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Bamberger Dienstrecht (Iustitia ministeralium Babenbergensium) [1061/62], in: Quellen zur deutschen Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis 1250, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 32), Darmstadt 1977, S.120-123, Nr.31. Das in einer Traditionsurkunde von 1061/62 als noticia überlieferte Recht der Bamberger Ministerialen gehört in die Zeit des Bamberger Bischofs Gunther (1057-1066). Es zeichnet vornehmlich die Rechte der equites loricati, der Panzerreiter, auf: Belehnung mit einem Dienstlehen (und beschränkte Verfügung darüber), freiwillige Teilnahme an Heerfahrten, Ausübung von Hofämtern, Möglichkeiten zur Eidesleistung. Vgl. Weise, Wilhelm (2004), Der Hof der Kölner Erzbischöfe in der Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas (= SH 38), Düsseldorf 2004, S.67-72. [Buhlmann, 08.2012]

Bartholomäus von Trient [vor 1278], Liber epilogorum in gesta sanctorum. Der Dominikaner Bartholomäus von Trient (*ca.1200-†n.1278) verfasste mit dem Liber epilogorum in gesta sanctorum eine Sammlung von 355 Heiligenviten, in der auch Heilige seiner Zeit wie Elisabeth von Thüringen (Traumvision Elisabeths, Sterbewunder) aufgenommen wurden. Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.232f. [Buhlmann, 12.2011]

Basilius von Cäsarea [374/75], De spiritu sancto ["Über den heiligen Geist"]. Griechisch-Deutsch, übers. v. Hermann-Josef Sieben (= FC 12), Freiburg-Basel-Wien 1993. Basilius (*329/30-†379) war Bischof im kappadokischen Cäsarea (370-379) und verfasste 374/75 auf Griechisch sein Werk "Über den heiligen Geist", in dem er gegen nichtorthodoxe-häretische Interpretationen des Bibeltextes über den heiligen Geist für Gottvater und -sohn als einer Wesenheit und einen mit diesen beiden Hypostasen Gottes gleichgestellten heiligen Geist plädierte (Verehrung des heiligen Geistes, heiliger Geist als Gabe Gottes in Gott). Die Schrift entfaltete beim ökomenischen Konzil von Konstantinopel (381) ihre Wirksamkeit, ihre Rezeption ist zeitlich bis zum Humanismus und darüber hinaus zu verfolgen. Im Humanismus gab es auch (wohl) erste Übersetzungen von "Über den heiligen Geist" ins Lateinische (De spiritu sancto), so 1442/68 von Georgios Trapezuntius und 1532 von Erasmus von Rotterdam (gedruckt mit anderen Werken des Basilius im Mai 1532; vgl. die griechische editio princeps von Werken des Basilius durch Erasmus von Rotterdam im Druck von 1532). [Buhlmann, 07.2012]

Basilius von Cäsarea [v.379], Admonitio S. Basilii ad filium spiritualem ["Ermahnung an einen geistlichen Sohn"], in: Lehmann, Paul (1955), Die Admonitio S. Basilii ad filium spiritualem (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Abt. Jg. 1955, H.7), München 1955, S.30-63 (vorläufige Edition des lateinischen Textes). Die Admonitio S. Basilii ad filium spiritualem ist eine "Ermahnung" - sehr wahrscheinlich und mittelalterlicher Einschätzung zufolge - des Kirchenvaters Basilius des Großen (*ca.330-†379) "an einen geistlichen Sohn" in einer lateinischen Übersetzung des Tyrannius Rufinus (*ca.345-†411/12); die griechische Vorlage der lateinischen Übersetzung ist verloren gegangen. Der Text ist unter der Verfasserschaft des Basilius vielfach in mittelalterlich-lateinischen Handschriften ab ca.700 überliefert. Die Admonitio beschäftigt sich mit: dem geistlichen Dienst (militia spiritualis), den Tugenden und den Lastern (Weltflucht, Vermeiden von Hochmut und Eitelkeit), der Gottes- und Nächstenliebe, dem Gebet, den Nachtwachen und dem Fasten, dem Tod. [Buhlmann, 12.2012]

BdAW = Bibliothek der Alten Welt: RR = Römische Reihe

Beda Venerabilis [702/03], Über die heiligen Stätten: On the Holy Places, übers. v. W. Trent Foley, in: Bede, A Biblical Miscellany, übers. v. W. Trent Foley, Arthur G. Holder (= TTH 28), Liverpool 1999, S.1-25. Einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt an die Bibel bot für Beda Venerabilis (*672/73-†735) die Betrachtung der "heiligen Stätten" (Jerusalem, Bethlehem, Jericho, See Genezareth, Totes Meer, Sichem, Tiberias, Capernaum, Nazareth, Berg Tabor, aber auch Damaskus, Alexandria, Konstantinopel), die er in seiner entsprechenden Lehrschrift wohl 702/03 anstellte; Grundlage hierfür waren die "Drei Bücher über die heiligen Orte", die der irische Abt Adamnanus vom Inselkloster Iona (†704) auf Grund des ihm von einem gallischen Bischof namens Arkulf Mitgeteilten verfasst hatte. Später ergänzte Beda seinen Traktat noch durch ein Verzeichnis der "Namen von [biblischen] Gebieten und Orten". [Buhlmann, 08.2010]

Beda Venerabilis [ca.703], Über die Natur der Dinge: De natura rerum liber, hg. v. Charles W. Jones, in: Bedae Venerabilis Opera, Pars VI: Opera Didascalica, Tl.2, hg. v. Charles W. Jones u.a. (= CCSL 123, A), Turnhout 1980, S.173-234. Um 703 schrieb Beda Venerabilis (*672/73-†735) "Über die Natur der Dinge", wobei er sich bei seiner kosmologischen Lehrschrift hauptsächlich auf die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla (†636) und die Naturgeschichte des Römers Plinius (†79 n.Chr.) stützte. Beda beginnt bei der "Erschaffung der Welt", führt die vier Elemente an, aus denen die Welt besteht, widmet sich dem Geschehen am Himmel mit Fixsternen und Planeten, Sonne und Mond sowie dem Tierkreis und beschäftigt sich schließlich mit den Gegebenheiten der sublunaren Sphäre, d.h. mit Kometen, Luft, Wind und Wetter, mit der Erde, deren Aussehen und Einteilung, den Meeren und den Kontinenten. [Buhlmann, 08.2010]

Beda Venerabilis [705/16, ca.721], Lebensbeschreibung des heiligen Cuthbert: Bede, Life of Cuthbert, in: The Age of Bede, übers. v. J.F. Webb, Harmondsworth 1986, S.39-102. Beda Venerabilis (*672/73-†735) erarbeitete auch hagiografische Werke, allen voran die "Lebensbeschreibung des heiligen Cuthbert", bei der er eine etwas ältere Cuthbert-Vita eines anonymen Verfassers in Versen und in Prosa umschrieb; Cuthbert (†687) war Mönch, Eremit und Bischof von Hexham bzw. Lindisfarne. [Buhlmann, 08.2010]

Beda Venerabilis [nach 716], Lebensbeschreibung der seligen Äbte Benedikt, Ceolfried, Esterwin, Siegfried und Huwetbert: Beda Venerabilis, Leben der Äbte des Klosters Wearmouth-Jarrow, übers. v. S. Hilpisch, Wien 1930, S.27-83; Lives of the Abbots of Wearmouth and Jarrow, in: The Age of Bede, übers. v. J.F. Webb, Harmondsworth 1986, S.183-208. Beda Venerabilis (*672/73-†735) verfasste als hagiografisches Werk "Das Leben der seligen Äbte Benedikt, Ceolfried, Esterwin, Siegfried und Huwetbert", der Äbte der Klöster Wearmouth und Jarrow, das u.a. einen guten Einblick in die römisch-angelsächsischen Beziehungen der damaligen Zeit sowie in die Gelehrsamkeit der Mönche beider Klöster gibt. [Buhlmann, 08.2010]

Beda Venerabilis [725], Über die Zeitrechnung: Bedae opera de temporibus, hg. v. Charles W. Jones, Cambridge (Mass.) 1943; Bedae Venerabilis Opera, Pars VI: Opera Didascalica, Tl.2, hg. v. Charles W. Jones u.a. (= CCSL 123, B), Turnhout 1977; Bede, The Reckoning of Time, übers. v. Faith Wallis (= TTH 29), Liverpool 1999. Nach seiner Schrift "Über die Zeit" (ca.703) beschäftigte die Lehre von der Chronologie Beda Venerabilis (*672/73-†735) nochmals zwei Jahrzehnte später, als er im Jahr 725 sein viel umfangreicheres Handbuch "Über die Zeitrechnung" abschloss. Nach einer Einführung, das Rechnen mit Fingern und Brüchen betreffend, definiert der Gelehrte die Zeiteinheiten (Stunde, Tag und Nacht, Woche, Monat, Jahr, Weltalter), um anschließend über den Lauf des Mondes (Neu- und Vollmond, Mondalter, Mondjahr, Mondsprung, Tierkreis und Tierkreiszeichen) zu berichten. Betrachtungen zu Sonne, Sonnenjahr und Schaltjahr (Schalttag) folgen. Im Mittelpunkt der Überlegungen Bedas steht aber die für die christliche Osterrechnung (Komputistik) so wichtige Zusammenschau von Mond- und Sonnenlauf. Hier folgt der northumbrische Mönch seinem Vorgänger Dionysius Exiguus (†vor 556) und stellt - unter Bezug auf die Inkarnationsrechnung als Jahreszählung (nach Christi Geburt) - ausführlich den auf 19-jährigem Mondzyklus und 28-jährigem Sonnenzirkel beruhenden 532-jährigen Osterzyklus dar. Mit dessen Hilfe und einigen Kennzahlen (Epakte, Konkurrente) ließen sich im Mittelalter das Datum des ersten Frühlingsvollmondes, also des Vollmondes unmittelbar nach der Tag- und Nachtgleiche, sowie der Ostersonntag als Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond bestimmen. Die Ausführungen zur Zeitrechnung in engerem Sinn ergänzte Beda noch durch einen historischen Teil, "die größere Chronik oder von den sechs Weltaltern zusammen mit dem siebten und achten Weltalter". Es stehen somit Zeitrechnung, Geschichtsschreibung und Eschatologie (als Lehre vom Ende der Welt) eng zusammen. Im Chronikteil rechnete Beda in Jahren nach der Erschaffung der Welt und ordnete der diesseitigen Menschheitsgeschichte gemäß Augustinus (†430) und Isidor von Sevilla (†636) sechs Weltalter zu, wobei das heilsgeschichtliche Ende des sechsten Zeitalters und damit der Eintritt des Jüngsten Gerichts unbestimmt blieben. [Buhlmann, 08.2010]

Beda Venerabilis [731], Kirchengeschichte des englischen Volkes: Beda der Ehrwürdige, Kirchengeschichte des englischen Volkes, hg., übers. v. Günter Spitzbart (= Texte zur Forschung, Bd.34), Darmstadt 1982; Venerabilis Bedae Opera Historica, 2 Bde., hg. v. Christopher Plummer, Oxford 1896, Nachdruck 1969. Das Konstrukt der sechs Weltalter erwies sich - gerade wegen seiner heilsgeschichtlich-eschatologischen Implikationen - auch für die "Kirchengeschichte des englischen Volkes" (Historia ecclesiastica gentis Anglorum) des Beda Venerabilis (*672/73-†735) als tragfähiger Rahmen. Die Kirchengeschichte beendete der Mönch und Gelehrte im Jahr 731 (oder 732), sie umfasst fünf Bücher, die einen Zeitraum vom Beginn der römischen Zeit (Caesar, Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.)) bis zum angelsächsischen England eben des Jahres 731 abdecken. Das Jahr 731 war für Beda eine Zeit "des Friedens und der Heiterkeit" und damit der heilsgeschichtliche Endpunkt einer Entwicklung, die das auserwählte "Volk der Angelsachsen" (gens Anglorum) zu Christen machen sollte. Heilsgeschichtlich deuten lässt sich auch die Verwendung der Inkarnationsrechnung, also der Jahre nach Christi Geburt, die die Kirchengeschichte weiter untergliedern und die aufgeführten Ereignisse in der Zeit verorten. Die bedanischen Chroniken - neben der größeren ist noch die kleinere Chronik zu nennen -, die Kirchengeschichte und die Werke zur Zeitrechnung sollten dann zur Verbreitung der Inkarnationsrechnung auch auf dem europäischen Kontinent wesentlich beitragen. Ebenfalls in heilsgeschichtliche Zusammenhänge gehören die mehrfachen Hinweise Bedas in der Kirchengeschichte auf die richtige, d.h. die römisch-alexandrinische Osterrechnung, etwa anlässlich des Religionsgesprächs von Whitby (664) oder in einem wohl von Beda verfassten Brief Abt Ceolfriths von Jarrow an Naitan (IV.), den König der Pikten (ca.715). Inhaltlich ist Bedas Kirchengeschichte, die innerhalb einer "christlichen Rhetorik" ja vornehmlich belehren will, auch Missions- und Bekehrungsgeschichte. Geschildert wird die irische Missionierung bei den Angelsachsen, mithin die peregrinatio, die "asketische Heimatlosigkeit" irischer Mönche wie Aidan, Finan oder Columban. Dargelegt werden aber auch die von Papst Gregor dem Großen (590-604) und dem Missionar Augustinus (†604) ausgehende römische Mission sowie die angelsächsische Mission auf dem europäischen Festland. Bedas Kirchengeschichte ist zudem Zeitgeschichte; sie "definiert" eine angelsächsische "Landeskirche" jenseits der angelsächsischen Königreiche, über Kirchen und Klöster vielfach verzahnt mit Königtum und Adel. [Buhlmann, 08.2010]

BeitrrGDortmund = Beiträge zur Geschichte Dortmunds

Beroaldo der Ältere, Filippo [1476-1505], [Kommentare und Ausgaben zu lateinisch-antiken Schriftstellern]. Der Humanist Filippo Beroaldo der Ältere (*1453-†1505) veröffentlichte Kommentare und Ausgaben (u.a.) zu lateinisch-antiken Schriftstellern, und zwar: Plinius, Naturalis historia (1476); Florus, Epitomae (1476); Ptolemaeus, Cosmographia (?, 1477); Vergil, [Werke] (1478); Sallust, [Werke] ([1477]); Cicero, In Catilinam (1478); Servius, [Werke] (1482); Properz, [Werke] (1487); Annotationes centum (1488); Justin, Florus, Epitomae (1489/90); Sueton, [Werke] (1493); Cato, Varro, Columella, Palladius, [Werke] (1494); Frontin, Vegetius, Aelian, Modestus, [Werke] (1495/96); Cicero, Tusculanae disputationes (1496); Censorinus, [Werke] (1497); Plautus, [Werke] (ca.1497); Plinius, Epistolae (1498); Cicero, Orationes (1499); Solinus, [Werke] (1500); Apuleius, [Werke] (1500); Cicero, Orationes Phlippicae (1501); Philostrat, [Werke] (1501); Horaz, [Werke] (1502); Xenophon, [Werke] (1502); Plautus, [Werke] (1503); Aulus Gellius, [Werke] (1503); Caesar, [Werke] (1504); Plinius, Libellus de viris illustribus (1504), Sueton, De grammaticis et rethoribus clarrissimis Libellus (1504); Annotationes Galeni (1505); Lukan, [Werke] (1514); Juvenal, [Werke] (1514). Vgl. Rose, Anne (2001), Filippo Beroaldo der Ältere und sein Beitrag zur Properz-Überlieferung (= BzA 156), Leipzig 2001, S.70-75. [Buhlmann, 10.2011]

Beroaldo der Ältere, Filippo [1481], De optimo statu et principe stellt den Bologneser Machthaber Giovanni II. Bentivoglio als mustergültigen Fürsten und Staatslenker dar. Vgl. Rose, Anne (2001), Filippo Beroaldo der Ältere und sein Beitrag zur Properz-Überlieferung (= BzA 156), Leipzig 2001, S.34. [Buhlmann, 10.2011]

Beroaldo der Ältere, Filippo [1495], Opusculum de felicitate ist eine Schrift "über das Glück" mit einem Widmungsbrief an seinen Schüler (Markgraf) Jakob von Baden. Vgl. Rose, Anne (2001), Filippo Beroaldo der Ältere und sein Beitrag zur Properz-Überlieferung (= BzA 156), Leipzig 2001, S.147. [Buhlmann, 10.2011]

Beroaldo der Ältere, Filippo [1502], Carmina pia et religiosa sind eine Gedichtssammlung des Humanisten, die u.a. das Gedicht Nenia de die passionis dominicae enthält. Vgl. Rose, Anne (2001), Filippo Beroaldo der Ältere und sein Beitrag zur Properz-Überlieferung (= BzA 156), Leipzig 2001, S.146. [Buhlmann, 10.2011]

Beroaldo der Ältere, Filippo [1505], Opusculum de terraemotu et pestilentia schildert die Auswirkungen von Erdbeben und Pest in Bologna. Vgl. Rose, Anne (2001), Filippo Beroaldo der Ältere und sein Beitrag zur Properz-Überlieferung (= BzA 156), Leipzig 2001, S.146. [Buhlmann, 10.2011]

Bernward [Bischof von Hildesheim] [993-1022], [Inschriften] [Hildesheim]. Die irdische Kirche als Abbild der himmlischen schmückte Bischof Bernward von Hildesheim mit Zierrat, zwei Leuchtern aus Silber, dem Bernward-Kreuz, einer Patene. Als Auftraggeber nennen ihn die lateinischen Inschriften auf diesen Gegenständen, etwa die beiden Inschriften auf den Leuchtersockeln mit gleichem Text. Vgl. Binding, Günther (2013), Die Michaeliskirche in Hildesheim und Bischof Bernward als sapiens architectus, Darmstadt 2013, S.182. [Buhlmann, 07.2013]

Berthold [nach 1227], Gesta Ludowici ["Taten des Landgrafen Ludwigs IV. von Thüringen"]. Die heute verlorene Gesta Ludowici über die "Taten des Landgrafen Ludwigs IV. von Thüringen" (1217-1227), dem Ehemann der heiligen Elisabeth von Thüringen (*1207-†1231), stammte von dem zur Zeit Ludwigs am landgräflichen Hof tätigen Kaplan Berthold und stellte den Landgrafen und Kreuzfahrer, immerhin Gatte einer Heiligen, durchaus hagiografisch als tapferen und asketischen Mann dar. Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.427. [Buhlmann, 12.2011]

BGKw MA = Beiträge zur Geschichte Kaiserswerths. Reihe Mittelalter

BGW = Beiträge zur Geschichte Werdens

BHDIR = Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom

BKV = Bibliothek der Kirchenväter

Bockenem [Stadt] [1275-1539], [Urkunden], als: Urkundenbuch der Stadt Bockenem, bearb. v. Ursula-Barbara Dittrich (= VHKNB 194), Hannover 2000. Die urkundliche Überlieferung zur spätmittelalterlichen Stadt Bockenem (a.d. Nette) enthält lateinische Urkunden (u.a. des Hildesheimer Bischofs) betreffend: Bockenemer Pfarrkirche als Archidiakonatskirche (1275), Stadterhebung des Dorfes Bockenem (als Lehen des Reichsstifts Gandersheim) durch die Grafen Konrad und Johann von Wohldenberg (1300), Verkauf des oppidum an den Hildesheimer Bischof (1314), Stadtprivilegien (1314, 1349, 1433, 1492), Kauf des Dorfes Hachum (1349), Heiliggeistkapelle und -spital (1351), Kalandsbruderschaft (1374), Marienkapelle (1396) als Kollegiatkirche (1411; Streitigkeiten mit der Stadt), Stadtmauer und Landwehr (1409, 1444), Siechenhaus (1500), Hildesheimer Stiftsfehde (1519/23). [Buhlmann, 11.2014]

Boethius, [Anicius Manlius Severinus] [vor 524], Institutio arithmetica. Die Institutio arithmetica des römischen Senators und Philosophen Anicius Boethius (*475/80-†524) prägte als Einführung in die Arithmetik mit ihrer pythagoräischen Zahlenlehre, ihrer Theorie der natürlichen Zahlen, den Zahlenfiguren und den Proportionen entscheidend die artes liberales und das Quadrivium (mathematische Wissenschaften der freien Künste) des früh- und hochmittelalterlichen Bildungssystems im christlichen Europa. Von den Institutio arithmetica sind allein 50 Handschriften aus der Zeit bis zum 10. Jahrhundert einschließlich erhalten geblieben. Die Institutio arithmetica ist eine Überarbeitung der griechischsprachigen Arithmetik des Nikomachos von Gerasa (ca.100 n.Chr.). Vgl. Binding, Günther (2013), Die Michaeliskirche in Hildesheim und Bischof Bernward als sapiens architectus, Darmstadt 2013, S.202f. [Buhlmann, 07.2013]

Bonizo von Sutri [1076/85], Liber ad amicum ["Brief an den Freund"], hg. v. Ernst Dümmler, in: MGH. Libelli de lite, Bd.1, Hannover 1891, S.568-620. Bischof Bonizo von Sutri (†ca.1091) war Anhänger der Kirchenreform und Papst Gregors VII. (1073-1085). In seinem Liber ad amicum (vielleicht an die Markgräfin Mathilde von Canossa) spricht sich Bonizo - unter Bezugnahme auf das Alte Testament und auf Beispiele aus der Kirchengeschichte - für die Anwendung von Gewalt zur Verteidigung der Glaubenswahrheit (dogma, veritas) aus, für die Bekämpfung der "Häresie des Ungehorsams" und die Zwangsgewalt gegenüber den "Häretikern" (nikolaitische, simonistische Priester). Vgl. Althoff, Gerd (2013), "Selig sind, die Verfolgung ausüben". Päpste und Gewalt im Hochmittelalter, Darmstadt 2013, S.76-85. [Buhlmann, 07.2013]

Bottatius-Handschrift [vor 1248]. Bei dieser Handschrift handelt es sich wahrscheinlich um ein (heute verschollenes) lateinisches Moamin-Manuskript im Besitz Kaiser Friedrichs II. (1198/1212-1250), das 1248 vor Parma erbeutet wurde und das 1264/65 von dem Mailänder Kaufmann Guilielmus Bottatius Karl von Anjou (sizilischer König 1266-1285) angeboten wurde. Die Bottatius-Handschrift muss enthalten haben: den Moamin, die Falkenheilkunden Dancus und Guillelmus sowie den Guicennas, eine Abhandlung zur Drückjagd. Vgl. Johannes Fried, Die Handschrift des Guilielmus Bottatius aus Mailand, in: Grebner, Gundula, Fried, Johannes (Hg.) (2008), Kulturtransfer und Hofgesellschaft im Mittelalter. Wissenskultur am sizilianischen und kastilischen Hof im 13. Jahrhundert (= Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Bd.15), Berlin 2008, S.179-196; Stefan Georges, Der staufische Anteil an der Moamin-Tradition, in: Grebner, Gundula, Fried, Johannes (Hg.) (2008), Kulturtransfer und Hofgesellschaft im Mittelalter. Wissenskultur am sizilianischen und kastilischen Hof im 13. Jahrhundert (= Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Bd.15), Berlin 2008, S.197-217. [Buhlmann, 05.2014]

Breviarium Vindobonense [330er-Jahre n.Chr.], als: Burgess, Richard W. (2014), Roman Imperial Chronology and Early-Fourth-Century Historiography. The Regnal Durations of the So-called Chronica urbis Romae of the Chronograph of 354 (= Historia Einzelschriften 234), Stuttgart 2014, S.142-157. Das (hier so genannte) Breviarium Vindobonense (früher benannt als Chronica urbis Romae oder als Origo gentis Romanorum) der Handschrift Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Nr.3416 ist zwar im Zusammenhang mit dem spätantiken Kompendium des Chronografen von 354 überliefert, kann aber nicht als dessen Teil gelten. Das Breviarium, angefertigt in den 330er-Jahren, enthält u.a. die Regierungszeiten der römischen Könige und der Könige von Alba Longa sowie der römischen Kaiser bis auf Licinius, daneben einige wenige Informationen zum Regierungshandeln der Kaiser. [Buhlmann, 06.2015]

Brun von Querfurt [1004/08], Passio sancti Adalberti episcopi et martyris ["Leiden des Bischofs und Märtyrers Adalbert (von Prag)"], als: Heiligenleben zur deutsch-slawischen Geschichte. Adalbert von Prag und Otto von Bamberg, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 23), Darmstadt 2005, S.70-117. Mit den ottonischen Herrschern im ostfränkischen Reich verwandt, entschloss sich Wojciech/Adalbert (*ca.956-†997), einer slawischen Fürstenfamilie (Libice) angehörend, eine christliche Ausbildung in Magdeburg zu absolvieren (Firmung, Meister Othrik), um danach im Umfeld des Prager Bischofs Thietmar (†982) geistlich zu wirken. Beim Tod Thietmars wurde Adalbert desssen Nachfolger im Prager Bistum (982-988, 992-994/95), scheiterte aber in dem Bischofsamt an inneren und politischen Widerständen (Blutbad von Libice 995), um schließlich bei einer versuchten Mission der Prußen im Baltikum den Märtyrertod zu sterben (23. April 997). Die "jüngere Lebensbeschreibung des Adalbert (von Prag)" stammt aus der Hand des Brun von Querfurt (*ca.974-†1009) vom römischen Aventinkloster (1004, längere Redaktion); Brun kürzte seine Adalbertvita noch (v.1008) und stellte die Entwicklung Adalberts zum Heiligen und dessen Marytrium in den Vordergrund seiner Darstellung. Adalbert wurde so u.a zum Heiligen Böhmens, Polens und Ungarns, Brun erlitt in der Nachfolge Adalberts bei der Missionierung der Balten das Martyrium (1009). [Buhlmann, 04.2016]

Bruno von Köln [bis 1101], [Briefe], in: Bruno, Guigo, Antelm, Epistulae Cartusianae. Frühe Kartäuserbriefe. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Gisbert Greshake (= FC 10), Freiburg-Basel-Wien 1992, S.53-75. Bruno von Köln (*ca.1030-†1101), Kanoniker und Scholaster in Reims, Gegner des Reimser Erzbischofs Manasses (1068/69-1080), entschied sich 1081/83 für ein eremitisches Mönchsleben unter Gleichgesinnten u.a. in Chartreuse (ca.1084), das er 1090 verließ, um zwischenzeitlich in die Dienste Papst Urbans II. (1088-1099) zu treten. Um 1091 bis zu seinem Tod lebte Bruno als Eremit im kalabrischen La Torre. Die lateinischen Briefe Brunos, u.a. an den Reimser Kapitelspropst Radolf den Grünen (1096/1101) und an die Kartäuser von Chartreuse (ca.1100), bezeugen das kontemplative Leben der Kartäuser in Askese und Gotteserfahrung, geben aber auch Einblick in Aufbau und Gefährdung der Kartäusergemeinschaften (Einsiedlermönche und Laienbrüder, Gyrovagen). [Buhlmann, 07.2012]

Bruno von Köln [1101], Confessio fidei magistri Brunonis ["Glaubensbekenntnis des Magisters Bruno"], in: Bruno, Guigo, Antelm, Epistulae Cartusianae. Frühe Kartäuserbriefe. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Gisbert Greshake (= FC 10), Freiburg-Basel-Wien 1992, S.76-79. Von Bruno von Köln ist anlässlich seines Todes (1101) ein lateinisches Glaubensbekenntnis überliefert, das - wohl in Auseinandersetzung mit häretischen Standpunkten (Roscellin, Berengar) - die Trinität Gottes und die Realpräsenz Christi in der Eucharistiefeier herausstellt. [Buhlmann, 07.2012]

BSGRT = Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana

BSR = Beck'sche Reihe, C.H. Beck Wissen

BzA = Beiträge zur Altertumskunde

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