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Lateinische Literatur
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Jacobus de Voragine [1263/67 bzw. 1262/72], Legenda aurea [Vitae sanctorum a praedicatore quodam], als: Jacobus de Voragine, Legenda aurea. Lateinisch/Deutsch, hg. v. Rainer Nickel (= RUB 8464), Stuttgart 1988; Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine, übers. von Richard Benz, Heidelberg 101984. Der Dominikaner Jacobus de Voragine (*1228/30-†1298), Erzbischof von Genua (1292-1298), verfasste in den 1260er-Jahren die Legenda aurea, eine kompilatorische Sammlung von 180 Kapiteln, angeordnet im Ablauf des Kirchenjahrs (Christusfeste, Marienfeste, Heiligenfeste). Die Heiligenviten als historiae und exempla waren dabei insbesondere für das Predigen geeignet. Vgl. Wetzel, Christoph (2011), Heiligenlegenden in der bildenden Kunst (= RUB 18704), Stuttgart 2011, S.21-24. [Buhlmann, 12.2001, 06.2014]

Jakoubek von Mies [1412], Tractatus responsivus ["Antwortender Traktat"]. Der Reformator Jan Hus (†1415) entfaltete als Prediger und Gelehrter eine große Wirkung, gerade auch in der Phase der von Hus angeführten reformatorischen Bewegung in Böhmen und der Prager Ablassunruhen (1412). Dies rief Widerspruch bei anderen böhmischen Gelehrten wie Stephan Pálec (†1424) oder Stanislaus von Znaim (†1414) hervor. Auf deren antihussitische Schriften antwortete der Hussit Jakoubek von Mies (†1429) mit seinem Tractatus responsivus. Vgl. Soukup, Pavel, Jan Hus (= Urban Tb 737), Stuttgart 2014, S.161. [Buhlmann, 01.2016]

JbnsKG = Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte

Jean de Mailly [1243], Abbrevatio in gestis et miraculis sanctorum. Der Dominikaner Jean de Mailly (13. Jahrhundert, 1. Hälfte) verfasste mit dem Abbrevatio in gestis et miraculis sanctorum (in der 1. [1225/30], 2. Rezension [1243]) eine Sammlung von Heiligenviten, in der auch Heilige seiner Zeit wie Elisabeth von Thüringen (Bußübungen Elisabeths, Kreuzzugsteilnahme Landgraf Ludwigs IV. von Thüringen) aufgenommen wurden. Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.231f. [Buhlmann, 12.2011]

Johann von Capua [um 1270], Directorium vitae humanae. Johann von Capua (†ca.1310) war ein zum Christentum konvertierter Jude, der als Übersetzer hebräischer Texte ins Lateinische hervortrat. U.a. übersetzte er eine hebräische Fabelsammlung, die wiederum orientalisch-indische Fabeln wiedergab (Kalila ve-Dimna), ins Lateinische als Directorium vitae humanae. Vgl.: Lateinische Fabeln des Mittelalters. Lateinisch - deutsch, hg. v. Harry C. Schnurr (1979) (= TuscB), München 1979, S.15ff. [Buhlmann, 04.2017]

Johannes Diaconus (Hymmonides) [872/880/82], Vita Gregorii ["Lebensbeschreibung (Papst) Gregors (des Großen)"], als: Johannis diaconi sancti Gregorii magni vita, in: PL 75, Sp.59-272. Der aus Italien stammende Geschichtsschreiber Johannes Diaconus (*825-†880/82), genannt Hymmonides, römischer Diakon, schrieb - unter Benutzung von Archiven und Quellen - im Auftrag von Papst Johannes VIII. (872-882) eine am historischen Geschehen orientierte, wenig hagiografische Lebensbeschreibung des Paptes Gregor I. des Großen (590-604). Johannes stellt in vier Büchern seinen Protagonisten als "Musterpapst" und "Musterbischof", als Vorbild dar und betont etwa die Armenfürsorge Gregors (bischöfliche caritas als Christusbegegnung) oder die Befreiung heidnischer Sklaven durch Gregor (christliche Missionierung). Vgl. Laudage, Marie-Luise (1991), Caritas und Memoria mittelalterlicher Bischöfe (= MHF 3), Köln-Weimar-Wien 1991, S.65-72. [Buhlmann, 07.2012]

Johannes Ferrarius Montanus [1518], In vitam divae Helisabeth Hungarorum regis filiae libri tres ["Drei Bücher über das Leben der heiligen Elisabeth von Ungarn (Thüringen)"]. Der Humanist und Jurist Johannes Ferrarius Montanus (*1485/86-†1558) dichtete in 1577 (an antik-lateinischem Sprachgebrauch angelehnten) Hexametern und auf "regionalpatriotisch-hessische" Weise sowie unter vielfacher Verwendung antik-mythologischer Versatzstücke das Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen (*1207-†1231) nach (Buch I: Werbung um und Hochzeit von Elisabeth, Elisabeths Armenfürsorge; Buch II: Elisabeths ungarische Herkunft, Kindheit und Verlobung, Kreuzzugsaufbruch des Landgrafen Ludwig IV. und dessen Tod und Begräbnis, Vertreibung Elisabeths; Buch III: Elisabeth als Witwe in Marburg, Marburger Hospital, Tod Elisabeths). Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.445f. [Buhlmann, 12.2011]

Johannes Gallus [1206], Pontificum florem, in: Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.167-170. Der Salemer Zisterziensermönch Johannes Gallus verfasste nach dem Tod des Konstanzer Bischofs Diethelm von Krenkingen (1189-1206) ein vierzig, meist leonische Hexameter umfassendes Gedicht auf diesen Wohltäter seines Klosters. Der Planctus trägt keine Überschrift, stellt als Totenklage und Epitaph die Vornehmheit und Tugendhaftigkeit Diethelms heraus und betont die conversio ("Mönchwerdung") des Bischofs in Salem kurz vor dessen Tod am 12. April 1206. [Buhlmann, 10.2012]

Johannes Gallus [1206], Epytaphium episcopi Diethelmi ["Grabinschrift des Bischofs Diethelm (von Konstanz)"], in: Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.171. Der Salemer Zisterziensermönch Johannes Gallus verfasste nach dem Tod des Konstanzer Bischofs Diethelm von Krenkingen (1189-1206) eine Grabinschrift für den Bischof, der in Salem am 12. April 1206 starb und dort auch begraben wurde. Das Epitaph stellt die Unbeständigkeit (fortuna) und Eitelkeit (gratia vana) der Welt dem himmlischen Frieden gegenüber. [Buhlmann, 10.2012]

Johannes Gallus [1208 oder etwas später], Titulus novi Banaye [Gedicht über den Tod König Philipps von Schwaben], in: Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.181f. Im Mittelpunkt des vom Salemer Zisterziensermönch Johannes Gallus verfassten Titulus novi Banaye steht die Ermordung König Philipps von Schwaben (1198-1208) am 21. Juni 1208 durch den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (†1209). Das Gedicht hebt ab auf die Unbeständigkeit der Welt (gloria mundana) und bezeichnet König Otto IV. (1198-1218), Philipps Konkurrenten und Nachfolger im deutschen Thronstreit (1198-1208), als "neuen Banayas, der zwei Löwen tötete" (nämlich Philipp von Schwaben als König und schwäbischer Herzog?). [Buhlmann, 10.2012]

Johannes Gallus [1210 oder später], Epytaphium comitum ante capellam sepultorum ["Grabinschrift der vor der (Salemer) Kapelle beerdigten Grafen"], in: Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.172f. Das vom Salemer Zisterziensermönch Johannes Gallus verfasste Epytaphium comitum ante capellam sepultorum bezieht sich wahrscheinlich auf die Grafenfamilie von Rohrdorf, aus der der Salemer Abt Eberhard I. (1191-1240) stammte. Es wird angenommen, dass unter Abt Eberhard eine Familiengrablege der Rohrdorfer in Salem entstand. Das Epitaph bezieht sich nun auf die Grafen Gottfried (†1191) und Manegold von Rohrdorf (†1210), den Vater und Bruder des Abtes, und charakterisiert die von Manegold bei Konstanz angelegte Rheinbrücke als die gute Tat, durch die der Graf in den Himmel kommt. [Buhlmann, 10.2012]

Johannes von Plano Carpini [nach 1247], Historia Mongalorum ["Geschichte der Mongolen"]. Der Franziskanermönch Johannes von Plano Carpini (†1252) reiste im Auftrag Papst Innozenz' IV. (1243-1254) durch das Mongolenreich (1245/47) und beschrieb seine Erlebnisse in der Historia Mongalorum, die über Land und Leute, Religion und Reich, Länder und Krieg der Mongolen informierte. Vgl. Reichert, Folker (2013), Das Bild der Welt im Mittelalter, Darmstadt 2013, S.66-69. [Buhlmann, 05.2015]

Johannes von Preußen [1445], Ars memorativa ["Gedächtniskunst"] erklärt in seiner lateinischen Schrift (der sog. "Pariser Gruppe") Ursprung und Funktionen von Gedächtnis und ordnet die ars memorativa in Philosophie und Wissenschaft ein. Die ars memorativa wird dabei - im Gegensatz zu den artes mechanicae - im spirituellen Bereich verortet (Hierarchie res - vox - scriptura) und wird zur scientia. Die ars memorativa wird damit zu einem Erkenntnisprozess. Vgl. Heimann-Seelbach, Sabine, Konzeptualisierung von Mnemotechnik im Mittelalter, in: Ernst, Ulrich, Ridder, Klaus (2003), Kunst und Erinnerung. Memoriale Konzepte in der Erzählliteratur des Mittelalters (= Ordo 8), Köln-Weimar-Wien 2003, S.3-29, hier: S.19-27. [Buhlmann, 01.2013]

Johannes von Salisbury [1159], Metalogicon, als: John of Salisbury, The Metalogicon. A Twelfth-Century Defense of the Verbal and Logical Arts of the Trivium, übers. v. Daniel D. McGarry, Berkeley-Los Angeles 1962. Johannes von Salisbury (*1115/20-†1180), Schüler von Petrus Abaelard, Robert von Melun oder Thierry von Chartres, Berater des Erzbischofs Thomas Becket, Bischof von Chartres (1176-1180), verfasste 1159 das Metalogicon, das er dem damaligen Kanzler König Heinrichs II., Thomas Becket, widmete. Im Metalogicon geht es um die Verteidigung des Triviums gegen damalige Anfeindungen. Johannes stellt die Nützlichkeit dieser freien Künste heraus, d.h. der Grammatik und der Logik. [Buhlmann, 04.2015]

Johannes von Wales [1260/75], Compendiloquium. Das Compendiloquium des Johannes von Wales (†1285) ist ein Handbuch zu antiker Philosophie und antiken Philosophen. Es besteht aus: Prolog, Inhalte der Philosophie, Philosophie als Beruf, berühmte und weniger berühmte Philosophen, philosophische Vollkommenheiten, Philosophie und die sieben freien Künste, philosophische Sekten, Apologien, Missbrauch von Philosophie, Orte der Philosophie. Das Compendiloquium als "Blütenlese" bietet u.a. eine "Biografie" des "höfischen Aristoteles", beruhend auf der lateinischen Aristoteles-Vita (Vita Latina). Vgl. Thomas Ricklin, De honore Aristotelis apud principes oder: Wie Aristoteles in die höfische Gesellschaft des 13. Jahrhunderts einzieht: Das Beispiel des Johannes von Wales, in: Grebner, Gundula, Fried, Johannes (Hg.) (2008), Kulturtransfer und Hofgesellschaft im Mittelalter. Wissenskultur am sizilianischen und kastilischen Hof im 13. Jahrhundert (= Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Bd.15), Berlin 2008, S.367-389. [Buhlmann, 05.2014]

Jordan von Giano [1262], Chronica Fratris Jordani ["Chronik des Bruders Jordan"], in: Hardick, Lothar (Übers.), Nach Deutschland und England. Die Chroniken der Minderbrüder Jordan von Giano und Thomas von Eccleston (= Franziskanische Quellenschriften, Bd.6), Werl 1957, S.1-40. Der Franziskanermönch Jordan von Giano (†n.1262) schildert in der sog. Chronica Fratris Jordani die Ankunft und Anfänge der fratres minores in Deutschland und Thüringen (1221) in der Rückschau von über 40 Jahren (humilitas der Ordensbrüder, Gründung von Niederlassungen, Franziskaner und Städte). Vgl. Müller, Thomas T., Schmies, Bernd, Loefke, Christian (Hg.) (2008), Für Gott und die Welt. Franziskaner in Thüringen (= Mühlhäuser Museen. Forschungen und Studien, Bd.1), Paderborn-München-Wien-Zürich 2008, S.32-37. [Buhlmann, 05.2013]

Juvencus, Evangelienharmonie [um 330] ist eine in vier Büchern gegliederte lateinische Zusammenschau der vier kanonischen Evangelien (insbesondere des Matthäusevangeliums). Der spätantik-christliche Dichter Vettius Aquilinus Juvencus (4. Jahrhundert), ein Priester vornehmer Abkunft aus dem römischen Spanien, verfasste die Evangelienharmonie um das Jahr 330 in Hexametern als Bibelepos. Im Mittelalter war die Evangelienharmonie als Schullektüre für den lateinischen Unterricht weit verbreitet. Mittelalterliche Juvencushandschriften (u.a. mit althochdeutscher Glossierung) sind: München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 6402 (8. Jahrhundert, 4. Viertel; Freising); London, British Museum Mss. Add. 19723 (10. Jahrhundert; Ottobeuren?); Trier, Stadtbibliothek 169/25 (11. Jahrhundert, 1. Hälfte; Trier?); Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana Marc. Lat. XII, 138 (12. Jahrhundert; oberdeutsch). Vgl. Ertmer, Dorothee, Studien zur althochdeutschen und altsächsischen Juvencusglossierung (= StAhd 26), Göttingen 1994, S.55-370. [Buhlmann, 07.2012]

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