine Familie Spaiching ist für Rottweil und Villingen belegt (1322, 1329, 1334, 1345); ein "Berthold der Spaichinger" (†v.1392) war 1359 Villinger Stadtschreiber, 1372 Notar am Rottweiler Hofgericht, 1375 und 1387 Rottweiler Stadtschreiber, 1375 Mitinhaber eines gräflich-kiburgischen Lehens in der Rottweiler Altstadt. IV. Ob die aus dem 14. und 15. Jahrhundert in der Schweiz überlieferten Herren von Gerhausen bzw. Speichingen - unter der Annahme der Einzigartigkeit des Ortsnamens "Spaichingen" - auf die Herren von Spaichingen zurückzuführen sind, kann ebenfalls nicht bewiesen werden. Ein Edelknecht Marquard von Gerhausen lebte gegen Mitte des 14. Jahrhunderts im aargauischen Zofingen. Die Zofinger Herren bzw. Edelknechte de Speichingen alias de Gershusen (1399) sind weiter bezeugt durch: Petermann von Gerhausen (1371), einen weiteren Peter von Gerhausen (1392, †1420?), Gerichtsschreiber in Thun, dessen Sohn Heinrich "von Speichingen bzw. Gerhausen" (1396, †1439?), Magister, kaiserlicher Notar, Schulmeister und Stadtschreiber in Thun, Amsoldingen bzw. Bern, auch Herr von Burgistein und Utingen, dessen Bruder Thomas (†1461) als Mitglied des Kleinen Rats in Bern, Stadtschreiber, Herr von Burgistein und Landvogt, Heinrichs Sohn Peter (†1465) als Mitglied des Berner Großen und Kleinen Rats, als Burg- und Landvogt, Heinrichs Sohn Rudolf (†1476) als Venner in Bern und Landvogt und letzter männlicher Vertreter seines Geschlechts. [Buhlmann, 12.2014]

Stierle, Leopold (1998), Die Burgruine Michelstein-Granegg bei Egesheim, in: TutHbll NF 61 (1998), S.40-74. Ein in Urkunden des Klosters Schaffhausen zwischen 1101 und 1112 erwähnte Reginhart von Michelstein verweist wohl zunächst auf die Burg Michelstein bei Sontheim, weiter auf die Herren von Böbingen und vielleicht auch auf Beziehungen zu den Herren von Spaichingen (Marquart von Spaichingen als Wohltäter des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen). Die Burg Michelstein bei Egesheim datiert vermutlich ab dem 13. Jahrhundert, ab der Mitte des 13. Jahrhunderts treten die Herren von Michelstein dort in Erscheinung (Berkerus von Michillenstain, 1266), enge Verbindungen zu den Herren von Spaichingen - wohl als Erbauer der Egesheimer Burg Michelstein - sind wahrscheinlich (Leitname "Berkerus"). Bis 1280 sind die Michelsteiner u.a. durch Schenkungen von Gut in Spaichingen bezeugt, die Witwe Elisabeth von Michelstein (von Werenwag?) gründete zusammen mit ihrer Tochter Agnes um 1300 eine (bis 1520 bestehende) Beginenklause in Egesheim. Im 14. Jahrhundert sind dann wahrscheinlich Herren von Dürrwangen (über Agnes?) Besitzer der Burg Michelstein, die vielleicht im Jahr 1356 Opfer eines schweren Erdbebens in Süddeutschland wurde und deren Besitzungen im 1. Städtekrieg (1376-1378) wohl Opfer eines Angriffs Rottweiler Bürger (u.a. auf Bubsheim) wurden. Zu 1427 werden dann erstmals die Herren von Balgheim als Besitzer des "Burgstalls" Michelstein und Lehnsinhaber der zugehörigen Güter genannt (Burgstall Michelstein mit Zubehör als Lehen des Burkhart von Balgheim [†1456]), mit anderen Lehen zusammengefasst zum österreichisch-oberhohenbergischen Burglehen Fridingen. 1498 erfolgten der Verkauf des Fridinger Burglehens und die Neubelehnung an Konrad von Stein von Steinegg, ab 1509 finden sich ein Wolf Swenninger und sein Bruder Wolf Sigmund im Besitz des Lehens. 1537 kam das Burglehen mit Hieronymus Ifflinger (†1577) an die (Frei-) Herren von Ifflinger-Granegg, die es bis zur Allodifizierung des Lehens (1791/92) und dem anschließendem Verkauf (1793) besaßen (Burgruine Michelstein-Granegg). [Buhlmann, 02.2013]

Stiewe, Klaus, Holzberg, Niklas (1982), Polybios (= WdF 347), Darmstadt 1982 > P Polybios

Stievermann, Dieter (1980), Die fürstenbergische Klosterpolitik bis ins Reformationszeitalter. Ein Beitrag zum herrschaftlichen Vogteiverständnis und zum landesherrlichen Kirchenregiment, in: SVGBaar 33 (1980), S.85-99 > F Fürstenberger

Stobbe, O. (1887), Die Judenprivilegien Heinrichs IV. für Speier und Worms, in: ZGJD 3 (1887), S.205-215 > J Juden im Mittelalter

Strauß, Ulrike (1983), Das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Marienberg bei Helmstedt. Beiträge zu seiner Geschichte bis zur Reformation (= Braunschweigisches Jahrbuch, Beih.1), Braunschweig 1983 > M Marienberg

Stroh, Wilfried (2008), Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache (= List 60809), Berlin 2008 > L Latein

Struck, Wolf-Heino (1972), Die Stiftsgründungen der Konradiner im Gebiet der mittleren Lahn, in: RhVjbll 36 (1972), S.28-52 > K Konradiner

Struve, Tilmann (2006), Lampert von Hersfeld, der Königsraub von Kaiserswerth im Jahre 1062 und die Erinnerungskultur des 19. Jahrhunderts, in: AKG 88 (2006), S.251-278 > K Kaiserswerth

  Stuchtey, Benedikt (2012), Geschichte Irlands (= BSR 2765), München 2012, 128 S., 1 Karte, 1 Zeittafel, € 8,95. Irland, die Insel im Atlantik, war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Zielpunkt äußerer Einflüsse, angefangen bei den Invasionen der Wikinger (ab 793) und Normannen (ab 1169). Dabei war das keltische Irland, aufgeteilt in kleinere Herrschaften und Kleinkönigtümer, seit dem 5. Jahrhundert eine christliche Insel (heiliger Patrick), eine vom römischen Papsttum zunächst unabhängige christliche Mönchskirche mit bedeutenden Klöstern (u.a. Bangor; Klostersiedlungen); die irische peregrinatio im merowingischen Frankenreich (Columban der Ältere, der Jüngere, Gallus) steht damit in Zusammenhang. Die Wikinger errichteten in Irland Handelsplätze und Militärstützpunkte (Cork, Dublin [852], Limerick), im 12. Jahrhundert gab es - nach einem geeinten Irland zur Zeit der Wikingerinvasionen? (Schlacht bei Clontarf 1014) - die vier Königreiche Ulster, Connacht, Leinster und Munster; Streitigkeiten zwischen Leinster und Connacht begünstigten indirekt die anglonormannische Eroberung Irlands (1169/72) unter dem angevenisch-englischen König Heinrich II. (1154-1189). Die englische Kolonisierung und Herrschaftsdurchdringung des 13. Jahrhunderts (Grafschaften, Baronien) machte aus Irland ein gespaltenes Land zwischen Ost und West, zwischen den eingewanderten Anglo-Iren auf der einen und der eingesessenen irischen Bevölkerung auf der anderen Seite. Im 14. und 15. Jahrhundert zeichnete sich die Unregierbarkeit der Insel ab (Vernichtungsfeldzug des Edward Bruce 1315-1318, Statut von Kilkenny 1366 [rechtliche Trennung von Engländern und Iren], Besuch Irlands durch den englischen König Richard II. [1377-1399] 1394), faktisch schrumpfte das Gebiet englischen Einflusses in Irland auf die Dubliner Region ("Pale" 1446) und einige Städte (Athlone, Meath, Trim, Wicklow); englische Herrschaft wurde gerade von den Anglo-Iren getragen (Poynings' Law 1494; Verbot eines irischen Parlaments ohne Zustimmung des englischen Königs), während Ulster und Connacht zunehmend wieder gälisch wurden. Im Zusammenhang mit englischer Reformation und anglikanischer Kirche entwickelte sich bei neuerlicher englischer (englisch-schottischer) Durchdringung Irlands (Politik der "Plantation" im 16. Jahrhundert) der katholisch-protestantische Gegensatz auf der Insel zwischen Iren und Engländern (Act of Uniformity 1560). Eher am Katholizismus (und an irischer Kultur) orientiert war dabei die sich im 16. und 17. Jahrhundert in ganz Irland ausbildende Schicht der "Old English", während die im Zuge der englischen Besiedlungspolitik neu nach Irland kommenden "New English" (oder "Ascendancy") protestantisch waren. Die religiöse Benachteiligung der katholischen Iren ging einher mit deren wirtschaflicher Benachteiligung (Enteignungen in der Landwirtschaft), Irland wurde von der englischen Krone wirtschaftlich ausgebeutet (Rodung des Waldbestandes im 17. Jahrhundert). Der irisch-englische Gegensatz entlud sich in Revolten und Strafmaßnahmen (Rebellion von Portadown 1641, Konföderation von Kilkenny 1642, Vergeltungsfeldzug Oliver Cromwells 1649/50). Irland war wirtschaftlich und kulturell in einen gälischen Westteil (Connacht) und östlichen, englisch dominierten Teil gespalten (mit dem Shannon als Grenze). Die "Ascendancy" als protestantische Oberschicht Irlands etablierte sich nach der "Glorious Revolution" in England (1688), der Schlacht am Fluss Boyne (1690) und dem Frieden von Limerick (1691; Religionsfreiheit für die katholische Bevölkerung Irlands). Das protestantisch dominierte Irland des 18. Jahrhunderts sah im Gegen- und Miteinander der Religionen (einschließlich der Prebyteraner und Quäker) Entwicklungen bei Literatur (Jonathan Swift) und geistigem Leben (Zeitungen [1706, 1725], Dublin Philosophical Society 1731], Einflüsse der Amerikanischen und Französischen Revolution auf das Bürgertum [ab 1776/89]) und bei Wirtschaft und Handel (Landesausbau und Landfrage, Intensivierung der Landwirtschaft [Kartoffel-, Getreideanbau], irischer Außenhandel im British Empire [Dublin, Belfast; Freihandel]); am Ende des 18. Jahrhunderts stand die Rebellion von 1798. Im Jahr 1801 folgte die Union zwischen Großbritannien und Irland - sie steht am Anfang des "langen 19. Jahrhunderts", irische Abgeordnete fanden Platz im Londoner Parlament, es entstand in Irland eine öffentliche Meinung, der wirtschaftlichen Armut und den massiven Bildungsdefiziten (Analphabetismus) breiter Bevölkerungsschichten zum Trotz. Die große Hungersnot von 1845/49 verstärkte die irische Auswanderung u.a. nach Nordamerika, aber auch die Wanderung in die Städte (Urbanisierung Irlands). Die Hungersnot erwies sich als große soziale und geistige Zäsur (Neudefinition des Protestantismus und des Katholizismus, irisch-republikanische Bewegung der "Fenier"). Die von England ausgehende industrielle Revolution führte im Irland des 19. Jahrhunderts allerdings nur zu einem schwachen Ausbau nichtagrarischer Wirtschaftstätigkeiten (Bier- und Whiskeybrauereien [Guiness], Schifffahrtskanäle [Royal Canal 1817, Grand Canal 1835], Eisenbahnauf- und -ausbau [Dublin-Wicklow 1834]), während der irische Agrarexport (Leinen, Butter, Fleisch) in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter anstieg. Die britische Regierung verfolgte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bzgl. Irlands eine Politik der Selbstverwaltung ("Home Rule", Government of Ireland Bill 1886; "konstruktiver Unionismus"), doch standen dem massive soziale Gegensätze entgegen ("Landkrieg" 1879/82, Boykott der Landgesetze durch die Irish land League 1881/82, Orangemen und Orange Order in Nordirland, Partei Sinn Feín 1905). Die Radikalisierung in der irischen Politik führte nach Erstem Weltkrieg (1914-1918) zum Unabhängigkeitskrieg (1919/21) und zum Anglo-Irischen Vertrag von 1921 (Bildung eines Irischen Freistaats innerhalb des britischen Commonwealth) und im Bürgerkrieg von 1922/23 zur Abtrennung des protestantisch beherrschten Nordirlands, das weiterhin mit Großbritannien verbunden blieb. Der Irische Freistaat (Verfassung von 1922) löste sich in der Folgezeit aus der Bindung zu Großbritannien (Aufnahme in den Völkerbund 1923, Verfassung von 1937, Republik Éire 1945, Austritt aus dem Commonwealth 1949). In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stand der Nordirlandkonflikt (1969/98/2007) politisch im Vordergrund, Irland trat 1973 in die Europäische Gemeinschaft ein und liberalisierte sich in der Folgezeit gesellschaftlich (Abtreibung, Ehe, katholische Kirche) und wirtschaftlich (Welthandel und Globalisierung, Finanzkrise [2008]). [Buhlmann, 11.2012]

Studien zum Althochdeutschen, hg. v.d. Kommission für das Althochdeutsche Wörterbuch der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Das Deutsche gehört zu den germanischen Sprachen innerhalb der indoeuropäischen Sprachengruppe (1. oder germanische Lautverschiebung). Man unterscheidet eine durch das Althochdeutsche (Fränkisch, Alemannisch, Bairisch, Thüringisch) gekennzeichnete Frühgeschichte der deutschen Sprache (6./7./8.-11. Jahrhundert) vom Mittelhochdeutschen (11.-14. Jahrhundert) und Frühneuhochdeutschen (14.-17. Jahrhundert).
Bd.17: (1991): Meineke, Birgit, Althochdeutsche -scaf(t)-Bildungen, Göttingen 1991, 219 S., € 4,-, unterscheidet für die frühe Zeit des Althochdeutschen im 8. und 9. Jahrhundert Bildungen mit dem Suffix -scaf (bolgenscaft, ... giwizscaf; -scaf als Ordnung mit Maß, gesellschaftliche Ordnung [Gemeinschaft, Zustand], Einordnung des Einzelnen in die Gesellschaft [Rang, Handlungen, Beziehungen]) von Wortbildungen auf -scaft (frumiscaft, ... giscafti als ti-Abstrakta; -scaft als Schöpfung, schöpferische Tätigkeit) und konstatiert eine Vermengung der beiden Suffixe im Alhochdeutschen bis zum 11. Jahrhundert (althochdeutsche Wortfamilie um germanisch *skap; mittelhochdeutsches -schaft). Nach Bd.18 (1992): Wessing, Ulf, Interpretatio Keronis in Regulam Sancti Benedicti. Überlieferungsgeschichtliche Untersuchungen zu Melchior Goldasts Editio princeps der lateinisch-althochdeutschen Benediktinerregel, Göttingen 1992, 874 S., € 4,-, ist nicht entscheidbar, ob das 1606 gedruckte lateinisch-althochdeutsche Glossar des Schweizer Humanisten Melchior Goldast (*1576/78-†1635) auf die althochdeutsche Interlinearversion der lateinischen Benediktsregel im St. Galler Codex Sangallensis 916 (mit den erschlossenen nur lateinischen Vorlagen **916 und *916) aus dem Anfang des 9. Jahrhunderts zurückgeht oder ob ein unbekannter Codex (eines fiktiven St. Galler Mönches Kero/Kerolt) die Vorlage der Regeledition Goldasts bot; Letzterer müsste dann ebenfalls in St. Gallen entstanden sein und für den lateinischen Regeltext als Vorlage gehabt haben den Codex Sangallensis 914 aus dem 1. Drittel des 9. Jahrhunderts, der als eine letztlich über die Reichenauer Mönche Grimald und Tatto nach St. Gallen vermittelte Abschrift des Aachener Normalexemplars der Benediktsregel (Reformen des Benedikt von Aniane, karolingische Textreform) gilt. Bd.20 (1993): Schlechter, Armin, Die althochdeutschen Aratorglossen der Handschrift Rom Biblioteca Apostolica Vaticana Pal. Lat. 1716 und verwandte Glossierungen, Göttingen 1993, 395 S., € 4,-, beschäftigt sich anhand von sechs mittelalterlichen Handschriften mit der althochdeutschen (Werktext-) Glossierung des bis 544 entstandenen lateinischen Versepos De actibus apostolorum des spätantik-christlichen Dichters Arator. > Lateinische Literatur > A Arator. Bd.21 (1993): Sousa Costa, Annette de, Studien zu volkssprachigen Wörtern in karolingischen Kapitularien, Göttingen 1993, 350 S., € 4,-, untersucht die über 1000 Nennungen von althochdeutschen, auch sächsischen, frankolateinischen und volkssprachigen, Gesellschaft und Recht betreffenden Wörtern und Begriffe in Kapitularien der Karolingerzeit bzw. in merowingischen Rechtstexten; die nichtlateinischen Rechtswörter der karolingerzeitlichen Kapitularien strahlten u.a. nach Italien und Spanien aus. Im Einzelnen sind zu nennen: bannus u.ä. = Bann, königlicher Bann mit Gebot und Verbot, Verordnung, Strafe; forbannire = befehlen, zwingen; heribannus = Ablösen vom Wehrdienst durch Geld; ewa = lex, Volksrecht; mallum u.ä. = ungebotenes Ding; mannitio u.ä., maria = Ladung zum Gericht; sunnis u.ä. = Hinderungsgrund für das Erscheinen bei Gericht; affatomia = Adoption; morganegiba = Morgengabe; aframere = beeiden; wadia u.ä. = Pfandsetzung/Selbstvergeiselung; videredum = Widereid gegeneinander; faida u.ä. = Fehde; fredum, wargida = Friedensgeld; wergeldus u.ä., leudis = Wergeld; launegild = Gegenschenkung; marrire u.ä. = Recht verletzen; allodium u.ä. = ererbtes Eigengut; wiffa = Beschlagnahme; gurpire = verzichten; marca = Grenze; plivium = Sorge für ...; wacta = Wachdienst; warda = Spähdienst; heribergum u.ä. = Herberge; muta = Zoll; scara u.ä. = Fron-, Transportdienst, Schar innerhalb des Heeres; harmiscara = Demütigung durch Strafe; herisliz = Fahnenflucht; scaftlegi = Aufhebung des Heeresaufgebots; adfanniri = Einberufung zum Heer; werra = Aufruhr; landweri = Landwehr, Reichsverteidigung; warnire = ausrüsten; mordrire u.ä. = ermorden; farfalius = Frevel; scach = Raub; tesceia = Raub; harizuht u.ä. = Raubzug; mitio = Verwaltungsbezirk; gildonia, gilda = Eidgemeinschaft; trustis, antrustio = Gefolgschaft; fello = Mensch; unvermago = unvermögend; tilli = Erwerb; reipus = Reifgeld. Bd.22 (1993): Schulte, Wolfgang, Die althochdeutsche Glossierung der Dialoge Gregors des Großen, Göttingen 1993, 1013 S., € 4,-, untersucht insgesamt 31 mittelalterliche Handschriften des 8.-13. Jahrhunderts mit glossierten Dialogen Papst Gregors des Großen (590-604) (Werktextglossierung) bzw. mit der Glossarüberlieferung zu den Dialogen Gregors. > Lateinische Literatur > G Gregor der Große. Bd.23 (1994): Meineke, Eckhard, Abstraktbildungen im Althochdeutschen. Wege zur ihrer Erschließung, Göttingen 1994, 590 S., € 4,-, untersucht (Immaterielles bezeichnende) Abstrakta als althochdeutsche Substantive u.a. mit rat-, -nissa, -ôd, -tuom und kommt daraus zu allgemeinen Schlüssen hinsichtlich Wortbildung und -bedeutung sowie Begrifflichkeit, weiter hinsichtlich der Lexikografie des Althochdeutschen. Bd.24 (1994): Möllmann, Ulrich, Die althochdeutschen Adjektive auf -sam, Göttingen 1994, 308 S., € 4,-, beschäftigt sich mit der (Glossen-, literarischen) Überlieferung und Funktion althochdeutscher Adjektive auf -sam (arbeitsam, ... wunnisam) bzgl. ihrer (auch zeitlichen) Häufigkeitsverteilung in den Schriftquellen, ihrer (starken, schwachen) Flexion, ihrer Wortbildung (aus Substantiven, Adjektiven, Verben; Kompositionsfuge), ihrer Semantik (Wortbildungsmittel -sam signalisiert Bewirken, Haben, Neigung, Entsprechung, Herkunft u.a. als oder verstärkt die Wortbedeutung) und ihrer Etymologie (indogermanische Wurzel *sem für "eins", germanisch *sama für "derselbe"). Bd.26 (1994): Ertmer, Dorothee, Studien zur althochdeutschen und altsächsischen Juvencusglossierung, Göttingen 1994, 407 S., € 4,-, beschäftigt sich anhand von zehn mittelalterlichen Handschriften mit der althochdeutschen (Werktext-) Glossierung der wohl um 330 entstandenen lateinischen Evangelienharmonie des spätantik-christlichen Dichters Juvencus. > Lateinische Literatur > J Juvencus. Bd.36 (1999): Flöer, Michael, Altêr uuîn in niuuen belgin. Studien zur Oxforder lateinisch-althochdeutschen Tatianabschrift, Göttingen 1999, 464 S., € 4,-, weist für die um 1600 (aus einem älteren Codex unbekannter Zeitstellung) entstandene Abschrift einer lateinisch-althochdeutschen Bilingue von Tatians Evangelienharmonie (Diatesseron) (Apograph) und ihrer Bearbeitung durch den niederländischen Späthumanisten Franciscus Junius (*1589-†1677) im Oxforder Codex Ms. Junius 13 (OT) auf Grund des Vergleichs von lateinischem und althochdeutschem Text mit den entsprechenden Textteilen des St. Galler Codex Sangallensis 56 (T) sowie der Vulgata nach: die Arbeitsweise des Junius (und des unbekannten Kopisten), die Unterschiede und die relativ weitgehende Textidentität beim Althochdeutschen zwischen T und OT, die Herkunft der (wenigen kopialen) Vorstufen von OT letztlich vom Kloster Fulda (weniger St. Gallen) und aus dem 1. Viertel des 9. Jahrhunderts. [Buhlmann, 09.2011, 07.2012]

Stürner, Wolfgang (1992/2000), Friedrich II. (= GMR): Tl.1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Darmstadt 1992 > F Friedrich II. (von Hohenstaufen)

Stüwer, Wilhelm (1973), Zur Werdener Besitzgeschichte in Friesland, in: Westfalen 51 (1973), S.57-66 > W Werden

Stüwer, Wilhelm (Bearb.) (1980), Die Reichsabtei Werden an der Ruhr (= GS NF 12 = Das Erzbistum Köln 3), Berlin-New York 1980 > W Werden

stw = suhrkamp taschenbuch wissenschaft

Suitbert, Heiliger und Missionar: I. Der Angelsachse Suitbert (†713) gehörte zu den Männern, die den christlichen Missionar Willibrord (†739) zum Festland nach Friesland begleiteten (690). Über ihn lässt sich nur bei dem angelsächsischen Mönch und Gelehrten Beda Venerabilis (†735) Konkretes, während die sog. Marcellinusvita des späten Mittelalters von Erfindungen nur so strotzt. Beda hebt Suitbert aus der Schar der Gefährten Willibrords hervor und widmet ihm in seiner "Kirchengeschichte des englischen Volkes" (Historia ecclesiastica gentis Anglorum) einen eigenen Abschnitt. Danach befand sich im Jahr 692 Willibrord auf seiner ersten Romreise, als sich einige von dessen Mitstreitern - in Opposition zu dem Friesenmissionar? - dazu entschlossen, Suitbert zum Bischof erheben zu lassen. Suitbert kehrte nach England zurück und ließ sich von Wilfrid von York (†709), damals Bischof von Hexham, weihen. Die Trennung (?) von Willibrord war damit vollzogen, und Suitbert wandte sich der Bekehrung der fränkischen Boruktuarier zwischen Ruhr und Lippe zu. Dort muss er erfolgreich gewirkt haben, als dieser Stamm von eindringenden Sachsen - wohl gegen 695 - unterworfen und die Missionsarbeit zunichte gemacht wurde. Suitbert konnte daraufhin mit Unterstützung des fränkischen Hausmeiers und princeps Pippin des Mittleren (687-714) und auf Veranlassung von dessen Ehefrau Plektrud (†n.717) nahe der fränkisch-sächsischen Grenzzone auf einer Rheininsel, dem späteren Kaiserswerth (In litore), ein Kloster gründen. Als Ausstattung des Klosters können Güter des Hausmeiers bzw. Königsgut angenommen werden, wahrscheinlich auch Besitz der Plektrud. Auf (entfremdetes?) merowingisches (oder doch erst karolingisches?) Königsgut (als ehemaliger römischer Staatsbesitz entlang der Rheingrenze?) mag dabei die spätere Existenz einer Königspfalz auf der Kaiserswerther Rheininsel hinweisen; in der hochmittelalterlichen Überlieferung wird eine curtis Rinthusen genannt. Sonstiger Besitz für das Kloster Suitberts kann nur vermutet werden, mag sich aber in der näheren links- und rechtsrheinischen Umgebung von Kaiserswerth befunden haben. Ein Diplom des spätkarolingisch-ostfränkischen Königs Ludwig IV. des Kindes (900-911) vom 3. August 904 kann dafür vielleicht herangezogen werden. Die Urkunde verweist auf Besitz und Grundherrschaft des Klosters Kaiserswerth mit seinen Außenstationen, einem Fronhof auf der Insel (dem späteren Freihof der Pfalz), einem vor der Insel (Rinthusen), den Höfen und Hufen (Mansen) links und rechts des Rheins. Ob auch Besitz (Pfarrei) im mittelrheinischen Rheinbrohl von Pippin und Plektrud an Suitbert geschenkt wurde, wie es (legendenhafte?) frühneuzeitliche Rheinbrohler Überlieferung wissen will, ist - den Beziehungen zum Karolingerkloster Nivelles und der Verehrung der karolingischen Heiligen Gertrud von Nivelles (†659?) in Rheinbrohl zum Trotz - höchst unklar. Nach Kaiserswerth, seiner "Bleibe" (mansio), zog sich Suitbert wohl kurz nach 695 (698?) zurück, von weiteren Missionierungen bzw. Missionierungsversuchen berichtet Beda nichts. Wohl geben spätere Quellen vermeintliche Auskunft über das Wirken des Heiligen in Rheinbrohl, bei Jülich und im Bergischen Land, doch könnten lediglich die mittelalterliche Suitbertus-Tradition in Ratingen und das womöglich ins 8. Jahrhundert hineinreichende Alter einer Vorgängerkirche des Ratinger Gotteshauses auf Mission und Kirchenorganisation durch Suitberts Nachfolger im rechtsrheinischen Kaiserswerther Vorfeld hinweisen. Am 1. März des Jahres 713 ist dann Suitbert vermutlich in Kaiserswerth verstorben und sicher dort begraben worden. Willibrord verzeichnete den Todestag in seinem Festkalender, der angelsächsische Kirchenmann Alkuin (†804) nannte Suitbert in seinem "Gedicht über die Heiligen der Kirche von York" "besonders hervorragend". Bischof Radbod von Utrecht (901-917), ein später Nachfolger Willibrords, verfasste eine Homilie auf Suitbert. II. Vermöge der Kontakte zwischen Bischof Hermann von Verden (1148-1167) und dem Kaiserswerther Kanonikerstift - Hermann war auch Propst des Pfalzstifts auf der Rheininsel (n.1158-1167) - gelangten wahrscheinlich bis 1157 Kaiserswerther Suitbert- (und Willeicus-) Reliquien nach Verden und halfen, den dortigen Kult um Suitbert zu begründen. Eine um 1150 auf König Karl den Großen (768-814) gefälschte Verdener Urkunde machte aus Suitbert den "ersten Bischof" des sächsischen Bistums. Anders aber als in Kaiserswerth entfaltete Suitbert in der Verdener Diözese nur wenig Wirkung. Für die Gläubigen in und um Verden in Mittelalter und früher Neuzeit blieb der Heilige eher blass und gesichtslos, was vielleicht auch der ungenügenden historischen Verortung einer Person geschuldet war, die einerseits um 700 lebte (Kaiserswerther Überlieferung), andererseits zu Zeiten Karls des Großen leben sollte (Verdener Überlieferung). In jedem Fall gehörte Suitbert zu der Gruppe von angelsächsischen Missionaren, die (Alt-) Sachsen für das Christentum gewannen. III. Spätmittelalterlich und frühneuzeitlich ist zudem die Verehrung des Bischofs Suitbert im Erzbistum Bremen und Bistum Osnabrück.
An Quellen und Literatur zu Suitbert seien genannt: Buhlmann, Michael (2008), Suitbert, Liudger und die Missionierung Nordwesteuropas (= BGKw MA 6), Düsseldorf-Kaiserswerth 2008, 40 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2010), Beda Venerabilis, Suitbert und Kaiserswerth (= BGKw MA 11), Düsseldorf-Kaiserswerth 2010, 44 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2013), Suitbert: Missionar und Klostergründer (im Umfeld des merowingischen Frankenreichs) (= BGKw MA 16), Düsseldorf-Kaiserswerth 2013, 40 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2013), Suitbert, Kaiserswerth und Verden a.d. Aller (= BGKw MA 17), Düsseldorf-Kaiserswerth 2013, 40 S., € 4,-; Heyken, Enno (1976), Die Verehrung des heiligen Swibert von Kaiserswerth im ehemaligen Bistum Verden an der Aller (mit Erläuterungen zu Verdener Quellen), in: JbnsKG 74 (1976), S.65-127; Leben, Wunder, und Tugenden des h. Swiberti, Patronen der Collegiat-Kirchen zu Kayserswerth, Bischofs und Apostels von Holland, Friesland, Sachsen, Westphalen, und anderer benachbarten Landen, welche er zum Christenthum gebracht - beschrieben von dem h. Marcellino seinem Mitgefährten, und Gesellen; und h. Ludgero ersten Bischof zu Münster in Westphalen - aufs neu aufgelegt im tausentfunfzigsten Jahr nach Ableben dieses heiligen Apostels, hg. v.d. Katholischen Kirchengemeinde St. Suitbertus u.a. (1998), Nachdruck [Düsseldorf-] Kaiserswerth 1998; Schäferdiek, Knut (1995), Suidberht von Kaiserswerth, in: DJb 66 (1995), S.1-21. [Buhlmann, 03.2008, 09.2010, 03.2013, 05.2013, 06.2013, 07.2013]

Sulpicius Severus: Des Sulpicius Severus Schriften über den hl. Martinus, des heiligen Vinzenz von Lerin Comminitorium, des heiligen Benediktus Mönchsregel, übers. v. Pius Bihlmeyer u.a. (= BdK Reihe 1, Bd.20), Kempten-München 1914, DM 30,- > Lateinische Literatur > S Sulpicius Severus

  Sulzburg, Kirche, Frauengemeinschaft: Am Anfang der Geschichte der Frauengemeinschaft im 840 erstmals genannten Sulzburg stehen die Urkunden König Ottos III. (984-1002) und Heinrichs II. (1002-1024) von 993 und 1004. 993 errichtete ein Graf Birthilo, vielleicht identisch mit dem Zähringer "Bezelinus von Villingen" (991/96-1024), ein Benediktinerinnenkloster, dessen Kleriker Bezelin 1004 eine Markturkunde für den Klosterort Rinken erhielt. 1008 wurde die Frauenkommunität dem Baseler Bischof unterstellt, die Herren von Üsenberg gelangten an die Vogtei, die seit 1371 in den Händen der Grafen von Freiburg, dann in denen der Markgrafen von Hachberg lag. Seit 1415 gehörten Kloster und Stadt Sulzburg zum badischen Territorium, Markgraf Ernst von Baden-Durlach (†1553) machte Sulzburg zu seiner Residenz (1515/35). Das Kloster wurde 1548 vorläufig, 1556 endgültig aufgehoben, 1769 fielen die Klostergebäude einem Brand zum Opfer, nur die vorromanisch-romanische Klosterkirche, dem Cyriakus geweiht, überstand die Zeiten.
Verwiesen sei auf: Hauser, Uwe, Fries, Helmut (2011), Sulzburg. St. Cyriak (= Peda Kunstführer Nr.832), Passau 2011, 33 S., Farbabbildungen, Pläne, € 3,50. [Buhlmann, 07.2016]

SVGBaar = Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar

Sydow, Jürgen (Bearb.) (1984), Die Zisterzienserabtei Bebenhausen (= GS 16 = Das Bistum Konstanz 1), Berlin-New York 1984 > B Bebenhausen

Szkiet, Christine (2005), Reichenauer Codices in Schaffhausen. Die frühen Handschriften des Schaffhauser Allerheiligenklosters und ihre Stellung in der südwestdeutschen Buchmalerei des 11. Jahrhunderts (= Kieler kunsthistorische Studien, Neue Folge, Bd.9), Kiel 2005 > R Reichenau

Szyrocki, Marian (Hg.) (1977), Poetik des Barock (= RUB 9854), Stuttgart 1977, 269 S., DM 1,-. Die deutsche Barockdichtung im 17. Jahrhundert war stark eingebunden in eine (lateinisch-antike) Theorie der Poetik (deutschsprachige Poetiken), die sich bemühte literarische Vorbilder aus Antike, Mittelalter und Humanismus nutzbar zu machen (rhetorische Tradition, Rhetoriken: inventio, loci communes ["Gemeinplätze", Topik]; dispositio, Gliederung, Thematik; elocutio, Stillehre, Verskunst [Metrik, Reimkunst]). Deutschsprachige Poetiken des Barock sind dann: Martin Opitz (*1597-†1639), Buch von der deutschen Poeterey (1624); Augustus Buchner (*1591-†1661), Anleitung Zur Deutschen Poeterey (1630er, 1663); Philip Zesen (*1619-†1689), Deutscher Helicon (1640); Johann Peter Titz (*1611-†1689), Zwey Bücher Von der Kunst Hochdeutsche Verse und Lieder zu machen; Johann Klaj (*1616-†1656), Lobrede der Teutschen Poeterey (n.1644); Philipp Harsdörfger (*1607-†1658), Poetischer Trichter; Andreas Tscherning (*1611-†1659), Unvorgreiffliches Bedencken über etliche mißbräuche in der deutschen Schreib- und Sprach-Kunst (1640er-, 1659); Gottfried Wilhelm Sacer (*1635-†1699), Nützliche Erinnerungen Wegen der Deutschen Poeterey (1661), Reime dich oder ich fresse dich (1673); Daniel Georg Morhof (*1639-†1691), Unterricht Von der Teutschen Sprache und Poesie; Albrecht Christian Rotth (*1651-†1701), Vollständige Deutsche Poesie; Christian Weise (*1641-†1708), Curiöse Gedancken Von Deutschen Versen; Benjamin Neukirch (*1665-†1729), Vorrede der Anthologie "Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen Gedichte" (1695). [Buhlmann, 11.2015]

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z