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Ragyndrudis-Codex [ca.700] [Landesbibliothek Fulda, Cod. Bonifat. 2]. Der sog. Ragyndrudis-Codex, angefertigt um 700 vielleicht im Kloster Luxeuil, benannt nach der Besitzerin Ragyndrudis, gehörte wohl zur Handbibliothek des heiligen Missionars und Bischofs Winfrid-Bonifatius (†754). Die lateinische Sammelhandschrift mit dogmatischen Inhalten sowie der Synonyma des Isidor von Sevilla weist Hiebspuren und damit verbundene starke Beschädigungen auf. Die Vita altera Bonifatii erwähnt hingegen ein Evangelium, mit dem sich Bonifatius bei seinem Martyrium schützte. Der Codex gelangte vor 760/68 ins Kloster Fulda. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.96ff. [Buhlmann, 05.2012]

Ratinger Memorienbücher [13. Jahrhundert, Anfang - ca.1439; 15. Jahrhundert, 1. Hälfte; 17. Jahrhundert]. Insgesamt hat es in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ratinger Geschichte drei Memorienbücher gegeben: Kalendarium des 13. Jahrhunderts im Ratinger Messbuchcodex mit spätmittelalterlichen Ergänzungen (bis ca. 1439); Älteres Memorienbuch des 15. Jahrhunderts (ab 1439; verschollen); Jüngeres Memorienbuch Pfarrer Johann Hennings aus dem 17. Jahrhundert (Aufzeichnungen aus dem Memorienbuch des 15. Jahrhunderts). Das Memorienbuch wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts war (und ist) zwar verschollen, doch dessen Inhalt wurde von dem Ratinger Pastor Johann Henning (1619-1640) hauptsächlich in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts in ein neues Memorienbuch, den Liber memoriarum Ecclesiae parochialis Ratingensis übertragen. Eine Urkunde vom 12. August 1634 beglaubigte dann die damals von Henning angelegten Aufzeichnungen. Die drei Memorienbücher hängen über nekrologische Einträge eng miteinander zusammen. Aus dem ältesten Kalendarium sind auch im jüngsten Memorienbuch Messstiftungen enthalten, so z.B. Anniversarien betreffend den Ratinger Pfarrer Bruno Meens (1371-1398), der 1394 seiner Kirche die berühmte gotische Turmmonstranz aus vergoldetem Silber schenkte. Eine teilweise Übernahme älterer Stiftungen zunächst in das verschollene, dann in das jüngere Memorienbuch ist also nachweisbar. Vermutlich wurde das (älteste) Kalendarium kurz vor 1439 abgeschlossen, das ältere Memorienbuch muss damals neu angelegt worden sein. Vgl. Dresen, A[rnold] (1913/14), Ein Ratinger Meßbuchcodex aus dem 12.-13. Jahrhundert (Cod. lat. 10075 der Königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München), in: DJb 26 (1913/14), S.1-34. [Buhlmann, 12.2008]

Ratinger Messbuchcodex [13. Jahrhundert, Anfang und später] [Bayerische Staatsbibliothek München, clm 10075]. Der Ratinger Messbuchcodex war eine an der Ratinger Pfarrkirche verwendete liturgische Handschrift, die unterschiedliche Teile enthält, zu Beginn des 13. Jahrhunderts angelegt und im 15. Jahrhundert erweitert wurde und die bei einer Größe von 34 cm auf 23 cm 252 Pergamentblätter umfasst. Ein Calendarium cum multis notis ad historiam ecclesiae in Ratingen apud Düsseldorf pertinentibus ist mit einem Missale und Sequenzen zu einem Pergamentcodex, eben dem Ratinger Messbuchcodex, zusammengebunden. Der Ratinger Messbuchcodex ist im Rheinland, vielleicht in Köln entstanden und hauptsächlich in Textualis niedergeschrieben. Das Kalendarium des 13. Jahrhunderts im Ratinger Messbuchcodex wurde dabei mit spätmittelalterlichen Ergänzungen (bis ca.1439) versehen. Die kirchlichen Missstände in der Ratinger Pfarrei am Ende des 16. Jahrhunderts bewogen die Regierung des Herzogtums Berg, die dortigen Verhältnisse durch eine Kommission untersuchen zu lassen und letztlich den Messbuchcodex zur Ermittlung der Pfarreinkünfte anzufordern. In der Folgezeit verblieb der Codex in der herzoglichen Bibliothek in Düsseldorf. Mit der Residenzverlegung des Kurfürsten Karl III. Philipp (1716-1742) nach Mannheim kam das Buch in die dortige Schlossbibliothek und wurde in der Regierungszeit des Kurfürsten Karl IV. Theodor (1742-1799) neu eingebunden. Karl Theodor war ab 1777 auch Kurfürst von Bayern, womit der Messbuchcodex in die Hof- und Staatsbibliothek zu München kam. Vgl. Dresen, A[rnold] (1913/14), Ein Ratinger Meßbuchcodex aus dem 12.-13. Jahrhundert (Cod. lat. 10075 der Königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München), in: DJb 26 (1913/14), S.1-34. [Buhlmann, 12.2008]

Ratio studiorum [1599]. Der 1540 gegründete Jesuitenorden zeichnete sich besonders durch seine Schultradition (und Nachwuchsförderung) aus. Pädagogische Grundlage von Jesuitengymnasien und -internaten im konfessionell-katholischen Sinne war die ratio studiorum, die als verbindlicher Lehrplan bis 1773 (bzw. noch zwischen 1814 und 1832) in Europa und im außereuropäischen Raum eine "einheitliche Schultradition" schuf, bestehend aus Gymnasium (fünf Schulstufen: Grammatica, Humanitas/Poesis, Rhetorica), Philosophiekurs (dreijährig: Logik, Physik, Metphysik) und Theologiestudium (vierjährig). Vgl. Korenjak, Martin (2016), Geschichte der neulateinischen Literatur, München 2016, S.124-128. [Buhlmann, 07.2016]

Raymond de Béziers [1305/1313], Liber Dignae et Kalilae. Der französische Arzt Raymond de Béziers "verbesserte" bzw. übersetzte neu ins Lateinische das Directorium vitae humanae des Johann von Capua (†ca.1310) für Johanna von Navarra (†1305) bzw. den französischen König Philipp den Schönen (1285-1314). Vgl.: Lateinische Fabeln des Mittelalters. Lateinisch - deutsch, hg. v. Harry C. Schnurr (1979) (= TuscB), München 1979, S.18f. [Buhlmann, 04.2017]

Regesten der in Niedersachsen und Bremen überlieferten Papsturkunden 1198-1503, bearb. v. Brigide Schwarz (= VHKNB XXXVII,15), Hannover 1993 [Buhlmann, 05.2014]

Registrum chori ecclesie maioris Gandersemensis [1438?, 1538] ist - ähnlich einem Liber ordinarius - ein "Regiebuch" für liturgische Feiern am Frauenstift Gandersheim im Mittelalter. Die von dem Stiftskanoniker Bartold Stein (†1572) niedergeschriebene, 58 Blätter umfassende lateinische Papierhandschrift StA Wolfenbüttel VII B Hs 48 ist eine Abschrift von 1538 und soll auf einem älteren Register von 1438 beruhen. Die Handschrift führt u.a. Prozessionen zu den Gandersheimer Stadt- und Pfarrkirchen St. Marien, St. Anastasius und Innozenz, St. Georg und Ellierode auf und ist damit ein Zeugnis für die Verschränkung von Frauengemeinschaft und Pfarreien im späten Mittelalter. Vgl. Popp, Christian, Pfarrseelsorge im Stift Gandersheim, in: Frauenstifte, Frauenklöster und ihre Pfarreien, hg. v. Martin Hoernes, Hedwig Röckelein (= Essener Forschungen zum Frauenstift, Bd.7), Essen 2009, S.151-168, hier: S.160-167. [Buhlmann, 03.2011]

"Reichsannalen" [741-829] (Annales regni Francorum), in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Tl.1: Die Reichsannalen. Einhard, Leben Karls des Großen. Zwei "Leben" Ludwigs. Nithard, Geschichten, hg. von Reinhold Rau (= FSGA A 5), Darmstadt 1955, S.1-155. Die fränkischen Reichsannalen, entstanden aus der Klosterannalistik im Frankenreich und auf diese wieder zurückwirkend, sind eine nach Jahren (741-829) geordnete (eben annalistische) offiziöse (umgearbeitete) Geschichtsschreibung des karolingischen Herrscherhauses und berichten von innen- und außenpolitischen Ereignissen (Feldzüge). Nach dem Jahr 829 brechen die Annalen unvermittelt ab. [Buhlmann, 01.2014]

"Reichssteuerliste, Reichssteuerverzeichnis" (Precarie civitatum et villarum) [1241], in: Quellen zur deutschen Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis 1250, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 32), Darmstadt 1977, S.510-519, Nr.127. Die Reichssteuerliste der precarie civitatum et villarum ("Bitte an Städte und Orte") ist eines der wenigen mittelalterlichen Dokumente, die Auskunft geben über die Organisation von Königsterritorium und Reichsgut in staufischer Zeit. Veranlagt wurden durch König Konrad IV. (1237-1254) Städte, Verwaltungsbereiche, Grundherrschaften, Judengemeinden, wahrscheinlich mit jährlicher Regelmäßigkeit und auf Grundlage der staufischen Prokurationen (als regionale Verwaltungseinheiten im Königsterritorium). Die Liste enthält Steuernachlässe und -befreiungen, Zahlungsanweisungen geben Einblick in die "Buchführung" der königlichen Steuerverwaltung. Vgl. Kirchner, Gero (1953), Die Steuerliste von 1241. Ein Beitrag zur Entstehung des staufischen Königsterritoriums, in: ZRG GA 70 (1953), S.64-104. [Buhlmann, 09.2006]

Reiner von St. Jakob (in Lüttich) [vor 1230], Annales (Reineri), hg. v. G.H. Pertz, in: MGH. Scriptores (in Folio), Bd.16: [Annales aevi Suevici], hg. v. G.H. Pertz, 1859, Nachdruck Stuttgart 1994, S.651-680; in: Platner, Carl (Übers.), Die Jahrbücher von Sanct Jacob in Lüttich. Die Jahrbücher Lamberts des Kleinen. Die Jahrbücher Reiners (= GdV 70), 1881, Leipzig 21941, S.20-110. In seinen Annalen ("Jahrbüchern") berichtet der Priester, Mönch und Prior Reiner vom Benediktinerkloster St. Jakob in Lüttich (*1157-†1230) über Zeitgeschichte, insbesondere betreffend sein Kloster, Lüttich und den Niederrhein. Die Annalen umfassen den Zeitraum von 1157 (1066) bis 1230 mit Schwerpunkt bei den Jahren ab 1193 (Reichsgeschichte: Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II.). [Buhlmann, 09.2012]

Reinhard von Munderkingen [um 1209/10], Versus Reinhardi regis de morte Philippi ["Gedicht Reinhards über den Tod König Philipps"]. Im Mittelpunkt des vom Zwiefaltener Benediktinermönch, Schreiber, Lehrer, Dichter und Abt Reinhard von Munderkingen (1232-1234, 1252-1253) verfassten Gedichtes steht die Ermordung König Philipps von Schwaben (1198-1208) am 21. Juni 1208 durch den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (†1209). Das Gedicht beklagt den Königsmord als solchen und den daraus entstehenden Unfrieden, sieht aber im welfischen König Otto IV. (1198-1218) den rettenden Herrscher, der mit Kaiser Karl dem Großen (768-814) verglichen werden kann. Vgl. Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.183ff. [Buhlmann, 10.2012]

Relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis ["Bericht über die frommen Werke des Bamberger Bischofs Otto"] [1139/40], als: Relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis, hg. v. O. Holder-Egger, in: MGH. Scriptores (in Folio), Bd.16: [Annales aevi Suevici], hg. v. G. Waitz, 1888, Nachdruck Stuttgart-New York 1963, S.1151-1166; als: Buhlmann, Michael (2016), Ein Rechenschaftsbericht über das Pontifikat des Bamberger Bischofs Otto I. des Heiligen (1102-1139), Essen 2016, S.43-53. Der Bamberger Bischof Otto I. (1102-1139) machte sich u.a. in der Reichspolitik (Wormser Konkordat 1122) und in der Klosterreformbewegung (Klostergründungen) einen Namen; weiter ist er als Missionar der heidnischen Pommern (1124/25, 1128) berühmt geworden. Kurz nach dem Tod des Bischofs (1139) ist von einem unbekannten Kanoniker oder Mönch wohl aus Bamberg ein lateinischer Rechenschaftsbericht über das Pontifikat Ottos angefertigt worden. Der (von der historischen Forschung rekonstruierte) "Bericht über die frommen Werke des Bamberger Bischofs Otto" (relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis) gibt Auskunft über die Predigt- und Seelsorgetätigkeit des Bischofs, über die bischöflichen Kirchen, Kapellen und Klöster und deren Güterausstattung, über Papstprivilegien, über Baumaßnahmen und Burgenbau. Der Rechenschaftsbericht war u.a. Grundlage für drei Lebensbeschreibungen des bald als Heiligen verehrten und 1189 heiliggesprochenen Bischofs. [Buhlmann, 04.2016]

Reuchlin, Johannes [1497/98], Henno. Lateinisch/Deutsch, übers. v. Harry C. Schnur (= RUB 7923), [1497, 1498, 1511] Stuttgart 1995. In humanistischem Latein, unter sporadischer Verwendung mittellateinischer Wörter, erzählt der Humanist Johannes Reuchlin (*1455-†1522) kurz und inhaltlich anspruchslos die Komödie vom Bauern Henno, dessen Ehefrau Elsa, deren Tochter Abra und dem Knecht Dromo. Henno will am Tuchhandel verdienen, stiehlt dazu die von seiner Ehefrau vergrabenen acht Gulden und schickt seinen Knecht mit dem Geld zum in der nahe gelegenen Stadt ansässigen Tuchhändler Danista, um Tuche zu erwerben. Dromo behält indes das Geld für sich, wird von Danista vor das Gericht gebracht, aber mit Hilfe des windigen Anwalts Petrucius freigesprochen. Wieder zurück, gibt Dromo gegenüber Henno und Elsa die Unterschlagung der acht Gulden zu, als das Ehepaar dem Knecht verspricht, ihm die Tochter zur Frau zu geben; Knecht und Tochter sind schon seit Langem ineinander verliebt. Die acht Gulden werden so zur Mitgift für die Ehe. Die Komödie wurde 1497 in Heidelberg aufgeführt. Im ersten Druck von 1498 wird sie eingeleitet durch einen Vorspruch Sebastian Brants, dem Komödientext folgen hier ein Verweis auf die Uraufführung am 31. Januar 1497, ein Preisgedicht des Jakob Dracontius und ein Gedicht an den Komödienregisseur Johann Richartshusen von Adam Werner aus Themar. [Buhlmann, 04.2011]

Rhintonica [4./3. Jahrhundert v.Chr. und später] - benannt nach Rhinton von Tarent - bezeichnet eine vorliterarische Gattung von lateinischen Alltagsgeschichten, Götter- und Mythenburlesken (Phlyakenposse). Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.37. [Buhlmann, 01.2013]

Rimbert [865/76], Vita Anskarii. Rimbert, Mönch und als Erzbischof von Bremen-Hamburg (865-888) Nachfolger Erzbischof Ansgars (831/49-865), schrieb die Vita Anskarii seines Vorgängers, des "Apostels des Nordens", aus der Perspektive des Mönchtums. Er verarbeitete darin seine persönlichen Erfahrungen mit Ansgar, aber auch Aufzeichnungen der Visionen Ansgars sowie urkundliche Nachrichten (Missionsvollmachten, angebliche Gründungsurkunde des Bistums Hamburg). Die Vita Anskarii besteht aus einer Totenklage um Ansgar, den Corveyer Anfängen des Missionars, den Missionsreisen nach Dänemark und Schweden, der Schilderung von Persönlichkeit und Lebenswandel, der Darstellung von Ansgars Tod. Vgl. Klapheck, Thomas (2008), Der heilige Ansgar und die karolingische Nordmission (= VHKNB 242), Hannover 2008, S.13-36. [Buhlmann, 07.2014]

RMab = Revue Mabillon

Römische Grabinschriften [römische Republik, römische Kaiserzeit] (Epitaphe) stehen in direktem Zusammenhang mit den Jenseitsvorstellungen und dem Totenglauben der heidnischen Antike. Römische Bestattungsriten waren die conclamatio und Beweinung des Toten, der Leichenzug (pompa funebris), die Leichenrede (laudatio funebris), die Brand- oder Körperbestattung (crematio, inhumatio; Körperbestattungb besonders seit dem 1./2. Jahrhundert n.Chr.), die Deponierung der Urne bzw. des Leichnams in einer Grabstätte. Die Grabstätten befanden sich - bis auf Ausnahmen (römische Kaiser) - außerhalb (des pomerium) von Rom, meist an den Ausfallstraßen der Stadt. Hier befanden sich die repräsentativen Grabmonumente der römischen Oberschicht (römische Republik), die Familiengräber, die Columbarien (Grabanlagen mit Urnenplätzen, 1. Jahrhundert n.Chr.), die Katakomben (zur Körperbestattung, ab 2. Jahrhundert n.Chr.; Katakombe San Sebastiano als coemeterium ad catacumbas). Mit dem Bestattungsort in Verbindung stehen die lateinischen Grabinschriften von einfacher Namensnennung des Toten bis zu selbstbewussten Äußerungen zu Beruf und (politischer) Karriere. Römische Grabinschriften betreffen dann: Angehörige des jeweiligen Kaiserhauses (Agrippina die Ältere, Gaius Caesar, Kaiser Titus [zeitweise Grablege im Triumphbogen?], Kaiser Trajan [Trajanssäule]), römische Ritter und Senatoren ("Scipionengrab", Senator Lucius Poplicius Bibulus [Grabmal als Ehrengrab], Grabmal der Caecilia Metella [an der Via Appia], Grabpyramide des Senators Gaius Cestius Epulo [als Teil der Aurelianischen Stadtmauer Roms], Inschriftenfragment des Grabs des Geschichtschreibers Tacitus), Soldaten (Prätorianer, kaiserliche Leibwächter, Legionäre, Flottenbefehlshaber), kaiserliche Amtsträger (Getreidepräfekt, Aufseher, Kammerherr, Kontrolleure), Berustätige (Großbäcker Marcus Vergilius Eurysaces [Grabmal an der Porta Maggiore], Händler, Gewerbetreibende, Handwerker), Künstler und Sportler (Wagenlenker, Reiter, Tänzer(innen), Schauspieler, Sänger(innen)). Vgl. Kolb, Anne, Fugmann, Joachim (2008), Tod in Rom. Grabinschriften als Spiegel römischen Lebens (= Kulturgeschichte der Antiken Welt, Bd.106), Mainz 2008. [Buhlmann, 09.2013]

Romulus [um 400 n.Chr.], [Fabeln]. Romulus, über den nichts weiter bekannt ist, verfasste oder sammelte am Ende der Antike für seinen Tiberinus lateinische Fabeln, die er vom Griechischen in schlichte lateinische Prosa übersetzte. Vgl. Antike Fabeln, übers. v. Ludwig Mader (1951) (= dtv 6024), München 1973, S.26. [Buhlmann, 04.2017]

Romulus anglo-latinus [Fabeln] [11. Jahrhundert, Ende / 12. Jahrhundert, Anfang]. Die spätantike lateinische Fabelsammlung des Romulus war Vorbild für mittelalterliche Fabelsammlungen wie dem Romulus anglo-latinus, der ins Englische und Französische (Marie de France) üversetzt wurde. Vgl.: Lateinische Fabeln des Mittelalters. Lateinisch - deutsch, hg. v. Harry C. Schnurr (1979) (= TuscB), München 1979, S.10. [Buhlmann, 04.2017]

Romulus Bernensis [Fabeln] [13. Jahrhundert]. Die spätantike lateinische Fabelsammlung des Romulus war entferntes Vorbild für die mittelalterliche Fabelsammlung des lateinischen Romulus Bernensis aus dem 13. Jahrhundert. Vgl.: Lateinische Fabeln des Mittelalters. Lateinisch - deutsch, hg. v. Harry C. Schnurr (1979) (= TuscB), München 1979, S.10. [Buhlmann, 04.2017]

Romulus Nilantinus [Fabeln] [11. Jahrhundert]. Die spätantike lateinische Fabelsammlung des Romulus war Vorbild für die mittelalterliche Fabelsammlung des Romulus Nilantinus aus dem 11. Jahrhundert, die sich durch ein christliches Mittellatein auszeichnet. Vgl.: Lateinische Fabeln des Mittelalters. Lateinisch - deutsch, hg. v. Harry C. Schnurr (1979) (= TuscB), München 1979, S.10. [Buhlmann, 04.2017]

Rotulus Sanpetrinus [12. Jahrhundert] als: Fleig, Edgar, Handschriftliche, wirtschafts- und verfassungsgeschichtliche Studien zur Geschichte des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald, Diss. Freiburg i.Br. 1908; Weech, Friedrich von, Der Rotulus Sanpetrinus nach dem Original im Großh. General-Landesarchiv zu Karlsruhe, in: FDA 15 (1882), S.133-184. Der Rotulus Sanpetrinus ist eine 6,30 Meter lange Rolle aus 16 Pergamentblättern, die vorne und hinten mit hauptsächlich dem 12. Jahrhundert angehörenden Aufzeichnungen über Rechte und Besitzungen des Benediktinerklosters St. Peter im Schwarzwald angefüllt sind, d.h.: der Rotulus enthält neben ein paar Urkundenabschriften (u.a. das Privileg Papst Urbans II. [1088-1099] vom 10. März 1095) Traditionsnotizen, historiografische Aufzeichnungen und eine Grenzbeschreibung des Klostergebiets; er hatte Recht sichernden Charakter. [Buhlmann, 03.2005]

RTB = Reichenauer Texte und Bilder

RUB = Reclam Universal-Bibliothek

Rufinus, [Tyrannius] [um, nach 395 n.Chr.], Kirchengeschichte des Eusebius von Cäsarea. Der Mönch, Theologe und Geschichtsschreiber Rufinus von Aquileja (*ca.345-†411/12) übersetzte die bis zum Jahr 325 n.Chr. reichende griechische Kirchengeschichte des Eusebius von Cäsarea (†339/40) ins Lateinische und erweiterte diese um Geschehnisse bis zum Jahr 395 n.Chr. Vgl. WL I, S.51. [Buhlmann, 02.2013]

Rupert von Deutz [1095], Carmina de sancto Laurentio. Rupert von Deutz (*1076-†1129), puer oblatus, Novize, Mönch und Priester im Lütticher Benediktinerkloster St. Laurentius unter Abt Berengar (1077-1116), stand im Investiturstreit (1075-1122) auf Seiten der Kirchenreformer gegen den Lütticher Ortsbischof Otbert (1091-1119) und wurde schließlich - nach seinem Wechsel in die Siegburger Mönchsgemeinschaft (1116) - Abt des Benediktinerklosters Deutz (1120/21-1129). Er verfasste eine Reihe politischer und theologischer Schriften, u.a. die Carmina de sancto Laurentio, die polemischen, gegen Bischof Otbert gewandten "Gedichte auf den heiligen Laurentius", die er im Jahr 1095 niederschrieb, als er sich zusammen mit dem Abt Berengar (1077-1116) des Laurentiusklosters im Exil befand. In den Carmina wendet sich Rupert gegen Gegenpapst (Wibert von Ravenna) und Kaiser (Heinrich IV.), den Verursachern der Simonie in der damaligen Kirche. Vgl. Rupert von Deutz, De divinis officiis. Der Gottesdienst der Kirche. Lateinisch-Deutsch, hg. v. Helmut u. Ilse Deutz (1999), 4 Tlbde. (= Fontes Christiani, Bd.33,1-4), Freiburg-Basel-Wien 1999, S.30-33. [Buhlmann, 07.2015]

Rupert von Deutz [1108/12], De divinis officiis ["Vom Gottesdienst der Kirche"], als: Rupert von Deutz, De divinis officiis. Der Gottesdienst der Kirche. Lateinisch-Deutsch, hg. v. Helmut u. Ilse Deutz (1999), 4 Tlbde. (= Fontes Christiani, Bd.33,1-4), Freiburg-Basel-Wien 1999. Nachdem Rupert von Deutz, Mönch im Lütticher Benediktinerkloster St. Laurentius, Priester geworden war, hob seine literarisch produktivste Zeit an, u.a. gekennzeichnet durch sein umfangreiches Werk De divinis officiis (1108/12). Darin beschreibt Rupert den theologisch-heilsgeschichtlichen Sinn und die Form liturgischen, gottesdienstlichen Handelns im Ablauf des Kirchenjahres mit Hilfe seines typologischen und eschatologisch-anagogischen Deutungsansatzes. Das Werk besteht aus zwölf Büchern: Buch I: Stundengebet und Rememoration von Heilsgeschichte; Buch II: Messe als Opferfeier und Eucharistie; Buch III: Kirchenjahr und Adventsliturgie; Buch IV-VIII: Kirchenjahr, Osterfestkreis und Osterliturgie; Buch IX: Kirchenjahr und Sonntage nach Ostern; Buch X-XI: Kirchenjahr, Pfingsten und Heiliger Geist (Dreifaltigkeit); Buch XII: Kirchenjahr und Sonntage nach Pfingsten. [Buhlmann, 07.2015]

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