www.michael-
buhlmann.de

Latein
> Lateinische Literatur

Start > Latein > Lateinische Literatur > G

Lateinische Literatur
G

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Gallus, Cornelius [vor 39/38 v.Chr.], Amores ["Liebeselegien"]. Cornelius Gallus (*69/68-†27/26 v.Chr.) war der erste römische Präfekt in Ägypten (30 v.Chr.), fiel aber beim princeps Oktavian/Augustus (30/27 v.Chr.-14 n.Chr.) in Ungnade und beendete sein Leben durch Selbstmord. Er gilt als Verfasser von Liebeselegien, die bis auf wenige Verse verschollen sind. Gallus galt als der älteste der römischen Elegiker. Vgl. Holzberg, Niklas (1990), Die römische Liebelegie. Eine Einführung, Darmstadt 62015, S.23, 31-35. [Buhlmann, 09.2015]

GdA = Gestalten der Antike

GdV = Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit

Genealogia Wettinensis ["Genealogie der Wettiner"] [1211/15], in: Incerti auctoris Chronica Montis Sereni, hg. v. F.A. Eckstein, Halle 1856, S.183-189; als: Genealogia Wettinensis, hg. v. E. Ehrenfeuchter, in: MGH. Scriptores (in Folio), Bd.23: [Chronica aevi Suevici], hg. v. G.H. Pertz u.a., 1864, Nachdruck Stuttgart 1986, S.226-230; Chronik vom Petersberg. Genealogie der Wettiner, übers. v. Wolfgang Kirsch, Halle 1996, S.229-240. Ein unbekannter Kanoniker des Augustinerchorherrenstifts Lauterberg (später: Petersberg; nördlich von Halle) schrieb zwischen 1211 und 1215 die Genealogia Wettinensis als Abstammungsgeschichte der Wettiner (in genealogischer Abfolge) von Graf Dedi I. (†982) bis zu den Markgrafen von Meißen und der Ostmark sowie den Grafen von Wettin und Brehna am Beginn des 13. Jahrhunderts (1215). Die Genealogia Wettinensis wurde seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert (früheste Handschrift der Genealogie) und im 16. Jahrhundert immer zusammen mit der von einem anderen anonymen Autor verfassten "Chronik vom Petersberg" (Chronica Montis Sereni) überliefert. [Buhlmann, 06.2011]

Gervasius von Tilbury [1209/nach 1214], Otia imperalia ["Kaiserliche Mußestunden"] Gervasius von Tilbury (†ca.1235) verfasste mit seinen Otia imperialia eine "höfische Enzyklopädie" und Weltbeschreibung für Kaiser Otto IV. (1198-1218). Buch I und II der Weltbeschreibung behandeln Enstehung und (biblische) Geschichte der Welt, Buch III führt zahlreiche natürliche Wunder auf, von Tieren und Pflanzen bis hin zu den Wundervölkern am Rand der Ökumene. Vgl. Reichert, Folker (2013), Das Bild der Welt im Mittelalter, Darmstadt 2013, S.46-52. [Buhlmann, 05.2015]

Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium [11. Jahrhundert, Anfang - 16. Jahrhundert, Anfang], hg. v. Wilhelm Schum, in: MGH Scriptores (in Folio), Bd.14: [Supplementa tomorum I-XII, pars II], hg. v. G. Waitz, 1883, Nachdruck Stuttgart 1988, S.361-486; als: Michaelis, Hermann (Übers.), Peters, Eckhart W. (Hg.), Magdeburger Bischofschronik, Dößel 2006. Die Magdeburger Bischofschronik ist aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt: Hauptteil I (Anfänge-1142 mit: Abschnitt 1: bis 1004; Abschnitt 2: Überarbeitung bis 1025; Abschnitt 3: Fortschreibung bis 1142), Hauptteil II (1142-1371 mit: Abschnitt 1: Fortsetzung bis 1253; Abschnitt 2: Fortsetzung bis 1305; Abschnitt 3: Fortsetzung bis 1327; Abschnitt 4: Fortsetzung bis 1361; Abschnitt 5: Fortsetzung, Überarbeitung bis 1371), Hauptteil III (1371-1513 mit: Abschnitt 1: bis 1464 (?); Abschnitt 2: bis 1513). Auf Vorrede und Einleitung (angebliche Gründung Magdeburgs durch Julius Caesar, Ersterwähnung Magdeburgs 805, Errichtung des Erzbistums Magdeburg 968) folgen gemäß dem historiografischen Typus der gesta und Stiftschronik die "Biografien" der Magdeburger Erzbischöfe von Adelbert I. (968-981) bis Ernst I. (1475-1513), wobei neben Magdeburger Ereignissen (besonders im Hauptteil I, weniger in den Hauptteilen II-III) Reichs-, Kaiser- und Papstgeschichte Erwähnung finden. Die Lebensbeschreibungen der Erzbischöfe Friedrich I. (1142-1152), Wichmann (1152-1192) u.a. sind kaum ausgeführt, die der Erzbischöfe des 15. Jahrhunderts stark annalistisch gefärbt. Hauptteil I der Bischofschronik schöpft aus diversen Annalenwerken und Chroniken (u.a. Chronik des Thietmar von Merseburg) und steht in Abschnitt 3 in Verbindung mit den Magdeburger Jahrbüchern (Chronographus Saxo), Hauptteil II benutzt u.a. die Magdeburger Schöffenchronik. Von der Bischofschronik sind Abschriften aus dem 15. bis 18. Jahrhundert erhalten. [Buhlmann, 07.2011]

Gesta sancti Servatii. Der Actus sancti Servatii des nordfranzösischen Mönchs Iocundus (1066/88) wurde - vielleicht von dem scholarum magister Stephan des Maastrichter Servatiusstift - um 1130 zu den Gesta sancti Servatii umgearbeitet, in denen Leben und Wunder des heiligen Bischofs Servatius von Tongern-Maastricht (*343-†384?) beschrieben werden. Vgl. Heinric van Veldeken, Sente Servas. Mittelniederländisch/Neuhochdeutsch, hg. u. übers. v. Jan Goossens, Rita Schlusemann, Norbert Voorwinden (2008) (= BiMiLi III), Münster 2008, S.352, 354. [Buhlmann, 05.2013]

Gesta sancti Servatii antiquiora [vor 9. Jahrhundert, Mitte]. Die Gesta sancti Servatii antiquiora beschreiben Leben und Wunder des heiligen Bischof Servatius von Tongern-Maastricht (*343-†384?). Handschriftliche Textzeugen reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Bischof Radbod von Utrecht (901-917) verwendete die Gesta in seiner Predigt über Servatius. Vgl. Heinric van Veldeken, Sente Servas. Mittelniederländisch/Neuhochdeutsch, hg. u. übers. v. Jan Goossens, Rita Schlusemann, Norbert Voorwinden (2008) (= BiMiLi III), Münster 2008, S.351f. [Buhlmann, 05.2013]

Gilduin von St. Viktor [vor 1155], [Gesamtausgabe der Werke Hugos von St. Viktor]. Nach dem Tod Hugos von St. Viktor (†1141) ließ der dortige Abt Gilduin (†1155) eine vierbändige Gesamtausgabe der Werke Hugos zusammenstellen, die so nicht erhalten ist, sich aber teilweise in späteren Handschriften und einem Indiculum omnium scriptorum Magistri Hugonis de Sancto Victore que scripsit aus dem 15. Jahrhundert widerspiegelt. Vgl. Stammberger, Ralf M.W., Die Edition der Werke Hugos von Sankt Viktor (†1141) durch Abt Gilduin von Sankt Viktor (†1155) - Eine Rekonstruktion, in: Berndt, Rainer (Hg.) (2005), Schrift, Schreiber, Schenker. Studien zur Abtei Sankt Viktor in Paris und den Viktorinern (= Corpus Victorinum. Instrumenta, Bd.1), Berlin 2005, S.119-231. [Buhlmann, 02.2014]

Giustiniani, Paolo, Quirini, Vincenzo (1513), Libellus ad Leonem X ["Büchlein an (Papst) Leo X."]. Der Libellus ad Leonem X verweist auf einen, wenn auch erfolglosen Reformversuch innerhalb der katholischen Kirche am Vorabend der Reformation. Verfasst wurde der Libellus von Paolo Giustiniani (*1476-†1528) und Vincenzo Quirini (*1479-†1514), beide aus dem Kamaldulenserorden. Die Schrift an Papst Leo X. (1513-1521) hat zum Inhalt: Rolle und Aufgaben des Papstes, Missionierung der Juden, Heiden und Mohammedaner, Vereinigung der christlichen Kirchen, Reformation der Kirche, Unterwerfung des Heidentum unter das (weltliche) römische Reich. Vgl. Gerhards, Albert, Ein Reformprojekt am Vorabend der Reformation: Der Libellus ad Leonem X (1513), in: Laudage, Johannes (Hg.) (2004), Frömmigkeitsformen in Mittelalter und Renaissance (= SH 37), Düsseldorf 2004, S.391-408. [Buhlmann, 10.2012]

Gloriosus deus [15. Jahrhundert, 2. Viertel] ist ein von einem anonymen Autor verfasste lateinischer Text über das (natürliche und künstliche) Gedächtnis des Menschen. Die Schrift erklärt Ursprung und Funktionen von Gedächtnis und ordnet die ars memorativa in Philosophie und Wissenschaft ein. Nach Aristoteles kommt vor Gedächtnis und Erinnerung die Wahrnehmung und Einprägung (phrenologisch gedeutete Rezeption) der Dinge durch die Seele und die Erzeugung von auf der Rezeption beruhenden Vorstellungsbildern. Vgl. Heimann-Seelbach, Sabine, Konzeptualisierung von Mnemotechnik im Mittelalter, in: Ernst, Ulrich, Ridder, Klaus (2003), Kunst und Erinnerung. Memoriale Konzepte in der Erzählliteratur des Mittelalters (= Ordo 8), Köln-Weimar-Wien 2003, S.3-29, hier: S.19-27. [Buhlmann, 01.2013]

Goslar, Stadtarchiv, Bestand B, Domstift, Kopialbuch A [12.-16. Jahrhundert] ist eine im Jahr 1512 zusammengebundene Sammelhandschrift der Goslarer Kanonikergemeinschaft St. Simon und Juda(s) mit unterschiedlichstem Inhalten aus verschiedenen Jahrhunderten. Neben Urkundenabschriften sind in der Handschrift vertreten: ein Index Reliquiarum und ein Chronicon S. Simonis et Jude Goslariense. Im Kopialbuch A findet sich zudem eine ungeordnete Jahrtagliste, ein lateinisches Totenregister vom beginnenden 14. Jahrhundert, ein Verzeichnis von Wohltätern des Stifts. Vgl. Tillmann Lohse, Das Stift und seine Stifter. Überlegungen zur Jahrtag-Liste aus dem sog. Kopialbuch A der Kanoniker von St. Simon und Judas in Goslar, in: Huschner, Wolfgang, Rexroth, Martin (Hg.) (2008), Gestiftete Zukunft im mittelalterlichen Europa. Festschrift Michael Borgolte, Berlin 2008, S.275-307, hier: S.277ff. [Buhlmann, 01.2014]

Gottfried von Utrecht [früheres 15. Jahrhundert], Godefridi de Traiecto Grammaticale. Untersuchungen und kritische Ausgabe, hg. v. Christian Klinger (= Beiheft zum Mittellateinischen Jahrbuch, Bd.12), Ratingen-Kastellaun-Düsseldorf 1973. Das "Grammaticale" des Gottfried von Utrecht war eine Neubearbeitung der lateinischen Versgrammatik "Doctrinale" des Alexander von Villa Dei (*ca.1170-†ca.1240) aus dem früheren 15. Jahrhundert. Vgl. Stiene, Heinz Heinrich, Ein unbekanntes Fragment der Versgrammatik 'Grecismus' des Eberhard von Béthune aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts im Propsteiarchiv zu Kempen, in: Neuheuser, Hanns Peter (Hg.) (1999), Die Handschriften des Propsteiarchivs Kempten. Interdisziplinäre Beiträge, Köln-Weimar-Wien 1999, S.107-124, hier: S.108. [Buhlmann, 10.2011]

Gräfrather Mirakelberichte [1312/23], als: Herbers, Cornelia (2007), Die Mirakelberichte des monasterium S. Mariae in Gräfrath (= Libelli Rhenani, Bd.18), Köln 2007, S.99-112. Aus dem Mittelalter bzw. der frühen Neuzeit stammen dann aus dem um 1185 gegründeten (Solingen-) Gräfrather monasterium S. Mariae Wunderberichte (Mirakelberichte) über den Erwerb und die Wunder einer Reliquie der heiligen Katharina von Alexandrien (†4. Jahrhundert, Anfang). Danach erwarb ein Johanniter, Mitglied der Familie der Grafen von Hückeswagen, im Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai im Jahr 1309 (?) ein Knochensplitter des Leichnams der heiligen Katharina, der u.a. auf wundersame Weise (der Translokation) nach Gräfrath zur Schwester des Johanniters, der Nonne Katharina von Hückeswagen (†1323), gelangte. Im Umfeld der Reliquie geschahen alsbald Wunder (Absonderung von Honig, Öl, Wasser und Milch), dokumentiert durch eine Reihe von zehn lateinischen Urkunden der Jahre 1312 bis 1323. [Buhlmann, 09.2016]

Gräfrather Tafelinschrift [1605/55], als: Herbers, Cornelia (2007), Die Mirakelberichte des monasterium S. Mariae in Gräfrath (= Libelli Rhenani, Bd.18), Köln 2007, S.113-123. Zu den im (Solingen-) Gräfrather monasterium S. Mariae überlieferten Mirakelberichten gehört auch der lateinische Text einer frühneuzeitlichen Tafelinschrift (1605/55), der (nochmals) Reliquienerwerb und geschehene Wunder dokumentiert und dies durch ein Heilungswunder an der Gräfrather Reliquienbewahrerin Katharina von Hückeswagen (†1323) ergänzt. [Buhlmann, 09.2016]

Gregor der Große [Papst] [590/93/94], Homiliae in evangelia ["Evangelienhomilien"]. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Michael Fiedrowicz, 2 Tlbde. (= FC 28), Freiburg-Basel-Wien 1997. Gregor (I.) der Große (590-604) war Papst im Rom zwischen oströmischer Herrschaft und nach Italien eindringenden Langobarden. Er hielt wahrscheinlich 590/92 eine Reihe von Predigten zu den Evangelien und veröffentlichte die insgesamt 40 lateinischen Evangelienhomilien über Weltende und -gericht, die spirituelle Orientierung des Menschen an Gott und den Nächsten sowie die Abkehr des Menschen vom Weltlichen vor 593/94 in zwei Büchern, die er dem Bischof Secundinus von Taormina widmete. [Buhlmann, 07.2012]

Gregor der Große [Papst] [593/94], Dialogi ["Dialoge"]. (Papst) Gregor (I.) der Große (590-604) verfasste auf Latein seine im Mittelalter wirkungsmächtigen Dialoge 593/94 in vier Büchern. Die Dialoge sind eine Sammlung von beispielhaften Heiligenleben und Wundergeschichten; Buch 2 beschäftigt sich nur mit der Person des Mönchsvaters Benedikt von Nursia, Buch 4 mit Tod und Fegefeuer, Himmel und Hölle. Zahlreich sind die mittelalterlichen Handschriften, die die Dialoge Gregors enthalten. An althochdeutsch glossoerten Handschriften seien erwähnt: München, Bayerische Nationalbibliothek Clm 6293 (um 800; Freising); Würzburg, Universitätsbibliothek M. p. th. f.19 (um 800; Lorsch?, Dombibliothek Würzburg); Augsburg, Diözesanarchiv Hs 10 (frühes 9. Jahrhundert; südliches Bayern, St. Mang); Luxemburg, Bibliotheque Nationale Ms.I: 44 (frühes 9. Jahrhundert; Echternach); Würzburg, Universitätsbibliothek M. p. th. q.65 (9. Jahrhundert, 1. Hälfte; Mainz); Zürich, Zentralbibliothek Ms. Rh. 40 (9. Jahrhundert, 1. Hälfte; Bodenseeraum/Reichenau, Rheinau); Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana Pal. lat. 261 (9. Jahrhundert, 2. Hälfte; Mittelrhein, Heiligenberg); München, Bayerische Nationalbibliothek Clm 2944 (10. Jahrhundert; Tegernsee, Altomünster); St. Gallen, Stiftsbibliothek 215 (10. Jahrhundert; St. Gallen); München, Bayerische Nationalbibliothek Clm 3748 (11. Jahrhundert oder später; Domkapitel Augsburg); München, Bayerische Nationalbibliothek Clm 22038 (12. Jahrhundert; Wessobrunn). Vgl. Schulte, Wolfgang, Die althochdeutsche Glossierung der Dialoge Gregors des Großen (= StAhd 22), Göttingen 1993, S.45-288. [Buhlmann, 07.2012]

Gregor von Tours [vor 594], Zehn Bücher Geschichten, hg. v. Rudolf Buchner (= FSGA A 2-3), Darmstadt 51977, 61974. Gregor von Tours, geboren 538 in der Auvergne und römisch-senatorischer Abstammung, gestorben am 17. November 594 als Bischof von Tours, war wohl einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber am Anfang des Mittelalters. In seinem auf Latein verfassten Hauptwerk "Zehn Bücher Geschichte" beschrieb der "Geschichtsschreiber der Franken" aber nicht nur die fränkisch-merowingische Reichs- und Zeitgeschichte, sondern legte seinem historiografischen Werk auch das Konzept einer Universalchronistik und eine politisch-soziale Gesellschaftskonzeption zugrunde. [Buhlmann, 05.1996]

Gregor X. [Papst] [1274 Juli 16 - November 1], Bulle Ubi periculum. In Reaktion auf die lange Sedisvakanz von 1268/71 erließ Papst Gregor X. (1271-1276) auf dem 2. Konzil von Lyon (1274) die Bulle Ubi periculum zur Papstwahl durch die und zu den Befugnissen der Kardinäle während einer Vakanz. Das Konzilsdekret wurde indes von Seiten des Papstes nochmals modifiziert und als Papstwahlerlass am 1. November 1274 publiziert. Die päpstliche Konstitution wurde indes in der Folgezeit (1276) suspendiert, während die Kanonisten sie meist positiv beurteilten und Papst Coelestin V. (1294) sie wieder in Kraft setzte. 1298 wurde die Konstitution in den Liber Sextus Papst Bonifaz VIII. (1294-1303) aufgenommen, entfaltete indes in den nachfolgenden Papstvakanzen wenig Wirkung; Zusätze flossen durch Papst Clemens V. (1305-1314) mit ein (1311), änderten indes wenig in den Sedisvakanzen. Vgl. Fischer, Andreas (2008), Kardinäle im Konklave. Die lange Sedisvakanz der Jahre 1268 bis 1271 (= BDHIR 118), Tübingen 2008, S.441-445. [Buhlmann, 01.2016]

Gritsch/Grütsch, Conrad [Nürnberg 1479], [Predigtsammlung]. Der Fanziskanerkonventuale Conrad Gritsch/Grütsch (*v.1409-†v.1475) verfasste eine lateinische Predigtsammlung, die 1479 in Nürnberg verlegt wurde (Inkunabel). Vgl. Müller, Thomas T., Schmies, Bernd, Loefke, Christian (Hg.) (2008), Für Gott und die Welt. Franziskaner in Thüringen (= Mühlhäuser Museen. Forschungen und Studien, Bd.1), Paderborn-München-Wien-Zürich 2008, S.315. [Buhlmann, 05.2013]

GRM = Germanisch-Romanische Monatsschrift

[Große franziskanische Lebensbeschreibung der heiligen Elisabeth von Thüringen] [13. Jahrhundert, 4. Viertel]. Die in zwei Fragmenten überlieferte große franziskanische Lebensbeschreibung der heiligen Elisabeth, von einem unbekannten Franziskanermönch verfasst, berichtet ausführlich und detailliert unter Verwendung umfangreicher Materialien über Leben, Tod und Wunder der Landgräfin Elisabeth von Thüringen (*1207-†1231). Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.344-349. [Buhlmann, 12.2011]

Gruter, Konrad [1424], [Maschinenbuch], als: Codex Vat. lat. 5961; Lohrmann, Dietrich, Kranz, Horst, Alertz, Ulrich (Hg.) (2006), Konrad Gruter von Werden, De machinis et rebus mechanicis. Ein Maschinenbuch aus Italien für den König von Dänemark 1393-1424, Tl.I: Einleitung, Tl.II: Edition (= Studi e Testi 428/29), Vatikan 2006. Das Maschinenbuch des Konrad Gruter weist weder einen Titel noch (explizit) den Namen des Verfassers auf; doch konnte der Ingenieur und Wassertechniker Konrad Gruter aus Werden (*ca.1360?-†n.1424) als Autor der im Jahr 1424 für den dänisch-norwegisch-schwedischen König Erik VII. (1397/1412-1439) verfassten Handschrift ermittelt werden. Das Maschinenbuch kann als Spiegel der Erfahrungen und Kenntnisse Konrad Gruters gelten. Das Manuskript ist eine Pergamenthandschrift, das verwendete Pergament, ausreichend für 59 Blätter und die Vorsatzblätter, von guter Qualität; die Blätter, angeordnet in Quaternionen und einem Binio, haben eine Größe von durchschnittlich 19,5 cm x 13,5 cm. Der in einer Spalte angeordnete lateinische Text ist in einer nordwest-europäischen Textura geschrieben; wahrscheinlich stammte der Schreiber des Werkes vom Niederrhein oder aus den Niederlanden. Maximal 33 Schriftzeilen enthält eine Traktatseite, die Zeilen sind "blockformatiert". Durch Ranken verzierte Initialbuchstaben leiten die Textabschnitte (Hauptteile, Kapitel) ein. Die zahlreichen, insgesamt 72 Abbildungen (picturae) sind "Maschinenbilder" und illustrieren (untechnisch) das im Text Gesagte. Inhaltlich weist der Maschinentraktat des Konrad Gruter drei Hauptteile, eine Einleitung (praefatio) und ein Ende (postfatio) auf. Die Einleitung charakterisiert die Mechanik als ein schwieriges physikalisches Thema und führt die Ziele des Traktats auf. Hauptteil I befasst sich mit der "Wasserhebung und -führung" (De aquaeductibus), die mittels pneumatischer Vorrichtungen (Siphon, Tischbrunnen) oder unter Krafteinsatz (Pumpen, Schöpfräder, Wasserrad und Behälterkette, Wasserschrauben, Steigrohre, Kanäle) erfolgen kann und auch den Brunnenbau beinhaltet (Erdbohrung, Brunnenvermauerung). In Hauptteil II geht es um Maschinenantriebe (De rotis et molinis), etwa beim Perpetuum mobile (Magnetismus, Räder mit Bleikugeln oder Schiebegewichten), bei Antrieben durch Wasserkraft (Schiffsmühlen, hängende Mühlen, ober- und unterschlägige Mühlen, horizontale Wasserräder), bei Antrieben durch Windkraft (vertikale und horizontale Turmwindmühlen, Bockwindmühlen), bei Antrieben durch Muskelkraft (Göpelgetriebe, Tretscheiben, Handmühlen, Treträder, Pedalwippen). Hauptteil III führt ein in die Kriegstechnik (De rebus militaribus) und beschäftigt sich mit beweglichen Brücken (Brücken auf Schwimmkästen oder Weidengeflecht, Angriffsbrücken), dem Bootsbau (Leder-, Holzboote), Steigzeug (Leitern, Seile), Brech-, Bieg- und Ziehgeräten (Schlossbrecher, Schrauben, Hebel, Schneiden, Winden), Geschützen und Wurfmaschinen (Bombarden, Lafetten, Bliden, Lanzenschleudern) sowie der Wassertechnik (Schwimm- und Tauchhilfen, Sperren zum Brückenschutz). Vgl. Buhlmann, Michael (2014), Konrad Gruter aus Werden - Technik im späten Mittelalter (= BGW 15), Essen 2014, S.42ff, 47f. [Buhlmann, 05.2013]

Güterlisten des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg [um 1190 und später], als: Bauermann, Johannes, Altena - von Reinald von Dassel erworben? Zu den Güterlisten Philipps von Heinsberg, in: BeitrrGDortmund 67 (1971), S.227-252. Der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191) erwarb eine Reihe von Besitzungen - Burgen, feste Häuser und Güter - im Rheinland und in Westfalen, herrschaftliche Stützpunkte für das Kölner Erzbistum. Festgehalten wurden diese Erwerbungen in mehreren Listen unterschiedlicher Zeitstellung, einer Kölner, Paderborner und Münsteraner Liste. Die Kölner und die Paderborner Liste sollen dabei auf eine nicht erhaltene gemeinsame Vorlage zurückgehen, diese Vorlage und die münsterische Liste wiederum auf eine ältere, wohl zweispaltig angelegte Vorstufe, einer computatio ("Berechnung") von um 1190. Damals, am Ende der Regierungszeit Philipps, war der Erzbischof schon in die Stellung eines Herzogs in Westfalen eingerückt, nach dem Prozess Kaiser Friedrich I. Barbarossas (1152-1190) gegen den sächsischen und bayerischen Herzog Heinrich den Löwen (1142-1180). Die berühmte Gelnhäuser Urkunde des Kaisers bestimmte mit Datum vom 13. April 1180 das westfälische Herzogtum als Reichslehen des Kölner Erzbischofs, der nun neben dem 1151 erlangten rheinischen Dukat dieselbe Stellung im Westfälischen ausübte. Die in der münsterischen Güterliste (12. Jahrhundert, Ende) aufgeführten Beträge ergeben zusammen mindestens 29322 Mark, die für die damaligen Verhältnisse ungeheuren Ausgaben haben die Verschuldung des Erzbistums sicher befördert, der machtpolitische Nutzen war zudem eher gering. [Buhlmann, 07.2012]

Guibert de Nogent [1075/80], Opusculum de virginitate ["Schrift über die Jungfräulichkeit"]. In seiner 1075/80 angefertigten lateinischen Schrift Opusculum de virginitate behandelt der geistliche Autor und Abt von Nogent Guibert de Nogent (*1055?-†ca.1125) die wichtige Rolle der Jungfräulichkeit (virginitas) in der christlichen Religion. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.15. [Buhlmann, 11.2014]

Guibert de Nogent [1083/86 bzw. 1113], Moralia Geneseos ["Genesis-Exegese"]. Die Genesis-Exegese Guiberts de Nogent enstand wohl 1083/86, wurde überarbeitet und 1113 dem Bischof Bartholomäus von Laon gewidmet. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.14f. [Buhlmann, 11.2014]

Guibert de Nogent [nach 1106/09 oder 1119/20], Quo ordine sermo fieri debeat ["In welcher Ordnung eine Predigt zu verfassen ist"], als: Guibert de Nogent, Quo ordine sermo fieri debeat, de bucella iudae data et de veritate, de sanctis et eorum pigneribus, hg. v. Robert B.C. Huygens (= CCCM 127), Turnhout 1993. Guiberts lateinische Schrift Quo ordine sermo fieri debeat ist Predigtanleitung, die zeitweise dem Text Moralia Geneseos vorangestellt war. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.14f. [Buhlmann, 11.2014]

Guibert de Nogent [1108?], Dei gesta per Francos ["Kreuzzugschronik"]. Die lateinische Kreuzzugschronik Guiberts, verfasst wohl 1108 im Kloster Saint-Gerner-de-Fly, beruht auf der Überarbeitung von Berichten zum 1. Kreuzzug (1096-1099). Es entstand eine theologisch reflektierende, aggressive Schrift (historia spiritualis), die weitere Verbreitung fand. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.33f. [Buhlmann, 11.2014]

Guibert de Nogent [1109/10], Contra judaizantem et Judeos ["Gegen das Judaisieren und die Juden"], als: Guibert de Nogent, Quo ordine sermo fieri debeat, de bucella iudae data et de veritate, de sanctis et eorum pigneribus, hg. v. Robert B.C. Huygens (= CCCM 127), Turnhout 1993. Im lateinischen Traktat Contra judaizantem et Judeos wendet sich Guibert de Nogent gegen Juden und christliche Judenanhänger, insbesondere den Grafen Johannes von Soissons. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.15, 24. [Buhlmann, 11.2014]

Guibert de Nogent [1113/19], De laude sanctae Mariae ["Marienlob"]. Die lateinische Schrift De laude sanctae Mariae Guiberts ist ein "Marienlob", eine uneinheitlich wirkende Materialzusammenstellung vom Lukasevangelium bis zu Mariä Himmelfahrt. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.15, 32f. [Buhlmann, 11.2014]

Guibert de Nogent [1114/17], De vita sua Monodiarum libri tres ["Autobiographie"], als: Guibert de Nogent, Autobiographie, hg. u. übers. v. E.R. Labande (= Les Classique de l'Histoire de France au Moyen Age 34), Paris 1981. In seiner 1114/17 angefertigten lateinischen Autobiographie (Individualität, Subjektivität) betont Guibert de Nogent im Spiegel seiner Erinnerung und nach dem Vorbild der Confessiones des Augustinus (*354-†430) die Kindheit als wichtige Phase menschlichen Lebens; Kindheit ist für Guibert die Zeit seiner geistlichen Ausbildung und göttlichen Berufung zum Dienst an Gott (Buch I). In Buch II von De vita sua steht mehr Guiberts Kloster im Vordergrund, Buch III behandelt die sich entwickelnde Bürgergemeinde in Laon (1110/14). Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.28-31; Wolfzettel, Friedrich, Kindheit, Erinnerung und geistige Berufung, in: Ernst, Ulrich, Ridder, Klaus (2003), Kunst und Erinnerung. Memoriale Konzepte in der Erzählliteratur des Mittelalters (= Ordo 8), Köln-Weimar-Wien 2003, S.291-313. [Buhlmann, 02.2013]

Guibert de Nogent [1116/19], De sanctis et eorum pigneribus ["Reliquientraktat"]. Im "Reliquientraktat" (in vier Büchern) äußert sich Guibert de Nogent mitunter durchaus kritisch ("aufgeklärt") über Heilige, Reliquien und Wunder. Buch I behandelt u.a. den missbräuchlichen Reliquienkult, Buch II befasst sich mit der Eucharistie, Buch III ist eine Polemik gegen die Milchzahn Jesu-Reliquie im Kloster Saint-Médard in Soissons, Buch IV umfasst kontemplative Inhalte. Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.15, 31f. [Buhlmann, 11.2014]

Guigo [1121/27], Consuetudines Cartusiae ["Gewohnheiten der Kartäuser"], als: Guigo, Coutumes de Chartreuse, hg. u. übers. v. M. Laporte (= SCh 313), Paris 1984. Guigo (I. von Kastel, *1083-†1136) war der fünfte Prior der Chartreuse (1109-1136) und Organisator der Kartäusergemeinschaft(en). Als solcher verfasste er zwischen 1121 und 1127 auf Veranlassung seiner Mönche und des Reimser Erzbischofs die Consuetudines Cartusiae, ein ausgedehntes Regelwerk über die "kartäusischen Gewohnheiten", die innerhalb des Kartäuserordens schon bald weite Verbreitung fanden und von Papst Innozenz II. (1130-1143) approbiert wurden (1133). Vgl. Bruno, Guigo, Antelm, Epistulae Cartusianae. Frühe Kartäuserbriefe. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Gisbert Greshake (= FC 10), Freiburg-Basel-Wien 1992, S.84f. [Buhlmann, 07.2012]

Guigo [bis 1136], [Briefe], in: Bruno, Guigo, Antelm, Epistulae Cartusianae. Frühe Kartäuserbriefe. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Gisbert Greshake (= FC 10), Freiburg-Basel-Wien 1992, S.103-157. Guigo (I. von Kastel, *1083-†1136) war der fünfte Prior der Chartreuse (1109-1136), Gründer von sieben Tochterklöstern und Verfasser der Consuetudines Cartusiae (1121/27). In seinen lateinischen Briefen - neun sind überliefert - wandte sich Guigo an weltliche (Herzog Wilhelm von Aquitanien) und geistliche Große (Papst Innozenz II., Abt Petrus Venerabilis von Cluny) und vermittelte so kartäusisches Gedankengut an Politik und Kirche. [Buhlmann, 07.2012]

Intro A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z