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Lateinische Literatur
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Cadmug-Evangeliar [8. Jahrhundert, 2. Hälfte] [Landesbibliothek Fulda, Cod. Bonifat. 3]. Das sog. Cadmug-Evangeliar, benannt nach dem Schreiber Cadmug, gehörte wohl zur Handbibliothek des heiligen Missionars und Bischofs Winfrid-Bonifatius (†754). Beim Martyrium des Heiligen waren dessen Handschriften zerstreut worden. Das Cadmug-Evangeliar gelangte jedoch vor 760/68 ins Kloster Fulda. Nach Meinung der mittelalterlichen Fuldaer Mönche soll Bonifatius das Evangeliar selbst geschrieben haben. Vgl. Kehl, Petra (1993), Kult und Nachleben des heiligen Bonifatius im Mittelalter (754-1200) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda, Bd.26), Fulda 1993, S.96f. [Buhlmann, 05.2012]

Caesar, Gaius Julius [58/50 v.Chr.] Commentarii de bello Gallico ["Gallischer Krieg"], als: Caesar, C. Julius, Der Gallische Krieg. Lateinisch-Deutsch, hg. v. Georg Dorminger (1962) (= TuscB), München 71981; Cäsar, Gaius Julius, Der Gallische Krieg, übers. v. Curt Woyte (= RUB 1012-15), Stuttgart 1972. I. Gaius Julius Caesar (*100-†44 v.Chr.), Politiker der ausgehenden römischen Republik und Feldherr, fertigte parallel zu der von ihm aggressiv verfolgten Eroberung Galliens (58-50 v.Chr.) commentarii darüber an, die das Kriegsgeschehen in Gallien vor der römischen Öffentlichkeit (römisches nobilitas, Senat) rechtfertigend, täuschend und politisch geschickt darlegten (Caesars Motive beim Gallischen Krieg: Ehre, materieller und politischer Gewinn, Propaganda). Die commentarii sind somit historisch und literarisch (-fiktional), was insbesondere auf die dadurch vermittelte, sich selbst erfindende Person Caesars zutrifft: Caesar als erfolgreicher Feldherr (auctoritas, celeritas, consilium, fortuna), als Organisator und Politiker (Bündnisse, Klientel), als Aristokrat (Ehre, Ehrgeiz, aristokratische consuetudo/mos, clementia ["Milde"], dignitas ["Würde"]). Dennoch beeindruckten die commentarii den römischen Senat wohl nur wenig; Caesar wurde sein zweites Konsulat verweigert, der römische Bürgerkrieg begann (49 v.Chr.). II. Jenseits von Politik und Propaganda sind an "Realien" des Gallischen Kriegs auszumachen: 59 Konsulat Caesar; 58-50 Caesar als Prokunsul in den gallischen Provinzen; 58 Aufstände in der Provinz Gallia Transalpina, römischer Sieg gegen die Helvetier bei Bibracte, Caesar und Ariovist, römischer Sieg über Ariovist bei Vesontio; 57 Kämpfe gegen die Belger; 56 Konferenz zwischen Caesar und Pompeius in Lucca, Kämpfe im gallischen Nordwesten, Eroberung Aquitaniens, erfolglose Kämpfe gegen Moriner und Menapier; 55 Kämpfe gegen Usipeter und Tenkterer, 1. Rheinübergang, 1. Übergang nach Britannien; 54 Ermordung des Dumnorix, 2. Übergang nach Britannien, Cassivallaunus, Aufstände in Gallien, Eburonen, römische Niederlagen; 53 Kämpfe gegen bzw. Unterwerfung der Nervier, Menapier und Treverer, 2. Rheinübergang, germanischer Angriff auf Atuatuca, Vernichtungskrieg gegen die Eburonen, Ambiorix, Acco; 52 Aufstände in Gallien, Vercingetorix, römische Niederlage bei Gergovia, römische Belagerung und Einnahme von Avaricum, römischer Sieg bei Alesia, Kapitulation des Vercingetorix, Unterwerfung von Haeduern und Avernern; 51 Unterwerfung der Bellovacer und Carnuten, Dumnacus, Einnahme von Uxellodunum; 50 Übergabe des Kommandos an Labienus durch Caesar. Vgl. Schauer, Markus (2016), Der Gallische Krieg. Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk, München 2016. [Buhlmann, 07.2016]

Caesarius von Heisterbach [1236/37], Vita sanctae Elyzabeth lantgravie ["Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen"]. Auf der Grundlage des (kürzeren) Libellus (de dictis quatour ancillarum) schrieb der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach (*ca.1180-†n.1240) die erste eigentliche Lebensbeschreibung über Leben, Tod und Wunder der Landgräfin Elisabeth von Thüringen (*1207-†1231). Vgl. Elisabeth von Thüringen. Eine europäische Heilige, hg. v. Dieter Blume, Matthias Werner (2007), Bd.1: Aufsätze, Petersberg 2007, Bd.2: Katalog, Petersberg 2007, S.226ff. [Buhlmann, 12.2011]

Cambrai, Bibliothèque Municipale 804 [12. Jahrhundert, 2. Hälfte, mit Zusätzen aus dem 13. Jahrhundert], teilweise als: Zwei Versionen der Wundererzählung "Petrus von Grenoble", in: Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.270-278, ist eine lateinische Handschrift des 12.(/13.) Jahrhunderts ursprünglich aus dem Kloster Saint-Sépulcgre in Cambrau, bestehend aus 85 zweispaltig beschriebenen Pergamentblättern und aus Texten überwiegend zur Marienverehrung (Wundererzählungen: Wunder von Anchin [1158], sermo Radbodi, Petrus von Grenoble). Vgl. Fuchs, Karin (2008), Zeichen und Wunder bei Guibert de Nogent. Kommunikation, Deutungen und Funktionalisierungen von Wundererzählungen im 12. Jahrhundert (= PHS 84), München 2008, S.270f. [Buhlmann, 11.2014]

Cambridge, Corpus Christi College, Parker Library, Cod. 135 [1121/48]. Die Handschrift, angefertigt im Auftrag des Abtes Anselm von Bury St. Edmunds (1121-1148), des Neffen Anselms von Canterbury, enthält abschriftlich die Briefsammlung (EI) des Erzbischofs Anselm von Canterbury (1092-1109) als Prior und Abt von Bec und als Erzbischof. Die Sammlung der erzbischöflichen Briefe gründet dabei auf der Handschrift London, Lambeth Palace Library, Cod. 59 (1102/09), die Sammlung der Prior- und Abtsbriefe auf einer vom Erzbischof zusammengestellten Briefsammlung von 1092/93. Vgl. Krüger, Thomas Michael (2002), Persönlichkeitsausdruck und Persönlichkeitswahrnehmung im Zeitalter der Investiturkonflikte. Studien zu den Briefsammlungen des Anselm von Canterbury (= SB 22), Hildesheim 2002, S.82-85. [Buhlmann, 04.2013]

Cambridger Liedsammlung [10./11. Jahrhundert n.Chr.], als: Die Cambridger Lieder, hg. v. Karl Strecker, Berlin 31966. Die Cambridger Liedsammlung enthält lateinische Dichtungen des 10. und 11. Jahrhunderts, geistliche Dichtungen von Klerikern und Mönchen. Lied 40 z.B. ist ein Tagelied, die Klage einer Frau über den nicht anwesenden Freund bei Tagesanbruch. Vgl. Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, übers. v. Martina Backes, eingel. v. Alois Wolff (= RUB 8831), 1992, Stuttgart 2007, S.36ff. [Buhlmann, 01.2012]

Capitulare de villis [ca.795] ["Landgüterverordnung"], als: Franz, Günther (Hg.), Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes (= FSGA A 31), Darmstadt 1974, S.38-59, Nr.22. Das Capitulare de villis ist ein Kapitular des Frankenkönigs Karl des Großen (768-814), einzig überliefert als Gebrauchsexemplar von Königsboten (missi) in dem auf uns gekommenen Codex Helmstadensis 254 (heute in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel), niedergeschrieben im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts. Das Capitulare de villis als "Landgüterverordnung" umfasst 70 Kapitel, die detailliert auf die Organisations- und Verwaltungsstruktur des karolingischen Königsguts eingehen. Seinem Inhalt nach wird das Capitulare de villis den sog. capitularia mundana ("weltlichen Kapitularien") zugeordnet. Das Capitulare de villis war wohl im ganzen Frankenreich ohne Italien gültig. Es datiert wohl auf das letzte Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts (ca.795). [Buhlmann, 10.2015]

Cartularium Werdinense [9. Jahrhundert, 3. Viertel] ["Werdener Chartular"], als: Blok, Dirk Peter, De oudste particuliere Oorkonden van het klooster Werden. Een diplomatische Studie met enige uitweidingen over het onstaan van dit soort oorkonden in het algemeen (= Van Gorcum's Historische Bibliotheek 61), Assen 1960. Das Cartularium Werdinense ist (infolge der Bertoldschen Wirren im gegen 800 gegründeten Kloster Werden a.d. Ruhr?) im 3. Viertel des 9. Jahrhunderts entstanden. Es ist gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit einer um 1050/80 angefertigten Vita Liudgeri des Werdener Klosterleiters und Bischofs Altfrid von Münster (839-849) zu einem Band zusammengebunden worden, der 17,5 cm x 24,5 cm großen Handschrift Universität Leiden, Cod. Voss. Lat. q. 55. Die Liudgervita nimmt im Pergamentcodex die Blätter f.1-28 ein, das Chartular f.30-59. Auf das Chartular folgt eine Notiz über die "Gerechtsame des Klosters Werden in den Waldungen nördlich und südlich der Ruhr". Ohne erkennbare Ordnung hat ein unbekannter Schreiber, der Kopist, wahrscheinlich die Urkundenoriginale in das Chartular eingeschrieben. Die Urkunden erhielten Nummern (I-LX) und Überschriften (meist: "Tradition des N.N."); in der Nummerierung fehlt die Nummer XXX. Die lateinischen Werdener Traditionsurkunden (traditiones) als Besitzurkunden des endenden 8. und der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts (793-848) stehen für die früheste Überlieferung des (Benediktiner-) Klosters Werden; in ihnen geht es um Schenkung, Kauf, Verkauf oder Tausch von Gütern, Besitz und Rechten. [Buhlmann, 04.2012]

Cassius [1. Jahrhundert v.Chr.], Brutus ist eine nicht erhaltene fabula praetexta eines nur namentlich bekannten Dichters wohl der späten römischen Republik. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.46. [Buhlmann, 01.2013]

Catull [Gaius Valerius Catullus] [vor 54 v.Chr.], Lesbia-Lieder, in: Steinmann, Kurt, Meisterstücke der griechischen und römischen Literatur (= RUB 9730), Stuttgart 1998, S.132-152. Von Gaius Valerius Catullus (*ca.84-†ca.54 v.Chr.), dem römischen Lyriker und poeta novus bzw. poeta doctus, sind 116 Gedichte überliefert; davon betreffen eine Reihe von Liedern Catulls Geliebte oder Angebetete Lesbia, die wohl mit der (sexuell aktiven bis berüchtigten) Chlodia, der Ehefrau des Konsuls Quintus Caecilus Metellus Celer und Mutter von neun Kindern, zu identifizieren ist. In der Liebesbeziehung Catulls zu Lesbia-Chlodia durchlebt der Dichter - seinen Liedern zufolge - Liebe, Erotik, Leidenschaft, Sexualität, Eifersucht und Hass. Die treulose Lesbia stürzt Catull immer wieder in den den Lyriker verzehrenden Gegensatz von Liebe und Hass (odi et amo), der schließlich in der Absage Catulls an Lesbia und die Liebe zu ihr mündet. [Buhlmann, 04.2011]

CCCM = Corpus Christianorum. Continuatio Medievalis

CCSL = Corpus Christianorum. Series Latina

Cento Probae [4. Jahrhundert n.Chr., 2. Hälfte]. Der Cento Probae ist ein lateinischer Cento aus der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts. Das Gedicht, das Vergil-Verse verwendet, wird entweder der Faltonia Betitia Proba (ca.360) oder der Anicia Faltonia Proba (nach 384) zugeordnet, zwei vornehmen christlichen Römerinnen der Spätantike. Das "christliche Flickengedicht" besteht aus 700 Versen und verwendet die Aeneis, die Georgica und die Eklogen des Vergil (70 v.Chr.-†19 v.Chr.), um die christliche Heilsbotschaft im bukolischen Gewand zu transportieren. So erinnert besonders das im Cento geschilderte Paradies an das Arkadien des großen lateinischen Dichters. Vgl. Effe, Bernd, Binder, Gerhard, Antike Hirtendichtung. Eine Einführung, Düsseldorf-Zürich 22001, S.148ff. [Buhlmann, 07.2006]

Childerich (von Tournai) [481/82], Siegelring. Der 1653 im Grab des merowingischen Frankenkönigs Childerich (†481/82) in Tournai aufgefundene Siegelring besaß die lateinische Inschrift: CHILDERICI REGIS. Vgl. Kaiser, Reinhold, Scholz, Sebastian (2012), Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger. Vom 3. Jahrhundert bis 751, Stuttgart 2012, S.19, 226. [Buhlmann, 09.2012]

Chilperich I. [575/84], Ymnus in solemnitate sancti Medardi episcopi ["Hymnus auf den heiligen Bischof Medardus"], in: MGH Poetae Latinae IV,2, S.455ff, in: Kaiser, Reinhold, Scholz, Sebastian (2012), Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger. Vom 3. Jahrhundert bis 751, Stuttgart 2012, S.129ff. Eine der seltenen literarischen und persönlichen "Lebensäußerungen" merowingischer Frankenkönige ist der von König Chilperich I. (561-584) gedichtete Hymnus auf den heiligen Medardus, Bischof von Vermand-Noyon (546-561 bzw. 535-550), und den von diesem bewirkten Wundern. [Buhlmann, 09.2012]

Chronica Magistri ["Magisterchronik (der frühen Kartäuserprioren)"] [1109/75], als: La Chronique des premiers Chartreuse I, hg. v. A. Wilmart, in: RMab 16 (1926), S.77-142. Die wohl u.a. von den Prioren Guigo (I., †1136) und Antelm (†1178) der Chartreuse angefertigte Magisterchronik berichtet auf Latein über das Leben und die Taten der ersten fünf Kartäuserprioren der (Grand) Chartreuse von Bruno von Köln (ca.1084-1090) bis Guigo I. (1109-1136). Vgl. Bruno, Guigo, Antelm, Epistulae Cartusianae. Frühe Kartäuserbriefe. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Gisbert Greshake (= FC 10), Freiburg-Basel-Wien 1992, S.83. [Buhlmann, 07.2012]

Chronica Montis Sereni. Chronicon Montis Sereni ["Chronik vom Petersberg", "Chronik vom Lauterberg"] [vor 1240], als: Incerti auctoris Chronica Montis Sereni, hg. v. F.A. Eckstein, Halle 1856; Chronica Montis Sereni, hg. v. E. Ehrenfeuchter, in: MGH. Scriptores (in Folio), Bd.23: [Chronica aevi Suevici], hg. v. G.H. Pertz u.a., 1864, Nachdruck Stuttgart 1986, S.130-226; Chronik vom Petersberg. Genealogie der Wettiner, übers. v. Wolfgang Kirsch, Halle 1996, S.9-227. Ein unbekannter Kanoniker des Augustinerchorherrenstifts Lauterberg (später: Petersberg; nördlich von Halle) schrieb gegen 1240 die Chronik seiner Gemeinschaft von deren Gründung im Jahr 1124 bis zum Jahr 1225. Im Vordergrund stehen die Ereignisse um das Kanonikerstift (Gründung durch die Wettiner, Besitzausstattung, wettinische Grablege, Auseinandersetzungen zwischen Propst und Kapitel, Streitigkeiten im Stift unter Propst Dietrich [ab 1212]). Die annalistisch (nach Jahren untergliederte) Chronik berichtet weiter über Kaiser- und Papstgeschichte sowie (ost-) sächsische Geschichte (Markgrafen von Wettin), zeigt das Stift Lauterberg in Verbindung mit (Erz-) Bistümern (Halberstadt, Magdeburg, Naumburg), Stiften und Klöstern (Berge bei Magdeburg, Neuwerk bei Halle, Nienburg, Pegau), den Päpsten und päpstlichen Legaten (Konrad von Urach). Neben Materialien aus dem Stift Lauterberg und mündlicher Überlieferung benutzte der unbekannte Verfasser der Chronik wohl Annalenwerke benachbarter Klöster sowie die Genealogia Wettinensis, die seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert (früheste Handschrift der Chronik) und im 16. Jahrhundert immer zusammen mit der Chronik überliefert wurde. [Buhlmann, 06.2011]

Chronica urbis Romae > Breviarium Vindobonense

Cicero, [Marcus Tullius] [66 v.Chr.], Rede über den Oberbefehl des C. Pompeius, in: Cicero, Über den Oberbefehl des C. Pompeius. Rede für Archias, übers. v. Otto Schönberger (= RUB 8554), Stuttgart 2001, S.3-31. Die klassisch-lateinische "Rede über den Oberbefehl des Pompejus" hat Marcus Tullius Cicero (*106-†43 v.Chr.) vor der römischen Volksversammlung im Jahr 66 v.Chr. gehalten. Cicero hatte damals das Amt eines Prätors inne, die contio (Rede vor der Volksversammlung) war die erste von Ciceros politischen Reden. Mitten im 3. Mithridatischen Krieg (74-64 v.Chr.) spricht sich der Prätor - darin folgend einem Gesetzesantrag des Tribuns Gaius Manilius - für den Oberbefehl des Gnaeus Pompejus (*106-†48 v.Chr.) in diesem Krieg aus, nachdem Lucius Licinius Lucullus abbefufen worden war und die römische Sache im Krieg gegen König Mithridates von Pontus (120-63 v.Chr.) (und König Tigranes von Armenien) schlecht stand. Für Pompejus als Oberbefehlshaben sprechen laut Cicero dabei: die kritische Lage der römischen Herrschaft in Kleinasien, die Not der mit Rom verbündeten Staaten und Städte, die Steuerausfälle der römischen Steuerpächter, die Vermögensverluste römischer Bürger, die Ehre des römischen Volkes, die Redlichkeit und die Fähigkeiten des Pompejus, die jener im Seeräuberkrieg (67 v.Chr.) hinreichend bewiesen hätte. Verfassungsrechtliche Gründe, die gegen solch einen Oberbefehl sprechen und die von Quintus Catulus, Quintus Hortensius u.a. vorgebracht worden waren, seien demgegenüber in Notzeiten wie der jetzigen zu vernachlässigen. Auch Männer wie Publius Servilius, Gnaeus Lentulus u.a. sprächen sich für Pompejus aus, wiewohl dies - jenseits aller Parteiungen - für den Staat, die Provinzen und die Verbündeten am besten sei. [Buhlmann, 04.2011]

Cicero, [Marcus Tullius] [62 v.Chr.], Rede für den Dichter A. Licinius Archias, in: Cicero, Über den Oberbefehl des C. Pompeius. Rede für Archias, übers. v. Otto Schönberger (= RUB 8554), Stuttgart 2001, S.33-48. Marcus Tullius Cicero (*106-†43 v.Chr.) hielt die Gerichtsrede für den Dichter A. Licinius Archias (*ca.118) im Jahr 62 v.Chr., also im Jahr nach seinem Konsulat. Archias, ein Lehrer des Cicero, war angeklagt worden, unrechtmäßig das römische Bürgerrecht für sich zu beanspruchen. Cicero geht in seiner Rede nur kurz ein auf die rechtlichen Aspekte der Anklage. Vielmehr stellt er im Rahmen seiner auf Bildung und Humanität bezogenen Ideale Archias, Dichtung und Geschichtsschreibung als vorbildhaft und prägend für die römische Kultur dar. Archias wird wohl freigesprochen worden sein; Ciceros Bruder Quintus hatte den Vorsitz im Gericht. [Buhlmann, 04.2011]

Cicero, [Marcus Tullius] [54-51 v.Chr.], De re publica ["Über den Staat"]. In seiner zwischen 54 und 51 v.Chr. verfassten politischen Schrift "Über den Staat", die nur teilweise überliefert ist, diskutiert Cicero in Form eines Dialogs, angesiedelt in einem Gesprächskreis um Scipio den Jüngeren, die Grundlagen politischen Handelns in philosophischer Reflexion (Somnium Scipionis, Ethik, Moral und Gerechtigkeit) und die Theorie der gemischten Staatsform (Verfassung der römischen Republik); der Typus des princeps (dignitas, otium) verkörpert den idealen Staatslenker. Vgl. Narducci, Emanuele (2012), Cicero. Eine Einführung (= RUB 18818), Stuttgart 2012, S.198-215. [Buhlmann, 10.2012]

Cicero, [Marcus Tullius] [51 v.Chr.], De legibus ["Über die Gesetze"]. Ähnlich wie Platon ließ Cicero auf seine Schrift "Über den Staat" seine politische, in Dialogform gehaltene Schrift "Über die Gesetze" folgen, von der nur die ersten drei Bücher erhalten geblieben sind. Darin diskutiert der Autor die Rolle des Naturrechts als Grundlage der staatlichen Gesetze sowie die Rolle der Religion und öffentlichen Moral und mahnt die moralische Erneuerung der römischen Politik und Republik an. Vgl. Narducci, Emanuele (2012), Cicero. Eine Einführung (= RUB 18818), Stuttgart 2012, S.215-220. [Buhlmann, 10.2012]

Cicero, [Marcus Tullius] [46 v.Chr.], Rede für Marcellus. Im Mittelpunkt der schmeichlerischen Rede steht Ciceros Dank an Gaius Julius Caesar (100-†44 v.Chr.) für die Rückkehr des exilierten Caesargegners Marcus Marcellus nach Rom. Marcellus starb allerdings auf der Reise nach Rom. Vgl. Narducci, Emanuele (2012), Cicero. Eine Einführung (= RUB 18818), Stuttgart 2012, S.224f. [Buhlmann, 10.2012]

Cicero, [Marcus Tullius] [46 v.Chr.], Rede für Ligarius. In einem Prozess gegen Ligarius, einem ehemaligen Anhänger des Gnäus Pompeius (*106-†48 v.Chr.), appellierte Cicero in seiner Gerichtsrede erfolgreich an den Gerichtsvorsitzenden Caesar und dessen Milde. Der Prozess endete mit der Begnadigung des Ligarius. Vgl. Narducci, Emanuele (2012), Cicero. Eine Einführung (= RUB 18818), Stuttgart 2012, S.225f. [Buhlmann, 10.2012]

Cicero, [Marcus Tullius] [46 v.Chr.], Brutus. Der mit Lücken überlieferte Dialog "Brutus", gerichtet an den jungen römischen Redner Marcus Junius Brutus, verteidigt in einer Stildebatte Ciceros Art der Rhetorik gegen die damals aufgekommene Strömung eines rhetorischen Attizismus. Cicero stellt seine ars dicendi in historische Zusammenhänge, verweist auf seine Reden gegen Verres und auf den römischen Redner Quintus Hortensius Hortalus. Vgl. Narducci, Emanuele (2012), Cicero. Eine Einführung (= RUB 18818), Stuttgart 2012, S.226ff. [Buhlmann, 10.2012]

Cicero, [Marcus Tullius] [46 v.Chr.], Rede für König Deiotarus. Der galatische Tetrarch Deiotaras war des Verrats an Caesar angeklagt. In Caesars Privathaus hielt Cicero vor Caesar seine Rede zu Gunsten des kleinasiatischen Fürsten, ein Urteil wurde nicht gefällt. Vgl. Narducci, Emanuele (2012), Cicero. Eine Einführung (= RUB 18818), Stuttgart 2012, S.228f. [Buhlmann, 10.2012]

Claudian [Claudius Claudianus] [um oder nach 395 n.Chr.], De raptu Proserpinae ["Raub der Proserpina"]. Claudian (†n.404 n.Chr.), ein heidnisch-christlicher Auftragdichter mit Beziehungen zum Kaiserhof, verfasste De raptu Proserpinae als cantus audax, als Fragment gebliebenes Werk (Buch 1-3) vordergründig über den Mythos vom "Raub der Proserpina" (durch den Unterweltsgott Pluto, gebilligt von Jupiter, unterstützt von Venus, gegen den Widerstand der Ceres, der Mutter Proserpinas). Die Einordnung der Göttergestalten Jupiter, Pluto, Ceres und Proserpina in die Widersprüchlichkeit und Gleichgerichtetheit des mythischen Geschehens macht De raptu Proserpinae mit seinen zeitgeschichtlichen Bezügen (im Polyvalenten des Mythos verschlüsselt) zum Ausdruck von Claudians Humanismus/Humanität (aurea aetas, ferrea aetas des Mythos, Übergang zum Ackerbauzeitalter der Menschheit). Vgl. Kellner, Thomas (1997), Die Göttergestalten in Claudians De raptu Proserpinae. Polarität und Koinzidenz als anthropozentrische Dialektik mythologisch formulierter Weltvergewisserung (= BzA 106), Stuttgart-Leipzig 1997. [Buhlmann, 06.2013]

Cod. = Codex, Handschrift

Codex Augusteus [6. Jahrhundert n.Chr.?]. Von der Handschrift in Capitalis quadrata, die früher Werke des Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.) enthielt, sind nur noch 7 Blätter vorhanden. Die Blätter besitzen Ornamentinitialen, eine Superskription verweist indirekt auf die italienische Adelsfamilie Farnese. Vgl. Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, S.171f. [Buhlmann, 06.2013]

Codex Aureus [Echternach, Nürnberg] [1040/50], als: Grebe, Anja, Codex Aureus. Das Goldene Evangelienbuch von Echternach, Darmstadt 22008, 2011. Der Codex Aureus, ursprünglich aus dem Kloster Echternach, kam 1801 an den Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, 1953/55 an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Die einmalige mittelalterliche Prunkhandschrift, benannt nach ihrem mit Goldtinte niedergeschriebenen zweispaltigen Text, entstand um 1040/50 im Kloster Echternach, im wichtigsten Skriptorium der Salierzeit, wurde für den salischen König Heinrich III. angefertigt und besteht aus 136 foliogroßen (44,5 cm x 31 cm) Pergamentseiten zu 17 Lagen. Der "Echternacher Codex" ist das "Goldene Evangelienbuch", ein Evangeliar der vier neutestamentlichen Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, versehen mit einer Vorrede des Kirchenvaters Hieronymus, des Übersetzers der Vulgata, den Kanontafeln (Evangelienkonkordanzen) und der Einleitung des Carpianus zu den Kanontafeln; es fehlt ein Capitulare Evangeliorum mit den Perikopen. Die zahlreich bebilderte Handschrift enthält am Beginn eine "Majestas Domini"-Darstellung, den Evangelien sind jeweils mit einer Einleitung, dem Evangelistenbild sowie der Incipit- und Initialzierseite vorgeschaltet; am Ende eines Evangeliums steht das Explicit. In den Einleitungsteilen zu den Evangelien ist darüber hinaus in aufwändigen Bildern der "harmonisierte" Christuszyklus (in vier Teilen) zu sehen, von Verkündigung und Geburt über Kindheits- und Wunderszenen bis zu Kreuzigung, Auferstehung und Pfingstwunder. Vier Teppichseiten ergänzen das Bildrepertoire der Handschrift. Der Evangelientext besteht aus karolingischen Minuskeln in Goldschrift, die Initialen sind ornamental-figürlich ausgeführt. Geschützt sind die Pergamentseiten des Evangeliars von einem Prunkeinband, dem wohl 985/91 in Trier für König Otto III. und die Königsmutter und Regentin Theophanu angefertigten goldenen Buchdeckel, versehen auf der Vorderseite mit einer Elfenbeintafel (Kreuzigungsszene) und aufwändigen Goldreliefs (Darstellung der Stifter Otto und Theophanu, der Heiligen Maria, Petrus, Benedikt von Nursia, Willibrord, Bonifatius, Liudger); die Rückseite ist mit byzantinischer Seide bezogen. [Buhlmann, 07.2012]

Codex Aureus [Echternach, Escorial] [1043/46]. Der auf Veranlassung und im Auftrag König Heinrichs III. in Echternach angefertigte Codex Aureus, eine mit Goldtinte geschriebene zweispaltige Evangeliarhandschrift, war für den Dom in Speyer und das Totengedenken an die Eltern Heinrichs, Kaiser Konrad II. (1024-1039) und Gisela, bestimmt. König Heinrich und seine Ehefrau Agnes von Poitou überreichen im Widmungsbild des Codex die Handschrift der Gottesmutter Maria. Das "Diadem der Bücher" enthält neben dem Text der Evangelien eine Vielzahl von aufwändigen Abbildungen und Zierseiten. Vgl. Grebe, Anja, Codex Aureus. Das Goldene Evangelienbuch von Echternach, Darmstadt 22008, 2011, S.122-127. [Buhlmann, 07.2012]

Codex Caesareus [Echternach, Uppsala] [vor 1051]. Für das Goslarer Stift St. Simon und Juda (Weihe der Stiftskirche 1051) ließ Kaiser Heinrich III. den Codex Caesarius als Prunkhandschrift anfertigen. Der Codex ist ein Evangeliar, einspaltig mit braunschwarzer Tinte beschrieben, mit Zierseiten ("Majestas Domini") und Miniaturen versehen. Vgl. Grebe, Anja, Codex Aureus. Das Goldene Evangelienbuch von Echternach, Darmstadt 22008, 2011, S.127f. [Buhlmann, 07.2012]

Codex diplomaticus Salemitanus [13. Jahrhundert, Anfang - 14. Jahrhundert, Ende] ["Chartular des Klosters Salem"], als: Codex Diplomaticus Salemitanus, hg. v. Friedrich von Weech, Tl.I: Urkunden 1134-1266 (= ZGO 35), Karlsruhe 1883, Tl.II: Urkunden 1267-1300 (= ZGO 37), Karlsruhe 1884, Tl.III: Urkunden 1301-1498 (= ZGO 38f), Karlsruhe 1885. Die frühe Überlieferung des 1137/38 gegründeten oberschwäbischen Zisterzienserklosters Salem findet sich hauptsächlich im 1215 unter Abt Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) begonnenen Codex diplomaticus Salemitanus, einem Kopialbuch (Chartular) des 13./14. Jahrhunderts in vier Bänden, die (lateinische) Urkundenabschriften enthalten. Am Beginn des Chartulars findet sich zudem eine Chronik des Klosters von der Gründung bis zum Jahr 1210 (Historia brevis monasterii Salemitani). Vgl. Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.4. [Buhlmann, 03.2006, 10.2012]

Codex Mediceus [vor 494 n.Chr.]. Der Codex Mediceus, nach einer Subskription des römischen Konsuls Turcius Rufius Apronianus Asterius vor 494 niedergeschrieben, enthält fast vollständig die Werke des Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.), des bedeutenden römischen Lyrikers und Epikers. Der Codex wurde in Italien in Capitalis rustica geschrieben und gelangte ins Kloster Bobbio und in der Renaissance über den Philologen Julius Pomponius Laetus (15. Jahrhundert) in den Besitz der Medici-Herzöge (16. Jahrhundert). Vgl. Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, S.12-15, 168f. [Buhlmann, 06.2013]

Codex Palatinus [5. Jahrhundert, Ende/6. Jahrhundert, Anfang]. Der Codex Palatinus enthält in Capitalis rustica fast vollständig die Werke des Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.), des bedeutenden römischen Lyrikers und Epikers. Nach ihrer Entstehung ist der Handschriftentext von drei verschiedenen Personen Korrekturen unterzogen worden (Rezensionen I-III). Vgl. Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, S.169. [Buhlmann, 06.2013]

Codex Romanus [5. Jahrhundert, Ende/6. Jahrhundert, Anfang]. Der Codex Romanus, Vatikan, Cod. Vaticanus Latinus 3867, enthält in Capitalis rustica mit 19 Illustrationen unvollständig die Werke des Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.), des bedeutenden römischen Lyrikers und Epikers. Vgl. Smith, R. Alden (2011), Vergil. Dichter der Römer, Darmstadt 2012, S.169f. [Buhlmann, 06.2013]

Commodian [3./5. Jahrhundert], Carmen Apologeticum ["(Christliches) Verteidigungsgedicht"] ist ein Werk des kirchlichen (nordafrikanischen?) Schriftstellers Commodian, der nur ungefähr ins 3. bis 5. Jahrhundert n.Chr. datiert werden kann. Das Carmen Apologeticum ist eine christliche Verteidungsschrift, in der der Verfasser auf der Grundlage der Cyprian-Schrift Testimoniorum libri adversus Iudaeos (ca.248/50) heftig gegen die Juden polemisiert. Vgl. Tertullian, Adversus Iudaeos. Gegen die Juden. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Regina Hauses (= FC 75), Turnhout 2007, S.148f. [Buhlmann, 12.2016]

Commodian [3./5. Jahrhundert], Instructiones adversus gentium ["Einrichtungen gegen die Heiden"] ist ein Werk des kirchlichen (nordafrikanischen?) Schriftstellers Commodian. In seinen Instructiones, einer Sammlung von akrostichisch aufgebauten Gedichten, polemisiert Commodian u.a. auch gegen die Juden. Vgl. Tertullian, Adversus Iudaeos. Gegen die Juden. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Regina Hauses (= FC 75), Turnhout 2007, S.148f. [Buhlmann, 12.2016]

Consolatio ad Liviam ["Tröstung der (Kaiserin) Livia"] [nach 9 v.Chr.]. Die Consolatio ad Liviam ist ein auf Latein verfasstes Gedicht, eine Trostschrift an die Kaiserin Livia, die Frau des Augustus (27 v.Chr.-14 n.Chr.), deren Sohn Drusus im Jahr 9 v.Chr. verstorben war. Fälschlicherweise wurde die Consolatio ad Liviam dem römischen Dichter Ovid zugeschrieben. Vgl. Volk, Katharina (2012), Ovid. Dichter des Exils, Darmstadt 2012, S.30. [Buhlmann, 07.2012]

De constructione castri Saphet ["Über die Errichtung der Burg Safed"] [1240/43]. Anlässlich der durch den Kreuzfahrer Richard von Cornwall (†1272) vertraglich (1240) erworbenen Reste der (1219 geschliffenen) Templerburg Safed und des Wiederaufbaus der Burg 1240/43 verfasste ein Unbekannter aus dem Gefolge des sich auf Pilgerreise befindlichen Marseiller Bischofs Benoit d'Alignan seine Schrift De constructione castri Saphet, in der er über Baumaßnahmen und Baukosten berichtet. Vgl. Kessler, Hans-Wolfram, Kessler, Konrad (Hg.) (2013), Ritter im Heiligen Land - Kreuzfahrerstätten in Israel, Darmstadt 2013, S.102f. [Buhlmann, 09.2016]

Craft [weit nach 1208, 1294], Versus magistri Craftonis de nece Philippi regis Romanorum ["Gedicht des Meisters Craft über die Ermordung des römischen Königs Philipp"], in: Fleischer, Andrea (2004), Zisterzienserabt und Skriptorium. Salem unter Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) (= Imagines Medii Aevi, Bd.19), Wiesbaden 2004, S.188f. Die Ermordung König Philipps von Schwaben (1198-1208) am 21. Juni 1208 durch den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (†1209) liefert den Hintergrund für ein aus vier Hexametern bestehendes schulmäßiges "Zahlengedicht", das vom Lehrer Craft anschließend erklärt wird. Das lateinische Gedicht findet sich in einer Handschrift aus dem Zisterzienserkloster Heilsbronn aus dem Jahr 1294. [Buhlmann, 10.2012]

Cruz, Martin de la [1552], Libellus de medicinalibus indorum herbis ["Buch der indianischen Kräutermedizin"]. 1552 ist von dem indianisch-aztekischen Arzt Martin de la Cruz ein Buch über einige hundert indianische Heilpflanzen verfasst worden, das von dem Indianer Juan Badiano ins Lateinische übersetzt wurde. Die lateinische Übersetzung des Libellus war ein Geschenk an den Papst; die Handschrift ist heute noch erhalten. Vgl. Riese, Berthold (2011), Das Reich der Azteken. Geschichte und Kultur, München 2011, S.200f. [Buhlmann, 12.2012]

Culex ["Mücke"] ist ein neoterisches Epyllion, das sich um einen Hirten dreht, der von einer Mücke gestochen und dadurch aus der Todesgefahr durch einen Schlangenbiss gerettet wird. Das Epyllion stammt vielleicht von Publius Vergilius Maro (*70-†19 v.Chr.) und ist im Appendix Vergiliana enthalten. Vgl. Baier, Thomas (2010), Geschichte der römischen Literatur (= BSR 2446), München 2010, S.19. [Buhlmann, 01.2013]

Curtius Rufus, Quintus [1.-4. Jahrhundert n.Chr.], Historiae Alexandri Magni ["Geschichte Alexanders des Großen"], als: Quintus Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni. Geschichte Alexanders des Großen. Lateinisch/Deutsch, übers. v. Felicitas Olef-Krafft (2014) (= RUB 19813), Stuttgart 2014. Der römische Historiker Quintus Curtius Rufus, dessen Lebensdaten völlig unbekannt sind und der von daher nur in die römische Kaiserzeit verortet werden kann (1. Jahrhundert?), schrieb die aus zehn Büchern bestehenden Historiae Alexandri Magni, von denen Buch III bis X weitgehend erhalten geblieben sind. Buch III setzt ein beim Feldzug König Alexanders III. des Großen von Makedonien (336-323 v.Chr.) nach der Schlacht am Granikos (334 v.Chr.) und mit der Episode um den Gordischen Knoten. Es folgen bis Buch X: Schlacht bei Issos (333 v.Chr.), Belagerung von Tyrus (332 v.Chr.), Besetzung Ägyptens (332/31 v.Chr.), Orakel von Siwa, Schlacht bei Arbela/Gaugamela (331 v.Chr.), Einnahme Babylons, Vordringen nach Persien und Medien, Ermordung des Perserkönigs Dareios III. (336-330 v.Chr.) durch Bessos, (angebliche) Niederbrennung von Persepolis (330 v.Chr.), Vorstoß nach Baktrien (330/29 v.Chr.), Feldzug in Sogdien und Spitamenes (329-327 v.Chr.), Tötung des Kleitos (328/27 v.Chr.), Heirat Alexanders und Roxanes, Pagenverschwörung (327 v.Chr.), Indienfeldzug (326/25 v.Chr.) und Schlacht am Hydaspes (326 v.Chr.), Zug durch Gedrosien, Flottenexpedition des Nearchos (326/24 v.Chr.), Harpalos-Affäre (324 v.Chr.), Massenhochzeit in Susa, Revolte makedonischer Truppen in Opis, Tod Hephaistons (324 v.Chr.), Tod Alexanders (10. Juni 323 v.Chr.), Überführung des Leichnams nach Ägypten, politische Weichenstellungen nach dem Tod Alexanders durch die zukünftigen Diadochen. Curtius Rufus stellt in seiner Schilderung die Person des Königs und erfolgreichen Heerführers, dessen persönliche Stärken und Schwächen, in den Vordergrund. Dabei führt der Autor unterschwellig "ödipale Strukturen" auf (Alexander der Große in Bezug auf seinen Vater Philipp II. [359-336 v.Chr.] und seine Mutter Olympias; merós, Amazonenkönigin). [Buhlmann, 12.2014]

Cuthbert [nach 735], Brief an den Konlektor Cuthwin, als: Colgrave, B., Mynors, R.A.B. (Hg., Übers.), Bede's Ecclesiastical History, Oxford 1969, S.580-587. Der Diakon Cuthbert, der später Abt des northumbrischen Doppelklosters wurde (bezeugt 763/64), berichtet in seinem Brief an den Konlektor Cuthwin vom Tod des angelsächsischen Mönchs und Gelehrten Beda Venerabilis (*672/73-†735). Er beschreibt Beda als einen Gelehrten, der bis zu seinem Tod als Lehrer für seine Schüler tätig war, und als einen Mönch, der das monastische Regelwerk verinnerlicht hatte und daher bis zuletzt an der klösterlichen Lebensweise festhielt, um als "Diener Gottes" zu sterben. Nach Cuthbert war Beda ein Mensch, ausgestattet mit den christlichen Tugenden der Freude, Dankbarkeit, Einfachheit, Demut und Friedfertigkeit. [Buhlmann, 08.2010]

Cyprian von Karthago [um 248/50], Testimoniorum libri adversus Iudaeos, Ad Quirinus (testimoniorum libri tres) ["Bücher von Zeugnissen gegen die Juden"]. Die Schrift des nordafrikanischen Christen, Bischofs und Märtyrers Cyprian von Karthago (*200/10-†258 n.Chr.) steht rezeptionsgeschichtlich in der Nachfolge der Schrift "Gegen die Juden" des christlichen Schriftstellers Tertullian (*135/160-†n.220 n.Chr.) und wiederholt als Materialsammlung (Blütenlese) im Wesentlichen die Argumentation Tertullians: Versagen der Juden als Gottesvolk, Christen als neues Gottesvolk, Rolle von Jesus Christus und christliche Ethik. Vgl. Tertullian, Adversus Iudaeos. Gegen die Juden. Lateinisch-Deutsch, übers. v. Regina Hauses (= FC 75), Turnhout 2007, S.145ff. [Buhlmann, 12.2016]

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