www.michael-
buhlmann.de

Geschichte
> Rezensionen

Start > Geschichte > Rezensionen > Z

Rezensionen (Geschichte)
Z

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Zähringer, hochmittelalterliches Herzogsgeschlecht: Das hochmittelalterliche Fürstenhaus der Zähringer, vielleicht in Verbindung stehend mit der alemannischen Familie der Bertholde bzw. Alaholfinger, tritt mit der Marktrechtsurkunde Kaiser Ottos III. (984-1002) für Villingen erstmals konkret in Erscheinung (999). Mit Grafschaftsrechten ausgestattet, sich benennend nach der Burg Zähringen bei Freiburg im Breisgau, gelang es Berthold II. (1078-1111) die Herzogswürde in Schwaben zu erlangen (1092, 1098). Im Mit- und Gegeneinander zu den staufischen Königen entstand im südwestlichen Schwaben und nordöstlichen Burgund ein fürstliches Territorium, das auch neu gegründete "Zähringerstädte" mit einschloss. Nach dem Tod Herzog Bertholds V. (1186-1218), des Letzten der zähringischen Herzöge im hochmittelalterlichen Schwaben, teilten sich Staufer, die Grafen von Urach und Kiburg sowie die Herzöge von Teck das Zähringererbe.
Grundlegend für die Geschichte der Zähringer ist noch immer: Heyck, Eduard (1891), Geschichte der Herzoge von Zähringen, Freiburg i.Br. 1891, Nachdruck Aalen 1980, 672 S., DM 165,- mit Heyck, Eduard (1892), Urkunden, Siegel und Wappen der Herzoge von Zähringen, Freiburg i.Br. 1892, XII, 39 S., 4 Bll. Ebenso grundlegend ist: Parlow, Ulrich (Hg.) (1999), Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem südwestdeutschen Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters (= VKGLBW A 50), Stuttgart 1999, XXVII, 573 S., DM 98,-. Zu verweisen ist noch auf die Freiburger Zähringer-Ausstellung von 1986: Die Zähringer (1986-1990) (= Veröffentlichungen zur Zähringer-Austellung I-III), hg. v. Archiv der Stadt Freiburg i.Br. u.a.: Bd.I: Eine Tradition und ihre Erforschung, hg. v. Karl Schmid, Sigmaringen 1986, XIV, 257 S., Bd.II: Anstoß und Wirkung, hg. v. Hans Schadek, Karl Schmid, Sigmaringen 21991, XIX, 476 S., Bd.III: Schweizer Vorträge und neue Forschungen, hg. v. Karl Schmid, Sigmaringen 1990, VIII, 418 S., zus. DM 60,-. Daran anschließend ist zu verweisen auf: Buhlmann, Michael (2009), Die Zähringer - Herzöge im hochmittelalterlichen Schwaben (= VA 48), St. Georgen 2009, Essen 22010, 64 S., € 4,-. Spezielle Fragen zur Geschichte der Zähringer behandeln: Büttner, Heinrich (1969), Zähringerpolitik im Trierer Raum während der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in: RhVjbll 32 (1969), S.47-59; Zotz, Thomas (1991), Dux de Zaringen - dux Zaringiae. Zum zeitgenössischen Verständnis eines neuen Herzogtums im 12. Jahrhundert, in: ZGO 139 (1991), S.1-44. [Buhlmann, 07.2009, 06.2011, 04.2013]

ZAGV = Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins

Zamoyski, Adam (2012), 1812. Napoleons Feldzug in Russland, München 2012, 720 S., € 29,95. Der Frieden von Tilsit (1807) zwischen dem französischen Kaiserreich Napoleons (1799-1814) und dem russischen Zarenreich Alexanders I. (1801-1825) trug den Keim späterer Zerwürfnisse zwischen den beiden europäischen Großmächten in sich. Zunehmendes gegenseitiges Misstrauen, die Last der napoleonischen Kontinentalsperre gegen Großbritannien und die mögliche Wiederherstellung eines polnischen Königreiches führten schließlich zum Einfall Napoleons in Russland (1812). Dem waren die französische Besetzung des schwedischen Vorpommern (März 1812), die Bildung der Grande Armée aus 475000 bis 610000 Soldaten (Franzosen, Verbündete, Hilfstruppen) und umfangreiche logistische Vorbereitungen vorausgegangen. Dem Übergang des Hauptheeres vom Großherzogtum Warschau über den Njemen (24. Juni 1812) folgte der Vorstoß der napoleonischen Truppen nach Wilna, während die russische Armee zunächst unter Zar Alexander, dann unter dem Oberbefehl von Barclay de Tolly zurückwich. Die Schlacht und Einnahme von Smolensk (17. August 1812) ermöglichte das weitere Vordringen Richtung Moskau. Der Oberbefehl über das russische Heer kam nun an Kutusow, die Schlacht bei Borodino (7. September 1812) endete mit einem Sieg Napoleons, die im Wesentlichen noch intakte russische Armee wich unter Aufgabe von Moskau weiter zurück. Die Grande Armée erreichte die ehemalige Hauptstadt des Zarenreichs am 14. September (Brand Moskaus). Es war nun ein militärisches Patt erreicht; Napoleons Hoffnungen auf Friedensverhandlungen erfüllten sich nicht, auch ließen Napoleons Planungen eine militärische Strategie vermissen. So blieb nur der Rückzug der durch die Kämpfe und durch die unzureichende logistische Versorgung zusammengeschmolzenen Grande Armée (19. Oktober 1812). In den Flanken durch russische Armeen bedroht (Schlacht bei Tarutino, 18. Oktober 1812), gelang bei immer schlechter werdender Witterung der Rückzug über Malojaroslawez und Moschajsk unter Mitnahme von Beute und einr großen Menge von Zivilisten. Nach der Schlacht bei Wjasma (3. November 1812) erwies sich Smolensk, das am 9. November erreicht wurde, als nicht sicher, so dass sich die Grande Armée weiter zurückzog und sich mit der französischen Flankenarmee aus Polozk vereinigen konnte, während der Rückweg über Minsk versperrt war. Napoleons Übergang über die Beresina (25.-29. November 1812) ermöglichte den weiteren Rückzug auf Wilna. Die Grande Armée erlitt "im Gebiet des Todes" zwischen Beresina und Wilna die relativ meisten Verluste an Menschen (Auflösung der Moskauer Armee), nachdem schon zuvor durch Hunger und Kälte viele Soldaten, Zivilisten, Kranke, Verwundete und Pferde in einem kaum zu beschreibenden, grauenhaften Ausmaß zugrunde gegangen waren. Von Wilna aus begab sich Napoleon zurück nach Frankreich und Paris (5. Dezember 1812). Die Reste der franzosischen Armee mussten sich auch aus Wilna zurückziehen (10. Dezember 1812), Zurückgebliebene wurden massakriert, Verwundete blieben Tage lang unversorgt. Die Verluste der Grande Armée wogen schwer, der Feldzug war militärisch und politisch eine Katastrophe, der Anfang vom Ende für Napoleons Herrschaft über Europa. [Buhlmann, 05.2012]

Zamoyski, Adam (2014), 1815. Napoleons Sturz und der Wiener Kongress, München 2014, 704 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, € 29,95. Die Niederlage Napoleons und der Grande Armée im Feldzug gegen Russland (1812) bedeutete den Anfang vom Ende der französischen Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. Das Königreich Preußen sollte sich auf die Seite des russischen Zaren Alexander I. (als "Retter Europas", 1801-1825) stellen. Im Verlauf des Jahres 1813 näherte sich die Habsburgermonarchie dem Bündnis an, das auch von Großbritannien unterstützt wurde, und erklärte schließlich Frankreich auch den Krieg (10. August 1813). Nach unergiebigen Friedensverhandlungen in Prag siegten die alliierten Großmächte in der "Völkerschlacht bei Leipzig" (16.-19. Oktober 1813). Alliierte Truppen drangen zu Beginn des Jahres 1814 in Frankreich ein, das alliierte Bündnis von Chaumont und die Besetzung von Paris (30. März 1814) führten zur Abdankung Napoleons (11. April 1814), der nach dem Willen Zar Alexanders Herzog von Elba wurde, und zum Ersten Pariser Frieden (31. Mai 1814) bei Rückkehr der Bourbonen auf dem französischen Königsthron (Ludwig XVIII., 1814-1824). In der Folge sollte sich unter den Verhandlungsführern Metternich (als Einlader, Österreich), Castlereagh (Großbritannien), Hardenberg (Preußen), Nesselrode (Russland) und Talleyrand (Frankreich) der Wiener Kongress (1814/15) formieren, bei dem es zunächst um die Stellung (eines russischen) Polens, um das Königreich Sachsen und die Stellung Preußens, dann auch um die Neuordnung Mitteleuropas (Deutscher Bund) ging (Schlussakte, 9. Juni 1815). Parallel zum Geschehen auf dem Wiener Kongress sollten die "hundert Tage" des von Elba geflohenen Napoleon, in denen dieser nochmals über Frankreich herrschte, mit der Schlacht bei Waterloo (16.-18. Juni 1815) enden. Der Zweite Pariser Frieden (20. November 1815) steht dann am Schluss eines "disharmonischen Konzerts", das die restaurative Neuordnung Europas nach Französischer Revolution und napoleonischer Herrschaft regeln sollte und einen "Stillstand Europas" im (globalen) 19. Jahrhundert einleitete. [Buhlmann, 03.2015]

Zangger, Eberhard (1994), Ein neuer Kampf um Troja. Archäologie in der Krise, München 1994, 352 S., Schwarzweißabbildungen, Karten, Pläne, Zeittafel, (DM 39,80). Die Geschichte um den nordwestkleinasisatischen Ort Troja und den trojanischen Krieg kann eingebunden werden in die politischen Umwälzungen in Vorderasien und rund um das östliche Mittelmeer am Ende der Bronzezeit (13. Jahrhundert - 12. Jahrhundert v.Chr., Anfang). Danach standen sich damals die Mächtekoalitionen Ägypten - Hethiter (Anatolien) - Amurru (Syrien) - Achaia (Griechenland) (Allianz der Großreiche) und Ahhijawa (Troja)/Arzawa (südwestliches Kleinasien) - Kaska - Mitanni (Mesopotamien) - Assyrien (Mesopotamien) - Libyen ("westanatolische Allianz") gegenüber bei weitgehend neutralen Mächten Kreta, Zypren und Kanaan. Das Troja der späten Bronzezeit war eine wichtige Handelsstadt an der Schiffsdurchfahrt zwischen Ägäis und Schwarzem Meer (Akropolis [Palastanlage], Unterstadt, bronzezeitliches Troja/Ilion VI-VIIa [ca.1700-1186 v.Chr.]). U.a. einschneidende Veränderungen im Handel zwischen Achaia, Ahhijawa und Syrien führten im 13. Jahrhundert v.Chr. (Schlacht von Kadesch 1275, Krisenbeginn 1260/40, Schwäche des Hethiterreichs und militärische Hochrüstung [Verteidigungsanlagen] 1240/20 v.Chr.) und insbesondere an der Wende vom 13. zum 12. Jahrhundert v.Chr., während der Krisenjahre des östlichen Mittelmeerraums, zu politisch-militärischen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf das Hethiterreich unterging (Einfall der Kaskäer, Eroberung Hattusas), Zypern und Syrien von den "Seevölkern" heimgesucht wurden und die "westanatolische Allianz" aus Ahhijawa, Arzawa und Libyen zunächst im Vorteil war (Kontrolle eines Gebiets zwischen Thrakien und Palästina), während Ägypten wegen innerer Wirren weitgehend unregierbar war. Das Blatt wendete sich, als die achaiisch-mykenischen Griechen des "heroischen Zeitalters" Troja angriffen und eroberten (1186 v.Chr., trojanischer Krieg, Troja/Ilion VIIb [1186-ca.1000 v.Chr.]); die "westanatolische Allianz" unterlag, es gab keine Gewinner in den militärischen Auseinandersetzungen, in Griechenland und Kleinasien begann das "dunkle Zeitalter" mit dem politischen Aufstieg neuer Mächte. [Buhlmann, 03.2016]

ZBGV = Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins

Zeggert, Gerhard (1954), Theoger (Dietger von Metz). Abt des Klosters St. Georgen im Schwarzwald in den Jahren 1088-1118, o.O. [1954] > T Theoger von St. Georgen

Zeit, soziale Zeit: I. Zeit bestimmt Geschichte, denn Geschichte ist u.a. als das Aufeinanderfolgen von Ereignissen in der Zeit erklärbar. Nur in einem zeitlichen Kontext werden Entwicklungen fassbar, Entwicklungen, die nicht nur den Menschen betreffen - wenn etwa die Erdgeschichte oder die Geschichte des Universums betrachtet werden. Damit bildet die Grundlage jeglicher Zeit und menschlicher Zeitrechnung die physikalische Zeit. Entstanden in der "universellen" Singularität des Urknalls, entstanden "aus" der Planckzeit und der vielleicht zeitlosen "Ewigkeit" des Raums "vor" dem Urknall durch einen relativistisch-quantenmechanischen Tunneleffekt, bildete sich mit dem Urknall die heute, seit 13,7 Milliarden Jahren existierende Raumzeit der allgemeinen und speziellen Relativitätstheorie, bildeten sich Galaxien, Sonnen, Planeten und Monde und damit ein (in Teilen?) anthropisches Universum. Das (schwache) anthropische Prinzip besagt dabei, dass die physikalischen Voraussetzungen des Universums so gegeben sind, dass "menschliche" Beobachter existieren können. Dem Prinzip entspricht es, dass die Menschen in der Lage sind, das Universum in einem "menschlichen" Sinne zu "verstehen", besser: zu interpretieren. Dass dieses Interpretieren nicht nur auf die moderne Zeit beschränkt ist, wird daran erkennbar, dass schon Menschen in vorgeschichtlichen Zeiten, den Lauf von Sonne, Mond und Planeten beobachtet haben. Die Kalenderrechnung ist damit Ausfluss dieses Erkenntnisprozesses und verbindet religiös-philosophisch-wissenschaftliche Denkweisen vom "Himmel" mit den auch praktischen Gegebenheiten einer zeitlichen Ordnung auf "Erden". Zeitrechnung ist eine sich den astronomischen Grundgegebenheiten des Laufes der Gestirne annähernde, in verschiedenen geschichtlichen Kulturen verschieden ausgestaltete Zeit- und Kalenderordnung. II. Für die Zeitrechnung im europäischen Mittelalter hauptsächlich des christlichen Abendlandes bedeutet das: Das Zeitverständnis des mittelalterlichen Menschen ist die soziale Zeit (im Gegensatz zur physikalischen). Von daher lässt sich Begrifflichkeit von Zeit im Mittelalter auch mit wirtschaftlichen und sozialen Kategorien der damaligen Welt verbinden ("Soziozeitlichkeit"). Die soziale Zeit ist dann gerade im Bereich der mittelalterlichen Gesellschaft einerseits durch bäuerliche, andererseits durch kirchliche Zeitvorstellungen bestimmt, wobei sich diese Zeitvorstellungen gegenseitig durchdrangen und beeinflussten. Die "bäuerliche Zeit" ist dabei die "naturgegebene" Zeit des Wechsels der Jahreszeiten und die Zeit der zwölf Monate, besonders im germanisch-"barbarischen" Zeitalter des beginnenden Mittelalters. Sie ist eine zyklische Zeit, die sich jährlich gemäß den Jahreszeiten wiederholt, und nicht von ungefähr kommt das Wort "Jahr" vom germanischen ár, was soviel wie "Ernte" und "Ertrag" bedeutet; auch die "Gezeiten" des Meeres und des Wetters (tid) betonen das Wiederkehrende dieser zyklischen Zeit. Die bäuerliche Zeit ist weniger durch ihre Dauer und durch Zeitabschnitte charakterisiert, sie ist vielmehr mit Handlung und Inhalt angefüllt, wird also anthropomorph empfunden. Das stellt die "bäuerliche Zeit" in engen Zusammenhang mit Mythen, Ritualen, Feiern und Festen; Zeit wird unmittelbar erlebt. Die "kirchliche Zeit" ist entstanden im Übergang vom Heiden- zum Christentum. Sie ist die Zeit des christlichen Kalenders, der sich jährlich wiederholenden Heilsgeschichte mit den Festen des Weihnachts- und des Osterkreises sowie den Heiligentagen als Bezugspunkten. Die kirchliche Zeit ist indes nur partiell zyklisch; sie verläuft auch "linear", "vektorartig" von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht, ist mithin - so die Vorstellung im Christentum - in die Ewigkeit Gottes eingebettet. Sie gliedert den Tag nach den kano-nischen Horen, das Jahr in Abschnitte der immerwährenden Heilsgeschichte. Dabei wurden in den kirchlichen Kalender die Termine der bäuerlichen Zeit integriert, Himmel und Erde auf solche Weise miteinander verbunden. Schon früh war der kirchlich geprägte mittelalterliche Kalender daher mehr als nur praktische Zeitrechnung, war ein wesentlicher Bestandteil der christlichen Religion, die auch darüber Einfluss auf die mittelalterliche Welt nahm. Dies galt gerade auch für die sog. immerwährenden Kalender, die in Erweiterung der üblichen Kalendare die Berechnung der Wochentage und beweglichen Feste ermöglichte und gleichsam den Kirchen-kalender und die Ostertafel (als jahrweise abzählend vorgehende Berechnung des Osterfestes) miteinander vereinte. Die immerwährenden Kalender treten im 11./12. Jahrhundert in Westeuropa auf. Im späten Mittelalter erfuhren die immerwährenden Kalender - wie die Zeitrechnung überhaupt - eine weitere Verbreitung im außerkirchlichen Bereich. Die Erfindung der mechanischen Uhr, die Entstehung einer von den jahreszeitlich bedingten Naturabläufen unabhängigen, städtischen, "kaufmännisch-laikalen Zeit" führte damals zu einer (nochmals) gesteigerten Rationalität und Berechenbarkeit von Zeit in einer zunehmend abstrakt gewordenen Zeiterfahrung. Dies hing mit der Ausbreitung der "rechnerischen Mentalität" und letztendlich mit der Vernunft in Wissenschaft und Theologie zusammen. Ihren Ausdruck fand die ratio insbesondere in der mittelalterlichen Mathematik: Die Arithmetik für das Rechnen mit den Zahlen und die für die Chronologie zuständige Astronomie waren zwei Teile des Quadriviums ("Vierweg"), der vier mathematischen Disziplinen innerhalb des Systems der septem artes liberales ("sieben freien Künste"), das als griechisch-römische Grundlage für die mittelalterliche Wissenschaft und Scholastik so bedeutsam gewesen war. Zeitrechnung (Komputistik [putare = glauben, computare = rechnen]) gehört also zur "Vernunftwelt" des Mittelalters. Der praktisch-religiösen Bedeutung der Zeitrechnung im Mittelalter entsprachen die enge Verwandtschaft und ein fließender Übergang zwischen Kalendarien und Nekrologien. Zeitrechnung war damit auch Teil des mittelalterlichen Zeitbewusstseins, war mithin ein mentalitäts- und kulturgeschichtliches Phänomen, wie nicht zuletzt der enge Zusammenhang zwischen Zeitbewusstsein und kirchlicher Liturgie beweist. Es bleibt noch zu erwähnen, dass sich die mittelalterliche Kalenderrechnung in der (kirchlichen) Festkultur niederschlug. Die festlich begangenen "Hochzeiten" bildeten dabei den unabdingbaren Gegenpol zum Alltag der mittelalterlichen Bevölkerung. III. Ähnliche Rückschlüsse wie für die mittelalterliche Zeitrechnung lassen sich für außereuropäische Gesellschaften und Kulturen treffen. Es sei an die Welt des Islam erinnert (Kalender und Hidschra-Zeitrechnung, persisches Sonnenjahr, türkisches Finanzjahr, christlich-orientalische Kalenderrechnung), an die indischen Kulturen, an China oder Japan.
Zur technischen Chronologie s. > C Chronologie. Die Rolle der Zeit hauptsächlich in der christlich-europäischen Kultur des Mittelalters und der Neuzeit betrachten: Aicher, Hermann (1912), Beiträge zur Geschichte der Tagesbezeichnung im Mittelalter (= QstHS Innsbruck 4), Innsbruck 1912, 167 S.; Altenburg, Detlef, Jarnut, Jörg, Steinhoff, Hans-Hugo (Hg.) (1991), Feste und Feiern im Mittelalter. Paderborner Symposion des Mediävistenverbandes, Sigmaringen 1991, 551 S., Abbildungen, DM 78,-; Becker-Huberti, Manfred (2000), Lexikon der Bräuche und Feste. Über 3000 Stichwörter mit Infos, Tipps und Hintergründe für das ganze Jahr, Freiburg-Basel-Wien 22001, 480 S., Abbildungen, DM 49,80; Bieritz, Karl-Heinz (1986), Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, Berlin 1986, 270 S., (D)M 22,-; Bilfinger, Gustav (1892), Die mittelalterlichen Horen und die modernen Stunden. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, Stuttgart 1892, X, 279 S.; Borst, Arno (1984), Ein Forschungsbericht Hermanns des Lahmen, in: DA 40 (1984), S.379-477; Borst, Arno (1988), Computus. Zeit und Zahl im Mittelalter, in: DA 44 (1988), S.1-82; Brincken, Anna-Dorothee von den (2000), Historische Chronologie des Abendlandes. Kalenderreformen und Jahrtausendrechnungen. Eine Einführung, Stuttgart-Berlin-Köln 2000, X, 132 S., DM 39,80; Dohrn-van Rossum, Gerhard (1992), Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitrechnungen, München-Wien 1992, 415 S., Abbildungen, DM 68,-; Fraser, Julius T. (1991), Die Zeit. Auf den Spuren eines vertrauten und doch fremden Phänomens (= dtv 30023), München 21992, 478 S., Abbildungen, DM 19,80; Schaller, Hans-Martin (1974), Der heilige Tag als Termin mittelalterlicher Staatsakte, in: DA 30 (1974), S.1-24; Sierck, Michael (1995), Festtag und Politik. Studien zur Tagewahl karolingischer Herrscher (= AKG Beih.38), Köln-Weimar-Wien 1995, XIV, 496 S., DM 98,-; Thorndike, Lynn (1954), Computus, in: Speculum 29 (1954), S.223-238. [Buhlmann, 10.1991-02.1992, 11.2016]

Zeller, Joseph (1922), Das Provinzialkapitel im Stifte Petershausen im Jahre 1417. Ein Beitrag zur Geschichte der Reformen im Benediktinerorden zur Zeit des Konstanzer Konzils, in: SMGB 41 (1922), S.1-73. Das Konstanzer Konzil vermittelte wichtige Impulse an die Ordensreformen des 15. Jahrhunderts, u.a. an die Reform des benediktinischen Mönchtums. Das Konzil berief am 27. November 1416 ein benediktinisches Äbtekapitel der Provinz Mainz-Bamberg ins unmittelbar nördlich von Konstanz, auf der anderen Rheinseite gelegene Benediktinerkloster Petershausen ein. Es gingen 133 Einladungen zum Äbtekapitel heraus; immerhin 126 Äbte folgten der Einladung, und so fand zwischen dem 28. Februar und 19. März 1417 die Petershausener Äbteversammlung statt als Provinzialkapitel der benediktinischen Ordensprovinz Mainz-Bamberg. Das Äbtekapitel fand unter den (gewählten) vorsitzenden Äbten Ludwig von Tournus (1414-1441), Siegfried Gerlacher von Ellwangen (1400-1427) und Johannes III. Kern von St. Georgen (1392-1427) knapp drei Wochen statt. Die Beschlüsse der Äbteversammlung nahmen die Reformbestimmungen der Bulle Benedictina Papst Benedikts XII. (1334-1342) auf, z.B. hinsichtlich der Organisation der Ordensprovinz, der Regelmäßigkeit der Provinzialkapitel und der immer wieder durchzuführenden Klostervisitationen. Weitere Regelungen betrafen Reformen in den einzelnen Klöstern, z.B.: die Durchführung von Gottesdienst und Chorgebet, den Umgang mit liturgischen Geräten und Büchern, die Kleidung der Mönche, das Fasten und das Schweigegebot, schließlich die vita communis und die Klausur, weiter die wirtschaftliche Verwaltung der Klöster. Auch sollten die vielfach adligen Benediktinerkonvente verstärkt für Nichtadlige geöffnet werden. Die Reformen zielten damit auf das, was (benediktinisches) Mönchtum im Wesentlichen ausmachte, nämlich auf die drei Ordensgelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam. Eine unmittelbare Folge des Petershausener Provinzialkapitels und seiner Beschlüsse war dann eine verstärkte Visitationstätigkeit in den Klöstern, die übrigens schon vor und während des Äbtekapitels begonnen hatte. Ein Geleitbrief König Sigismunds (1410-1437) vom 17. Januar 1418 sicherte den Visitatoren auch den königlichen Schutz zu. Visitationen betrafen dann die Konstanz benachbarten Abteien Reichenau und St. Gallen. Die beschlossenen Reformmaßnahmen sollten auch für die Schottenklöster gelten. Dies rief Widerstände hervor, etwa beim Abt des Jakobsklosters in Regensburg, der aber letztendlich die Beschlüsse anerkennen musste. In den Schottenklöstern von Nürnberg und Wien gelang hingegen die Reform; hier überlagerten sich die vom Konstanzer Konzil ausgehenden Reformimpulse mit denen der Kastler bzw. Melker Reform. Unterstützung fanden die Reformmaßnahmen der Benediktiner auch bei Konzil und Papst. Hingegen scheiterte die Durchführung des nachfolgen-den Äbtekapitels der Benediktinerprovinz Mainz-Bamberg im vorgesehenen Mainzer Albanskloster, da sich die Abtei zuvor erfolgreich als weltliches Chorherrenstift konstituiert hatte. Das Kapitel wich auf das Mainzer Kloster St. Jakob aus. Die Mainzer Provinzialversammlung von 1418 und die Fuldaer von 1420 sollten dann die Reformbeschlüsse des Petershausener Äbtekapitels von 1417 nochmals bestätigen. Doch blieb die Reform der Benediktinerklöster allen Beschlüssen zum Trotz aufwändig und kam vielfach kaum voran. [Buhlmann, 08.2014]

Zellinger, Eduard, Cusanus-Konkordanz. Unter Zugrundelegung der philosophischen und bedeutendsten theologischen Werke, München 1960 > N Nikolaus von Kues

Zentner, Christian (Hg.) (1982), Der große Bildatlas zur Weltgeschichte, Stuttgart 1982 > W Weltgeschichte

Zentner, Christian (Hg.) (1985), Der Zweite Weltkrieg. Texte - Bilder - Karten - Dokumente - Chronik. Mit einem Geleitwort von Paul Carell, München-Zürich 1985 > Z Zweiter Weltkrieg

Zentner, Kurt (1960), Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches, 2 Bde, Köln o.J. > D Deutsche Geschichte, 1933-1945

Zettinger, Joseph (1900), Die Berichte über Rompilger aus dem Frankenreiche bis zum Jahre 800, Diss. Bonn 1900, XI, 112 S., DM 18,-. Heiligenleben aus merowingisch-frühkarolingischer Zeit bzw. späteren Jahrhunderten berichten nur vage von den Romreisen heiliger fränkischer Einsiedler, Mönche, Äbte oder Bischöfe, so dass Zeitstellung und Umstände der Reisen etwa der Bischöfe Servatius von Tongern (ca.380) und Hilarius von Arles (ca.445), eines Trudpert (ca.642?), der angelsächsischen Missionare Willibrord (690, 695), Bonifatius (718, 722) oder des friesischen Missionars Liudger (783) vielfach unklar bleiben. Am Anfang stehen dabei der Übertritt der Franken zum katholischen Christentum und eine damit zunächst nur teilweise einhergehende Fokussierung der fränkische Landeskirche auf Rom und das Papsttum. Für das 6. bis 8. Jahrhundert ist von einer sich verstärkenden, gleichermaßen Geistliche und gläubige Laien umfassende Pilgerbewegung nach Rom auszugehen (Pilgerwege, Xenodochien, fränkische Kolonien in Rom). Die Pilger aus dem Frankenreich kamen vorrangig des Glaubens wegen nach Rom als Stätte des Apostelfürsten Petrus und der Märtyrer (Gebet, Reliquien und deren Beschaffung), doch spielten auch andere Gründe mehr und mehr eine Rolle (Erwerb von Büchern, Studium der kirchlichen Einrichtungen [Benediktinerkloster]). Eingebunden waren die fränkischen Rompilgerfahrten im Verlauf des 8. Jahrhunderts zunehmend in die politischen Beziehungen zwischen karolingischem Frankenreich und Papsttum (angelsächsische Mission und Bonifatius, Bündnis Franken-Papsttum, Karl der Große in Rom). [Buhlmann, 04.2013]

Zettler, Alfons (1988), Die frühen Klosterbauten der Reichenau. Ausgrabungen - Schriftquellen - St. Galler Klosterplan (= AG 3), Sigmaringen 1988 > R Reichenau

Zettler, Alfons (2001/02), St. Gallen als Bischofs- und Königskloster, in: AlemJb 2001/02, S.9-22 > S St. Gallen

Zeune, Joachim (2015), Ritterburgen. Bauwerk, Herrschaft, Kultur (= BSR 2831), München 2015, 128 S., Schwarzweißabbildungen, € 8,95. I. Allgemeines: Das europäische Mittelalter gilt als Hochzeit der (Ritter-) Burgen als Verteidigungs- und Befestigungsanlagen, die sich (u.a.) (hochmittelalterlich) durch einen Mauerbering und einen Turm auszeichneten. Die Burg des hohen und späten Mittelalters war ein "wehrhafter Zentralort", ein Herrschafts- und Verwaltungszentrum, auch ein wirtschaftlicher Mittelpunkt des von der Burg beherrschten Gebiets. Die Burg war ein Herrschaftssymbol des niederen und hohen Adels, des sich im Hochmittelalter ausbildenden Rittertums (Ministerialität, Ritterideale, Burgherren und Burgmannen, höfische Kultur), landschaftsprägend durch ihre Positionierung im Raum (Burgenstandort [gute Erreichbarkeit, Versorgbarkeit, Zoll und Geleit; Höhenburg auf Bergsporn, Niederungsburg]) und durch ihre Baulichkeiten (Bauplatz, Burgenbau [Bauherr, Baumeister und -personal, Baumaterialien], Kosten des Burgenbaus und der Burgeninstandhaltung [Schäden durch Sturm, Blitzeinschlag oder Hochwasser; Schäden durch Erdrutsch und Erdbeben; Schäden durch Brand). Burgen waren Verteidigungsanlagen, wurden u.U. belagert (Sturmangriff, Belagerungs-/Gegenburgen, Minen, Belagerungsmaschinen ["Katzen", Bliden, Katapulte, Feuerwaffen [ab 1320er-Jahre]), eingenommen und zerstört. II. Mittelalterliche Entwicklung: Im Umfeld des merowingischen und karolingischen Frankenreichs sowie des Ostfrankenreichs der Ottonen (6.-10. Jahrhundert) dienten Burgen dem fränkischen Landesausbau und damit der königlichen Herrschaftssicherung als militärische Stützpunkte und Verwaltungszentren (großflächige "Landesburgen" [Amöneburg, Büraburg, Roßtal, Tillede] und "Fluchtburgen"; kleinflächige Burgen [Bamberg, Karlburg]); im Ostfrankenreich entstanden infolge der Ungarneinfälle "Ungarnburgen" (Burgenbauverordnung 926); eine besondere Wichtigkeit besaßen auch die befestigten Königshöfe und -pfalzen (Vor- und Hauptburg [Tilleda, Werla]) sowie die Domburgen an den Bischofssitzen (Burgkirchen, Domburgen [Hildesheim]). Daneben gab es Burgen frühmittelalterlicher Adelsfamilien (Altenberg, Bernshuasen, Eiringsburg, Sulzbach der Nordgaugrafen), daneben die slawischen Burgwälle des 8. und die jüngeren Slawenburgen des 9./10. Jahrhunderts. Die Adelsburgen des frühen Mittelalters leiten über zu denen des hohen Mittelalters (11.-12. Jahrhundert), die in Verbindung gebracht werden können mit Turmhäusern/festen Häusern (Wohntürme [Abenberg, Ebermannsdorf, Elmendorf, Hamburger "Bischofsturm", Hiltpoltstein, Klingenmünster]) und Motten (Erdhügelburgen [Hatzburg, Husterknupp]). Stauferzeitlich sind (repräsentative) Königspfalzen (etwa Kaiser Friedrichs I. [Eger, Gelnhausen, Hagenau, Kaiserslautern, Kaiserswerth, Wimpfen]) und Reichsburgen (Landskron, Nürnberg, Trifels); damals entstand ein Burgenensemble mit Bergfried (Anhalt, Hohegisheim, Münzenberg) und Palas (palatium [Münzenberg, Wartburg]), Burgkapelle (auch "Doppelkapellen [Burghausen, Nürnberg, Tirol, Wildenburg]), Buckelquadermauerung (Cadolzburg, Drachenfels, Rothenburg o.d. Tauber), Torbauten (Doppelturmtore, Torbergfried), Türmen der Ringmauer (Flankierungstürme) und weiteren Wehrelementen (Fallgitter, Schießschachten, Wurfschächte). Im Spätmittelalter erfolgte die Weiterentwicklung von Wohntürmen/festen Häusern (1330/1450 [Adelebsen, Eltville, Lechenich, Nideggen, Saalfeld]), die verstärkte Nutzung von Schildmauern (mit Halsgraben, 1250/1350 [Amlishagen, Eberbach, Freienfels, Lichtenfels, Reichenberg, Schadeck]), die Entwicklung der Mantelmauerburg (mit hohen Ringmauern [Dilsberg, Eisenberg, Leuchtenberg]). Hinzu kamen seit dem beginnenden 15. Jahrhundert die Nutzung von Artillerie auch bei den Burgen (Artilleriebefestigungen, Rondelle, Schießscharten, Zwinger [Harburg, Kaltenstein, Querfurt, Schmachtenberg, Taufers]) sowie Abwehrmaßnahmen gegen Artillerieangriffe (Verstärkung von Flankierungstürmen, Bastionen [Burghausen, Hohentwiel, Hohenneuffen, Hornberg, Wertheim]). In der frühen Neuzeit ist dann vielfach ein Übergang der Burg zum Schloss auszumachen. III. Rezeptionsgeschichte: Im Mittelalter wurde die Burg u.a. im Umfeld von höfischer Kultur und Rittertum auch symbolisch gesehen (Abbild des Himmlischen Jerusalem, Visualisierung von Macht, "Tugendburgen"). Ab der frühen Neuzeit fand u.a. eine romantische Verklärung der mittelalterlichen Burgen statt (Burgen Ludwigs II. von Bayern, Disneyland), die Moderne sieht in den Burgen einen unabdingbaren Bestandteil von Mittelalter (Romane, Filme; SS-Ordensburgen; Burgenauf- und -umbauten [Burgensanierung/-rekonstruktion]). [Buhlmann, 11.2015]

Zey, Claudia (2017), Der Investiturstreit (= BSR 2852), München 2017 > I Investiturstreit

ZFGV = Zeitschrift des Freiburger Geschichtsvereins

ZGJD = Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland

ZGO = Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins

Zielinski, Herbert (1972), Zur Aachener Königserhebung von 936, in: DA 28 (1972), S.210-222 > A Aachen

Zilliken, Georg, Der Kölner Festkalender. Seine Entwicklung und seine Verwendung zu Urkundendatierungen. Ein Beitrag zur Heortologie und Chronologie des Mittelalters, in: BJbb 119 (1910), S.13-157 > K Köln, Erzbistum

Zimmermann, Christa-Maria, Stöcker, Hans (Hg.) (1981), Kayserswerth. 1300 Jahre Heilige, Kaiser, Reformer, Düsseldorf 21981 > K Kaiserswerth

Zimmermann, Harald (Hg.) (1976), Otto der Große (= WdF 450), Darmstadt 1976 > O Otto I.

Zimmermann, Margarete (2002), Christine de Pizan (= rm 50437), Reinbek b.H. 2002, 160 S., € 1,95. Christine de Pizan, geboren in Venedig um 1364, war Tochter des Tommaso da Pizzano (*1315/20-†ca.1385), der ab ca.1365 in Paris am Hof des französischen Königs Karl V. (1364-1380) als Hofgelehrter wirkte. Der Tod des Königs, des Vaters und des Ehemanns Etienne de Castel (†ca.1389), einem königlichen Notar, mit dem Christine glücklich verheiratet war und von dem sie zwei Söhne und eine Tochter hatte, stellte die Witwe vor große wirtschaftliche Probleme. Ihre umfassende Bildung ermöglichte es ihr aber, um 1394 mit dem Schreiben zu beginnen (Genderwechsel zu einer männlichen Rolle im damaligen, von den Krisen des Hündertjährigen Krieges erschütterten Frankreich). Christine de Pizan schrieb als Hofdichterin Balladen (1394/99), hinzu kamen später Gedichtzyklen wie das "Buch vom wahrhaft liebenden Herzog" (1405) oder die "Hundert Balladen eines Liebenden und einer Dame" (1410). In Auseinandersetzung mit dem frauenfeindlichen "Rosenroman" des Jean de Meun (ca.1270) bezieht Christine Stellung für ihre Geschlechtsgenossinnen. Ausfluss dieser Haltung ist - neben dem "Buch von den Wechselfällen des Schicksals" (1402/03) - ihr utopisches Werk von der "Stadt der Frauen" (1403/04) über die weiblichen Erbauer und Bewohner einer Stadt, in der Herrscherinnen und weibliche Heilige vorkommen. Eine Frauendidaxe aus weiblicher Sicht bietet das von Christine geschriebene "Buch von den drei Tugenden" (1405), das Fürstinnenspiegel und Lebenslehre für Bürgerinnen und einfache Frauen im Spätmittelalter der Männer sein sollte. Politisches Engagement zeigte Christine in ihrem "Buch von den großen Taten und Tugenden des weisen Königs Karl V." (1405), einem Fürstenspiegel, in einem Brief an Königin Isabeau von Bayern (1405) und einem Gedicht auf Jean d'Arc (1429), ihrem als Letztes überliefertem Werk. Daneben war Christine auch Verlegerin ihrer Bücher, erkennbar u.a. an der sog. "Handschrift der Königin" (1410/11) für die Mäzenin Isabeau oder an Christines erfolgreichster Schrift, "Otheas Sendbrief an Hektor" (1400). Christine de Pizan starb um das Jahr 1430; sie blieb der Nachwelt des 15. Jahrhunderts als bedeutende Frau in Erinnerung, ihre Schriften wurden im 16. Jahrhundert teilweise gedruckt. Doch erst das 20. Jahrhundert entdeckte Christine de Pizan und allem voran das Buch von der "Stadt der Frauen" neu. [Buhlmann, 05.2012]

Zimmermann, Martin (2011), Pergamon. Geschichte, Kultur, Archäologie (= BSR 2740), München 2011, 128 S., € 8,95. Siedlungsanfänge auf dem Burgberg des westkleinasiatischen Ortes Pergamon reichen ins 2. Jahrtausend v.Chr. und in die späte Bronzezeit zurück. Der Burgberg war in archaischer und klassischer griechischer Zeit ummauert (7.-5. Jahrhundert v.Chr.). In hellenistischer Zeit soll Barsine, die Geliebte des Makedonenkönigs Alexander des Großen (336-323), bis zu ihrer Ermordung (309) in Pergamon residiert haben. Aus dem 4. Jahrhundert stammen dann das wenig außerhalb vom Zentralort gelegene Asklepeion und ein Athenatempel, Pergamon wird damals den Charakter einer griechischen Polis gehabt haben. Mit Philetairos (281-263) und Eumenes I. (263-241) treten die attalidischen Herrscher und Könige in Erscheinung, die von ihrer Residenz Pergamon aus ein hellenistisches Königreich in Kleinasien gegen Seleukiden und keltische Galater behaupten und ausbauen konnten. Aus der Regierungszeit Königs Attalos I. (241-197) stammen die als römische Kopien überlieferten Galaterfiguren, unter Eumenes II. (197-158) wurde Pergamon zu einer hellenistischen Residenzstadt ausgebaut (Oberburg mit Palästen und Waffen-/Vorratslagern, mehr als Vervierfachung der Größe des Stadtgebiets, neuer Mauerring mit vier Kilometern Länge, Hafenstadt Elaia), es entstand der berühmte Pergamonaltar mit seinen beeindruckenden Friesen (ab 170 v.Chr.) sowie das größte Gymnasium aus hellenistischer Zeit. Eumenes führte erfolgreich Krieg gegen die Galater und schloss sich außenpolitisch weitgehend den in den östlichen Mittelmeerraum ausgreifenden Römern an. Die Selbstdarstellung des attalidischen Königtums beruhte dabei auf den Gründungsmythen der Stadt Pergamon (um Telephos bzw. Pergamos), auf den propagandistisch herausgestellten Erfolgen gegen die Galater und auf der prestigeträchtigen (kulturellen) Förderung griechischer Städte. Auch die Könige Attalos II. (158-138) und Attalos III. (138-133) unterstützten die römische Politik; nach dem Tod Attalos' III. fiel das Königreich durch Testament an die Römer (133/129), es entstand die römische Provinz Asia. In römisch-spätrepublikanischer Zeit war Pergamon in die Kriege und Bürgerkriege der damaligen Zeit bei teilweise massiven Steuerforderungen von Seiten der römischen Magistrate einbezogen. Erst die 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr. und die anschließende Kaiserzeit brachte - besonders unter den Kaisern Trajan (98-117 n.Chr.) und Hadrian (117-138) - den Aufstieg der Stadt zur römischen Großstadt und metropolis (123; Trajaneum, Ausbau des Asklepions). Die römische Reichskrise (3. Jahrhundert), die Spätantike (4./5. Jahrhundert) und die frühbyzantinische Zeit (6./7. Jahrhundert) brachten den wirtschaftlichen und politischen Niedergang Pergamons (Pestepidemie von 541, arabische Eroberung von 672 und byzantinisches castron). Der arabische Angriff von 715 ließ Pergamon weitgehend siedlungsleer zurück. Erst gegen Ende des 9. Jahrhunderts entstand auf antikem Pergamoner Stadtgebiet eine neue Ansiedlung, die im Verlauf des 12. Jahrhunderts auf Grund der Seldschukengefahr neu befestigt wurde und im 13. Jahrhundert zum Metropolitansitz der Kirchenprovinz Asia aufstieg. Nach der türkischen Eroberung von 1302 waren Ort und Burg um 1330 weitgehend verlassen, um 1400 war das türkisch-osmanische Bergama ein Dorf im Kaikostal. Mit dem Deutschen Carl Humann (*1839-†1896) begannen zwischen 1878 und 1886 die archäologischen Ausgrabungen in Pergamon, die zum Fund des Pergamonaltars und zu dessen Überführung nach Berlin ins (Alte bzw. Neue) Pergamonmuseum (1901 bzw. 1930) führten. [Buhlmann, 11.2011]

Zimmermann, Wolfgang (1994), Rekatholisierung, Konfessionalisierung und Ratsregiment. Der Prozeß des politischen und religiösen Wandels in der österreichischen Stadt Konstanz 1548-1637 (= KGRQ 34), Sigmaringen 1994 > K Konstanz

Zinsmaier, Paul (1939), Suppliken des Klosters Tennenbach an Philipp von Schwaben und Innozenz III., in: MIÖG 53 (1939), S.187-192 > T Tennenbach

Zinsmaier, Paul (1950), Zur Gründungsgeschichte von Tennenbach und Wonnental, in: ZGO 98 (1950), S.470-479 > T Tennenbach

Zipperer, Gustav Adolf (1979), Nördlingen. Lebenslauf einer schwäbischen Stadt, Nördlingen 1979 > N Nördlingen

Zisterzienser: Das endende 11. und das 12. Jahrhundert sind geprägt durch eine neue Auffassung vom christlichen Glauben und Leben (vita religiosa). Im Verlauf der Jahrzehnte um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert sollte sich daher eine Differenzierung im Mönchtum anbahnen, das bisher dominierende Benediktinertum (gerade cluniazensischer Prägung) wurde zu einem Mönchsorden unter anderen - Vielfalt statt Einheit also. Zu den damals entstehenden und sehr erfolgreichen neuen Orden im Bereich des christlichen Mönchtums gehörten die Zisterzienser. Die Anfänge des Zisterzienserordens lagen dabei in einem neuen Verständnis von religiösem Leben in Abgrenzung zum damaligen Benediktinertum. Das Novum monasterium im Cîteaux des Jahres 1098 (?), die Gründungsväter Robert von Molesme (†1111), Alberich (†1109) und Stephan Harding (†1134), die Persönlichkeit eines Bernhard von Clairvaux (*1090-†1153) stehen am Beginn zisterziensischer Geschichte. Im 12. Jahrhundert bildete sich heraus die Organisation der Zisterzienser als Klosterverband mit Mutter- und Tochterklöstern, dem einmal jährlich stattfindendem Generalkapitel der Äbte und der Kontrolle der Tochtergründungen durch das jeweilige Mutterkloster. Einzelne Klöster des Zisterzienserordens erhielten damals von den Päpsten eine Reihe bedeutender Privilegien, der Zisterzienserorden selbst Ordensprivilegien, erstmals durch Papst Eugen III. (1145-1153) im Jahr 1152. Päpstliche Vergünstigungen betrafen die Abtswahl, das Verhältnis zwischen dem Orden und den Bischöfen, die Unantastbarkeit der Grangien, also der selbst bewirtschafteten Klostergüter, die Erlaubnis des Messelesens auch während eines Interdikts sowie die Unabhängigkeit der Zisterzienser von weltlichen Gerichten. Die Zeit Bernhards von Clairvaux war auch die Zeit des Übergreifens der Zisterzienser nach Deutschland. Die Abtei Kamp am Niederrhein (1123) ist hier zu erwähnen, ebenso weitere von Morimond (1115) errichtete Filialen in Südwestdeutschland wie das elsässische Engelskloster Lützel (1124), Maulbronn (1139) oder das von Lützel aus errichtete Kloster Salem (1136/38). Tennenbach ist dann von Frienisberg aus besiedelt worden, Frienisberg, bei Bern gelegen, war wiederum eine Gründung Lützels (1138) und gelangte im 13. Jahrhundert zu bedeutendem Besitz. Lützel im Oberelsass ist 1123 in Anwesenheit Bernhards von Clairvaux gegründet worden. Nicht zuletzt das Scheitern der Zisterzienser bei der Ketzerbekämpfung brachte aber im Zusammenwirken von Papsttum und Orden den Wendepunkt, während die Frauenklöster der Zisterzienserinnen eine größere Rolle spielten. Zwar gab es noch bis nach der Mitte des 13. Jahrhunderts für den Orden Privilegierungen - insbesondere von Papst Alexander IV. (1254-1261) die Bestimmung, dass Zisterzienseräbte ihren Mönchen niedere Weihen erteilen konnten -, doch ist spätestens seit Papst Urban IV. (1261-1264) eine Umkehr in der Politik der römischen Bischöfe zu verzeichnen. Im 14. Jahrhundert versuchte der zisterziensische Papst Benedikt XII. (1334-1342) die Reform des Ordens, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Seit Beginn des 13. Jahrhunderts war dem Zisterzienserorden in den Bettelorden ebenfalls Konkurrenz erstanden, der nur schwer zu begegnen war. Durch die Reformation erlitt der Zisterzienserorden weitere Verluste, im Rahmen von Gegenreformation und Tridentinischem Konzil (1545-1563) gelang aber eine weitere Zentralisierung und Straffung des Ordens; es trat 1618 eine oberdeutsche Zisterzienserkongregation in Erscheinung, die 1624 in vier Provinzen (u.a. eine schwäbische und fränkische) geteilt wurde. Französische Revolution und Säkularisation führten dazu, dass nur noch wenige Männer- und Frauenklöster weiterbestanden.
Verwiesen sei in Zusammenhang mit den Zisterziensern auf überregionale und regionale Darstellungen: Citeaux 1098-1998. Rheinische Zisterzienser im Spiegel der Buchkunst (= Ausstellungskatalog), Wiesbaden 1998, 259 S., DM 48,-; Dinzelbacher, Peter (1998), Bernhard von Clairvaux. Leben und Werk des berühmten Zisterziensers (= GMR), Darmstadt 1998, 497 S., DM 58,-; Duby, Georges (1981), Der heilige Bernhard und die Kunst der Zisterzienser (= Fischer Wissenschaft 10727), Frankfurt a.M. 1991, 183 S., DM 19,80; Eberl, Immo (2002), Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens, Darmstadt 2002, 614 S., € 24,-; Elm, Kaspar (1978), Westfälisches Zisterziensertum und spätmittelalterliche Reformbewegung, in: WZ 128 (1978), S.9-32; Kottje, Raymund (1992), Die niederrheinischen Zisterzienser im späten Mittelalter. Reformbemühungen, Wirtschaft und Kultur (= Zisterzienser im Rheinland, Bd.3), Köln-Bonn 1992, V, 170 S., DM 24,80; Leroux-Dhuys, Jean-Francois (1998), Die Zisterzienser. Geschichte und Architektur, Köln 1998, 399 S., DM 49,90; Oberste, Jörg (2014), Die Zisterzienser (= Urban Tb 744), Stuttgart 2014, 317 S., Schwarzweißabbildungen, € 26,90; Ostrowitzki, Anna (1993), Die Ausbreitung der Zisterzienserinnen im Erzbistum Köln (= RA 131), Köln-Weimar-Berlin 1993, XXXIII, 205 S., DM 68,-; Scholkmann, Barbara, Lorenz, Sönke (2000), Von Citeaux nach Bebenhausen. Welt und Wirken der Zisterzienser, Tübingen 2000, VIII, 235 S., DM 49,80; Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. Ausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland in Aachen, Krönungssaal des Rathauses (= Ausstellungskatalog = Schriften des Rheinischen Museumsamtes, Nr.10), Bonn 1980, 707 S., DM 32,-. [Buhlmann, 06.2011, 06.2015]

Die Zisterzienser in Bebenhausen, hg. v. Ursula Schwittala u. Wilfried Setzler (1998) (= Ausstellungskatalog), Tübingen 1998 > B Bebenhausen

ZKTh = Zeitschrift für katholische Theologie

Zosimos, griechisch-spätantiker Geschichtsschreiber: Der Heide Zosimos (Zosimus, 5./6. Jahrhundert) stammte vielleicht aus Syrien/Palästina im oströmischen Reich. Er schrieb zwischen 498 und 518 (oder 502?) an seiner "Neuen Geschichte" (Historia nea), die von Kaiser Augustus (27 v.Chr.-14 n.Chr.) bis zum Jahr 410 n.Chr. reicht und wahrscheinlich unvollendet blieb. Die Historia ist eine wichtige Quelle zur Geschichte des spätantiken (west-, ost-) römischen Reiches.
Vgl. Zosimi Historiae Graece et Latine recensuit, notis criticis et commentario historico illustravit Io. Frid. Reitemeier (1784) i.v.d. ad calcem subiectae sunt animadversiones nonnullae C. G. Heynii, Lipsiae apud Weidmanni heredes et Reichium MDCCLXXXIV > Zosimus, Historia [Buhlmann, 08.2014]

Zotz, Thomas (1991), Dux de Zaringen - dux Zaringiae. Zum zeitgenössischen Verständnis eines neuen Herzogtums im 12. Jahrhundert, in: ZGO 139 (1991), S.1-44 > Z Zähringer

Zotz, Thomas (2001/02), St. Gallen im Breisgau. Die Beziehungen zu einer Fernzone seiner Herrschaft, in: AlemJb 2001/02, S.9-22 > S St. Gallen

ZRG = Zeitschrift für Rechtsgeschichte. GA: Germanistische Abteilung, KA: Kanonistische Abteilung, RA: Romanistische Abteilung

ZSK = Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte

Zweiter Weltkrieg in Europa: Der nationalsozialistische Krieg Deutschlands als Zweiter Weltkrieg (1939-1945) begann nach dem Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts (24. August 1939) mit dem Angriff auf Polen (1. September 1939), das innerhalb von knapp vier Wochen besetzt wurde ("Blitzkrieg", "Generalgouvernement"; Besetzung Ostpolens und der baltischen Staaten durch die Sowjetunion; sowjetisch-finnischer "Winterkrieg" 1939/40). Die Besetzung Dänemarks und Norwegens (9. April 1940) schloss Großbritannien und Frankreich, die Deutschland nach dem Überfall auf Polen den Krieg erklärt hatten, von Nordeuropa aus. Der deutsche Angriffskrieg auf die Beneluxstaaten und Frankreich ab dem 10. Mai 1940 führte bis Mai bzw. Juni zur Besetzung dieser Länder und zum Waffenstillstand mit Frankreich (22. Juni 1940), das als Vichy-Regime Marschall Pétaines ein von Deutschland abhängiger Satellitenstaat wurde (1940/42). Das Eintreten des faschistischen Italien in den Krieg an der Seite Deutschlands und der Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan (27. September 1940; Krieg in Ostasien und im Pazifik) ließ das Bündnis der Achsenmächte entstehen. Nach der verlorenen "Luftschlacht um England" (1940/41) erfolgte das Eingreifen Deutschlands im italienischen Parallelkrieg in Afrika (1940/41; italienisches Kolonialreich in Libyen und Nordostafrika) und die Eroberung Jugoslawiens und Griechenlands (April 1941). Der rassenideologisch stark motivierte Angriffskrieg gegen die kommunistische Sowjetunion ("Kommissarbefehl" Hitlers, "Vernichtung des Bolschewismus/Judentums") im Unternehmen "Barbarossa" und mit Unterstützung Bulgariens, Rumäniens und Ungarns ab dem 22. Juni 1941 brachte zunächst große Gebietsgewinne im Westen und Südwesten der Sowjetunion (Baltikum, "Bezirk Bialystok", Weißrussland, Ukraine, rückwärtiges Heeresgebiet, deutsches Besatzungspolitik, Kollaboration und Partisanentätigkeit). Parallel dazu liefen die von Hitler unterstützten Maßnahmen zur "Endlösung der Judenfrage" an (Wannseekonferenz 20. Januar 1942; "Ghettoisierung" der polnischen Juden, Vernichtungslager und Massenmord, Aushungerungspolitik im rückwärtigen Heeresgebiet). Der Kriegseintritt der USA (11. Dezember 1941) auf Seiten Großbritanniens und der alliierten Mächte sollte die militärische zu Ungunsten des "Dritten Reiches" ändern. Auch der nur als kurzer Feldzug geplante Krieg gegen die Sowjetunion weitete sich (zeitlich) aus; spätestens mit der Schlacht bei Stalingrad (1942/43) gerieten die deutschen Truppen in die Defensive. Der Krieg kehrte nach Deutschland zurück, zumal alliierte Bombenangriffe auf Deutschland (ab 1942) zunehmend Wirkung erzielten, die Wirtschaft vor dem Hintergrund eines "totalen Kriegs" schon längst eine Kriegswirtschaft geworden war (Versorgungslage und Rationierungen, soziale Lage u.a. der Arbeiter, Rolle der NSDAP und ihrer Funktionäre, Zwangsarbeit, Kriegsmüdigkeit und Entpolitisierung, Führermythos, Widerstand gegen den Nationalsozialismus). In Nordafrika mussten die zurückweichenden deutschen Truppen bei Tunis kapitulieren (Mai 1943), Italien wechselte zu den Alliierten über (Juli 1943; Besetzung Nord- und Mittelitaliens, Mussolinis Repubblica Sociale Italiana), dem Vorrücken der sowjetischen Roten Armee an der Ostfront (Besetzung Ungarns März 1944) sollten mit der alliierten Invasion in der Normandie (6. Juni 1944) militärische Niederlagen Deutschlands im Westen Europas folgen. Hitler, der in seinem ostpreußischen "Führerhauptquartier" Wolfsschanze das Attentat vom 20. Juli 1944 ohne wesentliche Beeinträchtigung überlebt hatte, kehrte Anfang 1945 nach Berlin zurück, um die Führung in der Verteidigung der Hauptstadt gegen die vorrückenden Sowjettruppen zu übernehmen ("Schlacht um Berlin" April 1945). Mit dem Scheitern der Ardennenoffensive (1944/45) befanden sich die deutschen Truppen auch im Westen endgültig auf dem Rückzug. Hitler trat am 20. März 1945 letztmalig öffentlich in Erscheinung, am 30. April beging er im "Führerbunker" der Alten Reichskanzlei Selbstmord. Am 8. Mai kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Die Errichtung einer nationalsozialistischen Gewalt- und Schreckensherrschaft über große Teile Europas, verbunden mit dem Massenmord an Behinderten, Juden und osteuropäischer Zivilbevölkerung, verbunden mit dem letztlich eintretenden Zusammenbruch des "Dritten Reiches" hinterließ über 50 Millionen Tote, riesige Zerstörungen und Verwüstungen, eine "militärische, politische und moralische Niederlage" (nach: Herbert, Ulrich, Das Dritte Reich (= BSR 2859), München 2016).
An Literatur zum Zweiten Weltkrieg seien genannt: Jukes, Geoffrey (1968), Stalingrad. Die Wende im Zweiten Weltkrieg (= Moewig Dokumentation 4317), München 1982, 222 S. Abbildungen, DM 2,-; Schultz-Naumann, Joachim (1951), Die letzten dreißig Tage. Das Kriegstagebuch des OKW April bis Mai 1945 (= Moewig Dokumentation 4328), München 1982, 221 S., Schwarzweißtafeln, Karten, DM 2,-; Spieß, Alfred, Lichtenstein, Heiner (1982), Unternehmen Tannenberg. Der Anlaß zum Zweiten Weltkrieg (= Moewig Dokumentation 4316), [München] o.J. [1982], 238 S., Schwarzweißtafeln, DM 2,-; Zentner, Christian (Hg.) (1985), Der Zweite Weltkrieg. Texte - Bilder - Karten - Dokumente - Chronik. Mit einem Geleitwort von Paul Carell, München-Zürich 1985, 414 S., Abbildungen, Karten, DM N.N. [Buhlmann, 1983-1984, 06.1985, 1987, 07.2017]

Zwiefalten, Benediktinerkloster: Die Grafen von Achalm waren Stifter des Benediktinerklosters Zwiefalten, dessen Gründung 1089 in Anwesenheit des Abtes Wilhelm von Hirsau (1069-1091) und mit Hirsauer Mönchen erfolgte. Zunächst Priorat des Schwarzwaldklosters, erlangte Zwiefalten 1091 Selbstständigkeit und 1093 die libertas Romana. Die Klostervogtei kam zu diesem Zeitpunkt an die Welfen, dann infolge des 1179 abgeschlossenen Erbvertrages zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) und Herzog Welf VI. (†1191) an die staufischen Herrscher. 70 Vollmönche und 130 Laienbrüder gehörten im Jahr 1138 zum Konvent, neben dem es bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts eine Frauengemeinschaft gab. Die Klosterchroniken Ortliebs und Bertholds stehen für die Blütezeit der Mönchsgemeinschaft, ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts ist ein Bedeutungsrückgang des Klosters zu verzeichnen. Im späten Mittelalter gelang, gestützt auf die Habsburger als Klostervögte, die Ausbildung eines geschlossenen Territoriums, jedoch wurde die Vogtei im 14. Jahrhundert an die Grafen von Württemberg verliehen. Zwiefalten widerstand dennoch erfolgreich württembergischer Reformation (1535) und Landesherrschaft (bis 1570). Verfassungsrechtlich und machtpolitisch zwischen Reichs- und württembergischer Landstandschaft, konnten indes Zwiefalter Kloster und Klostergebiet erst im 18. Jahrhundert in ihrer unabhängigen Existenz gesichert werden. 1750 gelang der Mönchsgemeinschaft der Kauf der schon seit 1696 an das Kloster verpfändeten württembergischen Rechte, Zwiefalten gehörte nun endgültig zur Gruppe der oberschwäbischen Reichsprälatenklöster der frühen Neuzeit. Parallel zu dieser Entwicklung verfügten die Mönche offenbar über die nötigen Mittel, ihre Klosteranlage zu barockisieren. Von 1738 bis 1754 erbaute man die Kirche neu, mächtige Doppeltürme, ein mit Fresken und Stuckaturen versehenes Langhaus sowie die Westfassade des Architekten Johann Michael Fischer (†1766) fügen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Das Kloster Zwiefalten wurde 1802 säkularisiert und dem Herzogtum Württemberg eingegliedert.
Überblicksdarstellungen zur Zwiefaltener (Kloster-) Geschichte sind: 900 Jahre Benediktinerabtei Zwiefalten, hg. v. Hermann Josef Pretsch (1989), Ulm 21990, 564 S., DM 24,-; Setzler, Wilfried (1979), Kloster Zwiefalten. Eine schwäbische Benediktinerabtei zwischen Reichsfreiheit und Landsässigkeit. Studien zu ihrer Rechts- und Verfassungsgeschichte, Sigmaringen 1979, 194 S., DM 29,80. Spezialfragen behandeln: Pretsch, Hermann Josef (1986), Die Kontakte des Benediktiner-Doppelklosters in Zwiefalten mit Hildegard von Bingen und Abt Bertholds Konflikt mit seinem Konvent, in: AmrhKG 38 (1986), S.147-173, mit dem auch in der Zwiefalter Sammlung von Briefen der Hildegard von Bingen (†1179) dokumentierten Briefwechsel zwischen dem Kloster Zwiefalten und der prophetissa teutonica vor dem Hintergrund der Streitigkeiten zwischen Abt Berthold I. (1139-1141, 1146/47-1152, 1158-1169) und Teilen der Mönchsgemeinschaft (Rolle des alten und neuen Konverseninstituts, Verkauf von Grundbesitz zur Bewältigung einer wirtschaftlichen Krise im Kloster); Setzler, Wilfried (1976), Die Abtswahlen im Kloster Zwiefalten in den Auseinandersetzungen mit den Grafen von Wirtemberg, in: SMGB 87 (1976), S.339-383. [Buhlmann, 05.2001, 06.2003, 03.2009, 07.2011, 05.2013]

ZWLG = Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z