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Rezensionen (Geschichte)
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Aachen, Stadt im nördlichen Rheinland, gelegen im Aachener Kessel: I. Aachen war das römerzeitliche Aquae Granni (1. Jahrhundert, 1. Hälfte) mit seinen bedeutenden römische Thermen (römische Siedlung in Rechteckschema, römische Straße Heerlen-Aachen-Kornelimünster, Fiskalgut der römischen Kaiser). Im Zuge von "Völkerwanderung" und fränkischer "Landnahme" (5. Jahrhundert) wurde der Aachener Raum Teil des Frankenreichs der merowingischen und karolingischen Könige. II. Im Zusammenhang auch mit den Sachsenkriegen Karls des Großen (772-804) erlangte das in Bistum und Grafschaft Lüttich gelegene Aachen größere Bedeutung. Die Grundlagen für die karolingerzeitliche Pfalz und den Fiskalbezirk wurden schon unter König Pippin den Jüngeren (751-768) gelegt; Aachen wird im Jahr 765 erstmals als villa bezeichnet. Seit den 780er-Jahren wurde Aachen, das über heiße Quellen verfügte, bevorzugter Aufenthaltsort König Karls des Großen (768-814) während der Wintermonate. Ab dieser Zeit ist auch mit einem intensiven Ausbau Pfalzanlage zu rechnen. In den letzten Regierungsjahren Kaiser Karls und den ersten Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) war Aachen gleichsam Residenzort der Kaiser; hier fanden Reichsversammlungen und Reichssynoden statt. Demgemäß waren bei der Pfalz und ihrem Wirtschaftshof noch angesiedelt die domus (Adelshöfe) der Höflinge (Einhard, Hilduin; Gefolge des Herrschers), die die urbs als Siedlungsbereich bildeten. Daneben gab es den vicus der Gewerbetreibenden, eine Handwerker- und Kaufleutesiedlung; die Marienkirche als Pfalzkirche wurde innerhalb des vicus erbaut. Die repräsentative Pfalzanlage Karls des Großen hatte mit der Königshalle und der Pfalzkapelle (Marienkirche mit dem Stift) zwei Mittelpunkte. Der oktogonal gestaltete, zweigeschossige Zentralbau der Marienkapelle mit den Säulenumgängen, dem Karlsthron im Obergeschoss und dem Kuppelmosaik war die Grablege des Kaisers, an die Königshalle (aula regia) schlossen sich Wohngebäude an, ein überdachter Gang verband Aula und Kapelle. Neben diesem "Kernensemble" der Pfalz gab es die Badeanlage, die Unterkünfte für Soldaten und Diener; der befestigten Pfalz waren ein Wirtschaftshof, ein Tiergehege und ein Jagdgelände zugeordnet. Zur Versorgung der Pfalz bzw. des Königshofs stand umfangreiches Reichsgut um Aachen zur Verfügung (villa und fiscus Aachen). III. Eine wichtige Pfalz blieb Aachen auch in der Zeit des karolingischen Mittelreichs und Lotharingiens, doch überwog schon seit Ludwig dem Frommen wieder die ambulante Herrschaftstätigkeit der Könige (Reisekönigtum). Die Ottonen als ostfränkisch-deutsche Könige belebten ab 936 die Karlstradition, wurde Aachen doch zum Krönungsort der deutschen Herrscher. Kaiser Otto III. (983-1002) sollte in der Aachener Marienkirche beigesetzt werden (1002), Kaiser Friedrich I. (1152-1190) veranlasste in Aachen die Heiligsprechung Karls des Großen (1165). Verfassungsgeschichtlich gesehen war Aachen mit dem Umland ein Sonderbezirk (districtus Aquense) unter königlicher Herrschaft innerhalb der Grafschaft im Lüttichgau. Zum Jahr 1075 wird ein "Aachengau" erwähnt; Markt und Zoll galten damals im districtus Aquense. Zusammen mit der Münze, die unter Kaiser Ludwig dem Frommen und dann unter den salischen und staufischen Königen produktiv war, werden hier die wirtschaftlichen Voraussetzungen fassbar für die Entstehung der Stadt Aachen als Handels- und Gewerbeplatz. Hinzu kam die Entwicklung der Stadt aus der Grundherrschaft des Königs; grundherrschaftliche Leistungen, auch Aachener Hauszinsen (1137) und die Bede (als Reichssteuer) gingen im hohen Mittelalter an den Herrscher. Die Stadt selbst wird 1066 als oppidum, ihre Bürger 1107 (unterschiedslos) als oppidani bezeichnet. Eine Urkunde König Konrads III. (1138-1152) aus dem Jahr 1145 nennt die Handwerker und Händler homines Aquenses. Fernhandel und differenziertes arbeitsteiliges Wirtschaftsleben prägten um die Mitte des 12. Jahrhunderts den Pfalzort. Im Anschluss an die Heiligsprechung Kaiser Karls des Großen erließ Kaiser Fried-rich I. für die Aachener Einwohner (maiores, minores) am 8. und 9. Januar 1166 zwei Privilegien, die Aachen als caput regni Teutonici ("Haupt des deutschen Königreiches") titulierten und den Bewohnern persönliche Freiheit, den Handeltreibenden Zollfreiheit zusicherten (ca.1158). Die Diplome Friedrichs definierten einen Marktort Aachen mit Münzstätte (Aachener Pfennige in Konkurrenz zu den Kölner Denaren), hinzu kamen Marktzoll (1166) und Judensteuer (1241). Aachener Amtsträger im Dienst des Herrschers waren ein advocatus, iudex (1100), der Schultheiß (1140, 1192) und der Meier (1231), schließlich der (Reichs-) Vogt als Amtsinhaber der Vogtei auf Reichsgut nebst dem Untervogt und der Schultheiß mit dem Meier als grundherrschaftlichem Unterbeamten. IV. Im Zuge von Stadtentwicklung und Autonomiestreben der Einwohner etablierte sich auch eine städtische Gemeinde aus Bürgern und Ministerialen (ca.1200). Beide Gruppen wurden vom Orts- bzw. Stadtherrn, also dem König, zu Stadtbefestigung, Bede und Ungeld herangezogen, zudem halfen sie beim Bau der Kö-nigsburg Bernstein (bei Aachen) mit (1171). Gerade im deutschen Thronstreit (1198-1208) fanden mit dem Gegeneinander von Königen die Aachener Bürger Beachtung und Bevorzugung. Diplome der Stauferkönige Friedrich II. (1212-1250) und Heinrich (VII.) (1220-1235) lassen cives ("Bürger"), die universitas civium ("Bürgergemeinde") und Schöffen erkennen (1215 und später). Bürgermeister (1251/52) und consules ("Ratsmitglieder") der communitas ("Gemeinde", 1260) sind in nachstaufischer Zeit bezeugt. Im hohen Mittelalter war die Entwicklung Aachens zur Königs- und Reichsstadt im Wesentlichen abgeschlossen. Das späte Mittelalter sah eine teilweise Territorialisierung von Aachener Reichsrechten und Reichsgut. Vor dem Jahr 1270, während des Interregnums, hatten die benachbarten Grafen von Jülich die wichtige Aachener Reichs(gut)vogtei über das "Aachener Reich" in ihre Hände gebracht, mussten diese aber letztendlich zu Lehen von den Herzögen von Brabant nehmen, die eine Obervogtei über Reichsgut ausübten (v.1349). Auch an die Stadt Aachen gelangten Reichsrechte. Sie blieb Krönungsstadt der deutschen Könige und verteidigte ihre Zugehörigkeit zu den spätmittelalterlichen Reichsstädten erfolgreich gegen die Jülicher Grafen (1278). Handel, Gewerbe und Fernhandel bestimmten die wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt im späten Mittelalter (Woll-, Metallverarbeitung, Zünfte), während große Bauten wie Rathaus, Domchorhalle, ein äußerer Mauerring mit elf Stadttoren (14./15. Jahrhundert) Reichtum und Wehrhaftigkeit der Stadt dokumentierten. V. Die letzte Krönung eines deutschen Herrschers (Karl V. [1519-1556]) fand in Aachen im Jahr 1531 statt. Aachen wurde durch die politischen Entwicklungen in den Niederlanden zunehmend randständisch im frühneuzeitlichen römisch-deutschen Reich, auch schädigte die Reformation das Aachener Wallfahrtswesen, während sich der Protestismus in Aachen selbst auf die Dauer nicht durchsetzen konnte (Reichsexekutionen 1598, 1614). Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war der Aachener Handel beeinträchtigt. 1656 wurden weite Teile der Stadt durch Brand zerstört, die Stadt barock wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert hatte sich Aachen zu einer Badestadt und einem Kurort von europäischem Rang entwickelt, der auch für Kongresse genutzt wurde (Aachener Friedenskongress 1748, Monarchenkongress 1818). Im Gefolge der Französischen Revolution (1789) wurde Aachen zwischenzeitlich französisch (1802), nach den napoleonischen Kriegen preußisch (1815). Die politisch-wirtschaftliche (Zoll-) Grenze zwischen den Königreichen Preußen und Belgien beeinträchtigte die Aachener Wirtschaft negativ, die Orientierung Aachens nach Osten hin (Aachener Tuchindustrie; Rheinische Eisenbahn 1841; Kohleabbau im Wurmrevier, Hüttenwerk "Rothe Erde") brachte hier neue Impulse, ebenso die Gründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (Polytechnikum 1865/70). Politisch wurde das Areal der Aachener Stadtgemeinde durch die Eingemeindung von Burtscheid (1897), Forst (1906) und Teilen des ehemaligen Landkreises Eupen (1921) vergrößert. In der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) war Aachen stark umkämpft (Herbst 1944; große Zerstörungen). Vor diesem Hintergrund enstanden die Verleihung des europäischen Karlpreises (1950) und des Aachener Friedenspreises (1987). 1972 wurde das Stadtgebiet u.a. durch die Eingemeindung Kornelimünsters nochmals erweitert. Aachen entwickelte sich in der Nachkriegszeit zu einem wichtigen Standort für Gesundheit (Aachener Klinikum 1985, Carolusthermen 2001) und zu einem bedeutenden Hochschulstandort.
An Geschichtsquellen zum mittelalterlichen Aachen seien erwähnt: Aachener Urkunden 1101-1250, bearb. v. Erich Meuthen (1972) (= PubllGesRhGkde LVIII), Bonn 1972, 692 S., DM 65,-; Regesten der Reichsstadt Aachen (einschließlich des Aachener Reichs und der Reichsabtei Burtscheid), hg. v. Wilhelm Mummenhoff (= PubllGesRhGkde XLVII), Bd.1: 1251-1300, Bonn 1961, 435 S., Bd.2: 1301-1350, Köln 1937, XI, 488 S., zus. DM 60,-. Von den vielfältigen Darstellungen zur Geschichte Aachens seien genannt: Flach, Dietmar (1976), Untersuchungen zur Verfassung und Verwaltung des Aachener Reichsgutes (= MPIG 46), Göttingen 1976; Flach, Dietmar (1987), Das Reichsgut im Aachener Raum. Versuch einer vergleichenden Übersicht, in: RhVjbll 51 (1987), S.22-51; Kaiser, Reinhold (1979), Aachen und Compiègne. Zwei Pfalzstädte im frühen und hohen Mittelalter, in: RhVjbll 43 (1979), S.100-119; Kranzhoff, Maria (1929), Aachen als Mittelpunkt bedeutender Straßenzüge zwischen Rhein, Maas und Mosel in Mittelalter und Neuzeit, in: ZAGV 51 (1929), S.1-63; Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos, hg. v. Mario Kramp (2000) (= Ausstellungskatalog), Bd.1, Mainz 2000, Bd.2, Mainz 2000, zus. XXIX, 921 S., Farbabbildungen, Pläne, Karten, zus. DM 165,-; Monheim, Ingeborg (1967), Aachen. Ein Stadtführer, Aachen 51989, 168 S., Schwarzweißabbildungen, Farbtafeln, Pläne, Karten, DM 17,-; Müllejans, Hans (Hg.) (1988), Karl der Große und sein Schrein in Aachen. Eine Festschrift, Aachen 1988, 199 S., Abbildungen, DM 59,-; Petersohn, Jürgen (1975), St.Denis - Westminster - Aachen. Die Karls-Translatio von 1165 und ihre Vorbilder, in: DA 31 (1975), S.420-454; Zielinski, Herbert (1972), Zur Aachener Königserhebung von 936, in: DA 28 (1972), S.210-222. [Buhlmann, 05.1995, 06.-07.2001, 10.2015, 03.2017]

Abaelard, Peter, Scito te ipsum [Ethica]. Erkenne dich selbst. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Philipp Steger (2006) (= PhB 587), Hamburg 2006, XCIII, 178 S., Karte, € 9,90 > Lateinische Literatur > A Abaelard

Abulafia, David (1994), Friedrich II. von Hohenstaufen. Herrscher zwischen den Kulturen (= Goldmann Tb 12853), München 1994 > F Friedrich II. (von Hohenstaufen)

Achelis, Hans (1897), Hippolytstudien (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur, Bd.I, H.4), Leipzig 1897 > H Hippolyt

Acht, Peter (1967), Das Empfängerkonzept eines unausgefertigten Diploms Friedrichs I. Ein Beitrag zu den Reformen St. Georgens, in: MIÖG Ergbd. 14 (1939), S.249-259. Das Nonnenkloster Ramsen bei Kirchheimbolanden, ein Priorat des Klosters St. Georgen im Schwarzwald, war eine Schenkung des Speyerer Ministerialen Berthold von Winzingen (1146), erwies sich aber wegen der räumlichen Distanz und der Ausstattung als für das Schwarzwaldkloster unrentabel, so dass es 1174 an den Bischof Konrad II. von Worms (1171-1192) übergeben wurde. In einem engen Zusammenhang mit einer Aufzeichnung über Klostergründung und -ausstattung Ramsens (1146/55) steht nun eine lateinische St. Georgener Urkunde über das Kloster Ramsen, die wohl zunächst Empfängerausfertigung in Reinschrift, dann unausgefertigtes Empfängerkonzept für ein von der königlichen Kanzlei auszustellendes Diplom gewesen war. Doch fand das Schriftstück in Form und Inhalt von Seiten der Kanzlei keine Zustimmung, als Empfängerkonzept hat es die Jahrhunderte überlebt. Das Schriftstück wurde, wie Durchstreichungen und Verbesserungen von Personen- und Ortsnamen auf dem Konzept zeigen, von einem romanischen Schreiber verfasst. Man wird in ihm einen (unbekannten) St. Georgener Mönch vermuten können, denn dem Georgskloster an der Brigach sind in diesen Zusammenhang wohl am ehesten "Westkontakte" (z.B. über das Elsass, Lothringen oder auch Cluny) zuzutrauen. Von daher steht fest, dass der damalige St. Georgener Abt Sintram (1154-1168) der Initiator der Empfängerausfertigung bzw. des Urkundenkonzepts gewesen ist. Er wollte mit königlicher Bestätigung die Frauengemeinschaft und deren doch umfangreichen Besitz weiter an die St. Georgener Mönchsgemeinschaft binden. Dies geschah allerdings mit unzureichenden formalen Mitteln, wie der Urkunde leicht zu entnehmen ist: Statt dem Chrismonzeichen steht im Konzept das Kreuz; der Kaiser wird mit dem völlig anachronistischen cesar betitelt, der Pluralis maiestatis ist einer Ich-Form gewichen; der Publicatio folgt sofort die Urkundendispositio, eine Arenga fehlt; es gibt eine doppelte Zeugenliste; die Siegelankündigung ist fehlerhaft, ebenso die Rekognition; ein Nachtrag steht am Ende der Urkunde; das Eschatokoll mit der Datierung fehlt und sollte wohl durch die königliche Kanzlei ergänzt werden. Einzig die Urkundenschrift als Elongata am Urkundenanfang und als diplomatische Minuskel für den Urkundenrest mochte den damaligen Gebräuchen in der königlichen Kanzlei entsprechen. Doch auch inhaltliche Bedenken müssen zur Ablehnung der kaiserlichen Beurkundung bzw. Bestätigung geführt haben. Das Empfängerkonzept führt die Schenkungen des Klosterstifters Berthold von Winzingen und seiner Verwandtschaft, schließlich weitere Schenkungen an die Frauengemeinschaft auf. Es ergänzt damit das zur Klostergründung und zur fehlenden "zweiten Schenkung" (secunda donatio) Gesagte in der Aufzeichnung zu 1146/55, ohne allerdings auf die Rechtstellung und die Abhängigkeit der Ramsener Kommunität von St. Georgen einzugehen. Stattdessen sollte Kaiser Friedrich I. (1152-1190) dem Pfälzer Nonnenkonvent die freie Vogtwahl bestätigen. Darin könnte nun auch der inhaltliche Grund für die Ablehnung der Urkundenausstellung gelegen haben, hatte doch nach dem Tod Bertholds von Winzingen (nach 1155, 1157?) der rheinische Pfalzgraf Konrad von Staufen, der Halbbruder Kaiser Friedrich Barbarossas, die Vogtei über Ramsen inne. Eine die freie Vogtwahl bestimmende Kaiserurkunde hätte Konrads Rechte beeinträchtigt, und dies wollte der auf Ausgleich und staufischen Machtzuwachs bedachte Herrscher sicher nicht. Im Licht dieser Argumentation wäre dann das Empfängerkonzept Abt Sintrams auf die Jahre zwischen 1156/57 und 1161 zu datieren. Doch auch die formalen Probleme der Vorlage und allgemeine Schwierigkeiten im Verhältnis zwischen St. Georgen und Ramsen könnten zur Verweigerung der Beurkundung geführt haben. > R Ramsen [Buhlmann, 09.2009]

Ackrill, John L. (1985), Aristoteles. Eine Einführung in sein Philosophieren (= SG 2224), Berlin-New York 1985 > A Aristoteles

Adam, Hildegard (1996), Das Zollwesen im fränkischen Reich und das spätkarolingische Wirtschaftsleben,. Ein Überblick über Zoll, Handel und Verkehr im 9. Jahrhundert (= VSWG Beih.126), Stuttgart 1996, 270 S., Karte, DM 98,-. Aus den karolingerzeitlichen Quellen zum Zoll im Frankenreich (Urkunden, Formelsammlungen, Kapitularien, Synodalbeschlüsse, Zollordnungen, Polyptycha und Urbare) lassen sich zunächst die folgenden Begrifflichkeiten erklären: agrarium (Weidegebühr?), aquaticum (Wassernutzungsabgabe), barganaticum/barganiaticum (Schiffs-, Handelsabgabe?), carrigium/carrigalium/rotaticum/rodaticum/roaticum (Wagenzoll, "Räderzoll"), cenaticum (Verpflegungsabgabe), cespitaticum ("Rasengeld"), clusaticum/exclusiaticum (Gebühr zur Nutzung der Alpenpässe), foragium/foraticum (Marktgeld, teloneum fori), (h)erbaticum (Weidenutzungsgebühr), laudaticum (Handelsabgabe), lignaticum (Holzabgabe), mansionaticum (Unterkunftsabgabe), mestaticum (Meilenstein-/Wegzeichengebühr), modiaticum (Abgabe für Benutzung öffentlicher Maße), muta ("Maut"), mutaticum (Pferdewechselgebühr), naulum (Passiergebühr für Schiffe), navigium/navagium/teloneum de navigio (Passierzoll für Schiffe), palifictura (Gebühr für die Benutzung von Anlegepfählen in Häfen), pascuaticum/pascuarium (Weidezoll), pastio (Weideabgabe), pedagium (Wegegeld als Passierzoll), plantaticum (Ankergeld), pontaticum/pontionaticum (Brückenbenutzungsgebühr), portaticum (Torgeld?, Hafenzoll?), postaticum (?), pulveraticum ("Staubgeld"?, Straßennutzungsgebühr?), rafica (Viehherdenabgabe?), ripaticum (Ufer-/Anlegezoll), rivaticum ("Flusszoll"?), salaticum (Salzzoll), salutaticum (Begrüßungsgeld?, Friedensgeld?), saumaticum/sagmaticum (Abgabe für die Traglast eines Saumtiers), siliquaticum (Verkaufsgebühr für Märkte), silvaticum (Wälderbenutzungsgebühr), stirpaticum (Baumschlaggebühr), teloneum/theloneum/vectigal (Zoll), themonaticum/themonagium (Wagengeld, "Deichselgeld"), transitura/treciturae/tresturae (Flussüberquerungszoll, Durchgangszoll?), viaticum (Straßenzoll), vogatium (Fährgeld), volutaticum, vultaticum (Wagengeld?, Kellergeld?). Zölle wurden als Verkehrsabgaben sowohl auf Landwegen (Straßen: vor- und frühgeschichtliche Wege, römische Straßen [Itinerare, Tabula Peutingeriana], karolingerzeitliche Straßen [via francigena, strata francisca, Donau-Sachsen, Mainz-Thüringen], Gefahren [Topografie, Witterung], Furten und Brücken, [Alpen-] Pässe, cursus publicus und tractoriae [bis ca.865; missi, Pferdewechsel und paraveredus, Beherbergung und Verpflegung]), als auch an Wasserwegen (Binnenschifffahrt und Flusssystem als Wasserwege [Warentransport mit Schiffen durch Strömung, Segel, Treideln; Schiffstypen]) erhoben. Verschiedene Arten von Schiffszöllen werden in Privilegierungen fränkischer Herrscher von Klöstern und Bistümern genannt (Zollfreiheit [bei Schiffszöllen], Zollschenkungen, besondere Regelungen für den Salztransport; Passierzölle [Raffelstetter Zollordnung 904], Hafengebühren, Uferabgaben); Landzölle waren u.a. Zölle für Brückenbau und -instandhaltung, Passierzölle für Märkte (und Handel auf dem Markt) und Straßennutzung, Abgaben für die Nutzung des an einer Straße liegenden Grunds und Bodens, für die Nutzung von Dienstleistungen (Übernachtung, Pferdewechsel), Zölle von Taverneninhabern. Zölle setzen einen mitunter ausgeprägten Handel in der Karolingerzeit voraus (Städte [civitates], Handelsorte und agrarisches Umfeld; [kirchliche, weltliche] Grundherrschaften und Handel; Handelsräume [Frankenreich/Mittelmeer, Friesland/England/Nordeuropa, Bayern/Südosteuropa]; Kaufleute als Träger des Handels); (Wochen-, Jahr-, grundherrschaftliche) Märkte dienten dem Warenaustausch, der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensnotwendigem und mehr. Vielfach war der Zoll in den Händen von Bischöfen und auch Grafen, das Zollgebiet (procinctus, districtus) orientierte sich an kirchlichen und weltlichen Verwaltungseinheiten und den Städten (quinta, septena, defensaria, Diözese, Grafschaft); die Zollerhebung geschah mit Amtsträgern, der Graf war im südlichen Gallien einzig berechtigter Zolleinnehmer, die Zölle kamen an den König oder an die Personen, die durch Schenkung mit Teilen des Zolls begabt waren. Zollvergehen traten auf Seiten der Amtsträger wie der Händler auf (illegale Zölle, Missachtung der Zollfreiheit von Personen [fränkische Krieger, Pilger, privilegierte Händler], Bannstrafe [60 Schillinge]). Auf Grund des schon in der Merowingerzeit (6./7. Jahrhundert) vorhandenen Zollregals bestimmte der König (mit Zustimmung von Mitgliedern aus der politischen Führungsschicht) Ort und Umfang der Zollerhebung; zugestandene Immunität eines (geistlichen) Grundherrn bedeutete nicht automatisch auch Zollbefreiung auf den Ländereien der Grundherrschaft. Zoll und Zollbefreiung waren auch ein Mittel der Steuerung von Handel und Wirtschaft durch den Herrscher (Raffelstetter Zollordnung, Kapitularien: Wirtschaftsmaßnahmen [Import, Export, Preisgrenzen, ausländische Kaufleute]). Mit dem Zerfall des karolingischen Gesamtreichs verschwand vielfach auch der maßgebende Einfluss des Königs auf das Zollwesen (9. Jahrhundert, 2. Hälfte). [Buhlmann, 10.2014]

Adel (in Mittelalter und früher Neuzeit): I. Adel (in der europäisch-deutschen Geschichte) kann als eine rechtlich, wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch herausgehobene soziale Schicht begriffen werden, die ihre Stellung in der (nicht nur) mittelalterlichen Gesellschaft durch (ererbten) Vorrang definierte (biologische Kontinuität, Rangbewusstsein) und sich als bestimmten Werten, Normen und Mentalitäten verpflichtet begriff (nobilitas). Dabei unterlag das Phänomen "Adel" durchaus historischen Veränderungen. Anfänge mittelalterlichen Adels finden sich bei den heterogenen Oberschichten im merowingischen Frankenreich und der Reichsaristokratie im Karolingerreich der Kaiser Karl des Großen (768-814) und Ludwig des Frommen (814-840). Im ostfränkisch-deutschen Reich gelang den selbst aus der karolingischen Reichsaristokratie stammenden ottonischen Königen die Integration des Adels in ihre Herrschaft (10. Jahrhundert), das Hochmittelalter sah die "Teilhabe" des Adels an der Herrschaft im deutschen Reich bei zunehmendem Eindringen des Lehnswesens, wiewohl sich (autogene) Adelsherrschaft auch in regionalen und lokalen Grundherrschaften (Allodialbesitz, Lehen, Vogteien) und Herrschaftsbereichen äußerte. Agnatisches Familienbewusstsein, die Bezugnahme auf einen Spitzenahn und eine Stammburg, der adlige Stand (Edelfreie, Grafen, Herzöge, Fürsten) spielten hierbei (mental) eine wichtige Rolle, ebenso die Entstehung des Rittertums als mittelalterliche Laienkultur und allgemein-adlige Lebensweise, die dennoch christlich überformt war (12. Jahrhundert). In diese Zusammenhänge gehören der soziale Aufstieg der Ministerialität aus der grundherrschaftlichen Unfreiheit und die Ausbildung eines Ritterstandes als eine Schicht von Berufskriegern (funktionale Dreiteilung der mittelalterlichen Gesellschaft) und letztlich niederem Adel. Das Spätmittelalter brachte die soziale Ausdifferenzierung des Adels. Zum Hochadel gehörten u.a. die eine Landesherrschaft führenden Fürsten-, Grafen- und Edelfreienfamilien; zu unterscheiden ist weiter zwischen reichsunmittelbarem Adel und dem Landadel in den Territorien (Unterherrschaften); in Adelsgesellschaften und der Reichsritterschaft fanden sich Adlige zusammen. Deutscher Adel z.B. wird erst definierbar vor dem Hintergrund des Alten Reiches in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Die regionalen (Adels-, Fürsten-) Territorien des späte(re)n Mittelalter im römisch-deutschen Reich z.B. zeichneten sich dann durch eine "räumliche Vereinheitlichung", durch ein Herrschaftsmonopol und eine gleichmäßige Intensität von Herrschaft aus; Ämter untergliederten die Territorien, Stände nahmen an der politischen Herrschaft teil. II. Mit dem mittelalterlichen Adel verbunden war die sich im 11./12. Jahrhundert ausbildende ritterlich-höfische Kultur um Ritter (miles), Rittertum (militia) und (fürstlichem) Hof. Das Rittertum definierte sich über Amt und Dienst (Stand, Ehre, Bildung), Ausfluss der ritterlichen Laienkultur waren eine spezifische Verhaltensweise (curialitas als Tugendsystem), Statussymbole (Kleidung, Gesten, Bewaffnung und Pferd, Essen und Trinken, Burg und wirtschaftliche Voraussetzungen, Jagd, Gold und Geld), Frauendienst (Minne, Ehe, Regelhaftigkeit der Beziehungen zwischen Mann und Frau), Turnier und Fest, Wappen (und Herolde), Mobilität (Heidenfahrt, Kavalierstour). III. Eine mehr oder weniger große, zeitlich differerierende Schnittmenge gab es zwischen den (mittelalterlichen) Rittern und den Kriegern. Das (niederadlige) Rittertum passt sich damit ein in die allgemeine Entwicklung von Krieg und Kriegertum im Verlauf des Mittelalters (Reduzierung der Anzahl der am Krieg teilnehmenden Akteure ["Krieger"] bei Spezialisierung auf den "Kriegerberuf"; wirtschaftliche Grundlagen des Kriegers [Abkömmlichkeit, Ausrüstung, Unterhalt]; [Ideal der] "Adelskrieger" [Ritterorden], Aufgebote uns Söldner).
Reichhaltig ist die Literatur zu Adel und Rittertum (im Mittelalter): Demel, Walter (2005), Der europäische Adel. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart (= BSR 2379), München 2005, 128 S., Abbildungen, € 7,90; Demel, Walter, Schraut, Sylvia (2014), Der deutsche Adel. Lebensformen und Geschichte (= BSR 2832), München 2014; Hechberger, Werner (2004), Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter (= EdG 72), München 2004, IX, 163 S., € 19,80; Kortüm, Hans-Henning (2010), Kriege und Krieger 500-1500, Stuttgart 2010, 290 S., Scharzweißabbildungen, € 27,-; Paravacini, Werner (1994), Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters (= EdG 32), München 1994, VIII, 137 S., DM 29,80; Schubert, Ernst (1996), Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter (= EdG 35), München 1996, IX, 138 S., DM 29,80. [Buhlmann, 05.2010, 06.2015, 08.2015, 06.2016]

Adelmann, Gerhard (1962), Die soziale Betriebsverfassung des Ruhrbergbaus vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg (= RA 56), Bonn 1962, 208 S., DM 18,-. Betriebsverfassung bedeutet das Zusammengehen von Arbeitnehmern und -gebern, Belegschaft und Betriebsleitung im (Bergbau-) Betrieb. Zu unterscheiden sind beim Ruhrbergbau die drei Phasen des Direktionsprinzips unter der einheitlichen Leitung der preußischen Bergbehörde (1766-1851/65), des unbeschränkten Privatbergbaus (1860-1889), des staatlich kontrollierten, auch überbetrieblich durch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften beeinflussten Privatbergbaus. Nach der Aufhebung des Direktionsprinzips (1851/65) war die zweite Phase des Ruhrbergbaus geprägt durch freie Arbeitsverträge der Arbeitnehmer, ungünstige Arbeitsverhältnisse und eine patriarchalisch-unterordnende Betriebsführung bei Übergang von Klein- zu Großbetrieben. Krisen (1874-1887/88) und Depressionen (1875/80) verschärften bei ständigem Belegschaftswechsel und starker Zuwanderung die soziale Lage der Arbeitnehmer, die sich mit Streiks wehrten (Essener Streik 1872, großer Bergarbeiterstreik 1889). Das Einwirken des Staates auf den Bergbau kennzeichnet die dritte Phase; u.a. Berggesetznovellen (1892, 1905) regelten Arbeitszeit und Arbeitnehmervertretung (Arbeiterausschüsse, Einfluss der Gewerkschaften auf innerbetriebliche Abläufe). Einrichtungen zur Betriebswohlfahrt wurden nun verstärkt ausgebaut, die Unternehmen waren im Rheinisch-Westfälischn Kohlensyndikat (1893) zusammengeschlossen, die gute wirtschaftliche Entwicklung in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) kam auch den Arbeitnehmern zugute. Trotzdem fanden in den Großbetrieben des Bergbaus Unternehmer und Arbeitnehmer nicht zusammen und verharrten in gegensätzlichen Positionen. [Buhlmann, 04.2015]

Aders, Günter (1967), Quellen zur Geschichte der Städte Langenberg und Neviges und der alten Herrschaft Hardenberg vom 9. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts, Neustadt a.d. Aisch o.J. [1967], 285 S., DM 25,-. Langenberg und Neviges sind Orte im Ostniederbergischen, deren Geschichte bis ins Mittelalter zuückreicht. Im Zuge der früh- bis hochmittelalterlichen Besiedlung des Bergischen Landes entstanden hier grundherrschaftliche Besitzkomplexe geistlicher Institutionen wie der Benediktinerabtei Werden a.d. Ruhr oder der Frauengemeinschaft Essen. Im 12. Jahrhundert treten im Niederbergischen adlige Familien in Erscheinung, die Edelherren von Hardenberg finden zum Jahr 1145 erstmals urkundlich Erwähnung. Die Edelherren übten um die Mitte des 12. Jahrhunderts als Grafen die Amtsgewalt in der Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft aus. Um Burg und Schloss Hardenberg bildete sich in der Folgezeit eine dynastische Herrschaft (hoheitliche Rechte [Wildbann, Geleit, Grutrecht, Lehnsherrschaft, Kirchenpatrozinien], Grundherrschaft [Hofverbände Neviges und Mollmerhof, Gerichtsrechte]) aus, die allerdings 1354 an die Grafen von Berg verkauft wurde (bergische Unterherrschaft Hardenberg). In hardenbergischer und bergischer Zeit fällt die Entwicklung der Orte Neviges und Langenberg zu Dörfern und Vororten im Ostniederbergischen; Neviges besaß seit dem 14. Jahrhundert eine Pfarrkirche und ein Schöffengericht, Langenberg wurde zum Mittelpunkt des ostniederbergischen Besitzes des Frauenstifts Rellinghausen. In der frühen Neuzeit erkämpften sich die Bauern in der Herrschaft Hardenberg von ihrem Landes- und Grundherrn "Freiheiten" (1551, 1627; "Bauernrepublik"). [Buhlmann, 07.2012]

Admont, Benediktiner- und Benediktinerinnenkloster in der Steiermark: I. Admont: Der Ort an der Enns wird 859 erstmals erwähnt, als es um Besitz in Ademundi valle ("im Admonttal") geht. Eine Tauschurkunde vom 27. Juni 931 erwähnt ein Adamunton. Am 7. Dezember 1005 übergab König Heinrich II. (1002-1024) dem Salzburger Erzbischof Hartwig (991-1023) das Gut Adamunta im Ennstal. II. Männerkloster: Das 1074 gegründete Männerkloster (Stift) Admont war im 12. Jahrhundert von St. Georgen aus reformiert worden. Mit Abt Wolfhold (1115-1137) und Abt Gottfried (1138-1165) kamen Mönche aus St. Georgen nach Admont, die das Kloster nach Hirsau-St. Georgener Vorbild formten. So wurde Admont unter diesen zwei Äbten zum Ausgangspunkt weiterer Klosterreformen, die die historische Forschung unter dem Namen der Admonter Reform einreiht. Letztere erfasste u.a. die Klöster Attel, Benediktbeuren, Göttweig, Michelsberg, Prüll, St. Lambrecht oder Weihenstephan sowie die Priorate und Frauenklöster Bergen, Neuburg a.d. Donau und St. Georgen am Längsee. Admont erlangte gegen Ende des 12. Jahrhunderts auch Privilegierungen der deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) und Heinrich VI. (1190-1197) (Nennung der regalia imperii im Besitz des Klosters), weiter das Recht des Gebrauchs der Mithra (1230). Die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts sah dann auch durch äußere Ereignisse den inneren Verfall der Abtei, ab 1328 verband sich Admont u.a. mit den Klöstern St. Emmeram, Kremsmünster, Göttweig und Melk, im 15. Jahrhundert kam es zu Reformansätzen, die aber kaum etwas bewirkten. Im 16. Jahrhundert befand sich das Stift wirtschaftlich im Niedergang. Gegenreformation und innere Reformen führten danach zum Aufstieg der Gemeinschaft und zu deren Weiterbestehen bis in die heutige Zeit. III. Frauenkloster: Das Benediktinerkloster Admont im österreichischen Ennstal war im Jahr 1074 gegründet worden und wurde von Abt Wolfhold (1115-1137) durch eine Frauengemeinschaft ergänzt (1116/20). Das Frauenkloster entwickelte sich im 12. Jahrhundert - nicht zuletzt auf Grund einer strengen Askese - zu einer bedeutenden Institution von Gelehrsamkeit und Bildung. Die Strenge der Frauenklausur blieb wohl noch bis weit in das 13. Jahrhundert bestehen. Wenige Zeugnisse über die Frauengemeinschaft sind aus dem 14. und 15. Jahrhundert überliefert. Eine Visitation im Auftrag des päpstlichen Legaten und Kardinals Nikolaus von Kues (†1464) brachte schwerwiegende Mängel im Klosterleben zum Vorschein, die in der Folgezeit nur teilweise abgestellt werden konnten. Im 16. Jahrhundert erfuhr die Frauengemeinschaft - auch vor dem Hintergrund reformatorischer Strömungen - ihren endgültigen Niedergang. 1570 wurde das Frauenkloster als unbewohnbar bezeichnet, 1582 starb die letzte Nonne.
Zu allgemeinen und besonderen Fragestellungen an die Geschichte von Admont s.: Arnold, Klaus (1972), Admont und die monastische Reform des 12. Jahrhunderts, in: ZRG KA 89 (1972), S.350-369; Braun, Johann Wilhelm (1976), Einige Bemerkungen zur Beurteilung der "Admonter Reform" sowie der Äbte Gottfried und Irimbert von Admont in der neueren Literatur, in: SMGB 87 (1976), S.431-434; Buhlmann, Michael (2006), St. Georgen und Admont. Zu den Beziehungen zweier Reformklöster im 12. Jahrhundert (= VA 22), St. Georgen 2006, 56 S., € 4,-; Buhlmann, Michael (2006), Das Admonter Frauenkloster (vornehmlich im 12. Jahrhundert) (= VA 23), St. Georgen 2006, 40 S., € 4,-; Fiala, Virgil Ernst (1952), Eine unbekannte Urkunde Alexanders III. für Admont, in: MIÖG 60 (1952), S.355-358; List, Rudolf (1974), Stift Admont 1074-1974. Festschrift zur Neunhundertjahrfeier, Ried i.I. 1974, XXIII, 559 S., € 15,-; Roitner, Ingrid (2005), Das Admonter Frauenkloster im zwölften Jahrhundert: ein Musterkloster des Ordo Hirsaugiensis, in: SMGB 116 (2005), S.199-289; Seeberg, Stefanie (2002), Die Illustrationen im Admonter Nonnenbrevier von 1180. Marienkrönung und Nonnenfrömmigkeit - Die Rolle der Brevierillustration in der Entwicklung der Bildthemen im 12. Jahrhundert (= Imagines Medii Aevi, Bd.8), Wiesbaden 2002, X, 233, 37 S., Abbildungen, € 78,; Steinböck, Walter (1973), Die Gründung des benediktinischen Reformklosters Admont. Ein Beitrag zur neunhundertjährigen Geschichte seines Bestehens, in: SMGB 84 (1973), S.52-81. [Buhlmann, 04.2006, 08.2006, 08.2015]

AfD = Archiv für Diplomatik

AG = Archäologie und Geschichte. Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland

Ahn, Sang-Joon (2006), Die Kölner Johanniterkommende St. Johann und Cordula im Spätmittelalter. Geschichte, Besitz, Wirtschaft, Verwaltung und Sozialstruktur (= KSKG 28), Köln 2006, 238 S., € 12,80. Die Anfänge des Johanniterordens in und um Köln lassen sich bis in den Beginn des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen, als Güter im Köln benachbarten Deutz erworben wurden (Deutzer Haus; 1226, 1237). Nach 1237 siedelte der Orden nach Köln um ins Johanniterhaus bei St. Kunibert, vor 1252 entstand die Johanniterkommende Köln (Provinzialkapitel von 1251 und 1252; Komtur Konrad [1251]). Im 14. Jahrhundert wurde die Kölner Kommende im Zuge von Organisationsmaßnahmen eingebunden in die Johanniterballei Nederlant (als Verband der Kommenden am Niederrhein zwischen Trier und Borken), die im 15. und 16. Jahrhundert als Colsche Balie bezeichnet wurde, da der Kölnern Komtur meist auch Leiter der Ballei war. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war die Kölner Kommende eine dem Großprior des deutschen Teils des Johanniterordens unterstellte Kammerkommende; Reformmaßnahmen ab dem Jahr 1469 schufen letztendlich eine Kammerkommende als Priesterkommende mit freier Wahl des Komturs. Nachdem in den Anfängen der Kölner Kommende Haus- und Grundbesitz (Mieten) hauptsächlich in und um Köln erworben werden konnte, vergrößerte sich der Besitz nochmals in Schüben um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, zwischen 1370 und 1390 und von 1469 bis 1499 (Komtur Hermann von Mainz [1290, 1308], Großprior Konrad von Braunsberg [1370, 1390], Komtur Hupert von Heinsberg [1469-1499]). Erworben wurde im späten Mittelalter insbesondere das Dorf Lövenich mit der Gerichtsbarkeit. Eigenbewirtschaftung ist für einige Höfe noch im 14. Jahrhundert feststellbar, im 15. Jahrhundert überwogen allerdings bei Weitem Renten und Pachtabgaben (aus Erbpacht und Zeitpacht von Ländereien und Höfen, Weinbau, Wald und Mühlen). Daneben gab es Einnahmen aus dem Kölner Wein- und Bierzapf (Akzise im 16. Jahrhundert). Die Kommende beherbergte 10 Ordensbrüder, am Ende des 15. Jahrhunderts waren es 19, zum weit überwiegenden Teil Priesterbrüder (aus Kölner Bürgerfamilien). Leiter der Kommende war der Komtur, der jährlich Abgaben (Responsion, Jahresbeitrag) an den Orden zu leisten hatte und in den Verwaltungsaufgaben und in der Besitzverwaltung von Konventsmitgliedern (Prior, Küster/Pitanzmeister, Schaffner) unterstützt wurde. Daneben gab es in der Kommende (gegen Entlohnung) Hilfspersonal (famuli, Sakristan, Koch, Müller, Bäcker, Pförtner, Prokurator). Laien als confratres und Pfründner waren ebenfalls mit der Kommende verbunden. [Buhlmann, 04.2013]

AHVN = Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein

Aicher, Hermann (1912), Beiträge zur Geschichte der Tagesbezeichnung im Mittelalter (= QstHS Innsbruck 4), Innsbruck 1912 > Z Zeit

Aigner-Foresti, Luciana (2003), Die Etrusker und das frühe Rom (= Geschichte kompakt. Antike), Darmstadt 2003 > E Etrusker

AKG = Archiv für Kulturgeschichte

AKG Beih. = Archiv für Kulturgeschichte, Beihefte

Aland, Barbara (2014), Die Gnosis (= RUB 19210), Stuttgart 2014 > G Gnosis

Albrecht, Stephan (2004), Mittelalterliche Rathäuser in Deutschland. Architektur und Funktion, Darmstadt 2004, 300 S., zahlreiche Schwarzweißabbildungen, € 5,-. Im Zuge der Entstehung der deutschen Städte im Hochmittelalter kam den Räten (Ratsgremien) zunächst als Repräsentanten und Selbstverwaltungsorganen der sich ausformenden Bürgergemeinden eine besondere Rolle zu (Niederdeutschland: kurz vor bzw. nach 1200; Oberdeutschland: 13. Jahrhundert bzw. 13. Jahrhundert, 2. Hälfte). Schon während des 13. Jahrhunderts wurden die Räte, die zunehmend Positionen des Stadtherren übernehmen konnten (Kompetenzen und Kompetenzerweiterung [inner- und außerstädtisch, öffentliche Ordnung, Finanzen, Willküren als Rechtsetzungen, Durchführung von Rechtsangelegenheiten]), indes zum Herrschaftsorgan einer sozialen und wirtschaftlichen städtischen Oberschicht (Oligarchie), zur städtischen Obrigkeit mit den Bürgermeistern an der Spitze, mit Kleinem und Großen Rat (Patriziat, Zünfte). Das Rathaus war der Ort des Rates, also der städtischen Regierung und des städtischen Gerichts (Ratsversammlungen, Gerichtssitzungen); es diente der Repräsentation (politisches Zeremoniell [Huldigung des Stadtherrn, Ratswahl, Ratssetzung, Bürgersprache/Bursprake/Morgensprache]), der Verwaltung (Kämmerei, Kanzlei, Ämter), als Festhaus und Wirtschaftsgebäude (Warenverkauf, Marktplatz vor dem Rathaus [Stube des Marktaufsehers], Rathaus als Gewandhaus). Das Rathaus machte nicht zuletzt Gegenpositionen zwischen obrigkeitlichem Rat und Bürgerschaft (zum Teil auch dem Stadtherrn) deutlich. Topografisch lag das Rathaus meist zentral (etwa am Markt), architektonisch war es ein Saalgeschossbau mit bis zu drei Geschossen, (unterteilten) Sälen je Stockwerk (Ratssaal), mit oder ohne Keller, mit Ratskapelle, mit (offener) Laube, Freitreppe und Ratsturm (als obrigkeitliche Elemente). Als noch heute bestehende oder abgegangene Rathäuser können dann genannt werden: Ostsee, Hanseraum: Lübeck (Rat [1201], domus consulum [v.1225], Neues Rathaus [1262, romanische, gotische Fassade]), Rostock (Rat [1218], Alt-, Mittel- und Neustadt, Mittelstadtrathaus des späten Mittelalters), Wismar (gemeinsamer Rat [1241], consistorium [1260/70], consistorium lapideum [1292]), Stralsund (lübisches Recht [1234], theatrum [1270er-Jahre], Neues Kaufhaus [1311, Markfassade]), Greifswald (lübisches Recht [1250], Neu- und Altstadt [1264], consistorium [13.Jh., 2. Hälfte], theatrum novum [1349]); Westfalen: Dortmund (Marktrecht [1232], Rat [1240], Richthaus [1241], domus burgensium [1241], Umbauten im späten Mittelalter), Minden (Rat [1244], Rathaus des späten Mittelalters), Soest (Rat [1170], Bürgermeister [1223], Rathaus [1229], Neubau [1713]), Münster (Schöffen [v.1214], Rat [1253], Rathaus [1250, mit Westfassade]), Lemgo (Stadtrecht [1245], Gerichtslaube [13./14.Jh.], Rathaus [ca.1250, 1350/60, Altstadt], domus consulum [1314, Neustadt]), Warburg (Stadtrecht [1200, Altstadt], Rathaus [13.Jh., 2. Hälfte, Neustadt], Rathaus [1336/37, Altstadt]), Höxter (Rat [1235], Rathaus [13.Jh., Mitte]), Attendorn (Stadtrecht [1222], Bürgermeister [1269], Rathaus [14.Jh., Mitte]); Niedersachsen: Braunschweig (Rat [1231, Altstadt], domus (burgensium) [1269/74, Altstadt, Marktfassade], Neustadtrathaus [1294/97]), Göttingen (Rat [1229], cophus [1344], Umbauten [1369/72]), Goslar (Rat [1252], domus communitatis [1269], Rathaus des ausgehenden 15.Jh.s), Hannover (Kaufhaus [1230], Rat [1241], Erneuerung des Rathauses [14.Jh., Mitte]), Hildesheim (Rat [1236], domus communionis [1217], 2. Rathaus [13.Jh., Mitte]), Lüneburg (Rat [1239], Rathaus [1254/57, Marktfassade]), Duderstadt (Rat [1255], Rathaus [um 1300], Umbauten [1528/42]), Osnabrück (Rat [1231], domus civium [1244, Altstadt], Rathaus [1348, Neustadt]), Neues Rathaus [1487/1512, Altstadt]), Stade (Rat [1279], Rathaus [14.Jh.]), Einbeck (Rat [1252], Rathaus [ca.1300]), Bremen (Rat [1225], domus theatralis [n.1225], Rathaus [1259, Markfassade, Roland]), Hamburg (Alt- und Neustadt [1216], domus consulum [v.1230, als gemeisames Rathaus], Rathausneubau [1290]); Sachsen, Brandenburg: Frankfurt a.d. Oder (Stadtrecht [1253], Rathaus [n.1253, Südfassade]), Berlin-Cölln (Rat [1253], gemeinsamer Rat [1307], Rathaus auf der Langen Brücke), Brandenburg (Alt- und Neustadt, Rat [1263], pretorium [1297, Neustadt], Rathaus [15.Jh., Altstadt]), Magdeburg (Tuchhalle [12.Jh., Mitte; Freitreppe], Wiederaufbau [um 1240], neues Rathaus [1241], Rat [1244], Umbauten des späten Mittelalters [Marktfassade]), Stendal (Kaufhaus [1188], Rat [1215], Laube [1345], Rathaus [15.Jh.]), Tangermünde (Stadtrecht [13.Jh.], Rathaus [15.Jh.]), Salzwedel (Kaufhaus [1233], Rathaus [1509, Altstadt], Rathaus [1370, Neustadt]); Nieder- und Mittelrhein: Aachen (Bürgermeister [1252], Rat [1258], Grashaus [1267?, 14.Jh.], Rathaus [1343, Palas der Pfalz]), Köln (domus in quam cives coveniunt [1130/39], domus civium [1149], Richerzeche [12.Jh., 2. Hälfte], Rat [1216], domus maioris consulii [1292], neues Rathaus [14.Jh., Anfang, römisches Prätorium]), Mainz (Rat [1244], Rathaus [1277]), Worms (Rat [ca.1200], Gebäude in der Hagenstraße [ca.1230, 1232 abgerissen], Zeughaus [1266, als Bürgerhof 1420]), Speyer (Bürgermeister und Rat [1230], Münze [13.Jh., Ende], Rathaus [1340]); Hessen: Frankfurt a.M. (Rathaus [1264, Pfalz], Rat [1266], neues Rathaus [1405/08, Römer, Goldener Schwan]), Marburg (Stadt [1222], Rat [1284], Provisorien, Rathausneubau [1511/26]), Michelstadt (Rathaus [1484]); Sachsen, Thüringen: Dresden (Rat und Bürgermeister [1292], koufhuis [1295/97], Rathaus [1362], Abriss [1707]), Meißen (Stadt [1205], Rat [1316], Rathaus [1471/81]), Leipzig (Rat [1270], Ratsstube [1341], Ratskapelle [1394], Überformung [1555]), Erfurt (Rat [1250/55], Turm [12./13.Jh.], Sommerlaube [1380]), Mühlhausen (Rat [1251], Bürgermeister [1292], Lauben [1304], Rathaus [1310]); Preußen, Schlesien: Danzig (Rechtsstadt am Langen Markt und Altstadt, Kaufhaus [1298], Rathaus [1327/36], Kulmer Recht [1346, 1378], Rathausumbauten und -erneuerung [1454/57), Thorn (Kulmer Recht [1233], Alt- und Neustadt, Rathaus [1259, 1274, 1309, Altstadt], Rathaus [1304, Neustadt]), Breslau (Stadtrecht [1261], Rathaus [1299, Altstadt], Rathaus [14.Jh., 1. Hälfte, Neustadt]); Österreich: Wien (Rathaus [1316], Schranne [1325]); Böhmen: Prag (Rathaus [1338]); Franken, Bayern: Würzburg (Rat [1256], Grafeneckart [1316], Ratskapelle [1359], Ratsturm [1453/56]), Rothenburg o.d. Tauber (Rat [1269], altes Rathaus [1390], neues Rathaus [14.Jh., Ende]), Bamberg (Rat und Bischof, altes Rathaus [n.1361], Rathaus auf der Regnitzbrücke [v.1386]), Karlstadt (Rathaus [1422, Marktfassade]), Dettelbach (Rat [1321], Stadt [1484], Rathaus [15.Jh., Ende]), Nürnberg (Rat [ca.1250], Gewandhaus [13./14.Jh.], neues Rathaus [1332/40, Rathaussaal]), Amberg (Stadt [1242], Rathaus [14.Jh., 2. Hälfte], Sulzbach (Rathaus [1456/64]), Regensburg (Rathaus [1356, Gebäudekomplex, Reichssaalbau]), München (Rat [1286], Stadtrecht [1294], älteres Rechtshaus [1289], erstes Rathaus [n.1315], zweites Rathaus [1470/80]), Ingolstadt (Rat [1309], Bürgermeister [1407], Rathaus des späten Mittelalters, Neubau [1568]), Landshut (Rat [1256], Profanbau [1280/90], Rathaus [1386]), Wasserburg a. Inn (Stadtrecht [1334], Rathaus [1457/59]), Kempten (Bürger [1257], Rat [1273], Kornhaus/Rathaus [1382], Erweiterung [1474]), Nördlingen (universum collegium civitatis [1247], Rat [1260], Brothaus, Rathaus [1382], neues Rathaus [15.Jh.]), Augsburg (Rat [1257], domus civium [1260], Bürgermeister [1266], Stadtrecht [1276], Steinbau [1385], Neugestaltung [1515/16]); Schwaben: Ravensburg (Rat [1284], Waaghaus [1328], Rathaus [1386]); Esslingen (Rat [1274], Bürgermeister [1286], Gerichtshaus, Dominikaner- bzw. Franziskanerkloster, Kaufhaus [1389], Rathaus [1424]), Tübingen (Rat [ca.1250], Rathaus [1435]), Ulm (Rat [1255], Gerichtshaus [1255], Gewandhaus [1357], Nachfolgebau [1539]); Oberrhein: Straßburg (Bürger und Bischof, Rathaus [1321, Pfalz]), Freiburg i.Br. (Bürgerschaft, Gerichtslaube [1223], altes Rathaus [1303], Kanzlei [1559]), Lindau (Rat [1264], Stadtgericht [1274], Rathaus [1422/36]), Rottweil (Bürgermeister [1290], Rathaus [1321], Umbau [n.1500]), Villingen (Rat [1225], Bürgermeister [1297], Stadtrecht [1294], Rathaus [1306], Gerichtshof [1371]); Schweiz: Basel (Bürgermeister [1253], Rat- und Gerichtshaus [1259], Haus zum Angen [1354], zweites Rathaus [n.1356]), Zürich (Rathaus [1251], Neubau [1397/1401]), Bern (Verfassung [1294], Rathaus [1280?], neues Rathaus [n.1405]), Schaffhausen (zweites Rathaus [v.1372], drittes Rathaus [1382/1412]), Luzern (Rat [1252], Rathaus [1318], Kaufhaus [1460]), Freiburg i. Üchtland (domus iustitiae [1304], Rathaus [1418/26], Rathausneubau [1500/18]). [Buhlmann, 05.2013]

Aldred, Cyril (1968), Echnaton. Gott und Pharao Ägyptens, Herrsching o.J. > S Schlögl, Echnaton

Alemannen: Es waren nicht die Alemannen (Alamannen), die das römische Gebiet zwischen Rhein und Donau hinter dem obergermanischen und rätischen Limes besetzten, vielmehr war es die Eroberung, die "Landnahme" von nur ungenau zu charakterisierenden kriegerischen germanischen Gruppen, die zur Entstehung, zur Ethnogenese ("Volkswerdung") der Alemannen das Wesentliche beitrug. Vermutlich stammten die "Barbaren", mit denen die am Beginn des 3. Jahrhunderts einsetzenden Überfälle auf römisches Gebiet im Bereich der Provinzen Obergermanien und Rätien hauptsächlich in Verbindung zu bringen sind, (überwiegend) aus dem elbgermanischen Raum, vielleicht unterstützten sie auch Germanen aus dem Vorfeld der Dekumatlande (entlang Main, Tauber und Jagst). Nicht so sehr aber die Überfälle als vielmehr die militärische Konfrontation zwischen Gallischem Sonderreich (259-274) und dem römischen Restreich unter Kaiser Gallienus (253/60-268) führten zur Aufgabe der agri decumates um das Jahr 260 und letztlich zur Ausbildung einer neuen Reichsgrenze an Ober- und Hochrhein, Bodensee, Iller und oberer Donau. Es sollte noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis sich germanische Siedler in dem Gebiet jenseits davon niederließen, zumal dort mit einer stellenweise noch vorhandenen römischen Weiterbesiedlung gerechnet werden muss. Erst um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert werden für uns Germanen im ehemaligen römischen Gebiet zwischen Rhein und Donau archäologisch fassbar, während in dieser Zeit der Alemannenname erstmals in den römischen Quellen belegt ist, übrigens durchaus in der (Fremd-?) Bezeichnung eines "alle Männer" umfassenden "Stammes". Die Peutingertafel (tabula Peutingeriana), die mittelalterliche Nachzeichnung einer spätantiken Reisekarte, verortet die Alamannia, das Siedlungsgebiet der Alemannen, östlich und nördlich von Rhein, Bodensee und Donau und gibt damit gut die Situation im 4. Jahrhundert wieder. Den frühmittelalterlichen Ausführungen des anonymen Geografen von Ravenna (um 800) zufolge gehörten dann im 5. Jahrhundert und später zur patria Alamanorum, zum "Gebiet der Alemannen": die ehemals römischen civitates am Oberrhein von Mainz über Speyer bis nach Straßburg und südlich davon, die civitates am Hochrhein von Basel bis Konstanz und Bregenz, die Schweiz bis nach Zürich und Burgund bis nach Langres und Besancon. Mit den Alemannen verbunden waren damals schon die (Reste von) Sueben, die mit den Alemannen in der Zeit um 500 verschmolzen. Die Namen von Alemannen und "Schwaben" wurden so annähernd zu Synonymen. Was die inneren Strukturen des alemannischen "Stammes" anbetrifft, so ist besonders auf die politisch wirksame Oberschicht der (Klein-) Könige und Großen (optimates) zu verweisen, die einen gewissen Zusammenhalt der Alemannen bzw. der unter dem Namen "Alemannen" vereinigten ethnischen Gruppen gewährleisteten. Ob es darüber hinaus im 5. Jahrhundert ein alemannisches Großkönigtum gab, das den Stamm von Main bis zum Rhein beherrschte, mag hingegen bezweifelt werden und nur für die Zeit des fränkisch-alemannischen Konflikts um 500 anzunehmen sein. Das "Volk" jedenfalls war die große Gruppe der Bauernkrieger, zumeist in die kriegerische Gefolgschaft von Königen und Großen integriert. Eine Folge der Unterwerfung der Alemannen unter die fränkische Herrschaft König Chlodwigs I. (482-511) war, dass der Nordteil Alemanniens nunmehr zu Franken gehörte und Alemannien-Schwaben zum Land an Ober- und Hochrhein, oberem Neckar und oberer Donau wurde. Dieses Alemannien ist dann vom fränkisch-merowingischen Königtum als politisches ("älteres") Herzogtum organisiert worden, so dass man die Alemannen - ungeachtet aller ethnischen Aspekte - als die Bewohner dieses Herzogtums begreifen kann. Im 6. Jahrhundert treten dann fränkisch-alemannische Herzöge als Amtsträger des merowingischen Königtums erstmals in Erscheinung. Damals gehörte Südwestdeutschland zum Reimser Teilreich. Unter Chlothar II. (584/613-629) und seinem Sohn Dagobert I. (623/29-639) ist dann eine deutliche Einflussnahme des gesamtfränkischen Königtums auf Alemannien festzustellen, die mit der Christianisierung, der kirchlichen und der politischen Organisation in Verbindung gebracht werden kann. Der Ausfall des merowingischen Königtums als Machtfaktor führte seit dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts zu Anarchie, wachsendem Einfluss der Großen und schließlich zum endgültigen Aufstieg der Karolinger, der austrasischen Hausmeier. Die Schwäche des damaligen Königtums bedeutete zugleich eine Verselbstständigung des alemannischen Herzogtums vom Frankenreich. Unter den fränkisch-karolingischen Hausmeiern Pippin dem Mittleren (687-714), Karl Martell (714-741) sowie Karlmann (741-747) und Pippin dem Jüngeren (741-768, König 751) ging eine verstärkte Einfluss- und Inbesitznahme Alemanniens durch das Frankenreich einher. Jedenfalls sind um die Mitte des 8. Jahrhunderts fränkische Amtsträger belegt, die die politische Neuorganisation im Sinne der Karolinger vorantrieben, während das alemannische Herzogtum der Dynastie Gotfrids (ca.700-ca.709), Lantfrids I. (ca.720-730) und Theutbalds (v.733-744) damals sein Ende fand. Aspekte karolingischer Herrschaft in Alemannien waren: die Einführung der Grafschaftsverfassung, die Einbindung des fränkisch-alemannischen Adels nicht zuletzt durch die 771 vollzogene Heirat zwischen dem Karolingerkönig Karl dem Großen (768-814) und der "Alemannin" Hildegard, die Stellung Alemanniens nunmehr als Bindeglied nach (Chur-) Rätien, Bayern und Italien, die Zuweisungen Alemanniens als Teil der Herrschaftsgebiete Karls II. des Kahlen (829-831/33, 840-877), Ludwigs II. des Deutschen (831/33/40-876) und Karls III. des Dicken (859/76-887/88). Im Vertrag von Verdun (843) fiel Alemannien an das ostfränkische Reich, und Karl III., der letzte karolingische Gesamtherrscher, starb nach Krankheit und Absetzung in Neudingen an der Donau (888). In ostfränkischer Zeit werden in Alemannien königliche Vororte erkennbar wie Bodman (am Bodensee) oder Ulm. Wichtige Stützpunkte der mit dem karolingischen Königtum eng verbundenen Kirche waren die Klöster St. Gallen und Reichenau sowie das Bistum Konstanz. Der Bodenseeraum wurde zum geografischen und politischen Zentrum Alemanniens.
Alemannische Geschichte im Überblick behandeln: Die Alamannen, hg. v. Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg (1997) (= Ausstellungskatalog), Stuttgart 1997, 528 S., DM 69,-; Geuenich, Dieter (1982), Zur Landnahme der Alemannen, in: FMSt 16 (1982), S.25-44; Geuenich, Dieter (1997), Geschichte der Alemannen (= Urban Tb 575), Stuttgart-Berlin-Köln 1997, 168 S., DM 28,-. [Buhlmann, 10.2006, 12.2011]

Alemannen im Breisgau: Im Anschluss an die alemannische "Landnahme" der Spätantike auch am Oberrhein ist es zur germanischen Besiedlung des Breisgaus gekommen, erkennbar an der archäologischen Überlieferung. Im Breisgau datieren die ersten alemannischen Einzelfunde ins frühe 4. Jahrhundert n.Chr., Alemannen zuzuordnende Keramik vom Zähringer Burgberg lässt dort eine noch vor der Mitte des 4. Jahrhunderts beginnende Besiedlung erkennen, die ersten kontinuierlich belegten Reihengräberfelder setzen in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts ein, weitere Friedhöfe entstanden im 6. und 7. Jahrhundert, ein Hinweis auf einen - in der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts massiven - Siedlungsausbau. Spätestens zu Beginn des 8. Jahrhunderts klingt die "Reihengräberzivilisation" aus. Gesiedelt wurde vom 5. bis zum 7. Jahrhundert vorzugsweise auf Lössboden, in den Tälern und Talausgängen der Vorbergzone zwischen Rhein und Schwarzwald, dort wo auch - Mengen, Merdingen oder Müllheim sind hierfür Beispiele - hauptsächlich Orte zu finden sind, deren Namen auf -ingen oder -heim enden.
Die Alemannen im Breisgau behandeln: Römer und Alemannen im Breisgau. Studien zur Besiedlungsgeschichte in Spätantike und frühem Mittelalter (1994) (= AG 6), Sigmaringen 1994, 361 S., DM 138,-; Bücker, Christel (1999), Frühe Alamannen im Breisgau. Untersuchungen zu den Anfängen der germanischen Besiedlung im Breisgau während des 4. und 5. Jahrhunderts n.Chr. (= AG 9), Sigmaringen 1999, 392 S., € 24,95. [Buhlmann, 10.2006, 11.2011]

AlemJb = Alemannisches Jahrbuch

Alexander der Große, König von Makedonien: Alexander war der Sohn König Philipps II. von Makedonien (359-336 v.Chr.) und der epirotischen Prinzessin Olympias. Geboren am 20. Juli 356 v.Chr., genoss der Königssohn eine Ausbildung u.a. durch den Philosophen Aristoteles (†322 v.Chr.). Nach der Ermordung seines Vaters Philipp (336 v.Chr.) sicherte sich Alexander die Macht im Königreich (Hegemon des Korinthischen Bundes [336 v.Chr.], Niederwerfung der auftständischen Thraker und Illyrer [335 v.Chr.]). Es folgte die Eroberung des Perserreiches: Vorbereitung des Feldzugs (335/34 v.Chr.), Übergang der makedonisch-griechischen Truppen nach Kleinasien (Troja, 334 v.Chr.), Schlacht am Granikos (334 v.Chr.), Schlacht bei Issos (333 v.Chr.), Belagerung von Tyrus (332 v.Chr.), Besetzung Ägyptens (332/31 v.Chr.), Orakel von Siwa, Schlacht bei Arbela/Gaugamela (331 v.Chr.), Einnahme Babylons, Vordringen nach Persien und Medien, Ermordung des Perserkönigs Dareios III. (336-330 v.Chr.) durch Bessos, (angebliche) Niederbrennung von Persepolis (330 v.Chr.), Vorstoß nach Baktrien (330/29 v.Chr.), Feldzug in Sogdien und Spitamenes (329-327 v.Chr.), Tötung des Kleitos (328/27 v.Chr.), Heirat Alexanders und Roxanes, Pagenverschwörung (327 v.Chr.), Indienfeldzug (326/25 v.Chr.) und Schlacht am Hydaspes (326 v.Chr.), Zug durch Gedrosien, Flottenexpedition des Nearchos (326/24 v.Chr.), Harpalos-Affäre (324 v.Chr.), Massenhochzeit in Susa, Revolte makedonischer Truppen in Opis, Tod Hephaistons (324 v.Chr.), Tod Alexanders (10. Juni 323 v.Chr.), Überführung des Leichnams nach Ägypten, politische Weichenstellungen nach dem Tod Alexanders durch die zukünftigen Diadochen. Alexander war ein erfolgreicher Heerführer mit persönlichen Stärken und Schwächen, er erfuhr schon seit der Antike die unterschiedlichsten Bewertungen (Curtius Rufus, Plutarch, mittelalterlicher Alexanderroman, Alexanderrezeption in der neuzeitlichen und modernen Geschichtsschreibung).
Die Geschichtsschreibung beleuchtet die Person des Makedonenkönigs auf vielfältige Weise: Bamm, Peter (1970), Alexander oder: Die Verwandlung der Welt, Gütersloh [1974], 351 S., Karte, DM N.N.; Engels, Johannes (2006), Philipp II. und Alexander der Große (= Geschichte kompakt. Antike), Darmstadt 2006, 125 S., € 9,90; Fox, Robin Lane (1974), Alexander der Große. Eroberer der Welt (= Heyne Biographien 41), München 1977, 767 S., Abbildungen, Karten, DM 9,80; Lauffer, Siegfried (1978), Alexander der Große (= dtv 4298), München 1978, 292 S., Karte, DM 12,80; Ranke, Leopold von (1942), Alexander der Große. Aufstieg und Untergang der mazedonischen Weltmacht, Köln 1942, 367 S., Karte, DM 2,-; Romains, Jules u.a. ([1973]), Alexander der Große. Das Genie und seine Welt, Wiesbaden [1973], 279 S., Abbildungen, Karte, DM 15,90; Seibert, Jakob (1972), Alexander der Große (= EdF 10), Darmstadt 21981, XIV, 329 S., DM 39,80; Wirth, Gerhard (1973), Alexander der Große (= rm 203), Reinbek 31977, 157 S., Abbildungen, Karten, DM 1,50. [Buhlmann, 1978, 1982, 10.2016]

Alfons X. von Kastilien, König von Kastilien, römisch-deutscher König: Geboren wurde Alfons am 26. November 1221 in Toledo. Alfons war der Sohn des Königs Ferdinand III. (1217/30-1262) und der Beatrix-Isabella, der jüngsten (überlebenden) Tochter des deutsche Königs Philipp von Schwaben; er war damit ein Enkel dieses Stauferkönigs. Am 26. November 1246 vermählte sich Alfons mit Yolante, der Tochter König Jakobs I. von Aragon (1213-1276). Am 1. Juni 1252 folgte er seinem Vater als Alfons X. auf den Thron. Als König von Kastilien-León setzte er die Eroberung Andalusiens fort (Einnahme von Cadiz 1265), betrieb hier eine systematische Besiedlungspolitik und versuchte - gegen adligen Widerstand - eine Zentralisierung der Königsherrschaft. Nach dem Tod des deutschen Königs Konrad IV. (1254) bemühte sich Alfons um das Erbe der mit ihm verwandten Staufer. Seine Reklamation des Herzogtums Schwaben (1255) und seine Wahl zum römischen König und Kaiser durch die ghibellinischen Pisaner sowie durch die Stadt Marseille (1256) gehörten ebenso zu seiner Politik des fecho del imperio, der Gewinnung des staufischen Erbes hauptsächlich in Italien, wie seine vom Trierer Erzbischof Arnold II. (1242-1259) gegen Richard von Cornwall (1257-1272) betriebene Wahl zum römischen König (1257). Alfons (1257-1284) sollte aber Deutschland nie betreten und wurde nur von den Fürsten anerkannt, die Parteigänger der französischen Politik waren. Zudem erschwerten Unruhen im spanischen Königreich ein erfolgreiches Eingreifen Alfons' in Italien oder Deutschland. Gegen Ende seiner Regierungszeit erschütterten Thronkämpfe Kastilien und León. Der König starb am 4. April 1284 in Sevilla. Er liegt im Kloster Las Huelgas in Burgos begraben. Nachfolger wurde der (zuvor aufständische) Sohn Sancho IV. (1284-1295); der älteste Sohn Alfons', Ferdinand de la Cerda, war schon früh verstorben (1275). Bekannt ist Alfons der Weise auch durch die von ihm veranlassten umfangreichen gesetzgeberischen, wissenschaftlichen und literarischen Tätigkeiten. Der kastilische Hof Alfons' war ein politisches und kulturelles Zentrum, an dem sich Wissen, Politik und Gesellschaft gegenseitig beeinflussten. Ausfluss des herrscherlichen und kulturellen Handelns des Königs waren die Übersetzungen u.a. von naturwissenschaftlichen Werken aus dem Arabischen, das umfangreiche Rechtswerk der Siete Partidas, die Geschichtsschreibung der Estoria de España. Im solcherart aufbereiteten Wissen spiegelte sich nicht zuletzt die Rolle des römisch-deutschen Kaisertums, auf dessen Erwerb die letztlich (1275) darin gescheiterte Politik des kastilischen Königs abzielte.
Mit König Alfons X. von Kastilien beschäftigt sich: Schlieben, Barbara, Verspielte Macht. Politik und Wissen am Hof Alfons' X. (1252-1284) (= Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Bd.32), Berlin 2009, 346 S., Schwarzweißabbildungen, € 16,80. [Buhlmann, 08.2016]

ALKH = Arbeiten zur Landeskunde Hohenzollerns

   Allerheiligen, Kanonikergemeinschaft: Das Kloster Allerheiligen, gelegen im Schwarzwälder Renchtal am Rande der Ortenau, ging hauptsächlich auf Uta von Schauenburg zurück, die Ehefrau Herzog Welfs VI. (†1191). Es wurde 1191/96 gegründet und mit umfangreichem Gründungsgut in der Umgebung ausgesstattet. Der erste Propst Gerung (1192-1217) richtete die vita communis ein, ihm gelang auch die Anerkennung der Klerikergemeinschaft, ihres Besitzes und ihrer Rechte durch Königtum und Papst (1200, 1203). Seit Anfang des 13. Jahrhunderts entstand das Kirchengebäude; Chor, Vierung und Querschiff wurden in der 2. Hälfte des 13., das Langhaus zu Beginn des 14. Jahrhunderts vollendet, nachdem finanzielle Engpässe in den 1220/30er-Jahren überwunden werden konnten. Kanoniker aus Allerheiligen zogen 1248 in das südhessische Kloster Lorsch ein, das fortan prämonstratensisch war. Auch die Besitzentwicklung der Schwarzwälder Kommunität verlief zufriedenstellend, die Geistlichen wandten sich der Seelsorge in den benachbarten Pfarreien zu. Wirtschaftliche Unzulänglichkeiten und ein Verfall des gemeinsamen Lebens der Kanoniker prägten das 15. Jahrhundert. 1470 suchte ein Brand Allerheiligen heim, Gebäude und Kirche, heute eine Ruine, wurden wiederaufgebaut. Eine von der Ortenauer Ritterschaft gestiftete Wallfahrtskirche in Lautenbach (bei Oberkirch) wurde unter Propst Johannes Magistri (1477-1492) vollendet und den Prämonstratensern unterstellt. Allerheiligen selbst wurde im Bauernkrieg geplündert (1525), überstand aber unbeschadet die Reformation. 1657 wurde die Kommunität zur Abtei erhoben, 1802 säkularisiert.
Hinsichtlich der Geschichte Allerheiligens (im Mittelalter) ist zu verweisen auf: Schwarzmaier, Hansmartin (1994), Uta von Schauenburg, die Gemahlin Welfs VI., in: ZGO 142 (1994), S.1-17; > B Buhlmann, Klöster und Stifte in Baden-Württemberg. [Buhlmann, 03.2009, 07.2016]

Almanach. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, hg. v. Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, enthält u.a. zahlreiche Themen zur Archäologie, Geschichte, Kunst und Politik im baden-württembergischen Landkreis Schwarzwald-Baar. Im Einzelnen: Folge 24: Almanach 2000, Villingen-Schwenningen [2000], 352 S., Schwarzweiß- und Farbabbildungen, Karten, DM 29,80: I. Vorgeschichte, Alemannenzeit. Ein alemannisch-merowingerzeitliches Gräberfeld in der Gemarkung "Beim Kalkwerk/Zwischen den Dörfern" bei (Brigachtal-) Klengen zeigt eine Belegung von der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts (Zentrum des Gräberfeldes mit 21 Gräbern) bis zum späten 7. Jahrhundert an; neben vollständig erhaltenen menschlichen Skeletten sind Schmuckgegenstände (Broschen, Kämme, Gürtelschließen, Glasperlen, Amulette; bei Frauengräbern) und Waffenbeigaben (Spatha, Sax, Lanze, Schild, Pfeilspitzen; bei Männergräbern) ergraben worden (Jutta Klug-Treppe, Notbergung in alamannischem Gräberfeld. Die Rettungsgrabung des Landesdenkmalamtes "Beim Kalkwerk/Zwischen den Dörfern" im Brigacher Ortsteil Klengen). II. Mittelalter, frühe Neuzeit, Neuzeit. Im Zentrum der Baar liegen die Orte Neudingen (karolingische Pfalz, barockisierte Dorfkirche [ab 8. Jahrhundert], Kloster Maria Auf Hof [ab 13. Jahrhundert], Wallfahrtskapelle [ab 13. Jahrhundert], Teil der fürstenbergischen Herrschaft, Hexenprozess 1682, Mühlenhaus), Hüfingen (keltische, alemannische Funde, Römerkastell und Straßenschnittpunkt, Kirche [Kirchturm ca.1100], Burg, Teil der fürstenbergischen Herrschaft, Stadtmühle, Lorettokapelle [1715], Stadtmühle), Pfohren (Kirche [Urkirche, Dekanatssitz], Teil der fürstenbergischen Herrschaft, Entenburg [1471], Zerstörung [1704]), Heidenhofen (Teil der Herrschaft Wartenberg, Teil der fürstenbergischen Herrschaft [1321], Kirche), Aasen (romanisches Kellergewölbe, Kirche [11. Jahrhundert?], Rundbogenportal [1514]), Donaueschingen (Kloster Reichenau [889], Teil der fürstenbergischen Herrschaft [1488], Schlossbau [1566], Stadtkirche St. Johann, Gasthaus "Zum Schützen" [1724]), Aufen (Klöster Reichenau, St. Georgen, Maria Auf Hof, Teil der fürstenbergischen Herrschaft [1542]) und Grüningen (Gräberfelder der Hallstatt- und Merowingerzeit, Mauritiuskirche [10. Jahrhundert?], Wehrtum [ca.1300], Fürstenberger und Johanniter [14. Jahrhundert], Kapelle [1717]) (Wolfgang Tribukait, Auf der Suche nach dem Zentrum der Baar. Geschichtsträchtig: Unterwegs in Neudingen, Hüfingen und Donaueschingen). (Vöhrenbach-) Langenbach (zwischen Bächen und Hirschbühl gelegen, Ortsname als "langer Bach") war u.a. im hohen Mittelalter ein Ort der Glasherstellung (Glashütte 1218), Ausbauort der Grafen von Freiburg, Besitz der Grafen von Fürstenberg (Verkauf der Stadt Villingen 1326 ohne Glasbach daz tal, Teilungsbrief 1455, fürstenbergische Ämter Neufürstenberg und Vöhrenbach, Handel und Handwerk [18./19. Jahrhundert; Glashandel, Uhrenhandel, Uhrmacherei], Großherzogtum Baden [1806]) und ist heute ein überwiegend landwirtschaftlich geprägtes Dorf (Bernhard Kleiser, Langenbach - Von der Landwirtschaft geprägt. Mit 270 Einwohnern kleinster Teilort der Stadt Vöhrenbach - Schon 1218 eine Glashütte erwähnt). Bei (Villingen-Schwenningen-) Mühlhausen reicht die menschliche Besiedlung von der Jungsteinzeit (steinerne Pflugschar) über das frühe Mittelalter (7. Jahrhundert?; Ortsname auf -hausen), das gesamte Mittelalter (Besitz der Klöster St. Georgen, Amtenhausen, Reichenau, St. Gallen, Rottenmünster, Salem; Lehen der Villinger Johanniterkommende, Grundherrschaft der Rottweiler Heiligkreuzbruderschaft [1479]) und die frühe Neuzeit (als unbefestigter Ort im Territorium der Reichsstadt Rottweil) bis zur württembergischen Zeit (1803-1938 Oberamt Tuttlingen) und zu den Veränderungen im 20. Jahrhundert (vor und nach dem Zweiten Weltkrieg; Bauernmuseum [1975]) (Ingeborg Kottmann, Eine Pflugschar aus der jüngeren Steinzeit. Mühlhausen wurde schon früh besiedelt - Das Bauernmuseum ist weithin bekannt). Das Gebiet des Rohrhardsbergs im mittleren Schwarzwald (Höhe: 1163 Meter) wurde wohl erst an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert besiedelt (Erstwerwähung 1335), gehörte in spätem Mittelalter und früher Neuzeit zur Herrschaft Triberg (Vorderösterreich [1654], Baden [1805]; Versuch eines Kirchenbaus [15. Jahrhundert]; Landwirtschaft, Lehen und Vogtei [1525, 1564, 1608, 1655]) und war sogar - trotz der schlechten Verkehrsanbindung - von Pfälzer und Spanischem Erbfolgekrieg (Schanzenbau) betroffen; die selbstständige Gemeinde Rohrhardsberg wurde 1970 Teil von Schonach (Werner Hamm, Auf dem höchsten Punkt des Landkreises. Rohrhardsberg erstreckt sich zwischen 600 und 1163 Metern - International erfolgreicher Skiclub). Die Kirche in Riedöschingen hat, vielleicht beginnend um die Mitte des 8. Jahrhunderts als Holzkirche, eine bewegte Geschichte hinter sich (Ersterwähnung 1275, gotischer Neubau um 1300, Patronat der geistlichen Frauengemeinschaft in Lindau [1428], größerer Kirchenbau 1523, Votivbild des heiligen Xaver 1797, neuere Umgestaltungen der Kirche [1875, 1886, 1904/13], Innen- und Außenrenovierung [1962, 1994]) (Hermann Barth, St.-Martins-Kirche über 1200 Jahre alt. Bereits 748 als Holzkirche bestanden? - Außenrenovation nun abgeschlossen). III. Frühe Neuzeit. Für die bürgerliche Kunst auf der Baar am Anfang der frühen Neuzeut stehen die aus dieser Zeit überlieferten Scheibenrisse (als Geschenke), u.a. des Glasmalers Hieronymus Lang (*ca.1520-†1584) für die beiden Blumberger Müller Hans und Bartholomäus Weber oder des Daniel Lang (*1543-†1610) für den Blumberger Obervogt Hans Kemerling (Alessando Canestrini, Scheibenriß für Blumberger Gebrüder Weber. Ein Beitrag zur Baaremer Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts). IV. Frühe Neuzeit, Neuzeit. Der Kobisenhof in Oberkirnach (Hippengehr) verweist mit seiner Ersterwähnung auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, das heutige Hofgebäude stammt von 1867 (Speicher, Hofmühle) (Stefan Blum, Der Kobisnhof in Oberkirnach. Eine bauhistorische Betrachtung zum Hauptgebäude und dem Speicher). Ein altes Triberger Bauernhaus war angeblich (laut Postkarte) 900 Jahre alt (Heinz Nienhaus, Recherchen zu einem alten Bauernhaus. Ein Hof zwischen Triberg und Schönwald soll angeblich 900 Jahr alt sein). Siedlungsneugründungen der Herrnhuter Brüdergemeine im 18. Jahrhundert zeichnen sich durch einen zentralen begrünten Platz aus; dies gilt auch für Königsfeld und den "Zinsendorfplatz", der sich im Ablauf der Zeiten zum Kurpark wandelte (Lutz-Wolfram Reiter, Der Zinzendorfplatz in Königsfeld). V. Neuzeit. Einblicke in Wirtschaft, Infrastruktur und Technik geben: der Versuch einer Fertigung von Präzisionsuhren im Schwarzwald im 19. Jahrhundert (Joseph Kirner, Jess Hans Martens, Furtwanger Uhrmacherschule) (Rita Müller, Von der Schilderuhr zum Marinechronometer? Über Versuche, den Präzisionsuhrenbau im Schwarzwald zu etablieren), die Person des Furtwanger Erfinders Arnold Zähringer (*1869-†1942) (elektrischer Fundengeber 1897; Zähringer als Schönenbacher Familie) (Robert Scherer, Arnold Zähringer - Erfinder aus Furtwangen. Als Mechaniker der erste Mitarbeiter von Robert Bosch - Miterfinder der Magnetzündung), die Firma "Blitz" M. Schneider Werkzeug- und Maschinenfabrik GmbH in Schwenningen bzw. Bräunlingen (ab 1872) (Ingeborg Kottmann, Firma "Blitz" M. Schneider Werkzeug- und Maschinenfabrik GmbH), das Reiterstellwerk Blumberg-Zollhaus (1886) (Dietrich Reimer, Technisches Kulturdenkmal erhalten. Das Reiterstellwerk beim Bahnhof Blumberg-Zollhaus wurde in zweijähriger Arbeit renoviert), die Linachtalsperre (ab 1923) (Klaus Koch, Ein Lehrstück aus dem Industriezeitalter. Wiederinbetriebnahme der Linachtalsperre lohnt in vielerlei Hinsicht - Förderverein gegründet), die Werbeagentur GRUPPE DREI in Villingen (ab 1998) ([ohne Autor], GRUPPE DREI auf Expansionskurs. Werbeagentur hat das ehemalige Schmeckenbecher-Areal in VS-Villingen wiederbelebt), die börsennotierte Internetfirma GFT Technologies ([ohne Autor], GFT Technologies AG - der Internetprofi. Erstmals ist ein im Schwarzwald-Baar-Kreis beheimatetes Unternehmen an der Börse notiert). Am fürstenbergischen Schloss in Donaueschingen befinden sich Büsten der römischen Kaiser Marc Aurel und Lucius Verus (1893/96) (Ulrich Feldhahn, Die Kaiserbüsten am Donaueschinger Schloß. Marc Aurel und Lucius Verus als Sinnblid der Idee des "Imperiums", des Reichsgedankens), die fürstlich-fürstenbergischen Sammlungen im Donaueschinger Schloss bieten Gipsskulpturen antiker Kunstwerke (19. Jahrhundert) Raum (Antonia Reichmann, Antike Kunst in Gips. Die Gipsabgüsse der fürstlich-fürstenbergischen Sammlungen im Donaueschingen). An Künstlern sind zu nennen: der Bildhauer Cipri Adolf Bermann (*1862-†1947; Büsten, Bronzefiguren [Freiburger Universität]) (Erich Willmann, Nur noch ein Straßennamen als Erinnerung. Cipri Adolf Bermann - einst berühmter Bildhauer, heute fast in Vergessenheit geraten), der Maler, Bildhauer und (Werbe-) Grafiker Curt Liebich (*1868-†1937; Ölgemälde für das Schwenninger Gasthaus "Bären", Postkarten, Plastik) (Michael Zimmermann, Zwischen Leid und Lebensfreude. Kunstwerke des berühmten Malers Curt Liebich (*1868-†1937) in Schwenningen und Villingen), der Maler Rudolf Koppenhöfer (*1876-†1951) (Ingrid Rockrohr, Empfindungsstarke Landschaftsmalerei. Werkschau erinnert an das Schaffen von Rudolf Koppenhöfer (*1876-†1951)), der zeitgenössische Musiker Dietrich Danksin (Anne Bethge, Pädagoge, Komponist und Musiker. Dietrich Danksin ist in den unterschiedlichsten Bereichen der Musikbranche tätig), der zeitgenössische Fotograf Ralf Ganter (Stefan Simon, Ralf Ganter - Fotografie als Kunst. Der Niedereschacher Top-Fotograf etablierte sich mit ungewöhnlichen Bildkonzepten), die zeitgenössische Malerin Lore Will (Stefan Simon, Imaginäre Welten - Visionäre Räume. Lore Will: Malerin, Schmuckdesignerin, Druckgraphikerin und Reisende), die zeitgenössische Malerin Badia Lakaich-Azabo (Wiebke Dirks, Mit sinnlichem Pinselstrich. Badia Lakaich-Azabo ertastet die ganze Weite menschlicher Leidenschaft). Im Bereich von Politik, Bildung und Wissenschaft sind zu nennen: der Historiker und Archivar Karl Friedrich Bader (*1905-†1998) (Joachim Sturm, Ein Leben für die Wissenschaft. Als fürstlich-fürstenbergischer Archivar die Geschichtsschreibung der Baar geprägt), der Heimatforscher Gerhard Friedrich Weber-Benzing (*1918-†1999) (Ute Schulze, Ein Leben für Heimat und Brauchtum. Zum Tode von Gerhard Friedrich Weber-Benzing), der Heimatforscher Herbert Heim (*1925-†1998) (Barbara Mutschler, Der Heimat Schwenningen eng verbunden. Die Beschäftigung mit der örtlichen Geschichte war für Herbert Heim eine Lebensaufgabe), der Langenschiltacher Ortsvorsteher Otto Fleig (*1926-†1998) (Wilhelm Müller, Der Heimatgemeinde verpflichtet. Otto Fleig prägte 30 Jahre lang die Kommunalpolitik Langenschiltachs). Nach Planungen von 1956 wurde 1959/61 die evangelische Johanneskirche in Bad Dürrheim nach einem zukunftsweisenden Entwurf des Architekten Horst Linde erbaut (Grit Grafe, Die Johanneskirche in Bad Dürrheim. Das Bauwerk von Prof. Horst Linde ist ein herausragendes Kulturdenkmal). Institutionen des (ausgehenden) 20. Jahrhunderts sind dann im Bereich Gesundheit und Soziales der Landfrauenbezirksverband Donaueschingen (ab 1949/50) (Helmut Rothermel, Der örtlichen Gemeinschaft eng verbunden. Seit 50 Jahren besteht der Landfrauenbezirksverband Donaueschingen), der Heustadelkindergarten in Tuningen (Walter Klumpp, Der Tuninger Heustadelkindergarten. Ein alter Bauernhof wurde mustergültig zu einem Kindergarten und Vereinszentrum umgebaut), die Nachsorgeklinik Katharinenhöhe bei Furtwangen (ab 1912/98) (Renate Puchinger, Nachsorge für die ganze Familie. Die Nachsorgeklinik Katharinenhöhe eröffnet therapeutischen Erweiterungsbau), das Seminarzentrum Johanniterhof in Obereschach (ab 1998) (Wiebke Dirks, Das Seminarzentrum Johanniterhof. Seit zwei Jahren kann man in Obereschach Musik, Poesie und Meditation erleben), der Jugendfonds Schwarzwald-Baar (ab 1998) (Ulrike Gfrörer, Der Jugendfonds Schwarzwald-Baar. Eine Idee macht Karriere - Der Jugend eine Zukunft ermöglichen), das Naturschutzgebiet "Tannhörnle" (Helmut Gehring, Eine 2000 Jahre alte Weidelandschaft. Das Naturschutzgebiet "Tannhörnle" bei Villingen hat seinen Charakter unverändert beibehalten), im Bereich der Wirtschaft die Müllentsorgung und Windkraft im Schwarzwald-Baar-Kreis (Joachim Gwinner, Restmüllbehandlung ist geregelt. Kreistag fällt mit einem Volumen von 200 Millionen Mark größte Entscheidung seiner Geschichte), die wirtschaftliche Fortentwicklung des Kreises allgemein (Karl Heim, Erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung. Schwarzwald-Baar-Kreis kann auf erweiterten finanziellen Handlungsspielraum hoffen). Das Ereignis der totalen Sonnenfinsternis (11. August 1999) betraf (nach Sonnenfinsternissen vom 3. August 1887 und 17. April 1912) auch den Schwarzwald-Baar-Kreis (Wilfried Dold, 11.8.1999: Als der Tag (fast) zur Nacht wurde. Die Sonnenfinsternis faszinierte im Schwarzwald-Baar-Kreis Tausende von Menschen). [Buhlmann, 06.2015]

Almanach Schwarzwald-Baar-Kreis = Almanach. Heimatbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises

Alpirsbach, Benediktinerkloster: Das Benediktinerkloster Alpirsbach war eine Gründung der Grafen Adalbert von Zollern und Alwik von Sulz sowie des Edelfreien Ruodman von Hausen. Eng mit der gregorianischen Kirchenreform verbunden, besiedelten 1095 erstmals Mönche aus St. Blasien den Schwarzwaldort. Auch Hirsauer Einflüsse sind gegen Ende des 12. Jahrhundert feststellbar. Wenig ist aus der Folgezeit überliefert. 1293 wird ein rector puerorum und damit wohl eine Klosterschule erwähnt, 1341 wurde der Franziskanerkonvent in Kniebis Alpirsbacher Priorat. Das 15. Jahrhundert sah die Mönchsgemeinschaft im Umfeld der damaligen benediktinischen Reformbewegungen, auch wenn es zeitweise zur Auflösung des Konvents kam (1451-1455) oder Mönche aus Wiblingen, die der Melker Observanz angehörten, auf den Widerstand der alteingesessenen Mönche trafen (1470). Abt Hieronymus Hulzing (1479-1495) führte - gleichsam als secundus fundator - das Kloster der Bursfelder Kongregation zu (1482). 1535 wurde die Mönchsgemeinschaft von Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1550) reformiert, 1556 eine Klosterschule eingerichtet, die man allerdings 1595 verlegte. Unterbrochen wurde die evangelische Zeit Alpirsbachs durch katholische "Zwischenspiele" während des Augsburger Interims (1548-1555) und im Dreißigjährigen Krieg (1629-1631, 1634-1648). Im Westfälischen Frieden (1648) gelangte Alpirsbach dann endgültig an das Herzogtum Württemberg. Das Gründungsgut des Klosters lag relativ geschlossen um Alpirsbach, wenig kam in der Folgezeit hinzu, Streubesitz ist um Haigerloch, Oberndorf, Rottweil und Sulz erkennbar. Der Landbesitz war grundherrschaftlich organisiert, im späten Mittelalter war das Klostervermögen in Pfründen unterteilt, die Abtei in der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert stark verschuldet. Die Konsolidierung am Ende des Mittelalters betraf auch die wirtschaftlichen Verhältnisse. Einer hoch-, nieder- und grundherrschaftlichen Gerichtsbarkeit des Klosters entsprach das Rechtsinstitut der Vogtei. Erbliche Klostervögte waren die Grafen von Zollern, wohl ab der Mitte des 13. Jahrhundert die Herzöge von Teck, wahrscheinlich ab Ende des 14. Jahrhundert die Grafen von Württemberg. Letztere förderten die Reformbestrebungen des Klosters im 15. Jahrhundert, u.a. mit dem Ziel einer landständischen Mönchsgemeinschaft. Landesherrschaft und Reformation bedingten das Ende der katholischen Abtei (1535). Einem kleinen Klösterchen als Gründungsanlage mit hölzernem Oratorium (1095) folgte bald eine kleine Steinkirche (1099), schließlich die Fertigstellung des Münsterbaus in Form einer flachgedeckten dreischiffigen Basilika mit Querhaus, Chor und Nebenchören (ca.1130). Südlich davon schloss und schließt sich die Klosteranlage an mit Kapitelsaal (12. Jahrhundert), Kreuzgang und Klausur (1480-1495). Erwähnenswert sind weiter: das Tympanon über dem Westportal (12. Jahrhundert), alte Skulpturen an einigen Säulenkapitellen und -basen, ein Hochaltarschrein (ca.1520) und Epitaphien u.a. Alpirsbacher Äbte.
An Literatur zum Kloster Alpirsbach sei genannt: Alpirsbach, hg. v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (= Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg, Bd.10): Textbd.1: Gründungsgeschichte, Bau und Ausstattung des Klosters, Textbd.2: Spätmittelalter, Reformation und Stadtentwicklung, Allgemeiner Bildteil, Stuttgart 2001, 1042 S., 63 S., Karten, Beilagen, € 69,90. [Buhlmann, 11.2004]

Altenburg, Detlef, Jarnut, Jörg, Steinhoff, Hans-Hugo (Hg.) (1991), Feste und Feiern im Mittelalter. Paderborner Symposion des Mediävistenverbandes, Sigmaringen 1991 > Z Zeit

Althoff, Gerd (2006), Heinrich IV. (= GMR), Darmstadt 2006 > H Heinrich IV.

Althoff, Gerd (Hg.) (2009), Heinrich IV. (= VuF 69), Ostfildern 2009 > H Heinrich IV.

Althoff, Gerd (2013), "Selig sind, die Verfolgung ausüben". Päpste und Gewalt im Hochmittelalter, Darmstadt 2013, 254 S., € 24,90. Im Rahmen von hochmittelalterlicher Kirchenreform und Investiturstreit (1075-1122) bildete sich innerhalb der sich ausformenden Papstkirche unter Papst Gregor VII. (1073-1085) eine neue Theorie der Gewaltanwendung gegenüber den Christen, die sich als ungehorsam gegenüber dem apostolischen Stuhl erwiesen. Diese "revolutionäre" Gewalttheorie (gegen die "Gewohnheit", gemäß der christlichen "Wahrheit"), die nicht nur Gewaltrhetorik war und die dem zelus Dei ("Eifer für Gott") und dem (angeblichen) Willen Gottes verpflichtet war, legitimierte die Anwendung von Gewalt gegenüber ungehorsamen Priestern (Nikolaiten, Simonisten), Schismatikern und Häretikern auf christlich-kirchlicher Seite (aus Ungehorsam wird Häresie) sowie gegenüber Ungläubigen und Ketzern. Gleichzeitig definierte sie das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht neu (hierokratisch statt dualistisch; dictatus papae und Unfehlbarkeit; weltliche Gewalt im Auftrag der geistlichen Gewalt handelnd [milites sancti Petri]) und steigerte die Binde- und Lösegewalt (Schlüsselgewalt) des Papsttums (Bann über König Heinrich IV. [1056-1106] 1076, 1080; Durchsetzung der Gewalttheorie und der neuen kirchlichen Normen). Für die päpstliche Gewalttheorie wurden Belegstellen aus dem Alten Testament nutzbar gemacht (Verwerfung König Sauls durch Gott [1 Samuel 15,22ff], Priester Pinhas [Numeri 25]); Psalm 79 etwa diente in der Clermonter Kreuzzugspredigt Papst Urbans II. (1088-1099) zur Darstellung der pollutio ("Verunreinigung") der heiligen Stätten Jerusalems durch die Ungläubigen (1095; Rache an den Ungläubigen, Massaker bei der Eroberung Jerusalems 1099). Wenn auch die Gewalttheorie in der Zeit nach dem Investiturstreit nicht weiter so extrem verfolgt wurde, so schlug sie sich dennoch im Kirchenrecht, etwa im Decretum Gratiani (1120er-, 1140er-Jahre) nieder (Gewaltdiskurse) oder bestimmte in der Frage von Gehorsam und Ungehorsam das Verhältnis der "Universalgewalten" Papsttum und Kaisertum im 12. und 13. Jahrhundert (rituelle Unterordnung des deutschen Königs gegenüber dem Papst [König Lothar von Supplinburg und Papst Innozenz II. 1131, Konstanzer Vertrag 1153, Frieden von Venedig 1177]; Papst Innozenz III. [1198-1215] im deutschen Thronstreit [1198-1208/15; plenitudo potestatis]; "Endkampf" zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papst [1245-1250; contemptus clavium]). Allgemein lässt sich die päpstliche Gewalttheorie des hohen Mittelalters verorten in der Intoleranz und Gewaltbereitschaft monotheistischer Religionen in der Geschichte der Menschheit. [Buhlmann, 07.2013]

Althoff, Gerd, Meier, Christel (2011), Ironie im Mittelalter. Hermeneutik - Dichtung - Politik, Darmstadt 2011, 240 S., Schwarzweißabbildungen, € 29,90. Im christlich-europäischen Mittelalter kam der Ironie zunächst im lateinischen (und volkssprachlichen) literarischen Umfeld durchaus eine gewisse Rolle als Stilmittel zu, angefangen bei der Bibelallegorese (rhetorische Figuren, Topoi, Schemata) etwa eines Rupert von Deutz (Ironie und Heilsgeschichte) über Zeugnisse der Geschichtsschreibung (erzählte Ironie von Herrschenden, ironisierende Historiografie), über Briefe und Brieftraktate (insbesondere des Investiturstreits), über monastische Literaturformen etwa der Möncher Notker und Ekkehard IV. von St. Gallen bis hin zu ("ironieaffinen") Satiren, Invektiven (Occultus Erfordensis, De statu Curie Romane), Tierepen und -fabeln (Ysengrimus, Burnellus), Grabinschriften und Vagantendichtungen. Im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, vor dem Hintergrund des Humanismus fand die Ironie auch in veränderten literarischen Formen ihren Platz (Fazetie, Invektive, Enkomion, "Dunkelmännerbriefe"). Die auf Grund der Überlieferungssituation nur im Literarischen feststellbare Ironie hatte aber auch als rhetorische Figur ihren "Sitz im Leben", z.B. in politischen Beratungen und Verhandlungen, im gesellschaftlichen Umgang miteinander. [Buhlmann, 05.2015]

Ambos, Claus, Rösch, Petra, Schneidmüller, Bernd, Weinfurter, Stefan (2010), Bild und Ritual. Visuelle Kulturen in historischer Perspektive, Darmstadt 2010, VIII, 287 S., € 39,90 > Kompendium Mittelalter > Wissenschaft/Hilfswissenschaft: Bildwissenschaft [Buhlmann, 07.2010]

Ament, Hermann (1976), Chronologische Untersuchungen an fränkischen Gräberfeldern der jüngeren Merowingerzeit im Rheinland, in: BRGK 57 (1976), S.285-336. I. Zielsetzung und Methode: Ziel der Arbeit ist eine chronologische Differenzierung des merowingerzeitlichen Grabfundbestandes im Rheinland, wie sie für jungmerowingische Gräber schon für Alamannien und die Schweiz durchgefuehrt worden ist. Dabei sollen die im Rheingebiet gewonnenen chronologischen Ergebnisse mit denen aus dem süddeutschen Raum korreliert werden. Die Methode basiert auf einem von Böhner anhand der Reihengräberfunde des Trierer Landes entwickelten Stufensystem, was wiederum auf der Auswertung von Fundkombinationen beruht. II. Belegungschronolgische Befunde: Es werden die Belegungsgänge folqender fränkischer Gräberfelder untersucht: Rübenach, Pommerhof, Miesenheim, Junkersdorf, Müngersdorf, Iversheim, Hohenfels, Ehrang, Eisenach, Newel. Folgende Chronologie ergibt sich (frühes 6. Jahrhundert [frühmerowingisch], spätes 6. Jahrhundert, 600-630/40 [mittelmerowingisch], 640-670/80, spätes 7. Jahrhundert [spätmerowingisch]): Rübenach (-,-,x,x,x), Pommerhof (-,-,x,x,-), Miesenheim (-,-,-,x,-), Junkersdorf (x,x,x,x,x), Müngersdorf (-,-,x,x,-), Iversheim (-,-,-,x,-), Hohenfels (-,-,x,x,x), Ehrang (-,-,-,x,-), Eisenach (-,-,x,x,x), Newel (-,x,x,x,-) (-: nicht vertreten, x vertreten). Charakterisiert werden diese Stufen hauptsächlich durch bestimmte Typen von Gürtelschnallen, d.h.: Schnallen mit unverziertem rundem Beschlag (spätes 6. Jahrhundert); Schnallen monochrom tauschiert, unverziert (600-630/40); Schnallen bichrom, plattiert (640-670/80). Für das späte 7. Jahrhundert mussten andere Kriterien an die Funde gestellt werden, um einen Vergleich der Gräberfelder mit dem von Rübenach zu ziehen. III. Vergleich mit chronolgischen Modellen des süddeutsch-schweizerischen Fundgebiets: Alle Fundgebiete lassen sich im Großen und Ganzen gut miteinander korrelieren, wobei Unterschiede nur in der Frage der absoluten Datierung auftauchen. IV. Absolute Datierung: Diese geschieht mit Hilfe von Münzfunden in Gräbern, die allerdings in der jüngeren Merowingerzeit sehr selten sind; außerdem kann nicht unbedingt das Prägedatum von Münzen genau bestimmt werden. Von den Gräbern des 7. Jahrhunderts sind durch Münzen chronologisch einordbar: 21 Gräber mit exakt datierbaren Münzen aus den 60er-Jahren des 7. Jahrhunderts; 4 Gräber mit Trienten, vermutlich um die Mitte des 7. Jahrhunderts; 2 Gräber mit Denaren aus der Zeit zwischen 650 und 680; 4 Gräber mit friesisch-angelsächsischen Sceattas, deren Datierung aber noch unbekannt ist. V. Zusammenfassung, zugleich ein Vorschlag zur Terminologie und Chronologie: Die von Böhner vorqeschlaqenen Stufen I bis V werden teilweise noch unterteilt, auch um eine dem süddeutschen Raum entsprechende Chronologie zu erhalten. Es ergibt sich damit: Ältere Merowingerzeit: AM I (450/80-520/30) [= Böhner II], AM II (520/30-560/70) + AM III (560/70-600) [= III]; Jüngere Merowingerzeit: JM I (600-630/40) + JM II (630/40-670/80) [= IV], JM III (670/80-730) [= V]. [Buhlmann, 05.1988]

Amerikanischer Bürgerkrieg (1861-1865): Nach der Wahl Abraham Lincolns (†1865) zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika entfernten sich, insbesondere wegen der Frage der Sklavenbefreiung und trotz des Bemühens um einen (auch verfassungsgemäßen) Ausgleich, die nördlichen und südlichen Staaten der Union politisch und gesellschaftlich voneinander. Ende 1860 konstituierte sich die Könfoderation der Südstaaten mit (Gegen-) Kongress und (Gegen-) Präsident Jefferson Davis in Richmond. Zu den Nordstaaten der Union gehörten neben den Neuengland- und nördlichsten Staaten: Pennsylvania, Ohio, Indiana, Illinois, Missouri, Kansas, zur Konföderation der Südstaaten: Virginia, North und South Carolina, Georgia, Florida, Alabama, Mississippi, Arkansas, Louisiana, Texas, Nevada, Utah, Colorado, zwischen Nord und Süd umstritten waren (zunächst): Kentucky, Tennessee, West-Virginia spaltete sich als eigener (Unions-) Staat von Virginia ab. U.a. mit dem erzwungenen Abzug der Unionstruppen aus Fort Sumter (12./13. April 1861) und der Niederlage der Union in der 1. Schlacht von Bull Run/Manasses (21. Juli 1861) begann der Bürgerkrieg mit zunächst improvisierten Armeen zu Land, während die im April 1861 einsetzende Seeblockade der Südstaaten durch die Union (Anakonda-Plan) trotz Blockadebrecher und dem weltweiten Einsatz von konföderierten Kriegsschiffen gegen Handels- und Kriegsschiffe der Union (z.B. Cherbourg 19. Juni 1864) schon bald beim Baumwollexport des Südens Wirkung zeigte. Im Jahr 1862 rückte der Unionsgeneral Ulysses S. Grant gegen den Mississippi vor (Fort Henry, Fort Donelson 6. Februar 1862; Shiloh 6./7. April 1862; Memphis 6. Juni 1862), New Orleans ging am 1. Mai 1862 an den Norden verloren. Unterdessen scheiterte das Vorrücken von Unionstruppen unter George McClellan gegen Richmond (Seven Days 25. Juni - 1. Juli 1862), im Gegenzug rückte der Südstaatengeneral Robert E. Lee mit seiner Armee nach Pennsylvania vor (Antietam 17. September 1862; Lincolns Emanzipationsgesetz für Schwarze vom 22. September 1862) und siegte bei Fredericksburg (11.-15. Dezember 1862), von wo er die Nordstaaten Maryland und Delaware bedrohte. Die geografische Zerteilung der Konföderation entlang des Mississippi gelang schließlich mit der für den Kriegsverlauf zentralen Einnahme von Vicksburg (18. Mai - 4. Juli 1863) und Port Hudson (21. Mai - 9. Juli 1863; "Kirby-Smith-Südstaaten-Reich" der westlichen Konföderation), während Lees Armee bei Gettysburg besiegt wurde (1.-3. Juli 1863). Im Jahr 1864 trat das wirtschaftliche Übergewicht des Nordens über den wenig industrialisierten Süden militärisch vollends zu Tage, als der Nordstaatengeneral William T. Sherman Georgia (Atlanta 20. Juli - 2. September 1864; "Marsch zum Meer"; Savannah 22. Dezember 1864) und die beiden Carolinas (Raleigh 15. April 1865) durchzog und das Kerngebiet der Konföderation in einem Vernichtungsfeldzug weiter zerteilte. Grant gelang es im "Überland-Feldzug" (Mai - Juli 1864), sich mit seiner Armee vor Petersburg und Richmond zu positionieren (Juli 1864 - März 1865). Nach der Wiederwahl Lincolns als Präsident (Herbst 1864) kamen diplomatische Bemühungen um einen Verhandlungsfrieden (verstärkt) in Gang, ab Ende März 1865 begann Grant wieder anzugreifen, Lees stark geschwächte Nord-Virginia-Armee wich unter Aufgabe Richmonds zurück (Flucht des Südstaatenpräsidenten Davis). Lee kapitulierte in Appomattox am 9. April 1865, womit der Bürgerkrieg zu Ende war; Lincoln wurde am 14. April 1865 ermordet. In den ungefähr 10000 Schießereien, Gefechten und Schlachten des Bürgerkriegs kamen rund 200000 (auch schwarze) Soldaten direkt infolge von Kampfeinwirkungen ums Leben, mehr als die doppelte Anzahl starb an Krankheiten und Verwundungen, so dass der Bürgerkrieg den Tod von wohl mehr als 700000 Soldaten bewirkte. Es kämpfte zumeist die Infanterie, Kavallerieinsätze waren demgegenüber kaum entscheidend, auch die Artillerie blieb im Großen und Ganzen unbedeutend, während zunehmend Verschanzungen und Gräben die Soldaten schützten und Eisenbahn und Eisenbahnlinien (bei einem nur unzureichenden Eisenbahnnetz in den Südstaaten) wichtig für Truppentransport und -verpflegung waren, ebenso die Telegraphie als Kommunikationsmittel. Nicht zuletzt dauerte der Bürgerkrieg infolge der geografischen Weite des Kampfgebiets (in den Südstaaten) so lange an. Nach dem Krieg und der totalen Niederlage des Südens hatten die nun wieder in die Vereinigten Staaten einbezogenen Südstaaten ihre lost cause zu verarbeiten, die auf der Versklavung der schwarzen Bevölkerung beruhende Lebensweise änderte sich massiv, der Süden der Vorbürgerkriegszeit wurde (und wird) verklärt.
Überblicks- und Gesamtdarstellungen zum Amerikanischen Bürgerkrieg sind: Hochgeschwender, Michael (2010), Der Amerikanische Bürgerkrieg (= BSR 2451), München 2010, 128 S., € 8,95; Keegan, John (2010), Der Amerikanische Bürgerkrieg (= rororo 62831), Reinbek b.H. 2012, 512 S., € 14,99. [Buhlmann, 08.2010, 05.2012]

Amirpur, Katajun (2015), Der schiitische Islam (= RUB 19315), Stuttgart 2015, 254 S., € 7,60. Das Schiitentum ist eine Ausprägung des Islams bzw. der islamischen Religion. Im Unterschied zum islamischen Sunnitentum kreist die schiitische Religion um die Familie Mohammeds als Nachfolger des Propheten und legitime islamische Herrscher, repräsentiert durch Mohammeds Schwiegersohn Ali als vierten Kalifen (656-661; erste Fitna und Omaijaden, islamisches Schisma), durch dessen Sohn Husain (Schlacht bei Kerbela, 2. Oktober 680) und durch die diesen nachfolgenden Imame bis auf Muhammad al-Baqir (†733; Fünfer-Schia [Zaidiya]) bzw. auf Musa al-Kazim (†799; Siebener-Schia [Ismailiya]) bzw. bis auf den von Gott (874) entrückten Imam Muhammad al-Mahdi ("Große Verborgenheit" und [endzeitliche] "Wiederkehr" des Mahdi; Zwölfer-Schia als "klassisches" Schiitentum). Rechtmäßige Herrschaft üben nach schiitischer Auffassung nur die Imame aus der Familie Mohammends und Alis aus (Gerechtigkeit gegen "Despotie"); die schiitische Religion ist daher geprägt von der Imamatstheorie und der Rolle des Mahdi, von der Verehrung der Märtyrer (Husain, <-> Ketman), der Volksfrömmigkeit und den religiösen Gewohnheiten (Glaubenslehre, Gottesdienst, Fünft, Eherecht), von der herausgehobenen Rolle der schiitischen Rechtsgelehrten ("Vier Bücher" der Überlieferungen, Hierarchie, Idschtihad [als Aufstellen von Rechtsgutachten]). Schiitische Staatenbildungen in der Geschichte waren/sind: Buyidendynastie im Irak (945-1055); ismailitische Fatimidendynastie in Nordafrika, Ägypten, Palästina, Syrien (909-1171); Safawiden- (16. Jahrhundert, Anfang-1722; Schah Abbas I. [1588-1629]), (Afghanen-, Zandherrschaft,) Kadscharendynastie im Iran (ab 1779), konstitutioneller Iran, Dynastie der Pahlavi-Schahs (1924-1979), theokratisch-islamische Republik (ab 1979). Die Schiiten machen heute rund 15 Prozent der muslimischen Weltbevölkerung aus; zu finden sind sie hauptsächlich im Iran, dann im Irak und auf der arabischen Halbinsel; die Zaiditen als Anhänger der Fünfer-Schia sind im nördlichen Jemen zu finden, die Ismailiten als multikulturelle Siebener-Schiiten auf der ganzen Welt (Aga Khan als Oberhaupt der Ismaliya). [Buhlmann, 08.2015]

AmrhKG = Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte

Andermahr, Heinz (2016), Kölngau und Gillgau. Versuch der Lösung eines Problems der mittelalterlichen rheinischen Grafschaftsverfassung, in: AHVN 219 (2016), S.7-30. Der frühmittelalterliche Kölngau war in spätkarolingischer Zeit (870) eine der fünf Grafschaften der terra ("Land") Ribuarien, das Kernland dieses rheinischen ducatus ("Herzogtum"), erwähnt als pagus Coloniensis, Colingauwe (864, 866, 898, 941, 1005, 1119, 1185, 1212), letztmals zum Jahr 1119 als Grafschaft erwähnt, ein Gebiet zwischen Erft und Rhein, zwischen Gill- und Bonngau umfassend. Sitz des Grafen im Kölngau war ursprünglich die civitas Köln; aus ihr wurde der Graf als königlicher Amtsträger wohl vom Kölner Erzbischof und archidux Brun (953-965) verdrängt. Ursprünglich muss der comitatus ("Grafschaft") des Kölngaugrafen wohl größer gewesen sein. Er umfasste den Gillgau (im engeren Sinn) als Königsgutbezirk, erwähnt als Gilegoui, Gilegowe (962, 1080, 1131, 1291, 1466), mit den fisci Bergheim (Bergheimer Christianität), Büsdorf und Sinthern-Kirdorf, daneben der Kützgau als weiteren Königsgutbezirk und den Nievenheimer Gau als centena ("Hundertschaft"). Die Verdrängung des Kölngaugrafen aus Köln machte aus dem Gillgau (im weiteren Sinn) eine Grafschaft, die auch Teile des Kölngaus des 10./12. Jahrhunderts umfasste. Im nördlichen Gillgau bildete sich ab dem beginnenden 13. Jahrhundert die Herrschaft/Grafschaft Hülchrath heraus, der südliche Teil des Gillgaus wurde noch im 13. Jahrhundert erzbischöflich-kölnisch. [Buhlmann, 05.2017]

Angenendt, Arnold (1994), Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, München 1994 > H Heilige des Christentums

Angenendt, Arnold (2005), Liudger. Missionar - Abt - Bischof (im frühen Mittelalter), Münster 2005, 196 S., Karten, Abbildungen (u.a. die Miniaturen aus der Vita liudgeri secunda, ca.1100) in Farbe, € 24,-. Vor dem ausladend geschilderten Hintergrund von Politik, Kirche und Christentum im frühen Mittelalter (Kirche und Missionauftrag, Völkerwanderung und Frankenreich, irische und angelsächsische Mission und Christianisierung) wird das Leben des Missionars, Klostergründers und Bischofs Liudger (*ca.742-†809) ausgebreitet: Der Friese Liudger erhielt seine geistliche Ausbildung in Utrecht und York (ca.750/54-775), missionierte in Friesland (776-784, 787-792) und Westfalen (ab 792), gründete das Kloster Werden (um 800) und wurde schließlich in seinem Teile Frieslands und Westfalen umfassenden Missionssprengel der erste Bischof von Münster (805-809). Das Nachleben Liudgers, die Verehrung als Heiliger begann mit seinem Tod und der Beerdigung des Leichnams in Werden (Liudgeriden, Liudgermemoria, Liudgerviten, Nachwirkung). > L Liudger [Buhlmann, 10.2008]

Angermann, Erich, Die Vereinigten Staaten von Amerika seit 1917 (= dtv 4007), München 61978 > D dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Angermeier, Heinz, Meuthen, Erich (Hg.) (1988), Fortschritte in der Geschichtswissenschaft durch Reichstagsaktenforschung (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd.35), Göttingen 1988, 128 S., € 2,40. Eine Anzahl von Beiträgen beleuchtet die Bedeutung der bisher edierten und zukünftig zu edierenden deutschen Reichstagsakten (Ältere Reihe 1376-1486: RTA AR; Mittlere Reihe 1486-1519 [Maximilian I.]: RTA MR; Jüngere Reihe 1519-1556 [Karl V.]: RTA JR; Reichsversammlungen 1556-1662) für die deutsche und europäische Geschichte (Heinz Angermeier, Einführung). Die RTA AR kann für das 15. Jahrhundert mithelfen bei der historischen Erschließung folgender Themenkomplexe: Papsttum und Konzilien, Reich und Türkenproblem, Reich und Donauraum, Großmacht Burgund (Heribert Müller, Die Reichstagsakten (Ältere Reihe) und ihre Bedeutung für die europäische Geschichte). Aus RTA MR wird gut die Stellung des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen (1486-1525) zu König Maximilian I. (1486/93-1519) und zu Reich und Reichsreform in der damaligen Reichspolitik erkennbar (Peter Schmid, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen als Reichspolitiker). Anhand RTA JR wird auf dem Regensburger Reichstag von 1541 die konfessionelle Parteilichkeit zwischen Altgläubigen und Protestanten bzw. zwischen Kaiser und Ständen bei Fragen (etwa) der Türkenabwehr und ein Scheitern der kaiserlichen Politik in Bezug auf einen Ausgleich zwischen den Konfessionen erkennbar (Albrecht P. Luttenberger, Konfessionelle Parteilichkeit und Reichstagspolitik: Zur Verhandlungsführung des Kaisers und der Stände in Regensburg 1541). Der Reichstag von Speyer im Jahr 1570 behandelte u.a. (politisch zwiespältig) den Aufstand der Niederlande gegen Spanien (Niederlande als Teil des Reiches, Integration des burgundischen Kreises) und übertrug dem Kaiser die Ahndung des Friedensbruchs bei Schutz der Reichsstände (Maximilian Lanzinner, Der Aufstand der Niederlande und der Reichstag zu Speyer 1570). [Buhlmann, 08.2011]

Antike Fabeln, übers. v. Ludwig Mader (1951) (= dtv 6024), München 1973, 368 S., Schwarzweißabbildungen (des Ulmer Aesop von 1476), DM 7,80. Antike griechische und lateinische Fabeln gehören zur Gattung der Kleinliteratur, einer erzählten Geschichte (Narration) steht eine kommentierende Bewertung (Evaluation) gegenüber. Von folgenden antiken bis spätantik-frühmittelalterlichen Autoren sind Fabeln überliefert: Hesiod (7. Jahrhundert v.Chr., 1. Hälfte; Böotien), Archilochos (7. Jahrhundert v.Chr., 1. Hälfte; Paros), Äsop (6. Jahrhundert v.Chr., Mitte; kleinasiatische Küstenstadt; Äsöp-Legenden), Ennius (†169 v.Chr., Rom), Horaz (†8 v.Chr.; Rom), Phädrus (1. Jahrhundert n.Chr.; Rom), Babrios (2. Jahrhundert n.Chr., 2. Hälfte; Italien), Avian (um 400 n.Chr.; römischer Dichter), Romulus (um 400 n.Chr.; römischer Dichter), Ignatius Diaconus (9. Jahrhundert n.Chr.). Die Person des Ignatius Diaconus verweist noch auf die Bedeutung antiker Fabeln im Mittelalter (Fabel-Rezeption im "Vermittel-Alter"). Antike Fabeln sind insbesondere Tierfabeln oder leben vom Zusammentreffen von Menschen mit Tieren. Der Übergang von Fabeln zu Märchen, Legenden, Schwänken usw. ist fließend. Vgl. Fabeln der Antike. Griechisch-lateinisch-deutsch, hg. v. Harry C. Schnur (1978) [(= TuscB)], Darmstadt 21985, 352 S., DM N.N. > Lateinische Literatur > A Avian(us), E Ennius, H Horaz, I Ignatius Diaconus, P Phädrus, R Romulus [Buhlmann, 04.2017]

Angerpointner, Alois (1984), Wolfold von Lohkirchen, in: Amperland 20 (1984), S.562ff > W Wolfhold von St. Georgen, Eisenhofen-Scheyern, Admont

Archaeologia Mundi. Die großen Kulturen der Welt: Kunst ist ein wichtiger Teil der Kulturen und Gesellschaften von Menschen. Die Reihe Archaeologia Mundi spürt den vorgeschichtlichen, antiken, mittelalterlichen und außereuropäischen Kulturen der Welt nach.
Bd.1: Platon, Nikolaos (1977), Kreta, München 1977, 223 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.2: Bloch, Raymond (1977), Die Etrusker, München 1977, 175 S., Abbildungen, DM 8,80; Bd.3: Soustelle, Jacques (1978), Mexiko, München 1978, 239 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.4: Taddei, Maurizio (1978), Indien, München 1978, 222 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.5: Hachmann, Rolf (1978), Die Germanen, München 1978, 189 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.6: Huot, Jean-Louis (1978), Persien I, München 1978, 207 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.7: Karagiorges, Basos (1978), Zypern, München 1978, 255 S., Abbildungen, DM 10,80; Bd.8: Margueron, Jean (1978), Mesopotamien, München 1978, 239 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.9: Alkim, Ulug Bahadir (1978), Anatolien I, München 1978, 222 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.10: Larco Hoyle, Rafael (1978), Peru, München 1978, 238 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.11: Belenickij, Aleksandr M. (1978), Zentralasien, München 1978, 222 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.12: Lukonin, Vladimir G. (1978), Persien II, München 1978, 205 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.13: Charles-Picard, Gilbert (1978), Rom, München 1978, 238 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.14: Elisseeff, Vadime (1979), Japan, München 1978, 190 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.15: Bon, Antoine (1979), Byzanz, München 1979, 190 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.16: Metzger, Henri (1979), Anatolien II, München 1979, 222 S., Abbildungen, DM 9.80; Bd.17: Tucci, Giuseppe (1979), Tibet, München 1979, 207 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.18: Baudez, Claude F. (1979), Mittelamerika, München 1979, 207 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.19: Groslier, Bernard Philippe (1979), Indochina, München 1979, 238 S., Abbildungen, DM 9,80; Bd.20: Hatt, Jean-Jacques (1979), Kelten und Gallo-Romanen, München 1979, 302 S., Abbildungen, DM 12,80; Bd.21: Perrot, Jean (1979), Syrien-Palästina I, München 1979, 190 S., Abbildungen, DM 1,50; Bd.22: Bisith Cerinvans, Subhadradis Diskul (1980), Thailand, München 1980, 271 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.23: Condurachi, Emil, Daicoviciu, Constantin (1980), Rumänien, München 1980, 238 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.24: Avi-Yonah, Mikhael (1980), Syrien-Palästina II, München 1980, 205 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.25: Boisselier, Jean (1980), Ceylon, München 1980, 175 S., Abbildungen, DM 2,-; Bd.26: Piotrovskij, Boris B. (1980), Urartu, München 1980, 191 S., Abbildungen, DM 2,95; Bd.27: Grjaznov, Michail P. (1981), Südsibirien, München 1981, 238 S., Abbildungen, DM 2,95; Bd.28: Berciu, Dumitru (1982), Daco-Romania, München 1981, 190 S., Abbildungen, DM 2,95. [Buhlmann, 1977-1982, 09.2012]

Archäologie, historische Hilfswissenschaft: Archäologie ist die Wissenschaft von den (materiellen) Sachüberresten menschlicher Kulturen in der (gesamten) Menschheitsgeschichte. Die Vor- und Frühgeschichtsforschung kann nur mit archäologischen Quellen arbeiten; bei der Archäologie zur antiken Welt, des Mittelalters oder der frühen Neuzeit tritt noch als zusätzlicher Faktor noch die eventuelle Vergleichbarkeit archäologischer Befunde mit historischen Quellen auf. Die Archäologie besitzt nun eine Anzahl von Methoden zur Sichtung von Sachüberresten. Prospektionen (Oberflächenbeobachtung; Luftbildarchäologie; naturwissenschaftliche Prospektion wie Phosphatmethode, geomagnetische Methode, botanische Prospektion) dienen dabei der Erfassung der Fundstätten. Ausgrabungen (als Flächen- oder Sondiergrabungen) und Befundsicherung (Befunddokumentation, Konservierung und Restaurierung) machen die Funde der sich anschließenden Fundanalyse zugänglich, bei der es neben einer typologischen Einordnung insbesondere um die Datierung (relative (stratigraphische) und absolute Datierung; Radiokarbondatierung, Dendrochronologie) geht. Fundbergung und -analyse gehören zu den zentralen Anliegen der Archäologie und der archäologischen Landesaufnahme (Inventarisation).
Vielfältig ist die Literatur zur Archäologie der Vor- und Frühgeschichte sowie zu den frühen vorderasiatischen (Ägypten, Mesopotamien, Syrien/Palästina, Kleinasien), den antiken (Griechenland, Etrusker, Rom, Kelten, Germanen) oder den außereuropäischen Kulturen (Indien, China, Südostasien; Nord-, Mittel-, Südamerika; Afrika; Australien): Benesch, Kurt (1979), Auf den Spuren großer Kulturen. Das Abenteuer Archäologie, Gütersloh 1979, 240 S., Schwarzweiß-, Farbabbildungen, Pläne, Karten, Zeittabellen, DM 36,-; Fasani, Leone (Hg.) (1978), Die illustrierte Weltgeschichte der Archäologie, München 21983, 692 S., Farbabbildungen, Karten, Zeittafeln, DM 49,80. Mit Schwerpunkt auf Ausgräber und Ausgrabungen schildern Archäologie: Deuel, Leo (1963), Das Abenteuer Archäologie. Ausgrabungsberichte aus dem Nahen Osten, München 51977, 336 S., Abbildungen, Karten, DM 19,80; Deuel, Leo (1975), Kulturen vor Kolumbus. Das Abenteuer Archäologie in Lateinamerika (= dtv 1744), München 1982, 389 S., Abbildungen, Karten, DM 12,80. Archäologie als Wissenschaft und Methodenbündel zur Erforschung von Vergangenheit behandeln: Eggert, Manfred K.H. (2001), Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden (= UTB 2092), Tübingen-Basel 2001, XVII, 412 S., Abbildungen, DM 46,80; Fehring, Günter P. (1987), Einführung in die Archäologie des Mittelalters, Darmstadt 1987, XIV, 254 S., Abbildungen, DM 29,80; Gorys, Erhard (1981), Kleines Handbuch der Archäologie (= dtv 3244), München 21983, 560 S., Abbildungen, DM 19,80; Jankuhn, Herbert (1977), Einführung in die Siedlungsarchäologie, Berlin-New York 1977, XIII, 202 S., Abbildungen, Karten, DM 38,-. > Kompendium Mittelalter > Archäologie [Buhlmann, 1977, 08.2001, 05.2017]

Arduini, Maria Lodovica (1987), Rupert von Deutz (1076-1129) und der "Status christianitatis" seiner Zeit. Symbolisch-prophetische Deutung der Geschichte (= AfD, Beih.25), Köln-Wien 1987 > R Rupert von Deutz

AIBW = Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, hg. v. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

ArchKGElsaß = Archiv für die Kirchengeschichte des Elsaß

Aristophanes, Komödiendichter der griechischen Klassik: Die erhaltenen elf (von 44 oder 45) Komödien des athenischen Dichters Aristophanes (*ca.445/40 v.Chr.-†ca.385 v.Chr.) liegen z.B. übersetzt vor in: Aristophanes, Die Frösche, übers. v. Heinz Heubner (1972) (= RUB 1154), Nachdruck Stuttgart 1984, 139 S., DM 4,40; Aristophanes, Sämtliche Komödien, übers. v. Hans-Joachim Newiger (= dtv 6066), München 1976, 714 S., DM 12,80, und umfassen den Zeitraum von 425 bis 388 v.Chr. (Archarner, Ritter, Wespen, Frieden, Wolken, Vögel, Lysistrate, Thesmophoriazusen, Frösche, Ekklesiazusen, Plutos). Eine gelungene Neuinterpretation aller Komödien vor dem politischen Hintergrund der athenischen Demokratie zurzeit des Peleponnesischen Krieges (431-404 v.Chr.) und danach, vor dem der Aufführungspraxis und dem der griechischen Einstellung zu Humor und Obszönem findet sich in: Holzberg, Niklas (2010), Aristophanes. Sex und Spott und Politik, München 2010, 240 S., € 19,90. Vgl. dazu noch: Ehrenberg, Victor (1968), Aristophanes und das Volk von Athen. Eine Soziologie der altattischen Komödie (= Bibliothek der Alten Welt. Reihe Forschung und Deutung), Zürich-Stuttgart 1968, 513 S., DM 48,-. [Buhlmann, 11.1976, 05.2011]

Aristoteles, griechischer Philosoph: I. Aristoteles wurde als Sohn des Asklepiaden Nikomachos und dessen Ehefrau Phaistis im ionisch-chalkidikischen Ort Stagiros geboren (*384/83 v.Chr.; Aristoteles Stagirites), wo er auch aufwuchs. Der Vater Nikomachos war Leibarzt des makedonischen Königs Amyntas III. (393/92-370/69 v.Chr.); beide Elternteile verstarben früh, so dass der junge Aristoteles von seinem Vormund Proxenos erzogen wurde. Aristoteles interessierte sich wohl schon früh für Biologie und Philosophie; während seines ersten Aufenthalts in Athen (367/66-348/47 v.Chr.) lernte er die Philosophie des Platon durch Sokrates den Jüngeren kennen, zeigte sich gegenüber der Ideenlehre Platons und dessen Theorien über Rhetorik und Dialektik jedoch kritisch, während er in der Athener Akademie selbst unterrichtete, dabei ein breites wissenschaftliches Sprektrum aus Rhetorik-Dialektik, Wissenschaftstheorie, Ontologie, Ethik, Politik, Poetik abdeckend. In der Folge der expansiven Politik des makedonischen Königs Philipp II. (359-336 v.Chr.) u.a. auf der Chalkidike (Zweiter Olynthischer Krieg: Zerstörung von Stagira und Olynth 349/48 v.Chr.) musste der "Makedonenfreund" Aristoteles Athen verlassen und nahm in seinen Jahren im Exil (348/47-ca.337/36 v.Chr.) Aufenthalt im nordkleinasiatischen Assos (Tyrann Hermias von Atarneus), in Lesbos, in Mieza und in Makedonien, wo er als Erzieher des makedonischen Königssohns Alexander (des Großen; 336-323 v.Chr.) wirkte. Verheiratet war er damals mit Pythias, einer Nichte des Hermias, von der er die Tochter Pythias und den Sohn Nikomachos hatte. Der makedonische Sieg in der Schlacht von Chaironeia (338 v.Chr.) und die Gründung des Korinthischen Bundes (338/37 v.Chr.) ermöglichten es Aristoteles, über Delphi (337/36 v.Chr.; Ausarbeitung einer Siegerliste der Pythischen Spiele) nach Athen zurückzukehren (335/34 v.Chr.). Dort trat er nicht mehr in die Akademie ein, sondern unterrichtete in einem Gymnasion nahe dem Apollon Lykeios-Tempel, wo er - sich stützend auf seine Schüler (Theophrast, Eudemos von Rhodos) - Lehrer, Forscher und "Forschungsorganisator" in einem war (Datenerhebung und -auswertung in den Bereichen Biologie, Politik [158 Verfassungen griechischer Poleis, u.a. "Staat der Athener"], Kultur, Naturphilosophie). In Athen holte Aristoteles indes die große Politik wieder ein ("Pagenverschwörung" und Hinrichtung des Kallisthenes, des Neffen des Aristoteles, 327 v.Chr.; Tod Alexanders des Großen 323 v.Chr.), so dass er ins euböische Chalkis übersiedeln musste (323/22 v.Chr.), wo er alsbald an einer unbekannten Krankheit starb (322 v.Chr.; Testament des Aristoteles, Verbrennung des Leichnams, Deponierung der Asche im "Aristoteleion" in Stagira, stagiritischer Festmonat "Stagirites"). II. Im Corpus Aristotelicum sind die Aristoteles zugeschriebenen Werke (Schulmanuskripte) vereinigt: Organon (Logik: Kategorien, (Aussagen), Erste Analytik, Zweite Analytik, Topik, sophistische Widerlegungen), Naturwissenschaften (Prinzipien, Kosmologie: Physik, Himmel, Werden und Vergehen, Meteorologie; Psychologie: Seele, Sinne, Erinnerung, Schlafen und Wachen, Träume, Weissagungen im Traum, Langlebigkeit, Jugend, Leben und Tod, Atmung; Biologie: Tierkunde, Teile der Tiere, Bewegung der Tiere, Fortbewegung der Tiere, Zeugung der Tiere), Erste Philosophie (Methaphysik), Ethik und Politik (Nikomachische Ethik, Große Ethik, Eudemische Ethik, Politik), Rhetorik, Poetik. Der in hellenistischer Zeit an der Bibliothek in Alexandrien vorhandene Kanon von Aristotelesschriften umfasste dabei noch nicht alles, im 1. Jahrhundert v.Chr. tauchten weitere Schriften auf und vervollständigten das Corpus Aristotelicum, das bis ins 6. Jahrhundert n.Chr. benutzt wurde (Philosophenschule von Athen, geschlossen 529 n.Chr.), während das oströmisch-byzantinische Reich sich im 7. bis 9. Jahrhundert außen- und innenpolitisch in einer Krise befand (Vordringen des Islam, Ikonoklasmus). Die Verbreitung aristotelischer Werke erfolgte ab dem 9. Jahrhundert über Byzanz (Leon der Mathematiker [†n.869], Patriarch Photios [†ca.935]) sowie über die arabisch-islamische Kultur (Kalif al-Ma'mun [819-833], Ibn Rusd/Averroes [†1198]), weniger über den lateinischen Westen (Boethius [†524/26]). In Mittelalter und Neuzeit wurden die Erkenntnisse des Aristoteles vielfach rezipiert. Mittelalterlich war die Aufnahme von aristotelischer Philosophie und Metaphysik (Thomas von Aquin, Philosophie und christliche Theologie, aristotelische Scholastik, Platon); in der frühen Neuzeit standen eher aristotelische Rhetorik und Poetik im Vordergrund, während sich ein heliozentrisches Weltbild gegen Aristoteles entwickelte (Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler, Thomas Hobbes, Immanuel Kant). Auch in der Moderne gab es Phasen der Distanzierung an Annäherung an Aristoteles (Franz Brentano, Martin Heidegger, Gottlob Frege). III. Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens ist die Argumentation als Deduktion(sbeweis, syllogismos) mit Hilfe von logisch-sprachlichen Gesetzmäßigkeiten (topoi; Klassen von prädizierten Prädikaten, assertorische Syllogistik [Prädikat, Subjekt, Modi]; Logik, Dialektik, Rhetorik). Argumentation und Logik sind als Werkzeuge die Voraussetzungen für das aristotelische Philosophieren. IV. Veränderung in der Welt findet nach Aristoteles statt bei einem Substrat zwischen einem Anfangs- und einem Endzustand (Möglichkeit/Potentialität und Wirklichkeit/Aktualität), das vergängliche Substrat ist materiell und besitzt eine Form als Struktur(ierung) von Materie (aristotelischer Hylemorphismus). Vier (Material-, Form-, Bewegungs-, Final/Zweck-) Ursachen bestimmen den Übergang eines Substrats vom Anfangs- zum Endzustand. V. Wissen ist daher, nach den Ursachen zu fragen. Jede (Einzel-) Wissenschaft stellt in ihrem spezifischen Wissenschaftsbereich Fragen, grundgelegt in Dialektik und Logik, in der Ersten Philosophie der Metaphysik (Seiendes) und der Zweiten Philosophie der Physik (Veränderliches). Wissenschaft ist also Erweiterung von Wissen durch wissenschaftliches Beweisen, ist Lernen und Wissensfortschritt (Ursachenwissen) auf der Grundlage des Bekannten (Faktenwissen; nicht beweisbare Definitionen und Axiome). VI. Die Philosophie beschäftigt sich innerhalb von Metaphysik und Physik mit veränderlichen, ewigen, wahrnehmbaren und nicht-wahrnehmbaren Objekten, die Metaphysik mit dem Seienden, den obersten Prinzipien und Ursachen. Substanzen sind die Grundlagen des Seienden, Substrate haben Anteil an Substanzen, wahrnehmbare Objekte bestehen aus Substrat und Form. Zu den Substanzen gehören mithin Prinzipien wie die Materie als Potentialität der Substanz und wie die Form als aktuales Sein der Substanz. Daneben gibt es ewige und/oder nicht-wahrnehmbare Substanzen, z.B. die Ewigkeit der kontinuierlich voranschreitenden Zeitlinie oder die Himmelskörper als unvergängliche wahrnehmare Objekte (ewige Kreisbewegung der Himmelssphären auf der Grundlage aktualer immaterieller ewiger unbewegter Beweger in einem geozentrisch-astronomischen System, ewige Beweger als Erst- und Finalursachen, erster unbewegter Beweger) oder vielleicht auch nicht-wahrnehmbare ewige Substanzen. VII. Innerhalb der Naturphilosophie lassem sich belebte und unbelebte vergängliche Substanzen unterscheiden. Lebendig-Sein bedeutet Belebt- und Beseelt-Sein, die Seele ist als Essenz eine Form des Körpers, seine Aktualität. Seele und lebendiger Körper gehören damit zusammen. Lebendiges nimmt seine Umwelt über die (fünf) Einzelsinne (Tasten, Schmecken, Riechen, Hören, Sehen) wahr (Wahrnehmung etwa bei Tieren, Denken beim Menschen [phantasia, Träume, Gedächtnis und Erinnerung], Selbstbewegung bon Lebendigem). VIII. Basierend auf der Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt nach Art und Gattung (als Relation), gelten auch hier Final- und Zweckursachen natürlicher Phänomene (Fähigkeiten der Lebewesen), ohne dass von einer "Evolution" der als ewig existierend angenommenen Arten ausgegangen werden kann. IX. Das menschliche Glück, ein glückliches Leben (eudaimonia) resultiert aus einem diesbezüglichen Ziel (telos) des Menschen. Es ist verknüpft mit dessen Tugenden (Charakter[tugenden] [als dispositiver Habitus] des Menschen als nicht-rationaler Seelenteil), der Lehre von Maß und Mitte (Ethik) und dem menschlichen Verstand (intellektuelle Tugenden, theoretische [sophia] und praktische Weisheit [phronesis]). X. In die Nähe ethischer Aspekte (Glück u.a.) ist das Zusammenleben von Menschen in Staaten zu rücken (Mensch als ploitisches Wesen [zoon politikon]; Natur des Staates als menschliche Gemeinschaft, resultierend aus menschlicher Selbsterhaltung; Autarkie und gutes Leben). Staaten sind institutionell verankert (Volksversammlung, Rat, Gerichte); es gibt Herrscher und Beherrschte, Gleichheit und Ungleichheit innerhalb eines Staates (Tyrannis, Oligarchie-Aristokratie, Demokratie), wobei eine "mittlere Verfassung" Vorteile bietet. XI. Dichtung ist Nachahmung (mimesis) in der Medienkombination "Sprache, Rhythmus und Melodie", umfasst Lyrik und Prosa (Platons Prosadialoge, Prosaromane); die Gattung der Dichtung bestimmt sich aus der Medienkombination (Entwicklungsgeschichte von Dichtung; Tragödie, Komödie, Burlesken) (nach: Primavesi, Rapp, Aristoteles).
An Werken des Aristoteles seien genannt: Aristoteles, Einführungsschriften, übers. v. Olof Gigon (1961) (= dtv 6117), München 1982, 348 S., DM 12,80; Aristoteles, Hauptwerke, übers. v. Wilhelm Nestle (1934) (= KTA 129), Stuttgart [7]1968, XLVIII, 410 S., DM 10,-; Aristoteles, Vom Himmel. Von der Seele. Von der Dichtkunst, übers. v. Olof Gigon (1950) (= dtv 6123), München 1983, 439 S., DM 14,80; Aristoteles, Nikomachische Ethik, übers. v. Franz Dirlmeier (1968) (= RUB 8586-90), Stuttgart 1969, 380 S., DM 2,-; Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, übers. v. Olof Gigon (1951) (= dtv 2146), München 51984, 376 S., DM 12,80; Aristoteles, Organon: Bd.4: Lehre vom Beweis oder Zweite Analytik, hg. v. Ottfried Höfe, übers. v. Eugen Rolfes (1922) (= PhB 11), Hamburg 1976, XLII, 164 S., DM 5,-; Aristoteles, Politik, übers. v. Olof Gigon (1973) (= dtv 6022), München 21976, 395 S., DM 9,80; Reichhaltig ist die Literatur zur Person und Philosophie des Aristoteles: Ackrill, John L. (1985), Aristoteles. Eine Einführung in sein Philosophieren (= SG 2224), Berlin-New York 1985, 236 S., DM 5,-; Freely, John (2014), Aristoteles in Oxford. Wie das finstere Mittelalter die moderne Wissenschaft begründete, Stuttgart 2014 > F Freely, Aristoteles; Gouguenheim, Sylvain (2008/11), Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel. Die griechischen Wurzeln des christlichen Abendlandes, Darmstadt 2011 > G Gouguenheim, Aristoteles; Höffe, Otfried (1996), Aristoteles (= BSR 535), München 1996, 314 S., Abbildungen, DM 24,-; Primavesi, Oliver, Rapp, Christof, Aristoteles (= BSR 2865), München 2016, 128 S., Werkverzeichnis, Karten, € 8,95. [Buhlmann, 03.2017]

Arnold, Dorothea (2012), Die ägyptische Kunst (= BSR 2550), München 2012, 128 S., Farbtafeln, Schwarzweißabbildungen, 2 Karten, € 8,95. Ägyptische Kunst meint die Entwicklung von Kunst in Ägypten von der vordynastischen bis in Ptolemäerzeit (ca.4400 v.Chr-30 v.Chr.) und ist das Resultat handwerklicher Betätigung in Werkstätten und mit besonderen Arbeitsweisen. Ägyptische Kunst äußert sich im Bereich der Architektur beim Haus- und Palastbau (Ziegel- und Steinbauten; Paläste in Lischt, Armana, Medinet Habu) sowie bei Kapellen ([nicht-] königlicher Statuenkult), Tempeln (Totentempel, Sphingen), Pyramiden, Mastabas und Gräbern (Mastabas und Pyramiden, Felsengräber), im Bereich der Skulptur bei Statuen und Statuetten (von Göttern [Tiergestalt, Tier-Mensch-Mischformen] und Pharaonen [Götter-, Königsstatuen] in Kult und Ritual; nichtkönigliche Statuen [im Totenkult]), im Bereich von Relief und Malerei im Raum bei Emblem- und Einzelbildern. Sie besitzt eine Bildwelt, die Götter, Pharaonen und das Alltagsleben darstellte und die mit pharaonischer Herrschaftsrepräsentation und ägyptischem Totenkult im Rahmen einer Vergangenheitsbezogenheit einherging. Letztere schloss dabei Brüche wie in der Armanazeit nicht aus. [Buhlmann, 07.2012]

Arnold, Klaus (1971), Johannes Trithemius (1462-1516) (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Bd.XXIII), Würzburg 21991 > T Trithemius, Johannes

Arnold, Klaus (1972), Admont und die monastische Reform des 12. Jahrhunderts, in: ZRG KA 89 (1972), S.350-369 > A Admont

Arnold II. von Wied, Kölner Erzbischof: Um 1098 geboren, war Arnold für die geistliche Ämterlaufbahn bestimmt. Seit 1122 ist er als Propst von St. Georg in Limburg an der Lahn nachweisbar, seit 1127 als Dompropst in Köln. Im April 1138 machte König Konrad III. ihn zu seinem Kanzler; Arnold wurde parallel dazu Propst von St. Servatius in Maastricht. Als Kanzler beschäftigte er sich vornehmlich mit den lothringischen und italienischen Angelegenheiten im römisch-deutschen Reich. Ab 1147 begleitete er Konrad III. auf dessen Kreuzzug nach Byzanz und Syrien und kehrte im Mai 1149 an den Niederrhein zurück. Die Suspendierung Erz-bischof Arnolds I. durch Papst Eugen III. (1145-1153) im März 1148 und die eingetretene Regierungsunfähigkeit des Kölner Prälaten fanden Arnold von Wied in politischer Gegnerschaft zum Erzbischof. Nach dem Tod des Kölner Erzbischofs Arnold I. (3. April 1151) folgte er im Bischofsamt als Arnold II. (1151-1156) nach. Das Ereignis von Schwarzrheindorf (Kapellenweihe, 24. April 1151) und die Übergabe der rheinischen Herzogsgewalt an Arnold durch König Konrad III. (1138-1152) festigten die Position des neuen Erzbischofs im Fahrwasser der staufischen Politik und im Einvernehmen mit dem Papsttum. Arnold begann, wirksam dem Kölner Erzbistum wieder Geltung zu verschaffen. U.a. hierher gehört die Belagerung und Eroberung der Burg Sayn - mitten im Wieder Grafschaftsbezirk - im Juli 1152; die Sayner waren im Übrigen Gegner des Wieder Grafenhauses, so dass hier auch dynastische Interessen mitgespielt haben. Auch nach dem Tod König Konrads sollte sich am guten Verhältnis zu den Staufern nichts ändern. Arnold trat in der Frage der Nachfolge im Königtum für den Staufer Friedrich Barbarossa (1152-1190) ein und krönte den gewählten Herrscher in Aachen (9. März 1152). In der Folgezeit ist er in der Umgebung des Staufers häufiger zu finden. Seine auf Ausgleich mit dem Papsttum gerichtete Politik sah seine Beteiligung am Konstanzer Vertrag (23. März 1153), den er mitunterzeichnete; auf dem Romzug Friedrichs 1154/55, der die Kaiserkrönung zum Ziel hatte, griff er vermittelnd in die Verhandlungen zwischen König und Papst ein. Nach dem Romzug kehrte Arnold an den Niederrhein zurück, wo er am 14. Mai 1156 in Xanten viel zu früh nach einem Unfall starb. Der Geschichtsschreiber Otto von Freising (†1158) nannte Arnold II. "einen ehrenhaften Mann und Erneuerer seiner Kirche".
Zu Arnold von Wied existiert umfangreiche Literatur: Kersten, Paul (1881), Arnold von Wied, Erzbischof von Köln 1151-1156, Diss. Berlin 1881, 62 S.; Schneider, Fr. (1884), Arnold II., Erzbischof von Cöln 1151-1156, Diss. Halle 1884; Wolter, Heinz (1973), Arnold von Wied, Kanzler Konrads III. und Erzbischof von Köln (= VKGV 32), Köln 1973, 176 S.; Wolter, Heinz (1980), Arnold von Wied (um 1098-1156), in: Rheinische Lebensbilder, Bd.8, Köln 1980, S.21-39. [Buhlmann, 10.2003]

Asch, Ronald (1986), Verwaltung und Beamtentum. Die gräflich fürstenbergischen Territorien vom Ausgang des Mittelalters bis zum schwedischen Krieg 1490-1632 (= VKGLBW B 106), Stuttgart 1986 > F Fürstenberger

Ashbridge, Thomas (2015), Der Größte aller Ritter (und die Welt des Mittelalters), Stuttgart 2015, 478 S., Farbtafeln, Zeittafel, Stammtafeln, Karten, € 29,95. Guillaume le Maréchal (William Marshal, *ca.1147-†1219), Sohn des normannischen Kleinadligen Jean le Maréchal, wurde schon als Kind in die politischen Umtriebe im englischen Königreich des 12. Jahrhunderts hineingezogen (Geiselhaft beim englischen König Stephan 1152). Seine Erziehung im normannischen Tancarville (ab 1160) machte aus Guillaume einen Ritter (Ritterschlag 1166), der nacheinander den Gefolgschaften des Patrick von Salisbury, der Eleonore von Aquitanien und des Jungen Königs Heinrich (†1183), Sohn König Heinrichs II. Plantagenêt (1154-1189). Als ritterlicher Gefolgsmann und Miterzieher des Jungen Königs (ab 1170, 1. Aufstand gegen Heinrich II. 1173/74) nahm Guillaume an zahlreichen Turnieren an der Seite Heinrichs teil (Führen eines eigenen Banners beim Turnier bei Lagny-sur-Marne 1179), musste wegen angeblichen Verrats ins Exil (1182) und kehrte nach dem 2. Auftand gegen Heinrich II. (1183) zu Heinrich dem Jüngeren zurück. Nach dessen Tod (1183) unternahm Guillaume seine Pilgerreise ins Heilige Land (1183/86). Nach England zurückgekehrt, wurde er ritterlicher Gefolgsmann König Heinrichs II. und verteidigte u.a. 1189 Le Mans gegen den Königssohn Richard Löwenherz, den Nachfolger Heinrichs (1189-1199). 1189 heiratete Guillaume Isabel von Clare und wurde Lord von Striguil. Während des Kreuzzugs und der Gefangenschaft König Richards (1190/94) war Guillaume als Kojustiziar mitverantwortlich für die angevinische Herrschaft in England. Nach der Rückkehr Richards kämpfte er an der Seite des Königs um den angevinischen Festlandsbesitz (1194/99). Auch unter Richards Nachfolger Johann Ohneland (1199-1216) war Guillaume - nunmehr als Earl von Pembroke - an den Kämpfen um den angevinischen Festlandsbesitz an herausragender Stelle beteiligt (Verteidigung der Normandie 1202). Jedoch gingen diese Besitzungen dem englischen König schließlich weitgehend verloren (Verlust der Normandie 1205). Streitigkeiten mit König Johann führten 1205 dazu, dass Guillaume seine politische Aktivitäten mehr in Irland entfaltete (ab 1207/08), während erst die Aufdeckung eines Komplotts zur Ermordung des Herrschers wieder zur Annäherung zwischen König und Ritter führte (1212). Guillaume stand Johann auch zur Seite, als es um die Aussöhnung des Königs mit Papst Innozenz III. (1213) ging oder um den Aufstand der englischen Barone und die Unterzeichnung der Magna Charta (1215). Folgerichtig war Guillaume nach dem Tod Johanns (1216) Regent und "Hüter des Königreichs" für den unmündigen König Heinrich III. (1216-1272) (1216/19). U.a. verteidigte er England gegen die Invasion des französisch-kapetingischen Prinzen Ludwig und gegen innerenglische Rebellen (1216/17; Schlacht von Lincoln 1217, Seeschlacht von Sandwich 1217). Es folgten eine Phase der Festigung der Herrschaft Heinrichs III., Guillaumes Amtsverzicht als Regent (1219) und sein Tod (1219; Beerdigung in der Londoner Temple Church). Guillaume galt als "der beste aller Ritter", als wichtiger Unterstützer der angevinischen Herrschaft in England und darüber hinaus, als Garant von Ritterlichkeit und ritterlicher Ordnung. Nicht zuletzt stellt die von einem gewissen Jean verfasste "Histoire de Guillaume le Maréchal" älteste Ritterbiografie (1220/26) in über 19000 anglonormannischen Versen Guillaume als idealen und loyalen Ritter dar. [Buhlmann, 05.2016]

Assmann, Jan (2015), Exodus. Die Revolution der Alten Welt, München 2015, 493 S., Schwarzweißabbildungen, € 29,95. Vor dem Hintergrund und jenseits von Historizität, Fiktionalität und Literarizität entfaltete die "Geschichte" um Mose und den "Auszug des Volkes Israel aus Ägypten", also das alttestamentlich-biblische Buch Exodus eine ungeheure Wirkung bei den monotheistischen Religionen des Judentums, Christentums und Islams. Entstanden aus einer nur zu erschließenden Priesterschrift (P), die die biblischen Bücher Genesis und Exodus umfasste, und mit *Exodus als Vorgängertext, ist das Buch Exodus ein Konstrukt der nachneubabylonischen Exilszeit und der Perserzeit, in das vielleicht historisch-faktische Erinnerungen (Hyksos in Ägypten, Armanazeit, Pharao Ramses II., Wunder beim "Auszug") einflossen, das auf jeden Fall durch seine Darstellung performativ jüdische Identität herstellte. Das Buch Exodus definierte zusammen mit den anderen Büchern der Tora damit Judentum jenseits von Historizität; es stellt keine Geschichte narrativ dar, beschreibt vielmehr die Situation von Befreiung, Freiheit unf Aufbruch (in Gott, "Monotheismus der Treue"). Das Buch Exodus erschuf mit die Wahrheit des Judentums und nimmt von daher die Rolle einer "Gründungserzählung der modernen Welt" ein. [Buhlmann, 02.2015]

Astronomie, Astronomiegeschichte: Astronomie ist die Naturwissenschaft von den Sternen und dem Weltall. Die Geschichte der Astronomie stellt sich wie folgt dar: I. Sternbeobachtung durch Menschen und menschliche Gesellschaften setzte schon in vorgeschichtlicher Zeit ein, der Lebensrhythmus der Menschen war seit jeher durch Tag und Nacht, Jahreszeiten und Gezeiten, durch Sonne, Mond und Sterne bestimmt. Schon für das späte Paläolithikum gibt es wohl Hinweise auf die Beobachtung von Sternen, für die Jungsteinzeit und deren bäuerliche Kulturen ist kalendarisches Rechnen bezeugt, vielleicht einhergehend mit Astrologie. II. Astronomische Beobachtungen und Zeitrechnung hatten bei den frühen Hochkulturen in Babylonien (Tierkreiszeichen, Zeiteinteilung, Finsternisvorhersagen, Lunisolarjahr, Planetenläufe), Ägypten, Indien, China und Mittelamerika große Bedeutung. Auf der Grundlage besonders der babylonischen Astronomie entwickelten die Griechen der Antike ihre Vorstellungen, so Aristarch von Samos (ca.300 v.Chr.), Hipparch (ca.150 v.Chr.), oder Klaudius Ptolemäus (ca.150 n.Chr.) (geozentrisches, heliozentrisches Weltbild, Sphärenmodell). III. Das europäische Mittelalter übernahm - neben der Astronomie des Islams - die antiken Vorstellungen, entscheidende Fortschritte in der Astronomie gab es aber erst in der frühen Neuzeit Europas durch Nikolaus Kopernikus (*1473-†1543), Tycho Brahe (*1546-†1601), Johannes Kepler (*1571-†1630) oder Galileo Galilei (*1564-†1643) (kopernikanische Wende, Verwendung von Fernrohren, physikalische Grundlagen der Astronomie). Eingeleitet durch Isaac Newton (*1643-†1727) und Edmond Halley (*1656-†1742) (Gravitationsgesetz, Kometenbewegung, Messtechnik), umfasst das 18. und 19. Jahrhundert die Epoche der klassischen Astronomie, vertreten durch Charles Messier (*1730-†1817), Friedrich Wilhelm Herschel (*1738-†1822), Pierre Simon Laplace (*1749-†1827), Carl Friedrich Gauss (*1777-†1855), Friedrich Wilhelm Bessel (*1784-†1846), John Herschel (*1792-†1871), Gustav Robert Kirchhoff (*1824-†1887) u.a. (Himmelsmechanik, Störungsrechnung, Geophysik [Erdmagnetfeld], Astrophysik [Sonnenspektren, Spektraltypen von Fixsternen], Parallaxen, Dopplereffekt, Teleskope). IV. Die moderne Astronomie ist die Astronomie des 20. und 21. Jahrhunderts, basierend u.a. auf dem planckschen Strahlungsgesetz (Max Planck, *1858-†1947; Quantentheorie) und den Relativitätstheorien Albert Einsteins (*1879-†1955; Lichtablenkung, Gravitation), den Erkenntnissen zur Sternentwicklung von Henry Norris Russell (*1877-†1957) und Ejnar Hertzsprung (*1873-†1967), der Entdeckung von Neutronensternen und Schwarzen Löchern, der Radioastronomie (3 Kelvin-Hintergrundstrahlung), des Einsatzes von Raumsonden zur Erforschung u.a. des Sonnensystems, der Entdeckung von Planeten außerhalb des irdischen Sonnensystems, der Kosmologie mit der durch Edwin Hubble (*1889-†1953) festgestellten Ausdehnung des Universums (Urknall, Anfang und Ende des Universums, Strahlung und Gravitation [Gravitationswellen], dunkle Materie, dunkle Energie).
Vielfältig ist die Literatur zu Astronomie und Astronomiegeschichte: Giese, Richard-Heinrich (1981), Einführung in die Astronomie, Darmstadt 1981, XII, 396 S. + 32 S. Schwarzweißtafeln, Schwarzweißabbildungen, DM 55,-; Haber, Heinz (1968), Der offene Himmel, Stuttgart 1968, 133 S., Abbildungen, DM 16,80; Unsöld, Albrecht (1967), Der neue Kosmos, Berlin-Heidelberg-New York 21974, XII, 438 S., Abbildungen, DM 38,-; Voigt, Hans-Heinrich (1969), Abriß der Astronomie, 2 Bde. (= BI-Hochschulskripten 807/807a, 819/819a), Mannheim-Wien-Zürich 1969, 8, 8, 540 S., Abbildungen, DM 3,-; Voigt, Hans-Heinrich (1969), Abriß der Astronomie, Zürich 1975, 8, 540 S., Abbildungen, DM 38,-. > U Universum [Buhlmann, 12.2016]

Athenische Demokratie im antiken Griechenland: Die innere Entwicklung Athens von der archaischen bis zur klassischen Zeit läßt sich zum Teil an den allgemeinen Entwicklungen der griechischen Stadtstaaten zwischen dem 8. und dem 5. Jahrhundert v.Chr. festmachen. Ein Übergang vom (mythischen) Königtum (etwa eines Theseus) zur Adelsherrschaft läßt sich (zumindest in der politischen Theorie der klassischen Zeit) zu Anfang des 7. Jahrhunderts v.Chr. erkennen. Im 7. und beginnenden 6. Jahrhundert v.Chr. sind es die wirtschaftlichen Probleme der attischen Kleinbauern (Schuldknechtschaft) und die Einbeziehung einer größeren Bevölkerungsschicht in das politische System Athens, die im Vordergrund der Entwicklung stehen. Zu nennen sind hier die Rechtsreform des Drakon (um 624 v.Chr.) sowie die wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen Solons (594 v.Chr.); letztere sind insbesondere wichtig in Hinblick auf eine sich ausbildende politische Verantwortung des Einzelnen in der Polis und auf den Gedanken der Verfügbarkeit der gesellschaftlichen Ordnung (Eunomie) aufgrund von Gesetzen. Die solonische Verfassung war dabei ein Zensussystem grundbesitzender Bürger, das die politische Mitsprache abhängig vom Reichtum machte und damit von der Verfügbarkeit des Einzelnen im athenischen Heer. Es gab vier Vermögensklassen (Pentakosiomedimnoi, Hippeis, Zeugiten [Hopliten], Theten), verteilt auf vier Phylen, die je 100 Mann in den Rat der Vierhundert (Bule) schickten. Daneben gab es die Volksversammlung (Ekklesia; <-> Heliaia), den Areopag (Adelsrat) und ein aus neun Archonten bestehendes Gremium mit archon eponymos, archon polemarchos, archon basileus und sechs Thesmotheten (Richtern). dass weiter Spannungen in Athen auftraten, ergibt sich aus der Tyrannis des Peisistratos (560-527 v.Chr.) und seiner Söhne Hippias und Hipparch (527-514/10 v.Chr.). Die solonische Verfassung blieb weiterhin in Kraft, wobei die adligen Familien aber in den Hintergrund gedrängt wurden. So brachte die Abschaffung der Tyrannis durch Kleisthenes (510 v.Chr.) auch keine aristokratische Restauration, sondern eine stärkere Einbindung der Hopliten (und später der Theten) in das politische System. Dies geschah zunächst auf lokaler Ebene, wo zehn (neue) lokale Phylen geschaffen wurden, deren jede aus drei Trittyen (Drittel) aus der Stadt (Asty), dem Binnenland (Mesogeion) und der Küste (Paralia) bestand. Die Phylen brauchten nicht geographisch zusammenhängend sein, hatten aber als Grundlage die Demen, die lokalen Einheiten Attikas (Dörfer, Stadtbezirke), wonach sich übrigens auch die Athener in ihrem "Nachnamen" (= Demotikon) nannten. Jede Phyle entsandte nun 50 Mann in den Rat der Fünfhundert (Bule) und stellte für das athenische Heer 1000 Mann unter einem Strategen, wobei die Strategen von der Volksversammlung gewählt wurden. Mit der Reform des Kleisthenes war für die am politischen Geschehen Beteiligten zumindest die (rechtliche) Gleichheit erreicht (Isonomia). Damit zusammenhängend, verhinderte die Verbannung von politisch einflußreichen Bürgern (wie Themistokles) durch den Ostrakismos (Scherbengericht), also durch das Urteil eines ca. 6000 Mann umfassenden Gremiums, die Konzentration politischer Macht in den Händen eines Einzelnen (Tyrannis) oder einer Gruppe (Oligarchie). Die Reformen hin zu einer Demokratie gingen in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts v.Chr. weiter, wobei hier mit der Auslosung der Archonten (487/86 v.Chr.), der Einbeziehung der für die neu geschaffene athenische Flotte so wichtigen Theten und der Entmachtung des Areopags (462/61 v.Chr.) nur einige Entwicklungen angesprochen werden. Demokratie bedeutet aber in diesem Zusammenhang, dass von den geschätzten 250.000 bis 300.000 Einwohnern Attikas nur ein Bruchteil in der Volksversammlung direkt bestimmen und abstimmen konnte. Denn nicht zugelassen waren Frauen und Kinder, Sklaven und Metöken (Mitwohner), zugelassen nur derjenige erwachsene männliche Bürger, der auch athenische Eltern besaß. So waren vielleicht 10-15% der Einwohner Attikas, rund 30.000 bis 35.000 Männer, an der athenischen Demokratie beteiligt. Immerhin wurde in diesem engeren Kreis von Bürgern Demokratie gelebt und auch gedacht. Zentrales Organ (Souverän) war hierbei die Volksversammlung, in der jeder Bürger Rede-, Antrags- und Abstimmungsrecht hatte. Sie trat mehr als 40mal im Jahr zusammen und musste für wichtige Beschlüsse etwa 6000 Teilnehmer haben. Teile der Volksversammlung bildeten die Gerichte mit einer Mitgliederzahl zwischen 201 und 1501 Geschworenen, die Gerichte insgesamt das Volksgericht (Heliaia). Der Rat der Fünfhundert, der zehn mal fünfzig aus den Phylen erlosten Bürgern, war ein Koordinierungsgremium, das Beschlüsse der Volksversammlung vorberiet. Die Vertreter jeder Phyle leiteten dabei für ein Zehntel des Jahres als Prytanie die Geschäfte der Stadt. Die Beamten wurden im Fall der Archonten ausgelost, die Strategen und Finanzbeamten aber gewählt, da die Fähigkeiten der letzteren für das Wohl der Stadt entscheidend waren. Eine kontinuierliche Politik war dabei vorzugsweise über das Strategenamt gegeben, was z.B. Perikles ausnutzte. Auch kam der Demagogie, also der Beeinflussung der Volksversammlung bzw. der Gerichte durch einen Redner, große Bedeutung zu, wurde doch Perikles aufgrund von Autorität und Redekunst (Rhetorik) wiederholt ins Strategenamt gewählt (443-429 "Perikleisches Zeitalter"). Doch gerade während des Peleponnesischen Krieges kam der Demagogie gegenüber der Politik eine erhöhte Bedeutung zu ("radikale" Demokratie; 427 Mytilene, 415 Sizilienexpedition, 406 v.Chr. Arginusenprozeß), zumal wenn es um die "Wehrhaftigkeit" der Demokratie gegen äußere und innere Feinde ging. Es sei hier nur auf die oligarchischen Umstürze in den Jahren 411/10 und 404/03 v.Chr. verwiesen, aber auch darauf, dass die siegreichen Demokraten, etwa Thrasybulos im Jahre 403 v.Chr., zugunsten gesetzlich-demokratischer Maßnahmen auf eine blutige Rache verzichteten. Die Demokratie blieb bis in hellenistische Zeit Grundlage der athenischen Staatsordnung. Erst unter dem Einfluss Makedoniens und später der römischen Republik konnten oligarchische Tendenzen die Oberhand gewinnen.
Die athenische Demokratie behandeln: Bleicken, Jochen (1986), Die athenische Demokratie (= UTB 1330), Paderborn-München-Wien-Zürich 1986, 424 S., 1 Karte, DM 26,80: Mossé, Claude (1979), Der Zerfall der athenischen Demokratie (404-86 v.Chr.), Zürich-München 1979, 263 S., DM 9,80; Pabst, Angela (2003), Die athenische Demokratie (= BSR 2308), München 2003, 124 S., € 7,90; Tarkianen, Tutto (1966), Die athenische Demokratie (= BdAW FD), Zürich-Stuttgart 1966, 380 S., DM 28,-; Welwei, Karl-Wilhelm (1999), Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999, VIII, 468 S., DM 98,-. [Buhlmann, 06.1981, 02.1996, 08.1999, 04.2003]

Atlas, historischer Atlas: Geschichte als Geschehen in Zeit und Raum benötigt visualisierte Verortung, wie sie - mehr oder weniger detailliert - historische Kartenwerke zur Verfügung stellen.
Das von Themenauswahl, Detaillreichtum der Karten und Register her umfangreichste Kartenwerk ist immer noch: Großer historischer Weltatlas, hg. v. Bayerischen Schulbuchverlag: Erster Teil: Vorgeschichte und Altertum (1953), München 51972, XIII, 56, 19 S., DM 19,80, Zweiter Teil: Mittelalter (1970), München 21979, XXII, 88, 62 S., DM 48,-, Dritter Teil: Neuzeit (1957), München 41981, XXVI, 110, 36 S., DM 68,-. Für die antike Geschichte bietet Wittke, Anne-Marie, Olshausen, Eckart, Szydlak, Richard (2007), Historischer Atlas der antiken Welt. Sonderausgabe, Nachdruck Stuttgart-Weimar 2012, XIX, 308 S., € 39,95, mit der Kombination aus Karte und Kommentar sowie einem umfangreichen Register einen sehr guten Überblick vom Alten Orient über die griechisch-römische Antike bis zum byzantinischen Reich. Für die islamische Geschichte ist zu verweisen auf Kettermann, Günter (2001), Atlas zur Geschichte des Islam, Darmstadt 2001, 186 S., DM 20,-, mit vielen, allerdings einer Überblicksdarstellung untergeordneten Karten. [Buhlmann, 05.2013]

AtV = Aufbau Taschenbuch Verlag

AUF = Archiv für Urkundenforschung

Aumann, Günter (2013), Archimedes. Mathematik in bewegten Zeiten, Darmstadt 2013, 224 S., Schwarzweiß- und geometrische Abbildungen, Karte, € 29,90. Der griechische Mathematiker Archimedes (*287?-†212 v.Chr.) lebte in der Zeit des Hellenismus und des Aufstiegs Roms zur beherrschenden Macht zunächst im westlichen Mittelmeerraum in den Großstädten Alexandria (Ptolemäer, Museion) (zeitweise) und Syrakus (König Hieron II., 2. Punischer Krieg [218-201] und römische Belagerung und Eroberung von Syrakus [214/12 v.Chr.]). Kontakte des Archimedes zu den alexandrinischen Gelehrten Konon von Samos und Eratosthenes sind bezeugt; Archimedes soll ein Freund König Hierons II. von Syrakus (275-215 v.Chr.) gewesen sein. Einige Legenden ranken sich um seine Person ("Heureka"-Ausruf [Auftrieb und Wasserverdrängung], Tod); Archimedes soll der Erfinder der archimedischen Pumpe (Ägypten) und von während der Belagerung von Syrakus von griechischer Seite eingesetzten Maschinen und Waffen (Steinwurfmaschinen, Skorpione, Kräne, Spiegel?). Jenseits der Legenden wird Archimedes erkennbar durch seine mathematischen Werke: Über das Gleichgewicht ebener Flächen I/II (Balkenwaage mit ebenen Flächen, Hebelgesetz, Schwerpunkt eines Parabelsegments), Die Quadratur der Parabel (Fläche eines Parabelsegments; ca.240 v.Chr.), Über Kugel und Zylinder I/II (Zylinder und Prismen, Kegel und Pyramide, Volumen- und Oberflächenverhältnis von Zylinder und Kugel), Kreismessung, Über Spiralen (archimedische Spiralen, Längen- und Flächenbeziehungen; ca.230 v.Chr.), Über Paraboloide, Hyperboloide und Ellipsoide (Volumina, Schwerpunkte), Methodenlehre von den mechanischen Lehrsätzen (v.220 v.Chr.), Über schwimmende Körper I/II (Auftrieb, spezifisches Gewicht; ca.220 v.Chr.), Die Sandzahl (Astronomie und Weltall), Stomachion (Archimedes-Palimpsest/Gebetbuch [10. Jahrhundert, 2. Hälfte/v.1229, Konstantinopel]; Gittervielecke [Picksche Flächenformel], Quadratzerlegung). In Archimedes' geometrische Beweise zu Flächen und Körpern fließen auch "infinitesimale" Überlegungen (Approximationen) mit ein. Auf Archimedes sollen laut Pappos von Alexandrien die archimedischen Körper (an den Ecken abgeflachte platonische Körper [Polyeder]) zurückgehen. [Buhlmann, 01.2014]

Aurigemma, Salvatore (1963), Die Hadriansvilla bei Tivoli, Tivoli 1963, 94 S., Schwarzweißabbildungen, -tafeln, Pläne, Karten, (L 600,-). Die Palastanlage des römischen Kaisers Hadrian (117-138 n.Chr.) bei (unterhalb von) Tivoli (Tibur, östlich Rom) wurde zwischen 118 und 134 in drei Phasen erbaut, auf Grund und Boden einer älteren spätrepublikanischen Villa. Die villa Hadriani war bzw. ist (als Ruine) ein aufwändiges repräsentatives Konglomerat von Gebäuden, das dem Vergnügen und dem Regieren diente. Dabei sollen - gemäß der Historia Augusta (Hadrian-Biografie) - Orte und Gebäude aus dem römischen Reich architektonisch nachgebildet worden sein, so dass sich heute für einzelne Palastteile Namen wie "Tempetal, Poikile, Prytaneum, Lyzäum, Akademie, Unterwelt, Kanopustempel und -kanal" eingebürgert haben. Zusammen mit diesen Gebäudeteilen gehörten zum Palastkomplex eine Thermenanlage, der sog. Bibliothekenhof, das "Teatro Marittimo", Wirtschaftsgebäude und Gebäude zur Unterbringung des Palastpersonals. Ausgestattet war die Anlage mit Mosaiken, Marmorstatuen und Tafelgemälden. Die Mauern der Palastgebäude waren etwa mit Stuck oder Marmor verkleidete Ziegel-Mörtel-Mauern. Die Palastanlage war bis zu drei Kilometer lang (Nord-Süd-Richtung), bis zu 1,5 Kilometer breit (West-Ost-Richtung). [Buhlmann, 02.2016]

Ausbüttel, Frank M. (2010), Die Germanen (= Geschichte kompakt), Darmstadt 2010 > G Germanen

Averroes, Die entscheidende Abhandlung. Die Untersuchung über die Methoden der Beweise, übers. v. Patric O. Scherer (2010) (= RUB 18618), Stuttgart 2010, 264 S., € 7,80. Der arabische Philosoph Averroes (Ibn Rushd, *1126-†1198) stellt in der "entscheidenden Abhandlung" oder der "Bestimmung des Zusammenhangs zwischen religiösem Gesetz und Philosophie" (ca.1178/80, nebst Zusatz) sowie in der "Untersuchung über die Methoden der Beweise im Rahmen der religiösen Glaubenssätze" (1179/80) zunächst klar, dass es keinen Widerspruch zwischen Philosophie und "islamischer Satzung" (als Koran und Sunna mit deren äußeren und inneren Sinnebene) gibt; Philosophie ist nämlich (zuverlässig) beweisendes Nachdenken über Gott, der der Urheber der Welt und ihrer seienden Dinge ist. Averroes weist - in Auseinandersetzung mit verschiedenen philosophischen Strömungen im Islam und gegen den Religionsgelehrten al Gazali (*1058-†1111) - die Existenz Gottes nach, zeigt, dass es nur einen Gott geben kann, behandelt die Attribute Gottes (Transzendenz, Körperlichkeit, Räumlichkeit, Lichtmetapher) und Gottes Wirken in der Welt (Schöpfung, Kontingenz und Kausalität, Prophetentum und Offenbarung Mohammeds, Schicksal und Vorherbestimmung [bei Gott], Recht und Gerechtigkeit, Auferstehung und Jüngster Tag). [Buhlmann, 12.2011]

Ayck, Thomas (1977), Carl Zuckmayer (= rm 256), Reinbek 1977, 150 S., Schwarzweißabbildungen, Zeittafel, DM 6,80. Der deutschsprachige Schriftsteller Carl Zuckmayer, geboren am 27. Dezember 1896 in Nackenheim als Sohn eines Fabrikanten, meldete sich nach gymnasialer Schulausbildung in Mainz und einem Notabitur bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Kriegsfreiwilliger (1914). Er nahm an den Kämpfen an der Westfront teil und beendete seine soldatische Karriere, mit Orden dekoriert (Eisernes Kreuz, Orden vom Zähringerlöwen, Hessisches Tapferkeitsmedaille), als Leutnant der Reserve. Während der revolutionären Unruhen beim Übergang vom deutschen Kaiserreich zur Weimarer Republik (1918/19) war Zuckmayer Mitglied im Mainzer Arbeiter- und Soldatenrat; er studierte zeitweise in Frankfurt am Main und Heidelberg Jura, Literaturgeschichte, Soziologie, Philosophie, Botanik, Biologie (1919/20). Schon 1917 kam es zu ersten literarischen Veröffentlichungen (Wochenschrift "Aktion"), Zuckmayer arbeitete an der Zeitschrift "Das Tribunal" mit (1919), die Berliner Uraufführung seines Dramas Kreuzweg endete in einem Misserfolg (1920), ebenso die Stelle als Dramaturg an den Städtischen Bühnen in Kiel im Eklat (1922/23). Wenig erfolgreich war auch Zuckmayers Drama Pankraz erwacht oder Die Hinterwäldler (1925), während die Komödie Der fröhliche Weinberg Zuckmayer ein einträgliches Einkommen ermöglichte (1925). Es folgten das erfolgreiche Schauspiel Schinderhannes, die Erzählung Der Bauer aus dem Taunus (1927), die Seiltänzerkomödie Katharina Knie (1928), das Drebuch zum Blauen Engel (1929), das wohl bekannteste Zuckmayer-Schauspiel Der Hauptmann von Köpenick. Ein deutsches Märchen (1931). Zuckmayer bekam bedeutende Literaturpreise (Kleist-Preis 1925, Georg-Büchner-Preis 1929, Dramatikerpreis der Heidelberger Festspiele 1929). Nach seiner Übersiedlung ins österreichische Henndorf (bei Salzburg) (1933) folgten das Schauspiel Der Schelm von Bergen, die Erzählung Eine Liebesgeschichte, Drehbücher (1934) und der nicht mehr zur Veröffentlichung kommende Roman Salwàre oder Die Magdalena von Bozen (1935). Der Nationalsozialismus in Deutschland und Österreich zwang Zuckmayer zur Emigration in die Schweiz (1938); sein Drama Bellman wurde in Zürich uraufgeführt (1938; 2. Fassung als Ulla Windblad 1953). Außerhalb des nationalsozialistischen Machtbereichs erschienen der Roman Herr über Leben und Tod und die autobiografische Schrift Pro Domo (1938). Zuckmayer würde 1939 ausgebürgert und emigrierte in die USA, wo er Drehbuchautor in Hollywood, Dozent an einer New Yorker Theaterschule (1939/41), schließlich Farmer in Vermont wurde (1941). Nach Zweitem Weltkrieg (1939-1945) und Zuckmayers teilweiser Rückkehr nach Deutschland wurden aufgeführt bzw. erschienen das bekannte Drama Des Teufels General (1943/45/47), die Erzählung Der Seelenbräu (1945), das Drama Barbara Blomberg (1949), das Theaterstück Der Gesang im Feuerofen (1950), das Drama Das Kalte Licht und die Erzählung Engele von Löwen (1955), die Erzählung Die Fastnachtsbeichte (1959), das Drama Die Uhr schlägt eins (1961), das Theaterstück Das Leben des Horace A.W. Tabor (1964), die Autobiografie Als wär's ein Stück von mir (1966), das Theaterstück Kranichtanz (1967), das Drama Der Rattenfänger (1975). 1958 war Zuckmayer ins schweizerische Saas-Fe übergesiedelt; er erhielt 1960 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur und 1972 den Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preis. Carl Zuckmayer starb am 18. Januar 1976 in Saas-Fe. Den Literatur- und Theaterkritikern galt er entweder als zu konservativ oder als zu kritisch. Vgl. noch: Zuckmayer, Carl (1966), Als wär's ein Stück von mir. Horen der Freundschaft, Stuttgart-Hamburg 1966; Zuckmayer, Carl (1972), Der Hauptmann von Köpenick (= Fischer Tb 7012), Frankfurt a.M. 1972, 128 S., DM 2,80. [Buhlmann, 01.2017]

Azteken, Volk und Reich in Mittelamerika: Sprachgeschichtlich lässt sich zunächst eine rund 2000 Jahre alte utoaztekische Völkergruppe (Hopi, Ute, Azteken) ausmachen, die sich - was die Azteken und verwandte Gruppen anbetrifft - nach Mittelamerika bewegte. Um 500 n.Chr. befanden sich die (Proto-) Azteken an der Pazifikküste Nordmexikos, bis zum 11. Jahrhundert erreichte der aztekische Stammesverband Westmexiko, im 11. Jahrhundert das zentrale Hochland von Mexiko (zentrales Hochtal von Mexiko) - der Stammeslegende nach von einer Insel mit Namen Aztlan (1064). In Tollan kam es zu einer kurzfristigen Reichsbildung der sesshaft werdenden Azteken unter ihrem Anführer Quauhtli Quetzqui (1091-v.1100). Die Azteken gerieten in der Folgezeit in Abhängigkeit der Dynastie von Culhuahcan (Aufenthalte in Coaltepec [1143], Tollan [1144], Quaihtitlan [1153], Tepeyacac [1186], Pantitlan [1189]), mit der sie sich überwarfen (Monatsfest Tlacaxipehualiztli 1243/46). Flucht und Wanderschaft brachten die Azteken nach Tecpayocan (1243), Chapultepec (1279, Niederlage gegen die Teotenancah 1285), Tizaapan/Contitlan (Umsiedlung 1292/93, Vertreibung 1299), Aholco Acatzintitlan/Mexihcatzinco, Nexticpac, Iztacalco und Mixiuhcan (1299/1307), bis sie - unter der Anführerschaft Tenochs (†1369) - auf Inseln im See von Tetzcuhco endgültig sesshaft wurden (Gründung von Tenochtitlan 1325, Ausbruch des Popocatepetl 1353). Auch in der vordynastischen (1325-1376) und beginnenden dynastischen Zeit (ab 1376) hatten sich die Azteken mit ihren Nachbarn auseinanderzusetzen (Siedlung der Tlatilolkaner [Tlatilolco] 1337, Eroberung Tenanyucans 1369, Eroberung Mizquics 1381, Eroberung Cuitlahuacs 1390, Kriege gegen Xaltocan [1395], Chalco [1399, 1407/08, ca.1420], Quauhnahuac [ca.1395], Quauhximalpan [1403], Tequixquiac [1412], Tetzcuhco [1414/18]). Der Azteke Acamapichtli der Jüngere (1376-1387) etablierte als erster Tlahtoani 1376 die Herrschaft seiner Dynastie, ihm folgte - nach einem Interregnum der Adlersprecher (1388-1390) und immer noch in Abhängigkeit von den benachbarten Tepaneken - sein Sohn Huitzilihhuitl II. (1391-1415). Unter dem Tlahtoani Itzcoatl (1427-ca.1440) gelang die Abschüttelung tepanekischer Herrschaft (1431/38; Dreibund zwischen Tenochtitlan, Tetzuhco und Tlacopan ca.1430), unter Itzcoatls Nachfolgern, den Aztekenherrschern Ilhuicamina (1440-1469), Axayacatl (1469-1481), Tizocic (1481-1486) und Ahuitzotl (1486-1502), führten viele bis andauernde Kriege (gegen Chalco [1446], Coaixtlahuacan [1456/58], Tlatilolco [1469/73], Tolluhcan [1470], Huexotzinco [1483], gegen die Zapoteken [v.1496], gegen Tlaxcallan [1498]) zur Ausdehnung und Konsolidierung des Aztekenreiches. Im 15. Jahrhundert entfaltete sich daher auch die "typische" Kultur des aztekischen Reiches in Herrschaft und Krieg (Eroberungs-, Blumenkriege), Religion ([Haupt-] Tempel von Tenchtitlan, Gefangenenopfer, Neufeuerbohrungen, Kalender, Schrift) und Gesellschaft (Lebensweise von Azteken und aztekischen Herrschern, Mann und Frau [Ehe, Sexualität, Erziehung]). Unter dem Tlahtoani Moteuczuma (1502-1521) kam es aber mit dem Vordringen der Spanier und Hernan Cortez (†1547) zum Zusammenbruch des Aztekenreiches, Moteuczumas kurz regierende Nachfolger Cuitlahuac (1520-1521) und Quauhtemoc (1521-1525) konnten das Reich nicht retten. Indes wurden Angehörige der aztekischen Oberschicht bzw. Herrscherdynastie von den Spaniern in deren Kolonialreich integriert (indianische Gouverneure, kolonialspanische und indianische Verwaltung, aztekische Hilfstruppen bei spanischen Eroberungen [Mixton-Krieg 1539/42, Chichimeken-Krieg 1550/97]), während allgemein die indianische Bevölkerung durch die spanischen Eroberungen, die spanische Herrschaft (Stadt Mexiko als Hauptstadt der Kolonie Neuspanien 1523) und aus Europa eingeschleppte Seuchen (1520, 1531/32, 1554, 1576/81 u.a.) zu leiden hatte (massiver Bevölkerungsrückgang, Kirche und Mission, kolonialspanisches Rechtssystem, Unterprivilegierung).
Aztekische Geschichte findet sich in den Überblicksdarstellungen: Davies, Nigel (1973), Die Azteken. Meister der Staatskunst - Schöpfer hoher Kultur Düsseldorf-Gütersloh u.a. o.J. [1976?], 318 S., Farbtafeln, Karten, ca. DM 28,-; Davies, Nigel (1973), Die Azteken. Meister der Staatskunst - Schöpfer hoher Kultur (= rororo 6950), Reinbek 1976, 438 S., Farbtafeln, Karten, DM 0,50; Glanz und Untergang des Alten Mexiko. Die Azteken und ihre Vorläufer (1986) (= Ausstellungskatalog), 2 Bde., Mainz 1986, zus. 574 S., Farbabbildungen, Karten, DM 39,80; Prem, Hanns J. (1996), Die Azteken. Geschichte, Kultur, Religion (= BSR 2035), München 1996, 143 S., Karte, DM 14,80; Riese, Berthold (2011), Das Reich der Azteken. Geschichte und Kultur, München 2011, 431 S., Farbabbildungen, Karten, Zeittafel, € 29,95. [Buhlmann, 02.1998, 11.2013]

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