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Lateinische Literatur
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VA = Vertex Alemanniae. Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte St. Georgen / Schriftenreihe zur südwestdeutschen Geschichte

Vacca [nach 65 n.Chr.], [Lebensbeschreibung des Lukan] ist eine zu einem unbekannten Zeitraum von einem (außer dem Namen) unbekannten Verfasser niedergeschriebene Vita des römischen Dichters Marcus Annaeus Lucanus (*39-†65 n.Chr.). Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.21. [Buhlmann, 01.2013]

Valerius Flaccus [Gaius Valerius Flaccus Setinus Balbus] [70/79 n.Chr. und später], Argonautica ["Argonautensage"]. Gaius Valerius Flaccus Setinus Balbus (†v. 95 n.Chr.) dichtete in Anlehnung an das griechische mythologische Epos des Apollonios von Rhodos (3. Jahrhundert v.Chr.) das lateinische Argonautenepos, das in acht Büchern die Abenteuer Jasons und der Argonauten auf ihrer Fahrt nach Kolchis (Buch 1-4; "Odyssee-Teil"), den Raub des Goldenen Vlieses und die Flucht Jasons und Medeas (Buch 5-8, "Ilias-Teil") schildert. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.25f. [Buhlmann, 01.2013]

Varius Rufus [1. Jahrhundert v.Chr., 2. Hälfte], De morte ["Über den Tod"]. Varius Rufus (1. Jahrhundert v.Chr., 2. Hälfte), Mitglied des Dichterkreises um Maecenas (*ca.70-†8 v.Chr.), gab nach dem Tod Vergils (*70-†19 v.Chr.) dessen Aeneis heraus. Er selbst dichtete das epikureische Lehrgedicht De morte, von dem nur Fragmente erhalten sind. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.43. [Buhlmann, 01.2013]

Varius Rufus [29 v.Chr.], Thryestes. In der römischen Kaiserzeit hochgeschätzt wurde die Tragödie Thryestes des Varius Rufus, die an den Spielen zur Erinnerung an die Schlacht bei Actium (29 v.Chr.) erfolgreich aufgeführt wurde. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.43f. [Buhlmann, 01.2013]

Varius Rufus [nach 29/27 v.Chr.], ["Lobrede auf Augustus"]. Vom Panegyricus des Varius Rufus auf Augustus sind nur wenige Fragmente erhalten. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.43. [Buhlmann, 01.2013]

Varro, [Marcus Terentius] [48/44 v.Chr.], Antiquitates rerum humanarum ["Menschliche Antiquitäten"]. Der spätrepublikanische Autor Marcus Terentius Varro (*116-†27 v.Chr.), systematisierender Antiquar und Bibliothekar, verfasste seine Antiquitates rerum humanarum in 25 Büchern. Das Werk ist nur fragmentarisch überliefert und gab einen Überblick über die Verfasstheit des römischen Staates. Es bildet damit die Voraussetzung von Varros Antiquitates rerum divinarum. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.120. [Buhlmann, 05.2015]

Varro, [Marcus Terentius] [48/44 v.Chr.], Antiquitates rerum divinarum ["Göttliche Antiquitäten"]. Varro legt in seinen nur fragmentarisch überlieferten 16 Büchern der Antiquitates rerum divinarum eine theologia tripartata vor, die er mythisch, physikalisch und bürgerlich nennt. Die "bürgerliche Religion" steht dabei für die spezifische Religion der Stadt Rom innerhalb des Systems universal-griechischer Philosophie. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.120; Rüpke, Jörg (2014), Römische Religion in republikanischer Zeit. Rationalisierung und ritueller Wandel, Darmstadt 2014, S.173-185. [Buhlmann, 05.2015]

Vas admirabile ["Bewundernswertes Gefäß", Lebensbeschreibung der heiligen Elisabeth von Thüringen] [vor 1239/40]. Auf der Grundlage des längeren Libellus (de dictis quatour ancillarum) verfasste wohl ein unbekannter Autor aus dem Umfeld um die römische Kurie eine "kuriale" Lebensbeschreibung der heiligen Elisabeth von Thüringen (*1207-†1231). Der Text zählt u.a. einige durch die verstorbene Elisabeth bewirkte Wunder auf und berichtet vom kirchlichen Kanonisationsverfahren, das zur Heiligsprechung Elisabeths führte. Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.229f. [Buhlmann, 12.2011]

Vatikan, Apostolische Bibliothek, Vat. Ross. 374 [15. Jahrhundert, Anfang], ist eine norditalienische Prachthandschrift mit Papstweissagungen. Papstvatizinien kamen am Ende des 13. bzw. zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf (genus nequam-, jüngere ascende calve-Variante von Vatizinien [14. Jahrhundert], vereinigt zu einer Folge von 30 Weissagungen [15. Jahrhundert, Anfang]). Vgl. Lucas, Jana Bildgewordene Zukunftsangst. Die Weissagungen über die Päpste, in: Das Konzil von Konstanz (1414-1418). Weltereignis des Mittelalters (= Ausstellungskatalog) (2014), Katalog, hg. v. Badischen Landesmuseum, Darmstadt 2014, S.321ff. [Buhlmann, 07.2014]

Venedig [Stadt] [Mittelalter], cartae. Weit verbreitet, besonders im frühen und hohen Mittelalter, waren die venezianischen cartae als Dogen-, Handels- oder Krediturkunden, als beglaubigte Kopien u.a., zum überwiegenden Teil und zunehmend unterfertigt von Laien. Die cartae zeichneten sich durch eine spezielle Form von Protokoll (mit Datierung) und Eschatokoll (Aussteller- und Zeugenunterfertigungen, Notitia testium von Notaren zunehmend fehlend) aus. Urkundenabschriften wurden beglaubigt durch Notare, Laienzeugen oder iudices (iudices examinatores seit dem 13. Jahrhundert). Verwendung fanden die cartae innerhalb des ganzen venezianischen Dogats, aber auch bei venezianischen Kaufleuten im östlichen Mittelmeerraum (Konstantinopel, Griechenland, Kreuzfahrerstaaten). Vgl. Fees, Irmgard (2002), Eine Stadt lernt schreiben. Venedig vom 10. bis zum 12. Jahrhundert (= BHDIR 103), Tübingen 2002. [Buhlmann, 05.2014]

Vergil [Publius Vergilius Maro] [kurz vor 40 v.Chr.], Eklogen. Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.), der bedeutende römische Lyriker und Epiker, verfasste in den 40er-Jahren v.Chr. seine bukolischen Dichtungen als Eklogen ("ausgewählte Stücke") in daktylischen Hexametern. Von den 10 Eklogen passen als poetische Paare zusammen: Ekloge 1 und 9 (Glück, Freiheit), 2 und 8 (Liebesklagen), 3 und 7 (Gesangswettstreit), 4 und 5 (Kosmogonie), 6 und 10 (Poetik, Didaktik, Cornelius Gallus). Vgl. Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, S.50-86. [Buhlmann, 06.2013]

Vergil [Publius Vergilius Maro] [kurz vor 40 v.Chr.], Vierte Ekloge, in: Steinmann, Kurt, Meisterstücke der griechischen und römischen Literatur (= RUB 9730), Stuttgart 1998, S.153-163. Publius Vergilius Maro verkündet in seiner Vierten Ekloge - die bukolische Dichtung wurde im Jahr 40 v.Chr. veröffentlicht - ein neues goldenes Zeitalter, eingeleitet durch die Geburt eines (göttlichen) Kindes, das eine "Weltwende" weg von der Zeit der römischen Bürgerkriege und der späten römischen Republik einleitet. Prophezeit durch Astrologie und Sibylle, bringt das aufwachsende und erwachsen werdende Kind das neue Zeitalter und damit Frieden und Gerechtigkeit, ein Ende der Ausbeutung von Erde und Natur sowie eine optimistische Weltsicht der Menschheit. Die Erlösung der Welt durch ein Kind entsprach nicht zuletzt christlichem Gedankengut, wodurch Vergil im christlichen Mittelalter zu einem geschätzten Dichter wurde. [Buhlmann, 04.2011]

Vergil [Publius Vergilius Maro] [37/36/30/29 v.Chr.], Georgica. Vom Landbau. Lateinisch und Deutsch, hg. v. Heinrich Naumann (= Goldmann (Griechische und Römische) Klassiker, Nr.2587), München 1970. Die Georgica des Publius Vergilius Maro ist ein Hexametern verfasstes Lehrgedicht um Ackerbau, Obstbau, Viehzucht und Bienenzucht. Vergil schildert die labor improbus der Bauern, den pessimistisch empfundenen Gegensatz von Kultur und Natur. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.31f. [Buhlmann, 07.2012]

Vergil [Publius Vergilius Maro] [29/19 v.Chr.], Aeneis. Epos in zwölf Gesängen, hg. v. Wilhelm Plankl (= RUB 221), 1989, Nachdruck Stuttgart 2002. Publius Vergilius Maro dichtete das römische "Nationalepos" in Hexametern und 12 Büchern, von denen die ersten sechs die Irrfahrten des Aeneas von Troja über Karthago nach Latium ("Odysseeteil") schildern, die zweiten sechs über die Kämpfe in Latium berichten ("Iliasteil"). Aeneas folgt seiner durch die Götter gegebenen Aufgabe, parallel zum Geschehen bei den Menschen wird das Handeln der Götter dargestellt. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.19f; Suerbaum, Werner (2011), Vergils Aeneis. Epos zwischen Geschichte und Gegenwart (= RUB 17618), Stuttgart 2011. [Buhlmann, 07.2012]

Vergilus Sangalliensis [6. Jahrhundert n.Chr.]. Von der aus Italien stammenden Handschrift in Capitalis quadrata, die früher alle Werke des Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.) enthielt, sind nur noch 12 Blätter vorhanden. Die Handschrift befand sich mindestens im 12. Jahrhundert in St. Gallen. Vgl. Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, S.171f. [Buhlmann, 06.2013]

Vergerio, Pier Paolo [um 1440], De ingenuis moribus et liberalibus adolescentiae studiis ["Über die edlen Anlagen und freien Beschäftigungen der Jugend"]. Der Humanist Pier Paolo Vergerio (*1370-†1444) bietet mit seiner humanistischen Bildungsschrift De ingenuis moribus et liberalibus adolescentiae studii einen etwas unsystematischen Zugang zu den Grundsätzen von (Jugend-) Pädagogik und Didaktik (Bedeutung der Bildung, Systematik der Lehre, Theorie und Praxis, Bedeutung von Latein [und Griechisch]). Die Schrift hatte Vorbildcharakter für humanistische Autoren der folgenden Jahrzehnte. Vgl. Korenjak, Martin (2016), Geschichte der neulateinischen Literatur, München 2016, S.121f. [Buhlmann, 07.2016]

Versus de passione sancti Adalberti ["Gedicht über die Leiden des Adalbert (von Prag)"] [11. Jahrhundert?]. Mit den ottonischen Herrschern im ostfränkischen Reich verwandt, entschloss sich Wojciech/Adalbert (*ca.956-†997), einer slawischen Fürstenfamilie (Libice) angehörend, eine christliche Ausbildung in Magdeburg zu absolvieren (Firmung, Meister Othrik), um danach im Umfeld des Prager Bischofs Thietmar (†982) geistlich zu wirken. Beim Tod Thietmars wurde Adalbert desssen Nachfolger im Prager Bistum (982-988, 992-994/95), scheiterte aber in dem Bischofsamt an inneren und politischen Widerständen (Blutbad von Libice 995), um schließlich bei einer versuchten Mission der Prußen im Baltikum den Märtyrertod zu sterben (23. April 997). Die Schrift Versus de passione sancti Adalberti stellt eine (frühe) Lebensbeschreibung des Heiligen Adalbert dar (wenn auch nicht die älteste). Vgl. Heiligenleben zur deutsch-slawischen Geschichte. Adalbert von Prag und Otto von Bamberg, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 23), Darmstadt 2005, S.16. [Buhlmann, 04.2016]

VHKNB = Veröffentlichungen der historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen

Victor-Codex [541/54] [Landesbibliothek Fulda, Cod. Bonifat. 1]. Der sog. Victor-Codex, geschrieben für Bischof Victor von Capua (541-554), gehörte wohl zur Handbibliothek des heiligen Missionars und Bischofs Winfrid-Bonifatius (†754). Beim Martyrium des Heiligen waren dessen Handschriften zerstreut worden. Der Victor-Codex gelangte jedoch vor 760/68 ins Kloster Fulda. Er enthält eine Abschrift der Evangelienharmonie (Diatesseron) des Tatian. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.96. [Buhlmann, 05.2012]

Victricius von Rouen [vor 409 n.Chr.], De laude sanctorum ["Vom Lob der Heiligen"], in: Foebadius, Victricius, Leporius, Vincentius Lerinensis, Evagrius, Ruricius (= CCSL 64), hg. v. Roland Demenlenaere, Turnhout 1985, S.?. Der Römer Victricius (*ca.340-†vor 409) war Bischof von Rouen, Verfasser der christlichen Schrift "Vom Lob der Heiligen" und Heiliger. Geboren um 340, machte Victricius in der römischen Armee Karriere, bis er sich zwischen 360 und 363 für das Christentum entschied und den Militärdienst verließ; dabei wurde er zu einer schweren körperlichen Strafe, angeblich auch zum Tode verurteilt. In der Folgezeit betätigte sich Victricius missionarisch, seit 380/86 war er Bischof von Rouen. Kurz nach 386 traf Victricius in Vienne auf den (heiligen) Martin von Tours (*ca.316-†397) sowie auf den Asketen und Mönch Paulinus von Nola (*vor 355-†431), mit dem er in brieflichen Kontakt stand (397/98 und 403/04). Der Anklage, er würde der christlichen Häresie des Apollinarismus anhängen, begegnete Victricius mit einer Reise nach Rom zum römischen Bischof (403/04). Zu einem unbekannten Zeitpunkt ist der Bischof von Rouen verstorben. Von Victricius von Rouen ist nur ein einziges schriftstellerisches Werk erhalten. De laude sanctorum ("Vom Lob der Heiligen") befasst sich mit der theologischen Rolle der Reliquien bei der Heiligenverehrung. Victricius selbst wurde in der Folgezeit als Heiliger verehrt, sein Grab befand sich an seinem Bischofssitz Rouen. Erstmals erkennbar wird die Heiligenverehrung um den Bischof im 9. Jahrhundert in den Diözesen Amiens, Arras, Rouen und Soissons; Festtag war (und ist) der 7. August. [Buhlmann, 01.2008]

Vincent von Beauvais [vor 1264], Speculum historiale ["Weltgeschichte", bis ca. 1250]. Der Dominikanermönch Vincent von Beauvais (*v.1200-†1264) verfasste im Zuge seines dreiteiligen aus Speculum naturale, Speculum doctrinale und Speculum historiale bestehenden Enzyklopädie Speculum maius eine Weltgeschichte (Speculum historiale), die, ca. 3600 Kapitel und 31 Bücher umfassend, auch rund 900 Heiligenviten enthält, darunter die Viten Heiliger seines Jahrhunderts wie Franziskus von Assisi, Dominikus, Antonius von Padua, Maria von Oignies oder Elisabeth von Thüringen. Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.230f. [Buhlmann, 12.2011]

Vincent von Beauvais [vor 1264], Speculum maius ["Größerer Spiegel"]. Das Speculum maius des Vincent von Beauvais besteht aus dem Speculum naturale, Speculum doctrinale und Speculum historiale. Das Speculum naturale behandelt Schöpfung, Himmel und Erde, das Speculum doctrinale die Geistes- und technischen Wissenschaften, das Speculum historiale die Menschheitsgeschichte. Vgl. Reichert, Folker (2013), Das Bild der Welt im Mittelalter, Darmstadt 2013, S.69-74. [Buhlmann, 12.2011]

Vincentius [magister, Bischof von Krakau?] [12. Jahrhundert, Ende/13. Jahrhundert, Anfang], Magistri Vincentii Chronica Polonorum. Die Chronik der Polen des Magisters Vincentius, hg. v. Eduard Mühle (= FSGA A 48), Darmstadt 2014. Die Chronik der Polen des Magisters Vincentius, des polnischen Geistlichen und wahrscheinlich Krakauer Bischofs (1207-1218; Resignation 1218, Seligsprechung 1764), ist unterteilt sich in vier Bücher, von denen Buch I bis III die polnische Geschichte in Form eines Dialoges wohl zwischen den "berühmten Männern" Bischof Matthäus von Krakau (†v.1166) und Erzbischof Johannes von Gnesen (†v.1177) wiedergibt. Die in einem manieristischen Latein verfasste Chronik stellt unter vielfachem Verweis auf antike und biblische Geschichte die Entwicklung der polnischen res publica bzw. patria von den mythischen Anfängen (Legende von Popiel und Piast) bis in die aktuelle Zeit dar. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des polnischen Fürsten- (und Königs-) Geschlechts der Piasten von der Reichsbildung (Reichsgründung) unter Mieszko I. (†992) und Boleslaw I. Chrobry (992-1025) über die Zeit der Herzogtümer (Großpolen, Kleinpolen, Schlesien, Masowien) und der Senioratsverfassung bis zur Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert unter den piastischen Herzögen Heinrich I. (†1238), Kasimir (†1229/30), Leszek (†1227) und Konrad I. (†1247). Die Chronica Polonorum wurde ab dem 13. Jahrhundert vielfach rezipiert (Chronik als Lehrmittel an Universitäten [15. Jahrhundert]), Abschriften der Chronik datieren frühestens ins 15. Jahrhundert. [Buhlmann, 01.2015]

Visio Eucherii [858 und später]. Erstmals in einem Brief Erzbischof Hinkmars von Reims (845-882) taucht die Visio Eucherii auf, eine Vision des heiligen Bischofs Eucherius von Orleans (716-738), nach der der fränkische Hausmeier Karl Martell (714-741) wegen der (angeblichen) Säkularisation von Kirchengut in der Hölle leiden würde. Eucherius soll seine Vision dem Missionar und Bischof Bonifatius und Abt von Fulrad von St. Denis mitgeteilt haben. Letztere öffneten das Grab Karls, aus dem ein Drache entstieg. Die Visio Eucherii kommt ebenfalls vor in der Historia Remensis ecclesiae des Flodoard von Reims und in den Gesta Treverorum. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.201f. [Buhlmann, 05.2012]

Visio Rudolfi [um 1207] ["Vision Rudolfs (von Kaisheim)"] als Langversion, in: Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.197-218. Die Vision des Zisterziensermönches Rudolf von Kaisheim wurde vom Salemer Abt Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) verbreitet, der auch eine Kurzversion der Vision niederschrieb. Im Kloster Salem ist dann in der Amtszeit Eberhards die Langversion der Visio Rudolfi entstanden, die von einer Erscheinung des Herrenleibs Christi anlässlich der Konsekration des Leibes und Blutes Christi berichtet. [Buhlmann, 10.2012]

Vita Adalberti prior ["Ältere Lebensbeschreibung des Adalbert (von Prag)"] [998/99], als: Heiligenleben zur deutsch-slawischen Geschichte. Adalbert von Prag und Otto von Bamberg, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 23), Darmstadt 2005, S.28-69. Mit den ottonischen Herrschern im ostfränkischen Reich verwandt, entschloss sich Wojciech/Adalbert (*ca.956-†997), einer slawischen Fürstenfamilie (Libice) angehörend, eine christliche Ausbildung in Magdeburg zu absolvieren (Firmung, Meister Othrik), um danach im Umfeld des Prager Bischofs Thietmar (†982) geistlich zu wirken. Beim Tod Thietmars wurde Adalbert desssen Nachfolger im Prager Bistum (982-988, 992-994/95), scheiterte aber in dem Bischofsamt an inneren und politischen Widerständen (Blutbad von Libice 995), um schließlich bei einer versuchten Mission der Prußen im Baltikum den Märtyrertod zu sterben (23. April 997). Die "ältere Lebensbeschreibung des Adalbert (von Prag)" wurde bald nach dessen Tod - vielleicht von Johannes Canaparius vom römischen Aventinkloster - verfasst, wobei Kaiser Otto III. (983-1002) Lebensbeschreibung und Verehrung Adalberts maßgeblich förderte ("ottonische" Redaktion A [998/99], klösterlich-aventinische Redaktion B [1002]). Adalbert wurde so u.a zum Heiligen Böhmens, Polens und Ungarns. [Buhlmann, 04.2016]

Vita altera Bonifatii [1011/66], in: Vitae sancti Bonifatii archiepiscopi, hg. v. Wilhelm Levison (= MGH. Scriptores rerum Germanicarum, Bd.57), Berlin-Leipzig 1905, S.62-78. Nach seinem Martyrium fand Winfrid-Bonifatius (†754) alsbald Verehrung u.a. in Mainz, dessen Bischof er gewesen war. Zur Verehrung des Heiligen gehörte nicht zuletzt die Abfassung der zweiten Bonifatiusvita. Wohl in die 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts zu setzen ist die auf den Bischofssitz Utrecht und das Martyrium des Heiligen bezogene Vita altera Bonifatii, vielleicht von Bischof Friedrich von Utrecht (820-835) verfasst. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.140-146. [Buhlmann, 05.2012]

Vita Antonii [nach 356]. Die von einem anonymen Verfasser nach 356 niedergeschriebene Vita Antonii ist die erste lateinische Übersetzung der griechischen Vita Antonii des alexandrinischen Bischofs Athanasius (kurz nach 356) über das Leben des ägyptischen Eremiten und Mönchs Antonius (*251-†356). Vgl. Gemeinhardt, Peter (2013), Antonius, der erste Mönch. Leben - Lehre - Legende, München 2013, S.143. [Buhlmann, 06.2014]

Vita Latina des Aristoteles [13. Jahrhundert, Anfang]. Die lateinische Aristoteles-Vita wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts aus einer (heute verschollenen, neoplatonisch eingestellten) griechischen Lebensbeschreibung des berühmten Philosophen übersetzt. Die Vita Latina hat nach dem Compendiloquium des Johannes von Wales (†1285) einen Umfang von sieben Kapiteln (Kapitelüberschriften des Johannes von Wales). Vgl. Thomas Ricklin, De honore Aristotelis apud principes oder: Wie Aristoteles in die höfische Gesellschaft des 13. Jahrhunderts einzieht: Das Beispiel des Johannes von Wales, in: Grebner, Gundula, Fried, Johannes (Hg.) (2008), Kulturtransfer und Hofgesellschaft im Mittelalter. Wissenskultur am sizilianischen und kastilischen Hof im 13. Jahrhundert (= Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel, Bd.15), Berlin 2008, S.367-389. [Buhlmann, 05.2014]

Vita Liudgeri secunda [850/55] ["Zweite Lebensbeschreibung des heiligen Liudger"], in: Die Vitae sancti Liudgeri, hg. v. Wilhelm Diekamp (= Die Geschichtsquellen des Bistums Münster, Bd.4), Münster 1881, S.54-84; als: Vita secunda sancti Liudgeri. Vollständige Faksimileausgabe, hg. v. Eckard Freise, Graz-Bielefeld 1993. Altfrid, Bischof von Münster (839-849) und Verwandter des heiligen Missionars, Klostergründers und Bischofs Liudger (†809), schrieb mit seiner Vita Liudgeri den frühesten Bericht über das Leben Liudgers. Merkwürdigerweise erwähnt Altfrid darin das Kloster Werden a.d. Ruhr, die Klostergründung und Grablege Liudgers, nur an zwei Stellen, ein von den dortigen Mönchen stark empfundener Mangel, der dazu führte, dass bald - in den Jahrzehnten nach der Mitte des 9. Jahrhunderts - die Vita Liudgeri secunda und die Vita Liudgeri tertia entstanden, die in ihren Erzählungen dem Geschehen um das Kloster Werden mehr Raum gaben. So schildert die zweite Liudgervita in Buch I die Schwierigkeiten, die Liudger und seine Mönche bei der Rodung des Werdener Klostergrundes zu überwinden hatten, doch kam dem Heiligen ein göttliches Wunder zu Hilfe. Die Vita secunda ist u.a. überliefert in einer bebilderten Pergamenthandschrift aus der Zeit um 1100 (Staatsbibliothek Berlin Ms. theol.lat.fol. 323). [Buhlmann, 04.2012]

Vita Liudgeri tertia [vor 875] ["Dritte Lebensbeschreibung des heiligen Liudger"], in: Die Vitae sancti Liudgeri, hg. v. Wilhelm Diekamp (= Die Geschichtsquellen des Bistums Münster, Bd.4), Münster 1881, S.85-134. Die Vita Liudgeri tertia, überliefert in einer ältesten erhaltenen Handschrift von der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert, fußt auf der Vita Liudgeri Altfrids und der Vita Liudgeri secunda und stellt besonders die Wunder des heiligen Missionars, Klostergründers und Bischofs Liudger (†809) heraus. [Buhlmann, 04.2012]

Vita Liutbirgae [853/70/86] ["Lebensbeschreibung der Liutbirg"], als: Das Leben der Liutbirg, hg. v. Ottokar Menzel (= MGH. Deutsches Mittelalter, Bd.3), 1937, Ndr Stuttgart 1978. Vor dem Hintergrund der Bildungsbeziehungen zwischen dem Kloster Fulda und dem Bistum Halberstadt im 9. Jahrhundert entstand im Bistum Halberstadt zur Zeit Bischofs Hildigrims des Jüngeren (853-886) die lateinische Lebensbeschreibung der heiligen Liutbirg. Liutbirg (†v.870) war eine sächsische Heilige, eine Einsiedlerin beim Kloster Wendhausen. Sie besaß Beziehungen zur Gräfin Gisela, der Gründerin des Klosters Wendhausen, und zu den Bischöfen Haimo von Halberstadt (840-853) und Ansgar von Hamburg-Bremen (834/49-865). Vgl. Jäschke, Kurt-Ulrich (1970), Die älteste Halberstädter Bischofschronik (= Mitteldeutsche Forschungen 62/I = Untersuchungen zu mitteldeutschen Geschichtsquellen des hohen Mittelalters, Tl.I), Köln-Wien 1970, S.190f. [Buhlmann, 04.2012]

Vita Ottonis episcopi Bambergensis ["(Prüfeninger) Lebensbeschreibung des Bischofs Otto von Bamberg"] [1140/46], als: Petersohn, Jürgen (Hg.) (1999), Die Prüfeninger Vita Bischof Ottos I. von Bamberg nach der Fassung des Großen Österreichischen Legendars (= MGH SSrG US 71), Hannover 1999; als: Heiligenleben zur deutsch-slawischen Geschichte. Adalbert von Prag und Otto von Bamberg, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 23), Darmstadt 2005, S.119-191. Der Bamberger Bischof Otto I. (1102-1139) machte sich u.a. in der Reichspolitik (Wormser Konkordat 1122) und in der Klosterreformbewegung (Klostergründungen) einen Namen; weiter ist er als Missionar der heidnischen Pommern (1124/25, 1128) berühmt geworden. Über den bald als Heiligen verehrten und 1189 heiliggesprochenen Bischof entstanden noch im 12. Jahrhundert drei lateinische Lebensbeschreibungen. Die erste ist eine Vita aus dem bayerischen Kloster Prüfening, verfasst unter Abt Erbo I. (1121-1162) von einem unbekannten Mönch (und wohl nicht von Wolfger von Prüfening). Entstanden ist diese lateinische Vita zwischen 1140 und 1146, überliefert ist sie (u.a.) im Großen Österreichischen Legendar (Magnum Legendarium Austriacum), einer Sammlung von hagiografischen Texten vom endenden 12. Jahrhundert. Der unbekannte Autor der Lebensbeschreibung Ottos hatte diese in drei Bücher unterteilt, denen er jeweils ein Vorwort voranstellte. Dabei nahm er Bezug auf die Martinsvita des Sulpicius Severus, dem Prototyp mittelalterlicher Hagiographie, zitierte antike Autoren (Sallust, Vergil u.a.) oder verwendete liturgische Vorlagen aus dem Kloster Prüfening und natürlich die Bibel. Diesen Entlehnungen entsprechen Stil, Rhetorik und Aufbau der Vita. Inhaltlich basiert die Lebensbeschreibung Ottos als Geschichtsschreibung auf der Relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis ("Bericht über die frommen Werke des Bamberger Bischofs Otto"), eine Art Rechenschaftsbericht über Bamberger Bistum und Kirche zurzeit Ottos, auf an den Bischof gegangene Papsturkunden, auf Geschichtsüberlieferungen im Kloster Prüfening sowie auf mündlichen Berichten, insbesondere was die zwei Missionsreisen des Bischofs betrifft. Die Ottovita verankert das Wirken des Bamberger Bischofs eher im Spirituellen und Liturgischen; insofern haben dort die Missionsreisen Ottos zu dem Pommern ihren eigenen Stellenwert. [Buhlmann, 04.2016]

Vita quarta Bonifatii [1011/66], in: Vitae sancti Bonifatii archiepiscopi, hg. v. Wilhelm Levison (= MGH. Scriptores rerum Germanicarum, Bd.57), Berlin-Leipzig 1905, S.90-106. Nach seinem Martyrium fand Winfrid-Bonifatius (†754) alsbald Verehrung u.a. in Mainz, dessen Bischof er gewesen war. Zur Verehrung des Heiligen gehörte nicht zuletzt die Abfassung der (vierten) Vita quarta Bonifatii von einem anonymen Mainzer Geistlichen. Die Vita quarta nimmt die Vita Bonifatii Willibalds auf, die sie verkürzt und ergänzt. Zweck der Vita ist daher weniger die Belehrung als die Unterhaltung; Bonifatius wird als Mainzer Bischof und Seelsorger gewürdigt. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.130-133. [Buhlmann, 05.2012]

Vita quinta Bonifatii [11. Jahrhundert?], in: Vitae sancti Bonifatii archiepiscopi, hg. v. Wilhelm Levison (= MGH. Scriptores rerum Germanicarum, Bd.57), Berlin-Leipzig 1905, S.107-110. Die (fünfte) Vita quinta Bonifatii eines anonymen Verfassers entstand wohl im 11. Jahrhundert und fußt auf der Vita Bonifatii Willibalds und anderen Viten wie der Vita Willibrordi Alkuins. Die Bonifatiusvita bringt gegenüber den Vorgängerviten nichts Neues. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.200. [Buhlmann, 05.2012]

Vita sancti Servatii [nach 1130]. Die Vita sancti Servatii schildert Leben und Wunder des heiligen Bischofs Servatius von Tongern-Maastricht (*343-†384?). Sie fußt auf den Actus sancti Servatii (1066/88) des Iocundus und den Gesta sancti Servatii (des Stephan von Maastricht?) und war u.a. Vorlage für den Sente Servas des Heinrich von Veldeke (†ca.1200?). Vgl. Heinric van Veldeken, Sente Servas. Mittelniederländisch/Neuhochdeutsch, hg. u. übers. v. Jan Goossens, Rita Schlusemann, Norbert Voorwinden (2008) (= BiMiLi III), Münster 2008, S.352. [Buhlmann, 05.2013]

Vita sancti Servatii antiquissima [bis 8. Jahrhundert]. Die Vita sancti Servatii antiquissima ist die älteste Lebensbeschreibung über den heiligen Bischof Servatius von Tongern-Maastricht (*343-†384?). Handschrifliche Textzeugen reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. Vgl. Heinric van Veldeken, Sente Servas. Mittelniederländisch/Neuhochdeutsch, hg. u. übers. v. Jan Goossens, Rita Schlusemann, Norbert Voorwinden (2008) (= BiMiLi III), Münster 2008, S.351. [Buhlmann, 05.2013]

Vita sancti Servatii Traiectensis episcopi [11. Jahrhundert, 1. Hälfte]. Die Vita sancti Servatii Traiectensis episcopi schildert Leben und Wunder des heiligen Bischofs Servatius von Tongern-Maastricht (*343-†384?). Vgl. Heinric van Veldeken, Sente Servas. Mittelniederländisch/Neuhochdeutsch, hg. u. übers. v. Jan Goossens, Rita Schlusemann, Norbert Voorwinden (2008) (= BiMiLi III), Münster 2008, S.352. [Buhlmann, 05.2013]

Vita Symeonis Achivi [934/58], als: Berschin, Walter, Klüppel, Theodor, Die Legende vom Reichenauer Kana-Krug. Die Lebensbeschreibung des Griechen Symeon (= RTB 2), Sigmaringen 1992. Die Vita Symeonis Achivi eines unbekannten Reichenauer Mönchs, angefertigt wahrscheinlich in der Amtszeit des Abtes Alawich I. (934-958), schildert das Leben des griechischen "Herzogs" und Mönchs Symeon, der auf der Reichenau Unterschlupf fand und dort (angeblich) um 926 starb. Die Vita schildert auch die Irrwege des Kana-Krugs (Wunder Jesu Christi: Hochzeit zu Kana), bis er von Abt Hatto III. von Reichenau (888-913) (angeblich) 908 erworben wurde. Symeon, der auf der Suche nach dem Krug war, fand diesen dann endlich auf der Bodenseeinsel. [Buhlmann, 08.2013]

Vita tertia Bonifatii [917/1075 oder vor 900?], in: Vitae sancti Bonifatii archiepiscopi, hg. v. Wilhelm Levison (= MGH. Scriptores rerum Germanicarum, Bd.57), Berlin-Leipzig 1905, S.79-89. Nach seinem Martyrium fand Winfrid-Bonifatius (†754) alsbald Verehrung u.a. in Mainz, dessen Bischof er gewesen war. Zur Verehrung des Heiligen gehörte nicht zuletzt die Abfassung der dritten Bonifatiusvita. Aus dem 10. oder 11. Jahrhundert (917/1075) stammt die wahrscheinlich in Utrecht entstandene Vita tertia Bonifatii. Die Vita stellt Bonifatius als Missionar und das Martyrium des Heiligen heraus. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.136-149. [Buhlmann, 05.2012]

Vita Theogeri abbatis S. Georgii et episcopi Mettensis [1140er-Jahre], hg. v. Philipp Jaffé, in: MGH. Scriptores (in Folio), Bd.12: [Historiae aevi Salici], hg. v. Georg Heinrich Pertz u.a., 1866, Ndr Stuttgart 1968, S.449-479. Die lateinische Lebensbeschreibung des heiligen Theoger wurde von einem Mönch, vielleicht von Wolfger von Prüfening (†nach 1173), aus dem Benediktinerkloster Prüfening in den 40er-Jahren des 12. Jahrhunderts verfasst und damit nur wenige Jahre nach dem Tod des Protagonisten. Das Werk ist in zwei Bücher mit mehr als 37 bzw. 30 Kapiteln unterteilt. Der Anfang von Buch I ist nicht erhalten und wurde vom Editor der Vita in den Monumenta Germaniae Historica durch Ausführungen des benediktinischen Gelehrten Johannes Trithemius (*1462-†1516) ergänzt. Dasselbe gilt für das Ende von Buch II. [Buhlmann, 03.2004]

Vita Verenae prior [ca.880?, nach 887?] ["Ältere Lebensbeschreibung der heiligen Verena von Zurzach"], in: Reinle, Adolf, Die Heilige Verena von Zurzach (= Ars Docta VI), Basel 1948, S.?. Hatto (I., 891-913) war Mainzer Erzbischof und u.a. Abt des Klosters Reichenau im ostfränkischen Reich. Die von Hatto angefertigte "ältere Lebensbeschreibung der heiligen Verena" ist ein kurzer "Jungfrauenspiegel", eine Hymne auf die Jungfräulichkeit und Keuschheit von Frauen im Dienste Gottes und der Kirche. Hatto nahm dazu die heilige Verena von Zurzach als nachahmenswertes Vorbild. Verena (†ca.320 oder 350, in Zurzach) erlebte (angeblich?) die diokletianische Christenverfolgung im römischen Reich in Ägypten und am Hochrhein (Agaunum, Mauritius und die Thebäische Legion). Gewidmet ist die um 880 (oder nach 887?) niedergeschriebene Vita wohl der Richgardis, der Ehefrau von Kaiser Karl III. (876-887/88). 881 schenkte der karolingische Herrscher Richgardis die um 740/50 entstandene Zurzacher Mönchsgemeinschaft, die wohl nach dem Tod des Herrschers (888) an die Bodenseeabtei Reichenau fiel. [Buhlmann, 03.2012]

Vita Willihelmi abbatis Hirsaugiensis auctore Haimone [1091/1105, nach 1106/07], hg. v. Wilhelm Wattenbach, in: MGH. Scriptores (in Folio), Bd.12: [Historiae aevi Salici], hg. v. Georg Heinrich Pertz u.a., 1866, Ndr Stuttgart 1968, S.209-225. Die Lebensbeschreibung des Hirsauer Abtes Wilhelm (1069-1091), die lateinische Vita Willihelmi, wurde vielleicht von dem Hirsauer Mönch Haimo niedergeschrieben, der vor 1088 erstmals bezeugt ist und die Vita wohl in der Hauptsache zur Zeit Abt Gebhards (1091-1105), des Nachfolgers Wilhelms, verfasste. Die letzten Kapitel der Lebensbeschreibung stammen aus der Zeit nach 1106/07. Die Vita enthält neben einem spröden Gerüst aus biografischen Fakten vielfach christlich-erbauliche Abschnitte sowie an der Bibel sich orientierende Wundererzählungen. [Buhlmann, 02.2010]

Vogteirollen des Grafen Friedrich von Isenberg [vor 1220, um 1220], als: Bentheim-Tecklenburg, Moritz Graf zu (1955), Stift Essen. Die große Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena (um 1220) (= Veröffentlichungen aus dem fürstlichen Archiv zu Rheda), Rheda 1955; Bentheim-Tecklenburg, Moritz Graf zu (1957), Stift Essen. Die kleine, ältere Vogteirolle der Grafen von Isenberg-Altena (vor 1220) (= Veröffentlichungen aus dem fürstlichen Archiv zu Rheda), Rheda 1957. In das 1. Drittel des 13. Jahrhunderts fallen die Auseinandersetzungen zwischen dem Kölner Erzbischof Engelbert I. dem Heiligen (1216-1225) und dem Grafen Friedrich von Isenberg (-Altena, †1226), als: Im Streit um die Vogtei der Essener Frauengemeinschaft ging Engelbert gegen seinen Verwandten Friedrich vor und wurde bei dem Versuch des Isenbergers, den Erzbischof gefangen zu nehmen, am 7. November 1225 bei Gevelsberg getötet. Der Graf ist dann im folgenden Jahr hingerichtet worden. Zur Wahrung seiner Rechte als Vogt (nicht nur über Besitz des Frauenstifts Essen) hat Graf Friedrich (vor 1220) die kleinere und (um 1220) die größere (Limburger) Vogteirolle (auf Latein) aufschreiben lassen. Aufgeführt werden in der größeren Vogteirolle 1440 Hofstellen (mansi) an über 900 Orten, grundherrschaftlich gegliedert in 36 Hofverbände (Villikationen) mit den Ober-, Haupt- bzw. Fronhöfen (curiae) an der Spitze. Erkennbar wird dadurch die umfangreiche Grundherrschaft der Essener Frauengemeinschaft. Die kleinere Vogteirolle des Grafen von Isenberg verzeichnet fast 1000 Hofstellen. Vgl. Krause, J. (Bearb.), 'Kleine', 'Große' Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg, in: Seibt, Ferdinand u.a. (Hg.), Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet (= Ausstellungskatalog), Essen 1990, Bd.1, S.136. [Buhlmann, 07.2012]

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