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Rezensionen (Geschichte)
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Lademacher, Horst (1983), Geschichte der Niederlande. Politik, Verfassung, Wirtschaft, Darmstadt 1983 > N North, Geschichte der Niederlande

Läufer, Thomas (Hg.) (2005), Verfassung der Europäischen Union. Verfassungsvertrag vom 29. Oktober 2004. Protokolle und Erklärungen zum Vertragswerk (= bpb Schriftenreihe, Bd.474), Bonn 2005 > E Europäische Union

Lagerlöf, Selma, schwedische Schriftstellerin: Selma Lagerlöf, geboren am 20. November 1858 im schwedischen Ma°rbacka, war Lehrerin, bevor sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Ihr Erstlingswerk "Gösta Berling" (1891) begründete ihren Weltruhm (Nobelpreis für Literatur 1909, Mitglied der schwedischen Akademie der Wissenschaften 1914). Es folgten, u.a. als moderne religiöse Dichtung: "Die Königinnen von Kungahälla" (1899), "Die Wunder des Antichrist" (1899), "Jerusalem" (1901), "Herrn Arnes Schatz" (1904), "Christuslegenden" (1904), "Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" (1907), "Ein Stück Lebensgeschichte" (1908), "Ma°rbacka - Erinnerungen" (1922), "Aus meinen Kindertagen" (1930) u.a. Lagerlöf starb am 16. März 1940 in Ma°rbacka.
Von Lagerlöfs literarischem Werk sind u.a. erschienen: Lagerlöf, Selma (1891), Gösta Berling (= dtv 59/60), München 1962, 392 S., DM 4,80; Lagerlöf, Selma (1894/1925), Die schönsten Legenden (= dtv 1391), München 1978, DM 6,80. [Buhlmann, 09.2017]

Lambrechts, Paul, Rosenfeld, Hellmut u.a. (Bearb.) (1961), Abriß der Geschichte antiker Randkulturen (= Oldenbourg Abriß der Weltgeschichte), München 1961 > V Vorgeschichte

Landwehr, Achim (2014), Geburt der Gegenwart. Die Geschichte der Zeit im 17. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 2014, 445 S., Schwarzweißabbildungen, € 24,99. Im 17. Jahrhundert ist in Europa ein Wandel im Zeitbewusstsein zu vermerken. U.a. Kalender(blätter) und Zeitungen waren die Druckmedien, die auf diesen Wandel hinweisen; Uhren und Kalender standen für die sich ausweitende Macht einer Zeiterfassung, die nunmehr autonom von Geschehnissen und Ereignissen war; Zeitmessung maß das Verstreichen der Zeit, ließ also das Gemessene verschwinden (Zeitverlust). Die Menschen begannen in mehreren sozialen Zeiten zu leben (Vielzeitigkeit/Pluritemporalität), die christlich-religiöse Zeit zwischen Weltschöpfung und Weltende (Jüngstes Gericht) wurde nicht mehr als absolut angesehen; das Weltende verschwand aus dem Zeitbewusstsein, es gab einen Anfang ohne Ende, eine nicht vorherbestimmbare Zukunft, wodurch die Gegenwart für den Einzelnen bedeutsam (Einordnung persönlicher Erfahrungen in die Zeit), die Zukunft (im Rahmen von Wahrscheinlichkeiten, Entwicklungen und Projekten) planbar wurde (temporaler Rahmen). Die "Geburt eines neuen Zeitwissens" passt zu den wissenschaftlichen Entdeckungen des (ausgehenden) 17. Jahrhunderts, repräsentiert u.a. durch Galileo Galilei und Isaac Newton. [Buhlmann, 11.2014]

Lange, Irmgard [o.J.], Caspar Ulenberg (1548-1617) (= Heimatkundliches in und um Kaiserswerth, Nr.6), [Düsseldorf-Kaiserswerth] o.J. > H Heimatkundliches in und um Kaiserswerth

Langen, Ruth (1989), Die Bedeutung von Befestigungen in den Sachsenkriegen Karls des Großen, in: WZ 139 (1989), S.181-211 > K Karl der Große

Langenbach, Wilhelm (1911), Stift und Stadt Werden im Zeitalter des dreißigjährigen Krieges, in: WB 15 (1911), S.1-145 > W Werden

Larnder, Harold (1984), The Origin of Operational Research, in: OR Forum 32,2 (1984), S.465-475. Die Anfänge des Operations Research (OR) liegen in Krieg und Kriegsplanung, bei Militär. OR-ähnliche Betrachtungen finden sich bei Archimedes, Leonardo da Vinci, Galilei Galileo oder J.H. Pointing (1877), doch erst die Jahre vor und im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) haben OR im eigntlichen Sinn enstehen lassen bzw. befördert (deutsche "Luftwaffe" und britische Luftabwehr [1930er-Jahre], Battle of Britain [1940]). [Buhlmann, 08.2014]

Latein, indoeuropäische Sprache: Latein, die lateinische Sprache ist vor rund 2700 Jahren entstanden und war zunächst die Sprache der Römer, der Einwohner des sich zur Stadt entwickelnden Roms. Für das 6. vorchristliche Jahrhundert ist die früheste lateinische Inschrift in Rom bezeugt, weitere Inschriften lassen den Zusammenhang des frühen Latein zur italischen Sprachgruppe und mithin zum Oskischen und Umbrischen erkennen. Latein gehört damit zur Gruppe der von Europa bis nach Indien verbreiteten indogermanischen Sprachen. Mit dem politischen Aufstieg des Stadtstaates Rom zur den Mittelmeerraum beherrschenden Weltmacht (Imperium Romanum) verbreitete sich die lateinische Sprache von England bis nach Syrien, wobei im östlichen Mittelmeerraum das Griechische vorherrschend blieb. In die Epochen der mittleren und späten Republik sowie der römischen Kaiserzeit fallen die lateinische Vorklassik, Klassik und Nachklassik. Die klassische Zeit der lateinisch-römischen Literatur im 1. vorchristlichen bis 1. nachchristlichen Jahrhundert ist verbunden mit besonderen Leistungen in Dichtung (Vergil, Ovid), Rhetorik (Cicero, Quintilian) und Geschichtsschreibung (Sallust, Caesar, Livius, Tacitus). Die Nachklassik klingt im 3. Jahrhundert, im Zeitalter der Krise des römischen Kaiserreiches, aus. In der Spätantike, im 4. und 5. nachchristlichen Jahrhundert, verstärkten sich sprachliche Entwicklungen, die das sog. Vulgärlatein, das Lateinische als Volkssprache, von der Hochsprache des schriftlichen Latein weiter abkoppelten. Auch die Schriftsprache unterlag - etwa in der Aussprache - Veränderungen. Das Vulgärlatein war dann - über regionale Dialektbildungen - Ausgangspunkt für die sich im Übergang von Spätantike zum Mittelalter formierenden romanischen Sprachen Italienisch, Französisch, Spanisch usw. Das Lateinische als Hoch- und Schriftsprache blieb von dieser Entwicklung weitgehend unberührt. Das Latein des Mittelalters, das sog. Mittellatein, war die Sprache der christlichen Kirche, der Bildung und der Wissenschaften (Theologie, Philosophie, artes liberales). Der Humanismus des 15. und 16. Jahrhunderts ahmte mit seinem "neuen" Latein das der klassischen römischen Antike nach. Latein blieb in der frühen Neuzeit eine wichtige überregionale Sprache, doch nahm seine Bedeutung vom 18. bis 20. Jahrhundert stetig ab. In neuerer Zeit verlor Latein seinen Einfluss als Sprache der Wissenschaft, es ist aber immer noch die Amtssprache der katholischen Kirche. Z.B. über Lehnwörter hat das Lateinische nichtsdestotrotz durch alle Jahrhunderte auf andere Sprachen, auch auf die deutsche, eingewirkt.
Zur Entwicklung und Bedeutung der lateinischen Sprache vgl. dann: Janson, Tore (2006), Latein. Die Erfolgsgeschichte einer Sprache, Hamburg 2006, VIII, 261 S., € 22,80; Stroh, Wilfried (2008), Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache (= List 60809), Berlin 2008, 414 S., € 9,95; Vossen, Carl (1968), Mutter Latein und ihre Töchter. Weltsprachen und ihr Ahnenpaß, Düsseldorf 121984, 200 S., DM 25,-. Neben der eben dargelegten historischen Dimension der lateinischen Sprache ist Latein auch die Sprache von Geschichtsquellen etwa in Antike und Mittelalter. Zu ihrer Entschlüsselung stehen als Hilfsmittel Wörterbücher und Grammatiken zur Verfügung: Bradtke, Michael (Hg.) (2016), Lateinische Stilmittel (= RUB 19914), Stuttgart 2016, 140 S., € 5,40; Diefenbach, Lorenz (Bearb.), Glossarium Latino-Germanicum mediae et infimae aetatis, 1857, Nachdruck Darmstadt 1997, 644 S., € 39,90; Georges, K.E., Georges, Heinrich (Hg.) (1910), Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch, Bd.I: A-H, Bd.II: I-Z, 71910, Nachdruck Darmstadt 1985, VI S., 2872 Sp., DM 100,-; Habel, Edwin, Gröbel, Friedrich (Hg.) (1989), Mittellateinisches Glossar (= UTB 1551), Paderborn 21989, XXI S., 432 Sp., DM 22,80; Hahn, Rainer (Bearb.) (2005), Pons: Verbtabellen. Latein, Stuttgart 72009, 88 S., € 6,50; Langenscheidt Großes Schulwörterbuch: Lateinisch-Deutsch, hg. v.d. Langenscheidt-Redaktion (2008), Berlin-München-Wien-Zürich-New York 2008, 963 S., € 22,90; Langenscheidts Taschenwörterbuch: Latein. Tl.1: Lateinisch-Deutsch, v. Hermann Menge (1963), bearb. v. Erich Pertsch, Berlin-München-Wien-Zürich-New York 471997, 576 S., DM 25,80; Schareika, Helmut (Bearb.) (2005), Grammatik kurz & bündig. Latein, Stuttgart 2005, 136 S., € 6,95; Schörner, Georg (Bearb.) (1968), Langenscheidts Grammatiktafel: Latein, Berlin-München 141992, 16 S., 2 Tafeln, DM 5,80; Stock, Leo (Bearb.) (1970), Langenscheidts Kurzgrammatik: Latein, Berlin-München 171992, 80 S., DM 5,80; Der kleine Stowasser. Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch, bearb. v. Michael Petschenig (1960), München 1971, 542 S., DM 12,20. > Latein, Lateinische Grammatik (MBLateinGrammatik), Lateinische Literatur [Buhlmann, 06.2008, 09.2009, 11.2011, 01.2012, 10.2013, 06.2014, 08.2014]

Lateinische Fabeln des Mittelalters. Lateinisch - deutsch, hg. v. Harry C. Schnurr (1979) (= TuscB), München 1979, 368 S., DM 44,-. Insbesondere im frühen und hohen Mittelalter war die lateinische (Prosa-, Vers-) Fabel im christlich-katholischen Europa verbreitet, fußend weitgehend auf der lateinischen Fabelliteratur aus Antike und Spätantike. Das galt für den spätantiken Romulus (um 400 n.Chr., Romulus vulgaris), dessen Fabeln in den Werken von Vincent von Beauvais (†1264?), Gualterus Anglicus (v.1177) und Alexander Neckam (†1217) Verwendung fanden und u.a. von dort aus weiter tradiert wurden. Der äsöpsche Typ der Tierfabel wurde im Mittelalter weiterentwickelt zum Tierepos ("Reineke Fuchs", "Isengrim" u.a.). Fabeln fanden Verwendung in Predigten und geistlichen Werken wie bei Odo von Cherington (13. Jahrhundert, 1. Hälfte; Mönchskritik), einem unbekannten Bischof Cyril von Basel (13. Jahrhundert; Speculum sapientiae), bei Nikolaus Pergamenus (14. Jahrhundert, 1. Hälfte; Dialogus creaturarum). Daneben offenbart das Directorium vitae humanae (Johann von Capua; ca.1270) orientalisch-indisch-persische Einflüsse auf die mittellateinische Fabelliteratur. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die lateinischen Fabeln zunehmend von den volkssprachlichen verdrängt. Erst von Gelehrten des Humanismus (Poggio, Abstemius) stammen wieder einige lateinische Fabeln. > Lateinische Literatur > C Cyril von Basel, G Gualterius Anglicus, J Johann von Capua, N Alexander Neckam, Nikolaus Pergamenus, O Odo von Cherington, R Romulus, V Vincent von Beauvais [Buhlmann, 04.2017]

Laudage, Christiane (2012), Kampf um den Stuhl Petri. Die Geschichte der Gegenpäpste, Freiburg-Basel-Wien 2012, 259 S., € 19,99. [Gegenpapst ist (ex eventu) derjenige, der im kirchlich-machtpolitischen Kampf zwischen zwei gegeneinanderstehenden Päpsten seinem Rivalen unterliegt.] Die Papstgeschichte der Antike und des Mittelalters kennt eine Vielzahl von Gegenpäpsten, angefangen beim heiligen Hippolyt (217-235) über die (Pseudo-) Gegenpäpste Novatian (251-258?), Felix II. (355-365), Ursinus (366-367) und Laurentius (498-499, 501-506; Doppelbesetzungen des römischen Bischofsamtes), über Anastasius Bibliothecarius (855, †ca.878), über die Gegenpäpste zur Zeit der ottonischen Kaiser Bonifatius VII.-Franko (974, 984-985) und Johannes XVI. Philagathos (997-998), über die Gegenpäpste des Investiturstreits Clemens III.-Wibert von Ravenna (1084-1100) mit Theoderich (1100-1101), Albert (1101), Silvester IV. (1105-1111) und Gregor VIII. (1118-1121), über das anakletianische (Anaklet II., 1130-1138) und das alexandrinische Papstschismas (1159-1177; Viktor IV., 1159-1164; Paschalis III., 1164-1168; Calixt III., 1168-1178) bis zu den Päpsten des Großen Papstschismas (1378-1417) in Avignon und Rom, der Beendigung des Großen Papstschismas auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418; Papstwahl Martins V. [1417-1431] von 1417; Benedikt XIII. [Papa Luna], 1394/1417-1422; Clemens VIII., 1423-1429; Benedikt XIV., 1425-1435?) und dem Basler Konzil (1431-1449) mit dessen Papst Felix V.-Amadeus von Savoyen (1440-1449, †1452). "Konkurrenz" und "Legitimation" bestimmten das historische Phänomen des Gegenpapsttums, umstrittene (Doppel-) Papstwahlen beförderten es, ebenso Erhebungen von Gegenpäpsten, wenn ein Papst schon im Amt war. Es entstanden Schismen, die im Allgemeinen mit dem Tod oder der Unterwerfung des Gegenpapstes (intrusus) endeten. Es folgten Unterwerfung, Absetzung und Verurteilung des Gegenpapstes ([Schandstrafen], Klosterhaft, Ungültigkeit schismatischer Weihen), der Gegenpapst verfiel der damnatio memoriae bzw. der memoria damnata, dies alles auch zur Legitimierung des Siegers im Papststreit. [Buhlmann, 06.2014]

Laudage, Christiane (2016), Das Geschäft mit der Sünde. Ablass und Ablasswesen im Mittelalter, Freiburg-Basel-Wien 2016, 351 S., Schwarzweißabbildungen, € 24,95. Entstanden aus der kirchlich-kanonischen Bußpraxis des frühen und hohen Mittelalters (kanonische Buße im christlichen Dreiklang von Beten, Fasten und Almosengabe; Tarifbuße, Bußzeiten und Rekonziliation; Redemption von Bußauflagen [Mönche und Klöster] bei Übergang von der öffentlichen zur privaten Buße [Absolutionserteilung nach der Beichte]), entwickelte sich im Umfeld von Sünde, Schuld und Strafe, von Reue, Vergebung und Absolution der Ablass (indulgentia) als Nachlass der Buß- und Sündenstrafen, als zeitliche Verminderung der kirchlichen Bußen im Diesseits und der (zeitlichen) Sündenstrafen im Jenseits auf Grund der von Bußpriestern, Bischöfen und Päpsten vermittelten kirchlichen Schlüsselgewalt (Binde- und Lösegewalt); die die Strafe verursachende Sündenschuld wurde dagegen durch Reue, Beichte und Absolution vergeben, der Sünder gelangte dadurch in den Stand der Gnade, die der Ablass voraussetzte; die Schuld schließlich war durch die Sünden des Sünders angehäuft. Erste (bischöfliche) Ablässe stammen im 11. Jahrhundert aus dem südfranzösisch-nordspanischen Raum, bevor auch die Päpste der Kirchenreform den Ablass übernahmen. Ablässe wurden im 12. Jahrhundert dazu genutzt, um den Bau von Kirchen und Klöstern zu finanzieren, aber z.B. auch den von Brücken; weiter wurden Ablässe als geistliche Belohnung zur Friedenswahrung eingesetzt (Konstanzer Ablass 1105, päpstlicher Ablass 1163 u.a.). Das Vierte Laterankonzil (1215) förderte und regulierte die Ablasspraxis, beschnitt Fehlentwicklungen. Parallel dazu kam im Hochmittelalter der Glaube an das Fegefeuer (purgatorium) auf. Der Ablass gelangte von der Peripherie christlichen Glaubens in das Zentrum allgemeiner Frömmigkeitspraxis (Sozialdisziplinierung durch Buße und Beichte, Ablass als kirchliche Hilfestellung für den gläubigen Sünder). Im Verlauf des späteren Mittelalters entfaltete sich variantenreich eine vielfältige Ablasspraxis, in der neben vollkommenen Ablässen wie dem Kreuzzugsablass, dem Ablass für ein Jubeljahr oder dem für verdiente Personen eng begrenzte, zeitlich zwischen 40 Tagen und einem Jahr reichende Ablässe standen. Grundlage zur Gewinnung des Ablasses durch den Gläubigen waren die (Ablass-) Werke der Frömmigkeit, d.h. Kirchenbesuch und Almosen, Reliquienverehrung, Unterstützung von Kirchenbau und -ausschmückung, Unterstützung der Kreuzzüge, Unterstützung von wohltätigen Einrichtungen; dies alles erfolgte durch Teilnahme, Arbeit oder Geld. Dem überirdisch wirkenden Ablass als Zeugnis des christlichen Glaubens und der Jenseitsverantwortung der mittelalterlichen Christenheit entsprach seine zunehmende Verwendung für die Verstorbenen im Fegefeuer. Die überbordende Ablasspraxis des Spätmittelalters mit ihren zahlreichen Auswüchsen (Sammelindulgenzen und Plenarablässe, Aufhebung von Ablässen, Ablasszwang, Verhalten der Kollektoren, Ablässe mit kirchlichen oder weltlichen Vergünstigungen, Ablasskampagnen, Ablass als "Schwarmfinanzierung") sollte dann im Zeitalter der Reformation auf Widerspruch stoßen. Martin Luther (*1483-†1546) stellte in seinen 95 Thesen (1517) die kirchliche Ablasspraxis und das Fegefeuer theologisch in Frage, seinem Ablasstraktat (Tractatus de indulgentiis, 1517) an den Magdeburger Erzbischof Albrecht von Brandenburg (1513-1545) folgten die Auseinandersetzung zwischen Luther und dem Ablassprediger Johann Tetzel (1518), die päpstliche Bulle Cum postquam (1518) zur Verteidigung und Rechtfertigung von Ablass und Ablasswesen, die Leipziger Disputation mit Johannes Eck (1519) und schließlich der Bruch Luthers (und seiner Anhänger) mit der römisch-katholischen Amtskirche (1521). [Buhlmann, 07.2017]

Laudage, Johannes (1997), Alexander III. und Friedrich Barbarossa (= RI, Beih.16), Köln-Weimar-Wien 1997 > F Friedrich I. Barbarossa

Laudage, Johannes (Hg.) (2004), Frömmigkeitsformen in Mittelalter und Renaissance (= SH 37), Düsseldorf 2004, 424 S., € 29,95. I. Martin Ohst, Beobachtungen zu den Anfängen des christlichen Heiligenkultus, lässt den christlichen Heiligenkult um im Diesseits Wunder wirkende Männer und Frauen durch den im 4. Jahrhundert erfolgten Wandel des Christentums hin zur christlichen Staatskirche im römischen Reich aus dem Jenseits orientierten Märtyrerkult der frühen Christen entstehen. II. Nach Josef Semmler, Spiritualität und Frömmigkeit in Klöstern des Frühmittelalters, eiferte das christliche, coenobitische Mönchtum der Spätantike und des frühen Mittelalters dem Ideal der bilblischen Gemeinschaft (Urgemeinde) der Gläubigen nach. Im Rahmen der römischen Reichskirche verbreitete sich ab dem 4. Jahrhundert das Mönchtum auch im Westen des römischen Reichs (Martin von Tours [†397], Augustinus [†430], Johannes Cassianus [†430/35]), um 600 war es das irische Mönchtum, das im Rahmen der peregrinatio und Askese im merowingischen Frankenreich Verbreitung fand. Im 7. und 8. Jahrhundert waren mönchische Kommunitäten teilweise eingebunden in missionarische Aktivitäten (Amandus [†ca.680], Willibrord [†739], Bonifatius [†754]); es gab Mischkongregationen aus monachi und clerici/canonici (klerikal-monastische Observanz u.a. in Utrecht, Regensburg, Freising, Salzburg, Ämoneburg, Ohrdruf). Die Kirchengesetzgebung im karolingischen Frankenreich eines Kaiser Karl des Großen (768-814) und Ludwig des Frommen (814-840) verbot (parallel zur Einführung der römischen Liturgie) solche gemischten Gemeinschaften (Frankfurter Synode von 794; Aachener Synode von 816: Benediktinerregel, Kanonikerregel). Die nunmehr reinen Mönchskonvente beteiligten sich nicht mehr an der christlichen Mission, die Mönche beschränkten sich nun im Rahmen von Selbstheiligung, Spiritualität und Frömmigkeit und vor dem Hintergrund der Verplichtung zu Liturgie und Gottesdienst letztlich auf sich selbst. III. Johannes Laudage, Norm und Geschichte. Mittelalterliche Kanoniker und ihre Lebensregeln, beleuchtet die Entwicklung des Kanonikertums im Mittelalter. Der Begriff "Kanoniker" ist erstmals auf der Synode von Clermont (535) bezeugt (Kanoniker als Geistliche unter einem Bischof oder Archipresbyter, versorgt aus Kirchengut [kanon = Liste der mit stipendia/munera versorgten Kanoniker]). Während des gesamten Mittelalters ist das Kanonikertum immer wieder "umdefiniert", neu ausgerichtet worden. Die Aachener Synode von 816 beschloss die Institutio canonicorum (Chrodegang-Regel als Vorlage), um die vita canonica aller Geistlichen, sofern sie Mönche waren, hinsichtlich Lebensführung und Liturgie zu regeln. In der Folgezeit entfaltete die Aachener Regel ihre wenn auch geografisch ungleichmäßig verteilte Wirkung bis ins 15. Jahrhundert hinein. Im Rahmen des hochmittelalterlichen Reformpapsttums definierte die Lateransynode von 1059 den zolibatär und keusch lebenden Kanoniker als Teil einer Kanonikergemeinschaft, der christlichen Urgemeinde nachgebildet und der vita apostolica verpflichtet (Gemeinschaftsleben, Verzicht auf Privateigentum, Verpflichtung zum apostolischen Lebenswandel). Aus den Vorgaben der Lateransynode erwuchsen die Regularkanoniker, die sich an der Regel des Augustinus orientierten (Praeceptum [ordo antiquus]; Praeceptum longius unter Einschluss des sog. Ordo monasterii [ordo novus]; Consuetudines; Prämonstratenser). Die Bestimmung auf dem 4. Laterankonzil von 1215, wonach es bei den bisherigen geistlichen Lebensformen zu bleiben hatte, führte zur Übernahme der Augustinusregel auch durch die Bettelorden und damit zu einer Konkurrenz zwischen Regularkanonikern und Bettelmönchen im späten Mittelalter. Eine Weiterentwicklung des Regularkanonikertums (reguliertes Chrorherrenwesen) fand dabei auf der Ebene der Kongregationen statt (z.B. Windesheimer Kongregation 1387/95 [devotio moderna]), während die auf der Grundlage der Aachener Regel lebenden Säkularkanoniker im 15. Jahrhundert eine Blütezeit erlebten (weltliche Kollegiatstifte in den Städten [Kirche und Welt; Stift, Universität, Bildungswesen; Bistumsorganisation, städtische Herrschaftsrepräsentation], Pfründenwesen). IV. Marie-Luise Heckmann, Die christliche Wohltätigkeit im Mittelalter, führt aus: Christentum und Wohltätigkeit (caritas) als Fürsorge gegenüber Armen und Kranken gehörten von Anfang an zusammen. Institutionell war die Wohltätigkeit - resultierend aus dem Widerspruch zwischen dem Ideal der apostolischen Armut und dem Reichtum der Kirche - verankert bei den Bischöfen (und Päpsten) der Antike und des früheren Mittelalters (Papst Gregor der Große [590-604]), wobei man durchaus der Meinung war, dass die ständische Ungleichheit der Menschen in der diesseitigen Welt und in der Zeit nach dem Paradies durch den erlösenden Kreuzestod Christi ausgeglichen werden würde. Genossenschaftliche caritas betrieben die Benediktinermönche (Askese gegen tätige Fürsorge, Cluny und die gregorianische Kirchenreform), ab dem hohen Mittelalter die christlichen Ritterorden (Infirmarien, Spitäler, Pilgerwesen), die Gemeinschaften von religiösen Frauen (Beginen u.a.), die Franziskaner (hochmittelalterliche Armutsdebatte) oder die Bruderschaften zur Selbsthilfe (Elendenbruderschaften, Pilgerwesen). In den Städten des späten Mittelalters übte institutionell der Stadtrat die Aufsicht über die Armenfürsorge aus. V. Andrea von Hülsen-Esch, Stadtpatrone im 12. Jahrhundert, beleuchtet an Hand des heiligen Zeno in Verona und des heiligen Ambrosius in Mailand das enge Verhältnis zwischen oberitalienischer Stadt und Stadtpatron (Legitimierung städtischen Handelns durch den Heiligen [z.B. Ambrosius, Mailand und häretische Bewegungen]). VI. Barbara Haupt, Laienfrömmigkeit und Heidenkrieg um 1200, kommt durch die Untersuchung des Willehalm Wolframs von Eschenbach (ca.1210/20) zu dem Schluss, dass den im mittelhochdeutschen Epos geschilderten Heidenkrieg zum Trotz Ansätze eines Aufeinanderzugehens auf den Andersgläubigen (Christen und Nichtchristen als Geschöpfe Gottes; "Humanität", "Toleranz", "modernes Denken") festzustellen sind. VII. In Rudolf Hiestand, crucem secreto accepit. Kreuzzugsgelübde zwischen Frömmigkeit und Politik, geht es um die Kreuznahme (hauptsächlich) deutscher Könige (Heinrich IV., Konrad (III.), Konrad III., Friedrich I., Heinrich VI., Otto IV., Friedrich II.), die als Akt von Frömmigkeit entweder geheim (secreto/geistlich [Buße], ohne Außenwirkung, Verpflichtung der Person; Konrad (III.) (?), Heinrich VI., Otto IV.) oder öffentlich (mit politischer Außenwirkung [Konsens zwischen König und Großen], Verpflichtung des Königs und des Reiches; Heinrich IV., Konrad III., Friedrich I., Friedrich II.) erfolgen konnte. VIII. Nach Jürgen Wiener, Kritik an Elias von Cortona und Kritik von Elias von Cortona: Armutsideal und Architektur in den frühen franziskanischen Quellen, entzündete sich an der frühen franziskanischen Kirchenarchitektur der Unter- und Oberkirche von Assisi, der Grabeskirche des heiligen Franziskus (†1226) (als Papstkirche, begonnen 1228), vermeintliche Kritik am Ordensgeneral Elias von Cortona (1232-1239, abgesetzt 1239) vor dem Hintergrund der Ausbildung eines zentralen, von Assisi ausgehenden Ordens oder eines dezentralen Franziskanertums. IX. Nach Wilhelm G. Busse, Corpus Christi im mittelalterlichen England, wurde die Einführung des Fronleichsnamsfests (Corpus Christi, Bulle Transiturus Papst Urbans IV. [1264]) als Fest der Laien (Fronleichsnamprozessionen und -schauspiele) auch beeinflusst von der gewandelten Einstellung der Gläubigen zu Hostie und Abendmahl (Eucharistie) (Transsubstantiatonslehre [1215], elevatio hostis als Konzept im Rahmen eines auf die Hostienerhebung ausgerichteten Gottesdienstes [Glockenläuten] und Ausschluss der Laien vom Abendmahl [nur noch passive, dafür aber voraussetzungslose Teilnahme der Laien], elevatio als Ausdruck nicht kanalisierter Laienfrömmigkeit, Fronleichnamsfest als Regulierung der Volksfrömmigkeit). X. Nach Heinz Finger, Fromme Spontaneität und geistliche Ordnung. Spätmittelalterliche Volksfrömmigkeit in der Erzdiözese Köln, war die Volksfrömmigkeit im Kölner Erzbistum im 14. bis beginnenden 16. Jahrhundert, eingebunden in die "geistliche Ordnung" der "Amtskirche", bestimmt von religiöser Aufbruchsstimmung (Beginentum und dessen Einordnung in die bestehenden Mönchsorden), vom Wandel beim christlichen Totengedenken der Laien (Seelgerätstiftungen und deren Überwachung durch die Stifter, Allerseelentag) sowie vom Wandel bei der Heiligenverehrung (weltliche Vorstellungen von den Heiligen und deren Zusammenleben [vier Marschälle, "Heilige Sippe"], Privatisierung der Heiligen, "komische Patrone"). XI. Hans Körner, Das Schmerzenskind. Die Passion in den Marienandachtsbildern Fra Filippo Lippis und Sandro Botticellis, behandelt das auf die Passion Jesu Christi Verweisende in den Gemälden der beiden Renaissancemaler. XII. Hansgeorg Molitor, Das regulierte Verhältnis zu Gott. Frömmigkeit in der frühen Neuzeit, beschäftigt sich mit der Neugestaltung und einer verstärkten Regulierung von Frömmigkeitsformen im Rahmen der Konfessionalisierung im Europa der frühen Neuzeit. XIII. Vittorio Borsò, Religiöse Mystik als subjektive Erzählung: Santa Teresa de Jesús, stellt die 1614/22 selig und heilig gesprochene Teresa de Cepeda y Ahumeda (*1515-†1582) als Schriftstellerin (Karmeliterregel, [mystischer] "Weg zur Vollkommenheit", Autobiografie) und Vertreterin der spanischen Gegenreformation in den Mittelpunkt der Darstellung. XIV. Hubertus Schulte Herbrüggen, Unterschiedliche Frömmigkeitsformen zwischen Mittelalter und Renaissance. Das Gebetbuch Kaiser Maximilians I. und Thomas More's Prayer Book, vergleicht das "kaiserliche Gebetbuch" vom Typ Horae B.M.V. (Veröffentlichung von Frömmigkeit und Glaubensverteidigung) mit "More's Prayer Book" als Horae B.M.V. und Psalterium (Frömmigkeit des Einzelnen als Lebenshaltung). XV. Albert Gerhards, Ein Reformprojekt am Vorabend der Reformation: Der Libellus ad Leonem X (1513), verweist auf einen, wenn auch erfolglosen Reformversuch innerhalb der katholischen Kirche vor der Reformation, den Libellus des Paolo Giustiniani (*1476-†1528) und Vincenzo Quirini (*1479-†1514) aus dem Kamaldulenserorden an Papst Leo X. (1513-1521) (Inhalt: Rolle und Aufgaben des Papstes, Missionierung [der Juden, Heiden, Mohammedaner], Vereinigung der christlichen Kirchen, Reformation der Kirche, Unterwerfung des Heidentum unter das [weltliche] römische Reich). XVI. Gert Kaiser, Mozart spielt mit dem Totentanz. Essay zum "Don Giovanni", vergleicht das Spiel mit dem Tod in der Mozart-Oper mit dem spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Phänomen des Totentanzes ("Registerarie" und Ständerevue, Berner Totentanz des Niklaus Manuel, Tod als Tänzer und Liebhaber). [Buhlmann, 09.2012]

Laudage, Johannes (1993), Gregorianische Reform und Investiturstreit (= EdF 282), Darmstadt 1993 > I Investiturstreit

Laudage, Johannes (2006), Die Salier. Das erste deutsche Königshaus (= BSR 2397), München 2006 > S Salier

Laudage, Johannes (2009), Friedrich Barbarossa (1152-1190). Eine Biographie, Regensburg 2009 > F Friedrich I. Barbarossa

Laudage, Johannes, Hageneier, Lars, Leiverkus, Yvonne (2012), Die Zeit der Karolinger, Darmstadt 2006 > K Karolinger

Laudage, Johannes, Schrör, Matthias (Hg.) (2006), Der Investiturstreit. Quellen und Materialien. Lateinisch-Deutsch (= UTB 2769), Köln 2006 > I Investiturstreit

Laudage, Marie-Luise (1991), Caritas und Memoria mittelalterlicher Bischöfe (= MHF 3), Köln-Weimar-Wien 1991, 389 S., Karten, DM 94,-. Caritas ("Armen(für)sorge") und memoria ("Gedenken") waren Ausfluss des "Amts- und Selbstverständnisses" früh- und hochmittelalterlicher Bischöfe im katholisch-christlichen Europa, zumal als Gegenbild der bischöflichen potestas ("Gewalt"). Papst Gregor der Große (590-604) lieferte mit seiner pontifikalen caritas und memoria gleichsam ein Modell (Gregorrezeption), das frühmittelalterliche (Missions-) Bischöfe wie Wilfried von York (669-691), Winfried-Bonifatius (722-754) oder Liudger (805-809) nutzten, das innerhalb der ottonisch-salischen Reichskirche (Erz-) Bischöfe wie Ulrich von Augsburg (923-973), Konrad von Konstanz (934-975) oder Heribert von Köln (999-1021) weiterentwickelten, das auch in der angelsächsischen und anglonormannischen Kirche Verwendung fand. Für die Zeit von Investiturstreit (1075-1122) und Gregorianischer Kirchenreform stehen dann die Erzbischöfe Anno II. von Köln (1056-1075) und Lanfranc von Canterbury (1070-1089) sowie Bischof Otto von Bamberg (1102-1139). Caritas war die bischöfliche cura pauperum (Krankenfürsorge, Fürsorge für Hungernde, Obdachlose, Gefangenenfreikauf, Gastfreundschaft) mit ihren Armensorgeinstituten (Xenodochien, Domklöster, Hochstifte, Spitäler; Kirchengut als Besitz der Armen; bischöfliche und monastische Armensorge; zunehmende Organisation der caritas). Bischöfliche memoria offenbarte sich bei Grablege, liturgischem Gebets- und Totengedenken und Historiografie bzw. Hagiografie. Sippengebundene memoria findet sich u.a. bei Liudger und den Liudgeriden; bischöfliche Freundschaftsbündnisse, Gebetsbünde und Gebetsvereinigungen (amicitia, fraternitas; Synode von Dingolfing 770) gehören ebenso hierher wie die bischöfliche Praxis memorialer Kirchenstiftungen gerade auch in Verbindung mit dem bischöflichen Auftrag der Sorge um die memoria des Herrschers, des Königs oder Kaisers. [Buhlmann, 07.2012]

Lauer, Hermann (1921), Geschichte der katholischen Kirche in der Baar, Donaueschingen 1921 > B > Baar

Lauer, Hermann, Kirchengeschichte der Baar (und des einst zur Landgrafschaft Baar gehörenden Schwarzwaldes), Donaueschingen 21928, Nachdruck o.O. o.J. > B > Baar

Lauffer, Siegfried (1978), Alexander der Große (= dtv 4298), München 1978 > A Alexander der Große

Laven, Mary (2004), Die Jungfrauen von Venedig. Gebrochene Gelübde - das wahre Leben hinter Klostermauern, Essen 2004, 256 S., Schwarzweißtafeln, Stich der Stadt Venedig (1566), € 4,95. Die zahlreichen Nonnenklöster im frühneuzeitlich-spätrenaissancezeitlichen Venedig des 16. und 17. Jahrhunderts gerieten auch im Zuge der katholischen Gegenreformation verstärkt ins Visier kirchlicher und städtisch-staatlicher Institutionen (Patriarchat, Klostermagistrate, Überwachung der Frauenklöster, gesellschaftliche Kontrolle), die eine Verschärfung der Nonnenklausur bei weitgehendem Ausschluss weltlicher Einflüsse propagierten. "Gemeinsames Leben" im Kloster (vita communis) und Strenge der Klausur wurden indes vielfach durchbrochen; (besonders) die (adligen) Nonnen standen in Verbindung mit ihren Familien und waren Teil eines politisch-gesellschaftlichen Netzwerks (Rolle der klösterlichen Besuchszimmer, Macht der religiösen Kommunitäten), sie lebten auch im Kloster standesgemäß (Chornonnen [Gelübde, Profess], Laienschwestern [converse, Dienerinnen]), sie lebten unter Umständen ihre Sexualität aus (innerhalb und außerhalb des Klosters, mit Laien und Geistlichen, Homosexualität). Die "gebrochenen Gelübde" des Nonnenstandes (Armut, Gehorsam, Keuschheit) erklären sich dann daraus, dass viele Familien (des venezianischen Adels, der Oberschicht) ihre "überzähligen" Töchter ins Kloster schickten (Vermeidung der Mitgift, Heiratsbeschränkungen unter dem venezianischen Adel; Frauen als "Ehefrauen, Nonnen, Huren" [Pietro Aretino]) und dass diese sich alles andere als mit dem Leben einer Nonne identifizierten. [Buhlmann, 07.2014]

Layzer, David (1986), Das Universum. Aufbau, Entdeckungen, Theorien (= Spektrum der Wissenschaft), Heidelberg 21987 > U Universum

Lehmann, Jürgen, Meder, Willi, Winkler, Wolfgang (Hg.) (2003), St. Georgen im Spiegel der Zeit, Horb a.N. 2003 > S St. Georgen im Schwarzwald

Lehmann, Paul (1955), Die Admonitio S. Basilii ad filium spiritualem (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Abt. Jg. 1955, H.7), München 1955, 63 S., € 1,-. Die Admonitio S. Basilii ad filium spiritualem ist eine "Ermahnung" - sehr wahrscheinlich und mittelalterlicher Einschätzung zufolge - des Kirchenvaters Basilius des Großen (*ca.330-†379) "an einen geistlichen Sohn" in einer lateinischen Übersetzung des Tyrannius Rufinus (*ca.345-†411/12); die griechische Vorlage der lateinischen Übersetzung ist verloren gegangen. Der Text ist unter der Verfasserschaft des Basilius vielfach in mittelalterlich-lateinischen Handschriften ab ca.700 überliefert. Die Admonitio beschäftigt sich mit: dem geistlichen Dienst (militia spiritualis), den Tugenden und den Lastern (Weltflucht, Vermeiden von Hochmut und Eitelkeit), der Gottes- und Nächstenliebe, dem Gebet, den Nachtwachen und dem Fasten, dem Tod. > Lateinische Literatur > B Basilius von Cäsarea. [Buhlmann, 12.2012]

Leiber, Gert (1964), Das Landgericht der Baar. Verfassung und Verfahren zwischen Reichs- und Landesrecht (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich-Fürstenbergischen Archiv, H.18), Donaueschingen 1964 > B > Baar

Leinthaler, Beate (2003), Eine ländliche Siedlung des frühen Mittelalters bei Schnaitheim, Lkr. Heidenheim (= MABW 70), Stuttgart 2003, 145 S. + 41 Tafeln, Schwarzweiß- und Farbabbildungen, Pläne, Kartenbeilage, € 12,-. I. Aus dem Beginn des frühen Mittelalters, der Zeit der merowingischen Frankenkönige, der Merowingerzeit (6.-8. Jahrhundert), sind vielfach Gräber und (Reihengräber-) Friedhöfe archäologisch erfasst worden, doch viel weniger Reste von (heute meist überbauten) Siedlungen. In der Flur "Seewiesen" südlich von Schnaitheim unmittelbar an der Brenz wurden zahlreiche Funde in Gemengelage festgestellt, u.a. Reste einer frühmittelalterlichen Siedlung. II. Im Einzelnen folgten zeitlich auf urnenfelder- und bronzezeitliche Siedlungsreste ein hallstattzeitliches Gräberfeld mit 36 Hügeln und Nachbestattungen des endenden 5. bis 7. Jahrhunderts, eine römerzeitliche ländliche Siedlung (villa rustica) der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n.Chr. (rechtwinkliges Grabensystem, Brunnen, Umzäunung) und frühmittelalterliche Siedlungsreste des 7. und 8. Jahrhunderts (Pfostenbauten, Grubenhäuser, Keramik, Kleinfunde). Die römische villa rustica und auch die frühmittelalterliche alemannische Siedlung sind im Zusammenhang mit der römischen Siedlung Heidenheim zu sehen, wahrscheinlich das Kastell Aquileja der Peutingertafel (bis ca.160 n.Chr., Verlegung nach Aalen) bzw. als römische Nachfolgesiedlung des Kastells (vicus) und Verwaltungssitz (Civitasvorort); auch nach der Aufgabe der agri decumates (259/61 n.Chr.) und dem Eindringen der Alemannen blieb Heidenheim bis mindestens zur Mitte des 4. Jahrhunderts besiedelt; alemannische Funde in Heidenheim stammen aus dem späten 5. bis zum 7. Jahrhundert. Allgemein war in der Vor- und Frühgeschichte das Brenztal ein bevorzugtes Siedlungsgebiet wegen seiner verkehrsgünstigen Lage und dem Vorkommen von Bohn- und Doggererzlagerstätten. III. Frühmittelalterlich-alemannische Bestattungen finden sich dann auf der Flur "Seewiesen" im hallstattzeitlichen Gräberfeld, weiter im Ort Schnaitheim (Skelettreste von Männern und Frauen, Fibeln, Glasperlen, Glastummler, Leder, Waffen[reste]). Die Gräber stammen aus dem 6. bis späten 7. Jahrhundert, die Nachbestattungen auf dem hallstattzeitlichen Gräberfeld gehören zu einem besonderen Grabritus des 7. Jahrhunderts. IV. Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den alemannischen Bestattungen und der nördlich davon gelegenen alemannischen Siedlung auf einem hochwasserfreien Kiesbecken an der Brenz. Die aufgefundenen Grubenbauten liegen in einem Areal unmittelbar östlich der Brenz, die Pfostenbauten schlossen daran westlich und östlich an, weitere Strukturen sind nicht erkennbar. Die noch nicht vollständig archäologisch erfasste Siedlung bestand hauptsächlich im 7. und 8. Jahrhundert, also auch nach der allgemeinen Aufgabe der Beigabensitte in den Gräbern. Die Siedlung bei Schnaitheim kann eingeordnet werden in die alemannische Besiedlung auf der Ostalb seit dem 4. Jahrhundert, die Aufgabe der Siedlung könnte mit einem Wegzug der Bevölkerung nach Heidenheim oder Schnaitheim zusammenhängen. Schnaitheim selbst wird erstmals im 12. Jahrhundert in den Geschichtsquellen erwähnt (Toponym Sneiten als unechter heim-Name in der Bedeutung "Schneise [im Wald)]"; Snaitheim, Snaithain [15. Jahrhundert]), Besitz in Schnaitheim wurde im 8. oder 9. Jahrhundert an das Kloster Fulda verschenkt. [Buhlmann, 06.2017]

Leipoldt, Johannes, Grundmann, Walter (Hg.) (1976), Umwelt des Urchristentums, 3 Bde., Bd.I: Darstellung des neutestamentlichen Zeitalters, Berlin 61982, Bd.II: Texte zum neutestamentlichen Zeitalter, Berlin 61982, Bd.III: Bilder zum neutestamentlichen Zeitalter, Berlin 51982 > S Schnelle, Die ersten 100 Jahre des Christentums

Leipziger Übersetzungen und Abhandlungen zum Mittelalter, Reihe A, begr. v. Ernst Engelberg, Horst Kusch, hg. v. Max Steinmetz, stellen sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts dar als sozialistisches Gegenstück der Deutschen Demokratischen Republik zur Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe der Bundesrepublik Deutschland.
Im Einzelnen sind erschienen: Bd.3 (1960): Kaiser, Volk und Avignon. Ausgewählte Quellen zur antikurialen Bewegung in Deutschland in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, hg. v. Otto Berthold, Berlin 1960, 391 S., DM 28,-, führt Geschichtsquellen zum (publizistischen) Kampf zwischen dem römisch-deutschen König Ludwig dem Bayern (1314-1347) und den Päpsten in Avignon auf; Bd.4 (1967): Das Buch der hundert Kapitel und der vierzig Statuten des sogenannten oberrheinischen Revolutionärs, bearb. v. Annelore Franke u. eingel. v. Gerhard Zschäbitz, Berlin 1967, 552 S., M 68,-, auf Deutsch wahrscheinlich verfasst an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert und anonym überliefert, richtet sich gegen die spätmittelalterliche Ständestruktur im römisch-deutschen Reich, gegen die Ausbeutung der Bauern und der städtischen Unterschichten, gegen Kirche, Geistlichkeit, Obrigkeit und deren Rechte und Privilegien bei Forderung von Reformen und "Entfeudalisierung" auf der Grundlage von Recht und (göttlicher) Gerechtigkeit. [Buhlmann, 04.2015]

Lelgemann, Dieter (2011), Gauß und die Messkunst, Darmstadt 2011, 127 S., € 14,90. Der Mathematiker und Gelehrte Carl Friedrich Gauß (*1777-†1855) studierte nach Schulausbildung und Abitur am Collegium Carolinum Braunschweig (1792-1795) und an der Universität Göttingen Mathematik (1795-1798); die Promotion erfolgte 1799, die Promotionsarbeit beschäftigte sich mit den komplexen Zahlen. Einen gewissen Abschluss fand diese erste Phase von Gauß' Forschungen über Analysis und Geometrie (1790/1800) in den Disquisitiones Arithmeticae (1801; daneben: Methode der kleinsten Quadrate ab 1789, geometrische Konstruktion des regulären 17-Ecks 1796, Osterfestberechnung 1800/02/07). In den folgenden Jahrzehnten (1800/20) wandte sich der auch praktisch veranlagte Gauß der Astronomie und Geodäsie zu (Landvermessungen ab 1799, Planetoidenentdeckungen 1801/07, Theoria Motus 1809, "Über die hypergeometrische Reihe" 1813). 1805 wurde Gauß Professor für Astronomie an der Universität Göttingen und Direktor der dortigen (zunächst noch im Bau befindlichen) Sternwarte (astronomische Hilfstafeln 1808/12, Refraktionstafeln 1822). Die Beschäftigung mit der Geodäsie und dem Erdmagnetfeld (1820/45) führte zu Erkenntnissen bei der Erdabplattung (Geoid, 1828); 1829 veröffentlichte der Gelehrte die Schriften "Die allgemeinen Grundlagen der Theorie der Gestalt von Flüssigkeiten im Gleichgewichtszustand" und "Über ein neues allgemeines Grundgesetz der Mechanik" (Prinzip des kleinsten Zwangs); 1831 erschien Gauß' "Theorie der biquadratischen Reste" zu den komplexen Zahlen. Ausfluss von Gauß' Beschäftigung mit dem Elektromagnetismus war u.a. die telegrafische Göttinger Drahtverbindung von 1833. 1843 und 1846 folgten noch zwei "Untersuchungen über Gegenstände der Geodäsie". Nach seinem Tod wurde Gauß als princeps mathematicorum gewürdigt (1855). [Buhlmann, 01.2012]

Lemcke, Georg (1909), Beiträge zur Geschichte König Richards von Cornwall (= HS 65), Berlin 1909 > R Richard von Cornwall

Leonardo Pisano, Leonardo von Pisa, Leonardo Fibonacci: Fibonacci's Liber Abaci. Leonardo Pisano's Book of Calculation, übers. v. Laurence Sigler (2003) (= SSHMP), New York-Berlin-Hamburg 2003, 636 S., € 29,90 > Lateinische Literatur > L Leonardo Fibonacci

Leroux-Dhuys, Jean-Francois (1998), Die Zisterzienser. Geschichte und Architektur, Köln 1998 > Z Zisterzienser

Lewald, Ursula (1979), Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechts, in: RhVjbll 43 (1979), S.120-168 > E Ezzonen

Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI): Ikonografie ist - als Teil der Kunstgeschichte - die wissenschaftlich-methodische Erforschung von Bildinhalten und -symbolen. Das Nachschlagewerk befasst sich in acht Bänden mit: Lexikon der christlichen Ikonographie: Bd.1: Allgemeine Ikonographie A-E, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 36* S., 720 Sp., Bd.2: Allgemeine Ikonographie F-K, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 36* S., 716 Sp., Bd.3: Allgemeine Ikonographie L-R, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 36* S., 578 Sp., Bd.4: Allgemeine Ikonographie S-Z. Nachträge, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 36* S., 674 Sp., Bd.5: Ikonographie der Heiligen Aaron bis Crescentianus von Rom, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 34* S., 520 Sp., Bd.6: Ikonographie der Heiligen Crescentianus von Tunis bis Innocentia, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 26* S., 588 Sp., Bd.7: Ikonographie der Heiligen Innocenz bis Melchisedech, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 26* S., 628 Sp., Bd.8: Ikonographie der Heiligen Meletius bis Zweiundvierzig Martyrer. Register, 1968, Nachdruck Darmstadt 2012, 28* S., 644 Sp., 22* S., € 49,90. [Buhlmann, 07.2013]

Lexikon der Renaissance, hg. v. Günter Gurst (1989), Leipzig 1989 > T Tönnesmann, Renaissance

Lexikon des Mittelalters (LexMA): Das Lexikon fasst den Forschungsstand aller mediävistischen Disziplinen der 1980er- und 1990er-Jahre zusammen. Es umfasst zeitlich die Epoche von ca. 300 bis ca. 1500 n.Chr. und die mittelalterlichen Zivilisationen (Kulturen) des christlichen Europa, des byzantinischen Reichs und der arabisch-islamischen Welt. Das Lexikon besteht aus neun Bänden: Lexikon des Mittelalters (1980-1999): Bd.1: Aachen - Bettelordenskirchen, 1980, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, LXIII S., 2108 Sp., Bd.2: Bettlerwesen - Codex von Valencia, 1983, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2222 Sp., Bd.3: Codex Wintonensis - Erziehungs- und Bildungswesen, 1986, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2218 Sp., Bd.4: Erzkanzler - Hiddensee, 1989, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2220 Sp., Bd.5: Hiera-Mittel - Lukanien, 1991, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2220 Sp., Bd.6: Lukasbilder - Platagenét, 1993, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2220 Sp., Bd.7: Planudes - Stadt ('Rus), 1995, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2220 Sp., Bd.8: Stadt (Byzantinisches Reich) - Werl, 1997, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 2220 Sp., Bd.9: Werla - Zypresse. Anhang, Stammtafeln, Register, 1998, Nachdruck Stuttgart-Weimar 1999, VIII S., 1828 Sp., zus. DM 1780,-. [Buhlmann, 04.2000]

Lexikon für Theologie und Kirche (LThK): Das Lexikon ist eine umfangreiche Enzyklopädie der katholischen Theologie und Kirche in Antike, Mittelalter und Neuzeit. Erschienen sind in der 2. Auflage (1957/68) die Bände: Lexikon für Theologie und Kirche, begr. Michael Buchberger, hg. v. Josef Höfer u. Karl Rahner (1986), Sonderausgabe der 2. Auflage: Bd.1: A - Baronius, 48 S., 1271 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.2: Barontus - Cölestiner, 1255 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.3: Colet - Faistenberger, 13 S., 1343 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.4: Faith and Order - Hannibaldis, 11 S., 1361 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.5: Hannover - Karterios, 11 S., 1383 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.6: Karthago - Marcellino, 15 S, 1375 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.7: Marcellinus - Paleotti, 11 S., 1367 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.8: Palermo - Roloff, 11 S., 1367 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.9: Rom - Tetzel, 11 S., 1383 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.10: Teufel - Zypern, 13 S., 1447 Sp., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.11: Register, 582 S., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.12: Das Zweite Vatikanische Konzil. Dokumente und Kommentare, Tl.I: Liturgie, Kommunikationsmittel, Kirche, Ostkirchen, 391 S., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.13: Das Zweite Vatikanische Konzil. Dokumente und Kommentare, Tl.II. Ökumenismus, Bischöfe, Ordensleben, Priesterausbildung, Erziehung, Nichtchristliche Religionen, Offenbarung, Laienapostolat, Religionsfreiheit, 747 S., Freiburg-Basel-Wien 21986, Bd.14: Das Zweite Vatikanische Konzil. Dokumente und Kommentare, Tl.III: Mission, Priester, Dienst und Leben, Pastorale Konstitution, Ehevotum, Exkurs "Humanae vitae", Geschäftsordnung, Chronik des Konzils, Vorbereitete Schemata, Konzilsliteratur, Register, 764 S., Freiburg-Basel-Wien 21986, Abbildungen, Karten, zus. DM 98,-. [Buhlmann, 08.2015]

Lexikon Literatur des Mittelalters enthält die die mittelalterliche Literatur betreffenden Artikel aus dem Lexikon des Mittelalters. Lexikon Literatur des Mittelalters, zusammengestellt v. Charlotte Bretscher-Gisiger (2002), Bd.1: Themen und Gattungen, XXXVII S., 530 Sp., Stuttgart-Weimar 2002, Bd.2: Autoren und Werke, XXXVII S., 467 Sp., Stuttgart-Weimar 2002, zus. € 64,90. [Buhlmann, 08.2015]

Ley, Conrad Albrecht (1883), Kölnische Kirchengeschichte (von der Einführung des Christentums bis zur Gegenwart), Essen 21917 > K > Köln, Erzbistum

Lietzmann, Hans (1956), Zeitrechnung der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters und der Neuzeit für die Jahre 1-2000 nach Christus (= SG 1085), Berlin 31956 > C > Chronologie

Lieven, Jens (2010), Aspekte ottonischer Memoria im St. Viktor-Stift Xanten. Goldene Altartafel und Xantener Necrolog (Cod. Monast. 101), in: AHVN 213 (2010), S.33-54. Die 1795 eingeschmolzene Goldene Altartafel (tabula aurea) des Xantener St. Viktor-Stifts mit Maiestas-Domini-Darstellung führte sich nach dem (wenigen) Überlieferten (Inschriften auf der Tafel, Historia Xantensis um 1420) auf die Kölner Erzbischöfe Brun (953-965) und Folkmar (965-969) zurück; erneuert bzw. vollendet wurde die Tafel unter dem Xantener Propst Gottfried von Kuijk (1129-1134/38). Die Tafel steht für das Gebetsgedenken für die Stifter in Xanten, gerade für das Gebetsgedenken der (aus der königlichen Hofkapelle entstammenden und im kirchlichen Amtsverständnis handelnden) Bischöfe und Erzbischöfe, auch für die Könige. Hingegen lassen sich besondere, über die (üblichen) Nekrologiumseinträge hinausgehende Beziehungen des St. Viktor-Stifts zu den ottonischen Königen nicht nachweisen, den Tatsachen zum Trotz, dass der archidux und Erzbischof Bruno ein Bruder Kaiser Ottos I. (936-973) gewesen war und dass dieser ostfränkisch-deutsche König im Jahr 939 in der Schlacht bei Birten den Aufstand seines Bruders Heinrich (I., Herzog von Bayern [948-955]) siegreich beenden konnte. [Buhlmann, 01.2012]

Lindberg, David C. (1987), Auge und Licht im Mittelalter. Die Entwicklung der Optik von Alkindi bis Kepler, Frankfurt a.M. 1987, 572 S., DM 78,-. Auge und Optik waren (und sind) eine interdisziplinäre Thematik. Antike Philosophen, Mathematiker und Mediziner hatten entweder eine Sendetheorie (Platon, Euklid, Galen) vertreten, wonach vom Auge Sehstrahlen ausgehen und Gegenstände erfassen, oder eine Empfangstheorie (Atomismus, Aristoteles), nach der das Auge von außen beeinflusst wird. Der arabische Philosoph Abu Yusuf Yaqub ibn Ishag Alkindi (†866) verteidigte im Zuge der Übersetzungsbewegung im Islam die Sendetheorie, Avicenna führte im 10./11. Jahrhundert Argumente gegen die Sendetheorie an. Doch erst Abu Ali al-Hasan ibn ak-Hasan ibn al Haitam, genannt Alhazen (†n.1039), brachte die Empfangstheorie erfolgreich zum Einsatz, indem er die Optik der von Gegenständen ausgesandten, reflektierten Lichtstrahlen (Reflexionsgesetze) ganzheitlich mit dem anatomischen Aufbau von Auge und Sehnerv in Verbindung brachte. Das spätere Mittelalter im Abendland sollte sich dann mit Alhazens Sehtheorie auseinandersetzen, ergänzt um die aristotelische Überlieferung wie bei Roger Bacon und Albertus Magnus oder eine theologische Tradition wie bei Wilhelm von Ockham. Die Renaissance verband die Theorie des Sehens mit der der Perspektive, mit Johannes Kepler (†1630) und dessen Theorie des Netzhautbildes fanden die mittelalterlich-frühneuzeitlichen Betrachtungen zu Auge und Optik einen gewissen Abschluss. [Buhlmann, 10.2008]

Linder, Rudolf (2009), Chronogramme im Landkreis Tuttlingen, in: TutHbll NF 72 (2009), S.168-175. Chronogramme sind "Zeitinschriften" an Gebäuden, Brücken u.a., die durch die Schriftzeichen und römischen Ziffern I, V, X, L, C, D und M sowie deren Summierung auf die Jahreszahl eines Ereignisses im Zusammenhang mit den Bauten hinweisen. Chronogramme sind bevorzugt aus dem 18. Jahrhundert (Rokkoko) überliefert. Im Landkreis Tuttlingen gab und gibt es Chronogramme in folgenden Orten: Aggenhausen, Balgheim, Ensisheim, Kirchen-Hausen, Seitingen, Spaichingen (Dreifaltigkeitsberg). [Buhlmann, 12.2011]

Lindgren, Uta (1976), Gerbert von Aurillac und das Quadrivium. Untersuchungen zur Bildung im Zeitalter der Ottonen (= Sudhoffs Archiv, Beih. 18), Wiesbaden 1976 > G Gerbert von Aurillac

List, Rudolf (1974), Stift Admont 1074-1974. Festschrift zur Neunhundertjahrfeier, Ried i.I. 1974 > A Admont

Liudger, Heiliger, Missionar, Klostergründer, Bischof: Der Friese Liudger wurde um 742 bei Utrecht geboren. Schon früh sollen die christlichen Eltern Thiadgrim und Liafburg, Mitglieder eines angesehenen und weitverzweigten friesischen Adelsgeschlechts, das Interesse ihres Sohnes an einer geistlichen Laufbahn entdeckt und gefördert haben. Liudger war jedenfalls zwischen 756 und 767 als Schüler an der Utrechter Domschule (Martinsstift), wo ihm durch Gregor von Utrecht (†775), einem Schüler des Bonifatius und Enkel der Äbtissin Adela von Pfalzel (†ca.734), eine theologische Grundausbildung vermittelt wurde. Zur Vervollständigung seiner Studien reiste der Friese 767 nach York zur Domschule des Gelehrten Alkuin, des späteren Vertrauten König Karls des Großen. Dort weihte noch im selben Jahr Erzbischof Ethelbert von York Liudger zum Diakon. Nur von einem Aufenthalt in Utrecht (768/69) unterbrochen, hielt Liudger sich bis Mitte 772 in York auf. Konflikte zwischen Angeln und Friesen nötigten ihn indes zur Rückkehr ans Utrechter Martinsstift, das er erst nach dem Tod Gregors verlassen sollte (775). Offensichtlich war der Einfluss Gregors auf Liudger bestimmend gewesen, denn der Diakon verfasste bald nach dem Tod seines Lehrers eine Lebensbeschreibung Gregors, die Vita Gregorii. Ein erster Auftrag führte dann Liudger nach Deventer, wo er über dem Grab des Friesenmissionars Lebuin (†773) die Kirche neu errichtete (775/76). 776 begann die Friesenmission Liudgers. Nach seiner Priesterweihe in Köln (777) missionierte Liudger im friesischen Ostergau von Dokkum aus, nicht ohne die Herbst- und Wintermonate in Utrecht zu verbringen. Die Missionsarbeit wurde indes jäh unterbrochen, als von der Sachsenerhebung unter Widukind auch Friesland betroffen wurde (784). Liudger begab sich auf Pilgerreise nach Rom (784), dem Sitz des Papsttums, und Montecassino (784/85-787), dem Ursprungskloster des benediktinischen Mönchtums. Nach seiner Rückkehr nach Friesland ernannte Karl der Große Liudger zum Missionsleiter für fünf mittelfriesische Gaue (787), wobei der Frankenkönig den Missionar vielleicht auch mit Leitung und Besitz des Petrusklosters zu Leuze betraute. In die Zeit der Friesenmission fällt zudem die Reise Liudgers nach Helgoland (um 791). Der Sachsen- und Friesenaufstand von 792 war vielleicht für Liudger der Anlass, Karl den Großen um die Missionsleitung im westlichen Sachsen zu bitten. In der Folgezeit entstand um Münster und das dort 793 von Liudger gegründete Kanonikerstift ein Missionsbistum mit einem ausgedehnten Pfarrsystem, das u.a. die Kirchen in Coesfeld, Billerbeck, Rheine, Wettringen und Schöppingen umfasste. In Nottuln ließ Liudger eine Kirche erbauen und soll die Gründung einer Gemeinschaft von Sanktimonialen unterstützt haben. Liudger wurde 805 wohl in Köln vom Kölner (Erz-) Bischof Hildibald (787-818) zum ersten Bischof von Münster geweiht, das Bistum auf augenfällige Weise der Kölner Kirchenprovinz angegliedert. Die letzten Jahre vor seinem Tod muss der Bischof seinen Sprengel mehrfach bereist haben. Auf solch einer Reise ist Liudger in Billerbeck gestorben (26. März 809). Zunächst in Münster aufgebahrt, gelangte der Leichnam des (bald) als Heiligen Verehrten ins Kloster (Essen-) Werden, wo man Liudger seinem Wunsch gemäß begrub.
Zu Liudger s. an Quellen: Buhlmann, Michael (2008), Das Münsteraner Büchlein über die Wunder des heiligen Liudger (= BGW 9), Essen 2008, 16 S., € 2,-; Diekamp, Wilhelm (Hg.) (1881), Die Vitae sancti Liudgeri (= Geschichtsquellen des Bist(h)ums Münster, Bd.4), Münster 1881; Senger, Basilius (Hg.) (1982), Liudger in seiner Zeit. Altfrid über Liudger. Liudgers Erinnerungen, Münster 41986, 76 S., 1 Karte, DM 7,80, an Darstellungen: Angenendt, Arnold (2005), Liudger. Missionar - Abt - Bischof (im frühen Mittelalter), Münster 2005 > A Angenendt, Liudger; Börsting, Heinrich, Borger, Hugo, Elbern, Victor H. (1959), Sankt Liudger 809-1959. Gedenkschrift zum 1150. Todestage des Heiligen, Essen-Werden 1959, 110 S., Abbildungen, DM 12,-; Börsting, Heinrich, Schröer, Alois (Hg.) (1948/50), Liudger und sein Erbe (= Westfala Sacra, Bd.1-2), 2 Bde., Münster 1948-1950, XXIX, 294 S., 354 S.; Buhlmann, Michael (1998), Liudger an der Ruhr, in: Ich verkünde euch Christus. St. Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809 [1998], S.22-42; Buhlmann, Michael (2001), Liudger und Karl der Große, in: Ich verkünde euch Christus. St. Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809 [2001], S.4/5-48; Buhlmann, Michael (2003), Liudger in den Münsteraner Chroniken des Mittelalters und der frühen Neuzeit, in: Ich verkünde euch Christus. St. Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809 [2002], S.76-100; Buhlmann, Michael (2005), Liudger und sein bischöfliches Wirken in der Zeit. Sächsischer Missionsbezirk und Münsteraner Bistum Liudgers in der Kirchenorganisation des karolingischen Frankenreichs, in: Seid Zeugen des Glaubens [2005], S.55-89; Buhlmann, Michael (2007), Liudger an der Ruhr - Die Gründung des Klosters Werden (= BGW 1), Essen 2007, 36 S., € 2,50; Buhlmann, Michael (2008), Suitbert, Liudger und die Missionierung Nordwesteuropas (= BGW 8), Essen 2008, 48 S., € 2,50; Hüsing, Augustin (1878), Der heilige Liudger, erster Bischof von Münster, Apostel der Friesen und Sachsen, Münster 1878; Isenberg, Gabriele, Rommé, Barbara (Hg.) (2005), 805: Liudger wird Bischof. Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster (= Ausstellungskatalog), Münster 2005, 301 S., Abbildungen, Karten, CD-ROM, € 25,-; Kaus, Eberhard (1992), Zu den Liudger-Viten des 9. Jahrhunderts, in: WZ 142 (1992), S.9-55; Löwe, Heinz (1955), Liudger als Zeitkritiker, in: HJb 74 (1955), S.79-91; Rabeneck, Günter [o.J.], St. Liudger (742-26.3.809). Zeittafel seines Lebens, [Essen-Werden] [o.J.]; Rensing, Franz (1913), Der Geburtsort des hl. Liudger, in: BeitrrGWerden 16 (1913), S.54-61; Sierksma, Klaes (2000), Liudger Thiadgrimssohn. Herkunft und Familie. Versuch der Richtigstellung einiger im Laufe der Zeit entstandener Fehldeutungen der Viten Liudgeris, Essen-Werden [2000]; Wagener, Heinz (1988), Liudger (um 742-809), Begründer des westfälischen Kirchengesangs, in: Westfalen 66 (1988), S.94-112. > W Werden, > Liudger [Buhlmann, 12.1998, 12.2001, 02.2003, 03.2005, 05.2008, 06.2014]

Liutbirg: Das Leben der Liutbirg, hg. v. Ottokar Menzel (= MGH. Deutsches Mittelalter, Bd.3), 1937, Nachdruck Stuttgart 1978, 54 S., € 14,- > Lateinische Literatur > V Vita Liutbirgae

Löhr, Gabriel M. (1927), Das Necrologium des Dominikanerinnenklosters St. Gertrud in Köln, in: AHVN 110 (1927), S.60-179. I. Das Dominikanerinnenkloster St. Gertrud in Köln wurde vor 1257 gegründet und 1802 aufgehoben. Eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden (1238-1261) vom August 1257 berichtet über den Umzug der Rekluse Helwigis und ihrer Mitschwestern von der Klause bei der Deutschordenskirche St. Katharina (Köln, Severinsstraße) nach St. Gertrud (Köln, Neumarkt). Die "frommen Frauen" siedelten sich wahrscheinlich bei einer alten Kapelle eines erzbischöflichen Hofes an. Privilegiert am 1. August 1265 durch Papst Clemens IV. (1265-1268), war die Frauengemeinschaft dem Dominikanerorden angeschlossen (Inkorporation 1286/87), im Jahr 1273 wird die Kommunität als monasterium s. Gertrudis sororum ordinis Predicatorum in Colonia bezeichnet. In dieser Zeit erfolgten auch Ausbau und Erweiterung der Klosteranlage, die noch 1802 bestehende Kirche stammt von der Wende des 13. zum 14. Jahrhundert. Kapellen und Altäre waren dem Evangelisten Johannes, dem heiligen Augustinus und der Jungfrau Maria geweiht, Reliquien der heiligen Gertrud vorhanden. Der Hauptaltar wurde 1279 vom Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg (1275-1297) geweiht. Das Kloster wurde durch Ablässe und Stiftungen unterstützt, vornehme Kölner Familien engagierten sich; vornehme Kölnerinnen, z.B. aus dem Geschlecht der Overstolz, sind als Klosterleiterinnen, als Priorinnen bezeugt. Neu eintretende Schwestern hatten dem Kloster eine Mitgift für ihren Unterhalt zu stiften, demnach waren besonders Frauen aus dem Kölner Patriziat und aus reichen Kölner Kaufmannsfamilien (spätes Mittelalter) bzw. aus Schöffen- und Beamtenfamilien (frühe Neuzeit) in St. Gertrud vertreten. Zur wirtschaftlichen Ausstattung des Klosters gehörte Besitz in Köln, Widdersdorf, Pulheim, Brauweiler und Dansweiler (um 1360) bzw. in Dansweiler, Deckstein, Junkersdorf, Lind und Widdersdorf (1787). Der Besitz wurde von der Priorin verwaltet, Besitzsachen in einem Gremium von Priorin, Subpriorin und älteren Schwestern mit Zustimmung des Ordensprovinzials verhandelt. Das Gertrudkloster des endenden 13. und des 14. Jahrhunderts hatte wohl auch im Zusammenhang mit der "deutschen Mystik" Bedeutung. Eine Predigtsammlung von Predigten u.a. des Albertus Magnus (†1280) soll mit dem Kloster in Verbindung stehen. Dem Auf und Ab in jeder geistlichen Gemeinschaft entsprach es, dass die Frauengemeinschaft im 15. Jahrhundert als reformbedürftig angesehen wurde. 1466 wurde die Reform des Klosters mit Unterstützung durch den Kölner Rat und den Erzbischof, aber gegen Widerstände von Seiten einiger Schwestern eingeführt (Amtsenthebung der Priorin, der Subpriorin, der Schaffnerin und der Kellnerin; Hinzunahme neuer Schwestern von außerhalb). Das Gertrudkloster blieb von der Reformation unberührt, 1728 klagte der Kölner Generalvikar über die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen der Frauengemeinschaft. Indes konnte die Priorin Anna Herrestorf (1769-1778, 1785-1798) aus eigenen Mitteln einen neuen Kirchenchor aufführen lassen. In den letzten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts beanspruchte der Kölner Erzbischof Jurisdiktion und Visitationsrecht über St. Gertrud. Am 14. Oktober 1802 verließen infolge der Aufhebung des Klosters dessen Insassen die Gebäude, die verkauft und abgerissen wurden. II. Zur Überlieferung des Gertrudklosters gehört insbesondere ein Nekrologium. Vollständig zu ermitteln war die Liste der Priorinnen von Helwigis (1257, 1263) bis zu Gertrud Leven (1798-1802). [Buhlmann, 06.2006]

Löhr, Wolfgang (2016), Auch ein letzter Ritter: Heinrich II. von Hompesch (ca.1448-1501). Ein Weggefährte Herzogs Wilhelm IV. von Jülich-Berg und des späteren Kaisers Maximilian I., in: AHVN 219 (2016), S.43-102, Stammtafel. I. Die Ritterfamilie Hompesch, vielleicht aus ministerialischen Anfängen stammend, reichte wohl bis ins 13. Jahrhundert zurück (Kuno de Hunpes [1275], miles Gottfried von Hompesch [1303]). Im 14. und 15. Jahrhundert waren Mitglieder der Familie Hompesch Räte der Herzöge von Jülich, weiter an prominenter Stelle in der Verwaltung und bei der militärischen Verteidigung des Herzogtums tätig (Rat Werner II. [†v.1410], Landdrost Werner IV. [†v.1472]). II. Heinrich II. von Hompesch (*ca.1448-†1501), verheiratet mit Sophia von Burscheid (1473), verfügte auf Grund von väterlichem (Werner IV.) Erbe und Ämterhäufung im Dienste des Jülicher Herzogs (herzoglicher Rat [1471], Amtmann von Grevenbroich [1471], Monschau [1475] und Münstereifel [1478]) über ein beträchtliches Vermögen. Zeitweise waren ihm auch das Amt Brüggen (1492) und die klevisch-märkische Stadt und Herrschaft Wachtendonk (1497) verpfändet. 1485 kaufte Heinrich das geldrische Lehen Wickrath von (König) Maximilian I. (1486/93-1519); Wickrath wurde 1488 reichsunmittelbar. Militärisch und in Verhandlungen griff Heinrich auch im "Kleinkrieg" zwischen den Herzogtümern Jülich-Berg, Kleve und Geldern (1498/99) ein. Enge Beziehungen zwischen Heinrich von Hompesch und dem Habsburger Maximilian bestanden wohl seit 1479 (Sieg Maximilians bei Guinegate [1479], Krieg in Flandern [1488], Heinrich als Finanzier Maximilians [v.1500]). Zusammen mit seiner Frau Sophia ließ Heinrich 1486 das Testament der Eheleute diktieren, das fromme Stiftungen enthielt und in der Erbscheidung von 1492 und noch 1500 ergänzt wurde. Heinrich und Sophia stifteten zudem ein Kreuzherrenkloster in Wickrath (1491). Heinrich war ein miles christianus, der sich im niederrheinischen Netzwerk von Ritterstand und Adel durch Frömmigkeit und Familiensinn, in Politik und Diplomatie, in Finanzen und Kriegertum auszeichnete. König Maximilian würdigte den Ritter in seiner Schrift "Triumphzug". [Buhlmann, 05.2017]

Löwe, Heinz (1955), Liudger als Zeitkritiker, in: HJb 74 (1955), S.79-91 > L Liudger

Lohmann, Friedrich Wilhelm (1930), Eine alte Bruderschaft in den Dekanaten Wattenscheid und Essen (Kaland, erneuert 1326), in: EB 50 (1930), S.51-97. Zwei mittelalterliche Handschriften, ein Essener und ein Wattenscheider Codex vom beginneden 14. Jahrhundert, sind Bruderschaftsbücher, enthaltend die Statuten von 1326 (Statuta fraternitatis ... per decanatum Watterschedensem bzw. Constitutiones et Statuta Fratris B.M.V. per Decanatum Wattenschedensem; Statuten [Dekan der Bruderschaft, Gottesdienst, Zusammenkünfte, Exequien] mit Zusätzen im Essener Codex, liturgische Texte [im Gottesdienst: Antiphonen, Responsorien, Invitatorien, Psalmen]), Mitgliederlisten (Memoria defunctorum de fraternitate B.M.V. decanatus Wattenschedensis et vicinorum locorum; Memoria fratrum defunctorum sacerdotum als Priesterliste [u.a. im Essener Codex erweitert 1570 und 1633ff], Liste von adligen Mitgliedern [militum, militarium], Liste von Hofbesitzern, Dienstleuten, Bürgern, Beamten) und eine Einkünfteliste (im Essener Codex; Redditus fraternitatis bte Mariae virginis in districtu Assindensi). Das Essener Bruderschaftsbuch kam dabei (wegen der engen Beziehungen zwischen dem Essener Stift und der Wattenscheider Kirche) von Wattenscheid nach Essen und diente fortan der Essener Bruderschaft. Die Bruderschaft selbst reicht wohl (mindestens) ins 13. Jahrhundert zurück und gehört zu den kirchlichen Bruderschaften/Fraternitäten (von Priestern, Kaland), die seit dem hohen Mittelalter besonders in Westfalen, weniger im Rheinland bezeugt sind, die weiter auf die Zeit (der Christianisierung? bzw.) einer sich verdichtenden kirchlichen Organisation zurückgehen. Der Bedeutung solcher Bruderschaften entsprach auch die Aufnahme von adligen, nichtadligen und bürgerlichen Laien. Stiftungen ermöglichten den Fraternitäten, für ihre Mitglieder im Bedarfsfall und im Tod zu sorgen und Seelentrost zu spenden. [Buhlmann, 10.2012]

Lohrmann, Dietrich, Kranz, Horst, Alertz, Ulrich (Hg.) (2006), Konrad Gruter von Werden, De machinis et rebus mechanicis. Ein Maschinenbuch aus Italien für den König von Dänemark 1393-1424, Tl.I: Einleitung, Tl.II: Edition (= Studi e Testi 428/29), Vatikan 2006, 254 S., 299 S., Farb-, Schwarzweißabbildungen, Karten, Pläne, € 110,-. Konrad Gruter (*ca.1360?-†n.1424) aus Werden entstammte einer angesehenen und begüterten Ministerialenfamilie. Aufgewachsen und sozialisiert worden ist Gruter in der kleinen Stadt an der Ruhr, wo er aller Wahrscheinlichkeit die Lateinschule besuchte. Lateinische Bildung ermöglichte ihm, der in den Dienst der Kirche eingetreten war (1380), auch ein Studium der Artes an der Kölner Artistenfakultät (1391). Ab 1393 war Gruter als Ingenieur und Experimentator am päpstlichen Hof in Rom tätig, wo er, ausgestattet mit kirchlichen Pfründen, auch das Amt eines tabellio ausübte. Ab dem Jahr 1400 stand der Wassertechniker in verschiedenen Dienstverhältnissen ober- und mittelitalienischer Städte und Herrscher (Modena 1400/01, Ferrara 1401, Padua 1403/04, Camerino 1406/08, Lucca 1418, Florenz?, Ravenna?). Im Jahr 1424 hielt sich Konrad Gruter in Venedig auf, wo er für König Erik VII. von Dänemark, Norwegen und Schweden (1397/1412-1439) ein Maschinenbuch verfasste, das als Spiegel seiner Erfahrungen und Kenntnisse gelten kann. Das Maschinenbuch ist damit ein wichtiges Zeugnis der Technik im späten Mittelalter. > Lateinische Literatur > G Gruter, Konrad. Vgl. Buhlmann, Michael (2014), Konrad Gruter aus Werden - Technik im späten Mittelalter (= BGW 15), Essen 2014, 55 S., € 3,-; Kranz, Horst (2002), Von Werden an der Ruhr nach Lucca. Ein rheinischer Ingenieur und Autor im spätmittelalterlichen Italien, in: AHVN 205 (2002), S.49-64. [Buhlmann, 04.2014]

Longerich, Peter (2015), Hitler. Biographie, München 2015 > H Hitler, Adolf

Lonhard, Otto-Günter (1963), Das Kloster Blaubeuren im Mittelalter. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte einer schwäbischen Abtei. Mit einem Beitrag: Gönner, Erberhard, Siegel und Wappen des Klosters (= VKGLBW B 25), Stuttgart 1963 > B Blaubeuren

Loose, Rainer (1997), Marienberg und Tirol. 900 Jahre Benediktinerabtei (Schuls-) Marienberg 1096-1996, in: SMGB 108 (1997), S.97-111 > M Marienberg, in Südtirol

Lorch, Benediktinerkloster: Mit den Anfängen der staufischen Herzogs- und Königsdynastie verbunden ist ihr Hauskloster Lorch, ein um 1100 gegründetes Benediktinerkloster Hirsauer Observanz, das dem Papst übergeben (1102) und von den Staufern bevogtet wurde. Zusammen mit einem Kollegiatstift an der Lorcher Pfarrkirche diente das Kloster der Grablege der frühen Staufer. Nach dem Ende der Königsdynastie übernahmen die Grafen von Württemberg die Klostervogtei, die Kommunität wurde ein landesherrliches Kloster (Melker Reform 1462). Die frühe Neuzeit begann mit der Zerstörung des Klosters im Bauernkrieg (1525), Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1550) ließ das Kloster 1535 im Rahmen der Reformation auflösen, eine evangelische Klosterschule bestand in Lorch zwischen 1556 und 1583, das württembergische Klosteramt bis 1806. Von der romanischen Klosteranlage ist die dreischiffige Basilika mit Querhaus, Westbau und einem Rundturm erhalten, ebenso der spätgotische Nordflügel der Konventsgebäude sowie einige Wirtschaftsgebäude.
Zu Lorch vgl. Heinzer, Felix, Kretzschmar, Robert, Rückert, Peter (Hg.) (2004), 900 Jahre Kloster Lorch. Eine staufische Gründung vom Aufbruch zur Reform (= VKGLBW B N.N.), Stuttgart 2004, XV, 199 S., Farb-, Schwarzweißbbildungen, € 42,-; Kloster Lorch. 900 Jahre. Ein Rundgang durch die Geschichte des Klosters, hg. i.A. d. Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (2002), Stuttgart 2002, 104 S., Abbildungen, € 7,50. [Buhlmann, 03.2009]

Lorenz, Sönke (1983), Borgh, Stat ind Landt van Keiserswerde. Ein Beitrag zur Geschichte von Kaiserswerth, Diss., Düsseldorf 1983 = Lorenz, Sönke (1993), Kaiserswerth im Mittelalter. Genese, Struktur und Organisation königlicher Herrschaft am Niederrhein (= SH 23), Düsseldorf 1993 > K Kaiserswerth

Lorenz, Sönke, Rückert, Peter (Hg.) (1997), Württemberg und Mömpelgard - 600 Jahre Begegnung (= Ausstellungskatalog), Stuttgart 1997 > M Mömpelgard

Lorenz, Sönke, Bauer, Dieter R., Auge, Oliver (Hg.) (2008), Tübingen in Lehre und Forschung um 1500. Zur Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen. Festschrift Ulrich Köpf (= TBLG 9), Ostfildern 2008, VIII, 304 S., € 24,90. In der geteilten württembergischen Landesherrschaft im deutschen Südwesten konkretisierten sich im Verlauf der 1470er-Jahre Pläne des Uracher Grafen Eberhard im Bart (1450-1496) zur Gründung einer Universität in Tübingen. Unterstützt von wichtigen Ratgebern, seiner Mutter Mechthild von der Pfalz (†1482) und Papst Sixtus IV. (1471-1484), konnte Eberhard 1476 das Sindelfinger Stift nach Tübingen verlegen; es diente mit seinen Kirchenpfründen der zu gründenden Universität als Ausstattung, die zudem durch das Patronat über die fünf Pfarrkirchen in Asch (Blaubeuren), Brackenheim, Eningen, Ringingen und Stetten ergänzt wurde. Die päpstliche Gründungsbulle vom 11. März 1477 sowie eine gedruckte gräfliche Bekanntmachung vom 3. Juli, die den Beginn des Studiums auf den 1. Oktober festlegte, waren weitere Schritte zur Entstehung der Tübinger Universität. Der Lehrbetrieb begann dann auch mit dem Wintersemester 1477/78. In der Artistenfakultät gab es ziemlich von Anfang an als Lehrer die vier vorgesehenen Kollegiatmagister, die sich zwei Sindelfingen-Tübinger Pründen teilten und den "Fachrichtungen" der via moderna und via antiqua zugehörten (Nominalismus und Universalienstreit). Im Rahmen des Quadriviums wurde der bedeutende Mathematiker Johannes Stöffler (†1531) für Tübingen gewonnen. Die Artistenfakultät war eng mit der 1480 fertig gestellten Burse verbunden, die den Artes-Studenten Wohn-, Schlaf- und Übungsmöglichkeiten bot und unter der Leitung eines rector bursiae stand. Eine gräfliche Verordnung des Jahres 1488 macht dann eine Trennung zwischen den 18 Artistenmagistern, die dem Fakultätskonzil angehörten, und den übrigen magistri regentes, die ihre Einkünfte nur aus den Hörer- und Prüfungsgebühren beziehen konnten, deutlich. Nicht mit der Artistenfakultät zusammenhängend, gab es eine humanistisch ausgerichtete Poetikdozentur, die der bekannte Pforzheimer Humanist Johannes Reuchlin als Erster ausübte und die langsam in die juristische Fakultät hineinwuchs, wurde Poetik (Rhetorik) u.a. als Voraussetzung für die juristische Institutionenlehre angesehen. Dem Gewicht der juristischen Fakultät entsprach es, dass im Jahr 1490 mit Martin Prenninger (†1501), dem Kanzler des Konstanzer Bischofs, ein berühmter Doktor beider Rechte gewonnen wurde, der die aus drei Ordinarien (ius pontificum, nova iura, ius civile) bestehende Rechtsfakultät deutlich aufwertete und wohl wesentlich hinter den Fakultätsstatuten von 1495 stand. Schwierigkeiten gab es indes beim Aufbau der theologischen und medizinischen Fakultäten in Tübingen. Die Medizinfakultät etablierte sich im Jahr 1484 unter dem bedeutenden Mediziner Johannes Widmann (†1524), ein zweiter Ordinarius innerhalb dieser Fakultät wird erst 1492 greifbar. Aus dem Jahr 1497 ist ein medizinischer Lehrplan überliefert, der auf die theorica, practica, chirurgia und extraordinaria eines vierjährigen Studiums verweist und Vorlesungen zu Hippokrates, Galen, Rhazes, Constantinus Africanus und Avicenna sowie Leichensektionen aufführt. Die Medizinprofessoren waren auch Leibärzte des Landesherrn, wie überhaupt die Universität eng den Anforderungen der württembergischen Grafen bzw. Herzöge entsprechen musste, stellten doch zudem die Lehrer der theologischen und juristischen Fakultät Ratgeber (Gutachter) und Räte für den Landesherrn. Auch an der theologischen Fakultät gab es 1484 mit dem Theologen Gabriel Briel (†1495), dem Propst des St. Amandus-Stifts in Urach, eine Wendung zum Besseren; Briel hatte schon 1482 Graf Eberhard darin unter-stützt, beim Papst die Vereinigung der Pfründen des Tübinger Stifts zu erwirken, um die Universität auf eine einheitliche finanzielle Grundlage zu stellen. Mit dem theologischen Studium in Tübingen eng verbunden waren von den Franziskanern und Karmelitern eingerichtete Ordensstudien, der Tübinger Augustinereremit Johannes Staupitz (†1524), ein Wegbegleiter Martin Luthers, wurde 1500 Doktor der Theologie, nachdem er 1497 an der Tübinger Universität immatrikuliert worden war. Gegen eine ewige Rente in Höhe von Gulden jährlich erhielt die Universität im Kloster der Augustinereremiten zudem ein Lectorium, einen Lesesaal für Theologen. Über Umfang und Ausstattung der Bibliothek(en) an der Tübinger Universität liegt aus der Anfangszeit dieser Bildungsinstitution wenig vor. Die ersten Universitätsordnungen von 1481 und 1491 erwähnen liberien; vermutlich hat es eine fakultätsübergreifende Gesamtbibiliothek gegeben, Konrad Hager stiftete 1522 seine Bücher dieser "Universitet liberey", ebenso hinterließ 1531 der Mathematiker Johannes Stöffler der Universität seine Büchersammlung. Neben der Gesamtbibliothek hat es aber wohl nicht sehr umfangreiche Büchersammlungen der Mönchsorden sowie der Brüder vom gemeinsamen Leben gegeben; auch verfügten die Professoren über Privatbibliotheken; schließlich gab es die Bibliothek der Burse. Es ist klar, dass im Zeitalter des Buchdrucks der Großteil der Medien in den Bibliotheken aus gedruckten Büchern bestand. Insgesamt kann von einem erfolgreichen Aufbau der Universität Tübingen in der Zeit zwischen Gründung und Reformation (1534/35) ausgegangen werden. Dies schlug sich auch in der relativ konstanten Zahl (um 100) der sich jährlich neu einschreibenden Studenten nieder, sieht man von den Pestjahren 1482 und 1483, wo der Unterricht teilweise außerhalb Tübingens ablief, einmal ab. Unter den Studenten finden sich auch Prominente wie der Balinger Gregor Reisch in den 1480er-Jahren oder der Pforzheimer Philipp Melanchton, der zwischen 1512 und 1518 in Tübingen studierte. "Würdige und bedürftige" Studenten wurden zuweilen von privaten Stiftungen unterstützt; am bekanntesten ist das Collegium sanctorum Georgii et Martini, gestiftet 1509 bzw. eingeführt 1518/19 von den Kirchenmännern und Universitätsangehörigen Georg Hartsesser (†1518) und Martin Plantsch (†1533). Die Stiftung war ein Kollegium mit eigenem Wohnheim und Bibliothek und gewährte bis zu 18 Studenten der Artistenfakultät - die eine Hälfte waren antiqui, die andere moderni - Stipendien in Form von Unterkunft und Verpflegung, während etwa Prüfungs- und Promotionsgebühren selbst von den Stipendiaten aufgebracht werden mussten. Die von Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1550) verordnete (württembergische) Reformation auch der Universität Tübingen (1534) stieß gerade an der theologischen Fakultät auf Widerstand. Infolge der Reformation verließen angesehene katholische Hochschullehrer Tübingen; Fakultät und Universität mussten sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen, die zudem mit größeren Einwirkungsmöglichkeiten des Landesherrn einhergingen. War die Universität Tübingen zur Zeit der habsburgischen Besetzung Württembergs (1519-1534) noch dem katholischen Glauben und dem Humanismus verpflichtet gewesen, so wurde sie im Verlauf des 16. Jahrhunderts endgültig protestantisch, die theologische Fakultät wurde in Forschung und Lehre führend für den lutherischen Glauben im römisch-deutschen Reich.
Zur (inneren [föderativ-repräsentative Körperschaft], äußeren [corpus ecclesiasticum, corpus privilegiatum]) Verfassung der frühen Tübinger Universität mit der universitas und deren Organen (Rektor, Kanzler), den facultates und deren Organen (consilium, Dekan) sowie der Universität als Rechtsverband (Satzungsrecht, Gerichtsbarkeit, Verwaltungsautonomie, Mitgliederprivilegien) vgl. noch: Teufel, Waldemar (1977), Universitas Studii Tuwingensis. Die Tübinger Universitätsverfassung in vorreformatorischer Zeit (1477-1534) (= Contubernium, Bd.12), Tübingen 1977, XIV, 299 S, Schwarzweißabbildungen, DM 45,80. [Buhlmann, 10.2008, 02.2014]

Lorenz, Sönke, Rückert, Peter (Hg.) (1999), Württemberg und Mömpelgard - 600 Jahre Begegnung / Montbéliard - Wurtemberg. 600 Ans de Relations (= SSWLK 26), Leinfelden-Echterdingen 1999, XI, 484 S., € 20,90. Beziehungen der Grafschaft Württemberg zum linksrheinischen Raum hat es schon seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert gegeben. Aber erst die Eheabsprache von 1397 betreffend die Heirat Graf Eberhards IV. von Württemberg (1415-1417) mit Henriette von Mömpelgard (*1384/91-†1444) begründete ein württembergisches Mömpelgard, d.h. ein in spätem Mittelalter und früher Neuzeit dynastisch mit der Grafschaft bzw. dem Herzogtum Württemberg verbundenes linksrheinisches Territorium. Den vielfältigen Zusammenhängen zwischen Württemberg und Mömpelgard (Montbéliard) spüren die in dieser Publikation vereinigten Aufsätze nach. > M Mömpelgard [Buhlmann, 04.2007]

Lorenz, Sönke, Schmauder, Andreas, Seeger, Christoph, Bidlingmaier, Rolf, Edelmann, Heidrun, Matzke, Michael (1997), Riederich. Geschichte einer Ermstalgemeinde (= Gemeinde im Wandel, Bd.5), Horb a.N. 1997, 236 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, DM 45,-. Der Ort Riederich im Ermstal ist historisch erstmals im Codex Hirsaugiensis des Schwarzwaldklosters Hirsau mit Zeitstellung nach 1103 (nicht 1097) als Ruderchingen belegt. Als alemannischer -ingen-Ort reicht Riederich indes wohl bis ins 6./7. Jahrhundert n.Chr. zurück, vor- und frühgeschichtliche Funde um Riederich betreffen zudem eine jungsteinzeitliche Siedlung auf der Flur Brotlosen, eine keltisch-hallstattzeitliche Höhensiedlung auf dem Grafenberg, eine wohl in römische Zeit zurückreichende bei Grafenberg, die "Heerstraße" zwischen Riederich und Bempflingen. Frühmittelalterlich war die Herrschaft der fränkischen Merowinger- und Karolingerkönige bedeutsam, im 11. Jahrhundert lassen sich die Grafen von Achalm und Urach als Herrschaftsträger im Ermstal nachweisen, im 12. Jahrhundert besaß das Kloster Hirsau Besitz in Riederich (Hirsauer Kodex [15. Jahrhundert], Hirsauer Schenkungsbuch [12. Jahrhundert, Mitte]). Nach dem Sieg in der Schlacht im Ermstal (1235) konnte Kaiser Friedrich II. (1212-1250) das Reichsgut am mittleren Neckar als staufische Prokuration mit der Burg Achalm als Mittelpunkt organisieren. Auch nach dem Ende der staufischen Königsdynastie (1268) blieben die Reichsvogtei Achalm und die Königsstadt Reutlingen mit Reich und Königtum verbunden. Doch gelang es den Grafen von Württemberg auf Dauer, sich der Reichslandvogtei, zu der auch Riederich gehörte, zu bemächtigen (ab 1298); das Ermstal wurde württembergisch, wie aus der Treueidleistung u.a. der Einwohner von Riederich für den württembergischen Grafen erkennbar ist (1396). Im 15. Jahrhundert stellte sich der Riedericher Besitz des Klosters Hirsau als Rentengrundherrschaft dar (Hirsauer Lagerbuch [1435/37]), der Ort gehörte zur Pfarrei Bempflingen, die Mutterkirche unterstand dem Patronat des Bistums Konstanz, der Riedericher Zehnt ging an die Kirche in Denkendorf. Am Beginn des 16. Jahrhunderts waren Riederich und das Ermstal in das Herzogtum Württemberg und das württembergische Amt Urach einbezogen (württembergische Landesordnungen [1495, 1515], Uracher Lagerbuch [1522]). Damals erschütterten der Aufstand des Armen Konrad (1514) und Bauernkrieg (1524/25) Württemberg. Riederich machte die württembergische Reformation Herzog Ulrichs (1503-1519, 1534-1550) mit (1534), in diesem Zusammenhang kam auch die Mönchsgemeinschaft Hirsau zu ihrem Ende (Sönke Lorenz, Von den Anfängen bis zum Ende des Mittelalters). In der frühen Neuzeit war Riederich territorialer Bestandteil des Herzogtums Württemberg, wurde im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nach der Schlacht bei Nördlingen (1634) stark in Mitleidenschaft gezogen (habsburgische Herrschaft und "Pfandschaft Achalm" [1637]). Weitere Kriege sollten folgen (Pfälzer Krieg [1689-1697], Spanischer Erbfolgekrieg [1701-1714], napoleonische Kriege), während sich Riederich als kleines Dorf unter Leitung von Schultheiß und Gericht darstellt (Andreas Schmauder, Vom 16. Jahrhundert bis 1870). Das 19. und 20. Jahrhundert sah die Entwicklung hin zur Moderne im Königreich Württemberg (1806-1918) und deutschen Kaiserreich (1870/71-1918) (Bevölkerungswachstum, Pfarrei Riederich 1860, Industrialisierung, Schulwesen), in der Weimarer Republik (1919-1933), im nationalsozialistischen Deutschland (1933-1945) und in der Bundesrepublik Deutschland (ab 1949) (Christoph Seeger, Kulturdenkmale in Riederich; Rolf Bidlingmaier, Vom Kaiserreich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs; Heidrun Edelmann, Von 1945 bis in die Gegenwart; Michael Matzke, Münzfunde, Geld und Maße in und um Riederich; Helmut Meßmer, Kirchliches, kulturelles, sportliches und gesellschaftliches Leben; Helmut Meßmer, Der Beitrag des einheimischen Gewerbes zur Prosperität Riederichs). [Buhlmann, 11.2016]

Losse, Michael (2011), Die Kreuzritter von Rhodos. Bevor die Johanniter Malteser wurden, Ostfildern 2011, 291 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, € 26,90. Der Johanniterorden war ursprünglich eine Gründung von wahrscheinlich amalfitanischen Kaufleuten, die irgendwann zwischen 1048 und 1071 ein Pilgerhospital in Jerusalem stifteten. In der Folge des 1. Kreuzzugs (1096-1099) wurde auch der Hospitalbruderschaft ein Mönchs- und überregional agierender, vom Papsttum anerkannter und geförderter geistlicher Ritterorden (Ordensregel vor 1153, päpstlicher Schutz, kirchliche Exemtion). Neben den Templern bildeten die Johanniter das militärische Rückgrat der Kreuzfahrerstaaten, ausgestattet mit umfangreichem Besitz (Land, Einkünfte, Burgen) im Heiligen Land, aber auch in Europa. Lokal war der Besitz organisiert in Kommenden und Präzeptoreien unter der Leitung von Komturen und Präzeptoren. Der Orden war seit dem 13. bzw. 14. Jahrhundert in nationes ("Zungen"), Großpriorate und Balleien untergliedert; an der Ordensspitze stand der Großmeister (weitere zentrale Ämter: Großkommendator, Großhospitalier, Marschall, Großadmiral, Drapier, Großkanzler). Die Ordensmitglieder teilten sich auf in Ritterbrüder, dienende Brüder und Kapläne. Nach der Eroberung Akkons und dem Ende der Kreuzfahrerstaaten (1291) war Zypern der Hauptsitz des Ordens, nach der Eroberung der zum Byzantinischen Reich gehörenden Insel Rhodos (1306-1309) entstand auf Rhodos und den umliegenden Inseln der Dodekanes der johannitische Ordensstaat, der auch auf das kleinasiatisch-osmanische Festland übergriff (Smyrna 1344, Bodrum 1400/02). Im 14. Jahrhundert ging der Ordensstaat durchaus offensiv vor (Besitz von Delos 1333, Eroberung Alexandrias 1365, Versuch der Ausweitung der Johanniterherrschaft auf die Peleponnes 1399, Akrokorinth als Stützpunkt der Johanniter 1400/04-1458, Johanniter auf Ikaria 1362/1481-1523?), im 15. Jahrhundert gerieten Orden und Ordensstaat gegenüber den osmanischen Türken und den ägyptischen Mamluken in die Defensive (osmanische Belagerung 1480). Nicht zuletzt die mehr als hundert johannitischen Burgen, befestigten Orte und Wachtürme auf den Dodekanes belegen die Anstrengungen, die der Johanniterorden zur Verteidung des Ordensstaats unternahem (Rhodos: Stadt-, Hafenbefestigungen und sog. Großmeisterpalast in Rhodos-Stadt, Akropolis von Lindos; Alimia: Burg; Chalki: Burg; Kalymnos: Chara, Kastelli; Kastellariza: Megisti u.a.; Kos: Antimacheia, Kefalos, Kos-Stadt, Pyli; Leros: Platanas; Nisyros: Mandraki u.a.; Symi: Charia; Tilas: Livadia, Megala Charia). All dies wurde mit der (zweiten) osmanischen Belagerung von Rhodos (1522) hinfällig, als die Kreuzritter schließlich kapitulieren mussten und die Insel mit einem Großteil der eingesessenen griechischen Bevölkerung verließen. 1530 erhielten die Johanniter von Kaiser Karl V. Malta mit den Nebeninseln als Lehen. Aus den Johannitern wurden damit Malteser. Das Ende des maltesischen Ordensstaats kam dann 1798. Heute ist der Orden in Rom beheimatet, karitativ tätig und eingeschränkt ein Staat mit Hoheitsrechten. [Buhlmann, 06.2011]

Loth, Wilfried, Die Teilung der Welt 1941-1955 (= dtv 4012), München 1980 > D dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Lothar von Supplinburg, deutscher König und Kaiser: Als Sohn des Grafen Gebhard von Supplinburg und der Ida von Querfurt wurde Lothar Anfang Juni 1075 geboren. Um 1100 heirate er Richenza, die Tochter des Grafen Heinrich von Northeim; die Ehe sollte söhnelos bleiben. 1106 war Lothar Herzog von Sachsen, 1114/15 Führer der sächsischen Opposition gegen Heinrich V. Am 30. August 1125 ist er in Mainz zum König gewählt, am 13. September in Aachen gekrönt worden. Die Wahl geschah dabei gegen den schwäbisch-staufischen Herzog Friedrich II., und so hatte sich Lothar (III.) schon bald mit dem staufischen Gegenkönig Konrad (III.) (1127-1152) auseinander zu setzen; das Gegenkönigtum blieb nach dem Fall Speyers und Nürnbergs (1130) auf Schwaben beschränkt; nach der Eroberung Ulms (1134) erfolgte dann die endgültige Unterwerfung der Staufer (1135). An der Seite König Lothars standen die Welfen, genauer gesagt die bayerischen Herzöge Heinrich der Schwarze (1120-1126) und Heinrich der Stolze (1126-1139); Bayern war schon 1070 an die Welfen gelangt. Das Papstschisma von 1130 sah Lothar III. auf der Seite Innozenz II. (1130-1143), für den sich auch der deutsche Episkopat aussprach. Mochte der 1. Italienzug des Königs auch wenig erfolgreich verlaufen sein, so brachte er immerhin Lothar die Kaiserwürde (4. Juni 1133) und Abmachungen in der Investiturfrage ein. Der 2. Italienzug Lothars (1136/37) führte den Kaiser über Oberitalien (Reichstag von Roncalia 1136) nach Süditalien, wo das deutsche Heer Apulien und Kalabrien erobern konnte; doch kam es wegen des weiteren Vorgehens zum Streit zwischen Kaiser und Papst. Ende 1137 kehrte Lothar, schon schwer erkrankt, aus Italien zurück und starb am 4. Dezember 1137 in einer Tiroler Berghütte. Seine letzte Ruhestätte fand der Kaiser im Benediktinerkloster Königslutter. Nach dem Tod Lothars von Supplinburg erlangte der Welfe Heinrich der Stolze - er war mit Gertrud, der Tochter Lothars verheiratet - auch das sächsische Herzogtum. Der Sohn Heinrichs des Stolzen, Heinrich der Löwe (†1195), war seit 1142 Herzog von Sachsen, ab 1154/56 Herzog von Bayern.
Quellen und quellennahe Werke sind: Bernhardi, Wilhelm (1879), Lothar von Supplinburg, 1879, Nachdruck Berlin 1975, XXIV, 873 S., DM 90,-; Die Urkunden Lothars III. und der Kaiserin Richenza, hg. v. Emil von Ottenthal u. Hans Hirsch (1927) (= MGH. Diplomata. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd.8), 1927, Nachdruck München 1980, XXXI, 314 S., DM 66,-. An weiterer Literatur findet sich: Petke, Wolfgang (1985), Kanzlei, Kapelle und königliche Kurie unter Lothar III. (1125-1137) (= RI Beihefte 5), Köln-Wien 1985, VII, 500 S., DM 67,-. [Buhlmann, 07.2016]

Lubkowitz, Mark (2005), Webseiten programmieren und gestalten. Das umfassende Handbuch (= Galileo Computing), Bonn 22005, 1141 S., Schwarzweißabbildungen, € 39,90 > Kompendium Mittelalter > Geschichtsdarstellung: Homepage/Website [Buhlmann, 11.2005]

Ludwig der Bayer, deutscher König und Kaiser: Ende 1281, Anfang 1282 wurde Ludwig der Bayer als Sohn des bayerisch-wittelsbachischen Herzogs Ludwig II. (1253-1294) und der Mechthild von Habsburg geboren. Seit 1294 war Ludwig bayerischer Herzog, wenn er sich auch die Herrschaft gegen seinen älteren Bruder Rudolf I. (1294-1319) erst 1301 mit habsburgischer Unterstützung erkämpfen konnte. Weitere Habsburger Einmischungen in Bayern wehrte Ludwig in der Schlacht bei Gammelsdorf (9. November 1313) erfolgreich ab. Die Doppelwahl vom 19. und 20. Oktober 1314 brachte neben dem Habsburger Friedrich (III.) dem Schönen auch den Wittelsbacher auf den deutschen Königsthron (Königskrönung in Aachen, 25. November 1314). Der Kampf gegen Friedrich den Schönen entschied sich aber erst mit dem Sieg Ludwigs bei Mühldorf (28. September 1322). Im Münchener Vertrag (5. September 1325) erkannte dann - völlig unerwartet - Ludwig seinen Konkurrenten als Mitkönig an. Dahinter stand aber das Bemühen des Wittelsbachers um päpstliche Anerkennung, stand mithin der Konflikt Ludwigs mit Kurie und Papst in Avignon (Papsttum in Avignon 1309-1378). Die undurchsichtige Haltung des Papstes Johannes XXII. (1316-1334) im Thronstreit drängte dabei Ludwig in eine antikuriale Position, von der er auch nach päpstlicher Bannung und drohender Aberkennung der Königswürde (23. März 1324) nicht abrückte. Vielmehr konkretisierte der Wittelsbacher in der Sachsenhäuser Appellation (24. Mai 1324) und im Ulmer Vertrag (7. Januar 1326) seinen Standpunkt. Unterstützt von den Habsburgern, entschloss sich Ludwig überdies zu einem Italienzug (1327-1330). Nach der Königskrönung in Mailand (1327) empfing er von Vertretern der Stadt Rom den Kaisertitel am 17. Januar 1328. Einen Tag später wurde zudem Johannes XXII. für abgesetzt erklärt und am 12. Mai mit Nikolaus V. (1328-1330) ein Gegenpapst installiert. Doch konnten sich Kaiser und Gegenpapst - trotz Unterstützung und antipäpstlicher Propaganda durch Marsilius von Padua und Wilhelm von Ockham - wieder nicht gegen den Papst in Avignon durchsetzen. Vielmehr wiederholte Johannes XXII. den Bannfluch von 1324, und auch ein im Oktober 1335 eröffnetes Absolutionsverfahren wurde 1337 eingestellt. Unterstützung fand Ludwig immerhin bei den Kurfürsten dahingehend, dass ein gewählter römisch-deutscher König nicht der päpstlichen Approbation (Zustimmung) bedürfe (Licet iuris des Rhenser Kurvereins, 16. Juli 1338). Unterdessen verstärkte sich durch die immer nachdrücklicher formulierten Thronansprüche des Hauses Luxemburg der Druck gegen Ludwig in Deutschland. Der von Frankreich und dem Papst unterstützte Luxemburger Markgraf Karl von Mähren wurde schließlich am 11. Juli 1346 zum Gegenkönig gewählt. Am 11. Oktober 1347 starb Ludwig der Bayer in Puch bei Fürstenfeldbruck; begraben liegt der Kaiser in der Münchener Frauenkirche.
Biografien zu Ludwig dem Bayern sind: Benker, Gertrud (1980), Ludwig der Bayer (1282-1347). Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron, München 1980, 327 S. Abbildungen, Karte, DM 38,-; Thomas, Heinz (1994), Ludwig der Bayer. Kaiser und Ketzer, Regensburg 1994, 413 S., Abbildungen, DM 59,-. Mit einzelnen Fragestellungen beschäftigt sich: Schwöbel, Hermann Otto (1968), Der diplomatische Kampf zwischen Ludwig dem Bayern und der römischen Kurie im Rahmen des kanonischen Absolutionsprozesses 1330-1346 (= QSVgDR 10), Weimar 1968, XXVI, 490 S., DM 29,80. [Buhlmann, 01.2015]

Ludwig der Fromme, fränkischer König und Kaiser: Ludwig der Fromme, der Sohn Kaiser Karls des Großen (768-814) und der Alemannin Hildegard (†783), wurde im Jahr 778 geboren; sein Zwillingsbruder Lothar starb alsbald (779); Ludwig hatte Pippin den Buckligen (†811), Karl den Jüngeren (†811) und Karlmann-Pippin (†810) als ältere (Halb-) Brüder. 781 wurde Ludwig Unterkönig im regnum Aquitanien, gelegen im Südwesten des Frankenreichs als Puffer gegen etwaige muslimische und baskische Übergriffe (tolosanische Mark). Der Regierung des zunächst unmündigen Ludwigs gelang die Konsolidierung Aquitaniens in politischer und kirchlicher Hinsicht, wie wohl die Rolle der poli-tisch Mächtigen im Land groß blieb. Etappen zu einer selbstständigen Regierung Ludwigs waren dann dessen Schwertleite (791), die Umorganisation des aquitanischen Reichsguts (durch Karl den Großen 794) und der Beginn der Beur-kundungstätigkeit des Unterkönigs (794). Im Jahr 806 erließ Kaiser Karl der Große die Divisio regnorum ("Teilung der Königreiche"), in der er im Fall seine Ablebens das Frankenreich unter seine drei noch lebenden Söhne Karl den Jüngeren, Pippin und eben Ludwig aufteilte. Da die Brüder Ludwigs in den folgenden Jahren starben, blieb nur noch dieser als Nachfolger des Kaisers übrig; in Italien folgte auf Pippin dessen Sohn Bernhard (†818) als Unterkönig. Folgerichtig ließ Karl der Große Ludwig zum Mitkaiser erheben (813). Nach dem Tod seines Vaters am 28. Januar 814 konnte Ludwig der Fromme unangefochten die Regierung im fränkischen Gesamtreich übernehmen. Die ersten Regierungsjahre Ludwigs des Frommen ließen sich gut an. Ludwig machte 814 seine Söhne Lothar I., Ludwig den Deutschen und Pippin I. zu Königen und wies Ludwig Bayern und Pippin Aquitanien jeweils als Unterkönigreich zu. Die von seinem Vater initiierte Reformpolitik führte Ludwig der Fromme zunächst erfolgreich weiter, jedoch sollte das dadurch gesteigerte Zusammengehen von Kirche und König-/Kaisertum letztendlich eine wesentliche Ursache für die Zergliederung des karolingischen Herrschaftsverbands und den Zerfall des karolingischen Gesamtreichs bilden. Die lang dauernde Reichseinheit des karolingischen Imperiums in den Regierungszeiten Karls des Großen und Ludwigs des Frommen war familiären Zufällen geschuldet. Karlmann, der Bruder Karls, starb schon 771, Kaisertum und König-tum gingen 814 von Karl dem Großen einzig auf seinen Sohn Ludwig über, da Karl zwar 806 seine Divisio regnorum beschlossen hatte, indes Ludwig als einziger Sohn Karls diesen überlebte. Die dann 817 von Ludwig verfügte Ordinatio imperii ("Ordnung des Reiches") war eine weitere Thronfolgeordnung, die allerdings die drei Ludwigsöhne in unterschiedlicher Weise berücksichtigte. Im Sinne einer religiös übergeordneten, gerade vom fränkischen Klerus und der "Reichseinheitspartei" propagierten Reichseinheit (unitas imperii) stand dem ältesten Sohn Lothar, seit 817 Mitkaiser, eine Art Oberherrschaft über seine Brüder (und deren Königreiche) zu, die somit eine Zwischenstellung zwischen Unterkönigen und "vollberechtigten" Herrschern einnahmen. Der Kirche und dem Kaisertum kam hinsichtlich dieser ideellen Einheit des Frankenreichs eine besondere Rolle zu, Lothar wurde zum eigentlichen und alleinigen Nachfolger seines Vaters. Indes scheiterte die Ordinatio, die von Anfang an zwischen den Parteien am Kaiserhof umstritten war, am Widerstand der so benachteiligten Königssöhne, zumal mit Karl (dem Kahlen) Ludwig dem Frommen im Jahr 823 aus seiner Ehe mit der Welfin Judith ein vierter legitimer Sohn geboren wurde, der auch einen Anteil am Reich bekommen sollte. Nach einer ersten Rebellion und dem Aachener Teilungsplan (831) endete ein weiterer Aufstand gegen den Vater im Jahr 833 mit der Verlassung Ludwigs des Frommen auf dem "Lügenfeld" von Colmar und der Gefangennahme des Herrschers, der erst nach einer öffentlich vollzogenen Kirchenbuße 834 Herrschaft und Kaisertum wiedererlangte. Ludwig der Deutsche agierte in den Jahren danach in seinem Unterkönigreich weit selbstständiger als vom Vater zugestanden; Pippin I. starb im Jahr 838, und sein gleichnamiger Sohn fand als sein Nachfolger keine Berücksichtigung. Von daher entfaltete auch der letzte von Ludwig dem Frommen beschlossene (Wormser) Teilungsplan (839) keine weitergehende Wirkung, zumal sich alle Teilungspläne der 830er-Jahre immer mehr von der Ordinatio entfernt hatten. Bei seinem Tod (840) hatte Ludwig jedenfalls weder das Ziel einer (weiter bestehenden) Reichseinheit noch überhaupt das einer geregelten Nachfolge erreicht. Ludwig starb am 20. Juni 840 auf einer Rheininsel bei Ingelheim. Schön länger war er krank gewesen. Er litt an einer heftigen Bronchitis, an Schluckauf und wohl auch an Bauspeichel- oder Magenkrebs, da er weder etwas trinken noch essen konnte, ohne zu erbrechen. So gut es ging, regelte der Kaiser - nur wenige Getreue waren anwesend, aber keiner seiner Söhne - die letzten Dinge. Der Leichnam wurde von Ludwigs Halbbruder, Bischof Drogo von Metz (†855), ins Metzer Kloster St. Arnulf, einer Grablege der Karolinger, gebracht. Die französische Belagerung von Metz im Jahr 1552 führte dazu, dass die Gebeine Ludwigs im spätantiken Marmorsarkophag umgebettet wurden; in der Folge der Französischen Revolution (1789) wurden die sterblichen Überreste des Kaisers zerstreut, der Sarkophag zerstört (1793). Was von Ludwig bleibt, ist der Beiname "der Fromme" (pius) und eine zwiespältige Beurteilung seines politischen Wirkens, das den auch kulturellen Höhepunkt des karolingischen Frankenreichs (814/29) wie auch dessen politische Desintegration (830/40) umfasste.
An (quellennaher) Literatur zu Kaiser Ludwig dem Frommen sei verwiesen auf: Boshof, Egon (1996), Ludwig der Fromme (= GMR), Darmstadt 1996, IX, 303 S., Schwarzweißabbildungen, Stammtafel, DM 49,80; Simson, Bernhard (1874/76), Jahrbücher des fränkischen Reiches unter Ludwig dem Frommen: Bd.I: Bd.I: 814-830, 1874, Nachdruck Berlin 1969, XVI, 408 S., Bd.II: 831-840, 1876, Nachdruck Berlin 1969, VII, 321 S., zus. DM 75,-. [Buhlmann, 12.2013]

Ludwig, Thomas (2002), Stiftsruine Bad Hersfeld. Geschichte und Architektur (= Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Br.13), Regensburg 2002 > H Hersfeld

Ludwig, Uwe (2010), Die Gebetsverbrüderung zwischen Prüm und St. Gallen. Zugleich ein Beitrag zur Frage der Datierung des jüngeren St. Galler Verbrüderungsbuchs, in: AHVN 213 (2010), S.3-31. Ausgehend von der Datierung des "Prümer Blatts" im jüngeren Verbrüderungsbuch des Klosters St. Gallen auf die Jahre 860/65 (Abt Ansbald von Prüm [860-886]), begann die Gebetsverbrüderung zwischen dem Eifelkloster Prüm und St. Gallen (unter Abt Grimald [841-872]) um das Jahr 860 (zum Vergleich: eine Gebetsverbrüderung zwischen Prüm und der Bodenseeabtei Reichenau bestand ab 824/45). Die 70 Einträge von Prümer Mönchen auf dem "Prümer Blatt", die der Abtei St. Gallen übermittelt wurden, finden etwas jüngere Entsprechungen im Liber memorialis des Kloster Remiremont (67 Einträge) und in einer Prümer Urkunde vom 20. Dezember 865 (36 Einträge). Vor 868 schickten die Prümer Mönche noch eine Ergänzungsliste, die Namen von 20 neu eingetretenen Mönchen enthielt, nach St. Gallen; diese wurde wie die ursprüngliche Liste im jüngeren Verbrüderungsbuch nachgetragen, so dass Letzteres wahrscheinlich vor 860/65 angelegt wurde. Einige Einträge der ursprünglichen Prümer Liste und der Ergänzungen im jüngeren Verbrüderungsbuch wurden wohl 868 während eines Aufenthalts Bischof Huntfrids von Thérouanne (856-869/70) berichtigt; der Bischof, auch Abt von St. Bertin (864-868) und wohl aus einer Familie aus dem Umfeld der Karolingerkönige stammend, war nach der Prümer Liste im Liber memorialis von Remiremont Mönch im Eifelkloster gewesen; von daher erklären sich auch die St. Bertiner Einträge im jüngeren St. Galler Verbrüderungsbuch. Das jüngere St. Galler Gedenkbuch, doppelt so umfangreich wie das ältere, ist damit ein wichtiger Hinweis auf eine neue Qualität der St. Galler Gebetsverbrüderungen in der Zeit Abt Grimalds. [Buhlmann, 01.2012]

Lück, Dieter (1993), Zur Geschichte der Grafen von Berg bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, in: Ratinger Forum 3 (1993), S.5-18 > B Berg, Grafen von

Lück, Heiner (1997), Die kursächsische Gerichtsverfassung 1423-1550 (= Forschungen zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd.17), Köln-Wien-Weimar 1997, XLIII, 296 S., € 10,-. Territorialisierung machte sich zuvorderst bemerkbar in der Ausbildung einer landesherrlichen Gerichtsverfassung. Dies gilt auch für das spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Territorium Kursachsen im römisch-deutschen Reich. Im Gericht kamen verschiedene Herrschaftsrechte zusammen: Rechtsprechung, Verwaltung, militärische Aufgaben. Personale Strukturen wurden dabei zunehmend durch Institutionen und Behörden – verbunden mit universitär ausgebildeten Juristen – abgelöst, wobei vielfach alte und neue Zuständigkeiten nebeneinander bestanden, Gewohnheitsrechte und konkurrierende Gerichtsgewalten dem Aufbau einer zentralen landesherrlichen Gerichtsbarkeit (Landesherr und zunehmend Hofgerichte als Zentralbehörden) entgegenstanden. In fürstlichen Territorien wie etwa in Kursachsen konnte durch den Erwerb von Privilegien zur Befreiung von auswärtigen Gerichten die Gerichtsbarkeit des Königs und des Reiches sowie die westfälische Femegerichtsbarkeit erfolgreich zurückgedrängt werden (15./16. Jahrhundert), die Reformation setzte der geistlichen Gerichtsbarkeit der Kirche in protestantischen Gebieten ein Ende (16. Jahrhundert). Auf regionaler und lokaler Ebene (Ämter, Dörfer) waren Landgerichte und Dingstühle an bestimmte Orte und Gerichtszeiten gebunden, Schöffen und Ortsrichter (Schultheiß, Bauermeister) urteilten hier über Rechtsfälle; die Ortsrichter waren aber auch zuständig für die Abgabenerhebung und die Aufsicht über landesherrliche Rechte. Daneben gab es nichtlandesherrliche Gerichte, etwa in den Städten und Dorfgemeinden, an den Universitäten oder in den Zünften. Es bildete sich zudem bei einer allgemeinen Verbesserung des Prozessrechtes ein zweistufiger „Instanzenzug“ von niederen zu höheren Gerichten aus (Appellationen). Pranger und Galgen waren schließlich Symbole für die niedere bzw. hohe Gerichtsbarkeit. Im 15. und 16. Jahrhundert dominierte dann weithin die landesherrliche Gerichtsbarkeit in den Territorien. [Buhlmann, 12.2010]

Lüneburger Testamente: Ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert setzen sich auch in der spätmittelalterlichen Territorial- und Hansestadt Lüneburg Testamente als letztwillige Verfügungen durch (römisch-, deutsch-rechtliches Testament). Erbrechtliche Bestimmungen waren dabei schon im Lüneburger Stadtrecht von 1247 vorgebildet, Regeln für das Aufsetzen von Testamenten gab der für Lüneburg zuständige Bischof von Verden 1297 heraus; eine Lüneburger Stadtrechtskompilation von 1401 erließ die endgültigen Formvorschriften für Testamente. Aus dem 14. und 15. Jahrhundert (1323-1500) sind kanpp 300 Lüneburger Testamente überliefert, meist als Siegelurkunden, auch als Kerbschnitturkunden und Notariatsinstrumente, bis 1365 überwiegend in Latein, ab 1370 überwiegend in Mittelniederdeutsch. Bürger und Geistliche errichteten ihre Testamente, es ging um die Vererbung des (Sach-, Geld-) Vermögens der Erblassers, aber auch um fromme Schenkungen und Seelenheil. Die Testamente geben somit das vielfältige Beziehungsgeflecht des Erblassers wieder und zudem vielfach Einblicke in die mittelalterliche Sachkultur, den Alltag und die Kunst. Vgl. Lüneburger Testamente des Mittelalters 1323-1500, bearb. v. Uta Reinhardt (1996) (= VHKNB XXXVII 22), Hannover 1996, XIII, 527 S., € 13,- > Lateinische Literatur > L Lüneburg. [Buhlmann, 06.2017]

Lugli, Giuseppe (1964), Forum Romanum. Palatin, Rom 1964 > R Rom

Lukrez, Von der Natur der Dinge, übers. v. Karl Ludwig von Knebel (= Exempla Classica 4), Frankfurt a.M.-Hamburg 1960, 261 S., DM 2,20 > Lateinische Literatur > L Lukrez

Lukrez: Titus Lucretius Carus, Welt aus Atomen. Lateinisch-Deutsch, hg. v. Karl Büchner (= RUB 4257-59/59a-e), Stuttgart 1973, 636 S., DM 10,40 > Lateinische Literatur > L Lukrez

Lurija, Alexander R. (1992), Das Gehirn in Aktion. Einführung in die Neuropsychologie (= rororo 9322), Reinbek 1992 > G Gassen, Gehirn

Luther, Martin, deutscher Reformator: Geboren wurde Martin Luther (Luder) am 10. November 1483 in Eisleben (in der Grafschaft Mansfeld) als Sohn des Bergunternehmers Hans Luder und dessen Ehefrau Margarete; Martin bekam den Namen des Tagesheiligen vom 11. November, des heiligen Bischofs Martin von Tours. Die Strenge der elterlichen Erziehung, Verantwortung und Selbstständigkeit als Ältester unter seinen Geschwisters prägten Martin schon früh. Seine schulische Laufbahn begann in der Mansfelder Trivialschule und führte über die Magdeburger und Eisenacher Lateinschule zum studium generale nach Erfurt. Durch die Frömmigkeit der devotio moderna, aber auch durch den Humanismus beeinflusst, der universitäten Scholastik reserviert gegenüberstehend, auf alle Fälle in einer existenziellen Grundhaltung verortet, beendete Luther sein Jurastudium, kaum dass es begonnen hatte (Sommersemester 1505). Die Studien- und Lebenskrise Luthers, dessen Unzufriedenheit mit seinem Leben beeinflussten aufs Stärkste die Bekehrung des sich in Todesgefahr wähnenden jungen Mannes auf einem Feld vor dem Dorf Stotternheim (Anfang Juli 1505). Luther trat daraufhin in das Kloster er Augustineremiten in Erfurt ein (Schwarzes Kloster der strengen Observanz, Augustinerregel). Hier machte Luther Ordenskarriere (Subdikakonat-, Diakonatsweihe 1506/07, Priesterweihe 1507), gefördert u.a. durch den Generalvikar und Beichtvater Johannes von Staupitz. Zur Ordenskarriere gehörte auch Luthers Studium der Theologie, mit dem er 1508 in Wittenberg begann und durch das er alsbald in den Kreis der Lehrenden der Philosophie und Theologie aufrückte (baccalaureus biblicus 1509) und - nach einem Studienaufenthalt in Erfurt - zum Doktor der Theologie promoviert wurde (Oktober 1512). Dabei reflektierte Luther sein Leben in Seelenqual und Leistungsfrömmigkeit immer weider (Beichten, Verhältnis zu Gott, göttliche Gnade, Bibellektüre). Im Dienst des Ordens gelangte Luther auf seinen ihm aufgetragen Missionen bis nach Rom (1510/11) und wurde Subprior des Ordens, schließlich sächsisch-thüringischer Provinzialvikar (1515/18; Gründung des Augustinerklosters Eisleben 1515/16, Visitationsreise 1516). In der Residenz- und Universitätsstadt Wittenberg, "an den Grenzen der Zivilisation", übte Luther unter dem sächsischen Herzog und Kurfürsten Friedrich den Weisen (1486-1525) das Amt eines Theologieprofessors aus (Studienreform 1517/18, Professuren für Griechisch [Philipp Melanchthon] und Hebräisch), gestützt von einem Netz aus Freunden und Bekannten (Georg Spalatin, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach u.a.). Dieses Netzwerk und Personengeflecht - auch abseits des "Elfenbeinturms" von Universität und Mönchtum - stand hinter ihm, als nach dem Anschlag der berühmten 95 Ablassthesen an der Wittenberger Schlosskirche (?, 31. Oktober 1517) Luther in den Mittelpunkt theologischer Diskussion und reformatorischer Publizistik rückte. Der Thesenanschlag war Resultat seiner theologischen Vorlesungen und eines Erkenntnisprozesses, der zum Bruch mit der herkömmlichen Theologie führte (Ablassthesen, reformatorische Theologie als neues Gottes- und Menschenbild [Betonung des Glaubens an Christus und der Seligwerdung dadurch, Betonung der göttlichen Gnade, Ablehnung der Leistungsfrömmigkeit und damit des Ablasses zu Gunsten einer Gnadenfrömmigkeit]; Wittenberger Palmsonntagspredigt, Brief Luthers an Staupitz 1518). Die Ablasskontroverse, die sich im Thesenanschlag niederschlug, war dabei nur eine erste Etappe (Petersablass des Dominikanerpaters Johannes Tetzel in Kurbrandenburg und im Erzbistum Magdeburg, Ablassdisputation), ebenso der Druck von Luthers Thesen, die rasch nicht nur im Gebiet des römisch-deutschen Reiches u.a. durch Humanisten und Intellektuelle Verbreitung fanden. Durch die Ablassthesen befreite sich Luther auch von seinen Ängsten und seiner Selbstbezogenheit; er wurde ein der Sache auf den Grund gehender Disputator, behauptete sich gegen seine nicht nur theologischen Widersacher und nutzte wirkungsvoll die (wissenschaftliche, lateinische, deutsche) Publizistik zur Verbreitung der durch ihn in Erkenntnisetappen entwickelten Theologie der Reformation in der allgemeinen Öffentlichkeit (Namensänderung von Luder zu Luther, Verwendung einer polemischen, robusten deutschen Sprache; Gnadenlehre und Sündhaftigkeit des Menschen, Freiheitstheologie, Gegenwart eingebunden in die christliche Heilsgeschichte). Auf Seiten der katholischen Amtskirche rief dies natürlich Widerstand hervor; ein Häresieprozess gegen Luther kam in Gang (September 1518), Luthers Leben war bedroht (psychosomatische Erkrankungen). Umgekehrt wurde Luther - je tiefer er in seine Theologie eindrang - zu einem "radikalen Gegner" von Papst und Kirche (causa Lutheri in der katholischen Amtskirche, Augsburger Religionsgespräch mit Kardinallegat Thomas Cajetan [Oktober 1518], Bruch mit dem Papsttum 1519); mehr und mehr wurde der Medici-Papst Leo X. (1512-1522) zum Gegenpart Luthers. Zunächst bestand Luther die Heidelberger Disputation vor dem Generalkapitel der Augustinereremiten, wo er Zustimmung erfuhr (April 1518); eine Niederlage erfuhr er hingegen bei der Leipziger Disputation gegen den Theologen Johannes Eck (Juni/Juli 1519). In den folgenden Jahren (1520/21) war Luther publizistisch und mit Erfolg aktiv: An den christlichen Adel deutscher Nation. Von des christlichen Standes Besserung, Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520) entwickelten sich dank der damaligen Druckkunst zu viel gelesenen "Bestsellern". Nach der päpstlichen Bannandrohungsbulle Exsurge Domine (24. Juli 1520) und der Verurteilung Luthers als Ketzer durch die Bulle Decet Romanum Pontificem (18. Januar 1521) ging es aber Luther vornehmlich darum, sich selbst zu verteidigen. Die causa Lutheri war mittlerweile schon eine hochpolitische Angelegenheit auf der Ebene von Kaiser und Reich geworden, Kaiser Karl V. (1519-1556) musste im Rahmen der Reichsverfassung Rücksicht nehmen auf die mit Luther sympathisierenden Reichsstände (Beschwerdekatalog Gravamina Deutscher Nation), insbesondere auf den sächsischen Kurfürsten. So kamen Kaiser und Reformator auf dem Wormser Reichstag zusammen; Luther - der Gnade Gottes eingedenk und der propehtischen Richtigkeit seiner Lehre gewiss, auch seinem Gewissen folgend - widerrief in den öffentlichen Anhörungen nicht (17./18. April 1521), Nachverhandlungen erbrachten ebensowenig; als die Acht gegen Luther als kaiserliches Edikt verlesen (24. Mai) und vom Kaiser unterschrieben (26. Mai) worden war, befand sich der vermeintliche Häretiker schon sicher auf der Wartburg bei Eisenach (Mai 1521-Februar 1522; "Junker Jörg"). Der Wormser Reichstag wurde indes zu der wichtigen Weichenstellung auf dem Weg zur Reformation (nicht nur) im Reich, diese definierte mit ihrer kirchlich-theologischen Erneuerung eine neue christliche Konfession. Den Aufenthalt auf der Wartburg nutzte Luther unterdessen zu verstärkter Publizistik, wie die Streitschrift Wider den Abgott von Halle, die Traktate De abroganda missa privata, Vom Mißbrauch der Messe, Themata de votis, De votis monasticis iudicium Martini Lutheri sententia oder die Wartburgpostille als Sammlung von Predigttexten zeigen. Der Verwendung der Volkssprache Deutsch als Sprache der Reformation im Reich entsprach die auf der Wartburg von Luther angefertigte Bibelübersetzung des Neuen Testaments als für alle Christen zugängliches Sprachkunstwerk (Dezember 1521-März 1522, Veröffentlichung im September 1522), gefolgt von der des Alten Testaments (Sommer 1522-Oktober 1523/September 1534; Philipp Melanchthon, Matthäus Aurogallus, Bibelkommission und Revisionen der Übersetzungen; Wittenberger Gesamtbibel von 1534). Publizistik und Bibelübersetzung, auch die Person Luthers führten dazu, dass die reformatorische Bewegung weiter um sich griff, nicht immer so, wie Luther sich das vorstellte (Reformation durch Überzeugung <-> Reformation und Aufruhr [Karlstadt, Zwickauer Propheten, Thomas Müntzer, Bauernkrieg 1524/25]), aber immer mit Unterstützung und Rückendeckung durch den sächsischen Kurfürsten und mit zunehmender Anlehnung an die Obrigkeiten, im (gerade innerreformatorischen) "Kampf um die Deutungshoheit" der Reformationsbewegung, der einen beschädigten und zum Teil auch nachdenklichen Luther hinterließ. In dieser Zeit heiratete Luther die aus dem Nimbschener Kloster Marienthron entflohene, mittellose Katharina von Bora (15. Juni 1525), die mit ihrer Eigenständigkeit und Tüchtigkeit Luther zuneigend und liebend unterstützen sollte (eheliches Sexualleben <-> priesterliches Zölibat; "mein Herr Käthe", wirtschaftliche Aktivitäten der Ehefrau, geringes Einkommen Luthers [Grundbesoldung als Professor, Verzicht auf Hörergeld, Verzicht auf Buchhonorare, Naturalienlieferungen], Luthers "ganzes [privates, öffentliches] Haus" im ehemaligen Wittenberger Schwarzen Kloster als Großhaushalt, als Professoren- und Theologenhaushalt [Luthers Tischgespräche], Wohlstand der Familie Luther [Türkensteuerjahr 1542]). Aus der Ehe gingen ab 1526 sechs Kinder, vier Jungen und zwei Mädchen (Magdalene als Lieblingskind Luthers), hervor, von denen einige im Kindesalter starben (Kindererziehung als Glaubenssache; Vom ehelichen Leben). Die (Ehe-) Jahre ab 1525, nach der Zäsur des Bauernkriegs, nutzte Luther zur "evangelischen Erneuerung von Kirche und Gesellschaft". Längst war die Reformation religiös und politisch in Deutschland etabliert, Luthers "Wiederentdeckung des reinen Evangeliums" konnte zwar die (katholische) Gesamtkirche nicht verändern, doch die Reformation im Kleinen, in den Territorien und (Reichs-) Städten trug Früchte (Bürgertugenden und Reformation, Seelsorge und Predigt [Luther als Prediger über Wittenberg hinaus, Predigt als Pflicht, Reisen Luthers, Wittenberg als "protestantische Kathedralstadt Luthers"]). Indessen kamen Kontroversen um die reformatorische Theologie auf (Diskussion mit Erasmus von Rotterdam um die Willensfreiheit eines Christen); der Streit um Abendmahl und Taufe (Marburger Religionsgespräch 1529 [Landgraf Philipp von Hessen, Martin Bucer, Ulrich Zwingli]; ) führte gar zu einer nur mühsam überdeckten theologischen Spaltung im Protestantismus. Trotzdem war es auf Dauer Luther und dessen rigorem Zupacken zu verdanken, dass das reformatorische Kirchenwesen - abgetrennt von der katholischen Amtskirche - zu einem soliden Fundament einer konfessionell-partikularen Kirche wurde (evangelische Ordnungsarbeit/-entwürfe [und mittelalterliche Reform], Gemeindekirchen, lutherische Kirche und Obrigkeiten [Landesherren, Stadträte] <-> christliche Universalreformation). Luthers Kleiner Katechismus (1529) diente dabei als Leitfaden für die Gläubigen (zehn Gebote, Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Sakramente [Taufe, Buße, Abendmahl]). Die auf der Grundlage des reformatorischen Denkens und der Theologie Luthers entstandenen Konfessionskirchen und damit einhergehend eine Konfessionskultur waren indes bedroht auf der politischen Ebene des römisch-deutschen Reiches. Der Speyrer Reichstag (1529) hatte wieder die Acht über Luther verhängt, was den Protest der Luther anhängenden Reichsstände hervorrief (-> Protestanten). Der Ausgburger Bekenntnisreichstag (1530) führte zur Confessio Augustana als (wittenbergische) Glaubensgrundlage und Bekenntnisschrift der Protestanten (maßgeblich formuliert durch Philipp Melanchthon), offenbarte aber auch die Unüberbrückbarkeit der reformatorischen und katholischen Standpunkte (Reichstag als ein Beginn des konfessionellen Zeitalters -> Augsburger Reichstag von 1555). Politisches drängte demgemäß bei Luther in den Vordergrund (Von welltlicher Uberkeytt, wie weyt man yhr gehorsam schuldig sey 1523, Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können 1526, Türkenkriegsschriften 1529/30), besonders nach dem für die Protestanten so ungünstigen, vom Kaiser befürworteten Augsburger Reichstagsabschied. Die Formulierung eines von Luther nur teilweise getragenes protestantisches Widerstandsrechts bildete die Grundlage zur politischen Formierung des Schmalkaldischen Bundes als Militärbündnis der protestantischen Reichsstände (1530/31). Höchst politisch waren auch Vorgänge im dem Kurfürstentum benachbarten sächsischen Herzogtum, das katholisch bleiben sollte (1534). Im Fehdefall des Michael Kohlhase riet Luther zur Mäßigung (1534). Luther unterstützte auch die militärischen Aktionen gegen das Täuferreich in Münster (1534/35; Dass weltliche Oberkeit den Wiedertäufern mit leiblicher Strafe zu wehren schuldig sei. Ettliche Bedenken zu Wittenberg 1535). U.a. das konfessionspolitische Verhalten der Protestanten gegenüber dem 1536 von Papst Paul III. (1534-1549) nach Mantua einberufenen Konzil erforderte ein Bekenntnis des Reformators Luther; das Testament der Religion halben ("Schmalkaldische Artikel") war Grundlage des Schmalkaldischen Bundestags (Februar 1537); Luther selbst war damals nach einem Herzinfarkt ernsthaft erkrankt (Blasen- und Nierenleiden). Schwierigkeiten bereitete auch die von den Reformatoren letztlich gebilligte Doppelehe des Landgrafen Philipp von Hessen (1539/40). Am Ende seines Lebens meldete sich Luther nur noch wenig zu Wort; seine eschatologisch zu deutenden Predigten und Schriften gegen die Türken (1541/42) sind hier zu nennen, ebenso sein antijüdisches Verhalten (Daß Jesus Christus ein geborener Jude sei 1523, Josel von Rosheim 1536) und Luthers letzte Predigten gegen Türken, Juden (als Andersgläubige) und den Teufel. Dem entsprach, dass jenseits von Religion, Theologie oder Weltpolitik der private Martin Luther konservativ und unreflektiert blieb, was seine Einstellung gegenüber Minderheiten, der Wirtschaft oder der gesellschaftlichen Ordnung anbetraf. Ein wirtschaftliches (und familiäres) Anliegen war es jedenfalls, als der gesundheitlich stark angegriffene Luther im Winter 1545/46 sich in Eisleben um den Mansfelder Bergbau kümmern sollte, eine wortgewaltige Predigt in Halle mit eingeschlossen. Eine Einigung war erzielt, als Luther einen Schwächeanfall erlitt (17. Februar) und schließlich am 18. Februar 1546 im Kreise der jüngeren Söhne, einiger Diener sowie des Grafen und der Gräfin von Mansfeld verstarb. Der Tod löste Trauer und Bestürzung in der Grafschaft Mansfeld und in Kursachsen aus, ein erstes Trauerzeremoniell fand in der Eislebener Andreaskirche statt, seine Grablege fand der Leichnam Luthers in der Wittenberger Schlosskirche. Auf protestantischer Seite sollte das Sterben Luthers im Umfeld von aufkommender Luthermemoria und protestantischem Selbstverständnis (Selbstvergewisserung) idealisiert werden. Und Kaiser Karl V., der Sieger im Schmalkaldischen Krieg (1546/47), besuchte nach der Einnahme Wittenbergs das Grab Luthers (Mai 1547). Doch die Glaubenstreue der protestantischen Fürsten, die Verankerung des Luthertums in den Territorien und Bürgerstädten siegte auch über das Augsburger Interim des Kaisers (1548), der letztendlich nach einem Fürstenaufstand (1552) die Konfessionalisierung des Reiches (und Europas) anerkennen musste. Mit Luther (und Karl V.) begann die gegenüber dem Mittelalter veränderte Neuzeit (Ende des mittelalterlichen Universalismus von Kirche und Kaisertum; politische und kulturelle Neuordnung Europas als Erfolg Luthers, geschuldet gerade auch seinem Auftreten auf dem Wormser Reichstag [Konfessionskultur(en), Pluralismus und Intoleranz, Religion und Politik]) (nach: Schilling, Luther).
Aus der zahlreichen Literatur über Martin Luther seien erwähnt die Biografien: Ahrens, Donald (1982), Die Wittenbergisch Nachtigall. Skizzen aus dem Leben Martin Luthers (= Bastei-Lübbe 60072), Bergisch Gladbach 21983, 251 S., Abbildungen, DM 8,80; Bainton, Roland (1950), Martin Luther. Rebell für den Glauben (= Heyne Biographien 103), München 21983, 463 S., DM 2,-; Kaufmann, Thomas (2006), Martin Luther (= BSR 2388), München 2006, 128 S., Abbildungen, € 7,90; Schilling, Heinz (2012), Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs, München 2012, 714 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 29,95. > W Wormser Reichstag (1521) [Buhlmann, 03.2006, 08.2017]

Lutz, Friedrich (1933), Die erste Klostergründung in Hirsau, in: WVjhLG 39 (1933), S.25-72 > H Hirsau

Lux, Thomas, Das Stift Essen. Grundzüge seiner Geschichte von der Mitte des 9. Jahrhunderts bis zum Jahre 1495, in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, 2 Bde. (= Ausstellungskatalog), hg. v. Ferdinand Seibt, Essen 1990, Bd.2, S.23-27 > E Essener Frauenstift

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z