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Lateinische Literatur
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"Tafelgüterverzeichnis des römischen Königs" (Indiculus curiarum ad mensam regiam pertinentium) [ca.1150], in: Quellen zur deutschen Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis 1250, hg. v. Lorenz Weinrich (= FSGA A 32), Darmstadt 1977, S.188-191, Nr.51. Auf die Zeit des deutschen Königs Konrad III. (1138-1152) bzw. (wohl eher) König Friedrichs I. (1152-1190) geht der Indiculus curiarum ad mensam regiam pertinentium, das "Verzeichnis der zur königlichen Tafel gehörenden Güter" zurück. Es listet "Dienste", d.h. Lieferungen (Haustiere, Eier, Getreide) der königlich-grundherrschaftlichen Tafelgüter (Fronhöfe, Villikationen) auf. Vgl. Buhlmann, Michael (2015), Kaiserswerth: Reichsgut, Stadt und Judengemeinde im Reichssteuerverzeichnis von 1241 (= BGKw MA 21), Düsseldorf-Kaiserswerth 2015, S.12f; Weise, Wilhelm (2004), Der Hof der Kölner Erzbischöfe in der Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas (= SH 38), Düsseldorf 2004, S.75. [Buhlmann, 08.2012, 10.2015]

Terenz [Publius Terentius Afer] [161 v.Chr.], Phormio. Lateinisch-Deutsch, übers. u. hg. v. Peter Kruschwitz (= RUB 1869), Stuttgart 1999. Publius Terentius Afer (*193/83-†159 v.Chr.), ein römischer Freigelassener wohl aus Nordafrika, verfasste sechs (erhaltene) Komödien in Nachahmung der Neuen Komödie Griechenlands. Die in lateinischer Hochsprache verfasste, inhaltlich komplexe Komödie "Phormio" ist die Bearbeitung eines Stücks des griechischen Komödiendichters Apollodor von Karystos (3. Jahrhundert v.Chr., 1. Hälfte) wurde im Jahr 161 v.Chr. erstmals zur Aufführung gebracht. Im "Phormio" geht es um Verwicklungen, die sich aus einer (Verwandten-) Heirat ergeben. Antipho, der Sohn des Atheners Demipho, nutzt die Abwesenheit seines Vaters infolge einer Reise, um das Mädchen Phanium, in das er sich verliebt hat, unter Vermittlung des Parasiten Phormio zu heiraten. Als der Vater, gemeinsam mit dessen Bruder Chremes, von der Reise zurückkehrt, verzweifelt Antipho. Geta, der Sklave des Demipho, zettelt derweil eine Intrige an, damit Phaedra, der Sohn des Chremes, die Hetäre Pamphilia heiraten kann. Es stellt sich weiter heraus, dass Phanium die uneheliche Tochter des Chremes ist. Dies berichtet Phormio der Nausistrata, der Ehefrau des Chremes, und erzwingt dadurch die Heirat des Phaedra mit Pamphilia. [Buhlmann, 06.2012]

Tertullian [vor 197?], Adversus Iudaeos. Gegen die Juden. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Regina Hauses (= FC 75), Turnhout 2007. Quintus Septimius Florens Tertullianus (*135/160-†n.220 n.Chr.), ein christlicher Schriftsteller der römischen Kaiserzeit, stammte aus Karthago, war Anwalt und schrieb nach seiner Bekehrung zum Christen (193/95) auf Latein zahlreiche Werke zur christlichen Katechese und Askese, zur Apologie des Christentums und - als Anhänger der Orthodoxie der christlichen "Großkirche" - zu den christlich-gnostischen Häresien. In seiner Schrift "Gegen die Juden" betont Tertullian gegen einen jüdischen Proselyten (Konversionen zum Judentum) die Bedeutung von "neuem" Volk und "neuer" Religion des Christentums gegenüber dem "alten" Volk der Juden (Juden und Christen im römischen Nordafrika) unter Einbeziehung des das Neue Testament vorwegnehmenden Alten Testaments der Bibel bei Herausstellung der Gestalt des Gottessohnes Jesus Christus. Den Juden wurde die Gnade Gottes entzogen, die auf die Christen überging ("radikaler Enterbungsprozess"); dieser Übergang in ein zentraler Punkt in der durch Adversus Iudaeos dargelegten Geschichtskonzeption Tertullians. Die Schrift "Gegen die Juden" ist daher gleichsam auch eine Apologie ("Verteidigung") des Christentums und bezieht das Judentum als Vorläufer des Christentums historisch mit ein, macht somit aus dem "neuen" Christentum eine (auch im antik-heidnischen Umfeld anerkannte) "alte" Religion (Naturrecht -> Gesetz im Judentum als göttliches Recht -> christliches Gesetz; Ablösung von Beschneidung [geistliche Beschneidung der Christen], Sabbat, Opfer; christliche Heilsgeschichte [Jahrwochenrechnung des Buchs Daniel, alttestamentliche Prophezeiungen, Jesus Christus]). Tertullians Argumentation in Hinblick auf das Verhältnis von Juden und Christen wurde in den folgenden Jahrhundert vielfach aufgegriffen, u.a. und wohl erstmals von Hippolyt von Rom. [Buhlmann, 12.2016]

Tertullian [200/06], De praescriptione haereticorum. Vom prinzipiellen Einspruch gegen die Häretiker. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Dietrich Schleyer (= FC 42), Turnhout 2002. In der lateinischen Schrift "Vom prinzipiellen Einspruch gegen die Häretiker" wendet sich Tertullian gegen die Vertreter christlich-gnostischer Häresien, gegen Valentinian und die Valentinianer (Lahre [absteigende Emanationen]: Urvater - Äonen - Sophia und der Sündenfall im Pleroma - Achamoth - Demiurg - materielle Welt <-> Christus als Erlöser), gegen Marcion ("Evangelium der Wahrheit": Urvater - Demiurg und materielle Welt, Ablehnung des Alten Testaments, Gnosis als religiöse Erkenntnis) und dessen Schüler Apelles (Lehre: Gott als Urvater - "feuriger" Engel und materielle Welt, Christus als Erlösergott, Offenbarungen der Philumene). Dabei entkräftet Tertullian (durchaus mit einem Zirkelschluss) die gnostischen Strömungen im Christentum, indem er die "Apostolizität" der christlichen Orthodoxie nachweist (vollständige Vermittlung der christlichen Lehre durch Jesus an die Apostel, vollständige Weitergabe durch die Apostel an die entstehenden christlichen Gemeinden, vollständige Abfolge der mündlichen und schriftlichen Überlieferung in den christlichen Gemeinden). Er wendet sich dabei auch gegen die die Gnosis beeinflussende heidnische Philosophie u.a. des Platonismus und Neuplatonismus (Jerusalem - Athen, Areopagrede des Paulus, curiositas der heidnischen Philosophie), die er aber nicht grundsätzlich ablehnt. [Buhlmann, 03.2016]

Thegan(bert) [um 837], Vita Hludowici imperatoris ["Lebensbeschreibung Kaiser Ludwigs (des Frommen)"], in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Tl.1: Die Reichsannalen. Einhard, Leben Karls des Großen. Zwei "Leben" Ludwigs. Nithard, Geschichten, hg. v. Reinhold Rau (= FSGA A 5), Darmstadt 1955, S.213-353. Theganbert (†n.848), Propst des Bonner Cassiusstifts, erarbeitete ein schmucklose, sprachlich mit Fehlern behaftete, chronologisch (781-840) aufgebaute, annalistische Lebensbeschreibung Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840), des Sohns Kaiser Karls des Großen (768-814). Die Lebensbeschreibung ist durchsetzt mit Lob auf den Herrscher und Invektiven gegen dessen Gegner und Bischof Ebo von Reims. [Buhlmann, 01.2014]

Tibull [Albius Tibullus] [vor 27/19 v.Chr.], [Elegienbücher]. Über den römischen Dichter Albius Tibullus (wohl aus Umbrien) ist kaum etwas bekannt. Die beiden von ihm verfassten Elegienbücher (Corpus Tibullianum) widmete er dem Senator Marcus Valerius Messalla Corvinus. Das elegische Ich, der Dichter, berichtet darin u.a. von seinen leidvollen Liebeserfahrungen mit den angebeteten Geliebten, den Frauen Delia und Marathus sowie dem Knaben Nemesis (drei "Liebesgeschichten"). Vgl. Holzberg, Niklas (1990), Die römische Liebelegie. Eine Einführung, Darmstadt 62015, S.25f, 76-109. [Buhlmann, 09.2015]

"Tieler Annalen" [Annales Tielenses] [14. Jahrhundert, Mitte oder 15. Jahrhundert, Mitte], hg. v. Georg Waitz, in: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores (in Folio), Bd.24, hg. v. Georg Waitz, Hannover 1879, S.21-27. Die Tieler Annalen sind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht an diesem Ort entstanden. Sie reichen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts und sind wohl um diese Zeit niedergeschrieben worden, wenn auch in der historischen Forschung ein hundert Jahre späterer zeitlicher Ansatz diskutiert wird. Enthalten ist das Annalenwerk in einem Hamburger Codex aus dem 15. Jahrhundert; ein Chronicon Tielense stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und fasst Tieler Annalen und Utrechter Chronik des Johannes von Beka zusammen. Die Tieler Annalen sind eine Stadt- bzw. Landeschronik, eine lateinische Geschichte von Geldern, Holland und Utrecht, verfasst von einem anonym gebliebenen Autor oder doch von Bartholomäus von Beka (†1463). [Buhlmann, 08.2014]

ThQschr = Theologische Quartalschrift

[Touler Vita Papst Leos IX.] [1049/50-1058/61], als: Krause, Hans-Georg (Hg., Übers.) (2007), Die Touler Vita Leos IX. (= MGH. Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi, Bd.70), Hannover 2007. Die von einem anonymen (Touler?) Geistlichen verfasste Vita Leonis IX. papae schildert - verfasst in Reimprosa, durchsetzt mit Wundern und Visionen - Herkunft und Ausbildung Brunos von Toul, dessen Zeit als Touler Bischof (1026-1051; Wahl und Einsetzung als Bischof, 1. Italienzug König Konrads II. 1026, Gesandtschaft nach Frankreich 1033, Krankheit 1033/34, Schlacht bei Bar-le-Duc 1037) und das Pontifikat Brunos als Papst Leo IX. (1049-1054; Designation 1048, Wahl und Einsetzung 1049, römische Synoden 1049/50, Reisen nach Süditalien (Benevent) und ins deutsche Reich 1049/53, [Schisma mit Byzanz 1054], Schlacht bei Civitate 1053, Aufenthalt in Benevent 1053/54, Tod 1054). [Buhlmann, 08.2013]

Tractatus super statu monasterii Salem [1337/42 - 16. Jahrhundert, Anfang] ["Traktat über den Zustand des Klosters Salem (von 1134 bis 1337)"], als: Chronik von Salmannsweiler, in: Mone, Franz Josef (Hg.), Quellensammlung der badischen Landesgeschichte, Bd.3, Karlsruhe 1863, S.18-41. Die unter Abt Ulrich III. von Salem (1337-1358) angefertigte Klosterchronik ist heute verschollen, abschriftlich und mit Ergänzungen versehen aber in einer Handschrift des beginnenden 16. Jahrhunderts erhalten geblieben. Der Tractatus will seinen Lesern "richtiges" Klosterleben vermitteln und geht dazu schwerpunktmäßig auf den Abbatiat Abt Ulrichs II. von Seelfingen (1282-1311) und den seines Nachfolgers Konrad von Enslingen (1311-1337) ein. Vgl. Borst, Arno (1978), Mönche am Bodensee (610-1525), Sigmaringen 1978, S.207; Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.4f. [Buhlmann, 10.2012]

Translatio sancti Epiphanii [993/1022] ["Translation des heiligen Epiphanius"], in: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores (in Folio), Bd.4, hg. v. G.H. Pertz, 1841, Ndr Stuttgart 1968, S.248-251. Der Hildesheimer Bischof Othwin (954-984) veranlasste bei seinem Aufenthalt in Pavia (962) den "heiligen Diebstahl" vorzugsweise von Reliquien des heiligen Paveser Bischofs Epiphanius (466-497). Hauptausführender der Unternehmung war der Hildesheimer Priester Tankward. Obwohl der Diebstahl entdeckt wurde, gelang es Othwin, der die Reliquien zum Kloster Reichenau vorausgeschickt hatte, diese wohlbehalten nach Hildesheim zu überführen. Feierlich wurden die Reliquien dort im Dom untergebracht und wirkten alsbald Wunder. Die "Translation des heiligen Epiphanius" ist von einem anonymen Verfasser aus dem Umkreis des Hildesheimer Domstifts nach Othwins Ableben, wahrscheinlich zur Zeit des Hildesheimer Bischofs Bernward (993-1022) wenig kunstvoll niedergeschrieben worden. Vgl. Binding, Günther (2013), Die Michaeliskirche in Hildesheim und Bischof Bernward als sapiens architectus, Darmstadt 2013, S.250. [Buhlmann, 07.2013]

Translatio sancti Marci [9./10. Jahrhundert] ["Translation des heiligen Markus"], als: Dennig-Zettler, Regina, Die Translatio s. Marci. Ein Beitrag zu den Anfängen Venedigs und zur Kritik der älteren venezianischen Historiographie, Diss. Freiburg i.Br. 1991. Der Translatio sancti Marci (9./10. Jahrhundert) zufolge raubten venezianische Kaufleute im Jahr 829 die (angebliche?) Mumie des heiligen Evangelisten Markus aus Alexandrien und brachten sie zu Schiff und unter vom heiligen Markus bewirkten Wundern nach Venedig (829), wo dem Heiligen ein bemerkenswerter Empfang zuteil wurde. Der Prolog der Translatio enthält zudem eine Origo Venedigs, die aus der Translatio eine wichtige Quelle zur Geschichte der Adriastadt macht. Vgl. Dennig, Regina, Zettler, Alfons (1996), Der Evangelist Markus in Venedig und in Reichenau, in: ZGO 144 (1996), S.19-46. [Buhlmann, 08.2013]

Triumphus sancti Remacli de Malmundariensi coenobio ["Triumph des heiligen Remaclus über das Kloster Malmedy"] [nach 1071], hg. v. Wilhelm Wattenbach, in: MGH. Scriptores in Folio, Bd.11, Hannover 1854, S.433-461. Der Triumphus sancti Remacli de Malmundariensi coenobio eines unbekannten Mönches des Benediktinerklosters Stablo (als Doppelkloster Stablo-Malmedy) wurde auf Latein nach 1071 verfasst und behandelt in zwei Büchern die Auseinandersetzungen zwischen dem Kölner Erzbischof Anno II. (1056-1075) und der Mönchsgemeinschaft Stablo um das Kloster Malmedy. Durch Entscheidung König Heinrichs IV. (1056-1106) war das Doppelkloster Stablo-Malmedy an die Kölner Kirche gelangt und eine Abtrennung Malmedys von Stablo verfügt worden. Abt Theodericus und Mönche des Klosters Stablo bemühten sich um die Wiederherstellung des Doppelklosters und hatten damit beim Lütticher Hoftag König Heinrichs von 1071 Erfolg. Vgl. Peters, Wolfgang (2011), Zu den Schreiben Papst Alexanders II. und Papst Gregors VII. an die Erzbischöfe Anno II. und Hildolf von Köln, in: AHVN 214 (2011), S.19-34. [Buhlmann, 03.2012]

Tschudi, Ägidius, De prisca ac vera Alpina Rhaetia > M Münster, Sebastian

TTH = Translated Texts for Historians

TuscB = Tusculum-Bücherei

TzF = Texte zur Forschung

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